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Gated Communities als neue Wohnform in Südfrankreich

Magisterarbeit 2002 132 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung
1.1 Zielsetzung
1.2 Beschreibung des Forschungsablaufes

2. Die U.S.A. als Ursprung der Gated Communities
2.1 Allgemeine Merkmale der Gated Communities
2.1.1 Physische Charakteristika
2.1.2 Verwaltung und Instandhaltung
2.1.3 Regelwerke
2.1.4 Rolle der Bauherren
2.1.5 Bewohner der Gated Communities
2.2 Typologie der Gated Communities in den U.S.A.
2.2.1 Lifestyle Communities
2.2.2 Prestige Communities
2.2.3 Security Zone Communities
2.3 Entwicklung und heutiger Stellenwert der Gated Communities

3. Beschreibung des Untersuchungsgebietes
3.1 Abgrenzung des Untersuchungsgebietes
3.2 Bevölkerungsentwicklung und –verteilung
3.3 Entwicklung und heutiges Ausmaß der Urbanisierung
3.4 Wirtschaftsstruktur 39
3.5 Soziale Schichtung der Bevölkerung
3.6 Entwicklung der Kriminalität
3.7 Spezifische Problemkreise

4 Die Wohnform der Gated Communities in Südfrankreich, Ergebnis der empirischen Untersuchungen
4.1 Typologie der Gated Communities in Südfrankreich
4.1.1 Typ 1: Wohnanlagen mit Hauptwohnsitzfunktion
Definition
Bautypen
Aufkommen und Entwicklung
Verbreitung
4.1.2 Typ 2: Nachgerüstete Wohnanlagen mit Hauptwohnsitzfunktion
Definition
Bautypen
Aufkommen und Entwicklung
Verbreitung
4.1.3 Typ 3: Wohnanlagen mit Zweitwohnsitz und Ruhesitzfunktion
Definition
Bautypen
Aufkommen und Entwicklung
Verbreitung
4.1.4 Typ 4: Wohnparks der Technopole
Definition
Bautypen
Aufkommen und Entwicklung
Verbreitung
4.2 Sicherheit und Verkehrsruhe als Gestaltungskonzept der Gated Communities
4.3 Exklusivität als Gestaltungskonzept der Gated Communities
4.4 Charakteristische Merkmale der Bewohner der französischen Gated Communities
4.5 Verwaltung und Instandhaltung der französischen Gated Communities
4.6 Regelwerke der französischen Gated Communities
4.7 Marketingstrategien der Bauherren

5. Gründe für das Aufkommen der Gated Communities
5.1 Sozioökonomische Vorraussetzungen des Untersuchungsgebietes
5.2 Demographische Veränderungen innerhalb der Gesellschaft
5.3 Künstlich erzeugtes Bedürfnis des Marktes durch Marketingstrategien

6. Vergleich der Gated Communities in Südfrankreich und in den U.S.A.
6.1 Konvergenzen
6.2 Divergenzen

7. Schlussbetrachtungen
7.1 Zusammenfassung
7.2 Ausblicke

8. Literaturverzeichnis

Lageplan der Gated Communities im Untersuchungsgebiet

Anhang

Abbildungsverzeichnis:

Abb.:1 Beispiel einer Gated Community in Deutschland

Abb.2: Plan der Gated Community „Leisure World: Laguna Hills”

Abb.3: Logo der Gated Community „Leisure World: Laguna Hills”

Abb.4: Zunahme der privaten Wohnsiedlungen in den U.S.A. von1960 bis 2000

Abb.5: Geschätzte Zunahme der Gated Communities in den U.S.A. von 1970 bis 2000

Abb.6: Übergang vom Schachbrettgrundriss zum Sackgassenprinzip in den U.S.A.

Abb.7: Karte der Regionen Frankreichs

Abb.8: Karte der Departements Frankreichs

Abb.9: Karte der Region Provence-Alpes-Cote d’Azur

Abb.10: Lage der Region Provence_Alpes-Cote d’Azur

Abb.11: Bevölkerungswachstum in Frankreich von 1800 bis 1990

Abb.12: Jährliches Bevölkerungswachstum in den Regionen von 1954 bis 1999

Abb.13: Bevölkerungsverteilung in Frankreich 1990

Abb.14: Bevölkerungsdichte in den Agglomerationen 1990

Abb.15: Entwicklung der Land- und Stadtbevölkerung von 1806 bis 1982

Abb.16: Anteil der Wirtschaftssektoren in den Regionen 1995

Abb.17: Veränderung der Berufsgruppen von 1962 bis 1990

Abb.18: Anteil der Personen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten 1996

Abb.19: Anteil der Personen mit Minimaleinkommen 1996

Abb.20: Jährliches pro Kopf Durchschnittseinkommen, 1995

Abb.21: Durchschnittliche Vermögenssteuer pro Kopf, 1993

Abb.22:Anteil der Oberschicht an der aktiven Bevölkerung, 1990

Abb.23: Evolution der Kriminalität in Frankreich von 1950 bis 1993

Abb.24: Kriminalitätsrate auf Ebene der Regionen, 1987

Abb.25: Kriminalitätsrate auf Ebene der Departements, 1987

Abb.26: Problemvierteltypen in der Region Provence Alpes Cote d’Azur, 1996

Abb.27 : Grundriss „Les Jardins de la Rotonde“

Abb.28: Verbreiteter Grundriss für Gated Communities im Stadtzentrum

Abb.29: Grundriss „La Chapelle“

Abb.30: Grundriss „La Parade“

Abb.31: Grundriss „La Moliere“

Abb.32: Lage der Gated Communities in Aix en Provence

Abb.33: Lage des neuen Baugrundes in Marseille

Abb.34: Grundriss „Rocas Plage“

Abb.35: Grundriss „Boulevard Guy Guynemer“

Abb.36: Grundriss „Port Gimaud“

Abb.37: Grundriss „Pont Royal“

Abb.38: Lage der Wohnparks um Sophia-Antipolis

Abb.39: Grundriss des Wohnparks „Green Side“

Abb.40: Grundriss „Village Greenside”

Abb.41: Grundriss „Domaine Greenside”

Abb.42 : Grundriss „Vallon des Sources“

Abb.43 : Werbekampagne der Gated Community „Domaine de St. Barnabé“

Abb.44 : Werbekampagne der Gated Community „Les Hauts d’Esterel-Plage“

Abb.45 : Werbekampagne der Gated Community „Le Domaine des Grands Pins“

Abb.46: Werbekampagne der Gated Community „Villa Piazza“

Abb.47 : Werbekampagne der Gated Community „Les Jardins d’Eden“

Abb.48 : Werbekampagne der Gated Community „Les Jardins de Syracuse“

Abb.49 : Werbekampagne der Gated Community „Les Villas Marines“

Abb.50 : Werbekampagne der Gated Community „Les Hauts de Mazargues“

Fotoverzeichnis:

Foto 1: Wachhaus der Gated Community „ Sunrise Bluffs“

Foto 2: Privater Wachdienst der Gated Community „Ford’s Colony“

Foto 3: Ansicht der Gated Community „Les Jardins de la Rotonde“

Foto 4: Eingang der Gated Community „Les Jardins de la Rotonde“

Foto 5: Tor der Gated Community „La Chapelle“

Foto 6: Architektur der Gated Community „La Chapelle“

Foto 7: Tor der Gated Community „Panouse“

Foto 8: Design der Gated Community „Panouse“

Foto 9: Design der Gated Community „Panouse”

