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Organsationsformen der Medienforschung

Studienarbeit 1999 59 Seiten

BWL - Offline-Marketing und Online-Marketing

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS:

1. EINLEITUNG

2. MEDIEN- UND PUBLIKUMSFORSCHUNG BEGRIFFE - INHALTE - ZIELE

3. FORSCHUNGSTRÄGER
3.1 Die Organisationsformen der Trägerschaft
3.1.1 Der „Media Owner Contract“
3.1.2 „Own Service“
3.1.3 Das „Joint Industry Committee“
3.2 Prinzipien für die Organisation der Medienforschung

4. DIE METHODEN DER DATENERHEBUNG
4.1 Befragungen
4.1.1 Koinzidenzbefragungen
4.1.2 Day-After-Recall
4.1.3 Tagesablauferhebungen
4.2 Die Tagebuchmethode
4.3 Elektronische Erhebungsmethoden
4.4 Partnerschaftsmodell der Medienanalyse

5. PROBLEME BEI DER DATENERHEBUNG
5.1 Probleme bei der Datenerhebung und Auswertung
5.1.1 Lücken in der Datenerhebung
5.1.2 Probleme bei der elektronischen Datenerhebung
5.1.3 Problem der Auswertung der erhobenen Daten
5.2 Eine Herausforderung für die Datenerhebung der Medien-Overspill

6. DIE ZUKÜNFTIGE ENTWICKLUNG DER MEDIENFORSCHUNG
6.1 Neue Erhebungsmethoden
6.2 Die europäische Harmonisierung
6.2.1 Erste Alternative: Harmonisierung der nationalen Erhebungskonventionen
6.2.2 Zweite Alternative: Harmonisierung der europäischen Medienforschung durch eine außereuropäische Alternative

7. SCHLUSSWORT.

1. EINLEITUNG

Programmplaner, Werbe- und Medienagenturen und werbetreibende Unternehmen, alle haben einen Bedarf an Informationen aus der Medien- und Publikumsforschung:

- Wie setzen sich die Audienzen der einzelnen Werbeträger zusammen?
- Welches sind die Reichweiten der einzelnen Medien?
- Wie sieht es mit den Kontaktqualitäten und Nutzungsintensitäten aus?

All dies sind Fragen, die im Zentrum einer jeden Medienplanung stehen. Einerseits stellen diese Maße die Grundlage dar für die Bwertung der Medienoutputs; andererseits schaffen sie eine Währung für den Handel mit Werbezeit und Werbeplatz.

Gegenwärtig gibt es viel Bewegung auf dem Gebiet der Medienforschung. Grund dafür sind die Ausweitung des Programmangebots durch neue Technologien, die zunehmende Internationalisierung von Unternehmungen und Agenturen, die markant gestiegene Bedeutung des Medien-Overspills (d.h. des grenzüberschreitenden Medienangebots und -konsums) in Europa, nicht zuletzt aber auch das Fortschreiten der europäischen Integration. In diesem Zusammenhang kommt immer häufiger die Frage auf nach einer Harmonisierung der europäischen Medienforschung. Diese ist aber, wie die Erfahrung gezeigt hat, kein leichtes Unterfangen.

Ziel unserer Arbeit ist es, einen Überblick über die Organisation der Medienforschung zu geben, über die gängigen Erhebungsverfahren und über die alternativen Möglichkeiten der Trägerschaft. Dabei wollen wir die aktuellen Entwicklungen aufzeigen, vor allem auch vor dem Hintergrund der europäischen Harmonisierung.

Die Arbeit gliedert sich in 7 Kapitel.

Nach der Einleitung werden wir im zweiten Kapitel auf Begriffe, Inhalte und Ziele der Medienforschung eingehen.

In Kapitel 3 werden die alternativen Formen der Trägerschaft von Medienanalysen dargestellt, und es wird auf Faktoren eingegangen, die bei der Organisation der Medienforschung zu berücksichtigen sind.

