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Anreize und Hindernisse für unternehmerische Aktivitäten deutscher Firmen in Russland

Diplomarbeit 1999 132 Seiten

BWL - Handel und Distribution

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einführung

2. Das Schichtenmodell der Umwelt-Differenzierung und -Berücksichtigung von Eberhard Dülfer

3. Beschreibungsversuch Rußlands auf Basis des Schichtenmodells
3.1. Natürliche Gegebenheiten
3.2. Stand der Realitätserkenntnis und Technologie
3.2.1. Das wissenschaftliche und technische Potential
3.2.2. Zur Ausbildung
3.2.3. Bedeutung und Ursachen des großen Modernisierungsbedarfs
3.2.4. Zur Infrastruktur und dem Dienstleistungssektor
3.2.5. Realitätserkennung als Voraussetzung für Umgestaltung
3.3. Kulturell bedingte Wertvorstellungen
3.3.1. Der irrationale Russe
3.3.2. Die Konkurrenz der Wertesysteme
3.3.3. Einstellungen, Denkweisen und Gewohnheiten
3.3.4. Russische Führungskräfte
3.3.4.1. Die Sowjetdirektoren
3.3.4.2. Die neuen Russen
3.3.4.3. Westlich orientierte Manager
3.3.4.3. Deutsch-russische Zusammenarbeit in den Führungsetagen
3.3.5. Russische Konsumenten
3.3.5.1. Zur Kaufkraft
3.3.5.2. Marketingrelevante Besonderheiten russischer Endverbraucher
3.3.5.3. Marken und Markenschutz
3.3.5.4. Werben in Rußland
3.3.6. Russische Arbeitskräfte
3.4. Soziale Beziehungen und Bindungen
3.4.1. Regelverstöße in den Marktbeziehungen
3.4.2. Kriminalität und Korruption
3.4.3. Persönliche Beziehungen und Korruption als Erfolgsfaktor für ausländische Unternehmen
3.5. Rechtlich-politische Normen
3.5.1. Das politische System sowie die politische Gegenwart
3.5.2. Ursachen und Bedeutung der Inflation
3.5.3. Der Staat in der Wirtschaft
3.5.4. Die russische Rechtslage

Fazit und Perspektiven

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 2.1. Vertikalschnitt des „Schichtenmodells“

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung

Rußland befindet sich in einem Transformationsprozeß, der bei weitem nicht nur das rechtliche und politische System umfaßt. Ziel ist in erster Linie die Ablösung des als ineffektiv identifizierten planwirtschaft­lichen Systems durch ein marktwirtschaftlich orientiertes, um eine erhöhte internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen. Dabei sind in kaum einem Land des ehemaligen Ostblocks die "Erfolge" so traurig wie in Rußland. Das Realeinkommen des Großteils der Bevölkerung sinkt rapide. Korruption und Kriminalität sind weitverbreitet. Der wirtschaftliche Abstieg scheint unaufhaltsam. Wie beschreibt Prinkewitsch die Lage Rußlands im Jahre 1994: vielfältige Ressourcen; Vorhandensein einzigartiger Spitzentechnologie in verschiedenen Branchen; riesiger Markt und gut qualifizierte Arbeiter zu niedrigen Lohnkosten - auf der anderen Seite jedoch politische Instabilität; schlechte Infrastruktur, schwach ausgebildeter Dienstleistungssektor; unklare Gesetzgebung/Gesetzessituation im Hinblick auf Investitionen, Eigentumsschutz und staatliche Unterstützung; hohe Besteuerung von Produktionstätigkeit und Import-/Exportoperationen; unklare Funktion und Kompetenzverteilung der Behörden und Verwaltungsorgane auf verschiedenen Ebenen.[1] An dieser grundlegenden Situation hat sich bis ins Jahr 1999 nicht viel geändert.

Für ausländische Firmen hat Rußland in den letzten zehn Jahren mit seiner außenpolitischen Öffnung an Bedeutung gewonnen. Das Außenhandelsmonopol des Staates wurde abgeschafft. Internationaler Handel kann ungehinderter als zu Zeiten der Sowjetunion getrieben werden. Direktinvestitionen sind willkommen. Dabei ist Deutschland einer der größten Handelspartner der Russischen Föderation. Auch bei der Zahl der deutsch-russischen Joint Ventures und den hundertprozentigen Auslandsfirmen muß es sich nur von den USA geschlagen geben.[2] Eine der Fragen, der in dieser Arbeit nachgegangen wird, ist jene, was deutsche Unternehmen dazu bewegt, in Rußland aktiv zu werden. Bei der vom Autor durchgeführten Befragung sollten unter anderem die Motive und Standortvorteile genannt werden, die Rußland für die Unternehmen interessant machen. Zwei Drittel der Befragten verwiesen in diesem Zusammenhang auf das Marktpotential. Markterschließung und -sicherung werden noch immer am häufigsten als Ziele eines Auslandsengagements in Rußland genannt.[3] Standortvorteile wie umfangreiche Rohstoffvorkommen, das hohe intellektuelle Potential oder niedrige Lohnkosten stehen deutlich im Schatten dieses Motivs.

Neben den Anreizen für unternehmerische Aktivitäten sollen aber auch Hindernisse unter die Lupe genommen werden. Wurde gerade über die Risiken und Barrieren für die Geschäftstätigkeit in den letzten zehn Jahren sehr viel geschrieben, scheint es dem Autor, daß ein großer Teil dieser Untersuchungen zu oberflächlichen Charakter trägt. Meist wird dem Rechtssystem eine alles dominierende Stellung gegeben, ohne die tatsächlichen Gegebenheiten ausreichend zu berücksichtigen. Verständlich ist das insofern, als daß Menschen, die aus einer relativ wohlgeordneten Gesellschaft wie der deutschen kommen, gewohnt sind, daß der Rahmen ihres Handelns am konkretesten durch die Gesetzte bestimmt wird. Gegen sie zu verstoßen, läßt direkte Sanktionen erwarten. Doch dieser Sachverhalt ist nicht selbstverständlich und das System funktioniert in Deutschland nur, weil bestimmte tieferliegende Voraussetzungen erfüllt sind. Bei dem Versuch, dies deutlich zu machen, erwies sich das Schichtenmodell der Umwelt-Differenzierung und -Berücksichtigung von Eberhard Dülfer sehr hilfreich. Die vorliegende Arbeit baut weitestgehend auf diesem Modell auf, das in Kapitel 2 näher erläutert wird. Die einzelnen Elemente der russischen Unternehmensumwelt werden dabei in eine Ordnung von Schichten gebracht, deren Abfolge durch evolutorische Ursachen-Wirkungszusammenhänge bestimmt ist. Dadurch gelingt es mit dem Modell, die Wurzeln verschiedener Erscheinungen auszugraben und über das Erkennen nicht nur der Symptome sondern auch der Ursachen effektive Reaktionsempfehlungen zu geben. Außerdem können zu erwartende Entwicklungen aufgrund heutiger Gegebenheiten vorhergesagt werden.

Die Struktur des Hauptteils dieser Arbeit (Kapitel 3) entspricht den fünf Schichten der globalen Umwelt im Modell Dülfers. Die einzelnen Erscheinungen der Unternehmensumwelt werden diesen fünf Kategorien zugeordnet. Wie es auch von Dülfer beabsichtigt ist, werden dabei Interdependenzen von Einflußfaktoren aufgebrochen, um die Abhängigkeitsbeziehungen identifizieren zu können.[4] Zum Teil, wenn dies der Verständlichkeit abträglich scheint, erfolgt keine konsequente Trennung, wobei auf solche Fälle hingewiesen wird. Ausführlichere Erläuterungen zum Modell finden sich in Kapitel 2.

Ziel des Autors war eine teifgehende, im Sinne der Suche nach Ursachen, und dennoch allgemeine Betrachtung der heutigen russischen Gegebenheiten. Aus diesem Grunde wurde z.B. auf eine detailierte Untersuchung der Marktbedingungen und Konkurrenzformen in einzelnen Branchen verzichtet. Bei konkreten Investitionsentscheidungen ist dies unumgänglich. Der Autor behauptet, daß die beschriebenen Erscheinungen branchenübergreifend in Rußland gelten, wobei ihre Bedeutung selbstverständlich von Fall zu Fall unterschiedlich groß ist. Vorliegende Arbeit ist sicher nicht geeignet, die Vorteilhaftigkeit eines konkreten Investitionsprojektes zu bewerten. Hierfür sind tiefgehendere Analysen nötig. Dafür sollte die Aufmerksamkeit auf, für jeden Geschäftsmann in Rußland interessante, Aspekte gelenkt werden, die z.T. zu wenig Beachtung finden und von solchen abgelenkt werden, die u.U. überbewertet sind.

In der vorliegenden Arbeit konnten bereits die Ereignisse im Herbst 1998 mitberücksichtigt werden. Damals kamen mit dem Schuldenmoratorium Kirjenkos, der damit verbundenen Abwertung des Rubels und dem Zusammenbruch des Bankensystems die ausländi­schen Investitionen fast vollständig zum Stillstand.[5] Entsprechend einer Umfrage des Verbandes der Deutschen Wirtschaft in der RF vom September 1998 stellten fast die Hälfte der Befragten ihre Investitionsvorhaben zunächst zurück. Skeptisch zeigte sich vor allem der Handel.[6] 1998 war die Höhe der Auslandsinvestitionen in Rußland laut einer Meldung des russischen Wirtschaftsministeriums nur halb so hoch wie im Vorjahr.[7] Inzwischen ist zwar schon wieder etwas Ruhe unter den ausländischen Geschäftsleuten eingezogen. Die Folgen der Finanzkrise vom August 1998 sind aber weitreichend. Wie groß die Verwirrung war, verdeutlichen folgende Fakten: Direkt mit Beginn der Krise sanken die Aufträge in der russischen Werbebranche um 80 %. Sony und Procter&Gamble froren ihre Werbebudgets vorübergehend ein, Phillip Morris und Nestle be­schränkten entsprechende Ausgaben stark.[8] Es gab aber auch genau entgegengesetzte Reaktionen. Der Coco-Cola-Konzern, der 1998 bereits 12 Abfüllanlagen in Rußland unter­hielt, startete eine groß angelegte Werbe- und PR-Kampagne und senkte die Preise, was das Verkaufsvolumen schon bald auf den Wert des Vorjahreszeitraumes steigen ließ. Unter den gege­benen Umständen bedeutete das eine bemerkenswerte Marktanteilserweiterung.[9]

Danken möchte ich an dieser Stelle vor allem Frau Prof. Dr. Guerassimenko, die mich während meines Studienjahres an der Moskauer Lomonossow-Universität aber auch bei den Untersuchungen im Vorfeld dieser Arbeit weitreichend unterstützte. Darüber hinaus habe ich Prof. Dr. Dülfer für seine Betreuung zu danken. Seine theoretischen Betrachtungen haben in großem Maße zu meinem Verständnis der Gegebenheiten in Rußland beigetragen. Dank schulde ich auch all den Vertretern deutscher Firmen, die mir ihre Einschätzung der aktuellen Situation zukommen ließen.

Bevor mit den systematischen Betrachtungen begonnen wird, sollen noch kurz einige Erläuterungen gemacht werden. Wenn, obwohl die Untersuchung auf deutsche Unternehmen bezogen erfolgt, nicht durchgängig explizit von deutschen Unternehmen die Rede ist, sondern häufig von Unternehmen allgemein, ausländischen oder westlichen gesprochen wird, so deshalb, weil keine falschen Besonderheiten vorgetäuscht werden sollen. Gibt es konkrete Aspekte die nur für Deutsche zutreffend sind, werden sie auch als solche hervorgehoben. Sonst gilt eine Aussage nicht nur für sie. Unter dem Begriff unternehmerische Aktivitäten sollen alle möglichen Auslands-Geschäftssysteme zusammengefaßt werden. Zum Teil erfolgt in der Arbeit ein Vergleich verschiedener Strategien. Das geographische Betrachtungsobjekt ist die Russische Föderation, meist auch einfach kurz Rußland genannt.

Wird bei der Nennung verschiedener Personengruppen nicht politisch korrekt auch die weibliche Form genannt, so sei darum gebeten, dies nicht als Mißachtung zu verstehen, sondern nur als Verwendung der gebräuchlichen Begriffe. Gemeint sind in jedem Fall Personen beiden Geschlechts.

Im Rahmen dieser Arbeit wurde eine Befragung unter Führungskräften deutscher Unternehmen durchgeführt, die im Bereich des Rußlandgeschäfts tätig sind. Es wurden im September 1998 zu­nächst etwa 300 Fragebögen per Fax an Vertretungen deutscher Firmen in Moskau geschickt und in einer Nachfaßaktion im Oktober 1998 noch einmal 100 Bögen per Email an die Rußlandabteilungen deutscher Firmen. Leider war die Resonanz sehr gering. Lediglich 37 Antworten gingen ein. Die Ergebnisse sollen trotzdem ausgewertet werden, da sie zumindest ge­wisse Tendenzen aufzeigen. Informationen zu weiteren Erhebungen, die in der Arbeit berücksichtigt wurden, finden sich im Anhang.

