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Die Brennessel - Natural Future Fibre

Eine regionale Alternative in der industriellen Textil-Produktion?

Diplomarbeit 2001 117 Seiten

Design (Industrie, Grafik, Mode)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung
1.1 Brennessel und Forschung

2. Ziel der Diplomarbeit
2.1 Naturfaser Nessel
2.2 Die Idee
2.3 Was soll damit erreicht werden?
2.4 Produktentwicklung

3. Die Brennnessel
3.1 Die Geschichte des Nesselanbaus in Deutschland
3.2 Ursprung der Faserpflanze Brennessel und ihre Lebensbedingungen
3.3 Von der Faser bis zum Endprodukt Stoff
3.4 Ökologie und Ökonomie der Nessel

4. Übersicht Faserpflanzen
4.1 Eine kurze Einführung
4.2 Brennnessel, Hanf, Leinen, Baumwolle im Vergleich

5. Ökologie und Design
5.1 Kreisläufe der Natur
5.2 Verarbeitungskreisläufe - Lebenszyklen
5.3. Produktionsabfälle: Produkt - Recycling
5.4 Kreislaufschließung für ein Produkt
5.5 Was ist Ökodesign?

6. Textilien und Umwelt
6.1 Bekleidung
6.2 Umweltaspekte und Kleidung
6.3 Das Endprodukt und die Ansprüche an Bekleidungstextilien

7. Marketing
7.1 Was wünschen wir uns von unserer Bekleidung (Fragebogen)
7.2 Erfahrungen mit Ökokollektionen: Hersteller - Einzelhändler - Käufer
7.3 Marketingideen und Zielgruppen: Die Zukunft auf dem Markt

8. Visionen
8.1 Textilien der Zukunft
8.2 Resümee und Danksagung

9.Glossar - Umweltindex von A-Z

10. Literatur- und Quellenverzeichnis

Anhang: Eidesstattliche Erklärung

Vorwort

„Siehst du diese Brennessel, die ich in meiner Hand halte?

Davon wachsen viele rund um die Höhle in der Du schläfst;

nur diese dort und welche, die auf den Gräbern des Kirchhofs sprießen,

sind brauchbar, das merke Dir.

Du mußt sie pflücken, obwohl sie Dir Blasen auf Deine Haut brennen;

brich die Nesseln mit deinen Füssen, da erhältst Du Flachs;

aus diesem musst du elf Panzerhemden zwirnen und stricken, mit langen Ärmeln,

wirf diese über die 11 wilden Schwäne und der Zauber ist gebrochen...“

(Zitat: Andersen, Hans Christian: Mutter Holunder, 1982, Weinheim / Basel, Beltz Verlag; Die wilden Schwäne, S.83)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Die zunehmende Nachfrage für textile und technische Naturfasern, auch aus Fasernesseln, und die erfolgsversprechenden leistungs -und ökologiebezogenen Untersuchungen können dieser wiederentdeckten Faserpflanze eine vielversprechende Zukunft als ein nachwachsender , umweltfreundlicher Rohstoff weisen.“

(Zitat: Dreyer, Jens: Die Fasernessel als nachwachsender Rohstoff( Dissertation), 1999, Hamburg, Verlag Dr. Kovac , S.148)

1.1 Brennessel und Forschung

Die extreme Zunahme von Allergien auf chemische behandelte Textilien und der Wunsch nach Naturwaren in allen Bereichen, brachte eine Rückbesinnung auf die heimischen Faserpflanzen: erst Leinen, dann Hanf und nun die Brennsessel.

1992 fand eine Wiederbelebung der Nesselforschung am Institut für angewandte Botanik in Hamburg statt. Vor allem Jens Dreyer trat in die Fußstapfen von G.Bredemann, und forschte im Rahmen seiner Dissertation weiter an der Faserpflanze.

Dreyer untersuchte die steigende Biomasseproduktion der Faserpflanze und das Konkurrenzvermögen, wobei auch schon hier der Anbau ohne chemische Pflanzenschutzmittel erfolgte. Basierend auf seinen Arbeiten fing 1995 das Institut in Hamburg wieder an, bei der Brennnessel und Ihren Eigenschaften als Faserpflanze zu forschen. 3 Brennnesselarten, die besonders hohe Faseranteile hatten, wurden gefunden. Auch im Gebiet der biotechnologischen Fasergewinnung an der Universität Harburg brachten Forschungsergebnisse neue Erkenntnisse.

Ebenfalls 1995 gründete sich der Nesselverein Hamburg e.V., der als Plattform für die Forschung und Verwertung genutzt werden sollte, um den Anbau der Fasernessel zu fördern.

Der „Stoffkontor“, ein vor allem im Bereich Meterware engagiertes Textilunternehmen und Lieferant solcher der Bekleidungs- und Bettwäscheindustrie, begann sein eigenes Fasernesselprojekt 1995 und hat seine erste Zwischenbilanz mit dem Verkauf der fertigen Rohware 2001 gezogen. Laut eigener Aussage sollen daraus komfortable, marktgerechte und langlebige Gewebe hergestellt werden.

