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Entwicklung einer Kosten- und Leistungsrechnung am Beispiel eines Kleinunternehmens

Masterarbeit 2005 97 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis/Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Abgrenzung der Arbeit
1.3 Methodisches Vorgehen

2 Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung
2.1 Allgemeines zur Kosten- und Leistungsrechnung
2.2 Aufbau und Abwicklung der Kosten- und Leistungsrechnung
2.2.1 Die Kostenrechnung
2.2.2 Die Leistungsrechnung
2.2.3 Die Teilrechnungen der Kosten- und Leistungsrechnung
2.2.3.1 Die Kostenartenrechnung
2.2.3.2 Die Kostenstellenrechnung
2.2.3.3 Die Kostenträgerrechnung
2.3 Prinzipien der Kosten- und Leistungsrechnung
2.3.1 Gestaltungsgrundsätze
2.3.2 Verrechnungsprinzipien
2.4 Einteilung der Kosten
2.5 Abstimmung der Kosten- und Leistungsrechnung mit der Finanzbuchhaltung

3 Unternehmenscharakteristik
3.1 Allgemeines
3.2 Rechtsform und Unternehmensstruktur
3.3 Unternehmensentwicklung
3.4 Produkt- und Dienstleistungsprogramm
3.5 Auftragsfertigung
3.6 Finanzbuchhaltung

4 Entwicklung einer Kosten- und Leistungsrechnung
4.1 Einflussfaktoren auf die Entwicklung und Gestaltung
4.2 Zweckmäßigkeit von Kosten- und Leistungsrechnung für die T.T.TN GmbH
4.3 Strukturierung der Kosten- und Leistungsrechnung
4.3.1 Die Kostenartenrechnung
4.3.1.1 Ziele und Aufgaben
4.3.1.2 Gliederung der Kostenarten
4.3.1.2.1 Personalkosten
4.3.1.2.2 Materialkosten
4.3.1.2.3 Fremdleistungskosten
4.3.1.2.4 Steuern
4.3.1.2.5 Abschreibungen
4.3.1.2.6 Kapitalkosten
4.3.1.2.7 Wagnisse
4.3.2 Kostenstellenrechnung
4.3.2.1 Ziele und Aufgaben
4.3.2.2 Bildung von Kostenstellen und Kostenstellendiagramm
4.3.2.3 Verteilung der Gemeinkosten auf die Kostenstellen mit Hilfe eines Betriebsabrechnungsbogens (BAB)
4.3.3 Die Kostenträgerrechnung
4.3.3.1 Ziele und Aufgaben
4.3.3.2 Bildung von Kostenträgern
4.3.3.3 Die Kostenträgerzeitrechnung
4.3.3.3.1 Aufgabe der Kostenträgerzeitrechnung
4.3.3.3.2 Verfahren der KER

5 Kosten- und Leistungsrechnung als zukunftsorientiertes Informationssystem der Unternehmensführung
5.1 Planung
5.1.1 Auftragsgruppenplanung
5.1.2 Kostenplanung
5.1.3 Erlösplanung
5.2 Kontrolle
5.2.1 Soll-Ist-Vergleiche
5.2.2 Break-Even-Analyse
5.3 Steuerung
5.3.1 Kostensteuerung
5.3.2 Rentabilitätssteuerung

6 Implementierung der Kosten- und Leistungsrechnung in der T.T.TN GmbH

7 Resümee und Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

Eidesstattliche Versicherung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Aufbau und Abwicklung der Kosten- und Leistungs- rechnung

Abbildung 2: Entwicklung von Gesamtleistung und Gesamtaus- Gaben in der T.T.TN GmbH

Abbildung 3: Entwicklung des Kostenartenplans für die T.T.TN GmbH

Abbildung 4: Gehälter zu Gesamtkosten in der T.T.TN GmbH für 1998 und

Abbildung 5: Entwickeltes Formular der Deckungsbeitragsrechnung für die T.T.TN GmbH für 2004

Abbildung 6: Plankosten für das Geschäftsjahr 2005 der T.T.TN GmbH

Abbildung 7: Planerlöse für das Geschäftsjahr 2005 der T.T.TN GmbH

Abbildung 8: Soll-Ist-Vergleiche für das Geschäftsjahr der T.T.TN GmbH

Abbildung 9: Kurzfristige Erfolgsrechnung 2004

Abbildung 10: Break-Even-Diagramm auf Basis der Fixkosten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Beispiel zur tabellarischen Abstimmung der Finanzbuchhaltung mit der Kosten- und Leistungs-rechnung

Tabelle 2: Kostenartenübersicht für die Firma T.T.TN

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Empirische Erhebungen machen deutlich, dass das Rechnungswesen im Allgemeinen und die Kosten- und Leistungsrechnung im Besonderen in klein- und mittelständischen Unternehmen stark unterentwickelt sind. Ein relativ hoher Anteil dieser Unternehmen verfügt über keinerlei Instrumente des internen, führungsorientierten Rechnungswesens.[1] Die Gründe hierfür liegen insbesondere in den folgenden Aussagen:

- Die mittelständischen Unternehmer, insbesondere die Firmengründer, verfügen meist über ausgezeichnete Branchenkenntnisse sowie über langjährige Erfahrung und sind daher auch ohne ausgebaute Kostenrechnung in der Lage, ihre Betriebe[2] mit Intuition und Fingerspitzengefühl erfolgreich zu führen.[3]
- Die Führungskräfte mittelständischer Unternehmen, deren Fachkenntnisse vielfach auf dem Gebiet der Technik und der Produktion und weniger im betriebswirtschaftlichen Bereich liegen, sind sich häufig über den Nutzen eines aussagekräftigen internen Rechnungswesens nicht im Klaren.[4] Noch heute setzt der Mittelstand die Kosten- und Leistungsrechnung in erster Linie für die Preiskalkulation ein und weniger als Informationsquelle und Instrument zur Unterstützung des unternehmerischen Entscheidungsprozesses.
- Die mit der Einführung und Entwicklung von Kostenrechnungssystemen sowie der laufenden Durchführung verbundenen Kosten werden als zu hoch angesehen. In Klein- und Mittelbetrieben ist die Bereitschaft gering, durch Personaleinstellungen sowie Investitionen in Hard- und Software, eine funktionierende Kostenrechnung erforderliche Infrastruktur zu schaffen.[5]
- Kleine und mittelgroße Betriebe begründen ihren Verzicht auf eine Kosten- und Leistungsrechnung oft damit, dass die Daten der Finanzbuchhaltung als Informationsgrundlage ausreichten und die Unternehmen auch ohne die Durchführung einer Kosten- und Leistungsrechnung überschaubar seien.[6] Als nächster Grund wird aufgewiesen, dass das Unternehmen die Marktpreise ohnehin nicht beeinflussen könnte.[7]

Dies trifft auch auf das Kleinunternehmen T.T.TN GmbH zu. Auch hier existieren keinerlei Instrumente des internen Rechnungswesens bzw. keine Kosten- und Leistungsrechnung, mit der die Kosten- und Leistungssituation (Ertragssituation) der Firma T.T.TN transparent wird; geschweige denn eine führungsorientierte Kosten- und Leistungsrechnung.

