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Nachhaltige Nutzung der Elbregion unter besonderer Berücksichtigung des Klimawandels

Diplomarbeit 2009 91 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Fremdenverkehrsgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1. Geografie, Klima und Morphologie der Elberegion
1.1. Geografie
1.2. Klima
1.3. Morphologie

2. Überblick über Leistungen und Nutzungen der Elberegion
2.1. Wesentliche Leistungen der Elberegion als Ökosystem
2.2. Ausgewählte Nutzungen der Elberegion
2.2.1. Fischerei
2.2.2. Landwirtschaft
2.2.3. Wasserwirtschaft
2.2.4. Binnenschifffahrt
2.2.5. Tourismus/Naherholung
2.3. Zusammenfassung

3. Interdependenz zwischen Klimawandel und Elberegion
3.1. Präsenz und Wesen des Klimawandels
3.2. Dynamik der Elberegion als Folge des Klimawandels
3.2.1. Konsequenzen für Leistungen
3.2.2. Konsequenzen für Nutzungen
3.3. Klimawandelbedingte Regelkreise

4. Notwendigkeit nachhaltiger Nutzungen der Elberegion
4.1. Allgemeine Definition von Nachhaltigkeit
4.2. Charakteristika der nachhaltigen Nutzung der Elberegion
4.3. Anspruchsgruppen an eine nachhaltige unternehmerische Nutzung der Elberegion
4.4. Überblick über ökologiebezogene rechtliche Rahmenbedingungen der Elbe-Nutzung
4.5. Zusammenfassung

5. Eckpfeiler einer nachhaltigen Nutzung der Elberegion

Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildung 1: Die Bestandteile der Elberegion

Abbildung 2: Die Artenvielfalt der Elberegion

Abbildung 3: Die natürlichen Leistungen der Elberegion

Abbildung 4: Das Nutzenbündel Elberegion

Abbildung 5: Der Einfluss anthropogener Nutzungen

Abbildung 6: rot und blau – klimawandelbedingte Regelkreise

Abbildung 7: Die Strategien anthropogener Nutzungen der Elberegion

Einführung

„Die Flüsse sind unsere Brüder – sie stillen unseren Durst.“

Häuptling Seattle

„ ... Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden

und tauscht bei ihnen seine Seele um.

Die Wälder schweigen, doch sie sind nicht stumm.

Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.“

Erich Kästner

Die Elbe ist eines der größten Fließgewässer Mitteleuropas.[1] Weitgehend frei fließend und naturnah[2] durchquert sie den größten zusammenhängenden Auenwald Mitteleuropas[3].

Sie ist als einzigartiges Ökosystem, das zahlreiche Tiere und Pflanzen beherbergt, eine elementare Komponente der Natur.[4] Aufgrund ihrer spezifischen Biodiversität erbringt sie verschiedene natürliche Leistungen, die wiederum eine anthropogene Nutzung der Elberegion ermöglichen.

Allerdings gefährden verschiedene Aspekte das Ökosystem Elberegion, sodass Einschränkungen der Biodiversität und der Leistungen resultieren und folglich die anthropogenen Nutzungen beeinträchtigt werden.

Die Biodiversität der Elberegion muss geschützt werden, weil sie als Grundlage des Lebens[5] den Menschen zu Existenz und Wohlbefinden befähigt[6].

Bereits 1990 wurde deshalb die Internationale Kommission zum Schutz der Elbe gegründet, um die Qualität dieser Flusslandschaft zu verbessern.[7]

Derzeit hat die Bundesrepublik Deutschland den Vorsitz dieser Kommission, die sich für die Erstellung eines Bewirtschaftungsplans, der die Notwendigkeit einer ökologieverträglichen Nutzung der Elbe berücksichtigen soll, engagiert. Hierbei ist eine komplexe, sowohl nationale, als auch internationale Kooperation mit Umweltverbänden und Elbe-Nutzern notwendig.[8]

Auf der internationalen Ebene liegt bereits ein als Teil A des Bewirtschaftungsplans bezeichneter Entwurf vor. Er legt fest, dass die Gesamtheit aller Bewirtschaftungskonzepte, die im nationalen Kontext durch die jeweiligen Mitgliedstaaten erarbeitet werden sollen, Teil B des Bewirtschaftungsplans bildet.[9]

Folglich bedarf es eines Bewirtschaftungskonzeptes für die Elberegion, bei dessen Erarbeitung durchaus Gefahren, wie mangelnde Objektivität sowie ungenügende Weitsicht bestehen können, die beispielsweise auf Partialinteressen zurückzuführen sind.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist deshalb, Kriterien einer nachhaltigen Nutzung der Elberegion zu entwickeln, die langfristige klimawandelbedingte Nutzungsveränderungen berücksichtigen.

Gang der Untersuchung

Nach einer kurzen Vorstellung der Elberegion in Kapitel 1, sollen in Kapitel 2 der vorliegenden Arbeit die maßgeblichen natürlichen Leistungen des Ökosystems Elberegion erörtert werden. Des Weiteren folgt eine Vorstellung ausgewählter Nutzungen der Elberegion. Diese werden im Hinblick auf ihre Abhängigkeit von den natürlichen Leistungen der Elberegion untersucht, um herauszufinden, auf welchen ökosystemaren Leistungen welche anthropogenen Nutzungen basieren. Außerdem soll analysiert werden, ob sich einzelne anthropogene Nutzungen zueinander konfliktionär verhalten und auf welche Mechanismen dies gegebenenfalls zurückzuführen ist.

In Kapitel 3 dieser Arbeit sollen Klimawandelaspekte in die Untersuchung integriert werden, sodass im Ergebnis festgehalten werden kann, inwieweit wechselseitige Abhängigkeiten zwischen Klimawandel und dem Ökosystem Elberegion bestehen, wobei anthropogene Nutzungen der Elberegion implementiert werden sollen. Demnach bedarf es zuvor der Analyse, welche klimawandelbedingten Folgen die natürlichen Leistungen betreffen und welche Entwicklungstendenzen sich hieraus für die Nutzungsmöglichkeiten der Elberegion ergeben.