Unter anderem werden diese Stoffe mit: ecoprint Farben der Firma Borgmann bedruckt. Diese neu entwickelten Druckfarben sind biologisch abbaubar und verhelfen zu brillanten, farbenfrohen Dessinierungen.

Der erste, unbedruckte „Nettle“- Stoff wurde bereits auf Messen präsentiert. Das Interesse der Verbraucher, sowie derIndustrie war sehr groß. Trotzdem wird es den ersten industriell gefertigen Stoff erst im Frühjahr 2001 zu kaufen geben. Zu diesem Zweck wurden 1999 100 ha Brennnesseln auf stillgelegten Ackerflächen in Lüchow - Dannenberg/Wendland angebaut. Der „Nettle“-stoff wird nach ökologischen Kriterien hergestellt, Anbaumethoden wurden optimiert und neues Wissen über die Pflanze entdeckt.

Ein weiteres Projekt startete 1999 und beschäftigt sich mit der „Reinkarnation“ der Fasernessel als Bekleidungspflanze.

Dieses Projekt wird vom BUND Osnabrück gefördert und beteiligt verschiedene Projektpartner, aus den Bereichen: Umwelt, Industrie und Wissenschaft, die alle ihren eigenen Bereich abdecken. Alle Akteure der textilen Kette, vom Anbau bis zur textilen Konfektion wurden hierbei berücksichtigt. Von der Faser bis zur Bekleidung: im Bereich Work- und Sportswear wird die Nesselverarbeitung untersucht. 2002 soll die Kollektion produziert sein.

Die folgende Graphik verdeutlicht die Verteilung der Arbeitsschritte und Aufgabengebiete des Projektes:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

So könnte auch unter diesen Gesichtspunkten die Brennessel eine Chance haben. Das volkswirtschaftliche Interesse an nachwachsenden Rohstoffen ,wie ein verstärkter Anbau von Faserpflanzen in der EU und steigender Einsatz von Naturfasern (nicht nur als Textilien, sondern auch als naturfaserverstärkende). Interessant wird dieses Material, da es im Gegensatz steht zu der problematischen Entsorgung vieler anderer Produkte und die Förderung des Faseranbaus durch die EU. Gerade für den Textil- und Automobilsektor sind qualitativ hochwertige Produkte gefragt, die keine Probleme in ihrer Entsorgung bereiten, da es viele neue Umweltgesetzte und vor allem das Rücknahmegesetz gibt.

Einheimisch angebaute Naturfasern haben zwar durch etablierte synthetische Produkte und kostengünstige Naturfasern keine wirtschaftliche Bedeutung auf dem Weltmarkt, dennoch sind sie ein Anfang, den Verbraucher aufzufangen. Dieser wird zunehmend sensibler für lokal und umweltfreundlich erzeugte Naturfasern und Textilien.

Generell ist ein Unternehmen, das langlebige Produkte anbietet konzeptionell erfolgreich und wirtschaftlich erfolgreich, wenn Lebenslust, Genuß und Design wenn mit ökologischer Verantwortung verbunden werden können. Um Kunden zu halten bzw. neue Konsumenten zu gewinnen, hat es höchste Priorität keine Verzichtskultur aufzubauen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Ziel der Diplomarbeit

Natural Future Fibre- eine regionale Alternative in der industriellen Textilindustrie?

2.1 Naturfaser Nessel

Dieses ungewöhnliche, seltsame, eher gefürchteten Pflanze weckte Interesse und schien ein wirklich innovatives, noch zu erschließendes Feld der Textilindustrie zu sein. Der Ökologische Aspekt war auch gegeben: der Anbau in dem Projekt erfolgte auf biologischem Anbau.

Nun galt es nachzuforschen und die Chancen und Eigenschaften der Brennessel als „ neuer Stoff der Zukunft“ zu ergründen.

In erster Linie geht es um das Vorstellen eines neuen, innovativen Materials und der Idee der Wiederbelebung der Nessel.

Vor- und Nachteile der Brennessel sollen beleuchtet und aufgezeigt werden. Welche Chancen hat sie überhaupt: auf dem Weltmarkt, in der Wirtschaft, auf dem Feld?

Der Vergleich mit anderen Faserpflanzen, zur Verdeutlichung der Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Materialien, die am ähnlichstem im Anbau und (wie von Fachkundigen bestätigt) von der Optik und Haptik am ähnlichsten sind . Natürlich bietet sich hier auch ein Vergleich der Marktchancen an und die Annahme dieser Ähnlichen Materialien , wie Hanf und Flachs, vom Konsumenten.

Folgende Thesen werden dazu aufgestellt:

1. Die Brennessel hat Auswirkung auf die Zukunft des Textilmarktes und der Menschen.
2. Das Marketing wird eine zentrale Rolle spielen, ob das neue Produkt angenommen wird.
3. Das Interesse der Öffentlichkeit wird weiterhin so stark bleiben.
4. Die Brennessel wird bald eine Faser sein, mit der sich auch Textildesigner auseinandersetzen müssen.
5. Die ganze Thematik ist ein neues Feld, außerdem existiert kaum Informationen und Anschauungsmaterial.
6. Die Faser könnte zu einer regionale Alternative der Faserpflanzen werden.

