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Strategien einer dezentralen Energieversorgung auf Basis regenerativer Energiequellen

Diplomarbeit 2008 94 Seiten

Energiewissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Umrechnungseinheiten

1. Einleitung
1.1. Erläuterung zur Vorgehensweise der Analyse
1.2. Nachfrage nach Energie - Der Energieverbrauch in Deutschland und der Welt

2. Struktur des derzeitigen Systems der Energieversorgung in Deutschland
2.1. Entwicklung des Systems der zentralistisch organisierten Energieversorgung
2.1.1. Anfänge der Kraftwerkskapazität und des Netzausbaus
2.1.2. Politische Weichenstellungen
2.2. Wirtschaftliche Gesichtspunkte / Kennzeichnung zentralisierter Energieversorgung
2.2.1. Ausprägungen der Liberalisierung des Energiemarktes
2.2.2. Anbieter, Mengen, Preise und Umsätze in der Energieversorgung
2.3. Supply Chain der zentralisierten Energieversorgung

3. Wegweiser einer Energiewende
3.1. Globale Einflussfaktoren auf die Struktur der Energieversorgung
3.1.1. Exogen herbeigeführter Klimawandel
3.1.2. Politische Krisen und ethische Verantwortung
3.1.3. Ressourcenknappheit
3.2. Globale und regionale Auswirkungen zentraler Strukturen der Energieversorgung
3.2.1. Beispiele für Umweltverschmutzung und ihre Folgen
3.2.2. Ursachen für ungenutzte regionale Potentiale der Energiegewinnung
3.3. Wandel im Zielsystem der Energieversorgung
3.3.1. Sicherheit der Energieversorgung
3.3.2. Preisgünstigkeit der Energieversorgung
3.3.3. Verbraucherfreundlichkeit der Energieversorgung
3.3.4. Effizienz der Energieversorgung
3.3.5. Umweltverträglichkeit der Energieversorgung
3.4. Prognosen der Zukünftigen Energiesituation

4. Strategien zur Umsetzung einer dezentral organisierten Energieversorgung
4.1. Grundlegende Strukturverhältnisse einer dezentralen Energieversorgung
4.2. Wichtige Wirtschaftspolitische Maßnahmen: Ziele, Umsetzung und Folgen
4.2.1. Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)
4.2.2. Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG)
4.2.3. Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetz (EEWärmeG)
4.2.4. Kraftwerks-Netzanschlussverordnung (KraftNAV)
4.3. Nutzung regionaler Potentiale der Energiegewinnung
4.4. Volkswirtschaftliche Substitutionsbewegungen
4.4.1. Stärkung regionaler Strukturen und Versorgungssysteme
4.4.2. Substitution von Boden durch Arbeit und Kapital

5. Bedingungen einer Struktur dezentraler Energieversorgung
5.1. Technische Dimensionen der dezentralen Energiegewinnung unter Wirtschaftlichen Gesichtspunkten
5.1.1. Erneuerbare Energien
5.1.1.1. Bioenergie
5.1.1.1.1. Feste Biomasse
5.1.1.1.2. Biogas
5.1.1.1.3. Biogene Kraftstoffe
5.1.1.2. Windenergie
5.1.1.3. Solarenergie
5.1.1.3.1. Solarthermie
5.1.1.3.2. Photovoltaik
5.1.1.4. Wasserkraft
5.1.1.5. Geothermie
5.1.2. Kraft-Wärme-Kopplung
5.1.2.1. Blockheizkraftwerk
5.1.2.2. Brennstoffzelle und Wasserstoff
5.1.3. Speichertechnologien
5.2. Nutzung von Informationstechnologie zur regionalen Organisation von Angebot und Nachfrage nach Energie
5.2.1. Virtuelles Kraftwerk
5.2.2. Lastmanagement mit Hilfe eines bidirektionalem Energiemanagement Interface (BEMI)