Anschließend soll in Kapitel 4 nach einer kurzen Begriffsklärung von Nachhaltigkeit ermittelt werden, ob und warum eine nachhaltige Nutzung der Elberegion notwendig ist. Außerdem soll erörtert werden, welche charakteristischen Merkmale die anthropogene Nutzung der Elberegion aufweisen muss, um Nachhaltigkeitsaspekte zu erfüllen. Hierbei sollen die in Kapitel 3 erzielten Erkenntnisse über Interdependenzen zwischen dem Klimawandel und dem Ökosystem Elberegion berücksichtigt werden. Zudem soll erarbeitet werden, welche Anspruchsgruppen an eine nachhaltige Nutzung der Elberegion bestehen.

Letztendlich sollen in Kapitel 5 der vorliegenden Arbeit ausgewählte Nutzungen auf die Erfüllung der in Kapitel 4 erarbeiteten Nachhaltigkeitstatbestände untersucht werden. Wenn hierbei Abweichungen festgestellt werden, sollen, wenn möglich, Handlungsalternativen aufgezeigt werden.

1. Geografie, Klima und Morphologie der Elberegion

1.1. Geografie

Fließgewässer und ihre Auen sind fundamentale Komponenten der Natur.[10] In Mitteleuropa gilt die Elbe als eines der größten.[11] Ihr Ursprung liegt im tschechischen Riesengebirge wenige Kilometer westlich der Schneekoppe.[12] Nachdem sie im tschechischen Staatsgebiet zunächst südwärts und dann westwärts durch das Böhmische Becken fließt[13], verläuft sie anschließend überwiegend in nordwestlicher Richtung durch die Bundesrepublik Deutschland[14], um schließlich bei Cuxhaven in die Nordsee zu münden[15].

Nur ca. ein Drittel ihrer gesamten Länge von 1.091 Kilometern liegt in der Tschechischen Republik. Der andere und somit überwiegende Teil ist deutschem Staatsgebiet zugehörig.[16]

Begreift man die Elberegion im weitesten Sinn, muss das gesamte Einzugsgebiet betrachtet werden, das 148.268 km2 umfasst und sich nicht nur über die beiden bereits genannten Staaten, sondern auch über Polen und Österreich erstreckt. Diesbezüglich entfallen ebenfalls ca. zwei Drittel auf Deutschland.[17]

Das gesamte Einzugsgebiet der Elbe wird in Abbildung A im Anhang A dargestellt.[18]

Im Rahmen dieser Arbeit ist sowohl im Umfang als auch thematisch eine eher engere Verständnisweise der Elberegion zielführend. Sie umfasst Bereiche wie den Fluss, seine Ufer, Nebengewässer und Auen, anschließendes Grünland und anliegende Deiche.[19] Kleinere zugehörige Biotope, denen beispielsweise Kolke, Buschgruppen und Binnendünen angehören[20], werden durch die Kategorie „Sonstige“ erfasst. Auen sind bei Niedrig- und Mittelwasser noch trockene Areale, die jedoch bei Hochwasser überflutet und beeinflusst werden.[21] Folglich ist die Elberegion nicht nur aquatischer, sondern auch terrestrischer und amphibischer Lebensraum für zahlreiche Flora- und Faunaarten.[22] Somit ergibt sich die in Abbildung 1 auf Seite 5 dargestellte Einteilung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Bestandteile der Elberegion. Quelle: eigene Darstellung.

Hydrografisch können die Abschnitte Obere (Ursprung bis Strom-km 200), Mittlere (Strom-km 200-586) und Untere Elbe (Strom-km 586 bis Strom-km 1091) unterschieden werden.[23]

In Abbildung 2 auf Seite 5 sind Flora und Fauna der Elberegion exemplarisch in Summen zusammengefasst und nach ihrer Vielfalt absteigend sortiert.[24] Da lediglich die Mittlere Elberegion als Grundlage hierfür dient, sind Abweichungen, was die gesamte Elberegion betrifft, nicht auszuschließen, jedoch irrelevant, da ausschließlich ein Überblick über die Population der Elberegion erzeugt werden soll.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Die Artenvielfalt der Elberegion. Quelle: eigene Zusammenstellung nach: Zuppke/Elz 2008, S.184-194.

Darüber hinaus gehören Plankton und Mikrozoobenthos, deren Lebensraum das Wasser der Elberegion ist, ebenfalls zum Artenstamm der Elberegion. Als Beispiele sind Wimpertierchen, Geißeltierchen oder Rädertierchen zu nennen.[25]

1.2. Klima

Die Elberegion wird in die gemäßigte Klimazone eingeordnet[26] und liegt in dem Areal, in dem sich das osteuropäische trockene kontinentale Klima in westeuropäisches feuchtes ozeanisches Klima wandelt.[27]

Deshalb gibt es bezüglich der durchschnittlichen Niederschlagsmengen und durchschnittlichen Sommertemperaturen regional bedingte Unterschiede. Von Südosten nach Nordwesten nehmen die durchschnittlichen Niederschlagsmengen zu, während die durchschnittlichen Sommertemperaturen abnehmen. Die durchschnittlichen Wintertemperaturen verhalten sich umgekehrt.[28]

Der mittlere Jahresniederschlag der Elberegion beträgt 628 mm. Wie eingangs beschrieben, bestehen jedoch erhebliche Differenzen zwischen den Niederschlagshöhen der einzelnen Regionen. So reichen die Schwankungen von 430 mm in den Regenschattengebieten der Mittelgebirge über 800 mm im mittleren Bergland bis hin zu mehr als 1000 mm in den Hochlagen des Mittelgebirges.[29]

Generell entfällt die trockenste Periode im Jahr auf den späten Winter, während spätsommerliche Niederschlagsereignisse dagegen gemeinhin am ergiebigsten sind. So verteilt sich der Jahresniederschlag auf etwa 40 Prozent im Winterhalbjahr und über 50 Prozent im Sommerhalbjahr.[30]

Hinsichtlich des Abflussregimes handelt es sich bei der Elbe um einen Regen-Schnee-Typ. Niederschläge fallen im Winter als Schnee, wodurch erst im Frühjahr bei Schneeschmelze Maximalwasserstände erreicht werden. Jedoch wird das Tauen gewöhnlich durch Regen flankiert und intensiviert, sodass Frühjahrshochwasser folgen.[31] Allerdings gibt es auch Sommerhochwasser, die durch Starkniederschlagsereignisse ausgelöst werden.[32]

