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Konzeption und Implementierung der mobilen Anwendung Time & Travel für den TÜV- Rheinland auf Basis der SAP Mobile Engine

Diplomarbeit 2003 102 Seiten

Informatik - Angewandte Informatik

Leseprobe

Inhalt

0. Vorwort

1. Einleitung
1.1 Motivation
1.2 Zielsetzung
1.3 Überblick

2. Allgemeine Grundlagen und Begriffsdefinitionen
2.1 Mobile Business
2.1.1 Definition und Einordnung Mobile Business
2.1.2 Abgrenzung zu Electronic-Commerce
2.1.3 Mobilität
2.2 Umfeld und Eigenschaften von mobilen Anwendungen
2.2.1 Geschäftsfelder
2.2.2 Anwendungsfelder und Bedarf
2.2.3 Charakteristische Eigenschaften von mobilen Anwendungen
2.2.4 Technologie
2.3 Mobile Techniken im Umfeld von SAP
2.3.1 Enterprise Ressource Planning Systeme
2.3.2 Architektur des Internet Transaction Servers
2.3.3 Transaktionsaufruf mit dem Internet Transaction Server
2.3.4 Web Application Server
2.3.5 Aufbau des Web Application Server
2.3.6 Transaktionsaufruf mit dem Web Application Server
2.3.7 Web Application Server versus Internet Transaction Server
2.3.8 Ausblick
2.4 Mobile Engine
2.4.1 Aufbau der Mobile Engine
2.4.2 CATS notebook

3. Ist-Analyse
3.1 Das Unternehmen TÜV Rheinland
3.2 Ausgangssituation
3.3 Bisherige Anwendungsgebiete mobiler Offline-Lösungen
3.3.1 TÜV Anwender Systeme Kraftfahrt
3.3.2 Unterstützung Fahrerlaubnisprüfung
3.3.3 Unterstützung der Prüfberichtsschreibung der TÜV Anlagen Technik
3.3.4 Aktuelle Zeiterfassung beim TÜV

4. Soll-Konzeption
4.1 Die Mobile Basis
4.2 Aufgabenstellung: Optimierung der TÜV-Leistungserfassung durch die Mobile Engine
4.2.1 Betriebswirtschafliche Zielsetzung
4.2.2 Strategische Zielsetzung
4.2.3 Technische Rahmenbedingung der Konzeption
4.3 Nachträgliche Erweiterung der Aufgabenstellung

5. Implementierung
5.1 Arbeitsschritte
5.1.1 Customizing
5.1.2 Erläuterung der SAP-Erweiterung MYCATS01
5.1.3 Java Erweiterung auf dem CATS notebook
5.1.4 Aktivierung der Erweiterung
5.1.5 Bewertung der Mobile Engine 1.0
5.2 Potenzial für weitere Entwicklungen auf Basis der Mobile Engine
5.2.1 Mobile Engine 2.0
5.2.2 Bewertung der Mobile Engine 2.0

6. Zusammenfassung und Ausblick

7. Referenzen

8. Anhang A: Mobilfunknetze und Netztechnologien für mobile Anwendungen

9. Anhang B: Verschlüsselung

10. Abbildungsverzeichnis

11. Glossar

12. Erklärung

Es kommt nicht darauf an, die Zukunft vorauszusagen, sondern darauf auf die Zukunft vorbereitet zu sein.

Perikles (um 500 – 429 v. Chr.), athenischer Politiker und Feldherr

0. Vorwort

Die vorliegende Diplomarbeit entstand in Zusammenarbeit mit der zentralen IT für die Service GmbH des TÜV Rheinland in Köln.

Im Folgenden wird ein Konzept erstellt und implementiert, wie mobile Anwendungen von SAP die Dienstleistungsprozesse des TÜV Rheinland unterstützen und optimieren können. Dadurch wird der Nutzen sowie Potenzial für die künftige Entwicklung aufgezeigt, den diese Anwendungen in sich tragen.

Mein herzlicher Dank geht an Herrn Prof. Dr. Frank Victor, der diese Arbeit betreut hat. Vielen Dank auch an die Mitarbeiter des TÜV Rheinlands und des TÜV Nord, die sich immer die Zeit nahmen, meine Fragen zu beantworten. Mein besonderer Dank gilt hier Herrn Arno Kühn und Herrn Thilo Heup, die mir stets mit Rat und Tat zur Seite standen.

