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Qualitatives und quantitatives Sekundärrohstoffpotential von Seltenen Erden in LCD-Fernsehern

Diplomarbeit 2012 113 Seiten

Ingenieurwissenschaften - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Hintergrund
1.2 Zielstellung
1.3 Vorgehen

2. Mengenübersichten

3. Funktionsaufbau LCD-Fernseher
3.1 Display
3.1.1 Normally-black-Modus und normally-white-Modus
3.1.2 Aktivmatrix Flüssigkristalldisplay
3.1.3 Passivmatrix-Flüssigkristalldisplay
3.2 Polarisationsfilter
3.3 Diffusor- und Prismenfolien
3.4 Farbfilter
3.5 Hintergrundbeleuchtung
3.6 Platinen
3.7 Lautsprecher

4. Stoffe und Elemente
4.1 Edelmetalle und strategische Metalle
4.2 Seltene Erden
4.2.1 Yttrium
4.2.2 Europium
4.2.3 Cer
4.2.4 Terbium
4.2.5 Neodym
4.2.6 Praseodym
4.2.7 Gadolinium
4.2.8 Lanthan
4.3 Weitere Stoffe

5. Material und Methoden
5.1 Demontage
5.2 Beprobung
5.3 Aufschluss
5.4 Röntgenfluoreszenzanalyse
5.5 Atomabsorptionsspektrometrie
5.6 Massenspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma
5.7 Photometer
5.8 Fließinjektions-Quecksilber-Kaltdampf-System
5.9 Geräte

6. Ergebnisse
6.1 Analyseergebnisse der Leuchtstoffröhren
6.2 Analyseergebnisse des Displayglases
6.3 Analyseergebnisse der LEDs
6.4 Analyseergebnisse der Magnete
6.5 Analyseergebnisse der Platinen
6.6 Gesamtmenge Seltene Erden je LCD-Fernseher

7. Interpretation
7.1 Übereinstimmung mit der Literaturrecherche
7.2 Fehleranalyse

8. Ausblick

9. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 2.1: Anteil ausgewählter Elektronikprodukte am Konsumelektronikumsatz im Jahr 2009 in Deutschland (Statista GmbH, 2010)

Abbildung 2.2: Weltweite Marktentwicklung bei Fernsehern nach Technologien(Camaroto, 2010)

Abbildung 3.1: Übersicht über Fernsehertechnologien

Abbildung 3.2: Aufbau AM-LCD (AV Deals, 2010)

Abbildung 3.3: Aufbau eines Dünnschichttransistors (Görrn, 2008)

Abbildung 3.4: Flüssigkristalle in einer MVA-Zelle mit und ohne Spannung (Gu, 2011)

Abbildung 3.5: PVA-Flüssigkristallzelle mit und ohne Spannung (Gu, 2011)

Abbildung 3.6: Flüssigkristalle in spannungsloser IPS-Zelle (Gu, 2011)

Abbildung 3.7: Flüssigkristall in IPS-Zelle mit angelegter Spannung (Gu, 2011)

Abbildung 3.8: Passivmatrix-LCD (Lohmann, 2008)

Abbildung 3.9: Farbfilter auf Displayglas

Abbildung 3.10: Additive Farbmischung und Mischfarben durch Pixel (Apolin, 2011)

Abbildung 3.11: SMD-LEDs

Abbildung 3.12: Aufbau Direkt-LED- und Rand-LED-Beleuchtung (Rambus Inc.,

2011)

Abbildung 3.13: Leuchtstoffröhren auf einer Displayrückwand

Abbildung 3.14: Aufbau CCFL-Röhre (Jacobi, 2011)

Abbildung 3.15: LCD-TV-Marktanteil nach Hintergrundbeleuchtung (Camaroto, 2010)

Abbildung 3.16: Platinen aus LCD-Fernsehern

Abbildung 3.17: Seitenansicht eines dynamischen Lautsprechers (Webers, 2011)

Abbildung 4.1: Elementares Indium (Kummer, 2011)

Abbildung 4.2: Indiumverbrauch nach Einsatzgebieten in metrischen Tonnen (European

Commission, 2010)

Abbildung 4.3: Lagerstätten und Förderung von Seltenen Erden weltweit (Öko-Institut e.V., 2011)

Abbildung 4.4: Monazit und Bastnäsit (Schorn, 2011)

Abbildung 4.5: Elementares Yttrium (Kummer, 2011)

Abbildung 4.6: Europium in schwach oxidiertem Zustand (Kummer, 2011)

Abbildung 4.7: Europium in stark oxidiertem Zustand (Schorn, 2011)

Abbildung 4.8: Cer unter Argonatmosphäre (Kummer, 2011)

Abbildung 4.9: Elementares Terbium (Kummer, 2011)

Abbildung 4.10: Terbiumoxid (Tb4O7) (Seilnacht, 2011)

Abbildung 4.11: Elementares Neodym unter Argonathmosphäre (Kummer, 2011)

Abbildung 4.12: Absorptionsspektrum Neodym (Petty, 2011)

Abbildung 4.13: Elementares Praseodym (Kummer, 2011)

Abbildung 4.14: Elementares Gadolinium (Kummer, 2011)

Abbildung 4.15: Elementares Lanthan (Kummer, 2011)

Abbildung 4.16: Strukturformel Cholesterylbenzoat (Blume, 2008)

Abbildung 4.17: LCD-Abfallglas (Wang, 2010)