Kapitel 4 gibt einen Überblick über die verschiedenen möglichen Methoden der Datenerhebung und schließt mit einer Darstellung des deutschen Partnerschaftsmodells der Medienanalyse ab.

Kapitel 5 und 6 befassen sich schließlich mit den verschiedenen Problemen, die sich bei der Datenerhebung ergeben sowie mit den Entwicklungstendenzen der Medienforschung, vor allem auch in Bezug auf das Ziel der europäischen Harmonisierung.

2. MEDIEN- UND PUBLIKUMSFORSCHUNG BEGRIFFE - INHALTE - ZIELE

In der Literatur findet man zahlreiche Ansätze zur Definition des Begriffs der Medien- und Publikumsforschung; man findet aber auch eine ganze Reihe von anderen Begriffen, die zum Teil Gleiches bezeichnen und zum Teil jedoch auch verschiedenartige Bedeutungen haben.

Wir können das Problem der Begriffsdefinition hier nicht ausschöpfend behandeln, wollen jedoch auf einige wichtige Differenzierungsansätze eingehen.

Ausgangspunkt soll hier für uns der Begriff der Massenkommunikationsforschung bzw. Massenmedienforschung sein.

Die bekannte Laswell-Formel faßt das Untersuchungsinteresse solcher Studien folgendermaßen zusammen:[1]

„Who says what in which channel to whom with what effect?“;

oder in übersichtlicherer Form:

Wer

sagt was

in welchem Kanal

zu wem

mit welcher Wirkung?

Die Formel unterteilt den Inhalt der Studien in Kommunikatorforschung (control analysis), Inhaltsforschung (content analysis), Medienforschung (media analysis), Publikumsforschung (audience research) und Wirkungsforschung (communications effects research).

Darauf aufbauend unterteilt man die Forschung weiterhin nach Medien in Zuschauer-, Hörer- und Leser(-schafts)forschung.

Zuschauerforschung befaßt sich mit der Größe und Zusammensetzung des Fernsehpublikums, mit seinen Gewohnheiten, Einstellungen, Bedürfnissen, der Wirkung einzelner Sender und deren Nutzung.

Analog dazu beschäftigt sich die Hörerforschung mit dem Hörfunkpublikum und analysiert dessen Zusammensetzung, Gewohnheiten, Interessen, etc.

Die Leserforschung schließlich läßt sich in zwei Kategorien einteilen: eine, die sich mit der Struktur von Leserschaften, insbesondere von Zeitschriften und Zeitungen befaßt, und einer anderen, die sich allgemein mit „dem Lesen“ und seinen Auswirkungen beschäftigt.[2]

Ein letzter Differenzierungsansatz, auf den wir hier eingehen wollen, betrifft die verschiedenen Entdeckungs- und Verwendungszusammenhänge, d.h. die Interessen.

Es wird dabei unterschieden in „redaktionelle Forschung“ oder Programmforschung und in Werbeträgerforschung.

Werbeträgerforschung wird von Koschnick definiert als „die systematische, wissenschaftliche Erforschung des Einflusses von Kommunikationskanälen auf den Werbeerfolg mit Hilfe von Mediaanalysen und sekundärstatistischen Verfahren, deren Ziel die Bereitstellung von Unterlagen für die Mediaplanung ist.“ [3]

Die Werbeträgerforschung versucht in diesem Zusammenhang zu ermitteln, „wie viele Personen von einem Werbeträger erreicht werden; wie sich dieser Personenkreis strukturell zusammensetzt; inwieweit es sich hierbei um Personen handelt, die als potentielle Käufer eines bestimmten Produkts in Betracht kommen; welches Vertrauen diese Personen dem Werbeträger entgegenbringen und inwieweit sie die Werbebotschaft aufnehmen und eventuell noch an andere Personen weitergeben“. [4]

