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Wissensbilanzen zur Unterstützung von Rating und als Lösung für Probleme bei der Kreditvergabe

Diplomarbeit 2012 126 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen des Ratings
2.1 Ursprung des Ratings
2.2 Definitionen des Begriffs „Rating“
2.3 Die unterschiedlichen Ratingarten
2.3.1 Externes Rating
2.3.2 Internes Rating
2.4 Die Ratingkriterien
2.4.1 Quantitative Kriterien
2.4.2 Qualitative Kriterien
2.5 Der Ratingprozess anhand des internen Ratingverfahrens
2.5.1 Ratingverfahren des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V.
2.5.2 Ratingverfahren der HypoVereinsbank AG
2.5.3 Ratingverfahren des Deutschen Sparkassen und Giroverbands e.V.
2.6 Das Ratingurteil
2.7 Vorteile und Nachteile des Ratings

3 Wissensbilanzen - Intellektuelles Kapital aufdecken
3.1 Ursprung der Wissensbilanz
3.2 Definition des Begriffs „Wissensbilanz“
3.3 Erstellungsprozess einer Wissensbilanz
3.3.1 Das Wissensbilanzmodell
3.3.2 Vorbereitung zur Wissensbilanz
3.3.3 Acht Schritte zur fertigen Wissensbilanz
3.3.3.1 Ausgangssituation und Geschäftsmodell beschreiben
3.3.3.2 Einflussfaktoren des Intellektuellen Kapitals definieren
3.3.3.3 Bewertung der Einflussfaktoren des Intellektuellen Kapitals
3.3.3.4 Zuweisung der Indikatoren zur Messung
3.3.3.5 Durchführung der Wirkungsanalyse
3.3.3.6 Auswertung und Interpretation der Ergebnisse
3.3.3.7 Ableitung von Maßnahmen
3.3.3.8 Erstellung des Wissensbilanzberichtes
3.4 Vorteile und Nachteile der Wissensbilanz

4 Integration der Wissensbilanz in das Ratingverfahren
4.1 Notwendigkeit der Integration anhand von Unternehmenskrisen
4.1.1 Die drei Phase der Unternehmenskrise
4.1.2 Ursachen für Unternehmenskrisen
4.1.3 Neue Gewichtung der qualitativen Kriterien
4.2 Gemeinsamkeiten der Wissensbilanz und des Ratings
4.3 Möglichkeiten der Integration und entsprechende Krisenfrüherkennung
4.4 Ergebnisse ausgewählter Studien des Projektes „Wissensbilanz - Made in Germany“ Phase III
4.4.1 KMU Wirkungsstudie: „Nutzung und Bewertung der Wissensbilanz durch die Pilotunternehmen“
4.4.2 Finanzmarkt Wirkungsstudie „Projektstudie über weiche Faktoren als Teil der Unternehmenseinschätzung“
4.4.3 Finanzmarkt Wirkungsstudie „Auswirkungen eines Berichts über Intellektuelles Kapital auf die Unternehmensbewertung“
4.5 Vorteile und Nachteile der Integration
4.5.1 Gründe für die Integration der Wissensbilanz
4.5.2 Gründe gegen die Integration der Wissensbilanz

5 Zusammenfassung und Ausblick

Danksagung

Glossar

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

Anlagenverzeichnis

Selbständigkeitserklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: häufige Gewichtung der quantitativen und qualitativen Faktoren

Abbildung 2: Quantitative Faktoren

Abbildung 3: Qualitative Faktoren

Abbildung 4: Internes Ratingverfahren

Abbildung 5: Sparten der Banken

Abbildung 6: Ratingverfahren des BVR

Abbildung 7: Ratingverfahren der HypoVereinsbank AG

Abbildung 8: Ratingverfahren der Sparkasse

Abbildung 9: Das Wissensbilanzmodell des Arbeitskreises Wissensbilanz

Abbildung 10: Ablauf der Wissensbilanz

Abbildung 11: Beschreibung der Ausgangssituation in der WB-Toolbox

Abbildung 12: Beschreibung der Geschäftsprozesse in der WB-Toolbox

Abbildung 13: Darstellung des HK als Beispiel des IK in der WB-Toolbox

Abbildung 14: Bewertungsstufen und ihre Bedeutung

Abbildung 15: Darstellung der QQS-Bewertung mit der WB-Toolbox

Abbildung 16: Beispiel für Einflussfaktoren und ihre Indikatoren

Abbildung 17: Darstellung der Indikatorenzuordnung mit der WB-Toolbox

Abbildung 18: Matrix mit den Wirkungsstärken der Einflussfaktoren

Abbildung 19: Matrix mit den Wirkungszeiträumen in der WB-Toolbox

Abbildung 20: QQS-Portfolio

Abbildung 21: QQS-Balkendiagramm

Abbildung 22: QQS-Portfoliodiagramm

Abbildung 23: Potenzial-Portfolio

Abbildung 24: Wirkungsnetz aus der WB

Abbildung 25: Auswahl der Informationen für den WB-Bericht

Abbildung 26: Krisenverlauf in Anlehnung an „Unternehmenskrisen“ von Jochen Blöse

Abbildung 27: Insolvenzursachen

Abbildung 28: Gegenüberstellung der jeweils einbezogenen Faktoren

Abbildung 29: Beispielhaftes Potenzial-Portfolio mit Bewertung und Einfluss der Faktoren

Abbildung 30: Nutzen der Wissensbilanz

Abbildung 31: Verteilung der Bewertungshäufigkeiten Unternehmen A

Abbildung 32: Verteilung der Bewertungshäufigkeiten Unternehmen B

Abbildung 33: Zukunftseinschätzung der Unternehmen A und B

Abbildung 34: Größenaufteilung nach Umsatz und Branchenaufteilung(in %)

Abbildung 35: Quellen der Investitionsfinanzierung

Abbildung 36: Eigenkapitalquote zwischen 2002 und 2010

Abbildung 37: Innovationskennzahlen zwischen 2002 und 2010

Abbildung 38: Checkliste „Maßnahmen“

Abbildung 39: Beispielgliederung eines Wissensbilanzberichtes

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Fiktive Beurteilung der qualitativen Faktoren

Tabelle 2: Risikoklassen / jährliche Ausfallwahrscheinlichkeiten von Standard & Poor’s, Moody’s, dem BVR, der HVB und der DSVG

