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Bestandesbeurteilung im Dauergrünland als Indiz für die Klimaforschung

Diplomarbeit 2007 85 Seiten

Agrarwissenschaften

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

1. Einleitung
1.1. Grünland in Österreich
1.2. Klimaänderung und Klimaforschung
1.3. Problemstellung

2. Material und Methodik
2.1. Standortbeschreibung
2.1.1. Boden
2.1.2. Klima
2.2. Versuchsanordnung und Versuchsführung
2.2.1. Versuchsplan
2.2.2. Versuchsvarianten
2.2.3. Düngung, Mahd und Futterprobennahme
2.2.3.1. Düngung
2.2.3.2. Mahd
2.2.3.3. Futterprobennahme
2.3. Bestandesbeurteilung
2.4. Futter-, Wirtschaftsdünger- und Bodenanalytik

3. Ergebnisse und Diskussion
3.1. Boden und Nährstoffe
3.2. Pflanzen
3.2.1. Artengruppenverhältnis
3.2.2. Artenvielfalt
3.3. Futterertrag
3.4. Futterqualität und Qualitätsertrag

4. Ausblick für das Dauergrünland
4.1. Ausblick auf die Bestandesführung

5. Zusammenfassung

6. Summary

7. Literaturverzeichnis

8. Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

9. Anhang

10. Eidesstattliche Erklärung

Vorwort

Im September 2000 erhielt ich den Lehrauftrag für den Fachbereich Pflanzenbau an der Landwirtschaftlichen Fachschule Altmünster am Traunsee. Seit diesem Zeitpunkt unterrichte ich an der LFS Altmünster die ersten und dritten Jahrgänge. Darüber hinaus übernahm ich von meinem Vorgänger Ing. Franz Liebfahrt die Führung und Betreuung eines Extensivierungsversuches im Dauergrünland der von mir bis ins Jahr 2002 auf unserer Schulliegenschaft betreut wurde. Dieser Versuch wurde von der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft Raumberg – Gumpenstein, damals noch BAL – Gumpenstein unter der Leitung von Univ.-Doz. Dr. Karl Buchgraber initiiert und geführt. Weiters wurde im Frühjahr 2002 ebenfalls unter der Leitung von Univ.-Doz. Dr. Karl Buchgraber ein weiterer Exaktversuch installiert. Es handelt sich dabei um das Forschungsprojekt 2953 „ Entwicklung eines Modells für die konkrete Ermittlung von Trockenschäden in den einzelnen Grünlandregionen Österreichs“.

Ich betreue diesbezüglich in Altmünster einen von 27 Versuchstandorten. Im Jahr 2005 erhielt die Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft Raumberg – Gumpenstein für dieses Projekt den österreichischen Klimaschutzpreis. Aufgrund des hohen Anteils des Grünlandes an der Gesamtfläche der landwirtschaftlichen Nutzfläche, ist die Beurteilung und Bewertung dieser Flächen sehr aussagekräftig hinsichtlich möglicher Veränderungen des Klimas. Weiters ist die Grünlandwirtschaft im Salzkammergut der wichtigste landwirtschaftliche Wirtschaftszweig und somit an unserer Fachschule von großer Bedeutung. Aufgrund der Bedeutung und Aktualität entschloss ich mich für eine dahingehende Diplomarbeit.

Besonders bedanken möchte ich mich bei Dr. Karl BUCHGRABER und Ing. Reinhart RESCH für die Unterstützung seitens der HBLFA Raumberg GUMPENSTEIN für die Bereitstellung zahlreicher Forschungsdaten und für die Möglichkeit des fachlichen Austausches. Weiters gilt mein Dank auch Dipl.-HLFL-Ing. Josef GALLER von der Landwirtschaftskammer Salzburg für die Bereitstellung von hilfreicher Literatur.

Salzburg, Februar 2007 Bernhard M. Nöbauer

1. Einleitung

Das Wetter und die Witterung beschreiben den momentanen Zustand der Troposphäre und bieten letztlich den Rahmen für die tägliche Bewirtschaftung unserer Wiesen und Weiden. Das Klima hingegen beeinflusst durch seine Langfristigkeit den Pflanzenbestand und ist mitverantwortlich für die Vegetation an bestimmten Standorten. Das Klima bestimmt neben vielen anderen Faktoren welche Pflanzen an welchem Standort gedeihen können. Es ist möglich, aus einem Pflanzenbestand Rückschlüsse auf das in Richtung Klima zu ziehen. Dennoch ist die Bestandesaufnahme am Dauergrünland ein Indiz für die Bestimmung klimatischer Gegebenheiten und möglicher Veränderungen. Gerade Wetterextreme wie Hitze oder Feuchtperioden die in den letzten Jahren vermehrt aufgetreten sind, wirken sich auf die Artenzusammensetzung unseres Grünlandes aus. Bestandesaufnahmen am Grünland nach solchen Extremen zeigen deutliche Veränderungen des Pflanzenbestandes. Aufgrund der Beobachtung des Pflanzenbestandes ist es also möglich, Veränderungen des Klimas zu erkennen und darauf zu reagieren.

