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Grundlagen der Bilanzierung und Verbuchung von Finanzinstrumenten nach HGB in der Lindner Gruppe

Bachelorarbeit 2010 59 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung:

Vertraulichkeitserklärung

Danksagung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
Motivation
Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
Gliederung der Arbeit
Vorstellung der Lindner Gruppe

2. Definition von Finanzinstrumenten
2.1 Devisentermingeschäft
2.1.1 Begriffsbestimmung
2.1.2 Ermittlung des Devisenterminkurses
2.1.3 Chancen (Vorteile)
2.1.4 Risiken (Nachteile)
2.2 Devisentermingeschäft mit Laufzeitoption
2.2.1 Begriffsbestimmung
2.2.1.1 Beispiel 1: Zahlungseingänge vor dem Stichtag
2.2.1.2 Beispiel 2: Zahlungseingänge bis zum Stichtag
2.2.2 Chancen (Vorteile)
2.2.3 Risiken (Nachteile)
2.3 Plain Vanilla Put Option
2.3.1 Begriffsbestimmung
2.3.1.1 Prämie
2.3.1.1.1 Innerer Wert
2.3.1.1.2 Zeitwert
2.3.2 Chancen (Vorteile)
2.3.3 Risiken (Nachteile)
2.4 Vergleich Devisentermingeschäft, Plain Vanilla Option und Kasse
2.4.1 Ausgangssituation
2.4.2 Vergleich bei verschiedenen Kassakursen am Fälligkeitstag

3. Optimale Verbuchung und Bewertung der Finanzinstrumente nach HGB i.d.F des BilMoG in der Lindner Gruppe
3.1 Änderungen bei der Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach HGB i.d.F. des BilMoG
3.1.1 Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung
3.1.2 Bildung von Bewertungseinheiten (Hedge-Accounting)
3.1.2.1 Grundgeschäft
3.1.2.2 Sicherungsinstrumente
3.1.2.3 Voraussetzungen zur Bildung von Bewertungseinheiten
3.1.2.4 Die drei Arten von Bewertungseinheiten
3.1.2.4.1 Mikro-Hedge
3.1.2.4.2 Makro-Hedge
3.1.2.4.3 Portfolio-Hedge
3.1.2.5 Bewertungsmethoden
3.1.2.6 Bilanzierung von Bewertungseinheiten i.S.d. § 254 HGB
3.1.3 Dokumentation, Berichtspflichten und Effektivität
3.2 Fallbeispiele
3.2.1 Fallbeispiel 1: Devisentermingeschäft
3.2.1.1 Ausgangssituation
3.2.1.2 Problematik
3.2.1.3 Bewertung und Verbuchung unterjährig
3.2.1.4 Bewertung und Verbuchung zum Jahresabschluss
3.2.2 Fallbeispiel 2: Devisentermingeschäft mit Laufzeitoption zum Jahreswechsel
3.2.2.1 Ausgangssituation
3.2.2.2 Problematik
3.2.2.3 Bewertung und Verbuchung unterjährig
3.2.2.4 Bewertung und Verbuchung zum Jahresabschluss
3.2.3 Fallbeispiel 3: Devisentermingeschäft mit Laufzeitoption mit Teilabrufen während der Laufzeit
3.2.3.1 Ausgangssituation
3.2.3.2 Problematik
3.2.3.3 Bewertung und Verbuchung unterjährig
3.2.3.4 Bewertung und Verbuchung zum Jahresabschluss
3.2.4 Fallbeispiel 4: Devisentermingeschäft mit Laufzeitoption mit Zahlungen in der Lindner Gruppe
3.2.4.1 Ausgangssituation
3.2.4.2 Problematik
3.2.4.3 Bewertung und Verbuchung unterjährig
3.2.4.4 Bewertung und Verbuchung zum Jahresabschluss

4. Fazit

Glossar

Anhangsverzeichnis

Quellenverzeichnis

Rechtliche Materialien

Internetquellen

Bilderquellen

Firmeninterne Quellen

Eidesstattliche Erklärung

Hiermit versichere ich, dass ich diese Arbeit selbständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt habe. Die Stellen in der Arbeit, die dem Wortlaut oder dem Sinn nach anderen Werken und Quellen einschließlich der Quellen aus dem Internet entnommen sind, sind von mir/uns unter der Angabe der Quelle als Entlehnung kenntlich gemacht.