Tabelle 3: Fiktive qualitative Bewertung mittels der WB

Tabelle 4: Komponenten des Kundenzinssatzes

Tabelle 5: Abkürzungen der Einflussfaktoren

Tabelle 6: Standard-Indikatoren

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Unsere Wirtschaft setzt sich vor allem aus kleinen und mittleren Unternehmen zusammen. Gerade diese Unternehmen müssen auf die ständigen Veränderungen der Märkte schnell und angemessen reagieren. Informationen werden immer wichtiger und viele Unternehmen brauchen diese auf einen Blick, um sich schnell auf Trends oder aktuelle Umsatzzahlen einstellen zu können. Dazu benötigen sie zum einen die reinen Finanzkennzahlen und zum anderen das „Intellektuelle Kapital“. Jedoch kann dieses Kapital nur schwer mit genauen Zahlen belegt werden und das erschwert die Bewertung für Kreditinstitute. Daher wurde zur Steuerung des „Intellektuellen Kapitals“ die Bewertungsmethode „Wissensbilanz“ entwickelt. Bei der Bewertung von Unternehmen hinsichtlich ihrer Kreditwürdigkeit, so also beim Rating, geht man davon aus, dass ein Unternehmen aus greifbaren und nicht greifbaren Faktoren besteht, die bewertet werden müssen. Dabei wird dem „Intellektuellen Kapital“ momentan noch unzureichend Beachtung geschenkt, obwohl es einen erheblichen Teil des Erfolgs der Unternehmen ausmacht und die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens darstellt. Dieses Problem wurde auch durch die Kreditvergaberichtlinie Basel II angegangen. Denn seit 2007 ist ein Rating für die Kreditvergabe notwendig und Kreditinstitute dürfen dabei nicht nur quantitative Faktoren, wie die Jahresabschlusskennzahlen, sondern müssen auch qualitative Faktoren, wie die Managementqualifikation in ihre Beurteilung einbeziehen und je nach Bonität und der damit verbundenen Ausfallwahrscheinlichkeit der Kreditnehmer den Kredit mit mehr oder weniger Eigenkapital unterlegen bzw. sichern. Jedoch stellt die Beurteilung der Bonität für kleine und mittlere Unternehmen ein Problem dar, denn sie verfügen nicht über ausreichende Transparenz und erhalten dadurch schlechter Kreditkonditionen. Wissensbilanzen können diesbezüglich helfen. Denn es gilt je transparenter ein Unternehmen sein „Intellektuelles Kapital“ darstellt, desto weniger Schwierigkeiten hat es bei der Kreditaufnahme. Außerdem fallen die Kreditkosten häufig geringer aus, da die Wissensbilanz Kreditinstituten eine bessere Entscheidungsgrundlage bietet und Offenheit ausstrahlt. Zumal eine Kreditbeziehung seit jeher mit Vertrauen verbunden ist, denn die Bezeichnung Kredit ist von dem lateinischen Begriff „credere“ abgeleitet und bedeutet Vertrauen.

Die Ausarbeitung soll einen Einblick in die Themen Rating und Wissensbilanzen geben und die Frage beantworten, ob die Wissensbilanz integriert werden und zur Verbesserung eines Ratings beitragen kann. Dazu wird im Folgenden der Begriff Rating, sowie der Begriff Wissensbilanz und deren Verfahren detailliert dargestellt und erläutert. Insbesondere der interne Ratingansatz der Kreditinstitute spielt in Deutschland eine wichtige Rolle, da hier nur verhältnismäßig wenige Unternehmen ein externes Rating aufweisen können. Die Vor- und Nachteile der jeweiligen Verfahren werden dargelegt und die Integration der Wissensbilanz in den Ratingprozess anhand von ausgearbeiteten Erkenntnissen untersucht. Dabei soll herausgestellt werden, ob die Wissensbilanz Ängste vieler Unternehmen nehmen kann und die Einbeziehung des Verfahrens Vorteile bietet.

Diese Arbeit richtet sich an die Unternehmensleitung kleiner und mittlerer Unternehmen, sowie Kreditinstitute. Sie soll den Unternehmen das Rating näherbringen, die berücksichtigten Kriterien und den Ablauf erläutern, sowie die positiven Auswirkungen der Verwendung einer Wissensbilanz darstellen. Zudem soll die Ausarbeitung auch unter dem Aspekt durchgeführt werden, den Kreditinstituten die Wichtigkeit der qualitativen Faktoren aufzuzeigen, um eine Veränderung im internen Ratingverfahren hervorzurufen.

Ziel der Arbeit ist es, die Bewertung der qualitativen Kriterien des Ratingverfahrens durch die Integration der Wissensbilanz zu vereinfachen und genauer darzustellen. Insbesondere sollen kleine und mittlere Unternehmen dabei unterstützen werden, sich richtig auf das Rating vorzubereiten. Damit sie schon vorher ihre Stärken ausbauen und ihre Schwächen beseitigen können, um so weniger Probleme bei der Kreditvergabe zu bekommen.

2 Grundlagen des Ratings

„Das Ziel eines Ratings ist die Bewertung der Bonität, d.h. der Kreditwürdigkeit eines Unternehmens.“[1]

2.1 Ursprung des Ratings

Ihren Ursprung haben Ratings in den USA. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Ausbau der amerikanischen Infrastruktur beispielsweise der Ausbau der Eisenbahn vor allem mit Anleihen amerikanischer Eisenbahngesellschaften finanziert.[2] So kam es zur Gründung der ersten Ratingagenturen. Diese bewerteten Gesellschaften, die auch als Emittenten bezeichnet werden, hinsichtlich ihrer Bonität, da die Ausgabe von Anleihen kontinuierlich stieg und somit auch der anonyme Kapitalmarkt wuchs. Ausländische Investoren bekamen dadurch die Möglichkeit, das Risiko besser einzuschätzen und sich vor Betrügereien und Insolvenzen zu schützen.

Im Jahr 1860 erfolgte die Gründung des Pionierunternehmens von Standard & Poor`s durch Henry Poor. Diese Ratingagentur gehört heute zu den Marktführern. Das 1900 durch John Moody gegründete Unternehmen Moody`s Investor`s Services zählt ebenfalls zu den großen Anbietern, sowie die mittlerweile drittgrößte Ratingagentur Fitch Ratings, die 1913 gegründet wurde und die das Rating auf alle Emittenten, auch die privaten ausdehnte.[3] 1941 kam es zum Zusammenschluss der Standard & Poor`s Corporation.[4] Die Zahl der Agenturen wächst seit 1970 permanent, da die Bedeutung von Rating für den anonymen internationalen Kapitalmarkt konstant steigt und die Kapitalgeber heute deutlich mehr Informationen von den kreditsuchenden Unternehmen erwarten als in der Vergangenheit.[5] Jedoch werden etwa 95% des Gesamtmarktes durch die drei marktführenden Agenturen Standard & Poor`s, Moody`s und Fitch Ratings kontrolliert.[6] Diese Agenturen sind seit 1991 auch in Deutschland vertreten und teilen sich den Markt mit mehreren kleinen, meist auf mittelständische Unternehmen fokussierten, deutschen Agenturen, die ab 1999 gegründet wurden.[7] Als Beispiele um nur eine Auswahl zu nennen: URA Rating Agentur AG, Euler Hermes Rating GmbH oder auch Creditreform Rating AG.

