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Reiseanforderungen und -bedürfnisse blinder Menschen sowie ausgewählte Angebote im Bereich der touristischen Freizeitgestaltung

Masterarbeit 2008 117 Seiten

Tourismus - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Vorwort

Danksagung

0 Einleitung
0.1 Ausgangssituation
0.2 Zielsetzung
0.3 Aufbau der Arbeit - Vorgehensweise und Untersuchungsmethodik

1 Blinde Menschen in Deutschland
1.1 Begriffsklärung
1.2 Unterstützungsangebot und Hilfsmittel
1.3 Zielgruppencharakterisierung

2 Barrierefreier Tourismus – Tourismus für Alle
2.1 Grundverständnis
2.2 Rechtliche und gesetzliche Rahmenbedingungen und Normen

3 Reiseverhalten blinder Menschen – ausgewählte Ergebnisse der empirischen Erhebung
3.1 Methodik
3.2 Interviewpartnerportraits
3.3 Darstellung der Untersuchungsergebnisse an der touristischen Servicekette
3.3.1 Reisevorbereitung – Information, Buchung, Organisation
3.3.2 An- und Abreise
3.3.3 Ankommen und Orientieren
3.3.4 Fortbewegung am Urlaubsort
3.3.5 Unterkunft und Verpflegung
3.3.6 Freizeitgestaltung
3.3.7 Service und Betreuung vor Ort – Assistenz und medizinische Versorgung
3.3.8 Nachbetreuung
3.3.9 Personal
3.4 Abgeleitete Grundsätze und Erfolgskriterien für einen barrierefreien Blindentourismus

4 Good Practice Beispiele im Bereich der touristischen Freizeitgestaltung in Deutschland

5 Fazit

6 Ausblick

Glossar

Quellenverzeichnis

Literatur

Internet

Korrespondenzpartner

Sonstiges (Prospekte, Broschüren, Faltblätter etc.)

Anlagenverzeichnis

Anhang

Eidesstattliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ursachen für Erblindung

Abbildung 2: Die 4 Säulen eines barrierefreien Urlaubserlebnisses für alle

Abbildung 3: Die Pyramide der Barrierefreiheit

Abbildung 4: Die touristische Servicekette

Abbildung 5: Überblick über Möglichkeiten der touristischen Freizeitgestaltung

Abbildung 6: Good Practice Beispiel touristischer Freizeitgestaltungsmöglichkeiten in Deutschland

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorwort

‚Blindentourismus’ ist ein Thema in der Reisebranche, dem bisher noch nicht ausreichende Aufmerksamkeit gewidmet wurde und welches noch über großes Potenzial verfügt. Vornehmlich die Möglichkeiten der touristischen Freizeitgestaltung sind für diese Zielgruppe überschaubar. Dieser Umstand ist mir u. a. durch das Zusammenleben mit der geburtsblinden Schwester meines Lebensgefährten aufgefallen und erstmalig bewusst geworden. Durch die besagte Familienkonstellation wurde ich des Öfteren mit diesem Thema konfrontiert. Aufgrund enger Familienbande unternehmen wir sehr viel zusammen. So machen wir Tagesausflüge, verreisen gemeinsam in den Urlaub oder gehen am Wochenende zusammen aus. Allerdings muss man sehr kreativ sein, um immer wieder aufs Neue attraktive und interessante Möglichkeiten der Freizeitgestaltung aufzutun. All diese Umstände und mein allg. Interesse für das Leben blinder Menschen in unserer Gesellschaft haben dazu geführt, dass ich mich mit dieser Thematik einmal ausführlicher beschäftigen wollte. Die ersten Literaturrecherchen haben zudem schnell gezeigt, dass auf diesem Gebiet noch nicht allzu viele Anstrengungen unternommen wurden, um die Reiseanforderungen und -bedürfnisse unserer blinden Mitmenschen zu eruieren und analysieren.

Es ist mir ein persönliches Anliegen einen Beitrag zum Abbau bestehender Barrieren zu leisten, Anregungen für die Erweiterung der Urlaubsangebote sowie eine qualitative Verbesserung der gegenwärtigen Ausgangssituation zu erzielen.

Danksagung

Für den Initialgedanken und die fortlaufende aktive Unterstützung bei der inhaltlichen Ausgestaltung dieser Arbeit möchte ich mich ganz besonders bei Nadja Jakob bedanken. Sie hat mich mit vielen Hürden der blinden Menschen bei der Bewältigung des alltäglichen Lebens und der Barrieren beim Reisen erstmalig in Berührung gebracht. Im gleichen Atemzug möchte ich Dr. Kristiane Klemm für die stets reibungslose und zielführende Betreuung danken. Auch möchte ich mich bei allen im Rahmen der empirischen Erhebung beteiligten Personen für die Mithilfe und Informations- und Redebereitschaft bedanken. Natürlich möchte ich auch meiner Mama danken, die mir stets den Rücken freigehalten hat. Auch möchte ich Kerstin Jakob für ihr stets gründliches Lektorat und konstruktiven Vorschläge sowie all meinen Freunden und sonstigen Förderern danken. Nicht zu vergessen mein Lebensgefährte, der sich immer Zeit für anregende Auseinandersetzungen und kritische Diskussion genommen hat.

0 Einleitung

0.1 Ausgangssituation

Reisen ist ein grundlegender Wunsch des Menschen. Auch blinden Menschen, die durch den Verlust bzw. starke Beeinträchtigung ihrer Sehfähigkeit gehandicapt sind, sollte die Teilhabe und Inanspruchnahme der vielfältigen touristischen Angebote möglich sein. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Reiseanforderungen und -bedürfnissen blinder Menschen.

Gehen blinde Menschen auf Reisen sind sie oftmals noch mit einer Vielzahl von Problemen und Barrieren entlang der touristischen Servicekette konfrontiert, welche bei der Vorbereitung einer Reise, während des Urlaubs und insbesondere in der Reisedestination selbst auftreten können. So verschieden die Hindernisse und Schwierigkeiten sind, denen blinde Menschen im Reiseprozess gegenüberstehen, so unterschiedlich können, über die grundlegenden Anforderungen hinaus, z. T. auch die Bedürfnisse dieser Ziel- und Nutzergruppe sein.

0.2 Zielsetzung

Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf der Ermittlung der Bedürfnisse, Ansprüche und Wünsche der Zielgruppe der blinden Reisenden. Es gilt die konkrete Bedarfslage zu bestimmten. Da dies nicht immer auf direktem Wege möglich ist, werden hierzu auch Mängel, Komplikationen, Barrieren, Probleme sowie weitere reisehemmende Faktoren herausgearbeitet, mit denen diese spezielle Zielgruppe auf Reisen häufiger konfrontiert ist. Aus diesen Erkenntnissen sollen wiederum wichtige Indikatoren für ein zukünftig barrierefreies Reisen der blinden Mitmenschen abgeleitet werden. Ein weiteres Ziel dieser Studie liegt in der Aufdeckung von Unzulänglichkeiten im Bereich der Blindenreisen entlang der touristischen Servicekette. Welche Anforderungen müsste die Leistungskette erfüllen, um die Gäste zufrieden zu stellen? Wie würde die Reisekette idealtypisch aussehen? Wo weist sie bisher Lücken auf und wie können diese behoben werden? Worin liegen die Ursachen dafür, dass sich blinde Reisende des Öfteren behindert fühlen?

Aufbauend auf die Erhebung der beiden genannten Kernpunkte, soll das Spannungsfeld zw. den individuellen Zielgruppenanforderungen und der angebotsseitigen Realität ein Spannungsfeld offen gelegt werden. Flankierend dazu sollen Chancen und Möglichkeiten, die die Zielgruppe der blinden Bevölkerung in der Tourismusbranche birgt, und die sich aus dem Ausgleich des soeben beschriebenen Ungleichverhältnisses ergeben können, beleuchtet werden ohne darüber hinaus auch Hinweise auf mögliche Risiken und Problemfelder außer Acht zu lassen. Nicht zuletzt sollen die u. a. aus Interviewgesprächen gewonnenen Informationen und empirischen Ergebnisse dazu verwendet werden, mögliche Lösungsansätze und Verbesserungsvorschläge für die Anbieterseite darzulegen.

Die Handlungsempfehlungen sollen die Tourismusakteure (z. B. Reiseveranstalter, Leistungsträger im Bereich der touristischen Freizeitgestaltung und Destinationen) für die Bedürfnisse dieser Zielgruppe sensibilisieren. Möglicherweise gelingt es, der Vision eines barrierefreien Urlaubs für blinde Reisende ein Stück näher zu kommen.

0.3 Aufbau der Arbeit - Vorgehensweise und Untersuchungsmethodik

Im ersten Kapitel werden grundlegende Informationen zu der Personengruppe der blinden Menschen in Deutschland vermittelt. Dabei wird zunächst geklärt, was Blindheit explizit bedeutet, wie sie sich definiert und welche verschiedenen Ursachen dieser Behinderungsform zugrunde liegen. Anschließend werden die gängigsten finanziellen als auch materiellen Unterstützungsformen umrissen und abschließend folgt eine statistische Zielgruppencharakterisierung.

Im zweiten Kap. wird der Themenkomplex ‚Barrierefreies Reisen – Tourismus für alle’, dem der ‚Blindentourismus’ i. w. S. zuzuordnen ist, vorgestellt. Dabei geht es hauptsächlich um eine definitorische Abgrenzung, eine Kurzcharakterisierung sowie einen Abriss der derzeitigen rechtlichen Rahmenbedingungen.

