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Die Digitalisierung des deutschen Fernsehmarktes

Entwicklung und potenzielle Auswirkungen auf die Marktakteure

Diplomarbeit 2003 398 Seiten

Medien / Kommunikation - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Digitales Fernsehen: Grundlagen und Rahmenbedingungen

1 Basiswissen digitales Fernsehen
1.1 Begriffsdefinition ‚Digitales Fernsehen’
1.2 Entwicklung des deutschen Fernsehmarktes in der Retrospektive
1.3 Technische Grundlagen
1.3.1 Übertragungstechnische Standards
1.3.1.1 Analoge Fernsehübertragung
1.3.1.2 Datenreduktion und –kompression digitaler Signale nach den MPEG-Standards
1.3.1.3 Variable Signalqualität: Von HDTV bis LDTV
1.3.1.4 Digitale Modulation und Multiplexing
1.3.1.5 API: Application Programm Interface
1.3.1.6 MHP: Multimedia Home Platform
1.3.1.7 Conditional-Access-Systeme (CA)
1.3.1.8 Das Common Interface (CI)
1.3.1.9 Die Set-Top-Box
1.4 Digitale Übertragungswege
1.4.1 DVB-T: Terrestrische Übertragung
1.4.2 DVB-C: Breitbandkabel-Verteilnetze
1.4.3 DVB-S: Satellitennetze
1.4.4 Konvergenz zwischen TV und Internet?
1.4.4.1 Telefonkabelnetz
1.4.4.2 UMTS
1.4.4.3 Wireless LAN
1.4.4.4 Stromnetz

2 Technische Determinanten und Trends
2.1 Technologische Evolution: Digitalisierung im Consumer-Markt und im Segment der Professionellen Produktionsmittel
2.1.1 Die Digitalisierung im Consumer-Markt
2.1.2 Die Digitalisierung der professionellen Produktionsmittel
2.2 Frequenzknappheit in der Terrestrik und im Kabel
2.2.1 Knappe Frequenzen in der Terrestrik
2.2.2 Knappe Frequenzen im Kabel
2.3 Konvergenz der Informations-, Kommunikations- und Rundfunktechniken
2.4 Techniken für eine mobile Gesellschaft: Neue Möglichkeiten für M-Commerce

3 Rechtliche und politische Rahmenbedingungen
3.1 Rechtliche Rahmenbedingungen
3.1.1 Urheberrecht
3.1.2 Rundfunkrecht und Medienrecht im digitalen Zeitalter
3.1.2.1 Nationale Ebene
3.1.2.1.1 Verfassungsrecht: Rundfunkfreiheit
3.1.2.1.2 Bund: Rundfunkstaatsvertrag und BVG
3.1.2.1.3 Bund: Mediendienstestaatsvertrag (MDStV)
3.1.2.1.4 Informations- und Telekommunikationsdienstegesetz (IuKDG)
3.1.2.1.5 Länder: Landesmedienanstalten (LMA)
3.1.2.1.6 Gestaltungsräume im Rundfunkrecht
3.1.2.2 EG und EU: EG-Fernsehrichtlinie Europäisches Übereinkommen über das grenzüberschreitende Fernsehen
3.1.2.3 Kartellrecht und digitales Fernsehen
3.1.2.3.1 Kartellgesetz und Kartellaufsicht
3.1.2.3.2 EU: Die Kartellaufsicht der EU-Kommission
3.1.2.4 Fazit für die Aufsicht über das digitale TV in Europa
3.2 Politische Rahmenbedingungen
3.2.1 Zeitplan für den analogen Switch-off
3.2.2 Die Initiative ‚Digitaler Rundfunk’ (IDR)
3.2.3 Sicherung wettbewerblicher Strukturen auf Seiten der Programmveranstalter
3.2.4 Frequenzverwaltung: Wie lassen sich Lizenzvergabeverfahren ökonomisch sinnvoll gestalten?
3.2.4.1 Praxis der Lizenzvergabeverfahren
3.2.4.2 Konsequenzen wirtschaftlich ineffizienter Lizenzvergabeverfahren
3.2.4.3 Verbesserungsmöglichkeiten

4 Ökonomische Determinanten und Trends
4.1 Weltwirtschaftliche Entwicklung
4.2 Auswirkungen der Konjunkturschwäche auf den Mediensektor
4.3 Verschärfung des Wettbewerbs hin zum Hyperwettbewerb
4.4 Fixkostendegression im Zuge der Digitalisierung
4.4.1 Durchschnittskostendegression
4.4.2 Größenvorteile (economies of scale)
4.4.3 Verbundeffekte (economies of scope)
4.5 Kosteneinsparungspotenziale generiert durch die Digitalisierung der Produktionsmittel
4.6 Marktsegmentierung, Geschäftsmöglichkeiten und Erfolgsfaktoren der interaktiven Breitbandwelt
4.7 Die digitale Wertschöpfungskette / Kosteneinsparungspotenziale durch die Digitalisierung

5 Gesellschaftliche Determinanten und Trends
5.1 Hedonismus, Selbstverwirklichung, Individualisierung, Cocooning: Herausforderung für die Milieuforschung
5.2 Mobilitätsansprüche
5.3 Entwicklung zur Wissensgesellschaft und Informationsflut
5.4 Demographie
5.5 Fehlendes Unrechtsbewusstsein bei Content-Piraterie
5.6 Fazit

6 Der digitale Fernsehmarkt aus Sicht der Rezipienten
6.1 Einleitung: hoher Informationsbedarf über ‚Digital-TV’ in der Bevölkerung
6.2 Die Angebotsseite: Angebotsspektrum des digitalen TV
6.2.1 Verbesserte Bild- und Tonqualität
6.2.2 Transparenz durch Programmführer und Navigatoren
6.2.3 Digitale Bouquets
6.2.3.1 Bestehende und neue Programme als ‚bundle’
6.2.3.2 Spartenprogramme
6.2.3.3 TV anytime – Inhalte auf Abruf
6.2.3.3.1 Video-on-Demand
6.2.3.3.2 Near-Video-on-Demand
6.2.4 Interaktives Fernsehen
6.2.4.1 Enhanced Television
6.2.4.2 Einflussnahme auf Sendungen
6.2.4.3 Personalisierbarkeit der Angebote durch interaktives Fernsehen
6.2.4.4 Transaktion und interaktives Home-Shopping
6.2.4.5 Eigenständige Entertainment-Plattformen
6.2.4.6 Konvergenz mit dem Internet in Teilbereichen
6.2.4.7 Fazit zu den Möglichkeiten des interaktiven Fernsehens
6.2.5 Jugendmedienschutz im digitalen Fernsehen
6.3 Die Nachfrageseite: Marktverhalten der Konsumenten
6.3.1 Akzeptanz des digitalen Angebots
6.3.1.1 Erkenntnisse der Zuschauerforschung zur Akzeptanz digitaler TV-Angebote
6.3.1.2 Notwendigkeit von ‚Killer-Applications’ für eine schnelle Marktdurchdringung
6.3.1.3 Weitere für die Entwicklung des digitalen Fernsehens interessante Erkenntnisse
6.3.2 Heterogenität der Zuschauerpräferenzen

