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Übergänge - Leonora Carrington und ihr Beitrag zum Surrealismus

©2013 Hausarbeit 20 Seiten

Zusammenfassung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit Leonora Carrington als einer Künstlerin des Surrealismus. Im Folgenden soll geklärt werden, in wie weit der Surrealismus in ihren Werken zum Tragen kommt. Die Frage, mit welchen Mitteln sie die Vermischung von Traum und Realität für den Betrachter zum Ausdruck bringt, soll dabei im Vordergrund stehen.
Dafür wird zunächst der Surrealismus in seinen Grundzügen und mit seinen prägnantesten Merkmalen erläutert. Im Anschluss stellt die Biographie von Leonora Carrington ihren Bezug zum Surrealismus her und zeigt Wendepunkte in ihrem Leben auf, die möglicherweise einen Anstoß für einige ihrer Werke gaben. Anhand von Beispielen aus ihrem Oeuvre wird daraufhin ermittelt, welche Themen, Objekte und Farben in welcher Weise eingesetzt werden, um dem Betrachter den Übergang zwischen Bewusstem und Unterbewusstem zu vermitteln. Dies erfolgt durch eine Kurzbeschreibung und einer inhaltlichen wie formalen Bezugnahme zum jeweiligen Werk. Hierzu werden die Gemälde Les Distractions de Dagobert (1945), The House Opposite (1945) und Sidhe, the White People of the Tutha dé Danaan (1954) herangezogen. Diese Arbeiten zeigen in hohem Maße durch Andeutungen die Schwelle zwischen bewusster und unbewusster Wahrnehmung und dienen daher besonders gut zur Veranschaulichung dieses surrealistischen Stilmittels.
In der Schlussfolgerung sollen die Ergebnisse der einzelnen Werkanalysen zusammengefasst und verglichen werden, sodass eine Aussage über Leonora Carrington und den Einfluss des Surrealismus auf ihr Gesamtwerk getroffen werden kann.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis


Starck-Ottkowitz, Eva: Übergänge - Leonora Carrington und ihr Beitrag zum
Surrealismus, Hamburg, Diplomica Verlag GmbH 2015
PDF-eBook-ISBN: 978-3-95636-415-0
Herstellung: Diplomica Verlag GmbH, Hamburg, 2015
Zugl. Christian-Albrechts-Universität Kiel, Hausarbeit, 2013
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Printed in Germany

Inhaltsverzeichnis
1.
Einleitung
3
2. Der Surrealismus und seine Ausdrucksformen
3
3. Biographie von Leonora Carrington
5
4. Kurzbeschreibung und Traum-Realitäts-Vermischungen an drei Werkbeispielen 6
4.1 Les Distractions de Dagobert
7
4.2 The House Opposite
9
4.3 Sidhe, the White People of the Tutha dé Danaan
12
5.
Schlussfolgerung
14

3
1. Einleitung
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit Leonora Carrington als einer Künstlerin des
Surrealismus. Im Folgenden soll geklärt werden, in wie weit der Surrealismus in ihren
Werken zum Tragen kommt. Die Frage, mit welchen Mitteln sie die Vermischung von Traum
und Realität für den Betrachter zum Ausdruck bringt, soll dabei im Vordergrund stehen.
Dafür wird zunächst der Surrealismus in seinen Grundzügen und mit seinen prägnantesten
Merkmalen erläutert. Im Anschluss stellt die Biographie von Leonora Carrington ihren Bezug
zum Surrealismus her und zeigt Wendepunkte in ihrem Leben auf, die möglicherweise einen
Anstoß für einige ihrer Werke gaben. Anhand von Beispielen aus ihrem Oeuvre wird
daraufhin ermittelt, welche Themen, Objekte und Farben in welcher Weise eingesetzt werden,
um dem Betrachter den Übergang zwischen Bewusstem und Unterbewusstem zu vermitteln.
Dies erfolgt durch eine Kurzbeschreibung und einer inhaltlichen wie formalen Bezugnahme
zum jeweiligen Werk. Hierzu werden die Gemälde Les Distractions de Dagobert (1945), The
House Opposite (1945) und Sidhe, the White People of the Tutha dé Danaan (1954)
herangezogen. Diese Arbeiten zeigen in hohem Maße durch Andeutungen die Schwelle
zwischen bewusster und unbewusster Wahrnehmung und dienen daher besonders gut zur
Veranschaulichung dieses surrealistischen Stilmittels.
In der Schlussfolgerung sollen die Ergebnisse der einzelnen Werkanalysen zusammengefasst
und verglichen werden, sodass eine Aussage über Leonora Carrington und den Einfluss des
Surrealismus auf ihr Gesamtwerk getroffen werden kann.
2. Der Surrealismus und seine Ausdrucksformen
Der Surrealismus gilt als Nachfolger des Dadaismus, einer antikonventionellen Bewegung,
die sich, ebenso wir der Surrealismus, in Kunst und Literatur zeigt. Nach der
Veröffentlichung des Ersten Manifests des Surrealismus 1924 durch André Breton finden sich
viele Befürworter in Künstlerkreisen, die sich dieser Denk- und Schaffensart verschreiben.
Auch das Zweite Manifest des Surrealismus, wie das erste von André Breton verfasst, legt
1930 die Gesinnung des Surrealismus offen: Der Gesellschaft, ihrer Normen und