2. Das Schichtenmodell der Umwelt-Differenzierung und -Berücksichtigung von Eberhard Dülfer

Einführend sollen das dieser Arbeit zugrundeliegende Schichtenmodell von Eberhard Dülfer erläutert werden.[10] Es bildet die Grundstruktur der vorliegenden Betrachtung der russischen Unternehmensumwelt. Betrachtungsmittelpunkt des Modells ist die in einem mehr oder weniger fremden Umfeld agierende Unternehmung mit ihren unzähligen Interaktionsbeziehungen. Ihre Arbeit und Handlungsfähigkeit sind geprägt durch die globale (in diesem Sinne übrige) Umwelt und die internen und externen Interaktionspartner. Die Gesamtheit der ‚wirtschaftlichen‘ Beziehungen machen die Aufgabenumwelt aus.[11] Mit dem Ziel, das Verhalten dieser Interaktionspartner erklären und vorhersagen zu können, ist man nun auf der Suche nach den ihr Verhalten beeinflussenden Faktoren und gelangt zur zweiten Dimension des Modells der Umweltdifferenzierung. Diese Dimension betrachtet wiederum die globale Umwelt und ihre Elemente. Im Grunde soll das Modell Einflüsse der globalen Umwelt auf die Unternehmung direkt aber auch indirekt über deren Einflüsse auf die Interaktionspartner benennen, systematisieren und Abhängigkeiten aufzeigen. Dabei können sowohl die direkten, als auch die indirekten Einflüsse in der fremden Umwelt den Entscheidungsspielraum eines Auslandsmanagers im Vergleich zu dem, was man z.B. in Deutschland gewohnt ist, einengen oder erweitern.[12] Um Abhängigkeitsverhältnisse identifizieren zu können, werden Interdependenzen zwischen den Einflußfaktoren aufgebrochen.[13]

In der vorliegenden Arbeit erfolgt keine getrennte Betrachtung dieser direkten und indirekten Einflußwirkung. In den einzelnen Unterkapiteln des 3. Kapitels, die den nachfolgend beschriebenen Schichten des Modells entsprechen, werden Erscheinungen geschildert, sowie ihre Wirkung sowohl auf die Interaktionspartner eines deutschen Unternehmens, als auch auf das Unternehmen selbst, beschrieben.

Das Modell nennt sich Schichtenmodell, weil die Einflußfaktoren in eine Ordnung aufeinan­der folgender Schichten gebracht werden. Die Hierarchie der Schichten ist bestimmt von evolutori­schen Verursachungs-zusammenhängen. Sie berück-sichtigt, daß evolutorisch gesehen in erster Linie die jeweils tiefer liegenden Schichten die höher liegenden beeinflussen.[14]

Die unterste Schicht sind die ”Natürlichen Gegebenheiten”. Topographische und klimatische Gegebenheiten sowie das Vorhandensein lebenswichtiger Ressourcen prägen die kulturelle Entwicklung einer beliebigen Gesellschaft. Sie beeinflussen die Menschen aber auch direkt. Zum Beispiel trägt das Klima zum Grad des Wohlbefindens bei.[15]

Im nächsten evolutorischen Schritt wird festgestellt, daß der Mensch zum Verändern seiner Umwelt zunächst zweierlei benötigt: erstens das Verständnis der ihn umgebenden Natur und zwei­tens verfahrenstechnische Kenntisse, um die gewonnenen Erkenntnisse sich nutzbar zu machen. Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle die Entwicklung von Kommunikationstechniken. Der Stand der Realitätserkenntnis und Technologie ist die unterste kulturelle Schicht. Dülfer benutzt dabei einen sehr weitreichenden Kulturbegriff, der alles Menschgemachte umfaßt.[16]

Auf dem Wissen sowie der Möglichkeit des Erfahrungsaustausches aufbauend, können sich ”Kulturell bedingte Wertvorstellungen” herausbilden. Zu diesen sind Glaube, Einstellungen, Prinzipien und persönliche Ziele zu zählen.[17] Eng verbunden mit dieser Schicht sind die Eigenarten der ”Sozialen Beziehungen und Bindungen”. Zum einen ist deren Charakter ge­prägt von Wertvorstellungen. Des weiteren bilden sich auf Basis der Wertvorstellungen Gruppenzugehörigkeiten heraus.[18]

Sowohl die Spielregeln der sozialen Bindungen und Beziehungen, als auch die Bildung von Gruppen in der Gesellschaft führen im nächsten Schritt zur Verfestigung menschlicher Kommu­nikations- und Verhaltensweisen durch rechtliche Normen. Hauptmotiv ist dabei die Harmonisierung des Zusammenlebens und der interpersonelle Interessenaustausch. Ergänzt und verstärkt werden die rechtlichen Normen durch politische. ”Als politische Normen gelten ideolo­gisch begründete Gebote und Verbote für individuelles Verhalten, die von politischen Machtzentren außerhalb des positiven Rechts, aber unter Benutzung hoheitlicher Machtmittel bzw. unter Berufung auf staatliche Autoritäten eingeführt werden.”[19]

Deutlich hingewiesen wird an dieser Stelle darauf, daß die beschriebenen evolutorischen nach oben gerichteten Wirkungszusammenhänge nicht die einzigen Abhängigkeitsbeziehungen sind. Es existieren beacht­liche rückwirkende Beziehungen. Als Beispiel kann hier aufgeführt werden, daß individuelle Wertvorstellungen des Menschen stark von seinem sozialen Umfeld und von seinen Gruppenzugehörigkeiten beeinflußt sind.[20] Auch bestehen Interdependenzen nicht nur zwischen benachbarten Schichten. Unbestreitbar fließen z.B. Wertvorstellungen auch direkt in die Gesetzgebung ein. Weitere sehr be­deutende Einflußwirkungen sollen in Abbildung 2.1. die ganz links nach oben zielenden Pfeile verdeutlichen. Sie symbolisieren, daß die Schichten sich nicht nur unterein­ander und die Aufgaben-Umwelt beeinflussen, sondern auch unmittelbar den Aus­landsmanager berühren.[21] Ein Beispiel seien die natürlichen Gegebenheiten, die zum einen langfristig die kulturelle Entwicklung einer Region mitbestimmen, darüber hinaus aber auch konkret das Wohlbefinden u.a. eines sich dort befindlichen Managers beeinflussen.

Zwischen Unternehmung und Entscheidungsträger/Auslandsmanager wird an dieser Stelle unter­schieden, um auch der Betrachtung des Interaktionsverhältnisses zwischen Auslandsmanager und unternehmensinternen Interaktionspartner des Gastlandes Raum zu geben.

Eine interessanter Aspekt des Modells besteht in seiner dynamischen Betrachtungs-weise. Es er­laubt, aufgrund der Annahme, daß langfristig in erster Linie eine Beeinflussung der unteren Schichten auf die höher liegenden erfolgt, Vorhersagen von möglichen Wandlungsprozesse.[22]

3. Beschreibungsversuch Rußlands auf Basis des Schichtenmodells

Auf Basis des Schichtenmodells der Umwelt-Differenzierung und -Berücksichtigung von Eberhard Dülfer, sollen in diesem Kapitel Anreize und Hindernisse für unternehmerische Aktivitäten deutscher Unternehmen in Rußland nicht nur näher betrachtet, sondern auch Wirkungszusammenhänge und Ursachen verschiedener Erscheinungen aufgedeckt werden. Kern der Betrachtung bleibt dabei die aktuelle Situation. Evolutorische Wirkungszusammenhänge im Sinne des Schichtenmodells sollen nur dann verstärkt Beachtung finden, wenn sie einen bedeuten­den Beitrag zum Verständnis der heutigen Situation leisten oder sich Erwartungen zukünftiger Entwicklungen aus ihnen ableiten lassen.

3.1. Natürliche Gegebenheiten

Die natürlichen Gegebenheiten beeinflussen die Arbeit ausländischer Unternehmen in vielfältiger Weise. Sie beeinflussen den produzierenden und konsumierenden Menschen unmittelbar und darüber hinaus die kulturelle Entwicklung der Region.[23] Bei der Betrachtung der natürlichen Ge­gebenheiten Rußlands muß sich die Größe des Landes vor Augen geführt werden. Fährt man vom westlichsten in den östlichsten Winkel des Landes, sind 11 Zeitzonen zu durchque­ren. Auf einer Landesfläche von über 17 Mio. km² leben 146 Mio. Menschen, was einer Bevölkerungsdichte von etwa 9 Pers./km² entspricht.[24] Der Ausdehnung entsprechend groß sind auch die Unter­schiede der natürlichen Gegebenheiten. Eine allgemeine inhaltsvolle Aussage ist somit weder in Bezug auf die topographischen, noch auf die klimatischen Gegebenheiten oder das Vorhanden­sein lebenswichtiger Ressourcen möglich. Man findet weit ausgedehnte Tiefländer genauso wie Hügel- und Bergland bis hin zu Hochgebirgen. Die klimatische Bandbreite umfaßt arktisches, subarktisches, gemäßigtes und subtropisches Klima. Insgesamt überwiegt kontinentales Klima. Große Teile des Landes sind ganzjährig vereist.[25] Bei der Standortbewertung eines konkreten Ortes müssen entsprechende Einflüsse differenziert be­trachtet werden.[26]

Die lebensfreundlichsten Gebiete Rußlands findet man mehr oder weniger auf einem Band, das sich vom europäischen Teil des Landes über den Süden des Urals, immer schmaler werdend, bis hin zum Baikaksee erstreckt. In diesen Regionen erlauben Klima und Boden auch am ehesten landwirtschaftliche Nutzung. Die natürlichen Bedingungen bewirken eine Konzentration von Be­völkerung und Industrie in diesem Streifen. Im europäischen Teil des Landes findet man mehr als drei Viertel der russischen Bevölkerung.[27] In Moskau und seiner Umgebung leben über 11 % der Arbeitsfähigen.[28] Der Großteil der Auslandsinvestitionen konzentriert sich hier. Im Jahre 1997 fielen fast 80 % der ausländischen Investitionen auf die Stadt und ihre nähere Umgebung.[29] Damit ist Moskau der Ort, an dem wohl die meisten deutschen Manager in Rußland arbeiten. Sowohl die Niederschläge im Jahr, als auch die durchschnittlichen Temperaturen im Sommer unterscheiden sich in der Elfmillionen-Stadt[30] relativ wenig im Vergleich zu Deutschland. Ledig­lich der Winter ist merklich länger und kälter. Damit verlangt das moskauer Klima von einem deutschen Manager keine zu große Umstellung.

Der Norden und dabei vor al­lem der Nordosten sind äußerst spärlich besiedelt. Im russischen Fernen Osten, der so groß ist wie zwei Drittel der USA, leben weitaus weniger Menschen als z.B. in Moskau.[31] Die Erschließung abgelegener, dünn besiedelter Gebiete ist mit größeren Transport- und Kontrollproblemen verbunden. Kurz hingewiesen sei hier schon einmal auf den Aspekt der Infrastruktur, der in gleichnamigem Kapitel näher betrachtet wird. Da Transportkosten und -zeiten aufgrund des Zustands der Infrastruktur und der Größe des Landes schnell übermäßige Dimensionen annehmen, kann es von besonderem Vorteil sein, nahe am Kunden zu produzieren.[32] Vielen russischen Betrieben geht es auch deshalb schlecht, weil sie sich oft Hunderte von Kilometern von ihren Rohstoffen entfernt befinden.

Das Klima ist einer der Gründe, warum es so schwer fällt, Deutsche für die Arbeit in diesen Re­gionen zu bewegen. Fast das ganze Jahr über eisige Temperaturen erscheinen den wenigsten anziehend. Die körperlichen und psychischen Belastungen machen ausgleichende Anreize erfor­derlich.[33] Verstärkt wird die Frustrationsgefahr durch den Ruf der traditionellen Verbannungsregion Sibirien, so daß eine Entsendung dorthin schnell als Strafversetzung empfunden wird. Nicht zu vernachlässigen sind auch die besonderen Anforderungen von Produktionsanlagen an die natürlichen Umweltbedingungen. Zum Beispiel erhöht der Dauer­frostboden in vielen Gebieten die Förderkosten von Rohstoffen.

