Lade Inhalt...

Krisen- und Kriegsberichterstatter zwischen Mythos und Arbeitsrealität: Eine quantitative Kommunikatorstudie zu deutschsprachigen Auslandskorrespondenten in weltweiten Krisen- und Kriegsgebieten

Magisterarbeit 2010 187 Seiten

Medien / Kommunikation - Printmedien, Presse

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Anhangsverzeichnis

I. Einleitung

II. Theoretische Grundlagen der Auslandskorrespondenz
1. Auslandsberichterstattung
1.1 Einführung: Bedeutung der Auslandsberichterstattung
1.2 Tendenzen und Trends: Auslandsberichterstattung heute
1.3 Selbstdefinition: Rollenbilder von Auslandskorrespondenten
2. Kriegsberichterstattung
2.1 Spezialkorrespondent: Der Kriegsberichterstatter
2.2 Beruf Kriegsreporter: Mythen und Motive
2.3 Dilemma: Wahrheit und Objektivität im Kriegsgebiet

III. Praxis der Kriegsberichterstattung
1. Vorbereitung: Verantwortlichkeiten und Sicherheit
1.1 Verantwortung: Einsatzorganisation und Vorsorgemaßnahmen
1.2 Formalien: Bürokratische Modalitäten
1.3 Sicherheit: Potenzielle Gefahren vor Ort
2. Produktion: Freiheitsgrade und Einflussnahmen
2.1 Reisen und Unterkunft: Infrastruktur und Logistik
2.2 Recherche: Informationsquellen und -gruppen
2.3 Hürden der Pressefreiheit: Propaganda und Zensur
2.4 Kommunikation: Das Verhältnis der Reporter zur Redaktion
2.5 Arbeitsklima: Die Beziehung der Reporter untereinander
3. Inhalte: Auswahl und Thematisierung
3.1 Kriegsberichte: Einflussfaktoren auf Inhalte
3.2 Angstpotenzierung: Das Dilemma der Terrorberichterstattung
4. Darstellung: Visualisierung und Verbalisierung
4.1 Selbstzensur: Ethische Fragen der Bilddarstellung
4.2 Sprache: Problematik der Polarisierung und Dämonisierung
5. Nachbereitung: Verdrängung und Verarbeitung
5.1 Trauma: Psycho-soziale Risiken des Berufes
5.2 Betreuung: Fürsorgepflicht der Redaktion

IV. Befragung deutschsprachiger Kriegsreporter weltweit
1. Methodik: Das Untersuchungsdesign
1.1 Untersuchungsinstrument: Die Befragung
1.2 Operationalisierung: Konzeption des Fragebogens
1.3 Zielgruppe: Bildung der Stichprobe
1.4 Feld-Phase: Durchführung der Befragung
1.5 Analyse: Auswertung der empirischen Daten
2. Untersuchungsergebnisse: Präsentation und Diskussion
2.1 Profil deutschsprachiger Kriegsberichterstatter
2.1.1 Soziodemographische Angaben und Berufserfahrung
2.1.2 Motive für den Beruf des Kriegsreporters
2.1.3 Rollenverständnisse der Reporter vor Ort
2.2 Vorbereitung
2.2.1 Vorsorge- und Sicherheitsmaßnahmen
2.2.2 Wissensaneignung über das Einsatzgebiet
2.3 Produktion
2.3.1 Aufenthaltsdauer der Reporter vor Ort
2.3.2 Infrastrukturelle und logistische Arbeitsumstände
2.3.3 Informationsquellen und Informationsüberprüfung
2.3.4 Arbeitsklima der Reporter vor Ort
2.3.5 Rolle der Heimatredaktion im Kriegszustand
2.3.6 Kommunikation zwischen Heimatredaktion und Reporter
2.4 Inhalte und Darstellung
2.4.1 Individuelle inhaltliche Kriterien der Reporter
2.4.2 Kriegsreporter als Multiplikatoren des Terrors
2.4.3 Selbstzensur des Reporters zum Schutz der Rezipienten
2.5 Nachbereitung
2.5.1 Durchlebte Gefahrensituationen der Reporter
2.5.2 Psycho-soziale Einsatz-Folgen und Unterstützung
2.6 Zusammenfassende Betrachtung

V. Fazit Kriegsreporter zwischen Mythos und Arbeitsrealität

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

1 Höchste Bildungsabschlüsse der Kriegsreporter

2 Verteilung der Altersgruppen der Kriegsreporter

3 Journalistische Berufserfahrung der Kriegsreporter

4 Motive der Journalisten für den Kriegseinsatz

5 Rollenverständnisse der Kriegsreporter

6 Vorbereitungs- und Sicherheitsmaßnahmen

7 Wissensgenerierung über das Einsatzgebiet

8 Aufenthaltsdauer der Reporter vor Ort

9 Nutzungshäufigkeit von Informationsquellen

10 Strategien der Informationsüberprüfung

11 Weiterleitung unverifizierter Informationen

12 Arbeitsklima der Reporter untereinander

13 ,Ordnungsfunktion’ der Heimatredaktion?

14 ,Nichtverstehen’ zwischen Redaktion und Reporter?

15 Inhaltliche Kriterien in Kriegsberichten

16 Potenziert Kriegsberichterstattung Terror-Effekte?

17 ,Selbstzensur’ des Kriegsreporters notwendig?

18 Durchlebte Gefahrensituationen vor Ort

19 Psycho-soziale Folgen und Nachbereitung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anhang Bezeichnung

A.1 Persönliches Einladungsschreiben an Kriegsreporter

A.2 Umfrage-Erinnerungsschreiben an Kriegsreporter

A.3 Begrüßungsseite Online-Fragebogen

A.4 Angaben zur Person des Kriegsreporters (Fragen 1 bis 4)* 146/

A.5 Berufserfahrung und Status Kriegsreporter (Fragen 5 bis 6)*

A.6 Bisherige Einsatzorte des Kriegsreporters (Frage 7)

A.7 Anzahl der Einsätze und Aufenthaltsdauer (Fragen 8 bis 9) *

A.8 Auftraggeber der Kriegsreporter (Frage 10)*

A.9 Vorbereitungs- und Sicherheitsmaßnahmen (Frage 11)*

A.10 Wissensgenerierung über das Einsatzgebiet (Frage 12)*

A.11 Motive für den Beruf des Kriegsreporters (Frage 13)* 154/

A.12 Infrastruktur, Logistik und Unterkunft vor Ort (Frage 14)*

A.13 Rollenverständnisse der Kriegsreporter (Frage 15)* 157/

A.14 Zeitdruck bei der Arbeit im Kriegsgebiet (Frage 16)

A.15 Arbeitsklima der Reporter vor Ort (Frage 17)*

A.16 ,Ordnungsfunktion’ der Heimatredaktion (Frage 18)*

A.17 Nutzung von Informationsquellen (Frage 19)* 162/

A.18 Strategien der Informationsüberprüfung (Frage 20)*

A.19 Weiterleitung unverifizierter Informationen (Frage 21)*

A.20 ,Nichtverstehen’ zwischen Redaktion und Reporter (Frage 22)*

A.21 Inhaltliche Kriterien in Kriegsberichten (Frage 23)* 167/

A.22 Das Dilemma der Terrorberichterstattung (Frage 24)*

A.23 Notwendigkeit ,Selbstzensur’ durch Kriegsreporter (Frage 25)*

A.24 Eingebetteter Journalist (Frage 26)

A.25 Friedensjournalismus (Frage 27)

A.26 Häufige Gefahren im Kriegsgebiet (Frage 28)*

A.27 Psycho-soziale Risiken und Nachbereitung (Frage 29)*

A.28 Anmerkungs- und Kritikfeld zum Fragebogen

A.29 Freiwillige Namensangabe der Umfrageteilnehmer

A.30 Zusendung der Umfrageergebnisse

A.31 Dankesformel und letzte Seite des Fragebogens

*Auf die Bildschirmkopie der Frage(n) der Original-Online-Umfrage folgt/folgen auf diesen Seiten zusätzlich die dazugehörige(n) Ergebnis-Tabelle(n). Alle Tabellen sind chronologisch nach der Fragen-Nummer sortiert.

I. Einleitung

„Ein Schlachtfeld, das scheint für einige Reporter so etwas zu sein wie ein Abenteuerspielplatz, illuminiert von einem Feuerwerk, ein aufregendes Lichterspiel mit einer bombigen Geräuschkulisse. Das Bild vom Kriegsreporter, das in den Köpfen mancher meiner Kollegen irrlichtert, sieht ungefähr so aus: Lederjacke, düsterer Blick, der sagt: ,Ich habe schon so ziemlich alles gesehen’, dazu noch ordentlicher Alkoholkonsum, Whiskey natürlich passend zu rauen Stimmen und den drei Scheidungen, die der ,verdammte Beruf’ halt so mit sich gebracht hat. Andere verstehen das Wort vom Kriegsspiel allzu wörtlich. Sie meinen, ein Kurzeinsatz in Afghanistan könne sie von der angeblichen Langeweile der Regionalberichterstattung erlösen, wenn auch nur für drei Wochen. Schließlich gibt es noch jene Kollegen, die glauben, durch einen Einsatz als Kriegsreporter ihre Karriere beschleunigen zu können. Gerade die letzteren sind nicht wenige.“ (Armbruster 2007; ARD-Kriegsreporter vor dem zweiten Irakkrieg in Bagdad)

Mythische Vorstellungen über das Berufsbild des Krisen- bzw. Kriegsreporters[1] gibt es nicht nur auf Seiten der Journalisten, sondern auch auf Seiten der Rezipienten medialer Informationen aus weltweiten Kriegsgebieten: Kriegsreporter gelten als ,coole’ Helden in weißen Hemden, die im mutigen Alleingang an der Front leben und arbeiten - weit entfernt von der sicheren Heimat. Sie haben keine Angst und scheuen sich nicht, nur ,bewaffnet mit einem Presseausweis’ im Schützengraben zu liegen, um unter Einsatz ihres eigenen Lebens ,live’ für ,ihr’ Publikum aus dem Ausland Bericht erstatten zu können. Für Kriegsreporter ist der Ausnahmezustand Normalzustand. Ihre Arbeit ist ein ständiger Adrenalin-Kick. Kehrt der Kriegsreporter in seine Heimatredaktion zurück, bringt der Auslandseinsatz unter Gefechtsbedingungen einen Karriere-Kick, heißt es. Im Extremfall stirbt der Kriegsreporter einen ,heroischen’, weil unschuldigen und öffentlichen Tod, denn Kriege werden oftmals zu globalen Medienereignissen stilisiert.

