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Sport und Medizin in der griechisch-römischen Antike

Diplomarbeit 1983 65 Seiten

Gesundheit - Sport - Sonstiges

Leseprobe

INHALT

0. EINLEITUNG

1. BEGRIFFSERLÄUTERUNGEN
1.1. Athletik
1.2. Gymnastik und Gymnast
1.3. Paidotrib

2. DIE BEDEUTUNG DER KÖRPERLICHEN ERZIEHUNG IN DER GRIECHISCHEN UND IN DER RÖMISCHEN WELT

3. ZUR ENTWICKLUNG DER ANTIKEN MEDIZIN
3.1. Antike Ärzteschulen
3.2. Arzt und Gesellschaft

4. SPORT UND MEDIZIN
4.1. Gymnastik, Iatrik, Diätetik und Hygiene
4.1.1. Der Streit zwischen Paidotriben und Gymnasten
4.2. Ansätze einer Trainingslehre
4.2.1. Motorische Beanspruchungsformen
4.2.2. „Bewegung“ und „Übung“ bei Galen
4.2.3. Trainer und Trainingsmethoden
4.3. Medizinische Erkenntnisse im Dienste des Sports
4.3.1. Massage
4.3.2. Bäder
4.3.3. Ernährung der Athleten
4.3.4. Sportschäden, Sportverletzungen und Überanstrengung
4.3.5. Sport und Geschlechtsverkehr
4.4. Der Athlet als Abweichung von der Norm
4.5. Sport im Dienste medizinischer Therapie
4.5.1. Heilgymnastik

5. SCHLUSSBEMERKUNG

6. ANMERKUNGEN

7. LITERATURVERZEICHNIS

0. EINLEITUNG

Mit der Bearbeitung des Themas „Sport und Medizin in der griechisch-römischen Antike“ ist naturgemäß die Behandlung einer Vielzahl thematisch breitgestreuter Einzelkomplexe verbunden, u. a. die Entwicklung der Medizin, die Bedeutung der Leibesübungen in der Antike, das Aufkommen der Diätetik als gemeinsamem Wirkungsbereich von Medizin und Sport, die Untersuchung damals bekannter Trainingsgrundlagen und –methoden sowie der Einsatz von Leibesübungen in der medizinischen Therapie.

Aufgrund der Komplexität des Themas konnte und sollte es nicht Ziel dieser Arbeit sein, jeden Bereich auf das Ausführlichste zu behandeln; vielmehr war es meine Absicht, ein Handbuch zu erstellen, mit dessen Hilfe sich der Leser über die „sportmedizinischen“ Erkenntnisse der Antike und ihre Anwendung in der Praxis orientieren kann.

Wie bei allen Untersuchungen im Bereich der Antike ist die Verwendung moderner Fachbegriffe nicht unproblematisch, da die mit diesen verbundenen Vorstellungen nicht immer ohne weiteres auf antike Sachverhalte übertragbar sind. Ich habe mich daher, wo immer es erforderlich war, bemüht, auf die unterschiedlichen Bedeutungen und Bedeutungs-schwerpunkte bei der Anwendung von Fachausdrücken hinzuweisen, um das Verständnis zu gewährleisten.

1. BEGRIFFSERLÄUTERUNGEN

Die Begriffe Athletik und Gymnastik bzw. Gymnast und Paidotrib sind in der Literatur schon oft definiert worden. Ich halte mich im Folgenden eng an die Festlegungen von Julius JÜTHNER 1

1.1 Athletik und Athlet

Der Begriff Athletik leitet sich ab von dem Grundwort άεθλος/άθλος, das von Homer in dem ursprünglichen Sinn „Anstrengung, Arbeit, Leistung, Tat“ verwandt wurde. Da in den Werken Homers körperliche Anstrengung wettkampfmäßig ausgeführt wurde, erhielt das Wort die Bedeutung „Wettkampf“. Durch die herausragende Stellung der Leibesübungen im Leben der Griechen wurde die Bezeichnung hauptsächlich im Zusammenhang mit Sport angewandt. Ein Mann, der sich auf Leibesübungen verstand und an Wettkämpfen teilnehmen konnte, war ein Athlet (άθλητήϛ). Von dem Adjektiv athletisch (άθλητιϞόϛ) entwickelte sich der heute gebräuchliche Begriff Athletik. Die Griechen selbst kannten diesen abstrakten Terminus nicht, erst die Römer sprachen von einer ars athletica.

In dieser Arbeit wird der Ausdruck Athlet weitgehend für den Leistungs- und Berufssportler verwendet.

1.2. Gymnastik und Gymnast

Diese Bezeichnung Gymnastik entstand dagegen erst im 5. Jhd. v. Chr. und leitet sich ab von nackt γ). Unter Gymnastik (γυμναστιϞή [ήέχνη]) verstand man die Trainierkunst, die Kunst der Leibesübungen. Mit Gymnastik wurde aber auch die „Pflege der Gesunden“ und die „Iatrik (Medizin) für die Leidenden“, also ein medizinischer Aspekt der Leibesübungen, bezeichnet 2. Jemand, der die Kunst des Einübens und Trainierens beherrschte, war ein Gymnast (γυμναστής). Als die Gymnastik auch medizinische Bedeutung gewann, erweiterte sich der Aufgabenbereich des Gymnasten: er verfügte nun neben der sportpraktischen Kenntnissen auch über medizinisches Wissen.

