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Elternarbeit

Eine empirische Analyse und Forderung zur Umsetzung in der Praxis

Diplomarbeit 2004 66 Seiten

Pädagogik - Familienerziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einführung in das Thema

2. Theoretischer Hintergrund zur Untersuchung
2.1. Theorie der Elternarbeit
2.2. Theoretisches Konzept zur Untersuchung

3. Die Methodische Vorgangsweise zur Untersuchung
3.1. Mögliche Methoden zur Themenbearbeitung
3.2. Rechtfertigung der Methode „Strukturiertes Interview“
3.3. Meine Hypothesen zur Situation der Befragten
3.4. Die Befragungssituation
3.5. Auswertung der Fragebögen
3.6. Die Schritte der Untersuchung „Elternarbeit“

4. Die empirische Untersuchung
4.1. Allgemeine Einleitung zur Darstellung der Befragungsergebnisse
4.2. Das Profil der Befragten
4.3. Die Situation bei den Interviews

5. Die soziologische Situation der Familien
5.1. Die sozioökonomische Situation der Befragten
5.2. Beruf und Ausbildung der Eltern

6. Das besondere Kind – „D.b.K“
6.1. Die besonderen Kinder und ihr privater Bereich
6.2. Das Alter der besonderen Kinder
6.3. Die besonderen Kinder und ihr Freundeskreis
6.4. Der Freundeskreis der Familie mit besonderen Kindern

7. Freizeitgestaltung
7.1. Die Freizeitaktivitäten der Familie
7.2. Benachteiligung in der Freizeit bei „F.m.b.K.“

8. Die Familie von „K.m.b.B“
8.1. Eine Brettaufstellung – geänderte Rollenverteilung in der Familie?
8.2. Interpretation der Aufstellung
8.3. Die Rolle der Mutter
8.4. Die Rolle des Vaters
8.5. Die Rollen der Geschwister
8.6. Die Aufgaben weiterer Bezugspersonen
8.7. Die besonderen Rollen der Familienmitglieder

9. Die Offiziellen Organisationen
9.1. Die ÄrztInnen und FrühförderInnen
9.2. Schule und LehrerInnen

10. Die Lebensqualität der Mütter
10.1. Der typische Tagesablauf – am Wochentag
10.2. Der typische Tagesablauf – am Sonntag
10.3. Zusammenfassung des Zeitbudgets der Betreuungsperson (Mutter)
10.4. Die Erfassung von Einsatz und Lebensqualität
10.5. Persönlicher Einsatz und Lebensqualität am „Wochentag“
10.6. Persönlicher Einsatz und Lebensqualität am Sonntag
10.7 „Belastungstag“ statt „Entlastungstag“
10.8. Kommentar der Befragten: Meine Lebensqualität in einem Satz

11. Forderungen für die Elternarbeit
11.1. Die Sichtweisen der Betroffenen
11.2. Forderungen der Eltern an Zuständige und Professionelle
11.3. Zusammenfassender „Forderungskatalog“

Literaturverzeichnis und Anhang

Vorwort

Das Thema Elternarbeit ist für mich ein wesentlicher Teil in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung. Ich begann vor drei Jahren in einem neuerbauten Wohnhaus als Assistentin zu arbeiten. Dort konnte ich über einen Zeitraum von zwei Jahren beobachten, wie unterschiedlich die „Loslass–Prozesse“ von den einzelnen Eltern erlebt wurden. Die Lebensgeschichte der Eltern und die gemeinsame Entwicklung von ihren Kindern mit Behinderung sind immer individuell und haben eine gemeinsame Geschichte.

Ein respektvoller Umgang mit Eltern ist für mich die Grundvoraussetzung für jedes Gespräch, aber auch das Wissen, dass Eltern das Beste für ihr Kind wollen, ist für meine Arbeit ein Leitgedanke.

In meiner Arbeit war ich nicht immer einer Meinung mit den Eltern, aber es ist mir meistens gelungen, gegenseitiges Verständnis für die Sichtweise des Anderen zu erlangen.