Doch nicht nur für einen Ausländer sind die Bedingungen extrem. Die sowjetische Führung hatte lange versucht die abgelegenen Regionen stärker zu bevölkern. Das Ergebnis sind mittelgroße Industriestädte auch in Gebieten mit unwirtlichem Klima, die meist um einen großen Betriebe herum entstanden sind. Häufig ist das Bild dieser Orte von pragmatisch grauer Architektur und hoher Umweltverschmutzung geprägt. Die Perspektivlosigkeit führt nicht selten zu apathischem Verhalten der Menschen. Das alles hat natürlich Einfluß auf das Arbeitsverhalten. Viele Menschen zieht es in die größeren Zentren und lebensfreundlichere Landstriche. Der Autonome Kreis Tschukotka büßte z.B. von 1989 bis 1997 fast die Hälfte seiner Bewohner ein.[34]

Deutsche wie auch andere ausländische Unternehmen beteiligen sich in den nördlichen und östli­chen Gebieten vor allem an Großprojekten, die die Förderung und/oder Lieferung von Bodenschätzen zum Gegenstand haben. Deren Vorkommen sind in der Russischen Föderation sehr umfangreich und ihre Bedeutung für den russischen Haushalt aber auch für die Versorgung Deutschlands nicht zu unterschätzen. Im Jahre 1996 deckte z.B. russisches Erdöl zu 25 % und russisches Erdgas zu 33 % den deutschen Bedarf.[35] Die letzten Jahre haben in diesem Zusam­menhang gezeigt, daß deutsche Unternehmen bei Großprojekten in der Erdölbranche der internationalen Konkurrenz nicht gewachsen sind. Anders sieht es beim Erdgas aus.[36]

Mit Blick auf den Zustand der natürliche Umwelt Rußlands muß bemerkt werden, daß das von deutschem Führungspersonal auch sonst wenig attraktiv empfundene Land in dieser Hinsicht nicht an Reiz gewinnt. Vor allem die Zentren und die Regionen mit hohem wirtschaftlichem Potential, die Hauptaufenthaltsort der Auslandsmanager sind, fallen hier negativ auf.[37] Deutlich wird dies auch bei einem Blick auf die Tabelle 1 im Anhang dieser Arbeit. Die Industrie ist Hauptverursacher der umfangreichen Umweltschäden in der ehemaligen Sowjetunion. Viele der auch für die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung bedeutsamen Gewässer sind und werden weiter verschmutzt. In Gebieten mit hoher Luftverschmutzung häufen sich Erkrankungen der Atemwege und Hautkrankheiten.[38] Die Abfallbeseitigung ist ungenügend geregelt. Es fehlen hin­reichend gesicherte Deponieflächen sowie Wiederverwertungs- und Vernichtungsanlagen.[39] Ein besonders brisantes Problem stellen die Nuklearabfälle in zivilen und militärischen Anlagen dar. Ihre summarische Strahlenaktivität (ohne die der Kriegsmarine) war 1994 über fünfzigmal so hoch wie die in Tschernobyl freigesetzte. In der Regel werden die Abfälle in veralteten, unsiche­ren und vollen Deponien gelagert und zum Teil fragwürdig entsorgt. In Gebieten mit langjähriger erhöhter Umweltbelastung häufen sich Anomalien bei Kindern, Unfruchtbarkeit, Schwanger­schaftskomplikationen, Fehlgeburten, Leukämie und Lymphdrüsenkrebs.[40] Doch nicht nur die Verschmutzung der natürlichen Umwelt muß besorgt be­obachtet werden, auch wurde und wird hemmungslos Raubbau mit natürlichen Ressourcen wie Boden, Wasser und Holz getrieben. Man sollte sich darüber bewußt werden, daß die Taiga von ähnlicher Bedeutung für das Weltklima ist, wie der tropische Regenwald.[41] Die Ursachen für diesen Umgang mit der Natur sind vielfältig. Aus ökonomischen und sozialen Gründen ist nicht an eine Schließung umweltverschmutzender Betriebe, ja nicht einmal an eine Produktionsverringerung aus Umweltgründen zu denken.[42] Weitere Gründe sind das eigentümliche Verhältnis der Bevölkerung zur natürlichen Umwelt (siehe Kapitel 3.3.3.), der veraltete Anlagenpark (siehe Kapitel 3.2.3.) und die Gesetzessituation (siehe Kapitel 3.5.4.). Die Ursachen liegen also im Sinne des Dülferschen Modells weitreichend in höher gelegenen Schichten. Damit ist nicht zu erwarten, daß sich in absehbarer Zeit an diesem Zustand etwas ändert.

Für Investoren spielt der Zustand der natürlichen Umwelt nicht nur insofern eine Rolle, als daß die Umweltschäden der Lebensqualität z.T. erheblich abträglich sind und Gesundheitsschäden verursachen, sondern auch weil sie zu beschleunigter Korrosion führen, die Produktionskosten z.B. durch die Notwendigkeit der Aufbereitung lebens- und produktionswichtiger Ressourcen er­höhen und als Altlasten dem Erwerb russischer Unternehmen hinderlich sind.[43]

Damit wurden einige Aspekte im Zusammenhang mit den natürlichen Gegebenheiten ange­spro­chen, die die Entscheidung, ob und wo man in Rußland aktiv wird, beeinflussen. In bestimmten Gebieten sind die klimatischen Bedingungen und der Zustand der Umwelt mit ihren Einflüssen auf das Führungs-, Arbeits- und Konsumverhalten aber auch die Produktionskosten freundlicher als in anderen. Dadurch konzentrieren sich die Menschen und nicht zuletzt die Kunden in be­stimmten Regionen. Deutschland ist in der glücklichen Lage, sich nahe an den lebensfreundlichen Gebieten Rußlands zu befinden.

3.2. Stand der Realitätserkenntnis und Technologie

Der Stand der Realitätserkenntnis und Technologie ist die tragende Schicht der kulturellen Um­welt.[44] Dülfer verwendet dabei einen weitgefaßten Kulturbegriff, bei dem unter der kulturellen Umwelt alle menschgemachten Umwelterscheinungen zu verstehen sind.[45] Der Stand der Reali­tätserkenntnis ist notwendige Bedingung für die Veränderung der Natur durch den Menschen. Das Wissen der Beschaffenheit, Struktur und Funktionsweise der natürlichen Systeme ist die Basis für die Entwicklung einer Gesellschaft. Wie weit das russische Volk diese Fähigkeit besitzt, soll in Kapitel 3.2.1. und 3.2.2. untersucht werden. Doch selbst wenn das Verständnis der Gege­benheiten vorhanden ist, benötigt der Mensch zusätzlich geeignete Technologien, um die Erkenntnisse produktiv zu nutzen.[46] Dieser Aspekt soll in Bezug auf Rußland vor allem in den Kapiteln 3.2.3. und 3.2.4. betrachtet werden.

3.2.1. Das wissenschaftliche und technische Potential

Rußland hat große wissenschaftliche Potentiale. Der Stand der Realitätserkenntnis vor allem in naturwissenschaftlichen Gebieten ist so hoch wie in kaum einem Land der Welt. Die sowjetische Führung maß der Forschung große Bedeutung zu, weil auf diese Weise in strategisch wichtigen Bereichen die Überlegenheit des sozialistischen Systems gezeigt werden konnte. In diesem Sinne wirkte sich hier der Wettbewerb mit dem Westen positiv aus. Heute ist die Situation der Akade­miker äußerst schlecht. Viele wandern nach Europa, die USA und Israel aus. Allein 1996 verließen 15 % der Ingenieure das Land. Die Russische Akademie der Wissenschaften verlor im gleichen Jahr 20 % ihrer Mathematiker, 19 % der Physiker und 18 % der Biochemiker. Es ist an­zunehmen, daß es die besten waren.[47] In der Reihenfolge der Gründe für ihr Auswandern nannten entsprechende Personen erst an 5. Stelle das zu geringe Einkommen. Der Hauptgrund war die fehlenden Möglichkeiten des kreativen Nutzens ihres Wissens.[48] Die technische Ausrüstung in den Forschungslabors ist mit weiter sinkender Tendenz sehr schlecht. Auch bestehen innerhalb der Institute Organisations- und zwischen ihnen Abstimmungsprobleme.[49]

In diesem Sinne behindern der Stand der Technik und organisatorisch-verfahrenstechnische Defi­zite die Erkenntnissuche. Vor allem dem zweiten Aspekt sollte in Zukunft mehr Beachtung geschenkt werden. Problematisch sind die veränderten Anforderungen an die Forschung. Viele Institute forschen noch immer wie zu Sowjetzeiten. Sie sind der Meinung, daß ihre einzige Auf­gabe in der Entdeckung herausragender Neuheiten besteht. Was mit diesen dann der Staat macht, war nicht ihr Problem. Weil der sozialistische Betrieb wenig Anreiz hatte, Neues in die Produk­tion einfließen zu lassen, verstaubten viele großartige Entdeckungen ungenutzt in irgendwel­chen Schubladen. Es gibt inzwischen Agenturen, die nach solchen Schätzen in Rußland suchen.[50] Eine Umorientierung ist nötig, weil heute die Verantwortung für die Vermarktung und Vermarktbar­keit der Forschungsergebnisse bei den Instituten liegt.

Die Geldknappheit und das Fehlen von Auftraggebern als eines der Hauptprobleme der Forschungsinstitute muß u.a. in diesem Zusammenhang gesehen werden. Der Staat zahlt nur für wenige Projekte und auch die russischen Unternehmen haben kein Geld. Im unbeständigen russi­schen Umfeld ist es ihnen zu riskant, in Projekte zu investieren, die erst nach Jahren Früchte tragen. Sie denken eher kurzfristig.[51] Im Zuge der Reformen wurden viele Forschungsabteilungen und -institute geschlossen. Anhand der Statistik ist erkennbar, daß in den letzten Jahren die Ent­wicklung neuer Techniken beständig zurückging, die Zeit bis zu ihrer Serienfertigung immer länger wurde und gleichzeitig auch immer länger mit veralteter Technik produziert wurde. Noch immer auf höchstem Stand ist Rußlands Wissenschaft in Bereichen wie dem Flugzeugbau, der Raumfahrt, teilweise der Elektrotechnik und des Energieanlagenbaus.[52]

Will ein Forschungsinstitut heute überleben, muß es sich Gedanken darüber machen, ob es jemanden gibt, dem seine Arbeit nützt und der bereit ist, für sie zu zahlen. In gewisser Weise kann man diesen Prozeß des Umdenkens als den Erkenntnisprozeß der neuen Realität ansehen, der für die langfristige Entwicklung des Landes von großer Bedeutung ist, weil er eine Werte­veränderung nach sich zieht.

Arbeiten viele russische Wissenschaftler heute im Ausland, versuchen immer mehr ausländische Firmen, sich die intellektuellen und technologischen Potentiale auch innerhalb Rußlands zu Nutze zu machen. Bei der im Rahmen der Arbeit durchgeführten Umfrage erklärten immerhin 28 % der Antwortenden, daß die Erschließung und Nutzung wissen­schaftlichen Potentials für sie ein zum Teil bedeutender Aspekt ihrer Präsenz in Rußland sei. Die amerikanische Firma OBC gründete im Mai 1998 ein Joint Venture mit einer russischen Fabrik, um sich deren Know-how bei der Herstellung von Batterien für Elektroautos zu Nutze zu machen. Die Produktion des Gemein­schaftsunternehmens wird komplett in die USA exportiert.[53] Gerade bei der Produktanpassung an russische Besonderheiten bietet sich an, auf das Wissen russi­scher Techniker und Wissenschaftler zurückzugreifen. Die Knorr-Bremse GmbH ist stolz auf ihre gemeinsam mit russischen Ingenieu­ren entwickelte Bremse, die auch bei tiefsten sibirischen Temperaturen noch arbeitet.[54] Ein anderes Beispiel kommt aus der Elektronikbranche. Russische Wissenschaftler erklärten Ende 1998, daß sie in zwei Jahren einen Prozessor entwickeln können, der doppelt so schnell ist, wie der, den Intel im Jahr 2000 auf den Markt bringen will. Price Waterhouse prüfte das Projekt und schätzte es als realistisch ein. Nun ist man auf der Suche nach 40 Mio. Dollar. Mehr noch als die finanziellen Sorgen beunruhigt das Team die Vermarktung des Prozessors. Nötig wäre ein strate­gischer Partner, der das Marketing in die Hand nimmt.[55] Diese Erkenntnis kann hoffnungsvoll stimmen.

Hingewiesen sei auch in diesem Zusammenhang auf die Sonderstellung der zwei Hauptstädte. In Moskau und Umgebung sowie St. Petersburg konzentrieren sich über 50 % der russischen Wis­senschaftler.[56]

Der Stand der Wissenschaft ist für die weitere Entwicklung Rußlands von herausragender Be­deutung, will das Land nicht lediglich zum Rohstofflieferanten des Westens werden. Gehemmt wird die Forschung zur Zeit vor allem aufgrund der noch nicht vollständig vollzogenen Anpas­sung der Verantwortlichen an die neuen Umstände, was als ein Prozeß des Realitätserkennens angesehen werden kann. Zum zweiten bewirkt die heutige Realität ein eher kurzfristiges Denken in der Wirtschaft, so daß die Wertvorstellungen der wirtschaftlichen Einflußträger die Möglich­keiten der Forschungsinstitute beschränken. Aber auch die Kombination aus Wertvorstellungen und rechtlichen Rahmenbedingungen verschlechtert die Situation. Zum Beispiel ist der Schutz des intellektuellen Eigentums aufgrund unvollkommener rechtlicher Regelungen und dem eigen­artigen Umgang mit diesen nicht sicher gewährleistet.

3.2.2. Zur Ausbildung

Neben dem Sammeln von Erkenntnissen ist die Ausbildung und Erziehung als Instrument ihrer Weitergabe betrachtenswert. Dieses Kapitel widmet sich dem Ausbildungsstand und der Ausbil­dung von Arbeitern und Angestellten sowie des Führungspersonals gewidmet werden.