1.3. Paidotrib

Nach JÜTHNER ist die Grundbedeutung des Begriffs Paidotrib (παιδοτρίβής) nicht mehr festzustellen 3. Aus der Zusammensetzung („Knabenerzieher, -trainer“) lasse sich aber schließen, dass diese Bezeichnung erst aufkam, als die Gymnastik den wichtigsten Raum der Jugenderziehung einnahm, also im 6. Jhd. v. Chr. Paidotriben waren für die körperliche Erziehung und Ausbildung der Jugendlichen, aber auch der Athleten, zuständig.

Mit dem Aufkommen des Gymnasten, des „Trainers mit medizinischem Wissen“, entbrannte ein jahrhundertelanger Streit über Kompetenz und Wirkungsbereich der beiden „Trainertypen“ 4

2. DIE BEDEUTUNG DER KÖRPERLICHEN ERZIEHUNG IN DER GRIECHISEN UND IN DER RÖMISCHEN WELT

Für die Griechen war die Gymnastik ein wichtiger, zeitweise sogar der wichtigste Bestandteil der Jugenderziehung, und auch im Leben der Erwachsenen hatte sie große Bedeutung: Körperliche und geistige Schönheit und Gesundheit waren für den Griechen untrennbar miteinander verbunden und gipfelten im Erziehungsideal der Kalokagathia 5.

In Sparta war der eigentliche Zweck der Gymnastik die Ausbildung der jungen Männer zu hervorragenden Kriegern und die der jungen Frauen zu gesunden, kräftigen Müttern. Die spartanische Erziehung zielte weniger auf das Hervorbringen von Athleten ab, doch da die militärische Ausbildung auch sportliche Übungen umfaßte, entsandten die Spartaner zwangsläufig auch erfolgreiche Athleten zu den nationalen Wettkämpfen.

Auch in Athen war die gymnastische Ausbildung der männlichen Jugend Grundlage für eine spätere militärische Tauglichkeit. Neben dem gymnastischen besuchten die Jugendlichen auch den musischen Unterricht. Diese ursprünglich nur den Adligen offenstehende Ausbildung wurde durch ein Gesetz Solons (vermutlich 594/3 v. Chr.) auch den Bürgern zugänglich; den Sklaven waren, wie in Sparta, Leibesübungen streng untersagt. Wer nach Verlassen der Knabenschule auch als Erwachsener noch Gymnastik betreiben wollte, dem standen (oft privat betriebene) Palästren und Gymnasien zur Verfügung.

Nachdem diese Erziehung im griechischen Mutterland Anerkennung gefunden hatte, zeigten auch die Kolonien Interesse an einer gymnastischen Ausbildung ihrer männlichen Jugend nach den Vorbildern Spartas und Athens. Lokale Wettkämpfe boten die Möglichkeit, die körperliche Ausbildung und militärische Eignung der jungen Männer zu überprüfen, und die Besten konnten an den großen nationalen Wettbewerben teilnehmen.

Durch die wachsende Konkurrenz der Athleten ergab sich die Notwendigkeit, immer intensiver und spezieller zu trainieren; es entwickelte sich die Berufsathletik. Die breite Masse der Griechen brachte den Leistungen der Athleten großes Interesse entgegen: Sie bewunderte ihre durchtrainierten Körper und schätzte Einsatz und unbedingten Siegeswillen. Ein Sieg bei einem Wettbewerb wurde ebenso hoch bewertet wie im Krieg erworbener Ruhm, und der Sieger genoß hohes Ansehen in seinem Verwandten- und Bekanntenkreis. Auch seine Heimatstadt hatte Teil an seinem Ruhm und mache „ihrem“ Athleten wertvolle Geschenke.

Daneben gab es auch Menschen, die zur körperlichen Erholung und zur Erhaltung der Gesundheit Gymnastik betrieben, gewissermaßen „Breitensportler“.

Doch die aufkommende Berufsathletik mit ihren zunehmenden Auswüchsen wurde schon bald heftig kritisiert 6 ; vor allem die militärische Untauglichkeit der Athleten war eine immer wieder erhobener Vorwurf. Ferner wurde die einseitige Betonung des Körperlichen zu Lasten einer geistig-charakterlichen Ausbildung beklagt.

In der zweiten Hälfte des 5. Jhds. v. Chr. ließ das Interesse an einer gymnastischen und militärischen Erziehung merklich nach; vor allem die Adligen wandten sich dem Pferdesport, der Politik und dem Rechtswesen zu. Unberührt von dieser Entwicklung blieben die inzwischen durch die Diätetik begründeten gymnastischen Übungen, die der Gesundheit

wegen betrieben wurden 7. Staatsmänner wiesen immer wieder auf die Gefahr eines zu kleinen und mangelhaft geschulten Heeres hin. Nach JÜTHNER war die militärische Unterweisung durch die Institution der Ephebie dennoch gewährleistet 8. Vermutlich waren es nun überwiegend die Söhne der Bürger, dies sich dieser Ausbildung unterzogen.

Nach der Eroberung Griechenlands durch die Römer (198 v. Chr.) verlor die Gymnastik ihre militärische Bedeutung: Griechenland wurde nun von Rom verwaltet und militärisch geschützt, so daß die Notwendigkeit eines eigenen griechischen Heeres nicht mehr gegeben war. In der Folge erstarrte das sportliche Treiben der Epheben in funktionsloser Tradition, die sich, von den Römern nie verstanden, dennoch bis in die römische Kaiserzeit hielt.

