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Euthanasie - Geschichtlicher Hintergrund und Alternativen für ein menschenwürdiges Sterben

Bachelorarbeit 2010 40 Seiten

Gesundheit - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Sterben und Tod im Wandel der Zeit
2.1 Sterben und Tod in der Vergangenheit
2.1 Sterben und Tod in der Gegenwart
2.2 Sterben und Tod in der Zukunft

3. Geschichte, Definition und Bedeutung des Begriffes Euthanasie
3.1 Begriffsgeschichte der Euthanasie in der Antike
3.2 Begriffsgeschichte der Euthanasie im Mittelalter
3.3 Begriffsgeschichte in der Aufklärung
3.4 Euthanasiegeschichte unter dem Naziregime

4. Euthanasie
4.1 Begriffsdefinitionen
4.2 Formen der Sterbehilfe
4.2.1 Reine Sterbehilfe
4.2.2 Passive Sterbehilfe
4.2.3 Aktive Sterbehilfe
4.2.4 Indirekte Sterbehilfe
4.2.5 Beihilfe zur Selbsttötung
4.3 Rechtliche Lagen in Österreich
4.3.1 Gesetze
4.3.2 Inhalte des neuen Patientenverfügungsgesetzes
4.4 Vergleich: Rechtliche Lage in Holland
4.4.1 Die Verantwortung des Arztes

5. Alternativen zur Euthanasie du ein menschenwürdiges Sterben
5.1 Würde des Menschen
5.2 Palliativmedizin und Begriffsdefinition
5.3 Geschichte der Hospizbewegung
5.4 Arten von Hospizen in Österreich
5.4.1 Ambulante/mobile Hospizdienste
5.4.2. Stationäre Hospizdienste
5.4.3 Tageshospiz
5.4.4 Palliativstationen

6. Verschiedene Standpunkte zur Sterbehilfe.
6.1 Der Standpunkt der katholischen Kirche
6.2 Der Standpunkt der Ärzteschaft
6.3 Der Standpunkt der Allgemeinheit

7. Diskussion um die aktive Sterbehilfe
7.1 Pro aktive Sterbehilfe
7.2 Contra aktive Sterbehilfe

Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In meiner vorliegenden Arbeit möchte ich mich mit dem Thema der Euthanasie auseinandersetzen. Mein Studium hat mich dazu angeregt, mich intensiv mit dem Sterben zu beschäftigen und Menschen, welche sich in ihrem letzten Lebensabschnitt befinden zu verstehen. Der Besuch im Albert Schweizer Hospiz, und auch mein Praktikum im Haus Elisabeth beweget mich dazu, geschichtliche Hintergründe der Euthanasie zu hinterfragen und die Veränderungen im Wandel der Zeit zu erkennen.

In meinem ersten Kapitel möchte ich mich mit dem Sterben und dem Tod im Wandel der Zeit auseinandersetzen, inwiefern Menschen in der Vergangenheit und der Gegenwart mit dem Sterben und dem Tod umgegangen sind und wie sie diese Begriffe möglicherweise in Zukunft handhaben werden.

Im zweiten Kapitel werde ich gezielt auf verschiedene Abschnitte der Geschichte der Euthanasie eingehen. Hier hinterfrage ich, wann die Euthanasie zu dem Begriff geworden ist, den wir heute darunter verstehen. Im dritten Kapitel geht es um den Begriff der Euthanasie, welche Definition er trägt und welche Formen sich heute daraus entwickelt haben. Des Weiteren empfinde ich es als wichtig, die rechtliche Lage in unserem Land, wo die Aktive Sterbehilfe untersagt ist, mit dem der rechtlichen Lage in den Niederlanden, wo sie seit 2001 legalisiert worden ist, zu vergleichen. In meinem vierten Kapitel geht es sich um Alternativen der aktiven Sterbehilfe in Österreich. Welche Angebote vorliegen und welche individuellen Bedürfnisse diese Alternativen für sterbende Menschen angeboten werden, um ihnen auch im letzten Abschnitt ihres Lebens Würde und Lebensqualität zu verschaffen. Im fünften Kapitel vergleiche ich verschiedene Standpunkte der Kirche, der Ärzteschaft und der Allgemeinheit. Und letztlich werde ich in meinem sechsten Kapitel über Vor- und Nachteile der aktiven Sterbehilfe diskutieren.