Nicht zuletzt möchte ich auch meinen Eltern danken, die mich stets unterstützt haben.

Martina Schiller,

Kürten, im Dezember 2003

1. Einleitung

1.1 Motivation

Die vorliegende Diplomarbeit beschäftigt sich mit der Konzeption und Implementierung eines mobilen Prototypen im Bereich Leistungserfassung[1] für den TÜV Rheinland. Der Focus dieser Arbeit liegt dabei auf der Umsetzung mobiler Szenarien mittels der SAP Mobile Engine (ME), einer auf offenen Industriestandards basierenden Programmierplattform.

Nach dem Platzen der dot.com-Blase, scheint sich mit Mobile Business und den dazugehörigen Endgeräten und Anwendungen ein neuer Boom abzuzeichnen. Ähnlich wie seinerzeit das Internet, ist eine neue Technologie auf ein latent vorhandenes Kundenbedürfnis gestoßen und hat durch neue Lösungen bisher existierende Kompromisse der Kunden gebrochen.

Dennoch ist der Markt kritischer geworden, was derzeit tatsächlich sinnvoll einsetzbare (mobile) Anwendungen angeht. Die neue Technologie wird sich nur dann durchsetzen können, wenn sie einen signifikanten Wettbewerbsvorteil für Kunden und Unternehmen bringt.

Obwohl die meisten mobilen Anwendungen derzeit noch im Business to Consumer Bereich anzutreffen sind, wird das Mobile Business seinen wahren Wert in einem anderen Segment entfalten: Unternehmen werden Mobile Business nutzen, um ihre Produktivität zu erhöhen und interne Prozesse effizienter ablaufen zu lassen. Allein in Deutschland sehen laut Lehner etwa 60% der Firmen den internen Einsatz im Rahmen der Mitarbeiterkommunikation als wichtig an (vgl. [Lehner02]).

Dabei sind unternehmensinterne mobile Anwendungen gar nicht so neu. Allerdings hat es sich bei ihnen bisher eher um Insellösungen gehandelt. Erst die allmählich einsetzende Standardisierung und Professionalisierung bei Anwendungen und Komponenten ermöglicht neue Perspektiven. Durch die zunehmend rasche Akzeptanz und auch Kenntnis neuer Technologien, als ein Beispiel sei hier der Short Message Service (SMS) genannt, macht es nun erstmals Sinn über Potenziale nachzudenken, die in einer umfassenden, unternehmensweiten Nutzung standardisierter mobiler Technologien liegen.

1.2 Zielsetzung

Der TÜV Rheinland setzt im Rahmen seiner IT-Strategie neben SAP R/3 auch Lotus Notes ein. Bisher wurden die besonderen Anforderungen die einige Offline-Lösungen mit sich brachten, in Lotus Notes entwickelt.

Durch die Technologieentwicklung bei SAP, auf die in späteren Kapiteln noch genauer eingegangen wird, steht nun erstmals eine Mobile Standardlösung von SAP zur Verfügung

Im Rahmen dieser Arbeit wurde ein mobiler Prototyp entwickelt. Dafür wurden Szenarien der Zeiterfassung implementiert und getestet um (zukünftige) Nutzungspotenziale aufzuzeigen.

Ziel war es, die ME zu evaluieren, aber auch die kritische Auseinandersetzung mit der ME, einem Produkt aus dem Hause SAP. Eine Erläuterung der Mobilen Lösungen anderer Anbieter würde den Rahmen sprengen und ist daher nicht im Fokus dieser Arbeit.

1.3 Überblick

Zu Beginn der Arbeit wird ein vom TÜV Rheinland losgelöster Überblick über die nötigen Technologiegrundlagen des Mobile Business gegeben. Hier werden die Technologien und Begriffe vorgestellt, die für den späteren Verlauf der Arbeit von Bedeutung sind.

Es folgt die Ist-Analyse der IT-Struktur des TÜV Rheinland. Diese Analyse umfasst die IT-Strategie sowie der bisherige Ablauf der Zeiterfassung.

Auf dieser Basis wird dann weiterhin die Implementierung eines Prototypen mit kundeneigenen Erweiterungen auf Basis der ME dargestellt.

Am Ende der Arbeit steht eine Zusammenfassung der Erfahrungen, welche bei der Implementierung gemacht wurden. Daraus lässt sich ableiten, welchen Nutzen mobile Standard Offline-Lösungen bringen können und welchen Wert die Integrierung mobiler Szenarien der ME in eine bestehende SAP Landschaft hat.

