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Biogasanlagen: Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft und Jagd in Bayern

Diplomarbeit 2011 81 Seiten

Agrarwissenschaften

Leseprobe

II. Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung, Problemstellung und Zielsetzung
1.1. Problemstellung
1.2. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

2. Stand des Wissens
2.1. Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG)
2.2. Entwicklung von Biogasanlagen in Bayern
2.2.1. Rohstoffeinsatz- und Bedarf
2.2.2. Anbaufläche
2.3. Jagd in Bayern
2.3.1. Aspekte des Jagdrechts
2.3.2. Wildschadensregulierung
2.3.3. Entwicklung der Wildbestände
2.3.3.1. Rehwild
2.3.3.2. Schwarzwild
2.3.3.3. Rotwild
2.3.3.4. Fasan
2.3.3.5. Feldhase
2.3.3.6. Rebhuhn
2.3.4. Aktuelle Projekte
2.3.4.1. Projekt: „Energie aus Wildpflanzen“
2.3.4.2. Schwarzwildmonitoring des BJV

3. Methodik und Versuchsdurchführung
3.1. Theorie
3.1.1. Die Befragung
3.1.2. Methodik der Fragebogenerstellung
3.2. Erstellung des Fragebogens
3.2.1. Gliederung des Fragebogens
3.2.2. Auswahl des Fragentypus
3.2.2.1. Art der Fragestellung
3.2.2.2. Skalenauswahl
3.3. Durchführung der Befragung
3.3.1. Durchführung eines Pretest
3.3.2. Distribution der Fragebögen
3.4. Verarbeitung der Daten

4. Ergebnisse
4.1. Allgemeine Charakterisierung der Stichprobe
4.2. Gestaltung der Konditionen des Jagdpachtvertrags der Reviere
4.3. Auswertung des Fragebogenabschnitts Biogasanlagen

5. Diskussion und Ableitung von Handlungsmöglichkeiten

6. Zusammenfassung – Management Summary

7. Quellenverzeichnis

8. Anhang

III. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 2.1: Mindestvergütungssätze für Strom aus Biomasse (EEG, 2009 ; EEG, 2004)

Abbildung 2.2: Entwicklung der Biogasanlagenanzahl und der elektrischen Leistung in Bayern (LfL, 2009)

Abbildung 2.3: Substrateinsatz der Biogasanlagen in Bayern (LfL, 2008)

Abbildung 2.4: Substrateinsatz der Biogasanlagen (LfL; 2008)

Abbildung 2.5: Anbau und Verwertung nachwachsender Rohstoffe 2009 in Bayern (Bayrischer Agrarbericht, 2010)

Abbildung 2.6: Verbandsstruktur der Jäger Bayerns (BJV, 2011)

Abbildung 2.7: Entwicklung der Schwarzwildstrecke in Bayern (BJV, 2011)

Abbildung 3.1: Wertelabelansicht in SPSS

Abbildung 4.1: Jagdscheinbesitz der Befragten (Eigene Befragung Januar 2011, Frage I.2)

Abbildung 4.2: Jagdliche Funktion der Befragten (Eigene Befragung Januar 2011, Frage I.1)

Abbildung 4.2: Sonstige jagdliche Funktionen und Ämter der Befragten (Eigene Befragung Januar 2011, Frage I.1)

Abbildung 4.3: Verteilung der Stichprobe auf die bayerischen Regierungsbezirke (Eigene Befragung Januar 2011, Frage I.3)

Abbildung 4.4: Vergleich des Wald-/Feldanteils der Reviere der Befragten (Eigene Befragung Januar 2011, Frage I.6)

Abbildung 4.5: Höhe Pachtzahlungen für bayerische Jagdreviere (Eigene Befragung Januar 2011, Frage I.7)

Abbildung 4.6: Wildschadensregelung in bayerischen Jagdrevieren (Eigene Befragung Januar 2011, Frage I.8)

Abbildung 4.7: Bestand des Pachtvertrags von Jagdpachten in Bayern (Eigene Befragung Januar 2011, FrageI.9)

Abbildung 4.8: Wiederpacht des Reviers nach Ablauf der Pachtperiode (Eigene Befragung Januar 2011, Frage I.10)

Abbildung 4.9: Gründe der Kündigung des Jagdpachtvertrags nach Ablauf der pachtperiode (Eigene Befragung Januar 2011, Frage I.11)

