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Tourismus 2.0: Chancen und Herausforderungen des Online Tourismus im Web 2.0

Eine Analyse von Erfolgsfaktoren aus Sicht deutscher Reisender

Diplomarbeit 2008 101 Seiten

BWL - Offline-Marketing und Online-Marketing

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung ins Thema
1.1. Hintergrund der Arbeit
1.2. Ziel, Inhalt und Aufbau der Arbeit
1.3. Begriffserläuterungen
1.3.1. Online Tourismus
1.3.2. Web
1.3.3. Tourismus

2. Veränderungen im Online Tourismus seit
2.1. Aktuelle Bedeutung des Internets für den deutschen Tourismus
2.2. Eine Dekade der Online Tourismus Evolution
2.3. Neue Wertschöpfung durch Tourismus
2.4. Status Quo Tourismus

3. Vom Web 1.0 zum Web
3.1. Entwicklung des Web
3.2. Schlüsselprinzipien des Web
3.3. Treiber des Web
3.3.1. Technische Entwicklungen
3.3.2. Soziologische Effekte
3.3.3. Ökonomische Hintergründe
3.4. Web 2.0 Anwendungen und Services
3.4.1. Online Communities
3.4.2. Foto- und Videoportale
3.4.3. Blogs – Web-Tagebücher
3.4.4. Pod- und Vodcasts
3.4.5. Wikis – Online Lexika
3.4.6. Social Bookmarking
3.4.7. Interaktive Kartenwerke
3.4.8. Virtuelle Realitäten
3.5. Aktuelle Bedeutung und Nutzung von Web

4. Analyse der Erfolgsfaktoren aus Sicht deutscher Reisender
4.1. Zielsetzung und Methodik der Untersuchung
4.2. Indikatorenbildung und Hypothesenableitung
4.3. Ergebnisse der Online Befragung deutscher Reisender
4.3.1. Zusammensetzung der Stichprobe
4.3.2. Aktivitäten bei der Online Reiseorganisation
4.3.3. Bedeutung dynamischer Internetservices für den Online Tourismus
4.3.4. Passive Nutzung von UGC im Online Tourismus
4.3.5. Aktive Partizipation am UGC im Online Tourismus
4.3.6. Vorteile von UGC für den Online Tourismus
4.3.7. Bedeutung interaktiver Internetservices für den Online Tourismus
4.3.8. Gezielte Nutzung von Web 2.0 Plattformen im Online Tourismus

5. Handlungsempfehlungen für Tourismusorganisationen
5.1. Chancen und Herausforderungen von Tourismus
5.2. Erfolgsfaktoren touristischer Websites
5.3. Erfolgsfaktoren für das Online Tourismusmarketing

6. Fazit und Ausblick

Web 2.0 Glossar

Anhangverzeichnis

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Titelbild des TIME Magazine

Abbildung 2: Aufbauschema der Arbeit

Abbildung 3: Tagcloud der Prinzipien des Web

Abbildung 4: Entwicklung der Internetzugänge in Deutschland

Abbildung 5: Online Reise-Informationssuchende und Online Käufer

Abbildung 6: Umsatz im deutschen (Online) Tourismusmarkt

Abbildung 7: Eine Dekade der Online Tourismus Evolution

Abbildung 8: Psychologisches Modell der Reisephasen

Abbildung 9: Bekanntheit und Nutzung von Web 2.0 Anwendungen

Abbildung 10: Möglichkeiten sich im Netz über Reisen zu informieren

Abbildung 11: Wege zur Website

Abbildung 12: Stationen der Netzevolution

Abbildung 13: User 2.0 – Create, Connect, Collaborate!

Abbildung 14: Entwicklung der Zugangsarten 2007 -

Abbildung 15: Abrechnungsarten der Onlineverbindung 2005 -

Abbildung 16: Der Long Tail Effekt

Abbildung 17: Schweden Community der Nationalen Tourismusorganisation

Abbildung 18: Larry the Travel Guy sponsored by Air New Zealand

Abbildung 19: Neuseeland Travel Channel bei Youtube

Abbildung 20: Themen von Blogs

Abbildung 21: Poscaster-Logo

Abbildung 22: Podster.de

Abbildung 23: Podcast.de

Abbildung 24: Wikitravel

Abbildung 25: Lufthansa Markeneintrag bei Wikipedia

Abbildung 26: Social Bookmarking Buttons auf Lonely Planet

Abbildung 27: Google Maps Integration auf VisitSweden.com

Abbildung 28: Virtuelle Reisemesse.de

Abbildung 29: Nutzung von Web 2.0 Angeboten 2007 /

Abbildung 30: Nutzungsfrequenz von Web 2.0 Angeboten

Abbildung 31: Interesse, aktiv Beiträge zu verfassen und ins Internet zu stellen

Abbildung 32: Google Suche

Abbildung 33: Einleitung der Online Umfrage

Abbildung 34: Geschlechterverteilung der Umfrageteilnehmer in %

Abbildung 35: Nutzung des Internets zur Reiseorganisation in %

Abbildung 36: Aktivitäten bei der Online Reiseorganisation

Abbildung 37: Bedeutung dynamischer Internetservices für den Online Tourismus

Abbildung 38: UGC Vorteile

Abbildung 39: Gründe für die Nichtnutzung von UGC im Online Tourismus

Abbildung 40: UGC im Online Tourismus

Abbildung 41: Beweggründe für die Produktion von Tourismus 2.0 Content

Abbildung 42: Gründe für Passivität

Abbildung 43: Nutzungszweck von UCG im Online Tourismus

Abbildung 44: Prozentualer Anteil von UGC einer touristischen Website

Abbildung 45: Bedeutung interaktiver Internetservices für den Online Tourismus

Abbildung 46: Gezielte Nutzung von UGC Plattformen für die Reiseorganisation

Abbildung 47: Facetten des Digitalen Marketings

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Veränderungen begünstigen nur den, der darauf vorbereitet ist.“

Louis Pasteur (1822 – 1895), französischer Chemiker und Mikrobiologe

1. Einleitung ins Thema

1.1. Hintergrund der Arbeit

Die Geschichte der Menschheit offenbart sich in den Biografien ihrer wichtigsten Vertreter, zumindest bisher. Seit 1927 ernennt das US-amerikanische Nachrichtenmagazin TIME jedes Jahr die „Person des Jahres“, die nach Ansicht der Jury die Welt im jeweiligen Jahr maßgeblich verändert oder bewegt hat.[1]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach beispielsweise Roosevelt, Adenauer, Churchill und Johannes Paul II. kürte die Redaktion im Jahr 2006 nicht wie üblich eine einzelne Person, sondern verlieh den Preis seinen Lesern: „YOU“. „In der Begründung heißt es, dass 2006 das Jahr der übergreifenden Zusammenarbeit und Gemeinschaft im Internet gewesen sei. Demzufolge haben sich die Nutzer das Internet in einem Umfang zu Eigen gemacht, wie man es bisher noch nicht für möglich gehalten hätte.“[2]

Abbildung 1: Titelbild des
TIME Magazine 2006
Quelle: http://www.stern.de/

Das ehemalige Abruf-Medium Internet hat sich heute zum Interaktions-Medium entwickelt, bei dem der Nutzer von seiner passiven Konsumenten Position in eine neue aktive Rolle geschlüpft ist. Als „Prosument“ bringt er sich selbst mit eigenen Kommentaren, Beiträgen, Videos, Fotos usw. in die Online Gespräche ein und beeinflusst diese damit auch direkt. Dieser Paradigmenwechsel wird heute oft mit dem Schlagwort „Web 2.0“ bezeichnet.

