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Gesundheitsförderung und gesundheitliche Versorgung von Senioren/-innen in dem Hamburger Bezirk Altona – Entwicklung und Umsetzung der Gesundheitsziele aus Sicht der Akteure

Diplomarbeit 2009 104 Seiten

Gesundheitswissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abstract

1 Einleitung
1.1 Hintergrund und Aufgabenstellung
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Gesundheitsförderung für Senioren/-innen
2.1 Demografische Entwicklung in Deutschland
2.2 Der sozialstrukturelle Alterswandel
2.3 Bedeutung von Gesundheit
2.4 Prävention und Gesundheitsförderung
2.5 Ressourcen alter Menschen
2.5.1 Gesundheitliche Ressourcen
2.5.2 Psychische Ressourcen
2.5.3 Soziale Ressourcen
2.5.4 Materielle Ressourcen

3 Gesundheitsziele für Senioren/-innen in dem Hamburger Bezirk Altona
3.1 Die Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und gesundheitlichen Versorgung für Senioren/-innen aus dem Hamburger Bezirk Altona
3.2 Die Akteure der Zielbildungs-AG „Leben im Alter“

4 Altern in Hamburg – eine sozialstrukturelle Übersicht

5 Empirische Erhebung
5.1 Die Dokumentenanalyse
5.2 Das Experteninterview
5.2.1 Auswahlkriterien der Experten
5.2.2 Entwicklung des Interviewleitfadens
5.2.3 Vorgehen
5.3 Qualitative Inhaltsanalyse
5.4 Anwendung der Qualitativen Inhaltsanalyse – Beispiel für das Vorgehen

6 Ergebnisse
6.1 Die Entstehung der AG „Leben im Alter“
6.2 Die Motivation der einzelnen Akteure
6.3 Der Prozess der Entwicklung der Gesundheitsziele
6.4 Die Zusammenarbeit innerhalb der Arbeitsgruppe
6.5 Subjektives Zielverständnis der Arbeit
6.6 Die einzelnen Maßnahmen
6.6.1 Prävention in Bezug auf gesundheitliche Einschränkungen im Alter
6.6.2 Nachbarschaftshilfe und Austausch zwischen Alt und Jung anregen
6.6.3 Möglichst lange selbstbestimmt im vertrauten Umfeld leben und neue Wohnformen fördern
6.6.4 Angehörige aufklären, unterstützen und entlasten durch Information, Schulung und Beratung
6.6.5 Bedarfsorientierte Gestaltung der Hilfsangebote
6.6.6 Stärkung der privaten/ professionellen ambulanten Pflege
6.6.7 Begleitetes Sterben ermöglichen
6.7 Der Prozess der Umsetzung der Gesundheitsziele
6.8 Verbindlichkeit und Verantwortlichkeit der Umsetzung
6.9 Die Zielgruppe

7 Diskussion der Ergebnisse

8 Resümee

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das Verhältnis von Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention

Abbildung 2: Aktionszyklus Gesundheitsziele

Abbildung 3: Bezirk Altona

Abbildung 4: Entwicklung des Interviewleitfadens

Abbildung 5: Entstehung der Zielbildungs-AG

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Maßnahme Nr. 4 als Beispiel für die Dokumentenanalyse

Tabelle 2: Maßnahme Nr. 1 als Beispiel für ein Strukturziel

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abstract

Die vorliegende Diplomarbeit befasst sich mit dem Hamburger Pilotprojekt der Entwicklung und Umsetzung von Gesundheitszielen für Senioren/-innen in dem Hamburger Bezirk Altona. In Folge des demografischen Wandels ist es von hoher Notwendigkeit, für Selbständigkeit und Gesundheit im Alter zu sorgen. Das Gesundheitsamt Altona hat die Aufgabe, innerhalb von zwei Jahren (2008 – 2010) verschiedene Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und gesundheitlichen Versorgung für Senioren zu realisieren. Diese Arbeit ist als eine Art Zwischenevaluation zu sehen und sucht Antworten auf die Frage, wie die Akteure die Entwicklung und Umsetzung der Gesundheitsziele für Senioren/-innen in Altona beurteilen. Als Methode zur Datenerhebung wurde aus der qualitativen Sozialforschung das Instrument des leitfadengestützten Experteninterviews gewählt. Mittels dessen wurden die an dem Prozess der Gesundheitszielentwicklung und -umsetzung beteiligten Akteure nach vorangegangener Dokumentenanalyse befragt.

1 Einleitung

„Dem weht kein Wind, der keinen Hafen hat, nach dem er segelt.“

Michel de Montaigne (1533-1592)

Dieses maritime Zitat lässt nicht nur den Hamburger[1] verstehen, worauf Montaigne mit diesem Bildnis anspielt: um etwas zu erreichen, bedarf es eines klaren Zieles.

1.1 Hintergrund und Aufgabenstellung

Die Formulierung von Gesundheitszielen als Steuerungsinstrument des gesundheitspolitischen Handelns findet mittlerweile auch bei Akteuren in Deutschland Verwendung. Institutionen und Verbände unterschiedlicher Art bemühen sich vermehrt, ihr Vorgehen an Gesundheitszielen auszurichten, denn in Anbetracht knapper Ressourcen ist effizienter Mitteleinsatz unabdingbar.[2]

Nicht nur in der Gesundheitsberichterstattung, sondern auch bei der Formulierung und Anwendung von Gesundheitszielen weist Deutschland, im internationalen Vergleich, einen erheblichen Rückstand auf. Es gibt auf Bundesebene keine an übergreifenden Gesundheitszielen orientierte Gesamtplanung der Gesundheitspolitik.[3]

