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Zufriedenheit und Erfolgskontrolle des Projektes "Kulturland Baden-Würtemberg"

Diplomarbeit 2002 65 Seiten

Tourismus - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Allgemeiner Teil – Kulturtourismus
2.1 Definitorische Grundlagen
2.1.1 Kultur
2.1.2 Tourismus
2.1.3 Kulturtourismus
2.2 Erscheinungsformen des Kulturtourismus
2.2.1 Städtereisen
2.2.2 Event-Tourismus
2.2.3 Bildungsreisen
2.2.3.1 Studienreisen
2.2.3.2 Sprachreisen
2.2.4 Thementourismus
2.2.5 Sonstige Erscheinungsformen
2.3 Wirtschaftliche Bedeutung des Kulturtourismus
2.3.1 Aus der Perspektive der Nachfrager
2.3.1.1 Nachfrager = Kulturtouristen + Kulturinteressierte
2.3.1.2 Nachfrageentwicklung und Marktpotentiale
2.3.2 Aus der Perspektive der Anbieter
2.3.2.1 Anbieter = touristische Destinationen
2.3.2.2 Betriebswirtschaftlicher Nutzen
2.4 Trends und aktuelle Entwicklungen im Tourismus

3 Spez. Teil – Das Projekt „Kulturland Baden-Württemberg“
3.1 Daten und Fakten
3.1.1 Voraussetzungen für die Entstehung
3.1.2 Ziele des Gesamtkonzeptes
3.1.3 Tourismus-Marketing GmbH Baden-Württemberg
3.1.4 Kulturpartner
3.1.4.1 Kriterienbewertung
3.1.4.2 Aufgaben der Kulturpartner
3.1.5 Betriebswirtschaftliche Rahmendaten
3.1.5.1 Marketingmaßnahmen und Broschürenvertrieb
3.1.5.2 Finanzierung des Projektes
3.1.5.3 Ticketverkauf und -buchungen
3.2 Befragung der Projektpartner
3.2.1 Konzeption des Fragebogens
3.2.1.1 Vorbereitung
3.2.1.2 Ausgangsbasis
3.2.1.3 Gestaltungsmerkmale
3.2.2 Praktische Durchführung
3.2.3 Auswertung
3.2.3.1 Strukturelle Merkmale
3.2.3.2 Zufriedenheit der Kulturpartner
3.2.3.3 Erfolgskontrolle am Beispiel der Marketingarbeit
3.2.3.4 Kritik der Kulturpartner
3.2.3.5 Empfehlungen der Kulturpartner für die Zukunft

4 Schlussteil
4.1 Maßnahmenempfehlungen
4.2 Persönliches Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Versicherung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

In der vorliegenden Diplomarbeit „Zufriedenheit und Erfolgskontrolle des Projektes „Kulturland Baden-Württemberg““ soll bei den aktuellen Projektpartnern im Rahmen einer Befragung die Akzeptanz über dieses, bis dato bundesweit einmalige Pilotprojekt überprüft und einer kritischen Zwischenbilanz unterzogen werden. Hintergrund dieser Untersuchung ist, dass sich ab dem Jahr 2002 das Projekt ohne staatliche Zuschüsse selbst finanzieren muss und es damit in verstärktem Maß auf die finanziellen Beiträge der Projektpartner sowie der Marketingpartner (Sponsoren) angewiesen ist. Die Arbeit wurde von der Tourismus-Marketing GmbH Baden-Württemberg mit Firmensitz in Stuttgart in Auftrag gegeben.

Beginnend mit einem allgemeinen Teil wird durch die definitorischen Grundlagen in die Thematik Kulturtourismus eingeführt. Der Leser erhält hier einen Einblick in die wichtigsten Erscheinungsformen des Kulturtourismus, wie z.B. den Städtetourismus oder den Event-Tourismus. Es wird aber auch auf die kulturtouristischen Sparten Sprach- und Studienreisen näher eingegangen.

Daran anschließend soll die wirtschaftliche Bedeutung des Kulturtourismus herausgearbeitet werden. Die Sparte Tourismus gehört heute zu den wichtigsten Weltwirtschaftszweigen, dem national und international auch in Zukunft noch große Wachstumschancen zugetraut werden. Die Erscheinungsform Kulturtourismus stellt dabei insbesondere für den deutschen Reisemarkt ein Segment dar, dass sich bei Gästen aus dem In- und Ausland einer stetig steigenden Beliebtheit erfreut. Dieser Markt wird zunächst aus Sicht der Nachfrager, also den Kulturtouristen und Kulturinteressierten sowie daran anschließend aus Sicht der Anbieter, den kulturtouristischen Destinationen, für die er heute einen wichtigen, weichen Standortfaktor darstellt, näher betrachtet.

