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Möglichkeiten der Personalisierung von TV-Programmangeboten unter besonderer Berücksichtigung von IPTV

Diplomarbeit 2008 94 Seiten

Medien / Kommunikation - Medienökonomie, -management

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Bibliografischer Nachweis

Autorreferat

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
1.2 Gegenstand der Untersuchung
1.3 Ziel der Diplomarbeit
1.4 Inhaltlicher Aufbau und methodische Vorgehensweise
1.5 Begriffsdefinitionen

2. Warum personalisiertes Fernsehen?
2.1 Die derzeitige Situation auf dem deutschen TV-Markt
2.2 Das Überangebot im TV-Sektor
2.2.1 Wettbewerb um den Zuschauer
2.2.2 Vom Spartenfernsehen zum personalisierten Fernsehen
2.3 Welchen Nutzen bringt personalisiertes Fernsehen
2.3.1 Endnutzer
2.3.2 Sender
2.3.3 Drittanbieter

3. Technische Grundlagen
3.1 Mediendaten
3.1.1 Kompression
3.1.2 IPTV-Standardisierung
3.2 Kommunikationsnetze
3.2.1 Struktur
3.2.2 Übertragung in Kommunikationsnetzen
3.2.3 Wichtige Protokolle
3.2.4 Unicast und Multicast
3.2.5 Fehlerbehandlung
3.2.6 Quality of Services
3.3 Endgeräte für IPTV
3.3.1 Set-Top-Boxen
3.3.2 PC-basierte Lösungen
3.3.3 weitere Endgeräte
3.4 Datenbanken
3.4.1 Anforderung an Datenbanken
3.4.2 Verschiedene Datenbanken
3.4.3 Datenbanksprachen und Skriptsprachen

4. Metadaten
4.1 Die Metainformationen der Audio- und Videodaten
4.1.1 Generierung der Metainformation
4.1.2 Austauschformate
4.2 Die Metadaten der Nutzer
4.2.1 Statische Daten
4.2.2 Dynamische Daten
4.2.3 Tageszeitabhängiges Konsumentenverhalten
4.3 Metadatenmanagement
4.3.1 Erstellung des Nutzerprofils
4.3.2 Empfehlungssysteme
4.3.2 Herausfiltern von Störgrößen
4.4 Datenschutz
4.4.1 Datenschutzrelevante Bestimmungen
4.4.2 Lösungen zur transparenten Datenspeicherung

5. Benutzerschnittstellen
5.1 Übersicht
5.2 Aufbau des Nutzer-Interface
5.2.1 Usability
5.2.2 Eingabegeräte
5.2.3 Orientierung an bestehenden Systemen
5.3. Einflussnahme des Endnutzers
5.3.1 Zusatzdienste
5.3.2 Aktive Dateneingabe
5.3.3 Manuelle Korrektur

6. Anwendung des personalisierten Fernsehen
6.1 Das bestehende IPTV System
6.1.1 Aufbau der Datenbank
6.1.2 Die Kommunikation zwischen MySQL und Microsoft Access
6.2 Die Metadaten-Datenbank
6.2.1 Struktur der Datenbank
6.2.2 Eingabe der Metainformation
6.3 Personalisierte Empfehlung
6.3.1 Nutzerdaten
6.3.2 Generierung der Nutzer-Interessen
6.3.3 Generierung der Nutzer-Empfehlung

7. Fazit
7.1 Zusammenfassung
7.2 Ausblick

Literaturverzeichnis

Selbständigkeitserklärung

Thesen zur Diplomarbeit

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Darstellung eines IPTV-Netzwerks (Quelle: Funkschau 17/2007, www.funkschau.de (abgerufen am 12.04.2008))

Abbildung 2: Schichten des OSI-Referenzmodells (Quelle: eigene Darstellung)

Abbildung 3: Bestandteile einer Datenbank (Quelle: Vgl. Diepold (2008): Datenbanken, grundlegender Aufbau. eigene Darstellung)

Abbildung 4: Fernsehnutzung im Bereich Nachrichtensendungen im Tagesverlauf von 6:00 bis 24:00 Uhr (Quelle: eigene Darstellung)

Abbildung 5: Fernsehnutzung im Bereich Unterhaltungssendungen im Tagesverlauf von 6:00 bis 24:00 Uhr (Quelle: eigene Darstellung)

Abbildung 6: Fernsehnutzung im Bereich fiktionaler Serien und Spielfilme im Tagesverlauf von 6:00 bis 24:00 Uhr (Quelle: eigene Darstellung)

Abbildung 7: Übersicht der Benutzerschnittstellen (Quelle: eigene Darstellung)

Abbildung 8: Menüführung einer Set-Top-Box (Quelle: dBox2, Neutrino, 09.05.2008 eigene Darstellung)

Abbildung 9: Menüführung der von T-Home eingesetzten Set-Top-Box Software (Quelle: t-home (abgerufen am 09.05.2008))

Abbildung 10: ZDF Mediathek (Quelle: http://www.zdf.de/ZDFmediathek (abgerufen am 08.05.2008))

Abbildung 11: Ausschnitt aus der Microsoft Access-Datenbank (icue.mdb) des Teracue IPTV-Systems der HTWK (Quelle: eigene Darstellung)

Abbildung 12: Infrastruktur der Metadateneingabe (Quelle: eigene Darstellung)

Abbildung 13: Bestandteile der MySQL Metadaten-Datenbank (Quelle: eigene Darstellung)

Abbildung 14: Einträge der Tabelle „Programmform“ der Metadaten- Datenbank (Quelle: eigene Darstellung)

Abbildung 15 (links): Einträge der Tabelle „Genre“ (Quelle: eigene Darstellung)

Abbildung 16 (rechts): Einträge der Tabelle „Thema“ (Quelle: eigene Darstellung)

Abbildung 17 (unten rechts): Einträge der Tabelle „Serialität“ (Quelle: eigene Darstellung)

Abbildung 18: Eingabemaske der Metainformationen der Metadaten-Datenbank (Quelle: http://www.03mt.de/IPTV/formular.php, eigene Darstellung)

Abbildung 19: Aktivitätsdiagramm beim Eintragen der Metainformation in die Metadaten-Datenbank (Quelle: eigene Darstellung)

Abbildung 20: Metadaten der Nutzer in die Nutzer-Metadaten-Datenbank (Quelle: eigene Darstellung)

Abbildung 21: Erstellung der Nutzer-Preference (Quelle: eigene Darstellung)

Abbildung 22: Generieren der Nutzer-Empfehlung (Quelle: eigene Darstellung)

1. Einleitung

Dieses Kapitel beginnt mit einer Hinführung zum Thema dieser Diplomarbeit. Anschließend wird aufgezeigt, welche Fragestellung in dieser Diplomarbeit untersucht wird (Kapitel 1.2). Im Folgenden wird das Ziel dieser Arbeit (Kapitel 1.3) sowie das methodische Vorgehen erläutert. (Kapitel 1.4). Abschließend werden die für diese Diplomarbeit relevanten Begriffsdefinitionen vorgestellt (Kapitel 1.5).