Auch für den Römer waren Gesundheit, Kraft und Schönheit eng miteinander verbunden, und körperliche Tüchtigkeit galt als ein erstrebenswertes Ideal. Anders aber als der Grieche sah der Römer Körper und Geist nicht als gleichberechtigt an – eine Ausbildung im Sinne der Kalokagathia hat es in Rom nie gegeben; er vertrat den Gedanken der Herrschaft des Geistes über den Körper. Dessen Ausbildung erfolgte daher nach der Maxime, daß der Körper „nur“ um des Geistes willen gepflegt werden soll 9.

Zwar hatten die römischen Vorfahren, die Etrusker, schon Kontakt mit der griechischen Zivilisation, also auch mit der griechischen Gymnastik und Athletik, gehabt, doch nach MÄHL kannte der Römer vor dem Eindringen des Hellenismus keine systematische Körperbildung 10. Die seit der Gründung Roms fast unaufhörlichen Kriege führten zu „Nüchternheit, Sachlichkeit und zweckvollem Denken und Handeln“11 in allen Bereichen des Lebens. Davon betroffen war auch die körperliche Ertüchtigung und Erziehung der Jugend, die

„eindeutig auf den praktischen Nutzen abgestimmt, […] einfach, derb und hart gestaltet und […] allein der Notwendigkeit der Wehrerziehung unterstellt“12 war.

Da deshalb die körperliche Gesundheit von großer Bedeutung war, übernahm der Römer von der griechischen Gymnastik, was ihm sinnvoll und nützlich erschien: „The Romans were equally selective in the forms of exercise which they borrowed from the Greeks to add to the physical training in their education […]“13. Doch die Vorteile körperlicher Tüchtigkeit für das praktische Leben des Alltags wurde dem Römer bald bewußt 14, und so wurde insbesondere diätetische Gymnastik ein fester Bestandteil des täglichen Lebens. Doch selbst diese Leibesübungen sollten noch einen praktischen Nutzen haben: so hielt man es für besser, im Weinberg zu graben, statt Hanteln zu heben 15. Die „Zwecklosigkeit“ der griechischen Gymnastik blieb dem pragmatischen Römer stets unverständlich und Anlaß zu Kritik und Ablehnung. Die ihm wichtigen Angelegenheiten militia, equus et arma ließen sich nicht mit der Gymnastik vereinbaren 16, wie überhaupt „Konservatismus, Pflege der Tradition und feindselige Haltung gegenüber allen Neuerungen […] charakteristisch“17 für den Römer waren. Zwar betrieb auch er Leibesübungen zur Vorbereitung auf den Kriegsdienst, doch anders als bei den Griechen gehörten für ihn nur „praxisbezogene“ Disziplinen wie Fechten, Speerwerfen, Bogenschießen, Laufen, Reiten, Jagen, Schwimmen und Faustkampf in diese Ausbildung. Die (adlige) Jugend war in den „ iuvenus -Vereinen“ zusammengeschlossen, die als quasi-staatliche Jugendorganisationen von den Kaisern, insbesondere Augustus, große Unterstützung erfuhren. Das sportliche Treiben der stadtrömischen iuvenus spielte sich auf dem Marsfeld ab, das der provinzialen auf nahegelegenen „Sportplätzen“ und in Palästren.

Trotz aller Vorbehalte der Römer fand die Gymnastik, vor allem bei den jungen Adligen, zunehmenden Anklang: waren zunächst noch altrömische Übungen Grundlage der

Körpererziehung und –ertüchtigung, so verloren sie allmählich – unter dem Einfluß griechischer Pädagogen – zugunsten gymnastischer Übungen an Bedeutung. Durch das zunehmende Interesse an der Gymnastik wurde jedoch die militärische Ausbildung immer mehr vernachlässigt. Diese Entwicklung wurde ebenso beklagt wie die Verweichlichung der Jugend und die Verführung zur Sittenlosigkeit: große Empörung riefen die Nacktheit bei den Übungen und die Päderastie hervor. Die Gymnastik wurde daher besonders von konservativen Kreisen als „unrömisch“ abgelehnt.

In noch stärkerem Maße traf diese Ablehnung die Athletik. Die ausschließliche Beschäftigung mit den „sinnlosen“ Leibesübungen im Sand der Palästra und in den Gymnasien, die Gefräßigkeit, Sittenlosigkeit und die militärische Untauglichkeit waren dem Römer ein Greuel. Man beachte, daß diese Auswüchse des Athletentums auch in Griechenland selbst kritisiert worden sind 18 ; doch während der Grieche nur die Auswüchse, nicht aber die Athletik an sich in Frage stellte, lehnte der Römer diese Form der Körperertüchtigung grundsätzlich ab. Er sah keinen praktischen Wert der Athletik für die Gemeinschaft. Während es in Griechenland einst das höchste Ziel eines Athleten war, einen Sieg zu erringen, sich selbst darzustellen, bewundern und feiern zu lassen, galt ein solches Verhalten in den Augen eines Römers als unehrenhaft. So gab es auch nur wenige wirklich römische Athleten. Doch viele Römer reisten als Zuschauer zu den Olympischen Spielen, und es gab immer wieder Versuche – vor allem seitens philhellenischer römischer Kaiser -, die Athletik populär zu machen. So gewöhnte man sich letzten Endes trotz anhaltender Kritik auch im Westen des Reiches an diese griechische Sitte 19.