Ich werde beschreiben wie ich die Bestandesaufnahme auf dem von mir betreuten Exaktversuch vollziehe und auf welche Ergebnisse ich bis zum heutigen Tag kam.

1.1. Grünland in Österreich

Das Österreichische Grünland erstreckt sich über alle vier Klimastufen Österreichs. Von der Pannonisch – Illyrieschen Zone über die Baltische Zone bis hin in den alpinen Raum sind Grünlandflächen ein wichtiger Bestandteil unserer Kulturlandschaft. Insgesamt zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Österreich, also 2,4 Millionen ha, sind mit Grünland bewachsen. Aus diesem Grünland erwirtschaften unsere Bäuerinnen und Bauern 6,8 Millionen Tonnen Biotrockenmasse, die die Nahrungsgrundlage für 2,5 Millionen Nutztiere darstellt. Im Jahr 2003 gab es in Österreich 115000 Grünlandwirte; bei einer Gesamtanzahl von 190382 Land- und Forstwirtschaftsbetrieben machen also die Grünlandwirtschaften den Löwenanteil der Bewirtschaftungsformen aus (vgl. Grüner Bericht 2003). Ein durchschnittlicher Grünland und Viehbauer hält auf seinen Flächen rund 0,8 Großvieheinheiten pro ha Grünland. Im Vergleich zum EU Durchschnitt handelt es sich also um eine sehr extensiv bewirtschaftete Nutzfläche. Die klein strukturierten Betriebe im alpinen Bereich halten nur rund 10 Milch- oder Mutterkühe. Dazu kommt noch, dass rund jeder zehnte Grünlandbauer nach organisch-biologischen Grundregeln produziert. Weiters bietet das ÖPUL, das den Bewirtschaftungsrahmen für fast alle Betriebe im Grünlandsektor definiert, sehr eingeschränkte Möglichkeiten einer intensiven Grünlandbewirtschaftung. Heute werden schon 50% des Gesamtgrünlandes in Österreich, insgesamt 1.042.090 ha (Stand 2002) extensiv bewirtschaftet (siehe Abbildung 1).

In dieser offensichtlichen Kleinstrukturiertheit besteht die Gefahr, dass Regionen, speziell jene welche touristisch weniger genutzt sind, immer extensiver bewirtschaftet werden (siehe Abbildung 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Ausmaß und Vielfalt des österreichischen

Grünlandes im Jahr 1999 BUCHGRABER, 2002

Der letzte Extensivierungsschritt in diesen Regionen ist dann oft die Aufforstung von Dauergrünlandflächen. Täglich verwalden in Österreich 15 ha landwirtschaftliche Nützfläche (vgl. UMWELTBUNDESAMT 2006).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Grünlandkategorien WAGNER, 2000

Von extensivem Grünland spricht man, wenn einmähdige Wiesen, Hutweiden, Streuobstwiesen und Naturschutzwiesen vorliegen. Ebenfalls extensiv bewirtschaftet sind Almflächen in Höhenlagen. In Österreich sind das zirka 830.000 ha, wobei rund 500.000 ha als Futterfläche dienen. Das restliche 330.000 ha große Almgebiet droht mehr und mehr zu verwalden. In dieser Verwaldung ist jedoch ein Ost – West Gefälle zu erkennen, da im Westen Osterreichs die Milchwirtschaft einen höheren Stellenwert genießt. Almen, die als Milchwirtschaftsalmen ausgewiesen und bewirtschaftet sind, sind weniger von einer Extensivierung bedroht. Und solche Milchwirtschaftsalmen sind großteils in Westösterreich anzutreffen. (siehe Abbildung 3)

