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Das Burnout-Syndrom: Entstehung, Auswirkung und Präventive Maßnahmen

Bachelorarbeit 2011 71 Seiten

Psychologie - Allgemeine Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
1.1. Freudenberger und die Entdeckung des Burnout-Syndroms
1.2. Diagnose des Burnout-Syndroms
1.2.1. Merkmale des Burnout-Syndroms
1.3. Symptomatik des Burnout-Syndroms
1.3.1. Physische Symptome
1.3.2. Psychische Symptome

2. Entstehung von Burnout
2.1. Burnout-Erkrankungsrisiko
2.2. Burnout-Prozesse nach Freudenberger
2.2.1. Das 2-Phasen-Modell nach Freudenberger
2.2.2. Das 12-Phasen-Modell nach Freudenberger

3. Wege aus dem Burnout
3.1. Selbstbehandlung
3.2. Ambulante Behandlung
3.2.1. Westliche Therapiesysteme
3.2.2. Östliche Therapiesysteme
3.3. Stationäre Behandlung

4. Präventive Maßnahmen
4.1. Das 12-Phasen-Präventiv-Modell
4.2. Konsequenzen und Handlungsempfehlungen für Unternehmen43
4.2.1. Mobbing verhindern
4.2.2. Möglichkeiten geben - Perspektiven schaffen
4.2.3. Akzeptanz und Anerkennung

5. Verbreitung und Kosten
5.1. Verbreitung des Burnout-Syndroms
5.1.1. Burnout in Relation zu anderen Beschwerden
5.1.2. Ursachen für Arbeitsunfähigkeit
5.2. Kosten des Burnout-Syndroms
5.2.1. Arbeitsunfähigkeitsdauer und Krankheitstage
5.2.2. Verminderte Erwerbsfähigkeit

6. Resümee

Abstract

Ziel dieser Bachelorarbeit ist, über das Burnout-Syndrom und dessen Ent- stehung aufzuklären und Wege aus dem Burnout sowie präventive Maßnah- men aufzuzeigen. Sie soll nicht nur eine Mahnung hinsichtlich der burnout- begünstigenden Wandlung der Arbeitswelt sein, sondern auch eine Aufforde- rung zur Veränderung jener. Weiterhin soll diese Arbeit dahingehend sensibi- lisieren, dass das Thema Burnout in Unternehmen verstärkt thematisiert wird und dadurch Maßnahmen zur Prävention eingeleitet werden.

Den theoretischen Ansatz hierfür bieten die Thesen des Entdeckers des Burnout-Syndroms, Herbert J. Freudenberger, welche wiederum von Psycholo- gen, Psychiatern sowie Neurowissenschaftlern und Schmerzforschern um neue Erkenntnisse ergänzt wurden. Im Verlauf der Arbeit dienen zahlreiche Quellen aus sowohl Literatur als auch dem Internet dazu, den theoretischen Ansatz Freudenbergers kritisch zu erörtern sowie neue Erkenntnisse und Ansichten aufzuzeigen. Dabei werden insbesondere die Erfahrungen und Erkenntnisse von Psychologen und Psychiatern aus Burnout-therapierenden Kliniken aufge- griffen. Desweiteren werden Statistiken zur Fundierung der Erkenntnisse und zur Akzentuierung der Brisanz des Themas herangezogen.

Diese Bachelorarbeit zeigt eine stark steigende Tendenz in Bezug auf die Anzahl der Erkrankten und den damit verbundenen Kosten für die gesamte Volkswirtschaft auf. Zur Prävention beziehungsweise Vermeidung wurden im Zuge dieser Arbeit Modelle und Handlungsempfehlungen entwickelt, die direkt oder indirekt aus den theoretischen Grundlagen hervorgehen.

Vorwort

„Man soll sich mehr um die Seele als um den Körper kümmern; denn die Vollkommenheit der Seele richtet die Schwächen des Körpers auf, aber geistlose Kraft des Körpers macht die Seele nicht besser.“1

(Demokrit, griechischer Philosoph, 460-371 v.Chr.)

Schon seit Jahrtausenden ist der Menschheit bekannt, dass Körper, Geist und Seele eine untrennbare Einheit sind, die stets im Einklang stehen soll- ten. Ein Ungleichgewicht durch interne und externe Einflüsse hat zwangsläufig Konsequenzen für das körperliche Befinden. Reflektiert man über die heuti- ge Umgehensweise der Menschen mit ihrem Körper und besonders der Seele, so könnte man leicht zu dem Schluss kommen, dass diese Erkenntnis und die Konsequenzen aus ihrer Nichtbeachtung in Vergessenheit zu geraten scheinen.