1.1 Hinführung zum Thema

Die deutsche Fernsehbranche verändert sich rasant. Bedingt durch die technischen Möglichkeiten der Übertragungswege im digitalen Kabel- und Telefonnetz können Audio-, Video- und Zusatzdaten zusammen übertragen werden. Die Rückkanalfähigkeit dieser Übertragungswege wird zukünftig dafür sorgen, dass neue Anwendungsgebiete erschlossen werden. Diese Vielzahl an interaktiven Möglichkeiten machen sich auch die TV-Sender zu nutze. Die Fernsehlandschaft befindet sich im Wandel vom Vollprogramm zum Sparten-fernsehen. Ein Fernsehen, das in Interessengebiete gegliedert ist und gezielt kleinere Zuschauergruppen anspricht. Die Differenzierbarkeit jedes Einzelnen führt zu immer neueren Sparten. Es entstehen viele Programmbibliotheken, die auf Abruf Filme, Serien oder Dokumentationen zu jeder Tageszeit anbieten. Doch wer soll den Überblick über die Gesamtheit behalten?

1.2 Gegenstand der Untersuchung

Welche Möglichkeiten ergeben sich aus der Personalisierung von TV-Programmangeboten? Um zukünftig einen Überblick über laufende Sendungen im Spartenfernsehen oder über die Angebote der Programmbibliotheken zu behalten, ist es nötig, eine Vorauswahl zu treffen. Diese soll dem Endnutzer helfen, Fernsehen nach seinen persönlichen Vorlieben und Interessengebieten zu genießen. Aber auch für die Sender-Seite ist es wichtig, den einzelnen Zuschauer genau zu kennen. So können nicht nur Sendungsformate für ihn bereitgestellt, sondern auch Werbung und Zusatzinformationen genau auf ihn zugeschnitten werden. Deshalb müssen die Daten über den Nutzer so genau wie möglich sein. Die Daten über die Mediendaten müssen ebenfalls ein auswertbares Format besitzen. Erst dann können beide Daten zusammen ausgewertet und dem Nutzer eine Empfehlung gegeben werden.

1.3 Ziel der Diplomarbeit

Ziel dieser Diplomarbeit ist, die in Kapitel 1.2 formulierte Fragestellung zu beantworten. Dazu wird der Metadaten-Begriff hinsichtlich aller relevanten Gesichtspunkte definiert. Es werden technische Lösungen, die für die Übertragung von Mediendaten in IP-Netzwerken nötig sind erklärt und Benutzerschnittstellen zur Erfassung, Bearbeitung und Auswertung von Metadaten analysiert. Darauf aufbauend wird eine Betrachtung der Möglichkeiten zur Generierung von personalisierten Programmvorschlägen auf Basis der erfassten Nutzerdaten erstellt.

Im Praxisteil ist die Metadaten-Integration in das IPTV-System des Fachbereichs Medien der Hochschule für Wirtschaft, Technik und Kultur in Leipzig realisiert, sowie ein Verfahren zur Erfassung der Nutzerdaten und zur Anzeige von personalisierten Angeboten dargelegt.

1.4 Inhaltlicher Aufbau und methodische Vorgehensweise

Diese Arbeit gliedert sich in drei Teilbereiche. In der Einleitung, Kapitel 1, ist die Fragestellung, das Ziel und der Aufbau der Arbeit aufgezeigt. Im Hauptteil, ab Kapitel 2, wird zunächst die derzeitige Situation auf dem deutschen Fernsehmarkt dargestellt. Welche Techniken für die Übertragung von Mediendaten in IPTV-Netzwerken notwendig sind und wie Informationen über Mediendaten gespeichert werden, wird in Kapitel 3 theoretisch vorgestellt. Die sich daraus ergebende Notwendigkeit, Daten zu erfassen und auszuwerten wird im Kapitel 4 dargelegt. Benutzerschnittstellen werden im Kapitel 5 analysiert. Ausgehend davon wird in Kapitel 6 die Integration von Metadaten in ein bestehendes IPTV-System erörtert und ein Empfehlungssystem beschrieben. Im dritten Teilbereich und zugleich letzten Kapitel 7 wird ein Fazit aus der Arbeit gezogen.

1.5 Begriffsdefinitionen

In diesem Kapitel werden die für diese Arbeit relevanten Begriffe definiert, hauptsächlich jedoch eingegrenzt und dementsprechend verwendet.

Bandbreite

Bezeichnet den Frequenzbereich, bezogen auf ein bestimmtes Daten-übertragungssystem, in dem eine Übertragung überhaupt möglich ist. Bei der Übertragung digitaler Signale wird oft synonym der Begriff Bandbreite verwendet, obwohl in der Regel die Übertragungsrate oder Datenrate gemeint ist.[1]

Breitband-Netze

Die Begriffe „Breitband“, „Breitband-Netze“ oder „Breitbandinternet“ fassen verschiedene Datenübertragungsmethoden zusammen, deren Übertragungs-geschwindigkeit einen bestimmten Wert erreicht. Nach der Empfehlung der International Telecommunication Union (ITU) sind dies Übertragungsraten ab 2 Mbit/s im europäischen Raum. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) definiert hingegen bereits Leitungen mit übertragbaren Datenraten ab 128 Kbit/s als Breitband. Die Übertragung kann über TV-Kabel, Digital Subscriber Line (DSL)[2], Satellit oder eine Funktechnologie erfolgen.

EPG

Die elektronische Programmzeitschrift, Electronic Program Guide (EPG), bezeichnet die digitale Variante von Informationen für Radio- und Fernsehprogramme. Sie beinhaltet mindestens Titel, Uhrzeit und Dauer jeder laufenden und kommenden Sendung. Zusätzlich können kurze Beschreibungen des Inhalts angezeigt werden.

