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Kulturelle Werte und ihre Bedeutung für die unternehmerische Kapitalstruktur

Diplomarbeit 2010 66 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Vorgehensweise

2 Theoretischer Teil
2.1 Grundlagen der Kulturforschung
2.1.1 Definition des Begriffes „Kultur“
2.1.2 Kulturdimensionen
2.1.2.1 Kulturdimensionen gemäß Hofstede
2.1.2.2 Kulturdimensionen gemäß Schwartz
2.1.2.3 Kritischer Vergleich der Kulturdimensionen von Hofstede und Schwartz
2.2 Grundlagen der Unternehmungsforschung
2.2.1 Der Begriff „Finanzierung“
2.2.2 Finanzierungsformen
2.2.3 Kapitalstruktur
2.2.4 Die Transformationsfunktion der Unternehmungsfinanzierung und das Irrelevanztheorem von Modigliani und Miller
2.2.4.1 Transformationsfunktion der Unternehmungsfinanzierung
2.2.4.2 Irrelevanztheorem von Modigliani und Miller und Ansatzpunkte für die Relevanz unternehmerischer Finanzierungsmaßnahmen
2.2.5 Fehlanreize der Unternehmensfinanzierung
2.2.5.1 Prinzipal-Agent-Theorie
2.2.5.2 Externe Effekte
2.2.5.3 Anreizprobleme im Falle externer Eigenfinanzierung
2.2.5.4 Anreizprobleme im Falle der externen Fremdfinanzierung
2.2.5.5 Vergleich der Ausprägung der Fehlanreize bei externen Eigen- und Fremdfinanzierung
2.3 Ein psychologischer Ansatz zum Herleiten von Hypothesen
2.4 Zusammenhang zwischen Kapitalstruktur und Kulturdimensionen: Herleiten von Hypothesen
2.4.1 Autonomie vs. Konservatismus
2.4.2 Hierarchie vs. Egalitarismus
2.4.3 Herrschaft vs. Harmonie

3 Empirische Untersuchung und Prüfung der Hypothesen
3.1 Grundlagen der Regressionsanalyse
3.2 Das mathematische Modell
3.3 Daten
3.3.1 Daten für Wertetypen
3.3.2 Daten für Verschuldungsgrad
3.3.3 Daten für Kontrollvariablen
3.4 Empirische Analysen mit MATLAB
3.5 Ergebnisse
3.6 Diskussion der Ergebnisse

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Wertetypen nach Schwartz.9a

Abbildung 2: Zahlungsstruktur eines idealtypischen Forderungstitels bei beschränkter Gesellschafterhaftung

Abbildung 3: Zahlungsstruktur eines idealtypischen Beteiligungstitels bei beschränkter Gesellschafterhaftung

Abbildung 4: Zahlungsstruktur eines idealtypischen Forderungstitels bei unbeschränkter Gesellschafterhaftung

Abbildung 5: Zahlungsstruktur eines idealtypischen Beteiligungstitels bei unbeschränkter Gesellschafterhaftung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1. Vergleich der Ausprägung der Fehlanreize bei externer Eigenfinanzierung und externer Fremdfinanzierung

Tabelle 2: Das Datenset

Tabelle 3: Korrelationskoeffizienten

Tabelle 4: Ergebnisse der Regressionsanalyse für Hypothese H1

Tabelle 5: Ergebnisse der Regressionsanalyse für Hypothese H2

Tabelle 6: Ergebnisse der Regressionsanalyse für Hypothese H3

Tabelle 7: Ergebnisse der Regressionsanalyse für Hypothese H4

Tabelle 8: Ergebnisse der Regressionsanalyse für Hypothese H5

Tabelle 9: Ergebnisse der Regressionsanalyse für Hypothese H6

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Es gibt wahrscheinlich kein anderes Thema im Bereich der Finanzierung, das mehr Aufmerksamkeit erweckt hat als die Kapitalstruktur eines Unternehmens. Verständlich, wenn eine optimale Kapitalstruktur existiert, braucht das Management lediglich gemäß diesen optimalen Quoten zu finanzieren und das Ziel der Maximierung des Unternehmenswertes ist gesichert. In der Tat, alle Bestrebungen in Richtung dieser optimalen Kapitalstruktur reduzieren die Kosten von Kapital und erhöhen den Wert eines Unternehmens.[1]

