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Das Geschäft mit der Gesundheit

Analyse des medizintouristischen Angebotes für den Quellmarkt Deutschland

Diplomarbeit 2008 104 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

I Inhaltsverzeichnis

II Abbildungsverzeichnis

III Tabellenverzeichnis

IV Vorbemerkungen

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Medizintourismus im Dschungel der gesundheitstouristischen Begriffe
2.1 Definition des Medizintourismus
2.2 Einordnung und Abgrenzung des Medizintourismus

3 Der globale Medizintourismusmarkt
3.1 Historische Entwicklung des Medizintourismus
3.2 Aktuelle Bedeutung des Medizintourismus
3.2.1 Der Markt für Medizintourismus in Deutschland
3.2.2 Ausmaß des Medizintourismus aus Deutschland
3.2.3 Ursachen für den Medizintourismus aus Deutschland
3.2.4 Prognose für den Medizintourismus aus Deutschland

4 Das medizintouristische Angebot für den Quellmarkt Deutschland
4.1 Infrastruktur
4.2 Produkt
4.2.1 Reiseart und -umfang
4.2.2 Qualität
4.3 Markenbildung
4.4 Distributionskanäle
4.4.1 Die medizinische Einrichtung
4.4.2 Patientenvermittler
4.4.3 Internet-Datenbanken
4.5 Kommunikationskanäle
4.6 Zielmarkt
4.7 Nutzenvorteile
4.7.1 Ökonomische Vorteile
4.7.2 Wartezeitverkürzung
4.7.3 Medizinische Vorteile
4.7.4 Qualitätsvorteile
4.7.5 Servicevorteile
4.7.6 Reisemöglichkeiten
4.7.7 Gesellschaftliche Vorteile
4.7.8 Persönliche Vorteile
4.8 Rechtsstruktur
4.9 Soziale und Wirtschaftliche Aspekte

5 Finanzierung von Medizinreisen
5.1 Preisanalyse
5.1.1 Vorbemerkung
5.1.2 Vorgehen
5.1.3 Durchführung
5.1.4 Ergebnisse
5.1.5 Begründung
5.2 Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen
5.2.1 Innerhalb des EWR bzw. der Schweiz
5.2.2 Außerhalb des EWR bzw. der Schweiz
5.2.3 Allgemeine Grundsätze

6 Zusammenfassung

7 Fazit

8 Ausblick

V Literatur- und Quellenverzeichnis

VI Anhang

Eidesstattliche Erklärung

II Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Segmente des Medizintourismus auf einen Blick

Abbildung 2: Eigenschaften des Freiwilligen Patiententourismus

Abbildung 3: Die Segmente des Gesundheitstourismus auf einen Blick

Abbildung 4: Medizintouristische Destinationen

Abbildung 5: Beschreibung des Medizintourismusmarktes

Abbildung 6: Das medizintouristische Angebot für Deutschland

Abbildung 7: Servicekette einer Medizinreise

Abbildung 8: Raum-zeitliche Ausdifferenzierung des medizintouristischen Angebotes

Abbildung 9: Distributionskanäle des Medizintourismus

III Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Beispiele Primärer Angebote für den Quellmarkt Deutschland

Tabelle 2: Spezialisierung medizinischer Leistungen verschiedener Destinationen

Tabelle 3: Preisanalyse der Kosmetischen und Plastischen Chirurgie

Tabelle 4: Ersparnisanalyse der Kosmetischen und Plastischen Chirurgie

Tabelle 5: Preisanalyse der Zahnmedizin, Orthopädie, Kardiologie und der Augenheilkunde

Tabelle 6: Ersparnisanalyse der Zahnmedizin, Orthopädie, Kardiologie und der Augenheilkunde

Tabelle 7: Länder mit der Möglichkeit zur Inanspruchnahme medizinischer Leistungen (EWR-Staaten)

IV Vorbemerkungen

Die verschiedenen medizinischen Einrichtungen und Patientenvermittlungsagenturen, die für die Analyse dieser Arbeit herangezogen wurden, sind nicht von der Autorin persönlich besucht worden. Es fand, abgesehen von vier Expertengesprächen mit Mitarbeitern von Patientenvermittlungsagenturen (s. Anhang 3 bis Anhang 6), auch kein weiterer persönlicher Austausch mit den Agenturen und medizinischen Einrichtungen statt. Der Leser sollte verstehen, dass ein solcher Aufwand im Rahmen einer Diplomarbeit, die zeitlichen Rahmenbedingungen unterliegt, nicht möglich ist. Die Ergebnisse der Untersuchung beruhen daher auf der Auswertung von Sekundärliteratur und der für jedermann zugänglichen Informationen der Websites verschiedener medizintouristischer Anbieter. Eine Bewertung der Leistungserbringer durch den Autor findet daher nicht statt und ist auch nicht Sinn und Zweck dieser Arbeit, da es in erster Linie um die Beschreibung des medizintouristischen Angebotes für den Quellmarkt Deutschland geht und nicht um dessen Bemessung. Potenzielle Medizintouristen sollten sich deshalb, trotz der umfangreichen Informationen dieser Arbeit, über alle wichtigen Leistungen und Qualifikationen der medizintouristischen Anbieter zusätzlich selbst informieren. Zu oft gibt es Änderungen und Korrekturen in der fortschreitenden Entwicklung dieser Branche, als das man mit dem Inhalt dieser Arbeit eine verbindliche Aussage zu dem medizintouristischen Angebot von morgen machen könnte.

1 Einleitung

Der Gesundheitstourismus boomt. Er hat sich als viel versprechender Markt an der Schnittstelle zwischen Gesundheit und Tourismus platziert und wird in vielen EU-Ländern, aber auch weltweit, schon lange praktiziert. Gründe für die kontinuierlich steigende Nachfrage gesundheitstouristischer Angebote gibt es viele. Einer der wichtigsten ist wohl die zunehmende Investitionsbereitschaft der Menschen in ihre Gesundheit, weil diese einen immer höheren Stellenwert in der Gesellschaft einnimmt und sich die Menschen ihrer Eigenverantwortung der Gesundheit gegenüber bewusster werden. Einhergehend mit dieser Entwicklung entstehen zahlreiche gesundheitstouristische Trends und Strömungen, so dass der Markt aktuell ein fast unüberschaubares Angebot an Gesundheitsdienstleistungen und -gütern offeriert. Im Zuge dieser Überschwemmung des Marktes taucht auch der Begriff des Medizintourismus immer häufiger auf. Die meisten Experten sind sich darüber einig, dass dieser mehr als nur eine „Modeerscheinung“ ist und sich auf dem gesundheitstouristischen Markt auf dem Vormarsch befindet. Die Marktentwicklung und Prognosen sind durchgängig positiv und unterstreichen die zunehmende Bedeutung der Rolle des Medizintourismus im Fremdenverkehrsgewerbe.

1.1 Problemstellung

Aber was genau ist eigentlich Medizintourismus? Die für die vorliegende Arbeit durchgeführten Interviews haben gezeigt, dass selbst die Experten sich darüber noch nicht ganz einig sind. Auch viele Touristen sind überfragt und hilflos. Die meisten finden sich im aktuellen Dschungel der gesundheitstouristischen Begriffe nicht mehr zurecht. Wellness, Kuren, Heilbäder, Rehabilitation, Erholungsurlaub; die Liste scheint unendlich. Viele dieser Begriffe werden fälschlicherweise gleichgesetzt. Doch mit der Entwicklung der letzten Jahre und der steigenden Ausdifferenzierung der einzelnen gesundheitstouristischen Marktsegmente ist dies nicht mehr haltbar.