Das dritte Kapitel ist der Kernabschnitt dieser Arbeit. Nachdem die Gesprächspartner der Interviewreihe in einem Kurzportrait vorgestellt werden, werden die Reiseanforderungen und -bedürfnissen blinder Menschen thematisiert. Zur Beantwortung der zentralen Fragestellungen und Erfüllung der Zielsetzung dieser Arbeit wurden: eine Literatur- und Internetrecherche, eine Interviewreihe mit Betroffenen und Gespräche mit Fachexperten[1] durchgeführt. Aufbauend auf diese Quellen wurden die schwerwiegendsten Defizitbereiche innerhalb der touristischen Servicekette identifiziert und Lücken aufgedeckt, aus denen in unmittelbarem Anschluss bereits erste entsprechende Grundsätze bzw. Erfolgskriterien (3.4) abgeleitet werden. Der Kapitelaufbau orientiert sich weitestgehend an der touristischen Servicekette der NatKo. Aus dem theoretischen und empirischen Teil der Arbeit wurden z. T. auch Handlungsempfehlungen für Tourismusakteure aufbereitet, um die Handlungsspielräume und Potenziale bzgl. Blindenreisen zu verdeutlichen. Um dies zu veranschaulichen befinden sich am Ende eines jeden Gliederungspunktes grau unterlegte Hinweiskästen, die ‚Good Practice Beispiele’ vorstellen.

Im Kap. 4 werden ausschließlich Good Practice Beispiele im Bereich der Freizeitgestaltung als Möglichkeiten zur Potenzialausschöpfung dargestellt. Neben einigen kleineren Angeboten wird die Hansestadt Stralsund als blindenfreundliche Tourismusdestination präsentiert.

Das Fazit (Kap. 5) und ein vorsichtiger Blick in die Zukunft (Ausblick Kap. 6) sollen abschließend aufzeigen, was zu fordern und zu verbessern ist, damit der Weg zu gemeinsamen Freizeitaktivitäten für behinderte und nicht-behinderte Menschen frei und vielseitig begehbar wird.

Abschließende Hinweise:

Die vorliegende Arbeit erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Aufgrund der thematischen Komplexität kann diese Arbeit nur Fragmente darstellen. Allerdings bietet sie einen Einstieg in die Besonderheiten der ‚Blindenreisen’ sowohl seitens der betroffenen Reisenden als auch der touristischen Akteure auf der Anbieterseite.

Unterstrichene Begriffe können im Glossar nachgeschlagen werden, wo sie ausführlicher erklärt werden und Hintergrundinformationen hinterlegt sind.

Die fett dargestellten Worte und Begrifflichkeiten sollen der schnelleren Orientierung innerhalb eines Kapitels dienen und weisen zugleich die zentralen Inhalte aus.

Im dritten Kapitel treten an mehreren Stellen inhaltliche Überschneidungen auf. Die Ergebnisse der Untersuchung werden allerdings nur einmal erwähnt, auch wenn sie auf mehrere untergeordnete Gliederungspunkte zutreffen. Der Abschnitt ‚3.3.9 Personal’ ist kapitelübergreifend, weshalb dieser Themenkomplex, losgelöst von der touristischen Servicekette, angeführt wird und für fast alle Kettenglieder Gültigkeit besitzt.

1 Blinde Menschen in Deutschland

Um weiterer Folge auf die Reisebedürfnisse und -anforderungen und die dementsprechende touristische Angebotssituation für Blinde eingehen zu können, ist es wichtig, einen Überblick über die Situation dieser Personengruppe in Deutschland zu gewinnen. Zu diesem Zweck wurden verschiedenste Datenmaterialien ausgewertet. Von Interesse sind hierbei v. a. der Anteil der behinderten Menschen an der Gesamtbevölkerung, die Art der körperlichen Beeinträchtigung sowie spezifische Merkmale dieses Personenkreises.

1.1 Begriffsklärung

Zwei blinde Menschen sind ebenso wenig gleich wie zwei sehende. Der Begriff ‚Blindheit’ ist komplexer und vielschichtiger als man zunächst annimmt. „Absolute Blindheit bedeutet, es ist um den Menschen herum alles dunkel, er erkennt nicht, ob Tag oder Nacht ist. Blindheit wird jedoch nicht so eingeengt definiert, dass keine Lichtempfindung mehr vorhanden sein muss (sog. ‚Schwarzblindheit’). Blind sind auch Menschen, deren Sehfähigkeit bis auf geringe Sehreste eingeschränkt ist,“[2] das bedeutet, unter Blindheit ist der hochgradige oder gar komplette Verlust der Sehfähigkeit – der visuellen Wahrnehmung – zu verstehen.[3] Für die Blindheit gibt es einerseits eine gesetzliche und andererseits eine medizinische Definition. Nach der gesetzlichen Definition liegt eine Blindheit vor, wenn die Sehschärfe höchstens zwei Prozent eines Normalsehenden beträgt oder eine Einschränkung des Gesichtsfeldes auf fünf Grad und weniger besteht[4], (jeweils bezogen auf das bessere und voll korrigierte Auge).[5] Die Ursachen für Blindheit sind vielfältig und variieren in Abhängigkeit vom Alter. Blindheit kann bereits angeboren sein oder sich erst im Laufe des Lebens entwickeln.[6] In Deutschland stehen insbesondere Erkrankungen der Netzhaut an erster Stelle (s. Abb. 1) der Erblindungsursachen.[7] Wie die Abb. 1 auch zeigt, sind nur die wenigsten blinden Menschen (2,4 %) von Geburt an blind.[8]

Blinde müssen die Möglichkeit haben, sich ihrer ungeschädigten Restsinne bedienen zu können. Dies ermöglicht ihnen die Welt in der Vielfalt ihrer Geräusche, Formen, Geschmäcker, Gerüche und Stimmungen zu erfahren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Ursachen für Erblindung[9]

Diese Eindrücke fügen sich im übertragenen Sinne[10] ebenfalls zu einem Bild zusammen.[11] Blindheit beeinträchtigt das Orientierungsvermögen nicht nur im Alltag sondern auch beim Reisen – u. a. ein Grund, weshalb es gilt, die speziellen Anforderungen und Bedürfnisse dieser Zielgruppe in punkto Reisen zu ermitteln, um einen Beitrag dafür zu leisten, einer weiteren Beeinträchtigung entgegenzuwirken.

1.2 Unterstützungsangebot und Hilfsmittel

Grundsätzlich haben Sehbehinderte und Blinde nach dem Schwerbehindertengesetz sowie anderen Rechtsvorschriften Anspruch auf soziale Nachteilsausgleiche. Dieses Ausgleichsanrecht bezieht sich auf verschiedene Bereiche. Im Unterschied zu den an Blindheit erkrankten Menschen können Sehbehinderte mittels spezieller Sehhilfen bis zu einem gewissen Maße wieder an Sehfähigkeit gewinnen und sind somit selbständiger. Blindheit hingegen führt zu erheblicher Hilfsbedürftigkeit, was den Schulungs- und Rehabilitationsmaßnahmen eine große Bedeutung zukommen lässt. Das Ziel ist hierbei v. a., blinden Menschen eine selbständige und eigenverantwortliche Lebensführung zu ermöglichen. Derartige Maßnahmen zur Rückgewinnung von Unabhängigkeit und Selbst-Bestimmtheit sind z. B. Lehrgänge und Kurse, die dem Erlernen Lebenspraktischer Fähig- und Fertigkeiten dienen. Ein anderes anschauliches Bsp. sind die in Deutschland bereits seit Anfang der 1970er angeboten Orientierungs- und Mobilitätsschulungen. Es gibt auch eine Reihe praktischer Hilfsmittel, die die Betroffenen in ihrem Alltag begleiten.

Ein Kurzüberblick (ausführlichere Informationen im Anhang I):

- Blindenstock/-langstock/-taststock
- Blinden(führ)hund
- ‚sprechende’ Geräte (z. B. Uhren)
- Blinden-/Brailleschrift - Bücher, Zeitschriften, Beschriftungen etc.
- Lesehilfen (Leseständer, Blattwendestab bzw. -gerät, Blattlesegerät)
- Blindenschreibmaschine
- elektronische/synthetische Sprachausgabe an Computern

Eine andere Form der Unterstützung wird durch die Zahlung von Blindengeld bzw. Blindenhilfe[12] gewährleistet. Das Blindengeld ist eine mtl. fortlaufend aus sozialen Gründen gewährte pauschalierte Geldleistung für Menschen, die aufgrund einer Krankheit oder durch einen Unfall erblindet sind. Aktuell gibt es rund 125.000 deutsche Blindengeldempfänger.[13] Ferner können von Blinden zweckbestimmte Leistungen bezogen werden, z. B. für einen Blindenführhund (§ 14 BVG)[14]. Eine Pflegezulage (§ 35 BVG) kann ggf. auch auf Antragstellung gewährt werden. Portofreie Blindensendungen, die Befreiung von der Rundfunk- und Fernsehgebühr sowie der Telefon-Sozialtarif bei der Deutschen Telekom AG sind Bsp. für Vergünstigungen/Befreiungen. Zusätzliche Unterstützung speziell im Bereich des Reisens[15] (z. B. Urlaubskostenzuschüsse, Alten- und Erholungshilfe) können nur auf individuelle Antragstellung bei den entsprechenden Behörden und Einrichtungen angefragt werden, da es sich dabei um sog. Kann-Leistungen handelt. Über diese Fördergelder werden z. T. Kuren, Ferienaufenthalte usw. finanziert. Darüber hinaus gibt es allerdings auch noch weitere Einrichtungen, die sich der Blinden annehmen und sich bemühen, ihre Lebenssituation und -umstände zu erleichtern sowie Verbesserungen anzustoßen. Hierbei sind zahlreiche Vereine, gemeinnützige Organisationen oder kirchliche Einrichtungen, Hilfswerke, Blindenmissionen, Interessen- und Selbsthilfegruppen, etc. oder auch Vereinigungen und nicht kommerzielle Veranstalter, die Ausflüge, Fahrten und Urlaubsreisen direkt anbieten, wie z. B. das Deutsche Katholische Blindenwerk[16], zu nennen.