Vielleicht sind es gerade die außergewöhnlichen Arbeitsbedingungen im Krieg und Verantwortlichkeiten des Kriegsreporters, die die mythischen Elemente im Selbstbild dieser Profession begründen. Weil Krieg für Rezipienten aus Westeuropa häufig ein von der Heimat weit entferntes Spektakel ist, fungieren Kriegsberichterstatter als die einzigen Augenzeugen vor Ort mit öffentlichem Informationsauftrag. Sie tragen außerhalb des heimatlichen Einflussbereiches der Rezipienten dafür Sorge, dass das Publikum in der Heimat wie ,selbstverständlich’ von den kriegerischen Auseinandersetzungen im Ausland erfährt. Als Spezialkorrespondenten im Ausland sind Kriegsreporter oft die Ersten, die am Ort einer Katastrophe eintreffen. Ihr Einsatz im Kriegsgebiet zählt zu den gefährlichsten und schwierigsten Auslandseinsätzen eines Journalisten. Momente und Bilder von Tod, Barbarei und Sinnlosigkeit gehören von Berufs wegen zu ihrem riskanten Arbeitsalltag. Sprachlosigkeit können sich Kriegsreporter angesichts der Omnipräsenz von Tod und Gewalt aber nicht leisten, denn ,Krieg’ ist ein Wort, das die Agenda der Medien tagtäglich dominiert. Mit seiner Dominanz wächst die Nachfrage der Rezipienten nach vertrauenswürdigen Informationen aus dem Ausland, die durch eine Orientierung bietende Kriegsberichterstattung gestillt werden muss. Für viele Menschen beginnen Kriege zudem erst dort, wo die Medien auftreten. Eine professionelle und unabhängige Kriegsberichterstattung ist besonders wichtig, weil Kriegsberichterstattung nicht nur für die Strukturierung der Realität des Rezipienten und für seine Vorstellungen von der Welt von besonderer Relevanz ist, sondern auch dafür, wie die am Krieg beteiligten Länder, Völker und Politiker massenmedial wahrgenommen werden. Weil Kriegsparteien die Macht der Medien erkannt haben, wirkt diese Tatsache unmittelbar auf die Kriegsberichterstatter zurück. So reagieren die Kriegsparteien mit einem immer professioneller ausgestalteten Informationsmanagement und versuchen, die Nachfrage nach Informationen mit möglichst produktionsgerechtem Informationsmaterial oder durch mediengerechte Inszenierung von Ereignissen zu befriedigen. Zu den besonderen Herausforderungen eines Kriegsberichterstatters gehört es folglich, den Überblick in Zeiten der desorientierenden Informationsflut und der Instrumentalisierungs- und Abschirmungsversuche zu bewahren. Im Sinne des allgegenwärtigen journalistischen Objektivitäts-Primats müssen Journalisten auch unter verschärften Arbeitsbedingungen im Kriegsgebiet nach der,Wahrheit’ suchen. Gleichzeitig müssen die Kriegsreporter die Erwartungshaltungen der Redaktionen und des Publikums im Rahmen ihrer Berichterstattung erfüllen, die sich in Abhängigkeit von den Tendenzen und Trends in der Auslandsberichterstattung des 21. Jahrhunderts herauskristallisieren. Verstärkte Kommerzialisierungstendenzen und technologische Innovationen haben seither einen markanten Einfluss auf die Art der journalistischen Berichterstattung und erhöhen nicht nur den Selektions- und Aktualitätsdruck, sondern provozieren vor allem scharfe Kritik am Journalismus. Ereignisorientierung statt Hintergrundberichterstattung, Abhängigkeit vom militärischen Informationsmanagement, Spekulationen statt Fakten, überflüssige oder übertrieben-dramatische Berichterstattung lauten häufige Vorwürfe im speziellen Kontext der Kriegsberichterstattung (vgl. Löffelholz 2003, S. 11). In Anbetracht der verschärften Arbeitsbedingungen und Herausforderungen im fernen Ausland ist es nachvollziehbar, dass Kriegsreporter zu den prominentesten Journalisten zählen und diese ,Sonderform’ der journalistischen Auslandsberichterstattung viele Klischees und Mythen hervorgebracht hat.

Das mythische Bild vom Kriegsreporter ist auch im 21. Jahrhundert noch existent, weil der Forschungsstand speziell rund um die Person des Kriegsberichterstatters als rudimentär subsumiert werden kann. Nach Beham ist die Kriegsberichterstattung selbst in der Journalistenausbildung eine „terra incognita“ (Beham 1996, S. 234). Statt wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen zu den Rahmenbedingungen des journalistischen Kriegseinsatzes und den Urhebern der ausländischen Berichte existieren primär (kommerzielle) Berichte von einzelnen Kriegsreportern in Tagebuchform über ihre Arbeit im Kriegsgebiet. Es ist auffallend, dass sich zahlreiche Studien allgemein dem journalistischen Berufsstand an sich widmen, die wenigen Studien im speziellen Kontext der Kriegsberichterstattung den Journalisten selbst aber regelmäßig ausblenden. Die Mehrzahl dieser analytischen Studien beschäftigt sich nicht mit dem Kommunikatorverhalten, sondern mit dem Rezipientenverhalten (vgl. Bentele 1993, S. 121 f.). Hinzu kommt, dass die wenigen Kommunikatorstudien entweder den Auslandsberichterstatter allgemein fokussieren (siehe z. B. Hahn et al. 2008) und ihn nur an einzelnen Nachrichtenplätzen erforschen (siehe z. B. Mükke 2009) oder sich lediglich mit speziellen Kriegsreportern wie den ,Embedded Journalists’ auseinandersetzen (siehe z. B. Kryszons 2007; Richter 1999). Zwar haben die Kriegserfahrungen der jüngsten Vergangenheit[2] das Thema Kriegsberichterstattung mit neuer Dringlichkeit auf die wissenschaftliche Agenda gesetzt (vgl. Daniel 2006, S. 8), jedoch wirft sie aufgrund der oben beschriebenen Lücken in der Forschung (,gap of research’) auch im Jahre 2010 noch eine Reihe von zu untersuchenden Fragen auf (vgl. Kleffel 1994, S. 76).

Forschungsgegenstand dieser Arbeit sind daher die Protagonisten, die im Kern des Verhältnisses von Medien und Krieg an verschiedenen Kriegsschauplätzen weltweit stehen. Aus einer akteurszentrierten Perspektive sollen deutschsprachige Kriegsberichterstatter als Berufskommunikatoren näher beleuchtet werden, die vor Ort in weltweiten Kriegsgebieten arbeiten. Die vorliegende explorative Untersuchung ist als eine Fallstudie der Kommunikatorforschung zu verstehen.

Forschungsziel ist, Erkenntnisse über deutschsprachige Kriegsberichterstatter und die Rahmenbedingungen ihrer Arbeit vor Ort sowie vor und nach ihrem Kriegseinsatz zu gewinnen. Dazu sollen die theoretischen Behauptungen in der Literatur durch einen Vergleich der Aussagen von Praktikern in Bezug auf personenbezogene Dispositionen sowie Arbeitsweisen und Arbeitsumstände angereichert werden, um etwaige Tendenzen innerhalb eines weltweiten Kontextes aufzeigen zu können. Die zum Vergleich benötigten Daten werden mittels einer Befragung von deutschsprachigen Kriegsberichterstattern gesammelt, durch die der Zielgruppe die Gelegenheit gegeben wird, individuelle Meinungen bzw. Einstellungen zu äußern sowie Überzeugungen, Verhaltensweisen und personenbezogene Eigenschaften darzulegen.

Die folgenden Forschungsfragen, die den Fokus insbesondere auf Selbstwahrnehmung, Meinungen und Verhaltensweisen der Kriegsreporter legen, spezifizieren das Forschungsziel und verdeutlichen, welche Aspekte in der vorliegenden Studie von zentralem Interesse sind:

Personenbezogene Dispositionen

- Wie sieht das Profil der befragten deutschsprachigen Kriegsberichterstatter aus?
- Welches Motiv bewegt den Journalisten, als Kriegsreporter vor Ort arbeiten zu wollen?
- Welches Rollenbild hat der Journalist in Bezug auf seine Aufgabe im Kriegsgebiet?
Arbeitsumstände
- Wie sind die infrastrukturellen und logistischen Arbeitsbedingungen vor Ort zu bewerten?[3]
- Wie lässt sich das Verhältnis der Kriegsberichterstatter untereinander charakterisieren?
- Welche Rolle spielt die Heimatredaktion für den Kriegsreporter vor Ort?
- Wie lässt sich das kommunikative Verhältnis zwischen Heimatredaktion und Kriegsreporter vor Ort beschreiben? Hat die Heimatredaktion eine Ordnungsfunktion inne?
- Welche Vor- und Nachsorgemaßnahmen werden getroffen?
- Welche physischen und psycho-sozialen Gefahren birgt der Einsatz im Kriegsgebiet?
Arbeitsweisen
- Wie generieren die Journalisten ihr Fachwissen über das Einsatzgebiet?
- Aus welchen Quellen gewinnt der Reporter seine Informationen und wie überprüft er deren Vertrauenswürdigkeit ? Wie häufig werden unverifizierte Informationen weitergeleitet?
- Welche Meinung vertritt der Reporter in Bezug auf kontrovers diskutierte visuelle und verbale Darstellungsoptionen in seinen Kriegsberichten?

Zur Beantwortung der Forschungsfragen ist die Arbeit in fünf Kapitel gegliedert. Nach der Einleitung (I.) wird in Kapitel II. das theoretische Fundament zum Verständnis von Kriegsberichterstattung gelegt. Weil Kriegsberichterstattung zur Auslandsberichterstattung gehört, liefert Kapitel II.1. zunächst eine kurze Einführung in dieses Feld, damit in Kapitel II.2. die Kriegsberichterstattung als eine ,Sonderform’ der Auslandsberichterstattung verortet und näher beleuchtet werden kann. Kapitel III. skizziert praktische Implikationen der Kriegsberichterstattung und bildet mit der Fokussierung der besonderen Modalitäten vor (III.1.), während (III.2.; III.3.; III.4.) und nach (III.5.) dem journalistischen Einsatz im Kriegsgebiet den Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit.[4] In Kapitel IV. wird die empirische Untersuchung vorgestellt (IV.1.) und ein exklusives Meinungsbild von weltweit tätigen Kriegsreportern präsentiert und diskutiert (IV.2.), um die forschungsleitenden Fragestellungen in der Einleitung zu beantworten. Die Arbeit schließt mit einem Fazit (V.), in dem das Ziel der Arbeit rekapituliert und der Versuch unternommen wird, Empfehlungen für die künftige Praxis der Kriegsberichterstattung zu geben.

II. Theoretische Grundlagen der Auslandskorrespondenz

1. Auslandsberichterstattung

1.1 Einführung: Bedeutung der Auslandsberichterstattung

Menschen, die Informationen aus dem Ausland benötigen, sind vor allem auf die Informationsleistung der Medien angewiesen, weil ihnen im Fernbereich des Auslandsgeschehens das kritische Korrektiv eigener Erfahrung oder alternativer Informationsquellen fehle, konstatiert Hafez (vgl. Hafez 2002, S. 12). In der Berichterstattung über internationale Geschehnisse wird der ,Auslandsberichterstattung’ durch die Medien eine enorme Bedeutung zugeschrieben:

„Die Bedeutung der Auslandsberichterstattung ist zu Beginn des 21. Jahrhunderts wohl größer als je zuvor [...] Die globale Ausweitung der Institutionen auf verschiedenen wirtschaftlichen und politischen Ebenen wäre ohne das von der weltweiten Auslandsberichterstattung repräsentierte gemeinsame Wissen unmöglich“ (Scherer et al. 2006, S. 201)

Unter ,Auslandsberichterstattung’ wird üblicherweise „jedes System der journalistischen Informationsübermittlung verstanden werden, in dessen Verlauf Informationen und Nachrichten staatliche Grenzen überschreiten“ (Hafez 2002, S. 24). Insbesondere der Beruf des Auslandskorrespondenten genießt einen prestigeträchtigen Stellenwert in der Gesellschaft (vgl. Mükke 2008, S. 13). Als ,Auslandskorrespondenten’ bezeichnet werden im Regelfall jene Journalisten, die in einem anderen Land tätig sind als ihr Auftrag gebendes Medium (vgl. Hahn et al. 2008, S. 21). Ihr hohes gesellschaftliches Ansehen ist mit großer Wahrscheinlichkeit auch auf den mit diesem Beruf assoziierten komplexen Aufgabenrahmen zurückzuführen. Der Auslandsberichterstatter hat zum Beispiel die Aufgabe, komplexe Zusammenhänge aus dem Ausland so an das Heimatpublikum zu vermitteln, dass Verständnis gefördert werden kann. Funktional agieren Auslandskorrespondenten als eine Art „Kulturdolmetscher“ (Siemes 2000, S. 29), der durch seine Arbeit die fehlenden Primär-Erfahrungen der Rezipienten und ihr ungenügendes Wissen hinsichtlich spezifischer Vorgänge in fremden Ländern und Kulturen ersetzen soll. Daraus lässt sich auch eine „Übersetzerfunktion“ (Koschwitz 1979, S. 466) ableiten, in deren Kontext der Auslandskorrespondent interkulturellen Missverständnissen vorbeugen soll. Mükke greift die besondere Bedeutung seiner Arbeit auf und betont, dass Auslandsberichterstatter eine „doppelte Schnittstellenfunktion“ (Mükke 2009, S. 22) einnehmen, innerhalb derer sie „zum einen als Vermittler zwischen den Kulturen und zum anderen als Koordinator journalistischer Nachrichtenproduktion“ (ebda.) fungieren.

