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Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus anhand von ausgewählten Biographien

Examensarbeit 2011 86 Seiten

Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographische Informationen zu den Autoren
2.1 Ludwig Harig
2.2 Ruth Klüger
2.3 Christa Wolf

3. Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in der Literatur

4. Das erinnerte Ich, Fiktionalität und Authentizität, Subjektivität und Objektivität
4.1 Autobiographie oder biographischer Roman? – Überlegungen zu Gattungsbezeichnungen der drei Werke
4.2. Dokumente und Zeitzeugen gegen das Vergessen
4.3 Erzählstruktur
4.4 Fakten und Fiktion im biographischen Roman
4.4.1 Fakten und Fiktion in Weh dem, der aus der Reihe tanzt..
4.4.2 Fakten und Fiktion in Weiter Leben. Eine Jugend
4.4.3 Fakten und Fiktion in Kindheitsmuster
4.5 Täter, Opfer und Mitläufer
4.6 Intertextualität
4.6.1 Ruth Klügers Lyrik im Konzentrationslager

6. Wie sind wir so geworden wie wir heute sind?

Literaturverzeichnis

Primärtexte

Sekundärliteratur

Onlinequellen

1. Einleitung

Wie kann man zugleich anwesend und nicht dabei gewesen sein?[1] Diese Frage stellt Christa Wolfs Romanfigur Lenka, die Tochter der Protagonistin in Kindheitsmuster, ihrer Mutter im Spätsommer 1971. Die Antwort darauf ist aus heutiger Sicht noch immer ein Mysterium und das schauerliche Geheimnis der Menschen des letzten Jahrhunderts[2], wie Wolf sich ausdrückt. Die drei Autoren[3] Christa Wolf, Ludwig Harig und Ruth Klüger, deren autobiographische Werke[4] im Zentrum dieser Literaturbetrachtung stehen, versuchen dem Geheimnis ein Stück weit auf den Grund zu gehen. Ihre Ansätze unterscheiden sich dabei in vielerlei Hinsicht und sollen im Folgenden untersucht werden.

Die Lebensläufe von Ludwig Harig, Christa Wolf und Ruth Klüger weisen auf den ersten Blick nur wenige Parallelen auf, wenn man von den Geburtsjahren absieht, die nicht weit auseinanderliegen. Durch diesen Umstand haben alle drei ihre Kindheit und die frühe Jugend unter nationalsozialistischer Obrigkeit verbracht, aber wie sehr beeinflusst eine Jugend in einem totalitären System den Fortgang des Lebens? Auf welche Weise berichten die Autoren von den Ereignissen ihrer Jugend und welche literarischen Mittel und Erzählstrukturen wenden sie dabei an? Die unterschiedlichen Perspektiven der Schriftsteller in Bezug auf den Nationalsozialismus spielen dabei eine wichtige Rolle. Ruth Klüger hat bereits im Kindesalter, aufgrund ihrer jüdischen Herkunft, die Schrecken der Verfolgung bis hin zur Inhaftierung in verschiedenen Konzentrationslagern erlebt. Wolf und Harig dagegen standen auf den ersten Blick gesehen als Mitglieder der Hitlerjugend auf der Seite der Verfolger. Doch lässt sich dieser erste Eindruck halten, wenn man die Faktoren betrachtet, die einen jungen Menschen zur Zeit des Faschismus beeinflussten? Es ist fraglich, ob ein Kind, welches der Propagandamaschinerie der Nationalsozialisten ausgesetzt war, als Täter oder Mitläufer bezeichnet werden kann. Man könnte im Hinblick auf die Geschichte nicht nur Klüger als Opfer des Systems ansehen, denn die anderen beiden wurden durch die Auswirkungen des Krieges, und in Wolfs Fall zudem durch die Flucht vor der Roten Armee, ebenfalls ein Stück weit ihrer Jugend beraubt. Harig schreibt zum Beispiel in einem Gespräch mit Jörg Magenau über seine Zeit in Frankreich direkt nach dem Krieg: Da ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen, was für eine zwanghafte Kindheit ich in diesem Nationalsozialismus durchlebt hatte.[5] Eine solche Erkenntnis ist nicht unbedingt ausreichend um sich von jeglicher Mitschuld freizusprechen. Es wird eine Aufgabe dieser Untersuchung sein, inwiefern die Erinnerungsbücher von Wolf und Harig auch als Auseinandersetzung mit Schuld zu verstehen sind. Man könnte beiden Autoren vorwerfen, sie hätten eine beschönigte Version ihrer Kindheit veröffentlicht, um ihr Gewissen zu beruhigen, oder um den nachfolgenden Generationen zu erklären, wie es soweit kommen konnte. Christa Wolf fragt dagegen nicht nur nach den Motiven ihrer Teilnahme am Naziregime, sondern nach dem Einfluss der Geschehnisse und Umstände ihrer Jugend auf den Fortgang ihres Lebens: Wie sind wir so geworden wie wir heute sind?[6] Diese Frage ist die Überschrift des Resümees dieser Arbeit, denn die Antwort darauf ist auch für Harigs und Klügers Texte von Bedeutung. Alle drei Autoren berichten als erwachsene Menschen episodisch über Begebenheiten ihrer Kindheit. Sie kommentieren und interpretieren lang Vergangenes aus der Sicht des erwachsenen Autors, wobei politische Entwicklungen und aktuelle Bezüge zur Entstehungszeit der Texte mit eingeflochten werden. Besonders in KM geschieht das auf intensive Art, wie im Verlauf dieses Textes deutlich werden soll. Eine weitere Aufgabe wird sein, genauer zu beleuchten, wie sich die unterschiedlichen Zeitebenen gegenseitig beeinflussen und durchdringen und inwiefern die sprachliche Gestaltung für die Wirkung der Erzählungen mitverantwortlich ist.

Es stellen sich weitere Fragen: Wie haben die Autoren ihre Kindheit erlebt und wie genau erinnern sie sich an diese? Wie groß ist der Wahrheitsgehalt des Erzählten? Der Begriff Wahrheit ist in diesem Zusammenhang mit einiger Vorsicht zu verwenden, denn die Episoden aus der Kindheit der Autoren liegen bereits so weit zurück, dass die Authentizität des Erinnerungsmaterials nicht zwingend mit der Wahrheit gleichgesetzt werden kann. Im Hauptteil dieser Betrachtung (Kapitel 4) soll sich diesem Problem angenähert werden. Im Fokus stehen dabei die Untersuchung der Fiktionalität und Authentizität in autobiographischen Schriften und der unterschiedliche literarische Umgang mit dem Erinnerungsmaterial.