2. Allgemeine Grundlagen und Begriffsdefinitionen

2.1 Mobile Business

Dieses Kapitel beschreibt den Kontext in dem der Begriff des Mobile Business im folgenden verwendet wird. Da der Markt noch recht jung ist, gibt es viele Begriffe, die trotz häufiger Verwendung noch keine präzise Definition erfahren haben oder sich überschneiden. Im folgenden wird auf die wichtigsten Begriffe eingegangen und ggf. eine Abgrenzung vorgenommen. Desweiteren wird der Markt beziehungsweise das Umfeld vorgestellt, in dem Mobile Business zu finden ist.

Eine neue Technologie alleine liefert noch keinen ökonomischen Nutzen. Erst wenn mit der Implementierung dieser Technik ein Wettbewerbsvorteil für das Unternehmen verbunden ist, ist es betriebwirtschaftlich sinnvoll, diese Technologie auch zu nutzen.

Deshalb kann Mobile Business nicht losgelöst im leeren Raum betrachtet werden, denn es wird erst durch die Kombination mehrerer paralleler technischer Entwicklungen ermöglicht. Im folgenden sollen davon zwei Hauptentwicklungen hervorgehoben werden. Zum einen die Entwicklung von mobilen leistungsstarken Endgeräten, zum anderen die flächendeckende Einführung von standardisierten Mobilfunknetzen mit zunehmender Übertragungskapazität.

Beim TÜV Rheinland konnte aufgrund der technischen Gegebenheiten nur ein stationärer Client eingesetzt werden. Dennoch wird hier kurz auf die Funktechnologie eingegangen, die ein wichtiger Teil des Mobile Business ist.

2.1.1 Definition und Einordnung Mobile Business

Mobile Business bedeutet wörtlich übersetzt "mobiles Geschäft". Es handelt sich um eine Bezeichnung, die die Abwicklung von Geschäften über mobile elektronische Medien und drahtlose Netzwerke umfasst. Durch die Nutzung dieser Medien soll es möglich werden, Geschäftstransaktionen von überallher zu jeder Zeit anzustoßen (vgl. [Myrach02]).

Buse (vgl. [Buse01]) versteht unter Mobile Business „sämtliche Kommunikationsvorgänge sowie den Austausch von Informationen, Waren und Dienstleistungen über mobile Endgeräte. Diese können zwischen Unternehmen (Business to Business, B2B), Unternehmen und Endkunden (Business to Consumer, B2C) sowie zwischen Unternehmen und ihren Angestellten (Business to Employee, B2E) stattfinden“.

Die SAP AG (vgl. [Frick01]) definiert Mobile Business folgendermaßen:

„Erweiterungsprozess von unternehmensrelevanten Computer Anwendungssystemen für alle Anwender wie Arbeitnehmer, Partner, Lieferanten und Kunden, unabhängig von Zeit, Ort, Vorhandensein von Netzwerkverbindungen – via mobilen Geräten wie Handies, Palm - und Kleinstcomputern, sowie mobilen Industriegeräten. Mobile Business ist auch die Fähigkeit, existierende Wirtschaftsprozesse zu verbessern, neue Prozesse aufzustellen und somit letztendlich Umsatz zu generieren, durch eine weit verbreitete Nutzung von Computersystemen und -ressourcen.“

Lehner [Lehner02] unterscheidet beim Mobile Business zwei Begriffsauffassungen.

1. Mobile Business kann als die Nutzung mobiler Technologien beschrieben werden, um bestehende Geschäftsprozesse zu verbessern oder zu erweitern. Die Intensität dieser Nutzung wird weitaus höher sein als beim Electronic Business (E-Business), denn die mobilen Technologien zeichnen sich durch einige besondere Merkmale aus, auf die in Kapitel 2.2.3 noch genauer eingegangen wird, welche die Technologien des E-Business nicht oder nur in Ansätzen besitzen.
2. Zum anderen wird mit Mobile Business auch die Gesamtheit aller Aktivitäten, Anwendungen und Prozesse in Unternehmen bezeichnet, die mit der mobilen Technologie durchgeführt oder unterstützt werden.

