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Die Veränderungen im Bildungsverhalten und in der Erwerbstätigkeit von Mädchen und jungen Frauen seit 1980

Bachelorarbeit 2012 51 Seiten

Psychologie - Allgemeine Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung und Problemstellung

2 Entwicklung des Bildungsstands in Deutschland

3 Veränderungen im Bildungsverhalten von Mädchen und jungen Frauen
3.1 Allgemeinbildende Schulen
3.2 Berufliche Erstausbildung
3.2.1 Schülerinnen an beruflichen Schulen
3.2.2 Die am stärksten von Frauen besetzten Ausbildungsberufe
3.3 Hochschulen
3.3.1 Studienanfängerinnen, Studienanfängerquoten und Studentinnen
3.3.2 Am stärksten von Frauen besetzte Studienfächer
3.3.3 Promotionen
3.3.4 Frauenanteile nach akademischer Laufbahn von 1999 bis 2010

4 Entwicklung des Erwerbsverhaltens von jungen Frauen
4.1 Erwerbspersonen und Erwerbstätigkeit
4.2 Arbeits- und Erwerbslosigkeit
4.3 Beschäftigungsumfang
4.4 Verdienste
4.5 Geschlechterspezifische Segregation des Arbeitsmarktes
4.5.1 Horizontale Segregation: Von Frauen gewählte Berufe und Berufsfelder
4.5.2 Vertikale Segregation: Frauen in Führungspositionen
4.5.3 Folgen struktureller Beschäftigungsunterschiede für die Verdienste

5 Schlussbetrachtung und Ausblick

6 Literaturverzeichnis

7 Anhang

Eidesstattliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1. Frauen bestimmter Altersgruppen 2008 nach allgemeinbildendem Abschluss

Abbildung 2. Verteilung der weiblichen Absolventen und Abgänger allgemein- bildender Schulen nach Abschlussart 1980 und 2010 (in %)

Abbildung 3. Männer- und Frauenanteile nach akademischer Laufbahn 1999 und 2010 (in %)

Abbildung 4. Arbeitslosenquoten von Männern und Frauen 1980 bis 2010 (in %)

Abbildung 5. Anzahl voll- und teilzeitbeschäftigter Männer und Frauen 1980 bis 2010 (in 1000)

Abbildung 6. Frauenanteile in ausgewählten Mischberufen 1980 und 2010 (in %)

Abbildung 7. Frauenanteile in Berufen der 2. Führungsebene 1996 bis 2010 (in %)

Abbildung 8. Frauenanteile in den Berufen der 1. Führungsebene 1996 bis 2010 (in %)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1. Abgänger u. Absolventen allgemeinbildender Schulen nach Schulart 1980 – 2010

Tabelle 2. Die am häufigsten von Frauen besetzten Ausbildungsberufe 1986 u. 2009, Anzahl der weiblichen Auszubildenden in d. Berufen u. ihr Anteil an allen weiblichen Auszubildenden

Tabelle 3. Studienanfängerinnen im WS 1980/81 und Studentinnen im WS 2009/10 in den 10 am stärksten von Frauen besetzten Studienfächern und ihr Anteil an allen Studienanfängerinnen bzw. Studentinnen

Tabelle 4. Männer- und Frauenverdienste (in €) sowie Anteil der Frauenverdienste an den Männerverdiensten (in %) in West-, Ost- und Gesamtdeutsch- land 1987 – 2010

Anhang 1. Bevölkerung 2008 nach allgemeinbildendem Abschluss (Anteile in %)

Anhang 2. Anteil der Absolventinnen und Abgängerinnen an allen Absolventen und Abgängern nach Abschlussart 1980 - 2010 (in %)

Anhang 3. Zahl der Studienanfänger, der Frauenanteile (in %) unter ihnen und die Studienanfängerquote nach Geschlecht (in %) 1980 - 2010