Demnach lässt sich die Elbe durch stark schwankende Abflussverhältnisse im Jahresverlauf, aber auch zwischen einzelnen Jahren charakterisieren. Allerdings zeichnen schon immer überwiegend Niedrigwasserstände die Elbe aus. Bis auf die Zeit ab der Mitte der 50er Jahre, in der die Pegel zunahmen, da sie anthropogen durch gezielte Niedrigwasserauffüllungen in Form tschechischer Staustufen reguliert wurden. Vierzig Jahre später sind wieder progressive Niedrigwasserhäufigkeiten zu verzeichnen, die bis heute bestehen.[33] Aus diesem Grund kann die Elbe als natürlicher Niedrigwasserfluss bezeichnet werden.[34] Diese Aussage wird zusätzlich durch einen Vergleich zwischen Elbe und Rhein verstärkt, da dieser bei Niedrigwasser 2 Meter Tiefe aufweist, während die Elbe bei Niedrigwasser gerade noch 1 Meter tief ist.[35]

1.3. Morphologie

Während der Teilung Deutschlands war die Elbe für die Schifffahrt und somit ihre Unterhaltung als Wasserstraße bedeutungsarm, sodass sie, wenig ausgebaut, zu großen Teilen Naturnähe aufweist.[36]

Allerdings provozierten bis 1990 Industrie, Landwirtschaft und Kommunen durch ungehemmte Schmutzwassereinleitungen eine katastrophale Wasserbeschaffenheit, die durch Trübe, Ungenießbarkeit und üblen Geruch gekennzeichnet war. Obwohl die Elbe, weit über ihre Selbstreinigungskraft hinaus verschmutzt, höchst gefährdet war, führten ab 1990 Elbe-Schutzmaßnahmen, wie bspw. die der Internationalen Kommission zum Schutz der Elbe, dazu, dass sich ihr ökologischer Zustand regenerierte.[37] Im Zeitraum von 1990 bis 2000 verbesserte sich ihre Gewässergüte von ‚stark verschmutzt’ zu ‚mäßig belastet’.[38]

Zur gleichen Zeit wurde jedoch begonnen, die Elbe auszubauen, um konstante Schifffahrtsbedingungen zu generieren. Seit dem Elbehochwasser im Jahr 2002 wurden zwar weitere Ausbautätigkeiten unterlassen, Unterhaltungsaktivitäten, die in ihrer Wirkung die Charakteristik von Neubaumaßnahmen aufweisen, werden aber weiterhin verwirklicht.[39] So entwickelt sich die Elbe seit zweihundert Jahren von einem Wildfluss mit vielerlei Nebengerinnen und Inseln[40] zu einem strukturarmen[41] Kulturstrom[42], der, dessen ungeachtet, im Vergleich zu anderen Flüssen relativ naturnah[43] geblieben ist.

2. Überblick über Leistungen und Nutzungen der Elberegion

2.1. Wesentliche Leistungen der Elberegion als Ökosystem

„Ein Ökosystem besteht aus Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen, die in biologischen Lebensgemeinschaften leben und miteinander, mit der physikalischen und chemischen Umwelt, mit den benachbarten Ökosystemen und mit der Atmosphäre interagieren.“[44] Hierbei bestehen wechselseitige Abhängigkeiten, so genannte Interdependenzen, sowohl innerhalb einzelner Ökosysteme als auch zwischen ihnen.[45]

Das ganzheitliche, globale Ökosystem liefert nicht nur natürliche Ressourcen, sondern fungiert auch als Senke für Emissionen und Abfall, die aus menschlichem Zusammenleben und Wirtschaften resultieren. Beide Funktionen sind nicht unbegrenzt verfügbar.[46] Sowohl die Regenerationsfähigkeit als auch die Selbstreinigungskraft der Natur sind Determinanten dafür.[47]

Im Rahmen dieser Arbeit wird „alles, was [ursprünglich] unabhängig vom menschlichen Handeln besteht“[48] als natürlich definiert. Den natürlichen Ressourcen werden, neben weiteren, auch Landschaften, Wälder und Gewässer zugeordnet.[49]

Während über den Schutz der natürlichen Ressourcen debattiert wird, stehen Überlegungen, wie diese genutzt werden sollen, im Fokus öffentlicher Diskurse.[50]

Dabei wird intensiv über Biodiversität konferiert, deren Aspekte die Vielfalt von Ökosystemen und Landschaften sowie Artenreichtum und genetische Vielfalt sind. Diese gilt es zu schützen, weil sie in der Gesamtheit ihrer Aspekte die Grundlage des Lebens ist.[51]

Denn sie allein befähigt den Menschen zu Existenz und Wohlbefinden.[52] Aus den allgemeinen Funktionen des globalen Ökosystems, die ökonomische Aktivitäten unterstützen und somit positiv zur gesellschaftlichen Wohlfahrt beitragen, lassen sich ökologische Leistungen ableiten.[53] Sie sind „(…) Leistungen (…), die durch die Bereitstellung von Prozessen, Gütern oder Dienstleistungen zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse beitragen (…) [und als] (...) Typus von Biodiversität [definiert werden]“[54].

Gemäß diesen vorangestellten Begriffsklärungen und unter Berücksichtigung des Kapitels 1.3. wird die Elberegion als naturnahes Ökosystem definiert, das als Teil des globalen Ökosystems mit seinen Bestandteilen Fluss, Ufer, Nebengewässer, Auen, Grünland, Deiche und Sonstige ökologische Leistungen vermittelt.

Die Elberegion als naturnahes Ökosystem dient der Realisation verschiedener, im Folgenden erörterter Kreisläufe und ermöglicht Leben, das wiederum ökonomische Aktivitäten im Sinne effizienten und effektiven Wirtschaftens zulässt.[55]

Primär ist die Elberegion als Ökosystem gerade im Hinblick auf ihre spezifische Biodiversität von grundlegender Bedeutung für den Ablauf des biologischen Kreislaufs, der durch Abbildung B im Anhang A dargestellt wird. Somit leistet die Elberegion hinsichtlich des biologischen Kreislaufs mit Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen als seinen Bestandteilen, die ausschließlich in gegenseitiger Abhängigkeit existieren können[56], einen ‚natürlichen Artenbestand’.