In dieser Arbeit wird Mobile Business nach Lehner (vgl. [Lehner02]), als eine Möglichkeit eines Unternehmens definiert, existierende Geschäftsprozesse via mobilen Geräten zu verbessern und zu erweitern.

2.1.2 Abgrenzung zu Electronic-Commerce

Electronic Commerce (E-Commerce) ist der Oberbegriff für alle geschäftlichen Transaktionen in Kommunikationsnetzwerken, insbesondere im Internet.

E-Commerce ist weitgehend deckungsgleich mit dem Begriff Electronic-Business (E-Business) im engeren Sinne (vgl. [Myrach03]).

„Dieser Teilbereich des Electronic Business umfaßt den Verkauf von Gütern und Dienstleistungen über Rechnernetze. Die Aspekte erstrecken sich von der Präsentation des Angebots, über die Bestellung, den Kauf bis hin zum Leistungsaustausch, d. h. Bezahlung und Auslieferung, jedoch nicht mehr auf die automatische Auftragsverarbeitung, Fertigung und Logistik“ (vgl. [Zwißler02]).

Zusammenfassend kann E-Commerce also als geschäftliche Transaktion über das Internet betrachtet werden. Wenn man den Begriff E-Commerce als so breit aufgelegt auffasst, gibt es zwei Möglichkeiten Mobile Business davon abzugrenzen:

1. Mobile Business als eigenständige Kategorie zu begreifen, die auf einer neuen Technologie basiert und neben neuen Anwendungsbereichen große Teile der E-Commerce substituieren wird
2. Mobile Business als Teilmenge aller E-Commerce Aktivitäten zu verstehen (vgl. [ZOBEL02]).

In dieser Arbeit wird Mobile Business als eigenständige Kategorie begriffen die auf neuen Techniken basiert und bereits existierende Wirtschaftsprozesse verbessern kann.

2.1.3 Mobilität

In der Vergangenheit bezeichnete Mobilität die physische Beweglichkeit bzw. Ortsunabhängigkeit des Menschen. Im direkten Sinne ist damit eine lokale Beweglichkeit gemeint. Eine Person ist beweglich, wenn sie sich von einem Ort zu einem Ort begeben kann. Durch das Aufkommen von neuen Technologien kommt nun die Endgeräte-Mobilität hinzu. Sie ist bezogen auf das Kommunikationsgerät, welches zu jeder Zeit an jedem Ort an ein Kommunikationsnetz angeschlossen werden kann (im Sinne von ‚Portabilität’). (vgl. [Lehner02], [Gora02]).

In dieser Arbeit wird der Begriff der Mobilität im Sinne der Endgeräte-Mobilität gebraucht.

2.2 Umfeld und Eigenschaften von mobilen Anwendungen

2.2.1 Geschäftsfelder

Aus Sicht der Unternehmen sind beim Mobile Business drei Gestaltungsfelder von Interesse (vgl. [Zwießler02]) :

- Business to Business (B2B)
Hier wird eine Aktion zwischen zwei gewerblichen Geschäftspartnern durchgeführt.
- Business to Customer (B2C)
Meint eine Aktion, an der ein Gewerbetreibender und ein Endkunde beteiligt ist. Teilweise wird auch der Begriff business-to-consumer verwendet.
- Business to Employee (B2E)

Hier handelt es sich um innerbetriebliche Arbeitsabläufe, bei denen elektronische Medien für die Zusammenarbeit zwischen mehreren Angestellten eingesetzt werden (z.B . Employee Self Service (ESS)).

Die Einteilung nach Gestaltungsfeldern betont das Umfeld, in dem eine elektronische Transaktion erfolgt und damit auch die Abläufe, in die ein solches System eingebettet werden muss. Im Endkundenbereich wird auf Seiten des Kunden mit elektronischen Dienstleistungen Neuland betreten. Hierbei ist besonders wichtig, dass die Abläufe für den Benutzer möglichst unkompliziert sind, er sich dabei aber gleichzeitig auf den Schutz seiner Privatsphäre verlassen kann.

Im innerbetrieblichen Bereich und bei der Kooperation zwischen Geschäftspartnern und Behörden steht häufig zusätzlich die Optimierung traditioneller Arbeitsabläufe im Vordergrund. Entsprechend nimmt hier auch die organisatorische Integration in bestehende Strukturen und Abläufe breiteren Raum ein. Aus technischer Sicht unterscheiden sich die einzelnen Kategorien hingegen nur wenig.

