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Baumpflege - Unter besonderer Berücksichtigung baumbiologischer Zusammenhänge

Eine terminologische Untersuchung im Sprachenpaar Deutsch und Französisch

Diplomarbeit 1999 487 Seiten

Romanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsübersicht

Vorwort

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitende Betrachtung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau

2 Sachteil
2.1 Baumpflege - Grundlegende Aspekte
2.1.1 Baumpflegeausbildung in Deutschland und Frankreich - Ein kurzer Überblick
2.1.2 Problemstandort ‘Siedlungsbereich’
2.2 Architektur und Physiologie des Baumes
2.2.1 Anatomie des Stammes
2.2.2 Phänologische Zusammenhänge
2.2.3 CO2-Assimilation und Transport von Assimilaten
2.2.3.1 Saftsteigen
2.2.4 Transport von Wasser und Nährsalzen
2.2.5 Transpiration
2.2.6 Baumschäden und ihre Auswirkungen auf den pflanzlichen Organismus
2.2.6.1 Holzfäule
2.3 Baumdiagnose
2.3.1 Diagnosemethoden
2.3.2 Beurteilung der Vitalität von Bäumen anhand der Kronenstruktur
2.3.2.1 Sproßbildung und Verzweigung
2.3.2.1.1 Verzweigungstypen
2.3.2.2 Wachstumsphasen-Modell
2.3.3 Beurteilung der Stand- und Bruchsicherheit von Bäumen
2.3.3.1 Visual Tree Assessment (VTA-Methode)
2.3.3.2 Bruchgefährdung im Kronenbereich
2.4 Baumschnitt
2.4.1 Notwendigkeit von Schnittmaßnahmen in der Krone
2.4.2 Schutzmechanismen und Abwehrreaktionen des Baumes bei Verletzungen
2.4.2.1 Wundreaktionen im Holz
2.4.2.2 Überwallung und Regeneration
2.4.2.3 CODIT-Modell nach Shigo
2.4.2.4 Verletzungszeitpunkt
2.4.3 Schnittzeitpunkt
2.4.4 Schnittmenge
2.4.5 Klassifikation der Schnittmaßnahmen in Deutschland und Frankreich
2.4.5.1 Deutschland
2.4.5.2 Frankreich
2.4.6 Schnittführung heute und in den vergangenen Jahrzehnten
2.4.6.1 Entfernung toter Äste
2.4.6.2 Entfernung lebender Äste
2.4.6.2.1 Zwiesel und eingeschlossene Rinde
2.4.6.3 Erziehungsschnitte - Grundformen
2.4.6.3.1 Köpfung
2.4.6.3.2 Leittriebförderung
2.4.6.3.3 Auf-Stock-Setzen
2.4.6.4 Kappung
2.4.7 Wundverschlußmittel
2.4.8 Baumfällung
2.4.8.1 Sanierungswürdigkeit
2.4.8.2 Technische Durchführung
2.4.8.2.1 Stubbenbeseitigung
2.5 Baumschutz - Rechtliche Grundlagen in Deutschland und Frankreich
2.5.1 Schutzmöglichkeiten in Deutschland
2.5.1.1 Naturschutzgesetze und Baumschutzsatzungen
2.5.2 Schutzmöglichkeiten in Frankreich
2.5.2.1 Plan d’occupation des sols (P.O.S.)
2.5.2.2 Sites protégés
Zweiter Band

Zweiter Band

3 Glossarteil
3.1 Bemerkungen zur ausgewerteten Literatur
3.2 Lexikalische Besonderheiten
3.3 Erläuterungen zur Glossarbenutzung
3.4 Deutsches Glossar
3.5 Französisches Glossar

4 Abschließende Betrachtung

Anhang A - Abbildungen, Tabellen und Statistiken

Anhang B - Baumschutzsatzung der Stadt Heidelberg

Anhang C - Adressen

Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Expertenbefragungen

Stichwortverzeichnis

Vorwort

Vor einiger Zeit war ich durch Zufall bei Baumfällarbeiten zugegen, was mein Interesse am ‘Baum’ weckte und mich dazu bewog, eine terminologiebezogene Diplomarbeit über das Thema ‘Baumpflege’ zu schreiben. Glücklicherweise befindet sich in Heidelberg die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau, wo ich spontane und wertvolle Unterstützung bekam.

An dieser Stelle möchte ich all denjenigen danken, die einen wesentlichen Beitrag zur Erstellung der Arbeit geleistet haben: Zunächst spreche ich
Frau Dr. Heidi Aschenberg für die Annahme des Themas und die wissenschaftliche Betreuung der Arbeit Dank aus. Mein ganz spezieller Dank gilt Herrn Carsten Venzke, Dozent an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Heidelberg, für seine spontane Bereitschaft, mich bei der Verfassung der vorliegenden Arbeit zu unterst-tzen, für die unerm-dliche Beantwortung meiner zahlreichen Fragen sowohl zum Sach- als auch zum Glossarteil und deren sorgfältige Prüfung auf fachliche Richtigkeit. Mit Geduld und Freundlichkeit hat er mir in bemerkenswerter Weise Transparenz in das von mir gewählte Fachgebiet verschafft. Ohne seine engagierte Unterstützung wäre die ausführliche Darstellung des Themas sowie die schnelle Kontaktherstellung zu Fachleuten in Frankreich nicht möglich gewesen.

Des weiteren danke ich Herrn Prof. Dr. Rolf Beiderbeck, Dozent am Botanischen Institut der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, für die kritische Durchsicht der aus dem Bereich der Botanik stammenden Glossareinträge. Dank geb-hrt darüber hinaus Herrn Prof. Dr. Christoph Hey, Dozent an der Fachhochschule Geisenheim/Fachbereich Garten- und Landschaftsbau, für die freundliche Unterstützung, die er mir insbesondere im Hinblick auf die Beschaffung der Basisliteratur gewährt hat. Ganz herzlich bedanken möchte ich mich zudem bei Frau Corinne Bourgery vom Centre de Formation Professionnelle Forestière in Châteauneuf-du-Rhône, die mich bei der Erstellung des französischen Glossars sehr engagiert unterstützte.

Zum Schluß möchte ich mich bei meinen deutsch- und französischsprachigen Korrekturlesern sowie meiner Familie und meinem Partner bedanken, die mir mit Rat und Geduld zur Seite standen.

Abbildungsverzeichnis

Kapitel 2.2

Abb. 1 Stammquerschnitt

Coupe transversale du tronc

Abb. 2 Spaltöffnung

Stomate

Kapitel 2.3

Abb. 3 Verzweigungsgrade

- Numéros d’ordre de ramification

Abb. 4 Triebstruktur

- Structure d’une pousse

Abb. 5 Akrotonie und Basitonie

Acrotonie et basitonie

Abb. 6 Apikaldominanz

Dominance apicale

Abb. 7 Apikaldominanz und Habitus

Dominance apicale et port de l’arbre

Abb. 8 Verzweigungstypen

Types de ramification

Abb. 9 Druckholz-Zugholz

Bois de pression-Bois de tension

Abb. 10 Hoft-pfel

Ponctuation aréolée

Abb. 11 Thylle

Thylle

Abb. 12 Schutzholz

Bois de protection

Abb. 13 Abschottung

Compartimentation

Abb. 14 Kallusbildung

Formation du cal

Abb. 15 Wurzelsysteme

Systèmes racinaires

Abb. 16 CODIT-Modell

CODIT

Abb. 17 Zugast

Tire-sève

Abb. 18 Rabattage sur bourgeon

Abb. 19 Rapprochement

Abb. 20 Ravalement

Abb. 21 Têtard

Abb. 22 Wundreaktionen nach Astringschnitt und stammparallelem Schnitt Réactions dans le bois après une taille respectant l’angle de coupe et après une coupe à ras du tronc

Abb. 23 Astanbindung

Insertion de la branche sur le tronc

Abb. 24 Schutzzone

Zone de protection

Abb. 25 Korrekte Schnittführung

Coupe correcte

Abb. 26 Totholzbeseitigung

Elimination de bois mort

Abb. 27 Zugzwiesel

Fourche en U

Abb. 28 Druckzwiesel

Fourche à écorce incluse

Abb. 29 Schnittführung/Zugzwiesel

Coupe correcte/Fourche en U [ÜV]

Abb. 30 Schnittführung/Druckzwiesel

Coupe correcte/Fourche à écorce incluse

Abb. 31 Kambialnekrose

Nécrose cambiale

Abb. 32 Kopfbaum

Arbre à têtes de chats

Abb. 33 Leittriebentfernung

Suppression de la flèche

Abb. 34 Stäben

Refléchage par ligature

Abb. 36 Cépée

Abb. 37 Astanbindung der Stammaustriebe

Insertion des rejets sur le tronc

Abb. 38 Fallkerb

Entaille d’abattage

Abb. 39 Fällschnitt

Trait d‘abattage

Anhang A

Abb. 40 Baumarchitektur

Architecture de l’arbre

Abb. 41 Natürliche Wuchsformen

Ports caractéristiques (naturels)

Abb. 42 Zierformen

Ports architecturés

Abb. 43 Schneidewerkzeuge

Instruments de taille

Abb. 44 Asttypen

Types de branche

Abb. 45 Wurzeltypen

Types de racine

Tabellenverzeichnis

Anhang A

Tab. 1 Asttypbestimmung

- Détermination du type de branche

Tab. 2 Wurzeltypbestimmung

- Détermination du type de racine

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

LVG Heidelberg Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Heidelberg

o. V. ohne Verfasserangabe

ZTV-Baumpflege Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Baumpflege und Baumsanierung

mm Mikrometer = 1/1000 mm

1 Einleitende Betrachtung

1.1 Problemstellung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

er Baum spielt in der Geschichte der Menschen seit jeher in vielfältiger Art und Weise eine zentrale Rolle. Nicht ohne Grund finden sich die Kraft, Schutz und Stärke symbolisierenden Bäume als Weltenbäume, Lebensbäume, Schicksalsbäume oder Bäume der Erkenntnis in allen Religionen dieser Welt.

