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Städtetourismus für die Zielgruppe „Best Ager“ am Beispiel einer Potenzialanalyse für die Hansestadt Bremen

Bachelorarbeit 2010 80 Seiten

Touristik / Tourismus

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Ausgangslage
1.2 Problemstellung
1.3 Ziel der Arbeit
1.4 Abgrenzung der Arbeit
1.5 Aufbau der Arbeit

2 Theoretische Grundlagen zum Städtetourismus
2.1 Begriffsabgrenzung
2.2 Reisemotivation
2.3 Motive der Städtetouristen
2.4 Übernachtungs- und Tagestourismus
2.5 Bedeutender Wirtschaftsfaktor
2.6 Touristisches Angebot
2.7 Kultur im Städtetourismus
2.8 Zielgruppe für den Städtetourismus
2.9 Trends im Tourismus
2.10 Zusammenfassung

3 Best Ager als Zielgruppe für den Städtetourismus
3.1 Begriffsabgrenzung „Best Ager“
3.2 Bedeutung der Zielgruppe
3.2.1 Demografische Fakten
3.2.2 Kaufkraft
3.2.3 Psychische Fakten
3.3 Anforderungen der neuen Alten
3.3.1 Grundlegende Bedürfnisse
3.3.2 Anforderungen beim Reisen
3.3.3 Verändertes Freizeit- und Reiseverhalten
3.3.4 Kulturelles Interesse

4 Städtetourismus in Bremen
4.1 Zahlen und Fakten
4.2 Tages- und Übernachtungsgäste
4.3 Städteranking
4.4 Entwicklung der Besucherzahlen
4.5 Zielgruppe

5 Potenzialanalyse der Stadt Bremen für die Zielgruppe Best Ager
5.1 Das Potential im Städtetourismus
5.2 Das tourismusrelevante Produkt- und Serviceangebot
5.3 Die kulturellen Potenziale
5.4 Potenzialanalyse
5.4.1 Das Stadtzentrum
5.4.2 Das Überseemuseum
5.4.3 Focke-Museum
5.4.4 Universum® Bremen
5.5 Zusammenfassung

6 Handlungsempfehlungen
6.1 Empfehlungen für das Stadtzentrum
6.2 Empfehlungen für die Potenziale
6.3 Weitere Empfehlungen für die „Best Ager-Touristen“

7 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Reiseart der Kurzreisen gesamt und Kurzreisen in eine Stadt im Jahre 2004

Abbildung 2: Entwicklungen der Übernachtungen in gewerblichen Beherbergungsstätten nach Gemeindegrößenklassen

Abbildung 3: Bevölkerungspyramiden Deutschland

Abbildung 4: Ich mache mir liebe ein schönes Leben statt immer nur zu sparen

Abbildung 5: Tätigkeitswünsche der älteren Menschen in der Schweiz aus den Jahren 1991 und 2000

Abbildung 6: Reiseintensität nach Altersgruppen der Jahre 1990 und 2004

Abbildung 7: Ausgaben für Freizeit, Unterhaltung und Kultur im Jahr 2001

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Städtetourismusarten

Tabelle 2: Umsatz im Städtetourismus 2004

Tabelle 3: Reiseintensität nach formaler Bildung 2002 – 2004

Tabelle 4: Die starke Kaufkraft der 50plus

Tabelle 5: Entwicklungen im Reiseverkehr in der Stadt Bremen

Tabelle 6: Besucher in kulturellen Einrichtungen der Stadt Bremen

Tabelle 7: Geeignetheit der Potenziale für die Zielgruppen: Best Ager - Junge Erwachsene - Tourist

Tabelle 8: Vergleich zwischen Universum und Phaeno

Tabelle 9: Die Kriterien des Stadtzentrums in Bremen

Tabelle 10: Die Kriterien des Überseemuseums

Tabelle 11: Die Kriterien des Focke-Museums

Tabelle 12: Die Kriterien des Universum® Bremen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Ausgangslage

Wenn die Alterspyramide in Deutschland unter die Lupe genommen wird, dann fällt eines auf: Die Bevölkerung hat sich seit 100 Jahren gewaltig geändert. Der Marktanteil der jüngeren Menschen nimmt ab während er für die ältere Generation stetig wächst. Schon bald wird jeder Zweite älter sein als 50. Dies wird dazu führen, dass sich die Einkommensverhältnisse der älteren Generation verändern werden. Ihr frei verfügbares Einkommen ist bereits schon sehr hoch, was sich auch gleichzeitig an der hohen Kaufkraft erkennen lässt.

Diese Entwicklungen haben einen enormen Einfluss auf den Reisemarkt. Denn die veraltende Gesellschaft wird zu Veränderungen im Konsum-, Freizeit- und Reiseverhalten führen. Die Gründe lassen sich im Wandel der Werteorientierung, der Lebensstilbildung sowie einer aktiven und mobilen Lebensweise finden. Das alte Bild vom armen und pflegebedürftigen Menschen im hohen Alter gibt es nämlich so nicht mehr. Vielen Studien zufolge ist es gerade diese Gruppe, die aufgrund ihrer hohen Kaufkraft viel verreist und bereit ist dabei viel Geld auszugeben. Neben den hohen Einkommen führt ebenso die verspätete Vererbung zu einer höheren Konsumfreudigkeit im hohen Alter.

Die Ursachen für die Charakteristika der jetzigen älteren Gesellschaft – wie zum Beispiel hohe Bildung, Reisefreude, Lebenslust und Mobilität – deren Ausprägungen zukünftig stärker werden, sind einfach zu benennen. In erster Linie ist es die verbesserte Gesundheit, die vor allem die Mobilität im Alter erleichtert. Desweiteren ist es die selbstbewusste Lebensweise, die es möglich macht, individuell zu denken, das steigende Interesse an Bildung sowie die erhöhte Freizeit. Die Älteren sind fit, aktiv und voller Lebensfreude, daher wollen sie nicht als Senioren betrachtet werden. Sie schätzen sich meist deutlich jünger ein als sie in Wirklichkeit sind. Auch ihre Wünsche und Bedürfnisse im Reisesektor haben sich im Vergleich zu den Vorgenerationen geändert. Sie legen heute vielmehr Wert auf Service und Qualität.