7 Der digitale Fernsehmarkt aus Sicht der technischen Distributoren
7.1 Marktstruktur und Rolle der technischen Distributoren in ausgewählten europäischen Ländern und in den USA
7.1.1 Marktstruktur und Rolle der Betreiber in ausgewählten europäischen Ländern
7.1.1.1 Verbreitung der Empfangsarten: Gesamteuropäische Zahlen
7.1.1.2 Kabel-TV in Europa: Verbreitung und Marketplayer
7.1.1.3 Verbreitung von Satelliten-TV in Europa
7.1.2 Marktstruktur und Rolle der Betreiber in den USA
7.2 Marktstruktur und Rolle der technischen Distributoren in Deutschland
7.2.1 Terrestrik: Revival eines totglaubten Ausstrahlungsweges?
7.2.1.1 Ausgangslage
7.2.1.2 Das Einführungsszenario
7.2.1.3 Marketing und Marktmodelle für DVB-T
7.2.2 Das Kabelnetz
7.2.2.1 Privatisierung und Eigentümerstruktur
7.2.2.2 Fehler der neuen Kabelnetzbetreiber am Beispiel von ish
7.2.2.3 Der problematische Verkauf der Kabel Deutschland GmbH (KDG)
7.2.2.4 Ausbau: Notwendigkeit und Kosten
7.2.2.5 Zukünftige Rolle der Kabelnetzbetreiber
7.2.3 Das Satellitennetz
7.2.3.1 Betreiber
7.2.3.1.1 SES ASTRA
7.2.3.1.2 EUTELSAT
7.2.3.2 Investitionen für das digitale Fernsehen
7.2.3.3 Zukünftige Rolle der Satellitenbetreiber
7.2.4 Das Internet
7.3 Gatekeeper-Funktion der digitalen Netzbetreiber: Schlussfolgerungen zur Sicherung marktwirtschaftlicher Strukturen auf der Ebene der Programmdistribution
7.4 Fazit zur Entwicklung der Verbreitung der digitalen Übertragungswege in Deutschland und in Europa
7.4.1 Entwicklung des digitalen Fernsehens in Deutschland
7.4.2 Entwicklung des digitalen Fernsehens in Europa
7.4.3 Ergebnisse der Expertenbefragung
7.4.4 Abschließendes Fazit

8 Der digitale Fernsehmarkt aus Sicht der Werbewirtschaft
8.1 Basiswissen zum deutschen TV-Werbemarkt
8.2 Aktuelle Betrachtung des Werbemarktes Deutschland
8.3 Neue und alte Werbeformen im digitalen Fernsehen
8.3.1 Überblick über die neuen Werbeformen und die aktuelle Werberichtlinien
8.3.1.1 Die Werberichtlinien
8.3.1.2 Klassische Werbespots
8.3.1.3 Split-Screen-Verfahren
8.3.1.4 Special Advertising
8.3.1.5 Sponsoring und virtuelle Werbung
8.3.1.6 Interaktive Werbung und Crossmedia
8.3.1.6.1 Interaktive Werbung
8.3.1.6.2 Crossmedia
8.3.2 Fazit zur heutigen Rolle der Werbeformen und deren künftiger Bedeutung im digitalen TV-Zeitalter
8.4 Zukunftsszenario: Entwicklung des Werbemarktes im digitalen TV-Zeitalter
8.5 Ergebnisse der Expertenbefragung

9 Der digitale Fernsehmarkt aus Sicht der Programmveranstalter
9.1 Auswirkungen der Digitalisierung auf ökonomische Eintrittbarrieren, Wettbewerbsintensität und Konzentrationsverhalten
9.1.1 Marktstrukturelle Bedingungen des Oligopols auf dem deutschen Digital-TV-Markt und dessen Kostenentwicklung auf Programm- und Distributionsebene
9.1.2 Wettbewerbsintensität
9.1.3 Konzentrationsprozesse
9.1.4 Kostentwicklung auf der Ebene der Distribution
9.2 Veränderung der Finanzierungsoptionen durch die Digitalisierung
9.2.1 Entgeltfinanzierte Programmangebote
9.2.1.1 Pay-TV: Abonnentenfernsehen
9.2.1.2 Pay-per-view
9.2.1.3 Pay-per-channel
9.2.1.4 Faktoren der Preisgestaltung
9.2.2 Werbefinanzierte Angebote
9.2.3 Transaktionsfinanzierte Programmangebote
9.2.3.1 Home-/ Teleshopping
9.2.3.2 Telefonmehrwertdienste
9.2.3.3 Interaktionsfinanzierte Angebote
9.2.4 Mischfinanzierung als meistgenutztes Finanzierungsmodell
9.2.5 Weitere Erlösquellen für Digital-TV-Veranstalter
9.2.5.1 Co-Produktion
9.2.5.2 Programmrechtehandel
9.2.5.3 EXKURS: Inter-Company-Erlösgenerierung am Beispiel ‚DSDS’
9.2.5.4 Merchandising und Licencing
9.2.5.5 Clubs
9.2.5.6 New Media und Erlösquellen durch interaktive Plattformen
9.2.6 Das US-Modell der contntorientierten (Abnahme-) Finanzierung durch die digitalen Netzbetreiber
9.2.6.1 Vorstellung des US-Modells
9.2.6.2 Prüfung einer Übertragbarkeit auf Deutschland
9.3 Konsequenzen der Digitalisierung für das Programm der TV-Sender
9.3.1 Erhöhter Contentbedarf
9.3.2 Konsequenzen des erhöhten Programmbedarfs für Programmbeschaffung und Programmrechtehandel
9.3.2.1 Wachsende Bedeutung starker Senderfamilien bei Content-Erwerb und –Verwertung
9.3.2.2 Notwendigkeit zum effektiven Bestandsmanagement nimmt zu
9.3.2.3 Budgets für Programmbeschaffung werden durch Ausweitung des Programmvolumens kleiner
9.3.2.4 Wachsender Kostendruck führt zu mehr Wettbewerb
9.3.2.5 Wachsende Konzentration auf einzelne, imageträchtige Premiumprogramme bei großen Sendern
9.3.2.6 Steigende Preise für Content durch steigende Nachfrage
9.3.2.7 Wachsende Bedeutung von Eigen- und Auftragsproduktionen
9.3.2.8 Internationaler Programmmarkt bleibt wichtige Beschaffungsquelle
9.3.2.9 Wachsende Bedeutung von unique-selling-propositions
9.3.2.10 Änderungen in der Wertschöpfungskette durch die Digitalisierung
9.3.2.11 Wachsende Bedeutung des Barterings
9.4 Strategische Optionen der Sender und Sedergruppen auf dem Weg ins
Digitale TV-Zeitalter
9.4.1 Konsequenzen der Digitalisierung für die öffentlich-rechtlichen Anstalten
9.4.1.1 Auswirkungen der digitalen Entwicklung auf das Rundfunkgebührenmodell
9.4.1.2 Strategische Optionen der ARD
9.4.1.3 Strategische Optionen für das ZDF
9.4.2 Strategische Optionen von RTL und der RTL-Group
9.4.3 Strategische Optionen der ProSiebenSat.1 Media AG
9.4.4 Konsequenzen der Digitalisierung für das Pay-TV
9.4.5 Konsequenzen der Digitalisierung für einzelne bundesweit oder regional agierende Sender