6. Fazit

7. Anhang
7.1. Schema der deutschen Energiebilanz
7.2. Der deutsche Kraftwerkspark ab 100 MW Leistung sowie das deutschen Höchstspannungsnetzes im Jahr 2008
7.3. Strom und Brennstoffverbrauch pro Bezugseinheit nach Anwendungszwecken
7.4. Neuerungen im EEG ab 01.01.2009
7.5. Energetische Verwendungsarten von Biomasse
7.6. Übersicht der Brennstoffzellentypen

8. Literaturverzeichnis

9. Eidesstattliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1-1: Energieproduktivität und Wirtschaftswachstum in Deutschland

Abb. 2-1: Struktur der deutschen Stromversorgungsunternehmen

Abb. 2-2: Netto-Kraftwerksleistung nach Energieträgern

Abb. 2-3: Preisentwicklung wichtiger Energieträger

Abb. 2-4: Zusammensetzung der Strom- und Gaspreise für Haushaltskunden

Abb. 2-5: Wirtschaftliche Entwicklung der Stromversorger

Abb. 2-6: Herkunftsländer und Verbrauchsmengen wichtiger Energierohstoffe

Abb. 2-7: Reichweite wichtiger Energieträger

Abb. 2-8: Entwicklung des spezifischen Brennstoffeinsatzes und des Gesamtnutzungsgrades der Stromerzeugung in Deutschland

Abb. 2-9: Struktur des Energieverbrauchs (in PJ)

Abb. 2-10: Primärenergieverbrauch nach Energieträgern (in PJ)

Abb. 3-1: Konkurrierende Einflussfaktoren der Klimavariabilität

Abb. 3-2: Klimaänderung - ein ganzheitliches System

Abb. 3-3: Durchschnittliche Preise ausgewählter, teilweise potentieller Energieerzeugung

Abb. 3-4: Kosteneinteilung bei Energieumwandlungsanlagen

Abb. 3-5: Langfristig realisierbares Nutzungspotenzial Erneuerbarer Energien in Deutschland

Abb. 4-1: Struktur einer dezentralen Energieversorgung auf Basis regenerativer Energiequellen

Abb. 4-2: Förderungen nach dem EEG auf Basis von Zahlen aus 2004

Abb. 4-3: Durchschnittliche Auswirkung der EEG-Umlage auf ausgewählte Stromverbrauchergruppen im Jahr 2005

Abb. 4-4: Vorgehensweise zur Potentialbewertung

Abb. 4-5: Quellen erneuerbarer Energien

Abb. 4-6: Akteursanalyse zum regionalen Strukturaufbau

Abb. 4-7: Stärken kommunaler Unternehmen

Abb. 5-1: Holzpellet-Preisentwicklung auf Monatsbasis für die Jahre 2004-2008

Abb. 5-2: Einsatzmöglichkeiten von Biomasse nach Anlagendimension

Abb. 5-3: Ausgewählte Kraft-Wärme-Kopplungssysteme mit möglichen Energieträgern Abb. 5-4: Technologien zur Speicherung elektrischer Energie

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Umrechnungsfaktoren – Energieeinheiten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorzeichen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Text-Auszüge:

1. Einleitung

Elektrizität ist in der heutigen Zeit der Schlüssel zu Wohlstand und wirtschaftlicher Entwicklung. Ohne die Bereitstellung von Strom würde eine Infrastruktur, wie sie heutzutage in Deutschland vorzufinden ist, nicht funktionieren. Aber auch Wärme und Kälte müssen erzeugt werden. Ob im Winter zum Heizen, im Sommer zum Kühlen oder ganzjährig für industrielle Prozesse. Die deutsche Bevölkerung ist in einem hohen Grad abhängig von der stetigen Verfügbarkeit von Energie. Bisher konnte diese Energie zum größten Teil durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe erzeugt werden. In großen Mengen auf der Erde vorrätig, waren sie relativ günstig und durch ein stetig wachsendes Transportsystem aus allen Teilen der Erde verfügbar. Bislang waren die industrialisierten Staaten Hauptabnehmer für Rohstoffe aus aller Welt. Einhergehend mit der volkswirtschaftlichen Entwicklung von zahlreichen Schwellenländern mit dem Streben nach mehr Wohlstand und Energie, werden die fossilen Brennstoffe vermehrt weltweit nachgefragt. Doch sie sind nur in begrenzter Menge verfügbar. Zusätzlich hat die massenhafte Verbrennung im Laufe der letzten Jahrzehnte aufgrund der damit einhergehenden Emissionen im großen Umfang zu einer Veränderung des Weltklimas geführt. Die daraus resultierenden Folgen können für die zukünftigen Generationen verheerende Ausmaße annehmen, sollte kein Umdenken in Bezug auf die weltweiten Energiesysteme einsetzen. Somit sind die weltweite Rohstoffverknappung, Umwelt- und Klimaproblematiken sowie die Abhängigkeit von der Lieferung fossiler Brennstoffe aus politisch fragwürdigen Regionen wichtige Gründe für eine Neuausrichtung der Energieversorgung der Bundesrepublik Deutschland.

1.2 Vorgehensweise

Innerhalb dieser Diplomarbeit soll aufgezeigt werden, welche sozialen, politischen und technischen Instrumente in Deutschland bereits zur Anwendung kommen, um die Umwelt vor den Auswirkungen menschlichen Handels zu schützen. Anschließend sollen Instrumente vorgestellt werden, die dazu geeignet sind, in Zukunft sowohl dem Klimawandel als auch der Verknappung der Energierohstoffe entgegenzuwirken. Zudem stellt diese Diplomarbeit eine Zusammenfassung der bisher bestehenden Struktur der Energieversorgung in Deutschland dar und beleuchtet unterschiedliche Strategien der Umstellung auf Erneuerbare Energien. Dabei geht der Autor sowohl auf die zeitliche Dimension eines Prozesses der Umstellung auf nachhaltige Versorgungsstrukturen als auch auf die volks- und betriebswirtschaftliche Dimension auf der Basis der aktuellen Gesetzgebung ein. Ebenso werden die unterschiedlichen Rollen des Staates und der Bürger sowie deren Handlungsspielraum im Bezug auf eine Veränderung der Energieversorgung und einer damit verbundenen Veränderung der gesellschaftlichen Verhaltensweise im Umgang mit Energie dargestellt. Dabei steht die Abkehr von einer zentralen Versorgungsstruktur hin zu einer Struktur dezentraler Versorgungseinheiten im Mittelpunkt der Analyse. Verschiedene Ansatzpunkte zur Umsetzung einer nachhaltigen Energieversorgung werden erläutert. Ebenso werden ökologische, ökonomische sowie soziale Gesichtspunkte berücksichtigt.

3. Wegweiser einer Energiewende

3.1 Globale Einflussfaktoren auf die Struktur der Energieversorgung

Ein zentraler Punkt in der Betrachtung einer Energieversorgung auf Basis fossiler Energieträger ist die ausreichende Versorgung der Strom-, Wärme- und Kraft- produzierenden Einheiten mit brennbaren Rohstoffen zu deren Umwandlung in die Nutzenergie. Entsprechende vorherrschende Strukturen wurden in Kapitel 2 bereits erläutert. In diesem Abschnitt soll verdeutlicht werden, inwieweit sich diese Strukturen auf zukünftige Energieszenarien auswirken, welche externen Effekte mit einem Zuwachs an fossil erzeugter Energie auf die deutsche Volkswirtschaft einwirken und welche wirtschaftspolitischen Ansatzpunkte derzeit unter technologischen und wirtschaftlichen Aspekten eine Lösung der Ressourcen- und Klimaproblematik darstellen.