Aufgrund der hohen Anforderungen an die Menschen, die diesen Beruf in journalistischer Mission ausüben, ist es verwunderlich, dass der Zugang zum Beruf relativ offen und unverbindlich erscheint. Nach Neudecks (1985, S. 18) Meinung gibt es „keinen narrensicheren und bewährten Zugang zu diesem Beruf“. Bei der Rekrutierung von Auslandskorrespondenten spielen vielmehr Faktoren wie Zufälle und „banale Auswahlkriterien“ (Skriver 1973, S. 699) eine ausschlaggebende Rolle. Dass die These vom besonderen Ausbildungsprofil für deutsche Auslandskorrespondenten hinfällig ist (vgl. Junghanns/Hanitzsch 2006, S. 420) liegt auch daran, dass Auswahlmotive oftmals auf interne Gründe zurückzuführen sind, statt auf die individuelle Qualifikation des Bewerbers (vgl. Jost 1986, S. 47):

„Kompetenz ist nicht immer das ausschlaggebende Entscheidungskriterium für das Entsenden eines Korrespondenten. Vielmehr ist es eine Gemengelage aus kompetenzabhängigen und -unabhängigen Faktoren: Journalistische Erfahrung, Sozialisation im Medium, Regional- bzw. Länderwissen, Sprachgewandtheit, Durchsetzungsvermögen oder Managementkompetenzen können ebenso eine Rolle spielen wie Beziehungen zu Entscheidungsträgern, Klientelwirtschaft, schlichte Verfügbarkeit, Sympathien und Zufälle.“ (Mükke 2008, S. 14)

Studien zu soziodemografischen Merkmalen von deutschen Auslandskorrespondenten haben ergeben, dass jene Journalisten, die im Ausland journalistisch aktiv werden, meistens männlichen Geschlechts, Mitte 40 und erfahrene Journalisten sind. Die Mehrheit von ihnen verfügt über einen Universitätsabschluss und arbeitet vorwiegend in Westeuropa, gefolgt von Nordamerika, Südamerika und Asien. Nur wenige berichten aus Dritte-Welt-Ländern. (Vgl. Junghanns 2004; Nafroth 2002; Gysin 2000)

1.2 Tendenzen und Trends: Auslandsberichterstattung heute

Die historischen Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten leiteten technische und ökonomische Wandlungsprozesse innerhalb der Medienbranche ein, die dazu führten, dass sich die Auslandsberichterstattung in den vergangenen Jahrzehnten inhaltlich wie organisatorisch markant verändert hat (vgl. Mükke 2008, S. 2). Mit den 90er-Jahren wurden tiefgreifende technische Revolutionen in den Massenmedien eingeleitet. Im zweiten Golfkrieg 1990/91 war der amerikanische Fernsehsender CNN Vorreiter der Live-Berichterstattung und führte die Ära der Top-Aktualität ein. Kurze Zeit später hatte das Internet die Redaktionen erobert. Die Informationstechnik- und Kommunikationsbranche boomte und rüstete digital nach. Heute erscheint die Rezeption von Live-Bildern und virtuellen Dienstleistungen als Selbstverständlichkeit. Im 21. Jahrhundert sind Auslandskorrespondenten durch die Satellitentechnologie in der Lage, E-Mails und Telefonate aus stark isolierten Teilen der Welt abzusetzen. Internet, Satellitenkommunikation und Digitalisierung sind alltäglich geworden. Auch die Geräte, die diese Technologien unterstützen, zeichnen sich durch eine vergleichsweise einfache Handhabung und Bedienung aus und lassen sich dank ihres praktischen Handtaschenformates leicht transportieren (Vgl. ebda., S. 4):

„Beiträge aus dem Ausland werden nunmehr am medialen Fließband produziert, Halbwertszeiten journalistischer Produkte sind stark gesunken, und die Geschwindigkeit der Informationsübertragung durchbricht lässig die Schallmauer.“ (Mükke 2008, S. 4)

Neben der vorteilhaften Beschleunigung von Produktionsprozessen führen die technischen Innovationen aber auch zu Defiziten im Kontext der weltweiten Auslandsberichterstattung. Die Folgen, die sich heute auf dem weltweiten Informationsmarkt beobachten lassen, sind eine schwindende Korrespondentennetzwerk-Dichte, zunehmende Brennpunktberichterstattung, Verkürzung und vor allem eine ,Boulevardisierung’ der Auslandsberichterstattung. Um den ökonomischen Trend der Boulevardisierung, der auf Quoten ausgerichtet ist, zu genügen, müssen Journalisten ihre heutige Berichterstattung an Sensationen und Emotionen ausrichten, weil sensationalistische Beiträge unterhaltsamer und als abenteuerlicher Erzähljournalismus besser absetzbar sind. Boulevardisierung beschreibt folglich eine inhaltliche Anpassungstendenz an die zunehmende Ökonomisierung der Medien. Sie orientiert sich an den Wünschen der Redaktionen und ist gekennzeichnet durch einen Trend zu Kürze, zu Human-Touch und zu modernen Boulevardthemen. (Vgl. Mükke 2008, S. 17; vgl. auch Weischenberg et al. 2006, S. 16 f. und S. 143) Parallel zu den Boulevardisierungstendenzen treten an die Stelle von kompetenter und hintergründiger Berichterstattung Regionalisierungs- und Lokalisierungstendenzen, die als Folgen des Bedeutungsgewinns der Inlandsberichterstattung angesehen werden können. Laut Mükke hat ein beträchtlicher „Abbau von Auslandsexotik“ (Mükke 2008, S. 2) dazu geführt, dass der Deutschlandbezug innerhalb der Auslandsberichterstattung deutlich zugenommen hat. Die Digitalisierung hat nicht nur einen hoch beschleunigten Produktions- und Konkurrenzdruck befördert, sondern auch zu einem Anstieg der verlangten Menge des Informations-Outputs geführt. Tendenziell kommt es hierdurch zu einer verstärkten Fokussierung der Themenagenden der eigenen Branche, einerseits durch einseitige Konzentration auf die direkte Konkurrenz und anderseits auf die der nationalen und internationalen Leitmedien und Agenturen wie CNN, BBC, Reuters, Spiegel-Online oder dpa. (Vgl. ebda., S. 2 ff.) Die Folge ist ein „potenzierter Mainstream“ (ebda., S. 4) in der Auslandsberichterstattung, der trotz der Globalisierungstendenzen eine deutliche Akzentuierung westlicher Sichtweisen auf dem Weltinformationsmarkt begünstige (vgl. Bilke 2008, S. 158). Im ungünstigsten Fall orientiert sich der Mainstream der Berichterstattung ausschließlich an leicht und täglich zugänglichen Quellen, weil Journalisten unter dem stetig wachsenden Produktionsdruck anfälliger sind für die strategische Einflussnahme externer Interessengruppen. Kommerzialisierungstendenzen der Medien können diese negative Dynamik zusätzlich begünstigen, wenn kritische Themen abgelehnt werden, nur weil ein Verlust von Werbeeinnahmen befürchtet werde, mahnt Bilke. (Vgl. ebda., S. 157) Im Zeitalter der Digitalisierung besteht eine wesentliche Herausforderung für Auslandskorrespondenten folglich darin, seriösen Nachrichtenjournalismus und tiefgründige Themenkomplexe in Rekordzeit , das heißt möglichst schneller als die Konkurrenz, zu produzieren und zu recherchieren. Aktualität ist zu einem „universellen Nachrichtenwert“ an sich mutiert, stellt Kamps (2008, S. 85) fest. Das Ergebnis ist ein „Häppchen-Nachrichtenjournalismus“, kritisiert Hahn (2008, S. 233), der Ursachen und Hintergründe ausblende und sich nur „auf den jeweiligen K-Klimax beschränkt“ (ebda.). Dadurch fühlen sich die Rezipienten „overnewsed, but underinformed“ (ebda.). Hinzu kommt, dass unter diesen Arbeitsbedingungen die journalistische Sorgfaltspflicht Gefahr läuft, dem Aktualitätsstreben (vgl. Saxer 1995, S. 211) und dem Eifer des Reporters einen „Knüller“ zu landen, geopfert zu werden. Die moralische Regel ,get it first, but first get it right’[5] hat selten Platz im „Aktualitätsfetischismus“-Zeitalter (Weischenberg 1993, S. 75). Kunczik behauptet, dass durch den Aktualitätsdruck zwangsweise ein intensiver Schreibtischjournalismus notwendig werden würde oder eine prägnante Verkürzung der durchschnittlichen Reisedauer für Auslandsaufenthalte auf wenige Tage oder Wochen. Diese schnelle Rotation der Korrespondenten befördert in negativer Weise, dass keine ausreichenden Informationskanäle vor Ort aufgebaut werden können, die für eine Hintergrundberichterstattung entscheidend sind. (Vgl. Kunczik 1998) Kunczik beklagt, dass die „Auslandskorrespondenten häufig in einer Pseudo-Umwelt, einer Art Ghetto leben“ (ebda.), weil Orte, an denen Journalisten in großer Zahl auftreten, nicht repräsentativ für die jeweiligen Länder und Regionen sind. Erschwerend kommt hinzu, dass Auslandskorrespondenten oftmals nicht nur enorme Entfernungen in großen Berichtsgebieten hinter sich legen müssten, sondern auch gezwungen sind, sich als ,inhaltliche Allrounder’, also unabhängig von den verschiedenen Ressorts, zu beweisen. Diese „Fokussierung auf die Handschriften der Korrespondenten“ (Mükke 2008, S. 3) gefährdet die Quellenvielfalt und Meinungspluralität. Hintergrundberichterstattung, politische oder gesellschaftliche Analyse oder Themen ohne Deutschlandbezug werden unter diesen Arbeitsbedingungen stark vernachlässigt. Weniger dominante Industriestaaten oder Entwicklungsländer, die keinen Deutschlandbezug haben, erregen erst durch Krisen und Konflikte Aufmerksamkeit, weil ihnen der Nachrichtenwert des Negativismus innewohnt (vgl. Kamps 2008, S. 84 ff.):

„Wir haben in unseren Medien mit Sicherheit versäumt, eine kontinuierliche Berichterstattung über Hintergründe und Ursachen zu bringen. Unsere Berichterstattung ist viel zu sehr auf Aktionismus ausgerichtet. Wir haben viel zu wenig konkrete Sendeplätze, um Entwicklungen dazustellen, die sich zunächst einmal subkutan bemerkbar machen, die aber absehbar auch zu offenen Konfliktsituationen führen werden. Wir steigen mit unserem Medium immer erst dann ein, wenn es irgendwo knallt. Davon müssen wir wegkommen.“ (Bednarz 1993, S. 150)

