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Nachweis von Entspannungseffekten und veränderten Bewusstseinszuständen durch klanginduzierte Reize

Diplomarbeit 2009 117 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II. Selbstständigkeitserklärung

III. Danksagung

IV. Zusammenfassung

V. Anliegen der Arbeit

VI. Tabellenverzeichnis

VII. Abbildungsverzeichnis

VIII. Abkürzungsverzeichnis

IX. Glossar

THEORETISCHER TEIL

1. THEORETISCHER HINTERGRUND
1.1 Einleitung.
1.2 Historischer Abriss der Musik- und Klanganwendung.
1.3 Einordnung des Themas in die bestehenden Wissenschaftsdisziplinen
1.3.1 Musiktherapie
1.3.2 Entspannungsverfahren
1.3.3 Musik und Klang in der Medizin
1.3.4 Weitere, angrenzende Wissenschaftsgebiete
1.4 Aktueller Forschungsstand zum Thema.
1.5 Theorie zur Klangtherapie.
1.5.1 Der Begriff der Klangtherapie
1.5.2 Klangtherapie nach Walter Häfner
1.5.3 Erkenntnisse über das Phänomen Klang und Annahmen zur Wirkung
1.5.3.1 Klänge vs. Musik
1.5.3.2 Das Weniger ist Mehr Prinzip
1.5.3.3 Klangwahrnehmung
1.5.3.4 Klangwirkung
1.5.3.5 Musikalische und außermusikalische Parameter
1.5.4 Klinische Einsatzgebiete und Kontraindikationen von Klängen
1.5.5 Nicht-klinische Einsatzgebiete von Klang
1.6 Psychophysiologie und Nutzen von Entspannungsverfahren
1.6.1 Das vegetative Nervensystem
1.6.2 Die Entspannungsreaktion
1.6.3 Das Aktivierungskonzept
1.6.4 Kardiovaskuläres System
1.6.5 Elektrische Muskelaktivität
1.6.6 Hautleitfähigkeit
1.6.7 Entspannung und ihr Nutzen
1.7 Wie Klänge das Bewusstsein verändern können
1.8 Instrumente
1.8.1 Klangschalen
1.8.2 Klangliege
1.8.3 Gongs
1.8.4 Zimbeln
1.8.5 Glocke
1.9 Voraussetzungen auf Seiten des Klang-Therapeuten

2. FRAGESTELLUNG UND HYPOTHESEN

EMPIRISCHER TEIL

3. METHODEN UND MATERIAL
3.1 Stichprobe
3.2 Versuchsaufbau und –ablauf
3.3 Design.
3.4 Räumlichkeit
3.5 Material
3.5.1 Fragebögen
3.5.1.1Mehrdimensionaler Befindlichkeitsfragebogen
3.5.1.2 Stress-Verarbeitungs-Fragebogen
3.5.1.3 Prä-Fragebogen
3.5.1.4 Post-Fragebogen
3.5.2 Physiologische Messungen
3.5.2.1 PARPORT-F
3.5.2.2 Elektrokardiogramm
3.5.2.3 Elektromyogramm
3.5.2.4 Skin Conductance Level
3.5.3 Verwendete Musikinstrumente
3.5.4 Technische Geräte und Hilfsmittel
3.6 Datenanalyse

4. ERGEBNISSE
4.1 Deskriptive Ergebnisdarstellung.
4.2 Statistische Prüfung der Hypothesen.
4.2.1 Ergebnisse zur Überprüfung der Hypothese I
4.2.2 Ergebnisse zur Überprüfung der Hypothese II
4.2.3 Ergebnisse zur Überprüfung der Hypothese III
4.2.4 Ergebnisse zur Überprüfung der Hypothese IV

5. DISKUSSION DER ERGEBNISSE
5.1 Zusammenfassung der Befunde
5.2 Interpretation der Daten
5.2.1 Physiologische Korrelate einer Klangsitzung
5.2.2 Veränderungen des psychischen Befindens durch Klang
5.2.3 Veränderte Bewusstseinszustände
5.3 Fehlerbetrachtung und Kritik
5.4 Ausblick
5.5 Abschließende Bemerkungen

6. LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS

7. ANHANG
7.1 Anhang A: Instrumente, Versuchsaufbau und Versuchsablauf
7.1.1 Versuchsaufbau
7.1.2 Details zu den verwendeten Instrumenten
7.1.3 Ablauf einer Live-Klangsitzung
7.2 Anhang B: Deskriptive Statistik
7.2.1 Soziodemographische Daten
7.2.2 Erfahrung mit Entspannungsverfahren
7.2.3 Entspannungsfähigkeit
7.3 Anhang C: Ergebnisdarstellungen
7.3.1 Physiologische Veränderungen
7.3.2 Psychische Veränderungen
7.3.3 Veränderte Bewusstseinszustände
7.4 Anhang D: Untersuchungsmaterialien
7.4.1 Versuchsablauf
7.4.2 Einverständniserklärung
7.4.3 Prä-Fragebogen
7.4.4 MDBF-Langform
7.4.5 SVF-120 – Subtest Entspannung
7.4.6 Post-Fragebogen
7.4.7 Abbildungen der Ableitorte (EKG, SCL und EMG)

II. Selbstständigkeitserklärung

Hiermit erkläre ich an Eides statt, die vorliegende Arbeit selbstständig erstellt und keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel und Quellen benutzt zu haben.

Tobias Forderer

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III. Danksagung

Nachfolgend möchte ich all den Menschen danken, die dazu beigetragen haben, dass diese Arbeit realisiert werden konnte.

An erster Stelle geht mein Dank an Herrn Prof. Reschke, der sich bereit erklärte, diese Arbeit zu betreuen, und der mich bei der Erstattung der anfallenden Kosten für die Zubehörteile des Messgerätes unterstützte. Auch Herrn Dr. Seikowski gilt meinen herzlicher Dank, für die Betreuung und die Offenheit der Thematik gegenüber.

Der Abteilung Klinische Psychologie der Universität Leipzig, insbesondere Herrn Prof. Schröder und Herrn Prof. Reschke, danke ich für die Bereitstellung des Messgerätes und für die langjährige, fundierte Ausbildung in klinischer Psychologie.

Herrn Krüger von der Seniorenresidenz Schloss Schmerwitz danke ich für das zur Verfügung stellen eines geeigneten Labors für meine Untersuchungen.

Insbesondere geht mein Dank an alle Teilnehmer der Studie, ohne die diese Arbeit nicht hätte entstehen können.

Danke sagen möchte ich auch Walter Häfner und Doris Metzner, für die Lehre der hier untersuchten Methode und ihr Wissen über Klang.

Im Besonderen möchte ich meiner Frau Dana danken, für all die Momente der Begleitung während der Entstehung dieser Arbeit, vor allem aber für die Akquise der Teilnehmer.

Meinen Eltern möchte ich an dieser Stelle ebenfalls, für die langjährige und großzügige, emotionale und finanzielle Unterstützung während meines gesamten Studiums, danken.

Für die fachliche und methodische Unterstützung bedanke ich mich vor allem bei Christina Koller, Søren Andersen, Lutz Gansera, Tobias Altmann, Philipp Ruhnau, Herrn Prof. Hinz und Herrn Prof. Baumann.

Danilo Neumann gilt mein Dank für die gute Einführung in das PARPORT/F-Gerät und die Zeit, die er sich nahm, mich bei aufkommenden Fragen zu unterstützen.

Für einen ersten, persönlichen Einblick in seine Praxis, in welcher psychoanalytische Arbeit mit klangtherapeutischer Arbeit zusammengeführt wird, danke ich Herrn Dr. Tuschy.

Danken möchte ich auch Brigitte Lämmer, für das gründliche und geduldige Korrekturlesen meiner Arbeit.

Abschließend danke ich noch Gerd Goullon, für die kostenlose Bereitstellung von EKG-Elektroden, der damit eine längere Unterbrechung des Experimentes verhinderte.

IV. Zusammenfassung

In der vorliegenden Studie wird die Entspannungswirkung eines „alternativtherapeutischen Verfahrens“ – im Folgenden als Klangsitzung (nach Walter Häfner) oder Klangtherapie bezeichnet - untersucht. Die Methode basiert auf dem systematischen Einsatz von live gespielten Instrumenten.

Es wurden Daten auf drei unterschiedliche Ebenen erhoben und analysiert.