Die durch den Biokreislauf natürlich bestehenden, in der Elberegion existenten Pflanzenarten fungieren durch Photosynthese als CO2-Senke.[57] Die Realisation des Biokreislaufs, der im Gleichgewicht CO2-neutral ist[58], gewährleistet folglich die Realisation des Kohlenstoffkreislaufs[59], der in Abbildung C im Anhang A skizziert wird. Aus der Leistung des ‚natürlichen Artenbestandes’ geht demnach eine zweite Leistung der Elberegion, bezeichnet als ‚natürliche klimatische Verhältnisse’, hervor. Wesentliche Bestandteile dieser Leistung sind neben planktischen Algen insbesondere auch Auenpflanzen.[60]

Weiterhin wirkt sich die Leistung der ‚natürlichen klimatischen Verhältnisse’ durch Erhaltung der Klimafaktoren Niederschlag und Verdunstung auf den Wasserkreislauf aus, der in Abbildung D im Anhang A gezeigt wird.[61] Das Ökosystem Elberegion ist demnach auch für die Realisation des Wasserkreislaufs bedeutungsvoll.[62] Somit sind aus der Leistung der ‚natürlichen klimatischen Verhältnisse’ verschiedene Leistungen hinsichtlich des ‚natürlichen Oberflächenwasser- und Grundwasserhaushaltes’ ableitbar. Dabei leistet die Elberegion nicht nur natürlichen Hochwasserschutz, sondern auch Oberflächenwasser- und Grundwasserdargebot.

Die Bestandteile des Hochwasserschutzes der Elberegion sind die Elbauen. Sie werden morphologisch in aktive und inaktive Auen strukturiert, die durch Deiche voneinander getrennt werden.[63]

Die aktive Aue umfasst nicht nur den Fluss und seinen Uferbereich, sondern auch Weich- und Hartholzauen. Sie bietet mit ihren Flutrinnen, Senken, Terrassenkanten oder Talhängen eine natürliche Hochwasserbegrenzung.[64]

Den Bestandteilen des ‚natürlicher Oberflächenwasser- und Grundwasserhaushaltes’ können sowohl der Fluss hinsichtlich des Oberflächenabflusses als auch der Boden bezüglich des Grundwasserabflusses zugeordnet werden.[65]

Im Weiteren sichern die ökologischen Leistungen der Elberegion als naturnahes Ökosystem, die zusammenfassend als ‚natürlicher Artenbestand’, ‚natürliche klimatische Verhältnisse’ und ‚natürlicher Oberflächenwasser- und Grundwasserhaushalt’ bezeichnet werden, wiederum die Biodiversität der Elberegion, sodass in Abbildung 3 auf Seite 11 die Elberegion als naturnahes, in sich geschlossenes Ökosystem dargestellt werden kann.

Erst durch die in Abbildung 3 auf Seite 11 dargestellten ökologischen Leistungen der Elberegion als Ökosystem werden ökonomische Aktivitäten im Sinne effizienten und effektiven Wirtschaftens möglich.[66]

Denn diese ökologischen Leistungen werden allgemein als „Produktionsfaktor“ der Wirtschaft genutzt.[67]

Welche Nutzungen dabei auf welchen Leistungen basieren, ist Gegenstand des nächsten Kapitels.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Die natürlichen Leistungen der Elberegion. Quelle: eigene Darstellung.

2.2. Ausgewählte Nutzungen der Elberegion

2.2.1. Fischerei

Abbildung 2 auf Seite 5 weist die Elberegion als Lebensraum für mindestens 24 Fischarten aus. Gemäß der Abbildung 3 auf Seite 11 leistet die Elberegion als naturnahes in sich geschlossenes Ökosystem ‚natürlichen Artenbestand’, der zweifellos auch Fischarten einschließt. Die Fische der Elbe sind natürliche Ressourcen und gleichzeitig mögliche Nahrungsquelle, also Produktionsfaktor für Fischerei.[68]

Die Elbfischerei ist folglich der erste ausgewählte Nutzungspunkt der Elberegion.

Die Geschlossenheit des Ökosystems Elberegion verdeutlicht, dass ‚natürliche klimatische Verhältnisse’ und der ‚natürliche Oberflächenwasser- und Grundwasserhaushalt’ ebenfalls Basisleistungen für Fischerei sind.

Historisch betrachtet liegt ihr Ursprung höchstwahrscheinlich in der Zeit nach der Völkerwanderung, als sich im 10./11. Jh. slawische Fischer möglicherweise aufgrund des opulenten Fischbestands entlang beider Seiten der Elbe niederließen. Dokumente, die Fischerei an der Elbe tatsächlich belegen, datieren allerdings erst aus dem Mittelalter. Während der Industrialisierung verendeten zahlreiche Fische bzw. Fischarten gänzlich und überlebende wurden ungenießbar. So wurde das Fischereihandwerk für die Versorgung der Bevölkerung im Zeitverlauf bedeutungsschwächer.[69]

Im Zuge der Regeneration der Elbe erholen sich Fischbestände langsam.[70] Jedoch geschieht dies eher auf quantitativer als auf qualitativer Ebene. Beispielsweise sind Aal und Zander wirtschaftlich wichtige Fischarten, die allerdings noch immer über zulässige Höchstmengen hinaus mit diversen Schadstoffen kontaminiert sind, sodass ihre kommerzielle Vermarktung als Nahrungsmittel unzulässig ist.[71]

Weitere Ursachen für Verminderung oder gänzliches Verschwinden diverser Populationen von Elbe-Fischarten sind nicht nur Quer- und Uferbauwerke, die zu großen Verlusten an Laichplätzen führen, sondern auch die Ende des 19. Jahrhunderts hochgradig betriebene Hamenfischerei. Die schleichende Verlandung der Seitengewässer und die dadurch abnehmende Anbindung an den Hauptstrom sind zusätzliche Gründe. Auch die ausgeprägte landwirtschaftliche Nutzung mittels Beweidung verursacht drastische Einbußen der Qualität des Lebensraums für Elbe-Fischarten.[72] Demnach ist Fischerei an der Elbe gegenwärtig eher von geringer Bedeutung.