Foto 10: Wachhaus der Gated Community „La Parade“

Foto 11: Begrenzungen der Gated Community „La Parade“

Foto 12: Ein- und Ausfahrt der Gated Community „La Moliere“

Foto 13: Aneinanderreihung von Gated Communities in Aix en Provence

Foto 14: Tor der Gated Community „Rocas Plage“

Foto 15: Straßenbarrikade der Anlage „Boulevard Guy Guynemer“

Foto 16: Beschilderung der Anlage „Boulevard Guy Guynemer“

Foto 17: Gated Community „Port Grimaud“

Foto 18: Bewachte Zufahrt der Gated Community „Port Grimaud“

Foto 19: Verkehrsregelung innerhalb von „Port Grimaud“

Foto 20: Villen in der Gated Community „Pont Royal“

Foto 21: Hotelanlage in der Gated Community „Pont Royal“

Foto 22: Tor in der Gated Community „Pont Royal“

Foto 23: Zufahrt der Gated Community „Le Pardigon“

Foto 24: Tor der Gated Community „Les Villas de Greenside“

Foto 25: Design des Wohnparks „Domaine Greenside“

Foto 26: Verbots-Beschilderungen der Anlage „Les Demeures de Monclar“

Foto 27: Tore als Zugangsbeschränkung der Gated Communities

Foto 28: Wachhaus einer Gated Community

Foto 29: Begrenzung der Anlage „Les Demeures de Monclar“

Foto 30: Begrenzung der Anlage „Villas Palazzi“

Foto 31: Begrenzung der Anlage „La Parade“

Foto 32: Bewachte Zufahrt einer Gated Community

Foto 33: Wachhaus der Gated Community „Domain des Canebieres“

Foto 34: Kameraüberwachung einer Gated Community

Foto 35: Straßenbild einer nachgerüsteten Gated Community

Foto 36: Verfallserscheinungen in einer Gated Community

Foto 37: Zufahrtsgestaltung einer älteren Wohnanlage

Foto 38: Tore als Gestaltungsmerkmal

Foto 39: Grünraumgestaltung im Inneren der Wohnanlagen

Foto 40: Straßendesign im Inneren der Wohnanlagen

Foto 41: Gebäudegestaltung im Inneren der Wohnanlagen

Foto 42: Gestaltung im Inneren der Anlage „Port Grimaud“

Foto 43: Freizeiteinrichtungen großer Gated Communities

Foto 44: Gated Community in der Bauphase

Foto 45: Tor in der Bauphase

Tabellenverzeichnis:

Tab.1: Bevölkerungswachstum in Frankreich von 1946 bis 1996

Tab.2: Bevölkerungsentwicklung nach Gemeindetypen von 1975 bis 1990

Tab.3 :Bevölkerungsveränderung zwischen 1982 und 1990 nach Gemeindetypen

Tab.4: Bevölkerungswerte der Departements

Tab.5: Durchschnittsverdienste der Berufsgruppen

Tab.6: Arbeitslosenquote der Region Provence-Alpes-Cote-d’Azur

Tab.7: Sozioökonomische Klassen in der Region Provence -Alpes-Cote d’Azur, 1990

Tab.8: Abfolge des Aufkommens der Gated Community Typen

Vorwort

Die vorliegende Diplomarbeit entstand während eines achtmonatigen Auslandsaufenthaltes in Aix en Provence, Südfrankreich., der im Zeitraum von Oktober 2000 bis Juni 2001 stattfand und im Rahmen des Erasmus- Austauschprogramms erfolgte.

Thema der Arbeit ist das Aufkommen der Gated Communities, wobei diese Wohnform mehr ist als nur eine temporärer Trend auf dem Immobilienmarkt. Denn die zunehmende Popularität der Gated Communities zeigt auch Veränderungen in der Gesellschaft auf. So tritt an Stelle der Solidarisierung die Abgrenzung der sozialen Klassen voneinander, als erstrebenswertes Ziel.

Forschungsziel war es die hauptsächlich aus den U.S.A. bekannte Wohnform der Gated Communities in Südfrankreich nachzuweisen und regionale Besonderheiten herauszuarbeiten. Überraschend war dabei vor allem die große Anzahl der Gated Communities in dem Untersuchungsgebiet, so dass man nicht mehr von einer Randerscheinung sprechen kann. Möglicherweise kann diese Arbeit dazu dienen, den bei Forschungsarbeiten im Themenkreis der Gated Communities auf die U.S.A. fokussierten Blick etwas zu ändern und auch Europa ins Blickfeld zu rücken.

Das Gelingen der Arbeit wäre ohne die Unterstützung vieler Personen nicht möglich gewesen, wobei vor allem meine Betreuer in Innsbruck und in Aix en Provence mir sehr tatkräftig und hilfreich zur Seite standen.

1. Einleitung

Der Begriff „Gated Community“ taucht in den letzten Jahren vermehrt in den Medien und der sozialwissenschaftlichen Literatur auf. Gemeint sind privatverwaltete und für die Öffentlichkeit geschlossene Wohnkomplexe, in denen sich die meist oberen sozialen Schichten von der restlichen Gesellschaft absondern. Nachdem der Begriff lange Zeit nur mit den U.S.A. assoziiert wurde, kristallisiert sich nun langsam das Bild eines sich weltweit ausbreitenden Trends heraus. Einige Quellen gehen sogar so weit, geschlossene Wohnkomplexe als den am schnellsten wachsenden Immobilientrend der Welt darzustellen (nach Stocks 2000). Wenn sich diese Angabe auch nicht verifizieren lässt, ist es dennoch eine Tatsache, dass Gated Communities in zahlreichen Ländern immer populärer werden.

Nach Glasze (2001) finden sich unterschiedliche Formen geschlossener Siedlungen neben den U.S.A. auch in einigen Metropolen Südamerikas und Asiens, in Südafrika, dem Nahen Osten, ehemaligen kommunistischen Staaten Osteuropas und auch in manchen Ländern Mittel- und Südeuropas. Auch im deutschsprachigen Raum wurden schon erste Projekte realisiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.:1 Beispiel einer Gated Community in Deutschland (1997)

Die Wohnanlage „Arkadien“ in Potsdam bei Berlin stellt eine der ersten Gated Communities in Deutschland dar. Auf 30 000 m² umfasst das Projekt acht Villen mit insgesamt 43 Luxusappartements. In der 1997 fertiggestellten Wohnanlage werden für Quadratmeterpreise, die weit über dem lokalen Durchschnitt liegen den Bewohnern neben einem umfassenden 24 Stunden Wachdienst viele weitere Dienstleistungen geboten. (nach Arbinger T. 1998)

Quelle: Werbematerial der Wohnanlage

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Begründet liegt dieser Trend zu geschlossenen und privat verwalteten Wohnanlagen (nach Workshop “Gated Communities as a global Phenomenon”, Zusammenfassung, Hamburg 1999) hauptsächlich in den sozioökonomischen Veränderungen und den Marketingstrategien der Immobileinwirtschaft. Die Bewohner selbst geben laut Caldeira (1996) meist den erhöhten Sicherheitsstandart der Gated Communities als Entscheidungsgrund an. Obwohl nach Blakely und Snyder (1997) andere Faktoren, wie etwa die Möglichkeit zu entscheiden, „mit wem man wohnt“ indem man sich an der Zielgruppe der einzelnen Communities orientiert genauso entscheidend sind. Als Folge ziehen sich die oberen sozialen Klassen in sehr spezifisch auf einen bestimmten „Lifestyle“ ausgerichtete Wohnanlagen zurück und segregieren sich vom Rest der Gesellschaft.

Die Gated Community „Hidden Hills“ bei Los Angeles in den U.S.A. könnte als Paradebeispiel eines Ghettos für die Reichen und Erfolgreichen dienen. Schon die Preisklasse dient als Verkaufswerkzeug und stellt sicher, dass nur sehr Wohlhabende es sich leisten können in „Hidden Hills“ zu wohnen. So beginnt die Preisskala nach Ciotti (1992) bei 600.000 Dollar und reicht bis 5.000.000 Dollar. Die „ethnische“ Zusammensetzung der 1729 Bewohner weist 95 Prozent Weiße, 3 Prozent Asiaten und 0.5 Prozent Schwarze auf. 100 Prozent sind englischsprachig und die durchschnittliche Schulbildung der Bewohner liegt weit über dem Landesdurchschnitt.