In meiner Diplomarbeit verwende ich den Begriff Elternarbeit in zweierlei Hinsicht: Zum einen die Zusammenarbeit der Professionellen mit den Eltern, zum anderen berichte ich über die Arbeit, die Eltern innerhalb der Familie leisten.

Mein Dank gilt all den Personen, die es mir ermöglicht haben, diese Diplomarbeit zu schreiben: besonders jenen 10 Müttern, die mir Ihre Zeit für ein Interview geschenkt haben und viel persönliche Erfahrung eingebracht haben; den Frauen Alexandra Ghetta vom Verein MOHI, die den Erstkontakt zu diesen Eltern hergestellt hat und meiner Praxisbegleiterin Frau Maria-Luise Greiter, die mir mit Rat und Tat bei der Literatursuche zur Seite stand. Danke auch meinem Freund Rudi Huber, für die ständige, oftmals nicht immer reibungslose Unterstützung.

Statz, im Februar 2004 Brigitte Spörr

1. Einführung in das Thema

Thema Elternarbeit – Warum?

Bei meiner Arbeit im Wohnhaus Matrei, hatte ich sehr oft die Erfahrung gemacht, dass Eltern nicht genügend über verschiedene Abläufe im Wohnhaus informiert und bei Entscheidungen zu wenig einbezogen werden. Ich war teilweise auch über den Umgang mit Eltern unangenehm überrascht, da AssistentInnen und auch die Leitung oftmals in Konkurrenz zu den Eltern standen.

Die Arbeit soll ein positiver Beitrag zur Elternarbeit sein, indem ich die Ergebnisse aus Interviews mit Eltern darstelle, aber in diesem Rahmen auch Forderungen an die „Zuständigen“ daraus ableite.

Als Elternarbeit bezeichne ich in dieser Diplomarbeit die Zusammenarbeit der Eltern mit Professionellen, als auch die Arbeit der Eltern innerhalb der eigenen Familie.

Obwohl Elternarbeit in jeder Einrichtung ein wichtiges Thema ist, wurde das Thema bisher noch in keiner Diplomarbeit an der LHB gewählt.

Problematisch – weil teilweise abwertend – und bisher nicht zufriedenstellend gelöst, ist die Bezeichnung der „Behinderten“ in der Gesellschaft.

In meiner Arbeit möchte ich daher folgende Formulierungen verwenden:

- Menschen mit Behinderung = „ M.m.B.“
- Kinder mit Behinderung = „K.m.B.“
- Kinder mit besonderen Bedürfnissen = „K.m.b.B.“
- Die/das besondere(n) Kind(er) = „D.b.K.“
- Familien mit besonderen Kindern = „F.m.b.K.“
- ... mit besonderen Kindern = ... „m.b.K“
- besondere Kinder = „b.K.“

Diese Abkürzungen dienen weniger der Wortersparnis, sondern sollen vielmehr „ins Auge springen“.

Empirische Arbeit - Warum?

Eine Empirische Arbeit ist eine eigenständige Untersuchung zu einem Thema, bei der die Feldforschung wesentlich ist. Zum Unterschied zu einer reinen Literaturarbeit, wo die Zusammenfassung theoretischer Erkenntnisse im Vordergrund steht.

Der Grund, warum ich also diesen Weg gewählt habe ist, dass ich durch eine wissenschaftliche Untersuchung klare Ergebnisse aufzeigen möchte.

Weil mir keine empirischen Daten über die Situation von „F.m.b.K.“ in Tirol bekannt sind, wollte ich mittels eines strukturierten Fragebogens und Elterngesprächen die Situation von einem kleinen Teil der Eltern von besonderen Kindern erfassen und auswerten.

2. Theoretischer Hintergrund zur Untersuchung

2.1. Theorie der Elternarbeit

Ohne in eine große wissenschaftliche Diskussion einzusteigen, seien die für meine praktische Arbeit wesentliche Thesen hier angeführt, die Eltern in einer Publikation auflisten.