Der Baum in Märchen und Sagen, in Malerei, Dichtung und Musik, als Ort der Kommunikation, der Liebe, des Schutzes, der Rechtsprechung, aber auch als Maibaum, Richtbaum, Tanzbaum, Glücksbaum, Freiheitsbaum, Christbaum, Stammbaum usw. deutet auf die besondere Stellung hin, die er im Leben der Menschen einnimmt. Vielfach wird er - angesichts seines „Sterbens“ im Herbst und seiner „Wiederbelebung“ im Frühjahr - als das Symbol des Lebens schlechthin betrachtet.[1]

Die Bedeutung des Baumes läßt sich auch im Sprachgebrauch nachweisen. Sehr viele auf den Baum und seine Eigenschaften bezogene übertragene Ausdrücke haben in die deutsche Sprache Eingang gefunden: ‘Fest verwurzelt sein‘, ‘ein Baum von einem Mann’, ‘Wurzeln schlagen’ usw. Wir führen ständig bildhafte Wörter im Munde, ohne uns deren Ursprung bewußt zu sein. So erklärt sich beispielsweise der aus der germanischen Mythologie stammende Ausdruck ‘aus hartem bzw. weichem Holz geschnitzt sein’ aus der Vorstellung, daß die Götter die ersten Menschen nicht aus Lehm oder Ton schufen, sondern aus zwei Baumstämmen mit unterschiedlicher Härte.[2] Obwohl sich die Reihe beliebig fortführen ließe, mögen die angeführten Beispiele gen-gen.

Der Baum hat, wie dies die an den Anfang gestellten Zitate beispielhaft zeigen sollen, viele berühmte K-nstler dazu inspiriert, ihre Zuneigung zu diesem Lebewesen in Wort und Bild auszudrücken. Den entstandenen Werken liegt überwiegend eine romantische Vorstellung zugrunde, welche die Gefährdung des Baumes, vor allem in der heutigen Zeit, unberücksichtigt läßt.

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts haben Baumpflanzungen als grünplanerisches Element in städtischen Bereichen im Zuge der voranschreitenden Urbanisierung sowie der umfangreichen Stadterweiterungen zunehmend an Bedeutung gewonnen. Der Siedlungsraum ist seitdem in hohem Maße geprägt durch den Baumbestand der Parks und Grünanlagen.

Die Herausnahme des Baumes aus seiner natürlichen Umgebung, dem Wald, und damit aus dem Gruppenverband bringt jedoch mannigfaltige Probleme mit sich. Die in den Städten zumeist einzeln stehend gepflanzten Bäume bedürfen einer besonderen Aufmerksamkeit. Sie m-ssen in einer Art und Weise gepflegt werden, die ihnen die Schutz- und Verteidigungswirkung der Gruppe ersetzt. Nur unter Berücksichtigung der natürlichen Standortansprüche und bei fachgerechter Pflege können Bäume an einem naturfremden Standort ihrer ästhetischen Funktion - Bäume bilden einen wirkungsvollen Kontrast zur bebauten Stadt und tragen so zur Verschönerung des Stadtbildes bei - gerecht werden und wichtige stadtökologische Aufgaben zur Förderung des menschlichen Wohlbefindens erf-llen: Erhöhung der Luftfeuchtigkeit, Senkung von Temperatur und Windgeschwindigkeit, Ausfilterung von Staub und Aussonderung von Schadstoffen, Lärmminderung, Sauerstoffanreicherung. Erst ein intaktes Grün, das bioökologische
Aufgaben - Schaffung eines Lebensraums für Tiere und Pflanzen -, ingenieurbiologische Aufgaben - Erosionsminderung, Böschungs- und
Ufersicherung - sowie verkehrstechnische Aufgaben - Straßenführung und Geschwindigkeitsbeeinflussung - erf-llt, macht innerstädtische Bereiche lebenswert.[3]

Durch seine vielfältigen Tätigkeiten hat der Mensch jedoch Lebensräume geschaffen, die aufgrund der klimatischen, lufthygienischen sowie räumlichen Situation als baumfeindlich zu bezeichnen sind. Moderne Architektur und Industrialisierung erfordern unter anderem funktionale Verkehrssysteme sowie vielschichtige Leitungsnetze für Kommunikation, Energie- und Wasserversorgung nebst - entsorgung. Da einer Baumpflanzung in den seltensten Fällen eine gründliche planerische Vorsorge vorausgeht, muß oft großer technischer Aufwand zur Verbesserung eines Baumstandortes betrieben werden. Standortverbessernde Maßnahmen zur Schaffung eines baumfreundlichen Umfeldes nehmen daher in der heutigen Baumpflege den gleichen Stellenwert ein wie direkt am Baum ausgeführte Maßnahmen. Die Aufgaben der modernen Baumpflege liegen mit ihrem Schwerpunkt nicht mehr allein auf der Pflege der oberirdischen Baumteile; vielmehr wird der Baum in seiner Gesamtheit einbezogen, insbesondere der lange Zeit vernachlässigte Wurzelbereich. Obwohl Baumpflege und (präventive) Standortpflege heutzutage längst eine Einheit bilden, hat die Verfasserin letzteren Bereich in ihrer Darstellung ausgeklammert, da dies den Umfang dieser Arbeit gesprengt hätte und zudem die diesbezügliche Terminologie aufgrund ihrer stark allgemeinsprachlichen Prägung für eine Berücksichtigung im Glossar nicht ausreichend ergiebig ist.[4]

Da schon seit Urzeiten großer Wert auf Bäume gelegt wurde, ist es nicht verwunderlich, daß man auch um deren Pflege bem-ht war. Das alte Sprichwort

Am schönsten hat’s die Forstpartie, die Bäume wachsen ohne sie.

gilt nicht für die vom Menschen gepflanzten und kultivierten Bäume und am wenigsten für die Stadtbäume.[5]

Baumpflege wurde in unseren Breiten bereits im Mittelalter betrieben, was Gottfried von Franken um 1350 veranlaßte, in seinem „Pelzbuch“ die Herstellung von Baumsalben zu beschreiben. Die zu jener Zeit praktizierte Baumpflege bezog sich jedoch fast ausschließlich auf die Erhaltung von Obstbäumen zur Steigerung des Fruchtertrags. Bis zur Jahrhundertwende sind keine Hinweise auf eine Versorgung von Park- und Alleebäumen bekannt.

Erst gegen Ende des vorigen Jahrhunderts begann sich die neuzeitliche Baumpflege zu entwickeln, ausgehend von den US-amerikanischen tree surgeons, den ‘Baumchirurgen’, die sich insbesondere der Pflege und Erhaltung von Park- und Zierbäumen annahmen. Auch in der heutigen Baumpflege geht es nicht um Bäume in Forst und Wald (Holzwirtschaft) oder in der Landwirtschaft (Obstbau), sondern um solche im Siedlungsbereich und ganz speziell um Straßenbäume. Es er-brigte sich daher, im Titel der vorliegenden Arbeit explizit darauf hinzuweisen. Selbstverständlich lassen sich die ausgewählten Themenbereiche in ihren Grundzügen auch auf den Waldbaum übertragen.[6]

Gerade nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erlangte die Stadtbaumpflege große Bedeutung: Durch Bomben war in vielen Städten auch der Baumbestand schwer geschädigt worden, so daß sich intensive baumpflegerische Maßnahmen zur Erhaltung des Restbestandes als unerläßlich erwiesen. Lediglich über den Inhalt der durchzuführenden Maßnahmen bestand Uneinigkeit. Es gab zwar frühere Empfehlungen, diese bezogen sich jedoch vor allem auf die Erhaltung von Ertragsbäumen und waren auf die vorliegenden Problemfälle nicht anwendbar. Wertvolle Ratschläge lieferte damals Michael Maurer, der in Fachkreisen als der Vater der heutigen modernen Baumpflege in Deutschland betrachtet wird. Er hatte seine Kenntnisse vor dem Krieg in den USA erworben und nach seiner R-ckkehr nach Deutschland auf hiesige Verhältnisse übertragen.[7]

In den 80er Jahren kam es zu einer neuen Welle der Verunsicherung unter Baumpflegern angesichts der Vielfalt von Auffassungen über eine baumschonende, im Einklang mit den Funktionsabläufen im Baum stehende Baumpflege. Es machte sich deutlich das Fehlen neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse bemerkbar. Forschungseinrichtungen wurden daher ins Leben gerufen, und in Zusammenarbeit mit praktizierenden Baumpflegern fand ein konstruktiver Erfahrungsaustausch und Lernprozeß statt, der zu teils völlig neufundierten Erkenntnissen führte.

Klärend wirkte sich insbesondere der Besuch des US-amerikanischen Forstpathologen Alexander L. Shigo anläßlich der 1. Heidelberger Baumpflegetage im Jahre 1984 aus. Der Wissenschaftler warf viele Kontroversen auf, stellte praktizierte Baumpflegemaßnahmen radikal in Frage und untermauerte dies mit detaillierten Versuchsanlagen. [8] In der Folge kam es zu fachlichen Auseinandersetzungen unter Baumpflegeexperten, die letzten Endes zu einer für die Baumpflege insgesamt heilsamen Überprüfung und Verbesserung bisher praktizierter Methoden geführt haben: Schnittechniken wurden neu überarbeitet sowie Schnittzeiten, Wundbehandlungsmaßnahmen und Wundverschlußmittel in Forschungsarbeiten einer eingehenden Untersuchung unterzogen. Die Ergebnisse schlugen sich in neuen Empfehlungen für die Baumpflege nieder, die Eingang in die Regelwerke der Baumpflege fanden und in der vorliegenden Arbeit thematisiert werden.[9]