Als positiver Ansatz ist das Projekt „gesundheitsziele.de“[4] zu erwähnen. Unter dem Dach der Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung e.V. (GVG) und gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS) haben sich im Dezember des Jahres 2000 Akteure aus dem Gesundheitswesen zusammengetan, um Gesundheitsziele als gesundheitspolitisches Steuerungsinstrument zu etablieren. Die Arbeit von „gesundheitsziele.de“ schließt an internationale Initiativen wie z.B. „Gesundheit für alle“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an.[5] Des Weiteren haben einige Bundesländer in den 1990er-Jahren Gesundheitsziele formuliert. Meist waren diese Ziele jedoch nicht in eine Gesamtstrategie eingebunden und somit hatten die Bemühungen der letzten Jahre weder eine systematische Gesundheitsberichterstattung, noch einen Konsens über Gesundheitsziele zum Ergebnis.[6]

Gesundheitsziele sollen die Individual- und die Bevölkerungsgesundheit verbessern.[7] Dieser Aufgabe hat sich auch der Hamburger Bezirk Altona angenommen. Nach dem Beschluss der Bezirksversammlung soll das Gesundheitsamt Altona mit Hilfe verschiedener Akteure innerhalb von zwei Jahren (2008-2010) in unterschiedlichen Bereichen Gesundheitsziele festlegen und umsetzen.[8] Die Formulierung von Gesundheitszielen auf Bezirksebene ist in Hamburg ein Pilotprojekt. Altona ist Vorreiter und sollte das Projekt erfolgreich sein, so könnte es anderen Bezirken möglicherweise als Vorbild dienen.

In der vorliegenden Diplomarbeit wird der Blick nur auf den Bereich der Seniorengesundheit gerichtet. Gesundheitsförderung und gesundheitliche Versorgung von Senioren sind aufgrund der demografischen Entwicklung gesundheitspolitisch bedeutsame und aktuelle Themen. In der Literatur finden sich verschiedene Konzepte und Beispiele für die Verbesserung der Lebensqualität alter Menschen auf kommunaler Ebene.[9] Speziell für Senioren formulierte Gesundheitsziele sind demgegenüber nur vereinzelt zu finden.

Im Rahmen dieser Arbeit wird erstmals sowohl der Prozess der Entwicklung als auch der Umsetzung der Gesundheitsziele für die in dem Hamburger Bezirk Altona lebenden Senioren beleuchtet. Es erfolgt eine Art Zwischenevaluation, in dem die an der Zielentwicklung und -umsetzung beteiligten Akteure der Arbeitsgruppe „Leben im Alter“ zu ihrem Vorgehen befragt werden. Folgende Forschungsfrage gilt es zu beantworten:

- Wie beurteilen die Akteure der AG „Leben im Alter“ die Entwicklung und Umsetzung der Gesundheitsziele für die in Altona lebenden Senioren?

Um Antworten auf diese Frage zu erhalten, wurde zunächst eine Dokumentenanalyse durchgeführt, auf Grundlage derer ein Interviewleitfaden entwickelt wurde, um das aus der qualitativen Sozialforschung stammende Instrument des leitfadengestützten Experteninterviews anwenden zu können. Theoretische Grundlage für die Wahl dieses Instrumentes bildete zum einen die Veröffentlichung „Experteninterviews und qualitative Inhaltsanalyse“ von Jochen Gläser und Grit Laudel[10], zum anderen wurden das Werk „Das Experteninterview - Theorie, Methode, Anwendung“ von Alexander Bogner, Beate Littig und Wolfgang Menz[11] und die darin zu findenden Beiträge unterschiedlicher Autoren für die theoretischen Ausführungen herangezogen.

Es wurde ein qualitativer Ansatz gewählt, da nur mit einer sehr kleinen Fallzahl gearbeitet wurde (fünf Interviews). Zudem wurde nach Kausalmechanismen gesucht, was nur durch eine detaillierte Analyse weniger Fälle möglich ist.[12] Nicht die Häufigkeit des Auftretens von Merkmalen bestimmter Sachverhalte (quantitativer Ansatz) waren für das Forschungsinteresse relevant.[13] Vielmehr hatten die vorhandenen Erwartungen und theoretischen Überzeugungen offenen Charakter[14]. Das Interesse lag auf den individuellen Blickwinkeln der Experten bzgl. der Prozesse der Gesundheitszielentwicklung und -umsetzung.

1.2 Aufbau der Arbeit

Nach der Einleitung folgt im zweiten Kapitel Grundlegendes zu dem Thema „Gesundheitsförderung für Senioren“. Zuerst werden die demografische Lage und der sozialstrukturelle Alterswandel in Deutschland dargestellt, um auf die Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit dem Thema Gesundheit im Alter aufmerksam zu machen. Dem folgt eine Beschreibung des Begriffes Gesundheit sowie die Abgrenzung der Begrifflichkeiten Prävention und Gesundheitsförderung. Des Weiteren werden die unterschiedlichen Ressourcen alter Menschen beschrieben. Hiermit soll verdeutlicht werden, wie viel Potenzial alte Menschen heutzutage besitzen, um einen wohlbehaltenen Lebensabend verbringen zu können und an welchen Punkten Prävention und Gesundheitsförderung dies unterstützen könnten. Im dritten Kapitel werden allgemeine Informationen zu dem Thema Gesundheitsziele dargestellt. Zudem werden die einzelnen Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und gesundheitlichen Versorgung für Senioren aus dem Hamburger Bezirk Altona und die Akteure der AG „Leben im Alter“ vorgestellt. Das vierte Kapitel präsentiert eine sozialstrukturelle Übersicht der alternden Gesellschaft in der Hansestadt Hamburg. Das fünfte Kapitel befasst sich mit der empirischen Erhebung, die dieser Arbeit zu Grunde liegt. Die Forschungs- und Auswertungsmethode wird dargestellt und mit Hilfe eines Beispieles erläutert. Im sechsten Kapitel folgt schließlich die Darstellung der Ergebnisse, welche im siebten Kapitel diskutiert werden. Die Arbeit schließt mit einem Resümee.