Im Zentrum der Untersuchungen stehen dabei Kennziffern und strukturelle Merkmale wie die demographische und psychodemographische Zusammensetzung der Audienzen einzelner Werbeträger, die Reichweiten der einzelnen Medien, externe und interne Überschneidungen sowie vor allem Intermediavergleiche und Zusammenhänge zwischen Konsumentenverhalten und Medienverhalten, Kontaktqualitäten und Nutzungs-intensitäten.[5]

Bei der Programm- oder redaktionellen Forschung steht dagegen nicht die Funktion der Medien als Werbeträger im Vordergrund, sondern es geht hier primär um die Ermittlung von Grundlageninformationen für das redaktionelle Konzept. „Neben der Erfassung von konkretem Verhalten, von Wünschen und Bedürfnissen sowie von Kommunikationsabläufen soll die Analyse der bestehenden Medien, die diese Bedürfnisse bereits erfüllen, eine optimale Grundlage für zukünftige Planungen liefern.“[6]

Während die Programm- und redaktionelle Forschung in erster Linie den Informations-bedarf von Fernsehsendern und Programmanbietern deckt, hat die Werbeträgerforschung ein breiteres Spektrum an Informationsinteressenten, nämlich sowohl Fernsehsender und Vermarktungsgesellschaften als auch werbetreibende Unternehmungen und Werbe- und Medienagenturen.

Es ist jedoch schwer, beide Bereiche bei konkreten Forschungsarbeiten voneinander zu trennen, da sich die Untersuchungsobjekte ähnlich sind bzw. gleichen. Es ist deshalb adäquater, von verschiedenen Funktionen der Forschung zu sprechen, denn zum einen liefern selbst Studien, die speziell für die Programmforschung durchgeführt werden, immer auch Ergebnisse für die Qualitätsbeurteilung eines Mediums als Werbeträger, und zum anderen erlaubt die enge Verbindung zwischen redaktionellem und werblichem Inhalt eines Programms keine absolute Trennung.[7]

3. FORSCHUNGSTRÄGER

3.1 Die Organisationsformen der Trägerschaft

Weltweit trifft man im wesentlichen drei Grundtypen der Finanzierung von Medienanalysen an:

- der „Media Owner Contract“ (MOC)
- „Own Service“ (OS)
- „Joint Industry Committees“ (JIC)

3.1.1 Der „Media Owner Contract“ (MOC), definiert als

„Method of organizing audience measurement, whereby one or a group of media owners holds the main contract with the data supplier(s) , which guarantees the basic funding of the audience measurement service. Advertisers and advertising agencies / media independents are not usually involved in specifying the terms of the MOC licence or in supervising the contract.“ [8]

Beim „Media Owner Contract“ trägt entweder ein einzelner Werbeträger, ein Medien-unternehmen oder eine Gruppe von Medienunternehmen die Kosten einer von ihm bzw. ihr selbst in Auftrag gegebenen Untersuchung. Werbetreibende Firmen und Werbeagenturen werden dabei normalerweise nicht in die Organisation oder Kontrolle der miteinbezogen, sondern sind eher in beratenden Nutzergremien mit vertreten. Bei „Media Owner Contracts“ kann man eine Unterscheidung treffen zwischen Systemen, bei denen die Medienunternehmen das Verkaufsrecht an den Untersuchungsergebnissen ausschließlich für sich behalten, und Systemen, bei denen die Medienunternehmen auch dem entsprechenden Marktforschungsinstitut eine Lizenz für den Verkauf der Ergebnisse geben.[9]

Ein entscheidender Nachteil der „Media Owner Contracts“ ist, daß sie den Vorwurf der Einseitigkeit nicht von sich weisen können bzw. daß die eigenen Objekte des Medienunternehmens besonders günstig abschneiden; schließlich wurden die Untersuchungen ja vom Medienunternehmen selbst in Auftrag gegeben.