2.2.2. Landwirtschaft

Als eine weitere Nutzung der Elberegion ist die Landwirtschaft aus der Leistung des ‚natürlichen Oberflächenwasser- und Grundwasserhaushaltes’ ableitbar.

Inaktive Auen weisen bei bzw. nach hohen Pegelständen oberflächennahes Grundwasser in Senken und Mulden auf. Temporäre Gewässer, Feuchtwiesen und Röhrichte sind hierbei typische Erscheinungen. Überwiegend werden inaktive Auen landwirtschaftlich genutzt. Dann wird das Landschaftsbild durch Äcker und Grünländer geprägt.[73] Während in der Kategorie der pflanzlichen Erzeugnisse überwiegend Getreide angebaut wird, dominiert in der Kategorie der tierischen Erzeugnisse die Milchviehhaltung.[74] Ökonomisch ist die Herstellung von Milchprodukten in der Elberegion bedeutungsvoll.[75]

Die Geschlossenheit des Ökosystems Elberegion macht eine separate Betrachtung ihrer einzelnen Leistungen absurd, sodass gemäß den in Abbildung 3 auf Seite 11 aufgezeigten Abhängigkeiten die Leistungen ‚natürliche klimatische Verhältnisse’ und ‚natürlicher Artenbestand’ ebenfalls in die Landwirtschaft einfließen.

Durch Landwirtschaft werden Nahrungsmittel produziert, Einkommen generiert und Beschäftigung gesichert.[76]

„Von insgesamt 7,72 Mio. Beschäftigten im Elbeeinzugsgebiet arbeiten 2,3 Prozent in der Landwirtschaft.“[77]

Die Zahl der landwirtschaftlich Beschäftigten ist jedoch beispielsweise in dem Gebiet des westlichen Teils des Biosphärenreservats Mittlere Elbe seit 1990 trotz Zunahme der Betriebsstätten rückläufig.[78] Ein Erklärungsansatz ist die Substitution menschlicher Arbeit durch zunehmende Technisierung dieses Sektors.[79]

2.2.3. Wasserwirtschaft

In gleicher Weise kann aus der Leistung des ‚natürlichen Oberflächenwasser- und Grundwasserhaushaltes’ als weitere Nutzung der Elberegion die Wasserwirtschaft deduziert werden. Sie umfasst sowohl die Versorgung mit Trink- und Brauchwasser als auch die Abwasserentsorgung.[80] Ihr Instrument ist ein netzgebundenes Infrastruktursystem von Trinkwasserleitungen und Abwasserkanälen, das in Umfang und Qualität permanent mit den zunehmenden Gesundheitsbedürfnissen und Umweltansprüchen wächst.[81] Beispiele der Versorgungsleistung sind die Dresdner Wasserwerke Hosterwitz und Saloppe, die Trink- und Brauchwasser aus dem Uferfiltrat der Elbe gewinnen.[82]

Dazu bedarf es leistungsstarker Förderbrunnen im Uferbereich, die ermöglichen, dass das Flusswasser aus dem Flussbett in benachbarte Grundwasserräume gelangt. Hierbei wird der Boden als Filter, der die im Elbewasser befindlichen Schmutzstoffe zurückhält, genutzt.[83]

1.051 Mio. Kubikmeter Wasser werden jährlich der deutschen Elbe entnommen. Davon entfallen 917 Mio. Kubikmeter Wasser auf die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse. Allein für Trinkwasser werden im Jahr 735 Mio. Kubikmeter Elbwasser verbraucht. Außerdem wird Elbwasser sowohl in Kühlanlagen der Energieerzeugung und industrieller Produktion, aber auch in Gewerbe und Landwirtschaft verwendet.[84]

Seitens der Entsorgungsleistung sind weniger industrielle Schmutzwasserdirekteinleitungen, sondern vielmehr kommunale Kläranlagen und Kanalisation bedeutungsvoll.[85]

Sie umfassen ca. 672 Einleitungspunkte in der deutschen Elberegion. Industrielle Schmutzwasserdirekteinleitungen kommen beispielsweise aus der Chemie-, Pharma-, Zellstoff- und Papierindustrie.[86]

Durch die Unterhaltung des Versorgungsnetzes und durch Investitionen in die Sicherung einer, den Qualitätsrichtlinien entsprechenden, Wasserversorgung entstehen betriebswirtschaftliche Kosten in Form von Erschließungs- und Infrastrukturkosten. Volkswirtschaftliche Kosten resultieren in Gestalt von Umwelt- und Ressourcenkosten, die Nutzungskonflikte und Umweltbeeinträchtigungen einschließen[87] und in Kapitel 4.4. der vorliegenden Arbeit ausführlicher beschrieben werden.

An dieser Stelle sei nochmals darauf verwiesen, dass eine separate Betrachtung der Leistung des ‚natürlichen Oberflächenwasser- und Grundwasserhaushaltes’ aufgrund der Geschlossenheit des Ökosystems Elberegion absurd ist, sodass gemäß den in Abbildung 3 auf Seite 11 aufgezeigten Abhängigkeiten die Leistungen ‚natürliche klimatische Verhältnisse’ und ‚natürlicher Artenbestand’ ebenfalls die Wasserwirtschaft beeinflussen.

2.2.4. Binnenschifffahrt

Daneben ergibt sich aus der Leistung des ‚natürlichen Oberflächenwasser- und Grundwasserhaushaltes’ eine andere Nutzung der Elberegion, nämlich die Binnenschifffahrt.