Der Arbeitsalltag ist hektischer geworden. Der Mensch steht zunehmend unter Zeitdruck und wird mit stetig steigenden Anforderungen, welche in kür- zester Zeit zu erfüllen sind, konfrontiert. Die Folge ist Stress. Was zunächst als Warnsystem für den Menschen gedacht, kann sich unmittelbar zu einer an- dauernden Gefahr für diesen entwickeln. Denn Stress führt, wenn er anhält, zu zahlreichen Krankheiten und kann den Menschen dauerhaft psychosomatisch schädigen. Aufgrund der steigenden Forderungen und Erwartungen gegenüber dem Arbeitnehmer, scheint eine Zunahme der Krankheiten, die durch psy- chische Belastungen entstehen, nicht verwunderlich. So erregt in letzter Zeit zunehmend ein bestimmtes Thema die Aufmerksamkeit der Presse: Vermehrt ist über das sogenannte Burnout-Syndrom zu lesen, welches stets im Zusam- menhang mit der Arbeitsumwelt des Menschen zu stehen scheint.

Abbildungsverzeichnis

1.1. Herbert J. Freudenberger

(Quelle:http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege

/2011/0621/img/Text3_1.jpg )

1.2. Beispiel von Normalwerten einer Cortisol Tageskurve im Ver- gleich zu einem Cortisoltagesprofil mit niedrigem Morgenwert und mangelhafter Tagesregulation bedingt durch Stress)

(Quelle: Eigene Darstellung nach Cortisol

(Vgl. Herrmann, R., Cortisol [http://www.reformhaus- fachlexikon.de/anatomie_physiologie/Cortisol.php], Aufgerufen am

09.08.2011))

2.1. Das 2 Phasen-Modell nach Freudenberger

(Quelle: Eigene Darstellung, angelehnt an Bergner)

2.2. 12 Phasen zum Burnout nach Freudenberger

(Quelle:http://www.fit-gesundheitskonzepte.de/pix/burnout.png)

3.1. Die Grundregeln zur Selbstbehandlung von Burnout

(Quelle: Eigene Darstellung, angelehnt an Nelting)

4.1. Die drei Einflussfaktoren für die Entstehung von Burnout

(Quelle: Eigene Darstellung, angelehnt an Bergner)

4.2. Die 12 Stufen der Burnout-Prävention

(Quelle: Eigene Darstellung, angelehnt an Bergner)

5.1. Im Jahr 2007 aufgetretene gesundheitliche Beschwerden, die von einem Arzt oder Therapeuten behandelt werden mussten (Angabe in Prozent von 14937 befragten Vollzeitbeschäftigten)

(Quelle: OSAH über Statista)

5.2. Anteile der zehn häufigsten Krankheitsarten bei Arbeitsunfä- higkeit im Jahr 2006 (in Prozent von allen Arbeitsunfähigkeitstagen)

(Quelle: DAK über Statista)

5.3. Durchschnittliche Arbeitsunfähigkeitsdauer aufgrund von psychischen Erkrankungen pro betroffenen Versicherungsnehmer 2006 und 2010 (in Tagen) (Quelle: ICD 10 bei Statista)

5.4. Anzahl der Krankheitstage durch das Burnout-Syndrom 2004- 2009

(Quelle: BKK Gesundheitsreport 2010)

5.5. Rentenzugänge wegen verminderter Erwerbsfähigkeit in Deutschland 2008

(Quelle: Statistisches Bundesamt bei Statista)

Kapitel 1.
Einführung

Das Burnout-Syndrom; „[...]gesellschaftlich anerkannte Edel-Variante der De- pression und Verzweiflung [. . . ]“2 oder ernst zu nehmende gesellschaftliche Krankheit?

Am Burnout-Syndrom scheiden sich die Geister. Während die eine Seite Burnout als eine ernstzunehmende Kombination von Symptomen umschreibt, interpretiert die Andere das Burnout-Syndrom als eine Art Luxusvariante der Depression. Dies ist nicht verwunderlich; denn Burnout ist bis heute nicht als Krankheit anerkannt. Genauso unterschiedlich wie die vieldiskutierten Mei- nungen über die Relevanz von Burnout sind auch die Ansichten von dem Zeit- punkt, ab dem Burnout als anerkanntes Krankheitsbild bezeichnet werden darf, sowie von der Zuordnung einzelner Symptome zum Burnout-Syndrom.