Einer der wenigen Standortvorteile Rußlands, den deutsche Manager zuweilen nennen, ist das hohe Ausbildungsniveau der Arbeitskräfte bei niedrigen Löhnen. Um ein maßgebliches Motiv für ein Engagement in Rußland handelt es sich dabei sicher nicht, da russische Arbeitskräfte gerade in der jetzigen Zeit recht mobil sind. Gemäß einer Umfrage der Zeitung Moskovskie Novosti im Herbst 1998 wären 18 % der Bürger Rußlands damals bereit gewesen, das Land zumindest zeit­weise im Falle einer weiteren Verschlechterung der Situation zu verlassen, um im Ausland Geld zu verdienen.[57] Viele haben es bereits getan. Es gibt Agenturen, die sich auf die Arbeitsvermitt­lung ins Ausland spezialisiert haben. Damit kann auf dieses Potential auch außerhalb Rußlands zugegriffen werden. Trotzdem ist das hohes Bildungsniveau sicher jedem Rußlandengagement förderlich.

Wie zufrieden sind deutsche Manager mit der Ausbildung ihrer russischen Mitarbeitern? Bei der Umfrage im Rahmen dieser Arbeit ergab sich folgen­des Bild: In Bezug auf die Arbeiter antwor­teten 17 % der deutschen Manager, daß der Ausbildungsstand ihren Anforderungen in vollem Maße entspricht und 54 %, daß dies mit Einschränkungen zutreffe. Eher unzufrieden waren 29 %. In vollem Maße waren bei den Führungskräften nur 6 % zufrieden, mit Einschränkungen drei Viertel. Tendenziell oder absolut nicht ausreichend fanden das Ausbildungsniveau des Managements 19 %.

Grundsätzlich ist es nicht verwunderlich, daß die Ausbildung nicht uneingeschränkt dem deut­schen Anforderungsmuster entspricht. Das System der Berufsausbildung war in der UdSSR bis in die 90er Jahre an die Bedürfnisse der sowjetischen Wirtschaftsstruktur angepaßt und stark pro­kommunistisch gefärbt.[58] Das weitergegebene Wissen und die vermittelten Wertvorstellungen sind heute z.T. nicht mehr zeitgemäß. Es sind Anpassungen der verfahrenstechnischen Kenntnisse notwendig.

In Bezug auf die Ausbildung der Arbeiter liegt das größte Problem wohl darin, daß in vielen Be­trieben oder sogar Branchen mit veralteter Technik ge­arbeitet wurde und/oder wird. Entscheiden sich deutsche Firmen für eine Standortansiedlung, so ist dies i.d.R. mit einer Modernisierung der Anlagen verbunden. Die Bedienung moderner westlicher Technik sind russische Arbeiter oft nicht gewohnt.

Das Management steht vor der Herausforderung, sich einem weitreichend neuen Anforderungs­profil anpassen zu müssen. Zu Sowjetzeiten war Aufgabe der Unternehmensführung in er­ster Linie das Aufrechterhalten der Produktion. Technische Kompetenzen spielten eine übergroße Rolle.[59] Managementbereiche wie der Absatz, die Finanzierung oder die strategische Planung, die heute auch zum Verantwortungsbereich russischer Direktoren zählen, unterlagen der Zentrale. So verwundert es nicht, daß die Unternehmen zwar zu großem Teil von Studierten geleitet wurden, ihre Ausbildung aber bei weitem nicht immer eine wirtschaftliche Orientierung hatte. Häufiger als Ökonomen traf man in den Führungsetagen Ingenieure. Management im westlichen Sinne ent­sprach wenig den Erfordernissen des planwirtschaftlichen Systems.[60]

Ein Umdenken ist heute nicht nur bei den Direktoren sondern auch bei den Lehrinstituten nötig. 1996 boten von 548 staatlichen Hochschulen im Lande 356 eine wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung an.[61] Sehr oft finden jedoch in den wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen volkswirtschaftliche Inhalte bei weitem mehr Raum als betriebswirtschaftliche. An der ökonomi­schen Fakultät der Moskauer Lomonossow-Universität wird beispielsweise zu 70 % Mathematik und Geschichte wirtschaftlicher Lehren unterrichtet.[62] Gleichzeitig ist Berufsziel und -perspektive vieler Studenten eine Position im Management privater Unternehmen. Weiter ist das Lehrsystem stark verschult. Eigene Entscheidungen der Studenten werden kaum erwartet und gefördert. Der russische Wirtschaftsstudent erlebt auch immer noch, selbst an angesehenen Hochschulen, Situa­tionen wie die folgende: Bei der Einführung in die Vorlesung ”Staatliche Regulierung” erklärt der Professor, daß es zu diesem Thema keine brauchbare Literatur gebe. Er habe aber vor etwa 20 Jahren dazu ein Buch geschrieben, dessen Aussagen ja eigentlich so noch immer gültig sind!

Vor allem in den, i.d.R. nur teilweise staatlich fi­nanzierten Business-Schools nähert sich die Aus­bildung in Bezug auf die Vermittlung von Fachwissen immer mehr westlichen Standards an. Dort werden inzwischen auch verschiedene MBA-Programme angeboten. Ein Problem aller höheren wirtschaftswissenschaftlich orientierten Lehranstalten ist der Mangel an brauchbarem Unter­richtsmaterial. Dadurch, daß zu großem Teil mit Übersetzungen gearbeitet wird, orientieren sich die Materialien oft wenig an der russischen Realität. Selbst Case-Studies sind häufig nur Über­setzungen aus westlichen Lehrbüchern, die meist weit von der Realität in Rußland entfernt sind. Eine Ursache hierfür ist auf der anderen Seite auch in der Furcht russischer Unternehmen zu sehen, Informationen und damit Erfahrungen weiterzuge­ben.[63] Es gibt auch nur wenig Lehrkräfte, die sowohl über theoretisches Wissen als auch über Praxiserfahrung verfügen.[64] Auf der anderen Seite kann man diesbezüglich hoffnungsvoll sein, da viele Lehrkräfte staatlicher Institute ihre lächerlich niedrigen Gehälter durch Tätigkeiten in der freien Wirtschaft aufbessern.

Schwierigkeiten bereitet also u.a. das Trennen von altem Denken und das Fehlen von verfahren­stechnischen Kenntnissen in Form von Managment-Know-how auch bei den Lehrkräften. Dabei genügt es nicht, Wissen aus dem Westen zu transferieren. Vielmehr ist eine Erforschung der rus­sischen Realität und die Ausarbeitung dieser Realität angepaßter Instrumente nötig. Bei diesem Prozeß wiederum können in anderen Ländern gemachte Erfahrungen sehr hilfreich sein.

Auf eine herausragende Aufgabe, die die neue wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung erfüllen könnte und sollte, macht der Rektor des ”Instituts für Business und Geschäftsverwaltung”[65] auf­merksam. Im Rahmen langfristiger Programme besteht die Möglichkeit eine Veränderung der Mentalität in zweierlei Hinsicht zu bewirken: erstens vom Niveau des beköstigt Werdens zu mehr Eigeninitiative und zweitens kann die Bildung einer zivilisierteren Unternehmensethik gefördert werden, wobei er meint, daß es nötig ist, das Geschäftsverständnis zu verändern. Es muß klar werden, daß es nützlicher und vielversprechender ist, ehrlich zu arbeiten, als zu betrügen. Dies hat für ihn weitaus größere Bedeutung als das Vermitteln von Fachwissen, welches er als zweite Hauptaufgabe nennt.[66] Damit weißt er auf eine nach oben gerichtete Beeinflussungslinie im Sinne des Schichtenmodells hin. Weiter unten im Text werden Besonderheiten der Wertvorstellungen als eines der Hauptprobleme der heutigen russischen Wirtschaftswelt identifiziert. Das Bildungs­system könnte hier langfristig gesehen die Situation wirkungsvoll verbessern.

Erwähnenswert ist noch das Problem der Sprache. Deutsche Unternehmen klagen darüber, daß sprachli­che Hürden die Kommunikation erschweren. Den älteren russischen Unternehmens­direktoren war es nicht nötig, Fremdsprachen zu beherrschen, da der Außenhandel über die Zentrale ablief. Gerade junge Russen zeigen jedoch großen Ehrgeiz beim Lernen von Deutsch und Englisch, so daß diese Schwierigkeiten abnehmen werden. Für deutsche Unternehmen arbeiten heute oft ost­deutsche Manager, die neben der Sprachkenntnis auch über Erfahrungen mit Rußland verfügen. Junge deutsche Wirtschaftswissenschaftler mit russischen Sprach- und Landeskenntnissen scheint es jedoch wenig zu geben.

3.2.3. Bedeutung und Ursachen des großen Modernisierungsbedarfs

Nicht nur in der Wissenschaft behindern veraltete Anlagen produktives Arbeiten. Auffällig ist in Rußland die Unverhältnismäßigkeit von vorhandenem und nutzbar gemachtem Wissen. Es ist nichts Neues, festzustellen, daß der Zustand der Produktionsanlagen, der Infrastruktur und son­stiger technischer Ausrüstung überwiegend schlecht ist. Darüber hinaus wird die vorhandene Wirtschaftsstruktur den heutigen Bedürfnissen nur teilweise gerecht.

In der Industrie beschränkt der Stand der Anlagentechnik die Möglichkeiten russischer Unter­nehmen, qualitativ hochwertige und verkäufliche Produkte herzustellen und führt zu umfangreichen Umweltschäden. Die russische Industrie ist noch stark von den Bedürfnissen des sowjetischen Systems geprägt. Eine Ursache für den heutigen Zustand ist sicher der geringe An­reiz zu Innovationen und Produktivitätssteigerungen in der planwirtschaftlichen Produktion. Mit den zu Zeiten geringer Nachfrageorientierung angeschafften Anlagen können heute oftmals keine konkurrenzfähigen Waren hergestellt werden. Weiter versuch­ten die sowjetischen Planer, die Herstellung sich substituierender Produkte zu vermeiden und mög­lichst nur in sehr wenigen Pro­duktionsstätten eine Güterart zu fertigen. Dies geschah mit dem Ziel Skaleneffekte zu erzielen. Im Ergebnis wurden nur wenige Standardgüter hergestellt und es bildeten sich stark monopolisti­sche Strukturen. Zu großem Teil ist der Markt russischer Verbrauchsgüter noch heute geprägt von niedriger Qualität und stark beschränktem Sortiment.[67]

Die existierende Wirtschaftsstruktur kann die heutigen Bedürfnisse kaum befriedigen. Ungenü­gende Kapazitäten bestimmter Branchen hemmen die Entwicklung anderer Wirtschaftssektoren. Die Lebensmittelindustrie hat z.B. mit Beschaffungsproblemen zu kämpfen, da sich die Land­wirtschaft in schlechtem Zustand befindet.[68] Ein anderes Beispiel ist, daß den Unternehmen der Lebensmittel-, Kraftfahrzeug- und Baubranchen die ungenügenden Kapazitäten in der kunststof­ferzeugenden und -verarbeitenden sowie der Verpackungsindustrie Schwierigkeiten bereiten.[69]

Die sowjetische Wirtschaftsstruktur bewirkt weiter, daß die Betriebe auch nach Abschaffung der Planungsbehörde kaum einheimische Konkurrenz haben. Selbst wenn große Unternehmen priva­tisiert wurden, machte man damit nicht selten aus einem staatlichen Monopol lediglich ein privates. Bereits erfolgte Entflechtungen wurden und werden durch neue Zusammenschlüsse teilweise wieder rückgängig gemacht. Die weiterhin bestehenden Monopolstrukturen in der Grundstoffindustrie und einigen Branchen des verarbeitenden Gewerbes sowie im Verkehrs- und Fernmeldewesen beeinträchtigen die Entwicklung von Wettbewerbsmärkten in großem Maße.[70]

Spuren hinterließ auch der Zusammenbruch des internationalen Arbeitsteilungssystems RGW. Mit ihm brachen vielen Unternehmen Beschaffungs- und Absatzmärkte weg. Zahlreiche Betriebe überlebten die letzten Jahre auch aus anderen Gründen nicht, wodurch zur Zeit eine Tendenz zur Umwandlung der russischen Industrie in eine Rohstoffindustrie zu erkennen ist.[71]

Doch nicht nur aus ökonomischen Gründen besteht großer Erneuerungsbedarf. Der Anlagen- und Ausrüstungszustands hat große Bedeutung für die Erhaltung der natürliche Umwelt. In die Ent­wicklung der zum Teil vor mehreren Jahrzehnten angeschafften Anlagen flossen schon damals nur begrenzt ökologi­sche Gedanken ein. Heute verursachen veraltete, stark umweltbelastende Verfahren und störanfäl­lige Anlagen umfangreiche Schäden. Industrieabfälle werden auch auf­grund fehlender Technologie kaum wiederverwertet oder umweltverträglich vernichtet. Für eine sichere Deponierung fehlen mo­derne gesicherte Deponieflächen. Zum Teil stark toxische Abwäs­ser fließen ungereinigt in die Gewässer, radioaktiver Abfall wird in bedenklichen Deponien gelagert oder im Meer versenkt. Der pro Kopf Energie- und Wasserverbrauch ist unverhältnismäßig hoch, was zum einen sicher mit ver­schwenderischem Umgang mit den natürlichen Ressourcen zusammenhängt, aber auch mit veralte­ter Haushaltstechnik und z.B. schlechter Wärmeisolierung. Auch hier sind die Ursachen teilweise im früheren System zu suchen.[72] Die theoreti­sche Bekenntnis zum Umweltschutz stand in der UdSSR und steht auch heute in einem erhebli­chen Widerspruch zur Umweltschutzpraxis (siehe Kapitel 3.5.4.).[73] Die Kombination aus geringem Umweltbewußtsein, unklarer rechtlicher Situation und der Finanz­knappheit der Betriebe und des Staates läßt hier für die nahe Zukunft wenig hoffen.

