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Modell zur Erfolgsmessung des als Informationssystem betrachteten Interaktiven Whiteboards im Kontext organisationaler Nutzung

Magisterarbeit 2010 122 Seiten

Informatik - Wirtschaftsinformatik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

TEIL I THEORIE

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit

2. Makroökonomische Rahmenbedingungen
2.1 Entwicklung der Informationsgesellschaft
2.1.1 Grundsätzliche Begriffserklärung
2.1.2 Implikationen des Konzeptes der Entropie im Kontext der Informations-gesellschaft
2.1.3 Die Bedeutung der Ressource Information im Kontext der Informations-gesellschaft
2.2 Notwendigkeit des Informationsmanagements

3. Terminologische Grundlagen
3.1 Der Begriff der Information
3.1.1 Etymologische Abhandlung des Begriffes Information
3.1.2 Wirtschaftswissenschaftliches Verständnis von Information
3.1.2.1 Zusammenhang zwischen Daten, Information und Wissen
3.1.2.2 Zusammenhang Information und Kommunikation
3.1.2.3 Information als Produktionsfaktor
3.2 Der Begriff des computerunterstützten Informationssystems
3.2.1 Komponenten eines Informations- und Kommunikationssystems
3.2.2 Klassifizierung von Informationssystemen
3.2.2.1 Von der Datenverarbeitung zum Wissensmanagement
3.2.2.2 Unterscheidung zwischen operativen und analytischen Infor-mationssystemen
3.2.2.3 Typisierung von Informationssystemen
3.2.3 Synthese
3.3 Der Begriff des Interaktiven Whiteboards
3.3.1 Grundsätzliche Begriffserklärung
3.3.2 Funktionsweise Interaktiver Whiteboards
3.3.3 Einsatzmöglichkeiten Interaktiver Whiteboards
3.3.4 Vor- und Nachteile Interaktiver Whiteboards
3.3.5 Interaktive Whiteboardtechnologien
3.3.5.1 Hardwareunterschiede
3.3.5.2 Softwareunterschiede
3.3.6 Kritikpunkte am Interaktiven Whiteboard
3.3.7 Definition des Interaktiven Whiteboards als Informationssystem
3.4 Der Begriff der Organisation
3.4.1 Grundsätzliche Begriffserklärung
3.4.2 Instrumenteller Organisationsbegriff
3.4.3 Institutioneller Organisationsbegriff
3.4.4 Prozessorientierter Organisationsbegriff
3.4.5 Synthese der drei Organisationsbegriffe
3.4.6 Aufgaben der Organisation und organisatorische Implikationen des Einsatzes von Informationstechnik

4. Zwischenresümee

5. Theoretisches Modell zur Messung des Erfolges eines Informations-
systems
5.1 Grundlagen zum IS-Erfolgsmodell nach DeLone/McLean
5.2 Ursprüngliches IS-Erfolgsmodell nach DeLone/McLean
5.3 Aktualisierung des IS-Erfolgsmodells durch DeLone/McLean
5.4 Theoretischer Kontext der einzelnen IS-Erfolgsdimensionen
5.4.1 Qualitätsgesichtpunkte
5.4.2 Einstellung, Verhalten und Akzeptanz
5.4.3 Nutzerzufriedenheit
5.4.4 Nutzendimension

6. Modell zur Erfolgsmessung des als Informationssystem betrachteten Interaktiven Whiteboards
6.1 Modell zur Erfolgsmessung Interaktiver Whiteboardsysteme
6.2 Metrik der Erfolgsfaktoren für Interaktive Whiteboardsysteme

TEIL II EMPIRIE

7. Erster Praxistest des Modells zur Erfolgsmessung Interaktiver White-boardsysteme
7.1 Grundannahmen empirischer Sozialforschung
7.2 Forschungsvorgehen
7.2.1 Methode des qualitativen Interviews
7.2.2 Methodologie des Forschungsvorhabens
7.2.2.1 Zielsetzung
7.2.2.2 Bestimmung der Stichprobe
7.2.2.3 Gestaltung des Interviews
7.2.2.4 Datenerhebung in der Interviewsitutation und Datenaufbereitung
7.2.2.5 Datenauswertung mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse Mayrings
7.3 Diskussion der Forschungsergebnisse

TEIL III INTEGRATION DER EMPIRIE IN THEORIE

8. Bewertung und Integration der Gestaltungs- und Änderungsvor-schläge des qualitativen Interviews

9. Ansätze für weiterführende Forschung und Handlungsempfehl-
ungen

10. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Integrativer Charakter der Konzeption der Arbeit

Abbildung 2: Kondratieffzyklen inkl. Basisinnovationen, sowie die Entwicklung von der Industrie- zur Informationsgesellschaft

Abbildung 3: Betrachtungsebenen der Semiotik und deren Erweiterung

Abbildung 4: Komponenten eines IuK-Systems

Abbildung 5: „Three-Era-Model“: Ziele und Funktionen von IS

Abbildung 6: Systempyramide und Unterscheidung zwischen operativen und analytischen Informationssystemen

Abbildung 7: Ursprüngliches IS-Erfolgsmodell nach DeLone/McLean

Abbildung 8: Aktualisiertes IS-Erfolgsmodell nach DeLone/McLean

Abbildung 9: DeLone/McLean-Modell als Basismodell für den IWB-Kontext

Abbildung 10: Einzelschritte der Datenauswertung basierend auf dem inhaltsanalytischen Ablaufmodell Mayrings

Abbildung 11: Anstieg der Information, der Daten bzw. des Wissens

Abbildung 12: Herausforderungen an die Informationsverarbeitung

Abbildung 13: Grundsätzlicher Aufbau des Interaktiven Whiteboards

Abbildung 14: Zusammenhang Kommunikationstheorie und IS, sowie daraus abgeleitete Kategorien des IS-Erfolges

Abbildung 15: Empirische IS-Studien zum ursprünglichen IS-Erfolgsmodell nach DeLone/McLean

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Metrik der abgeleiteten bzw. entwickelten Erfolgsfaktoren der sechs IS-Dimenisionen für Interaktive Whiteboardsysteme

Tabelle 2: Metrik der aufgrund der empirischen Inputs weiterentwickelten Erfolgsfaktoren der sechs IS-Dimensionen

Tabelle 3: Zusammenfassung der bei früheren IS-Studien verwendeten Erfolgsfaktoren der sechs ursprünglichen IS-Erfolgsdimensionen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit und Verständlichkeit beziehen sich alle geschlechtsspezifischen Formulierungen auf beide Geschlechter.

1.1 Problemstellung

Verschiedene ökonomische, technologische und gesellschaftliche Entwicklungen der letzen Jahrzehnte stellen die Unternehmen des 21. Jahrhunderts vor neue Herausforderungen. Rasante Veränderung der Unternehmensumwelt sowie eine Verschärfung der Wettbewerbssituation sind die Folgen (vgl. Müller 2004, S. 1ff). Um in diesem dynamischen Zeitalter dem unternehmerischen Hauptziel einer effektiven Organisation gerecht zu werden, muss neben den herkömmlichen ein zusätzlicher Produktionsfaktor bestmöglich in das Unternehmen eingebunden bzw. gemanagt werden. Der richtige Umgang mit der Ressource Information bezeichnet zu Zeiten der Informationsgesellschaft eine wichtige Teilkomponente unternehmerischen Handelns. Diesbezüglich ist auf das Stichwort ‚Informationsverarbeitung’ zum Zweck der Deckung der betrieblichen Informationsbedürfnisse zu verweisen. Die technologischen Entwicklungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik (in der Folge IuK-Technik) bieten neue Möglichkeiten, die betrieblichen Problemstellungen bzw. die zu lösenden Informationsprobleme effizienter zu bearbeiten.