Über die Diskussionen und Spekulationen hinaus scheinen die Beteiligten jedoch zu vergessen, dass es letztlich nicht auf die Anerkennung oder Wertung von Burnout ankommt. Was in den Hintergrund zu rücken scheint, ist die Tatsache, dass Menschen zunehmend von dem Gefühl des „ausgebrannt Seins“ betroffen sind. Die Anzahl der Menschen, die sich in einem fortgeschrittenen Stadium befinden, ist stark steigend. Das Burnout-Syndrom führt nicht nur zu einem drastischen Leistungsabfall, sondern hat auch zahlreiche Konsequenzen für den Betroffenen und die gesamte Gesellschaft. Die Süddeutsche Zeitung folgerte: „Nur Verlierer werden depressiv, Burnout dagegen ist eine Diagnose für Gewinner, genauer: für ehemalige Gewinner.“3 Die Frage, welche sich die Gesellschaft gefallen lassen muss ist, ob sie sich tatsächlich in dieser Form darstellen lassen möchte.

In dieser Abschlussarbeit werden im Folgenden die Entdeckung sowie die grundsätzlichen Merkmale des Burnout-Syndroms umschrieben. Im Anschluss erfolgt zunächst eine Analyse der Symptome, die bei einem Burnout entstehen können. Die in der Praxis gebräuchliche Methode, anhand von Symptomen ei- ne Diagnose zu erstellen, um dann im Anschluss auf Basis der Symptome eine Ursachenforschung hinsichtlich der Entstehung dieser Symptome zu betreiben, wird in dieser Abschlussarbeit beibehalten. Durch die Interpretation der Sym- ptome ist es dann wiederum möglich, Rückschlüsse auf die Entstehung der Krankheit zu ziehen, was ebenfalls in dieser Arbeit durchgeführt wird. Durch die Rückschlüsse bezüglich der Entstehung von Burnout ist es dann wieder- um möglich, nicht nur unterschiedliche Wege aus dem Burnout aufzuzeigen, sondern auch präventive Maßnahmen zu entwickeln, die eine Entstehung des Krankheitsbildes verhindern. Dabei werden insbesondere Anwendungshinweise für die Praxis gegeben, wie das betroffene Individuum, aber auch wie Unter- nehmen handeln können, um dem Burnout vorzubeugen.

Schlussendlich wird auf die Verbreitung und die Kosten, die durch das Burnout- Syndrom entstehen und zukünftig entstehen können, eingegangen. Dies ge- schieht mit dem Hintergrund, sowohl auf die Dringlichkeit und Ernsthaftigkeit des Themas als auch auf die Handlungsnotwendigkeit innerhalb der Gesell- schaft aufmerksam zu machen.

1.1. Freudenberger und die Entdeckung des Burnout-Syndroms

Als Entdecker und Namensgeber des Burnout-Syndroms wird in der Literatur vorherrschend Herbert J. Freudenberger genannt, ein deutsch-amerikanischer Psychologe und Psychotherapeut. In seinem Artikel „Staff Burn-Out“ (Journal of Social Issues, 1974) publizierte er als Erster den Begriff Burnout.4 Der Be- griff Burnout stammt aus dem Englischen (to burn out) und bedeutet soviel wie „ausgebrannt sein“. Freudenberger definierte in Zusammenarbeit mit Geraldi- ne Richelson 1980 die Auswirkung des Burnout-Syndroms auf den Menschen als „einen Mensch im Zustand der Ermüdung, der Frustration; sie wird her- vorgerufen, wenn sich der Betroffene auf einen Fall, eine Lebensweise oder eine Beziehung einlässt, die den erwarteten Lohn nicht bringt [denn] wann immer bei einem Menschen die Höhe seiner Erwartungen drastisch der Wirklichkeit entgegensteht, dieser Mensch aber weiterhin darauf besteht, diese Erwartungen zu erfüllen, ist Gefahr im Verzug.“5 Der englische Begriff des „Burn-Out“ darf also wörtlich als Ausbrennen einer Leidenschaft oder Lebensfreude verstanden werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.1.: Herbert J. Freudenberger

(Quelle:http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege

/2011/0621/img/Text3_1.jpg )