Zunächst werden jedoch die tatsächlichen Lebensläufe der Autoren verkürzt dargestellt, um eine wichtige Vergleichsgröße zu erhalten. Man kann beispielsweise vermuten, dass ein Zusammenhang zwischen Wolfs Leben im Überwachungsstaat der DDR und ihrer teilweise verschlüsselt anmutenden Textkonstruktion bestehen könnte, oder Harigs bildliche Schreibweise und sein Hang zum Geschichten erzählen[7] durch seine Arbeit mit experimenteller Literatur inspiriert ist. Inwiefern die Texteigenschaften und die verwendeten Erzähltechniken jeweils bereits ihre Wurzeln in der Kindheit der Autoren haben, ist ein weiteres Untersuchungsziel. Bei Ruth Klüger ist ein solcher Zusammenhang am ehesten anzunehmen, denn sie hat bereits in früher Kindheit während ihrer Inhaftierung in Auschwitz Gedichte geschrieben und auch Lyrik anderer Autoren immer wieder für sich selbst rezitiert. Bei ihr sind Gedichte und Literatur teilweise als eine Art Überlebensstrategie zu verstehen.

Im Anschluss an eine allgemeiner gehaltene Beschreibung der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in der Literatur (Kapitel 3), in der unter anderem die unterschiedlichen Schreibanlässe der Autoren thematisiert werden, folgt eine Diskussion über die Gattungsbezeichnungen der Werke. In diesem Bereich gibt es große Diskrepanzen innerhalb der Kritik und der Literaturwissenschaft. Diese beginnen beispielsweise zu Wolfs Buch bereits mit der Veröffentlichung unter verschiedenen Bezeichnungen. Während es in der Bundesrepublik mit dem Zusatz Roman im Luchterhand Verlag erschien, wurde der hier verwendeten DDR-Ausgabe des Aufbau Verlages keine solche Genre-Definition hinzugefügt.[8] Wenn Ruth Klüger zum Beispiel behauptet, eine Autobiographie sei eine Geschichte in der Ich-Form[9], so entsteht spätestens dann zusätzlicher Diskussionsbedarf, wenn man die verschiedenen Erzählebenen und Alter-Egos in Wolfs KM betrachtet, die keinesfalls immer in der ersten Person gehalten sind.

Die Untersuchung von Zusammenhängen zwischen Inhalt und Form der Texte unter Einbeziehung der tatsächlichen Biographien der Autoren sowie die Frage, wie sich Literatur aus der Täter- und Opferperspektive unterscheidet, sind weitere Schwerpunkte dieser Betrachtung.

Alle drei Bücher sind unter anderem als Warnungen vor rassistischem und übertrieben konformem Verhalten zu verstehen. Diese werden auf verschiedene Art und Weise zum Ausdruck gebracht. Wo die Unterschiede liegen und an welcher Stelle Parallelen zu erkennen sind, wird im Folgenden zu untersuchen sein.

2. Biographische Informationen zu den Autoren

Bei der Analyse biographischer Texte kommt man nicht ohne einen kurzen Rückgriff auf die Lebensdaten der Autoren aus. Wie bereits in der Einleitung erwähnt, ist die Ausgangslage der Autoren in mehrfacher Hinsicht unterschiedlich. Dies gilt nicht nur für ihre Kindheit, sondern auch für ihr weiteres Leben, das die drei Autoren in unterschiedlichen politischen und sozialen Zusammenhängen verbringen: Ruth Klüger geht in die USA, Christa Wolf lebt in der DDR und Harig in der BRD. Im Zusammenhang dieser Arbeit ist es interessant zu sehen, welche Spuren diese unterschiedlichen Prägungen in den Texten hinterlassen haben.

Es ist beispielsweise signifikant, dass in der Sekundärliteratur über Wolf und Harig hauptsächlich Bibliographien, Literaturpreise oder ähnliche Erfolge erwähnt werden, während man Ruth Klüger in erster Linie daran zu messen scheint, dass sie eine Auschwitz- oder Holocaust-Überlebende ist. Kurzbeschreibungen ihrer Person beginnen zumeist mit dem Ausdruck die Holocaust-Überlebende Ruth Klüger…, oder einer Variation in der Formulierung, wie zum Beispiel ein Spiegel-Interview von 2008[10]. Die Autorin hat sich bei vielen Gelegenheiten gegen diese ungebührliche Reduzierung gewehrt. In WL schreibt sie zum Beispiel zu diesem Thema:

Auch von mir melden Leute, die etwas Wichtiges über mich aussagen wollen, ich sei in Auschwitz gewesen. Aber so einfach ist das nicht. Denn was immer ihr denken mögt: Ich komm‘ nicht von Auschwitz her, ich stamm‘ aus Wien.[11]

2.1 Ludwig Harig

Harig wurde 1927 im saarländischen Sulzbach geboren, besuchte dort die Volksschule und ab 1941 die Lehrerbildungsanstalt in Idstein im Taunus. Er war von 1950 bis 1970 Volksschullehrer, ließ sich dann für vier Jahre beurlauben und beendete den Schuldienst 1974 endgültig. Seither ist er als freier Schriftsteller tätig.

Bereits Mitte der 1950er Jahre veröffentlichte er kürzere literarische Texte in Literaturzeitschriften. Durch den intensiven Kontakt mit der Stuttgarter Gruppe um Max Bense, einem bereits damals bekannten Schriftsteller, Publizisten und Philosophen[12], wurde er mit seinen experimentellen Texten zu einem wichtigen Vertreter der sogenannten Konkreten Poesie. In den 1960er Jahren widmete sich der Autor hauptsächlich der Arbeit mit Hörspielen und bekam für seine neue Montagetechnik den Hörspielpreis der Kriegsblinden. Zu dieser Zeit entstanden ebenfalls erste selbständige Buchveröffentlichungen. Harig übersetzte darüber hinaus französische Literatur, vor allem Werke von Raymond Queneau, dessen Stil sein Schreiben nach eigener Aussage stark beeinflusste.[13]

Berufstätig wurde Harig 1949 als Assistant d'Allemand am Collège Moderne in Lyon. Ab 1950 arbeitete er als Volksschullehrer im Saarland. 1970 ließ er sich – nicht zuletzt aus Unbehagen am schulischen Leistungszwang, der nach seiner Meinung die Fantasie, das Spielvermögen und die Schöpfungslust der Kinder zerstöre, vom Schuldienst beurlauben. 1974 schied Harig aus dem Schuldienst aus und wurde als freier Schriftsteller tätig.