4
Gewohnheiten gilt es zu entfliehen, für marxistisches, freiheitliches Gedankengut zu kämpfen
und gegen den Kapitalismus anzugehen.
1
Die Surrealisten sind unentwegt auf der Suche nach Inspiration durch Hinwendung zum
Übernatürlichen und Traumhaften, einer anderen Wahrnehmung, die einerseits aus dem Hier
und Jetzt, andererseits aus einer von selbst gesteuerten, unbewussten Welt des eigenen Ichs
schöpft.
2
Durch Mittel wie Écriture automatique, dem automatischen Aneinanderreihen von
Wörtern, die in einem Satz eigentlich keinen Sinn ergeben, kann bewusst der Kontakt zum
eigenen Unterbewusstsein aufgenommen werden.
3
Die Traumtheorie von Freud, die jeglichen
Traum als eine unterdrückte, sexuelle Begierde entlarvt und eine ,,[...] Kompromissbildung
zwischen dem Anspruch einer Verdrängten Triebregung und dem Widerstand einer
zensurierenden Macht im Ich"
4
darstellt, ist eine der Grundlagen des Surrealismus.
5
Häufig wird die Frau thematisiert, mal als naturverbundene und überlegene Schönheit, also
glorifiziert, mal als automatisiertes und sexualisiertes Objekt.
6
Im Allgemeinen spielen
automatische Abläufe eine große Rolle, sei es im Alltag - Paul Nougés Coat suspended in
Space (1929-1930) - oder in theoretischen Vorstellungen über das Verlieben oder besser das
Wählen eines Sexualpartners wie bei Marcel Duchamps Das große Glas/La Mariée mise à nu
par ses célibataires, même (1915-1923). Durch Ausdrucksträger wie Film, Malerei,
Bildhauerei und Fotografie werden alltägliche Geschehnisse zu Vermischungen von Traum
und Realität, die den Betrachter über Gewohnheiten, Konventionen, Konsum und Religion
nachdenken lassen. Die Ästhetik des Dargestellten, die früher die Basis allen künstlerischen
Schaffens war, rückt nun in den Hintergrund, sodass die Schönheit der Wirkung und
Wahrnehmung der Kunst an Bedeutung gewinnen.
7
Befremdliche und ekelerregende
Szenarien, wie das Durchschneiden eines Auges in Dalis Ein andalusischer Hund (1929),
sollen den Rezipienten aufrütteln und schockieren; aus dem Kontext gerissene Gegenstände,
wie beispielsweise Kartoffeln, die ein Eigenleben entwickeln, sich zusammenrotten und eine
Hausfrau attackieren - Anna und Bernhard Blumes Küchenkoller (1985) - sollen verwirren.
Im Grunde geht es den Surrealisten darum, den Blickwinkel des Betrachters zu erweitern und
ihn zu sensibilisieren, ihn zum Hinterfragen anzuregen und die Grenzen zwischen Bewusstem
1
Vgl. Breton 1986, S. 68 f.
2
Vgl. ebd., S. 16-19
3
Vgl. ebd., S. 38-40
4
Freud 1925, S. 69
5
Vgl. Breton 1986, S. 16
6
Vgl. Krieger 2006, S. 7-10
7
Vgl. Breton 1986, S. 34-37