Das aufkommende und alle heidnischen Kulte ablehnende Christentum verurteilte schließlich die grausamen Gladiatorenspiele und die Athletik, denn auch diese war kultischen Ursprungs; daran erinnerten vor allem im Osten des Reiches noch immer zelebrierte religiöse Riten bei der Eröffnung der Spiele. Hinzu kam die asketisch ausgerichtete und den Geis betonende Lebenshaltung des Christentums, das dem Körper eine untergeordnete Bedeutung beimaß.

3. ZUR ENTWICKLUNG DER ANTIKEN MEDIZIN

Schon in der frühesten griechischen Heilkunde existierten neben der – bei fast allen primitiven Kulturen üblichen - theurgischen Medizin 20, in der Priester- und Arzttum untrennbar miteinander verbunden waren, ein selbständiger Stand von Laienärzten und eine Volksmedizin kretisch-mykenischen Ursprungs. Doch selbst in der griechischen theurgischen Medizin gab es zahlreiche durch Erfahrung gewonnene Erkenntnisse, so dass an manchen Kultstätten die rationalen Heilmittel in der Behandlung der Kranken den größeren Raum einnahmen 21

Die griechische Medizin erhielt ihre Bedeutung als Begründerin unserer Medizin überhaupt durch die Arzt-Denker und Philosophen jener Zeit. Das große Verdienst der griechischen Antike, die das gesamte abendländische Denken und damit auch die Medizin geprägt hat, war die Frage nach dem Sein der Dinge. Ihre Antwort darauf lautete, daß ein Seiendes sich stets bemühen sollte, die seiner Bestimmung zukommende und ihm innewohnende Form zu erreichen 22. In dieser Form war Gutsein gleichbedeutend mit Schönsein, mit Geordnetsein (Harmonie), medizinisch ausgedrückt mit geordneten – ihrer Form entsprechenden – Verhältnissen in Körper und Geist, mit Gesundheit; Krankheit war demzufolge Unordnung, Störung der geordneten Verhältnisse. Treffender kann auch die moderne Medizin Krankheit kaum beschreiben.

Außer der leiblich-seelischen Harmonie gehörte zu dem Gesundheitsbegriff der Antike auch die (körperliche und geistige) Schönheit und das sittlich Gute; ein gesunder Mensch war daher auch schön und gut.

Der Arzt der Antike mußte für eine Diagnose neben der Einsicht in die vier Seinsweisen (man stellte sich das Sein als Warm-, Kalt-, Trocken- und Feuchtsein in individuell ver-schiedenen Mischungen vor) auch über physiologische Kenntnisse des gesunden und kranken Organismus verfügen. Die Therapie bestand im Wiederherstellen des Gleichgewichtes, der Harmonie, durch Hinzufügen oder Weglassen einer oder mehrerer der vier Seinsformen. Eine wichtige Rolle spielten dabei die Ernährung und in späterer Zeit auch Bäder und Massage.

Kennzeichnend für die antike Medizin war die – modern ausgedrückt – interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Philosophie, Ethik, Physiologie, Pharmazeutik, Ernährung und schließlich auch mit den Leibesübungen. Gegenstand ihrer Behandlung war stets der Mensch als Ganzes, nicht nur sein Körper, wie es heute – leider – noch oft der Fall ist.

3.1. Antike Ärzteschulen

Die ionischen Naturphilosophen

Die bedeutendsten Vertreter dieser Schule sind Thales, Anaximander und Anaximenes, die im 7. und 6. Jhd. v. Chr. lebten.

Thales, in erster Linie als Mathematiker bekannt, gilt als Begründer der Naturphilosophie. Durch intensives Beobachten und Studieren der Natur gelangt er zu der Auffassung, das Wasser sei der Ursprung allen Seins.

Für Anaximander hingegen ist das Prinzip allen Werdens und Seins das (abstrakte) apeiron (άπειρον), „quantitativ unbegrenzt [… und] qualitativ unbestimmt“23. Es stellt quasi den Urstoff dar, aus dem alles wird und zu dem alles wieder zurückkehrt, und seine Unbegrenztheit garantiert ein ewiges Werden in der Welt. In sich trägt das apeiron alle Gegensätze, das Warme und Kalte, das Feuchte und Trockene, die Dynameis (ϑυναμειϛ), die sich in beständigem Kampf um die Vorherrschaft eines Elementes befinden. Der Ausgleich der Gegensätze, die Harmonie, bedeutet Gesundsein, ein Ungleichgewicht dagegen Krankheit.

Anaximenes, der jüngste Vertreter der ionischen Naturphilosophen, sieht wieder ein „konkretes“ Element, die Luft, als Ursprung des Seins an: Durch Verdichtung und Verdünnung entstehen aus ihr Feuer, Wind, Wolken, Wasser, Erde und Stein. Seine These von der Luft als Urstoff wurde später die Grundlage der Lehre vom Pneuma.

Es ist für uns kaum noch vorstellbar, wie revolutionär diese Thesen für die Menschen der Antike gewesen sind. Der Mensch war gewohnt, die Natur und die in ihr existierenden Erscheinungsformen als voneinander unabhängig, verschiedenartig und ohne einen größeren Zusammenhang zu betrachten 24. Die „neuen Denker“25 aber stellten erstmals alles Sein, Werden und Vergehen unter eine einheitliches Prinzip: Alle Stoffe, schienen sie auch noch so verschieden, waren in Wahrheit die verschiedenen Erscheinungsformen ein- und desselben Urstoffes.

Indem sie die Menschen der Antike lehrte, die Welt aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten – und damit zur Grundlage für spätere Philosophien wurde -, beeinflußte diese neue Betrachtungsweise das gesamte Denken der abendländischen Welt und damit auch die Entwicklung der Medizin.