IPTV

Mit IPTV (Internet Protocol TeleVision) wird die Übertragung von Inhalten über das Internet-Protokoll in Netzwerken auf Endgeräte wie Fernseher oder PC bezeichnet. Dabei wird eine feste Bandbreite für die Übertragung bereitgestellt. Qualität, Sicherheit, Interaktivität und Zuverlässigkeit stehen an oberster Stelle. Neben linearen Broadcast-Angeboten sind auch Übertragung von Video-on-Demand (VoD), sowie das Angebot interaktiver Zusatzdienste möglich.[3]

Eine Abgrenzung des Begriffs IPTV muss gegenüber Angeboten erfolgen, die ausschließlich auf das Endgerät PC abzielen. So stellen beispielsweise in Webseiten eingebundene Mediendaten kein IPTV im Sinne dieser Arbeit dar.

Metadaten und Metainformationen

Allgemein bezeichnet man die Daten, die Informationen über andere Daten enthalten, als Metadaten oder Metainformationen. Im Weiteren wird der Begriff Metainformationen immer dann genannt, wenn es um Audio- und Videodaten geht, der Begriff Metadaten wird genutzt, wenn es sich um Interessen und Personalisierungsbeschreibungen von Nutzern handelt.

Mediendaten

Unter dem Begriff Mediendaten werden in dieser Arbeit die Audio- und Videodaten verstanden. In der Fachliteratur wird auch der Begriff Essenz verwendet. Zugehörige Zusatzdaten, die Mediendaten hinsichtlich technischer Parameter, wie Format oder Kompression beschreiben, werden ebenfalls mit dem Mediendaten-Begriff umschrieben.

Personalisiert

Jeder Mensch hat Interessen und Vorlieben. Beschränken wir uns auf das Gebiet der Medien, können wir jedem Zuschauer ein auf seine Bedürfnisse zugeschnittenes, also personalisiertes Programmangebot an Audio, Video und Zusatzdaten bereitstellen.

Programmbibliotheken

Auch Online-Bibliotheken genannt, bezeichnen in dieser Arbeit die Sammlung und Bereitstellung von Video, Audio und Zusatzdaten für Video-on-Demand (VoD) Anwendungen.

Stream, Streaming, Live-Stream

Unter dem Begriff Streaming-Audio und Streaming-Video wird der Empfang über ein Rechnernetz und die gleichzeitige Wiedergabe von Audio- und Videodaten bezeichnet. Der Vorgang der Übertragung selbst, wird als Streaming, das gestreamte Programme als Live-Stream bezeichnet.

Programmanbieter

Unter Programmanbietern und Sendern sind alle öffentlich-rechtlichen[4] und privaten Fernsehanstalten[5], die Fernsehprogramme in analoger sowie digitaler Form über alle zur Verfügung stehenden Übertragungswege an die Rezipienten distribuieren, zu verstehen.[6]

Video-on-Demand (VoD)

Audio-, Video- und Zusatzdaten werden vom Nutzer angefordert, zum Beispiel indem sie aus einer Programmbibliothek ausgesucht werden, und dann an diesen Nutzer übertragen. Dabei kann die Übertragung ein Download oder ein Live-Stream sein. Die Bezeichnung On-Demand wird im selben Kontext verwendet.

2. Warum personalisiertes Fernsehen?

2.1 Die derzeitige Situation auf dem deutschen TV-Markt

In Deutschland gibt es derzeit insgesamt 420 Fernsehsender[7]. Diese Zahl setzt sich aus 23 öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern, 7 privaten Vollprogrammen, 107 deutschsprachigen Spartenkanälen im Allgemeinen-, Sport-, News- und Musik-Bereich und der Produktpalette der Pay-TV Sender zusammen.

Betrachten wir nicht nur die herkömmlichen Übertragungswege wie Terrestrik, Satellit und Kabel, so gewinnen die Übertragung über das Internet und die geschlossenen IP-Netzwerke, IPTV über VDSL[8], immer mehr an Bedeutung.

Das IPTV-Angebot des deutschen Telekommunikationsunternehmens Telekom bietet mit über 100 Fernsehsenderden fast den gleichen Umfang an deutschsprachigen Fernsehsendern wie die Übertragung über Satellit. Hinzu kommen die Programmbibliotheken mit ihrem On-Demand Angeboten. ZDF hält auf seiner Internetplattform „ZDFmediathek“[9] hunderte von Beiträgen als Internet-Livestream bereit. ARD bietet das Wichtigste aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und Wissenschaft auf EinsExtra[10] an. „EinsExtra aktuell“[11] bringt 30 Minuten Nachrichten zu jeder vollen Stunde. Die privaten Fernsehanstalten bieten ein weitaus umfangreicheres Programmangebot von Internet-Streams an. So bietet RTL unter der Bezeichnung „RTL Now“[12] bereits mehr als die Hälfte der eigenproduzierten Serienformate als Internet-Stream zum Anschauen an. Auch das Online-Angebot des Konkurrenten ProSieben-Sat.1 wird verstärkt ausgebaut. Nicht nur eigenproduzierte Serien, Comedy oder Talk-Shows, sondern auch US-amerikanische Serienformate sind online verfügbar.

Auch der PayTV-Anbieter Premiere ist mit einer Vielzahl an Programmangeboten im Internet präsent. Unter Premiere Internet TV[13] kann in den Bereichen Sport, Musik, Dokumentation, Film und Serien eine Auswahl von Inhalten On-Demand und bei Sport-Events auch Live angeschaut werden.

Die Nutzer werden jederzeit und überall Fernsehinhalte empfangen können. Um mehr zu bieten, als nur die Möglichkeit, unterwegs fernzusehen, müssen bestehende Formen der TV- und Internetnutzung berücksichtigt werden.