2 Gesundheitsförderung für Senioren/-innen

Gesundheitsförderung im Hinblick auf die immer älter werdende Bevölkerung ist ein in der Öffentlichkeit diskutiertes Thema. Der demografische Wandel wird in erster Linie als Belastung für die Gesellschaft thematisiert, was meist in bedrohlichen Szenarien dargestellt wird. Die Motivation der (sozial-)politischen Strategien ist häufig die Schadensbegrenzung. Trotz aller nicht zu leugnenden Risiken kann der demografische Wandel demgegenüber jedoch auch als politische Gestaltungsaufgabe oder gar Chance gesehen werden, wenn es gelingt, die im Altern der Gesellschaft liegenden Potenziale und Ressourcen besser zu nutzen.[15] Um auch noch im hohen Alter ein selbständiges und vitales Leben führen zu können, ist Gesundheit die beste Voraussetzung.

2.1 Demografische Entwicklung in Deutschland

„Demografie ist die Beschreibung von Zustand und Veränderungen der Bevölkerungszahl und –zusammensetzung mithilfe der Bevölkerungsstatistik.[16] Die Veränderung der Bevölkerungsstruktur, demografischer Wandel genannt, ist ein sich langsam vollziehender Prozess. Mittels Zahlen und Kennziffern wird beschrieben, wie sich Umfang und Strukturen einer Bevölkerung durch gewisse demografische Ereignisse verändern. Die demografische Entwicklung wird durch die Faktoren Fertilität (Geburtenverhalten), Mortalität (Sterblichkeit) und Migration (Wanderungsverhalten) bestimmt.[17]

Wie in allen industrialisierten Staaten hat die Altersstruktur der Bevölkerung auch in Deutschland im letzten Jahrhundert einen massiven Wandel erfahren. Als Gründe hierfür sind die dauerhaft niedrige Zahl der Geburten sowie die gleichzeitig immer weiter steigende Lebenserwartung zu nennen. Die Lebenserwartung hat sich hierzulande seit 1880 mehr als verdoppelt[18], während die Geburtenrate seit mehr als 100 Jahren einen Abwärtstrend aufweist.[19] Als Konsequenz dessen altert unsere Gesellschaft. Auch die zahlreichen Zuwanderungen Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre konnten dem Alterungsprozess der Bevölkerung nicht Einhalt gebieten. Es ist ein „dreifaches Altern“ festzustellen:[20]

- „die Zunahme der absoluten Zahl älterer Menschen
- der wachsende Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung
- der starke Anstieg der sehr alten Menschen von 80 Jahren und älter.“[21]

Im Jahr 1980 lag die Zahl der über 60jährigen Einwohner Deutschlands (alte und neue Bundesländer) bei gut 15 Mio. Bis zum Jahr 2000 stieg diese Zahl auf 18,5 Mio. an. D.h., es gab einen Anstieg dieser Altersgruppe an der Gesamtbevölkerung von 19,4 Prozent (1980) auf 22,4 Prozent (2000). Demgegenüber ist ein Rückgang der jüngeren Jahrgänge festzustellen: der Anteil der Bevölkerung unter 20 Jahre lag 1980 bei gut 28 Prozent, im Jahr 2000 nur noch bei gut 21 Prozent. Besonders gewachsen ist die Gruppe der sehr alten Menschen (Hochaltrigen). Gab es im Jahr 1970 1,5 Mio. Einwohner in Deutschland, die 80 Jahre oder älter waren, so zählte man im Jahr 2003 bereits 3,3 Mio., d.h. es gab einen Anstieg von knapp zwei Prozent auf vier Prozent der Gesamtbevölkerung. Prognosen zu Folge wird sich dieser Trend zur Verschiebung der Altersstruktur beschleunigt fortsetzen. Vorausberechnungen nach wird es einen allmählichen Rückgang der Gesamtbevölkerung geben, von ca. 82,5 Mio. (2002) auf rund 75 Mio. (bis 2050). Es ist zu erwarten, dass im Jahr 2050 mehr als jeder Dritte zur älteren Generation gehören wird.[22]

Die Veränderung der Altersstruktur ist auch innerhalb der Kommunen bemerkbar und fordert eine „demographiesensible Kommunalpolitik“[23]. Nicht nur die Altenpolitik bzw. -arbeit sind betroffen, sondern der demografische Wandel hat ebenso Rückwirkungen auf die Politik von Wohnungsbau, Stadtentwicklung, Verkehr, Bildung, Kultur und Sport sowie auf Steuer-, Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik. Gleichermaßen betroffen sind die verschiedenen Bereiche der Sozialpolitik und die Infrastrukturversorgung. Erste Schritte auf kommunalpolitischer Ebene könnten die Schaffung von administrativen Strukturen, wie z.B. Pflegekonferenzen oder lokale Seniorenbeauftragte sein. Neben dem demografischen Wandel ist für die kommunale Altenpolitik und Altenarbeit außerdem der soziale Wandel des Alters von Bedeutung, auf den im Folgenden näher eingegangen wird.[24]

2.2 Der sozialstrukturelle Alterswandel

Es ist ein Strukturwandel des Alters zu bemerken:

Die Altersphase dehnt sich aus – d.h. die Altersphase beträgt häufig mehr als 30 Jahre. Mit Ausstieg aus dem Erwerbsleben haben Menschen durchschnittlich noch ca. ein Viertel ihres Lebens vor sich. Die Zeit im Alter ist für immer mehr Menschen von großer Bedeutung.

Die Lebenslagen unterscheiden sich – d.h. es bedarf einer Differenzierung der Altersphase. Üblich ist die Einteilung in „junge Alte“, „mittlere Alte“ und „Hochaltrige“. Verschiedene Lebenslagen bringen unterschiedliche soziale Probleme mit sich, daher ist eine zielgruppenbezogene Altenpolitik von großer Wichtigkeit.[25]

Es gibt kulturelle Unterschiede – d.h. die kulturelle Zusammensetzung der Altenbevölkerung wird durch ältere Migranten beeinflusst. Die charakteristischen Probleme und Bedürfnisse dieser Bevölkerungsgruppe sind in der Sozial- und Altenpolitik im Speziellen zu berücksichtigen.

