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Die Personalentwicklung: Ein Instrument der Beseitigung des Fachkräftemangels

Diplomarbeit 2008 107 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

3. Welche Mechanismen sind für den Fachkräftemangel verantwortlich?

Das Problem des Fachkräftemangels (FKM) lässt sich nicht auf eine Ursache begrenzen, es spielen viele Faktoren eine Rolle, wie zum Beispiel:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Demographischer Wandel (weniger junge Menschen stehen den Unternehmen zur Verfügung, immer mehr Ältere gehen in den Ruhestand),
- der hiesige Arbeitskräftemarkt wird nicht effizient genutzt,
- weniger Studienanfänger,
- die Verknüpfung der Wirtschaft mit Universitäten, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen ist zu gering (mangelnde Kooperationen),
- mangelnde Qualifikation der Bewerber,
- öffentliche Arbeitsbeschaffungsprogramme sind nicht effizient genug,
- die Wirtschaft hat die interne Aus- und Weiterbildung vernachlässigt,
- überzogene Gehaltswünsche von Berufsanfängern,
- unmotivierte Bewerber,
- mangelnde Personalplanung seitens der Unternehmen,
- ausländisches Arbeitspotenzial wird nur mangelhaft genutzt.

(vgl. Bertelsmann Stiftung. S. 5 – 9) & iwd_3. S. 7)

Die meisten der aufgezählten Punkte können nicht durch die Organisation direkt beeinflusst werden. Die folgende Grafik verdeutlicht die verschiedenen Einflussfaktoren auf die Organisationen.

[Grafik ist in der vollständigen Arbeit vorhanden]

Abbildung 2: Umwelteinflüsse bei einer Organisation

(Grafikquelle: Hayn, B., S. 5)

Der demographische Wandel verdeutlicht den Einfluss der Gesellschaft auf die Organisationen, denn Organisationen können zum Beispiel nicht direkt die Geburtenstärke beeinflussen. Die Punkte weniger Studienanfänger (zum Beispiel als Folge von Studiengebühren und geringem Bafög) und mangelnde Nutzung des hiesigen Arbeitsmarktes kann dem Punkt „Politik“ zugeordnet werden. Die mangelnde Nutzung des ausländischen Arbeitspotenzials ist ein Problem der unübersichtlichen Rechtslage, zur Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer.

Am 30. Oktober 2007 hat das Statistische Bundesamt Deutschland eine Pressemeldung (vgl. Statistisches Bundesamt Deutschland_1) veröffentlicht, dass nach ersten vorläufigen Berechnungen im September 2007 rund 40,05 Millionen Personen mit Wohnort in Deutschland erwerbstätig waren.

Das sind 676.000 Personen (+ 1,7%) mehr als im Vorjahresmonat September 2006, somit ist die Erwerbstätigenzahl, dank der guten Konjunktur und einer positiven Entwicklung auf dem Ausbildungsstellenmarkt, in Deutschland, weiter angestiegen. Dies hat zur Folge, dass die Unternehmen eine geringere Auswahl an Fachkräften zur Verfügung haben, da in einer guten Konjunktur fast alle Firmen – aufgrund steigender Aufträge – mehr Personal einstellen.

Die folgende Grafik aus dem Statistischen Jahrbuch 2007 vom Statistischen Bundesamt Deutschland, veranschaulicht die Entwicklung von Erwerbstätigen[1], Erwerbspersonen[2] und Nichterwerbspersonen[3]. Die Anzahl der Erwerbstätigen ist gestiegen, während ein gleichzeitiger Rückgang von Erwerbspersonen zu verzeichnen ist.

[Grafik ist in der vollständigen Arbeit vorhanden]

Abbildung 3: Jahresdurchschnitt der Erwerbsrechnung

(Grafikquelle: Statistisches Bundesamt Deutschland_2. Seite 83)

Der Anstieg der Erwerbspersonen hängt vor allem mit einem größeren Angebot von Arbeitsplätzen zusammen. So geht aus dem Statistischen Jahresbericht von 2007 hervor, dass die Anzahl der offenen Stellen im Jahr 2006 den Höchststand aus dem Jahr 2000 erreicht hat. Gleichzeitig hat die Anzahl der Arbeitslosen seit dem Jahr 2005 wieder abgenommen.

[Grafik ist in der vollständigen Arbeit vorhanden]

Im Jahr 2006 war das Angebot an Arbeitsplätzen so hoch wie zuletzt im Jahr 2000, als Folge ist die Anzahl der Arbeitslosen gesunken, hiervon haben allerdings bis zum Jahr 2006 mehr Männer als Frauen profitiert.