Das eigentliche Erkenntnisobjekt der Arbeit, das Interaktive Whiteboard, wird in diesem Zusammenhang als Erweiterung des firmeninternen Informationssystem-Technik-bündels (in der Folge IS-Technikbündel) betrachtet. Aufbauend auf dem Prinzip der Informationserzeugung, -benutzung, und –kommunikation unterstützt dieses Mensch-Maschine-System, wie die anderen Informationssysteme, die betrieblichen Leistungsprozesse. Informationsmanagement ist der gemeinsame Nenner dieses Verständnisses des bestmöglichen Einsatzes der Ressource Information. Darunter „ist das Management der Informationswirtschaft, der Informationssysteme, der Informations- und Kommunikationstechniken sowie der übergreifenden Führungsaufgaben (Krcmar 2005, S. 49)“ zu verstehen. Durch den massiven betrieblichen Einsatz von Informations- und Kommunikationssystemen erwuchs im Laufe der Zeit für die Wirtschaftsinformatik, die als Schnittstelle zwischen Betriebswirtschaftslehre und Informatik zu sehen ist, schließlich der Anspruch, den Erfolg derselben im Kontext organisationaler Nutzung zu messen.

Die einleitenden Ausführungen skizzieren die Komplexität des zu bearbeitenden Themengebiets. Die Auseinandersetzung mit den Gegenständen ‚Informationsmanagement’, ‚Information’, ‚IuK-Systeme’, ‚Interaktives Whiteboard’, und ‚Organisation’ tangiert zahlreiche, verschiedene Wissenschaftsdisziplinen, was im weiteren Verlauf der Arbeit zum Ausdruck kommt. Die Debatte um ein Modell zur Erfolgsmessung des als Informationssystem betrachteten Interaktiven Whiteboards erfordert daher einen interdisziplinären Dialog.

1.2 Zielsetzung der Arbeit

Beim Interaktiven Whiteboardsystem handelt es sich um eine IuK-Technik, die den Menschen als Benutzer unterstützt, betriebliche Problemstellungen bzw. Informationsprobleme zu lösen. Damit umfasst es dieselben Komponenten, die für herkömmliche Informations- und Kommunikationssysteme bezeichnend sind. Die Intention der vorliegenden Arbeit ist es, den Zusammenhang dieses Themengebietes mit größeren, interdisziplinären Rahmenbedingungen aufzuzeigen, und darauf aufbauend dem Leser einen ersten Konzeptentwurf für ein Modell zur Erfolgsmessung des als Informationssystem betrachteten Interaktiven Whiteboards im Kontext organisationaler Nutzung anzubieten.

Um dieses Ziel zu erreichen, sind jedoch mehrere Schritte, die als Unterziele anzusehen sind, nötig. Um die gesamte Tragweite des Themengebietes zu verstehen, wird zunächst der Rahmen dargelegt, der die Struktur und die konzeptionelle Basis der Betrachtung dieser Arbeit liefert. Die Herausbildung der Informationsgesellschaft sowie der daraus entstehende Bedarf des betrieblichen Informationsmanagements sind Inhalt der Analyse. Um Klarheit in der umfangreichen Begriffswelt dieses Themas zu erreichen, müssen im Anschluss zentrale Grundbegriffe, die für das Verständnis nachfolgender Kapitel notwendig sind, geklärt werden (vgl. Krcmar 2005, S. 4). Dazu zählen der Begriff der Information, des computerunterstützten Informationssystems, des Interaktiven Whiteboards, und der Organisation.

Eine weitere konzeptionelle Grundlage betrifft die Vorstellung eines in der Wirtschaftsinformatik anerkannten und empirisch validierten Modells zur Messung des Erfolges eines Informationssystems. Dieses Kapitel zum IS-Erfolgsmodell nach DeLone/McLean unterstreicht den Anspruch der Interdisziplinarität des zu bearbeitenden Themengebietes, indem es den Querverweis zu diversen Referenztheorien herstellt. Im Anschluss erfolgt sodann die Entwicklung bzw. Ableitung des ersten Konzeptentwurfs des Modells zur Erfolgsmessung des als Informationssystem betrachteten Interaktiven Whiteboards. Er vereint Elemente aus vergangener IS-Forschung und sämtlich zuvor aufgearbeiteter Theorie.

In einem empirischen Setting werden das Modell samt seinen Implikationen sowie die impliziten Thesen dieser Arbeit einem ersten Praxistest unterzogen, nachdem es kritisch zu beurteilen gilt, inwiefern die Ergebnisse zu einer Veränderung der beiden Aspekte beitragen. Aus der Summe der gewonnen Erkenntnisse können abschließend Ansätze für weiterführende Forschung abgeleitet, sowie auf Handlungsempfehlungen für den betrieblichen Whiteboardeinsatz und für die praktische Umsetzung des Modells verwiesen werden.

Das letzte Teilziel ergibt sich aus der starken Technikorientierung des bearbeiteten Fachgebiets. Die Arbeit will dem Leser trotz aller Vorzüge, die neue (IS-)Techniken[1] zweifellos mit sich bringen, einen unhinterfragten Einsatz absprechen (vgl. Jarz 1997, S. 343) und für eine kritische, emanzipierte Haltung mit Weitblick plädieren.

1.3 Aufbau der Arbeit

Diese Arbeit gliedert sich im Wesentlichen in drei Teile: Theorie, Empirie und Integration der Empirie in Theorie.

Im Theorieteil steht zunächst in Kapitel 2 der makroökonomische Rahmen, der das zu bearbeitende Themengebiet umgibt bzw. gewissermaßen bedingt, zur Diskussion. Darauf folgt in Kapitel 3 eine dem Kontext entsprechende Klärung der zugrundeliegenden Begriffswelt. Nach einem Zwischenresümee erfolgt in Kapitel 5 die Vorstellung des DeLone/McLean-Modells zur IS-Erfolgsmessung. Das geklärte Begriffsverständnis sowie das DeLone/McLean-Modell ermöglichen in Kapitel 6 die Ableitung bzw. Entwicklung des Modells zur Erfolgsmessung des als Informationssystem betrachteten Interaktiven Whiteboards.

Der Empirieteil überprüft die im Verlauf der Arbeit implizit aufgestellten Thesen sowie das entwickelte Modell samt der dazugehörigen Metrik der Erfolgsfaktoren. Kapitel 7 gibt demzufolge Einblick in die methodologische Vorgehensweise der empirischen Forschung, und stellt abschließend die ausgewerteten Ergebnisse zur Debatte.

Im letzten Teil der Arbeit erfolgt in Kapitel 8 eine Bewertung der im Rahmen des qualitativen Interviews erhaltenen Gestaltungs- und Änderungsvorschläge bzgl. des Modells. Die kritisch und unter Verwendung entsprechender Literatur geprüften Vorschläge führen sodann zum abschließenden Erfolgsmodell für den Interaktiven Whiteboardkontext in dieser Arbeit. Abgeschlossen wird die Arbeit mit den Kapiteln 9 und 10. Ersteres verweist dabei auf weiterführende Ansätze der Forschung und auf in Kapitel 6 angeführte Handlungsempfehlungen bzgl. des betrieblichen Whiteboardeinsatzes sowie bzgl. der praktischen Umsetzung des Modells. Kapitel 10 bietet zum Abschluss eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und endet mit einem kurzen Ausblick.

Nachfolgende Abbildung veranschaulicht in sinngemäßer Form eines Hauses den integrativen Charakter der Konzeption dieser Arbeit, deren Forschungsprozess der allgemeinen wirtschaftswissenschaftstheoretischen Methodik folgt (vgl. Chmielewicz 1979, S. 8ff).

Abbildung 1: Integrativer Charakter der Konzeption der Arbeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Bea/Göbel (2006)

Zum Abschluss der Einleitung sei noch Folgendes erwähnt: Immer wenn der Umfang der Arbeit eine tiefere Aufarbeitung des jeweiligen Aspektes nicht erlaubt, wird auf weiterführende Literatur verwiesen.

TEIL I THEORIE

2. Makroökonomische Rahmenbedingungen

Welche makroökonomischen Einflussgrößen herrschen vor, welche Rahmenbedingungen gelten für diesen Diskussionszusammenhang, oder welches Umfeld umgibt das als Informationssystem betrachtete Interaktive Whiteboard, das in einem organisationalen Umfeld eingegliedert ist? Antworten auf diese Fragen bilden den makroökonomischen Rahmen, in den diese Arbeit eingebettet ist.