Schlussbetrachtung und Ausblick

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Anhang: Fragebogen und Auswertung

Einleitung

„Eine neue Technologie

fügt nichts hinzu und

zieht nichts ab.

Sie verändert vielmehr alles.“

Neil Postman

Der deutsche TV-Markt wird sich nach Meinung vieler Experten in den nächsten zehn Jahren grundlegend verändern. Auslöser und eine der treibenden Kräfte dieses Prozesses wird die komplette und unwiderrufliche Umstellung der technischen Verbreitung der TV-Signale von der analogen auf die digitale Distribution sein.

Diese technologische Evolution wird mit ihren Auswirkungen aber nicht auf die technischen Dienstleister beschränkt bleiben. Vielmehr wird es ausgehend von den neuen technologischen Parametern zu Veränderungen in allen Bereichen und bei allen Akteuren des deutschen, europäischen und auch internationalen Fernsehmarktes kommen.

Für die Konsumenten bedeutet das digitale Fernsehen zunächst einmal eine Ersatzinvestition, um analoge (TV-) Geräte empfangstauglich zu machen. Einem Großteil der Bevölkerung erschließt sich jedoch aufgrund des bislang unzureichend kommunizierten Zusatznutzens und der Sinnhaftigkeit der Grund für eine solche Investition noch nicht in wünschenswertem Maße. Dabei wird die Einführung von Digital-TV in ihrer Konsequenz für die Zuschauer aber eigentlich eine deutliche Aufwertung des Angebots mit sich bringen. Diese Verbesserung des Angebots wird sicher nicht nur auf Art und Umfang der TV-Programme beschränkt bleiben, sie bedeutet darüber hinaus auch die Erschließung der ‚heimischen Wohnzimmer’ durch die Einführung von Applikationen im Konvergenzbereich von TV, Internet und Telekommunikation.

Nach dem notwendigen Ausbau der technischen Infrastruktur durch die Netzinhaber, die zunehmend versuchen werden, sich als Anbieter von Programminhalten und Zusatzdiensten durch den Aufbau eigener digitaler Plattformen zu positionieren, werden sich den Konsumenten umfangreiche interaktive Möglichkeiten bieten.

Gerade die durch einen integrierten Rückkanal mögliche ‚Interaktivität’ erlaubt die Erschließung bislang nicht nutzbarer Potenziale für neue Geschäftsmodelle in den Bereichen Content, Assets, Applikationen und Werbung. Hier liegen für die TV-Veranstalter große Chancen, aber auch nicht zu unterschätzende Risiken bis hin zu existenziellen Bedrohungen. Vorrangige Aufgabe des Managements dieser Sender wird es sein, ihr Unternehmen in den nächsten Jahren strategisch bestmöglich auf die veränderten Parameter des Marktes neu auszurichten und es so auf die Herausforderungen des digitalen Wettbewerbs vorzubereiten.

Die Veranstalter werden mittelfristig die Entscheidung zu treffen haben, ob sie ihr Angebot einfach beizubehalten versuchen, eine vertikale Diversifikation entlang der Wertschöpfungskette anstreben oder horizontal expandieren sollen.

Es besteht die Gefahr, dass die bisherige Kongruenz des Wachstums der Werbeeinnahmen und der Vermehrung der Programmangebote in der digitalen Zukunft keinen Bestand mehr haben wird: Es ist davon auszugehen, dass der Werbemarkt - wenn überhaupt - nicht mit der gleichen Geschwindigkeit Maße wachsen wird, wie sie sich für die Zunahme der Programmangebote abzeichnet. Dies hat zur Konsequenz, dass die Refinanzierbarkeit dieser Inhalte in Frage gestellt wird. Letztendlich wird es darum gehen, ob der deutsche Markt überhaupt in der Lage ist, eine deutliche Vermehrung der Angebote unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu tragen.

Zwar gibt es bereits und wird es im Werbemarkt auch diverse, ebenfalls erst durch die Digitalisierung mögliche, neue Werbeformen und somit neue Einnahmepotenziale geben, jedoch werden diese wohl eher zu Lasten bereits bestehender Werbespendings in klassischen Werbeformen (z. B. Spotwerbung) gehen.

Somit werden neue Formen der Finanzierung (z. B. Provisionen aus interaktiven, transaktionsbasierten Umsätzen), vor allem aber auch die konsequente Nutzung bereits bekannter und bislang nicht optimal ausgeschöpfter Einnahmequellen bei gleichzeitiger Reduktion der Kosten in nahezu allen Bereichen eine tragende Rolle in der digitalen Fernsehlandschaft der Zukunft spielen.