Abbildung 4.10: Preisvorstellungen als Bedingung zur Wiederpacht (Eigene Befragung Januar 2011, Frage I.12)

Abbildung 4.11: Beurteilung der Entwicklung der Biogasbranche in Bayern (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.1)

Abbildung 4.12: Anzahl betriebener Biogasanlagen in bayerischen Jagdrevieren (Eigene Befragung Januar 2011, FrageII.2)

Abbildung 4.13: Inbetriebnahme der Biogasanlagen in den bayerischen Jagdrevieren (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.2)

Abbildung 4.14: Energiepflanzenfläche der Reviere in den Jahren 2008, 2009 und 2010 (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.3)

Abbildung 4.15: Auswirkungen des Energiepflanzenanbaus auf den Rotwildbestand in Bayern (Eigene Befragung Januar 2011, FrageII.4)

Abbildung 4.16: Auswirkungen des Energiepflanzenanbaus auf den Rehwildbesatz in Bayern (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.4)

Abbildung 4.17: Auswirkungen des Energiepflanzenanbaus auf den Schwarzwildbestand in Bayern (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.4)

Abbildung 4.18: Auswirkungen des Energiepflanzenanbaus auf den Feldhasenbesatz in Bayern (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.4)

Abbildung 4.19: Auswirkungen des Energiepflanzenanbaus auf den Fasanenbesatz in Bayern (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.4)

Abbildung 4.20: Auswirkungen des Energiepflanzenanbaus auf den Rebhuhnbesatz in Bayern (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.4)

Abbildung 4.21: Auswirkungen des Energiepflanzenanbaus auf die Wildschadenshöhe in Bayern (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.5)

Abbildung 4.22: Höhe des Wildschadens in den Jahren 2008, 2009 und 2010 in Bayern (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.6)

Abbildung 4.23: Auswirkungen des Energiepflanzenanbaus in Bayern auf den Jäger und sein Umfeld (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.7)

Abbildung 4.24: Auswirkungen des Energiepflanzenanbaus in Bayern auf das jagdliche und private Leben (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.8)

Abbildung 4.25: Sonstige Auswirkungen des Energiepflanzenanbaus in Bayern auf das jagdliche und private Leben (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.8)

Abbildung 4.26: Beurteilung von Schussschneisen im Mais zur Schadensabwehr und Bestandsreduzierung von Schwarzwild (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.9)

Abbildung 4.27: Beurteilung von Abständen zu Waldrändern zur Schadensabwehr und Bestandsreduzierung von Schwarzwild (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.9)

Abbildung4.28: Beurteilung von Elektrozäunen zur Schadensabwehr von Schwarzwildschäden (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.9)

Abbildung 4.29: Beurteilung von akustischen Geräten zur Schadensabwehr von Schwarzwildschäden (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.9)

Abbildung 4.30: Beurteilung von Erntejagden zur Schadensabwehr und Bestandsreduzierung von Schwarzwild (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.9)

Abbildung 4.31: Beurteilung von vermehrten Nachtansitzen zur Schadensabwehr und Bestandsreduzierung von Schwarzwild (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.9)

Abbildung: 4.32: Beurteilung von vermehrten Drückjagden zur Schadensabwehr und Bestandsreduzierung von Schwarzwild (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.9)

Abbildung 4.33: Beurteilung von Ablenkungsfütterungen zur Schadensabwehr (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.9)

Abbildung 4.34: Beurteilung von Kirrungen zur Schadensabwehr und Bestandsreduzierung von Schwarzwild (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.9)

Abbildung 4.35: Sonstige Möglichkeiten der Schwarzwildbejagung (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.9

Abbildung 4.36: Beurteilung des Verhältnisses von Jäger und Jagdgenossen (Eigene Befragung Januar 2011, FrageII.10)

Abbildung 4.37: Gründe für die Bewertung des Verhältnisses zu den Jagdgenossen (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.10)

Abbildung 4.38: Möglichkeiten der Kooperation von Jäger und Landwirt (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.11)

Abbildung 4.39: Sonstige Möglichkeiten der Kooperation von Jäger und Landwirt (Eigene Befragung Januar 2011, Frage II.11)

IV.Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Statistiken zum Jagdscheinbesitz bayerischer Jäger (Eigene Befragung Januar 2011, Frage I.2)