Kreditinstitute nutzen interne Ratingverfahren schon seit Jahren bei der Kreditvergabe und -überwachung. Diese Verfahren basierten aber vor allem auf Informationen des Jahresabschlusses. Doch seit Anfang 2007 müssen Kreditinstitute laut Basel II einen Kredit je nach Ausfallwahrscheinlichkeit mit mehr oder weniger Eigenkapital unterlegen. Dadurch rückt Rating immer mehr in den Blickpunkt und wird nun systematisch umgesetzt. Weitere Informationen sind Kapitel 2.3.2 zu entnehmen.

2.2 Definitionen des Begriffs „Rating“

Der Begriff Rating ist aus dem Englischen abgeleitet und stammt aus dem angloamerikanischen Sprachgebrauch. Das Verb „to rate“ ist zu übersetzen mit „einschätzen“ oder „beurteilen“. Daher soll Rating die Fähigkeit und Wahrscheinlichkeit des Kreditnehmers, zukünftig seinen Zahlungsverpflichtungen fristgemäß nachzukommen, beurteilen.[8] Diese Wahrscheinlichkeit bezeichnet man als Ausfallwahrscheinlichkeit. Die Ratingobjekte, die bewertet werden, sind nicht eindeutig festgelegt. Es kann sich beispielsweise um Unternehmen, Unternehmensteile, aber auch um Branchen oder Länder handeln, die durch ein Rating beurteilt werden.[9] Die Ratingnote oder das Ratingurteil aus einer genau definierten Ratingskala stellt das Ergebnis des Verfahrens dar, das mit Hilfe eines Fragenkatalogs und diverser Kennzahlen entsteht. Darauf wird in Kapitel 2.4 detailliert eingegangen. Rating bedeutet somit nichts anderes als die Einstufung der Bonität mit Hilfe einer Skala. Diese reicht beispielsweise von AAA, sehr gute Bonität, bis D, sehr schlechte Bonität oder Zahlungsverzug. Das Ratingurteil wird in Kapitel 2.6 dargelegt.

2.3 Die unterschiedlichen Ratingarten

Der Oberbegriff „Rating“ unterscheidet sich in der Praxis in internes und externes Rating. Dabei richtet sich das Rating nach dem Objekt, den Auftraggeber und der Absicht, die man damit erreichen möchte. Prinzipiell ist beim Rating jedoch zu unterscheiden, wer das Rating erstellt.
Grundsätzlich gibt es eine Vielzahl von Ratingarten, jedoch wird auf weitere Unterscheidungen, die in der Literatur und Praxis anzutreffen sind, hier verzichtet.

2.3.1 Externes Rating

Hat ein privater unabhängiger Anbieter, z.B. Standard & Poor’s, den Auftrag erhalten ein Rating zu erstellen, so spricht man von einem externen Rating. Dieses Rating kann als Basis für die Kreditwürdigkeitsprüfung bei Banken verwendet werden, aber auch zur Nutzung bei Gesprächen mit Investoren oder bei der Ausgabe von Unternehmensanleihen.[10] Welche Kriterien in der Analyse berücksichtig werden und in welchem Maße, wissen nur die Agenturen selbst.

An externe Ratingagenturen werden hohe Erwartungen gestellt, da sie mit Ihrer Beurteilung über eine Kreditvergabe entscheiden können. Eine Ratingagentur muss daher von den nationalen Aufsichtsbehörden anerkannt sein und folgende Anforderung erfüllen, um ein Unternehmen einschätzen und bewerten zu können:

- Objektivität in Bezug auf die Kriterien und der Bewertungen
- Ständige Kontrolle der Verfahren
- Unabhängigkeit von politischen oder wirtschaftlichen Einflüssen
- Internationaler Zugang der Ratings und Transparenz der Vorgehensweise
- Bekanntgabe von Informationen zur Methode und Verfügbarkeit der Beurteilungen
- Vorhandensein genügender Ressourcen für die Durchführung qualitativ hochwertiger Verfahren à ständiger Kontakt zu Kreditnehmer
- Glaubwürdigkeit der Einschätzungen.[11]

Die Kosten für ein externes Rating liegen je nach Unternehmensgröße zwischen 5.000 und 60.000 Euro.[12] Jedoch ist ein positives externes Rating vorteilhaft, da es die finanzielle Flexibilität eines Unternehmens erhöht und es dem Unternehmen so leichter fällt, Kredite von mehreren Kreditinstituten zu erhalten oder Mittel am Kapitalmarkt aufzunehmen, d.h. die Fremdfinanzierungskonditionen können sich somit verbessern. Trotzdem haben nur 8,1% der Unternehmen ein externes Rating, aufgrund der hohen Kosten, und 64,5% ein internes Rating.[13]

Zielgruppen des externen Ratings sind letzten Endes alle, egal ob Shareholder, Stakeholder oder lediglich der Kreditnehmer.

2.3.2 Internes Rating

Dem externen Rating gegenüber steht das interne Rating, das durch die kreditgewährende Bank durchgeführt wird. Welche Kriterien einbezogen und wie diese gewichtet werden, kann jedes Kreditinstitut, ähnlich wie die Agenturen, innerhalb eines bestimmten Rahmens selbst bestimmen. Jedes Kreditinstitut hat sein eigenes Ratingverfahren aufgebaut, siehe Kapitel 2.5. Zudem ist das interne Rating im Vergleich zum externen Rating kostenlos. Dies erhöht die Kundenbindung zu Banken, auch wenn diese Kosten über den Kreditzins der Bank wieder zugeführt werden. Diese internen Ratings werden im Gegensatz zu externen Ratings nicht veröffentlicht.