(vgl. Familien mit behinderten Angehörigen, Lebenswelten – Bedarf – Anforderungen, 2002, S.136), wobei ich einige eigene Überzeugungen und Überlegungen miteinfließen lasse:

1. Eltern sind keine „Hilfsbedürftigen“ – die Information kommt nicht an!

„Eltern behinderter Kinder brauchen und wollen auch Hilfen“. (Familien mit behinderten Angehörigen, Lebenswelten – Bedarfe – Anforderungen, 2002, S. 136)

Ich glaube aber, dass Eltern zu wenig Informationen über die verschiedenen Angebote haben, um sich selber die nötige und vor allem für sie und das Kind passende Hilfe zu holen. Eine umfassende und möglichst objektive Beratung ist die Basis für eine kritische Auseinandersetzung mit den Angeboten. Wen erreichen hunderte Broschüren?

2. Eltern sind kompetent – sie sind die wirklichen Fachleute!

Eltern eignen sich im Zusammenleben mit ihrem behinderten Kind eine große Kompetenz, ein vielseitiges Erfahrungswissen an und werden damit zum Experten für ihr Kind.

„Dadurch werden sie zu echten Partnern der Fachleute bei der Diagnostik, Erziehung und Förderung/Therapie. Eine Erweiterung der Handlungsmöglichkeiten liegt ... im Zusammenschluss zu Elterngruppen. So können Eltern sich gegenseitig emotionalen Halt geben und belastende Umwelterfahrungen besser bewältigen.“ (Familien mit behinderten Angehörigen, Lebenswelten – Bedarfe – Anforderungen, 2002, S. 136)

Ich bin der Meinung, dass Eltern durch gemeinsame Aktionen wesentlich zur Integrationsentwicklung beigetragen haben.

3. “ Eltern machen eigene Erfahrungen“ – niemand kennt das Kind besser!

Gerade das Zusammenleben und Miterleben der verschiedenen Entwicklungsschritte ihres Kindes bietet die Grundlage für das Expertentum der Eltern.

„Dieses Wissen ist für Fachleute nicht verfügbar. ... In den unterschiedlichen Perspektiven der Betroffenen und der Nicht-Betroffenen liegt jedoch eine Chance für die Zusammenarbeit von Eltern und Professionellen.“ (Familien mit behinderten Angehörigen, Lebenswelten – Bedarfe– Anforderungen, 2002, S. 136)

4. Eltern sind für die Erziehung verantwortlich – wer denn sonst?

„Die Art und Weise, wie Eltern die Behinderung ihres Kindes akzeptieren und die Verantwortung für die Entwicklung der Kinder in der Familie integrieren, gibt ihnen eine eigenständige und letztverantwortliche Position für die Entscheidungen über diagnostische und Therapeutische Wege, die beschritten werden sollen.“ (Familien mit behinderten Angehörigen, Lebenswelten – Bedarfe – Anforderungen, 2002, S. 136)

Manche Professionelle glauben sogar, sobald das Kind in ihrer Obhut ist, wäre die Verantwortlichkeit der Eltern ganz auszuschalten. Bei schwierigen Situationen hingegen wird genau von diesen die Verantwortlichkeit an die Eltern zurückgegeben.

5. Eltern und Professionelle – eine Partnerschaft

„Die neuen Sichtweisen, die die Kompetenz und die Autonomie der Eltern unterstreichen, dürfen nicht als eine Idealisierung von Eltern oder als Gegnerschaft Eltern - Fachleute missverstanden werden. ... Jedoch sollte die Zusammenarbeit von der grundsätzlichen Anerkennung der unterschiedlichen Fähigkeiten beider Seiten getragen sein.“

Große Verbesserungen dabei wären schon möglich, wenn der gegenseitige Respekt und die Wertschätzung für die Leistungen der beiden Betreuersysteme offener gezeigt würde. Der Raum für gegenseitigen Erfahrungsaustausch ist nicht in ausreichendem Maße vorhanden.