G

Seit einigen Jahren schreiten im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten Leonardo-da-Vinci-Projekts die innereuropäischen Beziehungen - vor allem zwischen Großbritannien, Frankreich und Deutschland - auf dem Gebiet der Baumpflege unaufhaltsam voran. Intendiert werden die einheitliche inhaltliche Strukturierung des Ausbildungsganges ‘Baumpfleger’ sowie die Einführung einer gemeinsamen europäischen Prüfungsordnung. Es besteht folglich ein erhöhter Kommunikationsbedarf zwischen den einzelnen Staaten. Die Verständigung wird allerdings dadurch erschwert, daß für den von der Verfasserin behandelten Bereich keine Fachwörterb-cher existieren, was in besonderem Maße für das Sprachenpaar Deutsch - Französisch zutrifft. Dieser Umstand führt in vielen Fällen zu Mißverständnissen und Unklarheiten aufgrund von Terminologieproblemen. Erschwerend kommt hinzu, daß auch die aktuelle Fachliteratur zum Thema ‘Baumpflege’ im Vergleich zu dem verwandten Gebiet der Botanik sowohl auf dem deutschen als auch auf dem französischen B-chermarkt deutlich unterrepräsentiert ist. Der Zugang zu diesem Fachgebiet mußte demzufolge auf einer schmalen Grundlage von fachspezifischer Literatur, insbesondere Fachartikel, sowie über den R-ckgriff auf allgemeine Fachliteratur aus dem Bereich der Botanik erschlossen werden, in deren Rahmen gelegentlich einige auf den Baum bezogene Themenbereiche angesprochen werden. Das Recherchieren dieser Thematik sowie die Auffindung äquivalenter Benennungen im Französischen - bereits die Wiedergabe des Titels der vorliegenden Arbeit gestaltet sich als schwierig - stellte folglich eine recht zeitaufwendige Arbeit dar. Der Grund für die unzureichend best-ckte Palette an spezifischen Referenzwerken ist in erster Linie im hohen Praxisbezug baumpflegerischer Maßnahmen zu sehen. Hinzu kommt, daß selbst in der Fachliteratur keine Einheitlichkeit bezüglich der von der Verfasserin gewählten Teilgebiete herrscht: Das Gebiet des Garten- und Landschaftsbaus ist einem ständigen Wandel unterworfen, und neugewonnene Erkenntnisse aufgrund weiterführender Untersuchungen bieten immer wieder aufs neue Diskussionsthemen. Die vorliegende Arbeit wird den Kenntnisstand zum Zeitpunkt ihrer Ausarbeitung berücksichtigen - unter dem Vorbehalt, daß dieser bereits in einigen Jahren einer grundlegenden Wandlung unterworfen sein kann.

1.2 Zielsetzung

Die vorliegende Arbeit richtet sich in erster Linie an Übersetzer und Dolmetscher. Die Anfertigung einer Fachübersetzung bzw. ein Dolmetschauftrag aus einem neuen Fachgebiet bedeutet für jeden Übersetzer/Dolmetscher neben der Aufarbeitung der Terminologie immer auch die Aneignung von Fachwissen. Die berufliche Wirklichkeit mit ihrem Termindruck läßt eine systematische Terminologiearbeit jedoch nur in seltenen Fällen zu. Der Translator beschränkt sich darauf, punktuelle Untersuchungen durchzuführen, bei denen die Suche nach einzelnen Wortgleichungen für eine konkrete Übersetzung im Vordergrund steht. Unter Berücksichtigung dieser Aspekte erhebt die Arbeit den Anspruch, dem Übersetzer/Dolmetscher die translatorische Arbeit für das Fachgebiet ‘Baumpflege’ durch eine kurze thematische Einführung und ein deutsch-französisches Glossar zu erleichtern. Im Vordergrund steht dabei die Vermittlung einer Grundterminologie, wodurch die vorstehend geschilderten Unzulänglichkeiten, die für das Fachgebiet ‘Baumpflege’ bezüglich der Fachwörterb-cher bestehen, zumindest ansatzweise behoben werden sollen.

Im Rahmen einer Diplomarbeit ist es jedoch nicht möglich, ein Fachgebiet umfassend darzustellen und die Terminologie vollständig zu erfassen. Daher wurden einige zentrale Themenbereiche ausgewählt, die dem Übersetzer/Dolmetscher in ihren wesentlichen Grundzügen vermittelt werden sollen. Entsprechend des jeweiligen Themenzuschnitts legt die Terminologie ihre Akzente entweder auf eine möglichst flächendeckende Abbildung oder auf eine konzentrierte Darstellung der betrachteten Aspekte.

1.3 Aufbau

Im Anschluß an die vorausgegangene Erläuterung der Problemstellung und Zielsetzung dieser Arbeit, die deren Bedeutung für die translatorische Praxis verdeutlichen soll, werden nun ihr Aufbau und die angewandte Methodik skizziert. Dies soll dem Leser die Auswahl der Themenschwerpunkte, der ausgewerteten Literatur und der in das Glossar aufgenommenen Termini durchsichtig machen.

Die Arbeit ist nachfolgend in zwei Hauptteile gegliedert - den Sachteil und den Glossarteil.

Der Sachteil dient dazu, ausführlich und für den Nichtfachmann verständlich in die wesentlichen Bereiche zum Thema ‘Baumpflege’ einzuführen und so das nötige Fachwissen für das Verständnis der Terminologie zu vermitteln. Vollkommen ausgeklammert wurden - wie bereits angedeutet - der Bereich ‘Standortpflege’ sowie das komplexe Gebiet der Stabilisierungsmaßnahmen, das einen hohen Grad an Technisierung aufweist und daher mit der Zielsetzung dieser Arbeit, die den Schwerpunkt auf den Baum und seine Funktionsabläufe legt, kollidierte. Den Fachfremden mag es verwundern, daß gerade der Bereich der Baumschäden und damit verbunden die baumchirurgischen Wund- und Fäulnisbehandlungen keinen Eingang in ein Hauptkapitel gefunden haben. [10] Solche Maßnahmen wurden, nachdem Untersuchungen der letzten Jahre die Erkenntnis gebracht haben, daß diese dem Selbsthilfeprogramm des Baumes entgegenstehen, aus dem Leistungsverzeichnis von Baumpflegearbeiten herausgenommen und sind daher auch nicht Bestandteil der vorliegenden Arbeit.

Der Sachteil umfaßt fünf Themenschwerpunkte, deren Auswahl nach sorgfältiger quantitativer und qualitativer Analyse der in verschiedenen Fachzeitschriften behandelten Spezialgebiete erfolgte.

- Baumpflege - Grundlegende Aspekte

In diesem bewußt kurz gehaltenen Kapitel soll ein Überblick über die Faktoren, welche baumpflegerische Maßnahmen im Siedlungsraum unabdingbar machen, gegeben werden. Im Vordergrund der thematischen Betrachtung stehen bodenkundliche Aspekte.

Im Anschluß daran erfolgt in Anlehnung an eines der wichtigsten Regelwerke eine Definierung des als so selbstverständlich eingeführten Begriffs der Baumpflege sowie eine inhaltliche Abgrenzung zur ‘Baumsanierung’.

In einem einleitenden Unterkapitel werden jedoch zunächst die Möglichkeiten der Baumpflegeausbildung in Deutschland und Frankreich kontrastiv gegenübergestellt.

- Architektur und Physiologie des Baumes

Von zentraler Bedeutung für die Baumpflege sind eingehende Kenntnisse über Struktur und Funktion der Bäume sowie über deren Reaktionsmöglichkeiten auf Schädigungen. In diesem Kapitel sollen daher die für das Verständnis der weiteren Kapitel notwendigen baumbiologischen Grundlagen bereitgestellt werden. Im Hinblick auf die inhaltliche Strukturierung der sich anschließenden Kapitel wurde bei der Beschreibung der Baummorphologie und -anatomie schwerpunktmäßig der Aufbau der oberirdischen Baumteile einer genaueren Betrachtung unterzogen. Obwohl der Versuch einer Systematisierung unternommen wurde, bleibt zu berücksichtigen, daß sich das Individuum Baum in keine ‘biologischen Schubladen’ packen läßt, sondern vielmehr die Natur ihr eigenes Spiel spielt.

Von einer baumartenspezifischen Darstellung wurde abgesehen, ebenso von einer grundlegenden definitorischen und erläuternden Unterscheidung zwischen Laub- und Nadelbäumen. Für die vorliegende Arbeit relevante Unterschiede ergaben sich lediglich in bezug auf den Holzaufbau, so daß eine inhaltliche Abgrenzung an entsprechender Stelle erfolgte. Auf eine ausführliche Darstellung zytologischer und histologischer Zusammenhänge wurde verzichtet, da diese zwar für Botaniker, jedoch weniger für Baumpfleger von Bedeutung sind; die Botanik liefert lediglich die Verständnisgrundlage für bestimmte baumspezifische Vorgänge.

Aus der Betrachtung der biologischen Abläufe im Lebewesen Baum ausgeklammert wurden die Prozesse des Bl-hens, der Fruktifikation sowie der Fortpflanzung - zum einen aufgrund ihrer Komplexität, zum anderen, weil die Berücksichtigung dieser Aspekte letztendlich eine detaillierte Beschreibung einzelner Baumarten erforderlich gemacht hätte.

In einem kompakt gestalteten Unterkapitel wird abschließend die Sprache auf Baumschäden kommen. Da die Schadursachen einen Faktorenkomplex bilden, der es unmöglich macht, die Schädigung eines Baumes auf eine oder wenige Ursachen zurückzuführen, wurde hier der Schwerpunkt auf anthropogen verursachte Schädigungen gelegt.

- Baumdiagnose

Um den Umfang von Baumpflegemaßnahmen abschätzen und die richtigen Maßnahmen ergreifen zu können, sind geeignete Voruntersuchungen unabdingbar. Aus diesem Grunde sollen hier die in der Praxis üblicherweise angewandten Methoden zur Beurteilung von Baumschäden vorgestellt und im Hinblick auf ihren Erkenntnisgewinn einer kurzen Beurteilung unterworfen werden.

Eine Baumdiagnose bezieht sich im allgemeinen auf die Vitalität sowie die Stand- und Bruchsicherheit des zu untersuchenden Baumes, weshalb diesen beiden Untersuchungsgegenständen jeweils ein Unterkapitel gewidmet wurde. Die Darstellung der Vitalitätsbeurteilung anhand der Kronenstruktur eines Baumes ermöglicht es zudem, einen Bogen zur Entstehung der Verzweigungsmuster von Bäumen zu schlagen und die entsprechende Terminologie aufzuarbeiten.

- Baumschnitt

In diesem Kapitel sollen die wesentlichen Formen des Baumschnitts erläutert und mögliche, sich negativ auf Wachstum und Entwicklung des Baumes auswirkende Fehler aufgezeigt werden. Dabei erfolgte eine Beschränkung auf Schnittmaßnahmen in der Baumkrone, da solche am Wurzelsystem aufgrund des erschwerten Zugangs nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden.

Aufgrund der länderspezifischen Klassifizierung der Schnittmaßnahmen sowie der Asttypen wurde dieser Themenbereich, sofern keine Übereinstimmung erkennbar war, für jedes Land getrennt dargestellt. Auf technische Hilfsmittel wird aufgrund der auf dem Markt herrschenden Vielfalt nicht eingegangen, ebensowenig auf Kletter- und Seiltechniken.