Der Wirtschaftstheoretiker Leo A. Nefiodow ist ein Vertreter der Langen-Wellen-Theorie. Die Theorie basiert auf einem breiten Innovationsbegriff, der technische als auch gesellschaftliche Innovationen, und damit verbunden eine wirtschaftliche, in Wellenform verlaufende Entwicklung umfasst. Sogenannte Basisinnovationen bezeichnen die jeweiligen Auslöser für länger andauernde Wirtschaftszyklen. Jede längere Konjunkturwelle geht mit einer Innovation einher, die umfassendes wirtschaftliches Neuland erschließt, und daher als Basisinnovation bezeichnet werden kann (vgl. Nefiodow 1990, S. 21ff). „Jede dieser Erfindungen hat eine lange Periode der Prosperität ausgelöst und zu einer weitreichenden Umorganisation der Gesellschaft geführt (Nefiodow 1990, S. 23).“

Dieser gesellschaftliche Strukturwandel ist nur möglich, wenn man, wie Nefiodow, Innovation als sozialen Prozess betrachtet. D.h. Innovation ist nicht als rein technisch-ökonomischer, sondern als ganzheitlicher, gesellschaftlicher Prozess zu sehen (vgl. Nefiodow 1990, S. 41f). Die Einbettung der technisch-ökonomischen Bereiche in ein gesellschaftliches Umfeld ist Voraussetzung für Nefiodows Verständnis einer Gesellschaft. Der Strukturwandel in Form der Informationsgesellschaft, die sich mit Beginn des fünften Kondratieffs[2] bildete, ist Inhalt der nachstehenden Ausführungen.

Nachstehende Abbildung veranschaulicht die Interpretation von Innovation im Sinne Nefiodows. Sie zeigt den Zusammenhang von technisch-ökonomischen (Basis-)In-novationen, Wirtschaftszyklen, gesellschaftlicher Entwicklung, und den jeweils wachstumsbestimmenden Faktoren.

Abbildung 2: Kondratieffzyklen inkl. Basisinnovationen, sowie die Entwicklung von der Industrie- zur Informationsgesellschaft

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Nefiodow 1996, S. 12 und 94

Als historischen Wendepunkt in der Entwicklung der westlichen Zivilisation bezeichnet Nefiodow das Jahr 1970, in dem der Übergang vom vierten zum fünften Kondratieff oder der Übergang von der Industrie- zur Informationsgesellschaft stattfand. Die Verwertung immer größerer Energiemengen (Energie der Kohle, der Elektrizität, der chemischen Bindungen, des Erdöls, des Erdgases, und der Kernspaltung) war nach Nefiodow hauptverantwortlich für den technologischen, wirtschaftlichen, und sozialen Wandel bzw. für den Wohlstand der westlichen Kultur (vgl. Nefiodow 1996, S. 7ff). Dass das auf stetiger Steigerung des Rohstoff- und Energieverbrauches aufbauende Wirtschaftswachstum ab einem bestimmten Zeitpunkt, an dem das Rohstoff- und Energiepotential der Umwelt weitgehend ausgeschöpft ist, an Grenzen stößt, wurde in den 70er Jahren erkannt. Der Bericht „On the Limits of Growth“ des ‚Club of Rome’[3] aus dem Jahre 1972 verdeutlicht diese Erkenntnis.

Der logische Schluss dieses Verständnisses wirft folgende, viel diskutierte Frage auf: Wie ist künftiges Wachstum ohne gesteigerte Energiemengen möglich? Die Antwort darauf führt zu einem der thematischen Schwerpunkte dieser Arbeit – dem Begriff der Information, und der daraus abgeleiteten Informationsgesellschaft.

2.1 Entwicklung der Informationsgesellschaft

In Anlehnung an die Systemtheorie (vgl. Fuchs 1972) kommt Nefiodow zum nachstehend angeführten Ergebnis: „ Energie und Information sind die eigentlichen und einzigen Quellen des Wachstums. Alle sonstigen wachstumsbestimmenden Faktoren lassen sich auf diese beiden zurückführen. Eine dritte oder vierte von Energie oder Information unabhängige Wachstumsquelle gibt es nicht (Nefiodow 1996, S. 9f).“

Die Rolle von Energie wurde eingangs bereits kurz diskutiert. Wie aus Abbildung 2 ersichtlich ist, übernahm zu Beginn des fünften Kondratieffs Information die Rolle der wachstumsbestimmenden Determinante der Gesellschaft. Sie wechselte somit Energie als wichtigste Quelle des Wachstums ab. Ergänzend ist zu erwähnen, dass Information in der Geschichte zwar stets mitbeteiligt und auch unabkömmlich, aber nicht bestimmend für den gesellschaftlichen Wandel war. Für den fortan informationsgetriebenen Strukturwandel bildete sich der Ausdruck Informationsgesellschaft heraus (vgl. Nefiodow 1996, S. 10).

2.1.1 Grundsätzliche Begriffserklärung

Nach Spinner, der den Ausdruck Informationsgesellschaft mit einem „Eintopf“ vergleicht, ist der Sinn einer befriedigenden Definition des Begriffs äußerst fragwürdig (vgl. Spinner 1986, S. 100ff). Aus diesem Grund bietet Götz-Henrich anstelle einer eindeutigen Definition lediglich Kennzeichen oder Merkmale der Informationsgesellschaft an (vgl. Götz-Henrich 1996, S. 60ff). Gjinali zeigt in ihrer Arbeit, dass eine rein tautologische Begriffsabgrenzung für eine ganzheitliche, eindeutige Definition ebenso wenig hinreichend ist (vgl. Gjinali 2000, S. 15). Aus diesen Erläuterungen wird abgeleitet, dass der Begriff der Informationsgesellschaft ein gewisses Maß an Komplexität besitzt. Nachfolgend wird eine speziell für den Kontext dieser Arbeit gültige Definition entwickelt.

Die Informationsgesellschaft kann insofern als mehrdimensionales Gebilde sowie als „offene Gesellschaft“ bezeichnet werden, als dass sie kein harmonisches Ganzes mehr ist, und demzufolge auch nicht als solches analysiert werden kann (vgl. Götz-Henrich 1996, S. 56). „Untersuchen lassen sich jeweils nur Teilaspekte, etwa der Zusammenhang zwischen Information und sozialer Ordnung (Götz-Henrich 1996, S. 56).“

Speziell dieser Teilaspekt, der Zusammenhang zwischen Information und Gesellschaft, ist Inhalt dieses einführenden Teils der Arbeit, wie bereits in den Ausführungen zu den Wirtschaftszyklen zu erkennen war. So gesehen ist im Rahmen dieser Arbeit eine tautologische Definition des Begriffs Informationsgesellschaft zulänglich (vgl. Götz-Henrich 1996, S. 57f).

Eine weitere, passende Definition für diesen Diskussionszusammenhang findet man bei Busch: „Der Begriff Informationsgesellschaft steht für eine Wirtschafts- und Gesellschaftsform, in der der produktive Umgang mit der Ressource Information und die wissensintensive Produktion eine herausragende Rolle spielen (Deutsches Bundesministerium für Wirtschaft 1997, S. 15 zitiert nach Busch 1999, S. 13).“

Nefiodow kommt in seinen Arbeiten zum selben Schluss. „In der Informationsgesellschaft hingegen kommt es in erster Linie auf die Erschließung und Nutzung der verschiedenen Erscheinungsweisen der Information an – also von Daten, Texten, Nachrichten, Bildern, Musik, Wissen, Ideen, Beziehungen, Strategien (Nefiodow 1996, S. 12).“

Diese Ausführungen zum Thema ‚Informationsgesellschaft’ führen zur folgender Schlussfolgerung: Kulturgeschichtlich betrachtet, war seit der frühen Geschichte der Menschheit primär stets die Optimierung von Energieflüssen für die gesellschaftliche Weiterentwicklung verantwortlich. Seit dem angesprochenen Wendepunkt in den 70er Jahren ist der optimierende, produktive und kreative Umgang mit Information die Triebkraft des wirtschaftlichen und gleichsam gesellschaftlichen Fortschritts. Der Mensch nimmt folglich als wichtigster Erzeuger, Träger, Vermittler, Benutzer und Konsument von Information erstmals eine aktive, zentrale Rolle im technisch-ökonomischen, sozialen Entwicklungsprozess ein (vgl. Nefiodow 1996, S. 11f). In der Informationsgesellschaft dominieren Informationstätigkeiten grundsätzlich nicht nur den privaten, sondern auch den beruflichen Bereich (vgl. Pietsch/Martiny/Klotz 1999, S. 22).