Ziel dieser Arbeit ist es, Eckpunkte der Veränderung und mögliche, durch die Digitalisierung bedingte Entwicklungstendenzen des deutschen Fernsehmarktes für alle Marktakteure aufzuzeigen und auch Vorschläge für deren Handlungsoptionen zu entwerfen.

Dazu befasst sich Kapitel sechs mit dem digitalen Fernsehmarkt aus Sicht der Rezipienten, Kapitel sieben legt seinen Fokus auf die technischen Distributoren und Kapitel acht versucht, Auswirkungen der Veränderungen im TV-Markt aus der Perspektive der Werbewirtschaft zu betrachten. Kapitel neun schließlich beschäftigt sich mit den Konsequenzen für künftige digitale Programmveranstalter.

Dies kann nicht ohne eine Berücksichtigung des aktuellen Status quo und die zur Zeit auf den TV-Markt und seine Akteure einwirkenden Faktoren geschehen. Dazu gehört sowohl eine Einführung in die technischen Grundlagen der Digitalisierung und die zugehörigen Begrifflichkeiten in Kapitel eins, als auch die Darstellung technischer Determinanten und Trends in Kapitel zwei. Das dritte Kapitel befasst sich mit rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen. In Kapitel vier werden einige ökonomische Parameter betrachtet und das fünfte Kapitel geht näher auf gesellschaftliche Aspekte ein.

Eine über die Skizzierung hinausgehende Betrachtung der Determinanten und Trends würde den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit verfolgten die Verfasser lediglich das Ziel, mit den Erläuterungen die Vielfältigkeit der Einflüsse auf den heutigen Markt, der sich in der Übergangsphase zwischen analogem und digitalem Zeitalter befindet, zum Ausdruck zu bringen.

Die Komplexität der interdependenten Faktoren äußert sich beispielsweise darin, dass die großen deutschen Sender technisch schon seit einigen Jahren in der Lage sind, ihre Programme digital auszustrahlen und dies auch – praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit - tun. De facto gibt es hier also Markteinflüsse, die weit über die rein technische Realisierbarkeit hinausgehen.

Nur langsam setzt sich auf Rezipientenseite dieses „neue Medium“ durch. Die oben genannten und in den Kapiteln dieser Arbeit ausgeführten Aspekte sind ein wesentlicher Grund hierfür.

Mit Hilfe eines schriftlichen Fragebogens wurde außerdem die Meinung von Experten zu den Teilbereichen dieser Arbeit eingeholt. Die Ergebnisse finden sich an passender Stelle in den jeweiligen Kapiteln und in detaillierter, übersichtlicher Form unter ‚Auswertung der Rückläufe des Fragebogens’ im Anhang.

“There is nothing more difficult to initiate,

more perilous to conduct,

or more uncertain in its success,

than the introduction of a new order of things."

Machiavelli ( 1509)

1 Basiswissen über digitales Fernsehen

1.1 Begriffsdefinition ‚Digitales Fernsehen’

Für das digitale Fernsehen in Europa steht stellvertretend generell die Abkürzung DVB, die dann noch um die Kurzbezeichnung der Distributionsweise (per Satellit [ DVB-S ], Kabel [ DVB-C ] oder Terrestrik [ DVB-T ]) erweitert angegeben wird. Hinter DVB verbirgt sich ein international vereinbarter Standard für die Übertragung Quelle: Deutsche TV-Plattform 2001

digitaler Signale, welcher 1993 durch die Zusammenführung der einzelnen Forschungs-, Entwicklungs- und Feldversuchsprojekte im sogenannten European DVB Project ‘, also European Digital Video Broadcasting Project, entstand. Vorrangige Aufgabe des Projektes war und ist nach wie vor die Ausarbeitung der technischen Grundlagen für den konkreten Normierungsprozess und die Unterstützung bei der Einführung neuer Dienste (vgl. digital fernsehen [Internetpräsenz] 2002).

Je nach Übertragungsqualität und -bedarf kann auf einem Kanal für analoges TV-Programm ein Mehrfaches an digitalen Fernsehprogrammen übertragen werden. DVB erlaubt zusätzlich den Empfang von Radioprogrammen, Computerdaten bzw. Internet- und (multimedialen) Zusatzdiensten (vgl. Messmer 2002, S. 19). Die entsprechenden Informationen werden zunächst auf Senderseite durch den Einsatz von Analog/Digital-Wandlern in einen Binärcode aus Einsen und Nullen zerlegt, codiert und auf Empfängerseite wieder decodiert, um zu Bildern, Tönen, Texten oder sonstigen Daten zusammengesetzt und schließlich dargestellt werden zu können. Der Begriff des ‚digitalen Fernsehens‘ erscheint in der Literatur häufig neben Begriffen wie ‚Multimedia‘ oder ‚interaktives Fernsehen‘. In ähnlicher Weise hat die Gleichsetzung des ‚digitalen Fernsehens’ mit dem Abonnentenfernsehen (Pay-TV) im Sprachgebrauch der deutschen Öffentlichkeit mehr und mehr zugenommen. Beide hier genannten Vorgehensweisen sind dazu geeignet, Verwirrung zu stiften. In der hier vorliegenden Arbeit möchten die Verfasser der ungenauen Begrifflichkeit mit einer Definition des ‚digitalen Fernsehens’ entgegenwirken, mit deren Hilfe eine Eingrenzung des Begriffs insbesondere hinsichtlich der Problemstellung im Zusammenhang mit dem Übergang zu einem vollständig digitalisierten Fernsehsystem in Deutschland erfolgen soll. Unter digitalem Fernsehen in diesem Sinne verstehen die Verfasser in erster Linie Angebote, die

- in Form digitaler Daten über verschiedene Distributionsmedien vom Sender zum Empfänger transportiert und im Falle audiovisueller Inhalte besonderen Datenkompressions- und Datenreduktionsverfahren unterzogen werden,
- mit Ausnahme der reinen ‚1-to-1‘-Individual-Kommunikationsdienste Anwendungen, Programme bzw. Dienste darstellen, die zu den bereits heute bekannten und künftig hinzukommenden Interaktivitätslevels zugerechnet werden können und
- nur mit einer digitalen Set-Top-Box empfangen werden können, die in der derzeitigen Marktentwicklungsphase als Zusatzgerät zum Analogempfänger vertrieben wird und später herstellerabhängig als Bauteil in einem digitaltauglichen Fernsehgerät integriert sein kann (Integrated Television) . (Definition in Anlehnung an Messmer (vgl. Messmer 2002, S. 63).