Meine Forschungsfragen lauten wie folgt:

1. Inwiefern haben sich Sterben und Tod im Wandel der Zeit und der Begriff der Euthanasie geschichtlich verändert?
2. Definition der Euthanasie, welche Formen es gibt und welche Alternativen in Österreich geboten werden?
3. Wie unterscheiden sich die verschiedenen Standpunkte bezogen auf die Sterbehilfe?
4. Was spricht für und gegen die aktive Sterbehilfe?

1. Sterben und Tod im Wandel der Zeit

1.1 Sterben und Tod in der Vergangenheit

Der Umgang mit dem Sterben und dem Tod hat sich im Laufe der Menschheitsgeschichte stetig gewandelt. Es herrschte bis zum frühen Mittelalter ein völlig selbstverständlicher als auch angstfreier Umgang mit dem Tod vor. Zu dieser Zeit war die Angst vor einer möglichen Verdammnis kaum vorhanden, auch der Glaube an ein unmittelbar auf den Tod folgendes göttliches Gericht war nicht ausgeprägt. Die Menschen haben meist ihr sehr hartes Leben ertragen, in Erwartung auf ein besseres Dasein im Jenseits, zu welchem der Tod das Tor zu sein schien.

Die Bedeutung der kirchlichen Lehre von der Spaltung des jenseits in Himmel und Hölle nahm im 12. Jahrhundert zu. Zugleich wuchs auch die Angst der Menschen vor dem Tod als Zeitpunkt der göttlichen Gerichtsbarkeit. Dadurch kam es vermehrt zu einer Bekehrung auf dem Totenbett, testamentarischen Festlegung von Seelenmessen u.a.m. neben der Entwicklung feststehender Sterbesakramente, zu welchen auch die letzte Ölung zählte, nahmen die Trauer- und Begräbnisritualen stetig zu. Grund dafür war der Glaube, dass die Lebenden die Zeit der Toten im Fegefeuer durch Gebete und andere Aktivitäten verkürzten konnten. Im folgenden Jahrhundert kam es dann zu einer tiefgreifenden sozioökonomischen Veränderung: das Aufblühen der Städte, Zunahme der Mobilität, Gründung erste Universitäten, stärkere berufliche Differenzierung usw. Im diesen Jahrhundert kam es durch diese Individualisierungen sowie schwere Bevölkerungsverluste aufgrund von Seuchen, Kriegen und Hunger zu einer starken Todesfixierung, welche sich erst im 16. Jahrhundert wieder abschwächte. Während des 16. Jahrhundert entstand ein Todesbild, welches den Tod nicht mehr als Übergang in eine andere Welt betrachtete, sondern vielmehr das Ende des irdischen Lebens. Die Kirche versuchte im Zuge der Reformation und der Gegenreformation erfolgreich, ihren Zugriff auf die Menschen zu verstärken. Die Rückkehr der Pest und der Dreißigjährige Krieg taten dazu ihr Übriges (vgl. Beutel et al. 1989, S. 40-45)

Im 17. Jahrhundert entwickelte sich ein prunkvoller aber auch verstärkter Todesbereich. Das ganze Leben wurde nach religiösen Richtlinien geführt und die Möglichkeit des Todes und damit das göttlichen Gerichts war permanent präsent.