Demhingegen sorgt gerade diese Tatsache für Transparenz (Vorteil), denn wenn man weiß, wer genau hinter der Untersuchung steht, dann kann man die Daten auch dahingehend interpretieren.[10]

Als Beispiel für den „Media Owner Contract“ kann man die vom Axel Springer Verlag, der Verlagsgruppe Bauer und weiteren 25 Verlagen getragene Verbraucheranalyse (VA ) nennen.

3.1.2 „Own Service“ (OS), definiert als

„Method of organizing audience measurement, whereby research companies collect and supply audience data as a private commercial venture, and sign multiple individual contracts with the purchasers of the data.“ [11]

Beim „Own Service“ wird die Trägerschaft der Medienforschung vom datenerhebenden und analysierenden Marktforschungsinstitut selbst übernommen. Dieses Marktforschungsinstitut führt die Studie auf eigene Rechnung und auf eigenes Risiko durch und schließt zum Verkauf der Untersuchungsergebnisse eine Vielzahl von Einzelverträgen ab, entweder mit Abonnenten oder aber mit Einzelbeziehern. Was die Methoden und die Durchführung der Untersuchung betrifft, so liegen diese in der alleinigen Verantwortung der federführenden Institute. Diese gehen allerdings recht häufig auf die Wünsche ihrer Kunden ein, mit denen sie oft sogar eine institutionalisierte Beziehung haben. In den meisten Fällen werden dabei regelmäßige Konferenzen über Inhalte und Umfang der Erhebungen durchgeführt. Obwohl ungeklärt bleibt, in welchem Ausmaß die betroffenen Medien einen Einfluß auf die Erhebungsverfahren und die Auswertung der Studien haben, ist die Tatsache doch offensichtlich, daß die Kundentreue erheblich von der Zufriedenheit mit den Ergebnissen oder Methoden der Studie abhängen.

Dies ist ein Vorteil des Systems, da sich die Korrelation Kundenzufriedenheit-Kundentreue positiv auswirkt im Sinne einer hohen Flexibilität und kurzer Entscheidungswege.[12]

Beispiele für „Own Service“-Studien sind in Deutschland die Allensbacher Werbeträger-Analyse (AWA), in Großbritannien der TGI (Target Group Index) oder in den USA die beiden Markt-Media-Studien SMRS (Study of Media and Markets) und Mediamark Research Inc. (MRI). Besonders verbreitet sind „Own Service“-Studien auch in den südeuropäischen Staaten.[13] [14]

3.1.3 Drei-Säulen- oder JIC-Modell (Joint Industry Committee), definiert als

„Method for organizing and supervising audience measurement, whereby the research companies conducting the fieldwork and processing the data hold a contract with a formal joint industry committee of representatives of the television stations, the advertisers and the advertsising agencies / media independents. Where national anti-trust laws prohibit joint industry contracts, informal joint industry committees (IJICs) may still be possible, having all the functions of JICs, but with multiple and separate contracts between the IJIC members and the data supplier(s).“ [15]

Beim „Joint Industry Committe“ handelt es sich um ein von den (größeren) Medienunternehmen, den Werbetreibenden und den Werbeagenturen gebildeten Komitee, welches bei einem Marktforschungsinstitut Studien der Medienforschung in Auftrag gibt. Typischerweise legt das „Joint Industry Committee“ dabei die Vertragsbedingungen fest, vergibt den Auftrag, überwacht die Durchführung der Studie und entscheidet als Inhaber der Verkaufsrechte über die Art der Lizenzvergabe für den Vertrieb der Ergebnisse sowie über den Zugang zu den Untersuchungsergebnissen. Das Tagesmanagement und technische Funktionen werden oft an Management- und technische Beratungsgremien weiterdelegiert.[16]

