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Sexuelle Zufriedenheit von Frauen unterschiedlicher Altersgruppen

Diplomarbeit 2006 70 Seiten

Psychologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1 Einleitung
1.1 Modelle sexueller Zufriedenheit
1.2 Studien zur Sexualität von Frauen in Partnerschaften
1.2.1 Sexuelle Entwicklung
1.2.1.1 Bedeutung von Sexualität
1.2.1.2 Sexuelles Interesse
1.2.1.3 Sexuelle Aktivität
1.2.1.3.1 Geschlechtsverkehr
1.2.1.3.2 Petting
1.2.1.3.3 Selbstbefriedigung
1.2.1.3.4 Zärtlichkeit
1.2.1.4 Orgasmus
1.2.1.5 Sexueller Genuss
1.2.1.6 Sexuelle Kommunikation und sexuelle Selbstbestimmung
1.2.2 Psychosexuelle Probleme von Frauen in Paarbeziehungen
1.2.2.1 Funktionelle Störungen
1.2.2.2 Sexualität und Partnerschaftsprobleme
1.2.2.3 Einfluss von Alltagsbelastungen und Stress auf die Sexualität der Frau
1.2.3 Einfluss der Menopause auf die Sexualität
1.2.4 Sozioökonomische Einflüsse auf weibliche Sexualität
1.3 Zufriedenheit der Frauen mit Sexualität
1.3.1 Forschungsüberblick
1.4 Potenzielle Prädiktoren der sexuellen Zufriedenheit von Frauen
1.5 Hypothesen

2 Methoden
2.1 Stichprobe, Gruppenumfang und Stichprobenkriterien
2.2 Akquirierung der Gruppen und Durchführung
2.3 Materialien
2.3.1 Teilnehmerinformation
2.3.2 Erfassung der soziodemographischen Daten
2.3.3 Operationalisierung der Variablen zu Sexualität und zu Alltagsbelastungen
2.3.3.1 Sexuelles Interesse, sexuelle Aktivität und sexuelle Zufriedenheit
2.3.3.2 Sexuelle Probleme
2.3.3.3 Erleben der Sexualität mit dem Partner
2.3.3.4 Alltagsbelastungen
2.3.4 Life Orientation Test (LOT-R)
2.3.5 Fragebogen zu Lebenszufriedenheit (FLZ)
2.3.6 Vertrauen in der Partnerschaft (VIP)
2.3.7 Bindungsfragebogen für Partnerschaften (BinFb)
2.3.8 Erwartungs-Erfahrungs-Bogen (EEB)
2.3.9 Einstellungen zur Sexualität (EZP-V)
2.3.10 Satisfaction with Life Scale (SWLS)
2.3.11 Frankfurter Körperkonzeptskala zur Selbstakzeptanz des Körpers (FKKS)
2.3.12 Partnerschaftsfragebogen (PFB)
2.3.13 Paarklimaskalen (PKS)
2.3.14 Heidelberger Fragebogen zu Schamgefühlen (HFS)
2.4 Versuchsplan
2.5 Umgang mit fehlenden Werten
2.6 Auswertung
2.6.1 Aufteilung der Prädiktorvariablen in Gruppen

3 Ergebnisse
3.1 Stichprobenbeschreibung
3.2 Gruppenvergleiche
3.2.1 Sexuelles Interesse
3.2.2 Sexuelle Aktivität
3.2.3 Interest-Activity-Gap
3.2.4 Sexuelle Zufriedenheit
3.2.5 Einfluss der Partnerschaftsdauer auf die Gruppenunterschiede
3.3 Prädiktoren der sexuellen Zufriedenheit von Frauen
3.3.1 Korrelate sexueller Zufriedenheit
3.3.2 Mit Sexualität verbundene Variablen
3.3.3 Partnerschaftliche Variablen
3.3.4 Sonstige Variablen

4 Diskussion
4.1 Stichproben und deren Akquirierung
4.2 Gruppenunterschiede
4.2.1 Sexuelles Interesse
4.2.2 Sexuelle Aktivität
4.2.3 Interest-Activity-Gap
4.2.4 Sexuelle Zufriedenheit
4.3 Prädiktoren sexueller Zufriedenheit
4.3.1 Mit Sexualität verbundene Prädiktoren
4.3.2 Partnerschaftliche Prädiktoren
4.3.3 Sonstige Prädiktoren
4.4 Abschließende Bemerkungen