Es liegt nicht nur im Interesse der Landwirtschaft, Grünlandflächen zu erhalten, es liegt auch im Interesse der Tourismusverbände und Landesregierungen. Es gibt Rekultivierungsprojekte, wie zum Beispiel die Almrekultivierung der Rettenbachalm in Bad Ischl, bei der auch ich mit meinen Schülern mitgeholfen habe, Almflächen zurückzugewinnen. Jedoch sind solche Umkehrmaßnahmen gegen den Verlust an Grünland – Nutzfläche sehr kosten- und arbeitsintensiv. Es ist aber überaus wichtig, öffentliche Gelder für solche Projekte bereitzustellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Abbildung 3: Almwirtschaftstypen PFUSTERSCHMID und WAGNER, 2000

In den Österreichischen Mischbetrieben, auf denen sowohl Grünland- als auch Ackerflächen bewirtschaftet werden, wie zum Beispiel im unteren Innviertel, nimmt die Bedeutung des Grünlandes zumindest kurzfristig ab, da aus den Ackerflächen höhere Deckungsbeiträge erzielbar sind (inwieweit sich die vermehrte Nutzung der Ackerflächen für die Energieerzeugung auf diesen Trend auswirkt, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen). Es handelt sich in diesen Bereichen meistens um ein mehrmähdiges Wirtschaftsgrünland mit hohen Trockenmasseerträgen. Diese Entwicklung bringt zwei große Nachteile mit sich. Einerseits werden immer mehr Dauergrünlandflächen in Ackerflächen umgewandelt, sogar solche, die als Ackerflächen nicht geeignet sind, und weiters wird das Landschaftsbild somit verändert. Düngemittel gelangen in solchen Regionen in erster Linie auf Ackerflächen und erst sekundär auf die Grünlandbestände. Diese ungleiche Wirtschaftsdüngerausbringung verändert den Pflanzenbestand des Dauergrünlandes nachhaltig, es kommt zu einer Verarmung der Pflanzengesellschaften (siehe Abbildung 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Auswirkungen der Unternutzung nach BUCHGRABER, 2002

Diese Entwicklung basiert darauf, dass das Grünland und dessen Futterprodukte Heu und Grassilage in einer intensiven Viehmast eine immer geringe und in einer intensiven Milchviehhaltung eine sinkende Bedeutung hat. Es ist auch zu erkennen, dass sich die A-Quote von den Gunstlagen hin in den Alpinen Bereich beziehungsweise in den Bereich des Mühl- und Waldviertels bewegt. In den Gunstlagen findet dann das Grünland in den neuen Bewirtschaftungsformen nur noch eine sehr geringe Bedeutung. Unser österreichisches Grünland ist also einem Wandel unterworfen, nicht nur durch die neuen Bestimmungen, Verpflichtungen und Möglichkeiten der Cross Compliance und des neuen ÖPUL, sondern auch durch Entwicklungen der Weltwirtschaft und die Liberalisierung der Märkte.

Das Österreichische Grünland wird aber auch durch die in den letzen Jahren deutlich gewordene Klimaänderung beeinflusst. Eine mittlere Erwärmung im letzten Jahrhundert um 0,6°C (vgl. KROMP-KOLB 2003), sowie das Jahrhunderthochwasser 2002, die im Jahr 2003 stattgefundene Dürreperiode, der schneereiche Winter 2005/2006, die wochenlange Hitzeperiode im Sommer 2006 und der sehr milde Winter 2006/2007 weisen auf diese Veränderungen hin. Umso mehr liegt es an uns, den in der Firma Landwirtschaft tätigen Personen, diesen Wandel zu beobachten und zu dokumentieren.

1.2. Klimaänderung und Klimaforschung

Als Klima bezeichnet man das durchschnittliche Wettergeschehen über einen längeren Zeitraum. Es ist notwendig, einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren zu beobachten, um ein Klima an einem bestimmten Standort zu beschreiben. Dieser Periodenwert zur klimatologischen Bewertung wurde von der WMO als Normalperiode eingeführt. Veränderungen des Klimas sind auf eine sehr komplizierte Wechselwirkung zwischen Atmosphäre, Hydrosphäre, Lithosphäre, Pedosphäre und Biosphäre zurückzuführen, aber auch auf viele externe Faktoren wie Sonnenaktivität, Positionierung der Erde zur Sonne sowie vulkanische Aktivitäten auf unserem Planeten. Diese Massenfaktoren wirken in erster Linie auf unser Klima; erst nachgelagert kommen menschliche Aktivitäten also anthropogene Faktoren hinzu. Die “globale Klimaänderung“ ist derzeit in aller Munde und wird sogar in einem Themenschwerpunkt des ORF diskutiert. Die Klimaänderung ist in den letzten Jahren sehr deutlich bemerkbar geworden, vor allem die Veränderung der Temperatur, die im globalen Mittel im letzten Jahrhundert um 0,6°C (IPCC 2001) gestiegen ist (siehe Abbildung 5). Betrachtet man das letzte Jahrtausend, so erkennt man, dass speziell im letzten Jahrhundert eine sehr drastische Steigerung der Jahresmittel zu erkennen ist. So stieg die Temperatur im letzten Jahrtausend in Europa um 0,8°C, davon 0,6°C im letzten Jahrhundert (vgl. KROMP-KOLB 2006). Aufgrund der höheren Temperaturen kam es bereits zu einer Erhöhung des Meeresspiegels um 10 bis 20 cm (IPCC, 2001).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Globales Temperaturentwicklung der letzten 1000 Jahre IPCC, 2001