Aufgrund nationaler Kartellgesetzgebungen ist die Gründung von „Joint Industry Committees“ in einer Reihe von Länder, z.B. den USA, verboten. Dies schließt jedoch die Gründung von informellen „Joint Industry“-Strukturen nicht aus. Hierbei handelt es sich um Strukturen, bei denen Vertreter der beteiligten Branchen die Grundvoraussetzungen für die Medienanalyse diskutieren, Vorschläge beurteilen und Entscheidungen über die Funktionsregeln des gewählten Systems treffen. Der Unterschied hierbei ist nur, daß das ausgewählte Marktforschungsinstitut dann in einer vorher festgelegten, standardisierten Form separate vertragliche und finanzielle Vereinbarungen mit jedem einzelnen Kunden treffen muß.[17]

Das „Joint Industry Committee“ ist die höchstentwickelte und damit auch die fragilste Organisationsform der Mediaforschung. Kennzeichnend dafür ist, daß die Beziehungen zwischen Nutzern und Anbietern genauestens vertraglich geregelt sind. Dabei gilt der Grundsatz, daß in Methoden, Erhebungs-, Analyse- und sonstigen Forschungsfragen -so zumindest die Theorie- Parität gewährleistet sein muß und daß alle Trägergruppen gleich viel Gewicht in den Entscheidungsprozeß bringen, unabhängig davon wieviel Geld sie in die gemeinsame Kasse einbringen.[18]

Durch die genauen vertraglichen Regelungen hat das „Joint Industry Committee“ den Vorteil, daß Entscheidungsprozesse vollkommen transparent sind (so zumindest der Anspruch). Da Entscheidungen nur im Rampenlicht der Öffentlichkeit beeinflußt werden können, wissen die Nutzer genau, woran sie sind.

Andere Vorteile des „Joint Industry Committee“ sind Kostenvorteile, da die Investitionen auf mehrere Schultern verteilt werden - ein Argument, das umso mehr an Gewicht gewinnt, als eine kontinuierlich durchgeführte Medienforschung sehr kostenintensiv ist- und nicht zuletzt schaffen die Untersuchungsergebnisse des „Joint Industry Committee“ eine allgemein akzeptierte Währung für den Kauf und Verkauf von Werbeplatz und Werbezeit.

Gleichzeitig ergeben sich aus dem paritätischen Entscheidungsmodell des „Joint Industry Committee“ aber auch einige Nachteile: So ist der Vorgang der Entscheidungsfindung kompliziert und das System damit relativ inflexibel. In vielen Medienanalysen macht sich inzwischen ein Verdruß über die Paralyse breit, welcher sich nicht selten in faulen Kompromissen niederschlägt. Andererseits wurde bei dem Modell kritisiert, daß die Teilzeitmitglieder selbst häufig keine Forschungsspezialisten sind und damit den Medienforschungsinstituten zu viel Verantwortung in die Hände geben würden.[19]

In der Praxis gibt es recht viele Beispiele für „Joint Industry Comittees“; schließlich sind die großen Medienanalysen der meisten europäischen Länder nach diesem Modell organisiert. Wir wollen hier nur exemplarisch einige der wichtigsten nennen:[20]

- das britische Joint Industry Committee for National Readership Surveys (JICNARS);
- das spanische Estudio General de Medios (EGM);
- die deutsche Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (AG.MA);
- der niederländische SUM-MOScanner;
- das belgische Centre d’Information sur les Médias (CIM);
- das Dansk Media Komite;
- der Norsk Medieindeks;
- die österreichische Media-Analyse.

Bei der Aushandlung der Vertrags für „Joint Industry Committees“ und für „Media Owner Contracts“ müssen die finanziellen Sätze und die Zugangsberechtigungen zu den Daten genau ausgehandelt werden. Dabei ist es wichtig, daß trotz der genauen vertraglichen Regelungen noch genügend Handelsspielraum bleibt und daß das beauftragte Medienforschungsinstitut noch ausreichend Freiraum für Innovation hat.