Seit der Veröffentlichung des Artikels von Modigliani und Miller im Jahre 1958 gab es eine lange Debatte, ob nicht eine optimale Kapitalstruktur existiert. Während einige Finanzierungstheorien argumentieren, dass Entscheidungen über Kapitalstruktur für den Wert des Unternehmens irrelevant sind, sind die Kapitalgesellschaften in der realen Welt beharrlich in ihrer Bestrebung nach einer sicheren Kapitalstruktur, wenn das Kapital sich erhöht. Nach dem Erscheinen des Irrelevanztheorems wurden zahlreiche Theorien entwickelt mit der Absicht, die Kluft zwischen dem akademischen Bereich und der tatsächlichen Praxis zu überbrücken[2]. Eines dieser neuen Konzepte entstammt der Arbeit von Jensen und Meckling aus dem Jahre 1976. Mit ihrem Ansatz, in dem Agency-Probleme und insbesondere „hidden information“ behandelt werden, haben sie einen Beitrag zur weiteren Erklärung der Kapitalstruktur eines Unternehmens geleistet.

Das Thema der Kapitalstruktur zieht auch die Aufmerksamkeit der internationalen Finanzexperten auf sich. In den letzten Jahren wurden viele Studien erfasst, die die Unterschiede in der Kapitalstruktur in verschiedenen Ländern analysieren. In der Tat, diese Studien belegen, dass nicht nur die unternehmensspezifischen Faktoren die Kapitalstruktur eines Unternehmens beeinflussen, sondern auch die länderspezifischen Faktoren.[3] Auch Chi, Lloyd und Kwok stellen in ihrem Aufsatz die Vermutung auf, dass länderspezifische Faktoren in Beziehung zu der Kultur des jeweiligen Landes stehen. Und sie führen in ihrer Argumentation für die Bedeutung von Kultur an, dass sie die Wahrnehmung eines Managers in Bezug auf Kosten und Risiko von Kapital und auch Agency-Problemen in jedem Land beeinflusst.[4]

Hofstede, ein niederländische Experte für Kulturwissenschaft, der sich umfassend mit dem Konzept Kultur beschäftigte, definierte Kultur als die kollektive Programmierung des Geistes, die die Mitglieder einer Gruppe oder Kategorie von Menschen von einer anderen unterscheidet.[5] Hofstede war einer der ersten Autoren, der das Konzept von kulturellen Dimensionen entwickelte. Kulturelle Dimensionen lassen sich als Wertestruktur definieren, anhand derer kulturelle Unterschiede analysiert und beschrieben werden können. Dieses Konzept ist gut geeignet zur systematischen Analyse verschiedener interkultureller Situationen, sowie als eine abstrakte und theoretische Grundlage für weitere Forschung.

Nach Hofstede wurden kulturelle Dimensionen auch von anderen Autoren erforscht und weiterentwickelt, unter anderem von Trompenaars und Schwartz. Im Rahmen dieser Diplomarbeit wird mit dem Kulturmodell von Schwartz gearbeitet, weil es besser theoretisch fundiert und an moderne Realität angepasst ist.

Das Ziel dieser Diplomarbeit ist es, den Zusammenhang zwischen kulturellen Werten und Kapitalstruktur zu untersuchen und dazu Hypothesen herzuleiten. Die Ergebnisse der Analyse werden anhand von Daten empirisch getestet und es wird geprüft, ob die theoretischen Überlegungen durch die Praxis bestätigt werden.

1.2 Vorgehensweise

Im theoretischen Teil dieser Diplomarbeit werden die Grundlagen der Kulturforschung aufgeführt. Zunächst wird der Begriff „Kultur“ definiert, als zweiter Schritt schließt sich eine Präsentation der jeweiligen Auffassungen der „Kulturdimensionen“ gemäß Hofstede und Schwartz an, die danach, in einem dritten Schritt, einem kritischen Vergleich unterzogen werden.

Als nächstes werden die Grundlagen der Unternehmungsforschung dargestellt. Es soll zunächst erklärt werden, wie die Kapitalstruktur in Unternehmen verfasst ist, welche Arten von Finanzierungstiteln existieren und wie sich der Verschuldungsgrad berechnen lässt. Danach wird auf das Irrelevanztheorem von Modigliani-Miller und Ansatzpunkte für die Relevanz unternehmerischer Finanzierungsmaßnahmen eingegangen. Schließlich werden die Fehlanreize der Unternehmensfinanzierung bei externer Eigen- und Fremdfinanzierung vorgestellt und miteinander verglichen.

Im weiteren Kapitel werden die Hypothesen zum möglichen Zusammenhang zwischen Kapitalstruktur und Kulturdimensionen hergeleitet.