3.1.1 Der exogen herbeigeführte Klimawandel

Die Sachstandberichte des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) aus den Jahren 2001 und 2007 verdeutlichen die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf das Klima der Erde. Demnach ist „der weltweite Anstieg der atmosphärischen Kohlendioxidkonzentration primär auf den Verbrauch fossiler Brennstoffe und auf Landnutzungsänderungen zurückzuführen, während der Anstieg von Methan und Lachgas primär durch die Landwirtschaft verursacht wird.“[1] Aufgrund eines weiteren Anstiegs der Erdbevölkerung, der zunehmenden Industrialisierung von Schwellenländern, dem damit einhergehenden wachsenden Wohlstand und dem somit fortschreitenden Gebrauch fossiler Rohstoffe stellen sich die Erkenntnisse des IPCC zum Klimawandel nicht nur als Hinweis zu einem vorübergehenden Umweltproblem dar. Sie sind vielmehr ein Hinweis darauf, welche weitreichenden ökonomischen, ökologischen und sozialen Folgen in Zukunft vom weiteren Einsatz fossiler Brennstoffe determiniert werden. Speziell in Deutschland haben sich bereits in jüngster Vergangenheit Auswirkungen von Wetter- und Klimaänderungen gezeigt, die große Verwüstungen hinterlassen haben. In Form von vermehrt auftretenden Stürmen, Überschwemmungen und Extremtemperaturen kündigt sich für Mitteleuropa der Klimawandel an. So sind in Deutschland z.B. durch das extreme Hochwasser an der Oder in 2002 und durch den Orkan Kyrill in 2007 geschätzte Sach- und Materialschäden in Höhe von 15,3 Mrd. Euro entstanden. Die außergewöhnlich langandauernde Dürreperiode in 2003 kostete europaweit über 70.000 Menschen das Leben.[2] Auch wenn die Zunahme extremer Wetterlagen und Naturereignisse nicht ausschließlich auf den Klimawandel zurückzuführen ist, lässt sich dennoch ein Bezug zwischen globaler und regionaler Klimaveränderung[3] und der Häufigkeit von wetterbedingten Extremereignissen herstellen.[4] Abb. 3-1 zeigt die unterschiedlichen Einflussfaktoren auf die Klimavariabilität, weshalb menschliches Verhalten nicht zwangsläufig in einen direkten Zusammenhang mit ausgewählten Klimaereignissen gebracht werden kann. Die Tendenzen dahingehend sind allerdings eindeutig und wissenschaftlich erwiesen.

Abb. 3-1: Konkurrierende Einflussfaktoren der Klimavariabilität

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Endlicher/Gerstengabe, Klimawandel – Einblicke, Rückblicke und Ausblicke, Potsdam 2007, S. 44

Für die zukünftige klimatische Entwicklung sind vom IPCC verschiedene Szenarien entwickelt worden. Die nach Annahme des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)[5] wahrscheinlichste Theorie birgt das Szenario „A1B“, in dem eine ausgewogene Nutzung aller Energiequellen und deren Verbesserungspotentiale[6] angenommen wird. Es besagt eine durchschnittliche globale Erwärmung an der Erdoberfläche von 2,9 °C bis zum Jahr 2100, wobei regional weitaus stärkere Temperaturveränderungen eintreten können.

„Es ist höchste Zeit, dass wir uns intensiver mit den Folgen des Klimawandels in Deutschland befassen. Wir müssen uns heute anpassen, um morgen nicht von seinen wirtschaftlichen und sozialen Folgen überrollt zu werden. Hierfür benötigen wir eine gemeinsame nationale Strategie. Alle wichtigen Akteure müssen hierfür mit ins Boot“, bestätigt Bundesumweltminister Sigmar Gabriel.[7]