Diese Entwicklung stellt auch die Online Tourismusbranche vor neue Herausforderungen. Entlang der touristischen Wertschöpfungskette entstehen täglich neue Web 2.0 Services und Anwendungen. Reisende tauschen im Web Erfahrungen und Erlebnisse aus und werden so immer informierter, organisierter und anspruchsvoller. Um den Kampf um die Kunden heute noch gewinnen zu können, müssen Tourismusanbieter auf diese Evolution des Online Tourismus reagieren, die entstehenden Vorteile clever nutzen und neue, kreative und an die Veränderungen angepasste Kommunikationskonzepte entwickeln.

1.2. Ziel, Inhalt und Aufbau der Arbeit

Diese Arbeit erläutert die Chancen und Herausforderungen, die sich durch die technische und soziale Weiterentwicklung des Internets zum Web 2.0 für die deutsche Tourismus-branche ergeben, analysiert die Relevanz von interaktiven, nutzergenerierten Web 2.0 Services für den Online Tourismus und weist Wege auf, wie Tourismusanbieter von den neuen Potentialen profitieren und eventuell entstandene Risiken minimieren können.

Im theoretischen Teil der Arbeit wird nach einer einleitenden Abgrenzung der Begriffe Online Tourismus, Web 2.0 und Tourismus 2.0 die Entwicklung des Online Tourismus seit 1998 dargestellt. Es werden Rahmenbedingungen für die Veränderungen vom Web 1.0 zum Web 2.0 sowie dessen Grundprinzipien erläutert und ein Überblick über touristische Web 2.0 Anwendungen gegeben. Der empirische Teil analysiert anhand einer Online Befragung von deutschen Reisenden die Erfolgsfaktoren für Tourismusunternehmen in dieser veränderten Onlinewelt. Darauf aufbauend wird abschließend ein Web 2.0 Modell mit klaren, praktischen Handlungsempfehlungen für touristische Websites sowie das Online Tourismusmarketing in Deutschland abgeleitet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Aufbauschema der Arbeit, Eigene Darstellung

1.3. Begriffserläuterungen

Eine klare Definition und Abgrenzung der Begriffe Online Tourismus, Web 2.0 und Tourismus 2.0 ist nicht nur wichtig, weil diese den inhaltlichen Grundbaustein der Arbeit bilden, sondern auch weil besonders die beiden letztgenannten Bezeichnungen als Marketing-Schlagwörter je nach Kontext mit verschiedenen Aspekten assoziiert und dann häufig mit unscharfer Bedeutung in beliebigen Zusammenhängen verwendet werden.

1.3.1. Online Tourismus

Der Begriff Tourismus umfasst alle Reisedienstleistungen, die von Personen in Anspruch genommen werden, die an Orte außerhalb ihrer gewohnten Umgebung reisen und sich dort zu Freizeit-, Geschäfts- oder bestimmten anderen Zwecken nicht länger als ein Jahr ohne Unterbrechung aufhalten.[3] Touristische Leistungen unterscheidet man in Primär- und Sekundärleistungen. Primärleistungen sind alle Angebote zur Generierung und Ausgestaltung einer Reise. Touristische Primärleistungsanbieter sind beispielsweise nationale Tourismusorganisationen, Reiseveranstalter, Reisebüros und Reisevermittler sowie das gesamte Hotel- und Gaststättengewerbe und Transportunternehmen aller Art. Touristische Sekundärleistungen dagegen sind Zusatzleistungen wie beispielsweise Reiseversicherungen.[4] Tourismus ist damit der Überbegriff für die Reisebranche und das Gastgewerbe und beinhaltet sowohl den Privat- als auch der Geschäftstourismusbereich.

Der Begriff Online Tourismus entstand durch die Entwicklung neuer IuK-Technologien im Internet. Im Rahmen dieser Arbeit wird er definiert als der Teil des touristischen Marketing-Mix, der komplett auf Basis webbasierter Technologien stattfindet. Online Tourismus umfasst alle Produkt-, Preis-, Kommunikations- und Distributionsmaßnahmen touristischer Primärdienstleistungen, die mit Hilfe des Internets erfolgen können. Damit fallen unter diesen Begriff alle Möglichkeiten der Information und Buchung von Reisen im Internet, was neben der touristischen Website und deren Angeboten, Features und Services auch das Online Tourismusmarketing beinhaltet.

Da sich, wie in den folgenden Kapiteln 1.3.2. und 1.3.3. genauer erläutert, die Begriffe Web 2.0 und Tourismus 2.0 als Kernthemen dieser Studie allerdings hauptsächlich auf eine durch neue Technologien und die Einbeziehung der User veränderte Kommunikation im Internet beziehen, wird für diese Arbeit die Definitionskomponente der touristischen Kommunikationsmaßnahmen, die mit Hilfe des Internet erfolgen können, im Fokus der Betrachtung stehen. Die anderen Komponenten der Definition von Online Tourismus sind dennoch wichtig, werden aber angesichts des Themas „Tourismus 2.0 – Chancen und Herausforderungen des Online Tourismus im Web 2.0“ im weiteren Verlauf dieser Studienarbeit keine Berücksichtigung finden.

1.3.2. Web 2.0

Der Begriff Web 2.0 ist seit den letzten zwei bis drei Jahren wohl der zugleich populärste als auch wegen seiner Vieldeutigkeit und Dehnbarkeit meist kritisierte Begriff im Online Marketing. Er wurde während einer Konferenz im Jahr 2004 vom Verleger Tim O’Reilly geprägt und avancierte durch dessen Artikel „What is Web 2.0“ im September 2005 zum internationalen Medienhype und Marketing-Schlagwort des 21. Jahrhunderts.