1.3 Zielgruppencharakterisierung

Die Frage, wie hoch der Anteil der blinden und sehbehinderten Personen[17] in unserer Gesellschaft ist, lässt sich nicht so einfach beantworten, denn diese Personengruppen werden in Deutschland nicht exakt gezählt. Es existieren einige Erhebungsmethoden, die sich der Thematik von unterschiedlichen Seiten nähern. Bedingt durch die verschiedenen Erfassungsgrundlagen und Herangehensweisen divergieren die Ergebnisse z. T. stark. Die folgenden statistischen Daten sind folglich nur als Orientierung zu verstehen.

Die Zahl der weltweit Erblindeten wird auf 45 Mio. geschätzt – mit der Tendenz, dass pro Jahr weitere sieben Mio. Menschen hinzukommen.[18]. 90 % der Erblindeten leben in Entwicklungsländern. Insgesamt gelten 80 % der Erblindungsfälle als vermeidbar. Blindheit und Sehbehinderung werden in Deutschland und dem Rest der westlichen Welt in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter ansteigen. Im Vergleich zu 1990 ist die Zahl der Blinden zw. einem und 18 Jahren leicht rückläufig (um ca. 0,4 %), zw. 18 und 79 Jahren fast konstant und über 80 Jahren, die die Hälfte der Blinden ausmacht, stark zunehmend (um ca. 3,3 %). Die Begründung dafür liegt in der steigenden Lebenserwartung. Etwa elf Prozent der Blinden leben in einem Heim. Nach Angaben aus dem Jahr 1994 gelten sechs Prozent als schwerpflegebedürftig. Circa 28 Prozent der Blinden im erwerbsfähigen Alter (18-60 Jahre) sind erwerbstätig, bundesweit sind das etwa 10.000 Personen.

Seit 1979 wird vom Deutschen Statistischen Bundesamt Wiesbaden in einem Zweijahresrhythmus die Zahl jener Personen, die einen GdB von 50 oder mehr haben, erhoben. Zum Jahresende 2007 wurden 6,9 Mio. schwerbehinderte Menschen mit einem GdB von über 50 % nach dem SchwbG gezählt. In fünf Prozent (345.000)[19] lag Blindheit oder Sehbehinderung vor.[20] Bei dieser Vorgehensweise werden lediglich alle Personen mit einem Schwerbehindertenausweis erfasst. Da keine Meldepflicht existiert, sind somit nicht alle Blinde und Sehbehinderte statistisch erfasst.[21] Demzufolge lässt sich die Zielgruppengröße nur abschätzen und eine verlässliche Ermittlung des Marktpotenzials ist in Folge nicht möglich.[22] Die WHO ist im Vergleich zum Statistischen Bundesamt zu folgendem Ergebnis gekommen: „In Deutschland gibt es nach Angaben eines WHO-Reports 2002 ca. 1,2 Mio. Sehbehinderte […] davon sind über 160.000 erblindet […]. In Deutschland erblinden 10.000 Personen pro Jahr (12,3/100.000). Aus den WHO-Europazahlen kann man errechnen, dass in Deutschland 2002 164.000 Blinde […] und 1.066.000 Sehbehinderte […] lebten. Es gibt 133.660 Blindengeldbezieher.“[23] Auch der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband unterhält eine Statistik, in der gegenwärtig von 155.000 blinden Menschen ausgegangen wird.

Wie dieses Kap. zeigt, gestaltet es sich schwierig, das Marktpotenzial von blinden Menschen im touristischen Sektor exakt zu beziffern, obwohl Sehbehinderungen und Blindheit in Deutschland keine Seltenheit ist. Auch Experten sprechen von einer großen touristischen Zielgruppe – einem Marktsegment mit vielen Nachfragern.[24] Wie groß der Anteil der blinden Bevölkerung, der bereits aufgrund fehlender barrierefreier Angebote auf eine Reise verzichtet hat, ist nicht bekannt. Das BMWA hat 2003 in einer Untersuchung ermittelt, dass 37 %, der zum damaligen Zeitpunkt behinderten Befragten[25], schon einmal auf eine Reise aus o. g. Grund verzichtet haben.[26] Es kann jedoch festgehalten werden, dass das Gästepotenzial durch die zusätzliche Zielgruppe der meist mitreisenden sehenden Begleitung doppelt so groß ist, wie die Anzahl der blinden Bevölkerung.

Wie erfolgreich Blinde und Sehbehinderte ihren Alltag bewältigen, schwankt im hohen Maße und hängt u. a. von der Schwere der Behinderung, den jeweiligen Lebensumständen sowie von der Qualität der Unterstützungsangebote ab, auf die sie bei der Überwindung der Barrieren, auf die sie vielfach stoßen, angewiesen sind.[27] Es gibt Früherblindete mit gut geschulter Mobilität und Späterblindete mit gutem Vorstellungsvermögen aber geringerer Selbständigkeit, wodurch der jeweilige Assistenzbedarf variieren kann. Um sich im Idealfall völlig selbständig orientieren und bewegen zu können, muss die Umgebung so ausgestattet sein, dass sie akustisch oder taktil ausgewertet werden kann. Aufgrund der heutigen, visuell ausgerichteten Gesellschaft, man schätzt, dass ca. 70 % aller Informationen über das Auge aufgenommen werden[28], wird diesem Ausgleich eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Blinde verfügen bekanntermaßen über ein hohes Maß an sinnlicher Sensibilität. So dienen bspw. Reliefpläne und -karten, tastbare Abbildungen und zugängliche Modelle dem Vorstellungsvermögen. Andererseits bietet die Brailleschrift einen wichtigen Informationszugang. Die volle Teilhabe am gemeinschaftlichen Leben ist dennoch häufig beschränkt, denn die Inanspruchnahme sozialer und kultureller Möglichkeiten und die Mitwirkung werden vielfach nur unzureichend unterstützt. Blinde möchten sich, wie alle anderen Menschen, als ‚vollwertiger’ Teil der Gesellschaft fühlen, Freizeit- und Kulturangebote an der Seite ihrer sehenden Mitmenschen nutzen. Prinzipiell können blinde Menschen einen ganz ‚normalen’ Urlaub verbringen und können, wie alle anderen auch, Tanzen, Kanu fahren, Radfahren oder Wintersport betreiben.

Die gewonnen Erkenntnisse sind im Folgenden für die Untersuchung der Reisebedürfnisse und -anforderungen blinder Menschen von Bedeutung.

2 Barrierefreier Tourismus – Tourismus für Alle

2.1 Grundverständnis

Die Urlaubsreise ist in Deutschland im Laufe der Jahre zu einem natürlichen Teil des Freizeitlebens geworden. Aber es ist nach wie vor nicht überall selbstverständlich, dass Menschen mit Behinderungen Tourismusangebote für sich nutzen können.

Die wesentlichen Impulse für die Entwicklung von Barrierefreiheit in der Tourismusbranche wurden durch Pioniere in einzelnen Aktionsbereichen gegeben. Die Entwicklung barrierefreier touristischer Angebote wurde schon seit den 80er Jahren[29] von einigen Fremdenverkehrsanbietern, Behindertenverbänden und der Politik vorangetrieben.[30]

Das Verständnis von barrierefreiem Tourismus ist bekannter Maßen sehr weit gefasst. Die Philosophie, auf dem das Konzept ‚ Tourismus für Alle ’ fußt, lautet: jede Person, ungeachtet eventueller körperlicher Einschränkungen oder Behinderung, sollte in der Lage sein – in ein Land, innerhalb eines Landes oder zu einer Destination, Sehenswürdigkeit oder jedem Ereignis reisen zu können, das diejenige Person besuchen möchte.[31] Der Begriff ‚Tourismus für alle’ erstreckt sich daher unweigerlich über die Gestaltung vieler Bereiche unseres täglichen Lebens – ob Internet, Transportwesen oder Gastgewerbe. Jedoch bezieht sich Barrierefreiheit nicht nur auf bauliche Barrieren, sondern auch auf soziale Barrieren. Berdel, Gödl, Schoibl unterscheiden hierbei bauliche/sichtbare Barrieren und soziale/unsichtbare Barrieren, wobei sich v. a. letztere mit den sozialen Ausschließungsprozessen[32] befassen.[33] Der ‚barrierefreie Tourismus’ spricht eine höchst heterogene Zielgruppe an. Daher ist Barrierefreiheit nicht nur im Interesse von behinderten und gehandicapten sondern aller Menschen, denn sie sichert allen Teilen der Bevölkerung einen einfachen und sicheren Zugang zu touristischen Angeboten, wodurch der Komfort, die Attraktivität und Qualität von Angeboten und Dienstleistungen der Tourismusbranche maßgeblich gesteigert werden. In der Praxis jedoch wird Barrierefreiheit noch immer häufig auf die Personengruppe der Behinderten reduziert. Nach Neumann ist eine barrierefreie Umwelt für 10 % der Nutzer zwingend erforderlich, für etwa 30-40 % notwendig und für 100 % komfortabel.[34]

Die hohe Bedeutung dieses Marktsegments ist inzwischen (an-)erkannt.[35] Die Gründe dafür liegen u. a. in der Realisierung des demografischen Wandels, dem Nutzen für alle touristischen Gäste sowie der Qualitätssteigerung der touristischen Produkte.[36]

‚Tourismus für alle’ ist ein Anspruch mit vielen Facetten. Folgende grafische Aufbereitung unternimmt den Versuch einer groben Zusammenfassung der Grunderfordernisse. Demnach lassen sich Anforderungen an einen barrierefreien Urlaub pauschal mit den folgenden vier Grundelementen (zentrale Säulen) kennzeichnen (vgl. nebenstehende Abb. 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Die 4 Säulen eines barrierefreien Urlaubserlebnisses für alle[37]