5 Literatur

6 Anhang
6.1 Tabellen
6.2 Fragebögen
6.2.1 Deckblatt

Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Sexualität und mit der sexuellen Zufriedenheit in festen Partnerschaften lebender Frauen aus zwei unterschiedlichen Altersgruppen, von 25 bis 35 Jahren und von 45 bis 55 Jahren. Untersucht wurden die beiden Stichproben anhand von Fragebögen in wichtigen Merkmalen der Partnerschaft, der Sexualität und der sexuellen Zufriedenheit. Eines der Ziele dieser Arbeit war herauszufinden, ob sich die Frauen der beiden Altersgruppen hinsichtlich des sexuellen Interesses, der sexuellen Aktivität, der Interest-Activity-Gap und der sexuellen Zufriedenheit unterscheiden. Des Weiteren wurden Prädiktoren der sexuellen Zufriedenheit, für die beiden Gruppen von Frauen getrennt, ermittelt. Die Ergebnisse zeigen, dass hinsichtlich des sexuellen Interesses keine Unterschiede zwischen den beiden Altersgruppen von Frauen vorliegen. Mit der Berücksichtigung der Dauer der Partnerschaft in der statistischen Testung konnten auch keine Gruppenunterschiede in der sexuellen Aktivität sowie in der sexuellen Zufriedenheit festgestellt werden. Dagegen wird die sexuelle Zufriedenheit der jüngeren Frauen im Wesentlichen durch andere Prädiktoren beeinflusst als die sexuelle Zufriedenheit der älteren Frauen. Einiger Beachtung bedürfen die Probleme bei der Rekrutierung von Teilnehmerinnen und bezüglich der Repräsentativität der Stichproben bei der Durchführung von Studien, die Selbstoffenbarungen im Bereich der Sexualität erfordern.

1 Einleitung

Sexualität ist das, was wir daraus machen: eine teure oder billige Ware, Mittel der Fortpflanzung, Abwehr der Einsamkeit, eine Kommunikationsform, eine Waffe der Aggression (Herrschaft, Macht, Strafe, Unterwerfung), ein Sport, Liebe, Kunst, Schönheit, ein idealer Zustand, das Böse, das Gute, Lust oder Entspannung, Belohnung, Flucht, ein Grund der Selbstachtung, ein Ausdruck der Zuneigung, eine Art der Rebellion, eine Quelle der Freiheit, Pflicht, Vergnügen, eine Vereinigung mit dem All, mystische Ekstase, indirekter Todeswunsch oder Todeserleben, ein Weg zum Frieden, eine juristische Streitsache, eine Art menschliches Neuland zu erkunden, eine Technik, eine biologische Funktion, Ausdruck psychischer Krankheit oder Gesundheit oder einfach eine sinnliche Erfahrung. (Offitt, zit. n. Müller-Luckmann, 2000)

Das Zitat der amerikanischen Psychoanalytikerin und Sexualtherapeutin Avodah Offitt aus dem Jahr 1976 weist auf die Vielschichtigkeit des Phänomens Sexualität hin, dem sich diese Arbeit gegenüber sieht. Der Versuch, Sexualität zu definieren, ist häufig unternommen worden. Gelingen kann jedoch eine Definition immer nur im Bezug auf einen Teilaspekt, der gerade im Fokus der Aufmerksamkeit steht. So ist auch diese Arbeit nicht in der Lage, zu erfassen, was Sexualität an sich ist, sondern wirft nur einen Scheinwerfer auf einige wenige Phänomene. So sind sicherlich die biologischen Aspekte, wie z. B. Fortpflanzung oder ähnliche arterhaltende Funktionen der Sexualität aus den Überlegungen ausgeblendet. Auch die gesellschaftlich-kulturellen Rahmenbedingungen werden als Einflussquellen weitgehend ausgeblendet, wenn auch gerade diese Aspekte von einiger Tragweite für die Interpretation einer Studie über Sexualität von Frauen sein dürfte.

In dieser Studie ist Sexualität auf die allgemeinste Konvention reduziert, nämlich auf das, was in unserem kulturellen Kontext umgangssprachlich als sexuell gilt. Es werden ausschließlich individuelle und partnerschaftlich-interaktionelle Phänomene betrachtet, die mit sexueller Erregung einhergehen oder damit im Zusammenhang stehen, wie z. B. sexuelles Interesse, sexuelle Aktivität oder sexuelle Zufriedenheit. Diese Phänomene lassen sich von den ProbandInnen auf der Verhaltensebene und auf der kognitiv-emotionalen Ebene beschreiben und bewerten.

Da es in dieser Studie im Besonderen um sexuelle Zufriedenheit geht und diese Zufriedenheit allgemein und im Nachhinein eingeschätzt wird, ist hier die Frage nach den gesellschaftlichen Bezügen besonders aufgeworfen. Wie viele sexuelle Konzepte, ist auch die sexuelle Zufriedenheit gesellschaftlichen Bewertungsprozessen unterworfen, die bei der Urteilsbildung sicherlich zum Tragen kommen können. Eine normative Ebene schwingt immer mit.

Sexuelle Zufriedenheit wird in der Literatur auf verschiedene Art und Weise konzeptualisiert. Die Bandbreite reicht von einer mehr phänomenologisch orientierten Sichtweise bis zu ausdifferenzierten Systemen mehr oder weniger abstrakter Indikatoren. Die einfachste Definition von sexueller Zufriedenheit bezieht sich auf die Annahme, dass das Individuum eine unzweifelhafte subjektive Gewissheit darüber besitzt, ob es mit der eigenen Sexualität zufrieden ist oder nicht (Derogatis & Melisaratos, 1979; Renaud, Byers & Pan, 1997). Nach dieser Auffassung lässt sich sexuelle Zufriedenheit mit einer einzelnen Frage erheben (Zhou, 1993; Bucher et al., 2001). Um einer Testperson zu einer differenzierteren Einschätzung ihrer sexuellen Zufriedenheit zu verhelfen, wurden in der Psychologie auch komplexere Fragebögen entwickelt, die verschiedene Aspekte der Sexualität integrieren sollten (Lawrance & Byers, 1995; Büsing, Hoppe & Liedtke, 2001). Jeder Fragebogen, mit dem versucht wird, sexuelle Zufriedenheit zu erfassen, muss aber letzten Endes seine Validität unter Beweis stellen. Mangels objektiver Kriterien kommt man aber oft an der Korrelation mit der subjektiven Einschätzung der sexuellen Zufriedenheit nicht vorbei. Dabei richten sich einige Forschungsanstrengungen vor allem auf die Frage, wie sexuelle Zufriedenheit konstruiert wird, d. h. welche Informationen das Individuum berücksichtigt, um zu seiner subjektiven Einschätzung zu kommen. Daraus ergibt sich die Frage, durch Kenntnis welcher Indikatoren sexuelle Zufriedenheit vorausgesagt werden kann.