O’Reilly wollte mit der Bezeichnung die Erfolgsfaktoren der Firmen benennen, die den Crash der New Economy im Herbst 2001 überlebt hatten und damit die sich vollziehenden qualitativen und quantitativen Veränderungen im Web herausstellen.[5] Allerdings blieb er damals selbst bei der Definition von Web 2.0 noch vage: „Wie viele andere wichtige Konzepte, hat Web 2.0 keine genauen Begrenzungen, sondern vielmehr ein Gravitations-zentrum. Man kann Web 2.0 als eine Ansammlung von Prinzipien und Praktiken visualisieren, die ein regelrechtes Sonnensystem von Seiten zusammenhalten, die einige oder alle dieser Prinzipien in unterschiedlicher Entfernung vom Zentrum demonstrieren.“[6]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Tagcloud der Prinzipien des Web 2.0, Quelle: ANGERMEIER, M., 2005, in: o. V., Web 2.0, http://de.wikipedia.org/wiki/Web_2.0, Wikipedia, Recherche: 27.08.08

Im O’Reilly Radar vom Jahr 2006 wird Web 2.0 später wie folgt definiert: „Web 2.0 is a set of economic, social, and technology trends that collectively form the basis for the next generation of the Internet – a more mature, distinctive medium characterized by user participation, openness, and network effects.”[7] Obwohl es auch heute keine allgemein akzeptierte Web 2.0 Definition gibt, haben sich eine technische und eine inhaltlich, soziale Komponente sowie folgende typische Charakteristiken herauskristallisiert: Dezentralität und Dynamik, Interaktivität und Partizipation sowie Kollektivität und Netzwerkeffekte.

Der technische Aspekt bezieht sich darauf, dass Web 2.0 Anwendungen das Web als Plattform nutzen. Internetdienste und deren Anwendungsdaten werden dezentral ange-boten und gespeichert. Web Services können dynamisch zusammengesetzt oder über Programmierschnittstellen eingebaut und genutzt werden. Web 2.0 Technologien be-stehen meist aus Softwarewerkzeugen, die öffentlich und kostenfrei zugänglich und nutz-bar sind und leistungsfähige Benutzerschnittstellen ermöglichen.[8]

Die inhaltlich, soziale Komponente besagt, „Web 2.0 umfasst Internetanwendungen und Plattformen, die die Nutzer aktiv in die Wertschöpfung integrieren […].“[9] In Communities, Blogs, Foto- oder Videoportalen können Internetnutzer mit Hilfe von Social Software Inhalte auch ohne technische Kenntnisse einfach und schnell erstellen, bearbeiten, organisieren und verwalten. Deshalb wird Web 2.0 auch häufig als „Mitmach-Web“ oder „Social Web“ bezeichnet. Die durch die User selbst erstellten Inhalte sind als User Generated Content bekannt. Durch die Zusammenarbeit bauen die Nutzer Beziehungen untereinander auf, die als Kollektivität und soziales Netzwerk bezeichnet werden.

Web 2.0 steht damit im Rahmen dieser Studienarbeit für eine weiterentwickelte Form des World Wide Web, in dem dynamische, dezentral gehostete Technologien die Interaktivität im Web ermöglichen und damit zu einer Veränderung der Prinzipien, der Wahrnehmung und Nutzung des Internets und zu einem neuen aktiven Rollenverständnis der Internetnutzer führen.[10] Web 2.0 fördert damit die Kommunikation, Zusammenarbeit und Benutzerfreundlichkeit im Internet.

1.3.3. Tourismus 2.0

Der Zusatz 2.0 wird inzwischen auch auf eine Reihe anderer Begriffe übertragen. So entstand als Folgeerscheinung des im Kapitel zuvor definierten Begriffs Web 2.0 die Bezeichnung Tourismus 2.0, auch bekannt als Travel 2.0. Der Begriff stellt eine Kombination und Verschmelzung der Begriffe Online Tourismus und Web 2.0 dar. Tourismus 2.0 steht damit für die Ausdehnung und Anpassung des Web 2.0 Konzepts auf eine für den Online Tourismus adäquate Form und bezeichnet die Entwicklung des Online Tourismus zu einer interaktiven Web-Kommunikation mit und zwischen Reisenden.[11]

Auch für diesen Begriff gibt es, wie für alle 2.0 Bezeichnungen, bisher keine allgemein gültige Definition, aber der Grundgedanke besteht darin, dass durch Tourismus 2.0 die Online Tourismuswelt vernetzter wird, dynamische Reiseplanungstools kombiniert werden und Reisende sich gegenseitig über ihre Reiseerfahrungen und Urlaubserlebnisse austauschen und beraten können. Zu den Tourismus 2.0 Anwendungen zählen damit sowohl interaktive, dynamische Online Services wie beispielsweise personalisierte Reiseplanungstools, Preisvergleichsmöglichkeiten und interaktive Kartenwerke, aber auch UGC z. B. in Online Reise-Communities, Reise-Weblogs, Wikis oder Diskussions- und Informationsforen zum Thema Reisen. Im Tourismus 2.0 finden zwischen den Reisenden Gespräche statt, die über den nächsten Urlaub entscheiden können. Gerade bei der Reiseplanung, einer Aktivität mit meist hohem emotionalen Involvement und hohen finanziellen Ausgaben für ein nicht greifbares Produkt, wollen Reisende bestmöglich informiert sein und vertrauen deshalb anstelle von Hochglanzfotos in kommerziellen Prospekten eher unabhängigen Tipps und Empfehlungen von Freunden oder Bekannten, früher über Mundpropaganda, heute im Tourismus 2.0 über eine Art Megaphone.

Tourismus 2.0 bedeutet für Tourismusunternehmen, diese Gespräche wahrzunehmen und entweder passiv zuzuhören oder sich mit aktiven Beiträgen daran zu beteiligen. Egal ob passiv oder aktiv, der Online Tourismus befindet sich momentan in einer Trans-formation und Anpassungsphase an die neuen Technologien, Trends und Möglichkeiten dieser weiterentwickelten Onlinewelt. Die daraus entstehenden Chancen und Heraus-forderungen für den Online Tourismus werden in den folgenden Kapiteln genauer erörtert und diskutiert.