1. Als Nachweis der physiologischen Entspannungswirkung, im Sinne einer vegetativen Aktivierungsabnahme, kam ein Gerät zur Langzeit-Biosignalerfassung zum Einsatz. Mit diesem wurden Veränderungen der physiologischen Parameter Hautleitfähigkeit, Herzfrequenz und Muskelaktivität erfasst.
2. Mit einem Befindlichkeits-Fragebogen wurden Veränderungen des psychischen Erlebens im Prä-Post-Vergleich erhoben.
3. Schließlich sollte ein nicht-standardisierter Fragebogen Aufschluss über veränderte Bewusstseinszustände während der Intervention geben.

Die Analyse der Daten ergab keine substantiellen Veränderungen der physiologischen Parameter, weder im Vergleich der Experimentalgruppen untereinander, noch im Kontrollgruppenvergleich.

Die Auswertung der psychischen Veränderungen zeigte signifikante Effekte im Prä-Post-Vergleich zwischen den Versuchsgruppen. Personen, welche eine Live-Klangsitzung erhielten, zeigten signifikant stärkere Veränderungen in Richtung Entspannung als Personen der beiden Vergleichsgruppen.

Zusätzlich waren gruppenspezifische, signifikante Effekte zu finden, die darauf hindeuten, dass eine Live-Klangsitzung deutlich mehr Anzeichen für veränderte Bewusstseinszustände hervorruft, als eine Klangsitzung von CD oder das Liegen in Stille.

V. Anliegen der Arbeit

Seit meinem 6. Lebensjahr beschäftige ich mich mit Musik. Schon während meiner Kindheit und Jugend hatte ich das Glück, von guten, von mir sehr geschätzten Musikern und Lehrern, Unterricht in verschiedenen Instrumenten zu bekommen und diese erlernen zu dürfen – vor allem die Orgel und Gitarre.

Etwa zwei Jahrzehnte später machte ich während meines Psychologie-Studiums ein Praktikum in der Klinik Heiligenfeld in Bad Kissingen. Dort erlebte ich das erste Mal, wie im Rahmen fundierter Psychotherapien, Klänge (v.a. Gongs, Klangschalen, Trommeln) eingesetzt wurden, um therapeutische Prozesse zu unterstützen und Zugang zu unbewussten Thematiken zu bekommen.

Ende 2007 lernte ich Walter Häfner kennen, bei dem ich die Grundlagenausbildung in Klangtherapie machte.

Bald reifte der Wunsch in mir, das erlernte Verfahren als Thema meiner anstehenden Diplomarbeit im Studium, wissenschaftlich zu untersuchen, um damit zwei mir persönlich sehr wertvoll gewordene Bereiche – die Psychologie und die Arbeit mit Musik und Klang, zu verbinden. Durch die Zusagen von Herrn Prof. Reschke und Herrn Dr. Seikowski als Gutachter für dieses bisher wenig erforschte Thema, wurde es mir möglich, diese Arbeit zu realisieren.

Anliegen der vorliegenden Arbeit ist es, eine erste kritische und wissenschaftlich fundierte Untersuchung zu einem bereits langjährig existierenden, und in der Praxis angewandten, alternativtherapeutischen Entspannungsverfahren zu liefern. Dieses bedient sich dem systematischen Einsatz von archaischen, live gespielten Klängen, um Entspannungs- bzw. Tiefenentspannungszustände beim Klienten herbei zu führen.

Die so genannte Klangtherapie nach Walter Häfner, welche von ihm etwa ab Mitte der 90er Jahre entwickelt wurde, soll hierbei auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Wissenschaftliche Basis der Untersuchung bildet die Erhebung physiologischer Parameter, als auch die Erfassung psychologischer Messwerte.

Das hier analysierte Verfahren könnte eine wertvolle Ergänzung bzw. Alternative zu den schon bestehenden, klinisch anerkannten Methoden der Entspannungsinduktion und Psychotherapie, darstellen.

Im Gegensatz zu bereits existierenden Entspannungsverfahren ist das Spezifische an dieser Methode, die Stimulation des gesamten Organismus durch somato-sensorische Reize, welche durch direkten Körperkontakt mit den verwendeten Instrumenten, zustande kommt.

VI. Tabellenverzeichnis

Tabelle 01: Deskriptive Statistik zum SVF-120 (Subtest „Entspannung“).

Tabelle 02: Abtastrate und Messbereich der gewählten Biosignale

Tabelle 03: Absolute Häufigkeiten und Prozentangaben der Vorerfahrungen der Gesamtstichprobe

Tabelle 04: Absolute Häufigkeiten und Prozentangaben der subjektiven Entspannungsfähigkeit der Gesamtstichprobe

Tabelle 05: Darstellung der Minutenmittelwerte und Standardabweichungen für die Herzfrequenz

Tabelle 06: Darstellung der Minutenmittelwerte und Standardabweichungen für die Muskelaktivität

Tabelle 07: Darstellung der Minutenmittelwerte und Standardabweichungen für die Hautleitfähigkeit

Tabelle 08: Veränderungen der Mittelwerte und Standardabweichungen aus den Dimensionen des MDBF im Prä-Post-Vergleich über alle Gruppen

Tabelle 09: Veränderungen der Mittelwerte und Standardabweichungen aus den Dimensionen des MDBF, aufgeteilt nach Versuchsgruppen

Tabelle 10: Absolute Punktwertanstiege der drei Skalen des MDBF im Prä-Post-Versuchsgruppenvergleich

Tabelle 11: Mittelwerte und Standardabweichungen veränderter Bewusstseinszustände, aufgeteilt nach Versuchsgruppen

VII. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 01: Schematische Darstellung des Versuchsaufbaus (Instrumente und Technik)

Abbildung 02: Aufbau von Klangliege, Klangschalenset und Glocke

Abbildung 03: Altersverteilung in der Stichprobe

Abbildung 04: Geschlechterverteilung in der Stichprobe

Abbildung 05: Angaben zum Familienstand der Gesamtstichprobe

Abbildung 06: Höchster, erreichter Bildungsabschluss der Probanden

Abbildung 07: Angaben zur Erwerbstätigkeit der Stichprobe

Abbildung 08: Erfahrung mit Entspannungsverfahren der Gesamtstichprobe

Abbildung 09: Erfahrung mit Entspannungsverfahren der VG 1

Abbildung 10: Erfahrung mit Entspannungsverfahren der VG 2

Abbildung 11: Erfahrung mit Entspannungsverfahren der VG

Abbildung 12: Verteilung der Rohwerte aus dem SVF120 in absoluten Häufigkeiten

Abbildung 13: Trendverlauf physiologischer Parameter am Beispiel einer Versuchsperson

Abbildung 14: Veränderte Bewusstseinszustände während der Intervention von VG1

Abbildung 15: Veränderte Bewusstseinszustände während der Intervention von VG2

Abbildung 16: Veränderte Bewusstseinszustände während der Intervention von VG3

VIII. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

IX. Glossar

archaische Instrumente: auf diesen können keine Melodien gespielt werden. Sie erzeugen stattdessen, den natürlichen Tönen folgend, nicht harmonisch gestimmte Klänge (auch unter dem Begriff „Naturton Instrumente“ verbreitet), z.B. Gongs, Klangschalen, Didgeridoos oder Trommeln.

ergotrop: angeregter, nicht kontemplativer, überwacher Bewusstseinszustand mit physiologischer und zentralnervöser Erregung in Richtung Ekstase.

Ganzkörpermonochord: auch Klangliege oder nur Monochord genannt. Großer Resonanzkasten aus Holz, auf dem der Klient liegt.

Geräusch: unstrukturierter und diffuser Klang.

Interozeption: Signale aus dem Körperinneren, im Gegensatz zu Exerozeption, dem Wahrnehmen der äußeren Welt über die fünf Sinneskanäle.

Klang: ein Ton mit seinem (meist vorherrschenden) Grundton und den darauf aufbauenden Obertönen.

monochrome Klänge: einförmige Klang- oder Rhythmusstrukturen, die sich stetig wiederholen.

Trance: (vom lateinischen: transire, hinübergehen) wird in der Literatur unterschiedlich, teils auf widersprüchliche Weise definiert. Nach Hess und Rittner (1996) ist Trance der Oberbegriff, für verschiedenste, leibseelische Veränderungen, welche kulturabhängig bei Menschen in veränderten Wachbewusstseinszuständen auftreten können.

trophotrop: körperlich beruhigt, gedämpft und nach innen gekehrt in Richtung Enstase. Wahrnehmungsfeld oft stark reduziert und fokussiert (Hess & Rittner, 1996).