5
und Unterbewusstem, Traum und Realität zu öffnen.
8
Dies soll jedoch bewusst und
reflektierend geschehen.
3. Biografie von Leonora Carrington
Leonora Carrington wird am 06.04.1917 in Clayton Green, England geboren und streng
katholisch erzogen.
9
Sie wächst in einem pompösen Haus, Crookhey Hall genannt, inmitten
eines Waldes auf. Für ihren Reichtum arbeiten beide Eltern täglich, sodass sie größtenteils
von einem Kindermädchen beaufsichtigt wird, von dem sie viele keltische Märchen hört, die
bis in die spätere Schaffensphase hinein Ausdruck in ihren Werken finden.
10
Ab 1926 besucht
Leonora Carrington mehrere Klosterschulen, derer sie aber aufgrund von Rebellion immer
wieder verwiesen wird. Durch ihr Kunststudium in Paris und London kommt sie über ihre
Lehrer Amédée Ozenfant und Charles-Edouard Jeanneret mit dem Purismus in Berührung,
der Ähnlichkeit mit dem Kubismus besitzt, jedoch über reduziertere Farben und mechanische,
fantasielose Inhalte verfügt.
11
1937 lernt Leonora Carrington über ihre Mitstudentin Ursula Goldfinger Max Ernst kennen
und steigt über diesen in den Surrealistenzirkel um André Breton ein.
12
Dort lernt sie unter
anderen Marcel Duchamp, Man Ray und Alberto Giacometti kennen. Unter den Männern gilt
Leonora Carrington als femme enfant, ein naives, naturverbundenes Mädchen, das bewusst
das eigene Unterbewusste wahrnimmt und somit eine sehr geeignete Muse ist.
13
Max Ernst
und Leonora Carrington gelten zudem für André Breton als ideales Paar und er bezeichnet sie
als Androgyn: Sie seien zwei Hälften, die sich gefunden haben und nun ein vollkommenes
Ganzes ergeben.
14
Im Jahr darauf nimmt sie zum ersten Mal an einer Ausstellung teil, auf der Peggy
Guggenheim, Meret Oppenheim und Leonor Fini auf sie aufmerksam werden. Nach der
Ausstellung zieht sie mit Max Ernst nach Saint-Martin-d'Ardèche, wo sie zusammen leben
8
Vgl. Breton 1986, S. 98 f.
9
Vgl. Hille 2009, S. 113
10
Vgl. ebd.
11
Vgl. Aberth 2004, S. 21
12
Vgl. ebd., S. 25
13
Vgl. ebd.
14
Vgl. Hille 2009, S. 112

6
und arbeiten.
15
Durch die Verhaftung von Max Ernst 1940 erleidet Leonora Carrington einen
Zusammenbruch, woraufhin ,,[...] ihre einflussreiche Familie sich ihrer bemächtigte und sie
in eine Nervenheilanstalt einweisen ließ"
16
. Diesen Aufenthalt und die menschenverachtende
Behandlung, die sie dort erfährt, verarbeitet sie in ihrem Buch Unten.
17
Die Flucht aus
Spanien nach Mexiko 1942 gelingt ihr mit Hilfe ihres Freundes, dem mexikanischen
Botschafter Renato Leduc, den sie heiratet, um das Land verlassen zu können.
18
Beide leben
danach in New York, wo sich Leonora Carringtons Freundeskreis mit Künstlern wie Chagall
und Masson noch erweitert.
1943 zieht Leonora Carrington nach Mexico, wo sie Remidos Varo, Benjamin Péret und ihren
zukünftigen Ehemann, den Fotografen Emerico ,,Chiki" Weisz, kennenlernt.
19
Ihre Malerei
wird daraufhin stark von mexikanischer Geschichte und spirituellem Gedankengut
beeinflusst. 1947 heiratet sie und bekommt zwei Kinder.
Am 25.05.2011 verstirbt Leonora Carrington im Alter von 94 Jahren.
4. Kurzbeschreibung und Traum-Realitäts-Vermischungen an drei Werkbeispielen
Um die Zuordnung der Werke Leonora Carringtons zum Surrealismus nachzuweisen, wird
nun anhand von drei Beispielen aus ihrem Oeuvre der Bezug zwischen Traum und Realität
untersucht. Das Merkmal der Vermischung von Bewusstem und Unterbewusstem tritt in
nahezu allen surrealistischen Werken auf und wird daher bei der Betrachtung der Gemälde in
den Mittelpunkt gestellt.
15
Vgl. Aberth 2004, S. 38
16
Hille 2009, S. 119
17
Vgl. Carrington 1973, S. 81-83
18
Vgl. Hille 2009, S. 119
19
Vgl. Aberth 2004, S. 58

