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Geschlechtsspezifische Arbeitsmarktsegregation und Einkommensunterschiede: Theoretische Untersuchung und Regressionsanalyse der Situation in Deutschland und Schweden

Bachelorarbeit 2010 62 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Teil 1: Entgeltungleichheit in Deutschland und ihre Ursachen
1.1 Beruf und Gehalt in Deutschland
1.1.1 Entwicklung der geschlechtsspezifischen Arbeitsmarktsegregation von 1980 bis 1990
1.1.2 Ursachen und theoretische Ansätze
1.1.3 Aktuelle Befunde zu Geschlecht und Einkommen
1.2 Geschlechtsspezifische Arbeitsmarktsegregation in Schweden
1.3 Zusammenhang von Einkommen und Armut

Teil 2: Gleichstellungspolitische Maßnahmen und ihre Erfolge 25

Teil 3: Eine Empirische Untersuchung der geschlechtsspezifischen Einkommensunterschiede in Deutschland 30
3.1 Explikation der Hypothesen
3.2 Methodisches Vorgehen
3.2.1 Datengrundlage: ALLBUS/ ISSP 2002
3.2.2 Operationalisierung der Hypothesen
3.3 Analyse
3.3.1 Analyse: Modus, Median und arithmetisches Mittel
3.3.2 Vorbereitung des Regressionsmodells
3.4. Analyse: multivariate Regression
3.4.1 Regression
3.4.2 Modellformulierung
3.4.3 Schätzung der Regressionsfunktion
3.4.4 Prüfung der Regressionsfunktion
3.4.4.1 Bestimmtheitsmaß r²
3.4.4.2 F- Statistik
3.4.4.3 Standardfehler der Schätzung
3.4.5 Prüfung der Regressionskoeffizienten
3.4.5.1 T- Test der Regressionskoeffizienten
3.4.5.2 Beta- Wert
3.5 Interpretation der Ergebnisse und Prüfung der Hypothesen

Teil 4: Fazit und Ausblick

Literatur

Tabellenverzeichnis

Tbl. 1: Einkommen nach Männer-, Frauen- und Mischberufen bei Berufseintritt

Tbl. 2: Frauenanteil in öffentlichen Gremien, Räten, und Komitees in den skandinavischen Ländern (in Prozent)

Tbl. 3: Operationalisierung der Indikatoren

Tbl. 4: Verteilung von Faktoren Geschlecht und Familienstatus

Tbl. 5: Kreuztabelle Geschlecht und Familienstatus

Tbl. 6: Verteilung der anhängigen Variablen Familienstatus

Tbl. 7: Deskriptive Statistik der Faktoren

Tbl. 8: Deskriptive Statistik der abhängigen Variable

Tbl. 9: Dummy- Variablen der unabhängigen Variablen

Tbl. 10: Korrelation männlich und weiblich

Tbl. 11: Korrelation verheiratet und single/ nie verheiratet

Tbl. 12: aufgenommene/ entfernte Variablen

Tbl. 13: Modellzusammenfassung

Tbl. 14: ANOVA

Tbl. 15: Koeffizienten

Abbildungsverzeichnis:

Abb. 1: Anteil von Frauen und Männern in hohen Verdiensten und niedrigen Verdiensten

Abb. 2: Die meisten Topverdiener sind Männer

Abb. 3: Anzahl der Gehaltserhöhungen in fünf Jahren

Abb. 4: Erwerbspartizipation und Teilzeitquote von Frauen und Männern im Vergleich 2002 (in Prozent)

Abb. 5: Armutsgefährdungsquote von Haushalten 2001 (in Prozent)

Abb. 6: Kontrollfunktion bei zwei unabhängigen Variablen im multiplen Regressionsmodell

Abb. 7: Regressionsfunktion der Stichprobe

Abb. 8: Allgemeine Regressionsgleichung

Einleitung

Seit dem Ende des zweiten Weltkriegs und dem Beginn der modernen Weltordnung hat die westliche Gesellschaft eine weitreichende Entwicklung durchlebt, die noch immer anhält. Die derzeitige gesellschaftliche Lage zeichnet sich aus durch Umwandlungen von Politik und Kultur, wie die voranschreitende Globalisierung sowie Ausweitung und Entwicklung von Kommunikationstechnologie und biotechnologischer Forschung (vgl. Benhabib 1999: 15).