In dieser Arbeit wird ausschließlich die männliche Form benutzt, um der Sprache keine Gewalt durch umständliche Doppelbegriffe wie „der Therapeut/die Therapeutin“, „er/sie“ usw. anzutun. Selbstverständlich sind damit aber immer beide Geschlechter gemeint.

1. THEORETISCHER HINTERGRUND

1.1 Einleitung

Körperlich und geistig entspannt, gelöst, mit wachem Bewusstsein, gesund und gut gelaunt. Solche oder ähnliche Zustände werden von den meisten Menschen als angenehm und erstrebenswert beschrieben.

Im Gegensatz dazu sind Hektik, Stress, das Burnout-Syndrom oder Anspannung, allzu bekannte Schlagworte aus dem 21. Jahrhundert. Wenn die Prognosen der WHO stimmen, dann wird es in den nächsten Jahrzehnten zu einer drastischen Zunahme stress- und angstbedingter Erkrankungen innerhalb der hoch entwickelten Industriestaaten kommen (Hüther, 2008).

Wir leben in einer Epoche, in der eine Vielzahl unterschiedlicher bio-psycho-sozialer Belastungen auf uns Menschen der westlichen Welt einwirken und in der zunehmend Fähigkeiten fehlen, um mit derartigen Belastungen umzugehen. Deshalb ist es für jeden Einzelnen umso wichtiger, eine persönliche Balance zwischen Anspannung und Entspannung zu finden, um Krankheit zu verhindern und Gesundheit zu fördern.

Um diese individuelle Balance herzustellen, bedarf es Fähigkeiten wie Selbstregulation, Selbstreflexion, Flexibilität und Selbstwirksamkeitskompetenzen, sowie Tätigkeiten, Kontakten oder Methoden, die einem dabei helfen, aktiv oder passiv von einem Zustand der Anspannung in einen Entspannungszustand zu gelangen. Neue Ergebnisse aus der Hirnforschung zeigen, dass die Verfahren zur Stressbewältigung immer die körperliche und emotionale Ebene mit einbeziehen sollten, um ein körperliches, mentales und emotionales Reaktionsmuster zu verankern und zu stabilisieren (Hüther, 2008).

Eine Möglichkeit dafür sind Entspannungsverfahren.

Von den Menschen unserer heutigen Welt werden vielfältige Möglichkeiten genutzt, das Gefühl von Entspannung und Wohlbefinden im Körper zu erzeugen. In den vergangenen vier Jahrzehnten haben Entspannungsverfahren eine große Popularität erlangt und sich auch als therapeutische Methode etabliert (Vaitl & Petermann, 2004).

Es existieren vielerlei Entspannungsmethoden, welche von altbekannten Hausmitteln wie Ausschlafen, Dösen oder Singen bis hin zu derzeit in der westlichen Welt sehr populären Methoden wie Meditation, Tai Chi oder Yoga, reichen.

Auf dem freien Markt der Möglichkeiten gesellen sich zu den bereits klinisch anerkannten und evaluierten Verfahren jede Menge fragwürdige, meist gar nicht oder nur in Ansätzen erforschte Techniken aus dem Bereich der „alternativen Heilverfahren“ oder Esoterik. Das Feld alternativer Therapieangebote und Entspannungsmethoden ist geradezu überschwemmt von Angeboten und Erfolgsversprechungen einzelner Techniken. Für viele suchende und bedürftige Menschen ist es schwierig, sich aus diesem Dschungel von Möglichkeiten, bewährte, wirkungsvolle Verfahren auszuwählen, die nachweisbaren Erfolg versprechen.

Eine wissenschaftlich bisher kaum untersuchte Verfahrensgruppe, welche sich seit etwa 20 Jahren immer größerer Beliebtheit erfreut, ist die gezielte, therapeutische Arbeit mit Klängen. Ähnlich wie Musik sollen bestimmte Klänge neben ihrer postulierten Wirkung bei bestimmten Krankheitsbildern und der Anregung der Selbstheilungskräfte von Patienten entspannend wirken, den Körper beruhigen und harmonisieren.

Schlimmer als ein eventuell teuer bezahltes, wirkungsloses Entspannungs- oder Therapieverfahren sind für den Klienten allerdings Techniken, welche destabilisieren und womöglich mehr Schaden zufügen als sie Gutes bringen. Unqualifizierte Handhabung von nicht evaluierten Methoden und fehlende Kompetenz der Behandelnden bei auftretenden Schwierigkeiten sind eine reale Gefahr für denjenigen, der sich auf eine neue Methode einlässt, welche als effektiv dargeboten wird.

In der vorliegenden Arbeit wird ein Verfahren näher unter die Lupe genommen, welches als entspannend, Ressourcen aktivierend und achtsamkeitsfördernd angepriesen wird.

1.2 Historischer Abriss der Musik- und Klanganwendung

Bei nahezu jeder menschlichen Kultur aller Zeiten hatte oder hat Musik immer noch einen hohen Stellenwert.

Archaische Instrumente, welche aus der Frühzeit der menschlichen Entwicklung stammen und die Entwicklung von Musik selbst, sind praktisch zeitgleich mit der menschlichen Kultur entstanden (Koller, 2007; Silber & Hess, 2007). Musik, Kultur und Heilkunst griffen gerade in den frühesten Zeiten der Menschheitsentwicklung stark ineinander. So ist auch die Idee, Musik und Krankenbehandlung zu verbinden, im Grunde uraltes menschliches Gedankengut und wurde von Schamanen aller Zeiten praktiziert (Koller, 2007; Silber & Hess, 2007; Spitzer, 2002). Neben den magischen Kräften, welche der Musik und Klängen oft zugesprochen wurden, war es auch der Gefühlswert, welcher Musik und Klang von je her eine große Bedeutsamkeit innerhalb der unterschiedlichsten menschlichen Kulturen eingeräumt hat.

In einer Reihe von Schöpfungsmythen der verschiedenen Kulturen wird Klang als Ursprung allen Seins beschrieben. Damit trägt alles Sein Klang in sich (Koller, 2007). Neben der Bibel findet sich dies auch in den heiligen Schriften Indiens („Upanishaden“) und auch im Glauben der Tibeter wieder. Dort heißt es, dass die gesamte Schöpfung, das Universum, der Mensch und die Götter aus Klang entstanden sind. Man spricht dort auch von Nada Brahma, der Kosmos bzw. die Welt ist Klang (Berendt, 1985).

In etwa 30.000 Jahre alten Höhlenmalereien lassen sich Bildnisse finden, welche sich als psychotherapeutisches Behandlungssetting mit Musikinstrumenten interpretieren lassen (Hess, 1999). Noch ältere Zeugnisse menschlicher Musikanwendung sind in Slowenien ausgegrabene Knochenflöten, deren Alter auf 43.000 bis 82.000 Jahre geschätzt wird (Campbell, 2000).

Aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. liegen nach Spintge und Droh (1992) die ältesten belegten Zeugnisse therapeutischen Einsatzes von Musik vor. Ägyptische Priesterärzte nutzten damals Beschwörungsmusik im Rahmen der Krankenbehandlung.

In fast allen Kulturen der Welt ist der Einsatz von Musik bei der Behandlung von Kranken oder innerhalb von Heilungszeremonien zu finden. Schon Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. gab es die so genannte „Kory-Weihe“, bei der zunächst durch eine bestimmte Art von Musik bei den Probanden ein Zustand des Wahnsinns erzeugt wurde. Danach wurde mit einer anderen Art von beruhigender Musik gezielt eine Entspannung herbeigeführt, um den Prozess der inneren Reinigung, einer Karthasis, zu beenden (Spintge & Droh, 1992).

In der griechischen Antike vertrat Plato die Meinung, Melodie und Rhythmus könnten die innere Ordnung und Harmonie der Seele wieder herstellen, wobei er nach der Musik immanenten naturgesetzmäßigen Ordnungsprinzipien suchte. Aristoteles beschrieb ebenfalls spezifische Wirkungen von Melodie, Harmonie und Instrumenten auf den menschlichen Körper und die Seele.