Diese vier Säulen (Information, Service, Mobilität und Erlebbarkeit) umfassen die gesamte touristische Servicekette.[38]

„Die Erkenntnis, dass Barrieren letztlich behinderungsspezifische Mobilitätsbeschränkungen sind, führt demzufolge auch zu völlig unterschiedlichen Vorgehensweisen bei der Herstellung von Barrierefreiheit bzw. Mobilitätsfreiheit.“[39] Am Ende sollen „Urlaubsangebote unter Berücksichtigung baulicher und sonstiger Anlagen, Verkehrsmittel, Kommunikationseinrichtungen sowie anderer gestalteter Lebensbereiche, die für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.“[40] stehen.[41]

‚Tourismus für alle’ sollte sich nicht mit der Schaffung separater Dienstleistungen für Menschen mit Behinderungen befassen, sondern zielt auf die volle Integration oder vielmehr aktive Teilhabe von Menschen mit speziellen Bedürfnissen an dem Tourismus ab.[42] Es ist die uneingeschränkte Nutzung bereits bestehender Angebote für alle Menschen, unabhängig von einer Behinderung über den gleichen Zugangsweg, die im Vordergrund steht.[43] „Langfristiges Ziel des barrierefreien Tourismus für Alle ist die Entwicklung einer touristischen Umgebung, an der alle Touristen, unabhängig von ihren individuellen Bedürfnissen aktiv teilnehmen können.“[44]

Dass das Marktsegment ‚ Blindenreisen ’ in der Tourismusbranche bis dato stark vernachlässigt wurde und den Urlaubs-, Ferien- und Reisebedürfnissen der Blinden bei weitem noch nicht ausreichend Bedeutung zuteil gekommen, dürfte allg. bekannt und in der Praxis beobachtbar sein.[45] Doch dabei unterscheiden sich blinde Menschen oftmals gar nicht so stark in ihrem Reiseverhalten von den Sehenden. Sie haben bspw. ganz ähnliche Urlaubsinteressen. Sie wählen ähnliche Reiseziele und die Reiseintensität liegt auch nur marginal unter dem Niveau der Sehenden[46]. Das Interesse[47] an Kultur, Sport, am Erleben der Natur usw. entspricht in gleichem Maße den Bedürfnissen sehender Menschen.

Möglicherweise erleichtert ein Blick auf einige branchentypische Hindernisse[48], die noch verhaltenen Aktivitäten im Bereich des ‚Blindentourismus’ zu eruieren:

- Unwissenheit über das genaue Marktpotenzial der Zielgruppe
- Unsicherheit und fehlende Kenntnisse im Umgang mit der Zielgruppe
- unsicheres Wissen über das Thema ‚Barrierefreiheit’
- Befürchtung von Wechselwirkung mit anderen Zielgruppen
- unzureichende Informationen über bestehende Angebote

Einige Fragen hinsichtlich dieser hemmenden Faktoren und Widerstände erklären sich möglicherweise auch durch die Betrachtung der folgenden von Neumann entwickelten Pyramide der Barrierefreiheit, die den Markt der barrierefreien Angebote symbolisiert.[49]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Die Pyramide der Barrierefreiheit[50]

2.2 Rechtliche und gesetzliche Rahmenbedingungen und Normen

Obgleich es eine Benachteiligung behinderter Menschen, und somit auch blinder und sehbehinderter Mitbürger, rechtlich nicht mehr geben dürfte, sind Gleichstellung, Chancengleichheit und Selbstbestimmung für diese Bevölkerungsgruppe noch längst nicht erreicht.[51] Im Vergleich zu anderen Rechtsgebieten ist die gesetzliche Lage im Bereich ‚Barrierefreiheit’ relativ überschaubar. So gibt es gesetzliche Vorgaben, Vorschriften oder Empfehlungen unterschiedlicher Verbindlichkeit, die die zahlreichen Anforderungen an die behindertengerechte Produktgestaltung und -anpassung enthalten. Neben dem Grundgesetz und dem Behindertengleichstellungsgesetz sind zunächst die relevanten DIN-Normen zu nennen, die sich mit der technischen und baulichen Umsetzung der Barrierefreiheit befassen. Sie sind jedoch nicht in allen Fällen gesetzlich verpflichtend.[52]

Mit Festlegung der im Anhang IX hinterlegten rechtlichen Rahmenbedingungen wurde eine Voraussetzung für mehr Barrierefreiheit geschaffen. Bei näherer Betrachtung der gesetzlichen Grundlagen ist allerdings ersichtlich, dass es sich bei vielen der dort aufgeführten Kriterien um Mindeststandards, d. h. den ‚kleinsten gemeinsamen Nenner’, handelt, die zudem auch nicht in jedem Fall flächendeckende Gültigkeit haben und z. T. in unzureichendem Maße definiert[53] wurden, so dass sich ein relativ ‚breiter’ Handlungsspielraum ergibt. Aufgrund nicht vorhandener einheitlicher Begrifflichkeiten, Kennzeichnung und Bewertungskriterien fehlt diesem Bereich das erforderliche Maß an Transparenz[54], das von Betroffenen und Experten als notwendig angesehen wird. „’Barrierefrei’ ist nicht mehr als nötig, aber auch nicht weniger.“[55] Diesem Mangel an fehlender Standardisierung der Barrierefreiheit steht die Forderung nach ‚Verrechtlichung’ gegenüber, von der sich die Betroffenen Abhilfe versprechen. Auch Experten, die sich mit dieser Thematik befassen, schätzen die Situation ähnlich ein:

„Wie bei anderen das Gemeinwohl betreffenden Aufgaben sind auch hier gesetzlich flankierende Hilfen unerlässlich, um ein gleichberechtigtes Miteinander im Leben unserer Gesellschaft zu ermöglichen. Wenn auch prosoziales Verhalten nicht auf dem Rechtswege verordnet werden kann, so ermöglichen doch rechtsgültige Normen etwa im Blick auf die technische Barrierefreiheit von Verkehrsmitteln und Gebäuden, dass Menschen mit Behinderungen stärker als bisher an den üblichen Gesellungsformen, zu denen eben auch der Tourismus gehört, Anteil haben werden."[56]

Des Weiteren existieren über die im Anhang abgelegten Rahmenbedingungen hinaus noch eine Vielzahl von einschlägigen Rechtsgrundlagen, Planungsgrundlagen, Verordnungen und Vorschriften, Leitfäden, technische Regeln sowie Richtlinienreihen, wie z. B. VDI 6000[57], deren Darstellung an dieser Stelle jedoch nicht zielführend ist. Weiterführende Informationen können dem Quellenverzeichnis und Anhang entnommen werden.

3 Reiseverhalten blinder Menschen – ausgewählte Ergebnisse der empirischen Erhebung

3.1 Methodik

Das verfüg- bzw. auffindbare Informations- und Datenmaterial[58] zu den spezifischen Anforderungen, Bedürfnissen und Wünschen der blinden Menschen in punkto Reisen ist trotz umfangreicher Recherchearbeiten verhältnismäßig begrenzt und z. T. nicht zweckdienlich. Aus diesem Grund galt es, eine neue Untersuchung[59] anzusetzen, um die erforderlichen Informationen selbst zu erheben.

Ursprünglich war für diesen Teil der Arbeit die Erstellung eines Fragebogens geplant. Es zeigte sich jedoch sehr bald, dass die Erarbeitung eines solchen Fragebogens grundsätzlich möglich, doch nicht wirklich zielführend war. Daher fiel die Entscheidung letztendlich auf die Durchführung von Interviewgesprächen. Der bereits bestehende Fragebogenentwurf wurde übernommen und in einen Interviewleitfaden umstrukturiert (s. Anhang II). Mit Hilfe dieser qualitativen Methode war es möglich, gezielt Informationen und Daten zum Thema der durchgehend barrierefreien Servicekette bei Urlaubsreisen zu erfragen. Der Interviewleitfaden kam bei allen acht Gesprächen zum Einsatz und diente als Gerüst für die 25- bis 70minütigen Telefonate.[60] Der Leitfaden ist in zwei Blöcke unterteilt, wobei der erste Abschnitt schwerpunktmäßig soziodemografische Daten abfragt und der zweite Block den Bereich des Reisens thematisiert. Dazu wurden zunächst allg. Fragen zum Reiseverhalten gestellt.[61] Anschließend stand die touristische Servicekette im Fokus der Gespräche. Dieser Fragekomplex wurde in sechs Unterpunkte aufgegliedert (Fragen 25 a-f). Die Frageformulierung und Kategorisierungen lehnen sich z. T. an die RA der F.U.R. an, z. B. bei der Abfrage der Urlaubsformen.[62]

Folgende Kernziele lagen der Erhebung zugrunde:[63]

1. Rückblick: Welche positiven und negativen Urlaubserfahrungen wurden bereits hinsichtlich der einzelnen Elemente der Servicekette in den vergangenen Jahren gemacht? Womit waren die Reisenden jeweils besonders zufrieden bzw. unzufrieden ?
2. Ist-Zustand: Was sind die konkreten Hindernisse, Probleme und Barrieren, die bei der Inanspruchnahme von touristischen Leistungen auftreten bzw. diese verhindern?
3. Vision/Idealvorstellung/gewünschter Soll-Zustand: Welche Wünsche und Verbesserungsvorschläge werden hinsichtlich der einzelnen Kettenglieder kommuniziert? Welche Eigenschaften hat ein idealer Urlaub? Welche Rahmenbedingungen müssten geschaffen werden, um die Erfüllung der Bedürfnisse der Zielgruppe zu gewährleisten? Welcher weitergehenden Vorsorgen bedarf es darüber hinaus, um eine selbstständige Nutzung zu ermöglichen?