Die Entwicklung der westlichen Gesellschaft wird darüber hinaus von einer Problematik begleitet, die immerhin die Hälfte der Menschheit betrifft und daher nicht weniger relevant ist als beispielsweise Terrorismus, Voranschreiten der Reproduktionsmedizin und Umweltzerstörung in einer von Unsicherheiten begleiteten menschlichen Existenz (vgl. Beck 2007). Diese Problematik findet ihren Ursprung bereits beim Übergang von Agrar- ins Industriezeitalter, im Beginn der Frauenerwerbsarbeit. In der vorindustriellen Zeit war die Mitarbeit der Frau in Privatbetrieben gängig, doch aufgrund der wachsenden Bedeutung des Reproduktionsmittels Arbeit im Zuge der industriellen Revolution, erlangten alle Bereiche des sozialen Lebens, beispielsweise jene der Familie, Erziehung und Kultur, einen gravierenden Wandlungsprozess, da sie als unbezahlte Tätigkeiten an Ansehen verloren. Dies hatte zur Folge, dass das System der gesellschaftlich organisierten Arbeit nicht mit der Institution Familie harmonisierte. Aufgrund ihrer Reproduktionsfähigkeit und gesellschaftlicher Vorurteile, wurde die Verrichtung der Hausarbeit, Kindererziehung und allgemein Familienerhaltung und -versorgung mit der weiblichen Gesellschaftsrolle verknüpft. Während der Mann als patriarchales Familienoberhaupt den Lebensunterhalt verdient, ist die Frau hauptsächlich Hausfrau und in der öffentlichen Sphäre maximal >Dazuverdienerin< (vgl. Becker- Schmidt/ Knapp 2000: 24- 27). Da Geld das Medium gesellschaftlicher Austauschprozesse ist, das Hausarbeit schwer bemessen kann, wird im Kapitalismus die Institution Familie marginalisiert, da der entlohnten Arbeit in der Gesellschaft mehr Prestige zukommt. Kurz gesagt: die Frau erhält für ihre Tätigkeit kein angemessenes gesellschaftliches Ansehen, weil im Kapitalismus Hausarbeit und Familienversorgung kein Geld einbringen. Daher besteht zwischen der öffentlichen Sphäre Arbeit und der privaten Sphäre der Familie eine Rangordnung: die private Sphäre muss sich der öffentlichen beugen. Das führt dazu, dass männlich dominierte, öffentliche Sektoren, wie zum Beispiel Politik, Wirtschaft und Naturwissenschaft, hohes Ansehen genießen gegenüber der unbezahlten Tätigkeiten innerhalb der privaten Sphäre von Haushalt und Familie (vgl. Becker- Schmidt/ Knapp 2000: 56- 60). Dies brachte die Frau in ein Dilemma: der Bereich der Prokreation, Haushalts- und Kinderversorgung wird nicht angemessen honoriert und innerhalb der öffentlichen Sphäre der entlohnten gesellschaftlich organisierten Arbeit wird sie vergleichsweise schlechter bezahlt und zudem in ihrem Qualifikations- bzw. Ausbildungsniveau marginalisiert. Da der ökonomische Erwerb gegenüber der Hausarbeit vorrangig ist, verlor und verliert letztere weiterhin an öffentlicher Anerkennung. Daher befindet sich das weibliche Geschlecht in der westlichen Gesellschaft in dem Dilemma der „doppelten Vergesellschaftung“, da die Frau sowohl in dem privaten als auch öffentlichen Bereich der Gesellschaft eingebunden ist, aber in keiner der beiden Bereiche eine angemessene oder gleichberechtigte Honorierung zugestanden wird. Das patriarchalische Familienmodell lässt die Politik nur ungenügend mit sozialer Gewalt gegen Frauen befassen und schließt sie aus den politischen Feldern wie Parteien, Parlamente und Kabinette aus. Da die öffentliche, politische Sphäre von den Männer beherrscht und die Frau in diesem Bereich lediglich eine Randgruppe darstellt, ist die Relation der privaten zur öffentlichen Sphäre ein Bestandteil feministischer Gesellschaftsanalyse.

In kapitalistischen Ländern wird das menschliche Leben sehr stark vom Produktionsfaktor Arbeit und vom Warentausch beeinflusst. Die geschlechtsspezifische Arbeitsmarktsegregation besitzt für die europäische Geschlechter- und Feminismusforschung hohe Relevanz, da die Familie noch immer die grundlegende gesellschaftliche Institution darstellt, ohne die Erziehung der nachfolgenden Generation ist das Fortbestehen der Gesellschaft nicht möglich und keineswegs zu belächeln (Becker- Schmidt/ Knapp 2000: 57).

Bei weiterer Betrachtung der modernen Öffentlichkeit, scheint sie nach mehr als 200 Jahren kapitalistisch geprägter Entwicklung, eine Politik zu entwickeln, die sich von der Parteipolitik zu politischen und sozialen Protestbewegungen wandelt und danach strebt, eine Politik hervorzubringen, die kollektive Formen von Identität, wie zum Beispiel Homo- und Transsexuelle, Punks sowie religiöse Gruppen, anzuerkennen. Hinsichtlich dessen ist es erschreckend, dass die Frau im Erwerbsleben noch immer nicht emanzipatorisch behandelt, Hausarbeit sozial abgestuft wird und sich an der patriarchalischen Ordnung und der damit einhergehenden ungleichen Honorierung, zumindest aus empirischer Sicht, bis heute nichts verändert hat (vgl. Benhabib 1999: 18; vgl. Holland- Cunz 2003: 174 f.). Das Gegenteil ist der Fall: der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern in Deutschland betrug 2009 durchschnittlich 23% (vgl. BMFSJ 2009: 10).