Die externe Orientierung, gemeint ist damit der Blick auf den Markt und die Kunden einschließlich der Geschäftsbeziehungen der Firmen untereinander, umfasst die Bereiche B2B und B2C. Während in den vergangenen Jahren vor allem der Bereich des B2C durch schillernde Vorreiter, wie Amazon.com, im Rampenlicht der Öffentlichkeit stand, wächst nun zunehmend die Bedeutung des B2E und damit die interne Orientierung auf Mitarbeiter und Unternehmensprozesse.

2.2.2 Anwendungsfelder und Bedarf

Bereits in der Einleitung wurde auf die Potentiale des Mobile Business im Bereich des B2E hingewiesen. Diese Potentiale sollen nachfolgend noch etwas ausführlicher dargestellt werden, wobei die Verbreitung und Akzeptanz bestehender und künftiger Anwendungen im Mittelpunkt des Interesses steht. Besonders attraktive und gewinnversprechende mobile Anwendungen werden in der Literatur auch als „Killer-Applikationen“ bezeichnet (vgl. [Lehner02]).

Nach einer Befragung des eco Verbandes (vgl. [Eco02]) werden z. B. folgende erfolgsversprechende Geschäftsfelder aufgeführt:

- Außendienststeuerung (75 %),
- Mobile Office (eMail, Messenger etc.: 74 %),
- Logistik (63 %),
- Customer Relationship Management (CRM; 50 %),
- Reisedienste (28 %),
- Verteilung von Aufgaben unter mobilen Mitarbeitern (Job Dispatch: 15 %)

Nach einer Analyse der Techkonsult [Schmeiler03] sind die mit Abstand am meisten genutzen mobilen Applikationen auch die am stationären Arbeitsplatz unverzichtbaren Anwendungen. An erster Stelle stehen derzeit und in Zukunft mobile Office Funktionen wie E-Mail, Adressbuch und Kalender.

Zukünftig werden besonders Programmpakte zur Kundenbetreuung (CRM: Customer Relationship Management) und für den Zugriff auf ERP- (Enterprise Resorce-Planning) Funktionen[2] an Bedeutung gewinnen.

2.2.3 Charakteristische Eigenschaften von mobilen Anwendungen

Wie schon in Kapitel 2.1 erwähnt, zeichnen sich mobile Anwendungen durch einige besondere Merkmale aus, die weder durch Menschen erbrachte noch durch virtuell im Internet erbrachte Leistungen haben. Verschiedene Autoren gliedern diese Spezifika von mobilen Diensten unterschiedlich (vgl. [Zobel02]).

Die wichtigsten Merkmale, über die in der Fachliteratur weitgehend Einigkeit besteht, werden hier näher besprochen (vgl. [Lehner02]). Es handelt sich dabei um:

- Ortsunabhängigkeit
- Erreichbarkeit
- Lokalisierbarkeit
- Sicherheit
- Bedienbarkeit
- Sofortige Verfügbarkeit & Kostengünstigkeit
- Personalisierung und Identifizierbarkeit

- Ortsunabhängigkeit

Die Nutzung mobiler Endgeräte ermöglicht es Anwendern, unabhängig von ihrem Aufenthaltsort zu kommunizieren, Informationen abzurufen und Daten zu versenden. Hieraus entstehen zahlreiche Vorteile. Mit einem mobilen Endgerät ist der Benutzer unabhängig von seinem Aufenthaltsort jederzeit in der Lage, Echtzeit-Informationen abzurufen und Transaktionen durchzuführen.

- Erreichbarkeit

Dank der Mobilen Endgeräte ist es dem Benutzer möglich, praktisch jederzeit und überall erreichbar zu sein. Dies ermöglicht eine zeitnahe Informationsübermittlung. Zeitkritische Daten können somit deutlich schneller empfangen werden als beispielsweise mit einem stationären PC. Der Nutzer kann auch bestimmen, für welche Art von Informationen und Personen er erreichbar sein will.

- Lokalisierbarkeit

Die exakte Bestimmung des Aufenthaltsortes von Anwendern – dies kann entweder mittels Integration von GPS 3 in das mobile Endgerät oder über den Funkbereich, in dem sich der Anwender gerade aufhält, geschehen – eröffnet Anbietern neue Servicemöglichkeiten. Diese bieten sich insbesondere im Bereich des One-to-One-Marketings, wobei der Nutzer in Abhängigkeit seiner geographischen Lage eine für ihn bestimmte und konzipierte Nachricht bzw. Werbung übermittelt bekommt. Das Internet bietet solche Möglichkeiten nicht.