Aus der Begrifflichkeit lässt sich ableiten, dass als notwendige Grundvor- aussetzung für die potenzielle Entstehung eines Burnout-Syndroms ein starkes Interesse an etwas und die strikte Verfolgung des Selbigen existieren müssen. Freudenberger, welcher sich über seine fachlichen Leistungen hinaus stark eh- renamtlich engagierte, entdeckte das Burnout-Syndrom schließlich im Zuge der Selbsterkenntnis, als er feststellte, dass er nach einem langem, erschöpfenden Arbeitstag und dem sozialen Engagement, dennoch ein Gefühl der innerli- chen Leere verspürte. Der Grund hierfür war, dass er trotz der unermüdlichen Aufopferung weder Zeit für sich selbst noch für seine Familie hatte. Weiter- hin entdeckte er an sich selbst psychosomatische Symptome, wie Erschöpfung, Müdigkeit sowie Aggression und schloss daraus: „Wir fühlen einen inneren Druck zu arbeiten und zu helfen, und wir fühlen einen Druck von außen zu geben.[...]Aber genau wegen dieses Engagements tappen wir in die „Burnout- Falle“.“6 Freudenberger schlussfolgerte, dass es sich bei Burnout nicht um eine Neurose oder eine rein psychiatrische Diagnose handeln könne, die man anhand von festgelegten und sich stets aneinanderreihenden pathologischen Merkmalen diagnostizieren könne, sondern, dass es sich bei jedem von Burnout betroffe- nen Patienten, um unterschiedliche Ausprägungen handele, die erkannt und behandelt werden müssten.7

Weiterhin stellte Freudenberger fest, dass jene Symptome nicht nur bei ihm, sondern auch bei anderen Menschen auftraten, die als gemeinsames Merkmal eine ehrenamtliche Tätigkeit ausführten. Daraus leitete er ab, dass das Ge- fährdungspotential für diese Tätigkeiten und ähnliche Berufe besonders hoch sei.

Fraglich blieb jedoch, wie Burnout zuverlässig erkannt werden kann, wie es letztendlich entsteht und inwieweit präventive Maßnahmen dem entgegen wirken können. Um diese Fragen jedoch beantworten zu können, ist es zunächst erforderlich, die Merkmale, anhand derer das Burnout-Syndrom in Erscheinung tritt, zu definieren und voneinander abzugrenzen.

1.2. Diagnose des Burnout-Syndroms

Die Diagnose von Burnout erweist sich in der Praxis als äußerst diffizil, was auch Erklärungsansätze dafür bietet, dass das Burnout-Syndrom nicht als an- erkannte Krankheit, sondern lediglich als ein Krankheitsbild bezeichnet wird. Denn Burnout tritt meist als Kombination von verschiedenen Krankheiten auf, die parallel oder nacheinander vorliegen. Dabei können Anordnung und Ver- lauf des Syndroms von Fall zu Fall jedoch stark variieren, was eine Diagnose wiederum erschwert.

1.2.1. Merkmale des Burnout-Syndroms

Grundsätzlich wurden drei Merkmale identifiziert, welche als typische Merk- male für das Burnout-Syndrom gelten.8

1. „Emotionale Erschöpfung“ 9

Die Emotionale Erschöpfung ist das Kernsymptom des Burnout-Syndroms. Das Gefühl, welches der Betroffene verspürt, ist das einer vollkommenen Leere und Sinnlosigkeit des eigenen Handels bis hin zur substanziellen Anzweifelung der eigenen Existenz. Dabei ist besonders hervorzuheben, dass es sich nach der subjektiven Auffassung des Betroffenen zunächst um eine ganz alltägliche Erschöpfung handelt.

Oftmals erfolgt nach anhaltender Schwäche eine Beurlaubung, von der man sich erhofft, durch Ruhe, Abwechslung und Distanz zum Arbeits- platz die Erschöpfung auszukurieren. Im Anschluss an die vermeidliche Erholungsphase stellt der Patient jedoch fest, dass keine Besserung hin- sichtlich der Kraftlosigkeit eingetreten ist. Die Müdigkeit besteht entwe- der den ganzen Urlaub hindurch oder kehrt allzu schnell zurück, sobald der Betroffene sich wieder an seinem Arbeitsplatz befindet. Diese Er- kenntnis kann dann zu einer weiteren Frustration führen, resultierend aus der Hilflosigkeit bezüglich des Zustands.

Kommt dann zu der emotionalen Erschöpfung eine persönliche Unzufrie- denheit, den Arbeitsplatz oder die eigene Situation betreffend, ist der Ausgangspunkt für ein Burnout geschaffen.10 Die begleitenden Krank- heitsbilder der emotionalen Erschöpfung und die Chance jene somit zu erkennen, sind vorwiegend Müdigkeit, leichte Reizbarkeit, häufige Kopf- schmerzen, Magen-Darm-Beschwerden und Depressionen.

2. „Depersonalisation“ 11

Die Depersonalisation tritt oft als Zynismus, Gleichgültigkeit, Sarkas- mus und Verrohung in Erscheinung. Deutlich wird dies meist durch eine negative Einstellung gegenüber allen Menschen, mit denen man aus be- ruflichen Gründen in dauerhaftem Kontakt steht. Dies können sowohl Mitarbeiter als auch Kunden sein. Die Depersonalisation ist das Resul- tat daraus, dass der Betroffene nicht mehr in der Lage ist funktionierende Beziehungen mit den Mitmenschen zu führen. Es beginnt der innere Pro- zess der Abschottung und Distanzierung.12 Begleitende Krankheiten sind oftmals Depressionen und Nervosität.