Im Rahmen des Kapitels „Trends und aktuelle Entwicklungen im Tourismus“ erfolgt die Darstellung der wichtigsten Megatrends der Gegenwart und Zukunft sowie möglicher Gesamt-Szenarien. Aus aktuellem Anlass wird in diesem Zusammenhang auch kurz auf die Terroranschläge vom 11.09.2001 in New York und die Folgen für den Deutschland-Tourismus eingegangen.

Der spezielle Teil der Arbeit beginnt zunächst mit einer umfassenden Vorstellung des Projektes „Kulturland Baden-Württemberg“ anhand der wesentlichsten Daten und Fakten. Der Leser erhält in diesem Kapital detaillierte Informationen über die Voraussetzungen, die für die Entstehung des Projektes erforderlich waren, aber auch zu den wichtigsten Zielsetzungen des Gesamtkonzeptes. Es werden zudem nähere Angaben zur Öffentlichkeitsarbeit und zur Projektfinanzierung gemacht.

Daran anschließend folgt eine Beschreibung der Konzeptionierung des Fragebogens inklusive der charakteristischen Gestaltungsmerkmale. Zu den wesentlichen Aspekten der Befragung zählen die Überprüfung der Marketingarbeit der Tourismus-Marketing GmbH Baden-Württemberg, die Zufriedenheit der Projektpartner hinsichtlich der Gästezahlen, sowie mögliche Synergieeffekte, die aus dem Projekt entstanden sind.

In der Auswertung werden die Untersuchungsergebnisse dann im Einzelnen unter Zuhilfenahme von Grafiken und Schaubildern transparent aufgezeigt und die Ergebnisse detailliert analysiert und vorgestellt. Neben der Zufriedenheit und Erfolgskontrolle des Projektes wird auch auf Kritikpunkte der Kulturpartner näher eingegangen. Ein Ausblick in die Zukunft mit deren Wünschen und Anregungen für die weitere Projektzusammenarbeit leitet zum Schlussteil über.

Im Fazit beurteilt der Autor kritisch die vorgestellten Evaluationsergebnisse. Er zeigt zudem mögliche Maßnahmen auf, wie die Projektarbeit für das „Kulturland Baden-Württemberg“ in den nächsten Jahren fortgesetzt bzw. weiterentwickelt werden könnte.

2 Allgemeiner Teil - Kulturtourismus

2.1 Definitorische Grundlagen

2.1.1 Kultur

Allgemein ist unter Kultur zu verstehen, „was aus der Entwicklung, Pflege und Veredlung menschlicher Fähigkeiten entstanden ist und was für eine menschliche Gemeinschaft in einer bestimmten Region typisch ist“.[1]

Betrachtet man nun die Kultur einer Region oder die eines Landes näher, so lassen sich folgende Merkmale herausfinden, die diese näher charakterisieren können:

- Sprache (z.B. Dialekte)
- Symbolik und Rituale (z.B. Feste und Bräuche, Traditionen)
- Kleidung (z.B. Trachten etc.)
- regionaltypisches Essen (z.B. spezielle Mahlzeiten)
- Architektur (z.B. Baudenkmäler aus verschiedenen Stilepochen)
- humanistisches und wissenschaftliches Gedankengut
- technische Erfindungen
- historische und zeitgenössische Persönlichkeiten
- Geschichte
- Rechtsgefüge und soziale Institutionen

Im Rahmen dieser Ausführungen soll abschließend noch in die Begriffe Hochkultur und Breitenkultur unterschieden werden, da sie insbesondere in der weiteren Betrachtung zum Projekt „Kulturland Baden-Württemberg“ von Bedeutung sind.

