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Sich eine Identität erschreiben - zum Werk von Barbara Honigmann und Esther Dischereit

Magisterarbeit 2006 75 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hintergrund
2.1 Autorinnen der zweiten Generation
2.2 Autobiographisches Schreiben

3. Aspekte der deutsch-jüdischen Identitätsbildung
3.1 Geschichte und eigene Erfahrungen
3.1.1 Shoah
3.1.2 Erzählen um zu erinnern
3.1.3 Motiv des Friedhofs
3.2 Judentum und Religion
3.3 Jüdischsein und Erfahrung der Fremdheit
3.4 Leben in Deutschland oder Emigration
3.4.1 Israel

4. Sich eine Identität erschreiben
4.1 Sprache und Struktur
4.2 Wirklichkeitsstatus der Texte

5. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die deutsch-jüdische Literatur der Gegenwart bezieht sich nahezu zwangsläufig auf die Shoah und ihre Auswirkungen. Auch bei Barbara Honigmann findet sich dieser Bezug:

„Denn es war schwer, der Geschichte und den Geschichten unserer Eltern zu entrinnen. Andere haben solche Geschichten gehört: von der Front, von Stalingrad, von der Flucht aus Ostpreußen und Schlesien, von der Kriegsgefangenschaft, und von den Bomben auf die deutschen Städte. Die Legenden meiner Kindheit aber waren andere, und ich bin sehr lange in ihrem Bann geblieben. Im Bann der Gesänge von den mythischen Orten und Begebenheiten, tausendmal genannt und zugleich von viel Schweigen umgeben [...].“[1]

Dischereit formuliert diese Unentrinnbarkeit ähnlich:

„Muß man Jude sein, hab ich mich lang genug gefragt. Das Kains-Mal der Geburt, vergessen unter Wassern von Sozialismus, schimmert es durch auf meiner Haut. Sie holten mich ein, die Toten der Geschichte und ließen mich teilhaben. Ich wollte nicht teilhaben [...].“[2]

Die Beeinflussung durch die Shoah wie auch durch die gesamte Geschichte ist eines von mehreren Motiven, die für die Literatur von deutsch-jüdischen Schriftstellerinnen und Schriftstellern der Gegenwart typisch sind. In den Texten dieser Autoren werden Lebensentwürfe für die Juden und Jüdinnen im heutigen Deutschland entwickelt. Die folgenden Fragen stehen dabei im Mittelpunkt: Wie wirkt sich die Geschichte, besonders die Shoah, auf ihr Leben aus und wie kann ein jüdisches Leben im heutigen Deutschland aussehen? Wie kann man als Jüdin mit dem Trauma der Shoah umgehen und das Schweigen zwischen den Generationen überwinden?

„Die Geschichten und Erzählungen inszenieren – mit verschiedenen Stimmen und Rollen – das Gespräch zwischen den jüdischen Generationen, das in der Wirklichkeit des Vernichtungstraumas so oft nicht stattfinden konnte. Die nachgeborenen Autoren stellen in diesem Erinnerungsraum der jungen jüdischen Literatur über das Schweigen hinweg eine Beziehung zur Vergangenheit ihrer Vorfahren her und begegnen darin denen, die die Shoah nicht überlebt haben und denen, die von ihr in Worten nicht berichten können.“[3]

Die Autoren sind auf der Suche nach einer jüdisch geprägten Identität, die sich auf eine jüdische Kultur bezieht, welche in Deutschland als Folge der Assimilation und der systematischen Verfolgung der Juden während des Nationalsozialismus kaum noch existent ist. Sie entwickeln Antworten darauf, wie sich ein Rückbezug auf diese Traditionen, die vor dem ‚Bruch in der Geschichte’ gelebt wurden, gestalten kann. Ihre Texte kreisen um die Schwierigkeiten der Gestaltung eines jüdischen Lebens inmitten der Täter und deren Kindern.

Die vorliegende Arbeit widmet sich der Frage, wie solche Lebensentwürfe bei Esther Dischereit und Barbara Honigmann aussehen und aus welchen Elementen jüdische Identität in ihren Texten konstruiert wird. Ausgangspunkt ist ein Blick auf das autobiographische Schreiben, das sich wie ein roter Faden durch die Werke beider Autorinnen zieht, sowie auf den Begriff der deutsch-jüdischen Literatur der zweiten Generation.

Der Schwerpunkt der Analyse wird auf Esther Dischereits Geschichte Joëmis Tisch und den Erzählungen von Barbara Honigmann, die in den Bänden Roman von einem Kinde [4] und Damals, dann und danach erschienen sind, liegen. Roman von einem Kinde und Joëmis Tisch sind die ersten literarische Werke der Autorinnen, zudem sind sie nahezu zur gleichen Zeit entstanden. Wie es bei ersten Texten häufig der Fall ist, sind diese Werke sehr von der Autobiographie der Autorinnen geprägt. Wo es für die Analyse hilfreich ist, werden auch Einzelaspekte aus weiteren Werken der Autorinnen betrachtet. Im Einzelnen sind dies Honigmanns Soharas Reise [5] und Eine Liebe aus nichts [6] und Dischereits Essaysammlungen Übungen jüdisch zu sein [7] sowie Mit Eichmann an der Börse [8] .