Bereits Mitte der 50er Jahre machte er durch experimentelle Texte auf sich aufmerksam. In den 60er Jahren zählte er zu den wichtigsten Erneuerern der Gattung Hörspiel/Funkcollage, die auf Schnitt, Montage und Sprachkritik als Ideologiekritik setzten.[14]

Der Sprung vom experimentellen Schriftsteller zum Romanautor gelang Harig erst 1986 mit seinem ersten großen Roman Ordnung ist das ganze Leben. Roman meines Vaters. Darin verknüpft er seine eigene Kindheit mit der Lebensgeschichte seines Vaters, der als Soldat am Ersten Weltkrieg teilgenommen hat und danach wieder in Sulzbach als Maler und Anstreicher lebte. Harig hat acht Jahre an dem Buch gearbeitet, welches den Auftakt zu einer Trilogie von biographischen Werken darstellte. Mit dieser Trilogie, welche die Zeit von der Jahrhundertwende bis zum Beginn der 1960er Jahre umfasst, erwarb er sich den Ruf eines authentischen und stilbewussten Chronisten.[15] Das hier im Fokus der Betrachtung stehende Buch Weh dem, der aus der Reihe tanzt von 1990 ist der zweite und mittlere Teil der biographischen Trilogie. Den Abschluss seiner autobiographischen Spurensuche bildete 1996 der Titel Wer mit den Wölfen heult, wird Wolf.[16]

Im Kritischen Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur wird der erste biographische Text Ordnung ist das ganze Leben. Roman meines Vaters folgendermaßen beschrieben:

„Über das rein Inhaltliche hinaus ist von struktureller Bedeutung, dass es dem Autor weniger um die Nacherzählung einer linearen Lebensgeschichte als vielmehr um den Versuch geht, aus zahlreichen Einzelheiten, die sich als Redewendungen, Gesten und Verhaltensformen im Gedächtnis erhalten haben, die Spur der väterlichen Existenz zu zeichnen und ihr das Geheimnis zu entlocken, das sie zeitlebens umgab .[17]

Diese Analyse trifft durchaus auch auf WD zu, gleichwohl mit dem Unterschied, dass es sich dabei nicht in erster Linie um die Biographie des Vaters handelt, sondern Erlebnisse und Ereignisse im Leben des jungen Schriftstellers im Zentrum stehen. Die Figur des Vaters und dessen Einfluss auf Harigs Jugend spielen im zweiten Buch ebenfalls eine Rolle, stehen jedoch nicht im Zentrum der Erzählung.

Harig bemerkt in einem Gespräch mit dem Literaturkritiker und Sachbuchautor Jörg Magenau, er habe den Vaterroman nicht im Hinblick darauf geschrieben, noch zwei autobiographische Romane folgen zu lassen, sondern weil er in ein Lebensalter kam, in dem alle, die ihn kannten, folgendes sagten:[18]

Du wirst nicht nur rein äußerlich, sondern auch in deinen Äußerungen deinem Vater immer ähnlicher. Das verblüffte mich. Ich hätte mich nie für so gehalten, wie ich meinen Vater ansah. Daraus ist der Wunsch entstanden, den Vater erzählend kennenzulernen, um durch das Erzählen des Lebens meines Vaters mich selbst kennenzulernen und nicht so zu werden wie er.[19]

Ein ebenso interessanter Aspekt im weiteren Verlauf des Gespräches mit Magenau ist Harigs Aussage, die sechziger bis achtziger Jahre, also vereinfacht die mittlere Zeit seines Lebens, seien im Vergleich mit der Kindheit ein erinnerungsmäßiger Brei.[20]

Ludwig Harigs Zeit als Hitlerjunge sowie die darauf folgende Periode als Jungmann in einer nationalsozialistischen Bildungsanstalt werden in Kurzbiographien oder Autorenportraits, wie man sie im Internet finden kann, nicht erwähnt, wenn man von Rezensionen seiner autobiographischen Bücher absieht. Er setzt sich intensiv mit seiner Jugend im Dritten Reich auseinander und ermöglicht seinen Lesern so ein besseres Verständnis für die Mechanismen der damaligen Zeit. Er beschreibt Episoden aus seiner Kindheit ohne Beschönigungen oder Euphemismen. So lässt sich aus heutiger Sicht teilweise nachvollziehen, warum die überwältigende Mehrheit der jungen Menschen in die Hitlerjugend eintrat, oder warum viele Menschen, wie beispielsweise Harigs Vater, aus rein geschäftlichen Beweggründen der NSDAP beitraten. Bereits der Titel „Weh dem, der aus der Reihe tanzt“ liefert den ersten Hinweis, wie schwer und lebensbedrohlich es sein konnte, sich nicht dem System zu fügen. Der Autor sucht dabei keine Ausflüchte, sondern er unternimmt den Versuch, sein Verhalten in erzählerischer Form kritisch zu reflektieren.

2.2 Ruth Klüger

Ruth Klüger, am 30. Oktober 1931 in Wien geboren, wurde 1942 gemeinsam mit ihrer Mutter nach Theresienstadt und 1944 von dort nach Auschwitz deportiert, wo sie im Juni desselben Jahres für einen Arbeitseinsatz in Christianstadt, einem Außenlager von Großrosen, ausgewählt wurden. 1945 gelang ihnen während eines sog. Todesmarsches die Flucht.[21] Sie entstammt einer jüdischen Arztfamilie, die ihre Religion jedoch nicht streng praktizierte. Sie schreibt beispielsweise zu einem sogenannten Sederabend[22] [23] mit Freunden in Wien:

Ich muss gestehen, dass ich tatsächlich eine sehr schlechte Jüdin bin. Ich kann mich an kein Fest erinnern, bei dem mir wohl gewesen wäre.[24]

Sie verlor früh ihren Vater, der zunächst nach Frankreich floh und von dort aus ins damalige Russland deportiert wurde. Klüger selbst ging lange davon aus, er sei in einer Gaskammer in Auschwitz gestorben, was sich jedoch später als Fehlinformation herausstellte und von ihr in der englischen Version ihres Buches korrigiert wurde.[25]

1945 endete die Flucht im bayerischen Straubing, wo sie mit ihrer Mutter zwei Jahre verblieb. Dort machte Klüger ihr Abitur und studierte zunächst an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Regensburg. 1947 emigrierte sie mit ihrer Mutter in die USA, studierte in New York am Hunter College Bibliothekswissenschaften und später an der University of California in Berkeley Germanistik und Anglistik, wo sie 1952 den M.A.-Grad und 1967 ihren Ph.D.[26] erlangte.[27]

Ende der 80er Jahre kam Klüger als Leiterin des kalifornischen Studienzentrums in Göttingen nach Deutschland zurück, wo sie beinahe einen tödlichen Unfall erlitt. Diese Begebenheit spielt eine Rolle bei der Entstehung ihrer ersten Autobiographie Weiter leben. Eine Jugend und wird in Kapitel 3 ausführlicher beschrieben.