Tabelle 2: Geographische Lage der Jagdreviere (Eigene Befragung Januar 2011, Frage I.3)

Tabelle 3: Größe bayerischer Jagdreviere (Eigene Befragung Januar 2011, Frage I.4)

Tabelle 4: Art bayerischer Jagdreviere (Eigene Befragung Januar 2011, Frage I.5)

Tabelle 5: Höhe der Pachtzahlungen für bayerische Jagdreviere (Eigene Befragung Januar 2011, Frage I.7)

Tabelle 6: Sonstige Wildschadensregelungen in bayerischen Jagdrevieren (Eigene Befragung Januar 2011, Frage I.8)

Tabelle 7: Sonstige Gründe für die Kündigung des Jagdpachtvertrags nach Ablauf der Pachtperiode (Eigene Befragung Januar 2011, Frage I.11)

Tabelle 8: Geforderte Anpassungen der Regelungen zur Wildschadensregulierung im Jagdpachtvertrag (Eigene Befragung Januar 2011, Frage I.12)

Tabelle 9: Sonstige Anpassungen der Regelungen zur Wildschadenregulierung im Pachtvertrag (Eigene Befragung Januar 2011, Frage I.12)

V. Symbol – und Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung, Problemstellung und Zielsetzung

Die Rolle der Landwirtschaft in der Produktion hat sich in den letzten Jahren gewandelt. In der Diskussion um die zukünftige Energiebereitstellung stellen erneuerbare Energien und eben auch die Erzeugung von Biogas zur Strom- und Wärmegewinnung eine immer bedeutendere Alternative zu konventionellen Energiebereitstellungsmethoden dar. Zusätzlich bietet die Biogaserzeugung für Landwirte ein interessantes Betätigungsfeld, mit zusätzlichen Einkommensmöglichkeiten. Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) hat der Landwirtschaft die Möglichkeit gegeben, beim Ausbau der Erneuerbaren Energien einen nennenswerten Beitrag zu leisten. Durch festgesetzte Vergütungssätze, bietet sich Landwirten eine feste Planungsgrundlage. Unter anderem das EEG führte in den letzten Jahren zu einer steigenden Anzahl von Biogasanlagen in Bayern, welche, um den Rohstoffbedarf zu decken, hohe Flächenkapazitäten binden, die Kulturlandschaft verändern und somit auch die Wildtiere und die Jagd beeinflussen.

1.1. Problemstellung

Neben den positiven Auswirkungen der Biogasproduktion für den Klima- und Umweltschutz, entstehen auch negative Auswirkungen verschiedenster Art. In Bayern, so wie in ganz Deutschland ist die Jagd als eine der ältesten Landbewirtschaftungsformen eng mit der Landwirtschaft und den bewirtschafteten Flächen verbunden. Durch eine Änderung der angebauten Kulturen, kommt es auch zu Veränderungen der Lebensräume für die hier heimischen Wildtiere. Dies hat nicht selten negative Einflüsse auf die Reviergegebenheiten und die Bejagbarkeit der Wildtiere zur Folge. Durch ausgedehntere Flächen von Energiepflanzen, im Besonderen Mais, nehmen Wildtierarten wie das Schwarzwild in der Population zu und schädigen einzelne Parzellen. Die Struktur dieser Anbauflächen, bezogen auf Flächengröße und –gegebenheiten, erschwert die Bejagung. Andere Wildtierarten, vor allem die Niederwildarten Feldhase, Fasan und Rebhuhn, finden keinen natürlichen Lebensraum mehr und gehen in der Population zurück. Dies macht die Jagd auf diesen Flächen nicht nur schwerer und uninteressant, sondern es ist auch mit hohen Kosten neben der eigentlichen Revierpacht zu rechnen. Auch gesellschaftlich entstehen Probleme, da die Spannungen zwischen Flächenbewirtschaftern, Besitzern des Grund und Bodens und den Jagdpächtern entstehen. Stark betroffene Reviere können unter den vertraglichen Gegebenheiten des Pachtvertrags und zu jetzigen Pachtpreisen nicht erneut verpachtet werden.