Abbildung 4: Arbeitsverhältnisse

(Grafikquelle: Statistisches Bundesamt Deutschland, S. 91)

3.1. Zu wenig Auszubildende

Ein Fachkräftemangel kann entstehen, wenn sich zu wenig Personen für eine bestimmte Ausbildung[4] entschieden haben. Dies kann mehrere Ursachen haben, weil zum Beispiel bestimmte Berufe (und die damit verbundene Ausbildung) auf junge Erwachsene unattraktiv wirken, oder völlig überlaufen sind, (oder überlaufen wirken). Daher entsteht die Befürchtung, dass nach der Ausbildung keine Arbeitsstelle gefunden wird, da der Arbeitsmarkt nach der Ausbildung völlig überlaufen ist.

Die Phasen des Unterangebotes und des anschließendem Überschusses wird unter anderem als Schweinezyklus[5] bezeichnet. Dieser Begriff stammt aus der Wirtschaftswissenschaft und bezeichnet eine periodische Schwankung auf der Angebotsseite (Arbeitnehmer / Arbeitssuchende), die zuerst auf dem Schweinemarkt genauer untersucht wurde (vgl. Goldfuß, J., S. 21-22). Der Begriff Schweinezyklus ist dadurch entstanden, dass sobald Schweinefleisch knapp wurde, die Preise für Schweinefleisch gestiegen sind. Als Reaktion auf die hohen Preise haben die Bauern viele ihrer Schweine geschlachtet, um hohe Gewinne zu erzielen. Allerdings sind in Folge des Überangebotes die Preise gesunken (worauf die Bauern auch wieder weniger Schweine geschlachtet haben).

Daher wird der Begriff Schweinezyklus im übertragenen Sinne für ähnliche Vorgänge auf dem Arbeitsmarkt, Ausbildungs- oder Studienplätze gebraucht: Hohe Gehälter (oder ein vom Land oder Wirtschaft ausgerufener Mangel an Absolventen) führen zu einer steigenden Zahl von Studienanfängern, die dann nach mehreren Jahren, gleichzeitig auf den Arbeitsmarkt drängen. Die schlechteren Job-Aussichten schrecken sodann neue mögliche Studienanfänger ab (vgl. Kollmann, T. & Stöckmann, C., S. 587-588).

Diese Schwankungen finden sich typischerweise beim Beruf des Lehrers, Juristen, Arzt, etc.,. Bei Berufsgruppen wie Lehrkräften, Juristen, Ärzten, etc. wird in der Literatur eher vom Akademikerzyklus gesprochen (vgl. Die Zeit_1).

Laut des OECD-Berichtes [...]

[...]


[1] Erwerbstätige sind Personen im Alter von 15 Jahren und mehr, die im Berichtszeitraum wenigstens eine Stunde für Lohn oder sonstiges Entgelt irgendeiner beruflichen Tätigkeit nachgehen bzw. in einem Arbeitsverhältnis stehen (Arbeitnehmer einschl. Soldaten und Soldatinnen sowie mithelfende Familienangehörige), selbstständig ein Gewerbe oder eine Landwirtschaft betreiben oder einen freien Beruf ausüben. Je nach Verwendungszweck werden die Erwerbstätigen mit Wohnsitz in Deutschland (Inländerkonzept) oder mit Arbeitsort in Deutschland (Inlandskonzept) dargestellt.

[2] Erwerbspersonen sind Personen mit Wohnsitz in Deutschland (Inländerkonzept), die eine unmittelbar oder mittelbar auf Erwerb gerichtete Tätigkeit ausüben oder suchen (Selbstständige, mithelfende Familienangehörige, abhängig Beschäftigte), unabhängig von der Bedeutung des Ertrages dieser Tätigkeit für ihren Lebensunterhalt und ohne Rücksicht auf den Umfang der von ihnen tatsächlich geleisteten oder vertragsmäßig zu leistenden Arbeitszeit. Erwerbspersonen setzen sich aus den Erwerbstätigen und den Erwerbslosen zusammen.

[3] Nichterwerbspersonen sind Personen, die nach dem ILO-Konzept weder als erwerbstätig noch als erwerbslos einzustufen sind.

Definitionen aus: (Statistisches Bundesamt Deutschland_2. S. 78)

[4] Hierzu zählt die Ausbildung in einem Betrieb oder ein Hochschulstudium (Fachhochschule oder Universität).

[5] Bei Akademischen Berufen wird auch vom Akademikerzyklus gesprochen.

Details

Seiten
107
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783836615587
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v225925
Institution / Hochschule
Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven; Standort Oldenburg – Wirtschaft, Studiengang Sozialmanagement
Note
1,7
Schlagworte
fachkräftemangel personalentwicklung sozialmanagement expertenmangel sozialwirtschaft

Autor

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