Abbildung 5.1: Demontage Rückwand und Standfuß

Abbildung 5.2: Geöffneter LCD-Fernseher

Abbildung 5.3: Freigelegtes Panel

Abbildung 5.4: Displayfolien und Hintergrundbeleuchtung

Abbildung 5.5: Mikrowelle

Abbildung 5.6: Aufschlussbehältnisse im Probendrehteller

Abbildung 5.7: Röntgenfluoreszenzanalysator

Abbildung 5.8: Flammen-Atomabsorptionsspektrometer

Abbildung 6.1: RFA-Spektrum von Leuchtstoffpulver

Abbildung 6.2: RFA-Spektrum eines ganzen Stückes einer Leuchtstoffröhre

Abbildung 6.3: RFA-Spektrum eines Leuchtstoffröhrenglases

Abbildung 6.4: Gesamtgehalt an Yttrium im Leuchtstoff pro Fernseher

Abbildung 6.5: Gesamtgehalt an Europium im Leuchtstoff pro Fernseher

Abbildung 6.6: Gesamtgehalt an Lanthan im Leuchtstoff pro Fernseher

Abbildung 6.7: Gesamtgehalt an Y, Eu, La im Leuchtstoff pro LCD-Fernseher

Abbildung 6.8:Gehalt Yttrium, Europium und Lanthan in CCFL-Röhren pro LCD-

Abbildung 6.9: RFA-Spektrum Displayglas

Abbildung 6.10: RFA-Spektrum Displayglas Frontseite

Abbildung 6.11: Permanentmagnete, links nicht neodymhaltig, rechts Neodym-Eisen-

Abbildung 6.12: RFA-Spektrum eines Permanentmagneten

Abbildung 6.13: Neodym-Gehalt in den Permanentmagneten pro LCD-Fernseher

Abbildung 6.14: Praseodym-Gehalt in den Permanentmagneten pro LCD-Fernseher

Abbildung 6.15: Dysprosium-Gehalt in den Permanentmagneten pro LCD-Fernseher

Abbildung 6.16: Gesamtgehalt an Neodym, Praseodym und Dysprosium in den

Abbildung 6.17: Gehalt von Neodym, Praseodym und Dysprosium in den

Abbildung 6.18: Mappingausschnitt einer Platine

Abbildung 6.19: Elementverteilung Zinn

Abbildung 6.20: Elementverteilung Nickel

Abbildung 6.21: Elementverteilung Kupfer

Abbildung 6.22: RFA-Spektrum eines Platinenbauteils

Abbildung 6.23: Gesamtgehalte an Yttrium, Europium, Lanthan, Neodym, Praseodym

Tabellenverzeichnis

Tabelle 3.1: Elementzusammensetzung Neodym-Eisen-Bor-Magnete (Schatt, et al., 2007)

Tabelle 4.1: Elementgehalt im Mineral Monazit (Schorn, et al., 2011)

Tabelle 4.2: Elementgehalt im Mineral Bastnäsit (Schorn, et al., 2011)

Tabelle 4.3: Basismaterialien für Leiterplatten

Tabelle 5.1 Probenübersicht LCD-Fernseher

Tabelle 5.2: Nachweisgrenzen für Seltene Erden in AAS (Welz, 1983) und erreichte Nachweisgrenzen bei den Versuchen

Tabelle 5.3: Geräte

Tabelle 6.1 Messungen Leuchtstoffpulver

Tabelle 6.2 Elementgehalt in 20 SMD-LEDs

1. Einleitung

1.1 Hintergrund

Das effektive stoffliche Recycling von Fernsehern mit Flüssigkristalldisplay (LCD) ist aufgrund der national und international steigenden Verkaufszahlen sowohl ökologisch als auch ökonomisch notwendig. Aus ökologischer Sicht muss einer unsachgerechten Entsorgung oder Verbringung von LCD-Fernsehern vorgebeugt werden, um Schäden für Mensch und Natur durch austretende Schadstoffe, wie zum Beispiel Quecksilber, zu verhindern. Darüber hinaus soll der Verlust von Wertstoffen vermieden und diese als Sekundärrohstoffe in den nationalen Rohstoffkreislauf zurückgeführt werden (Martens, 2011). Bei der Verbringung von LCD-Fernsehern in andere Länder entsteht durch den Abzug der enthaltenen Rohstoffe ein ökonomischer Schaden. Insbesondere in Anbetracht der Rohstoffarmut in Deutschland ist auf eine nachhaltige Behandlung von Ressourcen zu achten. Unter wirtschaftlichen Aspekten gilt dies vor allem für teure Rohstoffe wie die Seltenen Erden, aber auch Edelmetalle und seltene, strategische Metalle wie Indium (Forschungsinstitut Edelmetalle und Metallchemie, Institut für Energie- und Umwelttechnik e.V., 2011).

LCD-Fernseher gehören im Bereich der Elektronikaltgeräte nach dem ‚Gesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten‘ (ElektroG) zur Kategorie 4, welche in Sammelgruppe 3 erfasst werden. In dieser Gruppe werden Geräte der Unterhaltungselektronik sowie der Informations- und Telekommunikationstechnik gemischt gesammelt (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, 2007). Der Gewichtsanteil der Fernseher in dieser Gruppe beträgt 45 % (Stiftung elektro-altgeräte register, 2011). Der Massenanteil der Fernseher wird jedoch in Zukunft mit der zunehmenden Anzahl von LCD-Fernsehern an der Gesamtentsorgungszahl sinken, da LCD-Fernseher bei gleicher Bildschirmdiagonale nur etwa ein Drittel von einem Kathodenstrahlröhren-(CRT-)Fernseher wiegen (Behrendt, et al., 2004). Die Verwertungsquote dieser Gruppe ist im ElektroG, auf 75 %, bezogen auf das Gesamtgewicht, festgeschrieben. Die Quote des stofflichen Recyclings soll 65 Gewichtsprozent betragen (Bundesjustizministerium, 2011). Bisher werden LCD-Fernseher nur exemplarisch in einzelnen Werkstätten, wie denen des Verbandes für Jugendhilfe in Berlin, manuell zerlegt und sämtliche Bestandteile einer weiteren Verwertung zugeführt (Rosenek, 2011). Im industriellen Maßstab werden LCD-Fernseher meist durch Schredderverfahren zerkleinert und die mengenmäßig größten Fraktionen (Eisenmetalle, Kunststoffe) einer roh-, bzw. werkstofflichen Verwertung, oder insbesondere die Kunststofffraktion einer thermischen Behandlung, zugeführt. Nach einer in der Schweiz durchgeführten Studie wird ein großer Anteil an LCD-Fernsehern der thermischen Entsorgung zugeführt, da es an anderen Entsorgungs-, beziehungsweise Recyclingmöglichkeiten mangelt (Böni, et al., 2011).