Neben der bereits bekannten Fernsehnutzung geht der aktuelle Trend im Bereich Online-Fernsehnutzung zu selbst geschaffenen Inhalten. Am stetigen Wachstum von YouTube[14] ist zu sehen, dass von der Idee „Broadcast Yourself“, also: „Sende Selbst“ von immer mehr Benutzern gebrauch gemacht wird. Das Angebot ist gratis, denn YouTube finanziert sich über Werbung. 70.000 neue Inhalte, also Fernsehausschnitte, Interviews, Musikclips und selbst gedrehte Heimvideos kommen so bei YouTube täglich hinzu. Auch für die mobile Nutzung von TV-Inhalten können diese Online-Video-Plattformen treibende Kräfte sein. Benutzer erstellen mit mobilen Aufnahmegeräten eigene Video-Inhalte. Um diese Inhalte an andere mobile Nutzer auszustrahlen, werden auch neue Übertragungs-Plattformen entstehen. Ein guter Indikator dafür ist der US-Fernsehsender Current TV[15] 30 Prozent seines Gesamtprogrammangebots bestehen aus Inhalten, die von den Nutzern selbst erstellt wurden.[16]

Um jetzt noch zu wissen, welche TV-Programme und Online-Inhalte für jeden Einzelnen interessant sein können, bedarf es sehr viel Eigeninitiative der Nutzer oder Empfehlungen anderer Nutzer.

2.2 Das Überangebot im TV-Sektor

2.2.1 Wettbewerb um den Zuschauer

Das Fernsehprogramm aus der Telefonleitung gewinnt durch den Übertragungsstandard des IPTV immer mehr an Bedeutung. Diese Entwicklung treiben vor allem die Telekommunikationsunternehmen voran. Sie erweitern ihre bisherige Wertschöpfung aus Telefonie und Internetzugang und treten somit in Konkurrenz zu den TV-Übertragungsplattformen von Kabel, Satellit und Terrestrik. Die Telekommunikationsunternehmen verfolgen zurzeit zwei Strategien um ihr IPTV Angebot zu erhöhen. Zum einen erwerben sie Lizenzen um Voll- und Spartenprogramme über ihr Übertragungsnetz vertreiben zu können, zum anderen vermarkten sie Einzelinhalte unmittelbar von Produktionsfirmen oder Rechteverleihern, um diese linear oder auf Abruf dem Kunden zur Verfügung zu stellen.[17] Im Gegenzug erweitern die Kabelgesellschaften ihr Angebot, um den Service der Telefonie und der Bereitstellung von Internetzugängen im Kabelnetz. Kabelnetze sind ebenfalls in der Lage, IP-basierte TV-Dienste zu übertragen. Für den Endkunden ergibt sich der Vorteil des „Triple-Play“ – Telefon, Internetzugang und Fernsehen aus einer Hand. Doch dem stehen höhere Kosten im Vergleich zu den klassischen TV-Übertragungswegen Satellit und Terrestrik entgegen. Damit der Zuschauer bereit ist, für den „neuen“ Übertragungsweg extra zu bezahlen, muss er den Mehrwert erkennen. Dies kann beispielsweise über eine bessere Qualität der Inhalte erreicht werden. Exklusivität, Vielfältigkeit, zielgenaue Spartenkanäle und On-Demand-Angebote sind hierbei entscheidende Kriterien.

2.2.2 Vom Spartenfernsehen zum personalisierten Fernsehen

Nach einer aktuellen Studie von Goldmedia wird die Anzahl der TV-Sender in Deutschland bis zum Jahr 2010 auf über 1000 ansteigen.[18] Dabei differenzieren sich die Spartensender zu noch kleineren Gruppierungen. Diese Klein- und Kleinstsender erreichen weniger Zuschauer. Auch die Relevanz des klassischen TV-Geräts nimmt gerade bei der jüngeren Generation ab. So gewinnen PC, Laptop, PDA und Handy eine immer größere Bedeutung. Die Übertragung von Mediendaten über TV-Kabel und DSL sind durch ihre Rückkanalfähigkeit der Satelliten- und Terrestrik-Übertragung überlegen.

Auch das Gemeinschaftsmedium Fernsehen entwickelt sich immer mehr zu einem Indiviualmedium[19]. So gibt es heutzutage in mehreren Zimmern einen Fernseher. Jeder kann somit sehen was er will.

2.3 Welchen Nutzen bringt personalisiertes Fernsehen

Neben dem schon unter 2.1 angesprochenen Überangebot an Fernsehsendern, ist der Medienkonsum im TV davon geprägt, einen bestimmten Inhalt zu einer festgesetzten Sendezeit zu konsumieren. Der Zuschauer muss seine Freizeit planen, da die Inhalte nur innerhalb des starren Programmschemas zur Verfügung stehen. Neue Orientierungshilfen, Funktionen wie zeitversetztes Fernsehen und die Verfügbarkeit von Inhalten in Programmbibliotheken werden die Entwicklungsrichtung des Fernsehens in den nächsten Jahren beeinflussen.[20] Der erste Schritt in Richtung On-Demand-Fernsehen ist durch die Programmbibliotheken von maxdom[21], Alice „homeTV“[22], und T-Home[23] bereits getan. Diese decken heute allerdings noch nicht den gesamten Umfang der Sendungen ab. Das noch im Entstehen begriffene Problem ist, dass Sendungen, die früher nur zu einer bestimmten Zeit vom Nutzer konsumiert werden konnten, dann permanent verfügbar sind. Diese umfangreichen Mediendaten müssen selektiert und übersichtlich für den Nutzer aufbereitet werden. Durch Personalisierung werden die für den Nutzer unerwünschten Sendungen ausgeblendet.

„Personalisierung sollte nicht notwendigerweise die Aufmerksamkeit des Zuschauers benötigen. TV-Nutzung ist lean back [24] und passiv und wird es weitestgehend bleiben. Mein Fernseher oder mein Fernsehsender müssen meine individuellen Bedürfnisse befriedigen, ohne dass ich mit ihnen darüber lange und permanent reden muss.“[25]

Welchen Nutzen personalisiertes Fernsehen Endnutzern, Sendern und Dritt-anbietern bringt, wird im Folgenden beschrieben.

2.3.1 Endnutzer

Bei den Endnutzern müssen zwei wesentliche Nutzungsgruppen unterschieden werden.