Die empirischen Erhebungen begründete auch, warum die Firma T.T.TN die Kosten- und Leistungsrechnung nicht für notwendig hielt.

Innerhalb der letzten 5 Jahre stiegen die Umsätze und die Mitarbeiterzahl in dem expandierenden Unternehmen T.T.TN GmbH um das Zweifache. Die Firma prognostiziert ein weiteres Unternehmenswachstum in naher Zukunft, da sie in anderen Ländern Europas investieren und expandieren möchte.

Da mit wachsender Betriebsgröße Arbeitsteilung, Produkte, Leistungen (bzw. Erlöse) wie auch Kosten zunehmen, besteht in Zukunft die Gefahr, dass die T.T.TN GmbH die Grenzen der Übersichtlichkeit überschreitet. Dies gilt besonders für Kosten, Erlöse und Projekte (Aufträge). Ihre Unübersichtlichkeit bedeutet folglich eine schlechtere Kosten- bzw. Erlössteuerung der Aufträge im Unternehmen. Je größer die Betriebe werden, desto weniger können sich die Führungskräfte auf ihre Erfahrung und Intuition verlassen.[8] In diesem Sinne braucht die T.T.TN GmbH Zahlen, Daten und Fakten, um die Kosten- und Erlössituation analysieren, auswerten und interpretieren zu können.

Gefordert ist hier ein Langfristkonzept, das ein Instrumentarium bereitstellt, mit dessen Hilfe es möglich wird, die Kosten-, Erlös- und Auftragstransparenz sowie die Gewinnung der Kosteninformationen für eine entscheidungsorientierte Unternehmensführung der T.T.TN GmbH sicherzustellen.

Angesichts der veränderten Umweltbedingungen, die vor allem in der Verschärfung des Wettbewerbs im Markt sowie der zunehmenden Innovationsgeschwindigkeit zum Ausdruck kommt, gewinnt eine entscheidungsorientierte Kosten- und Leistungsrechnung als Informationssystem für eine erfolgreiche Führung mittel-ständischer Unternehmen zunehmend an Bedeutung.

Die Kosten- und Leistungsrechnung verstanden als der Teilbereich des Rechnungswesens, hält den Gewinn und Verzehr von betrieblichen Gütern / Dienstleistungen geldmäßig fest und erstellt die darauf aufbauenden Kalkulationen. Zur Kosten- und Leistungsrechnung gehören die Kostenartenrechnung, die Kostenstellenrechnung und die Kostenträgerrechnung.[9]

Zusammenfassend lässt sich die derzeitige Situation der T.T.TN GmbH durch die folgenden Problemstellungen charakterisieren:

1. Die veränderte Betriebsgröße und die damit verbundene Befürchtung der künftigen Unübersichtlichkeit des Betriebsgebarens könnten zu Kosten- und Leistungsintransparenz führen.
2. Aufgrund des fehlenden internen Rechnungswesens fehlt ihr ein wichtiges Informationssystem für die zukünftige Unternehmensführung.

Diese Problembereiche werden durch die nachfolgenden Forderungen an die Kosten- und Leistungsrechnungsentwicklung für die T.T.TN GmbH identifiziert:

1. Übersichtlichkeit der Kosten und Leistungen durch Kosten- und Leistungserfassung (Kontrolle der Betriebsgebarung bzw. der Wirtschaftlichkeit).
2. Gewährleistung der Effizienz und Effektivität eines entscheidungsorientierten Informationssystems hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit.

1.2 Zielsetzung und Abgrenzung der Arbeit

Ziel dieser Arbeit ist es, ein Konzept der Kosten- und Leistungsrechnung für die T.T.TN GmbH unter den gegebenen Prämissen zu entwickeln und eine Implementierungsstrategie vorzuschlagen. Das Konzept zielt insbesondere auf eine zunächst starke abbildungsbezogene Funktion („Dokumentationsfunktion“) der Kosten- und Leistungsrechnung hin zu einer Unterstützung der Unternehmensführung („Entscheidungsfundierung und –kontrolle“ bzw. Wirtschaftlichkeitskontrolle) als Informationssystem im Rahmen der Planung, Kontrolle und Steuerung der Unternehmensprozesse. Die Unterstützung der Unternehmensführung mit Informationen soll als Teilziel verstanden werden.

Im Rahmen der Dokumentationsfunktion finden vor allem die im Regelfall der Vollkostenrechnung die Methoden der Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung Anwendung. Sie soll dazu dienen, die Kosten- und Leistungssituation der Firma T.T.TN abzubilden und somit eine Kosten- und Leistungstransparenz zu gewährleisten.

Im Zuge dieser Master Thesis wird darauf verzichtet, auf die Zusammenhänge zwischen der Kosten- und Leistungsrechnung und den anderen restlichen Teilgebieten des Rechnungswesens näher einzugehen. Dies betrifft insbesondere die betriebliche Statistik und die Planungsrechung; lediglich wird hier in der Theorie der Zusammenhang zur Finanzbuchhaltung kurz erläutert. Auf die Darstellung der Kontenklasse der Finanzbuchhaltung wird im praktischen Teil verzichtet. Gleiches gilt für einige relevante Kostenrechnungsverfahren des modernen Kostenmanagements wie z.B. die Plankostenrechnung, das Direct Costing und die Einzelkostenrechnung im Rahmen der zukünftigen Unternehmensführung. Auf die theoretische Darstellung sowie Zusammenhänge der Vollkosten– und Teilkostenrechnung wird auch verzichtet. Ebenso wird hier zum Teil auf die klassische Kostenstellenrechnung verzichtet, wie man sie in den Literaturen vorfindet, da die Arbeit an einer praktischen Fallsituation der Firma T.T.TN ausgerichtet ist.

Um das Ziel einer praxisorientierten Arbeit zu wahren, werden die theoretischen Grundlagen nur insoweit dargestellt, wie es nötig ist, um die praktischen Ausführungen zu verstehen. Dabei wird die Kenntnis betriebswirtschaftlicher Fachbegriffe, insbesondere aus dem Bereich des Rechnungswesens, zum Teil voraus-gesetzt.