Die fortschreitende Privatisierung der Arztkosten in Deutschland sowie die immer größer werdende Selbstbeteiligung, lassen die Kosten für medizinische Dienstleistungen und Medikamente explodieren und sind nur zwei von vielen Gründen für die kontinuierliche Entwicklung des medizintouristischen Marktes. Auch die Medien tragen ihren Teil dazu bei, indem sie immer öfter über medizinische Behandlungen im Ausland berichten, bei denen bis zu einem Zehntel an Kosteneinsparungen möglich sind. Die deutschen Patienten werden aktiv und suchen zunehmend nach kostengünstigen Behandlungen im Ausland, um das beste Preis- und Leistungsverhältnis zu erlangen und damit ihre Gesundheitsausgaben zu reduzieren. Daher verwundert es nicht, dass das medizintouristische Angebot für den Quellmarkt Deutschland immer vielfältiger und die Menge der Anbieter immer zahlreicher werden. Doch wie genau lassen sich der Markt und das Angebot charakterisieren? Wer vermittelt Medizinreisen und wie sehen die Serviceleistungen der Anbieter im Einzelnen aus? Welche Destinationen und medizinischen Leistungen werden angeboten? Wie günstig sind die Operationen im Ausland wirklich und wie können diese finanziert werden? Die Patienten tappen noch häufig im Dunkeln, da es bislang nur wenig Literatur und Untersuchungen zu dieser Thematik gibt und viele Fragen deshalb unbeantwortet bleiben.

1.2 Zielsetzung

Das Ziel dieser Arbeit ist die Analyse und strukturelle Aufarbeitung des medizintouristischen Angebotes für den Quellmarkt Deutschland. Dabei soll der Medizintourismus als neue touristische Erscheinungsform definiert und in den gesundheitstouristischen Markt eingeordnet werden. Die bisherige Entwicklung, die aktuelle Bedeutung und die Potentiale dieses Marktes sollen analysiert, diskutiert und zusammen mit allen Aspekten der medizintouristischen Angebotsvielfalt anschaulich dargestellt werden.

1.3 Aufbau der Arbeit

Die Untersuchung des medizintouristischen Angebotes erfolgt anhand der Auswertung von Sekundärliteratur und Experteninterviews (s. Anhang 3 bis Anhang 6), die mit Patientenvermittlungsagenturen für Medizinreisen durchgeführt wurden. Die vorliegende Arbeit wurde dazu in sieben Kapitel unterteilt. Das einleitende Kapitel soll auf die Thematik hinführen und die ausgesuchte Vorgehensweise erklären. Um daraufhin mit der Analyse des medizintouristischen Angebotes für den deutschen Markt beginnen zu können, ist es vorab erforderlich, den Begriff Medizintourismus klar abzugrenzen, um eine Ordnung in das Chaos der gesundheitstouristischen Begriffe zu bringen. Daher wird im zweiten Kapitel zunächst eine allgemein verständliche Definition des Medizintourismus hergeleitet, um anschließend eine Abgrenzung und Einordnung dieses Segmentes in den Gesundheitstourismusmarkt vornehmen zu können. Im dritten Kapitel werden die Entstehung und die Marktentwicklung des Medizintourismus und seine Ausmaße in Deutschland beschrieben. Dabei wird versucht, dem Leser eine Vorstellung davon zu geben, wie stark sich dieser Markt in den letzten Jahren in Deutschland entwickelt hat, welche Ursachen dafür entscheidend waren und welche Zukunftsperspektiven er bereithält. Im Zuge dieser ersten Kapitel werden auch die theoretischen Grundlagen für die vorliegende Arbeit geklärt, die für das Verständnis und die Eingrenzung der Untersuchung notwendig sind. Anhand der Marktbestandteile wird das medizintouristische Angebot auf dem deutschen Gesundheitsmarkt im vierten Kapitel analysiert und charakterisiert. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Untersuchung und Beschreibung des Produktes Medizintourismus und der Darstellung der Bandbreite von Anbietern, Destinationen und Leistungen. Den finanziellen Aspekten einer Medizinreise widmet sich das fünfte Kapitel der vorliegenden Arbeit. Hier werden die Unsicherheiten der potenziellen Medizintouristen hinsichtlich der Preise und möglicher Kosteneinsparungen behoben und die Fragen der Patienten zur Leistungsübernahme der gesetzlichen Krankenversicherungen beantwortet. Abschließend findet eine Zusammenfassung der Ergebnisse statt, gefolgt von ihrer Interpretation verbunden mit einem Fazit und einem Ausblick.

2 Medizintourismus im Dschungel der gesundheitstouristischen Begriffe

Der Medizintourismus wird oftmals irrtümlich mit dem Begriff Gesundheitstourismus gleichgesetzt. Nicht nur im alltäglichen Sprachgebrauch der Touristen, sondern auch in den Medien und in der Literatur werden diese beiden Begriffe heute fälschlicherweise austauschbar angewandt. Dieses Problem trifft auch auf die verschiedenen anderen Formen des Gesundheitstourismus zu. Sowohl der Wellnesstourismus als auch der Kur-, der Heilbäder- und der Erholungstourismus etc. sehen sich der steigenden Verunsicherung und Orientierungslosigkeit der Konsumenten bezüglich der Einordnung und Abgrenzung der gesundheitstouristischen Segmente gegenüber. Die Hauptgründe für diese verwirrende Vielfalt sind die fließenden Grenzen der einzelnen Marktsegmente und das Versäumnis der gesundheitstouristischen Anbieter die Unwissenheit der Nachfrageseite zu beheben. Es besteht infolgedessen die Notwendigkeit der Präzisierung des Produktes Medizintourismus. Aus diesem Grund wird im Folgenden versucht, eine allgemein verständliche Definition für den Medizintourismus zu finden, um jegliche Verständnisprobleme bezüglich des Begriffes aus dem Weg zu räumen und um zu verdeutlichen, auf welchen Gegenstand sich die vorliegende Analyse des medizintouristischen Angebotes für den Quellmarkt Deutschland bezieht. Gleichermaßen wichtig ist es jedoch auch zu klären, wie sich der Medizintourismus in den gesundheitstouristischen Markt eingliedert. Dafür wird anschließend an die Definition der Markt des Gesundheitstourismus in seinen einzelnen Ausprägungen dargestellt, um eine notwendige Abgrenzung des Medizintourismus vornehmen zu können.

2.1 Definition des Medizintourismus

Der Begriff Medizintourismus (eng. medical tourism) setzt sich augenscheinlich aus den beiden Wörtern „Medizin“ und „Tourismus“ zusammen. Er beschreibt dementsprechend einen Trend, der sowohl touristische Eigenschaften als auch medizinische Merkmale aufweist. Es liegt infolgedessen nahe, eine Definition zu finden, welche die Einbeziehung dieser beiden Charaktere berücksichtigt. Weiterhin fällt auf, dass der Begriff des Medizintourismus durch den regen Gebrauch des Wortes in den Medien massenhaft Synonyme bereitstellt. Die Vokabeln „Patiententourismus“, „Kliniktourismus“ und „Operationstourismus“ werden austauschbar für den Medizintourismus in der Literatur und den Medien verwendet und deswegen auch in dieser Arbeit entsprechend angewandt. Die Definition sollte demzufolge versuchen, diese sinnverwandten Worte bei ihrer Erklärung mit einzubeziehen.