Die Alten werden immer jünger – d.h. die Menschen werden durch den ökonomischen und sozialen Wandel immer früher alt „gemacht“. In frühen Stadien des Lebenslaufes können einzelne Altersprobleme auftreten, wie beispielsweise der Austritt aus dem Beruf durch Frühverrentung. Zu betonen ist, dass im deutlichen Gegensatz dazu die allgemeine Selbstzuordnung steht. Erst nach dem 75. Lebensjahr schätzen sich Menschen heutzutage selbst als „alt“ ein.

Das Alter ist weiblich – d.h. gut drei Fünftel der 60-Jährigen und Älteren sind Frauen. Bei den über 80-Jährigen liegt der Frauenanteil sogar bei knapp drei Viertel. Gründe hierfür sind zum einen die höhere Lebenserwartung der Frauen, zum anderen die Folge des Zweiten Weltkrieges, in dem es überdurchschnittlich viele männliche Tote gab. Altenpolitik ist demzufolge zu einem großen Teil auch Politik für ältere Frauen.

Immer mehr Ältere leben allein – d.h. gut 40 Prozent der Bevölkerung (bundesweit) ab 65 Jahren leben allein. In Großstädten ist die Zahl noch um einiges höher. Zu mehr als 85 Prozent handelt es sich dabei um Frauen. Gründe hierfür sind die höhere Sterblichkeitsrate der Männer sowie die Tatsache, dass Frauen bei der Heirat meist jünger sind als Männer. Der Trend zur Singularisierung des Alters wird zudem vermehrt durch älter werdende Singles bestimmt, unter denen sich besonders viele Männer befinden. Der Zwei-Personen-Haushalt bildet mit rund 50 Prozent die wichtigste Wohnform im Alter. Mehrgenerationenhaushalte oder gemeinschaftliches Wohnen älterer Menschen sind eher die Ausnahme.

Die Alten werden immer älter – d.h. die Gruppe der über 80Jährigen ist stark gewachsen. Hochaltrigkeit gilt als wesentlicher Indikator des Strukturwandels. Krankheit, Hilfe- und Pflegebedürftigkeit hängen häufig mit hohem Alter zusammen, was sozialpolitisch von Bedeutung ist. Die Unterstützung von organisierten sozialen Diensten wird immer essentieller werden, zumal die familiären Systeme immer schwächer werden.[26]

2.3 Bedeutung von Gesundheit

Seit Jahrtausenden beschäftigt sich die Menschheit mit der Frage nach Wesen und Bedeutung der Gesundheit. Unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen (z.B. Philosophie, Medizin, Soziologie) haben sich mit Themen rund um die Gesundheit auseinandergesetzt. Nicht zuletzt haben auch die Politik, das Versicherungswesen und Verwaltungen zur Fülle von Gesundheitsdefinitionen beigetragen. Doch bis heute ist es nicht gelungen, eine Definition für „Gesundheit“ zu finden, die allgemein anerkannt wird.[27] Die WHO definierte Gesundheit 1948 als „ein Zustand völligen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen“[28], wobei diese Definition oft kritisiert und als Utopie abgetan wurde.[29] Heute definiert die WHO Gesundheit als einen „positiven funktionellen Gesamtzustand im Sinne eines dynamischen biopsychologischen Gleichgewichtszustandes, der erhalten bzw. immer wieder hergestellt werden muss.“[30]

Gesundheit ist für beinah jeden Menschen das Kostbarste im Leben, sicherlich auch, weil die aus Krankheit und Pflegebedürftigkeit resultierenden körperlich -seelischen Belastungen und sozialen Folgen umfassend bekannt sind. Kranke Menschen sind weniger leistungsfähig und somit fehlen ihnen häufig die persönlichen Voraussetzungen, um für den eigenen bzw. eventuell den Lebensunterhalt ihrer Angehörigen aufzukommen. Kranke sind meist auf Hilfe anderer sowie finanzielle Unterstützung angewiesen. Abgesehen von der materiellen Existenzsicherung bildet Gesundheit aber vor allem die Basis für die Selbstentfaltung des Einzelnen und für das soziale und gesellschaftliche Leben eines Menschen. Der Begriff Gesundheit schließt (soziales) Wohlbefinden und Zufriedenheit mit ein.[31] Gesundheit ist ein lebensgeschichtlich und Tag für Tag fortwährend neu und aktiv herzustellendes Gleichgewicht und kein Zustand, der einmal erreicht wird und dann unveränderlich ist (siehe auch aktuelle WHO-Definition von Gesundheit).[32]

Es lässt sich nicht eindeutig festlegen, was als krank oder gesund zu gelten hat, denn nicht vermeintlich objektive medizinische Kriterien bestimmen das Krankheits- bzw. Gesundheitsverständnis, sondern soziale und gesellschaftliche Einflussfaktoren spielen ebenfalls eine erhebliche Rolle (z.B. das kulturell geprägte Normen- und Wertesystem einer Gesellschaft). Medizinische, soziale und ökonomisch-politische Einflussfaktoren und Interessen bestimmen somit die Sichtweisen von Gesundheit und Krankheit. In Anlehnung an die Gesundheitsdefinition der WHO (s.o.) sehen die Gesundheitswissenschaften das Ziel Gesundheit erreicht, wenn sich die körperlichen, psychischen und sozialen Eigenschaften eines Menschen mit dessen eigener Entwicklung, den eigenen Möglichkeiten und Zielvorstellungen im Einklang befinden. Gelingt es einem Menschen nicht mehr, gewisse Anforderungen zu bewältigen, so liegt eine Beeinträchtigung von Gesundheit oder unter Umständen Krankheit vor. Gesundheit und Krankheit sind nicht als scharf voneinander abgrenzbare Zustände, sondern vielmehr als „ Pole eines Kontinuums“[33] aufzufassen.