1.2 Entwicklung des deutschen Fernsehmarktes in der Retrospektive

Als das öffentlich-rechtliche Fernsehen am 25. Dezember 1952 mit dem Vorgänger des ersten Programms der ARD seinen regulären, damals noch in ‚Schwarz-Weiss‘ ausgestrahlten Sendebetrieb aufnahm, war es noch weit vom Status eines Massenmediums entfernt (der offizielle Beginn des Farbfernsehens in der BRD fand erst 1967 statt, vgl. Grünwald 2001, S. 7). Da zudem die Empfangsgeräte in der damaligen Zeit aufgrund noch nicht einsetzender Serien- bzw. Massenfertigung noch sehr teuer waren, blieb der Empfang von Fernsehsendungen lediglich auf eine recht kleine, privilegierte Bevölkerungsgruppe beschränkt. Dies änderte sich in den folgenden Jahren, als die Herstellung von TV-Empfangsgeräten immer kostengünstiger wurde und zur Folge hatte, dass ein Fernsehgerät bald mit zur Standardausstattung beinahe eines jeden bundesdeutschen Haushalts gehörte. Der Umstand, dass die Fernsehprogramme damals nur ausschließlich terrestrisch ausgestrahlt werden konnten, machte den aufwändigen Aufbau entsprechend ausgelegter Sendernetze erforderlich, so dass durch deren Transportkapazität im Jahre 1965 die Übertragung von insgesamt drei Fernsehprogrammen möglich war (vgl. Messmer 2002 S. 15). Dieser Zeitabschnitt zu Beginn der Geschichte des Fernsehens in der damals noch jungen Bundesrepublik Deutschland, kann im Hinblick auf die Rundfunkveranstaltung als ‚erste Revolution‘ bezeichnet werden. In den Jahren von 1980 bis 1990 wurden dann durch Politik und technologische Entwicklung die Rahmenbedingungen für eine Reihe neuer, nun privatwirtschaftlich organisierter Rundfunkprogramme geschaffen. Durch die Möglichkeit der Stationierung von LEOS -Satelliten (L ow- E arth- O rbiter- S atellites) (LEOS kreisen in einer relativ niedrigen Flughöhe von 500–1500 km um die Erde, so dass die Signale auch mit geringer Sendestärke übertragbar sind) auf erdnahen Orbitalpositionen und GEOS -Satelliten (G eo- S tationary- O rbiter- S atellites) (GEOS kreisen auf einer Umlaufbahn in 36000 km Höhe) auf geostationären Orbitalpositionen und der daraus resultierenden Bereitstellung von Transpondern auf den Satelliten, den Satellitendirektempfang und den Ausbau der Kabelverteilnetze war es von da an prinzipiell möglich, in Deutschland etliche neue Programme zu empfangen. Damit konnte die ‚zweite Revolution‘ ihren Siegeszug antreten. Darüber hinaus wurde Anfang 1991 mit dem von Bertelsmann gegründeten Abonnentenfernsehsender Premiere das bis dahin in Deutschland völlig unbekannte entgeltfinanzierte Fernsehen, welches in den Folgejahren als Pay-TV bekannt wurde, eingeführt. Mit der von der KirchGruppe im Juli 1996 am Markt eingeführten Pay-TV-Plattform DF1, dem ersten deutschen Anbieter digitaler Fernsehprogrammbouquets, vollzog sich der Beginn der ‚dritten Revolution‘ im Bereich des Fernsehens. Ein Novum der TV-Plattform DF1 bestand darin, dass deren Angebot ausschließlich digital und nur mit Hilfe entsprechender vor den Fernsehempfänger zu schaltender Geräte, sogenannter „Set-Top-Boxen“, die das digitale Eingangssignal in ein für die herkömmlichen Fernsehgeräte verständliches, abbildbares analoges Signal zurückwandelten, zu empfangen war. Die DF1 -Abonnenten bezahlten eine monatliche, vom jeweiligen Umfang der georderten Programmpakete abhängige Gebühr und erhielten dafür im Gegenzug eine Zusammenstellung verschiedener Spartenprogramme (dies wird mit Pay-per-channel bezeichnet). Die beiden am Markt konkurrierenden TV-Programmbouquet-Anbieter PREMIERE und DF1 wurden dann im Oktober 1999 unter der Führung der KirchGruppe zum Digitalbouquet PREMIERE WORLD ‘ zusammengeführt, das seither in Deutschland eine marktbeherrschende Stellung einnimmt. Eine von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission, die I nitiative D igitaler R undfunk (IDR), sprach sich angesichts der technischen Entwicklung dafür aus, spätestens im Jahr 2010 die analoge terrestrische Distribution von Fernsehveranstaltung in Abhängigkeit von der bis dahin realisierten Haushaltsreichweite endgültig auslaufen zu lassen und vollständig durch die digitale Distributionstechnik zu ersetzen (vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie 1998, S. 1ff). Früher könnte hier in Deutschland die Umstellung nur über den Distributionsweg Satellit erreicht werden. In den USA dagegen wurde beschlossen, dass dort bereits im Jahr 2006 die analoge vollständig von der digitalen Fernsehsignalverbreitung abgelöst sein soll (vgl. Messmer 2002, S. 16). Ob dieser von der Bundesregierung dem deutschen Markt aufoktruierte Zeitplan eingehalten werden kann, ist unklar. Es stellt sich in der Tat die Frage, wie lange die Übergangsphase bis zum analogen Switch-off tatsächlich noch dauern wird.