2.2 Die Idee

Arbeitsschritte:

Zielsetzung: Von der Faser- zum Stoff - zum Design

Zusammenarbeit:

- Mit dem Forschungsprojekt Göttinger Georg-August Universität. Diese planen eine Kollektion, im Work -und Sportswearbereich, an der sich von meiner Seite aus nicht mit einer Kollektion, sondern nur mit Dessinvorschlägen beteiligt wird.
- Mit dem Stoffkontor/ Lüchow, der als Informationspool, Inspiration und Stofflieferant dient.

Theoretische und praktische Anteile sind:

- Recherchen über Brennessel( Film, Dokumentation), Fragebogen zu Brennessel und Kleidung
- Vergleich zu anderen ähnliche Fasern: Leinen, Hanf, Baumwolle
- Die Chancen der Brennessel : Welche Vor- und Nachteile gibt es
- Brennessel vor dem 2.Weltkrieg
- Vermarktung- und strategien
- Wo ist die Innovation dabei? Wie macht sie sich bemerkbar? Wie kann ich sie sichtbar machen?

Das Endprodukt:

- Dessins/ Musterungen für Meterware, Prints für erste T-Shirts (für beide Bereiche), evtl. Materialproben: FA.Tuche / Spremberg ( Thüringen)
- Als Beispiele: Drucken( mit Borgmannfarben) ,weben, stricken? ( Proben): Wie verhält sich das Material?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zeitplan:

August: Themenfindungsphase:Festlegung des Themas

September: Recherchenphase: BS, Kontakt Projektpartner, Betreuer suchen, Recherchen, informieren,

Pflichtenheft

Oktober: Konzeptionierungsphase: Restliche Scheine, Beginn Zusammenstellung, Entwürfe, Fragebögen, Rohbau

November: Aktivphase: Entwürfe, Ausarbeitungen, drucken u.a.

Dezember: Endphase: Präsentation vorbereiten, letzter Schliff, Korrektur lesen lassen Konzeption

Januar: Präsentationsphase: drucken der Konzeption , Abgabe: 10.01.2001, Verlängerung durch Krankheit = Abgabe: 24.01.2001

Präsentationen: 26.01.2001, FHH - FB Design und Medien, Herrenhäuser Str.8; große Halle; im Rahmen eines Trendforums mit 5 weiteren Diplomantinnen

2.3 Was soll damit erreicht werden?

Die Arbeit hat einen eindeutig theoretischen Schwerpunkt und soll die Darstellung einer Idee in den Vordergrund rücken.

Aber welche Ideen stecken hinter dieser Arbeit? Was soll später davon übrig bleiben und nachhaltig wirken?

Aus dem anfänglichem Versuch einen Produktzyklus und die Entstehung eines Gewebes bis zur Verarbeitung zeigen , sind nun vor allem Ideen übriggeblieben und wichtige Informationen zum weiteren Vorgehen. Statt Druck und Webmuster sind Dessins und Strukturen zu sehen und zu fühlen.

Interessant war das Verhalten bei Web- und Strickversuchen mit artverwandten Fasern wie Hanf und Ramie zu beobachten.

Durch Materialschwierigkeiten und der hohen Geheimhaltung der Forschungsprojekte konnten nur artverwandte Materialien, statt Brennesselgarn oder -stoff verwendet werden.

Dies sind alles nur Ansätze, der Schritt vor der praktischen Arbeit der auch als eine Art Handbuch gesehen werden kann, die noch in mehr als einer Diplomarbeit weiter ausgearbeitet werden können. Sie sind zusammengefasst als Anregungen und Vorschläge, zusammen mit dem Skizzenbuch und den Proben, die in dieser Konzeption.

Die Vernetzbarkeit und Hintergründe, nicht nur zur Brennessel sollen angerissen werden . Der Blick soll einmal weiter schweifen, als nur auf das Design, und somit zum Nachdenken und Verknüpfungen mit anderen Medien anregen. Sowie auch das gesamte Thema aus verschiedenen Blickpunkten zu betrachten ist, wie aus dem der Ökonomie, der Landwirtschaft, des Marketing, der Ökologie und vielen mehr.

2.4 Produktentwicklung

Der Schwerpunkt dieser Arbeit verlagerte sich aber mehr von den Dessinierungen hin zu der Möglichkeit der Vermarktung, der Hintergründe und dem Zusammenspiel von Umwelt, Textilien und Produktion, die dringend notwendig sind im Vorfeld vor dem Gebrauch und Umsetzung solcher Designideen.

So traten die Dessinierungen in den Hintergrund und bilden nur ein kleines Puzzleteil im Zusammenhang der gesamten Umsetzung der Brennesselfaser.