Mir ist bekannt, dass eine Arbeit, die nachweislich ein Plagiat darstellt, als schwerer Verstoß gegen die Studien- und Prüfungsordnung gewertet wird. Die Arbeit gilt in jedem Fall als mit „0 Punkte“ bzw. „nicht bestanden“ gewertet. Die EUFH behält sich in diesen Fällen weitere Maßnahmen vor, über die der Prüfungsausschuss entscheidet.

Arnstorf, 10.04.2015

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anna Stadler

Vertraulichkeitserklärung

Sämtliche mit der Firma Lindner AG in Verbindung stehende Informationen sind im Rahmen der vorliegenden Arbeit vertraulich zu behandeln und dürfen weder vom Leser selbst verwendet noch an Dritte weitergegeben werden, es sei denn, das betreffende Unternehmen und der Verfasser der Arbeit erklären sich mit der Weitergabe der Daten ausdrücklich und in schriftlicher Form einverstanden.

Arnstorf, 10.04.2015

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anna Stadler

Danksagung

Ich möchte diese Bachelorarbeit zum Anlass nehmen, mich bei einigen Personen recht herzlich für die Unterstützung zu bedanken,

bei Herrn Professor Doktor Jürgen Dröge, der mich während der Anfertigung meiner Bachelorarbeit mit zahlreichen Tipps und Anregungen, Engagement, Geduld und wertvollen Hinweisen bestens betreut und unterstützt hat,

bei Frau Petra Kasbeizer, Frau Christina Söver und Herrn Peter Schädelbauer, meine fachlichen Betreuer in der Lindner AG, die mit Verbesserungsvorschlägen und Literaturhinweisen stets engagiert zur Stelle waren,

sowie bei Frau Christine Nußbaumer, die während des ganzen Studiums eine moralische Stütze war und immer ein offenes Ohr für meine Probleme hatte.

Natürlich gilt mein Dank auch allen nicht persönlich genannten Mitarbeitern der Lindner AG, die mit hilfreichen fachlichen Hinweisen meine Arbeit verbesserten, meine Praxisphasen im Unternehmen positiv bereicherten und meine persönliche Entwicklung in den letzten drei Jahren wesentlich beeinflussten.

Nicht zuletzt bedanke ich mich bei meinen Eltern, die mir in allen Lebenslagen unterstützend zur Seite standen und ständig großes Interesse an meinem Studium und meiner beruflichen Weiterentwicklung gezeigt haben.

Arnstorf, September 2010

Anna Stadler

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Auszug Organigramm Lindner Gruppe

Abb. 2: Unilever Haus „HafenCity“ Hamburg

Abb. 3: Clubschiff „AIDAluna“

Abb. 4: Chancen / Risiken von Finanzinstrumenten im Überblick (Sichtweise Exporteur)

Abb. 5: DTG (Sichtweise Exporteur)

Abb. 6: Option (Sichtweise Exporteur)

Abb. 7: Eigendarstellung in Anlehnung an Souren „Put Option im Vergleich zu Kassageschäft und DTG“

Abb. 8: Eigendarstellung in Anlehnung an Borchert „Hedge-Zusammenhang“

Abb. 9: Fallbeispiel 4: DTG mit Laufzeitoption mit Zahlungen in der Lindner Gruppe

1. Einleitung

Motivation

Die deutsche Wirtschaft ist sehr stark exportorientiert und generiert ihre Stärke im weltweiten Ranking der Industrienationen aus dieser Tatsache. Deshalb muss jedes zukunftsorientierte Unternehmen prüfen, ob es internationale Geschäftsbeziehungen eingehen soll, um am Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. Neben der Chance einer Verbesserung der Rentabilität birgt allerdings eine starke Exportorientierung vergleichsweise ein erhöhtes Risiko gegenüber dem Inlandsgeschäft. Es liegt vor allem im Wechselkursrisiko, da aufgrund der Finanzkrise die Volatilität wichtiger Währungen, wie dem EURO, US-Dollar und japanischen Yen, zugenommen hat. Darüber hinaus sind die Entwicklungen dieser Währungen kaum prognostizierbar.[1] Das Unternehmensergebnis von international tätigen Unternehmen wird von Wechselkursschwankungen stark beeinflusst.[2] Deshalb verspüren Unternehmen in den letzten Jahren eine größere Notwendigkeit, das Währungsmanagement in das Tagesgeschäft einzubauen. Zur Absicherung sollte ein Gleichgewicht zwischen einem möglichst umfassenden Schutz und minimalen Kosten für die Absicherung gefunden werden. Das Treasury-Management[3], das sich unter anderem mit der Sicherung von Wechselkursrisiken beschäftigt, befasst sich außerdem mit den internen Anforderungen eines Unternehmens und muss sie mit den externen Marktveränderungen abstimmen. Dazu zählt z.B. die Analyse der Chancen und Risiken von derivativen Finanzinstrumenten. Darüber hinaus entscheidet das Treasury-Management schließlich welches Sicherungsinstrument am besten geeignet ist.[4]

Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit

Ziel dieser Bachelorarbeit ist es, für die Lindner Gruppe einen Vorschlag zur optimalen Verbuchung und Bewertung von Finanzinstrumenten nach HGB i.d.F. des BilMoG zu eruieren. Das Cash- und Fremdwährungsmanagement der Lindner Gruppe wird zentral vom Group Treasury betreut, mit dem Ziel, die Risiken aus Wechselkursänderungen zu minimieren. Das Group Treasury ist Bestandteil der 2009 gegründeten Lindner Finanz GmbH, die zuständig für die Erbringung von Finanzdienstleistungen ist. Mit Tochtergesellschaften in mehr als 20 Ländern und der weiteren Internationalisierung sind Vertragsabschlüsse in Fremdwährung und die damit verbundenen Fremdwährungsrisiken zum Tagesgeschäft der Lindner Gruppe geworden. Primär werden in der Lindner Gruppe Devisentermingeschäfte mit Laufzeitoption (Kap. 2.2) zur Kursabsicherung verwendet. Zusätzlich finden die Instrumente Devisentermingeschäfte (Kap. 2.1) und unter bestimmten Voraussetzungen Plain Vanilla Optionen (Kap. 2.3) ihre Anwendung. Deshalb beschränkt sich diese Arbeit anfangs auf diese drei Sicherungsinstrumente. Kurssicherungen erfolgen bei der Lindner Gruppe projektbezogen zur Sicherung des Kalkulationskurses und nicht spekulativ. Durch konkrete Beispiele soll erarbeitet werden, wie die korrekte Bewertung und Verbuchung nach der Einführung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes von statten geht.

Die Lindner Gruppe wickelt fast 50 Prozent ihrer Geschäfte im Ausland ab, weshalb in dieser Arbeit die Sichtweise Lindner als Exporteur betrachtet wird. Im Fremdwährungsmanagement verwendet die Lindner Finanz GmbH zum Großteil die Währungen US-Dollar und Schweizer Franken. In den Fallbeispielen wird wegen des begrenzten Bearbeitungszeitraums nur die Währung US-Dollar verwendet.[5]

Gliederung der Arbeit

Die vorliegende Arbeit gliedert sich insgesamt in vier Kapitel. Im ersten Kapitel, der Einleitung, werden die Motivation, die Problemstellung und die Zielsetzung der Arbeit konkretisiert. Es erfolgt auch eine kurze Vorstellung der Lindner Gruppe.

Das zweite Kapitel vermittelt den theoretischen Hintergrund zu dieser Bachelorarbeit. Zunächst werden allgemeine Chancen und Risiken von Finanzinstrumenten dargestellt. Danach werden drei verschiedene Finanzinstrumente, DTG, DTG mit Laufzeitoption und Plain Vanilla Optionen, definiert und die jeweiligen Chancen und Risiken erläutert. Des Weiteren wird anhand eines Beispiels der Unterschied zwischen DTG und Plain Vanilla Option erklärt.

Mittelpunkt der Arbeit ist das dritte Kapitel mit der Erarbeitung der korrekten Bewertung und Verbuchung von praktischen Fallbeispielen aus der Lindner Gruppe. Einführend liefert eine Erläuterung der Änderungen bei der Bilanzierung von Finanzinstrumenten i.d.F. des BilMoG die notwendige Basis. Konkret werden die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung, die Bildung von Bewertungseinheiten mit den Unterpunkten einer Erläuterung des Grundgeschäfts und des Sicherungsinstrumentes dargestellt. Des Weiteren folgen Erklärungen zu den Voraussetzungen zur Bildung von Bewertungseinheiten, den drei verschiedenen Arten von Bewertungseinheiten, der Bewertungsmethode, der Bilanzierung von Bewertungseinheiten i.S.d. § 254 HGB und schließlich der Dokumentation, Effektivität sowie den Berichtspflichten. Danach werden vier Fallbeispiele der Lindner AG aufgegriffen, für die Lösungsvorschläge hinsichtlich ihrer Bewertung und Verbuchung erarbeitet werden. Zuerst wird das DTG bei normaler Fälligkeit im Hinblick auf die Problematik, Bewertung und Verbuchung unterjährig und zum Jahresabschluss erörtert. Danach werden drei praktische Fälle des DTG mit Laufzeitoption analysiert und ebenfalls auf die gleichen Kriterien hin untersucht.[6]

Im Fazit folgt eine Zusammenfassung der erarbeiteten Ergebnisse mit einer Empfehlung und Ausblick bezüglich der vorgestellten praktischen Fallbeispiele.