Basierend auf der Zielgruppeeinschränkung, die im Theorieteil der Arbeit vorgenommen wurde, sind im Rahmen der Leitfadeninterviews acht geburtsblinde (einfachbehinderte) Menschen, darunter sowohl Frauen als auch Männern unterschiedlichen Alters, interviewt worden. Bei der Personenwahl aus einem Pool von Freiwilligen wurde beachtet, dass sich die Befragten in ihrem Reiseverhalten unterscheiden (z. B. Reisen mit einem Blindenhund oder in einer Gruppe von unbekannten Mitreisenden), um auf diesem Wege ein möglichst breites Spektrum an Reiseanforderungen und -bedürfnissen abbilden zu können.[64]

3.2 Interviewpartnerportraits

Um einen Überblick über die im Zeitraum vom 01.06. bis 11.08.2008 befragten Personen[65] zu geben, werden, unter Angabe einiger wichtiger Eckdaten in tabellarischer Form, die Gesprächspartner kurz vorgestellt (s. Anhang 0).

Wie man den Tabellen 1-4 im Anhang 0 entnehmen kann, handelt es sich bei den acht geburtsblinden Probanden um vier weibliche und vier männliche Personen, deren Altersdurchschnitt bei knapp 30 Jahren liegt (Altersspannweite von 24-46 Jahre) und die z. T. aus ganz unterschiedlichen sozialen Schichten stammen. Einige von ihnen haben eine abgeschlossene Berufsausbildung oder verfügen über einen akademischen Abschluss. Der überwiegende Teil von ihnen lebt nicht allein, ist jedoch in der Bewältigung des Lebensalltags nicht nennenswert hilfsbedürftig oder gar auf medizinische Assistenz angewiesen. Die Mehrzahl der Befragten geht einem geregelten Tagesablauf nach (ist berufstätig oder studiert). Unter den Interviewten gibt es sehr Aktive, die ausgesprochen viel und gern verreisen, andererseits auch Menschen, die eher selten in den Urlaub fahren.

Die Stichprobe zeigt demzufolge sehr verschiedene Reisetypen, die allesamt ganz individuelle Reiseanforderungen und -bedürfnisse haben. Alle Befragten haben gemein, dass sie mehr oder weniger auf die Reiseausgaben achten müssen, weshalb Reiseangebote und Preise intensiv verglichen werden.[66] Nur die Minderheit ist fähig und zudem bereit allein zu verreisen. Grundsätzlich lässt sich bereits an dieser Stelle festhalten, dass die geringe Bereitschaft zum Alleinreisen auf der Sorge der unzureichenden Berücksichtigung der speziellen Bedürfnisse fußt sowie oftmals eine Unsicherheit gegenüber fremden Rahmenbedingungen besteht, die bewirken, dass die entsprechenden Angebote noch vornehmlich in der Reisegruppe oder zumindest in Begleitung von Freunden/Angehörigen genutzt werden. Die Vermutung liegt nahe, dass bei einer entsprechenden Anpassung der Rahmenbedingungen auch die Anzahl der Alleinreisenden zunimmt. In Ansätzen war dies auch den Gesprächen mit den Interviewpartnern zu entnehmen. Eine umfangreichere Version zu den Interviewpartnerprofilen befindet sich im Anhang III.

3.3 Darstellung der Untersuchungsergebnisse an der touristischen Servicekette

Wird von einem blindenfreundlichen Tourismus gesprochen, so betrifft das nicht nur Teilaspekte, wie z. B. eine adaptierte oder speziell geplante Unterkunft, sondern es ist, wichtig, dass die gesamte touristische Servicekette barrierefrei ist. Dabei wird die touristische Servicekette nach Freyer als das Zusammenwirken verschiedener Leistungsträger zur Erstellung des Gesamtproduktes 'Reise' definiert[67] und stützt sich auf das touristische Phasen-Modell, dass das Reiseprodukt in die Potenzial- (Reisevorbereitung und Entscheidung über das Reiseziel sowie die Abklärung der Rahmenbedingungen und konkrete Buchung), Prozess- (Reisedurchführung) und Ergebnisphase (Reisenachbereitung) unterteilt[68]. Die folgenden Gliederungspunkte sind an diese Unterteilung angelehnt. Die Aufschlüsselung in die einzelnen Kettenglieder dient dazu, den gesamten Leistungsprozess barrierefrei zu gestalten und eine entsprechende Qualität zu gewährleisten.

Die graphische Darstellung (s. u.) veranschaulicht das Prinzip der lückenlosen Barrierefreiheit. „Die Servicekette darf nicht unterbrochen werden. Wenn für eine Zielgruppe geplant wird, muss dies auch lückenlos umgesetzt werden.“[69] Fehlt für den Reisenden ein Bausteine, so kann man nicht von einem barrierefreien Reiseprodukt sprechen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Die touristische Servicekette[70]

Natürlich können touristische Angebote bei verschiedenen Reisen und verschiedenen Kunden unterschiedlich aussehen, doch das Grundmuster der Reisekette, nämlich die Aneinanderreihung von verschiedenen Angebote und Dienstleistungen, die in der Summe formal betrachtet die Urlaubsreise bilden, ist meist ähnlich. Die Servicekette ist grundsätzlich für jeden – ob behinderten oder nicht-behinderten – Reisenden annähernd gleich. Aufgrund der individuellen Bedürfnisse blinder Menschen sind die Anforderungen an die einzelnen Kettenglieder allerdings tw. höher bzw. oftmals anderer Gestalt.[71]

In den folgenden Kapiteln werden die einzelnen Elemente der touristischen Servicekette vorgestellt, die Anforderungen der Betroffenen daran sowie deren Barrieren aufgezeigt und dabei z. T. erläutert, wie diese beseitigt werden können. Hierbei können natürlich nicht alle Ansprüche, Hindernisse und Mängel genannt werden, doch schon die dargestellten Bsp. zeigen, wie vielen Barrieren blinde Reisende in ihrem Urlaubsalltag ausgesetzt sind.

3.3.1 Reisevorbereitung – Information, Buchung, Organisation

Am Beginn einer Reise steht die Vorbereitung, das Sammeln von Informationen, die Entscheidung über das Reiseziel, die Buchung von Verkehrsmitteln, Unterkunft etc. Bereits dem ersten Schritt der touristischen Informations(service)kette kommt bei blinden Menschen eine besonders hohe Bedeutung zu. So trifft das Sprichwort „Gut geplant ist halb gereist.“ v. a. auf die betrachtete Zielgruppe zu. Blinde Menschen sind darauf angewiesen, dass sie sich auf die gegebenen Informationen verlassen können, d. h., die Angaben richtig und vollständig sind. Auch die Informationskette sollte nicht unterbrochen werden, da sie den Reisenden vor und während der Reise Informationen in geeigneter Form bereitstellt.[72] Bis auf wenige Ausnahmen geht der Reise eines Blinden eine langfristige Planung voraus, die mit großem Aufwand verbunden ist.[73] Blinde müssen fast jeden Ausflug, jede Aktivität und jede Eventualität im Vorfeld abklären und können nicht spontan handeln, obwohl gerade Spontaneität zu den Bedürfnissen der modernen Touristen zählen.[74]

Im Folgenden erfolgt eine nach ‚Medien’ zur Reisevorbereitung aufgeschlüsselte Auswertung.

Internet

- Die meisten der Befragten besitzen einen Internetzugang bzw. können darauf zurückgreifen.
- Für Informationszwecke spielt das World Wide Web eine sehr wichtige Rolle. Fünf von acht Befragten greifen sehr häufig auf diesen Informationskanal zurück.[75]
- Wenn das Internet derzeit noch nicht zur Beschaffung von Reiseinformationen genutzt wird, so können es sich die Befragten jedoch i. d. R. zukünftig vorstellen.
- Für Informationssuchende die kein Internet haben, sollten die im Web präsentierten Inhalte auch in andere Form verfügbar sein.
- Sicherheitslücken und ‚schwarze Schafe’ auf Anbieterseite erschweren den Online-Reiseveranstaltern das Geschäft und verunsichern die Blinden (mehr noch als Sehende), die somit das Internet oft nur zur Informationsbeschaffung jedoch nicht für Buchungszwecke nutzen.
- Es sind nicht alle relevanten und erforderlichen Informationen über das Internet verfügbar.
- Das Internet liefert den Blinden wichtige faktische Informationen, dennoch bleiben i. d. R. noch Fragen offen. Daher ist das zusätzliche Angebot der persönlichen Kontaktierung unerlässlich (Ausweisen eines kompetenten Ansprechpartners für weiterführende Informationen). Den Betroffenen geht es um den dialogischen Austausch, in dem sie z. B. Unsicherheiten mitteilen oder in Erfahrung bringen können.
- Zu einem Großteil sind die Internetseiten noch nicht nach barrierefreien Standards programmiert.[76]
- Im heutigen Zeitalter der Globalisierung strömt eine Fülle von Informationen auf den Menschen ein, die es v. a. für blinde Menschen zusätzlich erschwert, Informationen zu filtern. In den Gesprächen wurde des Öfteren geäußert, dass es den Befragten zunehmend schwerer fällt, für sie relevante und wichtige Informationen zu selektieren. Entweder gelingt es ihnen nicht die gesuchten Informationen zu finden oder sie verlieren die Übersicht und Orientierung. Demzufolge sollte bei Konzeption von Internetauftritten darauf geachtet werden, dass auch den blinden Mitmenschen eine relativ schnelle und unproblematische Informationssichtung ermöglicht wird. Die Informationsbündelung könnte bspw. über die Einrichtung eines Special-Interest-Menüpunktes erfolgen.
- Es ergeben sich durch diverse web 2.0 Tools gänzlich neue Dimensionen des Erfahrungs- und Informationsaustauschs unter den Betroffenen.
- Momentan befindet sich das Internet als Informationssystem für Blinde noch in der Entwicklungsphase. Es gibt Bemühungen die notwendige Informationsdichte aufzubauen. Bisher existiert jedoch noch kein nennenswertes Portal.