In Anlehnung an die beiden Projekte sollten nun Designlösungen für zwei Vorhaben entwickelt werden: eine Sports- und Streetswearkollektion und die Musterung von Meterware für den “Stoffkontor „. Die Idee war es Dessins zu entwickeln, die in beiden Bereichen einsetzbar wären.

Aktuelle Farben und Trends mussten bedacht werden, wie auch der Anspruch möglichst puristische, einfache Dessins zu entwerfen. Die Varianz sollte nicht durch auffällige , üppige Musterungen entstehen , sondern vielmehr durch Kombination untereinander oder Farbmischungen.

Die Überlegung dabei war ein möglichst breites Publikum, für eben diese Produkte (Meterware und Sportswear, z.B. T-Shirts), zu gewinnen und ihnen durch dezente Dessins Platz für eigene Individualität und Kombinationsmöglichkeiten ,mit anderen Einrichtungsgegenständen , wie auch anderen Kleidungsstücken zu gewährleisten.

Trotzdem sollte der Bezug zur Natur, Naturstoff und der Brennessel nicht verloren gehen.

Praktische Ansätze:

Durch Brainstormings wurden drei grobe Dessingruppen unterteilt:

- Natur: Pflanzen und Insekten
- Tribals
- Brennessel

(wie auch auf der nächsten Seite als Beispiel zu sehen)

Außerdem wurden zwei Farbeskalen entwickelt: eine nach den Trends Frühjahr/Sommer 2001 und eine aus Naturfarben (die schon im Naturtextilbereich eingesetzt worden sind ). Beide sollen eine Anmutung an das Material haben, sowie sich unaufdringlich, aber trotzdem nicht unauffällig anpassen.

Optik und Haptik spielen eine große Rolle, deshalb sollen Web- und Strickproben aus ähnlichen Materialien, wie Ramie und Hanf anschauliche Beispiel für das Warenbild geben. Im Strickbereich werden verschiedene Materialien miteinander verstrickt, sowie auch nur einzeln. Dies geschieht ein-und zweifädig. Im Webbereich ist eine einfache Leinwandbindung genug, um ein anschauliches Material zu erzielen.

Die Resultate: Ramie und Hanf, der Brennessel am ähnlichsten, waren sehr schwer zu verarbeiten. Unter anderem durch ihre Beschaffenheit als Naturfaser, die dazu noch unbehandelt war, rissen sie schnell, waren trocken, liefen schlecht und waren unterschiedlich in der Fadenstärke.

Gesponsorte Garne von Hattoffer Textilwerke GmbH:

Ramie, Hanf und Wolle/Hanf:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ramie, 20NM, einfädig gestrickt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ramie, 20 NM, zweifädig gestrickt

Dessinbeispiele für den Druck auf Brennesselstoff

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Die Brennessel

3.1. Deutschland und die Geschichte des Nesselanbaus

Bevor die Baumwolle in Europa eingeführt und die Chemiefasern entdeckt wurden, spielte die Fasernessel eine bedeutende Rolle.

Ihr wurden besondere Kräfte nachgesagt, z.B. Schutz vor Gewitter und war dem Donnergott (Thor) gewidmet. Der Mythos als Zauberpflanze wurde auch in dem Märchen: Die wilden Schwäne, von Hans Christian Andersen aufgegriffen. Dort erlöst ein Mädchen ihre 11 verzauberten Brüder durch handgeknüpfte Hemden aus Brennesseln. Noch heute ist sie Bestandteil der Volksmedizin.

Die ersten Stoffe, um 1000n.Chr. hergestellt, wurden zur Fertigung von prächtigen Gewändern verwandt. Aber auch insbesondere haltbaren Segeltauen fand die Nesselfaser Verwendung.

Der Versuch im 15-17 Jahrhundert die Nesselgarnindustrie in Deutschland aufzubauen, mißlang mehrfach.

In Leipzig gelang erstmals 1723 der Aufbau einer Manufaktur für Nesselzwirn. Aber nur in Frankreich konnte sich eine ausgedehntere Nesselverarbeitung etablieren.

Erst durch Ramie, eine ostasiatische Faserpflanze, auch chinesischer Nessel genannt, und deren Erfolg, sowie eine kurzfristige Baumwollknappheit

(1862-1865) animierte zu neuen Versuchen an der Nessel. Es gründete sich sogar 1876 eine Nesselkommission, bestehend aus anerkannten Wissenschaftlern, um den Anbau und die Verarbeitung zu fördern.

Die stärkste Verwendung der Faserpflanze in unseren Breiten fand um 1900,im Rahmen der Unabhängigkeitsbestrebung Deutschlands statt.

Diese führten erste Anbauversuche bei Berlin durch. Aber erst der 1. Weltkrieg und der zunehmende Faserbedarf, sowie die Ausgeschlossenheit Deutschlands von den internationalen Fasermärkten, ließen das Interesse an der Brennnessel wieder steigen.

1917 wurden 300 ha Niederungsmoor mit Wildnesseln bepflanzt mit allerdings kläglichem Erfolg, denn es gab keine Verarbeitungsmöglichkeiten, da die Textilindustrie nicht auf die Verarbeitung von Wildnesseln eingerichtet war.