Horst W. Opaschowski definiert sie in seiner Prognose Deutschland 2010 wie folgt:

„Die Hochkultur umfasst Angebote wie Oper, Konzert, Ballett, Theater, Kunstausstellungen, Museen und Literaturvorlesungen. Breitenkultur umfasst dagegen die Bereiche Kino, Musicals, Revue, Varieté, Kabarett, Pop- und Open-Air-Konzerte, Straßentheater und Volksfeste.“[2]

2.1.2 Tourismus

Allgemein versteht man darunter „das Reisen, den Reiseverkehr (in organisierter Form) zum kennen lernen fremder Orte und Länder und zur Erholung.“[3]

Darüber hinaus gibt es in der Fachliteratur viele weitere Definitionen zu diesem Terminus, die hier aus Platzgründen nicht alle dargestellt werden können. Stellvertretend sei an dieser Stelle aber die, von der Welttourismusorganisation (= WTO) im Jahr 1991 verfasste, weitergehende Begriffserklärung erwähnt:

„Tourismus umfasst die Aktivitäten von Personen, die sich an Orte außerhalb ihrer gewohnten Umgebung begeben und dort zu Freizeit-, Geschäfts- oder zu bestimmten anderen Zwecken nicht länger als ein Jahr ohne Unterbrechung aufhalten“.[4]

2.1.3 Kulturtourismus

„Der Kulturtourismus nutzt Bauten, Relikte und Bräuche in der Landschaft, in Orten und in Gebäuden, um dem Besucher die Kultur-, Sozial- und Wirtschaftsentwicklung des jeweiligen Gebietes durch Pauschalangebote, Führungen, Besichtigungsmöglichkeiten und spezifisches Informationsmaterial nahe zubringen. Auch kulturelle Veranstaltungen dienen häufig dem Kulturtourismus.“[5]

Birte Lindstädt hat folgende Definition ihrem Buch „Kulturtourismus als Vermarktungschance für ländliche Fremdenverkehrsregionen“ zugrunde gelegt:

„Kulturtourismus ist eine Angebotsform im Tourismus, die versucht, dem bildungsorientierten Besucher kulturelle Eigenarten und Ereignisse in einer Region nahe zubringen und ihn durch geeignete Kommunikationsmittel mit ihr in Kontakt treten zu lassen. Als kulturelle Eigenart gilt, was bei Besuchern Verständnis für die besuchte Region schafft, Hintergründe beleuchtet und Unbekanntes erfahren lässt. Kulturtourismus zielt auf die Vermittlung früherer und heutiger Lebensweisen der einheimischen Bevölkerung in ihrer materiellen und baulichen Umgebung ab.“[6]

Wolfgang Nahrstedt nimmt eine noch präzisere und umfassendere Begriffsdefinition vor, die speziell im Hinblick auf das Projekt „Kulturland Baden-Württemberg“ von Bedeutung sein dürfte, da sie eine aktuelle Entwicklungstendenz im Deutschlandtourismus beinhaltet. Seine Begriffsbestimmung gliedert sich wie folgt:

Von der Kulturreise zur Reisekultur:

1.Kulturreise = Neue Deutschlandreise

Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 findet eine Neuorientierung im Deutschlandtourismus statt. Das Ende des Kalten Krieges und der Fall des eisernen Vorhanges ermöglichen eine neue Reisefreiheit von Ost nach West und umgekehrt. Es werden inländische Reiseziele in den alten und neuen Bundesländern neu entdeckt und in der Folgezeit auch verstärkt vermarktet.

2.Speziell auf „Kultur“ gerichtete Reise = Oberbegriff für Kultur-, Bildungs- und Studienreise = Kulturtourismus

3.Kultur im Tourismus = z.B. Museumsbesuch während der Erholungsreise

4.Reisekultur = Tourismus als Teil der Weltkultur mit Anspruch auf Qualitätssteigerung[7]

Zusammenfassend werden tourismuswirtschaftlich alle Aktivitäten als kulturell bezeichnet, die vom Reisenden als solche empfunden werden: Sprachreisen, Städtereisen, Themenreisen und Veranstaltungen bzw. Events.

In Auszügen sollen die wesentlichen Aspekte hierzu nun im nachfolgenden Kapitel aufgezeigt und näher vorgestellt werden.

2.2 Erscheinungsformen des Kulturtourismus

2.2.1 Städtereisen

Städtereisen haben sich in den letzten Jahren zu der wichtigsten kulturbezogenen und zu einer der beliebtesten Reiseformen in Deutschland überhaupt entwickelt. So haben 11% der Bevölkerung mindestens eine Städtereise pro Jahr zwischen 1996 und 1998 unternommen. 21% hatten vor, in den Jahren 1999-2001 eine solche Reise durchzuführen.[8]