Die folgende Abbildung mag die Vielfalt der Spannungsfelder verdeutlichen:

Abbildung: Spannungsfelder für „F.m.b.K.“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigener Entwurf B. Spörr

2.2. Theoretisches Konzept zur Untersuchung

„ Die Familie mit behinderten Kindern“ ist zwar in der bisherigen Forschung immer wieder untersucht worden, aber die Ergebnisse werden selbst von den WissenschaftlerInnen noch nicht als ausreichend betrachtet.

Cloerkes hat in seinem Buch (Soziologie der Behinderten, Cloerkes 1997, S. 239-268) sehr ausführlich die wesentlichen Forschungsergebnisse zum Thema „Familien mit behinderten Kindern“ dargestellt. Im folgenden werde ich wesentliche theoretische Erkenntnisse, die mir dann als hypothetische Basis für meine Forschungsarbeit dienten, darstellen.

1. Die Forschungsergebnisse werden einhellig als noch unbefriedigend gekennzeichnet. Besonders die Bedeutung institutioneller Hilfsangebote wurde bisher noch kaum untersucht, obwohl gerade diese Angebote einen wesentlichen Beitrag dazu leisten können, wie z.B. die Erziehungsarbeit angelegt wird.

2. Untersuchungen werden oft ohne die notwendigen theoretischen Grundlagen betrieben. Ich versuche daher auf mehreren und verschiedenen Ebenen (Familie, Umfeld, Organisationen usw.) Fragen für den Fragebogen zu entwickeln, um auch die verschiedenen sozialen Einflüsse, die sicher auf jeden von uns wirken, mit einbeziehen zu können.

3. Die Familien mit behinderten Kindern werden oft mit stigmatisierenden Etiketten behaftet, die als problematisch empfunden werden müssen.

Typische Begriffe sind : (vgl. Hohmeier 1989, S. 169, zitiert nach Cloerkes 1997, S. 241 )

- „Sonderfamilie“ ( nach Ross 1967: „Das Sonderkind“ ) oder „behinderte Familie“
- „traditionslose Elternschaft“
- „lebenslange Elternschaft“

Diese stigmatisierenden Begriffe sind meines Erachtens wenig förderlich für Familien mit behinderten Kindern, denn es wird von vorne herein eine Negativausrichtung insofern festgelegt, als ein Kind mit Behinderung nur Probleme für die Familie mit sich bringt. In meiner Arbeit möchte ich diese wohl einseitig negative Sichtweise durch die Auswirkungen auf die Lebensqualität der Eltern hinterfragen.

4. In der modernen Kleinfamilie gibt es heute andere Strukturen als früher in Großfamilien. Die Familiensoziologie bezeichnet dies als „Funktionsverlust der Familie“. Daraus ergibt sich auch die Notwendigkeit von vielen verschiedenen Organisationen und Vereinen, die dies auffangen sollten. Umso wichtiger ist es für jeden Professionellen, sich mit dem Thema Elternarbeit auseinander zu setzen, damit eine Einordnung in das soziale System des behinderten Kindes möglich ist.

In meiner Arbeit soll daher auch die Zufriedenheit mit den Angeboten dieser Institutionen erfasst werden. Die Entwicklung des Kindes hängt viel von dem Erziehungsverhalten der Eltern als auch vom Einfluss des gesamten sozialen Umfeldes ab.

5. Es gilt als sicher, dass ungünstige sozio – ökonomische Bedingungen, wie z.B.: schlechte Wohnverhältnisse, negative Erfahrungen mit Organisationen, sowie große finanzielle Probleme usw., die Entwicklungsmöglichkeiten von behinderten Kindern stark beeinträchtigen. Daher sind Aufklärung, Information und Integration innerhalb und außerhalb der Familie unumgängliche Notwendigkeiten, um eine möglichst positive Entwicklung zu ermöglichen.