Auch die Gesundheitspolitik fragt vermehrt danach, was Menschen gesund macht und erhalten kann (salutogenetischer[34] Ansatz), statt sich nur der Frage zu widmen, was Menschen krank macht. Die Gesundheitspolitik hat somit zur Aufgabe, die zahlreichen gesellschaftlichen Determinanten für Erkrankungen und Belastungen zu untersuchen.[35]

2.4 Prävention und Gesundheitsförderung

Die Begriffe „Krankheitsprävention“ (meist verkürzt als „Prävention“ bezeichnet) und „Gesundheitsförderung“ werden weder im deutschen Sprachraum, noch in der internationalen Fachliteratur einheitlich verwendet. Der historisch ältere Begriff der Prävention entwickelte sich aus der Debatte um soziale Hygiene und Volksgesundheit und entstammt der Sozialmedizin aus dem 19. Jahrhundert. Signifikantes Ziel der Prävention ist die Vermeidung des Auftretens von Krankheiten, d.h. die Faktoren, die eine Krankheit auslösen, sollen zurückgedrängt bzw. ganz ausgeschaltet werden. Der Begriff „Gesundheitsförderung“ entstand aufgrund der gesundheitspolitischen Diskussionen der WHO und etablierte sich im Jahre 1986, nach der ersten internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung, der Ottawa-Charta. Ungleich zur Prävention, die hauptsächlich der Vermeidungsstrategie nachgeht, steht bei der Gesundheitsförderung die Promotionsstrategie im Vordergrund, d.h. gesundheitliche Entfaltungsmöglichkeiten sollen gestärkt werden, indem die Lebensbedingungen der Menschen verbessert werden.[36] Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention sind sich ergänzende Strategien, Schutzfaktoren für Gesundheit sollen gestärkt, Risikofaktoren abgeschwächt werden.[37] Die unterschiedlichen Ansätze von Prävention und Gesundheitsförderung werden in folgender Abbildung verdeutlicht:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das Verhältnis von Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention

Quelle: Pelikan, J.M., Halbmeyer, E.:Gesundheitswissenschaftliche Grundlagen zur Strategie des gesundheitsfördernden Krankenhauses, in Pelikan, J.M., Wolff, S. (Hrsg.): Das gesundheitsfördernde Krankenhaus, Juventa Verlag, Weinheim 1999, S. 13 – 36, hier S. 15.

Mit der Ottawa-Charta wurde 1986 zu einem aktiven Handeln für das Ziel „Gesundheit für alle“ bis zum Jahr 2000 und darüber hinaus aufgerufen. Gesundheitsförderung laut Ottawa-Charta zielt darauf ab, allen Menschen die Möglichkeit zu geben, ihr größtmögliches Gesundheitspotenzial zu verwirklichen. Als grundlegende Bedingungen sind „Frieden, angemessene Wohnbedingungen, Bildung, Ernährung, Einkommen, ein stabiles Ökosystem, eine sorgfältige Verwendung vorhandener Naturressourcen, soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit“[38] anzusehen. Eine Verbesserung des Gesundheitszustandes ist unmittelbar mit diesen Grundbedingungen verknüpft. Gesundheitspotenzial kann nur dann frei entfaltet werden, wenn der Mensch auf die Faktoren, die seine Gesundheit beeinflussen auch Einfluss nehmen kann. Durch konkrete und wirkungsvolle Aktivitäten von Bürgern in ihrer Gemeinde kann Gesundheitsförderung verwirklicht werden. Prioritäten sollten erarbeitet, Entscheidungen herbeigeführt sowie Strategien geplant und umgesetzt werden. Die Autonomie der einzelnen Bürger über ihre Gesundheitsbelange sollte durch Unterstützung von Nachbarschaften und Gemeinden gestärkt werden. Erforderliche Voraussetzungen hierfür sind kontinuierlicher Zugang zu gesundheitsrelevanten Informationen, die Schaffung von gesundheitsorientierten Lernmöglichkeiten sowie eine entsprechende finanzielle Unterstützung gemeinschaftlicher Initiativen.[39]

Gesundheitsförderung für den älteren Menschen bedeutet „bestehende Reserven auszubauen, verloren gegangene Fähigkeiten wiederzugewinnen oder psychosoziale Benachteiligung durch körperliche Einschränkungen zu verhindern.“[40]

2.5 Ressourcen alter Menschen

Ressourcen werden unter anderem definiert als “das Insgesamt der einer Person zur Verfügung stehenden, von ihr genutzten oder beeinflußten, schützenden und fördernden Kompetenzen und äußeren Handlungsmöglichkeiten.“[41] In welchem Maße Menschen in der Lage sind, Veränderungen der körperlichen wie auch geistigen Leistungsfähigkeit zu kompensieren, die der Prozess des Alterns mit sich bringt und inwieweit es ihnen gelingt, ein Leben zu führen, das sich an persönliche Bedürfnisse anlehnt, hängt zum Großteil von den jeweils verfügbaren Ressourcen ab.[42] Im Folgenden sollen verschiedene Ressourcen alter Menschen dargestellt werden.