Zudem wird der Reisemarkt der älteren Menschen in Zukunft erheblich wachsen. Denn der Trend hin zu regelmäßigen Kurzreisen und die Reiseintensität wachsen. Darum müssen sich die touristischen Produkt- und Dienstleister rechtzeitig bemühen, ihre Märkte an die neue Zielgruppe anzupassen und sich über ihre hohen Ansprüche im Klaren sein.

1.2 Problemstellung

Der Städtetourismus ist ein stetig steigendes Segment in Deutschland. Die umsatzstarken Gewerbe im Städtetourismus wie Einzelhandel, Gastronomie, Beherbergung und Dienstleistung verzeichnen jährlich über 82 Milliarden Bruttoumsatz. Aufgrund von gestiegenen Städtereisen ist der deutsche Tourismusmarkt in seiner Boom-Phase. Der steigende Trend der Kurzurlaube und die vielfältigen kulturellen Anreize einer Stadt ziehen immer mehr Besucher in fremde Städte. Immer mehr ältere Menschen fragen den Städtetourismus nach, für sie zählt er zu einer der wichtigsten Reisearten.

In dieser Hinsicht nimmt die Bedeutung des Tourismus auch für die Stadt Bremen eine wichtige Rolle ein. Noch ist unklar, ob sich die Stadt Bremen über die Touristengruppe 50plus vergewissert hat. Es ist demnach auch fraglich, ob es bereits bestimmte Produkt- und Leistungsangebote gibt, die sich an die Bedürfnisse und Erwartungen der älteren Generation angepasst haben. Somit ist zu untersuchen, ob und in wie weit die vorhandenen Potentiale Bremens den Anforderungen der älteren Touristen gerecht werden.

1.3 Ziel der Arbeit

Hauptziel der Thesis ist es zu zeigen, in wie weit die KulturPotentiale in Bremen die Bedürfnisse und Anforderungen der älteren Städtetouristen befriedigen können und wie der Touristenanteil der Best Ager erhöht werden kann. In diesem Zusammenhang sollen auch weitere Nebenziele in Form folgender Fragestellungen beantwortet werden:

- Wie ist die jetzige Situation und wie sind der zukünftige Trend im deutschen Städtetourismus?
- Was sind Best Ager und welche Bedeutung haben sie für den Tourismus?
- Welche Rolle haben Übernachtungs- und Tagestouristen für die Stadt Bremen?
- Wie sieht das touristische Angebotspotenzial in der Stadt Bremen aus?
- Was sind die positiven und negativen Aspekte der einzelnen KulturPotentiale?
- Was für Handlungsempfehlungen sind notwendig, um Bremen zukünftig tourismusstark zu machen?

Mit Hilfe der Handlungsempfehlungen können die jeweiligen Kultureinrichtungen Maßnahmen entwickeln, um ihr Image und ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen und die Gästezufriedenheit zu steigern.

1.4 Abgrenzung der Arbeit

Obwohl der Titel den Begriff der Best Ager aufweist, wird die Arbeit sich nur selten auf diese Wortwahl konzentrieren. Best Ager wird hier als die Bezeichnung für Senioren zwischen 50 und 70 Jahren benutzt. Wörtlich übersetzt sind sie Menschen im „Besten Alter“. Die Entscheidung für die Bezeichnung Senior würde für die Thesis nicht ganz zutreffen. Abgesehen davon entschied sich die Verfasserin für eine positive Bezeichnung aufgrund der abwertenden Haltung der Gesellschaft gegenüber dem Begriff „Senioren“. Alternativ wären zwar auch die Begriffe „Neue Alte“ oder „50plus“ einsetzbar gewesen, doch ist es nicht Ziel der Verfasserin, die älteren Menschen mit Kennzeichnung „alt“ zu benennen, oder gerade das überschrittene Alter von 50 Jahren zum Vorschein zu bringen. In dieser Arbeit wird überwiegend die allgemeine Bezeichnung „ältere Menschen“ verwendet.

Der praktische Teil beschränkt sich auf die Teilbereiche des Marketing-Mix im Produkt- und Dienstleistungsbereich. Aufgrund der begrenzten Zeit und dem vorgegebenen Umfang war es nicht möglich, eine detaillierte Erhebung in allen Bereichen des Marketings durchzuführen, die für die Arbeit eigentlich wesentlich wären.

1.5 Aufbau der Arbeit

Die Thesis teilt sich im theoretischen Teil in verschiedene Schwerpunkte ein. Der Praxisteil basiert auf einer Potenzialanalyse der touristischen Angebote der Stadt Bremen. Kapitel zwei beschäftigt sich mit dem Städtetourismus in Deutschland. Neben der Begriffsabgrenzung werden hier unter anderem die Gründe des Reisens, die Tourismusarten, die wirtschaftlichen Fakten, die Zielgruppen und die Zukunftstrends erforscht. Kapitel drei untersucht sowohl die Erklärung der Bezeichnung Best Ager als auch ihre verschiedenen Typen und Anforderungen an den Tourismus. Weiter wird im vierten Kapitel speziell der Städtetourismus in Bremen dargestellt. Der Praktische Teil beginnt dann mit dem fünften Kapitel, das die Potenzialanalyse ausgewählter Kulturangebote beinhaltet. Es geht dabei um die Stärken und Schwächen der Ausstattungspolitik der eingesetzten Mittel im Produkt- und Leistungsangebot. Im sechsten Kapitel werden Handlungsempfehlungen gegeben, die auf Grundlage der gesamten Arbeit beruhen. Das letzte Kapitel ist eine Schlussbetrachtung mit einem zusammenfassenden Abschnitt und einem Ausblick.

2 Theoretische Grundlagen zum Städtetourismus

2.1 Begriffsabgrenzung

Der Städtetourismus ist ein komplexes Thema und es wird in zahlreichen Definitionen versucht, ihn zu bestimmen. Aufgrund einer fehlenden Basisliteratur gibt es bislang noch keine allgemein gültig anerkannte Definition. Dennoch können einige Publikationen, wie etwa die von Meier, bei dem Verständnis weiter helfen. Meier unterteilt den Städtetourismus in Übernachtungs- und Tagestourismus, die sich ferner in beruflich und privat bedingten Tourismus spalten[1] (s. Tab. 1). Nach Eberhard sind unter Städtetourismus „… die Beziehungen und Erscheinungen zu verstehen, die sich aus dem vorübergehenden Aufenthalt Ortsfremder in Städten ergeben“.[2] In der Arbeit ist jedoch die Abgrenzung von Püschel/Romeiß-Stracke sehr hilfreich. Demnach definieren sie den „… Städtetourismus als jede Form des Aufenthalts von Fremden in einer Stadt, die das Gesamterlebnis Stadt zum hauptsächlichen Ziel hat, ob mit oder ohne Übernachtung“.[3] Die letztere Definition bildet die Grundlage für die Arbeit.