1.1 Modelle sexueller Zufriedenheit

Ein Beispiel eines solchen Modells ist das Interpersonal Exchange Model of Sexual Satisfaction (IEMSS) von Lawrance & Byers (1995). In diesem Modell wird davon ausgegangen, dass sexuelle Zufriedenheit vor allem durch Kosten und Gewinne, die im Zusammenhang mit sexuellen Interaktionen stehen sowie durch die Zufriedenheit mit der Beziehung vorausgesagt werden kann. Dabei werden a) das Verhältnis von Kosten und Gewinn, b) das Verhältnis von Kosten und Gewinn relativ zu anderen Erfahrungsbereichen, c) das Ausmaß der eigenen Kosten im Vergleich zu denen des Partners und d) das Ausmaß des eigenes Gewinns im Vergleich zu dem des Partners berücksichtigt. Unter den Kosten werden Investitionen in die sexuelle Beziehung und unter dem Gewinn die Rendite aus der sexuellen Beziehung verstanden.

Ein anderes, sehr differenziertes Modell zur Vorhersage von sexuellem Interesse, von sexueller Aktivität und sexueller Zufriedenheit ist eine Konzeptualisierung von Bucher, Hornung, Gutzwiller, & Buddenberg, (2001), die auf dem Ressourcen-Belastungsmodell der Gesundheit von Hornung & Gutscher (1994) basiert. In dem Ressourcen-Belastungsmodell der Gesundheit sind Transaktionen zwischen Individuum und Umfeld von zentraler Bedeutung (Hornung & Gutscher, 1994). Die körperliche Gesundheit und das psychische Wohlbefinden des Individuums resultieren hier aus dem Zusammenspiel der individuellen Ressourcen und Belastungen mit den Ressourcen und Belastungen aus dem sozialen Umfeld. Unter den Ressourcen werden diejenigen Faktoren verstanden, die Gesundheit und das Wohlbefinden fördern, und unter den Belastungen Faktoren, die krank machen können. Übertragen auf die Sexualität, die einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit und zum Wohlbefinden leisten kann, haben Bucher et al. (2001, 2003) anhand dieses Modells überprüft, welche Faktoren die sexuelle Zufriedenheit vorhersagen können. Auf die Ergebnisse dieser Studie wird im Abschnitt 1.3.1 eingegangen.

1.2 Studien zur Sexualität von Frauen in Partnerschaften

Die in dieser Arbeit vorgelegte Studie befasst sich ausschließlich mit der Sexualität und mit der sexuellen Zufriedenheit von Frauen. Genauer handelt es sich um zwei unterschiedliche Altersgruppen in festen Partnerschaften lebender Frauen. Daher werden im Folgenden Ergebnisse von Studien dargestellt, die sich auf die Entwicklung der Sexualität von Frauen in heterosexuellen Partnerschaften beziehen. Dabei liegt der Fokus der Aufmerksamkeit bei den Unterschieden in der Sexualität jüngerer und älterer Frauen sowie bei den Veränderungen in der Sexualität der Frauen mit der Dauer der Partnerschaft. Des Weiteren werden einige Faktoren dargestellt, die die Sexualität von Frauen in festen Partnerschaften beeinflussen können, wie psychosexuelle Probleme, Alltagsbelastungen, sozioökonomische Einflusse sowie die Menopause älterer Frauen.

1.2.1 Sexuelle Entwicklung

Die Entwicklung der Sexualität im Verlauf von Beziehungen wird selten untersucht (Schmidt, 1998). Ein Überblick über den Stand der empirischen Forschung bis Ende des 20. Jahrhunderts über Sexualität in Dauerbeziehungen stammt von Kirsten von Sydow (1998). Die Befunde beziehen sich auf Studien über die Sexualität in Partnerschaften, die sowohl beide Partner einbezogen haben, als auch sich nicht auf klinische Stichproben beziehen, sowie auf Studien, in denen Einzelpersonen über Sexualität in Beziehungen befragt oder interviewt wurden. Diese Daten werden hier durch Befunde einiger jüngeren Studien ergänzt.

Die Beschreibung des Verlaufs der Sexualität von Frauen in festen Partnerschaften erfolgt unter Berücksichtigung unterschiedlicher Aspekten der Sexualität wie: Bedeutung der Sexualität, sexuelles Interesse, sexuelle Aktivität, sexueller Genuss, sexuelle Selbstbestimmung, Kommunikation (Aufteilung nach Sydow, 1992, 1998). So eine Auffassung der weiblichen Sexualität aus verschiedenen Perspektiven scheint adäquater zu sein als eine einfache Reduzierung der Sexualität auf Geschlechtsverkehr und dessen Häufigkeit, welche oft in den Studien zur Sexualität unternommen wird.