2.1.2 Implikationen des Konzeptes der Entropie im Kontext der Informationsgesellschaft

An dieser Stelle lässt sich auf den Medienphilosophen Vilém Flusser (Flusser in Kloock/Spahr 2007, S. 77ff) verweisen, der mit seinem zentralen Informationsbegriff bzw. dem Konzept der Entropie die Grundlagen dieses Diskussionsbereichs anspricht, und hilfreich für ein tieferes Verständnis ist. Flusser betrachtet Information als eine elementare, universell-natürliche Verhaltensweise. Informieren heißt für ihn „Form in etwas bringen“ und ist, menschlich gesehen, fast gleichzusetzen mit Arbeiten, Herstellen oder Ordnung in ein formloses Material zu bringen. Bei diesem Vorgang wird Energie verbraucht oder, wie eingangs bezeichnet, verwertet. Der elementare wie universelle Begriff der Entropie besagt, dass eine einmal in mechanische Leistung umgewandelte Energie nicht wieder im selben Umfang verfügbar, sondern zerstreut ist. Die Energie geht jedoch nicht verloren, ist allerdings nicht wieder in der gleichen Menge in denselben Prozess rückführbar (vgl. Kloock/Spahr 2007, S. 85f).

Ein hoher Grad an Zerstreuung, bei dem sich Ordnung (verfügbare Energie) in Unordnung (nicht verfügbare Energie) verwandelt, gilt für Flusser als „wahrscheinlich“ und wird auch als „entropischer Zeitpfeil“ bezeichnet. Bei diesem Vorgang kommt es somit zu: Unordnung, Zerfall, Auflösung, Nichtverfügbarkeit, Wahrscheinlichkeit und Desinformation. Folglich muss Information das Gegenteil, „das Auftauchen des Unwahrscheinlichen“, sein. D.h. in einem geschlossenen physikalischen Realsystem betrachtet, würde durch Information aus Unordnung Ordnung. Im Zuge dieser „niedrigen Entropie“ kommt es zu: Ordnung, Bestand, Verfügbarkeit, Unwahrscheinlichkeit und Information (vgl. Kloock/Spahr 2007, S. 87).

Lebendige Wesen, z.B. in Person des Menschen, schaffen aus sich selbst heraus „Ordnung“, und richten sich scheinbar gegen eine „positive Entropie“. Flusser bezeichnet dieses Verhalten allen Lebens als „Negentropie“, was im weiteren Sinn bedeutet, dass sie gegen die Zerstreuung von Energie ankämpfen, indem sie sich „informieren“ bzw. Form in die Unordnung bringen (vgl. Kloock/Spahr 2000, S. 88).

Die Theorie der Langen-Wellen baut auf derselben Logik des Konzeptes der Entropie mit dem als universell-natürliche Verhaltensweise verstandenen, elementaren Informationsbegriff auf. In der kulturgeschichtlichen Entwicklung der Menschheit war man stets darauf bedacht, die Zerstreuung der Energie zu minimieren, was mitunter den angesprochenen gesellschaftlichen Wandel herbeiführte. So stand z.B. während der Entwicklung von der Agrar- hin zur Industriegesellschaft die Optimierung von jeglichen Energieflüssen an oberster Priorität. Im Zeitalter der Informationsgesellschaft hingegen ist der effektive und produktive Umgang mit Informationsprozessen das übergeordnete Ziel, mithilfe dessen gegen die Entropie gewirkt und „Ordnung“ geschaffen werden kann.

2.1.3 Die Bedeutung der Ressource Information im Kontext der Informationsgesellschaft

Mit der Bezeichnung als neue Quelle des Wachstums wurde die Bedeutsamkeit von Information in der Theorie der Kondratieffzyklen und den damit verbundenen gesellschaftlichen Strukturwandel bereits angesprochen. Um die gesamte Tragweite der Ressource Information zu verstehen, wird an dieser Stelle dezidierter darauf eingegangen. Im anschließenden Kapitel folgt, aufbauend auf dem hier dargelegten Verständnis, eine umfassendere Definition des Begriffs der Information im Sinne der Wirtschaftswissenschaften.

Nefidow bezeichnet Information als zweckorientiertes Wissen, das aus der Wechselwirkung des Menschen mit seiner Umwelt entsteht, und Voraussetzung für zielgerichtetes Handeln ist (vgl. Nefiodow 1990, S. 49).

Detaillierter findet sich diese Beziehung zwischen Information, Wissen und Handeln bei Heinrich. Aus Informationen kann Wissen entstehen, was wiederum ausschlaggebend für den Erfolg des Handels bezüglich bestimmter Ziele ist. Somit hat Wissen den Zweck, das Handeln zu optimieren (vgl. Heinrich 1999, S. 7).

Zum selben Schluss kommt Augustin, indem er Wissen als Handlungsgrundlage definiert. „Wissen ist Voraussetzung dafür, Sachverhalte zu erkennen und zu beschreiben sowie Entscheidungen zu treffen (Augustin 1990, S. 15).“

Weshalb ist Information in der Gegenwart allerdings derart bedeutsam für das menschliche Leben? Es ist die Entwicklung der Information vom mitbestimmenden, unabkömmlichen Faktor hin zur bestimmenden Determinante des Strukturwandels, und das damit einhergehende ständige Anwachsen der Informations- und Wissensmenge, die heutzutage jedermann zugänglich ist (vgl. Nefiodow 1990, S. 49). Diese Wissens- und Informationsexplosion, und die damit verbundene Reduzierung der Halbwertszeiten derselben, können als eine kennzeichnende Ausprägung der Informationsgesellschaft betrachtet werden (vgl. Pietsch/Martiny/Klotz 2004, S. 22). Im Anhang angeführte Abbildung 11 verdeutlicht diese Entwicklung.

Pietsch/Martiny/Klotz stimmen diesem Entwicklungsgang zu, indem sie schreiben, „dass die Information als Handlungsobjekt zum Paradigma der gesellschaftlichen Verfassung wird (Pietsch/Martiny/Klotz 2004, S. 19).“

Die zunehmende Bedeutung der Ressource Information hat für Unternehmen, die Teil dieses informationsgesellschaftlichen Umfelds sind, ebenfalls Auswirkungen zur Folge. Über wirtschaftlichen Erfolg entscheidet zunehmend die Geschwindigkeit, mit der den operativen und strategischen Funktionsbereichen des Unternehmens Informationen bereitgestellt werden können (vgl. Pietsch/Martiny/Klotz 2004, S. 22). Aufgrund der notwendigen Wissens- und Informationsaktualisierung wächst die Bedeutung von Wissens- bzw. Informationsmanagement in Unternehmen. Man steht folglich vor der Herausforderung, das unternehmerische Denken in Richtung einer management-orientierten Informationsverarbeitung zu lenken (vgl. Pietsch/Martiny/Klotz 2004, S. 17).

2.2 Notwendigkeit des Informationsmanagements

Aufgrund des eben angeführten, ganzheitlichen Ansatzes entsteht der Anspruch, Information als weiteren betrieblichen Produktionsfaktor zu betrachten (vgl. Pietsch/Martiny/Klotz 2004, S. 39). Dieser Umstand erfordert im Unternehmen eine Abstimmung des betriebswirtschaftlichen Denkens auf den Faktor ‚Information’. Das bedeutet, ein erfolgsorientierter Einsatz von Information im Unternehmen und die Führung derselben sind unumgänglich (vgl. Abegglen 1999, S. 62). Um dieser Aufforderung nachzukommen, ist betriebswirtschaftliches Informationsmanagement von Nöten, welches als Management der Informationssysteme, die Informationen produzieren (vgl. Heinrich/Heinzl/Roithmayr 2007, S. 185), bezeichnet werden kann.