- Sicherheit

Heutzutage haben mobile Geräte standardmäßig die Möglichkeit mittels sogenannter SIM oder SMART-Cards, Personen zu authentifizieren. Die Sicherheit gegenüber dem herkömmlichen Internet wird somit deutlich verbessert.

- Bedienbarkeit

Mobile Geräte sind einfach zu bedienen und haben weite Verbreitung und Akzeptanz gefunden. Als Beispiel sei hier das Handy genannt. Die einfache Bedienbarkeit dieser Geräte öffnet den Weg für neue Dienste. Sie sind bequemer zu bedienen einfacher zu verstehen oder bieten dem Anwender in entscheiden Aspekten mehr Komfort.

- Personalisierung & Identifizierbarkeit

Die ins Mobiltelefon integrierte SIM[3] -Karte und die persönliche Rufnummer eines Mobilfunkteilnehmers ermöglichen dessen eindeutige Identifikation. Hierdurch ergibt sich die Möglichkeit Konsumenten Informationen zukommen zu lassen, die sich stärker an ihren persönlichen Interessen ausrichten und somit eine Chance zur Reduktion von Informationsüberlastungen bieten.

- Sofortige Verfügbarkeit & Kostengünstigkeit

Mobile Endgeräte sind so aufgebaut das sie nach dem Einschalten sofort benutzt werden können. Denn im Unterschied zu einem herkömmlichen PC werden mobile Endgeräte sehr genau für einen bestimmten Verwendungszweck entwickelt und sind daher weniger komplex. Dadurch ist eine sehr preiswerte Herstellung möglich.

2.2.4 Technologie

Die Technologie lässt sich im Zusammenhang mit Mobile Business auf zwei Kategorien aufteilen:

- Technologie der mobilen Datenübertragung

Im Mittelpunkt steht der kabellose und damit nicht ortsgebundene Zugriff auf Informationen und Anwendungen. Das größte Hemmnis für den mobilen Zugriff waren bisher die geringen Übertragungsraten, mit denen Daten ausgetauscht werden konnten. Durch die Entwicklung neuer Technologien wie GSM, GPRS und UMTS wird der Flaschenhals Bandbreite in Zukunft an Bedeutung verlieren.

Auf die Technologien GSM und GPRS soll im folgenden noch etwas näher eingegangen werden. Weitere Informationen zu den Telekommunikationsnetzen sind im Anhang A zu finden. In der Arbeit konnte aufgrund der technischen Gegebenheiten nur ein stationärer „always-on“ Client benutzt werden, dennoch ist die Funkübertragungstechnik ein wichtiger Punkt des Mobile Business.

a) Global System for Mobile Communication – GSM

GSM ist ein Mobilfunkstandard der 2. Generation, der seit mittlerweile 10 Jahren existiert. Der Standard hat die 1. Generation, die analogen Übertragungsverfahren mit einer neuen digitalen Technik abgelöst. Wird eine Verbindung zwischen Sender und Empfänger aufgebaut, einigt man sich auf einen Kanal und genau einen Timeslot. Ein Vorteil dieser Einteilung ist, dass die Information zu einer Verbindung eindeutig ist. Das bedeutet, dass die Basisstation die Zeitbereiche einer Verbindung zuordnen kann und die Informationen an den richtigen Gesprächspartner weiterleitet. Die maximale Datenübertragung ist auf eine Bandbreite von 9,6 Kbit/s beschränkt, was für den Internetzugriff nur eine geringe Qualität erlaubt.

b) General Packet Radio Service – GPRS

Mit GPRS erhöht sich die Übertragungsrate gegenüber GSM theoretisch auf bis zu 115 Kbit/sec. Der wesentliche Vorteil für den Kunden liegt jedoch im Wechsel auf eine paketorientierte Übertragung. Die höhere Durchsatzrate in diesem Netz der zweiten Generation soll dazu einen zusätzlichen Beitrag leisten. Im Unterschied zu GSM ist ein GPRS-Handy immer online. Die Technik nutzt Zeitschlitze in einer Funkzelle, die nicht von Sprachpaketen belegt werden. Die Kanal-Kapazität wird also von mehreren Benutzern geteilt und der Kanal nur dann beansprucht, wenn tatsächlich Daten zu übertragen sind. Dies entspricht auch dem Internetprinzip, wonach das Netz eine von allen geteilte Ressource ist (vgl. [Lehner02]).