3. „Abnehmende Leistungsfähigkeit“ 13

Die Leistungsfähigkeit ist aus Sicht des Betroffenen vermutlich das kom- plexeste und am schwersten nachvollziehbare Merkmal, denn der Betrof- fene empfindet einen verstärkten Arbeitseinsatz, der jedoch nicht die erwünschten Resultate bringt. Auch für die Umwelt ist die Abnahme der Leistungsfähigkeit zunächst schwer feststellbar, denn der Erkrankte wirkt zu Beginn des Burnout oftmals hyperaktiv und geschäftig.

Die rapide Abnahme der Leistung ist ein Zeichen für ein bereits weit fortgeschrittenes Burnout, da am Anfang der Erkrankung der Betroffene noch dazu fähig ist, seine Geschäftigkeit aufrecht zu erhalten und die not- wendige Leistung zu erbringen. Auf Dauer kostet dieser Energieeinsatz zur äußeren Aufrechterhaltung eines Scheins soviel Kraft, dass ein Ein- bruch abzusehen ist. Der Begriff Einbruch darf dabei durchaus wörtlich verstanden werden, da diese Phase mit einem Kreislaufzusammenbruch enden kann.14 Die Begleiterscheinungen sind Schwindel, Kreislaufproble- me und auch die erhöhte Anfälligkeit zum Beispiel für eine Grippe durch die stressbedingte Immunschwächung.

Da alle drei Merkmale auch Teil des Burnout-Prozesses sind, wird in Kapitel 2 - im Zuge der Erläuterung der einzelnen Phasen - noch eingehender auf die Thematik eingegangen.

Die Stärke der Ausprägung dieser drei Merkmale ist von Mensch zu Mensch völlig unterschiedlich, sodass auch bezüglich der Merkmale keine Definition von Messgraden möglich ist. Auch die Feststellung, ob ein Burnout vorliegt, ist nur zu Beginn der Erkrankung mit relativ hoher Sicherheit zuverlässig möglich. Im weiteren Verlauf der Krankheit sind die zusätzlichen Begleiterscheinungen, wie zum Beispiel eine Depression oder eine Suchterkrankung bereits so hervor- stechend, dass die eigentliche Ursprungskrankheit Burnout oftmals nur noch schwer diagnostizierbar ist.15

Die beschriebenen Zustände anhand derer eine Identifikation des Burnout- Syndroms möglich ist, werden oftmals von Krankheiten begleitet. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werden daher die Symptome im Zusammenhang mit den psychosomatischen Ursachen thematisiert.

1.3. Symptomatik des Burnout-Syndroms

Das Burnout-Syndrom setzt sich meist aus verschiedenen Befunden oder Be- schwerden, die aus dem Krankheitsprozess resultieren, zusammen. Die Gesamt- heit der Symptome ergeben das klinische Bild, die sogenannte Symptomatik. Die beim Burnout auftretenden Kombinationen von Symptomen machen diese Krankheit schließlich zum Syndrom.16 Aufgrund der unterschiedlichen Sym- ptome und deren abweichender Verläufe, lässt sich kein einheitlicher Krank- heitsverlauf, der für ein Burnout typisch wäre, definieren. Auch dieser Umstand ist ein Indiz für die Komplexität der Krankheit und die Schwierigkeit jene zu diagnostizieren; denn es ist lediglich erforscht, inwieweit das Burnout-Syndrom Auswirkungen auf den Menschen und dessen Körper und Seele hat.

Das Burnout-Syndrom „betrifft drei Ebenen des Menschen: den Körper, die Gefühlswelt und das Verhalten.“17 Auf diesen drei Ebenen entwickeln sich im Burnout unterschiedliche Symptome, die dann als Krankheit wahrgenommen werden. Aufgrund der Vielschichtigkeit der Symptome bietet sich eine Unter- teilung in physische und psychische Symptome an. Dabei werden unter den physischen Symptomen die körperlichen Beschwerden und unter den psychi- schen Symptomen die seelischen Merkmale, welche sich durch die Gefühle und das Verhalten ausdrücken, zusammengefasst.