2. Veränderungen im Online Tourismus seit 1998

2.1. Aktuelle Bedeutung des Internets für den deutschen Tourismus

Das Internet gewinnt durch sein ständiges Wachstum an Reichweite eine immer größere Bedeutung für die Wirtschaft und den Tourismussektor. Laut der aktuellen Internetnutzer-analyse „Internet Facts 2008-I“ der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (AGOF) vom Juni 2008 hat das Internet in Deutschland eine Reichweite von knapp 65 Prozent der Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren erreicht (41,99 Millionen). 63,1 Prozent gehören laut AGOF zum weitesten Nutzerkreis, also zu den Personen, die in den letzten drei Monaten das Internet mindestens einmal genutzt haben.[12] Seit 2001 hat sich damit, laut F.U.R. in Abbildung 4, die Internetreichweite mehr als verdoppelt und es ist ein jährliches Wachs-tum der Personen mit Zugang zum Internet von rund 10 Prozent zu verzeichnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Entwicklung der Internetzugänge in Deutschland (Basis: in % der Bevölkerung über 14 Jahre), Quelle: F.U.R., RA 08, in: Verband Internet Reisevertrieb, http://www.v-i-r.de/marktforschung-marktspiegel.html, Recherche: 07.09.08

Das Internet hat sich heute in ganz Deutschland etabliert und spiegelt dabei sowohl in der Geschlechtsverteilung als auch in den Altersgruppen der Nutzer immer mehr die Gesamtbevölkerung wider. So sind heute beispielsweise auch immer mehr ältere Menschen aus der Generation 50+ im Internet unterwegs. Internetnutzer werden immer erfahrener und nutzen das Internet immer regelmäßiger. Mehr als zwei Drittel von Ihnen nutzen das Internet bereits seit mehr als 3 Jahren. Für sie gehört der Gang ins Internet bereits zum Alltag. Mit der wachsenden Anzahl an versierten Internetnutzern wachsen natürlich auch die Ansprüche an eine mediumgerechte Darstellung von Internetinhalten.[13]

Das Internet ist heute zu einer der größten Informationsquellen geworden. Fast alle Onliner, knapp 98 Prozent, nutzen das Internet zur Information und damit in der Orientierungs- und Entscheidungsfindungsphase vor einem Kauf, egal ob dieser dann letztendlich online oder offline stattfindet.[14] Wie in Abbildung 5 zu sehen, haben über 80 Prozent der Internetnutzer schon einmal online nach Reiseinformationen gesucht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Online Reise-Informationssuchende und Online Käufer, Quelle: o. V., Internet Facts 2008-I, AGOF, Juni 2008, in: o. V., OVK Online-Report 2008/02, BVDW, http://www.bvdw.org/fileadmin/downloads, Recherche: 22.10.08, S. 29

Die Internetnutzung beeinflusst nicht nur das Informations- sondern auch das Kaufver-halten. 86 Prozent der Internetnutzer (35,17 Millionen) haben in den letzten 12 Monaten online gekauft. Mit 21,3 Prozent sind Reisen auch hier unter den Top 10 vertreten. Insgesamt haben knapp die Hälfte aller Onliner schon einmal online Reisen gebucht.[15]

Außerdem zeigt die RoPo-Studie 2008 von Google, dass die Zahl der RoPo-Urlauber, die sich zunächst im Web informieren (Research online) und anschließend im Reisebüro buchen (Purchase offline) steigt, von 22 Prozent im Jahr 2004 auf 27 Prozent 2007.[16] Das zeigt, dass das Internet kein Gegner des stationären Reisebürovertriebs ist, sondern dieser sogar vom Web profitiert.

Laut einer Studie der Münchner Marktforschung Ulysses-Webtourismus erwirtschaftete der deutsche Online Tourismus im Jahr 2007 rund 14,81 Mrd. Euro Umsatz, knapp ein Drittel der Gesamtbranche (43,38 Mrd. Euro)[17]. Wie in Abbildung 6 zu sehen, ist auch in den nächsten Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten zu rechnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Umsatz im deutschen (Online) Tourismusmarkt, Quelle: o. V., Web Tourismus Studie 2008, http://www.web-tourismus.de/intro/intro_studie_wt2008.asp, Ulysses-Webtourismus, Recherche: 23.08.08

Wie aus den Umsätzen und Internetnutzerzahlen deutlich wird, finden Unternehmen aus der Tourismusbranche im Internet maßgebliche Kundenpotentiale und damit eine reichweitenstarke Plattform zur Ansprache ihrer Zielgruppe. In den letzten Jahren wurde die Konkurrenz im Online Tourismus deshalb immer größer. Inzwischen befindet sich der Online Tourismus in einer Konsolidierungsphase, in der die Branche zusammenwächst und es immer weniger, dafür immer mehr größere Tourismus Portale gibt.

Zusammenfassend kann bemerkt werden, dass sich Reisethemen und touristische Websites bei den Internetnutzern besonders großer Beliebtheit erfreuen. Das belegt noch einmal deutlich, dass das Internet heute eindeutig zu einem der wichtigsten Marketing- und Vertriebskanäle für die Tourismusbranche geworden ist.

2.2. Eine Dekade der Online Tourismus Evolution

Der Online Tourismusmarkt boomt und das Internet hat sich zum Treiber der gesamten Branche entwickelt. Diese Evolution des Online Tourismus war, wie in Abbildung 7 veranschaulicht, bisher von drei entscheidenden Phasen geprägt, bei der die Relevanz und Involvierung der Konsumenten stetig an Bedeutung gewann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Eine Dekade der Online Tourismus Evolution, Quelle: HALPIN, D., A boom without End – or – the end of the Boom, Expedia Präsentation vom fvw Kongress 2008, 16.09.08

Die erste Entwicklungsstufe des Online Tourismus war die sogenannte „Look Phase“, die ungefähr bis zur Jahrtausendwende und dem Platzen der New Economy Blase anhielt. Die zentrale Information der Reisenden durch die Tourismusanbieter stand in dieser Zeit im Mittelpunkt des Online Tourismus, was aufgrund der damals noch beschränkten technischen Möglichkeiten und des hohen Informationsbedarfs auf Nachfragerseite in der Tourismusbranche nicht überrascht. „Information is the lifeblood of tourism“[18] wie Buhalis treffend formulierte. Da die Produktion der touristischen Leistung erst während der Reise und damit gleichzeitig mit dem Verbrauch durch den Nachfrager zusammenfällt, existiert nur ein Versprechen der Leistung, welches durch Vertrauen geprägt ist und jegliche Unsicherheiten minimieren muss.[19] Information ist darum ein zentraler Erfolgsfaktor im Tourismus und kennzeichnet deshalb wohl auch den Beginn des Online Tourismus.

In dieser ersten Online Tourismus Generation betraten sogenannte „Early Adopters“ wie große Airlines, Reiseveranstalter und Hotelketten mit relativ einfach gestrickten Websites den Markt. Sie begannen ihre Marken und das Vertrauen auf Kundenseite ins Internet zu transferieren. Außerdem entstanden in dieser Zeit erste Global Distribution Systems, mit denen anfangs hauptsächlich Flugtickets verschiedener Airlines, später mit moderneren Systemen aber auch Hotels oder Mietwagen, gebucht und verkauft werden konnten.