Breite Verfügbarkeit durch portable Endgeräte

Eine der grundlegenden Voraussetzungen für das Mobile Business ist die Verfügbarkeit portabler Endgeräte. Als portabel soll ein Endgerät bezeichnet werden, wenn es lt. Myrach (vgl. [Myrach02]) idealtypisch folgende Eigenschaften besitzt:

- Es ist hinreichend einfach zu transportieren
- Es ist weitgehend autonom von externer Stromversorgung
- Es bietet Möglichkeiten des drahtlosen Zugangs zu Kommunikations-netzen.

Der Markt für mobile Geräte ist teilweise noch sehr jung und entwickelt sich dementsprechend schnell. Bei einem Blick auf den Markt lassen sich im wesentlichen vier Klassen trennen (siehe auch Abbildung 2.1)

1. Notebook
2. Mobiltelefon (Handy)
3. Personal Digital Assistant (PDA)
4. Smartphone

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.1: Portable Endgeräte

Durch die angestrebte Kombination von Informations- und Kommunikations-Technologien kommt es zu einem Zusammenwachsen der unterschiedlichen Geräte-Kategorien. Beim Zusammenwachsen der Geräte-Kategorien lassen sich unterschiedliche Philosophien beobachten:

a) Funktionsintegration

Integration der Funktionalität verschiedener Gerätetypen. Derzeit vor allem bei der Kombination von PDAs und Mobiltelefonen zu beobachten. Diese Geräte werden auch als Smartphones bezeichnet. Ein bekanntes Beispiel ist der Nokia Communicator. Durch diese Geräte ist es möglich, die Anbindung an Mobilfunknetze im Zusammenhang mit leistungsfähigeren Geräten zu nutzen. Dies gilt insbesondere für die Ausgabe von Daten. Durch Steckkarten können auch PCs/Notebooks einen Zugang zu einem Funknetz herstellen.

b) Gerätekombination

Statt verschiedene Funktionalitäten in einem Gerät zu vereinigen, können auch verschiedene Geräte bei Bedarf miteinander verbunden werden. Dies geschieht etwa dadurch, dass Mobiltelefonen an PDAs oder Notebooks gehängt werden. Dies kann über Kabel geschehen. Allerdings sind auch drahtlose Verbindungen[4] denkbar. Der Vorteil dieser Ad-Hoc-Verbindungen ist, dass die einzelnen Geräte auch separat voneinander benutzt werden können.

2.3 Mobile Techniken im Umfeld von SAP

2.3.1 Enterprise Ressource Planning Systeme

ERP-Systeme sind Komplettlösungen für betriebswirtschaftliche Abläufe. Diese Systeme sind meist modular aufgebaut. Ein typisches Beispiel hierfür ist SAP R/3. ERP-Systeme bieten standardisierte Geschäftsprozesse, die sich für eine Vielzahl von Anwendungsszenarien unverändert einsetzen lassen. Anwendungsspezifische Anpassungen lassen sich oft durch Konfiguration der vorgegebenen Abläufe vornehmen. Erweiterungen der Geschäftslogik, die im ursprünglichen System nicht vorgesehen sind, werden innerhalb des ERP-System ausprogrammiert oder können von anderen Anbietern erworben werden. Für die Kooperation mit anderen Systemen sind in der Regel Schnittstellen vorgesehen, über die Abläufe des ERP-Systems initiiert werden können. Die Kontrolle über das Gesamtsystem verbleibt beim ERP-System (vgl. [Zwießler02]).

2.3.2 Architektur des Internet Transaction Servers

Mit dem Internet Transaction Server (ITS) hat SAP die erste Grundlage zur Kommunikation mit dem Internet geschaffen. Der ITS ist die Schnittstelle zwischen dem R/3 System und dem Internet / Intranet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.2: ITS Systemlandschaft (Quelle: [Workshop02])

Die bestehende Drei-Schichten-Architektur des R/3 Systems wurde dabei praktisch nicht verändert. Der Grund dafür liegt darin, dass sich der ITS gegenüber dem Applikationsserver wie ein herkömmlicher SAPGUI-Client verhält und die Daten über einen Webserver an den Browser weiterreicht. Das SAP-System merkt also nicht, dass es sich nicht um einen “normalen Zugriff“ vom SAPGUI handelt.