6. Sehr häufig gilt es bei Familien mit behinderten Kindern, dass sie in die soziale Isolation hineinschlittern.

Diese Problematik möchte ich dadurch für meine Probanden klären, indem ich das Verhältnis zu Freundeskreis und Nachbarschaft untersuchen werde.

7. „Behindertes Kind – Behinderte Familie“: Die Wurzeln dieses Vorurteils liegen schon in unserer ausgrenzenden Gesellschaft.

Es ist nötig, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sich vor allem Eltern mit behinderten Kindern, Lebensqualität und Lebensfreude schaffen und erhalten können. Daraus würde sich ergeben , dass eine stigmatisierende Zuschreibung sowohl der Gesellschaft, als auch der Fachleute wegfallen würde.

Wie gesellschaftsrelevant diese Stigmatisierung der „Behinderten“ ist, möchte ich an einem kurzen Test im Internet zeigen.

Test im Internet zum Thema Eltern und Familien von M.m.B.

Internettest: 30. 11. 2003 - Eingabe in die Suchmaschine „google.at“

Suchwort: „Familien mit behinderten Kindern“

Ergebnis: 30 040 Titel im Internet zu diesem Suchbegriff

Aus dem umfangreichen Ergebnis seien hier einige Formulierungen beispielhaft angeführt.

Die Zuordnung zu „negativ“ und „positiv“ erfolgt auf Grund meines Gefühles der stigmatisierenden Einordnung in die Gesellschaft:

Negative Formulierungen

- „Familien mit behinderten Mitgliedern“
- „Familie und Behinderung“
- „Von Behinderung betroffene Familien“
- „Von Behinderung bedrohte Familien“
- „Familie mit Behinderung“
- „Eltern behinderter Kinder“
- „Geistig Behinderte und ihre Familien“
- „Behinderte“ Familie“
- „Behinderte Kinder und ihre Familien“
- „Behinderte und ihre Familien“

Positive Formulierungen

- „Familien mit besonderen Kindern“
- „Eltern besonderer Kinder“
- „Menschen mit Behinderung und ihre Familie“

Aus dem Kreis der „Menschen mit Behinderung“ kommt immer wieder der Wunsch, nicht als „Behinderte“ bezeichnet zu werden. Bisher konnten sie sich vorläufig auf die Bezeichnung „Menschen mit besonderen Fähigkeiten“ oder „Menschen mit besonderen Bedürfnissen“ einigen, aber als eine wirklich zufriedenstellende Bezeichnung wird auch dies nicht empfunden.

3. Die Methodische Vorgangsweise zur Untersuchung

3.1. Mögliche Methoden zur Themenbearbeitung

Um die Situation der „Elternarbeit“ zu erfassen, bieten sich aufbauend auf die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse mehrere Methoden in Auswahl an:

- Detaillierte Analyse der Literatur der Elternarbeit
- Auswertung von Berichten und Protokollen von Professionellen und Institutionen
- Kontakt und Analyse der Arbeit von Selbsthilfegruppen
- Analyse von Sozialbudgets über mehrere Jahre einschlägiger Organisationen in Tirol
- Internet – Recherche zum Thema
- Beobachtungsprotokolle der Abläufe in der eigenen Arbeit (z.B. Wohnhaus Matrei)
- Experteninterviews mit Beratungsstellen
- Auswertung von vorhandenen Sozialstatistiken
- Schriftliche Befragung von Eltern
- Telefoninterviews mit Eltern

3.2. Rechtfertigung der Methode „Strukturiertes Interview“

Die Erhebung der Ansichten der Eltern zu ihrer Situation erfolgte in meiner Untersuchung durch einen Fragebogen, der als strukturierter Gesprächsleitfaden für ein persönliches Interview diente. Dabei waren einerseits der persönliche Kontakt zu den Eltern und der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses wichtig. Andererseits wurde der Fragebogen so aufgebaut, dass auch statistische Auswertungen möglich waren.