Anhang 4. Anzahl aller, der männlichen und der weiblichen Studenten sowie Frauenanteil unter den Studenten (in %) 1980 - 2010

Anhang 5. Anzahl der Promovierenden und der Frauenanteil unter ihnen (in %) 1980 - 2010

Anhang 6. Anzahl der Promovierenden und der Frauenanteil unter ihnen (in %) nach Fächergruppen 1986 und 2010

Anhang 7. Anzahl der Erwerbspersonen und Nichterwerbspersonen und ihr Anteil an der Bevölkerung sowie Anzahl von Erwerbstätigen und Erwerbslosen und ihr Anteil an den Erwerbspersonen (in %) 1980 - 2010 nach Geschlecht

Anhang 8. Durchschnittliche Dauer der abgeschlossenen Arbeitslosigkeit insgesamt sowie von Männern und Frauen (in Wochen) 1980 bis 2010

Anhang 9. Frauenanteile in typischen Frauenberufen 1980 und 2010 (in %)

Anhang 10. Frauenanteile in typischen Männerberufen 1980 und 2010 (in %)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung und Problemstellung

Die Gleichstellung von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen hat innerhalb der letzten Jahrzehnte mehr und mehr an Bedeutung gewonnen. Schon im Artikel 3 Abs. 2 des Grundgesetzes, das am 23.05.1949 ausgefertigt wurde, ist festgehalten: „Frauen und Männer sind gleichberechtigt“ (Deutscher Bundestag, 2010, S. 15). Im Oktober 1994 verabschiedete die Bundesregierung eine Ergänzung dieses Artikels, in der es heißt: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin“ (ebenda). Die gesetzliche Grundlage war damit geschaffen. Die Umsetzung hingegen benötigt Zeit und es sind „unterschiedliche Geschwindigkeiten bei der Egalisierung der Lebensbedingungen von Frauen und Männern zu beobachten, je nachdem welche Lebensbereiche und welche Gruppen von Frauen und Männern man betrachtet“ (Cornelißen, 2005, S. 13).

Eingebettet in diesen Gleichstellungsdiskurs beschreibt die vorliegende Arbeit die Veränderungen in den beiden Lebensbereichen Bildung und Erwerbstätigkeit der Frauen. Die Darstellungen umfassen teils die Entwicklungen der Daten von Frauen für sich, teils erfolgen sie in Relation zu den Männern. Die Angaben beruhen größtenteils auf von der Bundesagentur für Arbeit (BA) erhobenen Daten und auf Auswertungen statistischer Erhebungen des Statistischen Bundesamtes (StBA), oftmals in Zusammenarbeit mit Institutionen wie dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend oder der Bundeszentrale für Politische Bildung.

Der untersuchte Zeitraum erstreckt sich von 1980 bis 2009 oder 2010 – je nach Datenlage. Genaue Aussagen speziell für Mädchen und jungen Frauen können an vielen Stellen nicht getroffen werden, da keine unterschiedlichen Altersgruppen erfasst wurden. Im Bildungsbereich dürfte eine Altersfestlegung relativ einfach sein, wenn man davon ausgeht, dass die meisten Schüler ihren allgemeinbildenden und ersten beruflichen Abschluss im Alter zwischen 15 und 30 Jahren absolvieren. Für Erwerbstätige soll die Definition bis zum Alter von 39 Jahren erweitert werden, da in diesem Alter etwa das erste Drittel des Berufslebens bewältigt wurde.