Als Extremfall des Baumschnitts findet in diesem Kapitel zudem die Baumfällung Beachtung.

Um Auswirkungen von Schnittmaßnahmen auf Bäume beurteilen zu können, wurde der Darstellung der einzelnen Schnittmethoden eine Einführung in baumimmanente Schutz- und Abwehrmechanismen sowie in die Möglichkeiten des Baumes zur Regeneration vorangestellt.

- Baumschutz - Rechtliche Grundlagen in Deutschland und Frankreich

Dieses Kapitel sei den gesetzlich verankerten Möglichkeiten zum Schutz von Bäumen auf nationaler und kommunaler Ebene sowohl in Deutschland als auch in Frankreich gewidmet, wobei sich die Darstellung des rechtlichen Rahmens ausschließlich auf öffentliche Baumbestände bezieht.

In dem französischen Kapitel zum Baumschutz tauchen im Hinblick auf die z. T. verwaltungstechnische Darstellung verschiedene landesspezifische Begriffe auf. Da diese für das Verständnis der beschriebenen Sachverhalte nur sekundär von Bedeutung sind, wurden sie nicht näher erläutert.

G

Die als Fußnoten angelegten Literaturangaben sollen nicht nur als bibliographischer Nachweis dienen, sondern dem Leser auch die Möglichkeit geben, bestimmte Sachverhalte gezielt nachzulesen. Steht die bibliographische Fußnote am Ende eines Abschnitts, so gelten die darin enthaltenen Literaturangaben jeweils für den Textteil oberhalb bis zur vorhergehenden bibliographischen Fußnote. Befindet sie sich hinter einer Überschrift, bezieht sie sich auf das entsprechende Kapitel. Bei Quellen ohne Verfasserangabe - gekennzeichnet mit o. V. - wurde zusätzlich in runden Klammern der Titel des betreffenden Werkes (mit Unterstreichung) oder Fachartikels (mit Anführungszeichen) angegeben. Die farblich leicht abgesetzten bzw. in mit Rahmenlinien abgegrenzten Boxen stehenden Einsch-be wurden mit einer eigenen Fußnote versehen, wenn ihnen eine andere Quelle zugrunde gelegt wurde als dem Fließtext. [11]

Um inhaltliche von bibliographischen Fußnoten unterscheiden zu können, stehen alle inhaltlichen Fußnotennummern im Text in Fettdruck. In einigen Fußnoten sind Informationen enthalten, die sich aus Gesprächen mit Fachleuten ergaben. In diesen Fällen wurde auf einen Literaturhinweis verzichtet und lediglich der Name des betreffenden Experten - Carsten Venzke (Fachbetreuer der vorliegenden Arbeit) bzw. Corinne Bourgery (Ansprechpartnerin in Frankreich) - angegeben.

Französische und englische Termini sowie Eigennamen stehen grundsätzlich in Kursivschrift, Benennungen in einfachen Anführungszeichen, wenn sie zum besseren Verständnis hervorgehoben werden sollen. [12] Zitierte Textausschnitte dagegen sind in doppelte Anführungszeichen gesetzt. Inhaltlich bedingte Hervorhebungen erfolgten durch gesperrte Schrift. Da der Sachteil nicht terminologisch ausgelegt ist, steht in Anlehnung an zitierte Texte für ‘Benennung’ zuweilen die allgemeinsprachliche Benennung ‘Bezeichnung’.

Um Übersichtlichkeit und Einheitlichkeit in bezug auf die Fachtermini zu gewährleisten, verwendet die Verfasserin im gesamten Sachteil durchgängig den Haupteintrag des Glossars. Synonymische Benennungen sind als Nebeneinträge erfaßt und somit über den Haupteintrag auffindbar. Oftmals wurde jedoch im thematischen Teil an die als Haupteintrag aufgenommene Benennung das jeweils gebräuchlichste Synonym mit ‘bzw.’ angeschlossen. Dies gilt insbesondere für Begriffe, die sowohl eine deutsche als auch eine griechische oder lateinische Benennung tragen.

Die inhaltlichen Ausführungen beruhen in ihrer Darstellung hauptsächlich auf den in der deutschen Baumpflege g-ltigen Sichtweisen. Französische Betrachtungsmuster (s. S. 147 ‘Muttersprachlich geprägte Begriffssysteme) wurden hinzugezogen und kontrastiv gegenübergestellt, wenn sich bei einem Vergleich wesentliche Unterschiede ergaben. In diesen Fällen wurde die Terminologie unmittelbar im Sachteil abgehandelt. Dieser Hinweis bezieht sich auch auf den Bereich des Baumschutzes, der in beiden Ländern unterschiedlich gehandhabt und daher in zwei gesonderten Kapiteln dargestellt wird.

In den Sachteil wurden zur Veranschaulichung und schnelleren Vermittlung bestimmter Sachverhalte Abbildungen aufgenommen. Die Quellen der - zum Teil leicht veränderten - Abbildungen erscheinen als alphanumerischer Code (Sigel), der sich über das Literaturverzeichnis erschließen läßt, im Abbildungsverzeichnis vor dem Sachteil. Die zweisprachigen Beschriftungen stammen von der Verfasserin. Wurde auf die Angabe eines entsprechenden deutschen oder französischen Begriffs verzichtet, so deutet dies auf das Fehlen eines Äquivalents in der jeweils anderen Sprache hin. [13]

Der Glossarteil enthält ein jeweils alphabetisch geordnetes deutsches und französisches Glossar, wobei alle Fachtermini der Glossare im Sachteil in einen Zusammenhang gestellt sind. Da im Vordergrund der vorliegenden Arbeit der Praxisbezug steht, wurde dem Glossar eine kurze terminologische Betrachtung vorausgeschickt; eine methodische Vorbemerkung soll dem Benutzer Einblick in Aufbau und Handhabung des Glossars geben. Das Glossar ist auf die Nutzungsmöglichkeit zur Encodierung abgestellt. Die Eignung zur Decodierung muß zumindest insofern relativiert werden, als veraltete Benennungen nicht berücksichtigt und daher auch nicht in Beziehung zu den aktuell g-ltigen gesetzt wurden. Lediglich in einigen wenigen Fällen erfolgte eine Bemerkung in dem jeweiligen Kommentarfeld. [14]

Angesichts der Zielsetzung, zumindest für Teilgebiete eine breit angelegte Grundterminologie zu erarbeiten und gleichzeitig den Umfang des Glossars nicht zu sprengen, wurde die Auswahl der Termini fast ausschließlich auf substantivische Termini beschränkt. Damit wurde zudem der Tatsache Rechnung getragen, daß die Substantive in den untersuchten Themenkomplexen die wichtigste Wortart ausmachen. Spezifische Kollokationen wurden - selbst wenn sie nur für eine Sprache ermittelt werden konnten - im Kontextfeld des entsprechenden Eintrages vermerkt. Vom Lemma abgeleitete Substantive, Adjektive oder Verben erscheinen in dem betreffenden Kommentarfeld. In einigen Fällen wurden bewußt auch - allgemein bekannte und verständliche - Begriffe aufgenommen, deren Übersetzung keine Probleme bereitet. Dies geschah vor allem aus der Zielsetzung heraus, eine inhaltliche Differenzierung im Defininitionsfeld ermöglichen und dem Translator eine Sicherheit bei der Anwendung des entsprechenden Terminus geben zu wollen.

Bei der Ausarbeitung der vorliegenden Arbeit und insbesondere bei der Erstellung des Glossars erwies es sich angesichts des hohen Umfangs der für das Fachgebiet Baumpflege noch zu leistenden Terminologiearbeit als unumgänglich, eine sinnvolle Eingrenzung der in das Glossar aufzunehmenden Termini vorzunehmen. Dabei manifestierte sich gleichzeitig das Problem der Abgrenzung facheigener von fächerübergreifenden Termini, vor allem hinsichtlich des Kapitels über Anatomie und Physiologie des Baumes, das sich in vielen Z-gen mit Begriffen der Botanik überschneidet. Der Zielsetzung dieser Arbeit folgend, für die ausgewählten Themenbereiche eine möglichst breit angelegte Basisterminologie bereitzustellen, wurden Überschneidungen in Kauf genommen, sofern die betreffenden Fachausdrücke eindeutig auch im Rahmen dieser spezifischen Terminologie als grundlegende Bestandteile angesehen werden konnten. Zudem bauen zahlreiche Definitionen der facheigenen Termini auf fächerübergreifenden Termini auf - diese sind geprägt durch ontologische (Baumbiologie) oder thematische Beziehungen (Baum- bzw. Naturschutzrecht), so daß eine Berücksichtigung solcher Begriffe auch aus diesem Grund zweckmäßig war. Wirklich fachfremde Termini wurden jedoch nicht aufgenommen.

Bedingt durch ihre Vielzahl konnten bei weitem nicht alle Fachtermini in das Glossar integriert werden. Da dem Übersetzer bzw. Dolmetscher jedoch ein möglichst umfangreiches und detailliertes zweisprachiges Glossar an die Hand gegeben werden soll, steht im Sachteil hinter nicht in das Glossar aufgenommenen Termini - soweit davon auszugehen war, daß sie nicht in größeren zweisprachigen (Fach)Wörterb-chern zu finden sind bzw. dort nicht die üblicherweise verwendete Entsprechung angegeben ist - mindestens ein französisches Äquivalent mit Genusangabe in eckiger Klammer; der alphanumerische Code in der Fußnote verweist dabei auf den Fundort des Terminus.

Über das zusätzlich erstellte Stichwortverzeichnis am Ende dieser Arbeit ist dem Translator zudem ein schneller Zugriff auf relevante Informationen zu einem Begriff möglich.