Reisebüro

- Blinde Reisende greifen des Öfteren auf die Dienstleistungen der Reisebüros zurück. Gründe hierfür sind die persönlichen Beratung und die individuellen Angebotsgestaltung.
- Die blinden Reiseinteressenten sind auf verlässliche Reisebüros und kompetente Mitarbeiter angewiesen. Die Kommunikationsprozesse müssen reibungslos vonstatten gehen, so dass alle involvierten Leistungsträger im Falle einer Buchung über alle relevanten Informationen hinsichtlich des zu erwartenden Kunden und dessen Wünsche in Kenntnis verfügen.[77]

„Eine Erleichterung für Personal und Kunden wäre eine […] Weiterbildung der Mitarbeiter auf diesem Gebiet sowie die Einbindung […] von Datenbanken, welche Informationen zu barrierefreien Reiseangeboten enthalten. Ebenfalls durch […] könnte vermieden werden, dass oftmals nur ungenaue oder sogar falsche Information über Zugänglichkeit und Einrichtungen eines Reiseziels vorhanden sind.“[78]

- Die Beratungsqualität der Reisebüros wurde von den Interviewteilnehmern recht verschieden beurteilt. Unzureichende Kompetenz und fehlende Sensibilität der Reisebüromitarbeiter in der Beratungssituation führten zu Unzufriedenheit seitens der befragten Nutzer und wurden als Negativbeispiel genannt.[79] Das zeigt deutlich, dass auch in diesem Bereich noch Handlungsbedarf besteht.[80]

Tourist-Information

- Die zentrale Aufgabe der TI’s liegt für die Blinden in der kompetenten Informationsbündelung.
- Die Einrichtung von Telefonhotlines, erleichtert den Blinden die Buchung/Reservierung im Zielgebiet.
- Beschäftigung auskunftsfähiger Mitarbeiter in Bezug auf (Nicht-)Zugänglichkeit der Angebote vor Ort.
- Es sollte die Möglichkeit bestehen, auf Anfrage zielgruppengerechte Informationsmaterialien zugestellt zu bekommen.

Informationsmaterialien (Kataloge, Broschüren, Flyer, Audio-Medien usw.)

- Es gibt nur wenige Anbieter, die angebotsspezifische Informationsmaterialien in Braille bereitstellen.
- Eine Eins-zu-Eins-Übersetzung bestehender Printmaterialien in Punktschrift würde u. U. nicht den gewünschten Effekt bei der Zielgruppe erreichen.[81] Ein Mehrwert würde sich für den Nutzer erst dann ergeben, wenn an die Stelle der Bilder adäquate Beschreibungen gelangen würden und Pläne/Übersichten als Reliefdrucke ausgehändigt werden.
- Die Bereitstellung von Informations-CDs oder -Kassetten wird von blinden Reisenden sehr geschätzt.

Sonstige

- Viele Befragte der ziehen die direkte Buchung der Unterkunft vor, um u. a die durch Reisemittler (z. B. Buchungsagenturen oder Reisebüros) entstehenden Informationsdefizite zu vermeiden.
- Supermärkte, Reise-Channel im TV und Verkaufsaktionen über das Radio werden von den Befragten einheitlich abgelehnt. Diese Angebote werden als zu unsicher eingeschätzt. Folglich sollten sich die Anbieter auf andere Kommunikations- und Vertriebskanäle konzentrieren.
- Blinde Menschen informieren sich häufig über Mund-zu-Mund-Propaganda. Diese Vernetzung der Blinden untereinander können sich die touristischen Anbieter auch zunutze machen, wie es auch von einigen praktiziert wird. So stehen Verbände, Vereine etc. der Aufnahme von interessanten und relevanten Informationen i. d. R. offen gegenüber.

Spezielle Informationsquellen für Blinde:[82]

- Blindenverband sowohl auf Bundesebene als auch Landes- und regionaler Ebene
- Reiseführer[83] in Punktschrift oder als Hörbuch[84]
- Zeitschriften
- „Gegenwart“ Monatszeitschrift des DBSV
- Vereinszeitschrift „horus - Marburger Beiträge zur Integration Blinder und Sehbehinderter“
- „Die Brücke“ monatliche Zeitschrift des DBSV und VzFB für junge Menschen
- Spezielle Internetseiten und deren Mailinglisten sowie Newsletter

TUI-Zusatzkataloge geben u. a. Auskunft über Stufen, Stufenhöhen, Türbreiten, Geländer und Rampen etc. im Bereich der Unterkunft und informieren darüber hinaus über die nähere Umgebung (bspw. die Wegebeschaffenheit) und Entfernungen zu Strand, Einkaufsmöglichkeiten, Apotheken, Ärzten, Krankenhäusern, Kuranwendungen, Sanitätshäusern aber auch gastronomischen und sonstigen Freizeiteinrichtungen. Diese Sonderkataloge tragen den Titel „Urlaubsinformationen für behinderte Reiseteilnehmer und ihre Begleiter“ und enthalten aus den verschiedenen TUI Katalogen Zusatzinformationen über weltweit 320 behindertenfreundliche Hotels, Ferienanlagen und Appartements in 43 Urlaubsländern. Darüber hinaus Informationen und Hinweise, die für die richtige Planung und eine sorgfältige Vorbereitung des Urlaubs wichtig sind. Im Übrigen werden auch Entfernungen zu den umliegenden Freizeiteinrichtungen angegeben. Die Beschreibung der Zugänglichkeit der näheren Umgebung für Rollstuhlfahrer ergänzt dieses Angebot. Diese Sonderkataloge können im Reisebüro eingesehen werden, sofern sie im Reisebüro vorliegen, können aber von den (potenziellen) Kunden nicht mitgenommen werden.[85]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

anders-sehn bietet individuelle Gruppenreisen für Blinde und Sehbehinderte. Ob hochalpine Wanderungen im Gelände, die Erkundung fremde Städte, das Kochen exotischer Gerichte. Als ausgebildete Ethnologin und Kulturmanagerin fungiert die Veranstalterin als Mittlerin zw. der Welt der Sehenden und der der Nicht-Sehenden. Das Unsichtbare wird durch sinnliche Erlebnisse über Düfte, Geräusche, Berührungen, Geschichten, menschliche Begegnungen und kulinarischen Erfahrungen erlebbar gemacht. Die Reisen führen abseits der touristischen Pfade. Das Reiseangebot richtet sich überwiegend an aktive blinde und sehbehinderte Menschen. Das Programm umfasst Kurz-, Städte-, Natur- und Kulturreisen sowie Seminare. Das lockere Rahmenprogramm lässt genug Raum für eigene Aktivitäten. Die Gruppengröße ist bewusst klein gehalten (6-16 TN). Alleinreisende Blinde können bei Bedarf am Urlaubsort auf sehende Begleiter zurückgreifen. Gewohnt wird in kleineren, familiär geführten Hotels und Pensionen. Bei der Wahl der Reiseziele wird auf die bequeme Erreichbarkeit per Bahn geachtet.[86]

[...]


[1] d. h. mit Vertretern von Blindenverbänden, Mitarbeitern aus Blindenschulen, Internaten und Heimeinrichtungen, Reiseveranstaltern sowie touristischen Leistungsträgern.

[2] http://www.blindenfreunde.de/dokumente/upload/blinde_im_geltenden_recht_2006_c88a1.pdf. Abruf am 29.08.08.

[3] vgl. http://www.portal-der-augenmedizin.de/augenkrankheiten/blindheit/erblindung-blindheit.html sowie http://de.wikipedia.org/wiki/Blindheit. Abruf jeweils am 29.08.08.

[4] „Für den medizinischen Laien bedeutet das: Blind im Sinne des Gesetzes ist derjenige, der eine Zahl, die ein gesunder Mensch auf fünfzig Meter Entfernung lesen kann, selbst in einer Entfernung von einem Meter nicht lesen kann oder derjenige, der unter so starken Gesichtsfeldausfällen leidet, dass starke Orientierungsschwächen auftreten, obwohl das eigentliche Sehvermögen noch relativ gut ist.“ (www.polizei-projekte.nrw.de/fhoev_koeln/2007_2008/projekt_behinderung/3.doc. Abruf am 29.08.08).

[5] Unter dem medizinischen Fachausdruck für Blindheit, wird im Gegensatz zur gesetzlichen Definition i. d. R. eine vollständige Erblindung verstanden, so dass auch keine Lichtwahrnehmung mehr vorhanden ist. vgl. http://www.chirurgie-portal.de/ophthalmologie/blindheit.html. Abruf am 29.08.08.

[6] Ob ein Mensch in seinem Leben je etwas gesehen hat und dann später sein Augenlicht verlor oder ob er von Geburt an blind war, macht einen enormen Unterschied, aus dem Kommunikationsprobleme entstehen, die bei der Konzeption von barrierefreien touristischen Angeboten für diese Zielgruppe berücksichtigt werden sollten. vgl. Föhl, Erdrich, John, Maaß (Hg.) (2007). S. 73.

[7] Dabei ist die häufigste Ursache die altersabhängige Makuladegeneration, die für die Hälfte aller Erblindungen in Deutschland verantwortlich ist und i. d. R. erst ab einem Alter von 70-75 Jahren auftritt. vgl. http://www.chirurgie-portal.de/ophthalmologie/blindheit.html. Abruf am 29.08.08.

[8] Bei Blinden unterscheidet man den Zeitpunkt der Erblindung, d. h., in welcher Lebensphase die Blindheit aufgetreten ist (geburtsblind, früh oder spät erblindet), und die Ausdehnung der Erblindung. Man trennt dabei zw. kontinuierlicher und plötzlicher (z. B. unfallbedingter) Erblindung. In dieser Arbeit soll eine derartige Unterscheidung zw. den verschiedenen Typen jedoch unberücksichtigt bleiben.