Im empirischen Teil dieser Arbeit werden die entwickelten Hypothesen mittels linearer Regression getestet. Für alle Hypothesen wird zunächst ein mathematisches Modell angefertigt. Danach werden Daten für alle Variablen erklärt. Für die Hypothesen werden die linearen Regressionen mit der Software MATLAB durchgeführt. Die daraus resultierenden Ergebnisse werden vorgestellt und erklärt.

Das Fazit, in dem die wichtigsten Erkenntnisse aus dem empirischen Teil zusammengefasst werden, schließt die Diplomarbeit ab.

2 Theoretischer Teil

Dieses Kapitel beinhaltet die theoretischen Grundlagen dieser Diplomarbeit, auf deren Grundlage im nächsten Kapitel die empirische Analyse stattfindet. Als erstes wird im Unterkapitel 2.1 die Theorie aus der Kulturforschung erläutert, insbesondere die kulturellen Dimensionen von Hofstede und Schwartz. Danach werden in Unterkapitel 2.2 die Grundlagen aus der Finanzwirtschaft präsentiert. Und schließlich wird in Unterkapitel 2.4 basierend auf kultureller und finanzwirtschaftlicher Theorie der Zusammenhang zwischen dem Verschuldungsgrad und den kulturellen Dimensionen nach Schwartz hergestellt.

2.1 Grundlagen der Kulturforschung

2.1.1 Definition des Begriffes „Kultur“

In diesem Abschnitt wird der Begriff „Kultur“ definiert. Es ist offensichtlich schwer, Kultur genau zu umgrenzen. Laut den amerikanischen Anthropologen Kroeber und Kluckhohn im Jahr 1952 existierten bereits 164 verschiedene Definitionen von Kultur. Das Hauptproblem bei der Definition dieses Begriffs lag Pate zufolge darin, dass es bis in die früheren 90er des letzten Jahrhunderts keine Einigkeit zwischen den Anthropologen bezüglich der Natur von Kultur gab.

Die Definition von Kultur, die in der vorliegenden Diplomarbeit verwendet wird, kommt aus der interkulturellen Forschung von Spencer-Oatey: „Kultur ist eine Gesamtheit von Einstellungen, Glaubenssätzen, Verhaltensnormen, Grundannahmen und Werten, die von einer Gruppe geteilt werden, und die das Verhalten der Gruppenmitglieder beeinflussen, und mit wessen Hilfe diese das Verhalten anderer interpretieren".[6]

Diese Definition macht auf einige Probleme aufmerksam. Erstens, Kultur ist manifestiert auf verschiedenen Ebenen der Tiefe, angefangen von den inneren fundamentalen Kernannahmen und Werten, zu den äußeren Einstellungen, Glaubenssätzen und gesellschaftlichen Sitten, bis zu der oberen Ebene, die sich durch das Verhalten offenbart. Kultur ist zwiebelähnlich in verschiedenen Schichten angeordnet. Wobei jede Schicht die andere bedingt – und damit beeinflusst. Zweitens, die tieferen Aspekte von Kultur beeinflussen menschliches Verhalten (zusammen mit anderen Faktoren, solchen wie Persönlichkeit). Drittens, Kultur ist ein unscharfes Konzept, in dem es als unwahrscheinlich erscheint, dass die Gruppenmitglieder eine identische Gesamtheit an Einstellungen, Glaubenssätzen usw. teilen, trotzdem zeigen sie eine familiäre Ähnlichkeit, mit dem Ergebnis, dass es keine absolute Gemeinsamkeit von Merkmalen gibt, die eindeutig eine kulturelle Gruppe von der anderen unterscheiden kann. Viertens, Kultur wird mit sozialen Gruppen assoziiert. Alle Leute sind gleichzeitig Mitglieder mehrerer verschiedener Gruppen und Kategorien, z.B. Geschlechtsgruppen, nationale Gruppen, professionale Gruppen, ethnische Gruppen usw.[7] Alle diese verschiedenen Gruppen können als verschiedene kulturelle Gruppen gesehen werden. In dieser Diplomarbeit werden verschiedene Länder als kulturelle Gruppen gesehen.

2.1.2 Kulturdimensionen

Einer der Forschungsschwerpunkte interkultureller Forschung besteht in der Aufspaltung des hypothetischen Konstrukts Kultur in verschiedene Dimensionen, was durch Erforschung und Abstrahierung kultureller Unterschiede geschieht. Das ermöglicht die Einordnung von Kulturen gemäß den vorgegebenen Dimensionen und erleichtert die Analyse und den Vergleich einzelner Länder und Kulturen.