1.3 Methodisches Vorgehen

Nachdem im ersten Kapitel die Bedeutung von Kosten- und Leistungsrechnung, die konkrete Problematik bei der T.T.TN GmbH und das Ziel dieser Arbeit dargestellt wurden, sollen im folgenden zweiten Kapitel die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung erläutert werden. Dabei werden von den wichtigsten in der Literatur erwähnten Instrumenten diejenigen in ihren Grundzügen und mit Beispielen vorgestellt, die bei der T.T.TN GmbH angewendet werden sollen. Eingegangen wird in diesem Rahmen auf den Aufbau und Abwicklung der Kosten- und Leistungsrechnung.

Das dritte Kapitel stellt die Firma T.T.TN GmbH vor. Die Darstellung von Struktur, Entwicklung, Dienstleistungsprogramm und Auftragsfertigung soll einen Einblick in die Größenordnung der Firma und seiner Leistungserstellung vermitteln. Ebenfalls soll hier einen Einblick in ihre Finanzbuchhaltung vermitteln werden.

Im vierten Kapitel wird die Kosten- und Leistungsrechnung, die zunächst analytisch die Kosten und Leistungen der T.T.TN GmbH erfasst, zurechnet und auswertet, unter den gegebenen Prämissen entwickelt. In diesem Zusammenhang werden die im zweiten Kapitel vorgestellten Instrumente auf die T.T.TN GmbH angewendet. D.h. Gegenstand der Analyse ist die Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung. Auf die Kostenartenrechnung eingehend nimmt die Behandlung der Kostenartengliederung einen breiteren Raum ein; auf die Kostenstellenrechnung wird auf das Kostenstellendiagramm und der Verteilung der Gemeinkosten auf die Kostenstellen für die Zwecke der Kostenkontrolle einen besonderen Wert gelegt; bei der Kostenträgerrechnung wird auf die Erstellung der kurzfristigen Erfolgrechnung für die Zwecke der Leistungskontrolle (sowie Kostenkontrolle) und des Entscheidungsprozesses ausführlich dargestellt.

Basierend auf den im vierten Kapitel gewonnenen Ergebnissen und Informationen wird im fünften Kapitel auf die Kosten- und Leistungsrechnung als Informationssystem für die Geschäftsleitung der Firma T.T.TN eingegangen. Die ausführliche Übersicht erfolgt in drei Hauptrichtungen: Planung, Kontrolle und Steuerung.

Im sechsten Kapitel wird die Implementierungsstrategie behandelt. Mit der Konzeption der Kosten- und Leistungsrechung ist das Vorhaben noch keineswegs abgeschlossen, denn zur Realisierung eines Kosten- und Leistungskonzeptes für die T.T.TN GmbH müssen Fragen bezüglich des organisatorischen Veränderungsprozesses sowie der zu verfolgenden Implementierungsstrategie geklärt werden. Im Mittelpunkt stehen einige Aspekte bzw. Schritte, die für die Umsetzung erforderlich sind.

Im letzten Kapitel werden die Ergebnisse der Untersuchung kurz resümiert. Es erfolgt eine Bewertung dieser Resultate im Hinblick auf die Problemstellung und die Chancen einer Umsetzbarkeit des Konzeptes.

2 Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung

2.1 Allgemeines zur Kosten- und Leistungsrechnung

Wie im einleitenden Kapitel erwähnt ist die Kosten- und Leistungsrechnung ein Teilgebiet des internen Rechnungswesens und besitzt damit eindeutig instrumentellen Charakter. Ihre grundlegende Zielsetzung ist die Steuerung der Wirtschaftlichkeit des Betriebsablaufs. Die Wirtschaftlichkeit wird u.a. durch einen Vergleich zwischen einem geplanten Sollkostenwert zu einem tatsächlich eingetretenen Istkostenwert festgestellt.[10]

Im Mittelpunkt der Kosten- und Leistungsrechnung stehen die durch den Leistungserstellungs- und -verwertungsprozess verursachten Werteverzehre (Kosten) bzw. die hervorgebrachten Ergebnisse (Leistungen). Ausgangspunkt und Grundlage ist dabei der Kombinationsprozess, in dessen Verlauf die beschafften Produktionsfaktoren (oder Dienstleistungsfaktoren) so be- und verarbeitet werden, dass ein bestimmtes Ergebnis (Produkt/Dienstleistung) erzielt wird. Ökonomisch stellt die Be- und Verarbeitung der Produktionsfaktoren einen Werteverzehr dar, der letztlich zu neuen Leistungen führt.[11]

Die Kosten- und Leistungsrechnung stellt eine Gesamtheit von Methoden und Systemen zur Erfassung, Zurechnung und Auswertung der im Rahmen des Kombinationsprozesses entstehenden Kosten und Leistungen dar, um geeignete Vorschau- und Kontrollinformationen für Zwecke der Steuerung der Wirtschaftlichkeit durch die Unternehmensführung bereitzustellen. Sie ist damit wesentlich auf die Feststellung sowie die Gewinnung von Informationen zur Erreichung bzw. Erhaltung der Wirtschaftlichkeit ausgerichtet. Darin liegt ihre besondere Bedeutung für die Unternehmung.[12]

2.2 Aufbau und Abwicklung der Kosten- und Leistungsrechnung

2.2.1 Die Kostenrechnung

Die Kostenrechnung erfasst alle Kosten eines Betriebes, strukturiert sie in Kos-tenarten und ordnet sie Kostenstellen sowie Produkten/Dienstleistungen (auch: Kostenträgern) zu. Die Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträger-rechnung bilden bei der Abwicklung der Kostenrechnung eine zwingende Abfolge. Entsprechend wird die Kostenrechnung in drei aufeinander aufbauenden Teil-rechnungen unterteilt, die unterschiedliche Fragestellungen beantworten sollen:[13]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2.2 Die Leistungsrechnung

Mit der Leistungsrechnung wird den Unternehmen ein besonderes Instrument der bloßen Kostenrechnung gegenübergestellt, um den Output eines Unternehmens zu erfassen und eine KLR-adäquate Steuerung zu ermöglichen.[14] Das bedeutet, dass die Leistungsrechnung den Wertzuwachs (Leistung = Ertrag) der während einer Periode abgesetzten Produktmengen/Dienstleistungen erfasst. Eine KLR-adäquate Steuerung ist zu erreichen, wenn der Wert der Leistungen die Kosten übersteigen.

Demnach können sich nur Unternehmen in der Marktwirtschaft auf Dauer behaupten, wenn der Wert ihrer Leistungen die Kosten übersteigt.

2.2.3 Die Teilrechnungen der Kosten- und Leistungsrechnung

2.2.3.1 Die Kostenartenrechnung

Ziel der Kostenartenrechnung ist es festzustellen, welche Kosten entstanden sind. Sie ist somit die erste Stufe und Basis einer Kosten- und Leistungsrechnung.