Der Hauptteil dieser Arbeit beschäftigt sich mit einer vergleichenden Analyse der wichtigsten Motive der Schriftstellerinnen. In Kapitel 3 werden zunächst die einzelnen Aspekte der deutsch-jüdischen Identität der jeweiligen Protagonistinnen untersucht. Das Kapitel ist unterteilt in die Abschnitte Geschichte und eigene Erfahrungen, Judentum und Religion, Jüdischsein und Erfahrung der Fremdheit sowie Leben in Deutschland oder Emigration. Im Vordergrund wird hier die reine Textarbeit stehen. Eine Interpretation in Hinblick auf die Biographie der Autorinnen erfolgt nur punktuell. An dieser Stelle wird aus den festgestellten, die Identität der Protagonistinnen prägenden, Einzelelementen noch kein Gesamtbild der jeweiligen Identität erzeugt. Hier werden lediglich die Vorgehensweisen und die Sprache der Schriftstellerinnen analysiert und einander gegenüber­gestellt.

In Kapitel 4 werden diese einzelnen Identitätsbausteine dann in ihrer Gesamtheit betrachtet, es wird der Prozess der Identitätsfindung der Hauptfiguren beider Autorinnen nachvollzogen und analysiert, ob diese Identitätsfindungen gelungen sind. Als Basis dient hierbei das theoretische Modell der Identität von Jürgen Habermas, das von einer Konstruktion der Identität als einem aktiven, kontinuierlich stattfindenden Prozess ausgeht.

2. Hintergrund

2.1 Autorinnen der zweiten Generation

Barbara Honigmann wurde am 2. Februar 1949 in Ost-Berlin geboren. Ihre Eltern sind Juden, die während des zweiten Weltkriegs im Exil in England lebten und nach Ende des Krieges nach Berlin zurückkehrten. Honigmann studierte Theaterwissenschaften und arbeitete zunächst als Dramaturgin und Bühnenautorin in der DDR. 1976 trat sie in die Jüdische Gemeinde ein. Im Jahr 1984 emigrierte sie von Ost-Berlin nach Straßburg, wo sie heute lebt. Sie veröffentlichte mehrere Hörspiele, Erzählungen und Romane und ist auch als Malerin erfolgreich.

Esther Dischereit wurde am 23. April 1952 in Heppenheim im Odenwald geboren. Ihre Mutter ist eine Jüdin, die die Shoah in verschiedenen Verstecken in Deutschland überlebte und nach dem Krieg einen Nichtjuden heiratete, Dischereits Vater. Nach einem Lehrerstudium arbeitete Esther Dischereit lange als Setzerin und war während dieser Zeit in der Gewerkschaft und in der politischen Linken aktiv. Seit den 80er Jahren beschäftigte sie sich intensiver mit ihrer jüdischen Herkunft und trat der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt bei. Seit 1988 veröffentlicht sie literarische Texte, Hörspiele, Gedichte und Essays. Sie lebt heute in Frankfurt am Main.

Dischereits erster literarischer Text Joëmis Tisch ist 1988, Honigmanns erste Sammlung von Erzählungen Roman von einem Kinde zwei Jahre zuvor, 1986 erschienen. In den achtziger und neunziger Jahren sind viele weitere Texte entstanden, die sich explizit mit den Leben von Juden und Jüdinnen im heutigen Deutschland auseinandersetzen. Weitere Autoren sind beispielsweise Katja Behrens, Maxim Biller und Rafael Seligmann. Alle diese Schriftsteller werden der deutsch-jüdischen Literatur der zweiten Generation, bzw. der jungen jüdischen Literatur, so die Bezeichnung von Nolden, zugeordnet. Die Bezeichnung zweite Generation verweist darauf, dass die Autorinnen und Autoren der Generation der nach dem zweiten Weltkrieg und der Shoah Geborenen angehören, in Abgrenzung zu den Überlebenden der Shoah, die als erste Generation bezeichnet werden. Die Tatsache, dass sie die Kinder von Überlebenden sind, ist wichtig. Dies bedeutet, dass sie nicht von den eigenen Erfahrungen der Shoah oder der Flucht berichten, sondern erst durch Vermittlung durch die Familie oder verschiedenste Medien davon erfahren haben. „Das ist von großer Bedeutung für die Suche nach der eigenen Identität.“[9]

Der Begriff deutsch-jüdische Literatur ist etwas problematischer als der Generationsbegriff: Zum einen ist eine Definition, was deutsche Literatur ist, schwierig[10] ; noch schwieriger ist aber die Bestimmung, was jüdische Literatur ist, da Jüdisch weder eine Nation noch eine Sprache bezeichnet. Insofern ist der Begriff der deutsch-jüdischen Literatur etwas umstritten; hinzu kommt noch die Gefahr des latenten Antisemitismus, der hier unterstellt werden kann.[11]

Dischereit bezeichnet sich in mehreren ihrer späteren Essays als Jüdin, die in Deutsch über jüdische Themen schreibt, so beispielsweise in Vom Verschwinden der Worte [12] , auch wenn sie ihr Schreiben in der deutschen Sprache auch sehr kritisch als „Prostitution“ bezeichnet:

„In gewisser Hinsicht ist mein Schreiben in Deutschland ohnehin Prostitution, nicht nur lebe ich davon, daß ich gattungsinteressant bin, sondern auch davon, den Mör­dern die Möglichkeit zu verschaffen, an den Schauplatz ihrer Tat zurückzukehren und Genugtuung zu empfinden.“ (Ü S. 47).