Wie zuvor erwähnt, können Kreditinstitute innerhalb eines bestimmten Rahmens ihre Verfahren selbst gestalten. Jedoch müssen ebenso wie bei den Ratingagenturen einige Voraussetzungen erfüllt sein, um als Bank ein internes Rating durchführen zu können:

- Ausdrucksstarke und inhaltlich präzise Risikodifferenzierung
- Einstufung aller Kreditnehmer in eine bestimmte und nachvollziehbare Ratingklasse
- Selbstständige und permanente Kontrolle und Aktualisierung der Einstufung durch die Bank
- Überprüfbare Dokumentation und Kontrolle des Ratingprozesses, der -kriterien und des -ergebnisses
- Festlegung der Kriterien, sowie Gestaltung und Durchführung von internen Ratingverfahren
- Beurteilung / Schätzung der Ausfallwahrscheinlichkeiten
- Offenlegungspflichten.[14]
- Festlegung von mindestens sieben Ratingklassen für nicht bedenkliche Kredite sowie mindestens eine Ratingklasse für bedenkliche Kredite.[15]

Im Gesetz über das Kreditwesen (KWG) regelt der §18 die gesetzliche Offenlegungspflicht von Unterlagen durch Kreditnehmer, die einen Kredit von mindestens 750.000 Euro in Anspruch nehmen wollen. Bleibt ein Kreditnehmer unter dieser Kreditsumme, ist die Bank gesetzlich nicht verpflichtet, ein Rating vorzunehmen.[16]

Zielgruppen des internen Ratings sind zum einen die Banken, die das Rating erstellen. Denn durch die Beurteilung der Kreditwürdigkeit ist es möglich den Kreditzins festzulegen, nähere Erklärung in Kapitel 4.4 und zum anderen die Unternehmen des Mittelstands.

2010 zählten 99,69% der in Deutschland existierenden Unternehmen zum Mittelstand.[17] Wobei man unter kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) laut Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn alle Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten und weniger als 50 Millionen Euro Jahresumsatz versteht.[18]

Wie bereits im vorherigen Kapitel erwähnt, entscheiden sich die meisten Unternehmen, vor allem KMU, für ein internes statt für ein externes Ratingverfahren, da die Kosten für ein externes Rating vergleichsweise hoch sind, jedoch auf die Kreditfinanzierung nicht verzichtet werden kann. Bankkredite waren 2010 die wichtigste externe Finanzierungsquelle mit einem Anteil von 52,5%.[19] Die genauen Darstellungen sind in der Anlage (A) aufgeführt.

Zudem lag die durchschnittliche Eigenkapitalquote bei deutschen Unternehmen 2010 bei 26,6% laut der KfW Bankengruppe.[20] Somit ist die Fremdfinanzierung bedeutend.

Außerdem hat das interne Rating im Zuge von Basel II enorm an Relevanz gewonnen, denn durch die flächendeckende Einführung von Ratings in die Kreditvergabepraxis der Banken ist es auch den Banken erlaubt, interne Ratings durchzuführen, die gleichwertig zu den Ratings externer Ratingagenturen angesehen werden.[21] Über das Thema Basel II sind eine Vielzahl ausführlicher Fachbücher erhältlich, so dass auf eine Vertiefung dieses Themas an dieser Stelle verzichtet wird.

Durch diese Erkenntnisse wird in der weiteren Arbeit der Schwerpunkt auf das interne Rating gelegt.

2.4 Die Ratingkriterien

Es ist nicht vorgeschrieben oder einheitlich geregelt, welche Kriterien für die Anfertigung eines Ratings verwendet werden. Daher können von den Kreditinstituten verschiedene Kriterien genutzt werden.[22] Diese Kriterien bestehen aus quantitative und qualitative Kriterien. Hierbei werden die quantitativen Faktoren auch als harte und die qualitativen oft als weiche Faktoren bezeichnet.

Beide Kriterien werden zusammen betrachtet und man erhält ein aussagefähiges Ergebnis, dabei wird zuvor jedes einzelne Kriterium extra bewertet und anschließend zu einer Kennzahl zusammengefasst. Mit dieser Kennzahl wird ähnlich wie eine Schulnote das ganze Unternehmen bewertet und die Stärken, Schwächen sowie Risiken und Chancen offengelegt.[23] Aber auch wenn zwei Ratingverfahren die gleichen Kriterien beinhalten, kann es zu verschiedenen Urteilen kommen, da die Gewichtung, also der Einfluss der Kriterien bei jedem Kreditinstitut unterschiedlich ausfällt. Analysiert man jedes Kriterium für sich, verschafft keines der beiden eine ausreichende Erklärung zur Bonität und ist somit für das Ratingverfahren uninteressant.

Spricht man von Rating, dann vorwiegend über die quantitativen Faktoren, da sie in der Bewertung, wie Abbildung 1 veranschaulicht, häufig einen Anteil von 60% einnehmen[24], weil sie sich auf den Jahresabschluss beziehen und schnell nachvollziehbare Daten liefern. Nähere Erläuterungen zu den beiden Kriterien folgen in den nächsten Kapiteln.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: häufige Gewichtung der quantitativen und qualitativen Faktoren[25]

2.4.1 Quantitative Kriterien

Zu den quantitativen Kriterien zählen z.B. die Vermögens-, die Finanz- und die Ertragslage, diese können durch einen konkreten Wert ausgedrückt werden.[26] Sie stellen betriebswirtschaftliche Kennziffern dar und stützen sich vor allem auf Ergebnissen des Jahresabschlusses. Die durch eine Kennzahlenanalyse bzw. Bilanzanalyse oder auch Jahresabschlussanalyse genannt, gewonnen werden und die geschäftliche Tätigkeit des Unternehmens reflektieren. Quantitative Kriterien sind meist vergangenheitsbezogen. In der Bilanzanalyse findet man aufbereitete und interpretierte Daten der Bilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung, des Anhangs und des Lageberichts wieder.[27] Diese Kriterien sind messbar und dadurch objektiv. Noch immer dominieren die Finanzkennzahlen mit 60 % bis 70 % das Rating.[28]

Als Finanzrating oder Bilanzrating bezeichnet man die reine Ansicht der quantitativen Kriterien, da die Bilanzkennzahlen den zentralen Ausgangspunkt bei der Bewertung bilden.[29] Es erfolgt eine Ermittlung des Finanzrisikos.

Eine Übersicht relevanter quantitativer Faktoren beim Rating von Unternehmen gibt folgende Abbildung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Quantitative Faktoren[30]

Um ein quantitatives Ratingergebnis zu erzielen, werden diverse Kennzahlen berechnet. Nachfolgend drei Beispiele:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigenkapitalquote (%) = (Eigenkapital ÷ Gesamtkapital) × 100
Eigenkapitalquote = 40.000 Euro ÷ 100.000 Euro × 100 = 40 %

Verschuldungsgrad (%) = (Fremdkapital ÷ Eigenkapital) × 100
Verschuldungsgrad = 60.000 Euro ÷ 40.000 Euro × 100 = 150 %
Daraus lässt sich ableiten, dass der Eigenkapitalanteil am Gesamtkapital 40% beträgt und das Fremdkapital 1,5mal so hoch ist wie das Eigenkapital.