Die fortschreitende Polarisierung und Desolidarisierung der Gesellschaft (nach Frantz 2001, S.12) drückt sich aber nicht nur durch die räumliche Segregation der sozioökonomischen Gruppen aus, sondern auch in den zunehmenden Bestrebungen der Bewohner Gated Communities Einrichtungen außerhalb der Wohnanlage nicht mehr durch Steuergelder zu finanzieren, sich nicht mehr für das Gemeinwohl verantwortlich zu fühlen. Nach Glasze G. (2001) sind in den U.S.A. nun schon einige große Gated Communities als eigenständige Gemeinden anerkannt worden, wie auch das Beispiel „Hidden Hills“. So wird die lokale Vermögenssteuer nur noch für die Community selbst verwendet.

1.1 Zielsetzung

Ziel der Arbeit ist es das Vorhandensein von Gated Communities in Südfrankreich an der Cote d’Azur zu verifizieren. Einen Überblick über die Verbreitung dieser speziellen Wohnform zu erhalten und regionale Besonderheiten der französischen Gated Communities herauszuarbeiten. Außerdem soll ein Vergleich der in dem Untersuchungsgebiet gewonnenen Ergebnisse mit Forschungsergebnissen über amerikanische Gated Communities durchgeführt werden, um so mögliche Unterschiede zwischen den Wohnanlagen aus den U.S.A., die den Ursprung des Massentrends darstellen und der in Frankreich entwickelten Form zu ermitteln.

1.2 Beschreibung des Forschungsablaufes

Um die Begriffe in Zusammenhang mit „Gated Communities“ zu klären und einen Überblick der charakteristischen Merkmale dieser speziellen Wohnform zu erhalten wird auf die aktuellen Arbeiten der sozialwissenschaftlichen Forschung eingegangen und deren Ergebnisse unter Punkt 2 vorgestellt. Fokussiert ist dieser theoretische Teil auf die U.S.A. als Ursprungsland der Gated Communties, da sich einerseits die aktuellen Forschungsarbeiten fast ausschließlich auf Amerika beziehen und andererseits um den späteren Vergleich der empirisch erhobenen Ergebnisse in Frankreich mit den Verhältnissen in den U.S.A. zu ermöglichen.

Für den Einstieg in Frankreich wird unter Punkt 3 ein umfassender Überblick über das genau abgegrenzte Untersuchungsgebiet geboten. Es werden alle Parameter von Bevölkerungswachstum, Urbanisierungsrate, Wirtschaftsstruktur, Verteilung der sozialen Klassen und vor allem gesellschaftliche Problemkreise, wie Kriminalitätsrate, Problemviertel und Polarisierung der Gesellschaft betrachtet. So werden die Verhältnisse in dem Untersuchungsgebiet vermittelt und sozioökonomische Veränderungen gezeigt, die auch für den Boom der Gated Communities verantwortlich gemacht werden.

Den Hauptteil der Arbeit bildet die Vorstellung der empirisch erhobenen Ergebnisse in Frankreich. Im Laufe der Erhebungen wurden zuerst zahlreiche Gated Communities ermittelt und auf diverse Fragestellungen hin untersucht. Etwa wie die Organisation abläuft, welche privaten Dienstleistungen genutzt werden, welche Preisklassen, welche Regelwerke oder sonstige Beschränkungen, was für Zugangsbeschränkungen vorhanden sind oder welche Bewohnerschicht Gated Communities bewohnt. Neben diesen die Wohnanlagen selbst betreffenden Fragen wird auch auf die Marketingstrategien der Bauherren, die Entwicklungsgeschichte und die Typologie der Gated Communities eingegangen.

Zur Erkenntnisgewinnung wurden neben der Kartierung zahlreicher Wohnanlagen, Interviews mit Bewohnern, Vertretern der Eigentümerverbände, Personal der Wohnkomplexe und Immobilienmaklern durchgeführt.

Weiter werden Unter Punkt 5 die Gründe für das Aufkommen der Gated Communities in Südfrankreich aufgezeigt. Unter Punkt 6 wird ein Vergleich zwischen dem Typ der amerikanischen Gated Community und der südfranzösischen geschlossenen Wohnanlage vorgenommen und schließlich unter Punkt 7 eine Zusammenfassung und ein Ausblick über mögliche Entwicklungsszenarien geboten.

2. Die U.S.A als Ursprung der Gated Communities

Die Idee private Wohnkomplexe mit umfangreichen Zugangsbeschränkungen und Kontrolleinrichtungen zu errichten, um alle Fremden fernzuhalten, wurde nicht unbedingt in den U.S.A. geboren, denn Gated Communities wurden im 18. Jahrhundert schon in England konstruiert (nach Blakley und Snyder ,1997, S.4). Aber die Entwicklung der Gated Communities zum Massenprodukt für verschiedene soziale Klassen, fand unbestreitbar in den 60er Jahren in den U.S.A. statt.

Von Nordamerika hat dann diese Wohnform ihren Siegeszug rund um den Globus gestartet. So gibt es heute nach Glasze (2001, S.40) geschlossene Wohnanlagen auch in Südamerika, Asien, Afrika und Europa.

Da die Innovation von den U.S.A. ausging, sind die Gated Communities in Amerika für einen Vergleich mit geschlossenen Wohnkomplexen in anderen Ländern sehr gut geeignet, um zu zeigen, welche Unterschiede oder Gemeinsamkeiten zwischen der Originalform und den adaptierten Formen in dem jeweiligen Untersuchungsgebiet vorhanden sind. Außerdem sind die Gated Communities der U.S.A. während der 90er Jahren in den Blickwinkel der Medien und der Forschung geraten. Aus diesem Grund sind für die privaten und geschlossenen Wohnkomplexe in Amerika die meisten Daten vorhanden. Ein Umstand der den Vergleich mit empirisch erhobenen Ergebnissen aus einem anderen Teil der Welt ermöglicht.

2.1 Allgemeine Merkmale der Gated Communties

2.1.1 Physische Charakteristika

Gated Communities sind private Wohngebiete, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Dabei befinden sich nicht nur die Häuser und Grundstücke im Privatbesitz der Eigentümer, sondern auch alle Straßen, Grünflächen und ähnliches innerhalb der Wohngebiete sind im Gemeinschaftsbesitz und unter Eigenverwaltung der Bewohner. Aus diesem Grund ist es den Bewohnern möglich allen Nichtbewohnern den Zutritt zu dem Wohnviertel, das Benutzen der Straßen oder eventuellen Freizeiteinrichtungen sowie der Grünflächen zu untersagen. Die Grundidee alle Fremden aus dem Wohngebiet zu verbannen ist allen Gated Communities gemeinsam, die äußere Form kann aber sehr unterschiedlich sein.

Um sich von der Außenwelt abzuschirmen, wenden die Bewohner eine Vielzahl unterschiedlicher Methoden an. Das Spektrum reicht von einfachen „Eintritt Verboten“ Schildern an den Zufahrtsstraßen über elektrische Tore , die die Zufahrtsstraßen versperren, bis hin zu bewaffnetem Wachpersonal an den Eingängen der Wohngebiete. Ebenso reicht die Palette der Umgrenzung von einfachen Zäunen und Mauern über Kameraüberwachung hin zu Wachpatrouillen und High-Tech Überwachungssystemen.