Die Modelle der kulturellen Dimensionen sind von verschiedenen Autoren geschaffen worden. Am bekanntesten sind die kulturellen Dimensionen von Hofstede und von Schwartz. Als erstes werden in dieser Diplomarbeit die Modelle der beiden Autoren vorgestellt und im zweiten Schritt werden diese Modelle einem kritischen Vergleich unterzogen.

2.1.2.1 Kulturdimensionen gemäß Hofstede

Gemäß Hofstede existieren fünf kulturelle Dimensionen. Die erste Dimension heißt Respekt vor sozialer Distanz. Die wichtigste Frage, die in diese Dimension involviert ist, ist die Frage danach, wie verschiedene Kulturen mit menschlicher Ungleichheit umgehen. Die Ungleichheit kann Prestige, Wohlstand und Macht betreffen.[8] Die zweite Dimension laut Hofstede ist Risikobereitschaft und Unsicherheitsvermeidung. Es handelt sich um die Bereitschaft, Risiko einzugehen und ohne direkte Sicherheit zu leben.[9] Die dritte Dimension heißt Individualismus als Gegenteil zum Konservatismus. Diese Dimension beschreibt die Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft und die Prioritätensetzung innerhalb der Gesellschaft auf das Individuum oder auf die Gruppe.[10] Die vierte Dimension, die systematische Differenzen zwischen Kulturen aufzeigt, heißt Maskulinität als Gegenpol zu Feminität. Hofstede definiert eine Gesellschaft als maskulin, wenn die Rollen der Geschlechter emotional klar gegeneinander abgegrenzt sind: Männer haben bestimmt, hart und materiell orientiert zu sein, Frauen dagegen müssen bescheidener, sensibler sein und Wert auf Lebensqualität legen. Als feminin bezeichnet man eine Gesellschaft, wenn sich die Rollen der Geschlechter emotional überschneiden: Sowohl Frauen als auch Männer können bescheiden und feinfühlig sein und Wert auf Lebensqualität legen.[11] Bei der fünften Dimension geht es um die langfristige gegen kurzfristige Zeitorientierung. Diese Dimension beschreibt, wie groß der zeitliche Planungshorizont in einer Gesellschaft ist.[12]

2.1.2.2 Kulturdimensionen gemäß Schwartz

In Studie von Schwartz wurden die Daten während der Periode von 1988 bis 1992 gesammelt. Die stammen aus 86 Stichproben für 41 kulturelle Gruppen in 38 Ländern. Die Personen aus 38 Stichproben sind Schullehrer, die die ganze Breite von Fächern von der dritten bis zur zwölften Klasse im gewöhnlichen Schulsystem des jeweiligen Landes unterrichten. Für 35 Stichproben von Universitätsstudenten wurden die Befragten so ausgewählt, dass sie die breite Reihe an Fächern belegen. Außerdem wurden auch zwölf allgemeine Stichproben von Erwachsenen aus verschieden Berufsrichtungen und zwei Gruppen von Jugendlichen einbezogen.[13]

Schwartz unterscheidet zwischen sieben Wertetypen.

- beschreibt solche Werte, die in engen harmonischen Beziehungen wichtig sind, in denen Interessen von einem Individuum nicht als verschieden von den Interessen einer Gruppe betrachtet werden. Alle diese Werte betonen die Aufrechterhaltung von Status Quo, Anstand, und Vermeidung von Handlungen und Neigungen von Individuen, die die traditionelle Ordnung durcheinanderbringen können. Kulturen, die konservative Werte betonen, befassen sich hauptsächlich mit Sicherheit, Konformität und Tradition.[14] Außerdem sind auch folgende Werte bedeutend in konservativen Gesellschaften: nationale Sicherheit, Familie, Sozialordnung, Höflichkeit, Gehorsamkeit, Selbstdisziplin, Unterwerfung, Weisheit, Aufbewahrung des öffentlichen Ansehens, Sauberkeit, Erwiderung von Gefälligkeiten usw.[15]

Intellektuelle und Affektive Autonomie sind Werte, die möglicherweise in solchen Gesellschaften wichtig sind, die ein Individuum als eine autonome Einheit betrachten, das berechtigt ist, seine eigenen Interessen zu verfolgen. Intellektuelle Autonomie betont die Selbstlenkung, und die emotionale Autonomie betont die Selbststimulation und den Hedonismus.[16] Überdies sind auch Werte wie Neugier, spannendes Leben, Vergnügen, Kreativität, Leben genießen usw. charakteristisch für Gesellschaften mit hohen Werten für Autonomie. Diese zwei Wertetypenwerden in dieser Arbeit zu einem Wertetyp Autonomie zusammen gefasst, weil intellektuelle und affektive Autonomie quer durch Kulturen miteinander positiv korrelieren.[17]

