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Adipositasprävention im Kindes- und Jugendalter

Bachelorarbeit 2010 35 Seiten

Gesundheitswissenschaften

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition und Klassifikation
2.1 Definition
2.2 Klassifikation
2.2.1 Klassifikation bei einem Erwachsenen
2.2.2 Fettverteilungsmuster
2.2.3 Klassifikation bei Kindern

3. Epidemiologie

4. Ätiologie
4.1 Genetische Faktoren
4.1.1 Adoptionsstudien
4.1.2 Zwillingsstudien
4.2 Psychische und Psychosoziale Faktoren
4.3 Umgebungsfaktoren - körperlichen Aktivität
4.4 Ernährungsverhalten
4.4.1 Quantitative Nahrungsaufnahme
4.4.2 Qualitative Nahrungsaufnahme

5. Gesundheitliche Auswirkungen
5.1 Vorhersagewert für die Adipositas im Erwachsenenalter
5.2 Medizinische Folgen
5.3 Seelische Folgen

6. Prävention
6.1 Was ist Prävention?
6.2 Adipositasprävention
6.3 Geeignete Zeiträume für die Prävention
6.4 Settings
6.5 Setting Schule
6.5.1 Themen der Schulung
6.5.2 Psychosoziale Themen der Schulung
6.6 Beispiel „PRESTO“
6.7 Beispiel „CHILT“

7. Schlussfolgerung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In den westlichen Industrienationen ist Übergewicht und Adipositas ein weit verbreitetes Problem. Die Zahl der Neuerkrankungen steigt jährlich an. Besonders die steigende Prävalenz von Adipositas im Kindes- und Jugendalter ist besorgniserregend. Übergewicht war vor einigen Jahren ein Problem, welches überwiegend Erwachsene betroffen hat, doch heute leiden inzwischen immer mehr Kinder unter Adipositas und den physischen und psychischen Folgen.

Aufgrund der steigenden Zahlen und den psychosozialen und somatischen Begleiterkrankungen, wird gefordert, Maßnahmen zu ergreifen, die bei Betroffenen eine Gewichtsnormalisierung ermöglichen und Adipositas bei der Bevölkerung vorbeugen.

Jedoch kann man aus bisher veröffentlichten Studienergebnissen keine ausreichende Evidenz für eine langfristige Wirksamkeit von Prävention im Kindes und Jugendalter ableiten. Doch solange keine ausreichenden Daten vorliegen, sollte ein Konsens über Mindestkriterien für die Qualität und Ausrichtung der Gewichtsnormalisierungsprogramme getroffen werden.

In meiner vorliegenden Arbeit setze ich mich mit dem Thema Adipositasprävention im Kindes und Jugendalter auseinander. Bevor ich mit dem Hauptteil meiner Arbeit beginne, möchte ich mich zuerst mit der Definition, Klassifikation Epidemiologie und der Ätiologie bei Kindern und Jugendlichen auseinandersetzen. Im Anschluss gehe ich auf die möglichen gesundheitlichen Auswirkungen einer Adipositas ein, wo ich erklären werde welche medizinische-, seelischen- und Langzeitfolgen eine Adipositas mit sich bringen kann. Im Hauptteil meiner Arbeit beschäftige ich mich mit dem Thema Prävention, wo ich die Prävention zuerst im Allgemeinen erläutern werde. Ich habe mich besonders mit dem Setting in Schulen auseinander gesetzt und versuche im Anschluss anhand zwei Beispiele die Adipositasprävention in Schulen zu verdeutlichen.

2. Definition und Klassifikation

Die Begriffe Adipositas und Übergewicht werden meistens synonym verwendet, obwohl sie aus medizinischer Schicht nicht korrekt ist und daher eine saubere Trennung erfolgen sollte.

2.1 Definition:

Man spricht von Übergewicht, wenn im Vergleich zur Körpergröße ein zu hohes Körpergewicht vorliegt.

Eine Adipositas liegt dann vor, wenn der Körperfettanteil gemessen an der Gesamtkörpergewicht zu hoch ist (vgl. Lehrke und Laessle 2009, S. 3).

Diese Definition der Adipositas erfordert einerseits die Bestimmung der Fettmasse und andererseits muss eine Festlegung erfolgen, ab welchem Ausmaß eine erhöhte Fettmasse vorliegt. Dies ist durch eine aufwendige und kostspieligen Methode möglich (vgl. Wabitsch et al., 2005, S.4).