Bei uns in Österreich ist die Veränderung der Lufttemperatur ebenfalls sehr deutlich erkennbar (siehe Tabelle 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Dekadendurchschnitt der durchschnittlichen Lufttemperatur in Grad Celsius ZENTRALANSTALT FÜR METEOROLOGIE UND GEODYNAMIK, Wien 2003

Klimaprognosen das IPCC zeigen, dass wir öfter mit Wetterextremen rechnen müssen, und dass es nicht nur zu einer Veränderung der Temperatur, sondern auch der Wasserversorgung durch unregelmäßige Niederschläge kommen wird (siehe Tabelle2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Klimaprognosen bis zum Jahr 2030 IPCC, 1995

Mittlerweile ist es in wissenschaftlichen Kreisen bewiesen, dass sich das Klima in unseren Breiten verändert. Es ist klar ersichtlich, dass sich das Temperaturmittel in Österreich erhöht. Eine nicht so klare Richtung zeigt sich hingegen in der Niederschlagsentwicklung, welche in den alpinen und voralpinen Bereichen einen Anstieg von 10% zeigt und in den südlichen und östlichen Regionen eine Senkung zeigt. Es ist damit zu rechnen, dass es vermehrt zu Wetterextremen kommen wird, wie zum Beispiel Trockenheitsperioden in der Vegetationszeit. Durch die Zunahme von Trockenperioden wird es zu einer Veränderung der Dauergrünlandbestände kommen und das feucht- warme Klima wird zu einem vermehrten Auftreten von Schadinsekten führen (vgl. SZITH 2004).

Das Klima bestimmt sehr wohl, welche Pflanzen und Pflanzenartenzusammensetzungen wir auf unseren Dauergrünlandbeständen antreffen. Es ist aber deutlich zu sagen, dass die Beurteilung des Bestandes nicht ausreicht, um das Klima an einem bestimmten Ort festzustellen, da das dadurch erhaltene Bild durch viele örtliche Einflüsse verzerrt werden kann. Die Beurteilung des Dauergrünlandbestandes soll aber als nützliches Indiz dienen, um Klimaänderungen sichtbar zu machen. Die Beurteilung unseres Grünlandes und die daraus resultierenden Ergebnisse können und sollen eine Hilfe in der Erkennung von Veränderungen im Klima sein. Voraussetzung ist es aber, dass man Parameter, welche den Pflanzenbestand sehr schnell und nachhaltig verändern, wie Düngung und Nutzung, sehr konstant hält. Die durch exakte und stabile Beurteilung erhaltenen Ergebnisse, vor allem jene aus Exaktversuchen, liefern brauchbare und wichtige Daten für die Wissenschaft.

1.3. Problemstellung

Für mich als Landwirt, Pflanzenbaulehrer und Versuchsbetreuer stellen sich nun mehrere Fragen. Wie wirkt sich die derzeitige Klimaänderung auf unsere Grünlandflächen aus, und wie können wir in der Landwirtschaft darauf reagieren?

Ich setze mich in meiner Arbeit mit folgenden Fragen auseinander:

1. Besteht ein Zusammenhang zwischen der Nutzungsintensität auf Dauergrünlandflächen und trockenheitsbedingter Ertragsausfälle?
2. Wie wirken sich Trockenperioden auf die Artengruppen aus?
3. Wie wirken sich Trockenperioden auf den Ertrag des Grundfutters aus?
4. Wie wirken sich Trockenperioden auf die Energiedichte des Grundfutters aus?
5. Wie wirken sich Trockenperioden auf die Inhaltsstoffe des Grundfutters aus?