Seit dem 12. Jahrhundert ist die Elbe Verkehrsweg für Gütertransporte per Binnenschiff.[88] Dabei galt das Binnenschiff einst als wichtigster Verkehrsträger.[89] Dies impliziert, dass dem Binnenschiff heute möglicherweise andere Verkehrsträger vorgezogen werden. Als Beispiele können die Eisenbahn oder der Straßengüterverkehr mit deutschen Lastkraftfahrzeugen genannt werden. Studien des Bundesamtes für Güterverkehr, die Veränderungen im gesamtdeutschen Güterverkehr zwischen dem 1. Halbjahr 2007 und dem 1. Halbjahr 2008 untersucht haben, belegen, dass die Mengen- und Leistungsentwicklung in der Binnenschifffahrt insgesamt tatsächlich hinter der des Straßen- und Schienengüterverkehrs blieb.[90]

Betrachtet man die gesamte Verkehrsleistung im Elbe-Korridor, entfallen einer Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung Berlin zufolge nämlich nur 0,2 Prozent aller Gütertransporte im Elbe-Korridor auf die Elbeschifffahrt. Den größeren Teil transportieren demnach Lkw und Bahn.[91]

Hinsichtlich des Gütertransports ist im gesamten Zeitverlauf seit 100 Jahren ein stetiger Rückgang auf der Elbe zu verzeichnen.[92]

Im Vergleich mit anderen Wasserstraßen ist die Elbe eher von geringer Bedeutung. Die Gegenüberstellung mit dem Rhein offenbart, dass lediglich ca. 1 Mio. Gütertonnen im Jahr 2007 auf der Elbe transportiert wurden, während der Rhein im gleichen Jahr gewaltige 175 Mio. Gütertonnen Transportaufkommen fasste.[93]

Ausschließlich 2 Prozent des Güterverkehrsaufkommens der Binnenschifffahrt in Deutschland entfallen heute noch auf die Elbe. Hauptverkehrsträger der deutschen Wasserstraßen ist, wie bereits angedeutet, der Rhein, der mit über 80 Prozent am Güterverkehrsaufkommen der Binnenschifffahrt in Deutschland beteiligt ist.[94]

Die Nutzbarkeit eines natürlichen Flusses für Binnenschifffahrt ist primär abhängig von einer stabilen Fahrrinnensohle- und breite, gesicherten Fahrrinnentiefen und verlässlichen einheitlichen Wasserständen.[95] Zusätzlich bedingen die einsetzbare Schiffsgröße, die zulässige Abladung, vorhandene Brückendurchfahrtshöhen und Witterungsverhältnisse wie beispielsweise Eisbildung die Produktionskosten und Zuverlässigkeit des Transportangebotes hinsichtlich binnenschifffahrtgestützter Transportketten.[96]

Deshalb wird seit dem 12. Jahrhundert in den natürlichen Flusslauf der Elbe durch Baumaßnahmen eingegriffen.[97]

So wurden bereits 1160 Strombaumaßnahmen an der Elbe durchgeführt, um zunächst Ufer- und Hochwasserschutz zu gewährleisten. Später dienten sie unter anderem auch der Schaffung von Schiffsliegeplätzen.[98]

Erste Stromlaufveränderungen wurden um 1600 vorgenommen. Es folgten Weitere, durch die auch die Elbeschifffahrt profitierte.[99]

Ausbauarbeiten mit dem Ziel der direkten Verbesserung des Fahrwassers sind seit dem 17. Jahrhundert bekannt.[100] Im Wiener Kongress von 1815 wurden weitere Verbesserungen der Schifffahrtsverhältnisse angestoßen, die auf die Beseitigung von Hindernissen abzielten.[101] Deshalb gilt dieser Zeitpunkt als offizieller Beginn der planmäßigen Schiffbarmachung der Elbe.[102] Das 1844 in der Additionalakte formulierte Ausbauziel einer Fahrwassertiefe von 0,94 m bewirkte steigendes Verkehrsaufkommen und zunehmende Schiffsgrößen, sodass 1866 die preußische Strombauverwaltung in Magdeburg gegründet wurde.[103]

Begradigungen, Vertiefungen, Querschnittsänderungen, Querbauwerke, Buhnen sowie der Verbau von Ufer und Sohle sind Beispiele von Baumaßnahmen, die seit dem 12. Jahrhundert entwickelt wurden.[104]

Im Jahr 1888 verzeichnete die Elbe 6.944 Buhnen und 319 km Deck- und Parallelwerke.[105]

Ab 1930 wurden Maßnahmen zur Niedrigwasserregulierung eingeleitet, um die Schifffahrtsverhältnisse hinsichtlich der Fahrwassertiefe weiter zu verbessern. Der Erfolg dieser Maßnahmen zeigte sich in einer leichten Anhebung des Wasserspiegels bei Niedrig- bis Mittelwasserabflüssen sowie in einer Stabilisierung des Fahrrinnenverlaufs.[106]

Während der Teilung Deutschlands blieb sie bis 1990 als Grenzfluss zwischen beiden deutschen Staaten von weiteren Baumaßnahmen unberührt.[107] Infolgedessen geriet die Elbe nicht nur zunehmend in Unterhaltungsrückstand, sodass ca. 1.600 Buhnen und 110 km Deck- und Leitwerke Schäden verzeichneten[108], sondern sie blieb auch im Hinblick auf Staumauern auf einer Länge von 600 Kilometern unbebaut, also weitgehend frei fließend[109]. In Relation zu anderen vergleichbaren Flüssen Europas ist die Elbe diesbezüglich einzigartig.[110]

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands prognostizierte der Bundesverkehrswegeplan im Jahr 1992 einen stark zunehmenden Schifffahrtsverkehr auf der Elbe, der durch einen geplanten Elbe-Ausbau bewältigt werden sollte. Als Planungsziel wurde dabei eine perennial befahrbare, 1,60m tiefe und 0,50m breite Fahrrinne formuliert. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden nicht nur beschädigte Strombauwerke instand gesetzt und erhalten, sondern auch neue errichtet. Außerdem wurden Untiefen durch Ausbaggerungen, Felssohle durch Abtragungen beseitigt sowie Kolke aufgefüllt. Im Anschluss an das Elbehochwasser im Jahr 2002 wurden diese massiven Ausbauaktivitäten zwar gestoppt, Unterhaltungsaktivitäten, die in ihrer Wirkung jedoch die Charakteristik von Neubaumaßnahmen aufweisen, werden aber weiterhin verwirklicht, mit dem Bestreben, eine ganzjährige Fahrwassertiefe von 1,60m zu erreichen.[111]

Die Wirtschaftlichkeit eines Güterschiffes ist in hohem Maße von seiner Tragfähigkeit abhängig, die durch Länge, Breite, Tiefgang, Fixpunkthöhe, Antriebsleistung und Geschwindigkeit des Schiffes beeinflusst wird und der Wasserstraßeninfrastruktur unterliegt. Die Fahrrinnentiefe bzw. Abladetiefe ist dabei ein entscheidender Wettbewerbsfaktor im Hinblick auf konkurrierende Verkehrsträger.[112]