Die Pythagoräer setzten Musik schon im 6. Jahrhundert v. Chr. zur Schmerzbekämpfung bei Ischialgien ein. Anicius Boethius berichtet bereits 500 n. Chr. über die physiologischen Wirkungen von Musik auf Kleinkinder, wobei er den beruhigenden Effekt eines Schlafliedes im Kontrast zu der Wirkung von schrillen Melodien beschreibt (Spintge & Droh, 1992).

Seit, etwa um das Jahr 1800, psychiatrische Kliniken geschaffen wurden, wird Musik mit dem Ziel der Sedierung, Ablenkung oder Anregung hierzulande eingesetzt (Koller, 2007).

Monotone, sich stets wiederholende Gesänge oder gleichförmige Rhythmen einer Trommel nutzen Schamanen verschiedener Völker auch heute noch, um Patienten oder sich selbst in Trancezustände zu versetzen und sich mit der geistigen Welt in Verbindung zu setzen. Die Musik ist dabei das Medium für den Übergang in andere Bewusstseinszustände (Koller, 2007).

In der Nachkriegsära des Zweiten Weltkrieges entwickelte sich die moderne Musiktherapie. So wurden beispielsweise Erschöpfungszustände von Soldaten mit Musik behandelt.

Im Zusammenhang mit dem gegenwärtig immer größeren Interesse an den alten Kulturen, wurde auch die heilende Wirkung der Klänge wieder entdeckt. Derzeit ist ein regelrechter Boom auf diesem Gebiet zu beobachten.

Seit etwa 20 Jahren befasst sich die moderne Musiktherapie als auch die New Age Bewegung mit dem gezielten Einsatz von Klängen, wobei auch immer mehr Instrumente zur Erzeugung monochromer Klänge in die Therapien und verwendeten Verfahren Einzug halten. Beispielsweise gehört das Monochord bei vielen Musiktherapeuten bereits heute zum Standardrepertoire (Hess 1999; Jungaberle, Altieri, Gerloff, Kurze & Verres, 2003; Koller, 2006).

Die so genannte Klangtherapie hat sich aus einem der zahlreichen musiktherapeutischen Konzepte entwickelt (Koller, 2006). An dieser Stelle sei bereits darauf verwiesen, dass der Begriff Klangtherapie sehr unscharf definiert und derzeit ungeschützt ist, was zur Folge hat, dass er für eine Vielzahl unterschiedlicher Konzepte und Methoden, mit wissenschaftlich meist geringem Wert, herangezogen wird (vgl. 1.5.1).

Eine Möglichkeit des therapeutischen Einsatzes von Klängen ist das in dieser Arbeit untersuchte Verfahren, die Klangtherapie nach Walter Häfner, welche bisher wissenschaftlich völlig unbetrachtet blieb.

1.3 Einordnung des Themas in die bestehenden Wissenschaftsdisziplinen

Diese Arbeit bewegt sich auf einem Terrain, welches wissenschaftlich bisher nur selten betreten wurde. Bislang existieren keine eigenständigen Methoden dafür oder vorzeigbare Ergebnisse darüber. Diese Studie versteht sich nicht zuletzt deshalb als eine Art Pionierarbeit, als einen ersten Schritt auf ein Gebiet, welches in Zukunft möglicherweise an Bedeutung gewinnen wird.

Obwohl die gezielte Arbeit mit Klängen, wie im vorherigen Kapitel bereits skizziert, auf eine jahrtausendelange Geschichte zurückblicken kann, gibt es bis heute keine eigenständige Wissenschaftsdisziplin, welche das Phänomen Klang und dessen Wirkung auf den menschlichen Körper explizit erforscht.

Die hier untersuchte Form der Klangtherapie ist zu den „alternativ-therapeutischen Verfahren“ zu zählen, welche einem wissenschaftlichen Zugang meist fern bleiben. Des Weiteren fehlen der untersuchten Methode ein umfassendes theoretisches Konzept, Vergleichsstudien und die Anerkennung in der Wissenschaftswelt.

Forschungsaktivitäten, welche sich speziell mit den Entspannungseffekten vergleichbarer Klang-Interventionen auseinandersetzen, gibt es derzeit kaum. Lediglich am Rande wurde die Komponente „Entspannungsinduktion“ bei der Erforschung von Klangwirkungen im menschlichen Organismus bislang behandelt.

Um das Thema dennoch in einen theoretischen Rahmen zu bringen, innerhalb dessen man sich weiter bewegen, sich mit der hier behandelten Materie vertiefen, und Folgeforschung betreiben kann, erfolgt in diesem Kapitel der Versuch einer Einordnung der untersuchten Klangtherapie in einige der bereits bestehenden und geläufigen Konzepte und Wissenschaftsdisziplinen.

1.3.1 Musiktherapie

Der Einsatz von Musik oder Klängen in einem therapeutischen Kontext ist die Domäne der Musiktherapie. Wichtige Anlehnungspunkte zum Thema sind in der Musiktherapieforschung zu finden, im Speziellen in der rezeptiven Musiktherapie, welche bereits auf eine Vielzahl von Forschungsarbeiten zurückblicken kann.

Erste Forschungsergebnisse mit Teilen des in dieser Studie verwendeten Instrumentariums, kommen aus dieser Disziplin und werden an späterer Stelle ausführlicher behandelt.

Bei dem Versuch, Musiktherapie zu definieren, wurden ähnlich viele Varianten erarbeitet wie zum Begriff Stress. Die Schwierigkeit einer Definition von Musiktherapie lässt sich auch daran aufzeigen, dass ihr ein ganzes Buch (Defining Music Therapy) gewidmet ist. Eine der Definitionen daraus ist folgende:

„Musiktherapie besteht im Gebrauch von Klängen und Musik innerhalb einer sich entwickelnden Beziehung zwischen einem Kind oder Erwachsenen und einem Therapeuten, um das körperliche, geistige, soziale und emotionale Wohlbefinden zu unterstützen und anzuregen.“ (Bunt 1997, S. 251, zitiert nach Spitzer 2002).

Vom Berufsverband der Musiktherapeuten in Deutschland (DVM) wird Musiktherapie wie folgend beschrieben (Rauwolf, 2005, zit. nach Koller, 2007):

„Musiktherapie ist eine wissenschaftlich fundierte und praxisorientierte, psychotherapeutische Disziplin. Sie bildet Schnittflächen mit angrenzenden Wissenschaftsbereichen, insbesondere der Medizin, der Psychologie, den Gesellschaftswissenschaften und der Musikwissenschaft. Musiktherapie gehört in den Bereich der Psychotherapie, den ausgehend von einem bio-psycho-sozialen Krankheitsverständnis werden psychologische Mittel zur Erreichung therapeutischer, rehabiliativer und präventiver Ziele eingesetzt.“

In Kliniken werden unterschiedliche Formen oder Elemente der Musiktherapie oft als zusätzliches therapeutisches Angebot zu den bestehenden Therapieformen praktiziert und teilweise von den Krankenkassen bezahlt. Allerdings weisen einige Autoren auf das Missverhältnis von klinischer Praxis und wissenschaftlich erwiesenen Fakten hin (Bunt & Pavlicevic, 2001, zit. nach Spitzer, 2002).

Musiktherapie kann grob unterteilt werden in aktive (Musik selbst machen) und passive (Musik hören) Musiktherapie.

Bei der aktiven Musiktherapie wird dem Patienten, unter Verwendung von freien, strukturierten oder teilstrukturierten Klangimprovisationen, die Möglichkeit gegeben, Gefühle und Konflikte nonverbal wahrzunehmen und auszudrücken, was anschließend in Therapiegesprächen weiter bewusst gemacht werden kann (Hüther, 2004).

Die in dieser Studie untersuchte Variante der Klangtherapie, ist der rezeptiven Musiktherapie zuzuordnen, bei welcher der Klient passiv empfängt und keine Eigenaktivität in das Spielen von Instrumenten aufwendet. Eine übergeordnete Theorie rezeptiver Musiktherapie existiert derzeit allerdings noch nicht (Frohne-Hagemann, 2004).

Musiktherapie wird auf verschiedene Art und Weise eingesetzt, je nach Krankheitsbild und medizinischem Gesamtumfeld. Die passive Musiktherapie wird in der Medizin unter anderem verwendet zur Schmerzbekämpfung, Angstreduktion oder Stressbewältigung. Sie hilft, Medikamente einzusparen. Die Erfahrungen mit Musiktherapie im psychiatrischen Bereich beschränken sich zumeist auf Einzelfallberichte. Saubere Studien zur Wirksamkeit von Musiktherapie bei verschiedenen psychischen Störungen fehlen bis heute (Spitzer, 2002). Verwendet wird Musiktherapie auch, um innere Spannungszustände auflösen, Harmonisierungseffekte auszulösen und das Aufschaukeln unspezifischer Angst- und Erregungszustände zu unterbinden (Hüther, 2004).