Honigmann nennt sich in ihrer Erzählung Selbstporträt als Jüdin 1999 eher eine deutsche Schriftstellerin denn eine jüdische (vgl. D S. 17), betont aber dort auch, dass sie sich eher als Jüdin sieht denn als Deutsche, denn „[d]as deutsche Volk steht ja nicht in Frage, der Begriff vom jüdischen Volk aber bleibt doch immer im Vagen und Ungewissen. [...] Schon deshalb mußte ich meine Zugehörigkeit zum jüdischen Volk herausstellen.“ (D S. 17). Etwas später, bei der Verleihung des Kleist-Preises 2000, spricht sie von einer doppelten Bindung:

„[...] an die deutsche Sprache und Kultur, in die ich hineingeboren wurde, einerseits, und an das Judentum, in das ich ebenfalls hineingeboren wurde, andererseits. Ich versuche dieses ‚Doppelleben’ anzunehmen, trotz der Komplikationen und Ein­schränkungen, die es mit sich bringt, und trotz der Versuchung zum Extrem, die es in sich birgt, denn die einfachere Lösung wäre allemal eine eindeutige Hin- oder Abwendung.“[13]

Beide Autorinnen sehen sich als deutsche Jüdinnen, die eben in Deutsch über jüdische Hauptfiguren und jüdische Themen schreiben, insofern wird in dieser Arbeit der Begriff der deutsch-jüdischen Literatur trotz der erwähnten Einschränkungen verwendet. Honigmann stellt ihr Schreiben in eine Tradition der ‚kleinen Literatur’[14], ein Ausdruck, den Franz Kafka verwendete, um seine Literatur zu beschreiben[15]. Honigmann umschreibt so die Unmöglichkeit des Schreibens einer Minderheit in der Sprache der Mehrheit und den besonderen Stil, der in dieser Situation entsteht.[16] Diese Kriterien der ‚kleinen Literatur’ treffen auch auf die Literatur Esther Dischereits zu, die einen besonderen Erzählstil entwickelt hat.

2.2 Autobiographisches Schreiben

In den letzten zwanzig Jahren haben sich große Veränderungen in der Autobiographieforschung ergeben. Früher wurde Autobiographie vor allem als die Darstellung einer linearen Entwicklung eines einheitlichen, selbstbestimmten Subjekts verstanden. Heutzutage gibt es einen weitaus differenzierteren Blick auf die Autobiographie. „In this paradigm shift too, attempts are made to rethink what autobiography itself may be: not only so much an authentic representation of verifiable events, as a more complex symbolic fabric.“[17] Puw Davies prägt den Begriff des Life Writing und verweist so auch auf den kreativen Bereich der Autobiographie; hiermit wird weniger eine authentische Repräsentation der erlebten Situationen, sondern eine kompliziertere symbo­lische Neugestaltung der eigenen Lebensgeschichte oder Teilen davon durch die Autoren oder Autorinnen bezeichnet.

Hinzu kommt, dass die Autobiographie sich in den letzten Jahren durch die Übernahme literarischer Darstellungstechniken immer mehr zu einer Kunstform entwickelt hat. Dies ist jedoch nicht unbedingt gleichzusetzen mit einer Fiktionalisierung der Autobiographie. Autobiographie ist nicht reiner Rückblick auf die Vergangenheit, sondern eher produktive Neukonstruktion des Erlebten, bei der auch die Repräsentation der eigenen Identität eine Rolle spielt.[18]

Der Begriff des Life Writing kann sowohl auf autobiographische Texte, fiktionale und non-fiktionale Texte angewandt werden, vor allem aber auf Texte, die nicht in die traditionellen Genres einsortiert werden, sondern die Grenzen dieser Genres verwischen. Life Writing ist breiter definiert als Autobiographie und lässt sich produktiver auf vielseitige Textformen anwenden.

Hall unterscheidet für die Analyse von Esther Dischereits Texten drei Formen von Life Writing [19]:

- Schreiben aus den direkten Lebenserfahrungen heraus
- Lebenserfahrungen als Ausgangspunkt, um die phantasievolle Dimension (imaginative dimension) des Werks zu entwickeln
- Erfahrungen formen mehr den Hintergrund (backdrop) des Schreibprozesses, beeinflussen (subtil) den Schreibstil

Diese drei Formen von Life Writing können auch als drei autobiographische Dimensionen des Schreibens betrachtet werden. Alle diese Formen sind in Esther Dischereits Werk präsent, m. E. lassen sich diese Kategorien auch produktiv auf Honigmanns Werk anwenden.

Bei beiden Autorinnen sind deutliche Bezüge zwischen Werk und eigener Biographie zu entdecken. Esther Dischereit schreibt über das Leben einer Jüdin in Deutschland, berichtet von deren Erfahrungen aus der Schule, von ihrer Mutter und deren Erlebnissen während der Verfolgung im zweiten Weltkrieg. Auch die Auswirkungen dieser Erfahrungen auf Mutter und Tochter werden thematisiert. Bei Barbara Honigmann sind augenscheinlich persönliche Erlebnisse der Auslöser und zugleich auch Thema für ihr Schreiben: ihre Schreibkarriere beginnt nach dem Umzug aus der DDR nach Straßburg[20] ; die Loslösung aus dem deutschen Umfeld war anscheinend ein Katalysator für das Schreiben. Nach dem Tod ihres Vaters schreibt Honigmann den Roman Eine Liebe aus nichts, dessen Haupthandlung die Darstellung einer Vater-Tochter-Beziehung ist. Der letzte von ihr veröffentlichte Roman Ein Kapitel aus meinem Leben [21] ist die literarische Umsetzung einiger Episoden aus dem Leben ihrer Mutter.