1.3 Technische Grundlagen

1.3.1 Übertragungstechnische Standards

1.3.1.1 Analoge Fernsehübertragung

Verglichen mit der analogen Signalübertragung ist das digitale Fernsehen erst einmal nicht mehr als ein neues Verfahren zur Übertragung von Fernsehsignalen vom Sender hin zum Empfänger. Kommen bei der analogen Technik dabei elektromagnetische Schwingungen zum Einsatz, greifen digitale Standards auf die aus der Computertechnik bekannten Datenströme zurück, die durch die Abfolge von Nullen und Einsen, den so genannten Binärcodes, entstehen (vgl. dazu Lenz/Reich 1999, S. 29). Werden auch in Konsequenz dieser Verfahrensanwendung erweiterte Anwendungsformen von Fernsehdiensten ermöglicht, ist die Digitalisierung „des Fernsehens“ prinzipiell allein die Veränderung des Übertragungsverfahrens. Bei der analogen Fernsehübertragung wird zunächst das zu sendende Objekt durch eine Kamera elektronisch „abgetastet“, die das Bild in eine Vielzahl einzelner Zeilen zerlegt (vgl. dazu Ziemer 1997, S. 24). Das generierte Signal wird einer sogenannten Trägerwelle per Amplitudenmodulation „aufgesetzt“ und von der Sendeantenne ausgestrahlt. Außer den Bildsignalen selbst werden dabei auch sogenannte Synchronisierwellen gesendet, die den Gleichlauf des Elektronenstrahls in der Empfangsröhre mit dem Elektronenstrahl der Senderöhre sicherstellen. Das zum jeweiligen Bild gehörende Tonsignal wird auf einer eng benachbarten Trägerwelle übertragen (vgl. dazu Grünwald 2001, S. 9). Nachdem diese Signale von der Empfangsantenne aufgefangen wurden, macht der Elektronenstrahl der Braun’sche Röhre das Bild im TV-Empfangsgerät des Zuschauers sichtbar (vgl. dazu Ziemer 1997, S. 13ff). Bei der analogen Distribution werden jede Sekunde 25 Bilder übertragen, die als jeweils zwei Halbbilder auf dem Fernsehschirm dargestellt werden. Zuerst wird jeweils in den ungeraden Zeilen (1,3,5,...) das erste Halbbild vom Elektronenstrahl der Braun’schen Röhre abgebildet. Ist der Elektronenstrahl am unteren Ende des Bildschirms angekommen, wird nach der horizontalen und vertikalen Austastlücke mit den geraden Zeilen (2,4,6...) das fehlende zweite Halbbild dargestellt.

Im Gegensatz zur Videorekorder-Technik, bei der sich das VHS-System gegenüber Video 2000 und Betamax jedenfalls im so genannten ‚Consumerbereich‘ (Heim- bzw. Privatbereich) als weltweiter Standard etabliert hat, konkurrieren beim analogen Farbfernsehen nach wie vor drei verschiedene Systeme miteinander. Diese sind PAL (Phase Alternating Line), NTSC (National Television Systems Commitee) und SECAM (Séquentiel Couleur Avec Memoire) (Ziemer 1997, S. 13ff). Das letztgenannte System ist in Frankreich und den meisten osteuropäischen Ländern sehr stark verbreitet, NTSC in den USA und Japan und PAL im restlichen Europa. Die drei Standards sind zueinander jeweils nicht kompatibel, weil alle drei Systeme bei der Abbildung farbiger Bilder auf unterschiedliche Art und Weise vorgehen (vgl. dazu Grünwald 2001, S. 9). In Konsequenz dessen bildeten sich im Bereich der TV-Geräte drei vollkommen eigenständige Märkte heraus, da zum Beispiel ein PAL-Gerät ein im NTSC-Modus übertragenes Bild nicht verarbeiten und folglich auch nicht darstellen kann. Die einzelnen analogen Fernsehstandards unterscheiden sich ferner nicht zuletzt in der Qualität der Bilddarstellung.

So setzt sich bei PAL und SECAM das Fernsehsignal aus 50 Halbbildern pro Sekunde mit je 625 vertikalen Bildpunkten zusammen, während NTSC bei 60 Halbbildern mit 525 vertikalen Bildpunkten arbeitet. Daraus resultiert ein unterschiedlicher Kapazitätsbedarf der jeweiligen Signale bei der Übertragung. Dieser beläuft sich bei NTSC auf 6 MHz pro Fernsehsignal (Bild, Ton- und Farbinformation eines einzelnen Programms), während bei PAL und SECAM je 7 MHz dafür benötigt werden (vgl. dazu Grünwald 2001, S. 9). Analoge Signale haben die Eigenschaft, wert- und zeitkontinuierlich zu sein, d.h. ein analoges Signal kann theoretisch zu jedem beliebigen Zeitpunkt jeden beliebigen Wert annehmen. Im Unterschied dazu sind digitale Signale wert- und zeitdiskret, d.h. jedem digitalen Signal ist, nachdem es durch Abtastung und Quantisierung digitalisiert wurde, zu jedem Zeitpunkt genau ein Wert zugeordnet, der beibehalten wird, bis eine neue Signalinformation erfolgt (vgl. dazu Ziemer 1997, S. 27).

1.3.1.2 Datenreduktion und –kompression digitaler Signale nach den MPEG-Standards

Ein bewegtes Bild in Fernsehen oder Film ist prinzipiell nichts anderes als die Aneinanderreihung von 25 Einzelbildern pro Sekunde unter Ausnutzung der Augenträgheit. Bereits seit Jahren wird im Computer- und Grafikbereich für einzelne (Stand-) Bilder das durch die J oint P icture E xpert G roup (kurz: JPEG) standardisierte und unter der Kurzbezeichnung JPEG bekannt gewordene Datenreduktionsverfahren angewendet. Durch die Digitalisierung der TV-Signale war es nur noch eine Frage der Zeit, bis ein ähnliches Verfahren auch für den Einsatz für digitale Fernsehbildsignale entwickelt werden würde. Das Ergebnis war ein inzwischen weltweit anerkannter und verbreiteter Datenreduktionsstandard, der unter der Bezeichnung MPEG bekannt ist. Dieser Standard wurde durch die M otion (bzw. M oving) P icture E xpert G rou p entwickelt, die sich mit der digitalen Codierung von Bewegtbild und dazugehörendem Ton beschäftigt (vgl. Ziemer 1997, S. 236).