2. Material und Methodik

Um ein genaues Bild zu erhalten, wie sich das österreichische Grünland in extremen Wettergeschehen verhält, und um einen bundesweiten Querschnitt ziehen zu können, wurden über das ganze Bundesgebiet 27 Versuche angelegt. Der von mir betreute Versuch in Altmünster soll ein genaues Bild auf mögliche Veränderungen des Klimas und dessen Auswirkung auf unsere Wiesen und Weiden im Salzkammergut geben. Der Versuch und das damit ermittelte Datenmaterial lässt es zu, ein genaues Bild über Ernteausfälle wie Trockenheit oder Hagelschaden zu erhalten, um diese Schäden dann unseren Grünlandbauern über notwendige Versicherungen und Fonds auszugleichen.

2.1. Standortbeschreibung

Der Versuch liegt etwas unterhalb der landwirtschaftlichen Fachschule Altmünster am Traunsee. Bei der Installierung habe ich darauf geachtet, dass es sich um einen für die Region typischen Standort handelt, der nach Möglichkeit nicht zu weit von der Schule entfernt ist, um den Schülerinnen und Schülern auch einen Einblick in die Versuchsführung zu gewährleisten. Der Versuch befindet sich auf einer leichten Hanglage mit einer Neigung von 5°/NO hin zum See. Die Parzellen liegen auf 441m Seehöhe.

2.1.1. Boden

Die genaue Bewertung und Analyse des Bodens ist Voraussetzung für eine exakte Versuchsführung. Die Analyse wurde von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in Wien durchgeführt. Es handelt sich bei unserem Bodentyp um einen Komplex aus Kalklehm-Rendzina und Kalkbraunlehm. Die Untersuchung der Bodenschichten erfolgte mittels eines Schüsselbohrers und reichte bis in eine Tiefe von 50cm.

Die Beschreibung der Bodenprofile erfolgte durch Dr. Bohner, dem Leiter der Abteilung Umweltökologie an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein (siehe Tabelle 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Beschreibung der Bodenprofile am Standort Altmünster BOHNER 2003

2.1.2. Klima

Folgende Klimaeckdaten des Versuchsstandortes wurden in die entstandenen Klimamodelle einbezogen. Der durchschnittliche Jahresniederschlag in Altmünster liegt bei 1200 mm und die mittlere Jahrestemperatur bei 9,0°C. Der Versuchsstandort befindet sich, wie oben bereits angeführt auf 441m auf einer leichten Hanglage mit einer Neigung von 5°/NO hin zum See. Der Versuch liegt im Einflussbereich des Kleinklimas des Sees. Geringere Schneelage durch die Wärmestrahlung des Sees und bodennaher Nebel sind charakteristisch für den Standort.

2.2 Versuchsanordnung und Versuchsführung

Ich nahm die Versuchsanlage im Frühjahr 2002 vor. Die Anlage erfolgte nach einem vorgegebenen Versuchsplan der Grünlandabteilung Gumpenstein (siehe Abbildung 6).

2.2.1 Versuchsplan

Um die unterschiedlichen Nutzeigenschaften des Grünlandes zu berücksichtigen, wurde der Versuch in neun Parzellen geteilt, je drei zweischnitt-, dreischnitt- und Vierschnittflächen. Jede Parzelle ist in quadratischer Form mit den Maßen 4 mal 4 Metern angelegt und weist eine Größe von 16m² auf. Der Versuch ist durch zwei Wege mit einer Breite von 2 Metern der Länge nach unterteilt, um für die Mahd sowie für die Düngung ausreichend Platz zu haben. Der Exaktversuch ist in rechteckiger Form mit den Maßen 12 mal 16 Metern angelegt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Versuchsplan des Trockenschäden -Versuches Altmünster

2.2.2. Versuchsvarianten

Da sich die Nutzung des Grünlandes maßgeblich auf den Pflanzenbestand niederschlägt, ist der Versuch in drei verschiedene Schnitthäufigkeiten unterteilt. Um diese Nutzeigenschaften am Grünlands zu berücksichtigen, ist der Versuch in neun Parzellen eingeteilt je drei zweischnitt-, dreischnitt- und Vierschnittflächen (siehe Abbildung 7). Die dreifache Wiederholung jeder Parzelle ist notwendig, um lokale Fehler gering zuhalten. Solche lokale Fehlerquellen die bei mir im Versuch bereits aufgetreten sind, sind starker Wühlmausbefall einzelner Parzellen oder ein sehr hohes Aufkommen von Wiesenlabkraut im Bestand. Wir haben also je drei Parzellen einer Schnittvariante, die in der Düngung gleich sind und auch bei der Futteranalyse zusammengefasste werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Versuchsplan nach Nutzungsfrequenz HBLFA Raumberg-Gumpenstein