Im Mittelpunkt der Kostenartenrechnung steht die Erfassung und systematische Gliederung aller im Verlaufe des Betriebsprozesses entstehenden Werteverzehre nach Kostenarten, wie z.B. Löhne, Mieten usw. Dies geschieht auf der Grundlage von Kostenbelegen, die im Unternehmen erstellt werden, wie z.B. Reisekosten-belege, bzw. von außen kommen, wie z.B. Reparaturrechnungen. Durch ent-sprechende Bearbeitung und Zusammenfassung der Belege können die Summen der einzelnen Kostenarten sowie der gesamten Kosten einer Periode fest-gestellt werden.[15]

Diese Kostenerfassung erfolgt also auf den Kostenarten oder Konten, die dann nach einer landesweit vorgegebenen Systematik über Kontengruppen in Konten-klassen gegliedert werden und in einem Kostenartenplan als Teil des Landes-kontenrahmen münden. Im Kapitel 4 wird dieser Sachverhalt näher beschrieben.[16]

Die Kostenartenrechnung weist die Kostenarten aus, getrennt nach den auf Kostenträger direkt zurechenbaren Einzelkosten bzw. nicht direkt zurechenbaren Gemeinkosten. Außerdem muss beachtet werden, dass alle Werteverzehre, die keine Kosten darstellen, als neutraler Aufwand über die Finanzbuchhaltung abgegrenzt werden, um das Kostenbild des Unternehmens nicht zu verfälschen. Das Ergebnis der Kostenartenrechnung wird in einer Kostenartenübersicht dargestellt.[17]

2.2.3.2 Die Kostenstellenrechnung

Die Kostenstellenrechnung bildet die zweite Stufe der Kosten- und Leistungs-rechnung und zeigt, wo die Kosten angefallen sind. Sie baut auf der Kosten-artenrechnung auf und bildet die Voraussetzung für die Kostenträgerrechnung.

Kostenstellen sollten zunächst gemäß der Organisationsstruktur eines Unternehmens definiert werden. Die Zuordnung der Mitarbeiter wird vereinfacht und es finden sich fast automatisch Kostenstellenverantwortliche und Berichts- und Aus-wertestrukturen.[18]

In die Kostenstellenrechnung werden in jedem Fall die durch die Kostenstellen-verantwortlichen weitgehend beeinflussbaren Gemeinkosten [in Kapitel 2.4 wird noch näher auf die Gemein- und Einzelkosten eingegangen] übernommen. Die Abwicklung erfolgt in drei Abrechnungsschritten. Zunächst erfolgt die Verteilung der Gemeinkosten auf die Kostenstellen, in denen sie entstanden sind. Danach erfolgt die Umlage der Kosten aller Kostenstellen auf Endkostenstellen, die als Vorkostenstellen keinen direkten Bezug zu Kostenträgern haben. Nunmehr lassen sich für die Endkostenstellen Verrechnungssätze bilden, mit deren Hilfe die Gemeinkosten auf die Kostenträger kalkuliert werden. Als Grundlage für die Durchführung der Kostenstellenrechnung dient der Betriebsabrechnungsbogen, der alle Kostenstellen des Betriebes aufnimmt.[19]

Demnach nehmen die Kostenstellen eine zentrale Funktion bei der Ermittlung und Verrechnung der Gemeinkosten ein. Wichtig ist jedoch die Beachtung des Verursachungsprinzips:

Kostenstellen/Kostenträgern dürfen nur diejenigen Kosten zugerechnet

werden, die von ihnen auch ursächlich hervorgerufen wurden.

In der Praxis wird diesem Prinzip durch folgende Regeln Rechnung getragen:[20]

Kosten werden als Einzelkosten, wann immer (wirtschaftlich) möglich, direkt den verursachenden Kostenträgern (= Kostenträgereinzelkosten) zugeordnet (kon-tiert). Nur wenn dies nicht möglich ist, erfolgt die Kontierung auf Kostenstellen, wiederum möglichst verursachungsgerecht (= Kostenstelleneinzelkosten). Nur der nicht zuordenbare „Rest“ wird als Gemeinkosten erfasst, ggf. auf gesonderten Vorkostenstellen.

Eine indirekte Verrechnung/Umlage mittels Schlüsselgrößen ist nur einzusetzen, wenn eine direkte Verrechnung (wirtschaftlich) nicht möglich ist.

Eine funktionierende Kostenstellenrechnung bietet einen erheblichen Zuwachs an Transparenz und dient vor allem der Beeinflussung der Kosten.

2.2.3.3 Die Kostenträgerrechnung

Die Kostenträgerrechnung ist die dritte Stufe der Kosten- und Leistungsrechnung. Sie zeigt auf, wofür Kosten angefallen sind.

Für den Kostenrechner sind Sachgüter oder Dienstleistungen Kostenträger, welche die von ihnen verursachten Kosten zu tragen haben. Der Kostenträgerrechnung fällt daher die Aufgabe zu, eine Beurteilung der einzelnen Leistungen sowie des gesamten Produktionsergebnisses/Dienstleistungsergebnisses für einen bestimmten Zeitraum zu ermöglichen. Dazu wird die Kostenträgerrechnung in eine Stückrechnung und in eine Zeitrechnung aufgeteilt.[21]

Entsprechend liegt der Schwerpunkt der Kostenträgerrechnung als Kostenträgerstückrechnung (= Kalkulation) in der Ermittlung der Einzelkosten des Produktes (der Dienstleistung). Die Gemeinkosten werden entweder summarisch mit einem oder differenzierter mit mehreren (ggf. pro Hauptkostenstelle) prozentualen Zuschlagssatz/-sätzen (Verhältnis Einzel-/ zu Gemeinkosten) den Kosten-trägern zugeordnet. Neben der beschriebenen Kalkulation ist die Kostenträgerzeitrechnung ein weiterer Teil der Kostenträgerrechnung. Hier stehen nicht die Kosten des einzelnen Produktes (der Dienstleistung) im Mittelpunkt, sondern die periodische, meist monatliche Ermittlung eines Betriebsergebnisses.[22]

Die folgende Abbildung stellt den Aufbau und die Abwicklung der Kosten- und Leistungsrechnung in einer Übersicht dar, um den gesamten Ablauf noch mal zu verdeutlichen und zusammen zu fassen:

Finanzbuch- Kosten- und Leistungsrechnung Finanzbuchhaltung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Aufbau und Abwicklung der Kosten- und Leistungsrechnung in Anlehnung an G. Ebert (Kosten- und Leistungsrechnung 1991, S. 21 und 24)

2.3 Prinzipien der Kosten- und Leistungsrechnung

Um die Kosten- und Leistungsrechnung erfolgreich durchführen zu können, müssen einige wesentliche Prinzipien beachtet werden. Dabei ist zwischen den all-gemeinen Gestaltungsgrundsätzen und den speziellen Verrechnungsprinzipien zu unterscheiden.