Umsatzrentabilität (%) = (Gewinn ÷ Umsatz) ×100
Umsatzrentabilität = 24.000 Euro ÷ 120.000 Euro × 100 = 20%
Eine Umsatzrentabilität von 20% ergibt einen Gewinn von 20 Cent je Euro Umsatz.

2.4.2 Qualitative Kriterien

Bei den qualitativen Faktoren spielen hauptsächlich Marktumfeld, Planung und Management eine Rolle, d.h. es handelt sich um eine subjektive Bewertung, da sich diese Kriterien keinem genauen Wert zuordnen lassen. Diese Kriterien, die das Geschäftsrisiko darstellen, richten sich auf die Zukunft.[31] Bisher wurde ein Rating fast nur an den Werten der Vergangenheit gemessen und die zukunftsgerichteten Faktoren zu wenig beachtet. Inzwischen werden die qualitativen Faktoren jedoch immer mehr betrachtet, da sie die Erfolgspotenziale eines Unternehmens darstellen.[32]

Die Abbildung 3 verschafft eine Übersicht über qualitative Faktoren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Qualitative Faktoren[33]

Die qualitativen Kriterien werden häufig durch Fragebögen bewertet.[34]
Einige Fragen werden nun als Beispiel aufgeführt, sowie fiktiv in der nachfolgenden Tabelle 1 bewertet.

Wie beurteilen Sie die fachliche Qualifikation der Geschäftsführung?
Wie beurteilen Sie das Personalmanagement?
Wie beurteilen Sie das Marktwachstum?
Wie beurteilen Sie den aktuellen Auftragsbestand?
Wie beurteilen Sie die Konkurrenzsituation?
Wie beurteilen Sie das Produktsortiment?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Fiktive Beurteilung der qualitativen Faktoren[35]

Für die qualitative Beurteilung der zukünftigen Bonität können beispielsweise die vier in der Tabelle dargestellten Beurteilungsfelder gewählt werden, die nochmals in einzelne Beurteilungskriterien unterteilt werden können.[36] Diese werden mit Noten (1 sehr gut - 6 ungenügend) bewertet und anschließend zu einer Note zusammengefasst, die dann je nach Gewichtung in das Ratingurteil einfließt. Bei dieser Tabelle handelt es sich um eine Kurzfassung und soll lediglich die Bewertung veranschaulichen.

2.5 Der Ratingprozess anhand des internen Ratingverfahrens

Wie genau der Ratingprozess der einzelnen Agenturen und Banken abläuft, ist deren Betriebsgeheimnis.[37] Wie bereits in Kapitel 2.4 erläutert, werden qualitative und quantitative Faktoren betrachtet.

Um jedoch eine Einblick zu ermöglichen, dient das theoretische Model von Karsten Füser als Grundlage des nachfolgenden Prozessablaufs.[38]

Der übliche Ratingprozess ist in Abbildung 4 dargestellt und beginnt meist mit dem Kreditantrag. Die Kreditinstitute gehen bei der Bonitätsbeurteilung meist nach einer Standardmethode vor. Bei dem ersten Termin sollten Zeitpunkt, Zeitrahmen und Teilnehmer für ein detailliertes Kreditgespräch festgelegt werden. Oft wird das Unternehmen in diesem Gespräch auch um die notwendigen Unterlagen für die Analyse gebeten.

Anschließend werden die Unterlagen durch den Kreditnehmer eingereicht. Angesichts der Erfahrungen, die eine Bank mit dem Kreditnehmer bereits hat, bestimmt sie die Art und die Anzahl der einzureichenden Kreditunterlagen. Einzureichen sind unter anderem die Jahresabschlüsse der letzten drei bis fünf Jahre, Planungsunterlagen für die nächsten Jahre, insbesondere Finanz-, Umsatz-, Kosten-, Personal- und Investitionspläne und Angaben über die Unternehmensleitung. Dabei ist darauf zu achten, dass die Informationen vollständig, wahrheitsgemäß und aktuell sind, da sonst eine schlechtere Bewertung einzelner, nicht vorhandener Kriterien die Folge ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Internes Ratingverfahren[39]

Danach kommt es zum Kreditgespräch. Fachkundige Mitarbeiter des Unternehmens, sowie unter Umständen Fachleute wie Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder Unternehmensberater führen mit einem Mitarbeiter des Kreditinstituts ein Gespräch über den möglichen Kredit. Zum Teil können diese Gespräche mehrere Tage andauern und gegebenenfalls Rückfragen geklärt und weitere Unterlagen verlangt werden, jedoch ist es in der Praxis eher untypisch. Hierbei werden neben der Darstellung der Unterlagen auch die Geschäftsstrategie und -politik des Unternehmens erörtert. Dabei sollte das Gespräch nicht als Prüfung angesehen werden, sondern vielmehr als Chance des Unternehmers, sein Unternehmen offen darzulegen. Zudem erfolgt in diesem Gespräch auch die Darlegung von Sicherheiten.

Dem Kreditgespräch folgt die Betriebsbesichtigung. Sie eignet sich zur Überprüfung der eingereichten Unterlagen und der Ausführungen des Unternehmers und gibt dem Unternehmen die Möglichkeit, sich positiv zu präsentieren. Jedoch ist dieser Schritt nicht standardmäßig im Ratingprozess enthalten.

Als Nächstes beschafft sich das Kreditinstitut weitere Informationen über das Unternehmen und dessen Bonität bei externen Instituten wie der SCHUFA, der Creditreform oder sonstigen Kammern und Verbänden, sowie aus den Kontodaten. Daraus sind Zahlungsschwierigkeiten ersichtlich, die noch nicht aus den Jahresabschlüssen erkennbar sind.

Anschließend erfolgt die Auswertung der Unterlagen und anderer Informationen. Die Auswertung beinhaltet den Jahresabschluss und die Aufbereitung des Zahlenmaterials der verschiedenen Ratingkriterien.

Dann kommt es zur Bewertung der Kriterien. Diese werden nach den internen Vorgaben der Bank beurteilt und danach gewichtet. Die Beurteilung der quantitativen Kriterien erfolgt meist anhand von Vergleichen zu Durchschnittswerten, die von der Bank für bestimmte Branchen festgestellt wurden. Die qualitativen Kriterien werden häufig durch Fragebögen bewertet. Zudem werden die Sicherheiten bewertet. Diese werden unabhängig von der Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers betrachtet. Sie sollten jedoch hoch sein, da auch an ihnen die Kreditzusage geknüpft werden kann.