1.2. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

In dieser Arbeit sollen die Auswirkungen von Biogasanlagen auf die Jagd in Bayern aufgezeigt werden und das Image von Biogasanlagen bei den bayerischen Jägern untersucht werden. Hierzu teilt sich die Arbeit in vier Bereiche. Im ersten Teil werden die gesetzlichen Gegebenheiten des Erneuerbaren Energien Gesetzes und die Rahmenbedingungen für die Biogasproduktion aufgezeigt. Außerdem soll die Produktion von Biogas durch Zahlen und Fakten zu Biogasanlagen quantifiziert werden. Aspekte des Jagdrechts allgemein und der Jagd in Bayern im Speziellen runden dieses Kapitel ab. Der zweite, empirische Teil der Arbeit beginnt mit dem theoretischen Hintergrund der durchgeführten Befragung von Jägern in Bayern zum Image von Biogasanlagen. Unter anderem werden der Fragebogenaufbau und die Durchführung der Befragung erklärt und anhand von Beispielen verdeutlicht. Anschließend werden die gewonnenen Ergebnisse durch Kennzahlen, Tabellen und Diagramme charakterisiert und bewertet, um klare Aussagen zum Untersuchungsgegenstand treffen zu können. Im vierten Teil der Arbeit werden die Ergebnisse der Befragung bezüglich der Problematik diskutiert und Handlungsalternativen aufgezeigt, welche das Image von Biogasanlagen und die Organisation des Anbaus von Energiepflanzen zur Biogasproduktion in eine positive Richtung leiten können. In diesem Kapitel werden Antworten zu den zentralen Forschungsfragen gegeben:

- Welche Auswirkungen hat die Biogasproduktion auf die Bejagbarkeit der Wildtiere?
- Wie schlagen sich diese Auswirkungen auf das private und gesellschaftliche Leben der Jäger nieder?
- Wie können die vertraglichen Konditionen der Jagdpachtverträge in betroffenen Revieren dementsprechend angepasst werden?
- Wie lässt sich das Miteinander von Flächenbewirtschafter, Jagdgenossen und Jägern nachhaltig verbessern?
- Welche politisch-rechtlichen Änderungen müssen erfolgen, um der Problematik entgegenzuwirken? (EEG)

2. Stand des Wissens

2.1. Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG)

Den gesetzlichen Rahmen für die Biogasproduktion schafft das EEG, welches 2011 erneut novelliert werden soll. Vorläufer des EEG war das Stromeinspeisungsgesetz (StrEG) vom 05.10.1990, welches dann am 1. April 2000 durch das EEG abgelöst wurde. „Ziel des Gesetzes ist es, im Interesse des Klima- und Umweltschutzes eine nachhaltige Entwicklung der Energieversorgung zu ermöglichen und den Beitrag Erneuerbarer Energien an der Stromversorgung deutlich zu erhöhen“ (EEG, 2009). Es dient somit insbesondere dem Klimaschutz und gehört zu einer ganzen Reihe gesetzlicher Regelungen, mit denen die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern wie Erdöl, Erdgas und Kohle, sowie der Kernkraft verringert werden soll. 2009 konnten 16% des gesamten Stromverbrauches in Deutschland durch Erneuerbare Energien abgedeckt werden, zu dem die Bioenergie wiederum rund ein Drittel beigesteuert hat. Die Vergütungssätze für Strom aus Biomasse staffeln sich je nach Anlagenleistung.

- Anlagen mit einer installierten Leistung von maximal 150 kW werden mit mindestens11,67 Cent pro kWh vergütet
- Von 150 kW bis 500 kW installierte elektrische Leistung mindestens 9,18 Cent pro kWh
- Von 500 kW bis 5 MW mindestens 8,25 Cent pro kWh
- Von 5 MW bis 20 MW mindestens 7,79 Cent pro kWh

(EEG, 2009)

Diese Mindestvergütungssätze unterliegen einer jährlichen Degression von 1 Cent pro kWh (EEG, 2009).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.1: Mindestvergütungssätze für Strom aus Biomasse (EEG, 2009 ; EEG, 2004)

Zusätzlich werden verschiedene Bonuszuzahlungen unter bestimmten Bedingungen gewährt. Möglichkeiten für zusätzliche Zahlungen bieten der durch das EEG festgesetzte Gülle-Bonus, Technologiebonus, der KWK-Bonus. Und der NawaRo-Bonus.