In Bezug auf die finanziellen Regelungen muß man sagen, daß es hier große länderspezifische Unterschiede gibt. In einigen Ländern tragen die Medien die kompletten Forschungskosten, und häufig werden diese dann über Grundgebühren weiter auf den Verbraucher abgewälzt. In den meisten Ländern jedoch kommen die Medien für einen Großteil der Kosten auf, und die Werbegemeinschaft- in erster Linie die Werbeagenturen und die werbetreibenden Unternehmen- übernehmen die restlichen Kosten.[21]

3.2 Prinzipien für die Organisation der Medienforschung

Die Entscheidung für eine der drei Organisationsformen wird schließlich im Einzelfall getroffen, unter Abwägung der jeweiligen formenspezifischen Vor- und Nachteile und unter Berücksichtigung der betreffenden Markt- und Kostenverhältnisse.

Gleichwohl welche Form der Organisation gewählt wird, einige Prinzipien sollten dabei immer berücksichtigt werden:[22]

- Es sollten bei der Organisation der Medienforschung Vorkehrungen getroffen werden, die sicherstellen, daß die Versorgung mit Mediendaten auch den Bedürfnissen der Nutzer entspricht. Dies bedeutet, daß alle Nutzer ein Mitspracherecht in Bezug auf die zu liefernden Daten haben müssen.
- Alle Aspekte der Medienforschungsmethodologie müssen für eine Inspektion zugänglich sein. Die erforderliche Transparenz kann teilweise durch eine Spezifizierung von Qualitätskontrollen und Validierungsprozeduren geschaffen werden; vor allem ist es aber wichtig, daß die Nutzer einen Zugang zu den individuellen Erhebungsdaten haben und so auch die Verläßlichkeit der einzelnen Panelmitglieder bewerten können. Ein solcher Zugang sollte qualifizierten Experten gewährleistet werden, die die Hauptnutzergruppen repräsentieren (z.B. Fernsehstationen, Werbetreibende, Werbeagenturen). Derartige Kontrollsysteme, die sich in der Praxis als förderlich für die Qualität der erhobenen Daten herausgestellt haben, sind nicht zuletzt auch extrem wichtig für das Vertrauen der Nutzer.
- Der Gleichberechtigung willen sollten alle unterschiedlichen Nutzergruppen dieselben Zugangsbedingungen zu den Erhebungsergebnissen haben, die ja schließlich die Grundlage für den Handel mit Werbezeit sind. Obwohl in Ausnahmefällen manche Daten nur bestimmten Nutzern zugänglich gemacht werden, z.B. Daten die von bestimmten Fernsehsendern für interne Zwecke gebraucht werden, ist für den Allgemeinfall eine Gleichbehandlung der Nutzer stark zu empfehlen. Ein solches Gleichberechtigungssystem bringt mehrere Vorteile:
- Es trägt zur Transparenz der Erhebungs- und Auswertungsverfahren bei.
- Es garantiert gleiche Handelsbedingungen zwischen Käufern und Verkäufern von Werbezeit.
- Es ermöglicht eine optimale Nutzung der Daten.

Wie wir bereits anhand der Beispiele gezeigt haben, sind alle drei Formen der Trägerschaft in Europa anzutreffen, wobei ihre Auftretenshäufigkeit stark von den länderspezifischen Regelungen und Strukturen abhängt; am häufigsten verbreitet sind jedoch Trägerschaften in Form von „Joint Industry Committees“ und „Media Owner Contracts“.

Im Rahmen der europäischen Integration sollte das Kriterium der Harmonisierung der „Medien-Währungsstandards“ allerdings auch eine zunehmende Rolle bei der Organisation der Medienforschung spielen. Die Struktur des „Joint Industry Committees“ scheint dieser Anforderung am besten gerecht zu werden. Aber gleichwohl wie die Medienforschung organisiert ist, es sollten stets die Möglichkeiten zur Harmonisierung auch bereits bei der Vertragsgestaltung mit einbezogen werden.