Im 18. Jahrhundert herrschte in den Intellektuellen Kreisen die Skepsis gegenüber den christlichen Glaubensvorstellungen vor und verbreitete sich sehr schnell auch auf das gesamte Bürgertum aus. In der Zeit der Aufklärung kam es verstärkt zu einer Einschränkung des Einflussbereiches der Kirche, was letztlich zu einer Abkehr von bisher vorherrschenden Sterbe- und Begräbnisritualen führte. Schon Mitte des 18. Jahrhunderts war ein deutlicher Verlust traditionellen Brauchtums bemerkbar. Dies ging mit einem deutlichen Desinteresse der Menschen an der Gestaltung der Grabstätte einher. Die Gräber waren meist schlicht gehalten und verwahrlosten in den meisten Fällen sehr schnell. Ende des 18. Jahrhunderts kam es zu einer Entfernung der Toten aus den Städten, da es zu vermehrten Kritiken an den Bedingungen städtischer Friedhöfe kam (vgl. Blumenthal 1997, S. 33 – 34).

Im 19. Jahrhundert gab es einschneidende Veränderungen im Umgang mit dem Sterben und dem Tod. War der Umgang mit den Toten ursprünglich eine private Angelegenheit der Familie und der Gemeindemitglieder, wurde es nun dem Einflussbereich der Familie und der Kirche teilweise entzogen und an professionelle Stellen übertragen. Der gesellschaftliche Fortschritt und die daraus resultierenden Verbesserungen der Lebensbedingungen für die Bevölkerung ließen ein neues Verständnis entstehen: Der Tod wurde nun nicht mehr als Teil eines Lebens betrachtet, sondern als dessen Feind.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert wurden die traditionelle und christliche Gedankenkonstrukte immer mehr von naturwissenschaftlichen Überlegungen relativiert. Nun wurde der Tod als etwas Natürliches angesehen. Doch herrschte neben dieser naturalistischen, grausamen Betrachtungsweise des Todes noch eine romantische, verklärte Sichtweise vor. Die Verdingung von Eros und Thanatos wurde in dieser Zeit zu einem zentralen Thema des Kunsthandwerks. Dadurch wurden die Begräbnisse und der Totenkult wieder aufwendiger. Besonders das Bürgertum versuchte sich durch sehr aufwendige Begräbnisse, Grabstätten und Rituale von den unteren Klassen abzusetzen. Diese Säkularisierung des Todesbewusstseins verstärkte sich im Laufe der Zeit weiter (vgl. Blumanthal 1997, S. 35 – 39).

Insgesamt betrachtet lässt sich feststellen, dass die Sterbe- und Begräbnisrituale sehr eng mit der materiellen und kulturellen Stabilität einer Gesellschaft verbunden sind. Scheint die Gesellschaft durch äußere oder innere Einflüsse bedroht, sind die Rituale sehr aufwendig und gewinnen für die Mitglieder der Gesellschaft an Bedeutung. Ist die Gesellschaft jedoch relativ stabil, ist eine deutliche Verringerung der Aufwendigkeit und der Bedeutung der Rituale zu verzeichnen.

2.2 Sterben und Tod in der Gegenwart

Die meisten Menschen verstarben bis zum Beginn des 20. Jahrhundert in ihrer Familie und innerhalb der Gemeinschaft, welcher sie ein Leben lang angehört hatten. Die Betreuung der Sterbenden sowie die Leichentoilette, die Totenwache und das Begräbnis gehörten daher zu den gewohnten Aufgaben eines jeden Individuums. Doch mit der Industrialisierung ging auch die Urbanisierung einher, welche dazu führte, dass die Familien aus den unterschiedlichsten Gründen auseinander gingen (Arbeitsplatz, steigende Scheidungsraten etc.). Zusätzlich kamen der Mangel an Zeit sowie die herrschende Arbeits- und Wohnsituation, welche die Betreuung eines Sterbenden in der Familie unmöglich machten. Das Sterben wurde daher aus der Familie in die Institutionen verlagert. Im Jahre 1975 war in Europa für einen Großteil der Menschen in den Städten des Krankenhaus oder des Altenheim der Sterbeort. In unseren Kulturkreisen ist für die meisten Menschen die direkte Begegnung mit den Sterbenden eher die Ausnahme geworden und der Umgang mit dem Sterben hat so nichts mehr Selbstverständliches mehr an sich (vgl. Blumenthal 1997, S: 15 -20).