Dieser Trend lässt sich im wesentlichen auf veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen zurückführen[9], die wie im letzten Kapitel bereits dargestellt, mit aus dem politischen Umbruch in Deutschland und Europa und der Öffnung der Grenzen resultieren. Aber auch Faktoren wie der hohe Prestigewert der Kultur, eine allgemeine Tendenz hin zum Zweit- und Dritturlaub und das gestiegene Allgemeinbildungsniveau (verbunden mit einer großen Zahl von gut gebildeten Menschen im Rentenalter) spielen bei dieser Betrachtung eine Rolle.[10]

Einen Hauptbestandteil der Städtereise macht das Besichtigen von Sehenswürdigkeiten (vorwiegend historische Baudenkmäler wie Burgen, Schlösser und Kirchen, aber auch bedeutende Museen und Sammlungen) aus. Der Städtetourist möchte dabei auf den Spuren der Vergangenheit wandeln und den Zauber der Geschichte erleben.[11]

Daneben müssen sogenannte natürliche Attraktivitätsfaktoren wie Lage, Klima und Landschaft bei der Wahl einer Städtereise-Destination ebenso mitberücksichtigt werden.

Abbildung 1: Attraktivitätsfaktoren einer Städtereisedestination

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Weber in Dreyer: Kulturtourismus, München 2000, S. 53

Der Städtetourist möchte sein Ziel mit allen Sinnen „erleben“. Bei der Vermarktung wird diesem Wunsch von den Reiseveranstaltern in den Buchungskatalogen Rechnung getragen, indem häufig spezielle Pauschalen angeboten werden, die z.B. den Besuch einer kulturellen Veranstaltung oder den Verzehr regionaltypischer Spezialitäten neben dem Besichtigungsprogramm mit einbeziehen.

Dieser Sachverhalt ist auch beim „Kulturland Baden-Württemberg“ erfüllt, wobei berücksichtigt werden muss, dass hier nicht ausschließlich Städtereisedestinationen vorgestellt werden.

Mitunter problematisch ist für den Reiseanbieter die hohe saisonale Abhängigkeit. Die höchste Nachfrage besteht im Frühjahr und Herbst, an verlängerten Wochenenden und an Feiertagen sowie zu kulturellen und sportlichen Großereignissen.[12]

Zu den beliebtesten Städtereisedestinationen in Deutschland zählen Berlin, gefolgt von München, Hamburg, Dresden, Köln, Leipzig und Nürnberg. In Europa sind dies die Metropolen Paris, Wien, London, Prag und Rom.[13] Die europäische Kulturhauptstadt des Jahres 2002 ist Salamanca in Spanien.

2.2.2 Event-Tourismus

Unter einem Event versteht man üblicherweise eine speziell inszenierte oder herausgestellte Veranstaltung von begrenzter Dauer mit touristischer Ausstrahlung.

Ein Event ist somit etwas:

- Einmaliges, Besonderes oder Seltenes
- Vergängliches
- Künstliches

im Unterschied zu dauerhaften und natürlichen Faktoren des touristischen Angebotes.[14]

Ein Event zeichnet sich zudem durch folgende Erfolgsfaktoren aus:

- Imagination: Illusion und inszenierter Kulissenzauber (möglichst real) gehören dazu. Dabei darf die Kulisse schöner und beeindruckender sein als die Wirklichkeit.
- Attraktion: Besondere Attraktionen machen das Event unvergleichlich.
- Perfektion: Hier gilt das Null-Fehler-Prinzip, d.h. die Planung und Durchführung sollte bis ins kleinste Detail optimiert werden.[15]

Anlässe für Events:

Bezüglich der Größe eines Events sind folgende Unterscheidungen möglich:

- Mega-Events (Groß-Events, z.B. die EXPO vom 01.06.-31.10.2000 in Hannover)
- Media- oder Medium-Events (Mittel-Events, z.B. die Bundesgartenschau (= Buga) vom 21.04.-08.10.2001 in Potsdam)
- Mikro-Events (Klein-Events, z.B. das Gaffenberg-Festival bei Heilbronn; vier aufeinanderfolgende Veranstaltungstage jedes Jahr im Sommer)

Anmerkung: Die „Größe“ wird dabei von verschiedenen Kriterien wie Besucherzahlen, wirtschaftliche Effekte, Reichweite des Events etc. bestimmt.

Hinsichtlich Art bzw. Thema eines Events können folgende Unterscheidungen vorgenommen werden:

Tabelle 1: Anlässe für Events

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Darstellung in Anlehnung an Freyer in Dreyer: Kulturtourismus, München 2000, S. 213

Im „Kulturland Baden-Württemberg“ - Buchungskatalog sind schwerpunktmäßig Kultur-Events aus den Sparten Musik-Events (z.B. einmalige Konzerte), Theater-Events (z.B. Theater-Festivals, längerfristige Aufführungen an festen Spielstätten („Sitdown-Productions“)), Kunst-Events (z.B. besondere Ausstellungen) sowie Traditions-Events (z.B. Feste in Freilichtmuseen) wiederzufinden.