Damit wird deutlich, daß in Rußland umfangreichen Investitionen nötig sind. Die Gründe, warum russische Unternehmen nur zögerlich investieren, liegen relativ klar auf der Hand. Ein Haupt­problem ist die schlechte finanzielle Situation der Betriebe. Die ungenügende Rentabilität wirkt sich negativ auf die Zahlungsfähigkeit der Unternehmen aus, da sich die kaum verkäuflichen Waren in den Lagern stapeln. Moderne Anlagen sind i.d.R. jedoch nur für harte Währungen zu bekommen.[74] Doch selbst für gelieferte Waren oder geleistete Dienste gehen die Zahlungen nur spärlich ein. Es ist unter dem Umstand, daß Nichtzahlung Normalität geworden ist, schwer, zwischen Zahlungsunfähigkeit und schlechter Zahlungsmoral zu unterscheiden.[75] Selbst der russische Staat kommt seinen Verpflichtungen nicht nach. In diesem Sinne sind Besonderheiten in den Wertvorstellungen eine Ursache für den langsamen Modernisierungsprozeß.

Teilweise fehlt Betriebsleitern darüber hinaus das Bewußtsein für die Notwendigkeit, die Produktion umzustellen. Oft fehlt die Einsicht, daß die z.T. jahrzehntelang hergestellten Produkte nicht mehr gebraucht werden. Der schlechte Absatz wird häufig mit der geringen Zahlungsfähig­keit der Kunden erklärt, die, wenn sie könnten, gern kaufen würden. Mag das auch z.T. so sein, ist dieses Denken doch gefährlich. Das Überleben vieler Betriebe sichert heute ein geldloses Tauschsystem, das in Kapitel 3.3.4. näher erläutert wird.

Ein weiteres Hauptinvestitionshindernis sind die übergroßen Risiken in Rußland. Aufgrund der Instabilität und Unvorhersehbarkeit neigen russische Unternehmer mit fi­nanziellen Möglichkeiten eher zu Kapitalexport und spekulieren auf internationalen Finanzmärkten, statt Direktinvestitio­nen zu tätigen. Dies ist ein durchaus rationales Verhalten, da die Gefahr einfach zu groß ist, daß der Betrieb aus externen und internen Gründen nicht überlebt, bis man die Früchte langfristig orientierter Anschaffungen ernten kann.

Ein Beispiel, welche Chancen sich auf der anderen Seite aus der geringen Nachfrageorientierung zu früheren Zeiten und der Trägheit mancher Verantwortlicher ergeben, ist der Hersteller von leichten Lkw, Lieferwagen und Kleinbussen GAS. Der Markt von Lastkraftwagen zeigt, wie jahrelang versteckte Diskrepanzen zwischen Angebot und Nachfrage besondere Entwicklungspotentiale bieten. Geht die russische Produktion von schweren Lkw immer weiter zurück, erkämpfte sich GAS mit Abstand den größten Marktanteil unter den einheimischen Lkw-Produzenten. Das von ihm bearbeitete Segment wurde zu sowjetischen Zeiten eher vernachlässigt.[76]

Auch ausländische Unternehmen haben solche Nischen längst registriert. Westliche Marken haben sich einen immer größeren Anteil am Warenumsatz erarbeitet. Das gilt für langlebige Gebrauchs- genauso wie für Verbrauchsgüter.[77] In den Zentren wurden vor dem August 1998 bis zu 60 % der verkauften Nahrungsmittel importiert.[78] Abgesehen davon, daß der Zustand der Anlagentechnik die Konkurrenzsituation russischer Produzenten beeinflußt, ergibt sich aus der beschriebenen Situation ein großer Modernisierungsbedarf in den Unternehmen, der öf­fentlichen Verwaltung, den privaten Haushalten und bei der Infrastruktur. Der überwiegende Teil des russi­schen Werkzeugmaschinenbestandes, der Druckereianlagen, der Bergbau- und Landtechnik sind erneuerungswürdig. Viele russische Unternehmen, Organisationen und Behörden benötigen Computer und moderne Fernmelde- und Vermittlungstechnik.[79] Dabei wird der Modernisie­rungsbedarf in den nächsten Jahren nur noch größer, weil die Ausrüstung in vielen strategisch wichtigen Bereichen dringend zu erneuern sind. Vielfach ist es z.B. heute nicht möglich, Vor­kommen devisenbringender Bodenschätzen abzubauen, weil dies die vorhandenen Fördertechniken nicht erlauben. Da die Rohstoffexporte eine große Bedeutung für den russischen Haushalt haben, ist damit zu rechen, daß die Anlagen früher oder später ersetzt werden. Die Landwirtschaft droht völlig zusammenzubrechen, wenn der Maschinenpark in abseh­barer Zeit nicht erneuert wird. Aussaat und Ernte erfolgen immer stärker per Hand, da die Betriebe sich neue Maschinen nicht leisten können.[80] Hier versteckt sich ein großes Potential für ausländische Anbieter, weil auch in der Investitionsgüterindustrie russische Erzeugnisse bezüglich des tech­nologisch-qualitativ Niveaus sowie der Tiefe und Breite des Produktionsprogrammes weit hinter den ausländischen Konkurrenten zurückblei­ben.[81]

Vor dem Hintergrund der Finanzknappheit des russischen Staates ist auch weiter mit Verkäufen von Aktienpaketen russischer Staatsunternehmen zu rechnen.[82] Dabei sollten deutsche Unterneh­men, die darüber nachdenken, sich an russischen Unternehmen zu beteiligen oder sie zu übernehmen, prüfen, inwieweit die vorhandenen Maschinen und Ausrüstungen in der Zukunft sinnvoll eingesetzt werden können.[83] In die Überlegungen sollte auch der Umweltgedanke mit einfließen, da unklar ist, wie lange im Besonderen bei ausländischen Firmen mit dem Um­weltrecht so inkonsequent umgegangen wird wie heute.

3.2.4. Zur Infrastruktur und dem Dienstleistungssektor

Schon mit Blick auf die Größe und die Bevölkerungsdichte des Landes, verwundert es wohl nicht, daß gewisse Defizite in infrastruktureller Hinsicht bestehen. Der amerikanische nichtstaat­liche Fond "Erbes" sieht die Versorgung mit Eisenbahn- und Autobahnstrecken, mit Energie und Telekommunikation nur für den europäischen Teil Rußlands ausreichend gewährleistet, wo sich auf der anderen Seite auch die Kaufkraft konzentriert. In Sibirien und dem Fernen Osten bildet die fehlende Kommunikations- und Verkehrsinfrastruktur nach wie vor ein Hindernis für auslän­dische Investoren.[84] Auch existieren nur unzureichend Lagerkapazitäten mit der notwendigen technischen Ausrüstung wie z.B. Kühlanlagen.[85] Auch im Dienstleistungssektor gilt jedoch, daß die Situation in den Zentren sehr viel anders aussieht als in entlegenen Provinzen. Für einheimi­sche Produzenten wirken solche Barrieren teilweise schützend. Selbst die Haushaltselektronikindustrie kann ihre kaum konkurrenzfähigen Produkte in der tiefen Provinz noch absetzen, da Importwaren dort kaum hingelangen.[86]

Gründe für die z.T. schlecht aus­gebaute Infrastruktur sind die extrem dünne Besiedlung in weiten Teilen des Landes, unwirtliche natürliche Gegebenheiten und die abweichenden Anforderungen in heutigen im Vergleich zu planwirtschaftlichen Zeiten. Teilweise wurden im Zuge der Umge­staltung alte infrastrukturelle Systeme demontiert ohne Alternativen zu schaffen.[87] Viele heute bedeutende Dienstleistungen hatte in der Sowjetunion deutlich untergeordnete Bedeutung. Die Branche ist inzwischen eine der wachstumsstärksten und viele Fortschritte sind nicht mehr zu übersehen.

Innerhalb Rußlands ist nach dem Rohrleitungssystem die Eisenbahn das wichtigste Transport­mittel. Sind die Anlagen und Ausrüstungen zwar zu großem Teil veraltet, ist die Bahn aufgrund der relativ guten Organisation und der höheren Transportsicherheit im Vergleich zum Straßen­transport ein empfehlenswerter Verkehrsträger. Leider verhindern häufige Preisänderungen langfristige Kostenkalkulationen. Lastkraftwagen dienen in erster Linie dem Vor- und Nachlauf­verkehr zum Bahntransport. Selbst verkehrstechnisch wichtige Straßen sind oft nur zweispurig, in schlechtem Zustand und ohne Beleuchtung. Viele Fahrer verbringen die Nacht in der Nähe von Polizeiposten, da sie sich auf freier Straße nicht sicher fühlen. Trotzdem gewinnen Straßentrans­porte immer mehr an Bedeutung.[88] Das Land verfügt über umfangreiche Wasserwege, die vor allem im Osten jedoch des Winters zufrieren. Die Luftverkehrsinfrastruktur ist zufriedenstellend ausgebaut. Beunruhigend ist jedoch die Flugsicherheit vor allem auf Inlandsstrecken.[89] Noch immer langsam und unzuverlässig ist die Post. Die Beschädigung oder der Verlust von Postsendungen sind nichts außergewöhnli­ches. Inzwischen sind aber bereits einige westliche Kurierdienste in Rußland aktiv. Die Kombination von langen Transportwegen, nicht immer moderner Transporttechnik und z.T. gering ausgeprägtem Verantwortungsbewußtsein beim Transport- und Ladepersonal zieht besondere Anforderungen an die Verpackung nach sich.

Mit Probleme ist auch die Sammlung und Übermittlung von Informationen verbunden. Die Tele­kommunikationsanlagen sind nicht selten in schlechtem Zustand und erschweren das Übermitteln von Nachrichten per Telefon, Fax oder Internet nach und in Rußland. Die Post ist langsam und unzuverlässig. Dieser Umstand beschränkt die Möglichkeiten der Kommunikations- und Distri­butionspolitik der Unternehmen. Schwierig ist des weiteren, verläßliche volkswirtschaftliche oder marketingrelevante Informationen zu bekommen. Amtliche Statistiken, wie die des staatlichen statistischen Komitees Goskomstat sollten mit Mißtrauen gelesen werden. Inzwischen machen verschiedenen deutsche Verbänden und Kammern Informations- Kontaktvermittlungs- und Be­ratungsangebote und helfen somit das Informationsvakuum zu füllen.[90] In den Metropolen verbessert sich die Situation der Kommunikationsinfrastruktur mit der Einführung von Satelliten­netzen und Mobiltelefonen sowie aufgrund der Präsenz westlicher Zustelldienste.[91]

Problematisch wirkt sich der ho­he Monopolisierungsgrad auf den Rohstoff- und Energiemärkten, sowie im Transport- und Nachrichtenwesen aus. Die Eisenbahn und Post sind weiter in Staats­hand. Stromleitungen oder Rohrleitungssysteme werden häufig von einem oder wenigen Rohstoff- oder Energieproduzenten kontrolliert. Selbst wenn die Monopole rechtlich verpflichtet sind, ihre Infrastruktur auch für Konkurrenten zu öffnen, weiß man sich dagegen i.d.R. gut zu schützen. Zwar versucht der Staat, ein hemmungsloses Einstreichen von Monopolrenten zu ver­hindern, indem er die Tarife für entsprechende Dienstleistungen und Waren an die Produktionskosten der Unternehmen bindet. In der logischen Konsequenz blähen diese aber nur ihre Kostenposten auf, was ihnen dann wieder erlaubt, höhere Preise festzusetzen.[92]

Die freie Wahl von Lieferanten wird damit durch die Größe des Landes, die schlechte Infra­struktur und den hohen Monopolisierungsgrad verbunden mit den daraus resultierenden hohen Kosten zum Teil erheblich beschränkt.