1.2.1.1 Bedeutung von Sexualität

Nach Schmidt, Matthiesen, Dekker & Starke (2006) nimmt die Bedeutung der Sexualität für die Beziehung mit der Beziehungsdauer ab. Für 74 Prozent der jüngeren Frauen (18 bis 39 Jahre) ist die Sexualität wichtig. Im höherem Alter (50 bis 90 Jahre) bleiben nur 12 Prozent der Frauen, für die Sexualität von Bedeutung ist (Sydow, 1993a, 1998).

1.2.1.2 Sexuelles Interesse

Kinsey, Pomeroy & Martin (1963) sowohl Masters & Johnson (1977) konnten nachweisen, dass das sexuelle Interesse von Frauen im Jugendalter und im frühen Erwachsenenalter oft relativ gering ist, dann bis Ende 30 ansteigt und auf dem Niveau bis zum Alter von 50 bis 60 Jahre verbleibt, bevor es wieder abnimmt (Sydow, 1993a). Die Ergebnisse zu sexuellem Interesse im mittleren und hohen Alter sind sehr unterschiedlich. So zeigten sich in Untersuchungen wie von Aresin (1980) oder Rentsch & Eitner (1979) 95 Prozent bzw. 51 Prozent der Probandinnen sexuell desinteressiert, wogegen in den USA (Brecher, 1984) nur 4 Prozent der 50- bis 59-Jährigen und 18 Prozent der über 70-Jährigen befragten Frauen sexuell nicht interessiert waren (Sydow, 1992).

Generell kann man sagen, dass sexuelles Interesse bei Frauen mit zunehmender Partnerschaftsdauer und dem Alter abnimmt (Brecher, 1984; Sydow, 1993a). Bis zum 75. Lebensjahr verringert es sich aber nur wenig und sinkt dann stark (Bucher, Hornung & Buddenberg, 2003). Die leichte Verringerung des sexuellen Interesses bis zum 75. Lebensjahr schreiben Bucher et al. (2003) eher einem Kohorteneffekt, z. B. einer strengen moralischen Erziehung, die die Freude an der Sexualität in jüngeren Jahren beeinträchtigen konnte, als dem Alter zu.

1.2.1.3 Sexuelle Aktivität

Neuere Studien, wie die von Johnson, Wadsworth, Wellings, Field & Bradshow (1994) und die von Schmidt et al. (2006), widerlegen eindeutig die Behauptung vom Kinsey et al (1963), der die Veränderungen der sexuellen Aktivität in Dauerbeziehungen dem zunehmenden Alter zuschrieb. Nach den neueren Forschungsergebnissen ist das Nachlassen der Sexualität mehr auf die Dauer der Partnerschaft als auf das Alter (wenigstens bis zum 50 Lebensjahr) zurückzuführen (Schmidt, 1996, 1998). „Die sexuelle Aktivität hängt also nicht so sehr davon ab, ob jemand 25, 40, 50 Jahre alt ist, sondern davon, ob seine oder ihre Beziehung seit einem, fünf oder zehn Jahren besteht“ (Schmidt, 1998, S. 353).

Also nimmt die sexuelle Aktivität mit der zunehmenden Dauer der Partnerschaft ab. Während fast alle jungen Paare sexuell aktiv sind, sind es bei den über 50-Jährigen noch 59 Prozent (Sydow, 1993a, 1998). Nach Brähler & Kupfer (1993) sind verheiratete Frauen aller Altersgruppen vergleichbar sexuell aktiv wie verheiratete Männer. Der einzige Unterschied betrifft die mittlere Gruppe (40 bis 60 Jahre). Diese Frauen zeigen eine sehr hohe sexuelle Aktivität, die höher ist, als die der gleichaltrigen Männer.

Die Ergebnisse der Studien zu sexueller Aktivität von Frauen in mittlerem und hohen Alter im deutschen Sprachraum unterscheiden sich deutlich von den Ergebnissen der amerikanischen Studien. Nach amerikanischen Studien sind 70 bis 90 Prozent der 60- bis 90-Jährigen sexuell aktiv (Adams & Turner, 1985; Brecher, 1984; Starr & Weiner, 1982, zit. n. Sydow, 1992, S. 118). Dagegen beschreiben Studien aus dem deutschen Sprachraum 45 bis 55 Prozent der 50- bis 60-jährigen Frauen als sexuell aktiv und die über 70-jährigen als so gut wie gar nicht mehr sexuell aktiv (Tümmers, 1976; Weissbach-Rieger, 1982; zit. n. Sydow, 1992). Die Diskrepanzen in den Ergebnissen zwischen US-amerikanischen Untersuchungen und Studien aus dem deutschen Sprachraum werden eher Stichprobeneffekten als kulturellen Unterschieden zugeschrieben (Sydow, 1992a). Eine neue Studie zur Sexualität im mittleren und höheren Alter (Bucher, Hornung, Gutzwiller & Buddenberg, 2001) berichtet, dass ca. 84 Prozent der Frauen im Alter von 45 bis 49 Jahren, etwa 50 Prozent der 60- bis 70-Jährigen und etwa 20 Prozent der über 70 Jahre alten Frauen sexuell aktiv sind.