In der vorliegenden Arbeit wird zunächst die Entwicklung des Bildungsstandes der gesamten deutschen Bevölkerung beschrieben, um einen Vergleichsrahmen für die im Anschluss daran dargestellten quantitativen sowie qualitativen Veränderungen im Bildungsverhalten von Mädchen und jungen Frauen an allgemeinbilden Schulen, bei der beruflichen Erstausbildung und an Hochschulen zu schaffen.[1]

Der zweite Teil der vorliegenden Arbeit beschäftigt sich mit dem veränderten Erwerbsverhalten von Frauen und beschreibt die Begriffe sowie die quantitative Entwicklung der Erwerbspersonen, Erwerbstätigen, Erwerbslosen und der Arbeitslosen. Anschließend werden die Veränderungen im Beschäftigungsumfang und in den Verdiensten geschildert. Im Rahmen der sogenannten geschlechterspezifischen Segregation am Arbeitsmarkt werden anschließend die Entwicklungen in den von Frauen am meisten ausgeübten Berufen, bei der Besetzung von Führungspositionen und der damit einhergehenden Folgen für die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen näher betrachtet.

Abschließend werden die Entwicklungen des Bildungs- und des Erwerbsverhaltens gegenübergestellt.

2 Entwicklung des Bildungsstands in Deutschland

Der Bildungsstand eines Landes sagt viel über dessen Entwicklungsstand aus, insbesondere in einer Wissensgesellschaft wie Deutschland. Dementsprechend spricht ein erhöhtes Bildungsniveau für eine Weiterentwicklung des Landes.

In Deutschland kann man eindeutig von einer Steigerung des Bildungsstandes seit 1980 sprechen. Auf fast allen Bildungslevels fand eine Verbesserung[2] statt.

Schon auf dem Niveau der allgemeinbildenden Abschlüsse in der Sekundarstufe ist eine deutliche Weiterentwicklung zu erkennen. Innerhalb der letzten 30 Jahre ist der Anteil der Schulabgänger ohne allgemeinen Abschluss stark gesunken. Betrachtet man diese Personengruppe im Zeitverlauf, wird deutlich, dass ihre Größe von Jahr zu Jahr starken Schwankungen unterlag. Im Jahr 1980 gab es noch 111.647 Schulabgänger ohne allgemeinbildenden Abschluss, 1990 nur noch 53.600. Im Anschluss daran stieg die Zahl wieder kontinuierlich an, bis sie im Jahr 2001 einen erneuten Höchststand mit 88.456 Abgängern erreichte und im Anschluss daran beständig auf 53.058 in 2010 abfiel. Insgesamt sank sinken die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss innerhalb der vergangenen 30 Jahre somit um 52,48 %. Der Anteil dieser Gruppe an der Gesamtzahl der Schulabsolventen und –abgänger halbierte sich von 1980 (11,3 %) bis 2010 (6,1 %) fast (siehe Tabelle 1).

Auch die Anzahl der Schulabsolventen mit Hauptschulabschluss verminderte sich innerhalb dieser Zeitspanne sehr stark. Sie sank fast kontinuierlich von 394.650 Absolventen im Jahr 1980 auf 179.753 Absolventen in 2010. Das entspricht einer Abnahme um 54,5 %. Der Anteil der Hauptschulabsolventen an der Gesamtzahl der Schulabsolventen und –abgänger sank von 40,1 % in 1980 auf 20,8 im Jahr 2010, was ebenfalls einer Halbierung entspricht (siehe Tabelle 1).

Diese bei den Schulabgängern ohne Abschluss und bei den Hauptschulabsolventen zurückgegangenen Anteile sind bei den Absolventen der Realschulen und Gymnasien wiederzufinden. Es hat also eine Verschiebung hin zu den höheren allgemeinbildenden Schulabschlüssen stattgefunden. Dies wird auch bei der Betrachtung der Bevölkerung im Jahr 2008 nach allgemeinbildendem Abschluss unterteilt in Alterskohorten deutlich. Mit abnehmendem Alter der betrachteten Gruppe steigt deren Bildungsniveau. So verfügten 52,2 % der 60- bis 64-jährigen über einen Hauptschulabschluss, nur 16,3 % bestritten die Mittlere Reife und 19,1 % besaßen eine Hochschulreife. In der Gruppe der 25- bis 29-jährigen hingegen gab es nur noch 21,1 % Hauptschulabsolventen, 31,9 % hatten einen Realschulabschluss und 42,9 % waren Abiturienten (siehe Anhang 1).