Danach werden die Ergebnisse der einzelnen Ratingkriterien zu einem Endergebnis zusammengefasst und der Kreditnehmer in eine Ratingklasse der Bank eingeteilt. Hier ist erneut zu bemerken, dass die Gewichtung und die Auswahl der bewerteten Kriterien von Kreditinstitut zu Kreditinstitut verschieden sind und dem Betriebsgeheimnis unterliegen, da dies die Kernkompetenz einer Bank darstellt.[40]

Am Ende erfolgt ein Schlussgespräch mit Ratingurteil. Dem Kunden wird das Ratingurteil bekannt gegeben und der Ratingablauf dargelegt, jedoch wird auf eine detaillierte Wiedergabe der Vorgehensweisen verzichtet. Somit können mögliche Schwachstellen oder Chancen für das Unternehmen nur teilweise aufgezeigt werden.

Anhand des Ratingurteils und der damit verbundenen Ausfallwahrscheinlichkeit lässt sich die Eigenkapitalunterlegung der Bank berechnen und die Konditionen können festgelegt werden.

Beispielsweise liegt die Eigenkapitalunterlegung bei einer Kreditsumme von 1.000.000,00 Euro, einem Ratingurteil von 2b und der dazugehörigen Ausfallwahrscheinlichkeit von 0,10% laut Volksbank[41] bei 8.000,00 Euro.

Eigenkapitalunterlegung = Kreditsumme × (8% × Ausfallwahrscheinlichkeit)
laut Basel II.[42]

Da aus dem beispielhaften Ratingurteil eine gute Bonität hervorgeht, muss die Bank bei diesem Kredit nur einen geringen Teil mit Eigenkapital unterlegen, die Ausfallwahrscheinlichkeit ist gering und der Kreditzins ist dementsprechend niedrig.

Nach dem Ratingurteil kommt es am Ende zur Unterzeichnung eines Kreditvertrages. Jedoch muss eine jährliche Erneuerung des Ratingurteils durchgeführt werden. Zudem gibt es Ausnahmen, bei denen es durch ein schlechtes Rating zu keinem Kreditvertrag kommt. Banken haben üblicherweise eine interne Richtlinie, bis zu welcher Ratingstufe sie Kredite vergeben.

Banken lassen sich in Deutschland wie folgt unterteilen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Sparten der Banken

Um einen umfassenden Einblick in die verschiedenen Ratingverfahren der drei Bankengruppen zu ermöglichen, werden anschließend die Ratingverfahren von jeweils einer Bank aus den drei Gruppen vorgestellt.

2.5.1 Ratingverfahren des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken e.V.

Das Ratingverfahren des Bundesverbandes der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken e.V. (BVR) ist stark standardisiert und setzt sich, wie die meisten Ratingverfahren, aus zwei Bereichen zusammen. Zum einen aus den quantitativen Kennzahlen des Jahresabschlusses und zum anderen aus den qualitativen, zukunftsgerichteten Kriterien. Beide Bereiche werden getrennt voneinander bewertet und man erhält Teilergebnisse. Die quantitativen und qualitativen Teilergebnisse haben eine Gewichtung von 60 % bzw. 40 %.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Ratingverfahren des BVR[43]

Bei der Bewertung der quantitativen Kriterien begutachtet die Volks- und Raiffeisenbank die Jahresabschlüsse der vergangenen zwei Jahre. Diese Kennzahlen, beispielsweise der Verschuldungsgrad und die Finanzkraft, werden zur Vereinfachung computergestützt aufbereitet. Die privaten Vermögensverhältnisse können ergänzend herangezogen werden und in die quantitativen Faktoren einfließen. Durch die Offenlegungspflicht nach §18 KWG muss dieses Vermögen ab einer Kreditsumme von 750.000 Euro preisgegeben werden, da es bei KMU häufig im Privatbereich liegt.

Die qualitativen Faktoren werden mit Hilfe von Fragebögen erfasst. Dabei sind eindeutige Fragen vorgegeben, um die subjektive Beeinflussung einzugrenzen. Die Fragen beziehen sich auf die Kontoführung, die Marktsituation und das Management. Die Fragen können lediglich mit „ja“ oder „nein“ beantworten werden. Dadurch ist eine Beurteilung möglich, die nicht vom Kundenberater beeinflusst werden kann. Ein Beispielfragebogen des BVR befindet sich in der Anlage (B).

Nachdem die Teilergebnisse zu einem Ergebnis zusammengefasst wurden, ermitteln zwei voneinander unabhängige Mitarbeiter der Bank unter Einbeziehung von Expertenwissen das endgültige Ratingergebnis. Daraus werden die Ratingnote und die dazugehörige Ausfallwahrscheinlichkeit abgeleitet. Sobald die Note feststeht, erhält der Kunde sein Ergebnis mit den sich daraus ergebenen Kreditkonditionen und der Kreditzusage oder -absage.

2.5.2 Ratingverfahren der HypoVereinsbank AG

Das Ratingverfahren der HypoVereinsbank AG (HVB) besteht aus zwei Teilratings. Zum einem aus den „wirtschaftlichen Verhältnissen“ und zum anderen aus der „Unternehmenssituation“, wie in Abbildung 7 dargestellt. Die Beurteilung der beiden Teilratings erfolgt separat mit Hilfe einer achtstufigen Skala. Die wirtschaftlichen Verhältnisse gehen mit 70% in die Beurteilung ein, während 30% der Bewertung durch die Unternehmenssituation beeinflusst werden.[44] Anschließend erfolgt eine Zusammenführung beider Urteile und man erhält als Ergebnis eine von acht Bonitätsklassen. Diese werden in Kapitel 2.6 dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Ratingverfahren der HypoVereinsbank AG[45]

Im Mittelpunkt des Teilratings „wirtschaftliche Verhältnisse“ steht der Jahresabschluss und die daraus resultierenden Kennzahlen. Bei der Auswahl der Kennzahlen wird zwischen den Branchen und der Größe des Unternehmens unterschieden. Die HVB nutzt zwischen fünf bis sieben Kennzahlen, die aus den Daten des Jahresabschlusses errechnet werden und anschließend zusammengefasst das quantitative Rating ergeben. Folgende sechs Bereiche des Jahresabschlusses werden dabei beispielsweise betrachtet:

- „Verbindlichkeitenstruktur
- Vermögens- / Kapitalstruktur
- Finanzkraft
- Rentabilität
- Liquidität
- Kapitalumschlag“[46]

Des Weiteren werden Zusatzfaktoren beachtet, wie beispielsweise die aktuelle Unternehmensentwicklung, Planzahlen oder die Bilanzqualität. Diese Zusatzfaktoren können das Teilrating um zwei Punkte beeinflussen und positiv oder negativ verändern.