2.2 Klassifikation

2.2.1 Klassifikation bei einem Erwachsenen

Um zu erkennen ob man Unter-, Normal-, oder Übergewicht hat, lässt sich durch verschiedenste Methoden Aufschluss geben. Die einfachste Methode ist die Errechnung des Body-Maß-Index kurz auch BMI genannt. Der Body- Maß Index gibt das Verhältnis zwischen Körpergröße und Körpergewicht an und wird folgend berechnet:

BMI= Körpergewicht (kg)/ Körpergröße ( in cm) zum Quadrat

Bei den Erwachsenen liegen feste Grenzwerte zur Beurteilung des BMI vor:

Man spricht von Normalgewicht wenn der berechnet Wert sich zwischen 20 und 24,9 befindet. Leichtes Übergewicht oder auch Präadipositas liegt bei einem BMI zwischen 25 und 29,9. Von Adipositas ist dann die Rede, wenn der errechnete BMI über 30 ergibt (vgl. Hofmann/Carlsson 2006, S. 13).

2.2.1.1 Fettverteilungsmuster

Bei der Klassifikation sollte auch das Fettverteilungsmuster berücksichtigt werden, welches sich aber erst am Ende der Pubertät manifestiert. Man unterscheidet zwischen zwei Arten von Typen.

a. Gynoide Form

ist die weibliche Form, des Fettverteilungsmusters. Das Fettgewebe lagert sich vor allem an den Hüften und den Oberschenkel fest und ist vergleichbar mit einer Birnenform.

b. Androide Form

ist vermehrt bei Männern in der Bauchregion vorzufinden. Diese Form nennt man auch Apfelform, und stellt ein erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen dar.

Durch das Verhältnis zwischen Taille- und Hüftumfang auch Waist to- hip ratio, kurz WHR genannt kann eine grobe Einschätzung des Fettverteilungsmusters erfolgen (vgl. Lehrke und Laessle 2009, S.6).

2.2.2 Klassifikation bei Kindern

Die oben genannten BMI- Grenzwerte der Erwachsenen können bei Kindern und Jugendlichen nicht angewendet werden. Im deutschsprachigen Raum werden bis zu einem Alter von achtzehn Jahren, alters- und geschlechtsspezifische BMI - Perzentile angewandt, die von der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) empfohlen werden (vgl. Erster österreichischer Adipositasbericht, 2006, S. 41).

Auch bei den BMI – Perzentilen unterteilt man es wie bei den Erwachsenen: Ist der Wert < 9 besteht Untergewicht, Normalgewicht liegt zwischen einem Wert von 10 und 90, bei einem BMI > 90. Perzentile spricht man von Übergewicht, ab einem BMI > 97. Perzentile handelt es sich um Adipositas und bei einem BMI > 99,5. Perzentile um eine extremen Art der Adipositas (Vgl. Illing/ Claßen, 2006, S. 212).

Um die Perzentile zu berechnen wird die LMS-Methode genutzt, welche die Verteilung des BMI in Bezug auf das Alter in 3 Parameter unterteilt:

- die Box-Cox-Powertransformation (Lambda = L)
- den Median (M) und
- den Variationskoeffizienten (Sigma = S).

Nach Ermittlung der 3 Parameter M(t), L(t) und S(t) in einem bestimmten Alter (t) können die Perzentile durch folgende Formel berechnet werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zα ist der Z-Score der Standardnormalverteilung (z.B. α=97%, zα=1,881; α=90%, zα=1,282) (Vgl. Kromeyer-Hauschild, 2005, S. 5).

3. Epidemiologie

Die Epidemiologie befasst sich damit, wie oft Erkrankungen in der Bevölkerung vor kommen. Sie zeigt die Gründe verschiedener Krankheitshäufigkeiten in diversen

Populationen auf, gibt aber keine Auskunft über die Krankheitsursachen bei

Menschen. Die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas im Kindesalter ist weltweit steigend. Kinder aus einem sozial schwachen Umfeld, sprich aus der Unterschicht, trifft es in den Industrieländern am häufigsten. Die Schichtzugehörigkeit spielt also eine bedeutende Rolle. In den Ländern der Dritten Welt ist es genau umgekehrt, dort sind es Kinder der sich neu etablierten, an der westlichen Lebensart ausgerichteten Mittel- und Oberschicht (Wabitsch u. a. 2005, S. 17).

Zurzeit sind zwischen 10 und 20 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland und Österreich übergewichtig, 4 bis 8 % von ihnen fallen bereits in den Bereich der Adpositas (Wabitsch u.a. 2005, S. 12). In Österreich sind 10-29% der Burschen und