Die Pythagoreer

Der monistischen Weltanschauung der ionischen Naturphilosophen stand die dualistische der Pythagoreer gegenüber: Sie unterschieden erstmals zwischen dem Stofflichen und Geistigen und fragten nach ihrem Verhältnis zueinander und ihrer Wechselwirkung. Als bedeutendste Vertreter dieser Schule gelten ihr Begründer Pythagoras und sein Schüler Alkmaion (beide im 5. Jhd. v. Chr.). Da Pythagoras seine Lehre nicht schriftlich niederlegte und diese seinen Schülern als streng zu wahrendes Geheimnis galt, ist nur wenig authentisch überliefert.

Aristoteles umreißt die Lehre der Pythagoreer mit dem Satz: „Der ganze Himmel ist (ihnen) Harmonie und Zahl.“26. Nach Auffassung der Pythagoreer stehen sich Zahl (im Sinne des Ursprungs allen Seins) als ordnendes Prinzip und ungeformte Materie im Kampf gegenüber. Das Ergebnis dieses Kampfes ist die Vereinigung der Gegensätze in einer Struktur. Da die Zahl (das Geistige) die ordnende Funktion hat, ist die Harmonie der menschlichen Kon-stitution, der Gesundheit, umso größer, je dominanter die Zahl ist; ein Überwiegen der Materie (des Stofflichen) bedeutet demnach Disharmonie, Krankheit. Auf der Erkenntnis aufbauend, daß der Geist, der Intellekt über den Körper und seine Bedürfnisse herrschen muß, will der Mensch gesund sein, entwickelten die Pythagoreer eine Diät (ϭϊαιτα), eine bestimmte Lebensweise bzw. eine Anleitung dazu. Die bemühten sich also, ihre Theorie auch in der Praxis umzusetzen. Um in Gesundheit leben zu können, sollte der Mensch in jeder Beziehung maßvoll sein und zeit seines Lebens Leibesübungen zur Abhärtung und Bezähmung der körperlichen Begierden betreiben. Einen überzeugenden Beweis für den Erfolg dieser Lebensweise stellte Milon von Kroton dar, einer der erfolgreichsten Athleten der Antike überhaupt und angeblich ein Schwiegersohn des Pythagoras.

Die bis dahin fatalistische Einstellung der Menschen, jede Krankheit auf den Einfluß einer Gottheit zurückzuführen, wurde allmählich ihrer Grundlage beraubt. Die Menschen erkannten, daß es in ihren eigenen Händen lag, Gesundheit und Krankheit zu beeinflussen.

Alkmaion überarbeitete den Gedanken der Pythagoreer vom Beherrschenden (Zahl) und Beherrschten (Materie). Nach seiner Auffassung war das Gleichgewicht des Kalten und Warmen, des Feuchten und Trockenen Ausdruck der Harmonie, der Gesundheit, und nicht die Herrschaft eines Elementes. War für Pythagoras diese Herrschaft noch Voraussetzung für die Gesundheit, so bedeutete sie bei Alkmaion die Ursache der Krankheit. Seine Theorie von der richtigen Mischung der Elemente war in der gesamten Antike von größter Bedeutung und Grundlage für viele Theorien.

Die Behandlung einer Krankheit erfolgte durch Aderlassen oder Fasten, also dem „Wegnehmen“ eines Teiles aus dem Körper, um es dann durch Heilmittel oder regulierende Nahrung wieder zu ersetzen und so das Gleichgewicht wiederherzustellen.

Die Atomisten

Stellvertretend für die Atomisten sei Demokrit (5./4. Jhd. v. Chr.) vorgestellt. Aufbauend auf den Erkenntnissen seines Lehrers Leukipp entwickelte Demokrit seine Atomtheorie. Seine Atome sind keine in modernem wissenschaftlichen Sinne kleinste Materieteilchen; vielmehr sind sie das Sein (Seinsteilchen) im Gegensatz zum Nichtsein (der Leere).

„Jedes einzelne Atom ist ungeworden, einheitlich, stetig, unteilbar, unveränderlich; es ist als solches starr, hart, fest (ϭτερεόν); aber es ist in ständiger Bewegung, und zwar deshalb, weil es vom leeren Raum umgeben ist, in den es hineinstürzt.“27

Erst die durch Wirbelbewegung zusammengesetzten Atomkomplexe sind für unsere Sinne wahrnehmbar; sie unterliegen dauernder quantitativer und qualitativer Veränderung. Die Wahrnehmung erfolgt über die von Gegenständen und Gedanken abfließenden Atome, die ein vollkommenes Abbild ihrer Ausgangsobjekte sind. Diese sich nach allen Seiten ausbreitenden Abbilder werden durch die Poren in einen anderen Körper aufgenommen. Die günstigsten Voraussetzungen für das Eindringen sind zugleich die Merkmale der Gesundheit: Das richtige Verhältnis von Warm und Kalt im Körper, der richtige Grad der Feuchtigkeit im Gewebe, die möglichst offenen und trockenen, von schädlichen Einflüssen freien Poren 28.

Das Corpus Hippocraticum

Das Corpus Hippocraticum ist eine zwischen 450 und 300 v. Chr. entstandene Schriftensammlung mit zahlreichen Beiträgen von Ärzten, Philosophen und Physiologen. Nur wenige Schriften werden dem Arzt Hippokrates selbst (vermutlich 460 bis 370 v. Chr.), über den nur wenig bekannt ist, zugeschrieben. Er gilt jedoch aufgrund unbefangener Beobachtung und Beschreibung von Krankheiten, Symptomen und Diagnosen als Begründer der empirischen Medizin.