Bei Fahrrinnentiefen unter 1,60m bzw. entsprechenden Abladetiefen unter 1,40m ist Güterschifffahrt aufgrund freier, ungenutzter Beladungskapazitäten unwirtschaftlich. Ab Fahrwassertiefen von 1,60m beginnt der Bereich der Kostendeckung, während Rentabilität erst ab Abladetiefen von mindestens 2,00m einsetzt. Diese entsprechen Fahrrinnentiefen von mindestens 2,20m. Eine vollständige Auslastung der Beladungskapazität ermöglichen Abladetiefen ab 2,50m bzw. Fahrwassertiefen ab 2,70m.[113]

Darüber hinaus ist Güterschifffahrt im Hinblick auf die Beladungsmengen erst dann rentabel, wenn mindestens 1000 Gütertonnen je Transport befördert werden können.[114] Transporte dieser Größenordnung können nur Europa-Schiffe leisten, die eine konstante Fahrrinnentiefe von 2,50m benötigen.[115]

Datenauswertungen, die den Zeitraum von 1990 bis 2007 analysieren, belegen jedoch, dass diese Grundvoraussetzung an durchschnittlich 254 Tagen im Jahr nicht erfüllt ist.[116] Somit ist perennial rentabler Gütertransport per Binnenschiff auf der Elbe gegenwärtig nicht gewährleistet.

Überdies ist das aktuelle Unterhaltungsziel einer konstanten Mindestfahrrinnentiefe von 1,60m sehr kritisch zu betrachten, da dessen Planung auf dem Zeitraum von 1973 bis 1986, einer vergleichsweise feuchten Periode, basiert. Der Abschnitt von 1971 bis 2000 würde eher die klimatischen Verhältnisse des vergangenen Jahrhunderts repräsentieren.[117] Folglich ist selbst diese konstante Höhe des Fahrwasserpegels, trotz drastischer Baumaßnahmen, als nicht erreichbar und somit als unrealistisch einzustufen.[118] Demgemäß ist gegenwärtig nicht einmal ganzjährige kostendeckende Güterschifffahrt auf der Elbe möglich.

Um temporäre Unwirtschaftlichkeiten auszugleichen, kann sogar dreilagiger Containertransport, der zum Teil auf der Elbe möglich wäre, nicht herangezogen werden, da er, mit kostenintensiven technischen Anpassungen verbunden, offensichtlich selbst unrentabel ist.[119]

Aus den obigen Ausführungen geht hervor, dass wirtschaftlich sinnvolle Binnenschifffahrt gegenwärtig auf der Elbe unmöglich ist. In diesem Zusammenhang ist fraglich, inwieweit weitere Maßnahmen zum Unterhalt und Ausbau der Elbe für die Binnenschifffahrt sinnvoll sind.

Auch hier gilt, dass gemäß den in Abbildung 3 auf Seite 11 aufgezeigten Abhängigkeiten die Leistungen ‚natürliche klimatische Verhältnisse’ und ‚natürlicher Artenbestand’ ebenfalls die Binnenschifffahrt beeinflussen. Eine separate Betrachtung der Leistung des ‚natürlichen Oberflächenwasser- und Grundwasserhaushaltes’ ist aufgrund der Geschlossenheit des Ökosystems absurd.

[...]


[1] Vgl. Scholz/Schwartz/Weber 2005, S. 5.

[2] Vgl. Dörfler 2007, S. 9.

[3] Vgl. Schlager 2004b, URL:http://www.scinexx.de/inc/artikel_drucken_komplett.php?f_id=200&a_flag=2.

[4] Vgl. Mohaupt-Jahr 2008, S. 238.

[5] Vgl. Jessel 2008, S. 117f.

[6] Vgl. Zabel 2007, S. 82.

[7] Vgl. Internationale Kommission zum Schutz der Elbe 2008, S. 7.

[8] Vgl. Internationale Kommission zum Schutz der Elbe 2008,

URL: http://www.ikse-mkol.org/index.php?id=1&L=0.

[9] Vgl. Internationale Kommission zum Schutz der Elbe, 2008, S. 6.

[10] Vgl. Mohaupt-Jahr 2008, S. 238.

[11] Vgl. Scholz/Schwartz/Weber 2005, S. 5.

[12] Vgl. Küster 2007, S. 9.

[13] Vgl. Küster 2007, S. 25.

[14] Vgl. Scholz/Schwartz/Weber 2005, S. 5

[15] Vgl. Jüngel 1993, S. 9.

[16] Vgl. Scholz/Schwartz/Weber 2005, S. 5.

[17] Vgl. Internationale Kommission zum Schutz der Elbe 2005, S. 4-9.

[18] Vgl. Flussgebietsgemeinschaft Elbe o.A.,

URL:http://fgg-elbe.de/lernmaterial/mach_mit/pdf/AB3_Fluesse.pdf.

[19] Vgl. Scholz/Schwartz/Weber 2005, S. 27-34.

[20] Vgl. Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. 1991, S. 3.

[21] Vgl. Scholz/Schwartz/Weber 2005, S. 9.

[22] Vgl. Scholz/Schwartz/Weber 2005, S. 25.

[23] Vgl. Weber 2005, S. 32-34.

[24] Vgl. Zuppke/Elz 2008, S.184-194.

[25] Vgl. Brunke u.a. 2005, S. 106-108.

[26] Vgl. Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost 2006, S. 10.

[27] Vgl. Flussgebietsgemeinschaft Elbe 2005, S. 11.

[28] Vgl. Scholz/Schwartz/Weber 2005, S. 14f.

[29] Vgl. Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost 2006, S. 10.

[30] Vgl. Scholz/Schwartz/Weber 2005, S. 14.

[31] Vgl. Internationale Kommission zum Schutz der Elbe 2005, S. 11; Zuppke/Elz 2008, S. 28.

[32] Vgl. Weber 2005, S. 34.

[33] Vgl. Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung e.V. 2006, S. 7.

[34] Vgl. Dörfler 2008, S. 14.

[35] Vgl. Umweltbundesamt 2005, S. 10.

[36] Vgl. Pusch/Fischer 2006, S. 2.