Ziele des Events:

Events werden im Bereich Tourismus für die Erreichung unterschiedlicher Zielsetzungen genutzt. Vorwiegend dienen Events aber der Steigerung der Attraktivität einer Destination. Dabei sind folgende nach außen gerichtete Wirkungen, z.B. für Besucher, und innengerichtete Wirkungen, z.B. für die Bewohner, zu unterscheiden und mit zu berücksichtigen:

Tabelle 2: Zielsetzungen von Events im Tourismus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Darstellung in Anlehnung an Freyer in Dreyer: Kulturtourismus, S. 225

2.2.3 Bildungsreisen

Bildung als Urlaubsmotiv verfolgt das Ziel den individuellen Wissenstand zu vergrößern, andere Länder und Lebensformen kennen zulernen sowie neue Eindrücke und Erfahrungen zu gewinnen. Zu den Bildungsreisen zählen vorwiegend Studien- und Sprachreisen.

2.2.3.1 Studienreisen

Eine Studienreise kann dabei allgemein als „intelligente Form der Urlaubsreise, die ein intensives Auseinandersetzen mit dem Gastgeberland ermöglicht, indem sie die Vergangenheit nachempfinden lässt, den Bezug zu gegenwärtiger Lebenssituation und Kultur aufzeigt und dieses Erlebnis an Ort und Stelle vermittelt“[16] definiert werden.

Die Studienreise kennzeichnet sich dadurch, dass sie als Gruppenreise mit begrenzter Teilnehmerzahl und festgelegtem Reiseverlauf sowie von einer kompetenten Reiseleitung (organisiert und) durchgeführt wird.[17]

Beispiele für Studienreiseformen:

- Moderne Studienreise: Bei dieser Reiseform stellt der Reiseleiter eine Verbindung zur Vergangenheit her. Klassische Sehenswürdigkeiten werden im Rahmen ihrer Besichtigung mit gegenwärtigen Eindrücken und Entwicklungen verknüpft und erhalten dadurch wieder neue Attraktivität.
- Studienferien: Hier unternimmt der Reisende Ausflüge und Exkursionen zu kulturellen und landschaftlichen Höhepunkten meistens von ein und demselben Ort aus. In diesem Ort bucht er vorher für eine bestimmte Dauer sein Feriendomizil. Neben den genannten Besichtigungstouren ist der Erholung vom Alltag bei diesen Reisen eine besondere Bedeutung beizumessen.
- Wander- bzw. Fahrrad-Studienreise: Diese Reisen bilden eine Verbindung aus der modernen Studienreise mit dem Aktivurlaub. Sie sind somit eine Mischung aus Aktivität, kulturellen Erlebnissen und Urlaubsspaß. Der Reisende unternimmt zu Fuß oder auf dem Fahrrad Touren durch landschaftlich besonders schöne Strecken (z.B. in Baden-Württemberg das obere Donautal zwischen Tuttlingen und Sigmaringen) in unanstrengenden Etappen. Er macht dabei immer wieder Halt und besichtigt bedeutende kulturelle Sehenswürdigkeiten am Wegesrand (im genannten Beispiel können das Kloster Beuron oder das Schloss der Hohenzollern in Sigmaringen als solche herausgestellt werden).[18]

2.2.3.2 Sprachreisen

Bei der Sprachreise steht das Erlernen einer fremden Sprache bzw. die Verbesserung oder Auffrischung bisher erworbener Sprachkenntnisse im Mittelpunkt der Reise. Neben der Bildung als Haupturlaubsmotiv sind ferner Spaß, Freizeit, Natur und neue Kontakte mögliche Initialgründe für eine Sprachreise. Zu den Zielgruppen zählen neben berufstätigen Erwachsenen vorwiegend Schüler/innen und Studenten/innen. Die Wissensvermittlung findet im Rahmen von Sprachkursen im Gruppen- oder Einzelunterricht statt. Die Sprachschüler/innen sind für diese Zeit vorwiegend in, vom Reiseveranstalter vorher ausgewählten, Gastfamilien untergebracht.[19]