Eine Metaanalyse von Bunt (1999), zit. nach Spitzer (2002) gibt eine Übersicht zu verschiedenen Indikationsgebieten und Anwendungsbereichen der Musiktherapie in der Medizin. Die Stärke der Therapieeffekte wurde hierbei berechnet, um einen Eindruck zu gewinnen, wo Musiktherapie wirken kann. Positiv beeinflusst wurden medizinische Sachverhalte vor allem in den Variablen, Pulserhöhung beim Zahnarzt, Schmerzmittelgebrauch beim Zahnarzt, Blutdruck beim Zahnarzt, Angst beim Kinderarzt, Schmerzen bei chirurgischer Behandlung von Verbrennungen, postoperative Schmerzen, Entspannung in der Geburtshilfe oder die subjektiv erlebte Angst bei Herzpatienten. Des Weiteren wurde festgestellt, dass Musiktherapie bei Frauen besser wirkt als bei Männern (Spitzer, 2002).

Weitere Einsatzgebiete der Musiktherapie sind Beratung, Erziehung und Kinderpsychiatrie, zur Stimulation von Patienten mit Demenz sowie nach Schlaganfällen bis hin zu Patienten mit komatösen Zuständen, um diese überhaupt wieder zu erreichen und mit ihnen Kontakt aufzunehmen (Spitzer, 2002).

Der Einsatz von Monochorden wird im Kontext der Musiktherapie oft mit einer entspannungs- oder trancefördernden Wirkung begründet (Jungaberle et al., 2003).

In der musiktherapeutischen Arbeit mit Klangtrance wird Musik in zwei unterschiedlichen Richtungen wirksam. Sie kann physiologisch anregend (ergotrop), in Richtung Ekstase oder körperlich beruhigend und nach innen gekehrt (trophotrop) in Richtung Enstase sein, bei der das Wahrnehmungsfeld durch den Einsatz von monochromen Klängen reduziert und fokussiert wird (Hess & Rittner, 1996).

1.3.2 Entspannungsverfahren

Rege empirische Forschungstätigkeit gibt es im Bereich der Entspannungsverfahren, auf welche im Folgenden näher eingegangen wird. Vor allem die bereits klinisch anerkannten Verfahren werden kontinuierlich und immer differenzierter evaluiert und weiterentwickelt. Da das Thema dieser Arbeit die Entspannungsinduktion durch spezifische, hier akustische und somato-sensorische Reize, ist, lohnt sich ein Blick in den aktuellen Forschungsstand der Induktion und Wirkungsweise von Entspannungsverfahren. Des Weiteren stellen klinisch anerkannte Entspannungsverfahren einen nächsten Anknüpfungspunkt dar, um das behandelte Thema zugänglich zu machen.

Der Begriff Entspannungsverfahren ist ein Oberbegriff und bezeichnet verschiedene Methoden, welche auf das Wahrnehmen und Lösen von physischen Verkrampfungen und psychischen Spannungen gerichtet sind. Professionelle Anwender unterscheiden zwischen vegetativen, hirnelektrischen und interozeptiven Entspannungskomponenten, während Entspannung im Alltag meist nur mit dem subjektiven Gefühl von „entspannt Sein“ gleichgesetzt wird (Vaitl & Petermann, 2004).

Entspannungsverfahren sind allesamt übende Verfahren, welche leicht zu erlernen sind und deren Wirkungen sich meist erstaunlich schnell entfalten.

Eine erste grobe Unterscheidung ist die Einteilung der Verfahren in standardisierte und nicht standardisierte Verfahren. Erstere Gruppe entstammt größtenteils einem klinischen Kontext und wurde zur Behandlung psychischer Störungen und körperlicher Erkrankungen entwickelt. Hierzu zählen derzeit die Hypnose, das autogenes Training, meditative Verfahren, imaginative Verfahren, progressive Muskelentspannung und das Biofeedback. Zu den nicht standardisierten oder „alternativmedizinischen Verfahren“ sind alle anderen auf dem Markt angebotenen und praktizierten Techniken oder Verfahren zu zählen, bei denen eine wissenschaftliche Überprüfung bisher meist noch aussteht. Einige Beispiele sind Qigong, Tai Chi, Trancetanzen, diverse Massagen, repetetive Gebetsformen oder Floating.

Vor allem die Psychophysiologie, die Neurowissenschaften und die Verhaltenswissenschaften lieferten neue Konzepte über die biologischen Grundlagen von Entspannungsverfahren und deren Spezifikation für die praktische Anwendung. Entspannungstechniken sind keine außergewöhnlichen Phänomene, sondern Ressourcen im normalen Verhaltensrepertoire des Menschen, welche in jedem schlummern und lediglich durch bestimmte Methoden oder Techniken aktiviert werden müssen (Vaitl & Petermann, 2004).

Eingesetzt werden Entspannungsverfahren ambulant und stationär während laufenden Behandlungen, bei der Rehabilitation und Prävention zahlreicher körperlicher und psychischer Erkrankungen und Störungen (Vaitl & Petermann, 2004).

Es gibt eine Gemeinsamkeit der beiden Entspannungsverfahren, Hypnose und Klangtherapie, welche in der Anwendung der Trance besteht. Der Zustand der Trance macht es dem Klienten möglich, direkt auf den emotionalen Kern seelischer Erlebnisse zu stoßen. „Man könnte Klangtherapie auch als klanginduzierte Hypnotherapie bezeichnen“ (Silber & Hess, 2007, S.142).

1.3.3 Musik und Klang in der Medizin

Nach all dem was bisher behandelt wurde, wundert es nicht, dass Musik und Klänge auch in der Medizin eine Rolle spielen und positive Effekte nicht nur auf den gesunden, sondern auch und gerade auf den kranken Körper haben kann. Erst die Erkenntnisse der Wissenschaft der letzten etwa zwei Jahrzehnte brachten Licht in den Bereich von Aberglauben und unüberprüfbaren Vorstellungen über die Wirkung von Musik (Spitzer, 2002).

Die meisten Untersuchungen auf diesem Gebiet gehen auf tonträgergebundene Musik zurück. Über die systematische Arbeit mit Live-Klängen in der Medizin ist derzeit wenig bekannt. Eine professionell-therapeutische Verwendung von Klängen in der Medizin ist beispielsweise deren Einsatz bei früh geborenen Kindern, mit dem Ziel, den milieubedingten Lärm und Stress auf der Neugeborenen-Intensivstation zu reduzieren. Verwendet werden dabei u.a. die menschliche Stimme, die Gato-Drum oder die Ocean-Drum (Ribaupierre, 2004).

Perret (2005) berichtet von Intensivstationen für Frühgeburten, auf denen entdeckt wurde, welch positive Veränderungen unter anderem in der Herzfrequenz, dem Atemrhythmus und dem Hautleitwiderstand, sich durch entspannende Musik bei den Musik hörenden Neugeborenen ergaben.

Einige Schnittstellen von Musik und Medizin, bei denen Musik von Tonträgern erfolgreich eingesetzt wird, sollen beispielhaft im Weitern genannt werden.

Die bekanntesten Funktionsfelder von Musikeinsatz in der Medizin sind Musik im Wartezimmer, in der präoperativen Entspannung (ausgeforschtes Beispiel: Zahnmedizin), während der operativen Phase, in der postoperativen Phase und bei der Vorbeugung gegen Schmerzen. Entsprechende Fachliteratur weist dabei detailliert bestimmte Musik aus (Decker-Voigt, 2004).

2004 haben Wissenschaftler der University of California, Los Angeles, den Klang der Zellen hörbar gemacht. Die Disziplin der „Sonozytologie“ beschäftigt sich damit, ob vielleicht in Zukunft am Klang der Zellen Krankheiten erkannt werden können. Schon in der jahrtausende alten, vedischen Heilkunst, haben Ärzte über eine „Klang-Diagnose“, den Rhythmus und die Stärke des Pulses, Auskunft über den Gesundheitszustand ihrer Patienten erhalten (Koller, 2006).