Bei Frauen aller Altergruppen ist eine Diskrepanz zwischen sexueller Aktivität und sexuellem Interesse zu beobachten. In der Literatur wird diese Diskrepanz Interest-Activity-Gap genannt (Verwoerd, Pfeiffer & Wang, 1969; Bucher et al., 2003). Sydow (1993a) berichtet, dass Frauen retrospektiv im frühen Erwachsenalter (18 bis 39 Jahre) sexuell aktiver waren als sie es sich gewünscht hätten (100 Prozent aktiv, 84 Prozent interessiert). Zum Zeitpunkt der Befragung, als 50- bis 90-Jährige, war diese Differenz umgekehrt (59 Prozent aktiv, 73 Prozent interessiert).

1.2.1.3.1 Geschlechtsverkehr

Die häufigste sexuelle Aktivität in heterosexuellen Partnerschaften ist Geschlechtsverkehr. Im ersten Jahr des Zusammenlebens sinkt die koitale Aktivität von ca. dreimal pro Woche auf knapp zweimal pro Woche. Danach nimmt sie weiter ab (Sydow, 1998). Die Befunde über den weiteten Verlauf sind widersprüchlich. Nach den meisten Studien nimmt die Häufigkeit vom Geschlechtsverkehr weiter ab (James, 1981; Kinsey, 1963; zit. n. Sydow, 1998). Eine andere Studie berichtet von einer Zunahme der koitalen Aktivität (Rao & DeMaris, 1995). Ein Vergleich von drei unterschiedlicher Altersgruppen (30-Jährige, 45-Jährige und 60-Jährige) zeigt, dass der Verlauf der Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs relativ unabhängig vom Alter ist, dagegen scheint die Beziehungsdauer die wichtigste Determinante der Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs zu sein. Am Anfang der Beziehung (bis zu zwei Jahren) ist die mittlere Gruppe in Bezug auf Geschlechtsverkehr am aktivsten (10 mal in vier Wochen). Die Koitusfrequenz der jüngsten Gruppe beträgt 9 mal in vier Wochen und die der älteren Gruppe ca. 8 mal in vier Wochen. Mit steigender Beziehungsdauer, z. B. nach 10 Jahren der Beziehung, beträgt der Mittelwert der Koitusfrequenz über alle drei Altersgruppen 6 mal in vier Wochen und bleibt im weiteren Verlauf der Beziehung relativ stabil (Schmidt et al., 2006).

Zur koitalen Aktivität von Frauen im mittleren und hohen Alter liegen unterschiedliche Ergebnisse vor. Je nach Studie sind 15 bis 90 Prozent der Frauen im Alter von 50 bis 59 Jahre koital aktiv. Für Frauen über 70 Jahre variieren die Zahlen zwischen 0 und 66 Prozent (Sydow, 1992). Bucher at al. (2001) konstatieren, dass ca. 80 Prozent der 45- bis 60-jährigen Frauen Geschlechtsverkehr praktizieren, die Tendenz ist sinkend und die koitale Aktivität beträgt bei den über 75-jährigen ca. 8 Prozent.

Obwohl die sexuelle Reaktionsfähigkeit (Erregbarkeit und Orgasmusreaktion) bei Frauen bis ins hohe Alter relativ unbeeinträchtigt bleibt (Masters & Johnson, 1977), wird die koitale Aktivität von Frauen durchschnittlich mit 60 bis 65 Jahren (von Männern mit 68 Jahren) beendet (Sydow, 1992). Mit 70 bis 79 Jahren praktiziert jedoch noch ca. ein Drittel der Paare Geschlechtsverkehr (Brähler & Unger, 1994; Sydow, 1998). Die Gründe für die Beendigung des Geschlechtsverkehrs werden häufiger, in ca. 90 Prozent der Fälle, auf Seiten des Mannes genannt (Tod, Scheidung, Krankheit, Verlust des Interesses, Potenzprobleme). Gründe auf Seiten der Frau, wie Krankheit, Verlust des Interesses, sexuelle Probleme, werden nur in ca. 14 Prozent der Fälle genannt (Pfeiffer at al., 1972; zit. n. Sydow, 1992).

1.2.1.3.2 Petting

Zu Petting, einer nicht koitalen sexuellen Aktivität, gehören: Küsse, die Reizung der weiblichen Brust, manuell-genitale und oral-genitale Stimulation. Seit den Untersuchungen von Kinsey et al.(1963), Masters & Johnson (1977) und Hite (1980) ist bekannt, dass die Stimulierung der Klitoris von großer Bedeutung für weibliche Sexualität ist. Nach Hite (1980) benötigen viele Frauen klitorale Stimulierung, um überhaupt zum Orgasmus zu kommen, der oft nur durch Geschlechtsverkehr nicht eintreten kann (Sydow 1992).

Nach Schmidt (1996) wird Petting von fast allen jungen Paaren praktiziert. Dagegen liegen so gut wie keine Daten zu dieser Art der sexuellen Aktivität bei älteren Paaren vor. Einige Befunde liefert die Schweizer Studie von Bucher et al. (2001). Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass Petting von vielen älteren Frauen praktiziert wird: von ca. 70 Prozent der 45- bis 55-Jährigen, ca. 50 Prozent der 60- bis 70-Jährigen und von 22 Prozent der über 75-Jährigen.