Wir werden auf das Thema der europäischen Harmonisierung in Kapitel 6 noch weiter eingehen. Im folgenden Kapitel wollen wir uns zunächst einmal mit den verschiedenen Erhebungsmethoden befassen, um das Thema der Medienforschung besser verständlich zu machen.

[...]


[1] Dichanz H., Einführung in die Medienpädagogik, Kurseinhait 3: Medienforschung: Bedarf-Theorien-Interpretationen, Fernuniversität Hagen, 1995

[2] vgl. Siegert G., Marktmacht Medienforschung: Die Bedeutung der empirischen Medien- und Publikumsforschung im Medienwettbewerbssystem, Fischer Verlag, München 1993, S.19

[3] Koschnick W. J., Standardlexikon für Mediaplanung und Mediaforschung in Deutschland, K.G. Saur, München, New Providence, London, Paris 1995, S. 1210

[4] Siegert G, a.a.O, S. 19/20

[5] vgl. Koschnick W. J., Standardlexikon für Mediaplanung und Mediaforschung in Deutschland, K.G. Saur, München, New Providence, London, Paris 1995, S. 1210

[6] G&J Verlag, Mediaplanung-Grundlagen, Prinzipien, Probleme, Techniken, -ein Lehrprogramm, Band 5: Media-Forschung, Hamburg 1981, S. 7

[7] vgl. Siegert G., Marktmacht Medienforschung: Die Bedeutung der empirischen Medien- und Publikumsforschung im Medienwettbewerbssystem, Fischer Verlag, München 1993, S.20

[8] Towards harmonization of television audience measurement systems, 2. Ausgabe, hrsg. von: European Broadcasting Union (EBU), Genf 1993, S. xii

[9] vgl. a.a.O., S.10

[10] vgl. Koschnick W. J., Standardlexikon für Mediaplanung und Mediaforschung in Deutschland, K.G. Saur, München, New Providence, London, Paris 1995, S. 1196

[11] Towards harmonization of television audience measurement systems, 2. Ausgabe, hrsg. von: European Broadcasting Union (EBU), Genf 1993, S. xiii

[12] vgl. Koschnick W. J., Standardlexikon für Mediaplanung und Mediaforschung in Deutschland, K.G. Saur, München, New Providence, London, Paris 1995, S. 1196 / 1197

[13] vgl. a.a.O., S.1197

[14] vgl. Syfret T., TV audience mesurement in Europe, in:ESOMAR 1995 Report on radio and television mesurement in Europe, S.15

[15] Towards harmonization of television audience measurement systems, 2. Ausgabe, hrsg. von: European Broadcasting Union (EBU), Genf 1993, S. xii

[16] vgl. Towards harmonization of television audience measurement systems, 2. Ausgabe, hrsg. von: European Broadcasting Union (EBU), Genf 1993, S. 9

[17] vgl. a.a.O, S. 10

[18] vgl. Koschnick W. J., Standardlexikon für Mediaplanung und Mediaforschung in Deutschland, K.G. Saur, München, New Providence, London, Paris 1995, S. 1197

[19] vgl. Kent R., Measuring Media Audiences - an overview; in: Measuring Media Audiences; hrsg. von: Kent R., S.16/17

[20] vgl. Koschnick W. J., Standardlexikon für Mediaplanung und Mediaforschung in Deutschland, K.G. Saur, München, New Providence, London, Paris 1995, S. 1197 /1198

[21] vgl. Towards harmonization of television audience measurement systems, 2. Ausgabe, hrsg. von: European Broadcasting Union (EBU), Genf 1993, S. 10

[22] vgl. a.a.O., S.10 / 11

Details

Seiten
59
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783832464608
ISBN (Buch)
9783838664606
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v221881
Institution / Hochschule
Universität Bremen – Wirtschaftswissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
marktforschung datenerhebung medien medienplanung

Autor

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Titel: Organsationsformen der Medienforschung