[9] http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Erblindung1.gif. Abruf am 29.08.08.

[10] Blindheit ist ein Phänomen, welches die Idealisierung der Einheit von Seh-, Hör- und Tastweite außer Kraft setzt, da die Sehweite gleich oder nahe Null ist und somit weit hinter die Tast- und Hörweite zurückfällt.
vgl. Saerberg (1990). S. 141.

[11] vgl. Hunziker (2006). S. 12.

[12] AdV: In einigen Bundesländern ist das Blindengeld in den letzten Jahren durch allg. Sparmaßnahmen gestrichen oder deutlich reduziert worden. Es wird tw. nur noch eine Blindenhilfe (nach BSHG) gewährt.

[13] vgl. http://www.blista.de/aktuelles/blista-news/ausgaben/20052/a20.php. (Stand 2004). Abfrage am 29.08.08.

[14] Dient der Deckung der durch Haltung/Versorgung des Blindenführhundes entstehenden Nebenkosten.

[15] „Für Behinderte sind Ferienaufenthalte als Hilfe zur Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft im Rahmen der Eingliederungshilfe für Behinderte (§ 39 Abs. 3 BSHG) möglich […] im Sinne des Bundesversorgungsgesetzes und deren Hinterbliebene (§ 27 b Bundesversorgungsgesetz) haben Anspruch auf Erholungshilfe, wenn diese nach ärztlichem Zeugnis zur Erhaltung der Gesundheit oder Arbeitsfähigkeit notwendig und zweckmäßig ist. Bei Beschädigten muss zusätzlich die Erholungsbedürftigkeit durch anerkannte Schädigungsfolgen bedingt sein; dies wird bei Schwerbeschädigten stets angenommen.“ (Informationsblatt des Netzwerk Barrierefrei Reisen beim Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter).

[16] s. http://www.kbwn.de/html/reisen_fahrten.html. Abfrage 29.08.08.

[17] AdV: ‚Blind’ und ‚sehbehindert’ werden gern in einem Atemzug genannt, doch eine verkürzende Gleichsetzung ist v. a. im Kontext dieser Arbeit nicht hilfreich.

[18] http://www.lowvision-stiftung.de/bilder/pdf/magazin2.pdf. Abruf am 12.09.08.

[19] 2005 wurden vom Statischtischen Bundesamt 79.768 blinde Schwerbehindertenausweisbesitzer ermittelt.

[20] vgl. http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2008/07/PD08__258 __227,templateId=renderPrint.psml. Abfrage am 02.09.08.

[21] vgl. Kreiter (1999). S. 21.

[22] vgl. Statistisches Bundesamt (2007). o. S.

[23] http://www.abseits.de/weblog/2008/06/speisekarten-fuer-blinde.html (Abfrage am 27.08.08)

[24] Grundtenor bei den Teilnehmern der Konferenz „Stralsund baut Brücken“ am 27.3.2008.

[25] Hinwies: keine weitere Aufsplittung in einzelne Behinderungsarten.

[26] Außerdem kam man in dieser Studie auch zu dem Ergebnis, dass Reiseintensität, Reisehäufigkeit und durchschnittliche Tagesausgaben sich steigern ließen, wenn es nachfragegerechte Angebote gäbe.

[27] vgl. http://www.euroblind.org/fichiersGB/visincge.html. Abfrage am 29.08.08.

[28] vgl. http://www.auge-online.de. Abfrage am 27.08.08.

[29] „Das Schlagwort ‚Behindertentourismus’ beschrieb früher nicht etwa die Selbstverständlichkeit, dass auch behinderte Menschen Reisen und Urlaub machen, sondern bezeichnete in der Regel die Marktnische meist von Spezialveranstaltern oder gemeinnützigen Organisationen durchgeführter Gruppenreisen ausschließlich oder überwiegend mit behinderten Teilnehmern und deren Begleitungen. Später wurde dieser Begriff aufgrund seines abwertenden Charakters durch ‚barrierefreien Tourismus’ und in jüngster Zeit durch ‚Tourismus für Alle’ ersetzt.“ Leidner (http://www.dvbs-online.de/horus/2003-3-2389.htm. Abfrage am 05.09.08)

[30] vgl. Papenfuß (2005). S. 8.

[31] vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (2003). S. 2 sowie Nordic Council on Disability Policy (http://www.natko.de/uploads/file/Tourismus_fuer_Alle/Tourismus_fuer_Alle_in_%20Europa_Leidner_2006. pdf. S. 2. Abruf am 18.08.08).

[32] AdV: Es ist noch immer so, dass Betroffene aufgrund ihres ‚Defizits’ dazu angehalten werden, ihre sog. ‚Defizite’ individuell zu kompensieren und sich möglichst an die Norm anzupassen. So unternehmen Blinde nicht selten den Versuch, Fähigkeiten in jenen Tätigkeitsbereichen zu erwerben, von denen man eigentlich nicht annimmt, dass sie aufgrund ihrer physischen Beeinträchtigung dazu in der Lage sind.

[33] So können z. B. Inakzeptanz, Kontaktängste, übertriebene Führsorge von Seiten der Mitarbeiter und Urlauber vor Ort ebenso zu sozialen Barrieren auf Reisen führen. vgl. Berdel, Gödl, Schoibl (2002). S. 29-32.

[34] vgl. NatKo (2002). o. S.

[35] Dennoch trifft man in der Praxis lt. Mallas aufgrund von Barrieren in den Köpfen, noch immer auf Kontaktvermeidung, Unwissenheit und Mutmaßungen, was die Wahrnehmung der Zielgruppe der Behinderten und damit die Einbindung in die touristische Planung betrifft. Auch eine vom BMWi initiierte bundesweite Bestandanalyse hat ergeben, dass sich bisher nur wenige Bundesländer/Regionen über dieses Thema profilieren. Ergebnis: Die durchaus z. T. bestehenden Potenziale werden nicht vollständig genutzt, Maßnahmen sind meist punktueller Natur und es fehlen umfassende nachhaltige Konzepte. Derzeit trifft in der Tourismuswirtschaft noch immer eine große Nachfrage auf ein sehr reduziertes Angebot. vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2008). S. 27.

[36] vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2008). S. 25.

[37] http://www.mis-ch.ch/d/aktuell/doku_barrierefreier_tourismus2003.pdf. Abfrage am 10.09.08.

[38] Der Punkt ‚Information’ steht für den Zugang zu allen wichtigen Informationen für die Reiseplanung und -durchführung. Unter dem Element ‚Service’ ist die Anerkennung behinderter Reisender als gleichberechtigte touristische Zielgruppe zu verstehen. Hinter dem Aspekt ‚Mobilität’ verbergen sich die selbstbestimmte Bewegungsmöglichkeiten, die am Urlaubsort gegeben sein sollten. In der letzten und vierten Säule wird die Erlebbarkeit des touristischen Angebots am Urlaub fokussiert. Erst wenn diese vier Grundelemente entlang der gesamten Leistungskette umgesetzt werden, ist ein selbstbestimmter Urlaub auch für behinderte uns somit auch blinde Reisende möglich. vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (2003). S. 51f.

[39] Leidner (s. http://www.dvbs-online.de/horus/2003-3-2389.htm. Abfrage am 05.09.08.).

[40] Bundesverein Barrierefreier Tourismus e. V. (in Schroeder (2007) S. 37).

[41] „Dies bedeutet nichts anderes, als dass in dem einen Fall zur Herstellung von ‚Barrierefreiheit’ tatsächlich eine Barriere entfernt werden muss, während in dem anderen Fall zur Herstellung von Barrierefreiheit im Sinne von uneingeschränkter Mobilität etwas hinzugefügt werden muss.“ http://www.dvbs-online.de/horus/2003-3-2389.htm. Abfrage am 05.09.08.

[42] vgl. http://www.natko.de/uploads/file/Tourismus_fuer_Alle/Tourismus_fuer_Alle_in_%20Europa _Leidner_2006.pdf. S. 2. (Abfrage am 05.09.08).

[43] vgl. ADAC (2003). S. 7-8.

[44] http://www.natko.de/uploads/file/Tourismus_fuer_Alle/Tourismus_fuer_Alle_in_%20Europa _Leidner_2006.pdf. S. 2. (Abfrage am 05.09.08).

[45] So wird für Blinde die Behinderung noch immer in den Lebensbereichen ‚Freizeit’, ‚Mobilität’, ‚soziale Kontakte’ und ‚Welterschließung’ am deutlichsten fühlbar. Deutsches Seminar für Tourismus Berlin (1996). S. 1.

[46] Die beiden Hauptgründe für die geringere Reiseintensität sind einerseits die finanziellen Schwierigkeiten (meist Geringverdiener), mit denen Blinde häufig zu kämpfen haben (s. auch Anhang III) und zum anderen die unzureichende Berücksichtigung der Zielgruppenbedürfnisse entlang der touristischen Servicekette (z. B. bestehende technische und kommunikative Barrieren).

[47] Der Wunsch nach Kontakten und die Vertiefung bereits vorhandener Kenntnisse hat für die Betroffenen oftmals eine noch größere Bedeutung, als lediglich die Ausübung einer aktiven Freizeitgestaltung. Und die dabei gewonnenen Erfahrungen und Eindrücke sind mehr als nur ein schönes Erlebnis. vgl. Blinden- und Sehbehindertenverband Thüringen e. V. (2001). S. 1.

[48] vgl. Kästner (2007). S. 57.