Diese hier aufgelisteten biographischen Bezüge sollen jedoch nicht bedeuten, dass nun eine eins-zu-eins-Übertragung der Biographie auf die Texte nachvollzogen wird. Keineswegs soll der Eindruck entstehen, dass autobiographisch geprägte Literatur von Frauen nur den altbekannten Klischees folgt[22]. Vielmehr werden im Folgenden die Werke Dischereits und Honigmanns zunächst losgelöst von der Biographie als fiktionale Texte gelesen und interpretiert. Wo es für das Verständnis hilfreich oder für die Analyse produktiv ist, werden Bezüge zum Leben der jeweiligen Schriftstellerin hergestellt.

3. Aspekte der deutsch-jüdischen Identitätsbildung

Im diesem Kapitel werden die Texte Dischereits und Honigmanns in Hinblick auf ihre Identifikationsangebote analysiert. Es soll der Umgang der jeweiligen Protagonistinnen mit identitätsstiftenden Momenten gezeigt und die daraus resultierenden Entwicklungen der Figuren nachgezeichnet werden. Dabei sollen insbesondere die Parallelen und Unterschiede zwischen den beiden Autorinnen aufgezeigt werden. Dies geschieht sowohl auf der inhaltlichen wie auch auf der sprachlichen Ebene. Der Schwerpunkt der Interpretation wird dabei auf den folgenden Themenkomplexen liegen:

- Geschichte und eigene Erfahrungen, Erinnerung und Schweigen, Shoah,
- Religion und Judentum,
- Fremdheit, Minderheit und Antisemitismus,
- Leben in Deutschland vs. Emigration, Israel.

Die hier aufgezählten Aspekte stellen eine Auswahl aus den möglichen identitätsbestimmenden Faktoren dar, sie sind jedoch für die Identitätsbildung der jeweiligen Figuren von entscheidender Bedeutung. Die Einteilung in Unterkapitel geschieht hier vor allem aus praktischen Gründen, sie soll jedoch keine strikte Trennung der einzelnen Aspekte darstellen, die im Identitätsbild der Protagonistinnen selbstverständlich eng miteinander verknüpft sind.

3.1 Geschichte und eigene Erfahrungen

Geschichte und eigene Erfahrungen werden hier nicht zufällig zusammen behandelt, vielmehr stehen sie bei beiden Autorinnen in enger Verbindung. Insbesondere die Geschichte der Eltern und die Geschichte des jüdischen Volkes ist für die Figuren von entscheidender Bedeutung und nimmt großen Einfluss auf ihr Leben. Im Folgenden soll diese Verflechtung von Geschichte und Gegenwart genauer betrachtet werden.

„Muß man Jude sein, hab ich mich lang genug gefragt.“ (JT S. 9). Dieses Zitat steht auf der ersten Seite von Joëmis Tisch und ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Wenig später antwortet die Ich-Erzählerin auf die Frage, ob sie sich als Deutsche sehe: „Deutsch müßte man wohl sagen [...] Aber Jude.“ (ebd.). Auffällig ist hier zunächst, dass die Protagonistin in dieser Passage von Jude und nicht von Jüdin spricht, obwohl sich diese Aussage zunächst nur auf sie selbst bezieht. In ihrem späteren Aufsatz Der kubistische Blick. Wer schreibt eigentlich, wenn ich schreibe liefert Dischereit eine mögliche Erklärung hierfür:

„Vom Genozid an den Juden hatte gesprochen werden sollen als von einem Mord an Millionen Jüdinnen und Juden. Obwohl wir alle Frauen waren, konnten wir Jüdinnen uns hier zu dieser sprachlichen Korrektheit nicht bereit finden, weil wir angesichts der NS-Rassenpolitik jeden Unterschied des Geschlechts ausgelöscht fanden. Es war für die Tötung nicht von Belang, ob einer Mann oder Frau gewesen war. [...] Es war uns so, als ob das dünne Band, das uns mit Eltern und Großeltern und den unbe­kannten Anderen verband, wegen eines anderen Ziels zerschnitten würde.“[23]

Diese Aussage kann also sowohl nur als bezogen auf die Hauptfigur verstanden werden, aber auch etwas weiter als eine Aussage über das jüdische Volk im Allgemeinen. Die Verwendung des Wortes „Jude“ zeigt dann auch die Verbundenheit mit den eigenen Vorfahren und den Juden, die während der Shoah starben. Hinzu kommt noch, dass hier die weibliche Seite der Ich-Erzählerin zugunsten ihrer jüdischen Seite in den Hintergrund tritt.[24]

Zum Verständnis von Joëmis Tisch sind noch einige Erläuterungen zur Erzählstrategie notwendig: Esther Dischereit erzählt in diesem Text aus verschiedenen Perspektiven heraus, zum einen gibt es eine Ich-Erzählerin, zum anderen gibt es einen Er-Erzähler, der aus der Sicht verschiedener Personen erzählt. Die Hauptfigur der Geschichte ist Hannahs Tochter. Gölz weist darauf hin, dass die Gleichsetzung von Ich-Erzählerin und Hannahs Tochter eine Interpretation der Lesen­den ist[25], m. E. gibt es jedoch mehrere Hinweise im Text, die diese Lesart unterstützen. Ebenso wie Hannahs Tochter erzählt auch die Ich-Erzählerin von den Erlebnissen Hannahs (der Mutter)[26], ihre Geschichte ist demnach beiden vertraut; beide sind bzw. waren Mitglieder in der Gewerkschaft, und vor allem sind beide Figuren namenlos. Im Folgenden wird aufgrund dieser und weiterer Gemeinsamkeiten davon ausgegangen, dass die Ich-Erzählerin und die Protago­nistin ein und dieselbe Figur sind, über deren Leben in Joëmis Tisch aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt wird.