In welchen Dimensionen sich eine Veränderung des Weltklimas in vereinzelten Regionen abspielt, kann also nur grob geschätzt werden. Für Deutschland haben erste Prognosen ergeben, dass sich die Sommertemperaturen in den Südlichen Bundesländern um bis zu 4 Grad erhöhen können, Norddeutschland im Sommer allerdings mit bis zu 30% weniger Niederschlag rechnen muss. Die Niederschläge im Herbst, Winter und Frühjahr können wiederum um rund 10-20% zunehmen.[8] Mögliche Folgen für Natur, Landwirtschaft und Einwohner der betroffenen Regionen können aus diesen meteorologischen Daten abgeleitet werden. Diese Folgen sind besorgniserregend, allerdings sehen die Klimaforscher für andere Teile der Erde weitaus schlimmere Klimaveränderungen voraus. Eine vereinfachte Darstellung von Ursache und Wirkung im Zusammenhang mit menschlichen Aktivitäten bietet Abb. 3-2, in der eine Grundstruktur der Wechselwirkung aus sozioökonomischen Entwicklungspfaden und den Auswirkungen auf menschliche und natürliche Systeme aufgezeigt wird.[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3-2: Klimaänderung - ein ganzheitliches System

Es handelt sich um eine schematische und vereinfachte Darstellung einer integrativen Beurteilung des Systems zur Betrachtung der anthropogenen Klimaänderung. Die grünen Pfeile zeigen den Kreislauf von Ursache und Wirkung zwischen den vier in der Abbildung gezeigten Quadranten, während der rote Pfeil die gesellschaftliche Antwort auf die Auswirkungen der Klimaänderung angibt.

4.3 Nutzung regionaler Potentiale zur Energiegewinnung

Die im Vorfeld angeführten wirtschaftspolitischen Maßnahmen flankieren die Bemühungen zur verstärkten Nutzung heimischer Energiequellen. Aufgrund der gesetzlich festgeschriebenen Einspeisevergütungen in die deutschen Strom-, Gas- und Wärmenetze können Investitionsplanungen mit deutlich gesteigerter Sicherheit durchgeführt werden. Um diese Investitionen auch effektiv einzusetzen, gilt es die jeweiligen Potenziale zu ermitteln und in den Planungsprozess einzubinden. Es stellt sich die Frage, welches theoretische Potential mit Hilfe technischer und nicht-technischer Lösungen im wirtschaftlichen Kontext vorteilhaft ist, um mit den vorgegebenen Einnahmen pro Mengeneinheit die Investitions- und Betriebskosten im gesamten Abschreibungszeitraum der Anlage zu decken. Aber auch für die Nutzung heimischer regionaler oder lokaler Energiequellen gelten die mittlerweile als allgemein anerkannten

Nachhaltigkeitskriterien der Ressourcennutzung:[10]

- von einer erneuerbaren Ressource darf nicht mehr genutzt werden, als sie sich in der gleichen Zeit regeneriert
- es dürfen nur so viele Stoffe in die Umwelt entlassen werden, wie dort aufgenommen werden können
- die Nutzung nichterneuerbarer Ressourcen soll nur in dem Maße geschehen, in dem ein physisch und funktionell gleichwertiger Ersatz in Form erneuerbarer Ressourcen geschaffen wird
- das Zeitmaß der menschlichen Eingriffe muss in einem ausgewogenen Verhältnis zum Zeitmaß der natürlichen Prozesse stehen.
- Die Umsätze von Energie und Stoffen müssen auf ein risikoarmes Niveau gesenkt werden.

Der Begriff der Nachhaltigkeit ist in Deutschland bereits seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts bekannt und gilt als Grundprinzip in der Forstwirtschaft. Er beinhaltet, dass nur soviel Holz geschlagen werden kann, wie im Wald auch nachwächst. Dieses Prinzip lässt sich sowohl auf fast alle Lebensbereiche als auch auf das politische Handeln übertragen.[11]

Unter Einbeziehung dieser Regel als nicht-technische Restriktionen ist die Vorgehensweise zur Potentialbewertung in Abb. 4-4 graphisch verdeutlicht. Genauere Ausführungen und Beispiele folgen im anschließenden Kapitel 5.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4-4: Vorgehensweise zur Potentialbewertung