Die Fachtermini, die in das Glossar einbezogen wurden, sind im thematischen Teil - auch in den Fußnoten - mit einem Asteriskus (*) gekennzeichnet. [15] Bei Begriffen, die mit dem Kapitel, in dem sie stehen, in unmittelbarem Zusammenhang stehen, erfolgte dies nur bei ihrem ersten Auftreten. Termini jedoch, die thematisch schwerpunktmäßig einem anderen Kapitel zugeordnet sind, werden bei jedem Erscheinen markiert, sofern der Begriff nicht auf einer Seite mehrmals auftritt. Einen Sonderfall bei der Asteriskus-Markierung stellen zusammengesetzte Wörter mit Ergänzungsbindestrich dar: Handelt es sich um synonymische Benennungen, z. B. Siebröhren- bzw. Phloemsaft, wird nur der erste Wortbestandteil mit ‘*’ gekennzeichnet (*Siebröhren- bzw. Phloemsaft). Bei komplementären Benennungen hingegen - z. B. Stand- und Bruchsicherheit - werden beide Bestandteile mit einem Asteriskus versehen (*Stand- und *Bruchsicherheit). Ein ähnliches Problem stellte sich auch im Französischen: Sind zwei Mehrwortbenennungen mit identischem Substantiv, aber verschiedenen Adjektiven in der Form verbunden, daß das Substantiv nur einmal gesetzt ist und sich die Adjektive - durch ‘et’ oder ‘ou’ voneinander getrennt - daran anschließen, so steht lediglich vor dem Substantiv ein Asteriskus (z. B. *bourgeon proventif ou adventif). Damit deutlich wird, daß auch die zweite Mehrwortbenennung Bestandteil des Glossars ist, wurde in runden Klammern ein Verweis auf diesen Terminus nachgestellt (® *bourgeon adventif).

Da manche Begriffe nicht unmittelbar bei ihrem ersten Auftreten, sondern erst in einem der nachfolgenden Kapitel in einen klärenden Kontext gestellt werden konnten, erfolgte zur Orientierung ein Verweis durch ein in runden Klammern stehendes siehe bzw. s. unter Angabe der entsprechenden Kapitelnummer sowie des relevanten Stichworts, sofern kein eindeutiger Bezug zur betreffenden Kapitelüberschrift erkennbar ist. Querverweise zu noch zu erläuternden Begriffen innerhalb eines Kapitels sind durch ein ebenfalls in runden Klammern stehendes siehe unten bzw. s. u. gekennzeichnet. [16]

Hinweise auf weiterführende Kapitel bzw. Querverweise zu anderen Begriffen sowie R-ckverweise - die gewählten Kapitel sind miteinander stark vernetzt, so daß sich sehr oft Überschneidungen ergeben - erfolgen, wie im Glossar, durch einen in runden Klammern stehenden Pfeil (®) hinter dem betreffenden Terminus. Eine entsprechende Kennzeichnung gilt auch für Begriffe, die selbst nicht in das Glossar aufgenommen wurden, jedoch aus der Wortfamilie einer eingetragenen Benennung stammen.

Da nicht immer davon auszugehen ist, daß im Sachteil die Benennung in ihrer jeweiligen Grundform auftritt, wurden auch solche Benennungen mit einem Asteriskus versehen, die in einer anderen grammatikalischen Form erscheinen. Entsprechendes gilt für Kennzeichnungen im Glossar, wo mit dem Asteriskus auf Einträge verwiesen wird, die im Zusammenhang mit dem jeweiligen Haupteintrag stehen und ebenfalls einen Haupt- oder Nebeneintrag darstellen.

Die genauere Darlegung des methodischen Vorgehens bei der Glossarerstellung wird an dieser Stelle ausgeklammert. Sie wurde dem Glossar in Form der ‘Erläuterungen zur Glossarbenutzung’ vorangestellt, um so einen direkten Bezug und eine bessere Handhabung zu gewährleisten.

An dieser Stelle sei auf die im Anhang enthaltenen, mit einer zweisprachigen Legende versehenen Abbildungen verwiesen: Abb. 39 (Baumarchitektur) dient der Verdeutlichung des Baumaufbaus, da die morphologischen Beziehungen nur unzureichend in das Glossar integriert werden konnten; auf diese Weise konnte die nötigen Informationen zum Verständnis bestimmter Definitionen bereitgestellt werden. Zur Ergänzung des in dieser Arbeit vorgestellten Themas wurden dem Translator drei weiterführende Illustrationen in den Anhang gestellt: Abb. 40 (Natürliche Wuchsformen), Abb. 41 (Zierformen) sowie Abb. 42 (Schneidewerkzeuge). Aufgenommen wurden des weiteren zwei Tabellen - Tab. 1 (Asttypbestimmung) und Tab. 2 (Wurzeltypbestimmung) -, auf die im thematischen Teil an entsprechender Stelle ein Hinweis erfolgt.

2 Sachteil

2.1 Baumpflege - Grundlegende Aspekte

2.1.1 Baumpflegeausbildung in Deutschland und Frankreich - Ein kurzer Überblick

In Deutschland boomte Anfang der 70er Jahre - infolge eines gestiegenen „grünen“ Bewußtseins - die Nachfrage nach Baumpflegearbeiten jeglicher Art. Eine Vielzahl von Anbietern führte solche Arbeiten jedoch ohne die geringsten Kenntnisse über den Baum und seine Funktionsabläufe durch. Auch heute noch reicht die Qualifikation der Baumpfleger von Pflegespezialisten, deren Firmen sich dem Berufsverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) angeschlossen haben, bis hin zu sogenannten ‘Mutter-Gottes-Baumschnitzern’. Dieser berufliche Wildwuchs führte bei Baumeigent-mern zu starker Verunsicherung, so daß sich 1987 der Ausschuß ‘Aus- und Weiterbildung’ des BGL mit der Frage befaßte, wie am besten qualifizierte Fachkräfte für die Baumpflege ausgebildet werden können. Bereits 1979 war an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) in Heidelberg eine geregelte Baumpflegefortbildung mit schulinterner Abschlußprüfung ins Leben gerufen worden, wobei die damit verbundenen Lehrgänge vom Arbeitsamt als Fortbildungsmaßnahme anerkannt wurden. Diese Fortbildung sollte nach Willen aller Beteiligten mit einer offiziellen Berufsprüfung aufgewertet werden. Aufbauend auf diesen Überlegungen wurden 1987 ein Rahmenlehrplan sowie eine vorläufige Prüfungsordnung auf der Grundlage der bereits durchgeführten Veranstaltungen erstellt. Dies ermöglichte die Schaffung des auf einer fünfmonatigen Ausbildungsdauer - einschließlich eines zweiwöchigen Praktikums - basierenden Fortbildungsberufs ‘Geprüfte(r) Fachagrarwirt/in Baumpflege und Baumsanierung’. Im Oktober 1993 schließlich trat die bundesweit g-ltige Prüfungsordnung „Baumpflege und Baumsanierung“ mit einem auf den Erfahrungen der LVG Heidelberg aufbauenden Rahmenlehrplan in Kraft.[17] Der Unterricht umfaßt Grundlagen der Baumpflege, insbesondere Gehölzbotanik, Bodenkunde im Siedlungsbereich, Krankheiten und Schädlinge, Baumschadensdiagnose, öffentliches und privates Recht in der Baumpflege sowie die konkrete Umsetzung baumpflegerischer Maßnahmen, d. h. Baumpflanzungen, Kronenpflege, Bodenpflege und Standortsanierung, Maschinen und Geräte, Seilklettertechniken. Begleitet wird der Unterricht von einer fachpraktischen Anleitung in den theoretisch besprochenen Bereichen.

Die Ausbildung zum staatlich anerkannten Baumpfleger wird in Deutschland neben der LVG Heidelberg nur noch von der Lehranstalt für Gartenbau und Floristik Großbeeren e. V. angeboten.

Zum Lehrgang und zur Prüfung wird zugelassen, wer

1. eine mit Erfolg abgelegte Abschlußprüfung in den anerkannten Ausbildungsberufen Gärtner/in, Forstwirt/in, Winzer/in oder Landwirt/in und anschließend eine mindestens dreijährige Berufspraxis in Baumschulen, in Betrieben des Garten- und Landschaftsbaus, des Obstbaus, der Forstwirtschaft oder der Landwirtschaft mit wesentlichem Waldbauanteil

2. oder eine mindestens fünfjährige Tätigkeit in Betrieben des Gartenbaus, der Forstwirtschaft, des Weinbaus oder der Landwirtschaft und eine mindestens dreijährige Berufspraxis in Baumschulen, in Betrieben des Garten- und Landschaftsbaus, des Obstbaus, der Forstwirtschaft oder der Landwirtschaft mit wesentlichem Waldbauanteil

nachweist.[18]

In Frankreich ist das Centre de Formation Professionnelle Forestière (CFPF) in Châteauneuf-du-Rhône die einzige Institution, welche eine Ausbildung im Bereich der Baumpflege (* élagage et soins aux arbres) [19] mit dem Abschluß * grimpeur-élagueur anbietet. [20] Nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung erhält der Teilnehmer ein sogenanntes certificat de spécialisation. Der Schwerpunkt der fünfmonatigen Ausbildung liegt, wie dies aus der Bezeichnung bereits hervorgeht, auf der technisch korrekten Durchführung von Schnittmaßnahmen unter Berücksichtigung baumbiologischer Zusammenhänge sowie auf der Beherrschung von Seilklettertechniken. Zugangsvoraussetzung ist der Nachweis eines BPA-BEPA „Espaces verts“ oder „Forêt“ oder entsprechende Berufserfahrung in einem der genannten Bereiche.

Während der deutsche Baumpfleger neben der praktischen Arbeit im Baum auch die Baumschadensdiagnose sowie die Erstellung eines Baumkatasters (s. Kap. 2.3) übernimmt, besteht in Frankreich eine deutliche Aufgabenteilung: Der Tätigkeitsschwerpunkt des * grimpeur - élagueur als ausführende Instanz liegt auf der Arbeit im Baum. Er arbeitet eng mit dem * technicien de l’arbre zusammen, welcher für die Baumdiagnose, die Verwaltung des Baumbestandes - einschließlich der Baumkatastererstellung - sowie für die Koordinierung der Baumpflegemaßnahmen zuständig ist. Die Ausbildung zum technicien de l’arbre - diese Berufsbezeichnung wurde 1994 vom Landwirtschaftsministerium anerkannt - beträgt zwei Jahre, wobei der Teilnehmer auf der Grundlage eines Lehrvertrages während der gesamten Ausbildungsdauer in einem staatlichen oder privaten Unternehmen der Branche beschäftigt ist. Zugangsvoraussetzung ist das Abitur oder ein brevet de technicien, sowie eine mindestens einjährige Berufserfahrung in den Bereichen „Espaces verts“ oder „Forêts“.[21]

2.1.2 Problemstandort ‘Siedlungsbereich’

Ziel von Baumpflegemaßnahmen sind vitale, gesunde und verkehrssichere Bäume. Dies setzt ein ausreichend bemessenes, gesch-tztes und ökologisch funktionsgerechtes Baumumfeld [ site m de l’a rbre[22] ; environnement m de l’arbre [23] ] als Lebensraum voraus.