Barth und Werner beschreiben den Kliniktourismus als Bewegung von Patienten „…auf der Suche nach einem Land, in dem Qualität und Preis medizinischer Leistungen am Besten zusammenpassen“ (Barth/ Werner 2005, S.55f.). Rulle achtet dagegen deutlich mehr auf Details und schlägt eine Definition vor, welche den Patiententourismus als „…den grenzüberschreitenden Verkehr von Patienten, die aus unterschiedlichen Gründen eine medizinische Dienstleistung im Ausland in Anspruch nehmen“ erklärt (Rulle 2004, S.40). Diese beiden Begriffsbestimmungen sind als Ansatz sehr nützlich, da sie sowohl den touristischen Gesichtspunkt, als auch das medizinische Merkmal benennen. Sie versäumen es jedoch beide Aspekte genauer zu erläutern und lassen außer Acht, dass auch Patientenströme innerhalb eines Landes zum Medizintourismus dazuzählen. Böhm hat diesen Fehler erkannt und schließt in ihrer Definition des Kliniktourismus neben der Behandlung deutscher Patienten im Ausland und der Reise ausländischer Patienten nach Deutschland auch die wohnortferne Nachfrage medizinischer Dienstleistungen von Deutschen innerhalb Deutschlands mit ein (vgl.Böhm 2007, S.5). Diese Ansicht wird auch von der Tourismusdefinition der Welttourismusorganisation (WTO) unterstützt, nach der Touristen jene Personen sind, „…die zu Orten außerhalb ihres gewöhnlichen Umfeldes reisen und sich dort für nicht mehr als ein Jahr aufhalten aus Freizeit- oder geschäftlichen Motiven, die nicht mit der Ausübung einer bezahlten Aktivität am besuchten Ort verbunden sind“ (WTO, zitiert nach Uherek 2008). Dementsprechend gehören dem Medizintourismus auch jene Patienten an, welche innerhalb ihres eigenen Landes medizinische Dienstleistungen in Kliniken nachfragen, die außerhalb ihres gewöhnlichen Wohn- und Aufenthaltsortes liegen.

Eine umfassende Begriffsbestimmung, die alle hier diskutierten Aspekte berücksichtigt, findet sich leider in der deutschen Literatur noch nicht, deswegen ist es unerlässlich, diese zu erstellen. Die Autorin schlägt als solche und als Grundlage für die vorliegende Arbeit folgende Definition vor:

Medizintourismus ist ein Synonym für die Begriffe Patienten-, Klinik- und Operationstourismus und beschreibt die Bewegung von Patienten, die aus unterschiedlichen Gründen medizinische Dienstleistungen an Orten außerhalb ihres gewöhnlichen Umfeldes in Anspruch nehmen, wobei der Aufenthalt die Dauer eines Urlaubes nicht überschreitet und vielfach mit der Nachfrage touristischer Aktivitäten kombiniert wird.

Die weitere Auseinandersetzung mit dieser Definition und den unterschiedlichen Gründen für eine Medizinreise führt zu der Erkenntnis, dass sich der Medizintourismus in zwei Segmente aufgliedern lässt. In Anlehnung an Rulle, werden diese beiden Patientenströme als „Freiwilliger Patiententourismus“ und „Staatlicher Operationstourismus“ bezeichnet und können wie folgt charakterisiert werden (vgl.Rulle 2005, S.133f.): Der Freiwillige Patiententourismus basiert auf der Hauptmotivation der Patienten, einen geringeren Preis für die Behandlung im In- oder Ausland zahlen zu müssen. Dieser muss trotz der Reisekosten den Aufwand der Patientenbewegung rechtfertigen. Repräsentative Beispiele hierfür sind alle medizinischen Eingriffe, deren Kosten der Patient komplett oder zu einem großen Teil selbst tragen muss, wie z.B. Schönheitsoperationen oder Zahnbehandlungen. Der Staatliche Operationstourismus entsteht durch nationale Versorgungsengpässe, durch die die Patienten gezwungen sind, medizinische Dienstleistungen im Ausland nachzufragen. Ein charakteristisches Beispiel hierfür sind norwegische Patienten, deren Krankenkassen sie für orthopädische Eingriffe in Kliniken in Norddeutschland überweisen, weil die Wartelisten für derartige Behandlungen im Heimatland zu lang sind. Die Kosten der Reise werden dabei selbstverständlich von den zuständigen Krankenkassen übernommen.

In einer zweiten Publikation nimmt Rulle dieselbe Unterteilung des Medizintourismus vor, fügt jedoch noch einige Abgrenzungsmerkmale hinzu (vgl.Rulle 2005, S.40f.). Demnach nutzen die Konsumenten des Freiwilligen Patiententourismus nur teilweise die aufgesuchten Kliniken als Schlafstätte und werden hauptsächlich in Kurunterkünften oder Hotels beherbergt, während die Akteure des Staatlichen Operationstourismus überwiegend in den Krankenhäusern übernachten. Ein weiteres wichtiges Unterscheidungskriterium ist, dass die Wahl der Destination dem Teilnehmer des Staatlichen Operationstourismus nicht selbst überlassen ist, da diese im Unterschied zu den Freiwilligen Patiententouristen vom Staat ins Ausland geschickt werden und die Patientenbewegung nicht auf Eigenmotivation beruht.

Der Freiwillige Patiententourismus lässt sich im Gegensatz zum Staatlichen Operationstourismus in zwei verschiedene Reiseformen aufspalten (vgl.Fox 2006, S.5): Medizinreisen, deren Hauptmotivation die wohnortferne Nachfrage einer medizinischen Leistung ist, und Patientenreisen, die eine medizinische Behandlung mit einem Urlaub und touristischen Aktivitäten kombinieren. Die Unterscheidung dieser beiden Reiseformen ist elementar, da sie sowohl Auswirkungen auf die Klinik- und Destinationswahl haben kann, als auch auf die Reisedistanz und -dauer. Um die zwei beschriebenen Reisearten des Freiwilligen Patiententourismus voneinander abzugrenzen, werden sie in dieser Arbeit Touristische Patientenreise und Medizinische Patientenreise genannt. Für den Staatlichen Operationstourismus trifft diese Unterteilung nicht zu, da die Reiseentscheidung der Patienten keine eigene ist, sondern von den überweisenden Krankenkassen bestimmt wird. Infolgedessen werden neben der An- und Abreise keine weiteren touristischen Dienstleistungen nachgefragt, weil es einzig und allein um die Inanspruchnahme der medizinischen Dienstleistung geht. Die nachstehende Abbildung verdeutlicht die einzelnen Segmente des Medizintourismus noch einmal (s.Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Segmente des Medizintourismus auf einen Blick

Gegenstand der Analyse des medizintouristischen Angebotes für den Quellmarkt Deutschland wird in der vorliegenden Arbeit nur das Segment des Freiwilligen Patiententourismus sein, da dem Staatlichen Operationstourismus im deutschen Gesundheitssystem noch wenig bis gar keine Bedeutung beigemessen wird. Die Untersuchung der einzelnen Faktoren und Angebotsbestandteile wird sich sowohl auf die Touristische als auch auf die Medizinische Patientenreise beziehen.