Der Gesamtanstieg der Realschulabsolventen seit 1980 ist mit 8,9 % relativ gering und vermutlich größtenteils der Wiedervereinigung Deutschlands zuzuschreiben. In der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik war die Mittlere Reife (Abschluss der Polytechnischen Oberschule) der üblichste allgemeinbildende Schulabschluss (vgl. Thiel, 2005, S. 65). Dementsprechend stieg die Anzahl der Realschulabsolventen sprunghaft von 234.252 im Jahr 1990 (vor der Wiedervereinigung) um 32,7 % auf 310.921 in 1992 (nach der Wiedervereinigung). Der Anteil der Realschulabsolventen an der Gesamtzahl der Schulabsolventen und –abgänger erhöhte sich dadurch abrupt von 34,8 % auf 40,1 %. Nach 1992 blieb dieser Anteil dann fast konstant (siehe Tabelle 1).

Die Anzahl der Absolventen an Gymnasien hingegen stieg fast kontinuierlich an. Von 1980 auf 1985 gab es einen besonders großen Sprung von 159.248 um 35,7 % auf 216.065, was zu einer Zunahme des Anteils an der Gesamtzahl der Schulabsolventen und –abgänger von 16,2 auf 22,6 % führte. Dieser Anteil stieg innerhalb der nachfolgenden 5 Jahre nochmals um ca. 5 % auf 27,4 % und verharrte anschließend bis 2005 bei Werten zwischen 24 und 26 %. Danach erhöhte sich der Anteil wieder und im Jahr 2010 waren mit 281.649 schon 32,6 % aller Schulabsolventen und –abgänger Gymnasiasten. Insgesamt verdoppelte sich damit der Anteil dieser Personengruppe seit 1980 (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1. Abgänger u. Absolventen allgemeinbildender Schulen nach Schulart 1980 – 2010

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quellen: StBA, 2005, S. 67; StBA, 2011a, S. 276; eigene Berechnungen

Auf der nächsten Bildungsstufe – der beruflichen Erstausbildung an Berufs- oder Berufsfachschulen – gab es innerhalb der letzten 30 Jahre einige Schwankungen. Zunächst stieg die Zahl der Ausbildungsabsolventen von 852.205 in 1980 auf 947.905 im Jahr 1985, verringerte sich dann aber auf 735.206 in 1991 (vgl. StBA, 2005, S.91). In den darauffolgenden Jahren stieg die Zahl der Ausbildungsabsolventen kontinuierlich leicht an und betrug im Schuljahr 2008/2009 981.071. Insgesamt stieg die Anzahl seit 1980 somit um 15,1 % (ebenda, eigene Berechnungen).

Im Vergleich dazu stieg die Anzahl der Studenten in demselben Zeitraum noch sehr viel stärker. 1980 gab es nur 1.036.303, 1995 schon 1.857.906 und 2009 sogar 2.121.178 Studenten. Das entspricht einer Zunahme um 104,7 % (vgl. StBA, 2011b). Heute studieren demnach mehr als doppelt so viele junge Menschen wie 1980.

Diese Entwicklungen – insbesondere die gesunkene Anzahl von Schulabgängern ohne Abschluss und von Hauptschulabsolventen, die gestiegene Absolventenzahl mit Mittlerer Reife und Hochschulreife sowie die Zunahme der Studenten – zeigen, dass der Bildungsstand der deutschen Bevölkerung im Verlauf der letzten 30 Jahre stark gestiegen ist.