3.1.1 Shoah

Die Shoah ist vermutlich für alle heute in Deutschland lebenden Juden und Jüdinnen ein ein­schneidendes Ereignis, das ihr Leben tief geprägt hat. In den meisten Fällen wurden Eltern oder Verwandte zu Opfern. Die Shoah ist auch ein Raub der Geschichte, deren Erinnerung ein integraler Bestandteil der jüdischen Kultur ist. In vielen Werken der jungen jüdischen Autoren tritt dies zutage, auch in den hier untersuchten Texte spielen diese Auswirkungen eine große Rolle.

„Die Legenden meiner Kindheit aber waren andere, und ich bin sehr lange in ihrem Bann geblieben. Im Bann der Gesänge von den mythischen Orten und Begebenhei­ten, tausendmal genannt und zugleich von viel Schweigen umgeben [...].“ (D, S. 11)

In dieser Textstelle von Barbara Honigmann wird zugleich auf mehrere Themenkomplexe verwiesen, die typisch für die deutsch-jüdische Literatur der zweiten Generation sind. Das wichtigste Motiv ist hier das Schweigen, mit dem die Kinder der Überlebenden aufgewachsen sind. Hier scheint es so zu sein, dass die Eltern nur sehr wenig von ihrer Vergangenheit erzählt haben, so dass die Ich-Erzählerin hieraus kein richtiges Bild von deren Lebensgeschichte entwickeln konnte. Das Wort „Legenden“ zeigt, dass ihr bewusst ist, dass dieses Bild eher ein erfundenes Bild ist, als dass es der Realität entspricht. „Legenden“ weist zusätzlich noch auf eine historische Dimension hin, da hiermit auch Sagen oder Überlieferungen aus älterer Zeit bezeichnet werden, hier vermutlich Geschichten aus der Vergangenheit der Juden. Festzuhalten ist auch, dass die Erzählungen der Eltern sie trotzdem oder vielleicht gerade wegen ihrer Unbestimmtheit besonders geprägt haben. Auf der psychologischen Ebene, klingt hier das Phänomen des Postmemory an.

Der Begriff Postmemory wurde von Marianne Hirsch geprägt und beschreibt die Erinnerungen oder das Gedenken der zweiten Generation, d. h. der Kinder von Überlebenden, an den Holocaust.[27] Die Erinnerung dieser Generation besteht nicht aus eigenen Reminiszenzen vergangener Ereignisse, sondern aus Repräsentationen der Erlebisse der ersten Generation. Erste Generation kann hier die Überlebenden der Shoah bezeichnen, wie es für Dischereits und Honigmanns Eltern gilt, aber auch die Zeugen oder Täter der Shoah. Diese Repräsentationen entstehen vor allem aus Erzählungen und Bildern heraus, können aber auch auf dem Nichtgesagten und dem Unsichtbaren basieren.[28] Diese Form des Gedenkens ist besonders mächtig, da hierfür ein kreativer Prozess notwendig ist, der besondere Phantasie erfordert: „Postmemory is a powerful form of memory because its connection to its object or source is mediated not through recollection but through an imaginative investment and creation.“[29] Postmemory ist nicht unbedingt die Erinnerung an die eigene Familiengeschichte, vielmehr ist sie im weiteren Sinne als eine Identifikation mit den Opfern (ggf. auch den Zeugen) eines Traumas zu sehen. Trauma wird hier verstanden als die emotionale Ursache für eine psychische Störung. Hirsch weist darauf hin, dass möglicherweise das Wesen eines Traumas darin besteht, dass es sich um eine verzögerte Erkenntnis handelt, und dass ein Trauma erst durch seine Auswirkungen erkennbar ist.[30] Die später Geborenen sind von den Ereignissen vor ihrer Geburt unüberwindbar getrennt, versuchen aber häufig, sie durch lebhafte Imagination in die eigene Lebensgeschichte zu integrieren, denn sie möchten trotz eines fast immer vorhandenen Zögerns möglichst viel über das Leben ihrer Eltern erfahren.

Bei Dischereit steht diese Beeinflussung durch die Vergangenheit unter deutlich negativen Vorzeichen. Hier ist auch Postmemory sehr viel deutlicher zu erkennen; zu Beginn von Joëmis Tisch steht fast programmatisch: „Sie holten mich ein, die Toten der Geschichte und ließen mich teilhaben. Ich wollte nicht teilhaben [...].“ (JT S. 9).Die Ich-Erzählerin äußert hier das Gefühl, von der Vergangenheit und den Toten der Shoah (vielleicht auch von den toten Juden im Allgemeinen) beherrscht zu werden, deutlich tritt hier aber der Widerstand gegen diese Beherrschung durch die Geschichte zutage.