2.2.3. Düngung, Mahd und Futterprobennahme

2.2.3.1 Düngung

Der Versuch in Altmünster wird konventionell geführt; so wird neben Rindergülle in den viermähdigen Parzellen nach dem dritten Schnitt auch eine Mineraldüngung mit Nitramoncal 27%N durchgeführt. Die Schnitthäufigkeit schlägt sich auf den Versuchsparzellen durch die Düngung nieder. So wird auf den Zweischnittflächen ein Besatz von 0,9 GVE/ha simuliert, daraus resultiert eine Düngermenge von 13,5m³/ha. Auf den Dreischnittflächen wird ein Besatz von 1,4GVE/ha angenommen Das entspricht wiederum einer Düngermenge von 21m³/ha und bei den Vierschnittflächen bei einem Besatz von 2GVE/ha einer Düngermenge von 30m³/ha und nach dem dritten Schnitt einer NAC Gabe von 50kg/ha. Die Analysen der Düngemittel und Futterproben wurden von der Abteilung Analytik der HBLFA Raumberg GUMPENSTEIN durchgeführt und sind im Anhang ersichtlich. Um die Homogenität der Rindergülle zu steigern wird sie im Verhältnis 1:0,5 mit Wasser verdünnt. Es ist darauf Wert zu legen, dass der Wirtschaftsdünger eine gleichmäßige Qualität in Zusammensetzung und Nährstoffgehalt aufweist.

Das Wirtschaftsjahr startet im Frühjahr mit der Pflege der Parzellen bei beginnender Vegetation. Die Versuchsfläche wird abgerecht, um Maulwurfs-, Wühl- oder Feldmausschäden einzuebnen und um einer Verschmutzung der Futterproben vorzubeugen. Anschließend wird mit beginnender Vegetation auf alle Parzellen eine Frühjahrsdüngung durchgeführt. Die Düngung erfolgt mit 1: 0,5 mit Wasser verdünnter Rindergülle, die mittels eines Spritzkruges mit Prallteller auf die Fläche ausgebracht wird (siehe Abbildung 8).

Auf den Parzellen 2a,b und c 15,60 kg/16m² (0,9 GVE) auf den Parzellen 3a,b und c 24,30 kg/16m² (1,4 GVE) und auf den Parzellen 4a,b und c 34,70 kg/m² (2 GVE). Wichtig dabei ist, dass die Gülle vom Anfang bis zum Ende der Düngung den gleichen Verdünnungsgrad aufweist. Günstiger Weise finden die Düngungen bei leicht feuchter Witterung statt, um Verdunstungsverluste zu minimieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Ausbringung der Gülle mittels Spritzkrug mit Prallteller, 2005

Die nächsten Düngungen erfolgt jeweils nach dem ersten Schnitt.

Um den 15. Mai auf den Vierschnittflächen. Dabei bringe ich auf diese drei Parzellen je 34,7 kg Rindergülle aus. Um den 20. Mai auf den Dreischnittflächen. Dabei bringe ich auf diesen drei Parzellen je 24,3 kg Rindergülle aus. Um den 20. Juni bringe ich auf den Zweischnittflächen je 15,6 kg Rindergülle aus. Die letzte Düngergabe erhalten die Vierschnittflächen nach deren dritten Schnitt, und zwar eine Gabe von 296g NAC 27%.

Die Probennahme der Rindergülle nehme ich im Frühjahr, nach dem 1. Schnitt der Vierschnittflächen und nach dem 1. Schnitt der Zweischnittflächen vor. Die Analyse der Gülle erfolgt in der Analytikabteilung der HBLFA Raumberg- GUMPENSTEIN. Die genauen Ergebnisse der Analysen sind im Anhang abgebildet.

2.2.3.2. Mahd

Für die Mahd der einzelnen Parzellen sind von der Versuchsanstalt GUMPENSTEIN Richttermine vorgegeben, die von mir so gut wie möglich eingehalten werden (siehe Tabelle 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: Richttermine für den Mähzeitpunkt am Standort Altmünster ( + Jahres- und Tageswitterung)

Die Mahdhöhe soll zirka sechs cm betragen und während der gesamten Versuchsdauer gleich bleiben; überdies wird der Versuch so nicht unnötig durch einen Kurzschnitt geschädigt. Gewährleisten lässt sich ein gleich bleibender Schnitt beispielsweise durch Anbringen von Distanzstücken unter dem Mähbalken.