3 Veränderungen im Bildungsverhalten von Mädchen und jungen Frauen

Dieses im vorangegangenen Abschnitt aufgezeigte gestiegene Bildungsniveau ist auch eindeutig bei den Mädchen und jungen Frauen zu identifizieren, größtenteils sogar mit stärkerer Tendenz. Da diese Gruppe 1980 ein teilweise niedrigeres Ausgangsniveau hatte als ihre männlichen Altersgenossen, sind Veränderungen im Bildungsverhalten umso ausschlaggebender in den prozentualen Änderungen zu erkennen. Das folgende Kapitel beschreibt die veränderte Bildungsbeteiligung der jungen Frauen in Deutschland in den verschiedenen Bildungsbereichen: allgemeinbildende Schulen, berufliche Schulen sowie Hochschulen.

3.1 Allgemeinbildende Schulen

Den allgemeinbildenden Schulen kommt als Grundstein für die anschließende berufliche Ausbildung eine große Bedeutung zu. Dementsprechend wichtig ist es für junge Frauen, sich bereits in diesem Bereich zu behaupten. Die nachfolgenden Zahlen zeigen, dass sie schon 1980 fast mit den gleichaltrigen Jungs gleichzogen.

So machten sie 1980 nur 38,1 % der Schulabgänger ohne allgemeinbildenden Abschluss aus, stellten nur 45,8 % der Hauptschulabsolventen dar, repräsentierten 54,7 % der Realschulabsolventen und waren mit 48,3 % schon fast die Hälfte der Abiturienten (siehe Anhang 2). Diese Anteile veränderten sich innerhalb der darauffolgenden 30 Jahre fast ausschließlich zum Vorteil der jungen Frauen. Im Jahr 2010 waren 39,0 % der Schulabgänger ohne allgemeinbildenden Abschluss Mädchen – diese Zahl schwankte seit 1980 nur leicht. Der Frauenanteil unter den Hauptschulabsolventen sank seit 1980 kontinuierlich, sodass 2010 nur 42,2 % Mädchen waren. Unter den Realschulabsolventen waren 2010 49,7 % junge Frauen, sodass sie in diesem Bereich ungefähr die Hälfte repräsentierten. Der Anteil an den Abiturienten stieg bis 2002 durchgängig an und sank danach nur leicht wieder. 2010 repräsentierten die Frauen mit 55,4 % mehr als die Hälfte der Abiturienten (siehe Anhang 2).

Betrachtet man die gesamte Bevölkerung im Jahr 2008 nach allgemeinbildendem Abschluss, fällt zunächst auf, dass die Frauen insbesondere bei der Hochschulreife hinter den Männern liegen. So konnten 2008 27 % aller über 15-jährigen Männer das Abitur nachweisen, aber nur 22 % aller über 15-jährigen Frauen (vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung, 2010, S. 227).

Unterteilt man die Bevölkerung allerdings in Altersgruppen, wird deutlich, dass diese Differenz dadurch entsteht, dass es in den älteren Alterskohorten sehr große Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, die mit abnehmendem Alter immer geringer werden. Dementsprechend macht es Sinn, nur die für diese Betrachtung relevanten Altersgruppen zu berücksichtigen. Dabei entsteht ein ganz anderes Bild und gleichzeitig wird die Entwicklung in der Bildungsbeteiligung der Mädchen und jungen Frauen deutlich.

Während 2008 unter den 40- bis 44-jährigen Frauen, also der Personengruppe, die ca. 1980 ihren Haupt- bzw. Realschulabschluss erwarb, noch 24,4 % einen Hauptschulabschluss und 29,6 % eine Mittlere Reife und 13,1 % einen damit vergleichbaren Abschluss der Polytechnischen Oberschule – zusammen 42,7 % – hatten, verfügten im selben Jahr nur 15,6 % der 20- bis 24-jährigen Frauen über einen Hauptschulabschluss, 33,9 % über eine Mittlere Reife und 45 % über die Hochschulreife (siehe Abbildung 1). Unter den 45- bis 49-jährigen, zu denen jene gehörten, die ca. 1980 ihr Abitur erwarben, hatten 2008 erst 24,4 % eine Hochschulreife (siehe Abbildung 1). Somit verfügten 2008 etwa halb so viele 20- bis 24-jährige wie 40- bis 44-jährige über einen Hauptschulabschluss und fast doppelt so viele 20- bis 24-jährige wie 45- bis 49-jährige über die Hochschulreife.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1. Frauen bestimmter Altersgruppen 2008 nach allgemeinbildendem Abschluss