Vom Standpunkt des Internet-Nutzers betrachtet übernimmt der ITS die Funktionen eines Common Gateway Interface (CGI). Durch diese Schnittstelle kommuniziert der ITS mit dem Webserver (vgl. Abbildung 2.2).

Der SAP ITS ist intern in ein Webgate (WGate) und ein Applicationgate (AGate) unterteilt. Das WGate kommuniziert mit dem Webserver, das AGate mit dem Applikationservern des SAP-Systems. Der Datenaustausch zwischen WGate und AGate findet auf der Basis von TCP/IP[5] statt.

Die Verbindung zu den SAP Systemen findet über

DIAG – Dynamisches Informations- und Aktionsgateway (SAP GUI Protokoll) zum Aufruf von Transaktionen oder

RFC – Remote Function Call zum Aufrufen von Funktionsbausteinen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.3: Aufbau des ITS

Das AGate übernimmt hierbei die Hauptarbeit, denn es muss eine Übersetzung von HTTP in RFC bzw. DIAG und zurück vornehmen.

Der Dispatcher baut Querys vom World Wide Web (WWW) und dem Worker Threads des WGates auf. Er führt die Aufgabe ähnlich wie die Anweisung einer normalen R/3 Anwendung, die auf dem Applikationserver läuft, aus.

Zum Starten der Anwendung wird im Dateisystem des AGates eine Servicedatei benötigt. Es handelt sich hierbei um eine Textdatei, die vom SAP ITS für folgende Aktionen verwendet wird:

- Auswahl des SAP Systems
- Anmeldung an das SAP System
- Start einer Transaktion oder der Ablauflogik

Zur Bearbeitung der Daten und zur Erzeugung von HTML Seiten benötigt der ITS sogenannte Templates. Einem Template steht immer ein Dynpro (Dynamisches Programm) aus dem SAP-System gegenüber.

Durch diese Konzeption des ITS verbleibt die gesamte Logik im R3 Applikationsserver. Das hat den Vorteil, dass sie nicht erneut extern nachgebildet werden muss. Der Nachteil ist allerdings, dass keine logischen Konstrukte abgearbeitet werden können. Deshalb wurde der ITS um die sogenannte Flow Logic erweitert.

Flow Logic

Bei diesem Programmiermodell handelt es sich um eine Entwicklung von dynpro-unabhängigen Internet-Anwendungen, die über den SAP ITS gesteuert werden, auf Daten im R/3 zugreifen und von jedem Web-Browser aus gestartet werden können. Der Dialogablauf ist also nicht im voraus festgelegt. In der Praxis hat sich das Flow-Konzept jedoch als schwierig handhabbar erwiesen und sich nicht weiter durchgesetzt.

Ein Grund dafür ist, dass für eine solche Anwendung remote-fähige Funktionsbausteine oder BAPIs (Business Application Programming Interfaces) in SAP R/3 vorhanden sein oder erstellt werden müssen (vgl. [TÜV02])..

Mime Objekte

Mime Objekte können als weitere Stilelemente in den HTML-Templates verwendet werden. Hierbei kann es sich um Grafiken, Ton- oder Video-Komponenten oder Java Applets handeln.

Die Gesamtheit der von den ITS-Anwendungen benötigten Internetdateien[6] werden von der SAP auch als Internet Application Components (IAC) bezeichnet.

2.3.3 Transaktionsaufruf mit dem Internet Transaction Server

Ein Transaktionsaufruf mittels des ITS läuft grob in folgenden Schritten ab (vgl. auch Abbildung 2.4):

[...]


[1] z.B. Zeiterfassung, Reisedaten

[2] z. B. der Abruf von Preisen und Angaben zur Produktlieferbarkeit

[3] Subscriber Identification Module

[4] z. B. Infrarot, Bluetooth oder Wireless Lan

[5] Es wird ein spezielles Protokoll für interne Zwecke verwendet. Es ist nicht möglich, den Webbrowser direkt über das Agate anzusprechen.

[6] HTMLBusiness-Templates, Mimes etc.

Details

Seiten
102
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783832478728
ISBN (Buch)
9783838678726
Dateigröße
2.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v223125
Institution / Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln – Informatik
Note
1,3
Schlagworte
mobile business cats gprs wireless-lan internet

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