So wurde über viele Generationen hinweg die Pflege und der Umgang mit Sterbenden und den Toten verlernt. Folge davon war und ist eine totale Tabuisierung dieser Thematik. Es ist in der heutigen Zeit durchaus möglich und auch gebräuchlich, die reale Bedeutung von Sterben und Tod zu verdrängen und ihre Auswirkungen auf das menschliche Leben zu missachten. Im Gegensatz zu der Tatsache, dass das Sterben nur noch selten und unmittelbar erlebt wird, ist die permanente Vermittlung für einen Großteil der Menschen eine fiktive Auseinandersetzung. Hinsichtlich der Ursachen veränderte sich das Sterben der Menschen: bis zum 19. Jahrhundert dominierten Infektionskrankheiten, welche aufgrund fehlender als auch mangelhafter Behandlungsmöglichkeiten meist zu einem kurzen Sterbeprozess führten. Durch den Fortschritt im medizinischen Bereich kamen anstelle der raschen zum Tod führenden Infektionskrankheiten die chronischen und degenerativen Erkrankungen, welche einen langen Sterbeprozess zur Folge hatten. Durch die Veränderung des Sterbens und die Tatsache, dass die Entwicklung kaum Niederschlag in der ärztlichen Aus- und Weiterbildung fand, führte dies zu einer Angstverstärkung bei den Menschen. Zwischen 1950 und 1960 setzte in ein paar europäischen Staaten ein vorsichtiges Umdenken dieser Problematik ein. Die Forderung nach der sogenannten „death education“ wurde laut. 1967 erfolgte die Gründungdes ersten Hospizes in London durch Cicely Saunders. Seit 1975 wurde in allen Universitäten der Vereinigten Staaten „death education“ gelehrt. Kay Blumenthal - Barby übersetzte schließlich den Begriff in „Sterbeaufklärung“ um. Trotz dieser Ansätze findet man in der heutigen Zeit weiterhin eine Missachtung der Bedeutung des Sterbeprozesses für das Leben vor. Auch trifft man nach wie vor allem an den Orten der größten Wahrscheinlichkeit von Sterben und Tod, wie in Krankenhäusern und Altenheimen, eine völlig inakzeptable Haltung zu diesem Lebensabschnitt an.

Die unaufhaltsamen Fortschritte der Medizin haben oft negative Folgeerscheinungen, wie etwa die Entmenschlichung und Verlängerung des Sterbens. Auch die Rolle der Familie und der Gemeinschaft ist fast völlig verloren gegangen und durch die Veränderung des sozialen Gefüges kam es zu weiteren Verschiebungen der Zuständigkeit. Daher hat sich die Angst vor dem Sterben und den Tod stetig vergrößert, was falsche oder fehlende Werte der säkularisierten Gesellschaft noch verstärkt haben (Blumenthal 1997, S. 20 -36).

4.3 Sterben und Tod in der Zukunft

In den letzten Jahrzehnten setzte in Österreich eine Bevölkerungsentwicklung ein, welche von verschiedenen Stelle als sehr kritisch und angstvoll beobachtet wird: Ähnelte die Bevölkerungspyramide um 1900 noch einem Tannenbaum, so ist davon auszugehen, dass diese Pyramide in den nächsten 20 Jahren eher einem Pilz ähneln wird. Dies hat zur Folge, dass weiterhin ein permanentes Geburtsdefizit sowie ein starker Sterbeüberschuss bestehen bleiben. Somit geht eine fortscheitende Alterung der Bevölkerung einher. Durch den forcierten medizinischen Fortschritt könnte dies noch verstärkt werden, welcher die Lebensdauer der Menschen stetig erhöht. Doch wie bereits vorher beschrieben: die Familien und Gemeinschaften mussten erhebliche Funktionsverluste hinnehmen, welche womöglich zukünftig aufgrund wirtschaftlicher, kultureller und sozialer Bedingungen weiter verstärkt werden während die Pensionisten weiterhin vorrangig allein bzw. in altersgerechten Einrichtungen wie Altenheimen, betreutem Wohnen etc. leben. Somit wird auch ihr Sterben in solchen Institutionen oder auch im Krankenhaus vollzogen. So muss es gerade in diesen Institutionen zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit der Thematik Sterben und Tod kommen. Das Sterben in öffentlichen Institutionen darf nicht mehr tabuisiert und verdrängt werden. Es ist eine akzeptable und annehmende Haltung erforderlich, dass den Menschen auch im Sterben ihre Würde erhalten bleibt. Es ist zu hoffen, dass aufgrund der Bestrebungen vielfältiger Organisationen diese Veränderungen im Laufe der Zeit vollzogen werden.