Quelle: Autorengruppe Bildungsberichterstattung, 2010, S. 227

Eine andere interessante Entwicklung wird deutlich, wenn man beobachtet, wie sich die Anteile der Absolventinnen unterschiedlicher Schulformen im Zeitverlauf verändert haben. Im Jahr 1980 verteilten sich die Absolventinnen und Abgängerinnen an allgemeinbildenden Schulen noch wie folgt: 9,0 % der Schülerinnen verließen die Schule ohne allgemeinbildenden Abschluss, 38,0 % hatten einen Hauptschulabschluss, 36,8 % verfügten über die Mittlere Reife und nur 16,2 % absolvierten die Hochschulreife (siehe Abbildung 2).

Der Anteil der Abgängerinnen ohne allgemeinbildenden Abschluss hat sich innerhalb der letzten 30 Jahre fast halbiert und sank bis 2010 auf nur noch 4,8 %. Der Anteil der Hauptschulabsolventinnen betrug 2010 mit 17,8 % nicht einmal mehr die Hälfte, während der Anteil der Realschulabsolventinnen nur leicht auf 40,8 % anstieg. Am stärksten ist die Zunahme der Abiturientinnen. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Schulabsolventinnen und –abgängerinnen stieg bis 2010 kontinuierlich auf 36,6 %, betrug also mehr als das Doppelte im Vergleich zu 1980 (siehe Abbildung 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2. Verteilung der weiblichen Absolventen und Abgänger allgemeinbildender Schulen nach Abschlussart 1980 und 2010 (in %)

Quellen: StBA, 2005, S. 67; StBA, 2011a, S. 282; eigene Berechnungen

3.2 Berufliche Erstausbildung

Nach der allgemeinbildenden Schulausbildung besteht u. a. die Möglichkeit, eine berufliche Schule zum Erlernen eines Berufes zu besuchen. Für die berufliche Erstausbildung existieren zwei verschiedene Systeme: Zum einen gibt es die Berufsschulen im dualen System, die in Zusammenhang mit einem Ausbildungsbetrieb die für den Beruf erforderliche fachtheoretische Grundausbildung vermitteln. Zum anderen ist es möglich, eine Berufsfachschule zur vollzeitschulischen Berufsvorbereitung oder -ausbildung zu besuchen (vgl. StBA, 2005, S. 13f.). Zu den beruflichen Schulen gehören weiterhin noch Berufsaufbauschulen, Fachoberschulen, Berufs- und Technische Oberschulen, Fachgymnasien sowie Fachschulen. Da diese Schulformen allerdings nicht dem Erreichen einer beruflichen Erstausbildung dienen, werden sie im Folgenden nicht weiter berücksichtigt.

3.2.1 Schülerinnen an beruflichen Schulen

Sowohl in Bezug auf die Anzahl der Schülerinnen in der beruflichen Erstausbildung als auch auf ihren Anteil an allen Schülern hat sich in den vergangenen 30 Jahren nicht besonders viel verändert. 1980 waren 48,0 % aller Absolventen in der beruflichen Erstausbildung Frauen. Dieser Anteil stieg in den darauffolgenden 10 Jahren auf 49,1 %, verharrte zwei Jahre auf diesem Niveau und lag in den darauffolgenden Jahren immer um die 46 %. Im Schuljahr 2008/2009 betrug er dann 45,4 % und ist somit insgesamt seit 1980 ein wenig gesunken (vgl. StBA, 2005, S. 91).