Beispiele unterschiedlicher Zugangsbeschränkungen in den U.S.A

Quelle: Internetauftritt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Foto 2: Privater Wachdienst der Gated Community „Ford’s Colony“

bei Williamsburg, Virginia. Diese Wachdienste patrouillieren ebenfalls innerhalb der Community und führen auf Wunsch auch Sicherheitskontrollen in den Wohnhäusern durch, während die Bewohner abwesend sind (Stand: 2001).

Quelle: Internetauftritt

www.fordscolony.com

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auch die Größe der Gated Communties kann stark variieren und reicht in den U.S.A., nach Frantz (2000), von einem Appartementhaus oder ein paar wenigen Häusern bis zu ganzen Städten mit mehreren tausend Gebäuden, wie das Beispiel von „Leisure World Laguna Hills“ in Orange County, Kalifornien zeigt. Dabei handelt es sich um eine Siedlung mit 22 000 Bewohnern, die im Jahr 2000 den Status einer eigenen Stadt erlangt hat.

Abb.2: Plan der Gated Community „Leisure World: Laguna Hills”, Orange County, Kalifornien (2001)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Übersichtskarte der Gated Community „Leisure World Laguna Hills“ in den U.S.A., die eine Flächen von 4.8 Quadratkilometern umfasst und deren private Straßen eine Länge von circa 43.5 Kilometern erreichen. M it 22. 000 Bewohnern ist „Leisure World Laguna Hills“ die größte Gated Comunitiy in den U.S.A..

Quelle: Internetauftritt

www.leisureworldtoday.com

Vergrößerter Kartenausschnitt (markiert in der kompletten „Leisure World Laguna Hills“ Karte), der die einzelnen Grundstücke erkennbar macht und so einen Eindruck der Ausmaße der Wohnanlage vermitteln kann.

Quelle: Internetauftritt

www.leisureworldtoday.com

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Palette der Häuser, die man in Gated Communities finden kann, umfasst Appartementhäuser, Reihenhäuser, standardisierte oder individuell gestaltete Einfamilienhäuser. Je nach der sozialen Schicht der Bewohner unterscheidet sich auch die Größe der Häuser bzw. Grundstücke und die Ausstattungen der Gebäude, sowie die architektonische Gestaltung der gesamten Anlage. Aber nicht nur zwischen verschiedenen Gated Communities gibt es solche Unterschiede. Auch innerhalb einer Wohnanlage sind manchmal verschiedene Areale zu erkennen, die unterschiedlichen Preisklassen entsprechen. Teilweise sind diese Areale durch Tore voneinander getrennt. Also eigentlich Gated Communities in der Gated Community. Diese einzelnen Teile einer Wohnanlage sind auf verschiedene soziale Schichten ausgerichtet und unterscheiden sich in Art und Ausstattung der Gebäude, zudem sind sie noch baulich durch Tore und Zäune voneinander getrennt.

Nach Frantz (2001, S.14) ist die Hauptfunktion, für die US-amerikanischen Gated Communties errichtet werden, eindeutig das Wohnen und nur selten werden andere Funktionen integriert. Viele private Wohnanlagen bieten als Ergänzung aber verschiedene Freizeiteinrichtungen an, die dann ausschließlich den Bewohnern vorbehalten sind. Als Beispiele kann man etwa Golfplätze, Swimmingpools, Tennisplätze aufzählen oder andere Annehmlichkeiten, wie Parkanlagen innerhalb der Wohnanlage, exklusiver Zugang zu einem Seeufer oder Strand. Manchmal werden sogar künstliche Seen angelegt, wenn die landschaftliche Lage der Anlage nicht attraktiv genug ist. Je größer die Gated Community ist, desto umfangreicher kann auch die Ausstattung mit Freizeiteinrichtungen ausfallen, da dann die Unterhaltskosten von einer größeren Zahl an Bewohnern getragen werden.

Beispielsweise die schon erwähnte Gated Community „Leisure World“ bietet ihren Bewohnern zwei Golfplätze, einen Swimming Pool mit olympischen Ausmaßen, Tennisplätze, Fitnessstudios und eine private Bibliothek.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Logo der Gated Community „Leisure World Laguna Hills”, Orange County, Kalifornien (2001)

Die Ausrichtung der Community „Leisure World Laguna Hills“ auf diverse Möglichkeiten der Freizeitgestaltung ist schon an dem Logo der Wohnanlage zu erkennen, das zu Marketingzwecken im World Wide Web benutzt wird.

Quelle: Internetauftritt

www.leisureworldtoday.com

Beispiel für große auf Erholung und Freizeitgestaltung ausgerichtete Gated Communities könnte man in den U.S.A. viele nennen. Einige allerdings fallen sogar unter diesen zahlreichen aufwendigst gestalteten Wohnanlagen auf. Wie etwa die Anlage „Lake California“ im Northern Sacramento Valley, Kalifornien, die ihren Bewohnern nicht nur Tennisplätze, Pools und ein Clubhaus, einen privaten See, einen privaten Reitstall inklusive privater Reitpfade, sondern außerdem noch ein privates Flugfeld innerhalb der Wohnanlage bietet. (Quelle: www.lakecalifornia.com, 2001)

2.1.2 Verwaltung und Instandhaltung

Nach McKenzie (1994, S.19) wird beim Einkauf in eine Gated Community neben dem individuellen Grundstück, Haus oder Appartement auch einen Anteil an den Flächen in Gemeinschaftsbesitz, wie Straßen, Grünflächen und ähnlichem erworben. Daher übernimmt ein Käufer auch einige Rechte und Pflichten, die in öffentlichen Wohngebieten nicht vorhanden sind.

Da die gesamte Infrastruktur der privaten Wohnanlagen im Gemeinschaftsbesitz ist, müssen die Bewohner auch für die Instandhaltung und die benötigten Dienstleistungen selbst aufkommen. Übliche Dienstleistungen, die normalerweise durch die öffentliche Hand abgedeckt werden, müssen in Gated Communities durch private Firmen ausgeführt werden. Beispiele sind etwa Schneeräumung, Gärtnerservice für die gemeinsamen Grünflächen oder Straßenreinigung. Dazu kommen noch die speziellen Dienstleistungen in einer privaten Wohnanlage, wie etwa Wachdienst, Verwaltung oder Instandhaltung der Freizeiteinrichtungen und weitere Kosten, etwa für die Straßenbeleuchtung oder Reparaturen der Straßen, Kanalisation, etc. Die dadurch entstehenden Kosten werden von den Bewohnern einer Gated Community durch regelmäßige Abgaben getragen. Je nach Größe und Ausstattung der Gated Community kann der finanzielle Aufwand für die Bewohner stark variieren. Nach Frantz (2001, S.15) können die monatlichen Kosten auf bis zu 1500 Dollar kommen.

Nach McKenzie (1994, S.127) wird ein Interessent, sobald er ein Haus in einer Gated Community käuflich erwirbt, automatisch Mitglied des Eigentümerverbandes oder Homeowner Association, wie diese in der englischsprachigen Literatur bezeichnet werden. Durch diese obligatorische Mitgliedschaft, bei der ein Austritt nur durch den Verkauf des Hauses, Grundstückes etc. möglich ist, verpflichtet sich der Käufer, die Abgaben für die Instandhaltung der Wohnanlage zu zahlen und auch die jeweiligen Regelwerke der Wohngebiete zu befolgen.

Neben der Instandhaltung der Privatsiedlungen sind die Bewohner ebenso für die Verwaltung zuständig. Diese Aufgabe fällt auch dem schon erwähnten Eigentümerverband zu, der für die Verwaltungsaufgaben entweder Vertreter der Eigentümervereinigung aus der Bewohnergruppe wählt oder professionelle Agenturen beauftragt.