In der aktuellen betriebswirtschaftlichen Literatur ist keine einheitliche Erklärung des Begriffs „Informationsmanagement“ bzw. “Informations-Management“ auszumachen, wobei als Ursache vor allem die Schnelllebigkeit des Fachgebiets verantwortlich gemacht wird (vgl. Abegglen 1999, S. 61). Dem Zweck dieser Arbeit dienlich, wird Informationsmanagement folglich als Querschnittsfunktion aller Unternehmensbereiche (vgl. Pietsch/Martiny/Klotz 2004, S. 140f) bzw. als „Dach“ aller Informations-Management-Tatbestände im Rahmen der Führungsfunktion (vgl. Abegglen 1999, S. 68) angesehen. Nachfolgende Definition unterstützt diese betriebliche Zuordnung:

Nach Pietsch/Martiny/Klotz wird „Informationsmanagement mehr als ein Prozeß der Unternehmensentwicklung denn als (primär technische) Weiterentwicklung der Org/DV-Abteilung angesehen. Dieser Prozeß der Unternehmensentwicklung betrifft sämtliche Bereiche und Mitglieder des Unternehmens (Pietsch/Martiny/Klotz 1998, S. 64).“ In diesem Zusammenhang sprechen die Autoren von ganzheitlichem Informationsmanagement (vgl. Pietsch/Martiny/Klotz 2004, S. 37).

Folgerichtig fordert Informationsmanagement Systemdenken ein. Heinrich/Heinzl/Roithmayr beschreiben diese Art des Denkens folgendermaßen: Nutzen-, Kosten-, Qualitäts-, und Prozessdenken sind nötig (vgl. Heinrich/Heinzl/Roithmayr 2007, S. 228), um die Informations- und Kommunikationsaufgaben (Informationsfunktion) einer Organisation mithilfe der Informationsinfrastruktur bestmöglich zu erledigen. Diese Informations- und Kommunikationstätigkeiten bzw. –aufgaben durchdringen alle betrieblichen Grund- und Querschnittsfunktionen, da „es in jeder dieser Funktionen Aufgaben gibt, deren Zweck das Beschaffen und Verwenden von Information und von Kommunikation ist (vgl. Heinrich/Heinzl/Roithmayr 2007, S. 145).“

Dieses Verständnis des betrieblichen Informationsmanagements geht über eine rein informationstechnische Betrachtungsweise hinaus, und umfasst eine ganzheitliche, management-orientierte Sichtweise der Informationsverarbeitung. Strategische, finanzielle, personelle wie organisatorische und technische Aspekte müssen im Rahmen des ganzheitlichen Informationsmanagement berücksichtigt und integriert werden (vgl. Pietsch/Martiny/Klotz 2004, S. 37). Abbildung 12 im Anhang konkretisiert diese umfassenden Anforderungen an betriebliches Informationsmanagement.

Die Handhabung der bzw. der Umgang mit der Ressource ‚Information’ und folglich das Informationsmanagement treten demnach im Zeitalter der Informationsgesellschaft in den Mittelpunkt der unternehmerischen Tätigkeit. Information avanciert zu einem weiteren betrieblichen Produktionsfaktor, dessen Einsatz für den Unternehmenserfolg mitbestimmend ist (vgl. Pietsch/Martiny/Klotz 2004, S. 37f).

3. Terminologische Grundlagen

Ziel dieses Kapitels, das an den Erläuterungen bzw. dem Verständnis des ersten Kapitels anknüpft, ist es, nachfolgend eine spezifische Begriffsabgrenzung der zentralen Elemente dieser Arbeit vorzunehmen. Dabei werden die Begriffe der Information, des computerunterstützten Informationssystems, des Interaktiven Whiteboards, sowie der Organisation behandelt und für den Kontext definiert.

3.1 Der Begriff der Information

Die Bedeutung von Informationen im Rahmen des gesellschaftlichen Wandels und im speziellen für Betriebe sowie deren Implikationen für die Managementebene wurden im vorangegangen Kapitel diskutiert. Unterkapitel 3.1 führt über die Abhandlung der etymologischen Wurzeln des Begriffes hin zu einem wirtschaftswissenschaftlichen Verständnis von Information, und liefert somit eine auf die Arbeit abgestimmte Begriffserklärung.

3.1.1 Etymologische Abhandlung des Begriffes Information

Die Etymologie beschäftigt sich nach dem allgemeinen Verständnis mit der Untersuchung der Herkunft von Wörtern. Seebold postuliert zwei Aspekte der Herkunft: die Entstehung des Wortes und die darauffolgende Geschichte (vgl. Seebold 1983, S. 260). „Man hat allerdings mehrfach die Auffassung vertreten, […] dass sich die Etymologie ausschließlich mit der Entstehung, also der Bildung von Wörtern zu befassen habe (Seebold 1983, S. 260).“ Aus diesem Grund wird im folgenden Textteil die Bildung des Wortes Information und ihre Auswirkung auf das aktuelle Informationsverständnis erarbeitet.

Die Herkunft des Wortes liegt im Lateinischen begründet. Es stammt vom lateinischen Substantiv informatio und dem zugehörigen Verb informare, was so viel bedeutet wie „Form in etwas bringen“ oder etwas eine Gestalt geben (vgl. Seiffert 1968, S. 26). Vilém Flussers Informationsbegriff knüpfte ebenfalls an diesem Verständnis und dem damit in Verbindung gebrachten Konzept der Entropie an.[4] Das Verbum „informare“ steht in Verbindung mit folgenden Bedeutungen: „formen, bilden, gestalten; ein Bild entwerfen, darstellen, schildern; durch Unterweisung bilden, unterrichten, befähigen (Seiffert 1968, S. 26).“ Daraus lassen sich für den Substantiv und somit für das Wort Information die Bedeutungen „Einformung“, „Bildung“ und „Gestaltung“ ableiten. Die eben angeführten Bedeutungen des Verbs „informare“ geben zu erkennen, dass Information dasselbe wie „Bildung“ heißen kann. Im übertragenen Sinn kann „Bildung“ einerseits durch Unterricht, Unterweisung und Belehrung, oder andererseits durch Darlegung, Erläuterung und Erklärung erfolgen. Erstere Bedeutung legt nahe, dass es sich bei der Interpretation von Information in diesem Zusammenhang, nämlich bei „Bildung“ durch Unterricht, Unterweisung und Belehrung, um von implizites in explizites umgewandeltes Wissen und dessen Interpretation handeln muss (vgl. Biethahn/Mucksch/Ruf 2004, S. 8; vgl. Heinrich/Stelzer 2009, S. 11).[5] Die letztere Teilbedeutung von Bildung, nämlich „Bildung“ durch Darlegung, lässt Platz für die heute alltäglich geläufige Übersetzung bzw. Interpretation des Begriffes Information als „Mitteilung“ oder „Nachricht“ (vgl. Seiffert 1968, S. 26).

Diese Erläuterung der ursprünglichen und modernen Interpretation des Begriffes Information bestätigt Seifferts Bezeichnung von Information als „Gewächs“ der modernen, durch Technik und Geschäft bedingten Zeit (vgl. Seiffert 1968, S. 25). Diese etymologische Abhandlung unterstreicht weiters die bereits unter Punkt 2.1.3 angesprochene Wichtigkeit der Ressource Information im Zeitalter der Informationsgesellschaft bzw. bietet Parallelen auf.

Janich bietet eine treffende, Bisheriges zusammenfassende, Beschreibung von Information, die sich des Weiteren in den nachfolgenden Kapiteln als richtig erweisen wird: „Information steckt in materiellen Strukturen von Lebewesen und Maschinen (Janich 2006, S. 16)“, ist also allgegenwärtig. Es geht „um solche [Lebewesen und Maschinen], in denen Informationen entstehen, transformiert oder verarbeitet, ausgesandt oder empfangen werden, um so die Grundlage zu bilden für alles, was in den höheren Sphären menschlicher Kommunikation, individuellen und überindividuellen Geistes bis hinein in die Wissenschaften und in die Künste mit Musik, Dichtung und bildender Kunst an Kultur überhaupt auftreten kann (Janich 2006, S. 16).“

3.1.2 Wirtschaftswissenschaftliches Verständnis von Information

Im Anschluss an die Begründung der Herkunft des Wortes Information folgt nun die Einordnung des Begriffes in einen wirtschaftswissenschaftlichen Kontext, der dieser Arbeit zugrunde liegt. Wie wird der Begriff der Information in den Wirtschaftswissenschaften verstanden?

Im Kapitel zu den makroökonomischen Rahmenbedingungen wurde bereits angedeutet, welcher wissenschaftlichen Richtung der Begriff ‚Information’ in dieser Arbeit zugeordnet wird. An dieser Stelle folgt nun eine spezifischere Begriffsabgrenzung, die die Zusammenhänge zwischen Daten, Informationen, und Wissen, sowie zwischen Information und Kommunikation erläutert, und schließlich auf Information als unternehmerischer Erfolgsfaktor eingeht.