2.3.1 Gestaltungsgrundsätze

Die Gestaltungsgrundsätze zielen auf die allgemeine Durchführung der Kosten- und Leistungsrechnung in formaler und inhaltlicher Hinsicht ab. Dabei steht die Kostenerfassung im Vordergrund. Im Einzelnen sind zu nennen:[23]

1. Vollständigkeit und Einmaligkeit der Kostenerfassung:
Nicht erfasste bzw. mehrfach erfasste Kosten führen zu Ungenauigkeiten und damit zu einer Beeinträchtigung der Aussagefähigkeit der gesamten Kosten- und Leistungsrechnung.
2. Stetigkeit und Einheitlichkeit von Systemen und Verfahren:
Häufiger Wechsel der Erfassungs- und Darstellungsformen der Kostenrechnung mindert die Kontrollfähigkeit, weil sie auf Vergleichen beruht.
3. Richtigkeit und Genauigkeit:
Kosten müssen rechnerisch richtig erfasst und verarbeitet werden. Das ist eine absolute Bedingung.
4. Wirtschaftlichkeit:

Alle ökonomischen Prozesse sind unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit zu betrachten. Das gilt gerade für die Kosten- und Leistungsrechnung als wichtigstes Kontrollinstrument für die Wirtschaftlichkeit.

Nach diesem Grundsatz sollten Kosten und Leistungen in einem angemessenen Verhältnis stehen. Die Wirtschaftlichkeit zeigt an, ob und in welchem Umfang die Leistung des Unternehmens in den vom Markt bezahlten Preisen "Anerkennung" gefunden hat.

2.3.2 Verrechnungsprinzipien

Bei den Verrechnungsprinzipien – wie in Kapitel 2.2.3.2 bereits dargestellt – geht es um die wichtige Frage, wie Kosten auf bestimmte Bezugsgrößen den Kostenstellen oder Kostenträgern zugeordnet werden können. Da die wichtigsten Prinzipien bereits im Kapitel 2.2.3.2 angesprochen wurden, wird hier auf die Aufzählung der einzelnen Prinzipien verzichtet.

2.4 Einteilung der Kosten

Die Gesamtheit der Kosten im Betrieb kann in verschiedene Gesichtspunkte ein-geteilt werden. Am wichtigsten sind folgende Unterscheidungen:[24]

- Fixe und variable Kosten,
- Einzel- und Gemeinkosten.

Die fixen Kosten sind leistungsunabhängige Kosten, die in ihrer Höhe gleich bleiben und vom wechselnden Beschäftigungsgrad nicht betroffen werden. Hierzu gehören z.B. Abschreibungen, Mieten, Kfz-Haftpflichtversicherung usw.

Die variablen Kosten dagegen sind leistungsabhängige oder mengenabhängige Kosten, die sich absolut verändern, wenn der Beschäftigungsgrad schwankt. Dazu gehören in erster Linie Fertigungsmaterial, Strom- und Energiekosten.

Neben der Unterscheidung in fixe und variable Kosten können auch nach der Zurechenbarkeit der Kosten auf einzelne Kostenträger in Einzel- und Gemeinkosten unterschieden werden.

Einzelkosten sind für jeden einzelnen Kostenträger eindeutig bestimmbar und können ihm ohne Verrechnungsumwege angelastet werden. Sie sind meist variabel. Dazu gehören z.B. Fertigungsmaterial, Fertigungslöhne usw. Man erkennt sie, wenn man die Frage beantwortet: Wären die fraglichen Kosten auch entstanden, wenn das betreffende Produkt (Dienstleistung) nicht hergestellt worden wäre?[25]

Bei den Gemeinkosten lässt es sich nicht direkt angeben, für welches Produkt sie entstanden sind. Sie sind nicht für ein Produkt, sondern für mehrere Produkte gemeinsam entstanden. Hierzu gehören z.B. Mieten, Material, Gehälter usw.

2.5 Abstimmung der Kosten- und Leistungsrechnung mit der Finanzbuchhaltung

Das betriebliche Rechnungswesen wird organisatorisch in die Finanzbuchhaltung und in die Kosten- und Leistungsrechnung gegliedert. Obwohl diese beiden Teilgebiete des betrieblichen Rechnungswesens unterschiedliche Aufgaben erfüllen, sind sie keineswegs unabhängig voneinander. Für beide sind zum großen Teil die gleichen Geschäftsvorfälle relevant. Damit stehen sie in engem Zusammenhang zueinander. Die Zusammenarbeit zwischen Finanzbuchhaltung und Kosten- und Leistungsrechnung muss so gestaltet werden, dass bei der belegmä-ßigen Erfassung und Auswertung der Geschäftsvorfälle Doppelarbeit vermieden wird; eventuelle Unterschiede sind zu klären. Dies gilt beispielsweise für den Periodenerfolg der Unternehmung, der sowohl auf dem Gewinn- und Verlustkonto der Finanzbuchhaltung als auch mit Hilfe der kurzfristigen Erfolgsrechnung ermittelt wird.[26]

Entsprechend sind Buchhaltungssysteme aufgebaut worden, die sowohl die finanziellen als auch die kosten- und leistungsmäßigen Bewegungen in einem geschlossenen Buchhaltungskreis erfassen (Einkreissystem) und andere Systeme, bei denen zwei gesonderte Buchhaltungskreise, für Finanzbuchhaltung und für Kosten- und Leistungsrechnung getrennt, vorhanden sind (Zweikreissystem).[27]

Heute wird überwiegend das Zweikreissystem angewendet. Das reine Einkreissystem ist in der Praxis nur selten realisiert worden, weil dieses Kontensystem der doppelten Buchführung insbesondere für die Durchführung der Kostenstellen und der Kalkulation zu unübersichtlich ist. Dabei ist nur die Kostenartenrechnung in Kontenform für die Durchführung geeignet. Es wird daher auf die Beschreibung des Einkreissystems verzichtet, da es für unseren praktischen Teil [Kapitel 4] nicht relevant ist.