Die hippokratische Zeit fällt in etwa mit der perikleischen Epoche, der Epoche der Aufklärung, zusammen: Mystische Weltanschauung tritt zurück zugunsten der rationalen Beobachtung und Erkenntnis. In dieser Zeit steht nicht mehr die Frage nach dem Sein im Mittelpunkt des Interesses, sondern der Mensch. Vor diesem Hintergrund ist auch Protagoras‘ Äußerung „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“ zu verstehen.

Hippokrates (dieser Name steht in Vertretung für das Corpus Hippocraticum) behauptet erstmals, der Mensch bestehe aus mehr als nur einem Grundstoff: nämlich aus Blut, Schleim, gelber und schwarzer Galle 29, den Säften, und festen Bestandteilen, den Knochen, Muskeln und Sehnen. Beides – Flüssiges und Festes – sei durch das „Prinzip der Ordnung“30 miteinander verbunden. Ein ausgewogenes Mengen- und Mischungsverhältnis der Säfte bedeute Gesundheit, ein Ungleichgewicht der Verhältnisse verursache Krankheit 31. Als Ursachen für ein Mißverhältnis gelten:

1. Unter-/Übertreibung 32
2. die umgebende Luft 33
3. ein falsches Maß an Kälte/Wärme und Trockenheit/Feuchtigkeit 34

Ein wichtiges Anliegen des Hippokrates ist die Prognose:

„Es scheint mir am besten zu sein, dass sich der Arzt in dem Voraussehen des Krankheitsausganges Übung erwirbt.“35.

Die Behandlung erfolgte vor allem durch diätetische Mittel, unterstützt durch Pharmazeutik und – als letzte Möglichkeit – Chirurgie.

Dennoch konnte diese Art der Forschung und des Denkens nicht den heutigen Anforderungen von exakter empirischer Wissenschaft entsprechen. Die hippokratische Medizin entdeckte und betrat zwar neue Wege, doch konnte auch sie sich nicht vollständig von dem noch immer vorhandenen naturphilosophischen Denken lösen.

Galen

Galen (129 bis 199 n. Chr.), ein römischer Arzt griechischer Herkunft, war neben Hippokrates der bedeutendste Mediziner der Antike. Nach einer kurzen Zeit als Gladiatorenarzt (157 bis 161) in seiner Heimatstadt Pergamon ging er nach Rom und praktizierte dort vor allem am Kaiserhaus und in Adelskreisen. Galens große Leistung lag in dem Bemühen, die verschiedenen, im Laufe der Jahrhunderte entwickelten medizinisch-philosophischen

Theorien in einem umfassenden medizinischen System zu vereinigen. In dieses Werk flossen viele und bedeutende eigene Erkenntnisse und Erfahrungen ein, mit denen der Arzt altes Wissen teils bestätigte, teils widerlegte.

Den doch stark philosophisch geprägten Definitionen der frühen Mediziner stellt Galen eine sehr pragmatische – und sehr moderne – Definition der Gesundheit gegenüber:

„[...] Gesundsein ist nichts anderes als die naturgemäße Verfassung“36, „ [...] denn wenn man nicht den Anforderungen des Lebens entsprechend arbeiten kann und leicht einen Schaden davonträgt, so ist dies ein tadelnswerter und unbrauchbarer Zustand.“37

Galen unterscheidet drei Stufen der körperlichen Verfassung 38:

1. die Krankheit
2. die labile Gesundheit, gekennzeichnet durch Schwäche;
die konstitutionelle Gesundheit, die es dem Menschen erlaubt, ohne Schwierigkeiten seinen Tätigkeiten nachzugehen,
3. die Euexie, Gesundheit in „höchster Vollendung und Dauerhaftigkeit“39.

Galen unterteilt sie in eine „naturgemäße Euexie“40, von jedermann anzustreben und in eine „unnatürliche [athletische] Euexie“41, die er scharf ablehnt 42.

Die antike Medizin entwickelte sich also von einer theurgischen zunächst zu einer naturphilosophischen Medizin, in der die Frage nach dem Ursprung, dem Urstoff allen Seins im Mittelpunkt stand. Nach zunächst rein philosophischen Antworten, in denen die Gesundheit teils als Herrschaft eines Elementes über ein anderes, teils als Gleichgewicht mehrerer Elemente angesehen wurde, emanzipierte sich die Medizin in zunehmendem Maße von der Philosophie und wurde ansatzweise zu einer Erfahrungswissenschaft. Man führte Gesundheit und Krankheit nun auf den Zustand der Organe und die Mischung von Körperflüssigkeiten zurück und kannte entsprechende Behandlungsmethoden.

Mit zunehmendem Wissen spaltete sich die Medizin in zahlreiche Unterdisziplinen auf und wurde – wie die heutige Medizin – immer unüberschaubarer für den einzelnen Arzt, so daß sich im Laufe der ZeitSpezialisten entwickelten, die zum Teil sehr modern anmutende Gedanken äußerten.

3.2. Arzt und Gesellschaft

In der griechischen Gesellschaft, in der das Erziehungsideal in einem vollkommenen körperlichen und seelischen Gleichgewicht (Gesundheit) bestand, war ein Kranker mit dem Makel der Minderwertigkeit behaftet. Um wieder ein anerkanntes Mitglied der Gemeinschaft zu werden, mußte er versuchen, seine Gesundheit wiederzugewinnen; war sein Fall hoffnungslos, half ihm aber nicht einmal mehr ein Arzt 44.