1.3.1. Physische Symptome

Die körperlichen Folgen beziehungsweise Symptome von Burnout sind von Pa- tient zu Patient unterschiedlich und somit äußerst vielfältig. Der sogenannte „Hyperstress“18 , welcher eigentlich ein Stimulus für bedrohliche Situationen

ist, führt dazu, dass verschiedene Reaktionen im Körper eintreten, welche letzt- lich zu psychosomatischen Symptomen führen. Jener resultiert aus andauern- der Anstrengung und Anspannung. Er ist deshalb psychosomatisch, weil die geistig-seelischen Empfindungen und Reaktionsweisen des Menschen sowohl Gesundheit als auch Krankheit beeinflussen können.

Entgegen der allgemeinen Annahme, dass Burnout eng im Zusammenhang mit der unter Stress vermehrten Cortisol-Produktion steht und die entspre- chenden Symptome denen eines Hypercortisolismus nahe kommen, handelt es sich bei den Symptomen des Burnout-Syndroms vielmehr um den gegenteiligen Fall. Bei Burnout-Erkrankten wurde verstärkt festgestellt, dass die Auslöser zwar Stress und Überforderung sind, die Patienten jedoch unter Hypocortiso- lismus und dessen Auswirkungen leiden, nämlich der verminderten Ausschüt- tung des Hormons Cortisol. Zu den möglichen Folgen von Hypocortisolismus zählen:19

- Chronische Müdigkeit und Kraftlosigkeit,
- Nervosität, Schlafstörungen und Stressintoleranz,
- Enthemmung des Immunsystems sowie daraus resultierende
- Autoimmunerkrankungen, Entzündungen, erhöhte Schmerzempfindlich- keit und auch wandernde Schmerzsymptome (Fibromyalgie),
- Befunde über erhöhte Level von Akut-Phase-Proteinen und proinflam- matorischer Zytokine und schließlich
- Angsterkrankungen und Depressionen.

Aufgrund der Vielschichtigkeit dieser Krankheit erhebt diese Auflistung kei- nen Anspruch auf Vollständigkeit.

Der Hypocortisolismus resultiert daraus, dass die andauernde Stress-Reaktion des Körpers zu einer Aufhebung der sogenannten zirkadianen Rhythmik führt.20

Bei dieser handelt es sich um eine Vielzahl biologischer und psychischer Vor- gänge, die im Körper nach einem natürlichen Rhythmus ablaufen. Die meisten Vorgänge haben dabei einen Zyklus von circa einer Tageslänge und werden aus diesem Grund als zirkadiane Rhythmen bezeichnet. Jene Rhythmik hat nicht nur Einfluss auf den Schlaf- und Wachzustand, sondern auch auf die Körpertemperatur und Hormonveränderungen.21 Die Aufhebung der zirkadia- nischen Rhythmik ist ein Zeichen für die Erschöpfung des gesamten Systems. Die zirkadianen Rhythmusstörungen führen dazu, dass das Stress-Hormon Cor- tisol verfrüht ausgeschüttet wird. Dadurch kann zum Beispiel die hormonelle Regulation des Salz- und Wasserhaushaltes in der Niere nicht mehr geregelt stattfinden. Auch die entzündungshemmende Wirkung und die Regulation des Blutzuckerspiegels werden beeinträchtigt. Eine Beeinflussung der Menge und des Zeitpunktes der Ausschüttung von Cortisol hat verheerende Folgen für den menschlichen Körper. Schließlich kann Hypocortisolismus zum so genannten Morbus Addison oder auch Nebennierenrindeninsuffizienz genannt, führen.22

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.2.: Beispiel von Normalwerten einer Cortisol Tageskurve im Ver- gleich zu einem Cortisoltagesprofil mit niedrigem Morgenwert und mangelhafter Tagesregulation bedingt durch Stress) (Quelle: Eigene Darstellung (Vgl. Herrmann, R., Cortisol [http://www.reformhaus- fachlexikon.de/anatomie_physiologie/Cortisol.php]))

Bei einer ausbleibenden Diagnose oder einer Nicht-Behandlung, entwickeln sich aus den psychosomatischen Beschwerden somit alsbald physiologische Re- aktionen, aus denen die genannten Erkrankungen resultieren.

1.3.2. Psychische Symptome

Die psychischen Symptome finden ihren Ursprung und ihre Auswirkungen meistens auf der Ebene der Gefühlswelt und des Verhaltens. Sie sind diffi- ziler zu behandeln und zu diagnostizieren als die körperlichen Symptome, da sie vom Patienten selten selbst bewusst wahrgenommen werden.