Bezüglich der Möglichkeiten des Warenverkehrs zwischen der EU und Rußland kann gesagt wer­den, daß die Verkehrsinfrastruktur dort relativ gut ausgebaut ist und beständig erweitert wird. Im Herbst 1996 wurde eine Bahnverbindung für den Transport von Containern zwischen Berlin und Moskau in Betrieb genommen. Das Straßennetz im europäischen Teil Rußlands erlaubt auch den Lkw-Transport von und nach Deutschland. Der Bau weiterer Fernstraßen ist geplant. Recht nahe zu Deutschland gelegen ist der Petersburger Hafen, der noch immer ein Tor zum Westen darstellt. Weitere Möglichkeiten für den Umschlag von Waren, die für Rußland bestimmt sind oder von dort kommen, bieten die Häfen Kaliningrads und der baltischen Länder. Für das Leningrader Gebiet ist der Bau von drei zusätzli­chen Häfen geplant. Hemmend wirken sich zur Zeit nach Angeben ausländischer Vertreter vor Ort organisatorische Unzulänglichkeiten in den Häfen, vor allem in St. Petersburg, aus.[93] Auch die Rohrleitungssysteme werden weiter ausgebaut. So inve­stiert Gasprom in Zusammenarbeit mit der BASF -Tochter Wintershall große Summen in den Ausbau der von ihm kontrollierten Gasleitungen in Richtung Westen. Für deutsche Importeure stellen die relative Nähe zu den Gebieten, in denen die Bedingungen am vorteilhaftesten und in de­nen sich die Kaufkraft konzentriert (Moskau ist nur rund 1750 km von Berlin entfernt), einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz z.B. aus den USA oder Japan dar. Ihre Wahlmöglichkeiten der Transportmittel sind größer. Aufgrund der geringeren Transportkosten und -zeiten können sie auch auf Märkten wie dem der leicht verderblichen Lebensmittel aktiv werden, was Produzenten weiter entfernter Länder größere Schwierigkeiten bereitet. Es ist nicht zufällig, daß der Anteil deutscher Importe an den Gesamteinfuhren ausgewählter Regionen immer geringer wird, je weiter sie sich im Osten befinden. Ist Deutschland im europäischen Teil noch einer der Hauptimporteure, sinkt seine Bedeutung im Fernen Osten be­trächtlich. Dort teilen sich asiatische Länder und die USA den Markt.[94]

Schwierigkeiten bereitet auch die Handelsstruktur. Das Einzelhandelsnetz ist stark dezentralisiert, weshalb die Vertriebskette oft zahlreiche Zwischenhändler umfaßt. Die Großhändler verfügen meist über keine eigene Logistik sondern nehmen die Waren auf Lager und verkaufen sie an Selbstabholer. Vielfach arbeiten sie nach westlichen Maßstäben unprofesionell.[95] Kein Groß­händler verfügt über ein das ganze Land umfas­sende Netz. Der Vertrieb erfolgt über unzählige Subkontraktoren auf deren Arbeit man kaum Einfluß hat. Auf einigen Produktmärkten werden in großem Umfang Waren halb-legal unabhängig vom Hersteller importiert. Gezielte Preispolitik, die Unterbindung von Grauhandel oder die Gewährleistung eines guten Kundendienstes ist unter diesen Umständen schwierig.[96] Viele russische Produzenten eröffnen auch deshalb eigene Firmengeschäfte. Die großen westlichen Unternehmen gehen zu der Strategie über, mit einem begrenzten Team von Großhändlern zu arbeiten, die möglichst keine direkten Konkurrenz­produkte vertreten.[97] Wichtig ist dabei, gemeinsame Ziele und Strategien abzustimmen.

Zu erklären ist die Einzelhandelsstruktur damit, daß neben den Gaststätten die staatlichen Ge­schäfte noch in der ersten Phase der Privatisierungen in private Hand abgegeben wurden. Damals konzentrierte sich das Geld noch nicht so extrem in den Händen weniger und somit gelang vielen Russen der Sprung in die Selbständigkeit. Es ist unter den gegebenen Umständen jedoch damit zu rechen, daß sich auch in dieser Branche die Kontrolle in immer weniger Händen konzen­trieren wird. Der Einzelhandel, vor allem die Märkte und Kioske, ist eine Branche, in der die russi­sche Mafia sehr aktiv ist.

Supermarktketten haben bei weitem nicht die Bedeutung, wie man es aus dem Westen gewohnt ist. Finden kann man sie fast nur in den zwei Hauptstädten. Ihre Klientel sind reiche Russen und Ausländer, die sich die teuren dort erhältlichen Importwaren leisten können.[98] Die meisten Ver­brauchsgüter werden in unabhängigen Geschäften, auf Märkten oder an Kiosken verkauft. Weit verbreitet sind noch immer die ehemalig staatlichen Lebensmittelgeschäfte und in den Großstäd­ten die Warenhäuser, in denen vor allem einheimische Produkte zu bekommen sind.[99] Moskau kommt in Bezug auf die Vertriebsstruktur Rußlands besondere Bedeutung zu, weil sich hier der Großhandel konzentriert und viele für die Regionen bestimmte Güter den Warenumschlagplatz Moskau durchlaufen.[100]

Westlichen Wohn- und Bürostandard findet man eigentlich nur in den Ballungszentren und dort zu extremen Preisen. Doch auch Wohnungen sowjetischen Typs sind dort knapp und teuer, was zu einem Problem beim Anwerben von Mitarbeitern werden kann. In den Regionen ist die Situa­tion in dieser Hinsicht entspannter.[101] Dort wiederum behindert eine Markterschließung das ungenügend ausgebaute Gastgewerbe.[102]

In den Zentren findet man auch stärker andere Institutionen, die für unternehmerische Tätigkeiten von großer Bedeutung sind.[103] So bildete sich in den letzten Jahren in den zwei Hauptstädten (Moskau und St. Petersburg) eine recht gut entwickelte Werbeinfrastruktur heraus. In den ent­fernteren Provinzen sieht die Situation weitaus schlechter aus.[104] Um die Menschen in den Regionen zu erreichen, empfiehlt es sich, in regionalen Fernseh- und Printmedien zu werben, da diese dort tendenziell ein größeres Publikum als die überregionalen Medien haben.[105] Etwa 94 % der Russen haben Zugang zum Fernsehen.[106] Bei der Entscheidung, in welchen Regionen am besten geworben werden soll und welcher Medien man sich am besten be­dient, können russische Werbeagenturen helfen.[107] Die Auswahl einer Werbeagentur ist in den letz­ten Jahren leichter ge­worden, da es inzwischen schon eine Reihe von Firmen gibt, die bereits seit einigen Jahren auf entsprechendem Markt aktiv sind sowie auf Referenzen und bereits durchge­führte Aktionen ver­weisen können. Galt es noch bis vor kurzem, daß ausländische Agenturen zwar über mehr Werbe-Know-how verfügen, russische Firmen aber besser der Besonderheiten der "russischen Seele" wußten, so verwischen diese Grenzen, da beide Seiten ihre Schwächen abgebaut haben.[108] Auch immer mehr Marktforschungsagenturen, die sich mit Zielgruppen- und Produktforschung sowie der Bewertung der Effizienz von Werbeträgern beschäftigen, werden gegründet.[109] Die großen russischen Agenturen sind gewohnt, mit westliche Firmen zusammenzuarbeiten.[110] Der Markt für Beratungsleistungen ist ebenfalls zumindest in den Zentren recht gut entwickelt.[111] Auch hier konkurrieren russische Firmen mit den bekannten internationalen. Die Preise für Marketing- und Beratungsdienstleistungen, die bereits mit denen westlicher Länder vergleichbar waren, sanken mit dem Auftragsrückgang im Herbst 1998 wieder.[112]

Wurde langsam und mit bereits sichtbaren Erfolgen vor allem im europäischen Teil ein funktions­fähiges Banken- und Versicherungswesen aufgebaut[113], brach dies mit dem 17. August 1998 erneut zum großen Teil zu­sammen, als der Staat seinen finanziellen Verpflichtungen nicht frist­gerecht erfüllte. Viele russische Großhändler und Importeure kamen nicht mehr an ihre Konten und konnten im Resultat ihre Verpflichtungen nicht mehr erfüllen. Die Nichtbearbeitung von Zahlungsaufträgen der Banken zog erhebliche Probleme im mühsam aufgebauten Distributions­netzes nach sich. Viele ausländische Unternehmen wickeln ih­ren Zahlungsverkehr über vor Ort präsente Tochterfirmen ausländischer Institute ab. Anfang des Jahres 1998 waren nach Angaben der Zentralbank 16 rein ausländische Geldinstitute und 10 mit ausländischem Mehrheitsanteil re­gistriert.[114] Es gibt jedoch auch einen begrenzten Kreis russischer Banken, die inzwischen wieder relativ zuverlässig arbei­ten.[115] Traditionell werden die Banken in Rußland nicht als bedeutende und nützliche Institutionen angesehen, sondern eher als Parasiten. Hat man mit umfang­reichen PR-Aktionen versucht, dieses Image zu verbessern, verstärkte die Unternehmenspolitik der meisten Finanzinstitute dieses Bild eher noch.[116] Strategische Investitionen wurden von ihnen kaum gefördert, da Spekulation auf dem einheimischen und den ausländischen Finanzmärkten weitaus einträglicher war. Mehrfach wurden Kunden um ihre Guthaben gebracht. Nach Angaben des CIA steht die Hälfte der 25 größten Banken mit der organisierten Kriminalität in Verbin­dung.[117]

Wurden in diesem Kapitel, aber auch schon in Kapitel 3.1. einige Problembereiche angesprochen, die bestimmte Regionen für ausländische und teilweise im speziellen für deutsche Unternehmen mehr oder weniger attraktiv machen, kann der Attraktivlosigkeit der entfernten Regionen auch etwas Positives abgewonnen werden. Die Wettbewerbsintensität ist in den Gebieten, die von vielen ausländischen Unternehmen nur zögerlich erschlossen werden, noch ver­gleichsweise gering.[118] Zum Teil können hier einheimische Produzenten noch wenig konkurrenzfä­hige Waren absetzen, da Importwaren die tiefe Provinz nicht erreichen.[119] Dabei ist nicht nur die Rede vom Fernen Osten, sondern auch von Mittelrußland und dem Uralgebiet.[120] Das hier versteckte Ent­wicklungspotential sollte im Einzelnen genauer untersucht werden.

3.2.5. Realitätserkennung als Voraussetzung für Umgestaltung

Rußland verfügt vor allem im naturwissenschaftlichen Bereich über einen sehr hohen Stand der Realitätserkenntnis. Probleme scheint jedoch zu bereiten, sich diese Kenntnisse wirkungsvoll nutzbar zu machen. Die russische Wirtschaft leidet unter dem Erbe sowjetischer Wirtschafts­struktur und sowjetischer Wertvorstellungen. Der Anlagenpark und die Infrastruktur sind zu großem Teil veraltet und fehlende Kapazitäten in heute wichtiger werdenden Branchen bremsen andere Wirtschaftszweige. Für ausländische Unternehmen bedeuten das in erster Linie zweierlei. Zum einen schwächt es die russische Konkurrenz und zum zweiten verbirgt sich hier ein be­trächtliches Verkaufspotential für die Investitionsgüterindustrie. Hemmend ist der Zustand bei der Suche nach Zulieferern. Eine Schlüsselrolle bei der zukünftigen gesellschaftlichen und wirt­schaftlichen Entwicklung spielt die Veränderung der Wertvorstellungen der politischen und wirtschaftlichen Einflußträger. Problematisch ist heute die bedenkliche Geschäftsethik, z.B. in Bezug auf die Zahlungsmoral oder das Verantwortungsbewußtsein, das Beibehalten sowjetischer Gewohnheiten und das an die russische Realität angepaßte kurzfristige Denken. Ob im Zuge des Erkennens der Relevanzverschiebung von Erfolgsfaktoren russische Unternehmer zu dem Schluß kommen, daß es sich lohnt, Investitionen zu riskieren, bleibt abzuwarten und hängt davon ab, wie sich ihnen die russische Realität präsentiert. Strategisch wichtig für den Umgestaltungsprozeß ist das Bildungssystem.

3.3. Kulturell bedingte Wertvorstellungen

Die kulturell bedingten Wertvorstellungen als nächstfolgende Schicht im Dülferschen Modell umfassen alle subjektiv festgelegten Präferenzen. Eingeschlossen sind sowohl solche Werte, von denen das Individuum glaubt, daß sie für alle Menschen Gültigkeit haben, als auch solche, die bewußt als subjektiv gewählt wahrgenommen werden. Damit gehören zum Betrachtungskomplex dieses Kapitels religiöse Glaubensinhalte, ethische Normen, Verhaltensvorschriften, ideologische Postulate, aber auch individuelle Motive und Lebensziele. Dieses Wertesystem des Einzelnen ist zum großen Teil Ergebnis des individuellen Realitätserkennungsprozesses, wird aber auch beein­flußt durch sein soziales Umfeld. Gleichzeitig sind die Wertvorstellungen die Voraussetzung für die Bildung sozialer Gruppierungen.[121]

Nachfolgend soll zunächst auf die Problematik des in Rußland tobenden Konkurrenzkampf der Wertesysteme eingegangen werden. Es werden weiter einige Ausführungen zum allgemeinen Wertesystem gemacht und das Führungs-, Konsum- und Arbeitsverhalten betrachtet. Tiefgehend auf die Suche nach der vielbeschworenen “russischen Seele” soll hier nicht gegangen werden, auch wenn das Schichtenmodell von Eberhard Dülfer gut geeignet wäre, systematisch der Entstehung des russischen Volkscharakter auf den Grund zu gehen. Es sei noch darauf hingewiesen, daß eine Reihe von Aspekten, die in diesem Kapitel behandelt werden, u.U. schon eher der Problematik der sozialen Beziehungen und Bindungen zugeordnet werden müßte. Wenn es im Sinne des Verständlichkeit hier ungeschickt erscheint, Interdependenzen aufzubrechen, soll ein wenig vorgegriffen werden. In allen Fällen, wo dies der Fall ist, sind Wertvorstellungen von durchaus großer Bedeutung.