Klüger wurde später Professorin für deutsche Literatur unter anderem in Princeton und an der University of California in Irvine. Die heutige Lessing- und Kleist-Spezialistin war zwischen 1988 und 2005 Gastprofessorin in Göttingen, wo auch WL entstand. Ihre bekanntesten Werke sind: Katastrophen. Über deutsche Literatur von 1994, Frauen lesen anders von 1996, Gelesene Wirklichkeit von 2006 und Unterwegs verloren. Erinnerungen.[28] Das letztere erschien 2008 und ist eine Fortsetzung von WL. Das Buch handelt von den Jahren nach dem Krieg und beschreibt Themen wie beispielsweise die komplexe Beziehung zu ihrer Mutter, ihren beiden Söhnen Percy und Dan, die unglückliche Ehe mit dem Historiker Werner Angress[29] in den 50er Jahren und die spätere Scheidung, die von ihr als Befreiung empfunden wurde[30], wie sie unter anderem in einem Spiegel-Interview behauptet. Hinzu kommen die Ressentiments, mit denen sich eine jüdische Frau an amerikanischen Universitäten auseinandersetzen musste.[31] Klüger publizierte noch bis in die 1980er Jahre hinein unter dem Namen Ruth K. Angress, den sie nach der angesprochenen Ehe angenommen hatte.[32]

Das hier thematisierte Werk WL besteht aus vier Teilen, die jeweils in einzelne Unterkapitel aufgeteilt sind. Im ersten Abschnitt Wien werden die beginnenden Diskriminierungen gegen Juden aus Sicht des Kindes geschildert. Im zweiten Teil Die Lager berichtet sie von ihren Erlebnissen in den Konzentrationslagern Theresienstadt, Auschwitz-Birkenau und Christianstadt, denen sie durch glückliche Zufälle und der Hilfe von einer Mitgefangenen entkommen kann. In diesen Kapiteln ist der Schrecken des KZ-Alltags zwar spärlich, aber eindringlich. Sie sind von Überlegungen der erwachsenen Autorin durchsetzt, wie beispielsweise wenn sie sich fragt, wie wohl ihr Vater zu Tode gekommen sein könnte:

In der letzten Agonie sind die Starken auf die Schwachen getreten, und so waren die Leichen der Männer stets oben, die der Kinder ganz unten. Ist mein Vater auf Kinder getreten, auf Kinder wie mich, als ihm der Atem ausging?[33]

Der dritte Abschnitt Deutschland handelt von den Umständen ihrer Flucht, der vierte New York, von den Anfängen einer neuen Existenz jenseits des Atlantiks. Klüger erzählt dabei aus ihrer Schreibgegenwart heraus und reflektiert die Geschehnisse ganz bewusst.

2.3 Christa Wolf

Die Autorin wurde 1929 als Christa Ihlenfeld geboren. Sie erlebte ihre Kindheit mit ihrem drei Jahre jüngeren Bruder Horst in Landsberg an der Warthe, das heute den polnischen Namen Gorzów Wielkopolski trägt. Ihre Eltern Herta und Otto Ihlenfeld betrieben dort ein Lebensmittelgeschäft, welches sie 1945 auf der Flucht vor der russischen Armee verlassen mussten. Die Familie siedelte zum Kriegsende nach Mecklenburg um, wo Wolf zunächst als Schreibkraft beim Bürgermeister arbeitete und die Oberschule in Gammeln bei Schwerin besuchte.[34] Sie erlangte 1949 in Bad Frankenhausen ihr Abitur und trat noch im selben Jahr der SED bei. Ihr Germanistikstudium absolvierte sie von 1949 bis 1953in Jena und Leipzig. 1951 heiratete sie ihren Studienfreund und Schriftsteller Gerhard Wolf und wurde 1952 zum ersten Mal Mutter mit ihrer Tochter Annette. Die zweite Tochter Katrin folgte1956. Zwischen 1953 und 1957 arbeitete Wolf als wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Deutschen Schriftstellerverband, wurde später Cheflektorin im Verlag Neues Leben und arbeitete im Anschluss, in den Jahren 1958 und 1959, als Redakteurin der Zeitschrift Neue Deutsche Literatur.[35]

Zuerst als neue Stimme der DDR-Literatur gefeiert, galt sie seit den 60er Jahren als loyale Dissidentin[36], die das Regime kritisierte, aber dem Sozialismus als besserer Alternative zum kapitalistischen Westen insgesamt die Treue hielt.

Einem breiten Publikum wurde Wolf mit ihrem Roman Der geteilte Himmel über die Problematik des geteilten Deutschlands bekannt. Er erhielt 1963 den Heinrich-Mann-Preis, wurde ein Jahr später von Konrad Wolf verfilmt und machte die Autorin auch im Westen bekannt. Endgültig etablierte Wolf sich mit ihrem zweiten Roman Nachdenken über Christa T. von 1968.[37] Dieser wurde in der DDR zuerst verboten, dann in kleiner Auflage gedruckt. In dem Buch geht es um die Entfaltung der individuellen Persönlichkeit innerhalb einer auf Produktivität und Massennormen ausgerichteten sozialistischen Gesellschaft. Das intensiv diskutierte Buch leitete mit seiner Betonung der subjektiven Authentizität der Autorin eine neue Richtung in der DDR-Literatur ein.[38]

Christa Wolf verabschiedete […] sich endgültig von überlebten Realismus-Vorstellungen und begründete eine neue literarische Weltsicht, die das Bewusstsein des Autors als wahrnehmendes Subjekt enthält.[39]

Christa Wolf gilt heute weltweit als eine der renommiertesten Autorinnen Deutschlands. Neben vielen anderen Preisen erhielt sie 2002 den Deutschen Bücherpreis für ihr Lebenswerk mit der Begründung, sie habe sich mutig in die großen Debatten der DDR und des wiedervereinigten Deutschland eingemischt.[40] Ein Preis, der hier als Beispiel für ihre lebenslange kritische Grundhaltung aufgeführt wird.

Trotz einer langjährigen Unzufriedenheit mit dem Regime in der DDR wollte Wolf nie einen vollständigen Bruch provozieren. Sie zog sich jedoch so viel wie möglich aus offiziellen Gremien und Tätigkeiten zurück.[41] Einer ihrer Biographen, Jörg Magenau, nennt ihr Leben eine Chronik fortgesetzter Verabschiedungen, Emanzipation von jeweiligen Glaubenssätzen und Idealen sowie eine immer wieder eintretende Ernüchterung.[42] Schließlich trat sie im Juni 1989 aus der SED aus und versuchte, die politischen Geschehnisse des Umbruchs zu beeinflussen. Sie und andere Intellektuelle argumentierten gegen eine Vereinnahmung der DDR durch die Bundesrepublik und für das Weiterbestehen eines unabhängigen Staates.

In den 90er Jahren war Wolf scharfen Angriffen ausgesetzt und wurde vor allem von westdeutschen Kritikern und Journalisten als Staatsdichterin der DDR bezeichnet. Dieser Vorwurf mutet aber als recht unfair an, da sie selber über 20 Jahre lang unter permanenter Überwachung durch die Staatssicherheit der DDR stand.

1990 erschien der bereits in den 70er Jahren entstandene Band Was bleibt, der Wolfs Reflexionen über ihre Stasi-Überwachung enthält. Besonders dieses Buch brachte ihr den Vorwurf der Heuchelei ein, als 1993 bekannt wurde, dass sie selbst von 1959 bis 1961 als informelle Mitarbeiterin geführt wurde. Diese Anschuldigungen konnte sie entkräften, indem sie ihre Akte veröffentlichte. Sie hatte insgesamt nur drei Berichte geschrieben, in denen die Personen durchweg positiv dargestellt wurden.[43]

Im hier diskutierten Buch KM geht Wolf ihren Erinnerungen an ihre Kindheit während der Zeit des Dritten Reiches nach, um die Wurzeln gegenwärtiger Verhaltens- und Denkmuster bloßzulegen und zu ergründen. Der komplizierte Aufbau des Buches, der im Kapitel 4.2.3 erläutert wird, traf bei vielen Kritikern auf Unverständnis. Es ist jedoch ein wichtiger Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung und der Dokumentation der sogenannten jüngeren Geschichte Deutschlands. Ihre Bezüge zum politischen Weltgeschehen der siebziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts sind dabei ebenfalls von Interesse. Wolfs schriftstellerisches Lebenswerk, beziehungsweise ihre Bibliographie, ist verhältnismäßig lang. Sie wird aus Gründen des Umfanges sowie der Irrelevanz der meisten Texte für den Fortlauf dieser Arbeit nicht genauer beschrieben.

3. Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in der Literatur

Viele Autoren stellen sich im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus die Frage: Ist das Unsagbare sagbar oder tritt das Geschehen hinter seiner Beschreibung zurück?[44] Dieses grundsätzliche erkenntnistheoretische und narrative Problem wird zusätzlich dadurch virulent, weil es immer weniger Zeitzeugen gibt, die das Dritte Reich, wie auch immer, beschreiben könnten.

Eine Kommerzialisierung des Holocaust, wie ihn Klüger teilweise anhand von touristisch anmutenden Gedenkstätten anmahnt (Vgl. Kap. 4.4.2), oder wie man einigen, meist kostengünstigen Film- oder Fernsehproduktionen vorwerfen könnte, sind dagegen vor allem aus ethischen Gründen abzulehnen. Gemeint ist eine reine Zurschaustellung von Elend, bei der Schrecken zu Unterhaltungszwecken genutzt wird. Klüger kritisiert in diesem Zusammenhang beispielsweise die erfolgreiche US-Fernsehserien Holocaust[45] von 1978 . Sie wird von ihr als ästhetisch minderwertig[46] bezeichnet. Obwohl ihr immer wieder eine gewisse aufklärende Funktion zugeschrieben werde und das breite Publikum in Deutschland und Amerika erst durch sie auf die jüdische Katastrophe[47] aufmerksam gemacht wurde, lehnt sie diese Art von Verhunzung der Geschichte,[48] wie sie sich ausdrückt, ab. Sie spricht von einer gewissen moralischen Rechtfertigung, die alles gutheiße, was gegen das Vergessen ankämpfe.[49]

Einige Rezensenten des Buches WL machen sich zudem Gedanken darüber, ob man durch ständige Wiederholung und die Vielzahl an Werken zum Thema, nicht zu einer unerwünschten, fortschreitenden, Normalisierung des Stoffes beitrüge , indem man die Berichte Überlebender zum Untersuchungsobjekt mache[50]. Diese These, hier indirekt zitiert nach Debazi, erscheint wiederholt in der Sekundärliteratur. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass eine gewisse Übersättigung im Deutsch- und Geschichtsunterricht der 80er und 90er Jahre des letzten Jahrhunderts stattgefunden hat, indem nahezu ausnahmslos das Dritte Reich thematisiert wurde. Da es sich im heutigen Unterricht nicht mehr so extrem darstellt, ist auch eine Normalisierung des Stoffes nicht zu befürchten. Eine angemessene Behandlung der Thematik ist ohne Zweifel wünschenswert, um einer Wiederholung der Geschichte vorbeugend entgegenzutreten, und die Schüler über Abläufe und Systematik totalitärer Propaganda aufzuklären. Außerhalb der Schule verhält es sich zum Teil anders. Beispielsweise die Vielzahl an Fernsehdokumentationen, die in einer Art pseudodokumentarischem Gewand auftreten, und mehr auf Unterhaltungswert als auf Fakten abzielen, treffen bei Historikern häufig auf Kritik. Ein Beispiel sind die Dokumentationsreihen des ZDF die unter dem Namen Guido Knopps[51] gesendet wurden, wie Die große Flucht, Hitlers Helfer und andere aus der Reihe. Mit ihnen setzt sich unter anderem der Historiker Dr. Oliver Näpel unter dem Titel Historisches Lernen durch Dokutainment[52] kritisch auseinander. Nach seiner Meinung sei die Verwendung und ständige Wiederholung von Ikonen des Grauens[53] insofern problematisch, als ihre anfängliche Wirkung schnell nachlasse und den Blick auf das reale Ereignis eher verstelle. Neben dem falsch verstandenen, letztlich auf sich selbst gewendeten und deshalb unproduktiven Mitleid, seien Gefühle der Abstumpfung, des Überdrusses, aber auch Aggressionen gegenüber Tätern und sogar Opfern nicht auszuschließen.[54] Dies ist nur einer der Kritikpunkte Näpels, der sich mit der oben zitierten Befürchtung Debazis weitestgehend deckt. Er soll stellvertretend für andere diskussionswürdige Aspekte des sogenannten Dokutainments stehen, die hier im Detail zu weit führen würden. Die Möglichkeit der meinungsbildendenden Manipulation durch einseitige Berichterstattung wird im Kapitel 4 noch einmal aufgenommen.

Der Großteil der Literatur, die sich mit der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges in Deutschland beschäftigt, sind heute Sachbücher. Bei diesen liegt der Fokus auf einer möglichst wahrheitsgetreuen Beschreibung der Ereignisse oder der Analyse von einzelnen Blickwinkeln und Aspekten, wie zum Beispiel der Aufstieg der Partei NSDAP, der genaue Ablauf eines bestimmten Feldzuges, der Werdegang einer einzelnen Person, wie etwa Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Sophie Scholl oder Adolf Hitler. Dennoch sind solche Bücher nicht frei von Interpretationen und Wertungen durch den Autor. Die Grundhaltung eines Schriftstellers oder Herausgebers lässt sich nicht vollständig vermeiden. Der zweite große Bereich ist die sogenannte Antikriegsliteratur. Die bekanntesten Erzählungen beziehen eindeutig Stellung oder sind unmissverständlich kriegsablehnend zu interpretieren. Seit Generationen stehen Bücher wie Richters Damals war es Friedrich oder Anderschs Sansibar oder der letzte Grund in den Kerncurricula deutscher Schulen. Auch Autobiographien wie Perels Ich war Hitlerjunge Salomon oder Sempruns Was für ein schöner Sonntag ! sind dabei häufig verwendete Werke.

