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Didaktische Analyse und Sachanalyse des Kinder- und Jugendromans „Ich hätte Nein sagen können“ von Annika Thor

©2012 Hausarbeit (Hauptseminar) 25 Seiten

Zusammenfassung

Nach einer kurzen Einführung, in der der Roman für eine geeignete Jahrgangsstufe ausgewählt wurde, beschäftigt sich die vorliegende Hausarbeit in erster Linie mit ei-ner Sachanalyse und einer didaktischen Analyse des Jugendbuches. Die Sachanalyse unter Punkt 2 ist eine fachwissenschaftliche Analyse des Gegenstandes. Zunächst stellt eine kurze Inhaltsangabe die wichtigsten Aspekte dar, anschließend werden diese analysiert und interpretiert. Punkt 3 entwirft schließlich die didaktische Analyse des Gegenstandes und seiner Aspekte. Dabei geht die Autorin u. a. näher auf die Zie-le ein, die das Lesen des Romans bewirken kann und soll. Der Schluss unter Punkt 4 zieht mit „Ein Buch, das Mut macht...“ ein kurzes Resümee, welches die Bedeutung dieses Jugendromans für den (Deutsch-)Unterricht hervorheben soll.

Leseprobe

Huber, Nicola: Didaktische Analyse und Sachanalyse des Kinder- und Jugendromans
,,Ich hätte Nein sagen können" von Annika Thor, Hamburg,
Diplomica Verlag GmbH 2014
PDF-eBook-ISBN: 978-3-95636-329-0
Herstellung: Diplomica Verlag GmbH, Hamburg, 2014
Zugl. Universität Passau, Passau, Deutschland, 2012
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Hermannstal 119k, 22119 Hamburg
http://www.diplom.de, Hamburg 2014
Printed in Germany

2
Inhaltsverzeichnis
Seite
1 Moderne Jugendliteratur?... 3
1.1 Einordnung in den Lehrplan... 3
1.2
Vorgehensweise...
4
1.3
Quellenlage...
5
2 Fachwissenschaftliche Analyse (Sachanalyse)
des Gegenstands... 5
2.1
Inhaltsangabe...
5
2.2 Analyse und Interpretation... 7
2.2.1 Inhalt... 7
2.2.2 Erzähltechnik und Aufbau... 9
2.2.3
Sprache...
10
2.2.4 Paratextuelle Merkmale... 11
3 Didaktische Analyse
des Gegenstands und seiner Aspekte... 11
3.1 Textattraktivität... 11
3.2
Textqualität...
13
3.3 Textverständlichkeit... 14
3.4 Ziele... 16
3.4.1
Leseförderung...
16
3.4.2
Literarisches
Lernen...
17
3.4.3
Pädagogisch-psychologische Ziele... 20
3.4.4
Sachbezogenes
Lernen...
21
3.5 Entwicklung des literarischen Verstehens... 21
4 ,,Ein Buch, das Mut macht..."
1
... 22
5 Literaturverzeichnis... 24
5.1 Primärliteratur... 24
5.2 Wissenschaftliche Literaturdidaktik... 24
5.3
Internetadressen... 24
1
Zitat: Westfälische Nachrichten, in: Thor, Annika: ,,Ich hätte Nein sagen können", aus dem
Schwedischen von Angelika Kutsch, Weinheim/Basel
2
2006, Einband-Rückseite.