Tabelle 1: Städtetourismusarten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Meier 1994, S. 8

Laut dem Deutschen Tourismusverband (DTV) ist es schwer zu unterscheiden, ob es sich um ausschließlich private oder auch beruflich bedingte Städtereisen handelt.[4] Im Rahmen dieser Arbeit werden Städtereisen betrachtet, die privaten Erholungscharakter haben. Geschäftsreisen werden somit nicht weiter behandelt. Darüber hinaus wird der Schwerpunkt auf den besichtigungs- und kulturbezogenen Tourismus der Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern gelegt.

2.2 Reisemotivation

Das Reisen aus privater Motivation hat mehrere Ursprünge. So bezeichnet Lohmann die Städtereisen als „Urform des Reisens“.[5] Denn schon in früheren Zeiten, wurden religiöse Reisen, wie im Islam die „Hadj“[6] oder im Christentum die Pilgerreisen, unternommen. Ebenso war die im 17. und 18. Jahrhundert durchgeführte „Grand Tour“[7] eines der beliebten Reisen der Adeligen in Europa.

Heute haben sich die Konsumstrukturen der Industrieländer insofern verändert, dass des Öfteren darüber diskutiert wird, ob der Wunsch nach Reisen ein Bedürfnis der Maslow-Pyramide[8] darstellt. Es stellt sich dabei heraus, dass das Reisen keiner bestimmten Stufe zugeordnet werden kann.[9] Demnach wird Reisen sowohl als Grund- als auch Luxusbedürfnis verstanden.

In der Tourismuspsychologie wird die Konzentration auf die beiden Beweggründe „Weg von“ und „Hin zu“ gelegt. Die Reise als Flucht vor dem Alltag ist ein typisches „Weg von“ - Motiv. Dieser Erklärungsansatz zeigt den Willen, sich von den Beschränkungen des Alltags zu befreien und abzuschalten. Dagegen wird beim „Hin zu“ - Motiv einer bestimmten Suche nachgegangen.[10] Hier steht das Interesse an Reisen im Vordergrund. Die Suche nach fremden Orten und Menschen ist ein typisches Motiv dafür. Menschen reisen zudem aufgrund der Vorstellung von einem Traumurlaub im Glück. Nach Opaschowski wirkt ein Urlaub „wie eine Einladung ins Paradies“[11], was meistens mit der Sehnsucht nach einer Insel und dem Wunsch nach dem Meer im Zusammenhang steht.

Ein weiterer psychologischer Grund des Reisens liegt im Zeitgefühl der Menschen.[12] Während der Reise wird das subjektive Zeitempfinden verändert und dem Zeiterleben der Kindheit nahe gestellt. Das Erlebnis beim Reisen, Neues und Fremdes entdecken zu können, erweckt den Anschein, das Zeitvolumen zu erhöhen.

Das Reisen hat neben den psychologischen Motiven auch physiologische Hintergründe. Hierbei geht es um den Wunsch nach Erholung, aufgrund der Ermüdung des Körpers. In der Theorie der schiefen Ebenen[13] erfolgt die Ermüdung durch Erbringung einer Leistung und ist mit dem Erholungsfaktor Urlaub widerherzustellen. Unter Erholung ist aber nicht nur die körperliche Ruhe zu verstehen. Aufgrund der Tatsache, dass sich immer mehr Menschen an Wochenenden für Städtetouren interessieren, stellt sich die Frage, ob auch hier eine Art „Entmüdung“ stattfindet. Pott hat sich mit diesem Thema beschäftigt und ist zu einen Erkenntnis gekommen. Nach seiner Erkenntnis ist die Erholung im Städtetourismus eine durch Anregung erzeugte Erholung der Sinne. Das Besichtigen, Flanieren sowie das Erlebnis beim Besuch von touristischen Einrichtungen dient eher der seelischen Erholung. Denn die durchgeführten Aktivitäten in der Stadt haben einen Spaß-Faktor und sorgen für Entertainment und Genuss beim Stadterlebnis. Ob zeitlich-historische Anregungspunkte wie Sehenswürdigkeiten und Museen oder Kunstwerke berühmter Künstler, die Touristen werden durch derart Attraktionen mit dem Schwerpunkt Kultur angeregt.[14] Demnach wird die Erholung bei der Stadtbesichtigung vor allem durch Kultur erzeugt. Im Kapitel 2.7 wird der Kulturbegriff in einem weiteren Zusammenhang näher ausgearbeitet.

2.3 Motive der Städtetouristen

Die Gründe für den Besuch einer Stadt sind vielfältig. Die DTV nennt als wichtigsten Anlass für eine Städtereise den Verwandten- und Bekanntenbesuch. Besucher pflegen ihre sozialen Kontakte und legen weniger Wert auf besondere Veranstaltungsangebote. Gesellige Motive stehen hier im Vordergrund.[15] Weiter wird zwischen Kultur-, Shopping- und Eventreisen unterschieden. Die Besucher der Kultur- und Eventreisen wollen Abwechslung und erwarten ein Zusammensein mit der Familie oder dem Partner. Sie entscheiden sich entweder für extrem günstige Angebote oder für attraktive Pauschalangebote. Auch bei Shoppingreisen gilt der Faktor Abwechslung und der Wunsch nach sozialen Kontakten. Es geht hierbei viel weniger um den Bedarfseinkauf.