Doch bestehen zwischen den westlichen Ländern untereinander schwer übersehbare Unterschiede. Laut Gender Daten Report betrug der Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern in Schweden 2003 16 Prozent. Dies sind vergleichsweise 7 Prozent weniger als in Deutschland, wo in demselben Jahr der Verdienstunterschied bereits bei 23 Prozent lag. In Schweden hingegen sank dieser bis 2010 auf 6 Prozent und ist nach Angaben des Bundeskanzleramts Österreich der geringste Einkommensunterschied in Europa und bietet Deutschland ein vergleichbares Gegenstück (vgl. BMFSFJ 2005; vgl. Bundeskanzleramt Österreich 2009).

Zu Fragen ist bei Betrachtung der obigen Daten zweierlei:

1. woher rührt der geschlechtsspezifische Einkommensunterschied bzw. worin bestehen seine Faktoren? Und
2. wieso sind sie innerhalb Europas so unterschiedlich, wie im Falle Deutschland und Schweden?

Zu untersuchen, welche beobachtbaren Faktoren für den Entgeltunterschied zwischen Frauen und Männern sowie der einhergehenden geschlechtsspezifischen Arbeitsmarktsegregation in Deutschland und Schweden verantwortlich sind und woher die Unterschiede zwischen den zwei Nationen herrühren, ist Ziel dieser Arbeit.

Der Inhalt setzt sich daher zusammen aus :

- einer Diskussion über geschlechtsspezifische Arbeitsmarktsegregation und Einkommensunterschiede in Deutschland und Schweden und
- darüber hinaus wird der Zusammenhang zwischen Einkommensstatus und Geschlecht sowie Einkommensstatus und Familienstatus auf Grundlage einer trivariaten Regression untersucht.

Hierbei ist anzumerken, dass Berufe in der Regel dann als segregiert betrachtet werden, wenn sich weniger als 30 Prozent des anderen Geschlechts im jeweiligen Beruf befinden. Es handelt sich dann um männer- und frauentypische Berufe (vgl. Heintz/ Nadai 1997: 16).

Einkommensvergleiche und -analysen zwischen den Geschlechtern sind auf fünf Ebenen möglich:

- auf internationaler Ebene handelt es sich um Vergleiche westlicher Nationen,
- auf nationaler handelt es sich um politische Maßnahmen zur Abschaffung der Arbeitsmarktsegregation,
- die lokale Ebene beschäftigt sich mit Arbeitsmarktstrukturen,
- die Organisationsebene bildet Strategien zur Bekämpfung der Segregation und
- die individuelle Ebene setzt sich mit Geschlechtsmustern des Arbeitsverhältnisses auseinander (vgl. Gonäs 2006: 34).

Diese Untersuchung verläuft auf nationaler und internationaler Ebene.

Im ersten Kapitel werden familiäre Strukturen, Berufsvorstellungen, Studien zur Arbeitsmarktsegregation sowie Einkommensentwicklung und -ungleichheit in Deutschland analysiert. Hiernach folgt die Untersuchung der Ursachen und Faktoren des Verdienstunterschiedes zwischen Frauen und Männern auf literarischer Grundlage, der durch den sogenannten Gender Pay Gap abgebildet wird. Zudem wird auf Entwicklungen der schwedischen Frauenpartizipation und -erwerbsbeteiligung sowie auf Frauenbeschäftigungsumfang und Armutsrisiko in beiden Ländern eingegangen. Aus temporären und aus Gründen der Überschaubarkeit der vorliegenden Thesis, wird die theoretische Untersuchung im ersten Teil in den 80er Jahren stattfinden und die Entwicklung bis ins Jahr 2009 aufzeigen. Im darauf folgenden Abschnitt wird ein vergleichender Blick zwischen Deutschland und Schweden, insbesondere Armuts- und Reichtumslagen betreffend, gewagt.

Ferner werden im zweiten Teil die Einflussfaktoren der Entgeldunterschiede auf Grundlage wissenschaftlicher Thesen empirisch überprüft. Die Basis der Untersuchung bietet das International Social Servey Programme 2002: Family and Changing Gender Roles 3 (ISSP 2002). Ebenfalls aus temporären Gründen und jenen der Überschaubarkeit, findet die empirische Untersuchung lediglich für Deutschland statt. Letztendlich folgt der Untersuchung die Vorstellung gleichstellungspolitischer Maßnahmen beider Länder und eine Beurteilung der Ergebnisse sowie mögliche Zukunftsaussichten sowohl für die betreffende Zielgruppe, als auch für die Gesamtgesellschaft.

Teil 1: Entgeltungleichheit und ihre Ursachen

1.1 Beruf und Gehalt in Deutschland

Dass das Thema der Entgeltungleichheit und der geschlechtsspezifischen Arbeitsmarktsegregation in erster Linie junge Frauen betrifft, zeigt die Studie von Liesering und Rauch (1996). In dieser ist der Anteil der Frauen, die ihre Berufsvorstellungen im Kontext persönlicher und familiärer Zukunftskonzeptionen äußern, höher als der Anteil der Männer, die ihre Meinung gleichermaßen vor dem Hintergrund der Familienplanung zu Wort tragen. Aus der Befragung kristallisierten sich drei Modelle für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf heraus:

- das integrative Modell beinhaltet die temporäre Verknüpfung von Familie und Beruf. Lediglich 9 Prozent der befragten jugendlichen Jungen äußerten sich für das Modell gegenüber 24 Prozent der Mädchen;
- das sukzessive Modell beinhaltet die zeitliche Trennung von Familie und Beruf. Der Anteil der Männer ist hierbei zwar höher, doch im Vergleich zu den Frauen, sind Beruf und Familie auf der zeitlichen Achse weiter entfernt. Die jungen Frauen möchten sich zunächst ihrem Beruf widmen, um diesen dann aufgrund der Kinderbetreuung mindestens teilweise aufzugeben. Die Jungen setzen Familiengründung temporär weiter nach hinten, planen aber keine familienbedingte Berufsunterbrechung. Hier spiegelt sich die geschlechtliche Arbeitsteilung wider;
- hinsichtlich des Ausschließlichkeitsmodells äußern sich die Jugendlichen für eine Prioritätensetzung zugunsten der beruflichen Ambitionen. Hierfür entschieden sich der Großteil der jungen Frauen, die sich ausschließlich auf ihren Beruf konzentrieren möchten (vgl. Riesing/ Rauch 1996: 10 f.).

Insgesamt betrachtet wirkt das sukzessive Modell attraktiver auf die Jungen, währenddessen das Ausschließlichkeitsmodell von den Mädchen bevorzugt wird.

1.1.1 Entwicklung der geschlechtsspezifischen Arbeitsmarktsegregation von 1980 bis 1990

1990 war ein leichter Anstieg der Frauen in Männerberufen erkennbar: waren 1980 1 Prozent der Absolventinnen einer betrieblichen Berufsausbildung in männertypischen Berufen tätig, waren es 1990 3 Prozent. Hingegen sank der Anteil der ins Berufsleben eintretenden Männern von 72 Prozent 1980 auf 70 Prozent 1990; doch bleiben ihre beruflichen Tätigkeiten von geschlechtsspezifischer Teilung geprägt (vgl. Engelbrech 1996: 72 f.). Die zunehmende frauenpolitische Diskussion und die Anfänge der Gleichstellungspolitik, die leider erst Mitte der 90er Jahre zu tragen kam, konnte nicht verhindern, dass 1990, bereits ein Jahr nach Berufseintritt nach abgeschlossener Berufsausbildung, Männer im Durchschnitt ein Viertel mehr verdienten als Frauen (vgl. ebd.; BMFSJ 2003). Ein Tatbestand, der sich bis heute nur geringfügig verändert hat.

Hierbei muss erklärt werden, was unter typischen ‚Männer’- und typischen ‚Frauenberufen’ verstanden wird. Wie bereits in der Einleitung erwähnt, spalten sich Berufe in die Sphären der Öffentlichkeit und der Privatheit. Die Privatheit wird mit Prokreation und Familienversorgung, tendenziell von Frauen getätigt, verknüpft. Die öffentliche Sphäre hingegen ist weitgehend verknüpft mit Berufen der Politik, Wirtschaft und Forschung. In Abbildung 1 sind Berufe mit hohen und niedrigen Verdiensten und ihren jeweiligen Frauen- und Männeranteilen, bereitgestellt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, abgebildet. Dabei handelt es sich um eine Zusammenstellung von 2008. Leider ist eine Zusammenstellung der geschlechtstypischen Berufe in den 80er Jahren weder bei Liesering und Rauch, noch bei Engelbrech zu finden. Typische männerdominierte Berufsbereiche (der Männeranteil beträgt mehr als 69 Prozent) befinden sich beispielsweise in Geschäftsleitung (höchster Anteil mit 81,5 Prozent), Luftverkehrsberufe, Unternehmensberatung, Organisation sowie Chemiker und Chemieingenieurswesen. Frauendominiert sind Berufe der Friseurin, Wäscherin und Plätterin, Raumpflegerin sowie hauswirtschaftlicher Betreuerin (höchster Anteil mit 94, 3 Prozent). In unterer Abbildung ist ferner erkennbar, dass niedrig bezahlte Berufe von Frauen und hochbezahlte von Männern überrepräsentiert werden und überdies erstere stark mit Tätigkeiten der Haushaltsversorgung, Familie und sozialen Kompetenzen zusammenhängen, hingegen letztere tendenziell mit leitenden und/ oder verantwortungstragenden Positionen.

Abbildung 1: Anteil von Frauen und Männern in hohen Verdiensten …

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Destatis (2008)

In Tabelle 1 ist erkennbar, dass bereits 1990, fast 20 Jahre zuvor, Männer in männerdominierten Berufen ein höheres Einkommen erzielten und der durchschnittliche Verdienst in Männerberufen höher war als in Frauenberufen. Das Durchschnittseinkommen der Männer war in jedem Jahr höher als das der Frauen. Jedoch stieg der Unterschied von 1980 bis 1990 um 21 Prozent und von 1985 bis 1990 um rund 15 Prozent. Der Einkommensunterschied sank also von 1985 bis 1990 im Vergleich zu den Jahren davor. Doch bei Betrachtung der gesamten Dekade, liegt der Unterschied bei rund 33 Prozent (vgl. Engelbrech 1996: 76- 79; eigene Berechnung; vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2009).

Abbildung 1 und Tabelle 1 zeigen daher, dass sich innerhalb von 20 Jahren in der geschlechtlichen Zusammensetzung auf dem Arbeitsmarkt wenig verändert hat.