1.2.1.3.3 Selbstbefriedigung

Das Thema Selbstbefriedigung wird immer noch hoch tabuisiert. Dieses Tabu gilt gegenüber weiblicher Masturbation in einem noch stärkeren Maße als gegenüber männlicher Masturbation (Sydow, 1992; Arentewicz & Schmidt, 1993). Masturbation ist unter 16-jährigen Jungen stärker verbreitet als bei gleichaltrigen Mädchen, nämlich 87 Prozent vs. 41 Prozent (Schmidt, Klusmann & Zeitzschel, 1992a).

Allerdings haben Kindheits- und Jugenderlebnisse mit Selbstbefriedigung eine große Bedeutung für spätere Sexualität. Bei Frauen, die als Jugendliche Orgasmus durch Masturbation erfahren konnten, ist später die Wahrscheinlichkeit, einen Orgasmus durch Geschlechtsverkehr zu erlangen höher, als bei Frauen, denen diese Vorerfahrung fehlt (Kinsey et al. 1963, zit. n. Sydow, 1993b).

Eine der neueren Studien (Hurlbert, Apt & Meyers-Rabehl, 1993) konstatiert, dass ca. 70 Prozent der untersuchten verheirateten Frauen masturbiert. Schmidt (2000) konnte nachweisen, dass für junge Menschen Selbstbefriedigung eine gleichwertige Sexualform ist wie die partnerschaftliche sexuelle Aktivitäten. Die Aussage „Masturbation ist eine eigenständige Form der Sexualität die in festen Beziehungen unabhängig davon, wie häufig die Partner miteinander schlafen, praktiziert werden kann“ bejahten im Mittelwert 36 Prozent der 60-jährigen, 67 Prozent der 45-jährigen und 80 Prozent der 30-jährigen in Hamburg und Leipzig befragten Frauen (Schmidt, Matthiesen, Dekker & Starke, 2006, S. 117). Dennoch scheint Masturbation bei Menschen im mittleren und höheren Alter immer noch mit Schamgefühlen behaftet zu sein (Bucher et al. 2003).

Nach den wenigen Studien, die Angaben zur Häufigkeit der Selbstbefriedigung von Frauen machen, beträgt die Frequenz weiblicher Masturbation je nach Studie 0,3 bis 0,7 mal pro Woche und bleibt über die verschieden Altersgruppen relativ konstant (Brecher,1984; Christenson & Gagnon, 1965; Kinsey, 1963; zit. n. Sydow,1992). Nach Schmidt et al. (2006) masturbieren 30-jährige Frauen in festen Partnerschaften durchschnittlich 2 mal in vier Wochen, 45-Jährige tun das 1,3 mal in vier Wochen und 60-Jährige 0,4 mal in vier Wochen.

1.2.1.3.4 Zärtlichkeit

Unter Zärtlichkeiten versteht man Streicheln, in den Arm nehmen oder Küssen im Alltag (Bucher et al., 2001).

Erstaunlicherweise existieren […] nur sehr wenige Resultate zum Thema „Zärtlichkeit“ - obwohl alle Menschen sie von der Wiege bis zum Grab brauchen. (Sydow, 1998, S.384)

In den ersten Jahren der Beziehung wünschen sich über 90 Prozent der jungen Frauen Zärtlichkeit (Schmidt, 1998). Nach Sydow (1993a, 1998) nimmt die Bedeutung von Zärtlichkeiten für Frauen in den Ehen mit der Beziehungsdauer ab, jedoch nicht so stark, wie die Bedeutung der Sexualität. Bucher et al. (2001) berichten von fast 100 Prozent Frauen im Alter von 45 bis 69 Jahren, die sich Zärtlichkeit wünschen. Die Möglichkeit, die Zärtlichkeiten zu erleben, genießen dagegen nur 90 Prozent der 45 bis 69 Jahre alten Frauen und diese Zahl nimmt mit dem zunehmenden Alter ab (bei über 75-Jährigen sind das nur ca.40 Prozent).

1.2.1.4 Orgasmus

Nach Freud können Frauen zwei Arten von Orgasmen erleben: klitorale und vaginale. Zwar entdecken kleine Mädchen, dass sie durch Stimulation der Klitoris sexuelle Erregung erlangen können, müssten aber nach Freud während des erwachsen Werdens ihre sexuelle Empfindungsfähigkeit von der Klitoris auf die Vagina übertragen, um durch Geschlechtsverkehr zum Orgasmus kommen zu können (Sydow, 1993b). „Frauen, denen dieser Transfer nicht gelingt, nannte Freud vaginal frigide und erklärte sie für psychisch unreif“ (Marcus & Francis, 1875, zit. n. Sydow, 1993b, S. 25). Nachdem sich Generationen von Frauen (und Männern!) erfolglos um diesen vaginalen Orgasmus bemühten, konnten Masters & Johnson (1977) mehr oder weniger nachweisen, „dass es physiologisch nur eine Art von Orgasmus gibt, der immer durch klitorale Stimulation hervorgerufen wird (sei es direkt oder indirekt beim Geschlechtsverkehr). Allerdings können diese physiologisch gleichen Orgasmen psychisch unterschiedlich erlebt werden“ (Sydow, 1993b, S. 25).