Hierarchie betont die Legitimität von hierarchischen Rollen und Allokation von Ressourcen. Diese Dimension basiert auf hierarchischen Systemen mit zugeschriebenen Rollen mit dem Ziel, verantwortliche, produktive Verhaltensweisen zu sichern. Das bedeutet, dass die ungleiche Verteilung von Macht, Rollen und Ressourcen als legitim gesehen wird. Menschen sind in der Art sozialisiert, um die hierarchische Verteilung von Rollen als selbstverständlich zu sehen und ihren Pflichten und Regeln nachzugehen, die ihren Rollen entsprechen. Werte wie soziale Macht, Autorität, Demut und Reichtum sind sehr wichtig in hierarchischen Kulturen.[18]

Egalitarismus (rechtliche, soziale und politische Freiheit) betont das Überschreiten von eigennützigen Interessen. Diese Wertgruppe beinhaltet eine freiwillige Verpflichtung, anderen Leuten zu helfen und deren Wohlfahrt zu verbessern. Wichtige Werte in Kulturen mit hohen Werten für Egalitarismus sind Gleichstellung, soziale Gerechtigkeit, Verantwortung, Hilfe, Zufriedenheit mit dem eigenen Anteil, Freiheit, Weltfrieden, Verantwortlichkeit und Ehrlichkeit.[19]

- akzentuiert aktive Macht auf das soziale Umfeld durch die Selbstdurchsetzung. Solche Werte fördern ein aktives Bemühen von Menschen mit dem Ziel, deren Umwelt zu ändern und andere zu übertreffen. Werte wie Ehrgeiz, Erfolg, Unabhängigkeit, Erreichen von eigenen Zielen, Mut und Kompetenz sind besonders wichtig in Kulturen mit hohen Werten für Herrschaft.[20]
- betont die Harmonie mit der Natur. Das bedeutet, dass die Welt so angenommen wird, wie sie ist und versucht, sie zu verstehen und zu schätzen anstatt die Welt zu verändern, zu regeln oder auszubeuten. Wichtige Werte in Gesellschaften mit hohen Werten für Harmonie sind Weltfrieden, Einheit mit der Natur und Umweltschutz.[21]

Außerdem verdichtet Schwartz diese sieben Wertetypen in drei bipolare kulturelle Dimensionen:

1. Autonomie vs. Konservatismus. Diese Dimension prüft, wessen Interessen innerhalb einer Gesellschaft den Vorrang haben (das heißt Interessen einer Person oder einer Gruppe) und in welchem Ausmaß Individuen autonom beziehungsweise in einer Gruppe eingeschlossen sind, wobei Schwartz die zweite Frage für die fundamentalere Frage hält.[22]
2. Hierarchie vs. Egalitarismus. Diese Dimension beschreibt, inwiefern die Menschen die hierarchischen Strukturen in einer Gesellschaft akzeptieren.[23]
3. Herrschaft vs. Harmonie. Diese Dimension behandelt das Problem, wie Menschen ihre Beziehung zur Umwelt und zur sozialen Welt regeln.[24]

2.1.2.3 Kritischer Vergleich der Kulturdimensionen von Hofstede und Schwartz

Als Hauptkritikpunkt an den Kulturdimensionen von Hofstede im Vergleich zu Schwartz lässt sich anführen, dass die Daten in den Stichproben von Schwartz aktueller sind als in den Studien von Hofstede. Außerdem hat Schwartz in seine Analyse einige ehemalige sozialistische Länder einbezogen, die Hofstede früher ausgelassen hat.[25] Aus diesen Gründen werden in dieser Arbeit die Daten für Kulturdimensionen von Schwartz verwendet.

2.2 Grundlagen der Unternehmungsforschung

2.2.1 Der Begriff „Finanzierung“

Zunächst wird der Ausdruck „Finanzierung“ definiert. Unter Finanzierung versteht man alle Maßnahmen der Mittelbeschaffung und -rückzahlung. Bei diesen Maßnahmen handelt sich um die Gestaltung der monetären Rechte und Pflichten sowie Einwirkungs-, Gestaltungs- und Informationsrechte des Kapitalgebers bzw. -nehmers.[26] Unter monetären Rechten und Pflichten wird die vertragliche Fixierung der Voraussetzungen verstanden, unter welchen welche Zahlungen zu leisten bzw. zu erhalten sind. Informationsrechte geben den Kapitalgebern die Möglichkeit, sich über die wirtschaftliche Lage des Kapitalnehmers zu informieren. Informationspflichten schreiben den Kapitalgebern vor, welche Informationen dem Kapitalgeber zur Verfügung gestellt werden müssen.[27] Unter Einwirkungsrechten wird das Recht der Kapitalgeber verstanden, auf die Geschäftsführung des Unternehmens Einfluss zu nehmen. Bei der Ausübung von Gestaltungsrechten kann es durch einseitige Willenserklärung des Kapitalgebers oder Kapitalnehmers zu einer Änderung der sonstigen Rechten und Pflichten aus der Finanzierungsbeziehung kommen.[28]