Die Hauptfigur, die diese Sätze äußert, wird während der ganzen Erzählung nur „Hannahs Tochter“ genannt.[31] Die Bezeichnung „Hannahs Tochter“ lässt mehrere Schlussfolgerungen zu: sie weist zum einen unmissverständlich auf die enge Verbindung zwischen Mutter und Tochter hin. Es zeigt sich auch in den einzelnen Episoden, dass die Protagonistin sich in vielen Bereichen ihres Lebens über ihre Mutter, über ihre Erlebnisse, ihre Geschichte, definiert. Zum anderen wird das Leben der Mutter fast ausschließlich über den Umweg der Erlebnisse und Erinnerungen der Tochter vermittelt, so wird die Mutter wiederum durch die Tochter charakterisiert. Die Tochter fühlt sich auch mehrfach verpflichtet, stellvertretend das Leben ihrer Mutter zu leben. Sätze wie: „Ich bin das einzige Kapital einer armen Frau.“ (JT S. 39) oder auch „Ihr nicht gelebtes Leben soll in mir leben.“ (JT S. 42) weisen auf diese Verpflichtung hin.

Im zehnten Abschnitt findet Hannahs Tochter nach dem Tod der Mutter einige Briefe in einer Schublade: „Niemand kennt Ruth Walter. Trotzdem liegt Ruth Walter in der Schublade bei den hinterlassenen Sachen. Und schreibt an Meta, Heidi, Elke nach Berlin aus Niederlausitz. [...] Ihre Tochter küßt als Elke eine Frau mit aufgestecktem Haar.“ (JT S. 26) In der diesem Abschnitt vorausgehenden Passage erfahren die Lesenden, dass Meta die Tochter Hannahs, also eine ältere Schwester der Ich-Erzählerin ist. Demnach ist Ruth Walter ein anderer Name der Mutter Hannah; Heidi und Elke sind weitere Namen der Schwester. Am Ende dieses Abschnitts heißt die Mutter dann Hannah Walter (S. 27), und ist so wieder eindeutiger zu identifizieren. Bachmann spricht hier von einer „Identitätsverschleierung“[32], die durch die häufigen Namenswechsel der Personen ausgelöst wird. Die Namenswechsel waren eine Notwendigkeit auf der Flucht vor den Nationalsozialisten; sie haben in diesem Zusammenhang aber noch die zusätzliche Funktion, die Hauptfigur zu verunsichern: Da Hannah nicht immer als Hannah zu erkennen ist, ist sich auch ihre Tochter nicht immer ihrer Identität als Hannahs Tochter sicher. In diesem Abschnitt werden drei verschiedene Identitäten verhandelt: die der Mutter und ihrer beiden Töchter.

Auffällig ist in den oben zitierten Sätzen zusätzlich die Verknappung der Sprache, die bis hin zu einer Verschiebung der Bedeutung geht: es ist natürlich nicht Ruth Walter selbst, die in der Schublade liegt; die Hauptfigur findet hier nur die Briefe, die Ruth bzw. Hannah an ihre Tochter geschrieben hat. Es findet sozusagen eine Personifizierung der Briefe statt.[33] Diese Szene geht dann unmittelbar über in die Erlebnisse der Mutter, die hier nicht von der Tochter vermittelt werden, sondern in der dritten Person ihre Flucht vor den Nationalsozialisten beschreiben. Einen solchen fast nahtlose Übergang von der Gegenwart der Ich-Erzählerin in die Vergangenheit findet man in Joëmis Tisch an mehreren Stellen, er ist für die Lesenden häufig nicht direkt ersichtlich.

Noch interessanter verwendet Dischereit diese Technik in der 24. Szene. Hier erinnert sich ein nicht weiter beschriebener Mann an eine Klassenkameradin während des zweiten Weltkriegs, die der Ich-Erzählerin ähnlich sah: „Wissen Sie, Sie sehen aus wie Ruth Deretz. [...] irgendwie auch so ein bißchen – also so attraktiv wie Sie, ein großes, schönes Mädchen, Sie verstehen. Die war dann ... Ich bin Jahrgang 21. War in der HJ – freiwillig.“ (JT S. 55) Ruth Deretz scheint eine Jüdin gewesen zu sein, wenn der Mann dies auch nicht aussprechen will; ein Hinweis hierauf ist auch die Erwähnung von Auschwitz: „Neulich hatten wir Klassentreffen. Da habe ich vorgeschlagen, wir fahren alle zusammen nach Auschwitz. Wie die über mich hergefallen sind – ich war richtig erschüttert.“ (JT S. 55). Diese Bemerkung passt eigentlich überhaupt nicht in die Situation – die Ich-Erzählerin ist dort, um einen Aufnahmeantrag für eine nicht genauer bezeichnete Organi­sation zu stellen – sondern dient nur seiner Rechtfertigung und Darstellung als guter Mensch.

Von der Vergangenheit des Mannes geht es dann wieder zurück in die Gegenwart, der Schlusssatz der Szene lautet: „Ich, Ruth Deretz – ich habe Hunger.“ (JT S. 56) Hannahs Tochter identifiziert sich mit der Frau, von der ihr erzählt wird, obwohl sie mit dieser Frau abgesehen vom Äußeren (falls sich der Mann nicht irrt) und der Tatsache, dass beide Jüdinnen sind, nichts gemeinsam hat. Dies scheint wiederum eine Art von Postmemory zu sein. Hannahs Tochter übernimmt die Rolle dieser völlig fremden Frau. Hier zeigt sich ihre Fähigkeit zur kreativen Imagination in der Form einer Überidentifikation mit einer Unbekannten. Diese Frau heißt Ruth, was auch einer der Decknamen Hannahs war und so auf eine mögliche Verbindung zwischen den beiden Frauen hinweist.[34]

Dischereit nutzt noch eine weitere spezifische Erzähltechnik, um die Erinnerungen Hannahs zu vermitteln. Besonders deutlich zeigt sich diese Technik im zwanzigsten Abschnitt, in dem die Ich-Erzählerin einem Deutschen, der nach dem Krieg aus Böhmen vertrieben wurde, zuhört.