Sydow (1998) berichtet, dass je nach Studie 7 bis 43 Prozent der Frauen in den ersten Ehejahren nicht mit ihren Partner zum Orgasmus kommen. Doch die Fähigkeit der Frauen in den Ehen Orgasmen zu erlangen, verbessert sich mit zunehmender Beziehungsdauer. Während 53 Prozent der Frauen im jüngeren Erwachsenalter zum Orgasmus kommen, tun das 68 Prozent der Frauen im Alter von 50 bis 90 Jahren (Sydow, 1993a). So kommt etwa ein Drittel der Frauen mit ihren Partner nie zum Orgasmus. Arentewicz & Schmidt (1993) berichten von 5 bis 10 Prozent anorgastischen Frauen beim Koitus. Bei Masturbation oder Petting liege die Orgasmusrate viel höher. Nach Hurlbert, Apt & Rabehl (1993) ist bei verheirateten jungen Frauen Selbstbefriedigung die erfolgsreichste Technik, um Orgasmus zu erlangen. An zweiter Stelle befindet sich manuell-genitale Stimulation durch den Partner, die vom Cunnilingus (oral-genitale Stimulation) gefolgt wird.

Es liegen nur wenige Studien vor, die Daten zur Orgasmushäufigkeit von Frauen in festen Partnerschaften liefern. Nach Kinsey-Studie bleibt dieser Wert für alle Alters- und Familienstandsgruppen konstant und beträgt 0,5 mal pro Woche. Die einzige Ausnahme sind verheiratete Frauen um die 50, bei denen der Wert etwas höher ist und 0,7 mal pro Woche beträgt (Sydow, 1992). Hurlbert, Apt & Rabehl (1993) berichten von im Durchschnitt ca. 1,5 Orgasmen pro Woche bei den von ihnen untersuchten verheirateten Frauen.

1.2.1.5 Sexueller Genuss

Neben dem Erleben des Orgasmus nennt von Sydow (1992) noch einen Indikator dafür, dass Sexualität bei Frauen als lustvoll erlebt werden kann. Nach dem englischem Begriff von Laws (1980) sexual enjoyment nennt von Sydow diesen Indikator sexueller Genuss und meint damit, „inwieweit sexuelle Aktivität als lustvoll, schön, angenehm, erregend usw. oder aber als unangenehm, langweilig, lästig, und unter Umständen als schmerzhaft erlebt werden kann“ (Sydow, 1992, S.122).

Diese Unterscheidung entspricht dem zweidimensionalen Modell der weiblichen sexuellen Reaktion nach Jayne (1981). Nach diesem Modell stellen sexuelle Befriedigung und das Erleben vom Orgasmus bei Frauen zwei eigenständige, dennoch voneinander abhängige Dimensionen des sexuellen Erlebens dar (Philippsohn, 2002). So „ist eine einfache Gleichsetzung der sexuellen Befriedigung mit dem Erleben eines Orgasmus nicht statthaft. Vielmehr erhöht das Erleben eines Orgasmus die sexuelle Befriedigung in der Regel, ist aber weder notwendig noch hinreichend für eine hohe sexuelle Befriedigung“ (Philippsohn, 2002, S.149). Also unabhängig vom Vorkommen der Orgasmen kann Sexualität von Frauen als befriedigend erlebt werden. In der Brecher-Studie wird berichtet, dass nicht koitale Stimulation bei älteren Frauen sogar höhere Genusswerte als Geschlechtsverkehr erreichen kann (Sydow, 1992).

In Bezug auf sexuellen Genuss oder sexuelle Befriedigung bei verheirateten Frauen berichtet Sydow (1998) von unverändertem Verlauf vom frühen zum mittleren Alter. Fast alle (95 Prozent) der Frauen im Alter von 18 bis 39 Jahren schätzten retrospektiv ihre Sexualität als genussvoll. Im Alter von 50 bis 90 Jahren, zum Zeitpunkt der Datenerhebung, waren es noch 84 Prozent (Sydow, 1993a).

Manchen älteren Frauen machte Sex nie Spaß (Sydow, 1998). Die Ursachen dafür liegen in „emotionalen Defiziten der Beziehung, zu wenig Streicheleinheiten am ganzen Körper, fehlender klitoralen Stimulation, zu kurzer Dauer des Geschlechtsverkehrs, sexueller Empfindungslosigkeit auf Seiten der Frau sowie Schwangerschaftsängsten“ (Sydow, 1998, S.389). Bei jüngeren Paaren genießen Frauen und Männer Sex gleichermaßen.

1.2.1.6 Sexuelle Kommunikation und sexuelle Selbstbestimmung

Die Ursache dafür, dass für manche Frauen Sexualität eine freudlose Erfahrung sein kann, liegt oft in mangelnder Kommunikation über Sexualität mit dem Partner. Das trifft genauso auf jüngere wie auf ältere Ehen zu und ist nicht von Ehedauer, vom Alter oder von der Bildung abhängig (Rubin, 1982; Sydow, 1991).

Viele Frauen unternehmen selbst nichts, um ihren Partner zu Änderung seines sexuellen Vorgehens zu bewegen, sondern halten es allein für seine Aufgabe, herauszufinden, was sie will. Entweder kann er sie befriedigen oder nicht, dann schweigt sie und leidet (Sydow, 1998, S. 386).