Lean Back

Lean Back, sich zurück lehnen, beschreibt das Nutzungsverhalten das sich durch einen passiven Fernsehkonsum auszeichnet. Der Zuschauer will sich zurücklehnen und entspannen. Für viele Nutzer ist das selbstverständlich, ist es doch durch jahrelange Nutzung so, dass die einzige Interaktion die Wahl des Senders mit der Fernbedienung ist. Gerade für diese Nutzergruppe ist eine personalisierte, auf ihre Interessen und Vorlieben zugeschnittene Empfehlung von Sendungen von Bedeutung. Es erleichtert das Auffinden von relevanten Sendungen unter der immer größer werdenden Programmauswahl.[26]

Lean Forward

Lean Forward dagegen beschreibt die interaktive Nutzung. Da die Interaktions-möglichkeiten mit dem TV noch beschränkt sind, beziehen sich die meisten Anwendungen auf das Internet und WebTV. Interaktionen können zum Beispiel das Bewerten von Sendungen oder Webvideos sein, das Verfassen von Blogeinträgen zu aktuellen Themen oder das Diskutieren in Foren. Man sitzt nach vorne gelehnt am Computer und arbeitet mit Maus oder Tastatur. Durch das Zusammenwachsen der beiden Medien Internet und Fernsehen ist es möglich, dass die unterschiedlichen Nutzungsverhalten in dem jeweiligen anderen Medium angewendet werden. So ist es durchaus vorstellbar, dass interaktiv an der Programmgestaltung des Fernsehens teilgenommen wird. Eine Personalisierung der Anzeigeseite oder ein Zusammenstellen von Sendungen für den Abend ist vorstellbar. Dann kann aus der Lean Forward Haltung eine Lean Back Haltung werden, indem man die vorher getroffenen Einstellungen nutzt.[27] So bietet das Portal von n-tv[28] synchrone Zusatzinformationen zum laufenden Programm. Weiterführende Beiträge sind in Form von Videoclips, Hintergrunddaten oder interaktiven Votings abrufbar. Die Just-Missed-Funktion ermöglicht es, ganze Nachrichten- und Wirtschaftssendungen, die wichtigsten Ereignisse des Tages als einzelne Videoclips, sowie Wetterberichte problemlos nachträglich anzuschauen. In naher Zukunft soll der Nutzer die Möglichkeit haben, sich sein eigenes Design und seinen eigenen Börsenticker zusammenzustellen. Gerade für die aktiven Nutzer bringt das den Vorteil, wichtige Informationen verständlich dargestellt und überflüssige Daten weggeblendet zu bekommen.

2.3.2 Sender

Als Sender sollen in diesem Kapitel nicht nur die Programmanbieter, sondern auch die Service Provider[29] gesehen werden.

Die Deutsche Fernsehbranche im Bereich der privaten Sender ist durch werbefinanzierte Geschäftsmodelle geprägt. Gerade für diese Sender ist es von Vorteil, ihren Kunden, den Nutzer, genau zu kennen. Ein personalisiertes Empfehlungssystem kennt natürlich die Vorlieben und Interessen der Nutzer. So kann neben den jeweiligen Lieblingssendungen auch Werbung, die den Nutzer ganz persönlich anspricht, übertragen werden. So bietet „n-tv plus“[30] die Möglichkeit, interaktive Werbung zu schalten und so einen direkten Kontakt zum Kunden herzustellen.

Für die Pay-TV Anbieter ist es von Vorteil, ganz persönliche Programmangebote an den Kunden zu liefern. Nutzer, die immer ein bestimmtes Film-Genre On-Demand abrufen, werden auch in Zukunft eher dafür bereit sein, für neue Filme ihres Lieblings-Genres zu bezahlen. Die Lieblingsfilme dieser Nutzer sollten also ganz oben auf der jeweiligen Empfehlungsliste erscheinen.

Insgesamt bringt ein personalisiertes Empfehlungssystem für die Sender nicht nur den Vorteil, ihre Nutzer zu kennen, sondern auch einen Mehrwert gegenüber klassischer Fernsehnutzung. Das dürfte in Zukunft dafür sorgen, dass Kunden sich eher für einen solchen Service entscheiden.

2.3.3 Drittanbieter

Gerade für Firmen, die sich auf das Liefern von Zusatzinformationen spezialisiert haben, ergeben sich neue Geschäftsmodelle. So kann für einen sportbegeisterten Nutzer ein Wettportal interessant sein, bei dem Sportwetten platziert werden können. In die laufende Sportsendung werden die Wettquoten eingeblendet und der Nutzer kann aktiv mitwetten. Jedoch muss dann geklärt werden, inwieweit Drittanbieter ihren Service auf vorhandene Live-Übertragungen legen dürfen, ohne dass sich beide Ebenen beeinflussen. Denn die Sender dürften bei solchen oder ähnlichen Services ein gewisses Mitspracherecht fordern oder auf ihre Urheberrechte setzten. Ohne dies wäre ein Überblenden von Werbung möglich. Dem Nutzer werden in der Werbepause zum Beispiel seine Aktienkurse angezeigt. Und zwar nur diese, die er auch in seinem Portfolio hat. Ist die Werbepause beendet und der Nutzer noch mit seinen Kursen beschäftigt, wird die Sendung in der Zwischenzeit aufgezeichnet und er kann sie sich im Anschluss zeitversetzt weiter ansehen. Solche oder ähnliche Szenarien sind vorstellbar.

3. Technische Grundlagen

Um Mediendaten und Metadaten zum Nutzer zu übertragen, sind gewisse technische Voraussetzungen nötig. Auf der Senderseite muss das Signal so aufgearbeitet werden, dass der Empfänger es versteht. Der Empfänger kann eine Set-Top-Box[31], ein geeigneter Personalcomputer oder ein anderes Endgerät sein.

3.1 Mediendaten

Die Mediendaten bestehen aus Audio-, Video- und Zusatzdaten. Diese können, bedingt durch den Produktionsworkflow, eine unterschiedliche Güte[32] besitzen. Das hat zur Folge, dass sie nach einem Standard komprimiert, und nach einer festgelegten Spezifikation übertragen werden müssen.

3.1.1 Kompression

Allgemein bezeichnet Kompression die Datenreduktion von digital gespeicherten Informationen. Das Ziel ist eine bestmögliche Qualität der komprimierten Daten im Vergleich zum Ausgangsmaterial zu bewahren. Der derzeit gängige Standard für die Kompression eines Video- und Audiosignals bei der Übertragung vom Sender zum Empfänger wurde von der MPEG (Moving Picture Experts Group) entwickelt. MPEG ist ein universeller Standard zum Austausch von Bewegtbildern. Er ist entwickelt worden, um umfassende Anwendbarkeit zur Datenübertragung und Speicherung in Multimediasystemen zu erreichen.[33] Zum Übertragen werden die kodierten Video- und Audiodaten in einem MPEG-Transport-Stream verpackt. Während beim digitalen TV über Satellit, Kabel oder Terrestrik immer mehrere Programme in einem MPEG-Transport-Stream verpackt sind, wird bei IPTV nur ein Programm pro Transport-Stream verpackt.