Im Zweikreissystem sind zwei geschlossene Abrechnungskreise vorhanden. Dabei ermittelt die Finanzbuchhaltung in der G+V das Gesamtergebnis des Unternehmens durch Gegenüberstellung von Aufwendungen und Erträgen. Die Kosten- und Leistungsrechnung bzw. die Betriebsbuchhaltung stellt Kosten und Leistungen gegenüber und ermittelt so den betrieblichen Erfolg. In diesem Zusammenhang wurde 1971 von dem BDI ein neuer Kontenrahmen veröffentlicht, der dem Gliederungsprinzip der Finanzbuchhaltung entspricht. Diesen Kontenrahmen bezeichnet man als Industrie-Kontenrahmen (IKR), der aber stärker auf die Erfordernisse der Kosten- und Leistungsrechnung zugeschnitten ist als auf die Belange der Finanzbuchhaltung. In diesem Sinne soll eine freie Gestaltung der Kosten- und Leistungsrechnung ermöglicht werden.[28]

Aufgrund der oben erwähnten Unübersichtlichkeit kann für die Durchführung des Zweikreissystems die Kosten- und Leistungsrechnung vollständig in tabellarischer Form durchgeführt werden, wie die folgende Tabelle 1 verdeutlicht:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Beispiel zur tabellarischen Abstimmung der Finanzbuchhaltung mit der Kosten- und Leistungsrechnung in Anlehnung an W. Kilger (Einführung in die Kostenrechnung 1987, S.477)

Die Durchführung des Zweikreissystems in tabellarischer Form stellt eine gewisse Erleichterung dar. Vor allem lassen sich Kostendaten und Kostenübersichten wesentlich leichter gewinnen. Gerade diese Informationen werden für die wirkungsvolle Führung eines Unternehmens heute benötigt. Ebenso bietet das Zweikreissystem den Vorteil rascherer und qualifizierterer Informationen und erweist sich dadurch für die moderne Unternehmensführung als notwendiges Hilfs-mittel.[29]

3 Unternehmenscharakteristik

3.1 Allgemeines

Das Kleinunternehmen T.T.TN GmbH wurde nach einer Geschäftsidee der gleichnamigen Firmeninhaberin im Jahr 1993 gegründet. Ziel war es, Kunden, die auf kommunaler und privater Ebene mit Entsorgungsaufgaben befasst waren, mit Ersatz- und Verschleißteilen zu versorgen. Die Wurzeln des Unternehmens liegen in Köln. Von hier aus wurde eine geringe Stückzahl Spezial-Ersatzteile an einzelne spezielle Kunden verkauft.

Bereits zum Zeitpunkt der Gründung war die Firmenphilosophie die, dass eine qualitätsgerechte, pünktliche Lieferung den Anfang und die Basis für jeden Folgeauftrag darstellt. Die Philosophie hat in dem Unternehmen bis heute Bestand.

Dabei steht der Kunde mit seinen Anforderungen und Zielen, an denen sich die T.T.TN GmbH orientiert, im Mittelpunkt des Geschehens.

Die kontinuierliche Zunahme des Auftragsvolumens hat die Richtigkeit dieses Grundgedankens bestätigt.

3.2 Rechtsform und Unternehmensstruktur

Die T.T.TN GmbH ist laut § 267 HGB eine kleine Kapitalgesellschaft, da sie keine der drei dort aufgewiesenen Merkmale überschreitet:

1. 3 438 000 Euro Bilanzsumme nach Abzug eines auf der Aktivseite ausgewiesenen Fehlbetrags (§ 268 Abs. 3),
2. 875 000 Euro Umsatzerlöse in den zwölf Monaten vor dem Abschluss-Stichtag,
3. Im Jahresdurchschnitt fünfzig Mitarbeiter.

Die Firma weist wie die Mehrzahl der Kleinunternehmen eine Einlinienorganisationsform auf. Das Einliniensystem ist ein streng hierarchischer Aufbau mit einem Informationsfluss in Form einer Pyramide.[30] Das ist eine vereinfachte Führungsform der direkten Informationswege.

An der Spitze dieser Pyramide steht der Geschäftsführer. Alle Mitarbeiter sind ihm direkt untergeordnet. Er steht im ständigen Kontakt mit ihnen, kennt ihre Arbeitsprobleme und erhält so Feed-backs, die er wiederum in seinen Anweisungen umsetzt. Der Geschäftsführer ist stark mit dem Tagesgeschäft belastet; deshalb darf er nicht mit unnötigen Informationen überhäuft werden. Meistens benötigt er nicht mehr, sondern bessere Informationen. D.h. er benötigt optimale Informationen, die so strukturiert wie möglich und so aussagekräftig wie nötig sind.

Im Unternehmen herrschen direkte, kurze Informationswege, geringe Abteilungsbildung und eine hohe Anpassungsflexibilität. Der direkte personenbezogene Kontakt bei Weisungen und Kontrollen, die häufige, permanente und un-mittelbare Teilnahme am Betriebsgeschehen, die Übersichtlichkeit und Vertrautheit der Organisationsmitglieder sowie die dominierende Rolle der Führungskraft schaffen das Verhältnis einer sehr personalen, informellen Führung. So werden meist Koordinationsprobleme vermieden.

Die Mitarbeiter sind geprägt durch starke persönliche Bindung an der Firma, was für kleine Unternehmen meist der Fall ist. Oft werden Problemlösungen durch Gruppenentscheidungen getroffen.

Die Verteilung der Aufgaben erfolgt nach den Kompetenzen und dem Beschäftigungsgrad der Mitarbeiter. Die Informationsbehandlung im Kollektiv gewährleistet einen rechtzeitigen und fehlerlosen Verlauf der Arbeitsprozesse. Letztendlich wird auch der Informationsprozess beschleunigt und die personelle Verantwortung gefördert. Die Gestaltung der Organisation wird flexibel, alle Informationswege sind kurz, dynamisch, unbürokratisch, wodurch auch die Ergebnisse der T.T.TN GmbH beeinflusst werden.

3.3 Unternehmensentwicklung

Seit ihrer Gründung im Jahr 1993 hat sich die T.T.TN GmbH langsam aber stetig nach oben entwickelt. Die positive Entwicklung ermöglichte ein Wachstum bei Mitarbeitern und Umsatz. So nahm die Zahl der Mitarbeiter von 0 im Gründungsjahr auf aktuell 10 zu. In ähnlichem Ausmaß stieg der Umsatz von 65 T. €. im Jahr 1996 über 115 T.€. im Jahr 2000 bis zu 530 T.€. im Jahr 2004.

Zur Realisierung dieser Leistungssteigerungen waren und sind aufgrund des Einsatzes neuer Technologien und zur Bereitstellung der Räumlichkeiten für die Mitarbeiter[31] Investitionen notwendig, insbesondere für PCs und die dazugehörige Betriebssoftware. Verbunden mit diesen Investitionen sind entsprechende Kosten entstanden.

Die Entwicklung von Umsatz bzw. Gesamtleistung und Gesamtkosten seit 1996 ist in der folgenden Abbildung dargestellt. Auffällig sind darin die Leistungserhöhung im Jahr 1998, die auf die Zusammenarbeit mit den Kunden[32] und die Weiterentwicklung von Marketing-Kontroll- und Logistikkonzepten zurückzuführen ist, sowie die Zunahme der Gesamtkosten; diese Gesamtkosten sind durch die positive Entwicklung (Expansion) der Firma bedingt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2 : Entwicklung von Gesamtleistung und Gesamtausgaben in der T.T.TN GmbH

Im Zuge des Wachstums, hat sich die Firma einen in der Branche guten Namen erarbeitet.