Abbildung 1: Reiseart der Kurzreisen gesamt und Kurzreisen in eine Stadt im Jahre 2004

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: N.I.T. 2005; RA 05 der F.U.R. in DTV 2006, S. 41

Bei der Studie des Forschungsinstitutes N.I.T. 2005 sind die Kurzeisen als Reiseart oder Kurzreisen mit einer Stadt als Ziel unterschieden wurden (s. Abb. 1). Städtereisen waren dabei, die am meisten genannte Reiseart. Der Verwandten- und Bekanntenbesuch erzielte dabei den zweiten Rang. Kulturreisen wurden zwar an dritter Stelle erwähnt, doch wird Kultur sowohl unter den Punkt Städtereisen als auch beim Verwandtenbesuch zusammengefasst.

2.4 Übernachtungs- und Tagestourismus

Übernachtungstourismus

In den letzen Jahren ist es die deutschen Städte gelungen, ihren Attraktivitätsgrad im Kultur-, Event-, Unterhaltungs- und Freizeitbereich, beim Shopping und auch bei weiteren Angeboten zu steigern. Dadurch haben sie es geschafft, das Interesse der Touristen zu wecken, bzw. zu erhöhen und einen Wachstumsmarkt im Bereich Städte- und Kulturtourismus zu etablieren.

Abbildung 2: Entwicklungen der Übernachtungen in gewerblichen Beherbergungsstätten nach
Gemeindegrößenklassen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten
Quelle: Statistische Berichte der Statistischen Landesämter für die Jahre 1993 bis 2002[16]

Die Abbildung 2 zeigt wie sich die Übernachtungen in Deutschland zwischen 1993 und 2002 entwickelt haben. Es wird deutlich, dass alle Städte einen steigenden Trend aufweisen und somit vom Übernachtungstourismus profitieren. Den größeren Übernachtungsanteil haben die Großstädte, bei denen die Anzahl der Übernachtungen im vergangenen Jahrzehnt über 40% sehr stark angestiegen ist. Damit liegen die Großstädte weit über dem deutschen Durchschnitt. Zu den Städten mit den meisten Übernachtungen gehören Berlin, München und Hamburg. Während die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in den Großstädten knapp zwei Tage beträgt, liegt der Durchschnitt aller Städte zwischen zwei und drei Tagen.[17] Demnach gewinnen Großstädte sowohl mit ihrem hohen Übernachtungstourismus als auch mit dem steigenden Trend der kurzen Aufenthaltstage immer mehr an Bedeutung. Der Städtetourismus der Großstädte ist im Vergleich zu den restlichen Städten am boomen.

Tagestourismus

Neben dem stetig steigenden Übernachtungstourismus darf der Tagestourismus nicht unterschätzt werden. Im Vergleich zum Übernachtungstourismus, der nur 13% Aufenthaltstage aufweist, liegen die Tagesreisen mit 1,9 Milliarden Aufenthaltstagen (87%) deutlich höher.[18] Damit ist der Tagestourismus gegenüber dem Übernachtungstourismus das mengenmäßig größere Segment.

Der Hauptanlass der Tagesausflüge ist, wie in Kapitel 2.3 angedeutet, der Verwandten- und Bekanntenbesuch. Dem folgen Shopping- und Veranstaltungsbesuche sowie Sport-, Gesundheits- und Freizeitreisen. Der Besuch von Sehenswürdigkeiten und Attraktionen gehört nicht zu den Hauptanlässen der oberen Reihen.[19] Es könnte hier der Anschein erweckt werden, dass das Kulturmotiv im Tagestourismus weniger geprägt ist. Jedoch sind es nicht nur die Sehenswürdigkeiten, die Kultur spezifisch sind, sondern heutzutage vielmehr auch der Event- und Freizeitaspekt.

Nach den Ergebnissen der Analyse von Meier treffen die Mehrheit der Tagesreisenden am Vormittag ein und reist am späten Nachmittag wieder ab.[20] Es handelt sich dabei vermehrt um jüngere Gäste mit einem höheren Bildungsniveau. Die älteren Jahrgänge sind weniger anzutreffen, da der Stadtaufenthalt eine physische Anstrengung erfordert.[21] Das ist nach aktuellem Wissensstand nicht ganz nachvollziehbar. Kapitel 3.2.3 und 3.3.3 beschäftigen sich intensiv mit der Beliebtheit des Reisens bei den älteren Menschen. Es wird hervorgehoben, dass das Bildungswesen und die Mobilität älterer Menschen sich derart verbessert haben, dass sich ihre Reiselust durch ihre aktive Lebensgestaltung deutlich erhöht hat. Weiter wird festgestellt, dass ältere Menschen vermehrt Kurzreisen in Form von Tagesreisen unternehmen.

2.5 Bedeutender Wirtschaftsfaktor

Der Städtetourismus ist mit seinen 2,2 Mrd. Aufenthaltstagen ein dynamisches Marktsegment im deutschen Tourismusmarkt. Diese hohe Zahl verzeichnet gleichzeitig ein Bruttoumsatz von 82,37 Mrd. Euro (vgl. Tab. 2). Der Tagestourismus[22] ist dabei mit über 62 Mrd. Euro Umsatz das bedeutendste Segment.

Tabelle 2: Umsatz im Städtetourismus 2004

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: DTV 2006b, S. 54

Diesen Umsatz hat der Tourismus den verschiedenen Branchen im Städtetourismus zu verdanken. Die Hauptprofiteure sind der Einzelhandel und die Gastronomie mit 65,4 Mrd. Euro Umsatz. Demgegenüber verzeichnen das Beherbergungsgewerbe, das Freizeit-und Unterhaltungsgewerbe sowie sonstige Dienstleistungsbereiche lediglich einen Umsatz in Höhe von 17,06 Mrd. Euro.

2.6 Touristisches Angebot

Im Bereich des Städtetourismus gilt die Stadt selbst als Angebot, denn mit ihren zahlreichen Angeboten, seien es materielle oder immaterielle, wird sie als ein Ganzes betrachtet. Diese Angebote beeinflussen das Gästevolumen der Stadt immens. Dazu gehören in erster Linie die Attraktionen.[23] Sehenswürdigkeiten, Bauwerke sowie Veranstaltungen jeglicher Art sind die Hauptauslöser für den Besuch. Als weiteres Angebot kommt zudem die Infrastruktur der Stadt in Anbetracht. Die Touristen brauchen Beherbergungsangebote, Gastronomie sowie Einrichtungen, die den Besuch angenehm wirken lassen. Um das Ziel bequem erreichen zu können, muss es zunächst eine gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur geben. Im Zusammenhang damit müssen öffentliche Verkehrsmittel der Stadt dafür sorgen, dass die Besucher ihren gewünschten Aktivitäten nachgehen können. Daneben werden die genannten Aspekte stark von dem Image der Stadt beeinflusst.