Die Gemeinsamkeit zwischen Datenkompression und Datenreduktion ist die Tatsache, dass die Trägheit menschlicher Augen und Ohren es erlaubt, ‚überflüssige‘, also redundante Informationen bei Bildern und Tönen zusammenzufassen bzw. wegzulassen. Entscheidender Unterschied zwischen Datenkompressions- und Datenreduktionsverfahren ist die Behandlung der redundanten Informationen. Im Falle der Datenkompression werden die Daten ohne Informationsverlust auf ein Höchstmaß zusammengepresst (komprimiert). Man kann diesen Vorgang mit dem „Zippen“ von Computerdateien vergleichen. Nach dem „Entpacken“ stehen die Daten wieder in ursprünglicher Form zur Verfügung. Datenkompressionsverfahren spielen im Bereich des digitalen Fernsehens eine nachrangige Rolle (siehe dazu Messmer, 2002, S. 21ff). Im Gegensatz dazu kommt die Datenreduktion, auch Quellcodierung genannt, in Form des MPEG 2-Verfahrens für die digitale TV-Signalverarbeitung und Distribution zum Einsatz. Bei der sogenannten Irrelevanzreduktion werden die überflüssigen, redundanten Bild- und Toninformationen bei der Übertragung einfach weggelassen. In der Praxis bedeutet das, dass lediglich nur noch die Bild- und Toninformationen übermittelt werden müssen, die sich zum vorhergegangenen Bild verändert haben, was als Redundanzeliminierung bezeichnet wird (vgl. dazu Lenz/Reich 1999, S. 33ff). Wenn sich im Bild im Vergleich zum vorherigen nichts ändert, ist es ausreichend, nur jedes zwölfte Bild zu übertragen. Grund dafür ist auch in diesem Falle die Visions- und Auralpersistenz, also die Trägheit der menschlichen Augen und Ohren.

Um den Grad der Datenreduktion noch weiter zu erhöhen, können zusätzlich verschiedene Verfahren der Bewegungskompensation (vgl. dazu Lenz/Reich 1999, S. 33ff) angewendet werden. Dabei wird die Bewegung zwischen zwei Bildern abgeschätzt und dies als zusätzliche Information den Daten hinzugefügt. Gleichzeitig wird die Bewegung in den Bildern kompensiert und die Differenz zwischen den Bildern gebildet. Diese Differenz beinhaltet dann nur noch die Änderungen zwischen den Bildern, die nicht durch Bewegung entstanden sind. Ein Beispiel: Ein Nachrichtensprecher sitzt im Studio vor einem Blue Screen, einem blauen Hintergrund, und trägt eine politische Meldung vor. Am Hintergrund ändert sich mehrere Minuten lang nichts, folglich muss nur jedes zwölfte Bild zum Zuschauer übertragen werden. Lediglich die wenigen Bewegungen, die der Sprecher mit Kopf, Mund und ggf. seinen Händen macht, müssen in jedem Bild übermittelt werden. Im Gegensatz dazu ändern sich bei einer Fußballübertragung die Bildinhalte permanent. Folglich können diese wegen möglichen Blocking- oder Burst-Fehlern nicht so stark datenreduziert werden, was bedeutet, dass ein digitaler Sportkanal einen größeren Datenstrom zum Rezipienten übertragen muss als ein reiner Nachrichtenkanal. Daher benötigt ein Sportkanal eine erheblich größere Bandbreite bzw. Übertragungskapazität. Für das digitale Fernsehen ist bisher ausschließlich MPEG 2 relevant. Nachfolgend sind die einzelnen MPEG-Varianten aufgeführt:

MPEG 1: Für Anwendungen hauptsächlich im Computer- und Audiobereich (z. B. MPEG 1 Layer 3 = mp3 für Internetmusikdateien) mit einer Datenrate bis zu 1,5 Mbit/s (vgl. Messmer 2002, S. 22).

MPEG 2: Für Anwendungen im Fernsehbereich, Reduktion auf Datenraten von 2 bis 15 Mbit/s möglich. MPEG 2 erlaubt die Codierung von Bildern mit Standardauflösung (720x576 Pixel) bis hin zur HDTV-Auflösung (1920x1152 Pixel) (vgl. Messmer 2002, S. 22; siehe dazu auch Ziemer 1997, S. 365).

MPEG 3: Sollte die digitale Codierung für hochauflösendes Fernsehen (HDTV) ermöglichen. Jedoch nicht weiterverfolgt, da HDTV bereits bei MPEG-2 umgesetzt wurde (vgl. Messmer 2002, S. 22).

MPEG 4: Für Anwendungen im Multimediabereich vorgesehen. Kleine Datenraten von maximal 10kBit/s möglich (vgl. Messmer 2002, S. 22.). Mit MPEG 4 soll eine gegenüber MPEG 2 erhöhte Codiereffizienz erreicht werden, des weiteren wird durch die Einführung von Objekten und Objektebenen ein Interaktiver Umgang ermöglicht. Darüber hinaus wird ein universeller Zugriff auf die Daten über verschiedenste Speichermedien und Netzwerke unterstützt. Der Normierungsprozess dauert an (vgl. Schmidt 2003, S. 149ff.).

MPEG 5 und MPEG 6: ist nicht definiert (Schmidt 2003, S. 149ff).

MPEG 7: Knüpft an die Errungenschaften von MPEG 4 an, wobei MPEG 7 nicht das Ziel einer weiteren Erhöhung der Datenreduktion verfolgt, sondern das des Content Managements. MPEG 7 wird im Standard als Multimedia Content Description Interface ausgezeichnet und bietet eine Beschreibung dessen, was die bislang entwickelten MPEG-Standards liefern. Basis dafür sind die sogenannten Metadaten (Daten über Daten), die entweder zusammen mit dem Programm oder unabhängig davon gespeichert werden können. MPEG 7 hat aber den Anspruch, weit über die proprietäre (geschlossene) Verwendung von Metadaten hinauszugehen (vgl. Schmidt 2003, S. 149ff).

MPEG 8 bis MPEG 20 : ist nicht definiert (Schmidt 2003, S. 149ff).

MPEG 21: Bindet zusätzlich die Verwaltung digitaler Rechte (Digital Rights Management) mit ein. Mit Hinblick auf Interoperabilität auf Anwenderseite, also die Kompatibilität in Bezug auf Formate, Codecs und Metadaten in dynamischen Business-Systemen zielt MPEG 21 auf die Bereitstellung eines Multimedia Frameworks ab. Hierbei wird versucht, verschiedene Elemente der Infrastruktur vom Lieferanten des Contents bis zum Rezipienten und ihre Beziehungen zueinander zu beschreiben (vgl. Schmidt 2003, S. 149ff).