Perret (2005) schreibt über den großen Nutzen von beruhigenden Klängen bzw. Musik, welchen die Internationale Gesellschaft für Musik in der Medizin dokumentierte. An über 85.000 Patienten, die eine Operation in der Sportklinik Hellersen in Deutschland über sich ergehen lassen mussten, und denen vor und nach der Operation Musik zu hören gegeben wurde, konnten Einsparungen von Beruhigungs- und Schmerzmitteln von bis zu 50% aufgezeigt werden.

Moser, Frühwirth und Lackner (2008) sehen ungeahnte Möglichkeiten von großer medizinischer Bedeutung darin, körpereigene Rhythmen, die aus dem Gleichgewicht geraten sind (z.B. Schlaf, Herz, Atmung,…), durch Musiktherapie wiederherzustellen. Auf dem noch sehr jungen Gebiet der Chronomedizin und Chronobiologie, sehen die Autoren eine zukunftsträchtige Forschungsdisziplin, was u.a. durch eine immer größer werdende Zahl an Veröffentlichungen in Zeitschriften wie Nature oder Science, erkennbar wird.

1.3.4 Weitere, angrenzende Wissenschaftsgebiete

Dieser erste Einblick in umliegende Disziplinen soll aufzeigen, in welchen wissenschaftlich anerkannten Feldern bereits mit Musik und Klängen gearbeitet wird. Aus diesen könnten sich in Zukunft übergeordnete Theorien und Methoden entwickeln, die zur Erforschung der Klangwirkung dienen, und welche heutzutage nur in Ansätzen vorhanden sind.

Abschließend zur Einordnung des Themas sollen weitere, noch nicht explizit genannte Überschneidungsbereiche mit angrenzenden Wissenschaftsgebieten und Forschungsbereichen genannt werden. Dies sind die Psychodiagnostik, die Neurologie, die Vibroakustik, die Emotionspsychologie, und die Psychotherapie. Als interdisziplinäres Forschungsgebiet beschäftigt sich die Rezeptionsforschung mit „Wahrnehmung, Erleben und Wirkung von Musik“ (Gembris, 1996, zit. nach Frohne-Hagemann, 2004). Genauere Ausführungen zu den „Nachbardisziplinen“ würden den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Sie sind lediglich als Anregung für den Leser zu verstehen, sich bei Interesse weiter zu vertiefen.

Eine interdisziplinäre Erforschung des Phänomens „Klang und dessen Wirkung auf den menschlichen Organismus“ scheint sehr sinnvoll, um brauchbare Ergebnisse zu erhalten und prägnante Aussagen über dessen Wirkungsprofil und Möglichkeitsraum machen zu können.

1.4 Aktueller Forschungsstand zum Thema

Psychophysiologische oder psychologische Untersuchungen speziell zur Wirkung der Klangsitzung nach Walter Häfner, als auch zu anderen Klangtherapie-Verfahren, liegen, wie eingangs schon beschrieben, bis jetzt keine vor. Auch wurden umfassende und standardisierte psychophysiologische Untersuchungen von Klanginterventionen unter Einsatz verschiedenartiger, monochromer Klänge in der Musiktherapieforschung nur in Ansätzen berücksichtigt. Adäquate Forschungsmethoden fehlen bisher. Dennoch sei an dieser Stelle kurz umrissen, welche Studien im Zusammenhang mit der vorliegenden Arbeit von Interesse sein könnten. Die bisherigen Publikationen berufen sich dabei meist auf klinische Fallbeobachtungen.

Rittner und Fachner (2004) führten eine quantitative EEG-Untersuchungen an zwei Versuchspersonen, über die tranceinduzierende Wirkung von monochromer Klängen auf einem Ganzkörpermonochord, durch. Ausgewertet wurden dabei neben den visuellen und quantitativen Sponan-EEG-Daten auch psychometrische Verfahren und, auf inhaltsanalytischem Weg, schriftliche Erlebnisberichte der Versuchsteilnehmer. Die Reaktionen auf die Tranceinduktion mittels eines Monochordes schienen dabei personenspezifisch zu sein, da die Trancequalitäten (trophotrop bzw. ergotrop) der Probanden interindividuell verschieden waren. Eine gesteigerte, visuelle Vorstellungskraft mit gleichzeitig zunehmender, geistiger Wachheit stand einem entspannten, sinnlichen Körperempfinden gegenüber.

Beim Einsatz von Musiktherapie fand Bunt, (1997), zit. nach Spitzer, (2002) im Hinblick auf verschiedene, gemessene körperliche Variablen den größten Einfluss auf die Atmung, gefolgt von Muskelspannung im EMG und dem Schmerzmittelgebrauch.

Die von Strobel (1992) Mitte der 80er Jahre entwickelte psychotherapeutische Arbeitsweise der „Klanggeleitete Trance“ oder „Klangtrance“ nutzt monochrome, sich wiederholende Klänge, um einen veränderten, kreativen Wachbewusstseinszustand auszulösen. Die Klangtrance ist eine Synthese unterschiedlicher therapeutischer Ansätze. Ihre Wurzeln sind in der Musiktherapie, Hypnotherapie, Psychoanalyse und Tiefenpsychologie anzusiedeln. Strobel ordnet diese monochromen Klänge, welche durch verschiedene Instrumente erzeugt werden, charakteristischen, psychologischen Themenfeldern zu. Durch systematische Untersuchungen hat er spezifische Wirkungen unterschiedlicher Klangstrukturen finden können, die allerdings von weiteren Variabeln moduliert werden. Näheres dazu ist in den folgenden Abschnitten zu lesen.

Dr. Peter Hess forscht seit mehr als zwei Jahrzehnten als leitender Arzt in einer psychiatrischen Tagesklinik mit einer empirisch entwickelten, rezeptiven Musiktherapie, bei der er archaische Instrumente benutzt. Interessante Ergebnisse zur so genannten „Gong-Trance“ stammen aus Gruppentherapieangeboten zur Behandlung von psychotischen Patienten und Borderline-Patienten innerhalb der Psychiatrie (Hess, 1999; Koller, 2007). Die Erkenntnisse aus der Arbeit von Hess werden im Folgenden nochmals genauer aufgegriffen.

In einer multimethodischen Studie erforschten Jungaberle et al. (2003) mittels Fragebögen und offenen Selbstberichten, inwieweit es in einem nicht-therapeutischen Setting, typische und/oder individuelle Reaktionen beim Hören von Monochordklängen gab. Die Autoren berichten, dass Monochordklänge bei vielen Menschen die Entspannungsreaktion fördern und selten als durchgehend unangenehm erlebt werden. Sie sehen das Monochord als „gut geeignet für die Auslösung der Entspannungsreaktion und intensiver, für viele Menschen überraschender, Bewusstseinsphänomene“ (Jungaberle et al., 2003, S. 331). Es waren jedoch keine allgemeingültigen Monochorderfahrungen zu finden. Vielmehr seien heterogene Erfahrungen auf die musikalischen Reize die Regel.

Im Bereich der Vibroakustik untersuchte Richter (2008) den Einsatz einer Klang-Woge (einem Instrument ähnlich dem Monochord) und verglich die Ergebnisse mit Probanden, die eine Sitzung ohne dieses Instrument erhielten.

Die Entspannungsreaktion des Organismus mit ihren charakteristischen körperlichen und psychischen Veränderungen, welche durch den Einsatz verschiedener Entspannungsverfahren zustande kommt, ist seit langem bekannt. In jüngster Zeit werden mittels EEG und bildgebenden Verfahren die Gehirnaktivitäten erforscht, welche sich bei Menschen in Entspannung ereignen. Diese Forschungen subsummieren Vaitl und Petermann (2003) unter dem Oberbegriff „veränderte Bewusstseinszustände“.

Verschiedene Studien bestätigen generell das Erleben von veränderten Bewusstseinszuständen, jedoch fehlen bisher Studien, welche dies speziell beim Einsatz von Klang nachweisen. In einer Studie von Foulkes und Fleischer (1975), zitiert nach Vaitl und Petermann (2004) berichteten Versuchspersonen im Zustand entspannter Wachheit von spontanen halluzinatorischen Prozessen und regressiven Prozessen mit deutlichem Realitätsverlust.

Speziell zum autogenen Training liegen von Luthe (1969/1970), zitiert nach Vaitl und Petermann (2004) Angaben zu paradoxen Phänomenen vor (u.a. somato-sensorische Erscheinungen, unwillkürliche Bewegungen, Änderungen des Körperschemas, Drehschwindel oder Halluzinationen), die unabhängig von den verwendeten Formeln auftraten.