1.2 Zielstellung

Ziel der Diplomarbeit ist es, die wissenschaftliche Grundlage für die Entwicklung effizienter Recyclingverfahren für LCD-Fernseher zu schaffen. Der Fokus liegt dabei besonders auf den enthaltenen Seltenen Erden, sowie Edelmetallen und strategischen Metallen. Die Bauteile der LCD-Fernseher sollen auf die Elemente dieser Gruppen qualitativ und quantitativ untersucht werden. Durch die Analysen werden empirische Daten über Aufbau, Elementzusammensetzung und Entsorgungsmengen gewonnen. Gesondert betrachtet werden die Auswirkungen von verschiedenen Technologien, wie z.B. unterschiedliche Beleuchtungssysteme, auf die Stoffzusammensetzung. Ebenfalls sollen Unterschiede im Elementgehalt und Aufbau von LCD-Fernsehern gleicher Technologie, aber unterschiedlicher Hersteller und Produktionsjahre herausgearbeitet werden.

Bei Analysen soll erst eine geringe Anzahl von Proben verschiedener Bauteile, in denen Seltene Erden vermutet werden, quantitativ untersucht. Wenn sich Seltene Erden nachweisen lassen, werden umfangreichere Untersuchungen durchgeführt. Auf Basis der Analyseergebnisse werden Hochrechnungen durchgeführt, welche Menge an Seltenen Erden in den einzelnen Bauteilen und pro LCD-Fernseher enthalten ist. Ziel soll eine Übersicht der Inhaltsstoffe sein, die auf empirischen Daten basiert. Auf dieser Grundlage können die aus der Literaturrecherche gewonnen Werte und Aussagen kritisch überprüft werden.

1.3 Vorgehen

Um die Datengrundlage und das Fachwissen für die empirischen Analysen und mögliche Recyclingverfahren zu schaffen, wird zuerst eine umfassende Literaturrecherche durchgeführt. Dadurch sollen Annahmen getroffen werden, welche Elemente in den LCD-Fernsehern enthalten sind, wie groß die enthaltene Menge eingeschätzt wird und in welchen Bauteilen sich für eine Rückgewinnung relevante Mengen befinden. Anschließend werden auf dieser Basis Bauteile ausgewählt und die passende Methodik für Zerkleinerung, Aufschluss und Analytik bestimmt. Danach lässt sich auf empirischem Weg der tatsächliche Gehalt an Seltenen Erden in LCD-Fernsehern quantitativ und qualitativ ermitteln.

2. Mengenübersichten

Um das Recyclingpotential von LCD-Fernsehern abzuschätzen, ist es notwendig die vorhandene Menge an LCD-Fernsehern zu kennen. Darüber hinaus ist besonders die tatsächlich zum Recycling verfügbare Anzahl an LCD-Fernsehern aussagekräftig. Diese wird durch legale und illegale Exporte, falsche Entsorgung, sowie dem Horten ungenutzter Elektrogeräte erheblich verändert und mit ihr auch das Potential zur Gewinnung von Sekundärrohstoffen (Martens, 2011).

Produktionsmengen von LCD-Fernsehern (Deutschland/weltweit)

In Deutschland werden LCD-Fernseher nur von den Unternehmen Loewe, Metz und Technisat produziert, beziehungsweise aus vorgefertigten Bauteilen zusammengebaut (Geyer, 2011). Bei den LCD-Fernsehern anderer Hersteller kann davon ausgegangen werden, dass sie im Ausland produziert werden. Der Marktführer Samsung produziert sämtliche Fernseher in seinen Werken in der Slowakei (Forster, 2011). Führend in der Fertigung von Dünnschichttransistor-(TFT)-LCDs sind Taiwan und Korea mit je ca. 40 % Marktanteil, danach folgt Japan mit 15 % (Optech consulting Arnold Mayer, 2007). Diese Dominanz bei der Fertigung von TFT-LCDs lässt sich auch auf die Produktion von LCD-Fernsehern übertragen, da hier mengenmäßig der größte Anteil an TFT-LCDs Verwendung findet.

Verkaufsmengen von LCD-Fernsehern (Deutschland/weltweit)

Die Gesamtverkaufsmenge von LCD-Fernsehern in Deutschland liegt laut dem „Consumer Electronics Marktindex“ 2010 bei 8,26 Millionen verkauften LCD- Fernsehern (gfu, BVT e.V. GfK, 2010), was einem Plus von 9,3 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Wie aus Abbildung 2.1 ersichtlich liegt der Umsatz, der durch LCD-Fernseher erzielt wird, mit 48 % deutlich vor dem Umsatz der in anderen Sparten der Konsumelektronik erreicht wird. Der Umsatz mit Plasmafernsehern ist mit 7 % deutlich geringer.

Abbildung 2.1: Anteil ausgewählter Elektronikprodukte am Konsumelektronikumsatz im Jahr 2009 in Deutschland (Statista GmbH, 2010)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die weltweite Verkaufsmenge von Fernsehern ist in Abbildung 2.2 nach Technologien aufgegliedert dargestellt. Weltweit lagen die Verkaufszahlen 2010 für LCD-Fernseher bei etwa 190 Millionen Stück. Bezogen auf die Gesamtverkaufszahlen von Fernsehern, beträgt der Anteil von LCD-Fernsehern etwa 80 %. Die Anzahl der verkauften CRT-Fernseher sinkt seit 2004 kontinuierlich und hat 2010 einen Wert von etwa 35 Millionen erreicht. Bis 2013 wird erwartet, dass die Verkaufszahlen von CRT-Fernsehern auf 10 Millionen sinken. Bei den Plasma-Fernsehern liegt der Wert über die letzten Jahre hinweg konstant bei etwa 20 Millionen Stück. Marktführer im Bereich aller LCDs sind im weltweiten Vergleich Samsung, LG, Philips, sowie AUO (Optech consulting Arnold Mayer, 2007).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.2: Weltweite Marktentwicklung bei Fernsehern nach Technologien (Camaroto, 2010)

Entsorgungsmengen LCD-Fernseher (Deutschland)