2.2.3.3. Futterprobennahme

Nach dem Mähen wird der Ertrag der einzelnen Parzellen gewogen. Aus den drei Wiederholungen wird dann mittels eines Probenbohrers eine Durchschnittsprobe von 1000g gezogen (siehe Abbildung 9). Anschließend wird die Trockenmasse ermitteln.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Futterprobennahme mittels eines Probenbohrers durch eine Schüler, 2005

Wichtig ist, dass man bei der Probennahme darauf achtet, dass keine Verunreinigungen in die Futterprobe gelangen. Besonders gefährlich sind Steine und Erdteile, die den Trockenmassegehalt stark beeinflussen würden. Daher verwende ich ein Brett, das ich unter den Futterhaufen lege, um Einstiche in den Boden zu vermeiden. Die Verwendung des Probenbohrers hat zwei große Vorteile. Einerseits wird das Futter zerkleinert, was Weiterverwendung erleichtert, und andererseits wird ein Durchschnitt aus dem Futterhaufen gezogen. Alle Arbeitsschritte auf einem Exaktversuch sind sorgfältig und genau durchzuführen, da eine Ungenauigkeit mit einem hohen Faktor auf unser Wirtschaftsgrünland multipliziert wird.

2.3.Bestandesbeurteilung

In der Grünlandforschung hat die Beurteilung des Pflanzenbestandes eine zentrale Rolle. Wichtige Informationen über den Zustand, über Unregelmäßigkeiten und Veränderungen werden mittels der Bewertung botanischer Zusammensetzungen gewonnen. Der Bestandesbeurteilung am Dauergrünland wird oftmals weniger Aufmerksamkeit gezollt als notwendig. So erkenne ich in der Beratung und Lehre, dass der Landwirt oft erst beim Auftreten von Problempflanzen beginnt, seine Bestände zu hinterfragen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 10: Faktoren die den Pflanzenbestand beeinflussen

Der Grünlandbestand ist kein immer gleich bleibender homogener Bestand. Unsere Grünlandflächen sind einer ständigen Veränderung ausgesetzt. Hauptverantwortlich für die Veränderungen des Pflanzenbestandes sind Bewirtschaftungs- und Standortparameter (siehe Abbildung 10). Nutzungsformen, landtechnische Parameter, Änderungen in der Düngung und Bestoßung, sowie Veränderungen des Klimas ändern den Bestand. Aus diesem Grund ist es notwendig, Grünlandflächen aufmerksam zu beobachten, um Veränderungen wahrzunehmen.

Auf dem von mir betreuten Versuch kamen zwei Methoden der Bestandesbeurteilung zum Einsatz. Für eine schnelle Ermittlung der Artengruppen und ihrer prozentuellen Anordnung eignet sich in der Praxis die Methode der Ertragsanteilschätzung nach Klapp (1956) sehr gut. Bei dieser Methode werden die Anteile der drei wirtschaftlich wesentlichsten Artengruppen Gräser, Leguminosen und Kräuter an der Gesamtblattmasse geschätzt. Die Gesamtsumme muss 100 % ergeben (inkl. Proj. Deckung). Mit relativ geringem Zeitaufwand ist eine Beurteilung hinsichtlich der optimalen Bestandeszusammensetzung möglich. Diese Methode nach KLAPP verwende ich vor jedem Schnitt zur Beurteilung des Pflanzenbestandes.

Die zweite Methode, die am Versuch Verwendung findet, ist die Pflanzenbestandsaufnahme mittels Flächenprozentschätzung. Die Flächenprozentschätzung wurde von SCHECHTNER (1958) für die Aufnahme von Gründlandbeständen und deren pflanzensoziologischer Zusammensetzung entwickelt. Grundsätzlich wird die projektive Deckung eines Bestandes mittels Schätzung ermittelt. Die Gesamtdeckung des Bestandes erhält man durch Addition der Deckungsprozente aller Bestandespartner. So kann es ohne weiters sein, dass bei einer guten Wüchsigkeit und einem geschlossenem Bestand die Gesamtdeckung über 100% liegt. Im Anhang ist eine solche Bestandesaufnahme nach SCHECHTNER des Versuches in Altmünster (Wirtschaftsjahr 2005) abgebildet.