1920 wurden unter vielen Wildnesseln systematische Züchtungen angestellt. Dem Hamburger Botaniker Gustav Bredemann, der amInstitut für angewandte Botanik in Hamburg arbeitete, war es zu verdanken, das zwischen 1927 und 1947 wiederstandsfähige Hochleistungssorten entstanden, die zur Fasernutzung angebaut werden konnten. Bis heute beschäftigt sich das Hamburger Institut für angewandte Botanik mit der Brennnessel, ihrem Anbau und Nutzen als Faserpflanze. So wurde weitergezüchtet, geforscht und eine Vielzahl von faserreichen Pflanzensorten hervorgebracht.

Bis heute sind 30 verschiedene Zuchtnesselsorten erhalten, sowie umfassende Arbeiten, Textilproben und Garne aus Bredemanns Zeit.

Die Faserverarbeitung wurde auch von nationalsozialistischen Unabhängigkeitsbestrebungen unterstützt und erreichte ihr Ziel 1940 mit 100t reiner Faser, die aus der Fasernessel gewonnen und zu Textilien verarbeitet werden konnte. Diese Zuchtfasernesseln lieferten „ bei geeignetem Aufschluss hervorragende Faserqualitäten“. Der letzte Einsatz der Brennsessel im Bekleidungssektor war als Uniformstoff im 2. Weltkrieg für Soldaten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Brennesselernte

(Quelle: Bredemann, Gustav: Die große Brennessel Urtica Dioica L., 1959, Berlin, Akademie Verlag)

3.2 Ursprung der Faserpflanze Brennessel und ihre Lebensbedingungen

Die große Brennessel, lat: Urtica doicia L., ist eine typische sekundäre Nutzpflanze ( Kulturfolgerin), die vor allem wild wächst, aber in Mitteleuropa seit dem 19. Jahrhundert auch kultiviert wurde. Die zur Familie der urticia gehörende, mehrjährige Pflanze ist in Europa, aber auch Nordamerika und Asien weit verbreitet. Die Familie der Brennesselgewächse lässt sich in 40 Gattungen unterteilen, mit 500, vor allem tropischen Arten.

Urticiae - leitet sich von urere=brennen ab (latein.) und begründet sich in den Ameisesäure enthaltenden Brennhaaren der Pflanze. Die Verwendung als Gespinstpflanze und der Name Brennessel erklären sich aus dem Wort Nessel- ned: zusammendrehen, knüpfen.

Die Brennessel bevorzugt humose, nährstoffreiche, kalkhaltige Böden, auch Ton und Lehmböden, feuchte Standorte, aber keine Staunässe.

Da sie ähnlich wie Hanf einen hohen Nährstoffbedarf hat, drängt sie sich an Waldrändern und in die Nähe von Siedlungen, wo günstige Bedingungen für ihr Wachstum herrschen. Schon immer war die große Brennessel für die Menschen nutzbringend als Futter-, Arznei und Gespinstpflanze. Sie gilt als Stickstoffzeigerpflanze und braucht im Kulturpflanzenanbau einen unkrautarmen Standort. Außerdem ist sie als sehr ausdauernd und anspruchslos bekannt.

Pflanze:

Der Spross, der bis zu 120 cm hohen Pflanze besteht aus Blüte, Blättern und dem vierkantigem Stengel, der durch 4 tiefe Rillen voneinander in Abschnitte geteilt ist (s. Abb. Faserquerschnitt).

Er beinhaltet ebenfalls eine breite Schicht aus Bast und Gewebezellen, in der Mitte befindet sich die Markhöhle. Die Brennessel ist getrenntgeschlechtlich, d.h. weibliche und männliche Blüten sind auf verschiedene Pflanzen verteilt..

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Faserquerschnitt der Brennessel (Abb. : Waskow, Frank: Hanf & Co)

Die Faserlänge der Nesseln kann eine Länge von 50-75 mm erreichen. Gerade wegen ihrer Länge und Festigkeit eignen sich die Fasern gut zur Herstellung von Textilien. Waagerecht stehend oder schräg abwärts gerichtet am ganzen Stengel befinden sich die massiven Brenn- und Borsten- oder Drüsenhaare. Diese können eine Länge von 2 mm haben und selbst Kleidung durchdringen. Dieser Nachteil ist jedoch nicht schwerwiegend, da die Brennhaare beim Trocknungsprozess oder durch Überbrühen mit heißem Wasser wirkungslos werden.