Die hohe Einschätzung der Gesundheit bestimmte auch die angesehene Stellung des Arztes in der Gesellschaft. In den meisten Fällen war er ein Wanderarzt – nur in größeren Städten gab es beamtete Stadtärzte -, der von Stadt zu Stadt zog, meist begleitet von Assistenten. Stellte er fest, daß seine Dienste benötigt wurden, ließ er sich für einige Zeit nieder und mietete einen Laden oder ein Haus, das seine Assistenten als Praxis einrichteten 45.

Für diese Ärzte war ein guter Ruf von großer Bedeutung; niemand konnte garantieren, daß einer, der sich als Arzt ausgab, auch wirklich medizinische Kenntnisse hatte, und Quacksalber

gab es viele 46. Um diesen guten Ruf zu erlangen bzw. zu bewahren, mußte der Arzt neben seinem medizinischen Können auch auf eine bestimmte Lebensweise achten: Er mußte gesund aussehen, in guter körperlicher Verfassung sowie reinlich und gepflegt gekleidet sein. Von ihm wurde Selbstbeherrschung und ein jeder Situation angemessenes Verhalten erwartet 47.

Sobald die Praxis eingerichtet war, empfing der Arzt seine Patienten; wohlhabende Bürger ließen sich hingegen zu Hause behandeln. Interessanterweise galt es nicht als „Schande“, den Rat eines Kollegen in einem schwierigen Fall hinzuzuziehen; im Gegenteil, es wurde ausdrücklich empfohlen 48.

Der Arzt wurde für seinen Dienst und nicht für jede Dienstleistung einzeln bezahlt. Übernahm er einen Fall, so einigte man sich vorher auf ein festes Honorar, und der Patient konnte den Arzt rufen, so oft er ihn benötigte. Bei der Festsetzung des Honorars war der Arzt angehalten nicht zu geldgierig zu sein und die wirtschaftliche Lage seines Patienten zu berücksichtigen; unter Umständen sollte er auch umsonst behandeln, seinem Ruf zuliebe 49. Die strenge Einteilung in Gesellschaftsklassen – Bürger, Metöken (ansässige Ausländer) und Sklaven – galt auch Patient und Arzt. Der freie Arzt behandelte die Bürger, Sklaven und ärmere Menschen wurden hingegen von den Assistenten oder Sklaven des Arztes behandelt.

4. SPORT UND MEDIZIN

In der griechischen Frühzeit hatten die beiden Bereiche Sport und Medizin zunächst nichts miteinander zu tun: Die Medizin hatte Gesundheit zum Ziel, für den Sport war sie Voraussetzung.

Die Medizin heilte ursprünglich nur mit Medikamenten oder durch chirurgische Eingriffe; die Bedeutung einer Diät oder der Leibesübungen für die Therapie waren noch unbekannt 50. Man nimmt an, daß die Ärzte allmählich die Wechselwirkung von Ernährung und körperlicher Bewegung auf der einen und Gesundheit/Krankheit auf der anderen Seite erkannten. Parallel dazu gelangten wahrscheinlich auch die Paidotriben auf den Sportplätzen zu dieser Erkenntnis und versuchten, sie in Form von genau geregelten Tagesabläufen der Athleten im Training einzusetzen. Arzt und Sportlehrer lernten voneinander und setzten die ausgetauschten Erkenntnisse in ihrer jeweiligen Praxis ein. So bildete sich allmählich ein gemeinsames Betätigungsfeld für Medizin und Sport, auf dem neben den Leibesübungen die Ernährung und eine geregelte Lebensweise eine große Rolle spielten.

Historisch faßbar wird diese Entwicklung jedoch erst durch HERODIKOS von Selymbria im 4. Jhd. v. Chr. Selbst ein erfolgreicher Athlet heilte er sich von einer schweren Erkrankung durch Leibesübungen und eine strenge Diät. Daraufhin erarbeitete er ein therapeutisches Modell, in dem erstmals sowohl zur Erhaltung der Gesundheit als auch zur Behandlung von Krankheiten neben einer speziellen Diät gymnastische Übungen empfohlen wurden: Die Diätetik, in späterer Zeit auch Hygiene genannt 51, die im Laufe der Zeit um Massage und Bäder und in einigen Fällen um eine Atemgymnastik erweitert wurde.

Dieser neue medizinische Zweig hatte großen Erfolg und nach anfänglicher Ablehnung durch die Ärzte (Herodikos war ja „nur“ ein Athlet) wurde er auch von diesen anerkannt.

4.1. Gymnastik, Iatrik, Diätetik und Hygiene

In diesem Kapitel soll das Verhältnis von Sport (Gymnastik), Medizin (Iatrik) und Diätetik bzw. Hygiene aufgezeigt werden. In den Ausführungen über Hippokrates, Platon und Aristoteles stütze ich mich dabei weitgehend auf die Dissertation von J. B. EGGER 52.