3
1 Moderne Jugendliteratur?
Der Roman ,,Ich hätte Nein sagen können" von der schwedischen Autorin Annika
Thor (*1950) zählt zur modernen realistischen Jugendliteratur
2
. Er ist ein psycholo-
gischer Roman,
3
der eine weibliche Perspektive einnimmt (der Leser kann in das wi-
dersprüchliche Innere eines beinahe zwölfjährigen Mädchens blicken
4
) und so auf
den ersten Blick auch zur modernen Mädchenliteratur gezählt werden kann;
5
aller-
dings ist das Hauptthema Mobbing alles andere als ein rein weibliches Phänomen.
Das Buch eignet sich sowohl für Mädchen, als auch für Jungen, bevorzugt in den
Klassenstufen fünf bis sieben.
1.1 Einordnung in den Lehrplan
In der folgenden Hausarbeit soll dieser Roman für die sechste Klasse eines Gymna-
siums in Betracht gezogen werden. Im Alter von zehn bis zwölf Jahren
6
sind die
Schüler_innen bereits in der Lage, die Komplexität von Freundschaftsbeziehungen
zu verstehen und auch selbst nachzuvollziehen. In der sechsten Klasse nimmt die
Bedeutung der Klassengemeinschaft zu
7
und ist meist soweit gestärkt, dass sich be-
stimmte Cliquen und Gruppen herauskristallisiert haben. Die Kinder haben in der
Regel Freundschaften geschlossen und kennen das Gefühl der Sympathie bzw. Anti-
pathie. Eine ,,genauere Beobachtungsgabe und verbessertes Ausdrucksvermögen er-
2
Aus Platzgründen wird hierauf nicht näher eingegangen. Weitere Informationen zur Entste-
hung und Geschichte der modernen realistischen Jugendliteratur finden sich bei Payrhuber, Franz-
Josef: Moderne realistische Jugendliteratur, in: Lange, Günter (Hrsg.): Kinder- und Jugendliteratur der
Gegenwart. Ein Handbuch, Baltmannsweiler 2011, S. 106-124.
3
Vgl. Zapf, Nadine: ,,Ich hätte Nein sagen können" im Unterricht. Lehrerhandreichung zum
Jugendroman von Annika Thor, Lesen ­ Verstehen ­ Lernen. Materialien für einen handlungs- und
produktionsorientierten Literaturunterricht, Weinheim/Basel 2006, S. 1. Zur Anwendung einer Leh-
rerhandreichung in dieser Hausarbeit vgl. Punkt 1.2 Quellenlage unten.
4
Vgl. ebd., S. 1.
5
Vgl. Payrhuber 2011, S. 117. Vgl. auch Punkt 3.1 Textattraktivität unten.
6
Der Verlag empfiehlt das Buch ab elf Jahren: siehe Thor 2006, Einband-Rückseite.
7
Vgl. Lehrplan der sechsten Jahrgangsstufe am Gymnasium in Bayern für das Fach Deutsch:
http://www.isb-gym8-lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.phpStoryID=26314&PHPSESSID
=f710d8457fcb3296531536ba5705c4ce
(aufgerufen am 05.02.2013).

4
möglichen den Schüler_innen
8
ein differenzierteres Lernen und Verstehen" und auch
mit der Arbeitsweise am Gymnasium sind die Schüler_innen bereits soweit vertraut.
9
Mit ,,Ich hätte Nein sagen können" erhalten die Sechstklässler_innen einen Ein-
blick in die Welt des modernen Jugendbuches. Aufgrund des einfachen Aufbaus des
Romans, der eingängigen Sprache und der kurzen Kapitel können auch Kinder mit
schlechterem Leseverständnis hier die Freude am Lesen entdecken. Vor allem be-
wusstes Lesen steht in der zweiten Klasse des Gymnasiums auf dem Lehrplan: ,,Tex-
tinhalte rezipieren, gedankliche Zusammenhänge skizzieren, Texte vortragen, befra-
gen, deuten".
10
In den letzten Jahren hat vor allem in der Kinder- und Jugendliteratur eine starke
Psychologisierung stattgefunden.
11
Gerade die Themen Mobbing und seine Auswir-
kungen, Schwierigkeiten von Freundschaften und enttäuschte Hoffnungen,
12
um
welche sich Annika Thors Roman dreht, treten in diesem Alter zunehmend in den
Vordergrund. Der Lehrplan vermerkt hierzu sogar, dass angemessenes Verhalten in
der Schulgemeinschaft, z. B. Diskussionsregeln, Höflichkeit und der Umgang Mäd-
chen ­ Jungen geübt werden sollte.
13
Thors Roman kann hierfür den entscheidenden
Anstoß geben.
1.1 Vorgehensweise
Nach einer kurzen Einführung, in der der Roman für eine geeignete Jahrgangsstufe
ausgewählt wurde, beschäftigt sich die vorliegende Hausarbeit in erster Linie mit ei-
ner Sachanalyse und einer didaktischen Analyse des Jugendbuches. Die Sachanalyse
unter Punkt 2 ist eine fachwissenschaftliche Analyse des Gegenstandes. Zunächst
stellt eine kurze Inhaltsangabe die wichtigsten Aspekte dar, anschließend werden
diese analysiert und interpretiert. Punkt 3 entwirft schließlich die didaktische Analyse
des Gegenstandes und seiner Aspekte. Dabei geht die Autorin u. a. näher auf die Zie-
8
In dieser Hausarbeit wird vorwiegend die Schreibweise der modernen gendergerechten
Sprache mit einem Unterstrich verwendet.
9
Lehrplan der sechsten Jahrgangsstufe am Gymnasium in Bayern für das Fach Deutsch.
10
Ebd.
11
Vgl. Spinner, Kaspar: Literarisches Lernen, in: Praxis Deutsch 200, 2006, S. 9.
12
Vgl. Zapf 2006, S. 1.
13
Vgl. Lehrplan der sechsten Jahrgangsstufe am Gymnasium in Bayern für das Fach Deutsch.