Tabelle 1: Einkommen nach Männer-, Frauen- und Mischberufen bei Berufseintritt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Institut für Arbeits- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit (1996)

Darüber hinaus wies Engelbrech Einkommensunterschiede innerhalb der Berufe nach. 1990 verdienten Männer nach Ausbildungsabschluss 20 Prozent mehr als ihre Kolleginnen in demselben Beruf. Die horizontale und vertikale Segregation führte dazu, dass das Einkommen von Männern in typisch männlichen Berufen 1990 bis zu doppelt so hoch war als das der Frauen in frauendominierten Berufen.

Zudem nahmen Frauen, die in männerdominierte Berufe einstiegen, tendenziell Berufe an, die für Männer schlechter bezahlt waren. Doch selbst die Entlohnung dieser Berufe lag über dem weiblichen Durchschnittseinkommen. Dies trug dazu bei, dass sich der Einkommensunterschied zwischen typisch männlichen und typisch weiblichen Berufen vergrößerte. Daraus erschließt sich, dass es für Frauen erst möglich ist, in männlich dominierte Berufsbereiche einzusteigen, wenn dort die Nachfrage nach Arbeitskräften steigt, diese aber für Männer an Attraktivität verlieren (vgl. Engelbrech 1996: 80 f.).

Des weiteren vergrößerten sich die Diskrepanzen innerhalb der geschlechtsspezifischen Berufe. Vollzeitbeschäftigte Frauen in Männerberufen verdienten 1980 21 Prozent und 1990 25 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Hingegen verdienten Frauen in Frauenberufen 1980 12 Prozent und 1990 27 Prozent weniger.

Betrachtet man also die Einkommensunterschiede im Berufsverlauf, ist erkennbar, dass sich die Einkommensdiskrepanzen zwischen den Geschlechtern sowohl innerhalb geschlechtsdominierter Berufe, als auch die Kluft zwischen den Berufen vergrößerten (vgl. Engelbrecht 1996: 84- 86).

1.1.2 Ursachen und theoretische Ansätze

Bei Betrachtung der Gesamtentwicklung zwischen 1980 und 1990 wird ersichtlich, dass männertypische Berufe für Frauen schwerer zugänglich sind als umgekehrt. Welche makrosoziologischen Faktoren verursachen diesen Tatbestand? Charles (1992), Jacobs und Lim (1995) haben internationale Untersuchungen zur Entwicklung beruflicher Segregation angestellt, die belegen, dass – ein Widerspruch der klassischen Modernisierungstheorie - Modernisierungsprozesse die geschlechtsspezifische Segregation verstärken. Charles Untersuchungen ergeben eine positive Korrelation zwischen geschlechtsspezifischer Arbeitsmarktsegregation und wirtschaftlicher Modernisierungsindikatoren, wie beispielsweise das Bruttosozialprodukt pro Einwohner und der Ausbau des Dienstleistungssektors für 25 Länder. Zwei besonders relevante Faktoren sind der Arbeitsmarkt und sein Grad der Nachfrage- und Angebotsachse sowie eine Frauenbewegung, die politisch unabhängig ist (vgl. Charles 1992; vgl. Jacobs/ Lim 1995). Weitere Studien der 80er Jahre, beispielsweise von Jacobs (1989) und Steinberg (1995), belegen ferner, dass die berufliche Segregation nach Geschlecht insgesamt negativ für Frauen ausfällt. Frauenberufe sind konjunkturell ungeschützte Berufe, die im Vergleich zu männerdominierten Berufen weniger Aufstiegsmöglichkeiten und niedrigere Entlohnung bieten.

Zudem besteht die größte Diskrepanz zwischen verheirateten Männern und verheirateten Frauen: verheiratete Männer bezogen Anfang der 90er Jahre tendenziell das höchste und verheiratete Frauen das niedrigste Einkommen. Ursache hierfür ist die geschlechtsspezifische Aufteilung nach sukzessivem Familienmodell. Eine Ursache für die allgemeine Diskrepanz liegt in der Wertung typischer Männer- und Frauenberufe. Körperkraft und technische Kompetenz werden gesellschaftlich höher gewertet als Fingerfertigkeit und soziale Kompetenz. Diese Unterbewertung existiert bis heute. Sie ist die Folge geschlechtsbezogener Vorurteile und Stereotypisierung. Die Moral der Gesellschaft bewertet die Verantwortung beispielsweise für Maschinen und Finanzen höher als die Verantwortung für Menschen in sozialen Berufen (vgl. Steinberg 1995). Zur Erklärung dieser geschlechtsspezifischen Segregation wurden in der soziologischen Forschung der 80er und 90er Jahre akteurstheoretische und strukturtheoretische Ansätze entwickelt. Der akteurtheoretische Ansatz führt die geschlechtsspezifische Segregation auf individuelle Merkmale sowie Kosten- und Nutzen- Kalküle, Schule und kindliche Sozialisation zurück. Der strukturtheoretische Ansatz hingegen führt selbige zu Arbeitsmarktstruktur und ihre Zwänge und Hindernisse (vgl. Heintz/ Nadai 1997: 22- 24; vgl. BMFSFJ 2009: 26).