Die Gefühlswelt ist ein immer wieder vernachlässigter Bestandteil der mensch- lichen Gesundheit. Sie bleibt solange unberücksichtigt, bis körperliche Be- schwerden in Erscheinung treten, wie zum Beispiel durch eine Depression.Je nach Phase des Burnouts können unterschiedliche Gefühlsveränderungen statt- finden. Dazu können gehören:23

- Gefühl der Unentbehrlichkeit,
- starke Stimmungsschwankungen,
- vermindertes Selbstwertgefühl,
- Gereiztheit,
- Misstrauen,
- Hilflosigkeit,
- Hoffnungslosigkeit sowie
- Angst.

Das Verhalten wird von der Gefühlswelt zumindest beeinflusst, wenn nicht sogar bestimmt. Es passt sich den einzelnen Burnout-Phasen an und ist somit auch als schwankend wahrzunehmen. Die Entwicklung im Burnout reicht auch beim Verhalten von anfangs verstärktem Engagement und Motivation über Partnerschafts-Problemen und Schuldzuweisungen bis hin zu Desinteresse und starrem Denken.24

Treten die ersten Symptome in Form von Krankheit und anderen Beschwer- den auf, stellt sich dem Betroffenen oftmals die Frage, warum ihm Selbige widerfahren. Anhand der vorliegenden Symptome lässt sich jedoch bei sorgfäl- tiger Analyse in vielen Fällen ein Entstehungsgrund rekapitulieren. Ungeklärt ist jedoch noch, wie Burnout entsteht und ob jeder Mensch gleich gefährdet ist oder ob bestimmte Gründe und Ereignisse sogar das Risiko noch erhöhen.

Kapitel 2.
Entstehung v on Burnout

Freudenberger zog aufgrund seiner Symptome Rückschlüsse auf die Entstehung seines Burnouts. Dabei bemerkte er, dass insbesondere Menschen in helfenden Berufen betroffen waren. Grundsätzlich gibt es keine Berufsgruppe, die ein be- sonderes Risiko für Burnout aufweist, sondern es sind stets gewisse Kriterien, die dazu beitragen, dass Menschen anfälliger für ein Burnout sind. Vorrangig Burnout-gefährdet sind Menschen in Berufen, die in der Ausübung ihrer Tä- tigkeit Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen müssen. Nichtsdestotrotz können auch andere Faktoren Ursachen für eine Entstehung von Burnout sein.

2.1. Burnout-Erkrankungsrisiko

Nicht alle Menschen sind Burnout-gefährdet. Spezifische Temperamente, Er- eignisse in der Lebensgeschichte und Pränatale Geschehnisse können dazu füh- ren, dass manche Menschen empfänglicher für ein Burnout sind als andere. In einem Artikel von 1974 für die Zeitschrift Journal of Social Issues differenziert Freudenberger zunächst drei Gruppen derer, die schwerpunktmäßig Burnout- gefährdet sind.

1. Die Aufopferungsvollen:

Dabei handelt es sich um diejenigen, die zwischen der Arbeit und ei- nem ausgeprägten Engagement ihre persönlichen Bedürfnisse vergessen, beziehungsweise jenes Engagement nur vorherrscht, um gesellschaftlich anerkannt zu werden (mature commitment and involvment). Dabei spielt der Faktor der Anerkennung von Dritten in diesem Zusammenhang ei- ne bedeutende Rolle. Der ursprüngliche Auslöser kann in einem Trauma Kapitel 2. Entstehung von Burnout während einer vulnerablen Phase der Kindheit begründet sein. Oftmals ist der Aspekt der eigenen Perfektionierung der Leistung sowie die Angst, nicht die beste Leistung erbringen zu können, bei diesen Menschen aus- schlaggebend.

2. Die Hilfsbedürftigen:

Zu dieser Gruppe gehören diejenigen, die selbst Hilfe benötigen. Die Be- dürfnisse dieser Personen sind vielfach „[...]exzessiv und die Erwartun- gen an andere unrealistisch.“25 Auslöser oder Grund für ein Burnout bei diesen Menschen kann zum Beispiel das jeweilige Temperament sein. Be- sonders betroffen sind cholerische oder zwanghafte Temperamente.

3. Die Überforderten:

Diejenigen, die täglich mit ihrer eigenen Traurigkeit, sowie Langeweile (siehe Boreout26 ) oder auch Monotonie in der Ausübung ihrer Tätigkeit konfrontiert sind, weisen ein erhöhtes Burnout-Risiko auf. Dazu führen kann zum Beispiel Unterforderung oder eine ausbleibende Verbesserung der Arbeitssituation.27 ,28

Der Auslöser ist in allen Fällen, das „Erleben einer Nichtbewältigung des All- tags.“29 In der Fachwelt ist jedoch umstritten, ob es primäre Burnout-Typen gibt und ob anhand spezifischer Temperamente, Ereignisse oder anderer Ein- flussfaktoren Menschen eher Burnout-gefährdet sind oder nicht.