MPEG-2

Der MPEG-2-Standard besteht aus drei Hauptteilen, dem Video-, dem Audio- und dem Systemteil. Als grundlegende Anforderung dieses Standdarts gilt: der Videoteil der Kodierung muss eine erhebliche Flexibilität aufweisen. Unter anderem müssen verschiedene Bildformate, verschiedene Bildauflösungen, eine wahlfreie Bildqualität, flexible Bitraten und die Verarbeitung von Voll- und Halbbildern garantiert werden. Ein Qualitätsverlust nach der Wiederholung des Kodier- oder Dekodiervorgangs darf nicht auftreten. Erreicht wird dies durch die Aufteilung des Bildes in eine Pixelmatrix[34], deren Datenbedarf mittels diskreter Kosinustransformation[35] und anschließendes Quantisieren[36] stark verkleinert wird.[37]

Um Bewegtbilder nach dem MPEG-2 Standard in akzeptabler Qualität für ein Standard-PAL-Signal[38] zu erreichen, wird eine Bitrate[39] von 2 bis 4 MBit/s, bei kritischen, kleinteiligen, schnell bewegten Situationen von etwa 4 bis 6 MBit/s benötigt. Für HDTV-Signale[40] wird eine Datenrate von bis zu 30 MBit/s verwendet.[41]

MPEG-4, AVC / H.264

Im Gegensatz zum MPEG-2 Standard steht hier nicht mehr das Komprimieren einer Pixelmatrix im Vordergrund, sondern vielmehr der eigentliche Szeneninhalt. Hierzu wird jede Szene in ihre Bestandteile zerlegt und natürlichen und synthetischen Audio- und Video-Objekten zugeordnet. Graphen sorgen für die korrekte räumliche und zeitliche Positionierung der einzelnen Objekte. So wird ein unbewegter Hintergrund getrennt von der sich davor befindlichen, bewegten Person, einem Videoobjekt zugeordnet und erst beim Empfänger wieder zusammengefügt. Daraus ergeben sich neue Möglichkeiten zur Datenreduktion.[42]

Der neuere MPEG-4 Video-Codec AVC (Advanced Video Codec) ist auch bekannt als H.264. Verglichen mit MPEG-2 erreicht dieser Codec eine erhöhte Kodiereffizienz und ist besonders für IPTV und Web-TV geeignet.[43]

Beim MPEG-2 und MPEG-4 Standard ist eine datenreduzierte Audioübertragung vorgesehen. Diese nutzt neben Komprimierungsalgorithmen auch bekannte Phänomene der menschlichen Hörwahrnehmung aus.[44]

Die beiden Standards MPEG-7 und MPEG-21 folgen zwar in ihrer Bezeichnung der Moving Picture Experts Group, es wird jedoch ein anderes Ziel verfolgt. Dabei wird nicht die Kodiereffizienz im Vergleich zu MPEG-4 erhöht, sondern es werden verschiedene Mediendaten mit Metainformationen beschrieben.[45]

WMV und VC-1

Ein weiteres Kompressionsformat ist der Windows Media Video Codec (WMV). Es haben sich drei Versionen des WMV etabliert, deren Aufbau an den MPEG-4 Codec angelehnt ist. Der neuste Windows Media Video Codec (WMV HD[46] ) ist für High Definition, also die hochauflösenden Videoformate (HDTV) 720p und 1080p vorgesehen. Dabei wird das Zeilensprungverfahren komplett außer Acht gelassen. Unter dem Namen VC-1[47] hat Microsoft eine verallgemeinerte Spezifikation des WMV HD als Standard herausgebracht. Der VC-1 wird vor allem im Bereich digitaler optischer Speichermedien eingesetzt.

3.1.2 IPTV-Standardisierung

Eine Reihe von Standards, Richtlinien und Spezifikationen wurde in den letzten Jahren erarbeitet, um die technischen Grundlagen für die Realisierung von IPTV-Diensten festzuschreiben. Die wichtigsten Standards werden von den Arbeitsgruppen der Digital Video Broadcasting (DVB) und der Internet Streaming Media Alliance (ISMA) festgelegt.

DVB

Nach dem Digital Video Broadcasting (DVB) Standard wird die derzeitige Übertragung von digitalem Fernsehen über Satellit, Kabel, Terrestrik und Mobilfunk realisiert. Weltweit gib es heute über 120 Millionen DVB-Empfänger.[48]

Unter dem Namen DVB-IPTV werden Standards für die Übertragung von Audio-, Video- und Zusatzdaten in IP-Netzwerken entwickelt. Die bisherigen Arbeiten beschränkten sich dabei auf Beschreibungen zum Transport von Audio- und Video-Daten unter Nutzung des MPEG-2 Transport-Streams. Dabei werden MPEG-2 oder MPEG-4/H.264 komprimierte Audio- und Video-Daten in einen MPEG-2 Transport-Stream gekapselt.[49]

ISMA

Die Internet Streaming Media Alliance ist eine globale Allianz führender Industrieunternehmen, welche die Anpassung und Entwicklung von Standards im Bereich IPTV definiert. Mehrere Spezifikationen wurden in den letzten Jahren veröffentlicht. Die Nutzung von existierenden offenen Standards für IPTV-Systeme wird dabei empfohlen. Im Wesentlichen wird beschrieben, wie Mediendaten, die nach dem Audio- und Video-Codec MPEG-4/H.264 komprimiert sind, über IP-Netzwerke zu übertragen sind.[50]

Für den Transport der Audio- und Videodaten setzen die DVB und die ISMA auf das Real Time Transport Protokoll[51]. Die Übertragung von Steuerinformationen und Zusatzinformationen soll über ein gesichertes, die eigentlichen Audio- und Video-Daten über ein verbindungsloses Protokoll erfolgen.

3.2 Kommunikationsnetze

Die wichtigste Aufgabe eines Netzwerkes besteht darin, die Verbindung zwischen einer Anzahl von Sendern und Empfängern zu gewährleisten. Die Empfänger führen unter Verwendung von bestimmten Komponenten und Protokollen Anwendungsprogramme aus, durch die die Nutzbarkeit eines Netzwerkes gewährleistet wird. Im folgenden Kapitel wird auf die Topologien und Protokolle eingegangen, die für das Funktionieren eines Netzwerkes ausschlaggebend sind.