Der wohl bekannteste Antikriegsroman ist bis heute jedoch Remarques im Westen nichts Neues. Obwohl Remarque ihn selber als unpolitisch bezeichnete[55], wird er allgemein als Anklage gegen den Krieg verstanden. Die Handlung spielt zwar im Ersten Weltkrieg, aber die schonungslose Schilderung von Stellungskrieg, Gasangriffen und Materialschlachten sowie der Sinnlosigkeit vieler Befehle ist durchaus auf alle anderen Kriege der Neuzeit übertragbar. Der Roman hatte Einfluss auf das spätere nationalsozialistische Deutschland, da er durch seine grausamen Schilderungen von Kriegsgeschehen eine Stimmung publizierte, die dem Vorhaben der Nationalsozialisten, den Krieg als notwendig und gewinnbringend anzupreisen, entgegenwirkte. Das führte ab 1933 zum Verbot:

Joseph Goebbels organisierte 1930 Krawalle gegen die Verfilmung des Romans, und ab 1933 gehörte Im Westen nichts Neues während des NS-Regimes zur verbotenen und verbrannten Literatur in Deutschland.[56]

Die drei Bücher von Wolf, Harig und Klüger verarbeiten die Zeit auf eine völlig unterschiedliche Weise, obwohl sie selbstverständlich auch zur Antikriegsliteratur gezählt werden können. Bei ihnen spielt die direkte Gewaltdarstellung kaum eine Rolle, wenn man von den Kapiteln in WL absieht, in denen ihre Gefangenschaft in den Konzentrationslagern Theresienstadt und Auschwitz behandelt wird. Aber selbst dort überwiegt der psychologische Schrecken, den der Leser aus eigenem Vorwissen zu ergänzen hat. Die Wirkung der Erzählung in WL wird zum Großteil durch ironische und teilweise zynische Kommentare der Autorin erzeugt, wie beispielsweise:

Mir dämmerte es langsam, dass der Bruder und der Vater unter den sechs Millionen ermordeten Juden waren. Sechs Millionen Menschen sagte man gern, denn man war ja nicht mehr antisemitisch und bereit zuzugeben, dass auch Juden Menschen sind.[57]

Auch Harig beschreibt keine Gewalt, sondern verlässt sich ausschließlich auf die Imagination der Rezipienten. In WD herrscht die Kritik an den aus heutiger Sicht teilweise skurril wirkenden Propagandamethoden der Nationalsozialisten vor, die mit Humor und Gespür für die Absurdität von beispielsweise Fahnenkult oder Führungshörigkeit des Volkes vorgetragen werden. Dabei macht er vor seinem eigenen kindlichen Ich nicht halt. Als Beispiel soll hier eine seiner Beschreibungen seiner persönlichen Gutgläubigkeit gegenüber dem System und dessen Symbolen dienen. Er erkennt im Nachhinein seine Hörigkeit als eine Form von Konditionierung und bezeichnet sich selbst als einen Pawlowschen Hund:[58]

Ich war eingeschworen auf die Fahne, die ja ein Symbol war für das Gute und Gerechte: Wenn sie am Mast aufstieg, wirbelte ich die Trommelschlegeln, wenn sie abstieg, wirbelte ich noch einmal. Das Schrillen der Trillerpfeife erregte mein Ohr, wässerte mir den Mund. Ihm zu folgen war lustvoll, war vielleicht lebensentscheidend, und so erwartete ich den Pfeifton oft sehnsuchtsvoll, ich horchte, ich lauschte: ein Pawlowscher Hund.[59]

Das Buch von Christa Wolf ist ebenso frei von Gewaltdarstellungen. In ihrem Werk stehen besonders der psychologische Druck auf die Menschen der damaligen Zeit und die Einschränkungen der persönlichen Freiheit im Vordergrund. Auch eine vorwiegend unterschwellige Kritik an der damaligen DDR-Regierung und an dem Schicksal der Vertriebenen wird von ihr anhand der eigenen Familie geäußert. Tatsächliches Kriegsgeschehen und Beschreibungen von Gewalt und Tod wie in Remarques Roman oder bekannten Antikriegsfilmen über den Vietnamkrieg wie Platoon, Hamburger Hill oder Apokalypse Now sind jedoch nicht Teil der Handlung. Alle diese Möglichkeiten, den Krieg, egal welchen, literarisch oder bildlich zu beschreiben und zu verarbeiten, haben ihre Berechtigung, sobald sie eine anklagende Funktion erfüllen. Sie tragen dazu bei, den nachfolgenden Generationen Informationen zu liefern, welche eine Wiederholung der damaligen Ereignisse unwahrscheinlicher erscheinen lassen. Den drei vorliegenden Werken ist trotz der unterschiedlichen Form die unmissverständliche Kritik am Krieg und seinen Konsequenzen gemeinsam.

Es erscheint verwunderlich, dass sich die drei Autoren sehr viel Zeit gelassen haben, bis sie sich ihrer Kindheit in Form von autobiographischen Schriften widmeten. Ludwig Harigs autobiographischer Roman WD erschien 1990 und somit 45 Jahre nach Kriegsende. Ruth Klügers WL kam erst 1992 in den Handel. Christa Wolfs KM ist mit dem Veröffentlichungsjahr 1977 im direkten Vergleich das zuerst erschienene Buch. Das bedeutet jedoch noch immer eine Zeit von über 30 vergangenen Jahren vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zur Niederschrift der Erlebnisse. Es stellt sich die Frage, warum erst so viele Jahre vergehen mussten, bis eine Reflektion der eigenen Kindheit begonnen wurde. Die Antwort darauf ist teilweise spekulativ. Alle drei Autoren waren natürlich direkt nach dem Krieg zunächst zu jung, um sich mit ihrer Vergangenheit zu beschäftigen. Die Kunst des erzählenden Schreibens musste noch erlernt werden. Zudem gab es in der unmittelbaren Nachkriegszeit andere Prioritäten, wodurch keine Zeit blieb, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Zunächst mussten bei allen drei späteren Schriftstellern die Grundsteine für ihr weiteres Leben gelegt werden. Ruth Klüger brauchte Zeit, um sich in den USA eine Existenz aufzubauen, Ludwig Harig brachte seine Lehrerausbildung in Frankreich zu Ende und Christa Wolf ihr Studium der Germanistik. Wenn man jedoch einmal von diesen offensichtlichen Tatsachen Abstand nimmt sowie bedenkt, dass zunächst noch zahlreiche andere Texte im Leben der drei Autoren entstanden, bevor sie begannen, sich ihrer Kindheit literarisch anzunähern, bleibt die Frage des zeitlichen Abstandes weiterhin bestehen. Es ist bei allen drei Autoren ein Ereignis, beziehungsweise eine Einsicht als Schreibanlass feststellbar, der die Idee sowie die Umsetzung der autobiographischen Schriften in Gang setzte. Ruth Klüger beschreibt in WL einen Unfall aus dem Jahre 1988, bei dem sie in Göttingen von einem Fahrradfahrer erfasst wurde und durch schwere Kopfverletzungen beinahe ihr Leben verloren hätte.[60] Diese Todesnähe und die damit verbundene Aussicht auf den totalen Verlust ihrer Geschichte haben Ruth Klüger den entscheidenden Anstoß gegeben, die Erlebnisse aus ihrer frühen Jugend für die Nachwelt festzuhalten. Sicher war die Idee dazu bereits lange vorher entstanden, aber der Auslöser, damit zu beginnen, war der besagte Unfall. Die Autorin schreibt in WL:

Seit ich mit meinen kalifornischen Studenten nach Göttingen kam, ist Zeit vergangen, Jahre in denen in Deutschland wieder Geschichte und nicht nur Geld gemacht wurde, Zeit in der sich etwas zutrug. Und für mich die Zeit, in der ich einen Bericht zu schreiben begann, weil ich auf den Kopf gefallen war.[61]