Abwehrmechanismen:

Ameisensäure und Brennhaare stellen einen wirkungsvollen Schutz der Pflanze vor Schädlingen dar. Die Pflanze bringt sozusagen ihr eigenes Pflanzenschutzmittel mit und bietet darüber hinaus einer Reihe von Nützlingen Schutz und Nahrung, z.B. wie Kleinstlebewesen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Abb. 2

(Abb.1 aus: Attenborough, David: Das geheime Leben der Pflanzen, 1995, Bern/ München/ Wien, Scherz Verlag)

(Abb.2 aus Bredemann, Gustav: Die große Brennessel Urtica Dioica L., 1959, Berlin, Akademie Verlag)

Anbau:

Mineralisch und organisch geprägte Böden eignen sich an besten zum Kultivieren der Fasernessel. Nach nur geringen Bearbeitungsmaßnahmen können auch steinige Äcker als Kulturflächen dienen. So werden beim Brennesselprojekt der Firma „Stoffkontors“, im Wendland (Norddeutschland) auf stillgelegten Feldern Brennesselkulturen angebaut. Gute Vorfrüchte sind Kartoffeln und andere Hackfrüchte oder auch Klee. Anzuraten ist es, nicht in der Nähe von Industrie oder Siedlungsabfällen anzubauen. Der Stickstoffgehalt im Boden muss 60 - 80 kg N/ha betragen. PH-Werte um 6,5 sind optimal, eine ausreichende Wasserversorgung, vor allem zwischen Mai und August, ist für eine gute Ernte Voraussetzung. Bis sich die mehrjährige Pflanze völlig etabliert hat, vergehen in der Regel zwischen 4-5 Jahre. Entscheidend ist das 1. Anbaujahr. Wenn sich die Pflanzen erst einmal gefestigt haben, Nährstoffe zur Verfügung stehen und der Boden nicht allzu sehr austrocknet, behauptet sie sich viele Jahre gegen andere Pflanzen. Sie ist sparsam im Ressourcenverbrauch und bildet eine Symbiose mit Bodenlebewesen (wie Mikroorganismen). Was die Ansprüche an Licht und Temperaturverhältnisse angeht, ist die Brennessel sehr anpassungsfähig. So sind auch vollsonnige Standorte gut geeignet.

Die Direktsaat erfolgt im April. Ökonomisch interessant ist der Anbau auf stillgelegeten Flächen, da sie die einzige Faserpflanze ist, die auf stillgelegter Fläche angebaut werden darf, ohne daß der Landwirt seine Stillegungsprämie verliert.

Obgleich die Direktsaat möglich ist, werden in der Regel bei der Fasernesselpflanzung Jungpflanzen gesetzt. Das sind Steckpflanzen, die aus dem Stengel gewonnen werden. Diese Methode hat sich als sicherer erwiesen. Wichtig dabei ist, dass im konventionellen Anbau nach jedem Schnitt Beregnung und Stickstoffgabe erfolgt. Eine vegetative Vermehrung findet dann von selber statt.

Die Pflege ist minimal. Zumal die Brennessel wenig krankheitsanfällig ist und kaum von Schädlingen( wie z.B. Schmetterlingsraupen) heimgesucht wird, ist eine Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln, wenig sinnvoll. Erstens verträgt sie die Pflanze nicht und Zweitens entspricht das nicht ökologischen Anforderungen, die der Stoffkontor, sowie das Projekt der Uni Göttingen verlangen. Diese wenigen Schädlinge werden per Handabsammlung beseitigt oder durch Verbreitung von deren Räubern eliminiert, da diese Schädlinge im allgemeinen als ökologisch wertvoll gelten. So wäre also auch ökonomisch der Einsatz von Fungiziden, Pflanzenschutzmitteln und Insektiziden nicht sinnvoll.

Zur Unterstützung der Pflanze dienen Weiß-Klee als Bodendecker und Unterdrückung von Unkräutern, als Erosionsschutz und um die Feuchtigkeit zu halten; Pfefferminze als Ausleger und zur Düngung werden nicht nur Stallmist oder Gülle verwandt, sondern auch wie beim Göttinger Projekt, Biokompost. Auch Mineralien entsprechen der ökologischen Düngung und werden als solche eingesetzt.

Wie schon erwähnt hängt der Ertrag, und damit auch die Faserqualität von einem gesunden Boden und intakten Ökosystem ab. Die folgende Graphik erläutert noch einmal warum dies von Nutzen ist und wann ein Boden als gesund gilt (siehe folgende Abb.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wachstum:

Nach 2 jährigem Bestand erreichen einige Nesseln eine Wuchshöhe von 250 cm, einzelne sogar 3 m.

Ernte: Die Ernte findet je nach Reife und Witterung von Ende Juni, Ende Juli bzw. Ende August/ Anfang September bis in Oktober hinein statt. Geerntet wird mit Balkenmähern, Sense oder umgebauter Mähdreschern. Eine Feldröste von 2 Wochen zur Vorbereitung der Fasern (Vorbrechen der Stengel) zur weiteren Verarbeitung ( ähnlich wie beim Flachs), mit regelmäßigem Wenden des Schnittgutes, wird auf dem Feld vollzogen. Anschließend werden die „gerösteten“ Stengel, zu Ballen gepreßtes Stroh verarbeitet. Das Kraut darf vorher nicht gequetscht werden. Am Besten eignen sich zur Lagerung Papier-, Jute - oder Kunststoffsäcke.