Allgemein wird heute von einer Zunahme der unheilbaren Krebserkrankung von etwa 30 bis 40 % bis zum Jahr 2011 ausgegangen (vgl. Husebo et al. 1997, S. 184). Somit wird das den Bedarf an palliativmedizinischen Versorgungen weiter erhöhen und somit zu einer Verschiebung der Prioritäten des etablierten Gesundheitswesens führen. Ziel des Gesundheitssystems ist nach wie vor, Krankheit zu bekämpfen und Gesundheit herzustellen. Ärzte und Krankenschwestern als auch Krankenpfleger sehen sich ausschließlich in der Rolle des Helfers, der dieses Ziel zu unterstützen und zu fördern hat. Bei unheilbar Erkrankten ist dies nicht möglich. Es ist unumgänglich, an diesem Punkt anzusetzen und neue Konzepte im Gesundheitswesen zu entwickeln; Konzepte, welche speziell auf die Bedürfnisse unheilbar erkrankter und sterbender Menschen eingehen.

Es wird wahrscheinlich auch zu einer Zunahme von stationären und ambulanten Hospizen kommen, welche Sterbende sowie deren Angehörige auf ihrem letzten Weg begleiten und unterstützen. Diese Entwicklung zeichnete sich in den letzten Jahren deutlich an.

Nach wie vor ist es strittig, ob es zu einer Legalisierung der aktiven Sterbehilfe in Österreich kommen wird, wie es im April 2001 in den Niederladen geschehen ist.

Das IMAS- international, Institut für Markt-und Sozialanalysen GmbH, führte 2001 eine persönliche Umfrage in Österreich zu dem Thema Sterbehilfe, mit 1000 Personen ab dem sechzehnten Lebensjahr, durch. Dies wurde 2006 mit den repräsentativen Kriterien erneut wiederholt. Es wurden zwei Fragen gestellt:

1. Frage: "In Holland wurde kürzlich ein Gesetz erlassen, wonach Ärzte in ganz bestimmten Fällen für schwerkranke Menschen, die keine Chance mehr zum Überleben haben und große Schmerzen erdulden müssen, eine so genannte Sterbehilfe leisten dürfen. Das heißt, dass das Leben solcher Menschen auf deren eigenen Wunsch verkürzt werden darf. Haben Sie davon gehört / gelesen, oder hören Sie das jetzt zum ersten Mal?" (vgl. www.imas.at 2007, S. 2). 2001 antworteten 70% der Befragten, dass sie davon gehört haben. 2006 waren es schon 81%.
2. Frage: "Sind Sie persönlich dafür oder dagegen, dass unheilbar Kranken und schwer leidenden Menschen der Wunsch zum Sterben erfüllt wird?" (vgl. www.imas.at, 2007, S. 2) 2001 sprachen sich 49% für die Sterbehilfe, 26% dagegen aus und 25% waren unentschlossen. 2006 waren ebenfalls 49% dafür, 25% dagegen und 26% unentschieden.