In Kindheit und Jugend des Individuums vermitteln gesellschaftliche Werte und Normen Vorstellungen darüber, wie sich Menschen nach ihrem jeweiligen Geschlecht zu verhalten haben. Dies internalisiert im Verlauf der Primärsozialisation Geschlechterstereotypen und Vorstellungen einer Berufswahl. Diese Stereotypen sind historisch zugeschrieben und daher wandelbar. Frauentypische Berufe setzen beispielsweise die Fähigkeit zur Fürsorge und soziale Kompetenzen voraus oder werden mindestens mit ihr verknüpft. Die Sozialisationstheorie im Kontext der beruflichen Segregation erklärt lediglich den Tatbestand der geschlechtsspezifischen Berufswahl, aber nicht ihre Ursache. Sie wird mit dem Argument stark kritisiert, dass die Sozialisation ein Leben lang verläuft und Geschlechterbilder wandeln können (vgl. Kohn/ Schooler 1982). Unterdessen vergisst sie einen Aspekt: beschränkte berufliche Möglichkeiten sind die Einflussfaktoren für die weibliche Familienorientierung, die ‚Familienkarriere’ als Alternative erscheinen lassen (vgl. Heintz/ Obrecht 1981: 447- 472). Dies trifft insbesondere für Frauen in gering qualifizierten Berufen zu. Da Frauen aufgrund der gesellschaftlichen Rollenverteilung dahin tendieren, Berufe auszuüben, die für die Bereiche Familie und Haushalt funktional sind, schließen Beck- Gernsheim und Ostner (1978) daraus, dass die Übereinstimmung von Arbeitsvermögen[1] und Arbeitserfordernis der Grund dafür ist, dass sich Frauen für frauentypische Berufe entscheiden (vgl. Beck- Gernsheim/ Ostner 1978).

Die humankapitalistische Theorie hebt ebenfalls die individuelle Berufswahl hervor. Demnach wählen Frauen tendenziell Berufe, die sich mit der Familie am effizientesten vereinbaren lassen und ein relativ hohes Einkommen ermöglichen, indem sie beispielsweise nach einer oder mehreren Kinderpausen Teilzeitbeschäftigung und Wiedereinsteig erlaubt (vgl. Blau/Jusenius 1976: 181- 200; vgl. Mincer/ Polachek 1974: 76- 108; vgl. Osterloh/ Oberholzer 1994: 3- 10). Aber auch diese Theorie wird stark kritisiert, da Frauen, nach humankapitaltheoretischer Logik, männertypische Berufe ausüben würden, da diese in der Regel besser entlohnt werden – dieses Argument ist aber sehr fraglich, denn wie wir aus dem ersten Kapitel wissen, finden Frauen schwerer Zugang in Männerberufe als umgekehrt (vgl. England 1982, 1984). Zudem ist aus den Sozialisations- und Humankapitaltheorien zu schließen, dass die Wahl von frauen- und männertypischen Berufen weniger Prozesse der freien Entscheidung sind, sondern viel mehr die „Folge von strukturellen Zwängen und Kanalisationsprozessen in der Arbeitswelt selbst“ (Heintz/ Nadai 1997: 31).

Diese Zwänge und Barrieren der Gesellschaft und Arbeitswelt, mit der Frauen konfrontiert werden, stellen im strukturtheoretischen Erklärungsansatz die Ursache für die geschlechtsspezifische Arbeitsmarktsegregation dar. Diese Zwänge und Barrieren werden durch kontinuierliche soziale Kontrollmechanismen bestimmt, die Frauen und Männer geschlechtstypische Berufe wählen lassen. Unter diesen Zwängen und Barrieren sind beispielsweise die Zuordnung eines bestimmten Arbeitsvermögens (wie oben beschrieben) und die gesellschaftliche und arbeitsmarktspezifische Rollenzuweisung zu verstehen (vgl. Jacobs 1989).

Grundsätzlich werden Geschlechter als binär organisiert betrachtet, bzw. von Institutionen, juristischen Regulierungen und Organisationen des Alltags als binär konstruiert (vgl. Foucault 1977). In der feministischen sowie der Sex- Gender- Debatte, insbesondere im Zuge homosexueller Bewegungen seit den 60er Jahren, geriet diese Konstruktion unter starken Druck. Prokop kam 1976 zu der Erkenntnis, dass Gleichberechtigung der Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt, aber auch in alltäglichen Organisationen, die Angleichung des weiblichen an das männliche Geschlecht bedeutet, da eine Asymmetrie in der Anerkennung von weiblicher und männlicher Arbeit besteht. Daher müsste sich, nach Prokops Analyse, die Frau von der Anerkennung ihres ‚weiblichen Arbeitsvermögens’ befreien und in Berufe der öffentlichen Sphäre, daher in männertypische Berufe, vordringen (vgl. Prokop 1976). Die feministische und soziologische Forschung und Literatur hat seit den 70er Jahren die universalen Begriffe der Geschlechtlichkeit überwunden und setzt an Stelle der Binarität das Konzept der multiplen Geschlechtsidentitäten (vgl. Villa 2007). Doch, wie schon im letzten Kapitel diskutiert, sieht die Realität anders aus. Dass sich strukturelle Zwänge und Barrieren nicht abgebaut haben, zeigt das nächste Kapitel.