[37] Vgl. Zuppke/Elz 2008, S. 16.

[38] Vgl. Weber 2005, S. 34f.

[39] Vgl. Pusch/Fischer 2006, S. 2.

[40] Vgl. Scholz/Schwartz/Weber 2005, S. 27.

[41] Vgl. Brunke u.a. 2005, S. 104.

[42] Vgl. Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost 2006, S. 2.

[43] Vgl. Scholz/Schwartz/Weber 2005, S. 27.

[44] Costanza u.a. 2001, S. 112.

[45] Vgl. Schanze 1995, S. 86.

[46] Costanza u.a. 2001, S. 6.

[47] Vgl. Zabel 2007, S. 83.

[48] Doering 2000, S. 239.

[49] Vgl. World Commission on Environment and Development 1987, S. xii.

[50] Vgl. Heins 2001, S. 160.

[51] Vgl. Jessel 2008, S. 117f.

[52] Vgl. Zabel 2007, S. 82.

[53] Vgl. Dehnhardt 2002, S. 185.

[54] Dehnhardt 2002, S. 185.

[55] Vgl. Constanza u.a. 2001, S. 115; Zabel 2007, S. 82.

[56] Vgl. Schreiner 1996, S. 7.

[57] Vgl. Von Storch/Güss/Heimann 1999, S. 43-46.

[58] Vgl. Quaschning 2008, S. 44.

[59] Vgl. Constanza u.a. 2001, S. 115.

[60] Vgl. Böhme/Guhr/Ockenfeld 2006, S. 44f; Vgl. Von Storch/Güss/Heimann 1999, S. 43.

[61] Vgl. Becker 2000, S. 194.

[62] Vgl. Constanza u.a. 2001, S. 115.

[63] Vgl. Scholz/Schwartz/Weber 2005, S. 10.

[64] Vgl. Scholz/Schwartz/Weber 2005, S. 27.

[65] Vgl. Hecht/Werbeck 2006, S. 25f.

[66] Vgl. Constanza u.a. 2001, S. 115; Zabel 2007, S. 82.

[67] Vgl. Constanza u.a. 2001, S. 116.

[68] Vgl. Constanza u.a. 2001, S. 116.

[69] Vgl. Jüngel 1993, S. 186-190; Zuppke/Elz 2008, S. 29.

[70] Vgl. Zuppke/Elz 2008, S. 16f.

[71] Vgl. ARGE ELBE 1999/2000, S. 102.

[72] Vgl. Brunke u.a. 2005, S. 125f.

[73] Vgl. Scholz/Schwartz/Weber 2005, S. 27.

[74] Vgl. Ahrens/Bernhardt/Hillert 2003, S. 59.

[75] Vgl. Scholz/Schwartz/Weber 2005, S. 39.

[76] Vgl. Ahrens/Bernhardt/Hillert 2003, S. 56.

[77] Flussgebietsgemeinschaft Elbe 2005, S. 25.

[78] Vgl. Ahrens/Bernhardt/Hillert 2003a, S. 60f.

[79] Vgl. Rieger 2001, S. 21.

[80] Vgl. Moser 2007, S. 13.

[81] Vgl. Libbe/Moss 2007, S. 381-383.

[82] Vgl. [Landeshauptstadt Dresden – Homepage] o.A., URL:http://www.dresden.de/de/08/03/055/c_035.php.

[83] Vgl. Engelhardt 1994, S. 7.

[84] Vgl. Flussgebietsgemeinschaft Elbe 2005, S. 24.

[85] Vgl. Flussgebietsgemeinschaft Elbe 2009, S. 3.

[86] Vgl. Flussgebietsgemeinschaft Elbe 2005, S. 14.

[87] Vgl. Kluge 2005, S.38.

[88] Vgl. Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost 2006, S. 2.

[89] Vgl. Bundesverband der deutschen Binnenschifffahrt e.V. u.a. 2008, S. 33.

[90] Vgl. Bundesamt für Güterverkehr 2008, S. 5f.

[91] Vgl. Umweltbundesamt 2008, S. 4.

[92] Vgl. Umweltbundesamt 2005, S. 9.

[93] Vgl. Jessel 2008a, S. 10.

[94] Vgl. Umweltbundesamt 2008, S. 4.

[95] Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit 2009, S. 294.

[96] Vgl. Günthner 2001, S. 72.

[97] Vgl. Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost 2006, S. 2.

[98] Vgl. Scholz/Schwartz/Weber 2005, S. 39.

[99] Vgl. Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost 2006, S. 2.

[100] Vgl. Scholz/Schwartz/Weber 2005, S. 39.

[101] Vgl. Jährling 1993, S. 7.

[102] Vgl. Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost 2006, S. 2.

[103] Vgl. Scholz/Schwartz/Weber 2005, S. 40.

[104] Vgl. Flussgebietsgemeinschaft Elbe 2005, S. 16.

[105] Vgl. Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost 2006, S. 3.

[106] Vgl. LUB Consulting GmbH 2002, S. 5.

[107] Vgl. Dörfler 2007, S. 9.

[108] Vgl. LUB Consulting GmbH 2002, S. 5.

[109] Vgl. Dörfler 2007, S. 9.

[110] Vgl. Schlager 2004a, URL:http://www.scinexx.de/inc/artikel_drucken_komplett.php?f_id=200&a_flag=2.

[111] Vgl. Pusch/Fischer 2006, S. 2.

[112] Vgl. LUB Consulting GmbH 2006, S. 18f.

[113] Vgl. Dörfler 2008, S. 11.

[114] Vgl. Super Sonntag Bernburg vom 18.03.2007, S. 3.

[115] Vgl. Aberle 2003, S. 31.

[116] Vgl. Dörfler 2008, S. 55.

[117] Vgl. Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung e.V. 2006, S. 7.

[118] Vgl. Brunar 2008, S. 1.

[119] Vgl. Umweltbundesamt 2005, S. 19.

Details

Seiten
91
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783836635998
Dateigröße
802 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v227204
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Betriebswirtschaftslehre
Note
1,5
Schlagworte
ökosystem biodiversität flussgebietsmanagement tourismus geografie

Autor

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Titel: Nachhaltige Nutzung der Elbregion unter besonderer Berücksichtigung des Klimawandels