Zu beachten dabei ist auch, dass diese beiden Reiseformen sich wieder in Unterkategorien aufteilen lassen, nach denen sich der Charakter der jeweiligen Reise ergibt. So muss die freiwillige Patientenreise differenziert werden in: Krankheitsorientierte Reisen , die der Beseitigung eines Krankheitszustandes dienen durch Eingriffe wie Zahnbehandlungen oder Transplantationen, und in Nicht-Krankheitsorientierte Reisen , bei denen z.B. medizinische Check-ups oder kosmetische Eingriffe nachgefragt werden. Innerhalb dieser beiden Sparten wird abermals unterschieden zwischen zwei Formen: Die Ambulante Medizinreise , wobei der Gast die medizinische Leistung zwar in einer Praxis oder Klinik nachfragt, jedoch aufgrund seines medizinisch stabilen Zustandes nicht dort unterkommt, sondern seinen Schlafplatz selbst wählt. Und die Stationäre Medizinreise , bei welcher der Patient in der Klinik übernachtet, weil er weiterer medizinischer Behandlungen oder Beobachtungen bedarf. Die folgende Abbildung verdeutlicht die Eigenschaften der Freiwilligen Patientenreise nochmals (s.Abbildung 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Eigenschaften des Freiwilligen Patiententourismus

Diese Unterteilung gilt nicht für den Staatlichen Operationstourismus, da dieser in jedem Fall krankheitsorientiert ist und stationären Charakter hat, weil er sich nur auf krankheitsbedingte, notwendige Operationen bezieht, die einen stationären Aufenthalt erfordern.

2.2 Einordnung und Abgrenzung des Medizintourismus

Eine Einordnung des Medizintourismus und die Abgrenzung zu anderen Tourismusformen sind nicht einfach. Dadurch, dass diese Fremdenverkehrsform ein relativ neues Phänomen auf dem deutschen Tourismus- und Gesundheitsmarkt darstellt, lässt sich lediglich wenig Literatur darüber finden. Einige Experten allerdings haben sich mit diesem Thema schon befasst und sich an einer Einordnung und Abgrenzung des Medizintourismus versucht. Leider besteht immer noch eine große Meinungsvielfalt hinsichtlich dieser Fragestellung. Eines jedoch haben alle Versuche gemeinsam: Die Hypothese, dass der Medizintourismus als ein Segment des Gesundheitstourismus anzusehen ist. Es liegt nahe, dass diese Theorie zutreffend ist, da der Gesundheitstourismus entsprechend des Wortlautes gesundheitsorientierte touristische Aktivitäten umfasst, zu denen dementsprechend auch die medizintouristische Inanspruchnahme ärztlicher Behandlungen zählt. Die umfassendste Definition des Gesundheitstourismus, welche diese Theorie unterstützt, findet sich bei Kaspar, der den Gesundheitstourismus als die „…Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Ortsveränderung und dem Aufenthalt von Personen zur Förderung, Stabilisierung und gegebenenfalls Wiederherstellung des körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens unter der Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsächlicher noch dauernder Wohn- noch Arbeitsort ist“ beschreibt (Kaspar 1996/1, S.53).

Die Experten tun sich jedoch noch schwer damit den Gesundheitstourismusmarkt einheitlich zu segmentieren. Das Verständnis der verschiedenen Bereiche und ihre Abgrenzungsmerkmale gegenüber dem Medizintourismus unterscheiden sich bei den Autoren beachtlich. Während der Kur- und der Rehabilitationstourismus oftmals als Sparten des Gesundheitstourismus angesehen werden, bestehen große Meinungsverschiedenheiten darüber, welche weiteren Unterarten existieren (vgl.Müller und Lanz 1998, S.486 und Rulle 2002, S.75). Barth und Werner z.B. nehmen eine Unterteilung des Marktes in Klinik-, Kur- und Wellnesstourismus vor. (vgl.Barth/ Werner 2005, S.14f.). Auch Böhm teilt den Gesundheitstourismus in diese drei Segmente ein, benennt den Kurtourismus jedoch in Präventions-/ Rehabilitationstourismus um (vgl.Böhm 2007, S.5). Albaner und Grozea-Helmenstein sind ähnlicher Ansicht, differenzieren jedoch zwischen Kur- und Rehabilitationstourismus und fügen noch die Sparte des Fitnesstourismus hinzu (vgl. Albaner/ Grozea-Helmenstein 2002, S. 29). Die aktuellste und treffendste Unterteilung findet sich jedoch nach Auffassung der Autorin bei Scholz. Er sieht den Gesundheitstourismus als Oberbegriff für zwei verschiedene Bereiche: Die medizinische Gesundheitsreise, welche alle Formen der gesundheitstouristischen Angebote umfasst, die der Heilung eines krankhaften Zustandes dienen, wie z.B. dem Kur-, Rehabilitations- oder Kliniktourismus, und der Gesundheitsurlaub, der alle Formen des Gesundheit erhaltenen Tourismus einschließt, wie z.B. dem Fitness- oder Wellnessurlaub (vgl.Scholz 2001, S.63).

Unter Berücksichtigung der hier vorgestellten Meinungen der Experten und in Anlehnung an die Differenzierung von Scholz schlägt die Autorin vor, den Gesundheitstourismus wie folgt zu differenzieren (s.Abbildung 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Die Segmente des Gesundheitstourismus auf einen Blick

Das für die Unterteilung und Abgrenzung angewendete Untersuchungsmerkmal basiert auf einer Feststellung von Rulle, nach der sich die graduellen Unterschiede innerhalb des Gesundheitstourismus „…vor allem aus dem Maß der Anwendung schulmedizinischer Verfahren ergeben" (Rulle 2005, S.131). Demnach lässt sich der Gesundheitstourismus in zwei große Sparten unterteilen: Die Präventive Gesundheitsreise , deren Unterformen alle Angebote umfassen, die der Krankheitsvorbeugung und damit der Gesundheitserhaltung dienen. Und die Medizinische Gesundheitsreise , die neben dem Medizintourismus alle Reisen einschließt, deren Umfang der Anwendung schulmedizinischer Verfahren weitaus höher ist, als bei den präventiven Gesundheitsreisen, da das Hauptreiseziel hier in der Beseitigung krankhafter Zustände und damit in der Wiederherstellung der Gesundheit liegt. (Die einzige Ausnahme bilden hier die nicht krankheitsorientierten Medizinreisen, die z.B. aufgrund der Durchführung kosmetischer Operationen, oder medizinischer Check-ups wahrgenommen werden). Was dabei nicht vergessen werden darf ist, dass die Grenzen von einem Segment zum nächsten oft fließend sind.

Der Wellnesstourismus kann nach Lanz Kaufmann als die „…Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich mit der Reise und dem Aufenthalt von Personen mit dem Hauptmotiv der Erhaltung oder Förderung ihrer Gesundheit ergeben“ charakterisiert werden (vgl.Lanz Kaufmann 1999, S.11). Wellness-Angebote haben das Ziel, durch ein umfangreiches Leistungsbündel bestehend aus körperlicher Fitness, gesunder Ernährung, Entspannung und geistiger Aktivität, ein ganzheitliches Wohlbefinden für Körper, Geist und Seele während des Urlaubsaufenthaltes herzustellen (vgl.Lanz Kaufmann 1999, S.11). Damit grenzt diese Reiseform sich deutlich vom Medizintourismus ab, da sie weniger den Fokus auf das Medizinische legt und nicht auf Einzelziele der Gesundheitswiederherstellung ausgerichtet ist.

Auch die anderen Formen der präventiven Gesundheitsreise zeigen hier ihr Unterscheidungskriterium zum Medizintourismus. Sowohl der Erholungstourismus, der die „…spontane, primär nicht medizinisch gesteuerte Erholung und Regenerierung der Leistungsfähigkeit...“ zum Ziel hat (Rulle 2004, S.33), als auch der Beautytourismus und der Fitnesstourismus bzw. Sporttourismus, die ohne einen medizinischen Eingriff ablaufen, weisen eine weit aus geringere Anwendung schulmedizinischer Verfahren auf, als es der Medizintourismus tut.