In Städten und industriellen Ballungsräumen finden Bäume jedoch in der Regel nicht die für die Entfaltung ihrer Wohlfahrtswirkung geeigneten Lebens- und Umweltbedingungen vor; gegenüber dem freien Umland sind dort die Standortbedingungen vom Menschen stark verändert.

Die Abweichungen innerstädtischer Standorte zu natürlichen Standorten machen sich vor allem hinsichtlich des Bodens bemerkbar, der in seiner Art, Struktur, Konsistenz, seinem Nährstoffangebot, seiner Humusversorgung usw. eine wichtige Grundlage für Wachstum und Gedeihen eines Baumes darstellt. Bodenauftrag bzw. Aufsch-ttungen [ remblai, m[24] ; remblaiement, m[25] ] [26] mit Bauschutt oder Kies, Bodenverdichtung [ compaction f du sol [27] ; compactage m du sol[28] ; tassement m du sol[29] ] - verursacht durch Befahren mit Kraftfahrzeugen und Baumaschinen, Trittbelastung, Lagerung von Baumaterialien usw. - und Bodenversiegelung mit wasserundurchlässigen Materialien [ imperméabilisation, f[30] ] wie Asphalt oder Beton [31] im Wurzelraum führen zu Wasser- und Sauerstoffmangel im Boden [32] . Dadurch wird die Funktionst-chtigkeit der Wurzeln eingeschränkt, was erhebliche Einbußen in der für die Erhaltung der Lebensfähigkeit der Bäume notwendigen Wasser- und Nährsalzaufnahme zur Folge hat.

Im Boden sind unzählige, meist zusammenhängende Hohlräume unterschiedlichen Durchmessers vorhanden - die Poren. Bei einer Bodenverdichtung kommt es zu einer Verschlechterung des Bodenlufthaushalts [ aération f du sol[33] ], da der Anteil der Feinporen [ micropore, m[34] ] (- < 0,0002 mm) zunimmt, welche im Gegensatz zu den Grobporen [ macropore, m[35] ] (- > 0,05 mm) und Mittelporen [36] (- 0,05-0,0002 mm) weder Sauerstoff noch pflanzenverfügbares Wasser [ eau f disponible[37] ] enthalten.

Hinzu kommen Schwermetall- und Streusalzbelastungen, fehlende Nährstoffrückführung durch Laubentfernung - im Waldökosystem werden die abgefallenen Blätter aufgearbeitet, indem Bodentiere, Pilze und Bakterien die organische Substanz abbauen und so die darin enthaltenen Nährstoffe dem Baum wieder zur Verfügung stellen -, Einengung des Wurzelraums durch Leitungskanäle, Schächte, Fundamente o. ä. mit der Folge einer Einschränkung der Möglichkeit zur Erschließung eines größeren Bodenvolumens für die Nährsalz- und Wasseraufnahme sowie minimale Bodenaktivität - im Wald führt die tierische und mikrobielle Aktivität zu einem lockeren Oberboden [ couche f superficielle[38] ; horizon m superficiel[39] ] mit hohem Sauerstoffgehalt. Zudem wird dem Baum durch Abtrag der oberen Bodenschichten [ déblai, m [40] ] seine Nahrungsgrundlage entzogen, da nur in diesen Schichten der Boden mit Humus [41] angereichert ist.[42]

Aus der Summierung ungünstiger Faktoren ergibt sich die Notwendigkeit einer umfassenden *Baumpflege, um Wachstum, Entwicklung und Gesundheit der Bäume zu fördern und deren Erhalt zu sichern. Gemäß den * ZTV-Baumpflege (1993) , S. 16, definiert sich ‘Baumpflege’ als

„wiederkehrende Maßnahmen an Baum und Baumumfeld zur Vermeidung von Fehlentwicklungen und zur Erhaltung und Verbesserung der Vitalität und Verkehrssicherheit des Baumes“.

Durch diese Definition wird sie deutlich von der ‘*Baumsanierung’ abgegrenzt, bei der nicht die Vermeidung von Schäden, sondern deren Behebung im Mittelpunkt steht. Aufschluß über den Begriffsumfang von ‘Baumsanierung’ geben ebenfalls die ZTV-Baumpflege (1993), S. 17. Gemäß diesen Richtlinien werden darunter

„helfende und nachsorgende Maßnahmen an Baum und Baumumfeld zur Wiederherstellung der langfristigen Gesundheit und Verkehrssicherheit“

verstanden. Es bleibt jedoch zu berücksichtigen, daß mit dem Begriff der Baumsanierung in der Praxis häufig die baumschädigenden Maßnahmen zur Wundbehandlung assoziiert werden. Da diese jedoch - wie eingangs angedeutet
(® S. 8) - nicht mehr Bestandteil von Baumpflegeleistungen sind, muß auch die Verwendung dieses Begriffs in Frage gestellt werden.

Die *ZTV-Baumpflege, die Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für Baumpflege und Baumsanierung, gelten für die Ausführung von vorbeugenden, helfenden oder nachsorgenden Maßnahmen insbesondere an gefährdeten oder geschädigten, nicht der wirtschaftlichen Nutzung dienenenden Bäumen - einschließlich ihres Baumumfeldes - aus Gründen der Erhaltung oder der Verkehrssicherheit. Die ZTV-Baumpflege, Grundlage von Baumpflegeverträgen und verbindlich für die öffentliche Hand, enthalten sowohl Regeln der Technik und Vertragsbedingungen als auch Richtlinien und Hinweise, die vom Auftraggeber bei der ständigen Kontrolle des Baumes, der Überwachung der Ausführung sowie beim Aufstellen der Leistungsbeschreibung zu berücksichtigen sind. Die G-ltigkeit von gesetzlichen Bestimmungen, Rechtsverordnungen und sonstigen Vorschriften (z. B. Denkmalschutz, Naturschutzgesetze mit den jeweiligen Ausführungsverordnungen und Satzungen) wird durch die ZTV-Baumpflege nicht berührt.[43]

In Frankreich gibt es kein vergleichbares Pendant im Hinblick auf Anwendungsbereich und Wirksamkeit. Dennoch kann auf freiwilliger Basis das Cahier des Clauses Techniques Générales (CCTG) herangezogen werden, das fallspezifisch durch ein Cahier des Clauses Techniques Particulières (CCTP) ergänzt wird. Die darin enthaltenen technischen Richtlinien hinsichtlich der zu erbringenden Leistungen im Rahmen eines Baumpflegeauftrages basieren in ihren Grundzügen auf dem auch in der vorliegenden Arbeit berücksichtigten Werk L’élagage. La taille des arbres d’ornement [1985] von E. Michaud.[44]

In der Baumpflege ist deutlich nach Pflegestufen zu unterscheiden. Auf unterster Ebene steht die Jungbaumpflege, die den Lebensabschnitt eines Baumes zwischen Pflanzung und Herstellung seiner vollen Funktionsfähigkeit - bis zu 30 Jahren - umfaßt und daher auch als Fertigstellungspflege bezeichnet wird. An die Jungbaumpflege schließt sich die Erhaltungspflege bzw. Unterhaltungspflege zum Erhalt der Funktionsfähigkeit des Baumes an.[45] Sie ist vor allem unter dem Aspekt der Verkehrssicherungspflicht (s. Kap. 2.3 sowie 2.4.1) zu sehen und umfaßt insbesondere Schnittmaßnahmen in der Baumkrone. Aus der Relevanz dieses Gebiets für die praktische Baumpflege erklärt sich auch die Fokussierung auf die Pflege von ausgewachsenen Bäumen [ arbre m adulte [46] ] in der vorliegenden Arbeit. Bei der Durchführung jeglicher Art von Baumpflegemaßnahmen darf nicht außer acht gelassen werden, daß baumschädigende Standortbedingungen, Überalterung des Baumes ebenso wie eine nicht mehr zu aktivierende Vitalität der Bäume (s. Kap. 2.3.2) die Möglichkeiten der Baumpflege begrenzen. Dies und die Tatsache, daß ein Baum von Natur aus nur eine befristete Lebenszeit hat, muß bei den Pflegeentscheidungen berücksichtigt werden. Die Grenzen der Baumpflege sind dort erreicht, wo der voraussichtliche Erhaltungszeitraum des Objekts den finanziellen Aufwand nicht mehr rechtfertigt. Die hohen Kosten von Altbaumsanierungen [47] zwingen zur Festlegung von Prioritäten und auch zum Mut zur Axt und Neupflanzung.[48]

2.2 Architektur und Physiologie des Baumes

Unabdingbare Voraussetzung für eine fundierte Baumpflege ist die Kenntnis von Aufbau und Anatomie des Baumes sowie der in ihm ablaufenden biologischen Vorgänge. Dies gilt in hohem Maße für Schnittmaßnahmen, durch welche entscheidend in die Lebensvorgänge des Baumes eingegriffen wird. Nur wenn sie in Einklang mit den Funktionsabläufen stehen, können die daraus erwachsenden Schädigungen auf ein Minimum reduziert werden.

Im folgenden sei die Struktur des Stammes [49] beleuchtet, der, neben seiner Funktion als statische St-tze der Baumkrone, ein physiologisches Zentralorgan darstellt - er verbindet die beiden Verzweigungssysteme ‘Wurzel’ und ‘Sproß’ miteinander - und die beiden Massenströme [50] , d. h. den Wasser- und Nährsalzstrom sowie den Assimilatstrom (s. Kap. 2.2.3 ‘Assimilate’), übernimmt.

2.2.1 Anatomie des Stammes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Stammquerschnitt - Coupe transversale du tronc

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an [THR93]: 190

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf dem Stammquerschnitt von außen nach innen betrachtet läßt sich der Aufbau des Stammes, so wie er bei den Wurzeln und Ästen in vergleichbarer Form auftritt [51] , folgendermaßen beschreiben:

[1] Die *Borke, die äußere, aus Korkgewebe bestehende Schicht der *Rinde [52] dient dem Schutz der darunterliegenden Gewebeschichten vor Austrocknung, Pilz- und Insektenbefall, mechanischen Beschädigungen [53] (s. Kap. 2.2.6, S. 52) sowie Überhitzung [54] . Ihre Schutzwirksamkeit liegt vor allem darin begründet, daß sie eine Dicke bis zu mehreren Zentimetern erreichen kann und Einlagerungen von schädlingsresistenten Gerbstoffen aufweist, worauf sich die charakteristische Braunfärbung der meisten Borken zurückführen läßt. Die Borke bildet zudem einen wichtigen Schutz gegen Wasserverluste, der vor allem im Winter geboten ist, wenn die Wasserversorgung durch Gefrieren des Bodens eingeschränkt ist
(s. Kap. 2.2.5 ‘Transpiration’).