- Der Güllebonus: Um zu erreichen, dass neben nachwachsenden Rohstoffen auch Gülle für die Biogaserzeugung genutzt wird, wurde mit der Novellierung des EEG 2009 der Güllebonus eingeführt. Er fördert Biogasanlagen bis 500 kWel, deren Substratmischung mindestens zu 30% aus Gülle besteht.
- Der Technologiebonus: Dieser Bonus wird für ins Netz eingespeisten, regenerativ erzeugten Strom gewährt, der mit bestimmten innovativen Technologien, die in Anlage 1 des EEG aufgeführt sind, erzeugt wurde. Er beträgt 2 Cent pro kWh.
- Der KWK-Bonus: Durch den Bonus für Kraft-Wärme-Kopplung werden Anlagen zusätzlich bezuschusst, welche neben der Stromerzeugung auch Wärme für die eigene Nutzung oder die Einspeisung in das Fernwärmenetz erzeugen. Der Bonus hierfür beträgt zusätzlich 3 Cent pro kWh.
- Der NawaRo-Bonus: Wird der Strom ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen, höchstens in Verbindung mit Gülle, gewonnen, so wird zusätzlich ein NawaRo-Bonus gewährt. Dieser beträgt 7 Cent pro kWh für Anlagen bis 500 kWel und 4 Cent pro kWh für Anlagen von 500 kWel bis 5 MWel.

(EEG, 2009)

Für die Landwirtschaft ergeben sich hieraus eine feste Planungsgrundlage und eine sichere Alternative zu anderen Produktionsverfahren. Laut Prof. Dr. Christian Gienapp ergeben sich für den Landwirt zwei wirtschaftliche Möglichkeiten:

- Der Landwirt ist Produzent von Biomasse und Lieferant an die Energieerzeuger
- Der Landwirt wandelt eigenständig die erzeugte Biomasse in unterschiedlich nutzbare Energie um, wird also Biogasanlagenbetreiber

(Gienapp, 2006)

Seit Einführung des EEG im Jahr 2000 ist die Anzahl an Biogasanlagen stetig gewachsen. Hierzu wurden von der Landesanstalt für Landwirtschaft entsprechende Untersuchungen durchgeführt.

2.2. Entwicklung von Biogasanlagen in Bayern

Bayern steht bei der Stromerzeugung aus Biogas im Vergleich mit den anderen Bundesländern an der Spitze. Bezogen auf den Anfang des Jahres 2010 gibt es in Bayern knapp 1700 Biogasanlagen mit einer installierten Leistung von 424MW. Dies entspricht ca. 3,6% des bayrischen Bruttostromverbrauchs (LfL, 2010). Betrachtet man die einzelnen Regierungsbezirke, so liegen die meisten Biogasanlagen Bayerns in Oberbayern mit 427 Anlagen, gefolgt von Schwaben mit 418 Anlagen. Am wenigsten verbreitet ist die Biogasproduktion in Unter- und Oberfranken (LfL, 2009). Die Entwicklung der Anlagenanzahl in Bayern ist in Abbildung 2 ersichtlich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.2: Entwicklung der Biogasanlagenanzahl und der elektrischen Leistung in Bayern (LfL, 2009)

2.2.1. Rohstoffeinsatz- und Bedarf

Für die Erzeugung von Biogas kommen verschiedenste Rohstoffe in Frage. Abbildung 2.3 zeigt die Verteilung des Substrateinsatzes.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.3: Substrateinsatz der Biogasanlagen in Bayern (LfL, 2008)

Einer Befragung der Landesanstalt für Landwirtschaft zu Folge, kommen in bayerischen Biogasanlagen in ca. 77% aller Fälle Nachwachsende Rohstoffe in Verbindung mit Wirtschaftsdüngern als Substrat zum Einsatz. Etwa 8% der Biogasanlagen werden zusätzlich mit Kofermenten, also Speise- und Bioabfällen im Sinne der Bioabfallverordnung, betrieben. Nur ungefähr 15 nutzen allein eines der Substrate für den Betrieb der Anlage (LfL; 2008). Mais, ob als Silage oder als Corn-Cop-Mix (CCM) der Anlage zugeführt, wird am häufigsten als nachwachsender Rohstoff für die Biogasproduktion angebaut. Eine weitere Möglichkeit der Substratgewinnung bieten Getreidekörner oder Ganzpflanzensilagen und verschiedene Gräser als Silagen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.4: Substrateinsatz der Biogasanlagen (LfL; 2008)