Bevor ich die einzelnen Versuchsparzellen mähe, wird jede einzelne Fläche von mir bonitiert. Zuerst stelle ich die projektive Deckung fest, indem ich die offenen Stellen im Bestand messe und diese prozentuell der Parzellenfläche gegenüberstelle. Anschließend bestimme ich die gewichtsmäßig kleinste Artengruppe; in der Regel handelt es sich hier auf meinem Versuch um die Gruppe der Leguminosen. Danach bestimme ich, wie viel Gewichtsprozente den beiden anderen Artengruppen zufallen. Weiters wird bestimmt, in welchem Vegetationsstadium sich der zu nutzende Bestand befindet. Dazu werden die Parzellen in Bezugnahme auf die Leitgräser Knaulgras und Goldhafer in einer sechsteiligen Bewertungsskala eingeteilt (siehe Tabelle 5).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 5: Bewertungsskala - Vegetationsstadium

Nun erfolgt noch die Bestimmung der Wuchshöhe in cm. Dabei ist das Augenmerk darauf zu legen, dass die Durchschnittshöhe des Bewuchses zu bestimmen ist. Weiters wird der Bestand auf dessen Feuchtigkeitszustand hin bonitiert. Eingeteilt wird das Futter dahingehend vor der Ernte in einer neunteiligen Skala (siehe Tabelle 6).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 6: Skala zur Bewertung des Feuchtigkeitszustandes von Futterproben

Allgemein ist bei der Durchführung von Pflanzenbestandsaufnahmen folgendes zu beachten: Im Grünland sollte eine homogene Aufnahmefläche nicht kleiner als 50 m² sein, ideal ist eine Größe von 100 m². Der Grund ist, dass einige wichtige Arten sehr zerstreut und daher auf kleinen Aufnahmeflächen nicht erfassbar sind (BOHNER und SOBOTIK, 2000). Auf Feldversuchen, wie es bei meinem Exaktversuchen zur Trockenschädenerhebung der Fall ist, ist es wichtig, nur den speziell ausgewiesenen Bereich der Versuchsparzelle zu sehen und zu bewerten. Die Pflanzenbestandsaufnahme sollte unmittelbar vor dem ersten Schnitt erfolgen. Bei den Folgeaufwüchsen sollen die Artenlisten kontrolliert und eventuell ergänzt werden. Es eignet sich auch in den Folgeaufwüchsen eine Gewichtsprozentschätzung durchzuführen, um Veränderungen während des Jahres zu dokumentieren. Üblicherweise werden Schätzmethoden angewandt, da sie schnell durchführbar sind bei entsprechender Übung auch zuverlässig sind. Weiters schätzt man eher Ertragsanteile (das Gewicht), da der Ertrag das Hauptinteresse des Bauern darstellt.

2.4. Futter-, Wirtschaftsdünger- und Bodenanalytik

Die chemischen Untersuchungen der Futterproben wurden in der Abteilung Analytik der HBLFA Raumberg – GUMPENSTEIN mit der amtlichen Methode der ALVA bzw. VDLUFA durchgeführt.

Die Bestimmung der Verdaulichkeit der organischen Masse erfolgte im Labor des Referates Futterkonservierung und Futterbewertung mit der Methode nach TILLEY & TERRY (1963).

Die Untersuchung der Nährstoffgehalte der Rindergülle erfolgte ebenfalls an der Analytik Abteilung der HBLFA Raumberg – Gumpenstein.

Die Analyse der Bodenproben wurde von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in Wien durchgeführt. Die verwendeten Amtlichen Untersuchungsmethoden sind im Anhang bei den jeweiligen Parametern angeführt. Die Beprobung erfolgte im Jahr 2002 mit einem Schüsselbohrer in der Bodentiefe von 0 bis 10 cm, unterschieden nach den unterschiedlichen Schnittfrequenzen. Im Jahr 2004 erfolget eine weitere Untersuchung mittels eines Stechbohrers in fünf verschiedenen Bodentiefen (0-10 cm, 10-20 cm, 20-30 cm, 30-40 cm und 40-50 cm). Nachdem ich gemeinsam mit meinen Schülerinnen und Schülern am Versuchsstandort ein Bodenprofil aushob, erfolgte die genaue Beschreibung dieses Bodenprofils durch Dr. BOHNER, Leiter der Abteilung Umweltökologie der HBLFA Raumberg – Gumpenstein (siehe Seite 13 und 14).

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Details

Seiten
85
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783842806429
Dateigröße
4.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v228122
Institution / Hochschule
Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik – Pflanzenbau, Studiengang Landwirtschaft
Note
1,0
Schlagworte
grünland österreich bestandesbeurteilung pflanzenbau grünlandwirtschaft klimawandel

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Titel: Bestandesbeurteilung im Dauergrünland als Indiz für die Klimaforschung