3.2.1 Struktur

Ein IPTV-Netzwerk besteht aus dem Einspielbereich (TV Head End und VoD Server), dem Kernnetzwerk (IP Core Network), dem Zugangsnetzwerk (Access Network) und dem Heimnetzwerk (Home Network). In der nachfolgenden Abbildung sind die Teilbereiche dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Darstellung eines IPTV-Netzwerks (Quelle: Funkschau 17/2007, www.funkschau.de)

Einspielbereich

Im Einspielbereich werden die Sender und On-Demand-Inhalte in das Kernnetzwerk eingespeist. Die Mediendaten werden von den Sendeanstalten per Satellit oder Kabel angeliefert. Es erfolgt die Kompression in das benötigte Format.

Kernnetzwerk

Moderne Netzwerke bestehen aus einem Kernnetzwerk und zahlreichen Zugangsnetzwerken. Das Kernnetzwerk ist das Grundgerüst solcher Netze. Es wird durch ein vermaschtes Glasfasernetzwerk gebildet, das auf verschiedenen Standards oder auf IP-Basis funktioniert. Das Kernnetzwerk sorgt für ausreichende Bandbreite, Flächendeckung und die Überbrückung großer Entfernungen. Auch andere Medieninhalte (Content) werden in das Kernnetzwerk eingespeist. Hier befindet sich auch die Schnittstelle zum Metadaten-Server. Dieser stellt alle für die Personalisierung von Mediendaten notwendigen Inhalte zur Verfügung.

Zugangsnetzwerk

Mit den Zugangsnetzen werden nur die letzten Kilometer zum Endnutzer überbrückt. Dieses Netzwerk muss für die Mediendatenübertragung ausreichende Bandbreite besitzen.

Heimnetzwerk

Netzwerk beim Nutzer, welches die Daten vom Gateway[52] zum Endgerät verteilt. Die Übertragung kann kabelgebunden oder kabellos per Funk erfolgen.

3.2.2 Übertragung in Kommunikationsnetzen

Im Gegensatz zu Web-TV im Internet wird IPTV über ein vom Netzbetreiber kontrolliertes IP-Netz angeboten. Dadurch steht die erforderliche Bandbreite für die Übertragung von IPTV Diensten zur Verfügung.

Kommunikationsnetze bestehen aus Übertragungsgeräten, die über Kabel oder drahtlos miteinander verbunden sind. Die einfachste Topologie wird als Punkt-zu-Punkt Verbindung bezeichnet und besteht aus zwei Übertragungsgeräten, die durch ein physisches Medium miteinander verbunden sind. Die Netzwerkstrukturen der Telekommunikationsunternehmen sind jedoch viel komplexer. Sie bestehen häufig aus mehreren, zum Teil eigenständigen, Teilnetzen mit unterschiedlicher Topologie. Es muss gewährleistet werden, dass jeder Teilnehmer des Netzwerkes seinen Kommunikationspartner eindeutig identifizieren und direkt ansprechen kann. Diese Netzzuteilung erfolgt durch die Festlegung des Zugriffsverfahrens mit bestimmten Protokollen.

Als Grundlage für eine Reihe von herstellerunabhängigen Netzprotokollen, die in der öffentlichen Kommunikationstechnik im Transportnetz eingesetzt werden, dient ein Referenzmodell. Das ISO/OSI-Modell definiert alle zur Kommunikation erforderlichen Elemente, Strukturen und Aufgaben und ordnet sie sieben aufeinander aufbauenden Schichten zu. Jede Schicht erledigt innerhalb des Kommunikationsablaufes genau festgelegte Aufgaben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Schichten des OSI-Referenzmodells (Quelle: eigene Darstellung)

Insgesamt ergibt sich eine hierarchisch gegliederte Struktur. Die vier unteren Schichten sind für die Datenübertragung zwischen den Geräten zuständig (Übertragungsschichten). Die Schichten fünf bis sieben koordinieren das Zusammenwirken mit dem Anwendungsprogramm oder dem Betriebssystem (Anwendungsschichten).

3.2.3 Wichtige Protokolle

Das Internet Protokoll (IP), ein Netzwerkprotokoll der Vermittlungsschicht im OSI-Referenzmodell, und das ICMP[53], ein Gruppenmanagementprotokoll für Informationsmeldungen in Netzwerken, sind für das Adressieren von Rechnern sowie das Fragmentieren von Datenpaketen zuständig. Im Schichtenmodell liegt das Protokoll IP unterhalb von TCP[54] und UDP[55]. Das TCP, ein zuverlässiges, verbindungsorientiertes Transportprotokoll, hält eine Verbindung so lange aufrecht, bis sie explizit beendet wird. Das Internet basiert auf TCP, was eine sichere Übertragung gewährleistet. Ein komplexer Bestätigungsmechanismus wird für die Übertragungszuverlässigkeit eingesetzt. Der Empfänger der Datenpakete schickt eine Bestätigung über den erfolgreichen Empfang von Datenpaketen an den Server. Sollte der Server keine Bestätigung innerhalb einer bestimmten Zeit bekommen, so sendet dieser das Paket erneut. Es kann vorkommen, dass Pakete doppelt und in verkehrter Reihenfolge ankommen. TCP sorgt für die richtige Reihenfolge durch Nummerierung der Pakete. Das UDP dagegen stellt einen verbindungslosen, nicht zuverlässigen Übertragungsdienst bereit. Es besteht keine durchgehende Verbindung zwischen Sender und Empfänger. UDP transportiert die Daten, ohne die Zustellung zu garantieren. Der Overhead ist dadurch geringer als bei TCP, jedoch können Daten verloren gehen, da der Empfang von Daten nicht bestätigt wird und die eventuell verloren gegangenen Daten nicht erneut geschickt werden würden.[56] Jedes Datenpaket nimmt einen anderen Weg durch das Netz, dabei wird weder die Vollständigkeit oder die Richtigkeit der Datenpakete garantiert. Falls auf der Übertragungsstrecke ein einziges Teil-Datenpaket verloren geht, muss das gesamte Datenpaket erneut angefordert werden.