1.5 Theorie zur Klangtherapie

1.5.1 Der Begriff der Klangtherapie

Klangtherapie ist eine allgemeine Bezeichnung, unter welcher eine Vielzahl alternativmedizinischer Behandlungen subsummiert werden. In vielen dieser Verfahren werden metallene Klangschalen, Zimbeln, Glocken, Didgeridoos, Gongs, Naturgeräusche, Gesänge oder Stimmgabeln als Instrumente zur Entspannungsinduktion, Beruhigung oder Harmonisierung verwendet.

Koller (2007) stellt fest, dass innerhalb der Arbeit mit obertonreichen Klängen der Begriff der Klangtherapie häufig synonym zu den Begriffen der Klangmassage und auch der Klangpädagogik Verwendung findet. Keiner der Begriffe ist rechtlich geschützt. Damit ist, wie auch in anderen therapeutischen Bereichen, eine beliebige Nutzung möglich. Erschwert wird eine Abgrenzung der Begriffe auch dadurch, dass die so bezeichneten Verfahren in den übergreifenden Bereichen Medizin, Pädagogik, Therapie und Wellness angewendet werden.

In der Zeitschrift „Naturmedizin“ beschreibt Höntgesberg (2002) Klangtherapie in der Weise:

„Unter Klangtherapie versteht man eine Reihe von verschiedenen Heil- und Behandlungsverfahren, die mit Hilfe von Klängen und Tönen (entweder mit Instrumenten oder selbst erzeugt) Beschwerden lindern oder heilen sollen. Hierbei spielt die verwendete Tonhöhe eine entscheidende Rolle.“

In einem kleinen Lexikon zu Klangtherapie und Musiktherapie definiert Pimmer (1996) Klangtherapie folgendermaßen: „Mit Klangtherapie wird eine Pädagogik des Lauschens, d.h. eine Anleitung zum aktiven Hören umschrieben (Neukonditionierung).“ Das Lauschen sieht er als „Basisprinzip des Lernens“, was auch eine Erhöhung der Aufmerksamkeit und Wachheit zur Folge hat.

Silber und Hess (2007) ordnen die Klangtherapie der rezeptiven Musiktherapie zu. Die strukturelle Einfachheit und der Verzicht auf Melodik oder Harmonie ist das wesentliche Merkmal der Klangtherapie. Er sieht diese Therapieform als Bindeglied zwischen Medizin, Psychologie und Psychotherapie, da in ihr sowohl Körper, seelisches Erleben als auch Sprache mit einbezogen werden. Weiter definiert er Klangtherapie als „ein interaktives Resonanzphänomen zwischen Klient, Instrument und Therapeut“ (Silber & Hess, 2007, S.154).

1.5.2 Klangtherapie nach Walter Häfner

Nach Angaben des Entwicklers und Ausbilders des untersuchten Verfahrens, Walter Häfner, sei nachfolgend kurz die Entstehungsgeschichte dieses Verfahrens skizziert. Darauf folgend ist die von ihm angegebene Wirkungsweise einer Klangsitzung beschrieben, wie sie im Ausbildungsmanuskript (Häfner, 2006) zu finden ist. Die Einsatzmöglichkeiten von Klang, einige Worte zur Ausbildung und anderen Verfahren, werden im Anschluss daran beschrieben.

In einem persönlichen Interview mit Walter Häfner erzählte er, dass er seit etwa 11 bis 12 Jahren mit Klang arbeite. In seiner früheren Arbeit im heilpädagogischen Sektor und Pflege, habe er mit geistig und körperlich schwer behinderten Menschen gearbeitet. Über den Bau des Erfahrungsfeldes der Sinne für diese Patientengruppe, sei er indirekt zur Arbeit mit Klang gekommen.

Nach seinen Angaben sei das Verfahren hauptsächlich intuitiv entstanden. Angefangen habe er mit den von ihm heute noch verwendeten 9 Klangschalen, dem Handgong, der Glocke und den Zimbeln, welche innerhalb kurzer Zeit „zu ihm kamen“. Persönliche Erfolge bei der Klangbehandlung von Leukämiekranken und Personen mit schweren Depressionen, seien für ihn wegweisend gewesen, weiter mit Klang zu arbeiten und zu forschen. Über die Jahre und mit der Erfahrung in Klangarbeit, seien dann die großen Tamtam- und Feng-Gongs, die Klangliege und das Monochord zum bereits bestehenden Instrumentarium hinzugekommen.

Relativ schnell habe Herr Häfner bemerkt, dass seine Klienten, neben den positiven Wirkungen der Klangbehandlung nach einer oder mehreren Klangsitzungen, außerdem von Erfahrungen während den Klangtherapiestunden berichteten, welche sich nicht in die „normalen Alltagserfahrungen“ einordnen lassen. Fachwissen über diese speziellen Erfahrungen seiner Klienten, heute als veränderte Bewusstseinszustände bezeichnet, wie sie beispielsweise in den Arbeiten von Stanislav Grof beschrieben sind, sei erst Jahre später zu seiner Klangarbeit hinzugekommen.

Ausgehend von einer physikalischen Sichtweise, bei der jede Zelle im gesamten Universum in ihrer ganz eigenen, harmonischen Frequenz und Ordnung schwingt, wird diese Idee auf die menschlichen Zellen und Organe übertragen. Bei Zell- oder Organveränderungen (Krankheiten) ändert sich diese natürliche Frequenz zugunsten einer disharmonischen, unnatürlichen Schwingung. Mit Hilfe der Klänge kann, laut Häfner (2006), diese Ordnung, das harmonische Schwingen der Körperzellen, wieder hergestellt werden.

Unter Einbeziehung von 9 bzw. 13 Klangschalen, diversen Gongs, einer Glocke, einem Monochord, einer Klangliege und Zimbeln, wird der Köper des Klienten in einem bestimmten System, welches etwa 40 Minuten dauert, mit Klängen bespielt. In einer vor der ersten Klangsitzung stattfindenden Anamnese des Klienten wird versucht, ein als vordergründig anstehendes Thema, herauszuarbeiten. Die letzten 10 Minuten einer solchen Live-Klangsitzung bestehen aus einem Lied von CD, welches auf die Thematik des Klienten bezogen, gewählt wird. Die Zusammenhänge zwischen dem Thema des Klienten und der daraus resultierenden Wahl des Liedes für das Ende einer Klangsitzung, erfolgen intuitiv.

Die gespielten Klänge treffen über die Erschütterungen der Luft auf das Trommelfell im Ohr, während die Schallwellen gleichzeitig über eine Unzahl von verschiedenen Rezeptoren auf der Hautoberfläche aufgenommen werden. Durch den unmittelbaren, körperlichen Kontakt mit den Instrumenten, werden außerdem die gesamten Körperflüssigkeiten in allen Zellen in Schwingung versetzt, was dazu führt, dass diese zu schwingen beginnen. Dieser „Energiefluss“ soll den Klienten in einen Zustand körperlicher und seelischer Entspannung bzw. Tiefenentspannung führen, in dem die Selbstheilungskräfte des Organismus aktiviert werden. Außerdem sollen dadurch die eigenen Ressourcen beim Klienten aktiviert werden, die Konzentration geschult und Spannungen oder Schmerzzustände gelindert oder gelöst werden.

Als Einsatzmöglichkeiten des oben beschriebenen Verfahrens nennt Häfner (2006) folgende Indikationen: bei hyperaktiven Kindern, zur Stressbewältigung, in der Sterbebegleitung, in der Schwangerschaft und während der Geburt, bei Schmerzen, bei Verspannungen, vor und nach Operationen oder chemotherapeutischer Behandlung von Krebspatienten, bei Einschlafstörungen, Durchblutungsstörungen, Migräne, Bluthochdruck, Allergien, Tinitus, Herzproblemen oder bei Wachkomapatienten.

Die Ausbildung besteht aus einer zehntägigen, intensiven Grundausbildung. Darauf aufbauend besteht die Möglichkeit, einen 5tägigen Aufbaukurs zu absolvieren, in dem Erweiterungen und Variationen des im Basiskurs Gelernten angeboten werden. Die Ausbildung zur Klang-Rotation ist eine weitere Option im Ausbildungsangebot (Häfner, 2008). Zusätzlich werden in der Basisausbildung einzelne, energetische Aspekte (wie beispielsweise das Chakrensystem aus der indisch-tibetischen Lehre) und Phänomene, die während der Behandlung auftreten können (z.B. außerkörperliche Erfahrungen), behandelt.