2.7 Kultur im Städtetourismus

Kultur ist ein signifikanter Teil des Städtetourismus. Wenn es um Städtebesichtigungen geht, die das zentrale Motiv Kultur als Ziel haben, so ist die Rede vom Kulturtourismus. Jedoch ist es in vielen Fällen so, dass der Städtetourismus zwar mit den Hauptmotiven Erholung, Verwandtenbesuch u.v.m. beabsichtigt wird, währenddessen aber auch kulturelle Aktivitäten ausgeübt werden.[24] Kultur hat demnach eine wichtige Bedeutung im Tourismus. Obwohl es nicht leicht fällt, den Kulturtourismus vom Städtetourismus zu unterscheiden bzw. in Verhältnis zu setzen, ist es dennoch klar, dass Kultur als zentrales Element im Städtetourismus gilt.[25] Mit Kultur werden vielerlei historische Einrichtungen wie z.B. Museen, Theater und Kunsthallen sowie Sehenswürdigkeiten – wie etwa Baudenkmäler – verbunden. Doch was ist mit den anderen städtetouristischen Potentialen? Im spezifischen Sinn des Marketings zählen auch die Events zu den kulturellen Veranstaltungen. Sogar das Shopping könnte als Konsumkultur zusätzlich aufgefasst werden.[26] Im Rahmen der Arbeit ist die weitere Aufklärung des Kulturbegriffs allerdings nicht erforderlich und nicht erschöpfend zu behandeln.

2.8 Zielgruppe für den Städtetourismus

Die Stadt als Leistungsbündel bietet vielerlei Potentiale, die sich nicht nur an eine bestimmte Zielgruppe richten. Nach Mundt werden Reisende durch ihr Einkommen, berufliche Position und Bildung differenziert.[27] Die Reiseintensität hängt demnach von der sozialen Lage der Gesellschaft ab. Demzufolge werden Touristen mit höherem Durchschnittseinkommen, höherer beruflicher Stellung sowie höherer formaler Bildung häufiger Reisen realisieren (Vgl. Tab. 3).

Tabelle 3: Reiseintensität nach formaler Bildung 2002 - 2004

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Mundt 2006, S. 62

Entscheidend in diesem Zusammenhang ist auch das Alter der Reisenden. Denn die Reiseintensität der älteren Generation hat sich in den vergangenen Jahren erheblich erhöht. Bei den Ergebnissen der Reiseanalyse in 2004 waren die 50 bis 70 Jährigen die am meisten verreiste Reisegruppe[28] (vgl. Kapitel 3.3.2 Abb. 6). Daraus lässt sich schlussfolgern, dass im soziodemografischen Sinne die Reisenden eine homogene Haltung aufweisen und je höher die genannten Aspekte sind, umso reizvoller wird die fremde Stadt.

2.9 Trends im Tourismus

Die Entwicklungen im Städtetourismus sind durch ihre steigende Tendenz ein bedeutender Wirtschaftsfaktor (vgl. Kapitel 2.4 u. 2.5). Aufgrund des gestiegenen Bildungsniveaus und des hohen Einkommens, der gesunkenen Arbeitszeiten und der zugenommenen Freizeit gewinnt der Tourismus immer mehr an Interesse.[29] Es zeigt sich auch der Trend an einer Reisezeit nicht nur im Urlaub, sondern auch vermehrt an den Wochenenden. Hinzu kommen noch weitere entscheidende Faktoren, wie die verbesserte Verkehrsinfrastruktur, günstige Flugverbindungen sowie veränderte Werte- und Lebensstilhaltung. Es wurde schon frühzeitig bemerkt, dass der Städtetourismus einen positiven Aufwärtstrend zeigen wird. Diese Entwicklung wird sich Studien zufolge auch zukünftig stark entwickeln. Es wirkt sich ebenfalls positiv aus, wenn die Einteilung des Städtetourismus in Kultur- und Bildungstourismus, Eventtourismus sowie Geschäftstourismus erfolgt.[30] Hier könnten noch weitere Gliederungen in Shopping-, Sport-, Gesundheits- und Wellness-Tourismus zutreffen.

2.10 Zusammenfassung

Der Städtetourismus ist schon seit Jahrzehnten ein wachsender Markt. Er wird unternommen, um eine fremde Stadt zu erleben. Bei der Besichtigung einer Stadt basiert das zentrale Motiv – neben dem Verwandten- und Bekanntenbesuch – hauptsächlich auf den kulturellen Potentialen der Stadt. Aus ökonomischer Sicht verzeichnet der Städtetourismus ebenso einen steigenden Trend. Im Jahre 2004 lag der Bruttoumsatz bei 82,37 Mrd. Euro. Die Übernachtungstouristen sind mit ihren hohen Tagesausgaben sehr beliebt, und es sind dabei vor allem die Tagesgäste, die mit 62,15 Mrd. Euro zu diesem Umsatz beigetragen haben. Die Gründe dieser Entwicklungen könnten bei den Trends der vermehrten Kurzreisen liegen. Denn durch den Anstieg der Freizeit und der gesunkenen Arbeitszeit werden die Reisen nicht nur im Urlaub, sondern auch immer mehr in der freien Zeit, bzw. an den Wochenenden unternommen werden.

Bei den Nachfragern handelt es sich überwiegend um Touristen, bei denen die Einkommen, die berufliche Position sowie die formale Bildung höher liegen als bei der Durchschnittsbevölkerung. Zudem sind die Reiseunternehmungen der älteren Generation enorm gestiegen. Es waren vor allem die 50 - 70 Jährigen, die im Jahre 2004 am meisten gereist sind. Die heutigen älteren Menschen sind nicht mit den Vorgenerationen zu vergleichen. Ihre Lust am Reisen entwickelt sich größtenteils aufgrund der veränderten Werte- und Lebensstilhaltungen (s. Kap. 3.2.3). Diese Einstellungen sind ebenso auch von den oben genannten Kriterien der sozialen Lage abhängig. Die Wichtigkeit des Reisens bei den älteren Menschen wird ferner in Kapitel 3 erläutert.