Klüger sollte einen Vortrag zum 50. Jahrestag der Reichskristallnacht halten und war zum ersten Mal seit dem Krieg wieder für längere Zeit in Deutschland. Die Ironie der Geschichte, ausgerechnet in Deutschland, zu einem solchen Anlass, dem Tode so nahe zu kommen wie seit knapp fünfzig Jahren nicht mehr, dürfte die Entscheidung, eine Autobiographie zu beginnen noch begünstigt haben. Ihr wird in Göttingen bewusst, wie wenig Juden zu dieser Zeit noch in Deutschland leben. Der Vortrag sollte in einer christlich-jüdischen Gemeinde stattfinden. In diesem Zusammenhang erkundigte sich Klüger, wie viele Juden es in der Gemeinde gäbe, woraufhin man ihr seufzend den Namen eines älteren Ehepaars nannte, welches in einer bescheidenen Wohnung von einer kleinen Rente lebte.[62] Auch diese Information scheint eine Rolle bei der Entscheidung gespielt zu haben, ihre persönliche Geschichte niederzuschreiben.

Wie wesentlich der Unfall für Klüger gewesen sein musste, unterstreicht auch die abweichende Zeitform, in der dieser im WL beschrieben wird. Sie verwendet eine Form des dramatischen oder historischen Präsens, um die Bedeutung der Ereignisse zu betonen . Während das Buch ansonsten, mit Ausnahme der unmittelbaren Erzählgegenwart, in der Kommentare der Autorin ebenfalls im Präsens stehen, in verschiedenen Vergangenheitsformen verfasst ist, ändert sich die Zeitform an dieser Stelle in auffälliger Art und Weise. Als ein Fahrradfahrer auf sie zu kommt schreibt sie:

…er versucht aber gar nicht um mich herumzukommen, er kommt gerade auf mich zu, schwenkt nicht, macht keinen Bogen, im letzten Bruchteil einer Sekunde springe ich automatisch nach links, er will auch nach links, in dieselbe Richtung, ich meine, er verfolgt mich, will mich niederfahren, helle Verzweiflung…[63]

Eine These die hier aufgestellt werden soll, ist, dass Geschichte aus einem gewissen Abstand betrachtet werden sollte, um die Bedeutung der Ereignisse richtig deuten zu können. In der Regel ist es nicht sofort ersichtlich, welchen Effekt ein historisches Ereignis auf die Nachwelt hat, wenn dieses gerade unmittelbar abläuft. Den Zeitzeugen des Anschlags auf das World Trade Center im September 2001 oder des Erdbebens in Japan im März 2011 ist sehr schnell bewusst, dass sie Ereignisse einer enormen Tragweite erlebt haben und das dazugehörige Datum im Nachhinein als historisch bedeutend bezeichnet werden wird. In welcher Form und in welchem Ausmaß das Ereignis die Zukunft jedoch beeinflussen wird, kann erst umfassend beurteilt werden, wenn eine längere Zeitspanne vergangen ist und eine realistische Einschätzung der nachfolgenden Effekte möglich wird. Es war sicher schwer, im Herbst 2001 vorherzusagen, wie lange der folgende sogenannte War on Terror das Weltgeschehen maßgebend beeinflussen würde. Ebenso wenig ist derzeit vorhersehbar, wie weitreichend die Folgen der Atomkatastrophe in Fukushima sein werden. Es ist zwar bereits spürbar, dass dieses erschütternde Ereignis beispielsweise großen Einfluss auf die deutsche Energiepolitik und das allgemeine Wählerverhalten hat. Wie weitreichend dieser jedoch sein wird, kann erst nach einigen Jahren beantwortet werden. Die Aufgabe der Dokumentation der Geschehnisse im zweiten Weltkrieg spielte in den Köpfen der Zeitzeugen kaum eine Rolle, da die aktuellen Probleme eine nüchterne Betrachtung unmöglich machten. Aufzeichnungen der Geschehnisse wurden zwar gemacht, aber von der Zensur der Faschisten entweder maßgebend verfälscht oder vernichtet. Konkrete Interpretationen des Zeitgeschehens konnten erst mit dem nötigen Abstand entstehen. Die autobiographischen Schriften Wolfs, Harigs und Klügers sind ein gutes Beispiel, da sie viele Jahre nach dem Krieg entstanden und durch den Lauf der Geschichte belegbare Entwicklungen miteinbeziehen können. Wenn Ruth Klüger beispielsweise von einer Art von KZ-Tourismus[64] spricht und dabei kritisiert, dass die Menschen dem Ort gedenken und nicht den Toten[65], dann ist diese Feststellung erst möglich, weil bereits viele Jahrzehnte vergangen sind. Man kann mit dem nötigen Abstand darüber schreiben, was die Tragödien der Weltkriegszeit für folgende Generationen mit sich brachten. Es lässt sich erkennen, was die Beteiligten und ihre Nachkommen aus ihren Erfahrungen gelernt haben, geschichtliche Entwicklungen werden ebenso deutlich wie Analogien und Unterschiede zur aktuellen politischen Weltlage.

[...]


[1] Vgl. Wolf, Christa: Kindheitsmuster. Aufbau-Verlag 2. Auflage: Berlin und Weimar, 1977. S. 57.

[2] Vgl. Ebd.

[3] Aufgrund der besseren Lesbarkeit und der Aufrechterhaltung des sprachlichen Flusses verwende ich in dieser Arbeit ein generisches Maskulinum. Seltene Ausnahmen finden sich in direkten Zitaten.

[4] Als Primärliteratur und Grundlage dieser Betrachtung dienen die autobiographischen Texte von Christa Wolf Kindheitsmuster von 1976, Ludwig Hari gs Weh dem, der aus der Reihe tanzt aus dem Jahre 1990 und Ruth Klügers Weiter leben. Eine Jugend, das 1992 zum ersten Mal erschien . Zitate aus den Primärtexten sind nach der ersten Erwähnung im weiteren Verlauf mit den Abkür­zungen Wolf KM, Harig WD und Klüger WL gekennzeichnet, um sie von anderen Texten der Autoren deutlich unterscheiden zu können.

[5] Harig, Ludwig: Dieses nachgedachte Leben – Ein Gespräch mit Jörg Magenau; in: Text und Kritik – Zeitschrift für Literatur, Ausgabe 8/97 – 135 Ludwig Harig. München 1997. S. 40.

[6] Wolf : KM U.a. S. 276 und 418.

[7] Vgl. Harig, Ludwig: Weh dem, der aus der Reihe tanzt. Fischer Verlag: München, 1990. S. 39.

[8] Vgl. Diesing: S. 140.

[9] Vgl. Klüger, Ruth: Gelesene Wirklichkeit. Fakten und Fiktionen in der Literatur. Göttingen: Wallstein 2006. S. 41.