Da die Borke aus totem Gewebe besteht, kann sie der Umfangserweiterung [ dilatation, f[55] ] des Baumes im Rahmen des *sekundären Dickenwachstums
(s. u.) nicht durch entsprechendes Wachstum folgen; sie zerreißt in kleine Teile und löst sich mit der Zeit vom Stamm.

Besonders ältere Bäume weisen häufig einen schraubigen Verlauf der Borkenstruktur auf - dieses Phänomen wird als ‘*Drehwuchs’ bezeichnet. Es handelt sich dabei jedoch nicht um eine Wuchsanomalie, sondern vielmehr um ein vorteilhaftes Bauprinzip der Natur, da der schraubige - und nicht achsenparallele - Verlauf der Leitbahnen (s. u. ‘Tracheen’, ‘Tracheiden’) für einen besonders effektiven Wassertransport sorgt.

Ein besonderes Charakteristikum der Borke sind die in ihr enthaltenen kleinen Öffnungen, die *Lentizellen bzw. *Korkporen, welche den Gasaustausch [ échanges m pl gazeux[56] ] mit der Atmosphäre ermöglichen.[57]

[2] Das *Korkkambium bzw. *Phellogen gibt nach außen hin Korkzellen ab und läßt so neue Korkschichten entstehen. Die jeweils ältesten und peripheren Schichten sterben ab und bilden die Borke.

[3] Die nachfolgende *Innenrinde, der weißliche *Bast bzw. das *sekundäre Phloem [58] , dient dem Ferntransport [59] der im Rahmen der *CO2-Assimilation gebildeten *Assimilate (s. Kap. 2.2.3) von den Blättern nach unten zu den Stätten des Verbrauchs [60] und der Speicherung. Die Stoffleitung findet in den unter der Bezeichnung ‘*Siebelemente’ zusammengefaßten *Siebzellen und *Siebröhren - der Name leitet sich von der siebartigen Durchsetzung ihrer Querwände mit Poren ab - statt. Im Bast der Nadelbäume können zusätzlich Harzkanäle [ canal m résinifère[61] ] vorhanden sein.

Ähnlich wie im Holzgewebe zwischen den primitiven *Tracheiden der Nadelbäume und den fortschrittlicheren *Tracheen der Laubbäume zu unterscheiden sein wird (s. u. ‘Holz’), besteht das Bastgewebe der Nadelbäume lediglich aus den einfacheren Siebzellen, das der Laubbäume hingegen aus den stark spezialisierten Siebröhren, die aufgrund ihres größeren Durchmessers die Transportgeschwindigkeit des Assimilatstroms erheblich erhöhen.[62]

[4] Zwischen *Bast und *Holz liegt das nur wenige Zellschichten dicke und daher mit bloßem Auge nicht sichtbare *Kambium, der ‘Zellengenerator’. Seine meristematischen [ méristématique, a[63] ], d. h. teilungsfähigen Zellen gliedern zur *Borke hin Bastzellen sowie zur Stammitte hin Holzzellen ab, so daß jedes Jahr ein Rinden- und ein Holzring gebildet werden. [64] Aufgrund der kambialen Tätigkeit kommt es zu einem *sekundären Dickenwachstum [65] , das einhergeht mit einer Umfangserweiterung des Baumes. Der Jahreszuwachs im Holz ist in Form eines *Jahrrings auf dem Stammquerschnitt deutlich erkennbar. [66] Aus der Zahl der Jahrringe läßt sich das Lebensalter von Bäumen oder Baumstämmen ermitteln. [67]

Die Unterbrechung des Wachstums innerhalb einer *Vegetationsperiode durch Krankheit, Frost, Trockenheit o. ä. mit späterer Wiederaufnahme des Wachstums kann zur Ausbildung einer zweiten Zuwachsschicht des Holzes innerhalb eines Jahres führen, dem sogenannten *falschen Jahrring.

Das Kambialgewebe ist nicht nur für das Dickenwachstum (® *sekundäres Dickenwachstum) des Baumes verantwortlich - durch Bildung von *Bast und *Holz -, sondern ebenfalls für sein *Längen- bzw. Apikalwachstum - durch Zellvermehrung und -streckung an den Triebspitzen.[68]

Die Triebspitzen [ apex, m [69] ] - im deutschen Fachjargon werden sie wegen ihrer kegelförmigen Gestalt auch als Vegetationskegel bezeichnet - bestehen aus meristematischem Gewebe, dem *Apikalmeristem, aus dem sich die *Apikal- bzw. Terminalknospen entwickeln. Durch den Austrieb dieser Knospen kommt es zur Verlängerung der Triebe. Apikalmeristeme zur Organverlängerung befinden sich ebenfalls an den Wurzelspitzen [ apex m de (la) racine[70] ], so daß auch die Wurzeln auf diese Weise ein Längenwachstum erfahren. Die Meristemzone ist dort von einer sogenannten Wurzelhaube bzw. Kalyptra [ calyptre f, piléorhize, f[71], coiffe f (de la racine)[72] ] gesch-tzt.

Jeder Trieb enthält nicht nur die Apikalmeristeme an der Sproßspitze, sondern auch *Achselmeristeme entlang des Triebes, aus denen die *Achsel- bzw. Seitenknospen entstehen: Während die Apikalknospen die Sproßverlängerung bedingen, geht von den Achselknospen die seitliche Verzweigung aus (s. Kap. 2.3.2.1).

Die Aktivität des *Kambiums und die damit verbundene Zellproduktion setzt bei den Bäumen der gemäßigten Breiten mit Jahreszeitenwechsel [73] je nach Länge des Winters etwa Mitte März bis Ende April mit dem *Knospenaustrieb [ débourrement m (des bourgeons)[74] ; débourrement m printanier[75] ] ein, hat ihren Höhepunkt Mitte Mai und Mitte Juli und endet meist Anfang bis Mitte August. Sie beginnt in den Triebspitzen und wandert von dort nach innen in die Äste und anschließend in einer abwärts gerichteten Welle - *basipetal - den Stamm hinab.

[...]


[1] Vgl. Bernatzky [1988]: 12f sowie Auswertungs- und Informationsdienst für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (Hrsg.): Bäume im ländlichen Siedlungsbereich (1989), S. 2

[2] Vgl. Grandjot [1996]: 242

[3] Vgl. Bernatzky [1988]: 20 und Höster [1993]: 11ff

[4] Vgl. Balder [1988]: 625

[5] Vgl. Wawrik [1989]: 112

[6] Vgl. von Malek & Wawrik [1985]: 192f

[7] Vgl. Wawrik [1989]: 113

[8] Shigo führte seine Untersuchungen ausschließlich an Waldbäumen durch, so daß zunächst angezweifelt wurde, daß sich die erzielten Ergebnisse auch auf Stadtbäume übertragen lassen (vgl. Stobbe u. a. [1998]: 184)

[9] Vgl. Bollmann [1995]: 86f

[10] Der Begriff ‘Baumchirurgie’ bzw. chirurgie arboricole oder arbochirurgie ([PRA95]: 25) taucht dennoch immer wieder in Werbeanzeigen von Baumpflegeunternehmen auf, die sich auf baumchirurgische Wundbehandlungsmaßnahmen bzw. opérations de curetage ([AVE98a]: 35) spezialisiert haben.

[11] Wurden für die Beschreibung eines bestimmten Sachverhaltes mehrere Texte herangezogen, so ist als Quelle diejenige Literatur angegeben, in der die betreffende Thematik nach Meinung der Verfasserin am verständlichsten dargelegt wird.

[12] Im französischen Glossar stehen hervorgehobene Begriffe aus Gründen der Idiomatik in doppelten Anführungszeichen.

[13] Dies gilt hauptsächlich für bestimmte, länderspezifische Schneidewerkzeuge sowie für die Bezeichnung der Zierformen (® Abb. 41), welche sich in Frankreich einer besonderen Beliebtheit erfreuen, in Deutschland jedoch nur eingeschränkt Gegenstand der Baumpflege sind.

[14] Es handelt sich in diesen Fällen insbesondere um Begriffe, die in den 80er Jahren in Anpassung an neue baumpflegerische Erkenntnisse - diese kamen vor allem aus den USA und waren daher zunächst nur in englischer Sprache zugänglich - entwickelt wurden.

[15] Besonders im Hinblick auf den häufig auftauchenden Terminus ‘Holz’ sei darauf hingewiesen, daß dieser nicht immer in seinem engen botanischen Sinn (vgl. Glossar) zu verstehen ist, sondern vielfach auch die umgangssprachliche Bedeutung annimmt.

[16] In Fußnoten auftretende Verweise mit s. u. beziehen sich immer auf Textstellen im Fließtext.

[17] Gespräch mit Carsten Venzke sowie [LVG98], 1f

[18] [LVG98]: 1f

[19] Zur inhaltlichen Abgrenzung der deutschen und französischen Termini vgl. Glossar.

[20] Zusatzausbildungen zum bûcheron-élagueur hingegen werden häufig von den écoles techniques horticoles oder forestières angeboten (vgl. Corinne Bourgery).

[21] Vortrag im CFPF in Chateauneuf-du-Rhône am 29.10.1998 sowie [CFP98, 1]

[22] [MAI93a]: 74

[23] [AVE98c]: 38

[24] [VIL95]: 10

[25] [PAU]: 24

[26] Im Fachjargon wird dieser Sachverhalt häufig mit dem Ausdruck ‘Änderung der natürlichen Bodenhorizontfolge’ wiedergegeben, welcher jedoch auch den Bodenabtrag (s. u.) umfaßt. Das Französische spezifiziert im Falle des Bodenauftrags durch die Verwendung des Begriffs surélévation du sol ([AVE98c]: 38) bzw. der verbalen Entsprechung réhausser le niveau du sol ([MIC85]: 25).

[27] [MAR95]: 56 - ‘Compaction’ ist die von modernen Autoren verwendete, sich an das englische soil compaction anlehnende Benennung.