Nach 2000 wurde in der zweiten Entwicklungsstufe des Online Tourismus die reine Informationssuche im Web durch Online Buchungsmöglichkeiten erweitert und Kunden konnten nun neben dem passiven Abrufen von Reiseinformationen auch selbst Buchungen tätigen und wurden somit erstmalig in einen Teil des Online Tourismus involviert. Durch die Möglichkeiten des „Look Book“ wurden Reisende unabhängig vom stationären Reisebürovertrieb, gewannen mehr Kostentransparenz und wurden dadurch auch immer preissensibler. Durch die Entstehung von Dynamic Packaging konnten sich die Kunden die verschiedenen Tourismusprodukte nun einzeln und individuell zusammen-stellen und ihr eigenes Paket aus Flug, Unterkunft und Mietwagen schnüren.

Heute stellen fast alle Tourismusanbieter, auch kleinere, spezialisiertere Unternehmen, auf Ihren Websites Online Buchungen oder Metasuchmaschinen zur Verfügung und die E-Commerce-Quote im Tourismus liegt bei mehr als 96 Prozent.[20] So können durch das Internet im Tourismus reichweitenstarke und schnelle Informations- und Distributionsab-läufe erreicht, dabei die Prozesskosten gesenkt und die Marketingaktivitäten ausgebaut werden.

So entwickelte sich der Online Tourismus mit zweistelligen Wachstumsraten und großen Schritten immer weiter und befindet sich heute in einer Phase, in der die Möglichkeiten der Information und Buchung nun noch durch eine dritte Komponente, die Interaktion, erweitert werden. Diese Entwicklungsstufe begann ungefähr im Jahr 2004 und wird häufig als „Look, Book Interact“ oder, wie in dieser Studienarbeit, auch als Tourismus 2.0 bezeichnet. Internettechnologien werden immer kostengünstiger und immer mehr Menschen haben Zugang zum Web. Reisende können nicht mehr nur passiv Informationen von Tourismusanbietern abrufen oder vorgefertigte Reisen buchen. Sie können heute Informationen aus verschiedensten Blickwinkeln miteinander kombinieren – von touristischen Experten aber auch von anderen Reisenden – und sich so ein besseres Bild verschaffen. Außerdem können sie sich selbst am Online Tourismus aktiv beteiligen, ihre Meinung äußern und so mit den Tourismusanbietern und anderen Reisenden online interagieren. Auch diejenigen, die selbst nicht aktiv Reiseinhalte erstellen, beziehen diese immer stärker in ihre Entscheidungsfindung und -absicherung ein. Die dadurch entstehende neue touristische Wertschöpfung wird im nächsten Kapitel genauer erläutert.

2.3. Neue Wertschöpfung durch Tourismus 2.0

Durch dynamische, interaktive Tourismus 2.0 Anwendungen stehen heute Reisenden zu jeder Zeit stets die aktuellen Angebote zur Verfügung und sie sehen sofort, welche buch-bar sind. Durch multimediale Informationen wie Animationen, Videos, 360° Panorama-bilder oder virtuelle Touren erhalten Reisende einen lebendigen, realitätsnahen Eindruck vom touristischen Angebot. Außerdem ermöglicht das Web einen transparenten Angebots- und Preisvergleich. So können sich Reisende bequem von zu Hause aus im Internet informieren, individuell Ihre Reise zusammenstellen und schnell und einfach buchen. Interaktion zwischen den Tourismusanbietern und den Kunden, aber vor allem auch den Reisenden untereinander, ermöglicht zudem einen ständigen Kommunikations-austausch und beeinflusst dabei, wie in Abbildung 8 zu sehen, den gesamten Ent-scheidungsprozess der Reisenden mehr oder weniger stark. Damit kann durch Tourismus 2.0 in allen Reisephasen – der Inspiration, der Reiseplanung mit Informationssuche, Buchung und Vorbereitung der Reise sowie auch während und nach der Reise – durch Interaktion eine touristische Wertschöpfung erzeugt werden. Mit Tourismus 2.0 schließt sich damit der Kreis der touristischen Wertschöpfungsmöglichkeiten und es kann überall verstärkend angesetzt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Psychologisches Modell der Reisephasen, Quelle: RENGELSHAUSEN, O., REZA SCHMEISSER, D., Touristik 2.0 – Chancen und Risiken von User Generated Content für den Online-Reisevertrieb, in: Planung Analyse 4/2007, http://www.phaydon.de/content/Artikel_Touristik20.pdf, Recherche: 03.09.2008, S. 3

Zur Inspiration und Reiseplanung zieht der Reisende heute neben offiziellen Destinations-informationen und professionellem Bildmaterial auch immer öfter die Bewertungen, Forenbeiträge, Fotos und Videos von gleichgesinnten Reisenden zu Hilfe oder lässt sich in Reise-Communities von den Erlebnisschilderungen anderer inspirieren. So werden Reiseentscheidungen getroffen, abgesichert oder Nachkaufdissonanzen durch positive Bestätigungen des eigenen Urteils oder der Reisebüroempfehlung reduziert.[21] Aber auch während der Reise werden für kurzfristige Reiseentscheidungen oder zur Orientierung am Urlaubsort die interaktiven Inhalte genutzt. Besonders GeoMaps oder Podcast Reiseführer über das Mobiltelefon werden in diesem Zusammenhang immer beliebter, siehe Abbildung 10 auf Seite 14. Erlebnisse am Reiseziel werden im Web direkt kom-munikativ verarbeitet. Nach der Reise fungiert das Internet häufig als Erinnerungsarchiv, wo Fotos und Reiseberichte hochgeladen und veröffentlicht werden, um andere daran teilhaben zu lassen und auch das eigene Erleben zu intensivieren.

Der Online Tourismus hat sich damit heute zu einer in allen Reisephasen wert-schöpfenden Serviceleistung etabliert, die durch Interaktion beim Reisenden Nachfrage, Aktion, Austausch, Loyalität und Kundenbindung generieren kann. Damit sind Online Reiseplattformen von statischen Informationsquellen zu dynamischen Aktions- und Aus-tauschbörsen geworden, an denen Kunden in den Wertschöpfungsprozess integriert werden können. Den genauen Status Quo des Tourismus 2.0 wird das nächste Kapitel 2.4. mit Hilfe von bisher erhobenen Zahlen und Fakten erläutern.