Das Teilrating „Unternehmenssituation“ wird in sechs Bereiche unterteilt und zwar in finanzielle Verhältnisse, Markt / Produkte, Managementqualität, Planung und Controlling, sonstige Risiken und Branchenrating. Hierbei werden vor allem weiche Faktoren beachtet und mit Hilfe einer Checkliste beurteilt.

Am Ende des Verfahrens werden die Urteile der beiden Teilratings zu einer Ratingnote zusammengefasst, wobei die Gewichtung wie bereits vorher erwähnt bei 70% zu 30% liegt und daraus die einjährige Ausfallwahrscheinlichkeit abgeleitet.

2.5.3 Ratingverfahren des Deutschen Sparkassen und
Giroverbands e.V.

Der Deutsche Sparkassen und Giroverband e.V. (DSGV) hat für alle Sparkassen das Ratingverfahren in Abbildung 8 entwickelt. Dieses Modell ist in vier Teilbereiche eingeteilt, wobei nicht jeder Bereich immer betrachtet wird.[47]

Bei den Bilanzfaktoren und Finanzkennzahlen steht das Finanz-Rating im Mittelpunkt. Dies basiert auf dem Jahresabschluss. Dieser gehört, wie bereits in Kapitel 2.4.1 erläutert, zu den quantitativen Kriterien. Dazu werden aus der Bilanzanalyse betriebswirtschaftliche Kennzahlen entnommen und beurteilt, wie z.B. die Eigenkapitalquote, die Cash-Flow-Rate oder die Kreditorenlaufzeit. Dabei sollte man dafür sorgen, dass dem Berater der Bank, der das Rating durchführt, stets der aktuelle Jahresabschluss vorliegt. Nicht aktuelle Unterlagen können zu einer schlechteren Rating-Note führen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Ratingverfahren der Sparkasse[48]

Im zweiten Bereich werden die qualitativen Kriterien ermittelt, beispielsweise die Unternehmensprozesse, Managementqualität oder Marktsituation und mit Hilfe eines Fragenkatalogs bewertet.

Warnsignale stellen den dritten Bereich des Sparkassen Ratingverfahrens dar. Dabei werden Hinweise erfasst, beispielsweise, dass sich der Kreditnehmer bereits in Zahlungsschwierigkeiten befindet und es werden Indikatoren analysiert, die auf eine mögliche Unternehmenskrise hinweisen. Typische Warnsignale sind beispielsweise Scheckrückgaben mangels Kontodeckung, dauerhafte ungenehmigte Kontoüberziehungen und nicht bezahlte Darlehensraten. Sobald der Bankberater diese Warnsignale bemerkt, führt das zu einer Verschlechterung der Ratingeinstufung und die Ratingnote wird nach unten korrigiert.

Die Haftungsverbünde werden im vierten Bereich untersucht. Innerhalb des Ratings wird jedes Unternehmen für sich beurteilt, jedoch kann es auch einen Dritten geben, der durch seine eigene Bonität auch die des Kreditnehmers beeinflusst. Beispielweise eine Mutter- oder Tochtergesellschaft. Hieraus können Chancen entstehen, wenn die Muttergesellschaft wirtschaftlich stark ist, aber auch Risiken, wenn die Tochtergesellschaft besonders schlecht arbeitet.

Die Bilanzfaktoren und Finanzkennzahlen gehen mit 60% ins Basisrating ein und die qualitativen Faktoren mit 40%.[49]

2.6 Das Ratingurteil

Als Ergebnis eines Ratings erhält man eine Ratingnote oder ein Ratingurteil aus einer genau definierten Ratingskala. Doch wie das Urteil schlussendlich entstanden ist, ist nicht nachvollziehbar. Selbst der Bankberater kann nicht sagen, aus welchen genauen Zusammensetzungen und Gewichtungen dieses entsteht, um keinen Einfluss darauf nehmen zu können.

Es gibt weder bei externen noch bei internen Ratings eine einheitliche Skalierung. Ratingagenturen nutzen oft Buchstaben und Buchstabenkombinationen („AAA“, „AA“, …, „BBB“, „BB“, …), wohingegen Banken auch häufig Ziffern nach dem Schulnotenprinzip („1, 2, 3,…“) zur Beurteilung verwenden. Daher ist ein direkter Vergleich der Ratingurteile verschiedener Verfasser schwierig. Zudem unterscheiden die einzelnen Ratingagenturen und Banken bei der Anzahl der Ratingklassen. Meist werden acht bis zwanzig Ratingklassen genutzt. Den Ratingklassen ist jeweils eine eigene Definition des Bonitätsgrades zugeordnet. Zudem gibt es bei einigen Ratingklassen eine Feinabstufung durch Plus- und Minussymbole bzw. die Ziffern 1, 2 und 3. Dadurch wird zusätzlich die Stellung innerhalb einer Kategorie angegeben.

[...]


[1] Füser, Karsten / Heidusch, Mirijam: Rating - Einfach und schnell zur erstklassigen Positionierung Ihres Unternehmens, Haufe Verlag, München 2003, Seite 27.

[2] Vgl. Reichling, Peter / Henne, Antje / Bietke, Daniela: Praxishandbuch Risikomanagement und

Rating: Ein Leitfaden, Gabler Verlag 2.Auflage, Wiesbaden 2007, Seite 62.

[3] Vgl. Riedel, Thomas / Trost, Ralf / Loges, Hans J.: Die Rating-Szene in Deutschland, Rating Science, München Mai 2004, Seite 6.

[4] Vgl. http://www.standardandpoors.com/about-sp/timeline/en/us/ aufgerufen am 22.12.2011.

[5] Vgl. Riedel, Thomas: Mai 2004, Seite 7.

[6] Vgl. Bösch, Martin: Finanzwirtschaft - Investition, Finanzierung, Finanzmärkte und Steuerung, Vahlen Verlag, München 2009, Seite 188.

[7] Vgl. Riedel, Thomas: Mai 2004, Seite 7; Keiner, Thomas: Rating für den Mittelstand, Campus Verlag GmbH, Bielefeld 2001, Seite 13.