Zur kontinuierlichen Übertragung von echtzeitintensiven Mediendaten über IP-basierte Netzwerke wurden offene Standards entwickelt. RTSP[57], ein Netzwerkprotokoll der Anwendungsschicht im OSI-Referenzmodell, und die verwandten Protokolle RTP[58] und RTCP[59] werden zur Unicast- und Multicast-Übertragung genutzt. Das RTCP ist für die Aushandlung und Einhaltung von Qualitätsparametern durch den regelmäßigen Austausch von Steuernachrichten zwischen Sender und Empfänger zuständig. Durch Meldungen des Empfängers über die bisherige empfangene Qualität der Daten an den Sender, werden die Datenströme kontinuierlich an die zur Verfügung stehende Bandbreite angepasst.[60]

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[1] IT-Lexikon, Begriff: Bandbreite, http://www.itwissen.info (abgerufen am 22.04.2008).

[2] DSL: Bezeichnung für eine Reihe Übertragungsstandards zur Kommunikation in physikalischen Leitern.

[3] Vgl. International Telecommunication Union (ITU): Definition IPTV.

[4] Gebührenfinanzierter Rundfunk.

[5] Werbefinanzierter und durch Zuschauer (Abo-TV oder Pay-TV) finanzierter Rundfunk.

[6] Vgl. Neumann (1998): Pay-TV in Deutschland, S. 37.

[7] Vgl. Digital TV (2007): Weiteres Wachstum bei TV-Spartensendern.

[8] Breitband-Verbindung mit 25 bzw. 50 MBit/Sekunde.

[9] Vgl. http://www.zdf.de/ZDFmediathek (abgerufen am 08.05.2008).

[10] Zu ARD Digital zugeordneter TV Sender.

[11] Vgl. http://www.ard-digital.de/11019_1 (abgerufen am 05.04.2008).

[12] Vgl. http://rtl-now.rtl.de (abgerufen am 05.04.2008).

[13] Premiere Internet TV unter http://vod.premiere.de (abgerufen am 06.04.2008).

[14] Vgl. http://de.youtube.com (abgerufen am 08.04.2008).

[15] Vgl. http://current.com (abgerufen am 08.04.2008).

[16] Vgl. goetzpartners (2007): IPTV Fernsehen der Zukunft?

[17] Vgl. Deloitte (2007): Next Generation TV.

[18] Vgl. Goldmedia (2007): Zukunft der TV-Übertragung. S. 5.

[19] Vgl. Dohm (2005): Television meets Computer.

[20] Vgl. Kaumanns, Neus, Pörschmann (2006): Konvergenz oder Divergenz? S. 6.

[21] Vgl. http://www.maxdom.de (abgerufen am 10.04.2008).

[22] Vgl. http:// www.alice.aol.de (abgerufen am 10.04.2008).

[23] Vgl. http://www.t-home.de (abgerufen am 10.04.2008).

[24] Sich zurücklehnen.

[25] Trosse (2007): personalisiertes Fernsehen.

[26] Vgl. Kaumanns (2006): Konvergenz oder Divergenz? S. 6-19.

[27] Vgl. Kaumanns (2006): Konvergenz oder Divergenz? S. 20-25.

[28] Vgl. http://www.n-tv.de/itv (abgerufen am 11.04.2008).

[29] Service Provider: Anbieter von Diensten, Inhalten oder technischen Leistungen, in diesem Fall beispielsweise: Arcor, T-Home oder Alice.

[30] Vgl. http://www.n-tv.de/itv (abgerufen am 12.04.2008).

[31] Vgl. Kapitel 3.3.1 Set-Top-Boxen.

[32] In diesem Zusammenhang ein Ausdruck für unterschiedliche Formate (SD oder HD) und unterschiedlicher Bandbreite.

[33] Vgl. Schmidt (2003): Professionelle Videotechnik. S. 141.

[34] Pixelmatrix: Aufteilung der Bildinformationen in Pixel-Blöcke. Bei MPEG-2 werden 8x8 Pixel große Blöcke gebildet.

[35] Diskrete Kosinustransformation: Ist eine lineare, orthogonale Transformation, die Bilddaten effizient in eine Form überführt, die gut komprimiert werden kann.

[36] Quantisieren: Die digitalen Daten hoher Genauigkeit werden durch Rundung der Werte auf eine wesentlich niedrigere Anzahl begrenzt. Wie bei allen verlustbehafteten Kodierungs verfahren ist das entscheidend für die Qualität des Endproduktes.

[37] Vgl. Schmidt (2003): Professionelle Videotechnik. S. 146-149.

[38] Standard-PAL-Signal mit 720 x 576 Bildpunkten und einer Halbbildanzahl von 50 Bildern/Sekunde.

[39] Die Bitrate bezeichnet das Verhältnis einer Datenmenge zu einer Zeit.

[40] HDTV-Signal mit 1920 x 1080 Bildpunkten und einer Vollbildanzahl von 50 Bildern/Sekunde.

[41] Vgl. Schmidt (2003): Professionelle Videotechnik. S. 149.

[42] Vgl. Schmidt (2003): Professionelle Videotechnik. S. 149-151.

[43] MPEG Industry Forum (2005): Understanding MPEG-4; MPEGIF White Paper.

[44] Vgl. Schmidt (2003): Professionelle Videotechnik. S. 152-153.

[45] Vgl. Kapitel 4.1.2 Austauschformate.

[46] WMV HD: Windows Media Video High Definition.

[47] VC-1: Video Codec 1.

[48] Vgl. http://www.dvb.org/about_dvb/history (abgerufen am 18.04.2008).

[49] Vgl. http://www.dvb.org/technology/standards (abgerufen am 26.04.2008).

[50] Vgl. http://www.isma.tv (abgerufen am 26.04.2008).

[51] Vgl. Kapitel 3.2.3 Wichtige Protokolle.

[52] Netzübergang, Schnittstelle zwischen unterschiedlichen Netzwerktypen, die die digitale Transkodierung der unterschiedlichen Medien übernehmen.

[53] ICMP: Internet Control Message Protocol.

[54] TCP: Transmission Control Protocol.

[55] UDP: User Datagram Protocol.

[56] Vgl. Künkel (2001): Streaming Media. Kapitel 1.5.

[57] RTSP: Real-Time Streaming Protocol.

[58] RTP: Real Time Transport Protocol.

[59] RTCP: Real-Time Control Protocol.

[60] Vgl. http://leechuck.de/voip/node58.html (abgerufen am 20.04.2008).

Details

Seiten
94
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783836615747
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v225936
Institution / Hochschule
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig – Medien, Studiengang Medientechnik
Note
2,3
Schlagworte
iptv personalisierung personal fernsehen metadaten

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Titel: Möglichkeiten der Personalisierung von TV-Programmangeboten unter besonderer Berücksichtigung von IPTV