Vorstellung der Lindner Gruppe

Die Lindner Gruppe wurde 1965 von Hans Lindner gegründet. In den letzten Jahren ist das Unternehmen sowohl im Inland als auch im Ausland stetig gewachsen. Es hat sich zu einem führenden Unternehmen in Europa in den Bereichen Innenausbau und Fassadenbau, mit Tochtergesellschaften in mehr als 20 Ländern und ca. 4.800 Mitarbeitern weltweit, entwickelt.[7] Ein Organigramm der Lindner Gruppe soll den Aufbau und die Struktur des Unternehmens veranschaulichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Auszug Organigramm Lindner Gruppe[8]

Die Lindner AG gliedert sich in die Lindner Gruppe als Muttergesellschaft ein. Unter der Lindner AG siedeln sich mehrere Tochtergesellschaften an, unter anderem die Lindner Finanz GmbH und die Lindner Objektdesign GmbH.

Die Lindner Gruppe überzeugt vor allem durch das Konzept der schlüsselfertigen Übergabe, d.h. Lindner übernimmt alle Tätigkeiten von der Planung bis hin zum Komplettausbau (z.B.: Hotels, Bürogebäude z.B.: Abb. 2 „HafenCity“). Einen kurzen Einblick in die referenzreichen Projekte der Lindner Gruppe liefert das Referenzbuch im Anhang.[9]

Als aktuellste und herausragende Referenz in Deutschland gilt das Bürogebäude Unilever Haus „ HafenCity“ in Hamburg.[10]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Unilever Haus „HafenCity“ Hamburg[11]

Das Projekt umfasst die Auftragssumme von 6,5 Mio. EUR. Lindner lieferte die Konzepte und Produkte für Bodensysteme, Heiz- und Kühltechnologien, Trockenbauprodukte, Türen und Wandsysteme. Darüber hinaus erhielt dieses Projekt, gemäß den Zertifizierungen der „Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen“, die höchste Auszeichnung „HafenCity Green Building Standard“ in Gold für nachhaltiges Bauen.[12]

Ein weiteres anspruchsvolles Projekt ist der farbenfrohe Ausbau des Clubschiffs „AIDAluna“. Damit das einzigartige Design umgesetzt werden konnte, lieferte Lindner viele Sonderanfertigungen für Decken, Möbel und Einbauten. Die Lindner Gruppe übernahm den kompletten Ausbau der „AIDA Bar“, „AIDA Lounge“, des Casinos und des Fotoshops auf der „AIDAluna“.[13]

Das Referenzbuch zeigt noch mehr Bilder und Daten zu diesem Projekt im Bereich Schiffsausbau.[14]

Zwei Bilder von dem Kreuzfahrtschiff „AIDAluna“ sollen die Besonderheit des Designs verdeutlichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Clubschiff „AIDAluna“[15]

Besonders auffällig ist das Design des Casinos (linkes Bild) und der „Sternbar“ (rechtes Bild), die beide wie ein Magnetpol auf die Clubschiffgäste wirken.

2. Definition von Finanzinstrumenten

Die Lindner Gruppe verwendet drei Finanzinstrumente, das Devisentermingeschäft (Kap. 2.1), das Devisentermingeschäft mit Laufzeitoption (Kap. 2.2) und die Plain Vanilla Option (Kap. 2.3). Diese werden an Terminmärkten und nicht an Kassamärkten gehandelt, weil der Geschäftsabschluss und die Zahlung/Lieferung auf unterschiedliche Zeitpunkte fallen.[16] In der Praxis werden neben diesen einfachen Produkten auch immer komplexere Instrumente zur Sicherung der Wechselkursrisiken verwendet, die aufgrund der kurzen Bearbeitungszeit nicht berücksichtigt werden können. In der Literatur werden „Finanzderivat“ und „Finanzinstrument“ oft synonym verwendet. Demzufolge werden diese beiden Begriffe auch in dieser Arbeit als gleichwertig angesehen.[17]