Unter diese Verwaltungsaufgaben fällt die Instandhaltung der gemeinsamen Räume und Flächen durch die Beauftragung privater Dienstleistungsfirmen, die Verwaltung der Konten der Eigentümervereinigung, um die laufenden Kosten und etwaige außerplanmäßige Ausgaben zu decken und die Überwachung aller Bewohner in Bezug auf die termingerechte Zahlung der Abgaben und der Einhaltung der Regelwerke.

McKenzie (1994, S.126) geht soweit und bezeichnet diese Eigentümerverbände in den U.S.A. als eine Form von Privatregierungen. Denn die Verbände verwalten und kontrollieren nicht nur die Flächen im Gemeinschaftsbesitz, sondern üben auch Einfluss auf die Bereiche des individuellen Besitzes der einzelnen Bewohner aus. Sie üben Macht über alle Mitglieder des Verbandes, also alle Bewohner der Gated Community und auch Nicht-Mitglieder, wie Besucher aus. Die Entscheidungen des Verbandes schreiben den Bewohnern die Instandhaltung ihres privaten Besitzes vor und in manchen Bereichen auch die Nutzung sowohl des allgemeinen, als auch des individuellen Besitzes durch die Bewohner und deren Besucher in der Gated Community. Die Eigentümerverbände haben die Macht Entscheidungen zu treffen, die die Privathäuser der Bewohner betreffen und auch einzelne Bewohner zum Auszug zu zwingen, wenn die Betroffenen entweder gegen die Regelwerke verstoßen oder den finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen.

2.1.3 Regelwerke

Neben den finanziellen Abgaben verpflichten sich die Bewohner laut Blakely und Snyder (1997, S.20) beim Kauf aber auch, das Regelwerk der jeweiligen Gated Community zu befolgen, welches sowohl den gemeinsamen Besitz aller Bewohner betrifft, als auch den individuellen Besitz jedes einzelnen Bewohners also, die Straßen, Grünflächen, Freizeiteinrichtungen und auch das private Haus oder Appartement. Diese meist sehr umfangreichen Regelwerke werden von den Projektentwicklern ausgearbeitet und dienen dem Zweck, Veränderungen in der Wohnanlage und unerwünschte Verhaltensweisen zu unterbinden.

Nach McKenzie E. (1994, S.129) sind die meisten Umbauten an den Gebäuden, die das einheitliche Bild der Wohnanlage stören würden, verboten. Beispielweise gibt es Vorschriften für die Farben, die für Türen, Fensterrahmen, Fassaden verwendet werden dürfen. Oder ob Zäune um die privaten Gartenflächen erlaubt sind, was im Garten gepflanzt werden darf und was nicht. Teilweise Verbote für Satellitenschüsseln oder Gartenmobiliar, etc. Neben diesen Verboten, die bauliche Veränderungen betreffen, bestehen auch Vorschriften für die Verhaltensweisen der Bewohner, etwa wo Autos geparkt werden dürfen, welche Fahrzeuge in der Wohnanlage erlaubt sind, ob Wäsche aufgehängt werden darf und ähnliches. Ebenso Vorschriften, wie die Instandhaltung des eigene Grundstücks zu erfolgen hat und in welchen Fällen die Renovierung eines Hauses erfolgen muss.

Man findet laut Blakely und Snyder (1997, S.21) aber auch extremere Beispiele. Etwa auf Senioren ausgerichtete Gated Communities, die das Mindestalter der Bewohner durch Regelwerke vorschreiben oder die Besuchszeiten von Gästen strikt reglementieren, private Wohngebiete die eine Privatpolizei beschäftigen um den Verkehr zu überwachen und Strafzettel zu verteilen. Es existieren auch manchmal Verbote für Haustiere oder sogar Vorschriften für die Einrichtung im Inneren des Hauses. Im Falle eines Verstoßes gegen das Regelwerk kann durch die Vertreter des Eigentümerverbandes gegen den Bewohner gerichtlich vorgegangen werden.

Nach Frantz (2001, S.15) sind die Eigentumsrechte der Bewohner einer Gated Community durch eine Reihe Regulative eingeschränkt, dies ist aber im Allgemeininteresse der Bewohner, da so die Wohnqualität der Privatsiedlung und der Wert der Immobilien gesichert wird.

2.1.4 Die Rolle der Bauherren

Laut Frantz (2001, S.15) stehen hinter Gated Communities private Planungs- und Baufirmen. Dabei müssen diese nicht nur den gesamten Grund erwerben und alle Wohngebäude errichten, sondern auch die gesamte Infrastruktur, also Straßen, Kanalisation, Stromleitungen, Beleuchtung, etc. Diese Projekte sind daher sehr kostspielig und können meist nur von mehreren Unternehmen gemeinsam finanziert werden.

Die jeweiligen Stadtplanungsämter haben kaum ein Mitspracherecht bei den privaten Wohnanlagen. Die Projektentwickler müssen nur ihre Baupläne der Gated Communities einreichen und von den Stadtplanungsämtern abnehmen lassen. Von den privaten Firmen müssen nur die jeweiligen gesetzlichen Richtlinien für die Wohnanlagen eingehalten werden, wie etwa maximale Geschossanzahl, Gebäudehöhe oder maximale Bebauungsdichte.

Von den Agenturen, die die Vermarktung übernehmen, werden dann nicht einfach Häuser oder Appartements in Gated Communities verkauft, sondern jede Wohnanlage als ein Komplettpaket. Jedes Projekt soll nach Blakely Snyder (1997) die Lösung zu allen Problemen der Städte darstellen. Es wird Sicherheit vor der Kriminalität, Ruhe vor dem Verkehrschaos und die Gemeinschaft der kleinen Siedlung im Gegensatz zu der Anonymität der Großstadt versprochen. Neben diesen Problemlösungen, die alle Gated Communities versprechen, haben die verschiedenen Anlagen ein unterschiedliches Image und sind so jeweils auf einen speziellen Kundenkreis zugeschnitten. Beispielsweise gibt es Wohnanlagen für Pensionisten, Familien mit Kindern, Zweitwohnsitze oder diverse Sportanhänger. Durch die Verbindung der Wohnanlage mit einem Image und einem Lifestyle, mit dem sich der Kundenkreis identifizieren kann, ist die Vermarktung wesentlich einfacher und erfolgreicher.

Nach McKenzie (1994, S.13) wird die Ausrichtung einer Wohnanlage auf eine bestimmte Zielgruppe und der Aufbau eines bestimmten Images nicht nur durch die Architektur und Ausstattung der Wohnanlage erreicht, sondern auch durch den Zuschnitt der Regelwerke der Gated Community. Wie die Beispiele der verbreiteten „55plus“ Communities in den U.S.A. zeigen, in denen ein Bewohner über 55 Jahre alt sein muss, um in der Community wohnen zu dürfen.

2.1.5 Bewohner der Gated Communities

Man findet die unterschiedlichsten Gruppen als Bewohner von Gated Communities. Etwa Rentner, Familien, Singles oder Paare ohne Kinder, sowohl aus der Oberschicht, als auch aus der mittleren Einkommensklasse. Allerdings findet man in den U.S.A. nicht alle Gruppen in einer Gated Community, sondern in jeder privaten Wohnanlage eine spezielle Bewohnergruppe. Nach Frantz (2001, S.14) ist die Bewohnerschicht in einer Gated Community in sozialer und ökonomischer Hinsicht überaus homogen, außerdem zeichnet sie sich durch eine ähnliche Lebensweise und Art der Freizeitgestaltung aus. Außerdem befinden sich die Bewohner meist im selben Lebensabschnitt.

Grund für diese homogenen Bewohnergruppen ist die Vermarktungsmethode der Gated Communities, bei der jede Wohnanlage mit einem speziellen Image versehen und verkauft wird. Geprägt wird das Image durch den Namen der Community, die Architektur, die Freizeitmöglichkeiten, die angebotenen Dienstleistungen, das Regelwerk und die Preisklasse. So wird mit jedem Projekt nur eine spezielle Zielgruppe angesprochen.