2.2.2 Finazierungsformen

Die oben genannten Rechte und Pflichten werden im Rahmen der Unternehmungsfinanzierung in Form von Fianzierungstiteln zusammengefasst. Gemäß Breuer wird „[...] unter Finanzierungstitel [wird] das Bündel der obigen Rechte und Pflichten verstanden, das seinem Inhaber unter bestimmten Voraussetzungen einen Zahlungsanspruch gegen das Unternehmen verschafft.“ Je nach dem welche Finazierungstitel zur Finanzierung eingestezt werden, lässt sich zwischen verschiedenen Formen der Finanzierung unterscheiden.[29]

Zwei Arten der Finazierungstitel wird eine besondere Bedeutung beigemessen: Beteiligungstitel und Forderungstitel. Man bezeichnet die Erwerber von Berteiligungstiteln als Miteigentümer der Unternehmung und die Erwerber von Forderungstiteln als Gläubiger der Unternehmung.[30] Die Unterschiede zwischen diesen beiden Finanzierungstiteln liegen in der Ausprägung der mit den Finanzierungstiteln verbundenen Rechte und Pflichten.

Als erstes werden monetäre Rechte und Pflichten betrachtet. Ein Inhaber eines Forderungstitels hat einen unbedingten Anspruch auf Zahlung eines bestimmten Betrages gegenüber den Emittenten dieses Finanzierungstitels.

Zur Veranschaulichung der Zahlungsstruktur eines idealtypischen Forderungstitels bei beschränkter Gesselschafterhaftung wird hier die Abbildung 2 herangezogen. Es wird eine Zwei-Zeitpunkte-Betrachtung unterstellt. Im Zeitpunkt t=0 werden die Forderungstitel emittiert, die dann gegen die Mittelüberlassung an das Unternehmen beschafft werden können. Im Zeitpunkt t=1 wird ein aus der Sicht des Zeitpunkts t=0 ungewisser Einzahlungsüberschuss ͠z 1 realisiert. Aus diesem Einzahlungsüberschuss wird in t=0 eine Rückzahlung in Höhe von F in t=1 den Inhabern von Forderungstiteln versprochen. Da hier angenommen wird, dass die Rückzahlung nur aus dem Einzahlungsüberschuss in t=1 erfolgen kann, wird hier die beschränkte Haftung der Gesellschafter unterstellt. Die Rückzahlung an die Gläubiger der Unternehmung zum Zeitpunkt t=1 sieht wie folgt aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[31]

Da die Wahrscheinlichkeit positiv sein kann, ist es möglich, dass der erwartete Einzahlungsüberschuss in t=1 kleiner als die Forderung ist und die Forderung F der Gläubiger nicht erfüllt werden kann. Es liegt somit eine Ausfallbedrohung vor.[32]

Den Inhabern der Forderungstitel steht eine fixer Betrag zu, der am Anfang der Finanzierungsbeziehung festgelegt wurde und auf den die unternehmerische Ertragssituation keinen Einfluss hat. Wenn man von einer persönlichen, unbeschränkten Haftung der Gesellschafter ausgeht und das Untenehemen über keine weiteren fianziellen Mittel zum Zeitpukt der Zahlung verfügt, wird die Forderung der Gläubiger aus dem Einzahlungsüberschuss des Unternemens beglichen.[33]

Die Inhaber der Beteiligungstitel haben im Gegensaz zu Inhabern von Forderungstiteln keinen unbedingten Anspruch auf Zahlung, sondern es steht ihnen all das zu, was nach der Bedienung der Forderungstitel noch an erwirtschafteten Überflüssen übrig bleibt, das sogenannte Residium. Dieses Residium wird gemäß der Beteiligungsquote zwischen den Gesellschaftern aufgeteilt. Bei einer beschränkten Haftung sieht ein Rückfluss an finanziellen Mitteln, der in Abhänigkeit von der Höhe des realisierten Wertes z1 für den Einzahlungsüberschuss der Unternehmung steht, wie folgt aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 veranschaulicht diesen Zusammenhang. Es wird hier und im Weiteren stets davon ausgegangen, dass die Betiligungsquote 𝝎 bei 1 liegt, weil man alle Gesellschafter zusammen betrachtet[34].