Wenn diese Meinung in dieser Form in der Bevölkerung präsent bleibt, wird sie zukünftig ihren Niederschlag in den entsprechenden Gesetzesänderungen finden, auch wenn sich die entsprechenden Stellen bis dato strikt gegen die Legalisierung der aktiven Euthanasie aussprechen. Es ist erforderlich, dass das Sterben wieder zu einem Teil des Lebens wird. Bereits erwähnte Veränderungen in öffentlichen Institutionen wie Krankenhäusern und Altenheimen können einen wesentlichen Teil dazu beitragen, als auch der Ausbau der ambulanten und stationären Hospize. Doch vor allem ist die Enttabuisierung von Sterben und Tod notwendig. Mit einer öffentlichen Auseinandersetzung dieses Themas konnte es zu einem Angstabbau als auch zu einer Einstellungsänderung bezüglich des Lebensendes in der Bevölkerung führen. Diese könnte letztendlich zu einer Entstehung einer neuen Sterbekultur führen, welche wir dringend benötigen.

3. Geschichte, Definition und Bedeutung des Begriffes Euthanasie

3.1 Begriffsgeschichte der Euthanasie in der Antike

Die Euthanasie hat ihre historischen Wurzeln in der griechischen Antike. Dieser „Begriff wurde schon in der Antike mehrdeutig verwendet und konnte schon in verschiedenste Kontexte eingesetzt werden. Gemeinsam ist jedoch allen Stellen, dass der „gute Tod“ sich immer auf die Perspektiven des betroffenen Subjekts bezog […] Insbesondere wurde der Begriff nicht im medizinischen Kontext – etwa in Bezug auf die Handlung eines Arztes - gebraucht. Wichtiger vielleicht als diese Befunde ist, dass „euthanasia“ und verwandte Bildungen in den antiken Texten nahezu durchgängig ein Wunschbild und nicht etwa einen „wirklichen“ Tod […] umschrieben“ (Benzenhöfer 1997, S. 760).

Den ersten Beweis findet man beim griechischen Komödiendichter Krations etwas 500 – 420 v.Chr., wobei das Adverb „euthanatos“ verwendet wird. Hier wird im Gegensatz zum todkranken und schwer krank sterbenden der „gute Tod“ als „leichter Tod“, als ein Tod ohne vorhergehende „lange Krankheit“ wohl auch als schnelles Sterben bezeichnet (vgl. Oduncu 2007, S. 23).

Circa um 300 v. Chr. scheint zum ersten Mal das Substantiv „euthanasia“ in einer Komödie von Myrmex des Dichtern Poseidippos auf. Wie bei Krations wird hier der „gute Tod“ ebenfalls als leichter Tod verwendet. Diese Wortbildung lässt sich auch später bei den Philosophen und Historikern finden.

200 – 115 v. Chr. wird der „Euthanasiebegriff“ im Sinne eines rechten beziehungsweise würdigen Todes bezeichnet, vom hellenistischen Historiker Polybios: „In dieser Lage und voll schlimmster Erwartungen für das, was ihm bevorstand, entschloss er sich, das Äußerste zu wagen, nicht als ob er auf ein Gelingen gehofft hätte – denn die Aussichten waren in der Tag gering-, vielmehr wünschte er, einen ehrenvollen Tod zu finden und nichts erdulden zu müssen, was seiner und seiner tapferen Taten unwürdig wäre, wohl auch, so scheint mir, weil ihm, wie es bei den Männern hohen Sinnes der Fall ist, jene Verse als Wahlspruch vor Augen standen. Doch nicht kampflos will ich noch ruhmlos finden mein Ende // sondern nach mutiger Tat, von der einst die Enkel noch künden“ (zitiert nach Benzenhöfer 1997, S. 761).

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Details

Seiten
40
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783842809215
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v228248
Institution / Hochschule
Medizinische Universität Graz – Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Gesundheits- und Pflegewissenschaft
Note
1
Schlagworte
euthanasie sterbehilfe geschichte

Autor

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Titel: Euthanasie - Geschichtlicher Hintergrund und Alternativen für ein menschenwürdiges Sterben