Beim digitalen Fernsehen werden die Bild- und Toninformationen vor der Übermittlung digitalisiert (sofern sie nicht schon in digital aufgezeichneter Form vorliegen), d. h. das jeweilige Eingangssignal wird in eine Abfolge von Binärzahlen (Nullen und Einsen) zerlegt (die Einzelschritte im prozessualen Ablauf der Digitalisierung nennt man Abtastung und Quantisierung, vgl. Ziemer 1997, S. 26ff). Eine solche Folge von je vier Zeichen wird als ein ‚Bit‘ bezeichnet. Nach Abschluss des Digitalisierungsprozesses ist das Ergebnis ein kontinuierlicher Datenstrom (Bitstrom), der in Bits pro Zeiteinheit (Sekunden) gemessen wird. Ein digitalisiertes, nicht datenreduziertes Video- und Audiosignal in PAL-Qualität (SDTV) verursacht einen Datenstrom von etwa 220 Mbit/s, bei HDTV sogar einen von über 1,1 Gbit/s. Via Satellit oder Kabel steht aber lediglich eine Übertragungskapazität von weniger als 40 Mbit/s pro Kanal zur Verfügung, im Falle terrestrischer Übertragung sogar nur etwa 20 bis 25 Mbit/s.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Datenraten bei analogem, digitalem und datenreduziertem digitalen Signal

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Lenz/Reich 1999, S. 33

Anstatt einem Datenstrom von 270Mbit/s müssen dann nur noch zwischen 2 und 8 Mbit/s übertragen werden. Beim Rezipienten ist am TV-Anschluss noch vor dem Fernsehempfänger ein entsprechendes Gerät, eine sogenannte Set-Top-Box, installiert, welches die binär codierten Daten aus Bits und Bytes dann wieder decodiert und in Bilder, Töne und sonstige Daten umsetzt und schließlich auf dem Fernsehschirm sichtbar macht. Je höher der Datenreduktionsfaktor gewählt wird, desto weniger Daten müssen folglich übertragen werden (vgl. dazu Messmer 2002, S. 21).

Die Datenreduktionstechnologie ermöglicht somit eine Vervielfältigung der nutzbaren Kanäle auf das Sechs- bis Zehnfache (siehe Abb. 1). Mit den neuen Technologien verringert sich der Aufwand zur Verbreitung von Fernsehprogrammen. Dies ermöglicht auch Kleinanbietern die Ausstrahlung von Programmen in akzeptabler Bild- und Tonqualität (vgl. dazu Ziemer 1997, S. 357).

1.3.1.3 Variable Signalqualität: Von HDTV bis LDTV

Durch den Einsatz von Irrelevanzreduktion, Bewegungskompensation und Statischer Redundanz ist es aufgrund der starken Komprimierung nach dem heutigen Stand der Technologie möglich, auf einem Übertragungskanal, auf dem bisher nur ein Fernsehprogramm Platz hatte, je nach erforderlicher Bandbreite zwischen sechs und zehn Programme in erheblich besserer Qualität und zudem absolut störungsfrei zu übertragen. Datenreduktionsverfahren erzeugen je nach Ausgangssignal Übertragungsraten in erheblich unterschiedliche Höhe. Diese höheren Datenraten sind z. B. bei Sportübertragungen infolge des ständig wechselnden Bildinhalts erforderlich. Die entsprechend notwendige Bandbreite zur Übertragung des digitalen Fernsehsignals sollte somit sinnvollerweise variabel sein. Die variable und temporäre Zuteilung ist heute bereits möglich. Im Folgenden sind die verschiedenen Qualitätsebenen aufsteigend sowie die dazugehörenden korrespondierenden Datenraten bei datenreduziertem Digitalen Fernsehen beschrieben:

- LDTV (Limited [bzw. Low] Definition Television) ist die Qualitätseinstufung von Fernsehdiensten, die auf kleinen Geräten bzw. Bildschirmen wiedergegeben und in einfacher Bild- und Tonqualität ausgestrahlt werden, die etwa einer bekannten Standard-VHS-Aufzeichnung entspricht. Programme in LDTV, bei denen die horizontale und vertikale Auflösung jeweils etwa halbiert werden, wodurch sich ein System mit 288 Zeilen ergibt, haben also qualitativ herabgesetzte Wiedergabeeigenschaften gegenüber dem heute üblichen Fernsehsystem nach PAL-Norm. Die erforderliche Datenrate für LDTV beträgt 1,5 bis 2 Mbit/s (vgl. Messmer 2002, S. 23 und Ziemer 1997, S. 426ff).

- SDTV (Standard Definition Television) ist vorgesehen für TV-Programme, welche die Qualitätseinstufung mit etwa gleichen Wiedergabeeigenschaften wie beim heutigen PAL-Fernsehsystem aufweisen und auf Standard-TV-Geräten wiedergegeben werden (vgl. dazu Ziemer 1997, S. 426ff). Die Datenraten bei SDTV liegen bei 3 bis 4 Mbit/s (vgl. Messmer 2002, S. 23).

- EDTV (Enhanced Definition Television) dient als Qualitätseinstufung für Fernsehprogramme, die auf mittleren bis großen Fernsehgeräten und Bildschirmen wiedergegeben und mit verbesserter Bild- und Tonqualität im Vergleich zur PAL-Norm ausgestrahlt werden, wobei jedoch die vertikale Auflösung mit effektiv 576 Zeilen beibehalten wird. EDTV-Formate sollen auch das neue Bildverhältnis 16:9 unterstützen (vgl. dazu Ziemer 1997, S. 426ff). Die Datenrate bei EDTV beträgt 6 bis 9 Mbit/s (vgl. dazu Messmer 2001, S. 23).

- HDTV (High Definition Television) ist das hochauflösende Fernsehsystem, das mit mehr als 1000 Zeilen und mit einem Bildformat von 16:9 eine mit Kino vergleichbare Bildqualität erreicht. Die japanische Industrie entwickelte ein Konzept mit 1125 Zeilen/60 Hz und versuchte es weltweit durchzusetzen, woraufhin in Europa im Rahmen des Eureka-EU-95-Projekts ein alternatives System mit 1250 Zeilen/50Hz entwickelt wurde (vgl. dazu Ziemer 1997, S. 426ff). Vorgesehen ist HDTV für TV-Programme, die in besonders hoher Ton- und Bildqualität gegenüber dem heutigen PAL-System auf Geräten mit großen bis sehr großen Bildschirmen (einschließlich entsprechender Projektion) mit Verwendung stationärer Parabol- und Dachantennen wiedergegeben werden. Die Datenraten von HDTV liegen bei 20 bis 30 Mbit/s (vgl. dazu Messmer 2002, S. 23).

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Details

Seiten
398
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783832473952
ISBN (Buch)
9783838673950
Dateigröße
7.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v222683
Institution / Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart – unbekannt
Note
1,0
Schlagworte
fernsehen werbung zuschauer medienwirtschaft digitales

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Titel: Die Digitalisierung des deutschen Fernsehmarktes