Da der Begriff der Information mittlerweile in zahlreichen Wissenschaftsbereichen Einzug hält bzw. unterschiedlich definiert wird (vgl. Ott 2004, S. 25ff), lässt sich behaupten, dass er tatsächlich ein „Gewächs“ der modernen Zeit zu sein scheint (vgl. Seiffert 1968, S. 25). Im Folgenden wird auf den Zusammenhang, in dem im Bereich der Wirtschaftswissenschaften von Information gesprochen wird, eingegangen.

3.1.2.1 Zusammenhang zwischen Daten, Information und Wissen

Die Betrachtungsebenen der Semiotik geben Einblick, wie Daten, Informationen und Wissen im Bereich der Wirtschaftsinformatik betrachtet werden bzw. zusammenhängen. Heinrich/Roithmayr bezeichnen Semiotik als „die Lehre von den Zeichensystemen, den Beziehungen der Zeichen untereinander, zu den bezeichneten Objekten der Realität und der Vorstellungswelt des Menschen sowie zwischen dem Sender und dem Empfänger von Zeichen (Heinrich/Roithmayr 1998, S. 420).“ Nachstehende Grafik von Biethahn/Muksch/Ruf, bei der sie sich auf Brockhaus (1992) berufen, illustriert die Begriffshierarchie, bei der aus Zeichen Daten, aus Daten Informationen und schließlich aus Informationen Wissen entsteht.

Abbildung 3: Betrachtungsebenen der Semiotik und deren Erweiterung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Biethahn/Mucksch/Ruf 2004, S. 5

Die syntaktische Ebene betrifft die Darstellung und Übertragung von Signalen, Zeichen und Symbolen (physikalische Sachverhalte). Auf der nachfolgenden, der semantischen, Betrachtungsebene geht es um den Bedeutungsinhalt bzw. Sinn, der beispielsweise durch die Zusammenstellung einzelner Signale zu einer Signalfolge entstehen kann (vgl. Biethan/Mucksch/Ruf 2004, S. 6f). Daten, Mitteilungen und Nachrichten sind das Ergebnis dieses ‚Bedeutungs-Gebungs-Prozesses’.

Die unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten der Zeichenfolgen bedingen im Rahmen der pragmatischen Ebene den Wandel von Daten, Mitteilungen oder Nachrichten zu Informationen (vgl. Biethan/Mucksch/Ruf 2004, S. 6f). Somit bestimmt die pragmatische Relevanz von Zeichenfolgen, ob es sich letztendlich um nützliche, verwendbare Informationen handelt.

Wilke spricht in diesem Zusammenhang von gewissen Relevanzkriterien, die für einen Beobachter oder ein System in der jeweiligen Situation wichtig sind. Entsprechen wahrgenommene Daten oder Zeichenfolgen diesen spezifischen Kriterien, sind diese folglich als Informationen zu definieren (vgl. Wilke 2004, S. 28ff).

Wittmann beschreibt Information in diesem Sinne als „zweckorientiertes Wissen, also solches Wissen, das zur Erreichung eines Zweckes, nämlich einer möglichst vollkommenen Disposition eingesetzt wird (Wittmann 1959, S. 14).“ Aufbauend auf Wittmanns Überlegungen, definieren Heinrich/Stelzer Information folgendermaßen: „Handlung bestimmendes, explizites Wissen über historische, gegenwärtige und zukünftige Zustände der und Vorgänge in der Wirklichkeit, mit anderen Worten: Information ist Reduktion von Ungewissheit (Heinrich/Stelzer 2009, S. 11).“ Nach Krcmar ist daher nur solches Wissen als Information zu bezeichnen, „das dazu dient, Entscheidungen oder Handeln vorzubereiten (Krcmar 2005, S. 17).“

Da des Weiteren computerunterstützte Informationssysteme im Mittelpunkt der Diskussion stehen, ist diese Definition, wonach Informationen stets unbegrenzt sind, weniger geeignet. Computerunterstützte Informationssysteme verarbeiten nur endlich viele Informationen, und aus diesem Grund erscheint die Definition Schneiders (1981) zweckmäßiger (vgl. Biethahn/Mucksch/Ruf 2004, S. 9): „Information muss begrenzt werden auf das Wissen über die Wirklichkeit, das ein Entscheidungsmodell für seine Anwendung voraussetzt (Schneider 1981, S. 202).“ D.h. erst durch die Eingrenzung von Informationen kann über ein spezifisches Ziel entschieden bzw. Einfluss auf künftige Sachverhalte genommen werden (vgl. Schneider 1981, S. 201). Diese Definition Schneiders schafft einen Konnex zu der in Kapitel 2 angesprochenen Informations- bzw. Wissensexplosion, und dem daraus entstehenden Bedarf der gesteigerten Informationsnachfrage sowie des Informationsmanagements.

Eine detaillierte Beschreibung der Zusammenhänge zwischen Daten, Nachrichten, Information, Wissen und deren jeweilige Implikationen im Sinne der Wirtschaftsinformatik findet sich bei Heinrich/Heinzl/Roithmayr (2007).

3.1.2.2 Zusammenhang Information und Kommunikation

Die bereits angesprochene alltäglich geläufige Übersetzung des Begriffes Information mit Mitteilung oder Nachricht[6] stammt, sprachgeschichtlich betrachtet, aus der kommunikations- bzw. nachrichtenorientierten Betrachtung des Informationsbegriffes. Dieser Zusammenhang zwischen Information und Kommunikation ist Gegenstand der Informationstheorie[7]. Mit dem Werk „Mathematical Theory of Communication“ legten Shannon/Weaver den Grundstein für die Etablierung der Informationstheorie als Wissenschaft (vgl. Heinrich/Stelzer 2009, S. 11).

Der multidisziplinär verwendete Begriff der Kommunikation beschreibt im Allgemeinen den Prozess der Informationsübermittlung von einem Sender zu einem Empfänger mittels Zeichen/Code. Das allgemein bekannte informationstechnische Kommunikationsmodell Shannon/Weavers (1949) basiert auf dieser grundlegenden Struktur. Kommunikation bedeutet folglich, dass ein System (z.B. ein Lebewesen) die Fähigkeit besitzt, Zeichen zu senden, zu empfangen und Botschaften mit der Umwelt auszutauschen. Bei diesem Kommunikationsverlauf werden keine Bedeutungen, sondern Zeichen, denen Bedeutungen zugewiesen, und die vom Sender kodiert und vom Empfänger enkodiert werden, übertragen (vgl. Misoch 2006, S. 7f). Den gesendeten Zeichen wird aufgrund eines von Sender und Empfänger gemeinsam benutzten Zeichenvorrates Bedeutung zugewiesen. Ob die gesendeten Zeichen auf beiden Seiten dasselbe Verständnis auslösen, liegt im gemeinsamen Zeichenvorrat des jeweiligen Kommunikationsprozesses begründet (vgl. Biethahn/Mucksch/Ruf 2004, S. 6; Heinrich/Stelzer 2009, S. 11). Aufgrund dieser Feststellung Shannon/Weavers (1949) über die Ko- und Enkodierung gesendeter Zeichen erhielt das Wort ‚Information’ eine technische Bedeutung. Dieser Zeichenaustausch erfolgt nicht zwecklos, sondern mit der Absicht, „Informationen im Sinn von zweckorientiertem Wissen zu erzeugen, das zu Entscheidungen führt und Aktionen veranlasst (Heinrich/Heinzl/Roithmayr 2007, S. 140).“

Shannon/Weaver (1949) legten das theoretische Fundament, um das Näheverhältnis zwischen Information und Kommunikation erstmals zu untersuchen. Dieses Näheverhältnis unterstreichen Heinrich/Lehner in Anlehnung an N. Szyperski, wenn sie Information und Kommunikation „siamesischen Zwillingscharakter“ zuschreiben (vgl. Heinrich/Lehner 2005, S. 7). D.h. Information bedingt Kommunikation und Kommunikation erfordert Information. Aus dieser Tatsache lässt sich ableiten, dass bei jeder Art der Untersuchung von computergestützten Informationssystemen immer beide Aspekte zu betrachten und zu berücksichtigen sind (vgl. Heinrich/Stelzer 2009, S. 12).