Erntemengen:

Die Erträge nehmen in den ersten 3-4 Jahren stetig zu und bleiben danach konstant. Im 1. Jahr wird die Nessel beschnitten. Da die Pflanzen sich am Standort etablieren müssen, erhält man nur 3-4 t/ha Rohmaterialertrag. Dieser steigt allerdings bereits im 2. Anbau Jahr auf 4-6 t/ha und Im 3. Anbaujahr verdichten sich die Bestände auf 8-10 t/ha. Das 4. Jahr beschert statistisch die höchste Bestandsmenge von 9-11 t/ha. Das sind alles nur Hochrechnungen, die von verschiedenen natürlichen und menschlichen Einflüssen abhängig sind, als durchschnittliche Erntemenge werden 5-7 t erwartet(laut „Stoffkontor“ und Literatur).

Nutzung:

Die Brennessel hat eine vielfältige Nutzungspallette, die zahlreiche Verwendungszwecke zuläßt.

Als Faserpflanze wird der Stengel für Fasergewinnung genutzt, die später zu Stoffen, Dämmmaterial und ähnlichem verarbeitet werden.

Die Inhaltsstoffe der Nessel, wie der Gehalt an Aminen ( in der Ameisensäure) und Chlorophyll ( Blattgrün), Mineralsalze, Kieselsäure und Vitamin C finden ihre weitere Verwendung als Heil- und Kosmetikpflanze, Hausmittel, Tee, Färbemittel, Seifen und Zahnpasta, Lebensmittelfarbenherstellung und Bioschädlingsbekämpfer (Kaltwasserextrakt). Die Brennessel ist eine vielseitige Nutzpflanze, ein Lieferant hochwertiger Rohstoffe für die Textil aber auch Papierindustrie. Nachhaltiges Wirtschaften in weitestgehend geschlossenen, regionalen Kreisläufen ist mit der Urticia doica als Faserpflanze gut möglich. Sie ist eine der landwirtschaftlich vorteilhaftesten Nichtnahrungspflanzen.

Im Vergleich zu anderen Faserpflanzen, die 1 jährig sind, hat sie geringe Bearbeitungsaufwendungen, vor allem im Vergleich zu marktfähigen Bastfasern und Zellulose.

3.3. Die Brennnessel - Von der Faser zum Stoff

Wie können aus dem störrischen Unkraut ein Stück Zukunft und außergewöhnlicher Stoff werden? Als die „Ratte des Pflanzenreiches“, „gemein wie der Teufel“, „wehrhaft, und „so ausdauernd wie ein Marathonläufer“, ist sie bekannt - die Brennessel.

Kein ökologisches Nischenprodukt sondern internationale Verbreitung durch importfähige Ware, ist das Ziel der aktuellen Brennesselprojekte. Die Einen versuchen dies mit dem höchsten Maß an Ökologie zu erreichen; andere Projekte bauen auf die Verbreitung im konventionellen Markt, wobei der Massenkonsum und die Akzeptanz auf dem Markt Vorrang haben. Ein Ziel haben alle: preiswerte Textilien herzustellen, denn jeder soll sich Naturwaren leisten können.

Nach der Ernte werden aus dem Stengelmaterial die Fasern zur Textilherstellung gewonnen. Sie haben Eigenschaften, die wichtig für die Stoffproduktion sind, wie: Hoher Faseranteil, wenig Blattwerk, besonderes Höhenwachstum. Das aufgeschlossene Fasermaterial sieht wie Baumwolle aus und hat eine hellgraubraune bis reinweiße Färbung. Die isolierten feinen Fasern, laufen spitz aber auch abgerundet zu, sie sind sehr lang und reißfest - ideal für hochwertige, strapazierfähige und langlebige Stoffe. Für die Herstellung von Garnen eignen sich besonders hohe Faserlängen von 30-40 mm.

Die Veredelung ist ein generelles Problem der Textilindustrie. Besonders bei Bastfasern und vor allem bei der ökologische Faseraufschlüsselung, die entweder mechanisch oder enzymatisch durch Enzyme und Bakterien (mikrobiologisch) ohne Chemikalien, bewerkstelligt werden kann. Dies geschieht durch den Abbau von Pektinen und anderen Nichtzellulosen der Rinde. Diese Methoden stehen Anfang ihrer Entwicklung. Hier besteht noch erheblicher Forschungsbedarf. Durch Weiterentwicklung der Methoden der Stengelentrindung zur Faserweiterverarbeitung kann auch die Fasernessel im größeren Umfang zur Fasergewinnung genutzt werden. Die Nutzungsmöglichkeit der Fasernessel beinhaltet auch einen technischen Einsatz (wie beim Flachs) der langfaserigen, hochwertigen, festen, feinen Fasern.

Der Preis für kbA Nessel wird unter dem von Leinen oder Hanf liegen, jedoch etwas über dem von kbA Baumwolle. Ab Frühjahr 2001 ist die Rohware, als Meterware, überall käuflich. Unter diesen Voraussetzungen kann „nettle“ in Konkurrenz zur Baumwolle treten, insbesondere, da ihre Materialeigenschaften denen der Baumwolle überlegen sind. Das wird in Kapitel 4.2 ausgeführt werden. Hieraus wird deutlich, dass der Einsatzbereich dieses Stoffes vor allem im Bekleidungs- und Bettwäschesektor liegen wird.