[10] Vgl. Der Spiegel, Ausgabe 33/2008. Doerry, Martin und Meyer, Cordula: Spiegel-Gespräch: Man ist irrsinnig indiskret. In: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-58853033.html. Letzter Zugriff: 07/2011.

[11] Klüger WL, hier zitiert nach: Schmidtkunz, Renata: Im Gespräch – Ruth Klüger. Mandelbaum: Wien 2008. S. 13.

[12] Vgl. http://www.max-bense.de/ Letzter Zugriff: 04/2011

[13] Vgl. http://www.wochenspiegelonline.de/content/aktionen/50-jahre-wochenspiegel/die-letzten-50-jahre/kultur/article/wie-die-woerter-tanzen-lernten/ Letzter Zugriff: 04/2011

[14] Vgl. Munzinger: Wissen, das zählt. http://www.munzinger.de/search/portrait/Ludwig+Harig/0/14560.html letzter Zugriff 06/2011.

[15] Vgl. Bücher-Wiki: http://www.buecher-wiki.de/index.php/BuecherWiki/HarigLudwig

[16] Vgl. http://www.wochenspiegelonline.de/content/aktionen/50-jahre-wochenspiegel/die-letzten-50-jahre/kultur/article/wie-die-woerter-tanzen-lernten/ Letzter Zugriff: 04/2011

[17] Ebd. zitiert nach Lexikon der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur seit 1945, Band 1:A-J. Nymphenburger: München 2003. S. 695.

[18] Vgl. Harig, Ludwig: Dieses nachgedachte Leben – Ein Gespräch mit Jörg Magenau; in: Text und Kritik – Zeitschrift für Literatur, Ausgabe 8/97 – 135 Ludwig Harig. München 1997. S. 39.

[19] Vgl. Ebd.

[20] Ebd.

[21] Vgl. Debazi, Elisabeth H.: Zeugnis-Erinnerung-Verfremdung. Literarische Darstellung und Reflexion von Holocausterfahrung. Tectum: Marburg, 2008. S. 124.

[22] Der Sederabend ist der Vorabend und Auftakt des jüdischen Pessach-Festes. An ihm wird im Kreis der Familie (oder der Gemeinde) des Auszugs aus Ägypten gedacht. Vgl.: http://de.wikipedia.org/wiki/Seder. Letzter Zugriff 06/2011.

[23] Das Onlinenachschlagewerk Wikipedia wird nur zur reinen Sacherklärung von einzelnen Begriffen verwendet.

[24] Klüger, WL, S. 44.

[25] Vgl. Klüger Ruth: Still Alive. A Holocaust Girlhood Remembered. The Feminist Press, New York: 2001. S. 169.

[26] Ph.D. oder DPhil, neulateinisch Philosophiae Doctor.

[27] Vgl. Munzinger. Wissen das zählt. http://www.munzinger.de/search/portrait/Ruth+Kl%C3%BCger/0/20728.html. Letzter Zugriff: 05/2011.

[28] Vgl. Der Spiegel.de http://www.spiegel.de/wikipedia/Ruth_Kl%C3%BCger.html. Letzter Zugriff 06/2011.

[29] Vgl. http://www.spiegel.de/wikipedia/Werner_Angress.html. Letzter Zugriff: 07/2011.

[30] Der Spiegel.de http://www.spiegel.de/wikipedia/Ruth_Kl%C3%BCger.html. Letzter Zugriff 06/2011.

[31] Vgl. Klüger, Ruth, u nterwegs verloren. DTV: München 2008. Vorwort ohne Seitenangabe.

[32] Vgl. http://www.spiegel.de/wikipedia/Ruth_Kl%C3%BCger.html . Letzter Zugriff 07/2011.

[33] Klüger WL. S. 34.

[34] Vgl. http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/christa-wolf/. Letzter Zugriff 05/2011.

[35] Vgl. Ebd.

[36] Vgl. Ebd.

[37] Vgl. BZ-Berlin: http://www.bz-berlin.de/kultur/literatur/christa-wolf-zum-80-article399648.html. Letzter Zugriff 05/2011.

[38] Vgl. Magenau, Jörg : Christa Wolf. Eine Biographie. Kindler. Berlin 2002. S. 218.

[39] Ebd. S. 217.

[40] Vgl. Deutscher Bücherpreis 2002: Christa Wolf wird für ihr Lebenswerk geehrt.

Pressemitteilung des Deutschen Kulturrates vom 5.2.2002.http://www.nmz.de/kiz/nachrichten/christa-wolf-erhaelt-den-deutschen-buecherpreis-2002. Letzter Zugriff 05/2011.

[41] Vgl. http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/christa-wolf/. Letzter Zugriff 06/2011.

[42] Vgl. Ebd.

[43] Vgl. Zeitzeugen Berlin. Geschichten aus der Geschichte. http://zeitzeugenberlin.de/tag/mauerfall/ . Letzter Zugriff 06/2011.

[44] Vgl. U.a.: Debazi, Elisabeth H.: Zeugnis-Erinnerung-Verfremdung. Literarische Darstellung und Reflexion von Holocausterfahrung. Tectum: Marburg 2008. S.1.

[45] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust_%E2%80%93_Die_Geschichte_der_Familie_Wei%C3%9F. Letzter Zugriff 07/2011.

[46] Vgl. Klüger, Ruth: Gelesene Wirklichkeit. Fakten und Fiktionen in der Literatur. Wallstein: Göttingen 2006. S. 82.

[47] Vgl. Ebd.

[48] Vgl. Ebd.

[49] Vgl. Ebd.

[50] Vgl. Debazi: S. 2.

[51] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Guido_Knopp. Letzter Zugriff 07/2011.

[52] Vgl. Dr. Näpel, Oliver: Historisches Lernen durch Dokutainment - Ein geschichtsdidaktischer Aufriss. Chancen und Grenzen einer neuen Ästhetik populärer Geschichtsdokumentation, analysiert am Beispiel der Sendereihen Guido Knopps, in: Zeitschrift für Geschichtsdidaktik 2 (2003), S.243. Zitiert nach: http://www.uni-muenster.de/Geschichte/AAhist-dida/Naepel/download/Knopp.pdf. Letzter Zugriff 07/2011.

[53] Ebd.

[54] Vgl. Ebd.

[55] Vgl. Deutsches Historisches Museum online: http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/kunst/westen/index.html. Letzter Zugriff: 05/2011.

[56] Ebd.

[57] Klüger WL: S. 203.

[58] Harig WD: S. 182.

[59] Ebd.

[60] Vgl. Klüger WL: S.269 ff.

[61] Klüger WL: S. 279.

[62] Ebd. S. 269.

[63] Klüger WL: S. 273.

[64] Klüger WL: S. 70.

[65] Ebd.

Details

Seiten
86
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783842822504
Dateigröße
602 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v228691
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Sprach- und Literaturwissenschaften, Studiengang Lehramt Gymnasium
Note
2,0
Schlagworte
nationalsozialismus biographien ludwig harig christa wolf ruth klüger

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Titel: Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus anhand von ausgewählten Biographien