Die Anzahl der zu entsorgenden LCD-Fernseher wird in den nächsten Jahren auf ein Vielfaches steigen. Im Jahr 2010 waren 36,7 % der deutschen Haushalte mit mindestens einem Flachbildfernseher ausgestattet (Statistisches Bundesamt, 2011). Die Anzahl der Flachbildschirmfernseher in deutschen Haushalten liegt 2011 in Deutschland bei etwa 23 Millionen (Flamme, 2011). Von den Verkaufszahlen hoch gerechnet sind davon 20,39 Millionen LCD-Fernseher (dpa, 2008). Bei einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von acht bis neun Jahren ist 2018 mit etwa 8 Millionen LCD-Fernsehern zur Entsorgung zu rechnen. (Flamme, 2011) (Tema Nord, 2009). Zu berücksichtigen ist jedoch auch, dass laut Umweltbundesamt nur 37 % der in den Verkehr gebrachten Elektrogeräte wieder zur Entsorgung erfasst werden. Die Verluste erklären sich durch illegale Exporte, private Weiterverwendung und Lagerung, unsachgemäße Entsorgung, sowie Diebstahl zur Entsorgung bereitgestellter Geräte (Bayerisches Landesamt für Umwelt, 2011). Die Gesamtexportmenge von Elektroaltgeräten lag 2008 zwischen 93.000 t (Annahme, dass mehrheitlich der Export angemeldet wurde) und 216.000 t (Annahme, dass der Export mehrheitlich nicht angemeldet wurde). Der Anteil der Fernsehgeräte lag bei 30 bis 40 % gemessen an der Gesamtzahl der aus Deutschland exportierten Elektroaltgeräte (Sander, et al., 2010).

3. Funktionsaufbau LCD-Fernseher

Ein LCD-Fernseher besteht aus der Displaypartie, der elektrischen Steuerung, der Hintergrundbeleuchtung und dem Gehäuse. Bei LCD-Fernsehern steuern die Elektroden der Feldeffekt-Transistoren die Ausrichtung der Flüssigkristalle im Display. Dadurch wird die Lichtmenge reguliert, die von der Beleuchtungsquelle durch die Farb- und Polarisationsfilter dringt und auf dem Display als Bild erscheint.

3.1 Display

Für Fernsehdisplays existieren viele verschiedene Technologien. Eine Übersicht der grundsätzlichen Technologien und eine Differenzierung der LCD-Varianten sind in Abbildung 3.1 dargestellt. Bis 2007 dominierten CRT-Fernseher den Verkaufsmarkt von Fernsehern, ab 2008 gewinnen die neueren Technologien LC und Plasma an Bedeutung. Kleine Displays die mit organischen lichtemittierenden-Dioden (OLED) arbeiten, sind bereits auf dem Markt. An der effektiven Nutzung von OLEDs für große Displays, wie Fernseher wird noch geforscht (Haberlag, et al., 2006). Die hier ausführlich betrachtete Technologie der LCD-Fernseher unterteilt sich wiederum in unterschiedliche technische Methoden, welche sich in Art, Orientierung und Ansteuerung der Flüssigkristalle sowie Anordnung der Polarisationsfilter unterscheiden.

Abbildung 3.1: Übersicht über Fernsehertechnologien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grundsätzlich bestehen alle Flüssigkristalldisplays aus einer nematischen Zelle zwischen zwei Glasplatten, die von Elektroden angesteuert wird. Die beiden Glasplatten werden so aufeinander befestigt, dass zwischen ihnen - durch eine Abstandshalterfolie - ein Zwischenraum von 5 µm bleibt, in welchem sich die Flüssigkristalle befinden (Fülleborn, 2002). Die so entstandene nematische Zelle wird von einer Hintergrundbeleuchtung durchstrahlt und das Licht je nach Ansteuerung, Art der Flüssigkristalle sowie Konditionierung der Orientierungsschicht gedreht. Hinzukommen Filter, die das Licht streuen, färben und polarisieren.

3.1.1 Normally-black-Modus und normally-white-Modus

Grundsätzlich können alle LCD-Technologien in Fernsehern gleichermaßen als normally-black-Displays und als normally-white-Displays hergestellt werden. Bei den normally-black-Displays sind die Polarisationsfilter so angeordnet, dass das Licht, bei nicht angelegter Spannung von den Flüssigkristallen nicht so gedreht wird, dass es den zweiten Polarisationsfilter passieren kann. Das Display ist also ohne angelegte Spannung schwarz. Normally-white-Displays sind ohne angelegte Spannung weiß. Die Polarisationsfilter sind so angeordnet, dass das Licht nach Durchdringen der Flüssigkristalle auch den zweiten Polarisationsfilter ungehindert passieren kann. Die Polarisationsfilter sind in Abhängigkeit vom Drehwinkel der Flüssigkristallzelle parallel oder um 90° verdreht zueinander angeordnet.

Die Entscheidung für die Produktion eines normally-black-Displays oder eines normally-white-Displays wird meist aufgrund des besseren Kontrastwertes getroffen. Der maximal zu erreichende Kontrast lässt sich über Gleichung 1 berechnen.

(Gleichung 1)

Tmax - maximale Transmission

Tmin - minimale Transmission

Cmax - maximaler Kontrast

Bei den vertikal ausgerichteten (VA-) Flüssigkristallzellen, die am meisten in LCD-Fernsehern eingesetzt werden, verändern die Flüssigkristalle im spannungslosen Zustand die Polarisationsrichtung des Lichtes nicht. Das Licht passiert die Flüssigkristalle also ungehindert. Um einen guten Schwarzwert zu erreichen, werden VA-LCD-Fernseher bevorzugt im normally-black-Modus hergestellt, das heißt die Polarisationsfilter sind zueinander um 90° verdreht angeordnet. Dadurch ist sowohl der Schwarzwert, als auch der Helligkeitswert maximiert, da von den Flüssigkristallen keine Wellenlängen absorbiert werden. Dies äußert sich durch einen optimalen Kontrast (Lüder, 2010).

Bei TN-Flüssigkristallzellen wird bevorzugt der normally-white-Modus gewählt, da beim normally-black-Modus der Schwarzwert sehr schlecht ist. Dies kommt daher, dass die Flüssigkristalle ohne angelegte Spannung nur bestimmte Wellenlängen des weißen Lichtes der Hintergrundbeleuchtung blockieren, aber benachbarte Wellenlängen passieren lassen. Dadurch ist der Schwarzwert geringer als beim normally-white-Display, der das Licht durch den Polarisationsfilter vollständig blockiert (Lüder, 2010).