[8] Vgl. Achleitner, Ann-Kristin / Everling, Oliver / Niggemann, Karl A.: Finanzrating - Gestaltungsmöglichkeiten zur Verbesserung der Bonität, Gabler Verlag, Wiesbaden Januar 2007, Seite 5.

[9] Vgl. Everling, Oliver: Certified Rating Analyst, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2008, Seite 8.

[10] Vgl. Füser, Karsten: 2003, Seite 27.

[11] Vgl. Übelhör, M. / Warns, C.: Grundlagen der Finanzierung: „Basel II, Standardmethode“, PD-Verlag 3.Auflage, Heidenau 2004, Seite 190; Deutsche Bundesbank: Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II), Monatsbericht April 2001, Seite 21, aufgerufen am 02.01.2012 http://www.bundesbank.de/download/volkswirtschaft/mba/2001/200104mba_basel.pdf.

[12] Vgl. Reichling, Peter: 2007, Seite 58.

[13] Vgl. Zimmermann, Dr. Volker: Unternehmensbefragung 2009 „Studie zur Unternehmensfinanzierung – Teil II: Auswertung zu den Themen Rating, Ratingkommunikation und Unternehmensfinanzierung“, KfW Bankengruppe, Frankfurt am Main Oktober 2009,http://www.kfw.de/kfw/de/I/II/Download_Center/Fachthemen/Research/PDF-Dokumente_Unter-nehmensbefragung/Ub009_Teil2_Finanzierung2.pdf Seite 7, 11 aufgerufen am 02.01.2012.

[14] Vgl. Deutsche Bundesbank: 2001, Seite 27, aufgerufen am 02.01.2012 http://www.bundesbank.de/download/volkswirtschaft/mba/2001/200104mba_basel.pdf.

[15] Vgl. Everling, Oliver: 2008, Seite 53; Reichling, Peter: 2007, Seite 84.

[16] Vgl. Bundesministerium der Justiz: § 18 Kreditunterlagen, http://www.gesetze-im-internet.de/kredwg/__18.html aufgerufen am 16.01.2012.

[17] Vgl. KfW Bankengruppe: Steckbrief Mittelstand - Der Mittelstand in Deutschland, 2011 http://www.kfw.de/kfw/de/KfW-Konzern/Medien/Veranstaltungen_und_Termine/Pressetermine _2011/ Pressetermine_2011/PDF-Dokumente_2011/111129_Steckbrief_Mittelstand_2011.pdf aufgerufen am 17.01.2012.

[18] Vgl. IfM Bonn: KMU-Definition, http://www.ifm-bonn.org/index.php?id=89 aufgerufen am 17.01.2012.

[19] Vgl. KfW Bankengruppe: 2011.

[20] Vgl. IfM Bonn: Eigenkapitalausstattung der kleinen und mittleren Unternehmen http://www.ifm-bonn.org/index.php?id=537 aufgerufen am 17.01.2012.

[21] Vgl. Keiner, Thomas: 2001, Seite 10, 19, 39; Schuhmacher, Marc: Rating für den deutschen Mittelstand, Deutscher Universitätsverlag, 2006, Seite 5; Füser, Karsten: 2003, Seite 41.

[22] Vgl. Füser, Karsten: 2003, Seite 30.

[23] Vgl. Everling, Oliver: 2008, Seite 9.

[24] Vgl. Achleitner, Ann-Kristin / Everling, Oliver: Handbuch Ratingpraxis, Gabler Verlag, Wiesbaden 2004, Seite 171.

[25] Siehe Kapitel 2.5.1 und 2.5.3.

[26] Vgl. Achleitner, Ann-Kristin: Januar 2007, Seite 8; Füser, Karsten: 2003, Seite 31.

[27] Vgl. Presber, Ralf / Stengert, Uwe: Kreditrating - Eine Chance für mittelständische Unternehmen, Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2002, Seite 152.

[28] Siehe Kapitel 2.5.

[29] Vgl. Börner, Christoph-J. / Everling, Oliver / Soethe, Robert: Kauf, Miete und Leasing im Rating, Gabler Verlag, Wiesbaden 2008, Seite 183.

[30] Vgl. Presber, Ralf: 2002, Seite 154ff..

[31] Vgl. Schneck, Ottmar: Handbuch - Alternative Finanzierungsformen, Wiley VCH Verlag, Weinheim 2006, Seite 36.

[32] Vgl. Keiner, Thomas: 2001, Seite 141.

[33] Vgl. Füser, Karsten: 2003, Seite 60.

[34] Vgl. Füser, Karsten: 2003, Seite 340.

[35] In Anlehnung an Hundt, Irina / Neitz, Bernd / Grabau, Fritz-René: Rating als Chance für kleine und mittlere Unternehmen, Vahlen Verlag, München 2003, Seite 242.

[36] Vgl. Hundt, Irina: 2003, Seite 87.

[37] Vgl. Bösch, Martin: 2009, Seite 192.

[38] Vgl. Füser, Karsten: 2003, Seite 47ff..

[39] In Anlehnung an Füser, Karsten: 2003, Seite 47.

[40] Vgl. Gleißner, Werner / Füser, Karsten: Leitfaden Rating - Basel II: Rating-Strategien für den Mittelstand, Vahlen Verlag, München 2002, Seite 11.

[41] Siehe Kapitel 2.6.

[42] Vgl. Füser, Karsten: 2003, Seite 39.

[43] http://www.vrbank-bamberg.de/de/n/firmenkunden/ratingmittelstand.html aufgerufen am 10.01.2012.

[44] Vgl. Hundt, Irina: 2003, Seite 73.

[45] http://www.hypovereinsbank.de/firmenkunden/portal?view=/firmenkunden/11602.jsp aufgerufen am 15.01.2012.

[46] Vgl. Füser, Karsten: 2003, Seite 94.

[47] Vgl. Hundt, Irina: 2003, Seite 83.

[48] http://www.sparkasse.de/firmenkunden/finanzierung/rating/internes_rating.html, aufgerufen am 15.01.2012.

[49] Vgl. Bösch, Martin: 2009, Seite 193.

Details

Seiten
126
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783842830288
Dateigröße
5.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v229218
Institution / Hochschule
Technische Hochschule Wildau, ehem. Technische Fachhochschule Wildau – Betriebswirtschaft/Wirtschaftsinformatik, Betriebswirtschaft
Note
1,7
Schlagworte
wissensbilanz rating kreditvergabe unternehmenskrise ratingprozess

Autor

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Titel: Wissensbilanzen zur Unterstützung von Rating und als Lösung für Probleme bei der Kreditvergabe