Das Thema „Elternarbeit“ muss aus vielen verschiedenen Blickwinkel betrachtet werden. Der Fragebogen soll daher die Themen Freizeitgestaltung, Freunde, Schule, Therapeuten, Ärzte und die Rollenverteilung innerhalb der Familie abdecken. Persönliche Daten, die natürlich der absoluten Anonymität und vertraulichen Behandlung der Aussagen unterliegen, müssen erhoben werden.

Der vollständige Fragebogen ist im Anhang wiedergegeben.

3.3. Meine Hypothesen zur Situation der Befragten

1. Die Familien mit Kinder mit Behinderung sind in der Gesellschaft benachteiligt und zwar

in folgenden Bereichen:

- in der Freizeit
- im Freundeskreis und in der Nachbarschaft
- bezüglich Organisationen
- innerhalb der Familie bezüglich der Rollenverteilung

2. Die Familien mit Kinder mit Behinderung sind von einer Mehrbelastung betroffen und

zwar in folgenden Bereichen:

- in der organisatorischen Abwicklung
- in der persönlichen Lebensqualität

3.4. Die Befragungssituation

Das Profil der Befragung zeigt sich in folgenden Punkten:

- Befragungspersonen: 10 Mütter
- Ort: Im Haus oder in der Wohnung der Befragten
- Dauer: 1,5 – 2 Stunden Befragungszeit
- Erstkontakt: Terminvereinbarung per Telefon
- Mitschrift der Aussagen auf strukturiertem Fragebogen
- Befragte Person liest die Fragen auf einem eigenen Fragebogen mit

Aufwärmphase - Einstiegserklärungen

- Um eine Vertrauensbasis aufzubauen gibt die Interviewerin folgende Erklärungen ab:
- Vorstellung von Schule und Sinn einer Diplomarbeit
- Vorzeigen des Empfehlungsschreibens der Schule
- Zweck der Befragung – was soll herauskommen?
- Verwendung der Aussagen
- Zusicherung der absoluten Anonymität bzw. vertraulichen Behandlung der Aussagen

3.5. Auswertung der Fragebögen

Um zu einem wissenschaftlichen Ergebnis zu kommen, werden die einzelnen Fragen nach folgenden Systemen ausgewertet:

- „JA / NEIN – Fragen“: genaues Auszählen der Häufigkeiten mittels Strichlisten

- Rangordnungsfragen: Auswertung durch ein „2-Stufen-Verfahren“

Als erste Stufe wurde die selbstgewählte Rangordnung ( 1. 2. 3. Stelle ) der Befragten einbezogen und danach als Ergebnis eine gesamte Rangordnung der drei wichtigsten z.B. Aktivitäten ( 1. 2. 3. ) dargelegt. Die Rangordnung bei der Auswertung kommt durch die Vergabe von Punkten zustande, wobei die 1. Stelle 3 Punkte erhält, die 2. Stelle 2 Punkte und die 3. Stelle 1 Punkt.
Die weiter genannten z.B. Aktivitäten werden dann nur mehr mit der Zahl der Nennungen durch die Befragten in die Auswertung einbezogen.

Als zweite Stufe wurde die Anzahl der Befragten ausgewertet, die je nach Rangordnung ( 1. 2. 3. ) gewertet haben, z.B. 1. Stelle: 50% der Befragten. Dadurch ergibt sich eine Art zweite Absicherung der Rangordnung und eine Möglichkeit bei Punktegleichheit eine objektive Reihung vorzunehmen.

- Auswertung der Matrix:

- durch Eintragung aller vergebener „ Punkte“ der Befragten
- blau für Sonntag - rot für Werktag
- Einteilung der Matrix in drei drittel:
- hoch – mittel – niedrig / persönlicher Einsatz
- hoch – mittel – niedrig / Lebensqualität
- Einteilung in drei verschiedene Belastungstypen

3.6. Die Schritte der Untersuchung „Elternarbeit“

Hier sollen nochmals die Schritt für Schritt Phasen der empirischen Untersuchung erklärt werden.