Ab dem 30.10.1998 ist die Firma nach DIN EN ISO 9002 zertifiziert. Mit der Erweiterung im März 2002 nach DIN EN ISO 9001:2000 stellt sich die T.T.TN GmbH eigenverantwortlich den durch unabhängige Prüforgane fortlaufend kontrollierten Qualitätsparametern. Die letzte Überprüfung fand im Februar 2004 statt und zeigte keine Mängel des QS-Systems.

Im Jahre 2000 wurden wegen des umfangreichen Produktsortiments neue Räumlichkeiten am Bahnhof Lengerich bezogen, welche auch in Zukunft die erforderlichen Erweiterungsmöglichkeiten bieten. Durch die Nähe zu Speditionen und Paketdiensten im nahegelegenen Industriegebiet wurde so die Lieferfähigkeit der T.T.TN GmbH erheblich verbessert.

Seit April 2003 leitet Herr Ottmar Hauck das Unternehmen als geschäftsführender Gesellschafter. Die Firmengründerin ist weiterhin im Unternehmen als Beraterin tätig.

Seit der Gründung wechselte die Rechtsform mehrmals – bedingt durch das Wachstum und den damit steigenden Kapitalbedarf: Aus dem Einzelunternehmen wurde 1996 eine GbR, bevor schließlich 1998 die heutige GmbH entstand.

3.4 Produkt- und Dienstleistungsprogramm

Den Forderungen seiner Kunden nach kostengünstigeren, qualitativen (Verwendung von hochwertigen Materialien usw.), passenden Produkten für die verschiedenen Aufbauhersteller und pünktlichen Lieferungen steht das Unternehmen T.T.TN GmbH durch eine Ausarbeitung von wirtschaftlichen Lösungen und deren marktreifer Umsetzung gegenüber. Der verstärkte Einsatz von optimaler Logistik und günstiger Beschaffungspolitik helfen dabei, Lieferungszeiten zu verkürzen (Lieferung in 24 h für 95% der Artikel deutschlandweit), Produktkosten zu minimieren und maximale Produkt- und Prozessqualität sicherzustellen. Dies zeigt deutlich, dass die T.T.TN GmbH ihre Produkte preisgünstig einkauft, um sie den Kunden relativ preiswert zu verkaufen.

Das Leistungsspektrum der T.T.TN GmbH umfasst neben der Versorgung von Ersatz- und Spezialteilen auch andere Dienstleistungsangebote, die nachfolgend aufgelistet sind:

- Ersatzteile für Nutzfahrzeuge und Entsorgungsfahrzeuge,
- Verschleißteile für Baumaschinen,
- Elektronikkomponenten,
- Kameras und Monitorsysteme,
- Hydraulikzylinder,
- Werkstattbedarf,
- Schutzausrüstung,
- Austauschgetriebe,
- Großteile (z.T. im Austausch),
- Umwelttechnik.

Zwei Beispiele: u.a. die

1. Ecotype - Abdecksystem für Abrollcontainer (Großteile)

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2. Ersatz- und Spezialteile

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Es existieren in der T.T.TN GmbH 2.500 unterschiedliche Artikel. Es ist nicht notwendig alle Artikel aufzuführen, da sie für den praktischen Teil [Kapitel 4] nicht relevant sind.

3.5 Auftragsfertigung

Die T.T.TN GmbH ist ein kleines Dienstleistungsunternehmen, das einzelne Aufträge seiner Kunden bearbeitet, welche sich über einen Zeitraum von wenigen Wochen bis hin zu Monaten hinziehen. Auf den rund 60 Aufträgen, die jährlich bearbeitet werden, werden die Ausgaben und Einnahmen erfasst, so dass die einzelnen Aufträge mit Auftragsergebnissen abschließen.

3.6 Finanzbuchhaltung

Für die Prüfung, Beurteilung und Kontrolle braucht die Geschäftsführung Zahlen und Daten. Dies ermöglicht das Rechnungswesen eines Unternehmens. Erst durch die Erfassung der quantitativen Daten können die geforderten Ziele – Gewinnerwirtschaftung bzw. Rentabilität und Liquidität – gemessen werden.[33]

In der T.T.TN GmbH werden die Zahlen und Daten ausschließlich aus der Finanzbuchhaltung gewonnen. Demnach erfolgt die Prüfung und Beurteilung anhand externer Daten, d.h. die Geschäftsvorfälle zwischen der Firma und der Außenwelt (Lieferanten, Kunden, Versicherungsorganisationen, Finanzbehörden usw.) werden einzeln und aufeinander folgend erfasst und auf Konten verbucht. Mit der Finanzbuchhaltung fängt auch der Buchhaltungskreis in der Firma an.

Die Finanzbuchhaltung wird jeweils am Ende einer längeren Periode (meist ein Jahr) mit dem gesetzlich normierten Jahresabschluss abgeschlossen, der neben seiner Informationsfunktion für die Geschäftsleitung eine zentrale Informationsquelle für alle am Unternehmen interessierten außenstehenden Parteien (Eigentümer, Gläubiger, Arbeitnehmer, Staat) darstellt.

In der T.T.TN GmbH wird – wie es in kleinen und mittleren Unternehmen meistens der Fall ist – die Durchführung der Finanzbuchhaltung bzw. die Erstellung und Auswertung der Jahresabschlüsse von einem externen Dienstleistungsunternehmen bzw. einem Steuerberatungsbüro übernommen, dem einmal im Monat alle Buchungsbelege zugeliefert werden. Alle Vorgänge der Finanzbuchhaltung – vom Kontieren bis zur wirtschaftlichen Beratung und Erstellung von Jahresabschüssen – liegen beim Steuerberater. In der Firma erfolgt die Vorkontierung der Ausgangs- und Eingangsrechnungen. Der Steuerbrater ist gleichzeitig der häufigste Ansprechpartner der T.T.TN GmbH, wenn es um finanzielle oder steuerpolitische Fragen geht.

Am Ende des nächsten Monats erhält der Geschäftsführer der T.T.TN GmbH die bearbeiteten Unterlagen vom Steuerberater sowie die von der Finanzbuchhaltung erstellten Berichte und Auswertungen zurück. Falls hinsichtlich der monatlichen Buchungen und der damit verbundenen Ergebnisse Fragen entstehen, erfolgt eine sofortige telefonische Abklärung mit dem Steuerberatungsteam. Nicht gelöste Probleme lassen sich spätestens im nachfolgenden Monat abklären, damit eine Verzögerung keine unerwünschten Folgen hat.