Ein weiteres in der Literatur oft genanntes Segment des präventiven Gesundheitstourismus ist der Gesundheitsorientierte Urlaub. Dieser wird gelegentlich auch mit den Begriffen „Fitnessurlaub bzw. Sporturlaub“, „Freizeitorientierter Gesundheitstourismus“, „Aktiver Urlaub“ oder „Gesundheitstouristischer Urlaub“ beschrieben. Die Angebote, die sich unter diesen Begriffen verbergen sind jedoch nahezu identisch. Deswegen kann der Gesundheitsorientierte Urlaub nicht als eigenes Marktsegment der präventiven Gesundheitsreise angesehen werden und taucht deshalb in der oben stehenden Darstellung nicht gesondert auf, sondern fällt unter das Segment des Fitness-/ Sporttourismus.

Die Abgrenzung des Medizintourismus zu den Formen der medizinischen Gesundheitsreise lässt sich ebenso nach dem Grad der schulmedizinischen Anwendungen vornehmen. Unter dem Kur- und Heilbädertourismus versteht man laut des Deutschen Heilbäderverbandes (DHV) „…den besonderen therapeutischen Prozess einer Heilbehandlung mit besonderen Mitteln, Methoden und Aufgaben in Heilbädern und Kurorten mit charakteristischen Strukturmerkmalen“ (DHV 2005, S.22). Die Kur ist eine vom Arzt verordnete medizinische Maßnahme, die der Erhaltung und Verbesserung der Gesundheit bzw. der Linderung chronischer Krankheiten mit Hilfe von natürlichen Heilmitteln dient (vgl.Albaner/ Grozea-Helmenstein 2002, S.30). Dadurch wird deutlich, dass der Kur- und Heilbädertourismus zwar auf Basis medizinischer Anwendungen stattfindet, jedoch durch die Benutzung von Heilmitteln nicht die gleiche Intensität schulmedizinischer Maßnahmen vorweisen kann wie der Medizintourismus.

Auch der Rehabilitationstourismus steht in diesem Punkt hinter dem Medizintourismus zurück, da sein Hauptziel, die Wiederherstellung von eingeschränkten oder verlorenen Funktionsfähigkeiten, zwar mit Hilfe medizinischer Verfahren erreicht werden, dieses jedoch nicht durch ärztliche Eingriffe hervorgerufen werden soll. Er dient vielmehr dazu, dem Patienten nach einer Operation durch alternative medizinische Methoden und Bewegungstraining wieder zu seinem vor der Krankheit bestehenden Gesundheitszustand zu verhelfen.

Neben der Intensität der medizinischen Anwendung basiert die Abgrenzung der einzelnen Segmente des Gesundheitstourismus auf einem weiteren Aspekt: dem Grad der Gesundheitswiederherstellung. Dieser ist ein Faktor, der mit der Intensität der medizinischen Anwendung einhergeht. Je größer das Maß der Anwendung ist, desto eher zielt die Reise auf die Behebung eines krankhaften Zustandes ab.

3 Der globale Medizintourismusmarkt

Obwohl der Medizintourismus im Vergleich zum normalen Tourismus verhältnismäßig kleine Ausmaße annimmt, kann er nicht als temporär oder unbedeutend abgetan werden. Laut der World Health Organization (WHO) ist der Medizintourismus ein „Megatrend“ von kontinuierlich wachsender Größe mit enormer ökonomischer Bedeutung (vgl.Bookman/ Bookman 2007, S.2). Viele betiteln ihn auch als “…one of the hottest niche markets in the hospitality industry“ (Demicco/ Cetron 2006, S.527). Charakteristisch für ihn ist, dass er noch keine Massen von Touristen anzieht, jedoch schon bedeutend genug ist, um ausreichend Geschäfte zu erzeugen (vgl.Bookman/ Bookman 2007, S.41). Im vorliegenden Kapitel soll das Ausmaß dieses globalen Wachstumsmarktes analysiert werden. Dazu erfolgt eingangs eine Beschreibung der historischen Entwicklung des Medizintourismus. Im Anschluss daran wird seine aktuelle Bedeutung auf globaler Ebene untersucht und erläutert, welche Dimensionen und Potenziale der Medizintourismus aus Deutschland vorweist und welche Ursachen für die dortige Entwicklung bestehen.

3.1 Historische Entwicklung des Medizintourismus

Medizintourismus ist ein neuer Begriff, jedoch keine neue Idee. Seit es die Menschheit gibt, sind die Leute gereist, um Doktoren oder Heiler aufzusuchen. Im Alten Griechenland schon kamen die Kranken aus dem gesamten mediterranen Bereich nach Epidaurus, zur heiligen Stätte des griechischen Gottes Asklepius, um dort von ihren Leiden mit Hilfe des Thermalwassers erlöst zu werden (vgl.Siva 2006, S.10). Auch die Stadt Bath in England zog über zweitausend Jahre hinweg Menschen aus aller Welt wegen ihres heiligen Wassers an (vgl.Siva 2006, S.10). Beginnend vom 18.Jahrhundert reisten sodann viele Menschen aus den unterschiedlichsten Teilen Europas zu Badeorten in Deutschland und nach Ägypten an den Nil, um sich einer Behandlung gegen ihre krankhaften Beschwerden zu unterziehen (vgl. Siva 2006, S.10). Auch viele reiche deutsche Patienten waren unter diesen (vgl.CBC News 2004).

In der heutigen Zeit traten anfänglich überwiegend die begüterten Menschen eine Medizinreise an und begaben sich dabei aus den Industriestaaten in andere Industrienationen, um qualitativ hohe medizinische Leistungen in Anspruch zu nehmen (vgl.Herrick 2007, S.1). Diese Ausprägung des Medizintourismus trägt nach Berg die Bezeichnung „qualitäts- und (prestige)orientierter Patiententourismus“ (vgl.Berg 2008, S.171). Mit den Jahren jedoch stieg die Zahl der Medizinreisen weniger reicher Leute, die in Schwellen- oder Entwicklungsländern nach günstiger medizinischer Hilfe suchten. Diese Form des Medizintourismus wird als „kostenorientierter Patiententourismus“ bezeichnet (vgl.Berg 2008, S.171). Anfangs beschränkte sich dabei der Medizintourismus vorwiegend auf den angloamerikanischen Raum, später wurde ihm jedoch auch im europäischen Gebiet zunehmend mehr Bedeutung zugeteilt. Die Situation heute hat sich also gegenüber früher nicht großartig verändert. Patienten sind immer noch bereit, lange Wege zurückzulegen, um von ihren Leiden befreit zu werden. Neu im 21.Jahrhundert ist jedoch, dass die Menschen noch weitere Strecken auf sich nehmen, in ärmere Länder reisen, moderne fortschrittliche Medizin in Anspruch nehmen und in vielen Fällen sogar die Behandlung mit einem Urlaub verbinden (vgl.Bookman/ Bookman 2007, S.5). Die Beschaffenheit und die Verbreitung der Reise haben sich damit gewandelt, das Ziel ist jedoch das Gleiche geblieben. Die wohl wichtigsten Konsequenzen daraus sind, dass die wirtschaftliche Bedeutung dieser Art des Reisens damit sowohl für die Destinationen, als auch für die Quellmärkte stark zugenommen hat und dass das Phänomen des Medizintourismus aufgrund dessen nun einen Namen hat (vgl.Bookman/ Bookman 2007, S.5). Die ökonomische Bedeutung des Medizintourismus wurde erstmals von der International Union of Travel Officials 1973 erkannt und benannt (vgl.Bookman/ Bookman 2007, S.5).