3.1.2 Aktivmatrix Flüssigkristalldisplay

Der entscheidende Unterschied in der Konstruktion von Aktiv- und Passivmatrix-Flüssigkristalldisplays (AM-LCD und PM-LCD) liegt in der elektronischen Ansteuerung der Flüssigkristalle. Der schematische Aufbau eines AM-LCD ist in Abbildung 3.2 skizziert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.2: Aufbau AM-LCD (AV Deals, 2010)

Bei AM-LCD wird jeder Pixel einzeln von je einem Transistor angesteuert. Dies erfolgt zumeist durch Dünnschichttransistoren (TFTs). Der schematische Aufbau eines Dünnschichttransistors ist in Abbildung 3.3 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.3: Aufbau eines Dünnschichttransistors (Görrn, 2008)

Die Trägerschicht der TFTs ist bei großen Displays, wie Fernsehern, zumeist aus amorphem Silizium aufgebaut (Geoinformatik, 2003). Dieses ist kostengünstig herzustellen und durch viele Hersteller ist die Versorgung gut abgesichert. Nachteil des amorphen Siliziums ist eine geringe Persistenz gegenüber einer Dauerbelastung mit Gleichstrom. Allerdings ist diese Eigenschaft nachrangig bei LCD-Fernsehern, da das amorphe Silizium dort als Schalter verwendet wird und deshalb nur in kurzen Intervallen Strom leitet (Lehrstuhl für Bildschirmtechnik, 2011). Bei LCD-Fernsehern kann der Bildkontrast einen Wert bis zu 200:1 erreichen (Bauer, et al., 2003). AM-LCDs werden auf Grundlage verschiedener Technologieformen im Bereich der Flüssigkristalle gebaut.

Vertikal ausgerichtete Flüssigkristallzelle

Die VA-LCDs machen mit 61 % den größten Anteil an LCD-Fernsehern aus. Diese LCD-Sorte fasst die sehr ähnlichen Technologien der vertikal ausgerichteten Multi-Domänen Flüssigkristallzelle (MVA) und der gemusterten vertikal ausgerichteten Flüssigkristallzelle (PVA) zusammen (Hauptfleisch, 2010). Bei den MVA-LCDs werden die Kunststoffplatten mit kleinen, spitz zulaufenden Ausbuchtungen gefertigt, welche dazu beitragen, dass sich die homöotrop orientierten Flüssigkristalle ohne Kreuzungspunkte von der senkrechten Ausrichtung ohne Strom, zur horizontalen Ausrichtung bei angelegter Spannung bewegen, dieser Mechanismus ist in Abbildung 3.4 dargestellt (Merck KGaA, 2011).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.4: Flüssigkristalle in einer MVA-Zelle mit und ohne Spannung (Gu, 2011)

Bei PVA-LCDs befinden sich die Flüssigkristalle im spannungslosen Zustand ebenfalls senkrecht zur Displayoberfläche des Fernsehers. Hier sind die Elektroden jedoch auf den innenliegenden Seiten der Flüssigkristallzelle im Zick-Zack-Muster angeordnet und schaffen so konvexe elektrische Felder, zu deren Feldlinien sich die Flüssigkristalle senkrecht ausrichten, siehe Abbildung 3.6 (Gu, 2011).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.5: PVA-Flüssigkristallzelle mit und ohne Spannung (Gu, 2011)

VA-Displays werden meist im normally-black-Modus hergestellt, da sich durch die senkrechte Anordnung der Flüssigkristalle im spannungslosen Zustand ein sehr tiefes Schwarz erzeugen lässt, wodurch sehr gute Kontrastwerte von mehr als 500:1 erreicht werden (Heckmeier, et al., 2002) (Lüder, 2010).

In der Ebene und im Randbereich schaltende Flüssigkristallzellen

Die in der Ebene schaltende Flüssigkristallzelle (IPS-Flüssigkristallzelle) und die im Randbereich schaltende Flüssigkristallzelle (FFS-Flüssigkristallzelle) machen 25 % der angewendeten Technologien in LCD-Fernsehern aus (Hauptfleisch, 2010). Auf das Displayglas wird ein etwa 80 nm dicker Polymerfilm appliziert (Ge, et al., 2010). Dieser wird durch Reibung so konditioniert, dass Rillen entstehen, die als Orientierungsschicht dienen. Das heißt, die Flüssigkristalle richten sich entsprechend der Rillen aus. Die beiden Teile des Displays werden so aufeinander befestigt, dass die Rillen parallel ausgerichtet sind. Die Orientierung der Rille ist um 45° gegenüber den Elektroden verdreht. Im spannungslosen Zustand sind die Flüssigkristalle in der IPS-Zelle entsprechend der Reiberichtung der Polymerschicht im 45°-Winkel ausgerichtet (Gu, 2011). Die Drauf- und Seitenansicht eines Flüssigkristalls in einer spannungslosen IPS-Zelle ist in Abbildung 3.6 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.6: Flüssigkristalle in spannungsloser IPS-Zelle (Gu, 2011)

Bei der IPS-Zelle wird die Spannung parallel zur Displayoberfläche angelegt. Die Flüssigkristalle richten sich dann entsprechend des elektrischen Feldes senkrecht zur Displayoberfläche aus. Die Ausrichtung und das elektrische Feld (orange) sind in Abbildung 3.7 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.7: Flüssigkristall in IPS-Zelle mit angelegter Spannung (Gu, 2011)

Nematische Flüssigkristalldrehzelle

Die TN-Flüssigkristallzelle, auch Schadt-Helfrich-Zelle genannt, ist die Ursprungstechnologie für LCD-Fernseher. In Form der TN-Flüssigkristallzelle macht sie jedoch nur noch 14 % bei den LCD-Fernsehern aus. Diese eher geringe Bedeutung liegt im sehr kleinen Betrachtungswinkel begründet. Die Technologie findet deshalb vorwiegend Einsatz bei kleinen und mittelgroßen LCDs. Bei dieser Form der Flüssigkristallzelle wird wiederum ein etwa 80 nm dicker Polymerfilm auf das Displayglas aufgebracht. Durch Reibung wird eine Rillenstruktur in der Polymerschicht erzeugt, welche als Orientierungsschicht für die anschließend aufgebrachten Flüssigkristalle dient (Ge, et al., 2010). Die Vorder- und Rückseite des Displays werden so aufeinander befestigt, dass die Orientierung der Rillen auf dem Polymerfilm um 90° verdreht ist (Heckmeier, et al., 2002) (Fülleborn, 2002) (Mahler, 2005).