Die Verarbeitungsschritte des Materials von der Pflanze bis zum fertigen Produkt sind in groben Zügen, in der folgenden Graphik: Vom Anbau zur Fertigware, dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kriterien der ökologischen Produktion ( zur Zeit beim Anbau der Uni Göttingen und dem Projekt des Stoffkontors) sind:

- Im gesamten Produktionsprozess vom Anbau bis zur Stoffherstellung sollen entlang der gesamten textilen Kette ökologische Kriterien optimiert werden.
- Die Qualität der Böden ist sehr wichtig: der Boden muß frei von Schadstoffen sein (und das richtige feuchte Klima haben) Anbaubedingungen: wenigstens 5 Jahre muß sie angebaut und geerntet werden
- Düngung: Bedarf gering, zu decken über organische Dünger und Legummiosen
- Pflanzenschutz: der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln ist untersagt (Brennnessel verträgt sie nicht und nicht ökologisch vertretbar), auch keine Stickstoffzugabe
- Die Veredelung erfolgt mechanisch, ohne Formaldehyd oder AOX, ist schwermetallfrei und schließt die Verwendung anderer, belastender Zusatzstoffe aus
- Abwasserklärung und Veredelung: Die Veredelungspartner besitzen eine 3 stufige Kläranlage als Beitrag zur Langzeitbiologie, die dem neusten Standart entspricht. Das heißt z.B. Farbreste können wieder in Produktion einfließen ( geschlossener Wasserkreislauf)
- Für die Zukunft: Die Entwicklung von ökologischen Anbaumethoden für die großflächige Nutzung der Pflanze und damit verbundener

Forschungsbedarf, bezüglich der Nutzung für die textile Produktion, sowie in allen anderen Einsatzgebieten, was schon mit dem Anbau und somit den Faserlängen der Pflanze, die bestimmend sind, anfängt.

3.4 Ökonomie und Ökologie der Nessel

Eine steigende Nachfrage nach umweltgerechten Produkten (z.B. pestizidfreie Kleidung), die darüber hinaus regional anbaubar sind, belebte das Interesse an der Brennnessel wieder.

Hohe Reißfestigkeit und Länge der Fasern machen sie attraktiv. Für die Herstellung von Verbundwerkstoffen, aber auch in der textilen Herstellung zeigt sie sich vorteilhaft: seidiger Glanz, Geschmeidigkeit, Reißfestigkeit, Faserfeinheit und hohe Einzelfaserlängen. Eigenschaften, die ganz im Gegensatz zu ihrem abweisenden Äußeren stehen.

Die Fasernessel ist die Weiterzüchtung der Großen Brennsessel. „Nesselstoff“ bezieht sich auf ursprüngliche Gewebe aus Brenneselfasern, Ramie oder anderen Artverwandten, nicht zu verwechseln mit dem Nessel - ein leinwandiges Baumwollgewebe mit beigefarbenem Ton und rauher Optik.

Die einheimische Fasernessel kann fast überall angebaut werden und bietet sich aus ökonomischen und ökologischen Gründen als nachwachsender, einheimischer Rohstoff für eine umweltgerechte Produktion von Nesselfasern und Zellstoff an.

Die Fasernessel wirft keine neuen ökologischen Probleme auf. Alle Pflanzenteile sind nutzbar und chemische Mittel, vor allem Pflanzenschutz sind unnötig. Sie ist dem Klima in Europa angepaßt, da sie hier heimisch und weit verbreitet ist. Außerdem kann sie zur Minderung ökologischer Probleme beitragen, wie z.B. Bodenerosion, vor allem durch die hohe Nutzungsdauer von 10-15 Jahren.

Sie ist eine umweltgerechte Nutzpflanze, da sie kaum Dünger und Pflege braucht und bei einem ökologischem Anbau die Vielfalt der Agrarlandschaft unterstützt. Außerdem bewirkt sie eine Verbesserung des Bodens und eine Minderung der Luftbelastung.

Ökonomisch gesehen ist der Brennesselanbau sehr sinnvoll einzusetzen. Die Landwirte, die wie schon erläutert, Brennesseln auf stillgelegten Flächen anbauen gehen kein finanzielles Zusatzrisiko ein, Sie beziehen weiterhin ihre Stillegungsprämie der EU und haben einen zusätzlichen Verdienst

200 DM pro Tonne Trockengewicht Nesselstroh (in diesem Fall bezahlt der Stoffkontor).

[...]

Details

Seiten
117
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783832457884
ISBN (Buch)
9783838657882
Dateigröße
3.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v221257
Institution / Hochschule
Hochschule Hannover – unbekannt
Note
3,3
Schlagworte
mode ökologie design forschung bekleidung

Autor

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Titel: Die Brennessel - Natural Future Fibre