Wenn auch über vier Fünftel der Bevölkerung der Russischen Föderation Russen sind, sei doch einleitend davor gewarnt, die Menschen in Rußland als einen einheitlichen Menschentypus anzu­sehen. Im Land leben mindestens 153 Nationalitäten, die sich bezüglich der Sprache, Kultur und Mentalität auch nach 70 Jahren Sowjetunion noch voneinander unterschei­den.[122] Dadurch, daß Russisch Amtssprache war und ist, wird es von den meisten Einwohnern be­herrscht. Daneben sprechen die ethnischen Minderheiten aber häufig noch andere Sprachen. Bedingt durch die natürlichen Gegebenheiten, aber auch geschichtliche Besonderheiten und externe Einflüsse unterscheidet sich das Leben in den einzelnen Regionen auch unter den Russen zum Teil merklich. In einigen von Regionen sind die Russen von ihrem Bevölkerungsanteil sogar in der Minderheit. Zwar gelang es der sowjetischen Erziehung und Realität, die Lebensgewohnheiten ein ganzes Stück weit anzugleichen, doch ließ man sich nicht alle alten Traditionen und Gewohn­heiten nehmen. Ein schönes Beispiel ist das der Deutschland-Russen. Das Leben in ihren Dörfern unterschied sich über die ganze Zeit hinweg deutlich von dem in russischen, wobei auf der anderen Seite das Sowjetleben auch seine Spuren hinterließ. Es soll einfach davor gewarnt werden, sich zu unvorsichtigen Verallgemeinerungen hinreißen zu lassen, da dies zu Mißver­ständnissen und Verstimmungen führen kann. Vor Verhandlungen, im Umgang mit Mitarbeitern oder auch im Marketing ist es vorteilhaft, sich über kulturelle Besonderheiten zu informie­ren.

3.3.1. Der irrationale Russe

Oft hört man Westeuropäer und Amerikaner über das irrationale und unlogische Verhalten der Russen klagen. Einbezogen sind dabei Beamte genauso wie Partner oder Mitarbeiter. Hier soll aber behauptet werden, daß der Mensch grundsätzlich ein rational handelndes Wesen ist, das ent­spre­chend seiner Erfahrungen und seines Wissens Entscheidungen trifft. Erscheint uns das Handeln einer Person irrational, zeugt dies eigentlich nur von unserem Unverständnis und der Unkenntnis der Motive des anderen. Unterschiedliche Umgebungen, Realitäten und die Art auf die bzw. der Umfang mit dem diese wahrgenommen werden, prägen die Wertvorstellungen der Menschen. Abhängig davon, wie sich dem einzelnen die Realität darstellt, welche Wertvorstel­lungen sich bei ihm herausgebildet haben und welches Verhalten er von seiner sozialen Umwelt erwartet, sowie welches Verhalten er glaubt, daß es seine soziale Umwelt von ihm erwartet, ent­wickelt er seine Reaktionsmuster. In der von Russen häufig kritisierten Arroganz vieler "Westler" verzweifeln diese an den Bedingungen in Rußland, wie sie sich ihnen darstellen, und erwarten gleichzeitig von ihren Mitarbeitern und Partnern ein der westlichen Realität entsprechendes Ver­halten. Daß das we­nig erfolgversprechend ist, liegt wohl auf der Hand. Zweifellos sind die Bedingungen für wirt­schaftliche Aktivitäten in Rußland in vieler Hinsicht katastrophal schlecht. Um so wichtiger sind die Erfahrungen der Menschen, die gelernt haben, in dieser Umgebung zu leben und Geschäfte zu ma­chen.

Zu großem Teil resultiert das uns unverständliche, ”irrationales” Verhalten der Bevölkerung der Russischen Föderation auf der permanenten Undefiniertheit und Unbeständigkeit des Lebens.[123] Gerade in den letzten zehn Jahren waren die Russen mit so vielen, vom Einzelnen nicht zu beein­flussenden Veränderungen konfrontiert, daß ein kurzfristiges Denken als eine durchaus rationale Reaktion angesehen werden kann. Dieses Denken äußert sich in einem Ausnutzen der gerade vor­handenen Möglichkeiten und mündet häufig in Rücksichtslosigkeit sich selbst und anderen gegenüber. In diesem Zusammenhang ist sicher auch zu sehen, daß Sparen bei Russen so unpo­pulär ist. Im Rahmen einer im Jahre 1996 durchgeführten Untersuchung wurden 2000 Russen danach gefragt, welche Bedeutung für sie Geld hat. Fast ein Fünftel der Befragten war der Mei­nung, daß man es schnell wieder ausgeben sollte und 39 % sahen es als Mittel, um Probleme zu vergessen. Es ist wohl naheliegend, mit welcher Art von Produkten sie dies in erster Linie tun. Gerade im Zusammenhang mit Alkohol fällt die Verantwortungslosigkeit und Gleichgültigkeit vieler Russen ihrer Gesundheit gegenüber auf, was auch wieder als kurzfristi­ges Denken gewertet werden kann. Verantwortlich fühlen sich Russen in erster Linie für ihrer Familie. Entsprechend der Umfrage des GfK-FESSEL-Instituts ist für zwei Drittel der russi­schen Bevölkerung Geld in erster Linie ein Mittel zur Absicherung der Familie.[124] Betrachtet man das Verhalten von Betriebsdirektoren, Politikern, Richtern, Polizisten aber auch von "gewöhnlichen" Arbeitern und Angestellten, so bekommt man schnell den Eindruck, daß die Verantwortung, die sie aufgrund ihrer Stellung tragen, schnell in den Hintergrund rückt und man vielmehr bemüht ist, die einem ge­gebenen Möglichkeiten in seinem eigenen sowie im Interesse von Familie und Bekannten aus­zunut­zen. Unter den sich ständig verändernden und unbestimmten Umständen ist es genausowenig sicher, für pflichtbewuß­tes Handeln belohnt zu werden, wie für Mißbrauch be­straft.[125] Das gleiche Problem existiert im Zusammenhang mit den Eigentumsrechten. Ist jemand Eigentümer einer Sache, sollte man davon ausgehen, daß er daran interessiert ist, auch langfristig den größten Nutzen aus ihr zu ziehen. Aufgrund der Unspezifiziertheit der Eigentumsrechte und ihre wiederholte Umverteilung verringert sich jedoch das Verantwortungsbewußtsein bei den be­sitzenden Subjekten und der Besitz wird nicht selten schnell ausgeplündert.[126] Mit Blick in die Zukunft muß erwartet werden, daß solange die Reformen, die zwangsläufig Unbeständigkeit mit sich brin­gen, nicht abgeschlossen sind, sich an dieser Erscheinung wenig ändern wird.

Auch viele ausländische Akteure begrenzen aus diesen Gründen ihren Planungshorizont und ent­scheiden sich eher für kurzfristige Strategien.[127] Bei ihnen ist langfristiges Denken aber weiter verbreitet, da sie hoffen, in der jetzigen Zeit die Basis für zukünftige Marktanteile schaffen zu können und sie auch meist über andere finanzielle Möglichkeiten verfügen. Rückschläge werden von ihnen leichter verkraftet. Man sollte sich potentieller Zieldifferenzen bei Verhandlungen be­wußt sein. Führende Vertreter des russischen Investorenverbandes erklärten sich den mäßigen Erfolg vieler ausländischer Unternehmen mit der ungenügenden Strategieabstimmung mit den russischen Partnern.[128]

3.3.2. Die Konkurrenz der Wertesysteme

Eine nicht zu vernachlässigende Position bezüglich der Entwicklung des Wertesystems, nimmt auch in Rußland die Religion ein. Die traditionellen Werte der Russisch Orthodoxen Kirche erzeugten keine Motivation zur Arbeit und legitimierte die Macht der Herrschenden. Der Erfolg auf Erden wurde mißachtet.[129] Arbeit hatte den Zweck der Pflichterfüllung gegenüber der Obrigkeit und wurde als sittliche Handlung ge­deutet. Da die Arbeit nur den Zweck der Pflichterfüllung haben sollte, wurde auch das Anhäufen von Kapital verurteilt, weil die Akkumulation von Geld dem übermäßigen Konsum des Men­schen gilt. Eigentum war das Ergebnis menschlicher Arbeit und dementsprechend wurde der Wert eines Produktes nach der Quantität der zu seiner Herstellung eingesetzten Arbeit bewertet. Reichtum war verachtenswert.[130] An die Stelle der ökonomischen Effizienz sollten die Nächstenliebe und das den Menschen Dienen als Kriterien einer "gerechten" Wirtschaft treten. Die Profitjagd wurde verurteilt.[131] Von besonderer Bedeutung war die Idee der Gleichheit, die kollektive Vereinigung durch gemeinsamen Glauben, gemeinsame Ziele und gemeinsame Aufgaben. Freie Selbstver­wirklichung des Einzelnen rückte gegenüber den Interessen der Gemeinschaft in den Hintergrund.[132] Heute wie damals ruft bzw. rief die Russisch Orthodoxe Kirche zur Selbstein­schränkung im Konsum auf.[133] Dabei richtet sie sich heute besonders gegen westliche Marken wie Coca-Cola und Marlboro, die die de­kadente konsumorientierte westliche Kultur verkörpern.

Es wird viel darüber nachgedacht, welche Rolle die Religion beim Aufbau einer neuen russischen Gesellschaft spielen kann. Dabei gibt es in erster Linie zwei Funktionen, die sie theoretisch über­nehmen könnte. Die eine ist die Hilfe bei der Identitätssuche des russischen Volkes. Auf der Religion könnte ein russisches Zusammengehörigkeitsgefühl beruhen. Wenn gesagt wird, daß die Hälfte der Russen erklärt, daß sie gläubige orthodoxe Christen sind, so ist zu vermuten, daß die Zahl der regelmäßigen Kirchgänger wesentlich kleiner ist, man sich zum Glauben jedoch als identitätsstiftendes verbindendes Merkmal bekennt. Die zweite mögliche Funktion besteht in der Vermittlung eines Wertesystems, das be­stimmte Verhaltensnormen induziert und das Leben in verschiedenster Hinsicht vorhersehbarer und sicherer machen könnte. Die Kirche hat sich das Ziel gesetzt, die moralische Erziehung der Menschen übernehmen zu wollen. Zu diesem Zweck werden heute Workshops organisiert, die den Teilnehmern christliche Werte vermitteln sollen.[134] Bisher fehlen der Kirche aber noch weitrei­chend Antworten auf die Probleme der Menschen im heutigen Rußland. Die Marktwirtschaft wird heute jedoch nicht kategorisch ablehnt - solange der Mensch seinem Nächsten dient und den Versuchungen widersteht.[135] Ihre Glaubwürdigkeit setzt die russische Kirche mit ihren Wirtschaftsaktivitäten aufs Spiel. Sie ist Großimporteur u.a. von Alkohol und Tabakwaren.[136]

Man sollte den Einfluß der Russisch Orthodoxen Kirche weder auf die Wertvorstellungen noch auf Politik und Wirtschaft überschätzen. In erster Linie prägte wohl die sowjetische Lebenserfahrung die Mentalität der heute lebenden Russen. Dabei findet man viele orthodoxe Werte auch im sowjeti­sche Wertesystem wieder. Das Streben nach Gewinn war auch in der Sowjetunion verpönt und wurde als Überbleibsel der kapi­talistischen Epoche gesehen. Gerechtes Eigentum konnte nur durch Arbeit entstehen, Kollektivgeist und Gleichheit standen über der Individualität. Die Arbeit zum Wohle der Gesell­schaft hatte höchste Wertigkeit. Das orthodoxen Postulat der uneinge­schränkten Obrigkeitshörigkeit hatte ganz sicher Einfluß auf das Entstehen der klaren strengen Hirarchie­strukturen in der SU. Außerdem wurde den Menschen anerzogen, sich auf den Staat zu verlassen.[137] Auf der anderen Seite war der reale Sowjetmensch nicht ganz so konsequent obrig­keitshörig und initiativlos wie ihm häufig nachgesagt wird. Eigeninitiative war nicht völlig unerwünscht. Bewegte sie sich im 'richtigen' Rahmen, führte sie zu Anerkennung. Weiter war für das sowjetische System der Gegensatz zwischen öffentlicher Befolgung und privater Unterhöhlung der fixierten Regeln kennzeichnend.[138] Diese Regelverstöße wurden zwar häufig von der Gesellschaft bis hin zur Parteiführung in bestimmten Grenzen geduldet oder gar geför­dert, kollidierten aber mit dem gepredigten Wertesystem und dem geschriebenen Recht. Damit bildeten sich in der entstehenden Schattenwirtschaft, die weitreichend marktwirtschaftliche Züge trug, wiederum Regeln, die ihr Funktionieren gewährleistete.