Ca. zehn Jahre ist es her, dass die ersten Patienten aus den Industrieländern für eine medizinische Behandlung unter der Bezeichnung des Medizintourismus ins Ausland geflogen sind. (vgl. Imedo 2008). Im Zuge dieser Entwicklung setzte sich der Begriff des Medizintourismus in den letzten Jahren auch verstärkt in Deutschland durch. Während anfangs nur günstige Kosmetische und Plastische Operationen nachgefragt wurden, schlossen sich immer mehr Patienten mit ernsten Gesundheitsproblemen an, um Eingriffe wie Hüftoperationen oder Krebsbehandlungen vorzunehmen.

3.2 Aktuelle Bedeutung des Medizintourismus

Im Jahr 2005 reisten weltweit ca. 19 Millionen Patienten aus den Industrieländern in weniger entwickelte Länder, um medizinische Leistungen in Anspruch zu nehmen (vgl.Jeffery 2006). Es wird davon ausgegangen, dass sich diese Zahl bis zum Jahr 2010 auf 40 Millionen erhöhen wird (vgl.Jeffery 2006). Mit der wachsenden Anzahl von Touristen erwirtschaftete die Medizintourismusindustrie im Jahr 2006 über 60 Milliarden Dollar weltweit (vgl.Althaus 2007). McKinsey Company schätzen, dass dieser Betrag bis 2012 auf 100 Milliarden Dollar ansteigen wird (vgl.Herrick 2007, S.1). Laut der National Coalition on Health Care reisten ca. 500.000 Amerikaner im Jahr 2005 ins Ausland, um sich behandeln zu lassen (vgl.nTelagent 2008). Damit stellen sie die größte Gruppe der internationalen Patienten dar, gefolgt von den Briten mit bis Ende 2005 bislang 219 Millionen durchgeführten medizintouristischen Trips und dafür ausgegebenen 10 Billionen Pfund (vgl.Herrick 2007, S.2).

Aufgrund der international steigenden Nachfrage nach Medizinreisen überfluten ausländische Krankenhäuser, Ärzte, Gesundheitsunternehmen und Patientenvermittlungsagenturen den globalen Medizintourismusmarkt mit Angeboten und Preissenkungen (vgl.European Medical Tourist 2008). Das Internet spielt dabei eine entscheidende Rolle, da auf diese Weise potenzielle Kunden am schnellsten und leichtesten, auch über große Distanzen hinweg, angesprochen werden können. Während vor einem Jahr das Stichwort „medical tourism“ bei der Internetsuchmaschine Google nur ca. 777.000 Treffer ergab (vgl.Horowitz/ Rosensweig 2007, S.32), lassen sich dort am 20.08.2008 schon ungefähr 1,3 Millionen Internetseiten ausfindig machen (vgl.Google 2008). Ein weiteres Indiz für das steigende Interesse am Medizintourismus ist die Beobachtung, dass immer mehr Zeitschriften- und Zeitungsartikel zu diesem Thema erscheinen und sich vermehrt Bücher auf den Markt drängen, die Richtlinien oder Reiseführer für Medizintouristen darstellen. Beispiele hierfür sind: “The Medical Tourism Travel Guide” von Paul Gahlinger oder “Patients Beyond Borders” von Josef Woodman. Sie versuchen den Patienten einen Überblick über die verschiedenen Destinationen und ihr medizintouristisches Angebot zu geben. Die demnach attraktivsten Ziele auf der Anbieterseite zeigt die folgende Karte (s.Abbildung 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Medizintouristische Destinationen

Mehr als zwei Drittel aller internationalen Patienten begeben sich in asiatische Länder, um medizinische Leistungen in Anspruch zu nehmen (vgl.Juszczak 2008/1, S.25). Vorreiter unter den Destinationen dort sind Indien mit ca. 1,5 Millionen Medizintouristen jährlich und Thailand mit 1,2 Millionen ausländischen Patienten pro Jahr (vgl.Juszczak 2008/1, S.23). Viele Menschen aus Großbritannien, Skandinavien, Ost-Europa oder den Niederlanden suchen hier vermehrt medizinische Hilfe. Denn in einigen medizinischen Bereichen, wie der Orthopädie, der Kardiologie oder der Augenheilkunde, existiert in diesen Ländern eine medizinische Unterversorgung (vgl.Juszczak 2008/1, S.24). Dadurch entstehen teilweise lange Wartezeiten auf eine Behandlung, welche die Patienten aus gesundheitlichen Gründen dazu zwingt, den Eingriff im Ausland vornehmen zu lassen. Weitere Destinationen, die sich erfolgreich in Asien im medizintouristischen Geschäft behaupten, sind Singapur und Malaysia mit 400.000 bzw. 230.000 Medizintouristen jährlich, sowie die Philippinen, Süd-Korea und Hong Kong mit 20.000 Patienten pro Jahr (vgl.Juszczak 2008/1, S.23). Das restliche Drittel aller internationalen Patienten verstreut sich zu etwa gleichen Anteilen auf Europa sowie Süd- und Mittelamerika (vgl.Juszczak 2008/1, S.24). Über hunderttausend Patienten aus vielen westeuropäischen Staaten und Russland fragen zum Beispiel jährlich in Ungarn, Polen, Tschechien, der Türkei oder der Ukraine ambulante Eingriffe in den Bereichen der Kosmetischen und Plastischen Chirurgie, der Zahnmedizin und der Augenheilkunde nach (vgl.Juszczak 2008/1, S.24). Der Medizintourismus nach Süd- und Mittelamerika entsteht wesentlich durch die Reisenden aus den Vereinigten Staaten und aus Süd-Amerika selbst (vgl.Juszczak 2008/1, S.24). So begeben sich jährlich mehrere zehntausend Patienten vor allem aus Venezuela und der Karibik nach Kuba, dem Land mit der höchsten Ärztedichte der Welt (vgl.Juszczak 2008/1, S.24). In Afrika dagegen gibt es bislang nur vereinzelt Staaten, die sich auf den Medizintourismus spezialisiert haben. Beispiele hierfür sind Tunesien mit 20.000 ausländischen Patienten pro Jahr und Südafrika mit einem medizintouristischen Umsatz von 27 Millionen Euro jährlich (vgl.Juszczak 2008/1, S.24).

3.2.1 Der Markt für Medizintourismus in Deutschland

Der Medizintourismusmarkt in Deutschland lässt sich, wie zu Beginn erwähnt, in drei verschiedene Strömungen aufteilen (vgl.Böhm 2007, S.5):

- ausländische Patienten, die in deutschen Kliniken medizinische Dienstleistungen in Anspruch nehmen
- die Behandlung von deutschen Patienten im Ausland und
- deutsche Patienten, die innerhalb des eigenen Landes medizinische Leistungen außerhalb ihres Wohn- oder ständigen Aufenthaltsortes nachfragen

Die nachfolgende Analyse des medizintouristischen Angebotes für den Quellmarkt Deutschland wird sich jedoch nur auf die hier an zweiter Stelle aufgeführte Strömung beziehen. Diese Einschränkung ist dadurch begründet, dass ausländische Patienten, die in deutschen Kliniken medizinische Leistungen nachfragen, nicht zur Zielgruppe des medizintouristischen Angebotes für den Quellmarkt Deutschland gehören. Gleiches gilt auch für die deutschen Patienten, die innerhalb Deutschlands außerhalb ihres gewöhnlichen Aufenthaltsortes medizinische Behandlungen in Anspruch nehmen. Die Untersuchung des Angebotes für Kranke innerhalb Deutschlands, die im Ausland medizinische Dienstleistungen nachfragen wollen, soll nachstehend mit der Beschreibung des Ausmaßes, der Erforschung der Ursachen und der Aufstellung einer Prognose des Medizintourismus aus Deutschland beginnen.