Wie bei der Begriffsbestimmung schon deutlich wurde, gibt es neben dem Verfahren von Walter Häfner in Deutschland und im Ausland weitere Formen der Klangtherapie.

Als Pionier und Begründer der so genannten Klangschalen-Klangmassage in Europa gilt Peter Hess, der sich bereits 1984 den Klangschalen und der Erforschung der Klänge widmete (Plate, Linder & Prosic-Götte, 2004). Das Peter Hess Institut ist die derzeit größte Ausbildungseinrichtung im In- und Ausland zur professionellen Arbeit mit Klängen. Das Institut bietet ein breites Aus- und Weiterbildungsangebot und eine eigene Zeitschrift, rund um das Thema Klang, an. Neben diesen beiden größeren Ausbildungsangeboten gibt es noch eine Reihe anderer Verfahren, die sich des Einsatzes von Klang bedienen. An dieser Stelle sei auf die veröffentlichte Dissertation von Koller (2007) verwiesen, welche sehr detailliert auf die verschiedenen Verfahren eingeht.

1.5.3 Erkenntnisse über das Phänomen Klang und Annahmen zur Wirkung

Das Interesse an den Wirkungen von Klängen wächst unübersehbar. Dies spiegelt sich beispielsweise im wachsenden Medieninteresse an der Heilwirkung von Klängen und Musik, an Fernsehsendungen zum Thema, Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln sowie einer steigenden Anzahl von Buchveröffentlichungen, wieder. Auch das Aufkommen verschiedener Ausbildungen rund um das Thema Klang, ist ein Indiz dafür.

Wie bereits angemerkt, liegen wissenschaftlich fundierte Untersuchungen, speziell zur Wirkung von Klängen, nur in sehr begrenztem Umfang vor. Trotz einer engen Verbindung von Musik und Therapie seit den Urzeiten der Menschen gibt es erstaunlicherweise immer noch wenig Wissen über das genaue „Wie“ der heilenden Wirkung von Musik (Frohne-Hagemann, 2004).

1.5.3.1 Klänge vs. Musik

Die Begriffe Klang und Musik werden im Zusammenhang mit Wirkungshypothesen immer wieder parallel verwendet. Wichtig ist es im Folgenden, Musik, Klang und Geräusch voneinander zu unterscheiden.

Pimmer (1996) beschreibt den Unterschied zwischen Klängen und Geräuschen so, dass die meisten Töne Klänge sind, in denen nur ein bestimmter Ton, meistens der Grundton, vorherrscht. Ein reiner Ton (ein Sinuston) enthält nur eine Frequenz und kommt in der Natur praktisch nicht vor. Ein Klang ist ein Frequenzgemisch und weist ein ganzzahliges Verhältnis von Grundton und Obertönen auf, während ein Geräusch dieses ganzzahlige Verhältnis nicht hat. Sind die Klänge unübersichtlich und diffus, so spricht man von Geräuschen.

Einen Klang kann man mit den Parametern Lautstärke, Tonhöhe, Klangfarbe und Schalldruck beschreiben. Im Gegensatz zu Musik sind Klänge aber archaischer, ursprünglicher, denn es gab sie schon lang bevor der Mensch begann Musik zu machen (Koller, 2006).

Nach Tuschy (2007) haben archaische Klänge, besonders von großen Gongs, Klangschalen und Monochorden, meistens noch auffälligere, emotionale Wirkungen als diese bei Musik im Sinne von Harmonie und Melodie zu beobachten sind. Musik spricht neben der Gefühlsebene auch das rationale Denken an, in dem Melodie, Struktur und formaler Ablauf des Musikstückes mit erfasst werden, während Klang im Gegensatz dazu, das Umgehen der Ratio ermöglicht.

1.5.3.2 Das Weniger ist mehr Prinzip

Das Besondere an Klängen ist – im Gegensatz zu Musik also - ihre Einfachheit im Sinne eines „Weniger ist mehr Prinzips“ und die Umgehung des analysierenden Geistes.

Es ist die Reduktion auf das Wenige, das Einfache, was hier wirkt. Der unruhige Geist kann durch diese strukturarmen Reize (…) „still werden zugunsten einer Öffnung im Ganzen, ein Fühlen mit Leib und Seele wird möglich“ (Silber & Hess, 2007, S.32). Die Ähnlichkeit zu verschiedenen Meditationsformen ist nicht zu übersehen. Durch Reizentzug wird beim Meditieren das Beenden kreisender Gedanken angestrebt, was zu Entspannung und schließlich zu nachweislichem Abbau von Stress führt (Koller, 2006).

Eine ereignisarme Klangstruktur fördert außerdem eine sich selbst organisierende Entwicklung imaginativer Szenarios bei demjenigen, der sie hört. Damit induzieren einförmige, sich stetig wiederholende Klänge, wie viele andere monotone Reize auch, häufig Phasen veränderter Bewusstseinszustände (Jungaberle et al., 2003; Strobel, 1992). Näheres zu diesen Phänomenen sei an späterer Stelle erläutert (vgl. 1.7).

1.5.3.3 Klangwahrnehmung

Grundlegend für das Verständnis der Klangwirkung beim Menschen ist zunächst die Klangwahrnehmung und –verarbeitung, welche im Folgenden kurz und stark vereinfacht skizziert sein soll.

Wird ein Klang in Anwesenheit eines hörenden Menschen erzeugt, so erhält dieser über den Hörsinn ein akustisches Signal des Klanges. Treffen physikalische Schwingungen auf den Körper, erhält er über verschiedene Berührungsrezeptoren auf der Hautoberfläche zusätzlich somato-sensorische Informationen des Klanges. All diese Signale zusammen werden auf hoch komplexe Weise im Gehirn verarbeitet, was wiederum Reaktionen auf neuromuskulärer, physiologischer, hirnphysiologischer, emotionaler und vegetativer Ebene zur Folge hat (Koller, 2007).

Alle Körperzellen sind in der Lage zu schwingen und können daher als Vibrationsrezeptoren fungieren. Schallwellen können sich im Körper aufgrund des hohen Wasseranteils durch Gewebe, Organe und Knochen fortbewegen. Je nach Frequenz des Klanges gehen all diese Körperstrukturen mehr oder weniger in Resonanz. Daraus folgt, dass Klänge mit dem gesamten Körper wahrgenommen werden und ganzheitlich wirken.

Hören und Fühlen gehören zu den frühesten, bereits vorgeburtlichen, sinnlichen Erfahrungen des Menschen und stehen in engem Zusammenhang zur pränatalen Entwicklungsphase (Koller, 2006). Bei der Wirkung einzelner in der Klangsitzung verwendeter Instrumente ist dieser Aspekt von zentraler Bedeutung (vgl. 1.8).

1.5.3.4 Klangwirkung

Möchte man die Wirkung von Klängen untersuchen oder beschreiben, so stellt sich zunächst die zentrale Frage, ob es eine den Klängen innewohnende Wirksamkeit gibt, oder ob die Wirkung aufgrund der Projektion des Menschen auf die Klänge und Musik entsteht. Eine durchgängige Theorie der heilenden und fördernden Wirkung von Musik und Klängen ist, auch aufgrund fehlender Messungen, derzeit noch nicht vorhanden oder zumindest nicht allgemein anerkannt (Moser et al., 2008).

Die meisten Autoren postulieren die Wirksamkeit von Klang, abhängig vom speziellen Fall und mehr oder weniger modulierenden Kriterien. Eine eindeutige, reproduzierbare und vorhersagbare Wirkung einzelner Klänge oder Klangbehandlungen wird selten vertreten, doch herrscht bisher kein wissenschaftlicher Konsens darüber, ob bestimmte Frequenzen spezifische Wirkungen hervorrufen können oder nicht (Koller, 2007).

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Details

Seiten
117
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783842806320
Dateigröße
2.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v228114
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Biowissenschaften, Pharmazie, Psychologie, Psychologie
Note
1,1
Schlagworte
klangtherapie entspannungsverfahren trance klangschale walter häfner

Autor

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Titel: Nachweis von Entspannungseffekten und veränderten Bewusstseinszuständen durch klanginduzierte Reize