Jede der beiden in 3.2 beschriebenen Schulformen für sich betrachtet bietet noch ein etwas anderes Bild. So ist der Frauenanteil allein an den traditionell eher männerdominierten Berufsschulen noch niedriger. 1980 betrug dieser 43,4 %, stieg bis 1992 auf 46,5 % an und sank danach relativ kontinuierlich ab auf 40,9 % im Schuljahr 2008/2009. Auch an Berufsfachschulen sank der Frauenanteil von 68,1 % in 1980 auf 56,8 % im Schuljahr 2008/2009 (ebenda).

Auch die Verteilung der Berufsschülerinnen auf die beiden verschiedenen Systeme hat sich in den vergangenen 30 Jahren leicht verschoben. 1980 absolvierten noch 73,2 % aller weiblichen Auszubildenden ihre Ausbildung an einer Berufsschule, 26,8 % an einer Berufsfachschule. Zunächst erhöhte sich der Anteil der Berufsschule bis auf 77,4 % in 1992, fiel dann aber auf 64,2 % im Schuljahr 2008/2009. Der Anteil der Schülerinnen an Berufsfachschulen an allen jungen Frauen in der beruflichen Erstausbildung hingegen erhöhte sich somit auf 35,8 % (ebenda). Aus dieser Verteilung auf die beiden verschiedenen Systeme lässt sich deren Bedeutung für die jungen Frauen ableiten. Die der Berufsschule und damit auch des dualen Systems nahm für junge Frauen eher ab, die der Berufsfachschule zu. Somit ging die Tendenz der Frauen immer mehr in Richtung der aus den sogenannten Frauenschulen hervorgegangenen Berufsfachschulen, die ursprünglich „zur Vorbereitung von Frauen aus dem Bildungsbürgertum auf eine außerhäusliche qualifizierte Berufstätigkeit“ (Thiel, 2005, S. 84) dienten. Sie wählten somit immer häufiger das Frauentypischere.

3.2.2 Die am stärksten von Frauen besetzten Ausbildungsberufe

Die Wahl des Ausbildungsberufes ist für das nachfolgende Berufsleben junger Frauen von großer Bedeutung und prägt die gesamte professionelle Laufbahn. Dementsprechend ist es interessant, die von Frauen am meisten besetzten Ausbildungsberufe näher zu betrachten. Aus ihnen lassen sich bereits Jobtendenzen für den späteren Berufseinstieg ableiten.

Es gibt traditionell eher männer- und eher frauendominierte Ausbildungsberufe. Das weibliche Geschlecht bevorzugt vor allem soziale, kaufmännische oder dienstleistungsorientierte Tätigkeiten, während es Männer eher zu technischen oder Fertigungsberufen hinzieht. Diese Tendenzen sind sowohl in den 80er Jahren als auch heute erkennbar.

Im Jahr 1986 war Friseurin der beliebteste Ausbildungsberuf von Frauen, 8,7 % aller weiblichen Auszubildenden wollten diesen Beruf erlernen. Darauf folgten Verkäuferin (7,9 %), Bürokauffrau (6,7 %), Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk (6,6 %) und an 5. Stelle Industriekauffrau (5,7 %). Somit war mehr als ein Drittel (35,6 %) der weiblichen Auszubildenden auf die fünf am meisten von Frauen besetzten Ausbildungsberufe konzentriert (siehe Tabelle 2). Betrachtet man die ersten zehn Lehrberufe, zu denen zusätzlich noch Arzthelferin, Zahnarzthelferin, Bankkauffrau, Einzelhandelskauffrau und Bürogehilfin gehörten, findet man darin bereits 55,6 % aller weiblichen Auszubildenden wieder, bei den ersten 15 schon 67,5 % und bei den ersten 20 sogar 75,4 % (vgl. StBA, 1988, S. 77 f.).