[28] [DEJ86]: 30

[29] [MAI93a]: 87

[30] [RAI91]: 94

[31] Durch die größtenteils befestigten Flächen in der Stadt werden die Niederschläge durchschnittlich zu mehr als 60% in die Kanalisation abgeführt, in Citybereichen sogar bis zu 85%. Der Wurzelraum der Stadtbäume kann daher im Gegensatz zu Waldstandorten nicht in ausreichendem Maße mit Wasser angereichert werden (vgl. Blauermel [1996]: 144).

[32] Sinkt der Sauerstoffgehalt der Bodenluft unter 15%, erleiden die Wurzeln Schäden, bei weniger als 11% sterben sie ab (vgl. Blauermel [1996]: 145).

[33] [PAR91]: 11

[34] [CB1]

[35] [CB1]

[36] Das Französische trifft lediglich eine Unterscheidung zwischen Fein- und Grobporen. Ein französisches Äquivalent für den Begriff ‘Mittelpore’ gibt es daher nicht
(vgl. Corinne Bourgery, e-mail vom 04.04.1999).

[37] [PAR91]: 172

[38] [MAI93a]: 80

[39] [FOU95]: 32

[40] [CB3] - Vgl. Fußnote 26 (‘Änderung der natürlichen Bodenhorizontfolge’) - Als verbale Entsprechung im Französischen findet sich abaisser le niveau du sol ([MIC85]: 25).

[41] Zur Hervorhebung des qualitativen Aspekts hinsichtlich des Oberbodens bevorzugt das Französische die Bezeichnung ‘couche humifère’ ([MAI93a]: 61).

[42] Vgl. Höster [1993]: 116-121

[43] Vgl. [ZTV93]: 12

[44] Vgl. Corinne Bourgery

[45] Das Französische kennt die explizite Unterscheidung zwischen Jungbaumpflege und Erhaltungspflege nicht. Es lassen sich jedoch problemlos Paraphrasierungen in Form von ‘soins aux/des arbres jeunes’ bzw. ‘soins aux/des arbres adultes’ bilden. Konkretisiert wird in der französischen Baumpflegeterminologie im Hinblick auf den Baumschnitt als Hauptanwendungsbereich der Baumpflege: So wird üblicherweise von ‘taille de formation des jeunes arbres’ bzw. von ‘taille d’entretien des arbres adultes’ oder ‘taille d’entretien sur adultes’ ([MIC85]: 293, 294) gesprochen.

[46] [VIE92]: 24 - Handelt es sich um verhältnismäßig alte Bäume, so spricht das Deutsche von ‘Altbaum’ und das Französische von arbre âgé oder vieil arbre ([SEV93]: 293).

[47] Im Französischen findet sich das Äquivalent ‘restauration de vieux arbres’ ([ECO96], 34); zur Verwendung des Begriffs ‘Baumsanierung’ siehe oben.

[48] Vgl. von Malek & Wawrik [1985]: 148ff

[49] Im Französischen existieren drei Benennungen für den deutschen Begriff ‘Stamm’ - tige, tronc und fût. Nach R-cksprache mit Baumpflegespezialisten konnte folgende Differenzierung erfolgen: Die umfassende und daher allgemeinere Bezeichnung ist tronc; tige wird vornehmlich für den Stamm junger Bäume verwendet, während fût - Bezeichnung für den astfreien Stamm (im Deutschen ‘Schaft’ genannt) - der forstwirtschaftlichen Terminologie vorbehalten ist.

Hinweis: Es darf nicht außer acht gelassen werden, daß ‘tige’ auch häufig im Sinne einer beliebigen oberirdischen Achse des Baumes - Ast oder Zweig - verwendet wird
(vgl. Raynal-Roques [1994]: 348).

[50] Manche Autoren sprechen in diesem Zusammenhang auch von ‘Saftströmen’. Diese Sichtweise ist auch in der französischen Terminologie verbreitet (vgl. z. B. * sève brute). Es wird jedoch vielfach in Frage gestellt, daß eine Nährsalzlösung tatsächlich als ‘Saft’ bezeichnet werden kann
(vgl. Carsten Venzke).

[51] Untersucht man die Architektur der Hauptäste eines ausgewachsenen Baumes, so wird deutlich, daß jeder dieser Äste eine Art ‘Miniaturbaum’ darstellt. Das Phänomen der wiederkehrenden Strukturen durch Verzweigung wird in der Fachterminologie als Reïteration bzw. réitération ([LEJ86]: 16) bezeichnet.

[52] Der landläufig als ‘Rinde’ bezeichnete Gewebeverband setzt sich aus der Borke und dem Bast
(s. u.) zusammen.

[53] Das Attribut ‘mechanisch’ wird als Gegensatzbegriff zu ‘chemisch’ verwendet.

[54] Aus der Schutzfunktion gegen übermäßige Erwärmung erklärt sich die Tatsache, daß die Borke eines isoliert stehenden Baumes mit einem astfreien Stamm auf der S-dseite in Anpassung an die stärkere Sonneneinstrahlung dicker ist (vgl. Höster [1993]: 25).

[55] [CB2]

[56] [RAY94]: 358

[57] Vgl. Höster [1993]: 25f, 27

[58] Manche Autoren, unter ihnen Nultsch (Allgemeine Botanik [1991], S. 192), betrachten das sekundäre Phloem lediglich als Bestandteil des Bastes, neben den *Bastfasern, den Baststrahlen (s. u.) sowie den -brigen Zellformen. Von dieser Betrachtungsweise ausgehend umfaßt das sekundäre Phloem die *Siebelemente (s. u.). Entsprechendes gilt für das *sekundäre Xylem
(vgl. Fußnote 76).

[59] Der Kurzstreckentransport von Zelle zu Zelle erfolgt auf dem Wege der Osmose
(vgl. Raven u. a. [1985]: 626).

[60] Oftmals finden sich sowohl in deutschen als auch in französischen Lehrb-chern die englischen Bezeichnungen ‘sources’ für die Entstehungsorte bzw. ‘sinks’ für die Verbrauchsorte
(vgl. Raven u. a. [1985]: 621).

[61] [RAY94]: 247

[62] Vgl. Höster [1993]: 90f

[63] [DRE98]: 29

[64] Im Rahmen des sekundären Dickenwachstums wird überwiegend Holz gebildet, welches bei älteren Bäumen volumenmäßig mehr als 4/5 des sekundären Zuwachses ausmacht
(vgl. Carsten Venzke).

[65] Als ‘primäres Wachstum’ wird dasjenige Wachstum bezeichnet, das direkt an der Sproßspitze und der Wurzelspitze stattfindet. Es wird durch die *Apikalmeristeme (s. u.) eingeleitet und dient der Verlängerung des Pflanzenkörpers. In einem späteren Stadium kommt es zusätzlich zu einer Verdickung der Pflanze durch Zellaufblähung. Während dieses sogenannten *primären Dickenwachstums, welches auf das erste Lebensjahr des Baumes beschränkt bleibt, entstehen primäres Xylem und primäres Phloem. An das primäre Dickenwachstum schließt sich bei Bäumen das sekundäre Dickenwachstum an, welches auf der Aktivität des *Kambiums beruht und die sekundären Leitgewebe, d. h. sekundäres Xylem und sekundäres Phloem, bildet
(vgl. Raven u. a. [1985]: 449).

Hinweis: Der Ring primären Xylems schließt sich direkt an das *Mark an.

[66] Theoretisch müßte es auch im Bast zur Ausbildung von Jahrringen kommen. Dies ist jedoch nur selten der Fall, weil der jährliche Zuwachs im Bast - durchschnittlich 0,22-0,3 mm - erheblich geringer ist als im Holzgewebe. Hinzu kommt, daß im Laufe einer *Vegetationsperiode abwechselnd mehrere Schichten Weichbast bzw. liber mou - unter diesem Begriff werden die Leit- und Speichergewebe des Bastes zusammengefaßt - und ‘Hartbast’ bzw. liber dur - dieser Begriff bezeichnet das Festigungsgewebe - gebildet werden. Aus letztgenanntem Grunde kann die entstehende Struktur im Bast nicht mit der Jahrringstruktur im Holz verglichen werden
(vgl. o. V. [1986]: 77 - Lexikon der Biologie in acht Bänden).

[67] Aus der Jahrringfolge läßt sich nicht nur das Alter eines Baumes ablesen. Vielmehr erlaubt die Analyse der Jahrringe R-ckschlüsse auf Klimaschwankungen während des Baumlebens - in Trockenjahren sind die Jahrringe schmal, in feuchten Jahren breiter - und damit auf längerfristige positive oder negative Veränderungen der Wachstumsbedingungen (s. Kap. 2.3.1 ‘Jahrringanalyse’).

[68] Vgl. Höster [1993]: 49f

[69] [RAI93]: 102 - In ([CHO90, I]: 5) fand sich auch die Benennung ‘pôle apical’. - Soll der Bezug zum oberirdischen Sproßsystem hergestellt werden - ‘apex’ kann auch die ‘Wurzelspitze’ bezeichnen -, wird häufig das Attribut ‘caulinaire’ hinzugefügt.

[70] [ATG91]: 80 - Bei manchen Autoren findet sich auch die Bezeichnung ‘apex radicellaire’ ([PCH90b]: 266). Der Gebrauch des Attributs ‘radicellaire’ ist jedoch umstritten: Es wird zumeist nur im Zusammenhang mit den * radicelles (s. Kap. 2.2.5, S. 44), den Saugwurzeln des Baumes, verwendet.

Hinweis: Als Relationsadjektiv wird in den meisten Fällen ‘radiculaire’ verwendet, wenngleich sich dieses Adjektiv im ursprünglichen Sinne auf ‘radicule’, die Hauptwurzel des Baumes, bezieht.

[71] [CHO90, I]: 14

[72] [RAY94]: 199

[73] Um den Aspekt des Jahreszeitenklimas hervorzuheben, findet sich in der französischen Terminologie häufig der Ausdruck ‘arbres cultivés sous les climats à saisons bien marquées’ ([BEC88]: 53).

[74] [BAR97]: 46

[75] [PCH90b]: 258

Details

Seiten
487
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783832452308
Dateigröße
2.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v220755
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – unbekannt
Note
1,0
Schlagworte
baumpflege baumbiologie botanik fachglossar schnitttechnik

Autor

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Titel: Baumpflege - Unter besonderer Berücksichtigung baumbiologischer Zusammenhänge