2.5.1 Gesundheitliche Ressourcen

Altern ist in der Natur ein normaler Prozess, der dazu führt, dass die Funktionsfähigkeit des Körpers und seiner Organe mit den Jahren abnimmt. Altern wird in der heutigen Gesellschaft häufig mit Hilfs- und Pflegebedürftigkeit assoziiert, ungeachtet dessen, dass die Mehrzahl der alten Menschen ein aktives und überwiegend unabhängiges Leben führt.[43] Es gibt eine Diskrepanz zwischen Selbstbild und Fremdbild - je älter die Menschen im Laufe ihres Lebens werden, umso positiver stehen sie dem Alter gegenüber.[44] Der Gesundheitszustand älterer Menschen hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert, wie durch internationale Studien belegt wird.[45] Es wurde zudem bestätigt, dass Morbidität nicht allein durch den Prozess des Alterns, sondern auch durch veränderbare Risikofaktoren (z.B. erhöhte Cholesterinwerte) gefördert wird. Durch den medizinischen Fortschritt hat sich die Lebenserwartung erhöht und zudem kam es zu einer Verschiebung im Spektrum der Todesursachen. Statt Krankheiten, wie beispielsweise Tuberkulose oder Influenza, die Anfang des 20. Jahrhunderts häufige Ursachen für Todesfälle waren, überwiegen heute die chronischen Erkrankungen als Todesursachen. Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems und Krebserkrankungen spielen hierbei eine große Rolle. Erkrankungen, die ferner die Mortalität beeinflussen, sondern in erster Linie zu Funktionseinschränkungen bzw. Pflegebedürftigkeit führen, entstehen oftmals durch externe Risikofaktoren, wie z.B. einen ungesunden Lebensstil und können somit zu einem wesentlichen Anteil durch verändertes Gesundheitsverhalten vermieden werden. Hier sollten Interventionen ansetzen und gesundheitliche Ressourcen gesucht und gefördert werden.[46] Alte Menschen haben beachtliche (gesundheitliche) Potenziale, welche durch gezielte Prävention und Rehabilitation entstehen. Dies bestätigen neuere Erkenntnisse aus Medizin, Sportwissenschaft und anderen Disziplinen.[47] Ein verbessertes Gesundheitsverhalten hat eine geringere Krankheitslast der Bevölkerung zur Folge. Den großen „Volkskrankheiten“ kann nach heutigem Wissensstand mit präventiven Maßnahmen erfolgreich begegnet werden. Insbesondere sind hiermit Bluthochdruck und Diabetes mellitus gemeint, beides Krankheitsbilder, die zu kardiovaskulären Erkrankungen führen und häufig einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zur Folge haben. Gelingt es darüber hinaus durch Prävention und Disease-Management-Programme[48] eine unkontrollierte Zunahme von Risikofaktoren (z.B. Rauchen oder Übergewicht) und Erkrankungen zu vermeiden bzw. zu lindern, so ließe sich die Rate an Schlaganfällen, Herzinfarkten, Nierenversagen, peripher-arteriellen Verschlusskrankheiten und Erblindungen signifikant senken. Gesundheit bis ins hohe Alter ist längst keine Utopie mehr, wenn es gelingt, die gesundheitlichen Potenziale und Ressourcen rechtzeitig zu fördern. Hier können Strategien der Prävention und Gesundheitsförderung einen Beitrag leisten.[49] Zu beachten ist, dass die Gruppe der alten Menschen heutzutage sehr heterogen ist und mehrere Generationen umfasst. Somit müssen die Ansatzpunkte für mehr Prävention und Gesundheitsförderung auf die jeweiligen Zielgruppen abgestimmt werden.[50] Ein gesünderer Lebensstil, mehr Bewegung und der konsequente Einsatz vorhandener Früherkennungsmethoden können nicht nur für ein weitgehend beschwerdefreies, langes Leben jedes Einzelnen sorgen, sondern auch das Gesundheitssystem um mehrere Milliarden Euro entlasten.[51]

2.5.2 Psychische Ressourcen

Historisch gesehen waren die psychischen Ressourcen des Alters, wie beispielsweise die geistige Leistungsfähigkeit und die Möglichkeit, diese aufrechtzuerhalten und zu verbessern, nie so reichhaltig wie heutzutage. Diese „neuen“ psychischen Ressourcen gilt es entsprechend zu nutzen. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen sollten eine optimale Entfaltung der vorhandenen psychischen Ressourcen möglich machen, zudem sollte ein weiterer Fokus auf die individuelle Motivation eines jeden älteren Menschen gelegt werden, um z.B. das Interesse für bürgerschaftliches Engagement zu wecken bzw. zu unterstützen.

Sowohl die seelisch-geistige Dimension als auch die soziale Dimension sind häufig von Kompetenzen gekennzeichnet. Kontinuierliche Informationsverarbeitung, Anhäufung und Ordnung von Erfahrungen und Wissen auf der einen Seite sowie die (Weiter-)Entwicklung und Nutzung von sozialkommunikativen Fähigkeiten ebenso wie geistige, emotionale oder motivationale Ausdrucksformen von (psychologischer) Produktivität auf der anderen Seite sind hierfür verantwortlich.[52]

Damit die Entwicklung von Lebenswissen (oder der Weisheit) im Alter möglich ist, bedarf es eines bestimmten Ausmaßes an Reflexion über grundlegende Fragen des Lebens im Lebenslauf.[53] Wenn sich Menschen kognitiv wie emotional mit grundlegenden Fragen des Lebens auseinandergesetzt haben und ein reflektierter Umgang mit Entwicklungsanforderungen stattgefunden hat, so verfügen diese Menschen im Alter über folgende (aus psychologischer Perspektive charakterisierte) Potenziale:[54]

- „hoch entwickelte, bereichsspezifische Wissenssysteme (zum Beispiel Expertenwissen in Bezug auf ehemals ausgeübten Beruf oder auf ausserberufliche Interessengebiete, Wissen hinsichtlich grundlegender Fragen des Lebens)
- effektive Handlungsstrategien zur Bewältigung von Anforderungen in diesen spezifischen Bereichen
- Überblick über diese spezifischen Bereiche
- Fähigkeiten im Bereich der Kommunikation mit anderen Menschen sowie
- Offenheit für neue Anforderungen und Verpflichtungen.“[55]