Quelle: Kaltschmitt, Wiese; Erneuerbare Energien, Berlin, Heidelberg 1997, S. 25

Als Basis des theoretischen Potentials kommen sämtliche Arten erneuerbarer Energiegewinnung in Betracht. Welche vor Ort am sinnvollsten genutzt werden können, sollte im Rahmen einer Potentialanalyse vor Ort entschieden werden. Die o.g. Kriterien lassen sich allerdings nur im gesellschaftlichen Kontext und unter Mitwirkung aller Beteiligten (Verbraucher, Industrie, Politik, etc.) umsetzen. Umstritten sind oftmals das Tempo und die Richtung der Entwicklungspfade zur nachhaltigen Energiegewinnung, wie zum Beispiel der enorme Ausbau der Windenergie an der deutschen Nord- und Ostseeküste. Eine zuverlässige Grundlage dieser Debatte ist eine möglichst allgemeingültige Datenbasis, denn jedwede Entwicklung hat Vor- und Nachteile, die entsprechend zu bewerten sind.[12] Abb. 4-5 schlüsselt nun die Quellen möglicher Energiegewinnung auf und verbindet sie mit den zur Verfügung stehenden Techniken und deren Energieformen nach der Umwandlung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4-5: Quellen erneuerbarer Energien

Quelle: Kaltschmitt/Wiese, Erneuerbare Energien, a.a.O., S. 11

4.4 Volkswirtschaftliche Substitutionsbewegungen

4.4.1 Stärkung regionaler Strukturen und Versorgungssysteme

Die in Rio de Janeiro 1992 verabschiedete Rahmenvereinbarung Agenda 21 beinhaltet unter anderem die Stärkung regionaler Strukturen. Dieser Erklärung fühlen sich auch in Deutschland zahlreiche Kommunen verpflichtet. Daher gibt es derzeit zahlreiche regionale Verbände, deren Zielsetzung darin besteht, regionale Strukturen im Bereich Energie, Landwirtschaft, Produkte und Dienstleistungen zu stärken, Vorteile und Möglichkeiten aufzuzeigen und somit die Regionen in den Grundzügen von Ökonomie, Ökologie und Sozialem nachhaltig zu festigen. Die Beispiele hierfür sind vielfältig, in der folgenden Betrachtung stehen nun regionale Initiativen und soziale Gruppen im Bereich Energiebereitstellung und -versorgung. Städte und Gemeinden haben viele Möglichkeiten, die Nutzung Erneuerbarer Energien vor Ort zu fördern und zu steuern. Dazu gehören insbesondere:

- Bau und Betrieb von Erneuerbaren-Energien-Anlagen
- Beteiligung an Erneuerbaren-Energien-Anlage (Public-Private-Partnership)
- Nutzung Erneuerbarer Energien in kommunalen Liegenschaften
- Flächennutzungs- und Bauleitplanung, die die Nutzung Erneuerbarer Energien unterstützen
- Bürgerberatung zu technischen Fragen und Förderprogrammen
- Kommunale Förderprogramme
- Kommunale Öffentlichkeitsarbeit
- Beteiligung an Aktionen wie "Solarbundesliga", "SolarLokal", "Klimaschutzkommune",

"Woche der Sonne" und anderen.

Im Vorfeld der Entscheidung, die Nutzung Erneuerbarer Energien in der Gemeinde konkret zu unterstützen, sollte die Kommune sich einen Überblick über die verschiedenen Techniken und ihre Eignung vor Ort verschaffen. Dabei sind geografische, klimatische, land- und forstwirtschaftliche, rechtliche, wirtschaftliche, politische und soziale Aspekte zu berücksichtigen.[13] Mit dem Entschluss für den jeweils effizientesten Anlagentyp fallen Entscheidungen an, die zu den Hauptfaktoren der Maximierung des Geldrückflusses aus den Anlagen zur Nutzung der Erneuerbaren Energien der Region gehören:[14]