Entgegen der verbreiteten Meinung, dass Gated Communities gleichbedeutend mit Reichenghettos sind, sagt Frantz (2000, S.109), dass in den U.S.A. geschlossene Wohnanlagen aber nicht nur die Oberschicht vorbehalten sind, sondern etwa 50 Prozent der geschlossenen Wohnprojekte Wohngebiete der Mittelklasse darstellen.

2.2. Typologie der Gated Communities in den U.S.A.

Von den Projektentwicklern und Bauherren der Gated Communities werden unterschiedliche Märkte durch unterschiedliche Typen der Gated Communities bedient. Nach Blakely und Snyder (1997) kann man drei Haupttypen unterscheiden, die Lifestyle Communities, die Prestige Communities und die Security Zone Communities.

2.2.1 Lifestyle Communities

Geschlossene Lifestyle Communities weisen im Unterschied zu anderen geschlossenen und privat verwalteten Wohnanlagen ein großes Angebot an Freizeitmöglichkeiten und sozialen Aktivitäten auf. Jedes Projekt ist auf ein spezielles Marktsegment ausgerichtet. So gibt es Lifestyle Communities, die auf die Anhänger der verschiedensten Sportarten ausgerichtet sind. Beispielsweise durch eine Golfplatzanlage innerhalb der Anlage, Tennisplätze, einen Yachthafen oder einen Reitplatz. Dazu kommen noch übliche Freizeiteinrichtungen, die in fast allen Lifestyle Communities vorhanden sind, wie Swimmingpools. Oftmals auch Parks oder ein Clubhaus.

Manche Lifestyle Communities sind auch als Ruhesitz Communities ganz auf Pensionisten ausgerichtet oder als Zweitwohnsitz Communities, die nur einen Teil des Jahres bewohnt werden. Wichtige Faktoren für diese Communities sind ein angenehmes Klima, wie etwa in den Sunbelt-Staaten der U.S.A., und ein hoher Sicherheitsstandard, da die Wohnanlagen oft einen Teil des Jahres leer stehen.

Durch die Tore und Zäune wird einerseits dem Anspruch auf Sicherheit sorge getragen, als auch den Bewohnern ermöglicht, ihre Freizeit ungestört unter Gleichgesinnten zu verbringen. Außerdem fällt es den Projektentwicklern leichter, geschlossene Anlagen mit einem bestimmten Image zu versehen, als öffentlich zugängliche Wohnanlagen.

2.2.2 Prestige Communities

Prestige Communities sind im Gegensatz zu den Lifestyle Communities nicht auf exklusive Freizeitgestaltung ausgerichtet, sondern bieten hauptsächlich eine Wohnfunktion an. Manche Anlagen bieten zusätzlich noch einen Park, Pool, Zugang zu einem See oder einem Strand. Ansonsten findet man aber keine aufwendigen Freizeiteinrichtungen. Es sind private Wohnsiedlungen hinter Toren und Zäunen.

Durch die Preisklasse sind Prestige Communities auf unterschiedliche Zielgruppen, sprich Einkommensklassen zugeschnitten. Dabei reicht die Palette von Communities ausschließlich für die „Reichen und Berühmten“ bis zu Anlagen für die Mittelschicht. Je nach Zielgruppe unterscheiden sich die Wohngebäude von individuell gestalteten Villen bis hin zu Appartementhäusern und die Sicherheitseinrichtungen von bewaffneten Wachen und Videoüberwachung zu einfachen elektronischen Schranken an den Zufahrten.

Die Tore dienen dazu das Gefühl der Sicherheit für das Eigentum der Bewohner zu vermitteln, außerdem kann man das Wohnen in einer Prestige Community als ein Statussymbol ansehen. So kann die Wohnadresse in eine Prestige Community die Stellung auf der gesellschaftlichen Stufenleiter anzeigen.

2.2.3 Security Zone Communities

Security Zone Communities sind im Gegensatz zu den anderen Typen der Gated Communities nicht geplant worden, sondern von den Bewohnern selbst oder von der Stadtverwaltung nachträglich mit Toren und Zäunen abgesperrt worden. Das geschieht in Wohngebieten der Mittelschicht oder unteren Einkommensklasse, die innerhalb der Städte oder älteren suburbanen Gebieten gelegen sind. Grund ist der Versuch die Probleme der Städte, wie Kriminalität oder Verkehrschaos aus den Wohngebieten zu verbannen.

2.3. Entwicklung und heutiger Stellenwert der Gated Communities

Anfänge und Massentrend in den U.S.A.

Die Anfänge des heutigen Trends zu der Wohnform Gated Community liegen weit zurück. Nach McKenzie (1994, S.9) wurden die ersten privaten Wohnanlagen, die man als Gated Communities betrachten kann, an der Ostküste der U.S.A errichtet. Ein Beispiel für eine solche frühe Anlagen wären der Llewellyn Park in New Jersey, der von 1852 bis 1856 erbaut wurde (nach McKenzie, 1994, S.36). Zwischen den heutigen Wohnanlagen und diesen ersten Gated Communities kann man einige Parallelen erkennen. Zwar handelte es sich um kleinere, sehr exklusive Wohnanlagen, die nur für die reiche Oberschicht finanziell erschwinglich waren. Der Zweck der Community war damals aber schon die Abgrenzung zu den umgebenden Wohnvierteln und dem Rest der Stadt. Daneben gab es auch schon andere typische Charakteristika der heutigen Gated Communities. Etwa die obligatorischen Abgaben der Bewohner für die Instandhaltung der Anlage, die von den Bauherren erstellten Regelwerke und die Selbstverwaltung der Wohnsiedlung durch die Bewohner.

Nach Blakely und Snyder (1997) waren diese frühen Gated Communities aber im Gegensatz zu heute eine außergewöhnliche Wohnform, die nur einer sehr kleinen Schicht finanziell erschwinglich war. In den folgenden Jahrzehnten änderte sich an dieser Tatsache nichts und die Gated Communities blieben eine Ausnahmeerscheinung.

Erst in den 60er und 70er Jahren fanden die privaten Wohnanlagen eine weite Verbreitung. Möglich wurde das durch die Innovation der großflächig geplanten Wohnanlagen, den sogenannten „Master Planned Communities“. So wurde diese Wohnform auch für andere soziale Schichten finanziell erschwinglich. Den Anfang dieser Innovation bildeten große Gated Communities, die im Sunbelt der U.S.A. für Pensionisten als Ruhesitz Siedlungen errichtet wurden. Es folgten aber schnell Wohnanlagen für alle erdenklichen Zielgruppen und Ende der 80er Jahre wurden Gated Communities ubiquitär in vielen Teilen der Vereinigten Staaten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Quelle: McKenzie. (1994), S. 11.

Abb. 5: Geschätzte Zunahme der Gated Communities in den U.S.A. von 1970 bis 2000

Von der gesamten Anzahl der privaten Wohnprojekte, die durch eine Homeowner Association verwaltet werden, stellt nur ein Teil Gated Communities dar und auf Grund der Datenlage können nur Schätzungen als Ergebnisse präsentiert werden. Allerdings ist Verstärkung des Trends seit den 70er Jahren sehr deutlich zu erkennen.

Quelle:

Grafik: Glasze. (2001)

Datengrundlage: Heisler und Klein (1996), Treese (1999), CAI (1999)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der Tatsache, dass Gated Communites seit den 70er Jahren spätestens in den 80er und 90er Jahren zu einem Boom geworden sind, stimmen die Forschungsergebnisse überein. Über die genaue Anzahl der Gated Community herrscht allerdings Uneinigkeit. Etwa die Veröffentlichungen des Community Association Institute (CAI) gehen von 40.000 Gated Communities in den U.S.A. im Jahr 1998 mit über 8 Millionen Bewohnern aus, während Blakely und Snyder (1997, S. 7) von circa 20.000 Gated Communities im Jahr 1997 sprechen. Begründet liegen diese unterschiedlichen Zahlen wohl hauptsächlich in den unsicheren Datengrundlagen mangels statistischer Angaben, aber möglicherweise auch an unterschiedlichen Definitionskriterien in den einzelnen Untersuchungen.