3.1.3 Passivmatrix-Flüssigkristalldisplay

Bei PM-LCDs wird die Flüssigkristallzelle zeilen- und spaltenweise von Elektroden gesteuert. Diese Elektroden befinden sich auf dem vorderen und hinteren Displayglas und ergeben zusammen ein Gitter mit der Flüssigkristallschicht in der Mitte. Ein Schema des Aufbaus findet sich in Abbildung 3.8. An den Kreuzungspunkten der Zeilen- und Spaltenelektroden ergibt sich ein starkes elektrisches Feld, welches die Flüssigkristalle ausrichtet. Nachdem das elektrische Feld aufgehoben wurde, verlieren die Flüssigkristalle ihre erzwungene Ausrichtung wieder. Um diesen Effekt zu vermindern, werden träge Flüssigkristalle eingesetzt, die jedoch bei schnellen Bildbewegungen durch ihre Trägheit ein ‚Nachziehen‘ verursachen (Geoinformatik, 2003). Ein weiterer Nachteil des zeilenweisen Ansteuerns ist das elektrische Feld, das durch die Elektroden an ungewollten Stellen entsteht und die Kontraststärke des Bildes vermindert und sich kaum über 20:1 steigern lässt (Bauer, et al., 2003).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.8: Passivmatrix-LCD (Lohmann, 2008)

PM-LCD-Fernseher beruhen stets auf mehr als 90° verdrillten Flüssigkristallen in der nematischen Phase. Formen sind die nematische super Drehzelle (STN), die nematische doppelt super Drehzelle (DSTN) und die nematische dreifach super Drehzelle (TSTN). Die STN-LCDs enthalten Flüssigkristalle, die durch zusätzliche Wirkung der Reiberichtung eine Verdrillung von 170 bis 270° erreichen (Mahler, 2005). Ein LCD-Fernseher mit einer DSTN-Schicht besteht aus zwei STN-Schichten, die übereinander aufgetragen sind und das Licht jeweils um 270° drehen. Die Drehrichtungen der beiden Schichten sind gegenläufig (Weber, et al., 2008). Insgesamt ist die Bedeutung von PM-LCD-Fernsehern eher gering. Alle für die vorliegende Diplomarbeit untersuchten Fernsehgeräte waren TFT-AM-LCD-Fernseher.

3.2 Polarisationsfilter

Der Polarisationsfilter filtert das Licht der Beleuchtungsquelle so, dass nur noch Licht einer Ebene in die Flüssigkristallzelle dringt. Die Flüssigkristalle drehen dann je nach Art der Flüssigkristallzelle und angelegtem elektrischen Feld das polarisierte Licht. Das Licht muss dann den zweiten Polarisationsfilter passieren, damit die Bildpunkte auf dem Display sichtbar werden. Dies geschieht beim normally-white-Display, wenn keine Spannung angelegt ist, beim normally-black-Display wenn Spannung an der Flüssigkristallzelle anliegt.

3.3 Diffusor- und Prismenfolien

Zwischen Hintergrundbeleuchtung und Display sind mehrere Folien eingearbeitet. Vor den Leuchtstoffröhren befindet sich als erstes eine Diffusorfolie oder auch eine Diffusorplatte. Diese bestehen aus Polystyrol oder Polymethylmethacrylat, welchem mikrometerkleine Partikel beigemischt sind, an denen das Licht gestreut wird. Dadurch wird eine gleichmäßige Streuung des Lichtes über die gesamte Displayfläche bewirkt. Dies ist besonders bei einer Hintergrundbeleuchtung mit Licht emittierenden Dioden (LEDs) wichtig, da der Lichteinfall sonst sehr punktuell wäre (Bode, 2011). Bei einer Hintergrundbeleuchtung mittels Leuchtstoffröhren ist es möglich den gesamten Bildschirm nur mit wenigen am Rand montierten Kaltkathodenstrahlröhren (CCFLs) zu beleuchten. Aber auch bei gleichmäßig über den gesamten Bildschirm verteilten CCFL-Röhren garantiert die Diffusorfolie homogene Beleuchtungsverhältnisse. Durch die gleichmäßige Verteilung lässt sich eine homogene Helligkeit des Bildes realisieren. Vor die Diffusorfolie wird eine Prismenfolie gelegt, welche die Lichtstrahlen so bricht, dass die Strahlen senkrecht auf das Display treffen (Bode, 2011).

3.4 Farbfilter

Bei LCD-Fernsehern besteht jedes Pixel aus je drei Subpixeln, welche bei Großbildfernsehern eine Größe von 80 µm × 240 µm haben (Ge, et al., 2010). Diese Subpixel erhalten ihre Färbung durch eine Farbstoffschicht in den drei Primärfarben rot, grün und blau, die auf das Displayglas gedruckt wird. Dadurch kann jedes Subpixel Licht einer Primärfarbe darstellen (Forschungsinstitut Edelmetalle und Metallchemie, Institut für Energie- und Umwelttechnik e.V., 2011). In Abbildung 3.9 ist ein Foto von einem Stück Displayglas mit Farbfilter zu sehen, das bei einer Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) aufgenommen wurde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.9: Farbfilter auf Displayglas

Es sind deutlich die RGB-Pixel zu erkennen. Durch additive Farbmischung können aus den drei Primärfarbpixeln, je nach elektrischer Ansteuerung, etwa 16,7 Millionen verschiedene Farben gemischt werden (Freyer, 2009) (Mietke, 2011). Die Funktionsweise der additiven Farbmischung und die Erzeugung von Mischfarben durch Pixel sind in Abbildung 3.10 dargestellt.

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Abbildung 3.10: Additive Farbmischung und Mischfarben durch Pixel (Apolin, 2011)

3.5 Hintergrundbeleuchtung

Displays werden danach unterschieden, ob und welche Art von Hintergrundbeleuchtung sie besitzen. Die verschiedenen Technologien werden in die Gruppen: reflektiv, transmissiv und transreflektiv eingeteilt. Reflektive Displays basieren auf dem Einsatz von OLEDs, welche für die Beleuchtung des Displays Umgebungslicht reflektieren. Transreflektive LCDs verbinden zur Darstellung der Displayhelligkeit die Reflexion von Umgebungslicht und Hintergrundbeleuchtungsmitteln. Die reflektive und transreflektive Technologie finden bisher noch keine Anwendung bei Fernsehern, weshalb alle LCD-Fernseher zur Gruppe der transmissiven Displays gehören (Ge, et al., 2010). Diese sind durchscheinend und erzeugen die Helligkeit der Bildpixel ausschließlich durch Beleuchtungsmittel, die hinter dem Display platziert sind (Böni, et al., 2011). Diese Hintergrundbeleuchtung eines LCD-Fernsehers kann entweder durch LEDs oder Leuchtstoffröhren realisiert werden.