Wenn man eine persönliche Haftung betrachtet, bei der Gesellschafter nur über Mittel m mit F>m>0 in t=1 verfügen, ändern sich die Graphiken etwas. Die Abbildungen von Forderungs- und Beteiligungstiteln verschieben sich nämlich um m nach unten. Die Funktionen bleiben in beiden Fällen bei beschränkten und unbeschränkten Haftungen abschnittweise liniar. Die Abbildungen 4 und 5 (bei 𝝎=1) veranschaulichen das.[35]

Wenn die Haftung unbeschränkt ist und die Gesellschafter in t=1 über unbegrenzte finanzielle Mittel verfügen, dann werden die Zahlungstrukturen von Beteiligungs- und Forderungstiteln zu linearen Funktionen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[36]

In diesem Fall liegt keine Ausfallgefahr mehr vor.[37]

Bei einer Betrachtung der Formel (3) fallen die Unterschiede in den Zahlungstrukturen von Beteiligungs- und Forderungstiteln auf. Die Inhaber von Forderungstiteln bekommen stets eine fixe Zahlung, die nicht durch die unternehmerische Ertragssituation beeinflusst wird. Stattdessen unterliegen die Einzahlungen auf den Beteiligungstiteln Schwankungen in Abhängigkeit von der Ertragssituation des Unternehmens.[38]

Ein weiterer Unterschied zwischen Beteiligungs- und Forderungstitel besteht in der Ausprägung der damit verbundenen Einwirkungsrechte. Die Gesellschafter können im Gegensatz zu Gläubigern über die Geschäftspolitik der Unternehmung bestimmen, weil die Einwirkungsrechte von Gesellschaftern stärker ausgeprägt sind als die von Gläubigern. Es erscheint als logisch, dass die Personen, deren Einkommensposition am stärksten durch die unternehmerische Ertragssituation bestimmt wird, die meisten Verfügungsrechte bekommen.

Nur in Fällen drohender Zahlungsschwierigkeiten, steigt der Einfluss der Gläubiger auf die Geschäftsführung des Unternehemens.[39] Wenn dies eintritt, verändert sich die Position der Gläubiger in Form einer Annäherung an die Position von Gesellschaftern.

Wenn im Falle einer kritischen Liquiditätslage einer Unternehmung die künftigen Einzahlungsüberschüsse mit hoher Wahrscheinlichkeit unterhalb von F liegen, dann sind die Gläubiger im vollen Umfang an allen weiteren Geldeinnahmen beteiligt. Somit stellt sich die diesbezügliche Zahlungsstruktur für die Inhaber von Forderungstiteln als d(z1)=z1 dar. Ganz extrem gilt dies bei eingetretener Zahlungsunfähigkeit der Unternehmung: Dann sind die bisherigen Gläubiger praktisch neue Eigentümer der Gesellschaft und üben die Verfügungsgewalt über die Unternehumung aus[40].

Auch Informationsrechte von Inhabern der Beteiligungs- und Forderungstitel unterscheiden sich voneinander in ihrer Ausprägung. Die Inhaber von Beteiligungstiteln verfügen über weitergehende Informationsrechte als Inhaber von Forderungstiteln. Die Rechtsstellung der Eigenkapitalgeber ist hier ausschlaggebend. Der Umfang der Informationsrechte hängt mit dem Umfang der Einwirkungsrechte zusammen. Aus diesem Grund sind vollhaftende Gesellschafter mit mehr Informationsrechten ausgestatet als Gesellschafter mit beschränkter Haftung. Was die Informationsrechte der Fremdkapitalgeber angeht, so existieren kaum gesetzliche Vorschriften.[41]

Sowohl die Inhaber der Betiligungs- als auch der Forderungstitel verfügen über Gestaltungsrechte in Form der Möglichkeit zur Veräußerung eines Finanzierungstitels, wobei die Inhaber von Forderungstiteln in diesem Fall über mehr Freiheit verfügen. Bei den Inhabern von Beteiligungstiteln besteht oft Zustimmungserfordernis seitens der übrigen Gesellschafter einer Unternehmung.[42]

Die mit Gestaltungsrechten zusammenhängenden Kundigungsrechte unterscheiden sich auch nach der Art des Finanzierungstitels. Z.B. in Deutschland dürfen die Aktien und GmbH-anteile nicht gekündigt werden, während die Forderungstitel ohne weitere Probleme gekündigt werden können.[43]