Evolution der Abgrenzungsmethoden

Dieser Trend zur Segregation nach sozialen Schichten, der durch die Gated Communities ausgedrückt wird, ist aber kein neuer Trend. Die Barrieren, die jedem Nichtbewohner den Eintritt verwehren, sind nur ein Schritt weiter gegenüber den früher angewendeten Methoden. So wurden, nach Blakely und Snyder (1997, S.8) von den Planern und Bauherren privater Wohnanlagen, die meistens in den Suburbs gelegen waren, vor der Idee Tore zu errichten, andere Mittel benutzt, etwa das Straßenmuster als Verkehrsbeschränkung.

Dabei gingen die Planer von dem in den U.S.A. üblichen Schachbrettmuster weg und konstruierten einen Straßengrundriss aus Sackgassen und Wendehälsen. So wurde gleichzeitig der Durchgangsverkehr (und somit alle Nichtbewohner) verbannt und den Bewohnern dennoch ungehinderte Zufahrt zu ihren Häusern ermöglicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.6: Übergang vom Schachbrettgrundriss zum Sackgassenprinzip in den U.S.A.

Grafik: Bernhard S.

Heute bilden die Tore eine zuverlässigere Zugangskontrolle als das Design des Straßenmusters und viele ältere private Wohnanlagen werden heute an den Zufahrtsstraßen durch Tore nachgerüstet. Grund für diese Aufrüstung der Wohngebiete sind die demographischen und sozialen Veränderungen in der Gesellschaft, die sich in den Stadtzentren und den Suburbs ereignen.

Denn von den Bewohnern wurden und werden an die Wohngebiete in den Suburbs einige Anforderungen gestellt. Sie sollten sicher sein, sie sollten freundlich und sauber sein, sie sollten die Bewohner von jeder anderen sozialen Schicht abschirmen, sie sollten die Bewohner von den Problemen der Stadt abschirmen. Aber von diesen Anforderungen wich die Realität in dem suburbanem Raum immer mehr ab. Die städtischen Probleme griffen auf die Vororte über, es gab Vandalismus, Kriminalität, Verfall und ähnliche Erscheinungen. Da Sicherheit nicht mehr alleine durch die Wohnlage in den Suburbs garantiert war, wurde eine Wohnform populär, die dieser Anforderung eher entsprach, die Gated Community.

Dabei ist es nach Blakely und Snyder (1997, S.100) ein Phänomen, dass die Anzahl der Gated Communities stark zugenommen hat, während die Kriminalität in den U.S.A. gesunken ist. So ist die Kriminalitätsrate zwischen 1981 und 1989 um 25 Prozent zurückgegangen. Zudem sind die Verbrechensraten in den Suburbs, in denen sich die meisten Gated Communities befinden, viel geringer als in den Stadtzentren. Entgegen diesen objektiven Statistiken gehen aber 90 Prozent der Amerikaner nach ihrem subjektiven Empfinden laut Befragungen davon aus, dass die Verbrechensraten zugenommen haben. Dieser Umstand erklärt teilweise den Versuch der Amerikaner sich durch Mauern und Tore zu schützen.

Gründe für des Massentrend

Die Einführung der privaten Wohnanlagen als Massenprodukt ging in den 60er Jahren nicht von den Wünschen des Marktes aus, sondern von den Bauherren und Projektentwicklern selbst. Nach McKenzie (1994, S.79-84) wurden die Bauherren durch die steigenden Bodenpreise gezwungen Wege zu finden, um mehr Menschen auf weniger Land unterzubringen. So ging man von den bisher für die Mittelschicht promoteten Einfamilienhäusern mit zugehörigem privatem Grundstück ab und errichteten stattdessen Wohnanlagen, die sich aus privaten Häusern und großen Flächen im Gemeinschaftsbesitz zusammensetzten und die durch die Bewohner selbstverwaltet sind. Diese Form der privaten Wohnsiedlungen war für die Immobilienindustrie sehr profitabel, da mehr Wohneinheiten auf einer Fläche errichtet werden konnten und außerdem die Wünsche des Marktes nach Freizeiteinrichtungen, wie etwa Pools, Parks, Strände oder ähnliches befriedigt werden konnten, Einrichtungen, die sonst für die Mittelschicht nicht erschwinglich wären.

Diese Wohnform ist aber nicht nur für die Bauherren profitabel und entspricht den Wünschen des Marktes, sondern ist auch von den jeweiligen Stadtverwaltungen willkommen, da für die Errichtungen der Infrastruktur keine öffentlichen Gelder benötigt werden und dennoch die Zahl der Einwohner und damit die Zahl der Steuerzahler wächst.

Als Beweggründe der Bewohner in einer Gated Community zu wohnen, finden sich in der Literatur über Gated Communities in Nordamerika immer wieder dieselben Themenbereiche. Nach Frantz (2000, S.109, 110) sind das die Angst vor Verbrechen, die Suche nach Privatsphäre und Ungestörtheit, die Möglichkeit an der Kontrolle und der Verwaltung der Wohnanlage teilzunehmen, der Wunsch sich mit der Nachbarschaft zu identifizieren, die Unzufriedenheit mit den städtischen Serviceleistungen und den Wunsch die soziale Stellung in der Gesellschaft durch das Wohnen in einer exklusiven Anlage auszudrücken. Außerdem der für die U.S.A. außergewöhnlich hohe Werterhalt von Immobilien innerhalb Gated Communities und die Möglichkeit eines schnellen Wiederverkaufs durch die große Nachfrage solcher Immobilien.

3. Beschreibung des Untersuchungsgebietes

3.1 Abgrenzung des Untersuchungsgebietes

Das Untersuchungsgebiet befindet sich im Südosten Frankreichs an der Cote-D’Azur , genauer gesagt in der Region Provence-Alpes-Cote-d’Azur .

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.7: Karte der Regionen Frankreichs

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.8: Karte der Departements Frankreichs

Quelle: www.gofrance.about.com(2001) Quelle: www.gofrance.about.com(2001)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.9: Karte der Region Provence-Alpes-Cote d’Azur (bestehenden aus sechs Departements)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.10: Lage der Region Provence_Alpes-Cote d’Azur

Quelle: Pérès (1999), S. 149 Quelle: Pérès (1999), S. 149

Innerhalb der Region Provence-Alpes-Cote-D’Azur ist das Untersuchungsgebiet auf die drei an der Küste gelegenen Departements Bouches du Rhone, Var und Alpes Maritimes eingegrenzt, in denen der Hauptteil der Bevölkerung der Region beheimatet ist und die stärker urbanisiert sind als die drei im Landesinneren gelegenen Departements Hautes-Alpes, Vaucluse und Alpes-de-Haute-Provence. Denn die Wohnform der Gated Communities als Ausdruck der Segregation und Abgrenzung der sozialen Klassen gegeneinander, ist wohl eher in dichtbesiedelten Gebieten und urbanen Räumen zu finden, als in ländlichen und peripheren Räumen.

Außerdem finden sich in den drei ausgewählten Departments viele unterschiedliche Agglomerationsformen. Etwa kleine und mittlere Städte wie Aix en Provence (135.000 Einwohner), große Städte wie Marseille (800.000 Einwohner), zusammengewachsenen Agglomerationen wie zwischen Nizza und Cannes, auf dem Reißbrett entstandene High-Tech-Parks wie Sophia-Antipolis und durch den Tourismus dominierte Gebiete wie um St. Tropez. So dass man von der Annahme ausgehen kann, dass unterschiedliche, an die verschiedenen Agglomerationsformen angepasste Formen der Gated Communities vorzufinden sind.