1.1.3 Aktuelle Befunde zu Geschlecht und Einkommen in Deutschland

Laut dem „Familienatlas- Standortbestimmung, Potenziale, Handlungsfelder“ des Bundesministerium für, Familie, Senioren, Frauen und Jugend von 2007, kurz BMFSFJ, muss es Frauen und Männern möglich sein, Familie und Beruf zu vereinbaren, um einerseits wirtschaftliche Sicherheit erlangen und andererseits Berufs- und Kinderwünsche realisieren zu können. Insbesondere junge Frauen sollten sich nicht zwischen Beruf und Kinderwunsch entscheiden müssen. Hierbei stellt sich die Frage,ob dies realisierbar ist bzw. welche Faktoren dagegen wirken und welche Maßnahmen interventionistisch sind.

Indikatoren zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf bestehen laut dem BMFSFJ einerseits in der geschlechtlichen Chancengleichheit am Arbeits- und Ausbildungsmarkt, daher im Verhältnis der Erwerbsquoten sozialversicherter Frauen und Männer, und andererseits in ausreichenden staatlichen Betreuungsangeboten und Kindertagesstätten für den Nachwuchs, da junge Mütter schneller in ihren Beruf zurückkehren können, desto besser Familie und Beruf vereinbar sind. Daher besteht ein Kausalzusammenhang zwischen der Berufstätigkeit von Frauen mit Kindern und den staatlichen Betreuungsmöglichkeiten (vgl. BMFSFJ 2007: 9 f.).

Die Faktoren, die für die Einkommensungleichheit, bzw. für die ungleiche Honorierung von männlicher und weiblicher Arbeit in Deutschland verantwortlich sind, werden vom BMFSFJ 2009 in „Entgeltungleichheit zwischen Frauen und Männern in Deutschland“ eingehender beleuchtet: „Das begrenzte Auswahlspektrum der Frauen, ihre Hindernisse auf dem Karriereweg, tradierte Rollenverständnisse in einigen gesellschaftlichen Milieus und Schichten, die tatsächlichen und mentalen Schwierigkeiten, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen und die damit einhergehenden Hürden beim beruflichen Wiedereinstieg nach einer familienbedingten Erwerbsunterbrechung tragen zur Lohnlücke ebenso bei wie die Bewertung typischer Frauenberufe“ (BMFSFJ 2009: 5). Das bedeutet also kurzgefasst, dass es folgende drei Faktoren gibt, welche für die Entgeltungleichheit verantwortlich sind:

- begrenzter Zugang zu männerdominierten Berufen,
- veraltete wandelbare Rollenverständnisse, Sexismus sowie Chauvinismus und
- Hürden beim beruflichen Wiedereinstieg, die zu Problemen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie führen, zum Beispiel aufgrund fehlender oder unzureichender Kinderbetreuungsmöglichkeiten.

Hinzu kommt die „geschlechtshierarchische Verantwortungsteilung in Partnerschaften“, daher die patriarchalische Rollenzuweisung (BMFSFJ 2009: 6). Hierbei zeichnet sich ein Teufelskreis ab, da schlechtere Einkommens- und Wiedereinstiegsaussichten aufgrund von Vorurteilen gegenüber Frauen, die auf veralteten Rollenverständnissen beruhen, wiederum dazu führen, dass ihre Erwerbsneigung sinkt. Dieser Zustand ist ein Risikofaktor für den Modernisierungsprozess der Gesellschaft hinsichtlich ihrer Armutsprävention. Diese Faktoren führen zu horizontaler und vertikaler Arbeitsmarktsegregation und dazu, dass Lohnverhandlungen in frauentypischen Berufen schlechter bewertet werden als in männertypischen und dass Frauen ihre Erwerbstätigkeit im Vergleich zu Männern häufiger unterbrechen oder mindestens reduzieren. Dies wiederum führt zu ungleichen Einkommen zwischen den Geschlechtern (vgl. BMFSFJ 2009: 11).

Der Gender Pay Gap (GPG) bildet den Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen ab. Grundlage zur Berechnung des GPG ist der einfache Vergleich der Bruttolöhne von Männern und Frauen. Dazu werden die Löhne von Männern und Frauen mit denselben individuellen Merkmalen verglichen. Diese Merkmale sind

- Bildungsniveau in gleichen Berufen und Branchen und
- Beschäftigungsform in Form von Teilzeit, Vollzeit und geringfügiger Beschäftigung,
- Erwerbsunterbrechungen und
- Stundenlöhne der befragten Person.

Hierbei betont das BMFSFJ, dass die Art und Weise der Berechnung der Entgeltungleichheit unterschiedlich sein kann, da diese von Fragestellung und Datenquelle abhängt. Ferner hat das BMFSFJ selbst Bruttostundenlöhne betrachtet, da das Erkenntnisinteresse eine gerechte Entlohnung sein soll. Laut dem BMFSFJ, deren Angaben sich auf die Daten des Statistischen Bundesamtes und Eurostat stützen, verdienen Frauen europaweit durchschnittlich 17,4 Prozent und deutschlandweit 23 Prozent weniger als Männer (vgl. ebd.: 7; 10).