1.3 Selbstdefinition: Rollenbilder von Auslandskorrespondenten

Weil Auslandsberichte und damit auch die Wirklichkeitskonstruktion der Medien neben den oben beschriebenen Tendenzen und Trends in der Auslandsberichterstattung des 21. Jahrhunderts auch durch die individuellen Berufsauffassungen der einzelnen Journalisten beeinflusst werden, hat eine Vielzahl von kommunikationswissenschaftlichen Studien in den letzten Jahrzehnten erforscht, in welcher Rolle sich Journalisten selber sehen, mit welchem Selbstverständnis sie an ihre Arbeit gehen, und in welchem Ausmaß sie die allgemeinen Richtlinien des Journalismus in ihre eigenen Handlungsabsichten integriert haben. (Vgl. Donsbach 1994, S. 81; vgl. auch Mükke 2009, S. 78) Seitdem werden in der wissenschaftlichen Debatte zur Beschreibung desselben Phänomens unterschiedliche Begriffe verwendet. Weischenberg (1995) spricht vom Rollenbild und Rollenselbstverständnis, Schönbach/Stürzebecher und Schneider (1994) nur vom Selbstverständnis. Siemes (2000, S. 47) konstatiert nicht ohne Grund begriffliche Schwächen:

„Der Begriff Rollenverständnis steht [...] für ein empirisch nicht direkt erfassbares theoretisches Konstrukt, dessen Ausprägung an Äußerungen von Journalistengruppen über deren Aufgabenverständnis und Handlungsziele gemessen wird, und der sich deshalb nur als Zusammensetzung letzterer umreißen, nicht aber klar definieren lässt.“

Weischenberg (1995) subsumierte die bisherigen Forschungserkenntnisse und entwarf ein Raster aus insgesamt fünf idealtypischen Journalismusmustern, denen jeweils spezifische journalistische Rollenverständnisse zugeordnet werden können:

1. Informationsjournalismus, dessen oberstes Gebot Neutralität ist. Der Journalist sieht sich hier als Vermittler.
2. Interpretativer Journalismus, bei dem sich der Journalist als Erklärer begreift, indem er zu den Fakten Hintergründe aufzeigt und analysiert.
3. Präzisionsjournalismus, bei dem der Journalist aus einer Art Forscher-Perspektive Bericht erstattet.
4. Neuer Journalismus, für den ein Übergangsbereich zwischen Literatur und Journalismus kennzeichnend ist. Journalisten sehen sich hier als Unterhalter, die den Rezipienten über die Unterhaltung unterschwellig bilden wollen.
5. Investigativer Journalismus, bei dem sich der Journalist als aufklärender Interessenvertreter von oft unterprivilegierten Gruppen sieht und deshalb häufig Kritik und Kontrolle für besonderes wichtig erachtet. (Vgl. auch Mükke 2009, S. 80)

In Anlehnung an ihre Forschungsresultate ergänzten Weaver und Wilhoit (1996, S. 137) die wissenschaftliche Diskussion durch das Selbstbild des „populist mobilizers“, dessen primär populistisch-mobilisierende Handlungsziele darauf hinausliefen, die politische Tagesordnung mitbestimmen und Debatten anregen zu wollen (vgl. ebda., S. 137 ff.). Ergänzend soll der in den neueren kommunikationswissenschaftlichen Diskursen entwickelte Ökonomik-Ansatz bisher vernachlässigte Faktoren auf das journalistische Rollenverständnis, wie ökonomische Interessen, Eigennutz und Wünsche der Journalisten sowie die Auswirkungen erwerbsmäßiger Organisation von Medien, berücksichtigen. Nach dem Journalistenbild des so genannten ,Homo oeconomicus’ handelt der Kommunikator aufgrund von materiellen und sozialen Anreizen primär eigennützig und rational mit dem stetigen Ziel der Nutzenmaximierung.[6] Indikatoren für das Rollenbild des Homo oeconomicus sind beispielsweise die zunehmende Anpassung an Unterhaltungsbedürfnisse, Auflagen und Quoten, verstärkte Personalisierungstendenzen in verschiedenen Ressorts sowie der verstärkte Rückgriff auf Schock-Bilder ,zum Fesseln von Zuschauern’. (Vgl. Fengler und Ruß-Mohl 2005, S. 115 ff.; vgl. auch Mükke 2008, S. 82)

Forschungsergebnisse zum Rollenverständnis von deutschen Auslandskorrespondenten weisen darauf hin, dass journalistische Rollenverständnisse sich kontinuierlich zu wandeln scheinen, da sie durch gesellschaftliche und institutionelle Rahmenbedingungen mitgeformt werden. Im historischen Rückblick wird deutlich, dass um 1900 das Bild des kriegsbegeisterten Auslandskorrespondenten vorherrschend war, der dem Publikum zu Hause interessante und spannende Geschichten aus Kriegsgebieten schildern sollte. (Vgl. Klein/Steinsieck 2006, S. 4) Nach den beiden Weltkriegen, in den 1950er-Jahren, hat hingegen die Rolle des inoffiziellen Botschafters das Verständnis des Auslandskorrespondenten geprägt. Ziel des Korrespondenten ist es zu dieser Zeit gewesen, der Wahrheit und den Interessen seines Landes in diplomatischer Weise zu dienen sowie die Beziehungen von Volk zu Volk zu fördern. In den 1960er-Jahren erfolgte schließlich eine Trendwende hin zu mehr Distanz und Kritik am Staat. Bis in die 1970er-Jahre war allerdings noch das Leitbild des Diplomaten und Abenteurers dominant. Die schwierigen logistischen und kommunikationstechnischen Arbeitsbedingungen führten zum mythischen Einzelkämpfer-Abenteurer-Bild des ,einsamen’ Auslandskorrespondenten im weit entfernten Ausland. Für diese Zeit war nach Siemes ein höherer Personalisierungsgrad des Auslandskorrespondenten charakteristisch (vgl. Siemes 2000, S. 53 f.), weil der Journalist als Person oftmals noch vor die Bedeutung der Ereignisse gehoben wurde. Zunehmend negative Kritik wurde in den 1970er-Jahren an jenen Korrespondenten laut, die sich während des Kalten Krieges in der bipolaren Welt als Repräsentanten ihrer Staaten und Gesellschaftsordnungen verstanden und „ihre Berichterstattung an der subjektiven Kollektivwahrnehmung des jeweiligen Machtblocks ausrichteten“ (Mükke 2009, S. 83). Mitte der 1980er-Jahre kam es durch die neuen technischen Entwicklungen (damals Fax, Telefon, Ausbau des Flugverkehrs etc.) und die daraus resultierenden neuen Arbeits- und Kommunikationsbedingungen zu einer „Drift vom Individualjournalismus hin zum redaktionsgesteuerten Dienstleistungsjournalismus der Auslandskorrespondenten“ (ebda., S. 84). Die globale Internet-Nutzung, die Digitalisierung und die Satellitenkommunikation befördern auch heute noch diesen Trend (vgl. ebda., S. 78 ff.).

2. Kriegsberichterstattung

2.1 Spezialkorrespondent: Der Kriegsberichterstatter

„Auf den ersten Blick unterscheidet Kriegsberichterstatter nichts vom Auslands-Korrespondenten, nur daß bei ihnen noch Krieg hinzukommt.“ (Foggensteiner 1993, S. 51) Dieser etwas simpel anmutende Vergleich deutet an, dass die Tätigkeit des ,Kriegsberichterstatters’ im Groben mit der Arbeit des Auslandskorrespondenten verglichen werden kann, weil sich derjenige, der über einen Krieg für die deutsche Medienlandschaft berichtet, ebenfalls im Ausland befindet.[7] Marx hingegen fokussiert das System Journalismus, um sich der Arbeit des Kriegsreporters anzunähern. Er beschreibt den Kriegsberichterstatter als eine prominente Sonderform des Journalismus: „Die bekannteste Erscheinung unter den Spezialkorrespondenten ist der Kriegsberichterstatter“ (Marx 1982, S. 209). In Anlehnung an seine Auffassung sind Kriegsberichterstatter Sonderberichterstatter, weil ihre Auslandskorrespondenz zeitlich auf ein spezielles Ereignis wie zum Beispiel eine kriegerische Auseinandersetzung beschränkt ist. Ihre Arbeit endet, wenn auch der Krieg beendet ist. (Vgl. ebda., S. 208 f.)

Das Verständnis vom Begriff des Kriegsberichterstatters schließt sich in dieser Arbeit der Sichtweise Foggensteiners an, nach der Journalisten, die die Öffentlichkeit direkt aus Kriegsgebieten informieren, das heißt ,vor Ort’ sind, Kriegsberichterstatter sind (vgl. Foggensteiner 1993, S. 30). Er klassifiziert drei Gruppen von Kriegsberichterstattern, die er aufgrund ihrer unterschiedlichen Methoden der Berichterstattung vor Ort differenziert betrachtet:

1. Journalisten, so genannte „Hotelberichterstatter“ (ebda., S. 51), deren bevorzugte Aufenthaltsorte Pressekonferenzen, Hotelbars und Hotellobbys sind, die sie nur verlassen, um an täglichen „Briefings“, Pressekonferenzen und Botschaftsempfängen teilzunehmen. Dort verkehren sie mit wichtigen politischen und militärischen Akteuren, die die Hauptinformationsquelle für ihre Berichterstattung darstellen.
2. „Reporter am Fensterbrett des Krieges“ (ebda., S. 52), die sich zwar am Ort des Geschehens befinden, aber nur aus sicherem Abstand von der Front recherchieren, um das Arbeitsrisiko einkalkulieren und damit minimieren zu können. Sie sind sich der Sensationsgefahr des Themas bewusst und versuchen, stets den Überblick durch gründliche und vielseitige Berichte zu behalten.[8]
3. Abenteurer, so genannte „todessehnsüchtige Haudegen“ wie Foggensteiner (ebda.) sie charakterisiert, die sich von der Frontberichterstattung einen Karrieresprung innerhalb der Redaktion erhoffen, mit dem Ziel, sich ,schon’ im jungen Alter und damit in einem frühen Stadium ihrer journalistischen Karriere in der Redaktion etablieren zu können. Fanatische Involvierung und Kriegsbesessenheit sind die Kennzeichen eines solchen Reportertypus, der auch nicht abgeneigt sei, auf der Suche nach der Story oder dem Foto seiner Arbeit im Schützengraben nachzugehen. (Vgl. ebda., S. 50 ff.)

Unter Berücksichtigung dieser Differenzierungen gehören zur Gruppe der Kriegsberichterstatter in der vorliegenden Arbeit alle Journalisten, die vor Ort in Kriegsgebieten einmal oder über mehrmals vom Krieg reportiert haben. Eine Mindest-Aufenthaltsdauer vor Ort ist nicht maßgeblich. Der hauptsächliche Aufenthaltsort des Journalisten (z. B. Hotel, Schützengraben) ist, solange dieser Ort noch innerhalb der geographischen Grenzen des betroffenen Landes liegt, nicht entscheidend. Kameramänner und Fotoreporter werden zur Gruppe der Kriegsberichterstatter gezählt, sofern sie berufsbedingt journalistisch aktiv werden. Redakteure, die Berichte lediglich in den (Heimat-)Redaktionen redigieren oder anfertigen, sind in dieser Definition folglich nicht inbegriffen, auch wenn sie sich selbst als Kriegsberichterstatter definieren.