1. Adressenbeschaffung:

- Verein MOHI stellte 7 Adressen von Müttern bereit
- Brief zur INFO an die genannten Mütter (vgl. Anhang)
- nach einer Woche telefonische Kontaktaufnahme durch die Interviewerin und kurze Information zum Inhalt des Interviews
- Weitere 3 Mütter wurden durch persönliche Kontakte telefonisch informiert und nach kurzer

Vorinformation ein Interviewtermin vereinbart.

2. Erstellung des Befragungskonzeptes:

Auf Grund des Studiums von Literatur und verschiedenen Broschüren über Elternarbeit und eigener Erfahrung mit Elternarbeit im Wohnhaus Matrei, stellte ich meine Hypothesen zur Situation der Eltern auf. Da mir sowohl wissenschaftliche Ergebnisse wie auch ein qualitatives Interview wichtig erschienen, erstellte ich einen strukturierten Fragebogen. Anschließend führte ich bei zwei Personen einen Test des Interviews durch. Daraus ergab sich ein grober Zeitbedarf von 2-3 Stunden für ein Interview.

3. Persönliches Interview:

Das Interview wurde nach vorheriger Absprache im Umfeld der Probandin durchgeführt.

Mittels strukturiertem Fragebogen wurden die Themen Freizeit, Rollenverteilung, Freundeskreis und Organisationen hinterfragt. Bei einigen Müttern waren im Vorfeld Zweifel und Skepsis über den Sinn eines solchen Interviews spürbar. Bei anderen Probandinnen wiederum gab es Offenheit und auch Neugierde, mit welchen Fragen sie sich wohl auseinander zu setzen haben würden. Im Anschluss an das persönliche Interview waren aber durchwegs positive Aussagen und Interesse für die Diplomarbeit spürbar. Mehreren Müttern war es ein Anliegen, eine Kopie der Diplomarbeit zu erhalten. 7 von 10 Müttern entschlossen sich spontan zu einem Erfahrungsaustausch mit den anderen Probandinnen.

4. Auswertung der Fragebögen:

Die Auswertung erfolgte mittels verschiedener statistischer Methoden: Strichlisten und Häufigkeitsverteilungen, zusammenfassende Themenlisten, Bildung von Typologien und Bewertung durch Rangordnungen. Um den Text leicht lesbar zu gestalten wurden auch Listen, Grafiken und Schaubilder erstellt.

5. Darstellung der Ergebnisse:

Um den Text leicht lesbar zu gestalten wurden Tabellen und Prioritätenlisten, sowie auch Grafiken erstellt. Es gibt zu jedem Themenbereich die Theorie, eine Darstellung der Ergebnisse, eine Interpretation dazu und eine Forderung für die Praxis. Teilweise werden ganz konkrete Forderungen gestellt, die für die Praxis umsetzbar sind und die eine Verbesserung der Elternsituation darstellen.

6. Diplomarbeit – Elternarbeit:

Die Diplomarbeit ist der Grundstock für relevante Praxisthemen. In einer Informationsrunde müssen MitarbeiterInnen der einschlägigen Vereine Diplomarbeitsergebnisse präsentiert werden, damit sie sich mit dem Thema z.B. Elternarbeit dieser Organisationen auseinander setzen und den konkreten Wünschen der Eltern gerecht werden können.

Auf Grund des regen Interesses der Probandinnen wird eine Erfahrungsaustauschgruppe stattfinden, die mit den Ergebnissen der wissenschaftlichen Arbeit in Arbeitskreisen weiter arbeitet.

Das nachstehende Schaubild fasst die einzelnen Arbeitsschritte der Untersuchung zusammen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]

Details

Seiten
66
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783836611022
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v225665
Institution / Hochschule
SOB – Schule für Sozialbetreuungsberufe Innsbruck – Soziale Arbeit, Behindertenpädagogik
Note
1,0
Schlagworte
elternarbeit eltern pädagogik behinderung erziehung

Autor

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Titel: Elternarbeit