5
le ein, die das Lesen des Romans bewirken kann und soll. Der Schluss unter Punkt 4
zieht mit ,,Ein Buch, das Mut macht..."
14
ein kurzes Resümee, welches die Bedeu-
tung dieses Jugendromans für den (Deutsch-)Unterricht hervorheben soll.
1.2 Quellenlage
Neben dem Primärwerk von Thor, das in erster Linie für diese Arbeit herangezogen
wurde, liefert Spinner viele nützliche Informationen über literarisches Lernen. Auch
Payrhuber schreibt einige Anmerkungen zur modernen realistischen Jugendliteratur,
die in dieser Arbeit zu Rate gezogen wurden. Im Bereich der Neueren Deutschen Li-
teraturwissenschaften finden sich keinerlei Werke zu ,,Ich hätte Nein sagen können".
Aus diesem Grund wurde im Bereich der Sachanlayse kaum ein Sekundärwerk ver-
wendet. Die Verfasserin erarbeitete sich die Informationen anhand des Primärtextes
und belegte einige Aussagen mit der Lehrerhandreichung von Nadine Zapf. Es sei
hier angemerkt, dass eine Lehrerhandreichung nicht als Grundlage für eine Analyse
gelten sollte. In dieser Hausarbeit wird dennoch nach Zapf zitiert, weil sie nach An-
sicht der Verfasserin beinahe dieselben Ansichten vertritt.
15
Ihre Aussagen sollen die
Aussagen der Verfasserin lediglich untermauern, nicht beweisen.
2 Fachwissenschaftliche Analyse (Sachanalyse)
des Gegenstands
2.1 Inhaltsangabe
16
Nora Berglund ist beinahe zwölf Jahre alt, wohnt in Stockholm und kommt in die
sechste Klasse. Während, seit sie denken kann, Sabina ihre beste Freundin war, ist im
neuen Schuljahr plötzlich alles ganz anders. Sabina trifft sich jetzt mit Fanny und
deren Clique; Nora scheint sie links liegen zu lassen. Dafür möchte auf einmal die
14
Zitat: Westfälische Nachrichten, in Thor 2006, Einband-Rückseite.
15
Sollte das einmal nicht der Fall sein, wird die gegensätzliche Meinung aufgegriffen.
16
Vgl. dazu Zapf 2006, S. 1.

6
dicke und altmodisch wirkende Karin Eriksson, dass Nora ihre Freundin wird. Das
will sie aber nicht. Um erneut Anschluss an Sabina zu finden, bietet sich Nora an,
deren liegengelassenen Walkman aus dem Klassenzimmer zu holen. Als Nora zu-
rückkommt, sind Sabina und Fanny aber bereits verschwunden. Nora nimmt den
Walkman mit nach Hause und behauptet am nächsten Tag Sabina gegenüber, ihn
nicht gefunden zu haben. Sabina und Fanny verdächtigen daraufhin Karin, den
Walkman gestohlen zu haben und wollen sich an ihr rächen. Aus Angst, völlig allei-
ne dazustehen, aus der Hoffnung heraus, doch wieder Mitglied in der Clique um
Sabina zu werden und um selbst eine Einladung für eine Party bei Fanny zu bekom-
men, lässt sich Nora schließlich auf eine Intrige Karin gegenüber ein: ,,Es gab nur
eine einzige Möglichkeit, nicht zu verlieren: nach ihren Regeln zu spielen."
17
Während die Außenseiterin anfangs nur verbal gemobbt wird, kommt es zuneh-
mend mehr auch zu körperlichen Attacken. So spritzt die Täterclique die angezogene
Karin beispielsweise nach dem Schulsport unter der Dusche nass. Schließlich sorgt
Nora als Lockvogel dafür, dass Karin mit ihr auf besagte Party gehen kann. Dort
muss sich Karin beim Spiel ,,Wahrheit oder Pflicht" die Bluse ausziehen und ihre
Brüste zeigen. Als sie sich jedoch weigert, wird sie von ihren Klassenkameraden da-
zu gezwungen. Im Glauben, dass ihre Mitschüler_innen das Licht ausgeschaltet las-
sen, lässt Karin sich widerwillig darauf ein. Als sie oben ohne mitten im Raum steht,
schaltet Sabina das Licht wieder ein und fragt die völlig verstörte Karin, ob sie ihren
Walkman gestohlen habe. Überrumpelt und gedemütigt gibt Karin den Diebstahl,
den sie nicht begangen hat, zu und flieht daraufhin panisch aus dem Haus.
Obwohl Fanny Nora nun erneut die Freundschaft anbietet, lehnt diese ab. Aus lau-
ter schlechtem Gewissen beschließt Nora nun, Karin, die nicht mehr in der Schule
erschienen ist, zu Hause zu besuchen und sie um Verzeihung für ihr Fehlverhalten zu
bitten. Als Karins Mutter die Wohnungstüre öffnet, endet die Geschichte. ,,Karins
Reaktion und der Fortgang der Geschichte bleiben offen."
18
Nora, die Ich-Erzählerin, reflektiert in diesem Jugendroman über das, worauf sie
sich im vergangenen Schuljahr eingelassen hat und kann dabei selber nicht verste-
hen, wie es soweit kommen bzw. wie sie so eine Situation zulassen konnte.
17
Thor 2006, S. 101.
18
Zapf 2006, S. 1.