2.2 Beruf Kriegsreporter: Mythen und Motive

Im Kontext des übermittelten Mythos ziehen es Kriegsberichterstatter vor, sich als Einzelkämpfer zu präsentieren, die zu Helden werden können, indem sie den Tod eines unschuldigen Kriegsberichterstatters sterben oder entsprechende heroische Taten vollbringen. Befördert wurde die mythische Betrachtungsweise der Person des Kriegsreporters dadurch, dass er zu damaliger Zeit traditionsgemäß aus der Oberschicht oder den oberen Mittelschichten stammte und damit auch oftmals aus der gleichen sozialen Schicht wie die angesehenen Offiziere der damaligen Truppen, die ihn begleiteten. Überlappende Bekanntschaftskreise und geteilte Männlichkeitsvorstellungen sowie Ehrenkodizes verfestigten das Verhältnis zwischen den militärischen Befehlshabern und den Kriegsberichterstattern zusätzlich. Kriegsberichterstatter waren „Gentlemen unter Gentlemen“ (Daniel 2006, S. 13), die den Kontakt mit einfachen Soldaten mieden und privilegiert mit Diener, Pferd und Wagen reisten. Erst um 1900 sei diese elitäre Gruppe der Kriegsberichterstatter mit einem weniger elitären Typus konfrontiert worden, der später als ,freelancer[9] ’ bezeichnet wurde. Sein vorrangiges Ziel ist es gewesen, durch seine Berichte vom Schlachtfeld Karriere zu machen (Vgl. ebda.):

„Sie brachten einen neuen, von der Generation der Älteren und Erfahrenen nicht goutierten Stil in die Korrespondentenschar, da sie sich ihren Namen erst noch machen mussten und deswegen die einvernehmlichen Umgangsweisen zwischen Korrespondenten und Militärs durch Umgehen von Zensurvorschriften und ähnliches störten.“ (Daniel 2006, S.13)

Zwar habe sich im Verlaufe des 20. Jahrhunderts die soziale Einzugsbasis beider Berufsgruppen erweitert, durch die sich der „soziale Konnex zwischen Offizierskorps und Journalisten“ (ebda.) auflöste, dennoch ist der Mythos Kriegsreporter auch heute noch beständig. Nach Klein und Steinsieck sind die um das Berufsbild kursierenden Mythen insbesondere im Zusammenhang mit dem damals gängigen Bild des „archetypischen“ (Klein/Steinsieck 2006, S. 9) Kriegsberichterstatters, welches sich auf einer fortwährend suggerierten Kompetenz und Glaubwürdigkeit gründen würde, auch heute nicht überholt. Klein und Steinsieck sind überzeugt, dass Kriegsberichterstatter auch im 21. Jahrhundert noch bemüht sind, Vertrauen aufzubauen, indem sie ein spezifisches Bild von ihrer Persönlichkeit und ihrem Beruf zu vermitteln versuchen. In autobiographischen Diskursen würden Kriegsreporter deshalb vorzugsweise ihre unmittelbare Augenzeugenschaft vor Ort betonen, mit dem Ziel, ihre Glaubwürdigkeit auf diese Weise nachhaltig unterstreichen zu können. In diesem Zusammenhang würden Kriegsreporter mit Vorliebe nicht über ihren Alltag, der meist eher langweilig sei, sondern vor allem von außergewöhnlichen Momenten erzählen, in denen sie als Kriegsreporter selbst im Mittelpunkt explosiver Gewalt stünden. (Vgl. ebda.) Kriegsreporter Pedelty argumentiert in ähnlicher Weise die mythischen Elemente im Selbstbild seiner Profession:

„The mythological core of press corps culture contains a shared narrative of adventure, independence, and truth that imbues the correspondents` heavily controlled practice with sense of magic and purpose. The myths become anodynes, narcotic fantasies (and ¢ phalluses ¢ ) which assuage the pangs of mundane, difficult, and disciplined labor.“ (Pedelty 1995, S. 39)

Spekuliert werden kann, ob mit dieser bewussten Betonung der persönlichen Augenzeugenschaft ein Grund für den klischeegeprägten Mythos des beinahe unverwundbaren und coolen Berichterstatters gegeben ist (vgl. Hoff 2008), „der notfalls abends an der Bar die gruseligen Bilder des Tages herunterspült“ (Staun 2010; vgl. auch Hoff 2008). Darüber hinaus hat aber auch die Frage nach Beweggründen für die persönliche Grundsatzentscheidung des Journalisten aus einem Kriegsgebiet zu reportieren und damit das eigene Leben bei der Berufsausübung zu riskieren, schon viele Spekulationen befördert: Ist es „Sensationsgier, Effekthascherei, um durch Heldentum seiner Karriere einen Schub zu verpassen?“ (Armbruster 2008, S. 55) Doch neben den eigentlichen Motiven sind auch die Charakterzüge eines Kriegsreporters wichtig. Brase (2008, S. 42), selbst Kriegsreporter im damaligen Kosovo-Krieg, mahnt eindringlich: „Der Einsatz in einem Krisengebiet ist nichts für Zartbesaitete, genauso wenig wie der journalistische Einsatz etwas für Draufgänger und Abenteurer ist“. Eine ähnliche Ansicht vertritt Limbourg (2008, S. 171 f.), der als verantwortlicher Chefredakteur auch für die Auswahl von Kriegsreportern zuständig ist:

„Bei Kriseneinsätzen gilt: viele Kollegen fühlen sich berufen – wenige sind ausersehen. Natürlich wissen Reporter, dass bei einem gelungenem Einsatz Ruhm und Ehre warten. Die Aufmerksamkeit von Redaktion und Chefs ist sicher. Tägliche Präsenz in den Hauptnachrichten ist gewiss. Man kann es sogar selbst zum Medienereignis bringen [...] Aber im Vordergrund müssen immer der Journalismus und die Geschichte stehen. Lawrence of Arabia-Darsteller und Bruce Willis-Imitate sollen schön zu Hause bleiben. An der Front braucht es den besonnenen Kollegen.“

Verantwortliche Entscheidungen bei der Rekrutierung von Kriegsreportern sind folglich auch auf Redaktionsseite notwendig, die feststellen sollte, ob die Charakterzüge und Motive eines Journalisten nicht im Widerspruch zum eigentlichen öffentlichen Informationsauftrag stehen. Allerdings werfen manche selbstkommunizierten Motive von Kriegsreportern Fragen in Bezug auf die Eignung des Journalisten für die Besetzung des Auslandpostens auf. Wenig kritisch reflektiert erscheint beispielsweise das Motiv von Kriegsreporter Judah, der offen zugibt, primär den Wunsch nach einem Ausbruch aus der alltäglichen Arbeitsroutine der Heimatredaktion verspürt zu haben und im Rahmen eines ‚Spaßfaktors’ auch persönlich dabei sein wollte, wenn Geschichte geschrieben wird: „I became a journalist because I wanted to see history being made, and I certainly didn`t want to while away my working years behind a flickering screen in an office while everyone else had fun.“ (Judah 2002, S. 39) Ebenso offenbart der junge Kriegsreporter Reichelt, was für ihn den ‚wirklichen’ Reiz an seinem Job ausmacht:

„Ich wollte schon immer da sein, wo Menschen Leid ertragen müssen. Warum? Die gute Antwort lautet: Um darüber zu berichten, etwas zu ändern, zu bewegen, einen Unterschied zu machen. Die nicht so gute Antwort ist, dass ich dachte, es wäre irgendwie cool. Cool, an Orten zu sein, an die sonst kein Mensch fahren würde. Man will wissen, wie viel Leid man ertragen kann. Es ist, als würde man die Hand über eine Flamme halten." (Reichelt 2009, S. 49)

Herkel (2000) sieht hinter dieser besonderen und riskanten Berufswahl den Wunsch mancher (junger) Journalisten, sich in der Redaktion etablieren zu wollen, indem ein spannender Kriegsbericht den lang ersehnten Karrieresprung einleiten und so der Redaktion zur erhofften Einschalt- und Leserquote verhelfen würde. Eine gute Quote aufgrund eines sensationellen Fotos oder ein Berichtes kann folglich auch unter Umständen bereits ,über Nacht’ zum schnellen, persönlichen Profit des Kriegsreporters führen. Himmelstein und Faithorn (2002, S. 553) konstatieren, dass sich besonders am frühen Anfang des 21. Jahrhunderts viele junge Journalisten für den Job des Kriegsreporters beworben hätten: „The wars in Afghanistan in 2001 and Israel/Palestine in 2002 produced a waiting list of young general assignment reporters who felt they could advance their careers by covering war.“

Klein und Steinsieck kommen in ihrer Studie aus dem Jahr 2006 zu dem Schluss, dass die Motivation der Kriegsberichterstatter am Anfang und Ende des 20. Jahrhunderts Kontinuitäten aufweise. Motive der Kriegsreporter sind demnach „in wesentlichen Punkten unverändert geblieben: Abenteuerlust, der Wunsch nach Anerkennung und die Hoffnung, Karriere zu machen.“ (Klein/Steinsieck 2006, S. 4) Nach Auffassung von Himmelstein und Faithorn basieren die Motive für den Kriegseinsatz allerdings bei berufserfahrenen Reportern auf einem weitgefächerten Set von Beweggründen. Diese reichen von altruistischen bzw. empathischen Motiven für (unter anderem) das menschliche Leid im Kriegsgebiet bis hin zu Neugierde und dem Wunsch nach Lernen bzw. Wissenserweiterung in Zusammenhang mit kulturellen und geschichtlichen Ereignissen:

„Many top reporters share a conviction that their work has purpose, specifically that they can help their audience gain greater insight into the larger social meaning of the events they report. Their concern with the human condition and desire to contribute to its improvement whenever possible inevitably involve an underlying altruistic motive based in empathy for human suffering, ignorance and confusion. Other reporters have a more self-enhancing sense of purpose – for example, an intense curiosity and desire to learn about cultures and history – and consider the benefit their audiences may derive from their reporting to be a positive by-product of their primary motivation.“ (Himmelstein/Faithorn 2002, S. 544)

2.3 Dilemma: Wahrheit und Objektivität im Kriegsgebiet

Journalisten sind durch ihren öffentlichen Auftrag verpflichtet, zur demokratischen Meinungsbildung beizutragen. Diese Leistung kann allerdings nur erbracht werden, wenn Journalisten die wichtigste Norm im Journalismus, die ,Objektivitätsnorm’, im Rahmen ihrer Berichterstattung beachten (vgl. Weischenberg et al. 2005, S. 325).[10] Die Glaubwürdigkeit eines Kriegsberichterstatters und sein Ruf als „unabhängiger Chronist“ (Seils 2008, S. 115) hängen daher maßgeblich vom Ausmaß seiner ,Objektivitätswahrung’ in der Berichterstattung ab. Rezipienten von journalistischen Informationsangeboten, die außerhalb des Einflussbereiches der Rezipienten produziert werden, sind auf die Professionalität und Kompetenz der Vermittler von medialer Information aus dem Ausland angewiesen (vgl. Gleich 2003, S. 139). Allerdings ist die Umsetzung normativer, publizistischer Richtlinien gerade für Journalisten in der Praxis der Kriegsberichterstattung schwierig, weil die Intensität, mit der ein Kriegsreporter beispielsweise auf eine ausgewogene Themenauswahl und externe Einflussnahmen achten muss, im Vergleich zur Berichterstattung in befriedeten Ländern deutlich größer ist. Die Frage, wo genau ,Objektivität’ anfängt und wo sie aufhört, ist für den Kriegsreporter vor Ort deshalb nicht einfach zu beantworten. Besonders in jüngster Zeit hat die Diskussion um den Stellenwert von journalistischer ,Objektivität’ (und ,Qualität’)[11] unter außergewöhnlichen Arbeitsumständen wie in Kriegsgebieten viel Aufmerksamkeit in der wissenschaftlichen Literatur erlangt (vgl. ebda.), weil ihr Gehalt und ihre Erfüllbarkeit umstritten ist (vgl. Weischenberg et al. 2005, S. 325). Grundsätzlich lassen sich zwei Bedeutungsvarianten vom ,Objektivitäts’-Begriff unterscheiden: Ein enges, erkenntnistheoretisches Objektivitätsverständnis bezieht sich auch die Frage nach der ,Richtigkeit’ oder ,Wahrheit’ von Behauptungen, also auf das Verhältnis zwischen der Realität und Aussagen über Aspekte der Realität, wobei die Möglichkeit eines Zugang zur Realität je nach Position (Realismus/Konstruktivismus) unterschiedlich eingeschätzt wird. Ein weiter Objektivitätsbegriff, der aus der Medienpraxis zum Teil in die Kommunikationswissenschaft übernommen worden ist, geht darüber hinaus und umfasst auch Normen wie Neutralität, Vielfalt, Ausgewogenheit, Maßstabsgerechtigkeit, Vollständigkeit, Wichtigkeit sowie Trennung von Nachricht und Meinung, die nicht oder nur indirekt mit Erkenntnis in Verbindung stehen. (Vgl. Neuberger 1997, S. 311 ff.) Die vorliegende Arbeit orientiert sich an beiden Bedeutungsvarianten. In spezieller Anlehnung an das engere Objektivitätsverständnis, kann das Objektivitätsdilemma in der Kriegsberichterstattung folglich nur in Verbindung mit der Erkenntnis verstanden werden, dass in Kriegsgebieten verschiedene ‚Wahrheiten’ existent sein können:

„By dropping some of the dispassionate mystique around editorial judgment and by providing viewers with some insightful access to the subjective news-making process, we can open up a space for the constructive debate about one of the monumental difficulties journalists do face: just how do you present a situation, in which there is a multiplicity of `truths`?“ (Niblock 2003, S. 376)

Häufig ergeben sich unterschiedliche bzw. mehrere ,Wahrheiten’ innerhalb eines komplexen Beziehungsquadrats von Medien, Politik, Militär und Publikum. Durch ihre Instrumentalisierungsversuche erschweren die miteinander verflochtenen Systeme die Durchsetzung des journalistischen Anspruchs auf eine qualitativ hochwertige Kriegsberichterstattung und haben so einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das publizistische Output der Kriegsberichterstattung. Die verantwortungsvolle Auseinandersetzung mit der Frage nach der ,Wahrheit’ ist auch heute noch für Korrespondenten von großer Relevanz, weil objektive Berichterstattung glaubwürdige bzw. vertrauenswürdige, also ,wahrhaftige’ Informationen voraussetzt. Die Überzeugung von U.S.-Senator Hiram Johnson, der bereits im Jahre 1917 feststellte, dass bei Ausbruch des Krieges das erste Opfer die Wahrheit ist, wird von einer Reihe von Autoren geteilt. Statt einer idealtypischen Vorstellung von einer objektiven Berichterstattung sind sie der Meinung, dass die Massenmedien die gesellschaftliche und politische Wirklichkeit in Kriegsgebieten nicht wahrheitsgetreu, sondern ,verzerrt’ abbilden. (Vgl. Stiller 1989, S. 99; vgl. auch Bentele 1993, S. 121) So wird nicht im Zusammenhang mit dem hier dargestellten Wahrheitsdilemma der Kriegsberichterstattung debattiert, ob Objektivität für Kriegsberichterstatter nicht ein gänzlich „sinnloser Anspruch“ (Troeller 1982, S. 193) ist. Alt erläutert mit eigenen Worten, dass das Bestreben des Menschen kognitive Dissonanzen vermeiden zu wollen, das Objektivitätsdilemma befördert: „Meine Erfahrung ist auch: Objektiv ist, was gefällt, was nützt, was man gerne hört, was die eigene Meinung bestätigt. Als nicht objektiv [...] gilt, was nicht gefällt, was die eigenen Interessen beeinträchtigt, was man nicht gerne hört, was die eigene Meinung in Frage stellt.“ (Alt 1982, S. 207) Nach Foggensteiner besitzt die mediale Vermittlung von Kriegen eine eigene Realität, weil zum Beispiel schon das subjektive Bild der Kamera oder des Fotos bei durch den Reporter dokumentierten Kriegsverbrechen den Standpunkt vorgäbe (vgl. Foggensteiner 1993, S. 83). Bentele (1993, S. 141) appelliert, dass Objektivität im Kontext der Wahrheitssuche als Maßstab definitiv erhalten bleiben muss: „Gerade weil die Wahrheit [...] das erste Opfer vieler Kriege war und ist, bleibt Wahrheit als journalistische Norm und Zielvorstellung ohne Abstriche bestehen.“

III. Praxis der Kriegsberichterstattung

1. Vorbereitung: Verantwortlichkeiten und Sicherheit

1.1 Verantwortung: Einsatzorganisation und Vorsorgemaßnahmen

Ist die Grundsatzentscheidung des Journalisten und der Redaktion für einen Einsatz im Kriegsgebiet positiv ausgefallen, müssen vor Einreise diverse organisatorische Maßnahmen getroffen werden, um die Gefahren vor Ort zu minimieren. Laut Limbourg (2008, S. 171) macht der Einsatz eines Reporters im Kriegsgebiet nur Sinn, „wenn es ein wirkliches Interesse an der Geschichte und ein Mindestmaß an Sicherheit und Bewegungsfreiheit für ihn gibt“. Erfahrung und Landeskenntnis des Korrespondenten sind zwei wichtige Faktoren, die die Redaktion bei der Rekrutierung potenzieller Journalisten beachten sollte. Nicht nur der Stress und die Anforderungen an die eigene Belastbarkeit vor Ort sind hoch, sondern auch die Erwartungen der Heimatredaktionen. (Vgl. Herkel 2000) Kriegsreporter Brase (2008, S. 44) mahnt aus eigener Erfahrung, dass Korrespondenten, die die religiösen Gefühle der lokalen Helfer verletzen, mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mit deren Loyalität rechnen dürften, sondern vielmehr lebensgefährliche Situationen entstehen könnten. Umso wichtiger ist es, dass sich der Korrespondent bereits vor seiner Abreise intensiv mit politischen, wirtschaftlichen, aber auch kulturellen und religiösen Verhältnissen im Zielgebiet auseinandersetzt und sich gegebenenfalls fehlendes Fachwissen nachträglich aneignet (vgl. Foggensteiner 1993, S. 46). Aber auch der Auftraggeber bzw. die Redaktion trägt eine Verantwortung, die vor allem darin besteht, besondere Vorsorgemaßnahmen zu treffen, um das Risiko des Einsatzes zu mindern. Zu diesen Maßnahmen gehört der Abschluss einer Zusatz-Versicherung für reale Risiken im Kriegsgebiet, damit bei schweren Unfällen, Invalidität oder Tod die Versicherung haftet. (Vgl. Brase 2008, S. 43) Die Ausstattung mit spezieller Schutzkleidung und modernster Mobilfunk- oder Satellitentechnik sollte ebenfalls gewährleistet sein. Zur Garantie einer fehlerfreien Funktionstüchtigkeit im Ausland sind die regelmäßige Wartung und Kontrolle des technischen Arbeitsgeräts unabdingbar. Um Entführungen und Kommunikationsbarrieren durch die fremdländische Sprache vorzubeugen, sollte vor der Abreise ein festes und vor allem verlässliches Netz von Vertrauenspersonen vor Ort (z. B. Übersetzer) feststehen. (Vgl. Limbourg 2008, S. 172) Realistische Entscheidungen über das Reisebudget sind neben einer guten Logistikplanung maßgeblich für die erfolgreichen Recherchen vor Ort, denn exorbitante Gagen für zum Beispiel Übersetzer, Fahrer oder Sicherheitsleute sind selbst in den ärmsten Ländern der Welt üblich:

„Money. It´s strange how the poorest countries on Earth can end up being the most expensive. The logistics of getting there, satellite phones, extortionate drivers and translators all push up the costs astronomically. I am a free lancer and tried to conserve cash, but two months in Afghanistan still cost me almost $ 16,000. This was then divided by my main sponsors.“ (Judah 2002, S. 38) [12]

Nicht alle Journalisten, die sich ins Ausland begeben, scheinen jedoch ausreichend vorbereitet zu sein. Vielmehr wird bemängelt, dass es selbst schon im Rahmen von Auslandseinsätzen, die nicht unter Gefechtsbedingungen stattfinden, an Basisvoraussetzungen für eine qualifizierte Berichterstattung fehlt. Als Beispiele seien etwa die Kenntnis der Landessprache oder das Wissen über detaillierte Informationen über die örtlichen und kulturellen Gegebenheiten genannt. Aussagen, die für die Besetzung eines Auslandspostens ausschließlich die Qualifikation des Bewerbers aufgrund seines bereits vorhandenen Fachwissens betonen, werden als irreales theoretisches Wunschdenken betitelt (vgl. Jost 1986, S. 47), das in der Praxis selten zutrifft:

„Nur in Einzelfällen kommen Korrespondenten zum Einsatz, die bereits auf ein umfangreiches Fachwissen über ihre Region zurückgreifen können. Das Gros der Korrespondenten ist thematisch-inhaltlich nur bedingt auf die Arbeit vorbereitet.“ (Mükke 2008, S. 14)

Laut Mükke sind Auslandskorrespondenten gezwungen, ihr Wissen über die Berichtsregion autodidaktisch zu generieren, weil eine institutionelle Vermittlung von Fachwissen selten stattfindet. Zwar würden vereinzelte Arbeitgeber ihren Korrespondenten den Besuch von beispielsweise Kurzzeit-Sprachkursen oder vorbereitenden Seminaren anbieten, allerdings müssten diese oftmals innerhalb eines (zu) knappen Zeitrahmens absolviert werden. (Vgl. ebda.) Ebenso prekär ist die Situation, dass es im Krisengebiet häufig an einem Netz zuverlässiger und ortskundiger Helfer fehle, welches im Notfall logistische Hilfestellung geben kann (vgl. Herkel 2008). Obwohl ein Land im Kriegszustand kein Ort für einen Amateur oder einen Idealisten ist (vgl. Maass 1997, S. 269), sei es vorgekommen, dass sich selbsternannte Frontreporter leichtfertig mit einer Kartenkopie aus einem Universalatlas allein auf den riskanten Weg ins Kriegsgebiet gemacht hätten (vgl. Herkel 2000).[13] Kriegsreporter Kleine-Brockhoff bemängelt, dass die Redaktionen auf Kosten der Sicherheit der Berichterstatter vor Ort sparen:

„Deutsche Redaktionen hätten zwar gerne Exklusiv-Beiträge. Doch nicht um jeden Preis. Zusatzkosten durch Sicherheitsvorkehrungen wären theoretisch gerechtfertigt, sind in der Praxis aber nicht tragbar – so wichtig ist die Geschichte ja nun doch nicht. Viele Reporter fahren ohne Krisenausrüstung los, weil Konflikt-Berichterstattung eine Chance zur Profilierung ist.“ (Kleine-Brockhoff 2008, S. 145)

Erst die zunehmende Anzahl von tödlich verlaufenden Einsätzen von Kriegsreportern hat die Nachfrage nach vorbereitenden praxisorientierten Sicherheitslehrgängen in den letzten Jahren ansteigen lassen. (Vgl. VN Ausbildungszentrum Bundeswehr 2010; vgl. auch Werner 2008, S. 51) Im deutschen Sprachraum ist das bayerische ,Hammelburg’ zum Synonym für derartige Trainings geworden. Auf dem fränkischen Truppenübungsplatz Hammelburg bildet die Bundeswehr in meist viertägigen Sicherheits-Crashkursen Journalisten mittels simulierter Kampfsituationen aus, um sie für Notlagen und lebensbedrohliche Situationen an der Front zu sensibilisieren. (Vgl. Duchscherer/Merz 2008, S. 47)[14] Die Erkenntnis, dass militärisches Wissen überlebenswichtig für Kriegsreporter ist, hatte Stiller schon in den 80er Jahren gewonnen:

„Wenn ein Reporter Mumm hat oder aber nicht weiß, um was es geht, kann er sich für den Einsatz in jedem beliebigen Krieg melden. Wenn er vom Geschäft etwas mehr versteht, hat er mehr Chancen zu überleben. Wer die Spielregeln des konventionellen Krieges kennt, die Gefahren der Artillerie und Minen beurteilen kann, nicht so dumm ist, sich ohne militärischen Schutz in unbekannte Gebiete zu wagen, wird es eher schaffen, wieder heil zurückzukommen, als einer, der mit seiner weißen Presse-Armbinde ahnungslos ins Sperrfeuer läuft.“ (Stiller 1989, S. 104)

1.2 Formalien: Bürokratische Modalitäten

Vor der Einreise sind diverse bürokratischen Hürden zu nehmen. Das Stellen von Visa-Anträgen ist meistens kompliziert und zeitraubend (vgl. Krause 1982, S. 243 ff.). Der Aufenthalt kann allerdings auch durch unerwartete Beschränkungen von Aufenthaltsgenehmigungen oder nachträglich abgelehnte Verlängerungen bzw. Verweigerungen von Visa-Anträgen abrupt erschwert werden (vgl. Péus 1977, S. 91; siehe auch Scharlau 1977, S. 104).[15] Kriegsreporter Judah berichtet über konstante Probleme mit Formalien in diversen Kriegsgebieten weltweit: „The front lines look pretty similar to front lines anywhere else. They involve the usual fights with petty bureaucrats for small bits of paper that give you permission to get to where you want to go.“ (Judah 2002, S. 38). Im Idealfall erleichtert eine ,Akkreditierung’[16] die Einreise, allerdings werden diese auch gern als Legitimationsgrund missbraucht, um Journalisten aus einem Gebiet zu vertreiben. Andere schikanöse Verhaltensweisen zur Isolierung der Journalisten vom eigentlichen Geschehen beinhalten zum Beispiel, dass plötzlich Formalien verlangt werden, deren Besitz für den Aufenthalt im Kriegsgebiet ursprünglich nicht erforderlich war. (Vgl. Schmidt-Gross 1996, S. 16; vgl. auch Schmiederer 1991, S. 56) Kriegsreporterin Rados über kostspielige Schikanen in Afghanistan:

„Neue Presseausweise in Gelb werden ausgegeben, die alten für ungültig erklärt. Warum, versteht zwar niemand, wir haben aber das Ministerium im Verdacht, nochmals in letzter Minute abkassieren zu wollen. Dazu muss man wissen, dass Journalisten nicht nur für jeden neuen Ausweis ungefähr 10 Dollar pro Kopf und Nase hinlegen müssen. Um in Bagdad arbeiten zu können, müssen wir Gebühren entrichten. In ruhigen Zeiten umgerechnet 250 Euro am Tag. In Krisenzeiten 350 Euro; dazu kommen noch Tagesgebühren in Höhe von 100 Euro für das Satellitentelefon.“ (Rados 2007, S. 218)

1.3 Sicherheit: Potenzielle Gefahren vor Ort

„Die physische Erfahrung einer Kampfhandlung ist überwältigend. Erst dann bekommt man eine Vorstellung von der unglaublichen Zerstörungskraft, die eine Panzerfaust, ja sogar eine einzige Kalaschnikow besitzt. Die Konfrontation mit der reinen physischen Gewalt dieser Waffen ist eine Erfahrung totaler eigener Machtlosigkeit.“ (Brase 2008, S. 41)

Neben der außergewöhnlichen physischen Belastung im Kampfgebiet, die in dem oben beschriebenen abnormen Gefühl der totalen eigenen Machtlosigkeit resultieren kann, wird der Kriegsreporter auch mit extremen psychischen Belastungen konfrontiert. Verletzung, Verstümmelung, Tod, Flucht, Verzweiflung, Armut und Hunger sind abnorme Erfahrungen, die dem Kriegsreporter tagtäglich aufs Neue vergegenwärtigen, dass die Bedrohung des eigenen Lebens präsent ist. Diese außergewöhnlichen Arbeitsbedingungen führen zu „abenteuerlichen Begleitumständen seines Arbeitsbildes“, schlussfolgert Péus (1977, S. 87). Eine Verschärfung erfahren die Arbeitsbedingungen durch die neue Art der Kriegsführung. Reporter rücken immer öfter ins Zentrum von militärstrategischen Planungen, weil sie in bewaffneten Konflikten eine veränderte Rolle einnehmen. In Bürgerkriegen und asymmetrischen Kriegen wird die Lage für Journalisten zunehmend unübersichtlicher und riskanter. (Vgl. Kneidinger 2005, S. 48) Allgemein gilt, dass die Rahmenbedingungen der Berichterstattung in konventionellen Kriegen festgelegt und damit planbar sind, insbesondere wenn der Krieg auf einer Diktatur gegründet ist. Frontwechsel sind hier nur selten möglich. In Bürgerkriegen wird die Arbeit des Reporters aber nicht durch starre Regeln fixiert und wird dadurch wesentlich schwieriger planbar. Die Parteien versuchen in Bürgerkriegen oft, zivile Ziele der jeweils anderen Seite anzugreifen, erklärt Tilgner, wodurch Korrespondenten ihrer sicheren Rückzugsräume beraubt werden. (Vgl. Tilgner 2008, S. 102 f.)

„The thing about a war is that it is safest when lines are clear and everyone knows where everyone is – and who is firing in which direction. This means that it is easy to make a rational decision about how far forward you need to go and about how close to the action you actually need to get [...] The dangers arise when the lines break, leaving fluid situations behind them.“ (Judah 2002, S. 39)

Journalisten können aber auch zu Kriegszielen werden, weil ihren medial vermittelten Bildern und Berichten eine „kriegsentscheidende Bedeutung“ (Kneidinger 2005, S. 48) beigemessen wird. Formal sind Kriegsreporter zwar als Zivilpersonen durch das ,Genfer Abkommen’[17] geschützt, dennoch respektieren nicht alle Kriegsparteien die Einhaltung internationaler Menschenrechtsvereinbarungen. In Anlehnung an Arens müssen sich Reporter von der Fiktion verabschieden, völlig unbeteiligt und damit unschuldig zu sein, denn häufig würden Reporter in Kriegs- und Spannungsgebieten umgebracht, weil sie Journalisten sind und nicht obwohl (vgl. Arens 1996, S. 3). Auch die Kennzeichnung des Journalisten erweise sich nicht nur als wirkungslos, sondern sogar als kontraproduktiv (vgl. Herkel 2008).

„Wer glaubt, als Kriegskorrespondent arbeiten zu müssen, muß damit rechnen, zur Zielscheibe zu werden. Nur Amateure, die die Schlachtbeschreibung in den letzten Jahren mehr und mehr übernommen haben, leben in der Illusion, ein Presseausweis, ein rosarotes Hemd oder eine schicke Jagdweste würden sie schützen. Der Kriegskorrespondent der Profi ist, weiß dagegen, dass eine gute Story auf dem Schlachtfeld noch lange nicht das Ende des Auftrages bedeutet. Überleben ist wichtiger!“ (Stiller 1989, S. 106)

Erst eine professionelle Einsatzorganisation durch eine im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht verantwortungsvoll agierende Redaktion und eine gute Vorbereitung durch den Reporter können die berufsinhärenten Risiken für Kriegsreporter minimieren und damit maßgeblich zum Erfolg der journalistischen Tätigkeit vor Ort beitragen (Vgl. Brase 2008, S. 46):

„Wenn die genannten Voraussetzungen erfüllt sind, lässt es sich unter den gegebenen Umständen sehr gut und effektiv und vor allem relativ sicher arbeiten. Die Gefahren werden kalkulierbarer und damit besser beherrschbar. Und als Journalist hat man den Rücken frei, um sich auf seinen Job zu konzentrieren. Das erleichtert es auch, Entscheidungen schnell, flexibel und umsichtig zu treffen und vor allem die Ruhe zu bewahren, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert.“ (Brase 2008, S. 46)

2. Produktion: Freiheitsgrade und Einflussnahmen

2.1 Reisen und Unterkunft: Infrastruktur und Logistik

Nicht nur der Aufenthalt, sondern auch das aktive Reisen im Kriegsgebiet konfrontiert den Korrespondenten mit einer Ausnahmesituation, die jedes Mal andere Facetten aufweist. Je nach Intensität und Dauer des Einsatzes wird ein permanenter Spannungszustand hervorgerufen, der in keiner Relation zum journalistischen Alltag in der Redaktion des Heimatlandes steht. Der Terminus Stress erlangt eine verschärfte Bedeutung, denn die Belastungskurve steigt durch Termindruck, ungeregelte Arbeitszeiten und technische Zwänge in einem ungewohnten Arbeitsumfeld. Hinzu kommt die Zuständigkeit des Korrespondenten für ein oftmals großes, schlecht überschaubares Gebiet. Die erforderlichen Reisen sind aufgrund schlechter Infrastruktur, Hitze, ungewohnter Kälte oder hoher Luftfeuchtigkeit anstrengend und zeitraubend. Erholungsphasen sind kurz, weil Ruhemöglichkeiten in kleinen Hotelzimmern oder während der Reise selten oder gar nicht gegeben sind. (Vgl. Péus 1977, S. 87; vgl. auch Richter 1999, S. 81) Nicht selten werden Zimmer aufgrund von Platzmangel oder aus Sicherheitsgründen von Kollegen beiden Geschlechts geteilt (vgl. Foggensteiner 1993, S. 50 f.). Rados beschreibt ihre Unterkunfts- und Verpflegungsbedingungen im Irak wie folgt:

„Wegen dieser vielen Kriege ist das Palestine heute kein Hotel mehr, sondern eine Festung. Abgesehen davon, dass es komplett abgewirtschaftet ist. Aus zerborstenen Wasserleitungen tropft es in einem fort. Der Strom kommt und geht. Das Restaurant, schon früher kein Hort der Gesundheit, ist zur Giftküche verkommen. Deshalb nehme ich das Essen lieber auf meinem Zimmer ein. Also Fertigsuppen, Crackers, und morgens einen Nescafé aus dem Plastikbecher. Zwischenmahlzeiten in Form von Erdnüssen oder Pistazien werden von meinem Kameramann serviert, bis ich sie nicht mehr riechen kann.“ (Rados 2007, S. 18).