Abschließend ist festzustellen, dass Kommunikation in diesem Sinn Mittel zum Zweck der Information ist, und beide Aspekte als grundlegende, nicht zu trennende Phänomene der Wirtschaftsinformatik zu bezeichnen sind (vgl. Heinrich/Heinzl/Roithmayr 2007, S. 140).

3.1.2.3 Information als Produktionsfaktor

Eine Synthese des etymologischen und wirtschaftswissenschaftlichen Informationsverständnisses ergibt dasselbe Bild wie im vorherigen Kapitel. Die Tragweite und die Bedeutung der Information in der Informationsgesellschaft werden ersichtlich. Wirtschaftsinformatiker sind sich einig, Information als Produktionsfaktor und die zur Informationsproduktion notwendigen Daten als Rohstoff bzw. wirtschaftliches Gut zu bezeichnen (vgl. Heinrich/Heinzl/Roithmayr 2007, S. 134).

Nefiodow kommt in seinen Ausführungen zur Langen-Wellen-Theorie zu folgendem Schluss: „Neben Energie und Materie stellt Information eine dritte Fundamentalgröße für alle Bereiche des menschlichen Lebens dar (Nefiodow 1990, S. 49).“ In diesem Zitat finden sich wiederum Parallelen zum universellen Informationsbegriff nach Flusser, bei dem Information gleichfalls ein fundamentaler Stellenwert im menschlichen Alltag zugesprochen wird.

Wenn Nefiodow weiters Information als „Ressource“ charakterisiert (vgl. Nefiodow 1990, S. 49), wird ersichtlich, weshalb Information in der Literatur als weiterer Produktionsfaktor bezeichnet wird (vgl. Pietsch/Martiny/Klotz 2004, S. 37f). Die elementare Bedeutung von Information impliziert, dass Unternehmen, die Teil des komplexen menschlichen Alltaggefüges sind, ebenfalls von diesen angesprochenen, geänderten „Spielregeln“ betroffen sind. Im evolutionären Sinne gehören folglich unternehmerisches Handeln sowie bisher konventionelle Unternehmensdenkmuster den veränderten Bedingungen angepasst, und auf die Ressource Information abgestimmt.[8]

Pietsch/Martiny/Klotz führen fünf überzeugende Gründe für die Einordnung von Information als Produktionsfaktor an (vgl. Pietsch/Martiny/Klotz 2004, S. 39f):

- Informationen stellen Entscheidungsgrundlagen aller Unternehmensbereiche dar.
- Der Umgang mit Informationen ist die Grundlage der Kommunikation und Zusammenarbeit im Unternehmen.
- Die Kosten der Informationssammlung, -transformation, -speicherung und -übertragung sind als Kosten der Produktion von Information zu betrachten und erfordern eine sorgfältige Planung.
- Informationen haben Qualitätsmerkmale und erfordern Qualitätsmanagement.
- Sämtliche Geschäftsprozesse sind durch Informationsbeziehungen miteinander verbunden und benötigen eine integrierte Informationsversorgung.

Information ist, wie Arbeit und Kapital, als ein Element der betrieblichen Faktorallokation zu betrachten, und daher nach den erforderlichen Effizienz- und Effektivitätskriterien einzusetzen. In der Rolle als Produktionsfaktor unterstützt Information die betriebliche Aufgabenerfüllung. Demgegenüber steht die Betrachtung von Information als eigenständiges „Informationsgut“. Information wird dabei als autarkes Wirtschaftsgut gesehen, wobei die Vermarktung dieses Unternehmensproduktes im Vordergrund steht (vgl. Pietsch/Martiny/Klotz 2004, S. 43f).

Schlussfolgernd kann eingeräumt werden, dass die richtige Handhabung bzw. der richtige Einsatz von Information eine entscheidende Teilkomponente erfolgreichen unternehmerischen Handelns darstellt. Zusammenfassend leitet sich folgender Informationsbegriff, auf dem diese Arbeit des Weiteren aufbaut, ab:

„Unter Information soll […] zweckorientiertes, betriebliches Wissen, das zielorientiertes Lenken bzw. Zielbildung ermöglicht und das [sowohl] den Charakter eines Produktionsfaktors [als auch den eines eigenständigen Wirtschaftsgutes haben kann], verstanden werden (Abegglen 1999, S. 63).“

3.2 Der Begriff des computerunterstützten Informationssystems

Den Informationsbegriff und die damit verbundenen Zusammenhänge für diese Arbeit definiert, kann an dieser Stelle mit der Begriffsbestimmung computerunterstützter, betrieblicher Informationssysteme fortgefahren werden. Dabei wird eingangs auf die grundlegenden Komponenten eines IuK-Systems eingegangen, sowie anschließend eine Klassifikation der Informationssysteme vorgenommen. Abgeschlossen wird dieses Kapitel mit einer Zusammenführung der Erläuterungen dieses Kapitels.

Im Sinne Nolans (1979) stellt der Einsatz von Informationssystemen das Ende des Durchdringungsprozesses eines Unternehmens mit Computertechnik dar, und birgt grundsätzlich folgende Vorteile: Effizienzverbesserungen im Unternehmen sowie strategische Geschäftsvorteile (vgl. Pietsch/Martiny/Klotz 2004, S. 58f).

Die Erläuterungen in Kapitel 2 verwiesen bereits auf die Affinität von Informationen und Informationssystemen. Hansen/Neumann definieren sinngemäß ein Informationssystem wie folgt: „Ein Informationssystem besteht aus Menschen und Maschinen, die Information erzeugen und/oder benutzen und die durch Kommunikationsbeziehungen miteinander verbunden sind (Hansen/Neumann 2005, S. 84).“ Wird dieses Mensch-Maschinen-System, das auf dem Prinzip der Informationserzeugung, -benutzung und –kommunikation basiert, in einem Unternehmen angewandt, wo es in weiterer Folge die Leistungsprozesse und Austauschbeziehungen innerhalb eines Betriebes sowie zwischen dem Betrieb und seiner Umwelt unterstützt, spricht man von einem betrieblichen Informationssystem. Kommt des Weiteren Informationstechnik mit dem Zweck der Automatisierung dieser Prozesse zum Einsatz, ist die Rede von einem computerunterstützten betrieblichen Informationssystem (vgl. Hansen/Neumann 2005, S. 84f).

Aufbauend auf dieser einführenden Definition, die den Zusammenhang zwischen den unter Punkt 3.1 beschriebenen Phänomenen ‚Information und Kommunikation’ mit Informationssystemen verdeutlichte, folgen anschließend Erläuterungen zu den drei Komponenten, aus denen sich Informations- und Kommunikationssysteme zusammensetzen.

3.2.1 Komponenten eines Informations- und Kommunikationssystems

Die grundsätzlichen Komponenten eins IuK-Systems sind schon bei den obigen Beschreibungen Hansen/Neumanns erkennbar. Die Herausforderung, vor der Unternehmen im Zeitalter der Computertechnik stehen, liegt darin, eine wohlüberlegte Abstimmung zwischen den technischen Bestandteilen, die zum Einsatz kommen, und den betriebswirtschaftlichen Prozessen/Strukturen unter Einbeziehung des Menschen, der im Endeffekt die unternehmerische Entscheidung trägt, zu finden. Unter diesen Umständen kann eine ganzheitliche, wirtschaftliche Systemlösung erfolgreich umgesetzt werden (vgl. Gluchowski/Gabriel/Chamoni 1997, S. 39ff). In diesem Sinne umfassen computerunterstützte Informations- und Kommunikationssysteme die in der Grafik abgebildeten Komponenten:

Abbildung 4: Komponenten eines IuK-Systems

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Gluchowski/Gabriel/Chamoni 1997, S. 41

Betriebliche Problemstellungen bzw. die zu lösenden Informationsprobleme können mithilfe von IuK-Techniken effizienter bearbeitet werden, was zur Folge hat, dass die Arbeit der Entscheidungsträger bzw. der Mitarbeiter eines Unternehmens erleichtert bzw. unterstützt wird (vgl. Gluchowski/Gabriel/Chamoni 1997, S. 40). Nach diesem Verständnis unterstützt ein IuK-System die betrieblichen Leistungsprozesse, und es entscheidet folglich der Grad der Abstimmung zwischen den drei Komponenten über dessen Erfolg.