Von den männlichen Auszubildenden hingegen absolvierten lediglich 24 % einen der fünf am häufigsten von Männern gewählten Lehrberufe, 57,4 % lernten einen der ersten 20 Berufe (vgl. StBA, 1988, S. 77). Frauen konzentrierten sich also viel stärker auf eine kleine Auswahl von Tätigkeitsfeldern.

Vergleicht man die von Männern und Frauen angestrebten Fächer, fällt auf, dass es kaum Überschneidungen gab. Lediglich der Beruf der Industriekaufleute (Frauen: Rang 5, Männer: Rang 11), der Bankkaufleute (Frauen: Rang 8, Männer: Rang 8) sowie der Kaufleute im Groß- und Außenhandel (Frauen: Rang 11, Männer: Rang 7) fand 1986 bei beiden Geschlechtern starken Zuspruch (ebenda).

Tabelle 2. Die am häufigsten von Frauen besetzten Ausbildungsberufe 1986 u. 2009, Anzahl der weiblichen Auszubildenden in d. Berufen u. ihr Anteil an allen weiblichen Auszubildenden

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quellen: StBA, 1988, S. 77; StBA, StBA, 2011c, S. 142, eigene Berechnungen

Diese Aufteilung der weiblichen und männlichen Auszubildenden auf die verschiedenen Ausbildungsberufe blieb im Großen und Ganzen während der nachfolgenden 30 Jahre bestehen. Die 1986 am stärksten von Frauen besetzten Lehrberufe sind auch 2009 noch die gefragtesten – lediglich in teilweise anderer Reihenfolge. So zählten 2009 zu den fünf am häufigsten angestrebten Tätigkeitsfeldern Kauffrau im Einzelhandel (6,8 % aller weiblichen Auszubildenden), Bürokauffrau (6,6 %), Medizinische Fachangestellte bzw. Arzthelferin (6,5 %), Friseurin (5,5 %) sowie Industriekauffrau (5,3 %). Mit zusammen 30,7 % ist die Konzentration auf wenige Berufe allerdings nicht mehr ganz so stark. In den zehn am häufigsten besetzten Ausbildungsberufen, denen zusätzlich noch Verkäuferin, Zahnmedizinische Fachangestellte, Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk, Kauffrau für Bürokommunikation und Hotelfachfrau zuzuordnen sind, findet man 2009 53 % der weiblichen Auszubildenden wieder (siehe Tabelle 2). Das ist besonders erstaunlich vor dem Hintergrund, dass es 2009 349 anerkannte Ausbildungsberufe nach Berufsbildungsgesetz (BBiG) und Handwerksordnung gab (vgl. Bundesinstitut für Berufsbildung, 2010). Außerdem ist auch 29 Jahre später noch kein typischer Männerberuf unter den von Frauen bevorzugten Tätigkeitsbereichen zu finden (vgl. StBA, 2011c, S. 142).

Im Bereich der Berufsausbildung gab es also eine leichte Entzerrung der Fixierung auf einige wenige Ausbildungsberufe. Allerdings kann man keinesfalls von einer gleichmäßigen Verteilung der männlichen und weiblichen Auszubildenden auf alle Lehrberufe sprechen. Die geschlechterspezifische Aufteilung ist weitgehend gleich geblieben.

[...]


[1] Zahlen bis einschließlich 1990 gelten – sofern nichts anderes genannt wird – immer für das frühere Bundesgebiet vor der Wiedervereinigung Deutschlands, Zahlen ab 1991 gelten für das gesamte Bundesgebiet der Bundesrepublik Deutschland.

[2] Mit „Verbesserung“ ist hier gemeint, dass das Bildungsniveau gemessen anhand der Schüler-/ Studentenzahlen an verschiedenen Bildungseinrichtungen gestiegen ist.

Details

Seiten
51
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783842830943
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v228883
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg – Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Wirtschaftspsychologie
Note
1,0
Schlagworte
ausbildung studium erwerbstätigkeit gleichstellung frauen

Autor

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