Lichtemittierende Dioden

LEDs sind elektrische Bauteile, bei denen der p-n-Übergang im Halbleiter zur Lichterzeugung in der Diode genutzt wird. Bei den Halbleitern handelt es sich um einen kristallinen Feststoff, der entweder aus einem Element oder einer Verbindung von Elementen aufgebaut ist. Im Bereich der n-Leitung findet sich die Elektronendonorschicht. Durch ein Dotierungselement, welches in der Kristallstruktur eingebaut ist und ein ungebundenes Valenzelektron enthält, wird die Leitfähigkeit erhöht. Der p-Halbleiterbereich hingegen ist die Elelektronenakzeptorschicht, in welcher, nach der Oktettregel, eine Elektronenlücke existiert, die durch ein freies Elektron der n-Schicht gefüllt werden kann. Bei den LEDs die in LCD-Fernsehern eingesetzt werden, handelt es sich um Aufputz-(SMD)-LEDs. Diese Art der LEDs sind sehr flach und auf einem Basismaterial befestigt, welches eine stromleitende Schicht besitzt (siehe Abbildung 3.11).

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Abbildung 3.11: SMD-LEDs

Bei einem LED-LCD-Fernseher hängt die Anzahl der LEDs davon ab, ob es sich um ein Rand-LED- oder ein Direkt-LED-Konzept handelt (Bojaryn, 2009). Bei der Rand-LED-Beleuchtung sind nur wenige LEDs am Rand des Bildschirms montiert, siehe Abbildung 3.12, dieser Aufbau ist kostengünstiger als eine Direkt-LED-Hintergrundbeleuchtung. Bei der Rand-LED-Beleuchtung wird eine Reflektorschicht benötigt, deren Mikrorillen als Prisma fungieren und das Licht der LED gestreut auf die Lichtleiterplatte reflektiert. Die Lichtleiterplatte hat die Aufgabe das Licht effizient und homogen verteilt auf den Bildschirm zu senden (Sawa, et al., 2008).

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Abbildung 3.12: Aufbau Direkt-LED- und Rand-LED-Beleuchtung (Rambus Inc., 2011)

Als Hintergrundbeleuchtung von LCD-Fernsehern werden weiße LEDs eingesetzt. Das weiße Licht erhält man entweder durch additive Farbmischung von LEDs nach dem RGB-Prinzip oder mittels einer blauen LED, die durch eine Leuchtstoffbeschichtung weißes Licht emittiert. (Philips Lightning academy, 2006)

Leuchtstoffröhren

Bei den Leuchtstoffröhren, die in LCD-Fernsehern als Hintergrundbeleuchtung eingesetzt werden, handelt es sich um sogenannte CCFL-Röhren. Diese Leuchtstoffröhren bestehen aus einem zylindrischen Glas an dessen Anfang und Ende je eine Elektrode geschweißt ist, mit welchen die Leuchtstoffröhren an der Displayrückwand befestigt sind (siehe Abbildung 3.13).

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Abbildung 3.13: Leuchtstoffröhren auf einer Displayrückwand

Die Elektroden sind meist aus Nickel gefertigt, es wird jedoch auch Molybdän und Niob eingesetzt. Das Gas in der CCFL-Röhre ist in den meisten Fällen ein Gemisch aus Neon und Argon (Kobayashi, et al., 2009). Der Aufbau und die Funktionsweise einer Leuchtstoffröhre sind in Abbildung 3.14 dargestellt. Der Nachteil des Einsatzes von Leuchtstoffröhren liegt im enthaltenen Quecksilber, welches vor allem bei Beschädigung der LCD-TVs, z. B. beim Transport, leicht in gasförmigem Zustand austreten und zu einer Schadstoffbelastung führen kann. Beim Recycling von CCFL-LCD-TVs ist deshalb besondere Vorsicht geboten, damit die CCFL-Röhren unbeschädigt ausgebaut, das Quecksilber in einem Abzug kontrolliert verdampft und die weiteren Inhaltsstoffe verwertet werden können (Böni, et al., 2011). Es gilt jedoch zu beachten, dass der Leuchtstoff auch nach dem Ausdampfen noch Quecksilber enthält. Diese Tatsache ist besonders aufgrund der Korngröße des Leuchtstoffpulvers bedeutend. Die Korngröße liegt zwischen 0,2 und 14 µm, es handelt sich also um längengängige und inhalierbare Partikel, wodurch eine Anreicherung im Körper möglich ist (Wojtalewicz-Kasprzak, 2007) (Koller, 2005). Der Gehalt an Seltenen Erden (in Verbindungen) im Leuchtstoff beträgt etwa 10 % des Gesamtgewichts (Otto, et al., 2006). Die Menge an Seltenen Erden im Leuchtstoff beträgt 4,5-6 g pro LCD-Fernseher (Liu, et al., 2011).

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Abbildung 3.14: Aufbau CCFL-Röhre (Jacobi, 2011)

Der Anteil am Umsatz von LCD-Fernsehern mit CCFL-Beleuchtung ist jedoch, wie in Abbildung 3.15 zu sehen, fallend, wodurch in den nächsten Jahren auch die Bedeutung von CCFL-LCD-Fernsehern beim Recycling abnehmen und die von LED-LCD-Fernsehern ansteigen wird.

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Abbildung 3.15: LCD-TV-Marktanteil nach Hintergrundbeleuchtung (Camaroto, 2010)

3.6 Platinen

Platinen werden in der Recyclingbranche nach einem allgemein anerkannten System, je nach Ausstattung, in drei Klassen aufgeteilt. Platinen der Klasse 1 weisen sichtbare Vergoldungen der Oberfläche, zahlreiche Chips, Transistoren, etc. auf. Sie stammen meist aus PCs, Großrechnern und Telefonen. Die Klasse-1-Platinen sind aufgrund der enthaltenen Edelmetalle die wertvollste Kategorie. Die Platinen der Klasse 2 stammen meist aus Geräten der Mess- und Regelungstechnik, Telekommunikation und Medizintechnik. Klasse-2-Platinen enthalten nur wenige bis keine sichtbaren Vergoldungen, aber ebenfalls kleine Bauteile, wie Chips und ICs. Der Klasse 3 sind Platinen zuzurechnen, die keine sichtbaren Vergoldungen aufweisen (siehe Abbildung 3.16) und neben Kleinbauteilen, wie Chips und ICs, noch mit größeren Bauteilen ausgestattet sind.