3 Best Ager als Zielgruppe für den Städtetourismus

3.1 Begriffsabgrenzung „Best Ager“

Der Begriff der „Best Ager“ kennzeichnet genauso wie die ähnlichen Bezeichnungen „Generation 50plus“ oder „junge Alte“ den Senior, bzw. den Rentner.

Die Bezeichnung „Senioren“ wird aufgrund beeinträchtigender, abfälliger sowie negativer Wirkung vermieden. Das Wort ist nicht „trendy“ genug und hat bei jung-dynamischen Marketingmaßnahmen wenig Erfolg.[31] Die ältere Zielgruppe selbst entscheidet sich ebenfalls gegen Produkte für Senioren, da sie sich noch jung fühlen, jünger aussehen und sich für kaum alterstypische Dinge interessieren.[32] Die Best Ager dagegen sind Genießer-Typen, die das 50te Alter überschritten haben und sich fast alles leisten können.[33] Wörtlich übersetzt sind sie „Menschen im besten Alter“.

Meyer-Hentschel definiert die Best Ager als konsumerfahrene Erwachsene, dessen Kinder nicht mehr im Haushalt leben, die ob mit Beruf oder ohne, über ein eigenes Einkommen verfügen.[34] Zudem steht ihre Lebensphase neben der Aktivität und Mobilität auch für die persönliche Freiheit.

Aus den genannten Definitionen und eigener Ansicht lässt sich folgende Begriffsklärung für die Arbeit ableiten: Best Ager sind ältere Menschen zwischen 50 und 70 Jahren, die sich durch ihre aktive und mobile Lebensweise, ihren veränderten Konsumgewohnheiten sowie ihr Lebenslust und Neugier charakterisieren.

3.2 Bedeutung der Zielgruppe

Die Zielgruppe der Best Ager ist im marketingspezifischen Sinne bislang nicht ausreichend behandelt wurden. Der Schwerpunkt der Untersuchungen liegt vielmehr auf der Konsumentengruppe der 14-49-Jährigen, deren Bedürfnisse und Wünsche fast homogen sind. Außerdem spielt sicherlich auch das Alter der Untersuchenden eine wichtige Rolle, die selber noch nicht das Best Age Alter erreicht haben und daher wenig Erfahrungen mitbringen, um sich mit ihnen zu identifizieren. Erst seit kurzem wird die bisher vernachlässigte Generation als Ziel erfasst und erforscht. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werden folgende Fragen beantwortet:

- In welche Richtung entwickelt sich der demografische Wandel?
- In wie fern sind die Älteren wirtschaftlich attraktiv?
- Welche Bedeutung haben Werte und Lebensstile?

3.2.1 Demografische Fakten

Die Bevölkerung Deutschlands weicht schon lange von der klassischen Alters-Pyramide ab. Während im Jahre 1900 das Durchschnittsalter bei ca. 30 Jahren lag, ist die heutige Bevölkerung im Durchschnitt 42 Jahre alt, und dieser Altersdurchschnitt wird bis zum Jahre 2050 sogar bis auf 50 Jahre steigen.[35] Bildlich wird die Bevölkerungsstruktur in Zukunft die Pilzform annehmen (s. Abb. 3). Die folgenden Faktoren sind die Hauptgründe für die veränderte Bevölkerungsstruktur.

- Bevölkerungsrückgang

Trotz des Anstiegs der Lebenserwartung wird - u.a. auch bedingt durch den Anstieg der Zahl der Auswanderer - die Bevölkerungszahl von gegenwärtig etwa 82 Millionen im Jahr 2060 zwischen 65 und 70 Millionen liegen.[36] Die Hauptgründe für den Rückgang der Bevölkerung sind, neben den Auswanderungen, zum einen der Geburtenrückgang auf etwa 1,4 Kindern je Frau und die hohe Anzahl von Sterbefällen aufgrund der hochaltrigen Gesellschaft. Die Abbildung 3 verdeutlicht die enorme Steigung der älteren Gesellschaft, insbesondere die der über 80 Jährigen, zwischen 1950 und 2060.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Bevölkerungspyramiden Deutschland

Quelle: www.destatis.de (12. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung)

- Lebenserwartung

Zudem hat sich die Lebenserwartung der Menschen seit dem 19. Jahrhundert mehr als verdoppelt. Eine 1871 geborene Person wurde je nach Geschlecht durchschnittlich zwischen 35,6 und 38,5 Jahre alt. Heute werden wir im Durchschnitt 75 Jahre.[37] Prognosen zufolge wird die Lebenserwartung noch weiter steigen.

- Überalterung

Bereits heute gehören 5% der Bevölkerung zu den hochbetagten über 80 Jährigen. In 50 Jahren ist mit 14% schon jeder siebente Mensch über 80 Jahre alt. Zudem wird sich auch die Zahl der 65 – 80 Jährigen von jetzt 15% auf 20% erhöhen. Zusammengefasst wird der Anteil der Personen über 60 bis 2050 an die 40% steigen, und der der über 50 Jährigen wird mehr als 50% betragen.[38] Abbildung 3 verdeutlicht diesen Wandel. Es werden die Bevölkerungsstrukturen der Jahre 1950, 2010 und 2060 dargestellt. Erwähnenswert ist hierbei, dass der Frauenanteil bei der älteren Bevölkerung größer ist als der Anteil der Männer.

3.2.2 Kaufkraft

Die Alterung der Gesellschaft führt zu Veränderungen der Kaufkraft. Der Wohlstand älterer Menschen steigt, und somit verfügen sie über mehr Kaufkraft gegenüber jüngeren Menschen. Der Gedanke, dass ältere Menschen nicht aktiv, unbeweglich, desinteressiert und nicht konsumfreudig sind, verliert immer mehr an Bedeutung. Umso mehr hat sich die Orientierung an Genuss und Konsum gesteigert. Viele der über 50 Jährigen wollen nicht mehr sparsam sein, sondern sich eher ein schönes Leben gönnen. Analysen zufolge haben sich die älteren Konsumenten durch ihre gute Einkommens- und Vermögenssituation zu einer steigenden, kaufkräftigen Gruppe entwickelt.[39] Nach der GfK Studie 2002 verfügt eine über 50 jährige Person im Durchschnitt 21.244 Euro Kaufkraft jährlich.[40] Im Gegensatz dazu verfügt die junge werberelevante Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen nur über 19.131 Euro.[41] Zudem führt die verspätete Vererbung ebenfalls zu einer erhöhten Kaufkraft im Alter. Während bisher das Vermögen mit der Gründung der Familie vererbt wurde, erhalten heute die Erbnehmer das Vermögen kurz vor dem Rentenalter.