3.2.2 Ausmaß des Medizintourismus aus Deutschland

Neben den Amerikanern und den Briten tragen auch die deutschen Patienten einen großen Teil zu der positiven Entwicklung des Medizintourismus bei. Laut Schätzungen der Kassenverbände beträgt die komplette Zahl der deutschen Medizintouristen aktuell jedes Jahr ca. 300.000 (vgl.Ferenczi/ Güsten/ Hoffmann 2007, S.58). Die Anzahl derer, die von den kostengünstigen Angeboten im Ausland profitieren wollen, steigt jedoch kontinuierlich. Eine Studie von Ernst Young, nach der sich der Markt für privat bezahlte Gesundheitsangebote in den folgenden 15 Jahren in Deutschland auf 150 Mrd. Euro summieren wird, unterstützt diese Annahme (vgl.Rössing 2006, S.32). Bei einer Befragung der Techniker Krankenkasse stellte sich heraus, dass für mehr als 40 Prozent der Teilnehmer ambulante ärztliche Behandlungen und Zahnersatz im Ausland in Frage kommen. Ca. 25 Prozent würden demnach auch eine Krankenhausbehandlung im Ausland durchführen (vgl.Juszczak/ Ebel 2006, S.18). Dies verdeutlicht das große Potenzial, das der Medizintourismus aus Deutschland noch in sich birgt.

Die deutschen Patienten favorisieren Einrichtungen in Osteuropa, an erster Stelle Polen und Ungarn. (vgl.Hickling 2007). Im Jahr 2005 begaben sich ca. 50 Prozent der jährlich 300.000 deutschen Medizinreisenden nach Polen und gaben dort zusammen mit den anderen Medizintouristen über 50 Millionen Euro in Praxen und Kliniken aus (vgl.Ferenczi/ Güsten/ Hoffmann 2007, S.59). Allein die polnischen Zahnarztpraxisgemeinschaften in Grenznähe behandeln pro Jahr fast 1.000 deutsche Patienten (vgl.Juszczak 2008/1, S.24). Polen reagiert auf diese Entwicklung und bildet an der Universität Lodz staatlich geprüfte Patientenbetreuer aus, die Deutsch studieren, empathisches Verhalten lernen und darauf geschult werden, mit Kranken in Krisensituationen umgehen zu können (vgl.Ferenczi/ Güsten/ Hoffmann 2007, S.59). All das geschieht nur, um den Patientenstrom der deutschen Bevölkerung noch zu steigern. Darüber hinaus flogen im Jahr 2005 ca. 5.000 Bürger zu einer Laser-Operation der Augen ins Ausland (vgl. Späth 2005, S. 25), zu deren Durchführung vor allen Dingen die Türkei angestrebt wird, da diese die absolute Nummer eins auf diesem Gebiet sein soll (vgl.Drinkuth 2008). Doch auch die Angebote tschechischer Optiker werde sehr gerne von deutschen Patienten für derartige Eingriffe genutzt (vgl.Veselá 2007). Viele Vermittlungsagenturen für Medizinreisen greifen diesen Trend auf und spezialisieren sich auf Angebote in osteuropäischen Ländern, wie zum Beispiel „Gesundheits-Planet“. Aber auch andere Länder ziehen zunehmend erfolgreich das Interesse der deutschen Patienten auf sich. Das „Bangkok Hospital Medical Center“ in Thailand z.B. war 2006 das Reiseziel von mehr als 1.600 Deutschen, die dabei bis zu 50 Prozent der hierzulande üblichen Kosten für Schönheitsoperationen und Zahnbehandlungen eingespart haben (vgl.Ferenczi/ Güsten/ Hoffmann 2007, S.58).

Obwohl der Medizintourismusmarkt immer mehr an Bedeutung gewinnt, weist die Datenlage in Deutschland noch große Lücken auf und ist stark verbesserungsbedürftig. Um das Ausmaß des Medizintourismus und seine wirtschaftliche Bedeutung in Deutschland noch genauer einzustufen, fehlen bislang leider die statistischen Daten.

3.2.3 Ursachen für den Medizintourismus aus Deutschland

Illing nennt in seiner Studie „Patientenimport und Gesundheitstourismus“ mehrere Trends, die die Mobilität deutscher Patienten fördern (vgl.Illing 2000, zitiert nach Barth/ Werner 2005, S.59f.):

- die Globalisierung der Sozial- und Gesundheitsdienstleister
- die demographische Entwicklung
- die restriktive Zuteilungspolitik des Staates
- der steigende Rationalisierungsdruck auf Krankenhäuser
- die zunehmende Bereitschaft in die eigene Gesundheit zu investieren und
- der Ausbau von Flughäfen

Damit erfasst er die wichtigsten Ursachen, die für die Entwicklung des Medizintourismus aus Deutschland verantwortlich sind. Im Folgenden sollen diese näher charakterisiert werden.

Der Globalisierung der Sozial- und Gesundheitsdienstleister wurde durch die seit dem 1.1.2004 bestehende Möglichkeit der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen im Ausland der Weg geebnet (vgl.Spitzenverbände der Krankenkassen/ Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland 2008, S.1ff.) (s.Abschnitt 5.2). Immer mehr Gesundheitsunternehmen erkennen das Potenzial des Medizintourismus und eröffnen Zweigstellen im Ausland, wo sie kostengünstiger wirtschaften können. Auch die Krankenkassen werden sich zunehmend der Bedeutung des Medizintourismus bewusst und schließen immer öfter Abkommen mit ausländischen Leistungserbringern, um ihre Versicherten zu günstigen Eingriffen ins Ausland zu schicken. So zum Beispiel die AOK Brandenburg, die über ihre Dienstleistungsfirma Medpolska ihren deutschen Versicherten in Polen kostenlosen Zahnersatz ermöglicht (vgl.Juszczak 2007, S.4).

Die demographische Entwicklung in Deutschland führt zu einer steigenden Anzahl älterer Menschen in der Gesellschaft. Der Anteil der 65-jährigen wird von 16Prozent im Jahre 2000 auf 22 Prozent im Jahr 2025 und 27,5 Prozent im Jahr 2050 ansteigen (vgl.Gruber 2002). Damit verbunden ist leider aber auch eine anwachsende Anzahl an Krankheits- und Pflegefällen, denn mit der Zunahme älterer Menschen in der Gesellschaft steigern sich auch Alterskrankheiten und Verschleißerscheinungen in massivem Ausmaß (vgl.Dörr/ Gassner 1997, S.43). Auch die Lebensarbeitszeit wird sich durch die demographische Entwicklung verlängern. Zur Aufrechterhaltung der Arbeitskraft muss der Mensch versuchen auch in höherem Alter noch gesund zu bleiben (vgl.Richter 2007, S.40). Die Nachfrage medizinischer Leistungen, im Notfall auch im Ausland, wird dadurch bedingt anschwellen. Hinzu kommt, dass alte Menschen im Gegensatz zu früher in der heutigen Zeit konsum- und ausgabenfreudiger sind. Ihre Bereitschaft zum Reisen und infolgedessen auch zu einer Behandlung im Ausland ist deshalb kontinuierlich gestiegen.