3.2 Bevölkerungsentwicklung und– verteilung Bevölkerungswachstum

Nach Brunet et al. (1995, S.14) hatte Frankreich im Jahr 1994 58 Millionen Einwohner. Bis zu diesem Punkt ist laut Neumann und Uterwedde (1993,S.22) das Bevölkerungswachstum unregelmäßig in deutlich abzugrenzenden Phasen abgelaufen.

Die erste Phase von 1911 bis 1946 war gekennzeichnet durch sehr langsames Wachstum, wobei die gesamte Bevölkerung Frankreichs nur um 1 Million Einwohner anstieg. Während der zweiten Phase von 1946 bis 1982 fand sehr starkes Wachstum um 14 Millionen Einwohner statt. Wobei die Zuwanderung erst seit den 60er Jahren eine nennenswerte Rolle spielt und nicht den Hauptgrund für den Wachstumsschub darstellte. In der dritten Phase von 1982 bis 1994 wuchs die Bevölkerung um etwa 4 Millionen Einwohner an, was einer leichten Verlangsamung des Bevölkerungswachstums entspricht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.11: Bevölkerungswachstum in Frankreich von 1800 bis 1990

Quelle:

Grafik: Bernhard S.

Datengrundlage: Noin und Chauviré (1995)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab.1: Bevölkerungswachstum in Frankreich von 1946 bis 1996

-Schätzung Quelle: INSEE (Institutes nationales de la statistique et des etudes)

Die Region Provence-Alpes-Cote-d’Azur hatte nach Baleste et al. (1999) im Jahr 1995 insgesamt 4.456.640 Einwohner und war damit in Bezug auf die Einwohneranzahl die drittgrößte Region in ganz Frankreich, nach den Regionen Ile de France und Rhone Alpes.

Das Bevölkerungswachstum in der Region Provence-Alpes-Cote-d’Azur ist im Vergleich mit anderen Regionen relativ stark und liegt seit den 50er Jahren über dem durchschnittlichen Bevölkerungswachstums gesamt Frankreichs. Grund ist hier aber nicht das natürliche Bevölkerungswachstum, sondern die Migration in die Region.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.12: Jährliches Bevölkerungswachstum in den Regionen Frankreichs von 1954 bis 1999

1954 – 1975 1975 – 1990 1990 – 1999

Durchschnitt für gesamt Durchschnitt für gesamt Durchschnitt für gesamt

Frankreich: 0.99 Prozent Frankreich: 0.48 Prozent Frankreich: 0.51 Prozent

Quelle: Limouzin. (2000), S. 58

Laut Gamblin (1994) wächst die Bevölkerung der Region seit 1982 jährlich um circa 36.500 Einwohner, wobei davon 75% auf Zuwanderung zurückzuführen ist. Damit ist nicht nur die Zuwanderung von Immigranten gemeint, obwohl der Anteil der Immigranten in der Region nach Baleste et al. (1999) mit 8.6% höher ist als der gesamtfranzösische Durchschnitt und es in den Agglomerationen sicherlich Konzentrationen von Immigranten gibt, sondern auch die Migrationen innerhalb Frankreichs, die hohe Wanderungsgewinne in der Region Provence-Alpes-Cote-d’Azur bewirken. Grund der Migration ist die Attraktivität der Region, die den Ruf eines „französischen Kaliforniens“ mit einem angenehmen Klima und einem hohen Freizeitwert genießt.

Daher ist nach Brunet et al. (1995, S.116) einerseits die Cote d’Azur das Ziel von ruhesitzorientierten Migrationen innerhalb Frankreichs, wodurch auch der Anteil der Rentner in der Region mit 31.7 Prozent an der gesamten Bevölkerung höher ist als der Durchschnittswert für gesamt Frankreich mit 21.4 Prozent (Pérès, 1999, S.149). Andererseits bietet die Region mit mehreren Forschungszentren, Universitätsstandorten und gut ausgebauter Infrastruktur ebenfalls ein Ziel für die Ansiedlung von Unternehmen aus dem tertiären Bereich, was zu arbeitsplatzorientierten Migrationen führt (Goubet und Roucolle, 1992).

Zuwanderung

Nach Goubet und Roucolle (1992) sind 1990 insgesamt 3.580.000 Immigranten in Frankreich gezählt worden, was einem Anteil der Immigranten an der gesamten Bevölkerung von 6.3 Prozent entspricht. Wenn man die „zuwandernden“ französischen Staatsbürger der Überseedepartements dazuzählt, kommt man laut Société générale des prisons et de législation criminelle (1995) auf eine Zahl von insgesamt 4.130.000 Zuwanderern.

Ein großer Teil der Immigranten hat Paris oder die Agglomerationen am Mittelmeer als Ziel. Nach Goubet und Roucolle (1992) gibt es drei Hauptziele, Paris, die Region Provence Alpes Cote d’Azur und die Region Rhone Alpes. In den Agglomerationen kommt es zu einer starken Konzentration der Immigranten. Beispielsweise in Lyon mit 120.000 Immigranten oder in Marseille mit 90.000 Zuwanderern.

Bevölkerungsverteilung

Mit 58 Millionen Einwohnern liegt nach Brunet et al. (1995, S.14) Frankreich in Europa nach der Bundesrepublik Deutschland an der zweiten Stelle in Bezug auf die Einwohnerzahl und weist etwa die gleiche Einwohnerzahl auf, wie England oder Italien. Die Bevölkerungsdichte in Frankreich ist allerdings viel geringer als in den Nachbarstaaten, mit Ausnahme Spaniens.

Der Durchschnittswert der Bevölkerungsdichte für gesamt Frankreich ist zwar laut Neumann und Uterwedde (1993, S.27) geringer als in den anderen alten Industriestaaten Europas, allerdings ist die Bevölkerung in Frankreich sehr ungleich verteilt.

Nach Goubet und Roucolle (1992) lautet der Durchschnittswert der Bevölkerungsdichte für Frankreich insgesamt 102 Einwohner pro Quadratkilometer. Dabei weichen die Extremwerte aber äußerst stark voneinander ab. Beispielsweise der Durchschnittswert der ländlichen Region Auvergne im Zentrum Frankreichs mit nur 51 Einwohnern / km² und als Gegenbeispiel die Bevölkerungsdichte in der Agglomeration Paris mit einem Wert von 887 Einwohnern / km².

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.13: Bevölkerungsverteilung in Frankreich 1990

Durchschnittswerte der Bevölkerungsdichte (Einwohner pro Quadratkilometer) in den einzelnen Departements Frankreichs, zeigen die sehr unterschiedliche Bevölkerungsverteilung.

Quelle: Neumann und Uterwedde (1993), S . 28

Wenn man nicht die Verwaltungsgrenzen der Departements und deren Durchschnittswerte für einen Vergleich heranzieht, sondern die Dichtewerte der Agglomerationen betrachtet, wird die ungleiche Bevölkerungsverteilung noch deutlicher.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.14: Bevölkerungsdichte in den Agglomerationen Frankreichs 1990

Bei der Betrachtung der Agglomerationen wird die unter- schiedliche Bevölk- erungsverteilung noch deutlicher.

Quelle: Goubet und Roucolle (1992) S. 75

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Details

Seiten
132
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783832454012
Dateigröße
7.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v220960
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – Architektur/Bauingenieurswesen
Note
1,0
Schlagworte
gated community segregation stadtentwicklung immobilienmarkt

Autor

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Titel: Gated Communities als neue Wohnform in Südfrankreich