„Die Frage nach dem Begriff der Gymnastik ist eine der schwierigsten und kompliziertesten der antiken Kulturgeschichte. […] Der Grund der Schwierigkeit […] liegt […] in der innigen Beziehung der Gymnastik zu den verwandten Disziplinen der Jatrik, Diätetik, Hygieine, Paidotribik und Athletik, die alle mehr oder weniger in das Gebiet dieser Kunst hinübergreifen.“53

So wie das gesamte Leben und Denken der Antike waren auch die Gymnastik und die mit ihr verwandten Disziplinen manchen Wandlungen unterworfen. Das wird ersichtlich aus den uns zur Verfügung stehenden Quellen unterschiedlicher Herkunft: Mediziner, Redner, Dichter und „Sportwissenschaftler“ selbst haben sich – jeder von einem anderen Standpunkt aus – mit der Gymnastik und ihrem Umfeld befaßt. Im Rahmen dieses Kapitels wurden vor allem die medizinischen und philosophischen Schriften berücksichtigt.

[...]


1 Julius JÜTHNER: Die athletischen Leibesübungen der Griechen, hrsg. von F. Brein, 2 Bde., Wien 1965-68, Bd. 1, S. 11 ff., 161 f.

2 Vgl. 4.1.

3 JÜTHNER, Bd. 1, S. 161

4 Vgl. 4.1.1.

5 Von der Kalogathia gibt es nur vage Vorstellungen. Vermutlich „wurden im Zuge der Entstehung der Gymnasien Versuche unternommen […], aristokratische Wertvorstellungen homerischer und pindarischer Provenienz gewissermaßen zu popularisieren […]“; Ingomar WEILER: Der Sport bei den Völkern der Alten Welt, Darmstadt 1981, S. 95.

6 Vgl. 4.4.

7 Vgl. 4.1.

8 JÜTHNER, Bd. 1, S. 107.

9 SENECA; Epistulae Morales, 92,1

10 Eberhard MÄHL: Gymnastik und Athletik im Denken der Römer, Amsterdam 1974, S. 10.

11 Gerhard LUKAS: Der Sport im alten Rom, Berlin 1982, S. 41.

12 LUKAS, S. 41.

13 Harold Arthur HARRIS: Sport in Greece and Rome, London 1972 (im Folgenden: Sport), S. 74.

14 LUKAS, S. 41.

15 MARTIAL, Epigrammata, 14,49

16 MÄHL, S. 25.

17 LUKAS, S. 39.

18 Vgl. 4.4.

19 MÄHL, S. 37.

20 Unter Theurgie versteht man den Versuch der Beeinflussung von Gottheiten durch Menschen, u. a. durch „Beseelung“ von Götterstatuen.

21 Josef SCHUMACHER: Die Anfänge abendländischer Medizin in der griechischen Antike, Stuttgart 1965, S. 14.

22 SCHUMACHER; S. 20.

23 SCHUMACHER; S. 31.

24 SCHUMACHER; S. 35.

25 Ebenda.

26 ARISTOTELES, Metaphysik, 986a 2f.

27 SCHUMACHER; S. 92.

28 SCHUMACHER; S. 26.

29 HIPPOKRATES, Bd. 1, 14,4 (Die Natur des Menschen). Bei sämtlichen Angaben beziehe ich mich auf: HIPPOKRATES: Sämtliche Werke, übersetzt und kommentiert von Robert Fuchs, 3 Bde., München 1895-1900.

30 SCHUMACHER; S. 118.

31 HIPPOKRATES, Bd. 1, 14,4 (Die Natur des Menschen); Bd. 1, 17,4 (Die Diät III).

32 HIPPOKRATES, Bd. 1, 14,9 (Die Natur des Menschen).

33 HIPPOKRATES, Bd. 1, 14,10 (Die Natur des Menschen).

34 HIPPOKRATES, Bd. 1, 14,2 (Die Natur des Menschen).

35 HIPPOKRATES, Bd. 1, 25,1 (Das Buch der Prognosen); Bd. 2, 29,11 (Die epidemischen Krankheiten I); Bd. 1, 14,3 (Die Diät III).

36 GALEN, Thrasybulos, 11.

37 Thrasybulos, 7; vgl. GALEN: De sanitate tuenda I 5,24 u. 29. Bei sämtlichen Angaben beziehe ich mich auf: GALEN: Die Werke des Galenos, Gesundheitslehre, 2 Bde., übersetzt und zeitgemäß erläutert von Erich Beintker, Stuttgart 1939-41.

38 Thrasybulos, 7.

39 Thrasybulos, 12.

40 Thrasybulos, 9.

41 Ebenda.

42 Vgl. 4.4.

43 Thrasybulos, 16

44 PLATON, Staat, III, 408 b.

45 Henry Ernest SIGERIST: Der Arzt in der griechischen Kultur, Stuttgart 1970, S. 77.

46 HIPPOKRATES, Bd. 1, 7,7 (Vorschriften).

47 HIPPOKRATES, Bd. 1, 14,9 (Die Natur des Menschen).

48 HIPPOKRATES, Bd. 1, 7,8 (Vorschriften).

49 HIPPOKRATES, Bd. 1, 7,6 (Vorschriften).

50 Julius JÜTHNER: in: Philostratos über Gymnastik, hrsg. Und übersetzt von Julius Jüthner, Leipzig/Berlin 1909, S. 31.

51 Vgl. 4.1.

52 Johann Baptist EGGER: Begriff der Gymnastik bei den alten Philosophen und Medizinern, Diss., Freiburg (Schweiz) 1903.

53 EGGER, S. 3.

Details

Seiten
65
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
1983
ISBN (eBook)
9783842808140
Dateigröße
670 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v228199
Institution / Hochschule
Deutsche Sporthochschule Köln – Sportwissenschaften, Sportgeschichte
Note
2,0
Schlagworte
körperliche erziehung heilgymnastik trainingslehre griechenland

Autor

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Titel: Sport und Medizin in der griechisch-römischen Antike