Tabelle 4: Die starke Kaufkraft der 50plus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Meyer-Hentschel 2006, S. 108

Die Tabelle 4 verdeutlicht die wirtschaftliche Attraktivität der 50plus Bevölkerung. Ihr frei verfügbares Einkommen im Monat ist fast genauso hoch wie das der jüngeren Bevölkerung von etwa 10 Milliarden Euro.

3.2.3 Psychische Fakten

Anhand soziodemografischer Methoden ist die Gruppe der über 50 Jährigen zwar zahlenmäßig erfasst, doch es fehlt noch die Erforschung der psychischen Charaktereigenschaften. Dazu wurden die psychologischen Merkmale der Lebensstile, Wertehaltungen sowie der Heterogenität näher untersucht.

3.2.3.1 Lebensstile

Nach Kotler/ Bliemel wird unter dem Begriff Lebensstil, „…das sich in den Aktivitäten, Interessen und Einstellungen manifestierende Muster der Lebensführung einer Person“ verstanden.[42] Nach dieser Auslegung werden folgend die veränderten Lebensstile älterer Menschen dargestellt.

Die Alten von früher galten als zurückgezogene, kranke und arme Menschen. Die Alten heute haben bereits verschiedene Lebensstiltypen, der sie zugehören.[43] Durch die demografisch bedingte Alterung wurde die Lebensstilforschung älterer Menschen zu einem schwer wiegenden Thema.

Obwohl in der Sozialforschung zahlreiche empirische Studien über Lebensstile existieren, beziehen sich diese nicht explizit auf Lebensstile älterer Menschen. Es muss demnach festgestellt werden, ob für ältere Menschen andere Lebensstilmerkmale bestehen. Die Infratest Studie hat in dieser Richtung eine Befragung durchgeführt, an der 1.500 Menschen zwischen 55 und 70 Jahren teilnahmen.[44] Als Ergebnis dieser Studie konnten vier verschiedene Lebensstiltypen älterer Menschen identifiziert werden:

- Der pflichtbewusst-häusliche Alte ist bescheiden, sparsam, selbstbeschränkt, familienorientiert, pflichtbewusst und lebt in seiner eigenen engeren Umgebung.
- Der aktive neue Alte strebt nach Selbstverwirklichung, Kreativität und nach persönlichem Wachstum. Er ist aufgeschlossen, gebildet, finanziell gesichert und hat viele soziale Kontakte.
- Der sicherheits- und gemeinschaftsorientierte Alte möchte sich zurückziehen und braucht Ruhe. Er schätzt seine Kontakte besonders hoch und lebt in bescheidenen Verhältnissen.
- Der resignierte Alte ist einsam, materiell benachteiligt und verfügt über ein niedriges Bildungsniveau. Daher ist er im Alltag meist eingeschränkt.

Als wesentlicher Bestandteil der Lebensstile sollten die Werte nicht außer Betracht gelassen werden.[45] Denn der Lebensstil ist ein Konzept, der sich im Verlauf der Sozialisation herausbildet und durch Werteeinstellungen beeinflusst wird.

3.2.3.2 Wertewandel

„Werte sind allgemein Auffassungen von Wünschenswertem, die explizit oder implizit für ein Individuum oder für eine Gruppe kennzeichnend sind und die Auswahl der zugänglichen Weisen, Mittel und Ziele des Handelns beeinflussen“.[46] Werte sind im Vergleich zu den Lebensstilen ziemlich stabil und verändern sich mit der Zeit nur anteilsmäßig. Die Veränderungen können zur weiteren Analyse aussagekräftig und bestimmend sein. Daher ist es wichtig festzustellen, in wie fern sich die Werte der älteren Menschen gewandelt haben und wie es künftig verlaufen wird. Bei der TNS Infratest Forschung wurden die Werte der Vor- und Nachkriegsgeneration anhand des Semiometrie-Modells[47] verglichen und bewertet. Festzulegen ist, dass bei der früheren Generation traditionsgebundene, pflichtbewusste und religiöse Werte häufiger anzutreffen sind als bei den nachfolgenden Generationen.[48] Im Vergleich zu den Best Agern von heute stellt sich heraus, dass diese durch eine deutlich hedonistischere und erlebnisorientierte Wertehaltung geprägt sind.

Auch die GfK-Studie 2002, bei der über 1.800 Personen im Alter von 50 bis 79 Jahren befragt wurden,[49] kommt zu dem Ergebnis der hedonistischen Haltung älterer Menschen (s. Abb. 4).

Abbildung 4: „Ich mache mir liebe ein schönes Leben statt immer nur zu sparen“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an GfK-Studie 50plus in Reidl 2007, S. 133

Dazu zählen insbesondere Werte wie Geselligkeit, Aktives Leben, Selbstständigkeit und Humor. Darüber hinaus sind sie aufgeschlossen, mobil und Service orientiert. „Ich mache mir lieber ein schönes Leben statt nur zu sparen“, behauptete fast die Hälfte der über 50 Jährigen. Die Best Ager sparen immer weniger und verzichten ungern auf Genuss.

3.2.3.3 Heterogenität

Die Gruppe der über 50 Jährigen ist eine ausgesprochen heterogene Gruppe. Nach den Ergebnissen des bereits erwähnten Semiometrie-Modells werden die über 50-Jährigen in drei Gruppen unterteilt:[50] Die „passiven Älteren“, die „kulturell Aktiven“ und die „erlebnisorientierten Aktiven“. Die „passiven Älteren“ stellen 37 % der Best Ager dar. Wie der Name schon sagt ist die Gruppe zurückgezogen, geht selten raus und ist stark traditionsgebunden. Die „kulturell Aktiven“ mit 33%igem Anteil lesen Zeitung, gehen ins Theater und pflegen Kontakte. Die „erlebnisorientierten Älteren“ mit 30%igem Anteil gehen gerne aus, sind Technik interessiert, gebildet, haben hohes Einkommen und sie ähneln den jüngeren Zielgruppen.