2.4. Status Quo Tourismus 2.0

Leider gibt es bisher nur eine relativ begrenzte Anzahl an Studien und Zahlen zum Tourismus 2.0. Es kann anhand derer allerdings bereits belegt werden, dass Web 2.0 Angebote als Informationsquelle zur Reiseplanung und -vorbereitung immer häufiger genutzt werden und damit zunehmend an Bedeutung gewinnen. Im Dezember 2006 führte beispielsweise die Österreich Werbung eine Studie zum Thema Web 2.0 durch. Dabei wurde die Bekanntheit und Nutzung von Web 2.0 Anwendungen von 200 deutschen Österreichurlaubern erhoben, die schon einmal im Internet nach Reise-informationen gesucht oder online gebucht haben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Bekanntheit und Nutzung von Web 2.0 Anwendungen, Quelle: o. V., Web 2.0 im Internet, Dezember 2006, Österreich Werbung, in: Verbund Internet Reisevertrieb, http://www.v-i-r.de/forschungdaten-web20.kenntnis--nutzung-von-web-20-oesterreich-werbung.html, Recherche: 07.09.08

Mit einem Bekanntheitsgrad von 89 Prozent liegt Wikipedia vor YouTube (50 Prozent) und HolidayCheck (46 Prozent) an der Spitze und ist gleichzeitig auch das meist besuchte Web 2.0 Portal dieser Umfrage. Als Informationsquelle nutzen die befragten deutschen Österreichurlauber am häufigsten HolidayCheck (16 Prozent). In dieser Studie wurde außerdem die Nutzung von Blogs zur Urlaubsvorbereitung erhoben. Während 60 Prozent der Befragten den Begriff „Blog“ kennen, haben 36 Prozent schon einen Blog besucht. 11,5 Prozent haben einen Blog schon einmal für Ihre Urlaubsvorbereitung genutzt.[22]

Eine andere Studie im Rahmen der F.U.R. Reiseanalyse 2007 kommt, wie in Abbildung 10 zu sehen, zu dem Schluss, dass Kunden für Ihre persönliche Reiseorganisation im Web oft interaktive Kartensysteme, Meinungsplattformen und virtuelle Touren nutzen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 10: Möglichkeit sich im Netz über Reisen zu informieren, Quelle: RA 2007 - VIR-Exklusivfrage der F.U.R., in: Destination.Report 06, http://www.ic-tourismus.de/, Recherche: 04.09.2008, S. 7

Deutsche Reisende suchen sehr intensiv nach den glaubwürdigsten Informationen und dem besten Angebot. Vor der Buchung werden viele Webseiten besucht, 20 Prozent besuchen mehr als zehn Seiten, bevor sie eine Buchung tätigen.[23] Obwohl die Mehrheit der Konsumenten immer noch über Suchmaschinen nach Reisen sucht, werden laut Online Reiseanalyse 2007/08 der F.U.R., wie in Abbildung 11 veranschaulicht, bereits 24 Prozent aller Onliner bei ihrer Reiseplanung über Web 2.0 Websites auf bestimmte Informationen oder Angebote aufmerksam.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 11: Wege zur Website in Prozent (Basis: Onliner 16-64 Jahre, die sich bereits im Internet über Urlaubsreisen informiert haben), Quelle: F.U.R., RA online 2007/08, in: Verband Internet Reisevertrieb, Daten Fakten zum Online-Reisemarkt 2008, 3. Ausgabe, Recherche: 07.09.2008, S. 17

Diese Daten und Fakten zeigen, dass der Tourismus 2.0 durch seine heutige Bedeutung und sein fortwährendes Wachstum zugleich Gegenwart und Zukunft des Tourismus ist – das ideale Medium für die Realisierung individueller Reiseträume. Tourismusanbieter die auch in Zukunft erfolgreich am Markt bestehen wollen, müssen sich auf einen selbstbewussten Kunden einstellen, der aufgrund seiner Versiertheit mit dem Internet auf eine mediumgerechte Darstellungen von Internetinhalten wert legt und sich vielseitig informiert bevor er online bucht oder ins Reisebüro geht. Welche Web 2.0 Anwendungen hier eine wichtige Rolle spielen, wird in den nächsten Kapiteln genauer erläutert werden.

3. Vom Web 1.0 zum Web 2.0

3.1. Entwicklung des Web

Das Internet als Netzwerk zum weltweiten Datenaustausch entstand 1969 aus dem vom amerikanischen Verteidigungsministerium aufgebauten ARPANET und wurde anfangs hauptsächlich zur Vernetzung von Universitäten, Forschungsinstituten und in den USA auch von militärischen und behördlichen Einrichtungen genutzt.[24] Der Begriff Internet wird oft als Synonym für das World Wide Web verwendet, da es einer der meistgenutzten Internetdienste ist und stark zu dessen Wachstum und Popularität beigetragen hat.

Das World Wide Web ist ein über das Internet abrufbares Hypertext-System und wurde 1989 von Tim Berners-Lee am schweizerischen Institut CERN ins Leben gerufen und im April 1993 zur allgemeinen weltweiten Nutzung freigegeben.[25] Die Weiterentwicklung des Web lässt sich nun anhand von drei spezifischen Phasen darstellen.

Die erste Entwicklungsphase des Web wird heute auch häufig als Web 1.0 bezeichnet. In dieser Zeit bestand das Web lediglich aus statischen HTML-Seiten, die nur selten überarbeitet oder ausgetauscht wurden. Da das Internet damals ein eher schwierig zu nutzendes technisches System war, gab es nur wenige Bearbeiter, die in der Lage waren, neue Inhalte zu programmieren und online zu stellen. So konnte das Web damals ledig-lich zur Einwegkommunikation und die bereitgestellten Inhalte nur passiv genutzt werden.

In einer zweiten Phase, einem Zwischenschritt auf dem Weg vom Web 1.0 zum Web 2.0, wurden die statischen HTML-Seiten durch Content Management Systeme ersetzt, die es ermöglichten, dass mehr Menschen Webinhalte bearbeiten und verwalten konnten. Das befähigte auch immer mehr Firmen und private Nutzer, das Web zu nutzen. Der Aufstieg der New Economy begann, nahm allerdings im Jahr 2000 mit einem kompletten Crash und dem Zerplatzen der New Economy Blase ein jähes Ende. Erst durch den Erfolg von Google und einiger anderer Unternehmen Ende 2000 wuchs danach der Glaube an das Web erneut und im Laufe der Jahre entwickelte sich das Umfeld des Web, die technischen und sozialen Rahmenbedingungen änderten sich.[26]

In der heutigen Entwicklungsstufe des Web, dem so genannten Web 2.0, ist es nun durch neue Technologien wie offene, dynamische Schnittstellen, ein klares, einfaches XHTML oder AJAX für ein intuitives Frontend mit kurzen Ladezeiten möglich, dass jeder Internet-nutzer auch ohne technisches Wissen oder ein Content Management System Inhalte jeglicher Art im Web veröffentlichen und bearbeiten kann. So werden Nutzer zu Editoren. Wie in Abbildung 12 dargestellt, sind viele Web 2.0 Anwendungen zwar bereits vor dem Aufkommen der neuen Begrifflichkeit online gegangen, allerdings erst die Weiter-entwicklung der Rahmenbedingungen des Web haben es ermöglicht, dass das Web 2.0 heute als Massenmedium von fast allen Onlinern genutzt werden kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 12: Stationen der Netzevolution, Quelle: Schroll, W., Rodenhäuser, B., Neef, A., Der Web 2.0 Report, Zpunkt The Forseight Company, http://www.z-punkt.de/fileadmin/be_user/D_Publikationen/ D_Zukunftsreports/Leseprobe_Web_2.0_Report.pdf, Recherche: 22.10.08, S. 12