[49] Zur Spitze hin wird das barrierefreie Angebot zunehmend individueller. Die beiden zur Spitze der Pyramide zeigenden Pfeile stehen für den ansteigenden Grad der Barrierefreiheit und das damit einhergehende steigende Investitionsvolumen. Der dritte Pfeil zeigt, dass bei dem Angebot von maßgeschneiderten Produkten mit einer abnehmenden Nachfrage zu rechnen ist, da sie i. d. R. nur für eine kleine Kundengruppe relevant sind. Der rechte Pfeil verdeutlicht, dass die Zahl der Anbieter im oberen Bereich der Pyramide ebenfalls abnimmt. vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (2003). S. 29.

[50] www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/Publikationen/Dokumentationen/oekonomische-impulse-eines -barrierefreien-tourismus-fuer-alle-dokumentation-526,property=pdf,bereich=bmwi,sprache=de,rwb=true.pdf. S. 36. Abfrage am 05.09.08.

[51] vgl. Claudia Lepping (1995). Behindert sein, behindert werden. Tagesspiegel. Berlin.

[52] DIN-Normen und -Fachberichte sind zwar hilfreich, haben aber den Nachteil, dass sie nicht unmittelbar verpflichtend sind. Sie stellen nur anerkannte Regeln dar, die gesetzliche Regelung aber fehlt. So stellt eine Norm letztlich nur einen Hinweis für das richtige Verhalten im Regelfall dar. Die Vielschichtigkeit der Beeinträchtigung und die vielen Formen der Behinderungen erschweren die Abgrenzung eines ‚Regelfalls’. Gesetzlich verpflichtend sind sie erst dann, wenn sie unmittelbar in den jeweiligen Landesbauordnungen genannt werden oder in die dazugehörige Liste der ‚Technischen Baubestimmungen’ aufgenommen sind. vgl. http://www.natur-fuer-alle.de/web/site/frm_start.php (Abruf am 27.08.08).

[53] ‚Barrierefreiheit’ wird nicht exakt, sondern nur durch Maße usw. definiert. Kästner (2007). S. 25.

[54] vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (2003). S. 31.

[55] Volker Doose in Doose (2001). S. 5.

[56] Wilken (2000). S. 186.

[57] Richtlinie „Ausstattung von und mit Sanitärräumen“.

[58] AdV: Die im Quellenverzeichnis aufgelisteten Publikationen stellen die derzeit in Deutschland entscheidensten Werke zu den Thema „Barrierefreier Tourismus“ und „Tourismus für alle“ dar, welche auch maßgeblich in die vorliegende Arbeit eingeflossen sind.

[59] AdV: Diese Erhebung erhebt kein Anspruch auf Repräsentativität.

[60] AdV: Da die Interviewpartner in ganz Deutschland leben, wurden die Interviews mittels Telefon durchgeführt.

[61] AdV: Einige Fragen, wie die Frage 14 nach dem verfügbaren Reisebudget, konnten nicht ausgewertet werden. Die Gründe dafür sind verschieden. (z. B. Reisen mit den Eltern à anfallende Reisekosten werden durch die Eltern gedeckt; kein festgelegtes Budget für den Haushaltsposten „Urlaub und Verreisen“; keinen Überblick).

[62] Dieses Vorgehen bietet dem Betrachter die Möglichkeit zum Vergleich der im Rahmen dieser Arbeit erhobenen Daten mit den Ergebnissen der RA.

[63] Obwohl hauptsächlich Informationen rundum die HUR erfragt wurden, kam auch zum Tragen, dass von vielen der Befragten eine Fülle von Kurzreisen unternommen werden. Diese unterscheiden sich jedoch meist in der Wahl der Unterkunft und der genutzte Verkehrsmittel von der HUR. Auch Geschäftsreisen, die von Blinden ebenso wie von Sehenden durchgeführt werden, wurden bei der Befragung nicht berücksichtigt.

[64] AdV: Es war für mich, wie sich schnell herausstellte, von großem Vorteil, dass alle Probanden bereits seit Jahren in Verbindung mit meiner ‚Schwägerin in spe’ stehen und manche sogar mit ihr befreundet sind, denn einige der Befragten erklärten, dass sie normalerweise keine Interviews geben würden, in meinem Falle aber eine Ausnahme machen, da die Schwester meines Freundes bereits den Erstkontakt hergestellt und die Hintergründe der Untersuchung erläutert hatte. Aufgrund dieses ‚Türöffners’ haben sich letztlich Interviewpartner gefunden, die mich in meinem Vorhaben doch unterstützen wollten, so dass ich am Ende sogar das Glück hatte eine Auswahl zw. mehreren Personen treffen zu können.

[65] AdV: Zum Zwecke der Anonymisierung wurden die Namen als lediglich als Kürzel ausgewiesen.

[66] AdV: Die Reisekosten scheinen einen zentralen Reiseentscheidungsgrund darzustellen.

[67] vgl. Freyer (2001). S. 79.

[68] vgl. ADAC 2003. S. 20f. sowie Berdel, Gödl, Schoibl (2002). S. 43.

[69] Adolf Meinung von der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH in ADAC (2003). S. 21.

[70] linke Abb.: http://www.natko.de/uploads/images/touristische_servicekette.gif. rechte Abb.:

www.ibft.at/infodb/doc/Diplomarbeit%20-%20Barrierefreies%20Reisen.pdf. Abfragen am 03.09.08.

[71] vgl. ADAC (2003) S. 20-21 sowie NatKo (2002) S. 47.

[72] Berdel, Gödl, Schoibl (2002). S. 48.

[73] vgl. ADAV (2003). S. 21.

[74] Somit gewinnt der Prozess des Informierens und Buchens an Komplexität, wie sie im Alltag sehender Reisender nicht in derartiger Ausprägung und Notwendigkeit zu finden ist. Auch für viele der Befragten nimmt die Reiseorganisation eine zentrale Rolle ein.

[75] AdV: Durch die Etablierung des Internets hat sich das Informationsproblem für Blinde zweifellos verringert, aber auch nur dort, wo Webdesigner auf Barrierefreiheit geachtet haben.

[76] Als Faustregel für die Gestaltung einer Website, die auch für Blinde mit den gängigen Geräten lesbar und somit barrierefrei ist, gilt, dass die Website auch bei ausgeschalteten Grafikfunktionen bedienbar sein muss. Darüber hinaus sollten Frames und Grafiken mit sinnvollen Textbezeichnungen versehen sein. Außerdem lässt sich durch die Navigation via Tastatur (z. B. bei Verknüpfungen und Links) die Zugänglichkeit und Bedienbarkeit von Websites für Blinde noch einmal wesentlich erleichtern. vgl. http://www.dvbs-online.de/horus/2003-4-3135.htm. Abruf am 07.09.08.

[77] Die Europäische Kommission hat 1996 einmal den Idealzustand formuliert: „Selbstverständlich ist es wichtig, dass die Mitarbeiter in der Buchungsstelle (und alle mit direktem Kundenkontakt) diese Informationen im Katalog genau kennen und wissen, wie sie Anfragen von behinderten Kunden abwickeln und auf alle gespeicherten Zugangsinformationen zugreifen können, und dass eine positive und flexible Einstellung Vorraussetzung dafür ist, um die Reisepläne mit dem behinderten Kunde besprechen zu können." Dieser Zustand ist auch heute, zwölf Jahre nach der Veröffentlichung, nicht erreicht. vgl. Hitsch (2007). S. 68.

[78] www.ibft.at/infodb/doc/Diplomarbeit%20-%20Barrierefreies%20Reisen.pdf. Abfrage am 18.08.08.

[79] Ergänzung: Zwei Fachautoren sehen drei generelle Problemkreise im Zusammenhang mit Reisebüros: 1. haben nicht alle Reisebüros Zugang zu Daten, die für die Reiseplanung von Menschen mit Behinderung relevant und wichtig sind. 2. die Ungenauigkeit der Informationen, sofern diese vorhanden sind. 3. das Unverständnis für die speziellen Wünsche und Anforderungen der Reisenden mit Behinderung seitens der Reisebüromitarbeiter. Die Folge: wichtige Planungsdetails werden vergessen und übersehen. vgl. Cavinato, Cuckovitch (1992). S. 50.

[80] Beim Ausbau dieser Dienstleistungen könnten erfolgreich agierende Reisebürounternehmen mit entsprechender Zielgruppenfixierung als Benchmarks eingesetzt werden, um langfristig eine zufrieden stellende Beratungsqualität sicherstellen zu können.

[81] Denn die starke Emotionalisierung und damit einhergehende Bebilderung stellt für die Zielgruppe der blinden Reiseinteressenten keinen Reiz dar.

[82] AdV: Es konnte kein zentrale Informationsstelle ermittelt werden, die umfangreiche nationale Auskünfte über Reiseangebote im Speziellen für Blinde geben kann und gebündelt Informationsmaterial zur Verfügung stellt.

[83] z. B. erhältlich bei der Deutschen Blindenbibliothek Bsp. Relief-Reiseführer ‚Weltkulturerbe Lübeck’

[84] Hierbei wird jedoch von einzelnen Befragten moniert, dass es meist keine alternativen Angebote zu Reiseführern existieren. Man ist auf die wenigen Verlagshäuser angewiesen.

[85] http://www.tui-onlinekatalog.de/cat/00004400/4436/pages/pdf/4436p.pdf. Abfrage am 01.09.08.

[86] http://www.deutschland-tourismus.de/DEU/infocenter/barrierefreies_reisen_tipps_anders_sehn.htm und http://www.anders-sehn.de./. (Abfrage am 27.08.08).

Details

Seiten
117
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783842804845
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v228061
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Wirtschaftswissenschaft, Studiengang Tourismusmanagement und Regionale Tourismusplanung
Note
1,0
Schlagworte
reiseanforderungen reisebedürfnisse blinde tourismus barrierefreiheit

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Titel: Reiseanforderungen und -bedürfnisse blinder Menschen sowie ausgewählte Angebote im Bereich der touristischen Freizeitgestaltung