Einfluß auf das Verhältnis der Menschen zum jetzigen System hat sicher auch die "Schwarz-Weiß-Malerei" der sowjetischen Ideologie. Wurde das Leben im Sozialismus in den buntesten Farben geschildert und als die gerechteste menschenfreundlichste Gesellschaft dargestellt, ist der Kapitalismus gekennzeichnet von rücksichtsloser Ausbeutung, großen Einkommensdifferenzen und aggressiver Expansionspolitik. Im Programm der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, angenommen auf dem XXII. Parteikongreß 1961, wurde "Die Krise des Weltkapitalismus" folgendermaßen beschrieben: "Das Joch des Finanzkapitals wird ständig schwerer. Mammutmonopole, die den überwiegenden Teil der gesellschaftlichen Produktion in ihrer Hand konzentriert haben, beherrschen das Leben der Nation. (...) Die Finanzoligarchie bereichert sich märchenhaft. Der Staat ist zu einem geschäftsführenden Ausschuß der Monopolbourgeosie ge­worden. Das gesamte Wirtschaftsleben wird rapide bürokrati­siert."[139] Spätestens mit der Auflösung der Sowjetunion wurde das Projekt des Aufbaus des Kommunismus in Rußland vor­erst für beendet erklärt und man wendete sich der einzigen Alternative, dem Kapitalismus zu. Ist es wirklich nur Zufall, daß die heutige Situation Rußlands stärker als irgendeinem marktwirt­schaftlichem Land dieser vor fast 40 Jahren gemachten Beschreibung ähnelt? Scheinbar sehen bestimmte Personenkreise in der grundsätzlichen Umorientierung zum Kapitalismus eine gewisse Legitimation für rücksichts- und verantwortungsloses Handeln. Die Leitbilder der Marktwirt­schaft und Demokratie konnten sich offensichtlich nicht durchsetzen. In ihrer Bezugslosigkeit zur Realität wurden die Begriffe bei der breiten Bevölkerung schnell zu Synonymen für den Nieder­gang des Landes und geradezu zu Schimpfworten, mit denen angebliche Feinde Rußlands diskreditiert werden.[140]

[...]


[1] Vgl. Prinkevitsch; 1994, S. 12f.

[2] Vgl. Bfai (Hrsg.); 1998; S. 34ff.

[3] Vgl. Welge 1996; S. 6.

[4] Vgl. Dülfer, 1997; S. 257.

[5] Vgl. o.V.; bfai-Info Osteuropa, 24/98 (1); S. 6.

[6] Vgl. o.V.; bfai-Info Osteuropa, 23/98 (1); S. 4ff.

[7] Vgl. o.V.; Transitions; 12/98; S. 5.

[8] Vgl. o.V.; Ost-Wirtschafts-Report, 2.10.98; S. 397.

[9] Vgl. o.V.; Ekspert, 21.12.98; S. 25.

[10] Vgl. Dülfer, 1997; S. 248ff.

[11] Ebenda; S. 254.

[12] Vgl. Dülfer, 1997; S. 437.

[13] Ebenda; S. 257.

[14] Ebenda; S. 257; auch S. 259.

[15] Ebenda; S. 257f.

[16] Vgl. Dülfer, 1997; S. 258.

[17] Ebenda; S. 258f.

[18] Ebenda; S. 259.

[19] Dülfer, 1997; S. 259.

[20] Vgl. Dülfer, 1997; S. 259.

[21] Vgl. Dülfer, 1997; S. 260.

[22] Ebenda; S. 267.

[23] Ebenda; S. 277.

[24] Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.), 1997; S. 190ff.

[25] Vgl. Bfai (Hrsg.); 1998; S. 9.

[26] Es gibt inzwischen bereits eine Reihe von Veröffentlichungen, die das Investitionsklima der einzelner Regionen nicht nur in Bezug auf die natürlichen Gegebenheiten vergleichen und Rangordnungen bilden. Zwei Beispiele sind da: Tichomirova, 1997 und Lavrov, 1997.

[27] Vgl. Wadenpohl, 1998; S. 53.

[28] Vgl. o.V.; Ekspert, 19.10.98; S. 28.

[29] Vgl. o.V.; Ekspert, 19.10.98; S. 35.

[30] Offiziell hat Moskau knapp 9 Millionen Einwohner, inoffiziellen Schätzungen zufolge sind es über 11 Millionen.

[31] Vgl. o.V.; Ost-Wirtschafts-Report, 29.05.98; S. 204.

[32] Vgl. Kaschin, 1998; S. 53; vgl. Busygina, 1998; S. 1105; vgl. Bernstein, 1998; S. 34f.

[33] Vgl. Dülfer, 1997; S. 306.

[34] Vgl. o.V.; Ost-Wirtschafts-Report, 29.05.98; S. 204; vgl. o.V.; Neue Züricher Zeitung, 12.11.1998.

[35] Vgl. Mittel- und Osteuropa - Jahrbuch 1997/98 - Band 2; S.130.

[36] Vgl. Osteuropa Consulting Center GmbH; 1995; S. 12.

[37] Vgl. o.V.; Ekspert, 19.10.98; S. 31f.

[38] Vgl. Neumüller, 1997; S. 22

[39] Vgl. Weißenburger, 1996; S. 142ff.

[40] Vgl. Neumüller, 1997; S. 23

[41] Ebenda; S. 24

[42] Ebenda; S. 33

[43] Vgl. Holtbrügge, 1996 (1); S. 25; vgl. Weißenburger, 1996; S. 142ff.

[44] Vgl. Dülfer, 1997; S. 258.

[45] Ebenda; S. 259.

[46] Ebenda; S. 258.

[47] Vgl. Thumann, 1998; S. 89.

[48] Vgl. Janin, 1997; S. 53 ff; vgl. Tscherevitschko, 1997; S. 132 ff.

[49] Vgl. Thumann, 1998; S. 88

[50] Eine ist zum Beispiel die Technologie und Innovationsagentur Brandenburg GmbH (T.IN.A.) mit Sitz in Potsdam.

[51] Vgl. Thumann, 1998; S. 88

[52] Vgl. Efimov, 1997; S. 37f.

[53] Vgl. o.V.; Ost-Wirtschafts-Report, 21.8.1998; S.335.

[54] Vgl. o.V.; Ost-Markt, S. 7.

[55] Vgl. o.V.; Vremja, 16.12.1998.

[56] Vgl. o.V.; Ekspert, 19.10.98; S. 30.

[57] Vgl. Andriasova / Bordjug / Davuidova / Kosenko; 1998; S. 12f.

[58] Vgl. o.V. Business-Ausbildung in Rußland, 1998; S. 30.

[59] Vgl. Eberwein/Tholen, 1996; S. 142ff.

[60] Vgl. o.V. Business-Ausbildung in Rußland, 1998; S. 32.

[61] Ebenda; S. 32.

[62] Ebenda; S. 101.

[63] Vgl. o.V. Business-Ausbildung in Rußland, 1998; S. 138f.

[64] Ebenda; S. 142.

[65] Institut buznesa i delewoe administrirowani< IBDA.

[66] Vgl. o.V. Business-Ausbildung in Rußland, 1998; S. 102.

[67] Vgl. Djakov, 1997;, S. 20ff.

[68] Vgl. Wadenpohl, 1998; S. 88f.

[69] Vgl. o.V.; bfai-Info, 16/98 (1); S.19f.

[70] Vgl. Thede, 1998; S.80.

[71] Vgl. Gutnik, 1996; S. 42.

[72] Vgl. Neumüller, 1997; S. 32.

[73] Ebenda; S. 26.

[74] Vgl. Muisrova, 1997; S. 80ff.

[75] Vgl. Huber,1998; S. 50.

[76] Vgl. o.V.; bfai-Info, 15/98; S.25ff.

[77] Vgl. Prawdin, 1998; S. 38.

[78] Vgl. o.V.; Ost-Markt, 22.06.98; S. 6; vgl. o.V.; bfai-Info Osteuropa, 12/98 (3); S. 29ff.

[79] Vgl. o.V. "Märkte der Welt", 1998 (2); S. 20; vgl. o.V.;"Märkte der Welt", 1998 (4); S. 24; vgl. Kaschin, 1998; S. 51; vgl. o.V.; bfai-Info Osteuropa, 10/98; S.23ff.

[80] Vgl. o.V.; bfai-Info Osteuropa, 25/98; S. 23ff.

[81] Vgl. o.V.; bfai-Info Osteuropa 12/98 (1); S. 22f; vgl. o.V.; bfai-Info Osteuropa, 4/98; S. 23ff; vgl. o.V.; bfai-Info Osteuropa, 10/98; S.23ff.

[82] Vgl. o.V.; Ostinvest, 15. 01.99; S. 6.

[83] Vgl. Holtbrügge, 1996 (1); S. 26.

[84] Vgl. Joudanov, 1998; S. 81.

[85] Vgl. Wadenpohl, 1998; S. 101; vgl. o.V.; Ost-Wirtschafts-Report, 12.06.98; S.223st-Wirtschafts.

[86] Vgl. Kaschin, 1998; S. 50.

[87] Vgl. Batalova/Batalova, 1997; S. 138.

[88] Vgl. Thede, 1998; S.88; vgl. Djakov, 1997; S. 20ff; vgl. Mittel- und Osteuropa - Jahrbuch 1997/98 - Band 2; S. 159; vgl. o.V.; Ost-Wirtschafts-Report, 20.02.98 (2); S. 73.

[89] Vgl. Wadenpohl, 1998; S. 15.

[90] Vgl. Osteuropa Consulting Center GmbH; 1995; S.16.

[91] Vgl. Wadenpohl, 1998; S. 24.

[92] Vgl. Thede, 1998; S.88; vgl. Djakov, 1997; S. 20ff.

[93] Vgl. Reymann, 1998; S.28.

[94] Vgl. Osteuropa Consulting Center, 1995, S. 8f.

[95] Vgl. Wadenpohl, 1998; S. 98.

[96] Vgl. Krylow, 1998; S. 92; vgl. Wadenpohl, 1998; S. 132.

[97] Vgl. o.V.; Ost-Wirtschafts-Report, 20.02.98 (2); S. 73.

[98] Vgl. Krylow, 1998; S. 94f

[99] Vgl. Wadenpohl, 1998; S. 100f.

[100] Vgl. Wadenpohl, 1998; S. 98.

[101] Vgl. Holtbrügge, 1996 (1); S. 25; Bfai (Hrsg.); 1998; S. 47.

[102] Vgl. Wadenpohl, 1998; S. 15.

[103] Vgl. Reymann, 1998; S.26 + S.28.

[104] Vgl. Ruwwe, 1997; S. 5f.

[105] Ebenda; S. 23f.

[106] Vgl. Wadenpohl, 1998; S. 48.

[107] Vgl. Ruwwe, 1997; S. 24; Bsp.: ZK Advertising, Uniton Maxima, Region Press, BBDO, NFQ Advertising Group, Avrora RS, Si-eM.

[108] Vgl. Ruwwe, 1997; S. 43.

[109] Ebenda; S. 39ff.

[110] Vgl. Wadenpohl, 1998; S. 20.

[111] Ebenda; S. 22.

[112] Vgl. Ruwwe, 1997; S. 17; vgl. o.V.; Ost-Wirtschafts-Report, 02.10.1998; S. 397.

[113] Vgl. Joudanov, 1998; S. 81.

[114] Vgl. Bfai (Hrsg.); 1998; S. 31.

[115] Vgl. o.V.; bfai-Info Osteuropa, 23/98 (1); S. 5.

[116] Vgl. Krylow, 1998; S. 57

[117] Vgl. o.V.; GUS-Barometer; Nr. 17, Juli 1998.

[118] Vgl. o.V.; Ost-Markt, 10.08.98; S. 7.

[119] Vgl. Kaschin, 1998; S. 50.

[120] Vgl. Wadenpohl, 1998; S. 56.

[121] Vgl. Dülfer, 1997; S. 318f.

[122] Vgl. Harter, 1996; S. 110; vgl. Wadenpohl, 1998; S. 49.

[123] Vgl. Stepin, 1997; S. 37.

[124] Vgl. Mittel- und Osteuropa - Jahrbuch 1997/98 - Band 2; S. 98.

[125] Vgl. Gutnik, 1996; S. 41.

[126] Vgl. Osokina/Kazanzeva, 1997; S. 72.

[127] Vgl. o.V.; Wostok 3/97 (1); S. 28f.

[128] Ebenda; S. 28f.

[129] Vgl. Saizew, 1998; S. 42.

[130] Ebenda; S. 44ff.

[131] Ebenda; S. 57.

[132] Ebenda; S. 48f.

[133] Ebenda; S. 45f.

[134] Ebenda; S. 52f.

[135] Vgl. Scherer, 1998; S. 82.

[136] Vgl. Wadenpohl, 1998; S. 12.

[137] Vgl. Suprijanovitsch, 1997; S. 69ff.

[138] Vgl. Holtbrügge, 1998 (2); S.874.

[139] Vgl. o.V. "Das neue Parteiprogramm der KPdSU"; S. 44.

[140] Vgl. Holtbrügge, 1998 (1); S.872.

Details

Seiten
132
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783832447397
ISBN (Buch)
9783838647395
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v220338
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – unbekannt
Note
Schlagworte
russland foreign markets globalisierung auslandsaktivitäten

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Titel: Anreize und Hindernisse für unternehmerische Aktivitäten deutscher Firmen in Russland