Die mangelnde sexuelle Kommunikation steht im Zusammenhang mit geringer oder keiner sexueller Selbstbestimmung. Die sexuelle Selbstbestimmung bedeutet nicht nur die Fähigkeit, die eigenen sexuellen Wünsche zum Ausdruck zu bringen und auszuleben, sondern auch die Vermeidung nicht gewünschter Sexualität (Sydow, 1993b). In langfristigen Paarbeziehungen nimmt die Selbstbestimmung der Frauen zu. Zu Beginn der Beziehung fühlte sich ein Drittel der retrospektiv befragten Frauen sexuell selbstbestimmt. Später, zum Zeitpunkt der Befragung, war es die Hälfte (Sydow, 1993a, 1998).

Die Tatsache, dass viele Frauen hinsichtlich der Sexualität wenig selbstbestimmt, oder anders gesagt, fremdbestimmt sind, zeigt sich im Verlauf der sexuellen Aktivitäten in Ehen, der der Entwicklung des männlichen Sexualinteresses und der männlichen sexuellen Wünschen entspricht: die häufigste sexuelle Aktivität ist Geschlechtsverkehr; die häufigste Ursache für die Beendigung der gemeinsamen Sexualität liegt seitens des Mannes (Sydow, 1991, 1993a; Münz, 1995). Generell spricht man von sexueller Dominanz der Männer in Partnerschaften (Sydow, 1998).

1.2.2 Psychosexuelle Probleme von Frauen in Paarbeziehungen

1.2.2.1 Funktionelle Störungen

Daten über die Verbreitung sexueller Funktionsstörungen bei sexuell aktiven Frauen in Partnerschaften im Alter von 18 bis 59 Jahren liefert eine amerikanische Repräsentativstudie (Leumann, Paik & Rosen, 1999, zit. n. Sydow, 2001). Die Studie belegt, dass Frauen im mittleren Alter (50 bis 59 Jahre) seltener unter sexuellen Problemen leiden als jüngere Frauen (18 bis 29 Jahre). Von den sechs berücksichtigten Funktionsstörungen, wie mangelndes sexuelles Interesse, Orgasmusstörungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Sex als nicht lustvoll erlebt, Versagensangst und unzureichende Lubrikation, sind ältere Frauen nur von Lubrikationsproblemen häufiger betroffen als jüngere Frauen (Sydow, 2001).

Dagegen wird aus der sexualmedizinischen Sprechstunde und der Partnerberatung über Libidomangel als die häufigste Diagnose (41,3 Prozent) unter sexuellen Problemen verheirateter oder in festen Partnerschaften lebender Frauen berichtet (Buddenberg, Bass & Gnirss-Bormet, 1998). Diese Störung steht in Zusammenhang mit Berufstätigkeit (Hausfrauen sind häufiger betroffen als berufstätige Frauen) und mit anderen Begleitstörungen (psychische oder psychosomatische Störungen). Frauen mit geringer Libido klagen häufig über Monotonie ihres Alltags, aber auch über Monotonie ihrer Beziehung. So kann dieses Symptom nicht nur auf Desinteresse im sexuellen Bereich hindeuten, sondern auch auf Beziehungsprobleme, wie mangelnde Anerkennung, Vernachlässigung, Entwertung (Buddenberg et al., 1998) oder einfach auf sexuelle Langeweile (Schmidt, 1998).

1.2.2.2 Sexualität und Partnerschaftsprobleme

Beziehung und Sexualität stehen in Beziehung, d.h. beeinflussen sich gegenseitig positiv oder im Sinne eines circulus vitiosus negativ (Zimmer, 1985, S. 185).

Generell kann man sagen, dass Sexualität ein sensibler und sehr störanfälliger Bereich partnerschaftlichen Interaktionen sein kann (Schröder, Hahlweg, Hank & Klann, 1994). Bei Paaren, die wegen partnerschaftlicher Konflikte oder sexueller Störungen um Therapie nachsuchen, sind die Zusammenhänge zwischen Sexualität und Beziehungsqualität eindeutig. Von den Partnern, die um Ehetherapie nachsuchten, gaben 70 bis75 Prozent auch Konflikte oder Unzufriedenheit im sexuellen Bereich an (Hahlweg, 1986), dagegen klagten 70 Prozent der Partner, die wegen sexueller Störungen zur Therapie kamen, über Eheprobleme (Zimmer, 1985). In der Studie von Schenk, Pfrang & Rausche (1983) konnte eine signifikante Korrelation zwischen sexueller Zufriedenheit und der allgemeinen Zufriedenheit mit der Beziehung nachgewiesen werden. Auch die Validierungsstudie (Klann, Hahlweg & Hank, 1992) des Marital Satisfaction Inventory (MSI) von Snyder (1981) zeigte einen Zusammenhang zwischen Beziehungsproblemen und Unzufriedenheit im sexuellen Erleben (Schröder, Hahlweg, Hank & Klann, 1994).

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Details

Seiten
70
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783836638647
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v227387
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät, Psychologie
Note
1,7
Schlagworte
sexualität paarbeziehung partnerschaft frauen zufriedenheit

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Titel: Sexuelle Zufriedenheit von Frauen unterschiedlicher Altersgruppen