3.2. Schlüsselprinzipien des Web 2.0

Bereits O’Reilly beschreibt in seinem Artikel „What is Web 2.0“ eine Reihe von Schlüssel-prinzipien, die das Web 2.0 gegenüber dem Web 1.0 abheben und charakterisieren.[27] Einer der wichtigsten Punkte ist die strategische Positionierung, das Web mit Hilfe so genannter Rich Internet Applications (RIA) als Plattform oder Desktop anstelle des lokalen Rechners zu nutzen. Ein Web 2.0 Dienst ist keine Paketsoftware, die auf dem Rechner installiert werden muss. Diese Dienste gehen über die Fähigkeiten eines einzelnen Verwendungszwecks hinaus und befinden sich in einem ständigen Beta-Stadium, was nicht zuletzt das Ende des klassischen Softwarelebenszyklus bedeutet.

User Interfaces und Bearbeitungstechniken sind benutzerfreundlich und damit für jeden leicht zu handhaben. Web 2.0 Anwendungen sind meist Open Source Anwendungen, d. h., öffentlich und kostenlos zugänglich. Oft werden Anwendungen verschiedener Entwickler durch API Schnittstellen als Mashups miteinander verknüpft oder in andere Websites integriert. Durch das verteilte, gemeinsame Nutzen von Inhalten und technischen Diensten sind einfache Geschäftsmodelle charakteristisch für das Web 2.0.

Web 2.0 Services sind meist datengetriebene Anwendungen, bei denen die User ihre eigenen Daten über Webanwendungen verwalten, so dass verschiedene Nutzer von überall darauf zugreifen können und so Wissen und Daten vernetzt werden. Besonders wichtig ist im Web 2.0 die Einbeziehung der User als Produzenten und Mitentwickler.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 13: User 2.0 – Create, Connect, Collaborate!, Quelle: Schroll, W., Rodenhäuser, B., Neef, A., Der Web 2.0 Report, Zpunkt The Forseight Company, http://www.z-punkt.de/fileadmin/be_user/ D_Publikationen/D_Zukunftsreports/Leseprobe_Web_2.0_Report.pdf, Recherche: 22.10.08, S. 4

3.3. Treiber des Web 2.0

3.3.1. Technische Entwicklungen

In den letzten Jahren haben sich die technischen Rahmenbedingungen für die Internet-nutzung deutlich verbessert. Hauptsächlich konzentrierten sich diese Entwicklungen auf vier Bereiche: den Verbindungssektor, den Kostenfaktor, die Hardware und die Software.

Durch die hohe Verbreitung von Breitbandanschlüssen sind Internetverbindungen heute bedeutend schneller geworden. Wie in Abbildung 14 zu sehen, verfügen bereits mehr als zwei Drittel der Internetnutzer über einen leistungsstarken DSL-Zugang.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 14: Entwicklung der Zugangsarten 2007 – 2008, Befragte, die das Internet zu Hause nutzen, o. V., Internet Facts 2008-I, AGOF, Juni 2008, in: Verband Internet Reisevertrieb, http://www.v-i-r.de/ forschungdaten-internetzugang-2008.entwicklung-zugangsarten-2007-2008-agof.html, Recherche: 07.09.08

Außerdem surft die Mehrheit der User mit 6 Mbit/s oder noch höheren Geschwindigkeiten durch das Internet. Dank dieser verbesserten Verbindungslandschaft können heute auch datenintensive, immer komplexere multimediale und interaktive Inhalte und Services problemlos und störungsfrei genutzt werden. Außerdem führen günstigere Zugangstarife zu einer verlängerten Nutzungsdauer und einer erhöhten Nutzungsfrequenz. Der Internet-zugang ist durch Pauschaltarife allgemein deutlich günstiger geworden. Wie in Abbildung 15 dargestellt, nutzen heute 86 Prozent der Onliner in Deutschland Internet-Flatrates.[28]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 15: Abrechnungsarten der Onlineverbindung 2005 - 2008; Quelle: FISCH, M., GSCHEIDLE, C., Technische Ausstattung der Onliner in Deutschland, ARD/ZDF-Onlinestudie 07/2008, http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/, Recherche: 07.09.08, S. 347

Außerdem sind neue Web-Technologien wie neue Programmiersprachen, Entwicklungs-konzepte und offene Schnittstellen wesentliche Treiber des Web 2.0. Dazu zählen z. B. die Programmiersprache Ruby, die eine schnellere Realisierung von Anwendungs-entwicklungen unterstützt, die Softwarearchitektur AJAX, die eine asynchrone Daten-übertragung zwischen Server und Browser ermöglicht und damit Anwendungsdaten unab-hängig von der Website neu laden kann, das elektronische Nachrichtenformat RSS, das die einfache Verbreitung von aktuellen Nachrichten und Informationen unterstützt, und API-Schnittstellen, die eine Kombination bestehender Inhalte, Mashups, ermöglichen.[29]

Gleichzeitig sind in den letzten Jahren Computer viel leistungsfähiger und preiswerter geworden, womit die meisten Onlinenutzer auch hardwaretechnisch gerüstet sind.[30] Die aufgezeigten Entwicklungen in diesen vier Bereichen schaffen die Grundlage dafür, dass heute die Mehrheit der Internetnutzer für multimediale, dynamische und interaktive Web 2.0 Anwendungen wie Communities, Blogs oder Videoplattformen gut gerüstet ist.

3.3.2. Soziologische Effekte

Ein zweiter Treiber des Wachstums der Nutzerzahlen und der zunehmenden Popularität von Web 2.0 Anwendungen sind soziologische Effekte, zu denen hauptsächlich folgende zwei Phänomene zählen: Netzwerkeffekte und die kollektive Intelligenz.

Web 2.0 Anwendungen und Plattformen werden meist nicht durch klassisches Marketing bekannt, sondern generieren ihre Reichweite größtenteils durch virales Marketing, d. h., durch virtuelles Word-of-Mouth Marketing. Nutzer laden andere Nutzer zur Teilnahme am Netzwerk ein oder leiten Inhalte weiter. Damit vergrößert sich das Netzwerk und der Nutzen wächst. Netzwerkeffekte besagen laut dem Gesetzt von Metcalf, dass mit dem Erreichen einer kritischen Nutzermasse der Nutzen eines Netzwerks überproportional wächst, wenn dessen Nutzerzahl größer wird. Somit begünstigen sich das Wachstum der Nutzerzahlen und des Nutzens in einer positiven Rückkopplung gegenseitig.[31] Die große Nutzerzahl bildet dann im Idealfall eine Community, die mehr gewinnt, als sie hineinsteckt.