Um kognitive Leistungsfähigkeit zu erhalten, bedarf es kognitiver Aktivität und herausfordernder Tätigkeiten, aber auch körperlicher Aktivität. Nicht nur die körperliche Gesundheit und Lebenserwartung sind durch Sport und Bewegung positiv zu beeinflussen, sondern auch die geistige Leistungsfähigkeit. Körperliche Aktivität regt den Stoffwechsel und Kreislauf an und schützt deshalb vor Schädigungen des Nervengewebes. Auch an diesem Punkt können präventive Maßnahmen ansetzen und zu guten Erfolgen führen. Sogar bei leichten Formen von Demenz kann kognitives Training zur zeitweiligen Steigerung von Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsleistungen führen.[56]

2.5.3 Soziale Ressourcen

Soziale Ressourcen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens erlangen kann, sind eine Grundvoraussetzung für ein gesundes Altern. Ob Ressourcen im Alter verfügbar sind, wird maßgeblich durch sozialkulturelle Merkmale wie der Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht, dem Bildungsstand, dem Geschlecht und der ethnischen Gruppenzugehörigkeit beeinflusst.[57] Als notwendige Aufgabe von Prävention und Gesundheitsförderung ist der Abbau von sozialer Ungleichheit im Bereich Gesundheit zu sehen. Es ist z.B. erwiesen, „dass die Prävalenz der Mulitmorbidität im Alter mit abnehmender sozialer Schicht ansteigt und in der unteren sozialen Schicht am höchsten ist.“[58] Obwohl die subjektive Wahrnehmung der eigenen Lebenssituation eine große Rolle spielt und objektive Merkmale (z.B. der Bildungsstand eines Menschen, der soziale Status oder die Berufstätigkeit) nur einen Teil der Unterschiede innerhalb einer Altersgruppe erklären,[59] zeigen Studien jedoch einen Zusammenhang zwischen den Statusindikatoren Einkommen und Beruf und der subjektiv empfundenen Gesundheit. Menschen mit einem guten Einkommen und einem anerkannten Beruf fühlen sich häufiger gesund als Menschen mit einem niedrigen Einkommen und geringem Berufsprestige. In Bezug auf Demenz gilt eine „geringe formale Bildung“ als Risikofaktor.[60] Ein wichtiger Beitrag zur Prävention ist demzufolge das zur Verfügung stellen von Bildungsangeboten für Ältere. Lebenslanges Lernen hat eine protektive Wirkung für organische Systeme und somit auch für die Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität im Alter.

[...]


[1] Der besseren Lesbarkeit halber findet im folgenden Fließtext nur die männliche Schreibweise

Verwendung, womit jedoch stets auch die weibliche Form gemeint sein kann.

[2] Vgl. Rosenbrock, Rolf und Gerlinger, Thomas: Gesundheitspolitik – Eine systematische Einfüh-

rung, 2. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Verlag Hans Huber, Bern 2006, S. 52.

[3] Vgl. ebd., S. 52.

[4] www.gesundheitsziele.de (Stand: 30.08.09).

[5] Vgl. ebd.

[6] Rosenbrock und Gerlinger (2006), S. 52.

[7] ebd. (2006), S. 52.

[8] Vgl. Gesundheitsziele Altona 2008-2010 (2009), S. 7, abrufbar im Internet: http://www.hamburg.de/contentblob/693120/data/gesundheitsziele-2008-2010.pdf (Stand 30.08.09).

[9] z.B. Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Demographie konkret – Seniorenpolitik in den Kommunen, Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2006 oder

Meier-Baumgartner, Hans Peter und Dapp, Ulrike und Anders, Jennifer: Aktive Gesundheitsförderung im Alter, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2004.

[10] Gläser, Jochen und Laudel, Grit: Experteninterviews und qualitative Inhaltsanalyse, 3. überarbeitete Auflage, Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009.

[11] Bogner, Alexander und Littig, Beate und Menz, Wolfgang (Hrsg.): Das Experteninterview - Theorie, Methode, Anwendung, Leske + Budrich, Opladen 2002.

[12] Vgl. Gläser und Laudel (2009), S. 26.

[13] Vgl. ebd., S. 27.

[14] Vgl. Hopf, Christel und Weingarten, Elmar (Hrsg.): Qualitative Sozialforschung, 3. Auflage, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 1993, S. 15.

[15] Vgl. Naegele, Gerhard: Sozial- und Gesundheitspolitik für ältere Menschen, in Kuhlmey, Adelheid und Schaeffer, Doris (Hrsg.): Alter, Gesundheit und Krankheit, Verlag Hans-Huber, Bern 2008, S. 46-64, hier S. 52.

[16] Brockhaus Enzyklopädie, Band 6, 21. völlig neu bearbeitete Auflage, Verlag F. A. Brockhaus, Mannheim 2006, S. 420.

[17] Vgl. Kerschbaumer, Judith und Schroeder, Wolfgang (Hrsg.): Sozialstaat und demographischer Wandel – Herausforderungen für Arbeitsmarkt und Sozialversicherung, Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005, S. 44.

[18] Vgl. Klein, Thomas und Lehr, Ursula und Wilbers, Joachim: Demographische Entwicklung und gesellschaftliches Altern, in: Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Alter neu denken, Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2008, S. 27-49, hier S. 27.

[19] Vgl. Die Geburtenrate in Deutschland, zu entnehmen:

http://www.forum-demographie.de/uploads/tx_jpdownloads/frau_kind.pdf (Stand 30.08.09).

[20] Vgl. Naegele, Gerhard: Aktuelle Herausforderungen vor Ort – ein Überblick, in: Bertelsmann

stiftung (Hrsg.): Demographie konkret – Seniorenpolitik in den Kommunen, Verlag Bertelsmann

Stiftung, Gütersloh 2006, S. 8-24, hier S. 8.

[21] Naegele (2006), S. 8.