Vor Beginn der Reisetätigkeiten vor Ort müssen viele Fragen beantwortet werden. Insbesondere technische Aspekte wie die Verfügbarkeit, Funktionstüchtigkeit und Reichweiten von lokalen Mobilfunknetzen sowie die Notwendigkeit einer Sprechfunkanlage, eines Ersatzhandys oder eines tragbaren Satellitentelefons müssen geklärt werden. Die Kommunikation zur Heimatredaktion und zum Team vor Ort entscheidet oftmals über Erfolg oder Scheitern der Berichterstattung aus dem Ausland (Vgl. Brase 2008, S. 43):

„Denn es gibt keinen Kriseneinsatz, der [...] ohne Probleme logistischer oder technischer Art bleibt. Die nervliche Belastung aller Beteiligten ist enorm, und wenn dann in entscheidenden Augenblicken die Technik versagt, die Leitung nicht steht, eine Kassette fehlt oder der Akku leer ist, dann liegen oft die Nerven blank.“ (Brase 2008, S. 43)

Neben der Aufgabe, die teure Arbeitstechnik ständig vor Wetter, Diebstählen oder unvorhersehbaren Beschlagnahmungen zu schützen, haben die Korrespondenten auch häufig mit den negativen Auswirkungen der stetigen Anwesenheit von so genannten ,offiziellen Begleitern’[18] zu kämpfen (vgl. Guz 1977, S. 3; vgl. auch Rados 2007, S. 36). Diese dem Journalisten unfreiwillig zugeteilte Begleit- bzw. Kontrollperson kann im Extremfall dazu führen, dass sich der Aktionsradius des Korrespondenten auf wenige Meilen um einige Hotels reduziert, in denen Informationen nur spärlich zusammenlaufen. Das Resultat sind nicht selten die nach Foggensteiner definierten ,Hotelberichterstatter’[19], die ihren Aufenthaltsort in die Hotelbars verlegen oder alle ,Informationen’ für ihre Berichterstattung lediglich auf Pressekonferenzen sammeln, anstatt aktiv selbst zu reisen und unabhängig zu recherchieren (vgl. Ege 1992, S. 14). Kriegsreporter Schwilk (1991, S. 98) bestätigt dies für seinen Aufenthalt im Kriegsgebiet:

„Der Krieg fand für uns im Saale statt, vor den Fernsehgeräten im Ballsaal des International, und es erschien uns paradox, dass wir Journalisten, die wir dem Schauplatz so nahe waren, diesem letztendlich so fern bleiben wie die Zuschauer zu Hause.“

Wagt es der Reporter schließlich doch, seine Reisepläne zu Recherchezwecken in die Praxis umzusetzen, sollte er versuchen, einen vernünftigen bzw. verantwortungsbewussten Kompromiss zwischen eigener Sicherheit und Freiheit der Berichterstattung zu finden. Denn Vorkehrungen, die eine vermeintliche Sicherheit für den Reporter herstellen sollen, gehen oftmals auf Kosten der Freiheit der Berichterstattung, konstatiert Tilgner. Das Vorfahren in gepanzerten Fahrzeugen, das Auftreten mit bewaffneten Soldaten oder Leibwächtern sowie die Anmietung von kompletten Sicherheitspaketen führen zum Aufbau einer schier unüberwindbaren Kommunikationsbarriere zwischen der Zivilbevölkerung und dem Reporter, weil Reporter optisch häufig Soldaten ähneln (vgl. Bell 2007, S. 20). Problematisch ist, dass die Aussagekraft von Berichten, die aus sicherheitsrelevanten Aspekten in einem unnatürlichen Umfeld der Isolierung von der realen Außenwelt produziert worden sind, kein komplexes Gesamtbild der Situation darstellen können. Im Gegensatz dazu ist ein so genannter ‚low profile’-Auftritt zwar geeignet, potenzielle Kommunikationsbarrieren zu umgehen, allerdings birgt diese Taktik der Unauffälligkeit auch große Nachteile in sich, die sich primär aus der weitgehenden Wehrlosigkeit des Reporters gegenüber Angriffen ergeben. (Vgl. Tilgner 2008, S. 105)

[...]


[1] [Anm. d. Verf.] Aufgrund der vor allem in politischen und völkerrechtlichen Diskursen häufig umstrittenen, weil uneindeutigen Verwendung der Begriffe Konflikt, Krise und Krieg, wird in der gesamten Arbeit auf eine explizite definitorische Abgrenzung verzichtet und stattdessen hierfür stets der Oberbegriff „Krieg“ verwendet. Wenn also von Krieg, Kriegsberichterstattung oder von Kriegsberichterstattern die Rede ist, ist damit auch synonym die Krise, die Krisenberichterstattung bzw. der Krisenberichterstatter und der Konflikt, die Konfliktberichterstattung bzw. der Konfliktberichterstatter gemeint. Dies schließt alle verwandten Begriffe wie Kriegsreporter, Kriegsjournalist etc. ein; aus sprachökonomischen Gründen wird vermehrt die männliche Form personenbezogener Begriffe verwendet (Ausnahme: Kapitel IV.). Die weibliche Form ist im Ausarbeitungsprozess mitgedacht.

[2] [Anm. d. Verf.] Gemeint ist die Zeit nach dem Golfkrieg 1991.

[3] [Anm. d. Verf.] Untersuchungsobjekte dieser Arbeit sind nicht die Seiten der entsendenden Medien, die Felder des Rezipientenverhaltens (Publikumsforschung) sowie die Wirkung der „Messages“ (Medienwirkungsforschung). Ebenso werden historische Begebenheiten im Kontext von kriegerischen Auseinandersetzungen ausgeklammert, weil sie über das eigentliche Ziel der Arbeit hinausführen würden.

[4] [Anm. d. Verf.] Die einzelnen Kategorien der Kapitel III.1. bis III.5. sollen nicht als starre Systeme aufgefasst, sondern offen begriffen werden, weil zwischen ihnen Interdependenzen bestehen. Obwohl sich eine Trennung nicht immer konsequent durchhalten lässt, ist sie geeignet, um Schwerpunkte der einzelnen Abschnitte aufzuzeigen.

[5] [Anm. d. Verf.] ,Get it first, but first get it right’ war in den 20er-Jahren der Slogan der amerikanischen Nachrichtenagentur ,International News Service’ (kurz: INS), die im Jahre 1909 vom Zeitungsverleger William Randolph Hearst gegründet wurde.

[6] Nach Fengler und Ruß-Mohl existieren fünf idealtypische Journalistenbilder des ,Homo oeconomicus’: Erstens, die Karrieristen, bei denen Macht-, Einkommens- und Prestigemaximierung an erster Stelle stehen. Zweitens, die Bewahrer, denen Bequemlichkeit und Sicherheit am wichtigsten sind. Drittens, die Eiferer die im Sinne ihrer Überzeugung missionarisch aktiv werden. Viertens, die Staatsmänner, deren Fokus auf dem Wohl der Allgemeinheit liegt. Fünftens, die Advokaten, die als eine Art Anwalt je nach Einzelfall spezifische Interessenvertretung betreiben. (Vgl. Fengler/Ruß-Mohl 2005, S. 109)

[7] [Anm. d. Verf.] Diese Behauptung ist richtig, wenn man zugrunde legt, dass mit dem Ende des 2. Weltkrieges kein Krieg mehr auf dem Territorium der Bundesrepublik Deutschland geherrscht hat.

[8] Foggensteiner rechnet die Mehrzahl der Kriegsberichterstatter dieser zweiten Gruppe zu (vgl. Foggensteiner 1993, S. 55ff.).

[9] [Anm. d. Verf.] ,Freelancer’ ist der englische Begriff für einen freien/freischaffenden Journalisten, der für ein (Medien-) Unternehmen Aufträge ausführt, ohne fest in das Unternehmen eingegliedert zu sein.

[10] Auf normativer Ebene werden als professionelle Richtlinien für die journalistische Arbeit die Leitsätze des praktischen Journalismus nach Empfehlung des Deutschen Presserats (,Pressekodex’) herangezogen. Ereignisse dürfen demnach niemals interessengebunden vermittelt werden, sondern müssen distanziert, sachgerecht, objektiv, wahrheitsgetreu und umfassend dargestellt werden. Folglich müssen auch Meinungspluralitäten aufgegriffen und thematisiert werden. (Vgl. Presserat 2008)

[11] Dem Begriff „Qualität“ werden je nach Anwendungsgebiet vielfältige Bedeutungen zugesprochen, so dass dieser im Regelfall nicht klar umrissen werden kann. Im Kontext des Journalismus ist Qualität unter anderem abhängig vom jeweiligen Medium, vom Rollenverständnis des Journalisten, von der Funktion des Journalismus, vom Publikum sowie vom Genre und von der Aktualität bzw. Periodizität des Mediums (vgl. Gleich 2003, S. 139f.) Die Frage nach journalistischer Qualität und Qualitätssicherung ist insbesondere durch die zunehmende Ausrichtung der Medienunternehmen nach ökonomischen Prinzipien zu einem Dauerthema in der wissenschaftlichen Qualitätsdebatte geworden, weil unter diesen Umständen die Umsetzung von Qualitätskriterien wie ,Richtigkeit’, ,Vollständigkeit’, ‚Wahrhaftigkeit’ und ,Verschiedenartigkeit’ in der publizistischen Praxis erschwert wird (vgl. Pöttker 2000, S. 382 ff.).

[12] Überweisungen auf Banken in Kriegsgebieten sind unsicher, deshalb sollten alle Teammitglieder mit ausreichend Bargeld ausgestattet werden. Dies zieht nach sich, dass die Gefahr für den Reporter wächst, Opfer eines Raubüberfalles zu werden, weil Korrespondenten „der Ruf wandelnder Geldsäcke vorauseilt“ (Brase 2008, S. 44).

[13] Laut der Organisation ,Reporters Without Borders’ sind im Jahr 2010 weltweit bereits 35 Journalisten (Stand: 26.10.10) ums Leben gekommen (vgl. Reporters Without Borders 2010).

[14] Thematische Schwerpunkte der mindestens ein- bis maximal sechstätigen Ausbildung sind unter anderem: Erste Hilfe, Verhalten unter Kampfmittelbedrohung, Gewöhnen an Gefechtseindrücke, Verhalten unter Beschuss (Schutz und Deckung), Orientieren im Gelände mit Karte, Kompass und GPS, Minenkunde, Rollenspiele sowie psychische und physische Robustheitsausbildung. Ein ,Ablaufplan’ des Journalisten-Lehrgangs der Deutschen Bundeswehr ist online abrufbar unter: http://vnausbzbw.de/Doc/Ablaufplan_Journalisten.pdf (Stand: 13.10.10).

[15] Ein- und Ausreisebestimmungen sind souveränes Recht des Staates, folglich kann bei einer Einreiseverweigerung kein Einspruch auf dem Rechtsweg erhoben werden (vgl. Guz 1977, S. 4 ff.).

[16] Eine „Akkreditierung“ erfolgt oftmals nach Erhalt einer Einladung, wodurch der Journalist als Gast im fremden Land registriert ist. Die Bescheinigung ist eine Art Eintrittskarte, die in Form einer Arbeitsgenehmigung in der Regel von der Regierung, dem Verteidigungsministerium oder militärischen Organisationen ausgehändigt wird. Das beglaubigte Schreiben autorisiert Journalisten, sich im jeweiligen Kriegsgebiete und an der Front zu bewegen. Ein Arbeitsverbot herrscht für alle, die nicht im Besitz einer Akkreditierung sind. (Vgl. Foggensteiner 1993, S. 69)

[17] Das ,Genfer Abkommen’ über den Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten schützt in Anlehnung an Artikel 19 und Artikel 79 auch Journalisten (vgl. Genfer Abkommen 1949). [Anm. d. Verf.] Auf weitere internationale presserechtliche Vereinbarungen bzw. Grundlagen, die den Schutz von journalistischer Arbeit in Bezug auf die Tätigkeit im Krieg ermöglichen sollen, wird an dieser Stelle nicht im Detail eingegangen, weil jeder Staat über die Reichweite seiner Rechtspolitik selbst entscheiden kann und internationale Regelungen folglich oftmals wenig oder keine (schützende) Wirkung haben.

[18] [Anm. d. Verf.] Als offizielle Begleiter von Journalisten werden beispielsweise Presseoffiziere oder Dolmetscher eingesetzt.

[19] Zur Definition des Begriffs siehe Kapitel II.2.1.

Details

Seiten
187
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783842833852
Dateigröße
2.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v229253
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Geistes- und Kulturwissenschaftliche Fakultät
Note
1,0
Schlagworte
kriegsreporter auslandsberichterstattung reporter krise krieg

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Krisen- und Kriegsberichterstatter zwischen Mythos und Arbeitsrealität: Eine quantitative Kommunikatorstudie zu deutschsprachigen Auslandskorrespondenten in weltweiten Krisen- und Kriegsgebieten