Das Fremdbild der Alten hat sich ebenfalls gewandelt. Die Alten von früher waren, so ist angenommen worden, einsam, krank und pflegebedürftig. Heute hat sich das Verhalten Älterer in positiver Weise geändert. Nach ihrem Berufsaustritt verfolgen sie neue Ziele. Viele von ihnen wenden sich an ihre Hobbies, wie z.B. Gartenarbeit oder Kochen und unternehmen meist kulturelle Aktivitäten, wie z.B. Theaterbesuche oder Wanderungen.[51] Auch das Thema Reisen hat stark zugenommen, wenn fast die Hälfte der Reisen von Best Agern unternommen wird.

3.3 Anforderungen der neuen Alten

Im Vergleich zu den älteren Menschen von früher, die oft als Senioren bezeichnet wurden, werden die Älteren von heute auch als „neue Alte“ betrachtet. Das Neue an der älteren Generation ist vergleichbar mit der positiven Veränderung im hohen Alter. Ihr aktives und mobiles Leben sowie die Lust am Genießen sind typische Merkmale dafür.

3.3.1 Grundlegende Bedürfnisse

Ansichten, Auffassungen und Einstellungen haben einen Einfluss auf die Entwicklung der Bedürfnisse der Menschen. Diese Wertvorstellungen sind wichtige Kriterien im Konsumentenverhalten und wurden in Kapitel 3.2.3.2 ausführlicher bearbeitet. Im Gegensatz zu den Wertvorstellungen ändern sich die Bedürfnisse relativ schnell. Die unterschiedlichen Werte jüngerer und älterer Menschen schließen daraufhin, dass sich ihre Bedürfnisse ebenfalls unterscheiden. Die Älteren haben im Gegensatz zu den Jüngeren oft sehr spezifische Bedürfnisse, die sich wie folgt zusammenfassen lassen:

[...]


[1] Vgl. Meier 1994, S. 7

[2] Vgl. Eberhard zit. n. Landgrebe 2005, S. 10

[3] Vgl. Dettmer 2000, S. 54

[4] Vgl. DTV 2006b S. 5

[5] Vgl. Lohmann zit. n. Meier 1994, S. 13

[6] Die „Hadj“ ist die Bezeichnung für die islamische Pilgerfahrt nach Mekka. (vgl. u.a. Mundt 2006, S. 114)

[7] Vgl. Steinecke 2007, S. 197f.; Freyer 2009 S. 12

[8] In der Maslow-Pyramide werden die Bedürfnisse der Menschen in fünf Hierarchien, beginnend von den physiologischen Bedürfnissen bis hin zum Streben nach Selbstverwirklichung, eingestuft. (vgl. Meffert 2006, S. 127f.)

[9] Vgl. Freyer 2009b, S. 71ff.

[10] Vgl. ebd. S. 73ff; Freyer 2009a S. 203; Mundt 2006, S. 116ff;

[11] Vgl. Opaschowski 2002, S. 84

[12] Vgl. Mundt 2006, S. 129

[13] Die Theorie der „schiefen Ebenen“ erklärt die Ermüdung, die durch die tägliche Arbeitsbelastung entsteht und die positive Wirkung der Erholung durch Freizeit und Urlaub. (vgl. Mundt 2006, S. 122)

[14] Vgl. Pott 2007, S. 147f.

[15] Vgl. DTV 2006b, S. 40-46

[16] Vgl. Landgrebe 2005, S. 20

[17] Vgl. ebd. S. 23f.

[18] Vgl. DTV 2006a, S. 10

[19] Vgl. DTV 2006b, S. 33

[20] Vgl. Meier 1994, S. 48

[21] Vgl. ebd.

[22] Der Tagestourismus unterteilt sich in Tagesausflügen mit 50,74 Mrd. Euro und Tagesgeschäfts-reisen mit 11,41 Mrd. Euro.

[23] Vgl. Dettmer 2000 S. 60f.

[24] Vgl. Heinze 1999, S. 85

[25] Vgl. ebd. S. 107

[26] Vgl. ebd. S. 108

[27] Vgl. Mundt 2006, S. 60ff.

[28] Vgl. ebd. S. 66

[29] Vgl. Meier 1994, S.27

[30] Vgl. ebd. S. 28

[31] Vgl. Meyer-Hentschel 2000, S. 287

[32] Vgl. Pepels 2005, S. 165

[33] Vgl. Meyer-Hentschel 2000, S. 40

[34] Vgl. ebd. S. 667

[35] Vgl. Statistisches Bundesamt 2009, S. 5ff.

[36] Vgl. ebd. S. 13f.

[37] Vgl. Opaschowski 2008, S. 165

[38] Vgl. Statistisches Bundesamt 2009, S.16

[39] Vgl. Meyer-Hentschel 2008, S. 163ff.

[40] Vgl. GfK (2002), Reidl 2007, S. 34

[41] Vgl. GfK (2002), Pompe 2007, S. 71

[42] Vgl. Kotler 2007, S. 283

[43] Vgl. Infratest et al. 1991, 81ff.

[44] Vgl. ebd. S. 89ff.

[45] Vgl. Scholderer 2007, S. 100f.

[46] Vgl. Pepels 2005, S. 74

[47] Das Semiometrie-Modell dient zur psychologischen Charakterisierung von Zielgruppen, bei denen die konsumrelevanten Werteorientierungen anhand emotionaler Bewertung von 210 Begriffen gemisst werden. www.tns-infratest.com

[48] Vgl. Petras 2008, S. 15f.

[49] Vgl. GfK-Studie 2002: www.gfk.com, 11.05.2010

[50] Vgl. www.tns-infratest.com, 15.05.2010

[51] Vgl. Meyer-Hentschel 2007, S. 162

Details

Seiten
80
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783842805927
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v228090
Institution / Hochschule
Hochschule Bremen – Wirtschaft, Europäischer Studiengang Wirtschaft und Verwaltung
Note
1,7
Schlagworte
best ager tourismus senioren demografie kultur

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Titel: Städtetourismus für die Zielgruppe „Best Ager“ am Beispiel einer Potenzialanalyse für die Hansestadt Bremen