- die an der Errichtung, Betrieb, Wartung, Reparatur und Rückbau einer Anlage beteiligten Firmen sollten soweit wie möglich aus der Region kommen

- sollte man bei der Abwägung zwischen verschiedenen Technologien nicht bereits aus anderen Gründen zu einer klaren Entscheidung gekommen sein, sind Technologien

vorzuziehen, bei denen auch Betriebsstoffe aus der Region zum Einsatz kommen können

(dies sind in der Regel Biomasseanlagen)

- die kreditgebende Bank sollte aus der Region kommen. Dies ist gerade bei ländlichen

Regionen umso leichter zu realisieren, je kleinteiliger die Projekte und damit die

Kreditvolumina sind

- ein möglichst hoher Anteil von Eigenkapitalgebern sollte aus der Region akquiriert werden,

etwa durch Gewährung von Sonderkonditionen, wie geringere Mindestbeteiligungen, als für

Kapitalgeber außerhalb der Region.

Die organisierte Stärkung einer Region oder Kommune wird von vielen Säulen getragen.

Im Rahmen einer Akteursanalyse zum regionalen Strukturaufbau lässt sich feststellen, welche Entscheidungsträger und Interessenvertreter an Vereinbarungen teilnehmen sollten. Sie tragen zu einer Umsetzung einer Strukturstrategie weg von einer zentralen Energieversorgung zu einer nachhaltigen dezentralen Energieversorgung und -Nutzung bei.

Diese lassen sich in vier Gruppen für eine interkommunale Zusammenarbeit einteilen:

Akteure auf Energieanbieter- und Energieverbraucherseite, Investoren sowie Multiplikatoren und Unterstützer.

In Abb. 4-6 sind die Mitglieder der vier Gruppen nach ihrer Zugehörigkeit eingeteilt.

Abb. 4-6:Akteursanalyse zum regionalen Strukturaufbau

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: B.A.U.M. Consult GmbH, Auf dem Weg zu 100% Region, a.a.O., S. 93

Desweiteren wird nun den kommunalen Unternehmen besondere Beachtung eingeräumt, die sich primär auf die Deckung lokaler/regionaler Bedarfe einstellen und im Vergleich zum nationalen Gesamtmarkt keine herausragende Position einnehmen. Sie bilden, bearbeiten und entwickeln dezentrale Infrastrukturen. Stadt- und Gemeindewerke und deren Unterabteilungen von Abfallbeseitigung bis Wasserversorgung, Betriebe des öffentlichen Personen-Nahverkehrs, sowie weitere öffentliche Einrichtungen stehen im Fokus der dezentralen Daseinsvorsorge und sind meist eng mit den lokalen und regionalen politischen Strukturen vernetzt. Sie bieten einen Rahmen für offensive Umsetzungspläne einer Energieversorgung vor Ort.[15]

Gerade die dezentrale Energieversorgung verlangt eine starke Einbindung möglichst aller Beteiligten, um ein Optimum an Transparenz der Handlungsalternativen zu erzielen. Hinzu kommt der Ausgleich möglicher Defizite innerhalb einer Gruppe dezentraler Einheiten, um die Bewirtschaftung der lokalen Energieinfrastruktur bestmöglich aufeinander abzustimmen. Das föderale politische System der Bundesrepublik Deutschland kann in Bezug auf die organisatorische Ausrichtung der dezentralen Energiesysteme durchaus hilfreich sein. Vergleichbar ist diese Situation mit der Zeit der ersten Verbundnetzplanung in Deutschland, in der vor rund 100 Jahren die rohstofflichen und natürlichen Potenziale der Energiegewinnung im Ausgleich zur Verfügung stehen sollten. Der Weg muss also wieder vom Energieversorgungsnetz hin zum Energieausgleichsnetz führen, allerdings im wesentlich kleinmaschigeren Maßstab und unter enormen Anstrengungen in der Eigentumsentflechtung vertikal integrierter Unternehmen, die dem Streben nach Dezentralisierung entgegenstehen könnten.[16]