Eine besonders wichtige Determinante für den Verdienstabstand ist der Bildungsstand von Frauen. Noch immer wird angenommen, dass Frauen mit Kinderwunsch zu Beginn ihrer Erwerbsphase keine Bildungsanstrengungen unternehmen müssen, da sie aus familiären und kinderbedingten Gründen sowieso Erwerbsunterbrechungen einplanen. Daher besteht die weibliche Erwerbstätigkeit nicht darin, Berufswünsche- und Ziele zu realisieren, sondern fungiert lediglich als zusätzliches Einkommen zur Unterstützung der Haushaltskasse. Noch im Jahr 2006 war diese Annahme Realität: lediglich 26 Prozent der Frauen verfügten über einen tertiären Bildungsabschluss, hingegen 34 Prozent der Männer. Bei den jüngeren Generationen hingegen entwickelt sich die Tendenz ins Gegenteil: Mädchen stellten im Schuljahr 2005/ 2006 an Gymnasien einen Anteil von 54 Prozent, hingegen werden an den Hauptschulen zu 56 Prozent Jungen gelehrt. Somit erscheint die Verringerung der Entgeltungleichheit, sobald junge Frauen vertikale und horizontale Segregation des Arbeitsmarktes in erster Linie durch Bildung überwinden, als nicht abwegig (vgl.ebd.: 11 f.).

Obwohl Männer von Frauen bezüglich des Bildungsniveaus überholt werden, verdienen hochqualifizierte Frauen weniger als Männer: 2001 verdienten Frauen mit Hochschulabschluss durchschnittlich nur 88 Prozent des Einkommens der Männer mit derselben Qualifikation. Dabei handelt es sich insbesondere um eine horizontale Segregation aufgrund der fachlichen Schwerpunkte im Studium, da Männer in ihrer Wahl zu naturwissenschaftlichen und technischen, während Frauen tendenziell zu sprach- und kulturwissenschaftlichen Fächern neigen. Die Nachfrage nach ersterem ist auf dem Arbeitsmarkt häufiger und wird besser entlohnt. Dies zeigt sich in der Gesamtstatistik: mehr als 70 Prozent der Männer führen eine hochbezahlte Tätigkeit aus, hingegen lediglich 30 Prozent der Frauen, wie in Abbildung 2 zu sehen. Zudem sind gerademal 9,4 Prozent der Topverdiener in Deutschland Frauen (vgl. ebd.: 13). Doch wie wir aus dem obigen Kapitel wissen, sind laut struktur- und akteurstheoretischem Erklärungsansatz die Entscheidungen weitgehend von Erziehung, gesellschaftlichen Normen und Werten sowie Barrieren und Hindernissen determiniert. Die Wissenschaft geht von der These aus, dass Frauen statistisch diskriminiert werden, da angenommen wird, dass sie mit einer, im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen, geringen Wahrscheinlichkeit langfristig im Unternehmen tätig sein werden, obwohl in der Fluktuationsrate der Unternehmen kein statistischer Unterschied zwischen den Geschlechtern festgestellt werden konnte. Das erklärt, warum der Frauenanteil in Führungs- und Entscheidungspositionen sehr klein ist. Zusätzlich nimmt der Anteil der Frauen ab, je größer das Unternehmen und je höher die Hierarchieebene innerhalb des Unternehmens ist. Der Frauenanteil in Deutschlands Managerpositionen beträgt durchschnittlich 29 Prozent, davon haben gerade mal 42,8 Prozent Kinder- die mieseste Quote im europaweiten Vergleich. Daher ist durchaus ein Kausalzusammenhang zwischen Frauenberufstätigkeit und familiären Pflichten möglich. Abbildung 2 zeigt den geschlechtsspezifischen Vergleich von Top- und Niedrigverdienern. Topverdiener werden von Männern sehr stark überrepräsentiert, hingegen stellen Frauen insgesamt weniger als ein Drittel der Arbeitnehmer, aber mehr als die Hälfte der Niedrigverdiener (vgl. ebd.: 15 f.).

[...]


[1] mit Arbeitsvermögend der Frau sind ihre produktiven Fähigkeiten gemeint, die –unter Einfluss gesellschaftlich geltender Normen und Werte- tendenziell für familien- und haushaltsnahe Berufe geeignet sind. Dieser Erklärungsansatz steht unter starker feministischer Kritik, da zum Beispiel Büroberufe den prozentual höchsten Berufsbereich darstellen. Darüber hinaus haben sich viele ehemals männliche Berufe, wie Verkäufer und Büroberufe, in den letzten 3 Dekaden in frauentypische Berufe gewandelt (vgl. Willems- Herget 1985).

Details

Seiten
62
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783842809789
Dateigröße
4.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v228265
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Geisteswissenschaften, Soziologie
Note
1,0
Schlagworte
arbeitsmarkt einkommensunterschied deutschland schweden frauenerwerbsquote

Autor

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Titel: Geschlechtsspezifische Arbeitsmarktsegregation und Einkommensunterschiede: Theoretische Untersuchung und Regressionsanalyse der Situation in Deutschland und Schweden