Die folgende Abbildung liefert einen kurzen allgemeinen Überblick über die Chancen und Risiken von Finanzinstrumenten. Wie bereits vorher erwähnt, werden sie hier nur aus der Sicht des Exporteurs dargestellt. Die Sicht des Importeurs wird nicht betrachtet, weil dafür der zeitliche Rahmen in dieser Ausführung nicht ausreicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Chancen / Risiken von Finanzinstrumenten im Überblick (Sichtweise Exporteur)[18]

Das Schaubild zeigt, wie unterschiedlich sich die Chancen und Risiken bei den verschiedenen Finanzinstrumenten verteilen. Je nachdem wie risikofreudig oder risikoavers das jeweilige Unternehmen ist, wählt dieses das entsprechende Finanzderivat aus. Die Lindner Finanz GmbH verwendet nur die Finanzinstrumente DTG, DTG mit Laufzeitoption und Plain Vanilla Option, deshalb werden nur diese drei ausführlich erörtert. Beim Kassengeschäft wird kein Sicherungsgeschäft abgeschlossen (s. Abb. 2: Kasse „Nichts tun“). Chancen und Risiken stehen sich spiegelbildlich gegenüber. Da bei der Lindner Gruppe Fremdwährungsrisiken abgesichert werden, wird das Kassageschäft in dieser Arbeit nicht weiter erläutert.

Für die drei Finanzinstrumente, DTG, DTG mit Laufzeitoption und Plain Vanilla Option, gelten gemeinsam die folgenden vier wichtigen Risikokategorien:[19]

- Das Marktpreisrisiko umfasst die Risiken von Zinsänderungen, Währungsschwankungen und Volatilitäten.
- Die Gefahr des Zahlungsausfalls eines Geschäftspartners bezeichnet das Adressrisiko.
- Kann eine Zahlungsverpflichtung zum Fälligkeitstermin nicht beglichen werden, tritt das Liquiditätsrisiko ein.
- Bei operationellen Risiken handelt es sich um menschliche oder technische/maschinelle Fehler, wodurch ebenfalls Verluste entstehen können. Naturgemäß möchte sich ein Unternehmen gegen möglichst all diese Risiken absichern.

2.1 Devisentermingeschäft

2.1.1 Begriffsbestimmung

Unter einem Devisentermingeschäft versteht man eine vertragliche Vereinbarung zwischen zwei Vertragspartnern, die sich gegenseitig verpflichten[20], zu einem bestimmten Termin in der Zukunft einen festgelegten Währungsbetrag zum im Vorhinein festgelegten Wechselkurs zu tauschen. Es handelt sich hierbei um ein unbedingtes Termingeschäft. Durch den Abschluss eines DTG wird versucht, das Risiko bei Wechselkursschwankungen zu verringern.[21] Darüber hinaus zählt das DTG zu den „OTC“- (Over the Counter)-Geschäften, d.h. das DTG wird zwischen einem Finanzinstitut und dem Kunden individuell vereinbart und auch erfüllt.[22]

Zur Verdeutlichung wird im Folgenden ein fiktives Beispiel mit einer Zeitreihe dargestellt, wie der zeitliche Ablauf eines Devisentermingeschäftes bei planmäßigem Zahlungseingang abläuft:

Beispiel:

Ein Unternehmen liefert Produkte im Wert von 100.000,00 USD, fällig am 30.01.2011. Der Betrag wird am 30.09.2010 mit einem Terminkurs von 1 EUR = 1,2810 USD mit dem Stichtag 30.01.2011 abgesichert. Die Forderung von 100.000,00 USD wird durch die Auflösung des DTG beglichen – unterstellt, dass der amerikanische Kunde fristgerecht bezahlt. Sollte der Kunde früher bezahlen, wird der Forderungsbetrag in diesem Beispiel trotzdem erst zum 30.01.2011 in 78.064,01 EUR gewechselt. Es besteht allerdings die Möglichkeit einen Devisenswap durchzuführen. Diese Thematik wird in dieser Arbeit aufgrund des begrenzten Bearbeitungszeitraums nicht betrachtet.[23]

Zeitraum der Absicherung 4 Monate

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die folgende Graphik zeigt den geschilderten Beispielfall.