7
2.2 Analyse und Interpretation
2.2.1 Inhalt
Zentrales Thema des Jugendromans ist ohne Zweifel Mobbing. Hinzu kommt das
Thema Freundschaft an sich. Die Cliquenbildung und die Klassengemeinschaft spie-
len eine äußerst wichtige Rolle. All diese Strukturen sind eingebettet in die Zeit der
Pubertät, in die die Protagonist_innen langsam hineingleiten. Die Protagonistinnen
sind in erster Linie Nora und Karin. Sie gelten neben Sabina, Fanny (alle elf Jahre
alt) und Noras Mutter Lena Berglund (33 Jahre) auch zu den Identifikationsfiguren
des Romans.
In ,,Ich hätte Nein sagen können" wird eine relativ dunkle Seite der Kindheit ent-
worfen. Alle Akteure sind unglücklich bzw. nicht mit ihrer jetzigen Situation zufrie-
den. Thor zeigt eine Seite der Pubertät, die fatale Folgen haben kann. Mobbing tritt
zwar nicht nur während der Pubertät oder in einer Schulklasse auf, dennoch ist dieses
Thema hier mit der Identitätssuche der Jugendlichen und deren Zusammengehörig-
keitsgefühl verbunden. Mobbing wird jedoch im gesamten Roman bis auf eine Aus-
nahme
19
nicht wortwörtlich genannt, sondern es werden nur die jeweiligen ,,Taten"
erzählt. Von Anfang an erkennt Nora in ihren inneren Monologen selber, dass es im
Rückblick nicht richtig war, was sie oder die anderen (mit Karin) getan haben. Ihr
Verhalten wird jedoch nur dahingehend sanktioniert, dass sie am Ende die volle Ver-
achtung von Karins Mutter ertragen und vor allem mit ihrer eigenen Schuld leben
müssen. Während Nora sich aufgrund dessen richtig schämt, zeigen Sabina und Fan-
ny kaum Reue. Der ,,Streit" um die Freundschaft wird unter den Mädchen ausgetra-
gen, die Jungen fungieren lediglich als Pendant bzw. als ,,Objekte", indem die Mäd-
chen aus ,,Coolness" mit ihnen zusammen sein möchten.
20
Drahtzieher für die Intrige
sind die Mädchen.
Während Noras Familie mit einer alleinerziehenden Mutter, die Probleme mit ih-
rem Freund hat, und den zwei kleinen Brüdern Anton und Kalle als relativ aufge-
19
Noras innerer Monolog: ,, [...] als ob ich einen Vortrag über Mobbing in der Aula hielte.":
Thor 2006, S. 43.
20
Weitere Informationen zu den Geschlechtercharakteren: siehe Punkt 3.2 Textattraktivität
unten.

Details

Seiten
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783956363290
ISBN (Paperback)
9783956366734
Dateigröße
341 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Passau
Erscheinungsdatum
2014 (August)
Note
2,0
Schlagworte
Ich hätte Nein sagen können Annika Thor Didaktik
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Titel: Didaktische Analyse und Sachanalyse des  Kinder- und Jugendromans „Ich hätte Nein sagen können“ von Annika Thor
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