[22] Vgl. ebd., S. 9f.

[23] Ebd., S. 10.

[24] Vgl. Naegele (2006), S. 10.

[25] Vgl. ebd., S. 11f.

[26] Vgl. Naegele (2006), S. 12.

[27] Vgl. Franke, Alexa: Modelle von Gesundheit und Krankheit, Verlag Hans Huber, Bern 2006, S. 27f.

[28] Entwurf des Elften Allgemeinen Arbeitsprogramms der WHO 2006–2015: Kurzfassung (2005), S. 3 abrufbar im Internet:

http://www.euro.who.int/document/rc55/grc_2005_2.pdf (Stand 30.08.09).

[29] Vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.): Leitbegriffe der Gesundheitsförderung – Glossar zu Konzepten, Strategien und Methoden in der Gesundheitsförderung, 4. erweiterte und überarbeitete Auflage, Fachverlag Peter Sabo, Schwabenheim a. d. Selz 2003, S. 53.

[30] Meier-Baumgartner et al. (2004), S. 25.

[31] Vgl. Bäcker, Gerhard und Naegele, Gerhard und Bispinck, Reinhard und Hofemann, Klaus und Neubauer, Jennifer: Sozialpolitik und soziale Lage in Deutschland, Band 2: Gesundheit, Familie, Alter und Soziale Dienste, 4. Auflage, Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008, S. 91.

[32] Vgl. BzgA (2003), S. 53.

[33] Bäcker et al. (2008), S. 93.

[34] Das Konzept der Salutogenese geht auf Aaron Antonovsky zurück. Er fragt nicht nach den Ursachen von Erkrankungen, sondern nach den Gründen, warum Menschen gesund bleiben oder es wieder werden. Damit löst er sich vom klassischen medizinischen Verständnis, das pathogenetisch geprägt ist und nach der Entstehung und den Bedingungen von Krankheit fragt.

Vgl. Lorenz, Rüdiger: Salutogenese – Grundwissen für Psychologen, Mediziner, Gesundheits- und Pflegewissenschaftler, 2. Auflage, München 2005, S. 24.

[35] Vgl. Bäcker et al. (2008), S. 91ff.

[36] Vgl. Hurrelmann, Klaus und Klotz, Theodor und Haisch, Jochen: Einführung - Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung, in: dies. (Hrsg): Lehrbuch Prävention und Gesundheitsförderung, 2. überarbeitete Auflage, Verlag Hans Huber, Bern 2007, S. 11-21, hier S. 11.

[37] Vgl. Hurrelmann, Klaus: Gesundheitssoziologie – Eine Einführung in sozialwissenschaftliche Theorien von Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung, 6. völlig überarbeitete Auflage, Juventa Verlag, Weinheim 2006, S. 147.

[38] Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung

http://www.euro.who.int/AboutWHO/Policy/20010827_2?language=German (Stand: 30.08.09).

[39] Vgl. Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung

[40] Meier-Baumgartner et al. (2004), S. 26.

[41] Lexikon der Psychologie – in fünf Bänden, vierter Band, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2001, S. 27.

[42] Vgl. Backes, Getrud M. und Kruse, Andreas: Soziale Ressourcen älterer Menschen, in: Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Alter neu denken – Gesellschaftliches Altern als Chance begreifen, 2. Auflage, Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2008, S. 71-101, hier S. 73.

[43] Vgl. Meier-Baumgartner, Hans Peter und Robertz-Grossmann, Beate und Steinhagen-Thiessen, Elisabeth: Gesundheitliche Ressourcen des Alters, in: Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Alter neu denken – Gesellschaftliches Altern als Chance begreifen, 2. Auflage, Verlag Bertelsmann Stiftung, Güterloh 2008, S. 125-156, hier S. 125.

[44] Vgl. Lehr (2007), S.200ff.

[45] Vgl. Meier-Baumgartner et al. (2008), S. 125.

[46] Vgl. ebd., S. 125f.

[47] Vgl. ebd., (2008), S. 131.

[48] „Disease Management ist ein systematischer Behandlungsansatz, der für chronisch

Kranke eine kontinuierliche und qualitativ hochwertige Versorgung nach dem neuesten

Standard der Wissenschaft organisiert.“ http://diabsite.de/aktuelles/gesundheitspolitik/rsa_dmp/dm_kurzfassung.pdf (Stand: 30.08.09).

[49] Vgl. Meier-Baumgartner et al. (2008) S.131f.

[50] Vgl. ebd., S.137.

[51] Vgl. ebd., S.132.

[52] Vgl. Kruse, Andreas und Wahl, Hans-Werner: Psychische Ressourcen des Alters, in:

Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Alter neu denken, Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh

2008, S. 101-125, hier S. 101f.

[53] Vgl. Kruse und Wahl (2008), S. 107.

[54] Vgl. ebd., S. 119.

[55] ebd., S. 119f.

[56] Vgl. ebd., S. 117f.

[57] Vgl. Backes und Kruse (2008), S. 83.

[58] Kuhlmey, Adelheid: Gesundheit und Gesundheitseinbußen, in: Kuhlmey, Adelheid und Schaeffer, Doris (Hrsg.): Alter, Gesundheit und Krankheit, Verlag Hans Huber, Bern 2008, S. 85-97, hier S. 87.

[59] Vgl. Backes und Kruse (2008), S. 71.

[60] Vgl. Kuhlmey (2008), S. 88.

Details

Seiten
104
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783842813885
Dateigröße
3.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v228485
Institution / Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg – Wirtschaft und Soziales, Studiengang Pflege
Note
1,0
Schlagworte
gesundheitsförderung gesundheitsziele senioren prävention gesundheitspolitik

Autor

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Titel: Gesundheitsförderung und gesundheitliche Versorgung von Senioren/-innen in dem Hamburger Bezirk Altona – Entwicklung und Umsetzung der Gesundheitsziele aus Sicht der Akteure