6-42% der Mädchen übergewichtig, 5-11% der Burschen und 3-4% der Mädchen sind adipös. Burschen sind also anders als bei den Erwachsenen in fast allen der verfügbaren Untersuchungen stärker betroffen. Weltweit liegt bei 22 Millionen Kindern unter 5 Jahren eine Adipositas vor, das ist eine Prävalenz von 3,6%. „Starke“ 155 Millionen unter den 5-17-jährigen Kindern und Jugendlichen sind übergewichtig und davon sind 30-45 Millionen adipös. Betrachtet man diese Prävalenzen so kommt man auf 7,3% und 2,7%, wobei Amerika und Europa zu den Regionen mit den höchsten Häufigkeiten gehören. Diese Angaben sind mit Vorsicht zu betrachten, da sie Schwächen und Limitierungen wie beispielsweise eine fehlende Repräsentativität aufweisen. Die Daten sprechen aber meiner Meinung nach, alleine durch den Public-Health-Aspekt, für sich. Demnach hat weltweit jedes 10. schulpflichtige Kind Übergewicht oder Adipositas. In Österreich zeigt sich ein Ost- West-Gefälle, das heißt EinwohnerInnen östlicher Bundesländer weisen häufiger Adipositas auf (http://www.adipositasaustria.org/pdf/3031_AMZ_Adipositas_3108_final.pdf). Die Zahl übergewichtiger und adipöser Menschen ist bei den älteren höher als bei den jüngeren Altersgruppen. Besonders in den letzten Jahren ist die Zahl der übergewichtigen und adipösen Kindern und Jugendlichen stark angestiegen. Doch nicht nur die Häufigkeit ist gestiegen, Hinweisen zufolge hat auch das Körpergewicht adipöser Kinder stark zugenommen. Die Prävalenz von Übergewicht ist bei ausländischen Kindern doppelt so hoch wie bei deutschen Kindern, zeigen derzeitige Ergebnisse von Eingangsschuluntersuchungen (Wabitsch u.a. 2005, S. 12-13). Wie man nur unschwer erkennen kann ist Adipositas zu einem schwerwiegenden Gesundheitsproblem herangewachsen. Sofern dem linear steigenden Trend der „Epidemie des 21. Jahrhunderts“ Glauben geschenkt wird, hat bis zum Jahr 2040 jede/-r Zweite einen BMI > 30 kg/m2 (http://www.adipositas- austria.org/pdf/3031_AMZ_Adipositas_3108_final.pdf).

4. Ätiologie

4.1 Genetische Faktoren

In den letzten Jahrzehnten stieg die Prävalenz der Adipositas, bei den Erwachsenen als auch bei den Kindern sehr stark an. Studien welche sich mit der Genetik befassen, widerlegen eine hohe Erblichkeit des Körpergewichtes (vgl. Wirth 2008, S. 67). Das Risiko, dass Kinder von übergewichtigen Eltern, im späteren Leben selber übergewichtig werden, ist um ein mehrfaches höher als bei schlanken Eltern (vgl. Grau 2003, S. 20). Es spricht viel dafür, dass über Jahrhunderte eine genetische Selektion stattgefunden hat, welche eine Veranlagung zur Speicherung von Fetten bevorzugt, um einen Menschen auf das Überleben bei Nahrungsknappheit und Hungersnöten vorzubereiten. Doch wenn wir das Nahrungsangebot in der westlichen Welt betrachten, erscheint diese genetische Ausstattung jedoch dysfunktional (vgl. Hilbert et. al 2006, S. 21).

4.1.1 Adoptionsstudien

1986 konnte man anhand einer Studie mit 540 inzwischen erwachsenen Adoptivkindern, welche aus einem dänischen Adoptionsregister ausgewählt wurden, einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Body-Maß-Index der erwachsenen Kinder mit dem der biologischen, aber nicht mit dem der Adoptiveltern erkennen. Es gilt also für die meisten Fälle, je höher das Gewicht des Kindes, desto höher ist das Gewicht der biologischen Eltern (vgl. Grau 2003, S.21).

4.1.2 Zwillingsstudien

Bei dieser Art von Studie wurden Untersuchungen mit mehr als 100 getrennt aufgewachsene eineiige Zwillingspaare durchgeführt. Diese Zwillinge waren größtenteils in den ersten Lebensmonaten voneinander getrennt worden. Auf Hinblick des Körpergewichtes wurden keinerlei Unterschiede zwischen den getrennt und den gemeinsam aufgewachsenen eineiigen Zwillingen nachgewiesen. Dies hat zur Folge, dass sich eineiige Zwillinge, unabhängig davon, ob sie gemeinsam oder getrennt voneinander aufwachsen, sich in ihrem Körpergewicht sehr ähnlich sind. Dadurch zeigt sich, dass das Körpergewicht im hohen Maße von einer genetischen Disposition bestimmt wird (vgl. Grau 2003, S.22).

[...]

Details

Seiten
35
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783842809208
Dateigröße
584 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v228247
Institution / Hochschule
Medizinische Universität Graz – Sozialmedizin, Gesundheits- und Pflegewissenschaft
Note
2
Schlagworte
adipositas prävention kind fettleibigkeit ernährung

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Titel: Adipositasprävention im Kindes- und Jugendalter