2.2.4 Thementourismus

Unter dem Begriff Thementourismus sind alle Reiseformen zusammengefasst, die einem bestimmten Themengebiet unterliegen. Die Themen sind dabei aus kulturellen und gesellschaftlichen Teilbereichen wie beispielsweise der Kunst, Architektur, Literatur oder Musik entnommen. Das bestehende Kulturangebot wird nach diesen Themen ausgerichtet und gegebenenfalls themenspezifisch erweitert.[20]

Als aktuelles Beispiel aus Baden-Württemberg kann das Hermann-Hesse-Jahr 2002 der Stadt Calw genannt werden. Die Kreisstadt im nördlichen Schwarzwald thematisiert den 125. Geburtstag dieses weltweit am meisten gelesenen, deutschsprachigen Autors des 19. und 20. Jahrhunderts, der dort im Jahr 1877 geboren wurde, in einem Festival, dass über 200 Einzelveranstaltungen aus den Bereichen Lesungen, Konzerte, Exkursionen und Ausstellungen beinhaltet.[21]

Es können aber auch bestimmte touristische Reiserouten zu einem Thema zusammengefasst werden. Diese sogenannten Themenstrassen „bieten die Möglichkeit, durch ein Thema eine Reihe von Orten oder Punkten- eventuell aus verschiedenen Raumeinheiten- linear miteinander zu verknüpfen, um diese besser touristisch zu vermarkten“.[22]

Zu den bekanntesten, regionalen touristischen Routen in Baden-Württemberg zählen die Schwäbische Albstrasse, die Schwarzwald Hochstrasse und die Oberschwäbische Barockstrasse. Bei den überregionalen touristischen Routen, die zumindest zum Teil durch dieses Bundesland führen, können als Beispiele die Romantische Straße, die von Füssen bis Würzburg verläuft oder die Burgenstrasse, die vom Neckartal (Mannheim) über die Regionen Hohenlohe-Franken bis nach Bayreuth führt, genannt werden.

[...]


[1] Dreyer, Axel: Kulturtourismus, München 2000, S. 42

[2] Opaschowski, Horst W.: Deutschland 2010, Hamburg 1997, S. 158

[3] Duden, Band 10: Bedeutungswörterbuch, Mannheim 1985, S. 641

[4] Freyer, Walter: Tourismus-Marketing, München 1997, S. 5

[5] Becker, Christoph u.a.: Kulturtourismus in Europa: Wachstum ohne Grenzen?, Trier 1993, S. 8

[6] Lindstädt, Birte: Kulturtourismus als Vermarktungschance für ländliche Fremdenverkehrsregionen, Trier 1994, S. 13

[7] vgl. Nahrstedt in Dreyer: Kulturtourismus, München 2000, S. 20ff.

[8] vgl. F.U.R.-Reiseanalyse Urlaub und Reisen, Hamburg 1998, Tab. 15

[9] vgl. Weber in Dreyer: Kulturtourismus, München 2000, S. 51ff

[10] vgl. Kramer in Becker u.a.: Kulturtourismus in Europa: Wachstum ohne Grenzen?, Trier 1993, S. 30

[11] vgl. ebenda, S. 54

[12] vgl. Nerger in DSF: Erlebnis-Marketing - Trendangebote im Tourismus, Berlin 1996, S. 82

[13] vgl. Opaschowski, Horst W. :Tourismus im 21. Jahrhundert- Das gekaufte Paradies, Hamburg 2001, S. 169

[14] Freyer in Dreyer: Kulturtourismus, München 2000, S. 212

[15] vgl. Opaschowski, Horst W.: Events im Tourismus, Hamburg 1997, S. 24

[16] Dietsch in Dreyer: Kulturtourismus, München 2000, S. 82

[17] vgl. ebenda, S. 79

[18] vgl. Dreyer, Axel: Kulturtourismus, München 2000, S. 89ff.

[19] vgl. ebenda, S. 101ff.

[20] vgl. Schwark in Dreyer: Kulturtourismus, München 2000, S. 117ff.

[21] vgl. Buchungskatalog Kulturland Baden-Württemberg 2002, S. 16

[22] Becker in Dreyer: Kulturtourismus, München 2000, S. 137

Details

Seiten
65
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783832463953
ISBN (Buch)
9783838663951
Dateigröße
601 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v221824
Institution / Hochschule
Hochschule Heilbronn, ehem. Fachhochschule Heilbronn – unbekannt
Note
2,7
Schlagworte
kulturtourismus städtereisen event-tourismus bildungsreisen

Autor

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