Die restriktive Zuteilungspolitik des Staates zeigt sich in den Rationalisierungsmaßnahmen der Gesundheitsreformen der letzten Jahre. Es ist eine verringerte „…solidarische Verantwortung der Gesellschaft für die Gesundheit des einzelnen“ zu erkennen (Rulle 2003, S.163). Dies zeichnet sich dadurch aus, dass die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherungen kontinuierlich gekürzt und die Arztkosten zunehmend privatisiert werden. Das bedeutet, dass die Eigenbeteiligung für Gesundheitsleistungen höher wird und die deutsche Bevölkerung infolgedessen steigende Gesundheitsausgaben zu verzeichnen hat. Dadurch entsteht bei den Deutschen zunehmend das Bewusstsein für einen preisbewussten Umgang mit medizinischen Dienstleistungen, weil sie gezwungen sind, die Kosten für Gesundheitsdienstleistungen so niedrig wie möglich zu halten. Daraus resultiert eine Zunahme der Anzahl an Behandlungen, die im preisgünstigen Ausland durchgeführt werden.

Der steigende Rationalisierungsdruck auf Krankenhäuser entsteht ebenfalls durch die Gesundheitsreformen der letzten Jahre. Die Krankenhäuser sind zunehmend gezwungen mit geringeren staatlichen Leistungen auszukommen. Dadurch steigt der Rationalisierungsdruck in den Einrichtungen erheblich und resultiert oftmals in der Reduzierung der Bettenzahlen oder gar der Schließung ganzer Krankenhäuser. Dies belegt eine Untersuchung der Deutschen Krankenhaus Gesellschaft, nach der die Anzahl der deutschen Krankenhäuser von 2.411 im Jahr 1991 auf 2.139 im Jahr 2005 gesunken ist und sogar in Zukunft deutlich unter 2.000 fallen soll (vgl.Deutsche Krankenhausgesellschaft 2007, S.16). Die Kennzahlen zu Krankenhausbetten beweisen einen ähnlichen Rückgang. So sank die Anzahl im gleichen Zeitraum von 665.565 auf 523.824, welches eine Verminderung von 21 Prozent darstellt (vgl.Deutsche Krankenhausgesellschaft 2007, S.16). Die vorgenommenen Rationalisierungen führen dazu, dass der deutschen Bevölkerung weniger medizinische Kapazitäten zur Verfügung stehen. Dadurch erhöht sich die Unzufriedenheit hinsichtlich des deutschen Gesundheitssystems, was die deutsche Bevölkerung zunehmend dazu bewegt, bestimmte medizinische Leistung im Ausland nachzufragen.

Die zunehmende Bereitschaft der Deutschen in die eigene Gesundheit zu investieren entsteht durch das sich verändernde Gesundheitsbewusstsein der Menschen. Es wird verstärkt akzeptiert, dass jeder für seine Gesundheit selbst zuständig ist. Hinzu kommt, dass Gesundheit ein Maßstab für soziale Anerkennung geworden ist und immer öfter als ein Zeichen für Erfolg im Beruf und im Privatleben angesehen wird. Durch diese Faktoren steigen die Gesundheitsausgaben der Deutschen und damit auch die Bereitschaft sich im Ausland einer Behandlung zu unterziehen. Grund dafür ist die Schnelllebigkeit der heutigen Gesellschaft, die dazu führt, dass die Zeit der Menschen immer knapper und kostbarer wird und sie daher gezwungen sind Urlaub und Gesundheit miteinander zu verbinden. Begünstigt werden die Medizinreisen auch dadurch, dass die Menschen ein immer größeres Einkommen zur Verfügung haben, immer mehr über die Welt wissen und deshalb auch gewillt sind zu reisen (vgl.Bookman/ Bookman 2007, S.3).

Der Ausbau von Flughäfen hat zur Folge, dass immer mehr Destinationen für die deutschen Patienten mit einer ungekannten Leichtigkeit erreichbar sind. Während die Spritpreise steigen, wird das Fliegen eine immer lukrativere und bequemere Fortbewegungsart. Auch die Zunahme der Billigflieger in die osteuropäischen Staaten und die Angebote preiswerter Fernflüge führen zu der steigenden Anzahl deutscher Patienten, die sich im Ausland behandeln lassen (vgl.Rose 2008).

3.2.4 Prognose für den Medizintourismus aus Deutschland

Der Marktlebenszyklus unterteilt sich in die Phasen Entwicklung, Wachstum, Reife und Niedergang (vgl.Ansoff 1990, zitiert nach Stettler/ Lanz Kaufmann/ Jost 2007, S.107). Eine Untersuchung des medizintouristischen Marktes lässt erkennen, dass dieser erst in der Initialphase des Markt-Lebenszyklus steht. Deswegen kann man davon ausgehen, dass der Branche in den kommenden Jahren ein sehr hohes Wachstum verglichen zum Gesamt-Gesundheitstouristischen Markt bevorsteht. Es gibt mehrere Argumente, die diese Vermutung belegen. Die Medien z.B. schreiben: „Ein Blick auf die Nachfrageseite belegt, dass die Tendenz, sich im Ausland behandeln zu lassen, weltweit steigt“ (Rhensius/ Stich 2007, S.1), oder „In vielen EU-Ländern ist demnach mit verstärktem Patiententourismus innerhalb der Europäischen Union zu rechnen“ (vgl.Laing/ Forzi/ Rhensius/ 2006, S.185). Das Wissen, dass die Nachfrage nach Medizinreisen wachsen wird, je mehr Menschen von dieser Möglichkeit erfahren, je positiver und zahlreicher die Erfahrungsberichte werden und je mehr Vermittlungsagenturen und Versicherungsanbieter mit ihren Angeboten den Weg für diese Entwicklung bereiten, unterstützt ebenfalls diese Vermutung (vgl.Vacikova 2008). Auch die Reaktion der Beamten in Brüssel belegt die Annahme vom Wachstumskurs des Medizintourismus. Laut Aussagen des Focus ist man sich dort sicher, dass die Mobilität der Patienten weiter steigt. Um den europäischen Patientenfluss zu fördern, wird dort sogar an einer neuen Richtlinie gearbeitet, die das Reisen für Patienten vereinfachen soll (vgl.Ferenczi/ Güsten/ Hoffmann 2007, S.62). Die in Deutschland stetig steigenden Preise sind ebenfalls ein Grund für die positive Entwicklung des Medizintourismus und werden dazu führen, dass den ausländischen Kliniken in Zukunft öfter deutsche Patienten auf der Suche nach günstigen Angeboten zulaufen werden (vgl.Vogt 2008). Die Aussagen der Experten beweisen dies. Laut der durchgeführten Interviews erfreuen sich alle Agenturen einer kontinuierlich wachsende Kundenzahl (vgl.Bauer/ Drinkuth/ Vacikova/ Vogt 2008)

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Details

Seiten
104
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783836624350
Dateigröße
968 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v226442
Institution / Hochschule
International School of Management, Standort Dortmund – Tourismus, Tourismus-, Event- und Hospitalitymanagement
Note
1,6
Schlagworte
tourismus gesundheit medizin reisen gesundheitstourismus

Autor

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Titel: Das Geschäft mit der Gesundheit