2.2.2. Anbaufläche

In Bayern werden auf 300.000 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche nachwachsende Rohstoffe angebaut. Ca. 280.000 ha davon werden stofflich oder energetisch genutzt. Dies entspricht 13% der Ackerfläche Bayerns (Bayrischer Agrarbericht, 2010). Für die Biogasproduktion wurden 2009, wie in Abbildung 2.5 ersichtlich, 140.000 ha nachwachsende Rohstoffe angebaut.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.5: Anbau und Verwertung nachwachsender Rohstoffe 2009 in Bayern (Bayrischer Agrarbericht, 2010)

Werden in einer Biogasanlage Nachwachsende Rohstoffe alleine oder in Kombination eingesetzt, benötigt diese Anlage eine Fläche von 0,4 ha pro installiertes Kilowatt.

2.3. Jagd in Bayern

Auf ca. 6,8 Millionen ha üben in Bayern ca. 51.000 Jäger die Jagd aus. Lediglich 34% dieser Fläche sind bewaldet, der Rest entfällt auf Wiesen und Felder. Die Jägerschaft in Bayern organisiert sich im Bayerischen Jagdverband, welcher bis dato in etwa 44.500 Mitglieder, also 87% aller Jagdscheininhaber Bayerns, zählt. (BJV, 2011)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2.6: Verbandsstruktur der Jäger Bayerns (BJV, 2011)

Die Abbildung zeigt die Verbandsstruktur des BJV. Übergeordnet sind die Ausschüsse, wie zum Beispiel der Arbeitskreis „Schwarzwild“, das Präsidium mit seinem Präsidenten Prof. Dr. Jürgen Vocke, und die Geschäftsstelle des BJV in Feldkirchen bei München. Dem BJV gehören 156 Kreisgruppen der 7 Regierungsbezirke Bayerns an, denen jeweils ein Kreisgruppenvorsitzender vorsteht. Innerhalb dieser sind die einzelnen Jagdreviere zu sog. Hegeringen zusammengefasst (BJV, 2011).

2.3.1. Aspekte des Jagdrechts

Das Jagdrecht ist in Bayern, wie in Deutschland, untrennbar mit dem Eigentum an Grund und Boden verbunden (BJagdG, 2007). Die Grundeigentümer - meist Land- und Forstwirte - schließen sich zu Jagdgenossenschaften zusammen und verpachten Ihr Recht auf Jagdausübung in diesem Gemeinschaftsjagdrevier an einen oder mehrere pachtfähige Jäger. Neben Gemeinschaftsjagdrevieren kann auch ein Eigenjagdrevier gebildet werden, welches in Bayern mindestens 81,755 ha zusammenhängender Fläche bedarf (BJagdG, 2007). Hierdurch zeigt sich, dass die Jagd auch untrennbar mit der Land- und Forstwirtschaft verbunden ist. Die Eigentümer der Flächen, auf denen die Jagd ausgeübt wird, sind die Jagdgenossen. Landwirte, die diese Flächen zur Bewirtschaftung gepachtet haben, sind laut Bayrischem Jagdgesetz keine Jagdgenossen in diesem Gemeinschaftsjagdrevier. Der notwendige Kontakt, wenn es um die landwirtschaftliche Bewirtschaftung der Jagdfläche geht, führt also über die Jagdgenossenschaft hinaus. Kommt es auf den Flächen des Jagdreviers zu Wildschäden durch Schalenwild, Fasan oder Wildkaninchen, so hat die Jagdgenossenschaft dem Geschädigten den Wildschaden zu ersetzen (BJagdG, 2007). Ändern sich die Anbauverhältnisse landwirtschaftlicher Kulturpflanzen im Jagdrevier und die Wildbestände, so kann dies erhebliche Auswirkungen auf die Höhe des Wildschadens haben. Somit ergibt sich eine veränderte Situation für den Jäger als Pächter des Jagdreviers. Um diese Veränderungen greifbar zu machen, muss auf die jeweiligen Verfahren der Wildschadensregulierung und der Bewertung des Wildschadens eingegangen werden.

[...]

Details

Seiten
81
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783842828513
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v229142
Institution / Hochschule
Fachhochschule Weihenstephan; Abteilung Triesdorf – Land- und Ernährungswirtschaft, Agrarmarketing und Management
Note
Schlagworte
schwarzwild biogasanlage bejagung mais

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Titel: Biogasanlagen: Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft und Jagd in Bayern