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Abbildung 3.16: Platinen aus LCD-Fernsehern

Die Platinen der Klasse 3 finden sich in Kraftfahrzeugen und Geräten der Unterhaltungselektronik, wie Radios, HiFi-Anlagen, Videogeräten und Fernsehern. Die in LCD-Fernsehern zu findenden Platinen gehören in die Klasse 3 (Alku GmbH, 2009).

3.7 Lautsprecher

In vielen LCD-Fernsehern sind Lautsprecher integriert. Bei diesen Lautsprechern handelt es sich um dynamische Lautsprecher. Der schematische Aufbau eines solchen Lautsprechers ist in Abbildung 3.17 dargestellt.

Abbildung 3.17: Seitenansicht eines dynamischen Lautsprechers (Webers, 2011)

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Diese bestehen aus einem Permanentmagneten, Schwingspule, Korb und Membran. Das magnetische Feld des Permanentmagneten und das elektrische Feld des durch die Schwingspule fließenden Stromes wirken als Kraft, welche die Schwingspule in Bewegung versetzt. Diese Schwingung überträgt sich auf die Membran, wodurch die Schallwellen verstärkt werden. Die Kraft ist proportional zur Flussdichte des Magneten, dem Strom und der Länge des Leiterdrahtes der Spule. Die Flussdichte des Magneten ist abhängig von Material und Größe. Durch hochlegierte Magnete lassen sich hohe Flussdichten auch bei kleinen Magnetvolumina erzeugen (Webers, 2011). Besonders effektiv sind Neodym-Eisen-Bor-Magnete, die eine magnetische Flussdichte von 1-1,4T erreichen. (Schatt, et al., 2007). Die Elementarzusammensetzung von Neodym-Eisen-Bor-Magneten kann Tabelle 3.1 entnommen werden.

Tabelle 3.1: Elementzusammensetzung Neodym-Eisen-Bor-Magnete (Schatt, et al., 2007)

Ein Nachteil der Neodym-Eisen-Bor-Magnete ist der niedrige Temperaturbereich von etwa 150-180 °C, in dem sie einsetzbar sind. Diese Beschränkung der Einsatztemperatur ist wegen der niedrigen Curie-Temperatur von 300 °C notwendig. Ein weiterer Nachteil der Neodym-Eisen-Bor-Magnete ist die sehr geringe Korrosionsbeständigkeit, welche durch Galvanisierung mit Nickel deutlich verbessert wird (Cassing, et al., 2007). Durch Beimischung von Praseodym, Gallium, Niob, Vanadium, Zinn und Titan lassen sich die magnetischen Eigenschaften weiter optimieren (Schatt, et al., 2007).

4. Stoffe und Elemente

In LCD-Fernsehern ist eine Vielzahl von Elementen in elementarer Form, wie auch in diversen Stoffverbindungen enthalten. Oftmals werden die Stoffe jedoch nur in sehr geringen Mengen und Konzentrationen eingesetzt, wodurch eine Rückgewinnung zur Wiederverwertung erschwert wird.

4.1 Edelmetalle und strategische Metalle

Unter den wertvollen Metallen werden Edelmetalle und Metalle, die selten in der Erdkruste vorkommen, aber eine große wirtschaftliche Bedeutung haben, zusammengefasst. Durch die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage entsteht die absolute Knappheit dieser Elemente (Mildner, et al., 2010). Zu den Edelmetallen zählen Gold, Silber und Platin, die vor allem wegen ihrer Korrosionsbeständigkeit in elektrischen Anwendungen eingesetzt werden. Technisch ist bei den Edelmetallen eine Rückgewinnungsquote von über 95 % zu realisieren. Die Gesamteffizienz der Rückgewinnung bezieht jedoch alle Teilschritte mit ein und aufgrund der geringen Rücklaufrate von Geräten des Bereiches der Konsumelektronik, liegt die Gesamtrückgewinnungsquote unter 50 % (Hagelüken, 2010). In LCD-Fernsehern sind Indium und Gallium als seltene Metalle von besonderer Bedeutung.

Gold

Gold findet sich in LCD-Fernsehern hauptsächlich in den Leiterplatten und Platinen. Gold ist mit einem Vorkommen in der Erdkruste von 0,005 g/t das 75. häufigste Element der Erde (Professur für angewandte Geologie, 2011) (Rausch, 2005). Jedoch ist die Wirtschaftlichkeit für den Abbau erst ab einer Konzentration von etwa 2,5 g/t gegeben. Gold ist nur in Königswasser zu lösen, gegen andere konzentrierte Säuren und Basen ist es resistent (Latscha, et al., 2003). Der Gewichtsanteil der Platinen in LCD-Fernsehern beträgt etwa 8,8 %. Der Goldgehalt der Platinenanschlüsse beträgt 0,1 % beziehungsweise 8,8 mg/kg Display und ist damit deutlich geringer als die Goldmenge in den Platinen. Die Platinenstreifen von LCD-Fernsehern enthalten mit 220 mg Gold/kg Platinen die Hauptmasse an Gold (Forschungsinstitut Edelmetalle und Metallchemie, Institut für Energie- und Umwelttechnik e.V., 2011). Insgesamt ist der Goldgehalt in den Platinen von LCD-Fernsehern eher gering im Vergleich zu Platinen anderer elektrischer Geräte (Alku GmbH, 2009).

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Details

Seiten
113
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783842833111
Dateigröße
3.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v229247
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Forst-, Geo- und Hydrowissenschaften, Studiengang Abfallwirtschaft und Altlasten
Note
1,4
Schlagworte
seltene erden elektroaltgeräte neodym-eisen-bor-magnete praseodym röntgenfluoreszenzanalyse

Autor

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Titel: Qualitatives und quantitatives Sekundärrohstoffpotential von Seltenen Erden in LCD-Fernsehern