Je nachdem, ob Beteiligunsgtitel oder Forderungstitel zum Zwecke der Unternehmungsfinanzierung eingesetz werden, wird zwischen Eigenfinanzierung und Fremdfinanzierung unterschieden. Bei den Beteiligungstiteln handelt es sich um Eigenfinanzierung, während bei den Forderungstiteln von Fremdfinanzierung gesprochen wird. Ausserdem unterscheidet man zwischen interner und externer Finanzierung. Wenn die Mittel dem Unternehemen von „außen“ von den Kapitalgebern zugeführt werden, handelt es sich um die externe Finanzierung. Bei der internen oder Innenfinanzierung werden die liquiden Mittel, die aus der unternehmerischen Tätigkeit stammen, im Unternehmen einbehalten.[44]

Daraus resultieren vier grundlegende Kombinationsmöglichkeiten, und zwar ergeben sich folgende grundsätzliche Arten der Unternehmungsfinanzierung: externe Eigenfinanzierung, externe Fremdfinanzierung, interne Eigenfinanzierung und interne Fremdfinanzierung.[45]

Bei externer Eigenfinanzierung handelt es sich um den Verkauf von neuen Beteiligungstiteln vom Unternehmen an Kapitalgeber, die damit zu neuen anteiligen Gesellschaftern der Unternehmung werden. Ein Beispiel dafür ist die Emission junger Aktien im Rahmen einer Kapitalerhöhung gegen Einlagen bei einer Aktiengesellschaft.[46]

Bei externer Fremdfinanzierung werden vom Unternehmen die Forderungstitel an Kapitalgeber veräußert. Die betreffenden Kapitalgeber bezeichnet man dann als Gläubiger der Unternehmung. Als Beispiel dafür könnte die Ausgabe einer Anleihe oder Aufnahme eines Kredits bei der Bank dienen.[47]

[...]


[1] Vgl. Sekely/Collins (1988), S.87.

[2] Vgl. Lee/Kwock (1988), S. 195.

[3] Vgl. De Jong/Kabir (2007), S. 2.

[4] Vgl. Chui/Llloyd/Kwok (2002), S. 100.

[5] Vgl. Hofstede (2001), S. 9.

[6] Vgl. Spencer-Oatey (2002), S.4.

[7] Vgl. ebenda S. 4

[8] Vgl.Hofstede S. 79.

[9] Ebenda S. 145.

[10] Ebenda S. 209.

[11] Ebenda S. 279 .

[12] Ebenda S. 351 .

[13] Vgl. Schwartz S. (1994), S. 98-99.

[14] Vgl. Schwartz (1994) S. 102

[15] Vgl. ebenda S . 102 (

[16] Vgl. Ebenda S. 102

[17] Vgl. Ebenda S. 102

[18] Vgl. Schwartz (2006) S.141

[19] Vgl. Schwart S(1994), S. 102

[20] Vgl. Schwartz (2006) S. 141

[21] Vgl. Schwartz (2006) S. 141

[22] Vgl. Schwartz (19929, S. 2

[23] Vgl. Schwartz (2006), S. 140

[24] Vgl. Ebenda S. 141

[25] Chui, Lloyd, Kwock S.101

[26] Vlg. Breuer (2008) S. 10

[27] Vgl. Breuer(2008) S. 10

[28] Vgl. Breuer (2008) s. 11

[29] Vgl. ebenda

[30] Vgl. Breuer (20089 S. 12

[31] Vgl. Breuer (2008) S. 12

[32] Vgl. ebenda S. 14

[33] Vgl. ebenda S. 14

[34] Vgl. Breuer (2008), S. 14

[35] Vgl. ebenda S. 15

[36] Vgl. ebenda S. 16

[37] Vgl. ebenda S. 17

[38] Vgl. ebenda S. 17

[39] Vgl. Breuer (2008) S. 17

[40] Vgl. ebenda S. 18

[41] Vgl. ebenda S. 18

[42] Vgl. ebenda S. 18,19

[43] Vgl. Breuer (2008), S. 19

[44] Vgl. ebenda S. 20

[45] Vgl. ebenda S. 21

[46] Vgl. ebenda S. 21

[47] Vgl. ebenda S. 21

Details

Seiten
66
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783842811126
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v228371
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Wirtschaftswissenschaften, Betriebliche Finanzwirtschaft
Note
2,0
Schlagworte
kulturforschung kulturdimension empirische untersuchung kapitalstruktur unternehmungsfinanzierung

Autor

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