Eine große Anzahl der heutigen Web 2.0 Anwendungen haben diese kritische Masse bereits erreicht und sind deshalb für eine Vielzahl an Internetnutzern heute nicht nur relevant, sondern gehören teilweise schon zum gewohnten Internetalltag.

Web 2.0 Anwendungen zeichnen sich außerdem dadurch aus, dass sie von einer Vielzahl von Menschen mit unterschiedlichen Informations- und Wissensstrukturen bearbeitet werden. Deshalb findet man in Web 2.0 Inhalten meist ein kollektives Wissen, das mit dem Wissen eines einzelnen Experten nicht ersetz- oder vergleichbar wäre. Nutzer ergänzen und korrigieren sich gegenseitig und häufen so die besten und wertvollsten Informationen an. Dadurch entstehen Glaubwürdigkeit und Vertrauen in Web 2.0 Anwendungen, was wiederum deren Akzeptanz und Popularitätswachstum begünstigt.

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[1] vgl. o. V., http://de.wikipedia.org/wiki/Person_des_Jahres, Wikipedia, Recherche: 07.09.08

[2] o. V., Das Time Magazine wählt die Person des Jahres 2006: Dich!, http://www.heise.de/newsticker/Das-Time-Magazine-waehlt-die-Person-des-Jahres-2006-Dich--/meldung/82669, Recherche: 07.09.08

[3] vgl. WTO, nach Pongratz 2001, in: EGGER, R., Grundlagen des eTourismus, 2005, S. 22

[4] vgl. o. V., http://de.wikipedia.org/wiki/Online-Tourismus, Wikipedia, Recherche: 27.08.08

[5] vgl. ALBY, T., Web 2.0 – Konzepte, Anwendungen, Technologien, 2008, S. 15

[6] O’Reilly, T., What is Web 2.0, http://www.distinguish.de/?page_id=38, Recherche: 07.09.08

[7] MUSSER, J., Web 2.0 – Principles and Best Practices, O’Reilly Radar, 2006, S. 4

[8] vgl. ALPER, P., BLASCHKE, S., KESSLER, S., Web 2.0 – Neue erfolgreiche Kommunikationsstrategien für kleine und mittlere Unternehmen, 2007, S. 2 f.

[9] HASS, B., WALSH, G., KILIAN, T., Web 2.0 – Neue Perspektiven für Marketing und Medien, S. 7

[10] vgl. o. V., http://de.wikipedia.org/wiki/Web_2.0, Wikipedia, Recherche: 27.08.08

[11] vgl. o. V., http://en.wikipedia.org/wiki/Travel_2.0, Wikipedia, Recherche: 27.08.08

[12] vgl. o. V., Internet Facts 2008-I, AGOF, Juni 2008, S. 5

[13] vgl. o. V., Internet Facts 2008-I, AGOF, Juni 2008, S. 7 ff.

[14] vgl. o. V., Internet Facts 2008-I, AGOF, Juni 2008, S. 27

[15] vgl. o. V., Internet Facts 2008-I, AGOF, Juni 2008, in: o. V., OVK Online-Report 2008/02, BVDW, http://www.bvdw.org/fileadmin/downloads, Recherche: 22.10.08, S. 29

[16] vgl. RoPo-Studie 2008, in: o. V., Online schauen, im Reisebüro buchen, fvw 19/08, 12. 09.08, S. 52 f.

[17] vgl. o. V., Web-Tourismus Studie 2008, http://www.web-tourismus.de/intro/intro_studie_wt2008.asp, Ulysses-Webtourismus, Recherche: 23.08.08

[18] BUHALIS, D., Strategic use of information technologies in the tourism industry, in: Tourism Management, Vol. 19, 1998, S. 409

[19] vgl. SCHERTLER, W., Tourismus als Informationsgeschäft, 1. Auflage, 1994, S. 21 ff.

[20] vgl. ROSSMANN, D., Reisen bucht man online, Internet World Business Magazin, Ausgabe 11/08, S. 8

[21] vgl. RENGELSHAUSEN, O., REZA SCHMEISSER, D., Touristik 2.0 – Chancen und Risiken von User Generated Content für den Online-Reisevertrieb, in: Planung Analyse 4/2007, S. 3

[22] vgl. o. V., Web 2.0 im Internet, Österreich Werbung, Dezember 2006, S. 7, http://www.austriatourism.com/scms/media.php/8998/2007E_Web20_summary.pdf, Recherche: 22.10.08

[23] vgl. o. V., Internetreisebuchungen – Neugestaltung der touristischen Wertschöpfungskette und die Bedeutung von Suchmaschinen, Google Marktforschung, Juli 2008

[24] vgl. o. V., http://de.wikipedia.org/wiki/Internet, Wikipedia, Recherche: 07.09.08

[25] vgl. o. V., http://de.wikipedia.org/wiki/Web_1.0, Wikipedia, Recherche: 07.09.08

[26] vgl. WIESER, M., Consumer Empowerment durch Web 2.0, 2007, S. 27 f.

[27] vgl. O’Reilly, T., What is Web 2.0, http://www.distinguish.de/?page_id=45, Recherche: 07.09.08

[28] vgl. FISCH, M., GSCHEIDLE, C., Technische Ausstattung der Onliner in Deutschland, ARD/ZDF-Onlinestudie 07/2008, http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/, Recherche: 07.09.08, S. 347 ff.

[29] vgl. ALBY, T., Web 2.0 – Konzepte, Anwendungen, Technologien, 2008, S. 145 ff.

[30] vgl. FISCH, M., GSCHEIDLE, C., Onliner 2007: Das „Mitmachnetz“ im Breitbandzeitalter, ARD/ZDF-Onlinestudie 2007, http://www.daserste.de/service/ardonl0407.pdf, Recherche: 07.09.08, S. 393

[31] vgl. ALPAR, P., BLASCHKE, S., KESSLER, S., Web 2.0, Hessen-Media Band 57, 2007, S.7

Details

Seiten
101
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783836623681
Dateigröße
5.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v226398
Institution / Hochschule
DDA Deutsche Dialogmarketing Akademie GmbH – Online Marketing, Fachwirt/in Online Marketing
Note
1,0
Schlagworte
online tourismus marketing reiseanbieter

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Titel: Tourismus 2.0: Chancen und Herausforderungen des Online Tourismus im Web 2.0