Abb. 4-7 zeigt die Vorteile auf, die lokale Unternehmen im Bereich der dezentralen Infrastruktur in sich vereinen können. Neben den zahlreichen Vorteilen müssen auch einige Hindernisse überwunden werden. Die Umsetzung einer dezentralen Energieinfrastruktur ist ein langwieriger Prozess. Vorschnelle Entscheidungen in Bezug auf langfristig angelegte Investitionen sind zu vermeiden, da je nach Energieanlagentyp über 90% der gesamten Anlagen- und Betriebskosten zu Beginn des Nutzungszeitraums anfallen. Ungenaue Planungen können schnell weitere Kosten erforderlich machen, bzw. die Bedarfsdeckung einschränken, reduzieren, oder die Versorgungssicherheit gefährden. Finanzielle Ausfallrisiken der einzelnen Akteure sind einzukalkulieren. Die Frage der Eigentums- und Vertragsverhältnisse ist in soweit zu klären, dass keine verschachtelten Abhängigkeiten von einzelnen Akteuren entstehen können. Dezentrale Strukturen erfordern zudem ein hohes Maß an Kommunikation und demokratischer Entscheidungsfindung. Entsprechende Plattformen zur Interaktion müssen vorhanden sein oder neu geschaffen werden. Ob die Umsetzung einer dezentralen Versorgung mit Energie gelingt, ist also maßgeblich von den beteiligten Akteuren abhängig. Die aufgelisteten Vorteile sind dem entgegenzusetzen.

Abb. 4-7: Stärken kommunaler Unternehmen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Wuppertal Institut, Perspektiven dezentraler Infrastrukturen, a.a.O., S. 2

[...]


[1] IPCC, Vierter Sachstandsbericht, Bern/Wien/Berlin, 2007, S.2

[2] Vgl. Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, Wetterrisiken in Mitteleuropa, München 2007, S. 10 ff

[3] Vgl. IPCC, Vierter Sachstandsbericht, a.a.O., Seite 6

[4] Vgl. Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft: Topics Geo, München 2007, S. 6 ff.

[5] Vgl. http://bibliothek.phoenix.de/videobeitrag,203.html, Claudia Kemfert, Was kostet der Klimawandel?, 2008, (27.05.08)

[6] Vgl. IPCC, Vierter Sachstandsbericht, a.a.O., S.18

[7] Umweltbundesamt, Deutschland im Klimawandel, Dessau 2008, S. 5

[8] Umweltbundesamt, Klimaauswirkungen und Anpassung in Deutschland, Hamburg 2008, S. 41 ff.

[9] Eigene Darstellung in Anlehnung an IPCC, Klimaänderung 2001, Synthesebericht, Wembley, 2001, S. 3

[10] Lange, A.: Einbindung von Solar- und Windkraft-Anlagen in dezentrale Energieversorgungssysteme, Magdeburg 2005,

S. 80

[11] von Carlowitz, Hans Carl; Sylvicultura Oeconomica, Freiberg 1713

[12] Lange, A.: Einbindung von Solar- und Windkraft-Anlagen in dezentrale Energieversorgungssysteme, a.a.O., S. 80

[13] Vgl. Informationskampagne für Erneuerbare Energien und des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Erneuerbare-

Energien-Projekte in Kommunen, Berlin 2008, S. 10

[14] Vgl. B.A.U.M. Consult GmbH, Auf dem Weg zu 100% Region, München 2006, S. 133

[15] Vgl. Wuppertal Institut, Perspektiven dezentraler Infrastrukturen, Wuppertal 2008, S. 6

[16] Vgl. Wuppertal Institut, Die technische Entwicklung auf den Strom- und Gasmärkten, Wuppertal 2002, S. 7

Details

Seiten
94
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783842814042
Dateigröße
2.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v228274
Institution / Hochschule
Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg – Betriebswirtschaft
Note
2,3
Schlagworte
energiewende erneuerbare energien strategie klimawandel politik

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