„’Wir waren da im Sammellager, und dann kamen wir nach Hohenfurt, Kaplitz, Bahnstation und wurden dann in Viehwaggons eingeladen.’ Meine Ohren repetieren: Hannah in Viehwaggons eingeladen. ‚Ich war damals zwölf Jahre alt, muß ich dazu sagen. Für uns in diesem Alter war sogar ein bißchen Abenteuer dabei.’ Sie war sechs Jahre alt. ‚Bis dann die rauhe Wirklichkeit kam und wir anstehen mußten um Essen im Lager.’ ... Das einzige, was ich nicht vergessen habe. [...] Wir hatten einen großen Hund, und der lief uns nach.’ Die Schwester ist ihr nachgelaufen ... und dabei gestolpert. ’... als wir auf diesen Lastwagen raufmußten.’ ... ’Wir mußten alles dalassen.’“ (JT S. 61)

Die Ohren „repetieren“, aber sie wiederholen nicht das, was gesagt wurde, sondern ergänzen das Gehörte mit einem Erlebnis der Mutter. Das Ohr, eigentlich ein Sinnesorgan, dass nur passiv wahrnimmt, wird hier zu einem aktiven Organ. Wer die erwähnte Schwester ist, wird nicht ein­deutig geklärt, vermutlich ist es aber eine weitere Tochter Hannahs, die die Shoah nicht überlebte. Die Geschehnisse im Lager werden nicht expliziert, sondern durch Auslassungen angedeutet. Diese Ellipsen kennzeichnen ein ‚Nichts’ im Text, das nur durch die Lesenden ausgefüllt werden kann.[35] Die Autorin kann oder möchte das Geschehene nicht in Worte fassen; möglicherweise gibt es für sie auch keine Sprache, die den Geschehnissen angemessen ist.

Die Geschichte wird von der Protagonistin in Joëmis Tisch als eine Last gesehen, die wie ein Stein um ihren Hals hängt (vgl. JT S. 54) oder wie Kordeln in den Hals schneiden (vgl. JT S. 9). Hannah, die Mutter der Protagonistin, erzählt nur von den negativen Erfahrungen mit den Deutschen während des zweiten Weltkriegs; sie zeichnet ein Bild des moralischen Versagens der Deutschen, obwohl es auch Deutsche gegeben haben muss, die ihr das Überleben ermöglicht haben. Auch die Erfahrungen ihrer Tochter sind durchweg negativ, sie zeugen von Ausländer­feindlichkeit, Antisemitismus und der Verleugnung oder Verharmlosung der Geschichte: „In der Beschreibung der Deutschen gibt es eine direkte Kontinuität zwischen der Nazizeit und der Gegenwart der Ich-Erzählerin.“[36]

[...]


[1] Honigmann, Barbara: Selbstporträt als Jüdin. Erschienen in: Dies.: Damals, dann und danach. Erschienen 1999. Taschenbuchausgabe: München: DTV 2002. Hier S. 11. Im Folgenden wird aus dieser Ausgabe zitiert durch die Angabe (D + Seitenzahl) nach dem Zitat.

[2] Dischereit, Esther: Joëmis Tisch. Eine jüdische Geschichte. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1988. (edition suhrkamp 1492.) Hier S. 9. Im Folgenden wird aus dieser Ausgabe zitiert durch die Angabe (JT + Seitenzahl) nach dem Zitat.

[3] Nolden, Thomas: Junge jüdische Literatur. Konzentrisches Schreiben in der Gegenwart. Würzburg: Königshausen und Neumann 1995. S. 27f.

[4] Honigmann, Barbara: Roman von einem Kinde. Sechs Erzählungen. Erschienen 1986. Taschenbuchausgabe: München: DTV 2001. Im Folgenden wird aus dieser Ausgabe zitiert durch die Angabe (RK + Seitenzahl) nach dem Zitat.

[5] Honigmann, Barbara: Soharas Reise. Berlin: Rowohlt 1996.

[6] Honigmann, Barbara: Eine Liebe aus nichts. Berlin: Rowohlt 1991.

[7] Dischereit, Esther: Übungen jüdisch zu sein. Aufsätze. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1998. (edition suhrkamp 2067).

[8] Dischereit, Esther: Mit Eichmann an der Börse. In jüdischen und anderen Angelegenheiten. München: Econ Ullstein List 2001.

[9] Steinecke, Hartmut: "Deutsch-jüdische" Literatur heute. Die Generation nach der Shoah. Zur Einführung. In: Gilman, Sander L.; Steinecke, Hartmut (Hrsg.): Deutsch-jüdische Literatur der neunziger Jahre. Die Generation nach der Shoah. Beiträge des internationalen Symposions 26.-29. November 2000. Berlin: Schmidt 2002. (Beihefte zur Zeitschrift für germanistische Philologie.), S. 9-16. Hier S. 10.