Die erstellte Berichte und Auswertungen sind für die Geschäftsleitung bei der operativen Kontrolle und Planung der Tätigkeit von großer Bedeutung. Dazu zählen z.B. die Bewegungsbilanz, Summen- und Saldenlisten, Listen offener Posten usw.

Eine fehlende EDV im Rechnungswesen ist heute schon aus Wirtschaftlichkeitsgründen nicht mehr vorstellbar.[34]

Das Rechnungswesen vieler Klein- und Mittelbetriebe in Deutschland wird von der DATEV als Datenverarbeitungsorganisation der Steuerberater geführt. Der überwiegende Teil der Anwendungen entfällt auf die Finanzbuchhaltung. Der Steuerberater ist imstande, alle Erfassungs- und Abrechnungsvorgänge für seine Mandanten zu erledigen.[35] Dies ist auch bei der T.T.TN GmbH der Fall.

[...]


[1] Vgl. Männel, W.: Kostenrechnung und Controlling als effektive Instrumente der Führung kleiner und mittel-ständischer Unternehmen, Wiesbaden 1991, S.11.

[2] Die Begriffe „Unternehmen“, „Firma“ und „Betrieb“ werden in dieser Arbeit synonym verwendet.

[3] Vgl. Fischer, P.: EDV-Gestützte Kostenplanung für mittelständische Unternehmen, München 1993, S. 3.

[4] Vgl. Kettner, H.: Stand der Kostenrechnung in mittelständischen Unternehmen, Wiesbaden 1989, S. 114.

[5] Vgl. ebenfalls Fischer, P.: EDV-Gestützte Kostenplanung für mittelständische Unternehmen, München 1993, S. 3.

[6] Vgl. Ebert, G.: Kosten- und Leistungsrechnung, 6. Auflage, Wiesbaden 1991, S. 29.

[7] Vgl. Währisch, M.: Kostenrechnungspraxis in der deutschen Industrie, Wiesbaden 1998, S. 14.

[8] Vgl. Horvath, P.: Effektives und schlankes Controlling, Stuttgart 1992, S. 5-10f.

[9] Vgl. Lexikon Wirtschaft: 2000 Wirtschaftsbegriffe, 3. Auflage, Wiesbaden 1986, S.138.

[10] Vgl. Ebert, G.: Kosten- und Leistungsrechnung, 6. Auflage, Wiesbaden 1991, S. 19.

[11] Vgl. Kilger, W.: Einführung in die Kostenrechnung, 3. Auflage, Wiesbaden 1987, S. 1.

[12] Vgl. Ebert, G.: Kosten- und Leistungsrechnung, 6. Auflage, Wiesbaden 1991, S. 20.

[13] Vgl. Ebert, G.: Kosten- und Leistungsrechnung, 6. Auflage, Wiesbaden 1991, S. 23; vgl. hierzu auch die Internetseite: http://www.fm.rlp.de finanzen/kosten_ und_ leistungsrechnung/ doc/008_ einführung- standardklr.pdf.

[14] Quelle: http://www.olev.de/I/leist-rechn.pdf.

[15] Vgl. Kilger, W.: Einführung in die Kostenrechnung, 3. Auflage, Wiesbaden 1987, S. 14f.

[16] Vgl. Ahlert, D./Franz, K.-P.: Industrielle Kostenrechnung, 4. Auflage, Düsseldorf 1988, S.58f.

[17] Vgl. Coenenberg, A.G.: Kostenrechnung und Kostenanalyse, 2. Auflage, Landsberg am Lech 1993, S.173f.

[18] Quelle: http://www.fm.rlp.de finanzen/kosten_ und_ leistungsrechnung/ doc/008_einführungstandardklr.pdf.

[19] Vgl. Schwarz, H.: Kostenrechnung als Instrument der Unternehmensführung, Herne/Berlin 1969, S.29ff.

[20] Vgl. Löffelholz, J.: Kontrollieren und Steuern mit Plankostenrechnung, 1. Auflage, Wiesbaden 1993, S.10f.

[21] Vgl. Becker, H.P: Verwendung und Gestaltung der Kosten- und Leistungsrechnung in mittelgroßen Industrie- unternehmen, Darmstadt 1984, S.114ff.

[22] Vgl. Lang, H: Kosten- und Leistungsrechnung, 2. Auflage, München 1991, S. 74ff.

[23] Vgl. Schweitzer, M./Küpper, H.-U.: Systeme der Kosten- und Erlösrechnung, 6. Auflage, München 1995, S. 85f.

[24] Vgl. Reschke, H.: Kostenrechnung, 5. Auflage, Grafenau 1988, S. 19f.

[25] Vgl. Preißler, Peter R.: Entscheidungsorientierte Kosten- und Leistungsrechnung, Landsberg 1995, S. 36f.

[26] Vgl. Kilger, W.: Einführung in die Kostenrechnung, 3. Auflage, Wiesbaden 1987, S. 452f.

[27] Vgl. Reschke, H.: Kostenrechnung, 5. Auflage, Grafenau 1988, S. 29.

[28] Vgl. Kilger, W.: Einführung in die Kostenrechnung, 3. Auflage, Wiesbaden 1987, S. 475.

[29] Vgl. Kilger, W.: Einführung in die Kostenrechnung, 3. Auflage, Wiesbaden 1987, S. 477.

[30] Vgl. Bussiek, J.: Anwendungsorientierte Betriebswirtschaftslehre für Klein- und Mittelunternehmen, München 1996, S.152 ff.

[31] Ebenso wurden die Räumlichkeiten für das zunehmende Produktsortiment bereitgestellt.

[32] Es wurde ständig mit den Kunden über Produkterweiterungen abgestimmt.

[33] Vgl. Coenenberg, A. G.: Kostenrechnung und Kostenanalyse, 4. Auflage, Landsberg am Lech 1999, S. 24f.

[34] Vgl. Müller, H.: Neuere Entwicklungen im innerbetrieblichen Rechnungswesen, Wiesbaden 1995, S.129f.

[35] Vgl. Schühlein, H.: Ableitung von Kostenstellenberichten und Ergebnisauswertungen aus der DATEV-FIBU, Wiesbaden 199, S. 107.

Details

Seiten
97
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783842806337
Dateigröße
575 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v228115
Institution / Hochschule
Hochschule Fulda – Wirtschaft, Studiengang BWL
Note
1,7
Schlagworte
kostenartenrechnung finanzbuchhaltung betriebsabrechnungsbogen personalkosten materialkosten

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Titel: Entwicklung einer Kosten- und Leistungsrechnung am Beispiel eines Kleinunternehmens