Jünemann bietet eine zweckdienliche Definition des Aufgaben- und Einsatzbereiches von Informationssystemen, die der eben angesprochenen Grundsatzforderung nach Abstimmung zwischen Technik, wirtschaftlicher Anwendungsbereiche und User entspricht, an: „[Computerunterstützte] Informationssysteme werden auf der Management- und der operativen Ebene zur Planung, Steuerung und Überwachung von Geschäftsprozessen eingesetzt (Jünemann 1989, S. 473).“

Die weiteren Ausführungen dieser Arbeit bauen auf diesem drei Komponenten umfassenden Grundverständnis eines Informationssystems auf.

3.2.2 Klassifizierung von Informationssystemen

Die prozessartige Entstehung von Zeichen zu Daten, zu Informationen im Sinne der Semiotik,[9] führt zum Stichwort der ‚Datenverarbeitung’, mithilfe derer aus einer Fülle für sich allein unnützer Daten wertvolle betriebliche Informationen gewonnen werden. „The computerized systems which carry out this data processing are entitled information systems (IS) (Clifton/Sutcliffe 1994, S. 13).” Informationssysteme beruhen folglich auf dem Prinzip der Datenverarbeitungstechnik, die, wie in Abbildung 5 angeführt, eine der drei Komponenten von Informations- und Kommunikationssystemen beziffert.

3.2.2.1 Von der Datenverarbeitung zum Wissensmanagement

Einen Überblick der geschichtlichen Entwicklung von Informationssystemen bietet das unter IS/IT-Theoretikern verbreitete „Three-Era-Model“, wonach die Entwicklung der DV-Techniken drei Stufen durchläuft. Daraus kann folgende, grundlegende Einteilung von Informationstechniken abgeleitet werden:

1. “Data processing to improve operational efficiency by automating information based processes.
2. Management information systems to increase management effectiveness by satisfying their information requirements.
3. Strategic information systems to improve competitiveness by changing the nature or conduct of business (Ward/Griffiths 1996, S. 11).”

Durch eine Analyse der Beziehung bzw. Zusammenhänge der Epochen gelang es Wiseman (1985), unterschiedliche Funktionen und Ziele der DV-Entwicklungsstufen bzw. der unterschiedlichen IS-Systeme abzuleiten (vgl. Ward/Griffiths 1996, S. 11f). Dies verdeutlicht die nachfolgende Abbildung.

Abbildung 5: „Three-Era-Model“: Ziele und Funktionen von IS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Ward/Griffiths 1996, S. 12

Die 60er-Jahre können als Datenverarbeitungsepoche (DP-Epoche) betrachtet werden, in der durch den Einsatz von Informationstechnik zur Automatisierung von Informationsprozessen Effizienzverbesserungen angestrebt wurden. Technische Weiterentwicklungen leiteten im nachfolgenden Jahrzehnt, den 70er-Jahren, die Management-Information-System-Ära (MIS-Ära) ein, die auf dem Online Analytical Processing -Prinzip (OLAP) beruhte und es ermöglichte, Effektivitätsziele im Unternehmen zu verfolgen. In den 80er-Jahren folgte schließlich die auf dem Data-Mining-Prinzip basierende Strategic-Information-System-Epoche (SIS-Epoche), in der die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit auf lange Frist bzw. die Erlangung eines Wettbewerbsvorteils an oberster Priorität stand. Die Zeitangaben zu den einzelnen DV-Technikstufen variieren von Autor zu Autor. Die Schwierigkeit, die Zeitabschnitte der einzelnen Epochen auf bestimmte Jahresangaben zu fixieren, beruht auf einer Problematik, die die oben angeführte Grafik ebenso andeutet. Die nächstfolgende DV-Ära baut jeweils auf der Technik der vorhergehenden auf, und deshalb ist es schwierig, einen genauen zeitlichen Übergang von einer zur nächsten Epoche festzulegen (vgl. Ward/Griffiths 1996, S. 10).

Diese drei Entwicklungsstufen sind unter den Sammelbegriff des Informationsmanagement zu stellen.[10] „Jede einzelne Ebene unterstützt bestimmte Aufgaben im Unternehmen und bedient sich entsprechender Basistechnologien und Methoden bei der Entwicklung konkreter Systeme (Lehner 2001, S. 225).“

Um den neuesten Entwicklungen gerecht zu werden, muss dieses „Three-Era-Model“ um eine Ära erweitert werden: die Weiterentwicklung zu wissensbasierten Systemen. Zieht man die Ebenen der Semiotik in Betracht, ist man an der nächsten Stufe angelangt – der „Formalisierung des Wissens (Frank/Schauer 2001, S. 170)“ oder dem Wissensmanagement, welche sich wiederum modernste Informationstechnik zum Zwecke der Erhöhung des Stellenwertes der Organisation zu Nutze macht (vgl. Lehner 2001, S. 226). Ward/Griffiths beschreiben die Aufgaben von Wissenssystemen (knowledge-based systems) folgendermaßen: „[They] would rely on the ‚machine’ to make informed judgements and use its ‚intelligence’ to identify situations requiring attention (Ward/Griffiths 1996, S. 12).“ Ein leistungsfähiges Wissenssystem bzw. -management sollte grundsätzlich Wissen soweit formalisieren, dass komplexe automatische Auswertungen vom System generiert werden können (vgl. Frank/Schauer 2001, S. 170).

Diese geschichtliche Betrachtung von den Anfängen der IS-Technik zur Gegenwart ermöglicht die Zusammenfassung der Ziele von computerunterstützten Informationssystemen. Unternehmen bzw. Organisationen verfolgen mit deren Einsatz Effizienz-, Effektivitäts-, Wettbewerbsvorteils-, und ganzheitliche Organisationsziele im Sinne des Wissensmanagements.

3.2.2.2 Unterscheidung zwischen operativen und analytischen Informationssystemen

Eine weitere Klassifizierung kann durch die Unterscheidung verschiedener Anwendungssysteme bzw. Anwendungssoftwaresysteme, mithilfe derer sich betriebliche Aufgaben ausführen und Probleme lösen lassen, erfolgen (vgl. Gluchowski/Gabriel/Chamoni 1997, S. 44). Demzufolge erfolgt die Unterteilung der IS-Systeme nach der Art der unterstützten Arbeitsinhalte. Grundsätzlich unterscheidet man im Sinne des Managementbegriffs (vgl. Staehle 1990; Koreimann 1987) zwischen operativen und dispositiven bzw. analytischen betrieblichen Aufgaben, deren Anordnung und Umsetzung von unterschiedlichen Managementebenen delegiert werden (vgl. Chamoni/Gluchowski 2001, S. 10; vgl. Gluchowski/Gabriel/Chamoni 1997, S. 7ff).

[...]


[1] Zur Verwendung, zum Verhältnis und zur Abgrenzung der Begriffe Technik und Technologie in der Wirtschaftsinformatik siehe Krcmar 2005, S. 27f.

[2] Zur Klärung des Verständnisses des Begriffes ‚Kondratieff’, der auf den russischen Wirtschaftswissenschaftler Nikolai Dmitrijewitsch Kondratjew zurück geht, wird auf Abbildung 2 verwiesen (vgl. Nefiodow 1990).

[3] Einen kurzen Einblick in die Ziele und Aktivitäten des ‚Club of Rome’ findet man in der im Literaturverzeichnis angeführten PDF-Datei (vgl. Club of Rome 2008, S. 1f).

[4] vgl. Punkt 2.1.2, S. 9f

[5] vgl. Punkt 2.1.3, S. 10f

[6] vgl. Punkt 3.1.1, S. 14f

[7] Eine philosophisch-naturwissenschaftliche Einführung in die Informationstheorie findet sich bei Lyre (2002).

[8] vgl. Punkt 2.2, S. 12f

[9] vgl. Abbildung 4, S. 22

[10] vgl. Punkt 2.2, S. 12f

Details

Seiten
122
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783842810662
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v228350
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – Fakultät für Betriebswirtschaft, Organisation und Lernen
Note
1,0
Schlagworte
information informationsgesellschaft organisation whiteboard

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Titel: Modell zur Erfolgsmessung des als Informationssystem betrachteten Interaktiven Whiteboards im Kontext organisationaler Nutzung