[10] Mit deutscher Literatur wird nicht nur Literatur bezeichnet, die in der BRD (und vor 1989 in der DDR) entsteht, sondern auch deutschsprachige Literatur, die im Ausland entsteht, wie es z. B. auch auf Honigmanns Texte zutrifft. Ein Teil der ‚deutschen’ Literatur wurde früher auch in Latein oder Französisch verfasst, die Exilliteratur des 20. Jahrhunderts noch in vielen weiteren Sprachen.

[11] Vgl. Steinecke (2002) S. 10f.

[12] Erschienen in E. D.: Übungen jüdisch zu sein, S. 36-52, besonders S. 36f.

[13] Honigmann, Barbara: Das Schiefe, das Ungraziöse, das Unmögliche, das Unstimmige. Rede zur Verleihung des Kleist-Preises. In: Kleist-Jahrbuch 2001. Stuttgart: Metzler 2001, S. 13-21. Hier S. 17.

[14] Vgl. Honigmann, Barbara: Eine "ganz kleine Literatur" des Anvertrauens. In: Sinn und Form 52 (2000) H. 4, S. 830-844.

[15] Vgl. Deleuze, Gilles; Guattari, Félix: Kafka. Für eine kleine Literatur. 4. Aufl. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1996.

[16] Vgl. Honigmann, Barbara: Eine "ganz kleine Literatur" des Anvertrauens. Hier S. 831.

[17] Davies, Mererid Puw: Introduction. 2000. In: Dies.: Autobiography by Women in Germany. Bern: Peter Lang 2000, S. 7-16. Hier S. 9f.

[18] Vgl. Michaela Holdenried: Autobiographie. Stuttgart, Reclam, 2000 (UB 17624; Literaturstudium). Hier S. 39-44, 57-61.

[19] Hall, Katharina: 'Wer schreibt, wenn ich schreibe?'. The role of the autobiographical in the work of Esther Dischereit. 2003. Vgl. S. 6. Die Unterlagen zu ihrem Vortrag auf der Konferenz zu Esther Dischereit in Swansea stellte mir die Autorin freundlicherweise zur Verfügung.

[20] Vorher wurden bereits einige ihrer Hörspiele veröffentlicht.

[21] Honigmann, Barbara: Ein Kapitel aus meinem Leben. München, u.a.: Hanser 2004.

[22] Siehe hierzu z. B. Mererid Puw Davies ebenso Mistacco, Vicki: Autofiction and the Woman Writer. Le Monde reviews Le Manteau noir. In: The Chantal Chawaf Newsletter (1998) Bd. 2 H. 1. (http://www.cddc.vt.edu/
feminism/asf98.html).

[23] E.D. Mit Eichmann an die Börse. Hier S. 90f.

[24] Vgl. Bachmann, Brigitte: Kreis und Linie. Grenz-Überschreitungen in Esther Dischereits Joëmis Tisch und Barbara Honigmanns Soharas Reise. 2003. Hier S. 4. Die Unterlagen zu ihrem Vortrag auf der Konferenz zu Esther Dischereit in Swansea 2003 stellte mir die Autorin freundlicherweise zur Verfügung.

[25] „There are sections of first-person narration, and if we identify that narrating ‚I’ with ‚Hannahs daughter’, this is already a decision, for which we as readers have to take responsibility.“ Gölz, Sabine: "My Ears Repeat". Interpretive Supplementarity in Esther Dischereit's Novel Joemis Tisch: Eine jüdische Geschichte. In: Feldman, Linda E.; Orendi, Diana (Hrsg.): Evolving Jewish Identities in German Culture. Borders and Crossings. Westport, u.a.: Praeger 2000, S. 147-166. Hier S. 155.

[26] Vgl. z. B. JT S. 60: „Meine Ohren repetieren: Hannah in Viehwaggons eingeladen.“

[27] Vgl. Hirsch, Marianne: Past Lives. Postmemories in Exile. In: Poetics Today. Vol. 17 (1996) H. 4, S. 659-686 und Dies.: Surviving Images. Holocaust Photographs and the Work of Postmemory. In: The Yale Journal of Criticism. Vol. 14 (2001), H. 1, S. 5-37, sowie weitere Artikel von ihr.

[28] Vgl. Hirsch (2001), S. 9.

[29] Hirsch (1996), S. 662.

[30] Hirsch (2001), S. 12.

[31] Möglicherweise ist die Hauptfigur ja Joëmi, nach der die Geschichte benannt ist, da Joëmi aber im Text nicht erwähnt wird, bleibt diese Zuordnung eine Vermutung.

[32] Bachmann, S. 9.

[33] Nebenbei bemerkt ist Niederlausitz eigentlich eine Region, nicht eine Stadt, es müsste demnach „aus der Niederlausitz“ heißen, doch das „der“ ist ebenfalls weggefallen.

[34] Vielleicht ist dies aber auch Zufall, da Ruth ein relativ gebräuchlicher jüdischer Vorname ist.

[35] Vgl. Gölz S. 154.

[36] Schruff, Helene: Wechselwirkungen. Deutsch-jüdische Identität in erzählender Prosa der 'Zweiten Generation'. Hildesheim u.a.: Olms 2000. (Haskala 20). Hier S. 170.

Details

Seiten
75
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783832496074
Dateigröße
586 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v224687
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Philosophische Fakultät, Germanistisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
literatur identität juden

Autor

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Titel: Sich eine Identität erschreiben - zum Werk von Barbara Honigmann und Esther Dischereit