7
4.1 Les Distractions de Dagobert
Das Werk Les Distractions de Dagobert erschuf Leonora Carrington im Jahre 1945 in einer
Größe von 74,9 x 86,7 cm (vgl. Abb. 1). Hierzu wurde Eitempera auf eine Holzfaserplatte
aufgetragen. Heute befindet sich das Gemälde in einer Privatsammlung.
20
,,Distraction" meint übersetzt Zerstreuung, Ablenkung oder aber auch Verstörtheit. Hinter
dem Werk steht die Geschichte des Merowingerkönigs Dagobert, der im frühen 17.
Jahrhundert lebte und für seine Liebe zum Luxus und sexuelle Exzesse berühmt und
berüchtigt war.
21
Das Werk ist unterteilt in fünf verschiedene Bereiche. Vier davon repräsentieren die
alchemistischen Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde.
22
Das letztere Element nimmt das
gesamte obere Bildfeld ein, während der Bereich des Feuers sich am linken unteren Bildrand,
der des Wassers im Zentrum des Bildes und der der Luft sich im rechten unteren Bildfeld
befindet. Der König selbst ist in der Mitte der rechten Bildhälfte dargestellt und nimmt somit
den fünften Bereich ein. In einem roten Gewandt und mit Krone auf dem Haupt thront er auf
einem überdimensionalen Spielzeugpferd auf Rollen, das ein kleiner, blau gekleideter Junge
an einem Band hinter sich herzieht. Sie halten sich entlang eines Flusses, der sich durch eine
in goldgelb gehaltene Landschaft schlängelt. Unterhalb schließt sich der Bereich der Luft an.
Dort sieht man eine blau und rot gekleidete Frau, die in einem durch die Luft segelnden,
gelben Boot auf dem Bauch liegt. Das Segel des Bootes vollzieht ihre Körperform nach und
wird gleichzeitig zu einem Fischernetz, das mit Seesternen und Muscheln gefüllt ist. Die
Muscheln, die für ihre luststeigernde Wirkung bekannt sind, können zusammen mit dem
Kleid der Frau, das am Rücken von der Form an eine Vagina erinnert, auf Sexualität
verweisen. Hierdurch wird wiederum eine Brücke zu der Geschichte hinter dem Gemälde, der
des Königs Dagobert, geschlagen. Im Zentrum des Bildes erkennt man den Bereich des
Wassers, in dem ein in gelb gehaltener Gnom mit Hirschkopf auf seinem Kopf in einem See
steht und angelt. Ein Kugelfisch, der an der Rute hängt, spuckt Eier auf den Fuß einer Frau,
die aus dem Bereich des Wassers herauskommt und zwischen Erde und Feuer liegt. Ihr rotes
Gewandt endet unter der Brust; die hellen Haare stehen von ihrem Kopf ab wie ein
Strahlenkranz, der von einer Art Mandorla umgeben ist, in der Vögel fliegen. Ein weiterer
Vogel befindet sich auf ihrer Stirn. Im Mund hält sie ein umgedrehtes, blaues, dreieckiges
20
Vgl. ebd., S. 56
21
Vgl. Ades 2001, S. 201
22
Vgl. ebd.

Details

Seiten
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2013
ISBN (PDF)
9783956364150
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Kunsthistorisches Institut
Erscheinungsdatum
2015 (Januar)
Note
1,3
Schlagworte
Leonora Carrington Übergang Surrealismus surreal Malerei Bild
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