Eines haben die Betroffenen jedoch gemein, nämlich den Burnout-Prozess, den jeder Einzelne von ihnen durchläuft.

[...]


1 Minder, M., Lebensweisheiten.net [http://www.lebensweisheiten.net/zitate- lebensweisheiten/zitate-seele.html], Aufgerufen am 06.06.2011.

2 Beck, S., Die Müdigkeit der Rastlosen, in: Süddeutsche Zeitung 14./15.03.2009.

3 Ebd.

4 Vgl. Leymann, H., Handanleitung für den LIPT-Fragebogen. Leymann Inventory of Psychological Terror (Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie, Materialien), Begleitmaterial Fragebogen, Tübingen: Dgtv 1996, Band 33.

5 Freudenberger, H. J.; Richelson, G., Ausgebrannt – Die Krise der Erfolgreichen-Gefahren erkennen und vermeiden, München: Kindler Verlag GmbH 1980, S.34.

6 Jaggi, F., Burnout-praxisnah, Stuttgart, New York: Georg Thieme Verlag 2008, S.1.

7 Vgl. ebd.

8 Vgl. Bergner, T. M. H., Burnout-Prävention Sich selbst helfen - das 12-Stufen-Programm, Stutt- gart: Schattauer 2010, 2. Auflage, S.9.

9 Ebd.

10 Vgl. Bergner, T. M. H., Burnout-Prävention Sich selbst helfen - das 12-Stufen-Programm, Stutt- gart: Schattauer 2010, 2. Auflage, S.9.

11 Ebd., S.10.

12 Vgl. ebd.

13 Ebd.

14 Vgl. Bergner, T. M. H., Burnout-Prävention Sich selbst helfen - das 12-Stufen-Programm, Stutt- gart: Schattauer 2010, 2. Auflage, S.10.

15 Vgl. ebd., S.11.

16 Vgl. Stangl, W., Symptom [http://www.stangl.eu/psychologie/definition/Symptom.shtml], Auf- gerufen am 09.08.2011.

17 Bergner, T. M. H., Burnout-Prävention Sich selbst helfen - das 12-Stufen-Programm, Stuttgart: Schattauer 2010, 2. Auflage, S.12.

18 Nelting, M., Burnout - Wenn die Maske zerbricht, München: Wilhelm Goldmann Verlag 2010, S.32.

19 Vgl. Eichhorn, J., Cortisol [http://www.ever.ch/PDF/Cortisol.pdf], Aufgerufen am 07.06.2011.

20 Vgl. Nelting, M., Burnout - Wenn die Maske zerbricht, München: Wilhelm Goldmann Verlag 2010, S.32.

21 Vgl. Penzel, T.; Glos, M., Zirkadiane Rhythmik[http://www.charite.de /dgsm/rat/zirkad.html], Aufgerufen am 17.07.2011.

22 Vgl. Müller, M., Die Zwei-Faktoren-Theorie von Herzberg [http://www.intrinsische- mitarbeitermotivation.de/seite-9.html], Aufgerufen am 09.08.2011.

23 Bergner, T. M. H., Burnout-Prävention Sich selbst helfen - das 12-Stufen-Programm, Stuttgart: Schattauer 2010, 2. Auflage, S.12.

24 Ebd.

25 Leymann, H., Handanleitung für den LIPT-Fragebogen. Leymann Inventory of Psychological Terror (Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie, Materialien), Begleitmaterial Fragebogen, Tübingen: Dgtv 1996, Band 33.

26 Vgl. Rothlin, P.; Werder, P. R., Boreout [http://www.boreout.com], Aufgerufen am 11.08.2011.

27 Vgl. Freudenberger, H. J., aufgearbeitet in Rook, in: Journal of Social Issues 1974, S.20.

28 Vgl. Engels, F., Burnout-Syndrom [http://www.psychiatriegespraech.de /psychische_krankheiten /burnout/burnout_aetiologie.php], Aufgerufen am 07.06.2011.

29 Nelting, M., Burnout - Wenn die Maske zerbricht, München: Wilhelm Goldmann Verlag 2010, S.33.

Details

Seiten
71
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783842830394
Dateigröße
2.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v228873
Institution / Hochschule
Fachhochschule Aachen – Wirtschaftswissenschaften, Betriebswirtschaftslehre
Note
1,3
Schlagworte
volkswirtschaftlicher schaden präventive maßnahmen burnout entstehung betriebswirtschaftliche auswirkung

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Titel: Das Burnout-Syndrom: Entstehung, Auswirkung und Präventive Maßnahmen