Abb. 5: DTG (Sichtweise Exporteur)[24]

Der Graph des Terminkurs zeigt den Kurs am Abschlusstag von 1 EUR = 1,2810 USD, der konstant über den gesamten Zeitraum festgelegt wird. Beim Abschluss eines DTGs ist die Entwicklung der Wirkung bei steigendem (schwarzer Graph) oder fallendem (blauer Graph) Kurs vollkommen identisch, da immer zu einem Kurs von 1,2810 EUR/USD verkauft wird.

2.1.2 Ermittlung des Devisenterminkurses

Zur Ermittlung des Devisenterminkurses wird generell folgende Formel angewendet:[25]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

T = Anzahl der Tage

TK = Terminkurs

KASSA = Spotkurs

rQ = Zinssatz p. a. in Dezimalen, quotierte Währung

rG = Zinssatz p. a. in Dezimalen, Gegenwährung

BQ = Berechnungsbasis für die quotierte Währung (360 oder 365)

BG = Berechnungsbasis für die Gegenwährung (360 oder 365)

2.1.3 Chancen (Vorteile)

Ein klarer Vorteil des DTGs ergibt sich aus der festen Kalkulationsbasis, weil Unternehmen dadurch besser planen können.[26] Aus Sicht des Exporteurs gewährleistet die Absicherung, dass er zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem vereinbarten Wechselkurs die Fremdwährung in die einheimische Währung „eintauschen“ kann. Der Exporteur ist deshalb vor ungünstigen Kursentwicklungen (Abwertung der Fremdwährung) geschützt.[27] Im Gegensatz zu Optionen, vgl. Kap. 2.3.1.1, entsteht bei DTG kein Prämienaufwand.[28]

2.1.4 Risiken (Nachteile)

Bei unbedingten Termingeschäften, so wie dem Devisentermingeschäft, spricht man von einem symmetrischen Risikoprofil, da sich die Gewinnmöglichkeiten und Verlustrisiken der Handelspartner spiegelbildlich gegenüberstehen. Entwickelt sich für die eine Seite das Geschäft positiv, ändert es sich auf der anderen Seite ins Negative.[29]

Im Gegensatz zur Option bedingter Termingeschäfte (s. Kap. 2.3.1) haben die Geschäftspartner beim DTG kein Wahlrecht zur Erfüllung des Geschäfts, sondern sind verpflichtet es zu erfüllen. Des Weiteren besteht aus der Sicht des Exporteurs keine Möglichkeit, von aus seiner Sicht positiven Marktentwicklungen (fallenden USD-Kursen) zu profitieren.[30]

[...]


[1] Vgl. Heinrich, M., S. 6.

[2] Vgl. Borchert, M., 2006, S. 1 ff.

[3] Vgl. Glossar

[4] Vgl. Heinrich, M., S. 6.

[5] Gespräch mit Frau Söver vom 13.08.2010.

[6] Vgl. Lühn, M.

[7] Vgl. Anhang 1, S. 24 ff.

[8] Lindner i-net.

[9] Vgl. Anhang 2.

[10] Vgl. Anhang 5, S. 4.

[11] Lindner i-net.

[12] Vgl. Anhang 3.

[13] Vgl. Anhang 4.

[14] Vgl. Anhang 2, S. 8 ff.

[15] Anhang 4, S. 9 ff.

[16] Vgl. Pfeifer, A., 2009, S. 301 ff.

[17] Vgl. Henkel, K., 2010, S. 91.

[18] HypoVereinsbank Uni Credit Group.

[19] Vgl. Heinzel, D., Knobloch, P., Lorenz, B., Eller, R. (Hrsg.), 2002, S. 17 ff.

[20] Siehe S. 6.

[21] Vgl. HypoVereinsbank UniCredit Group, S. 33 f.

[22] Vgl. Zimmermann, R., S. 1045.

[23] Vgl. Beckmann, R., S. 379.

[24] HypoVereinsbank Uni Credit Group.

[25] Vgl. Finance Trainer International Ges.m.b.H., S. 7.

[26] Vgl. Pfeifer, A., 2009, S. 308 ff.

[27] Vgl. Möhlmann, S. 12.

[28] Vgl. HypoVereinsbank Corporate Banking.

[29] Vgl. Ronig, R.

[30] Vgl. HypoVereinsbank Corporate Banking.

Details

Seiten
59
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783842807556
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v228174
Institution / Hochschule
Europäische Fachhochschule Brühl – Industriemanagement
Note
1,0
Schlagworte
devisentermingeschäft bilmog finanzinstrument option

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Titel: Grundlagen der Bilanzierung und Verbuchung von Finanzinstrumenten nach HGB in der Lindner Gruppe