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Gesundheit von Migrantinnen und Migranten in Deutschland

Diplomarbeit 2010 154 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Zusammenfassung

I. Einleitung
1.Hinführung zum Themenfeld: Migration und Gesundheit
1.1. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
1.2. Hauptfragestellung

II. Themenfeld: Migration
1. Einführung
2. Grundbegriffe
2.1. Personen mit Migrationshintergrund
2.2. Ausländer
2.3. Flüchtlinge und Asylsuchende
2.4. Illegale Migrantinnen und Migranten
2.5. Methodische Herausforderungen
3. Wanderungen nach Deutschland ab 1955
3.1. Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte (1955-1973)
3.2. Aussiedler
3.3. Die räumliche Verteilung von Migranten in Deutschland

III. Themenfeld: Gesundheit von Migranten
1. Gesundheit
1.1. Migranten im deutschen Gesundheitssystem
1.2. Migration und Gesundheit, eine Bestandsaufnahme:
1.2.1. Mortalität
1.2.2. Infektionskrankheiten
1.2.3. Psychische Gesundheit
1.2.4. Subjektive Gesundheit
2. Die Bedeutung der kulturellen Dimension
2.1. Der Kulturbegriff
2.2. Stellenwert von Kultur in der medizinischen Praxis
2.3. Krankheitsverständnis am Beispiel türkisch-muslimischer Patienten

IV. Erklärungsmodelle
1. Erklärungsmodelle für die gesundheitliche Situation von Migranten
1.1. Das Erklärungsmodell des „Healthy-Migrant-Effektes“
1.2. Das Modell der Migration als gesundheitlicher Übergang
1.3. Zugangsbarrieren für Migranten
1.3.1. Migrationsspezifische Erfahrungen
1.3.2. Kommunikationsprobleme
1.4. Soziale Benachteiligung

V. Schlussbetrachtung

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Migrationshintergrund in der BRD nach Angaben des Mikrozensus 2005

Abbildung 2: Alter nach Migrationshintergrund und Geschlecht. Quelle: Mikrozensus 2005

Abbildung 3: Personengruppen mit Migrationshintergrund, aufgegliedert nach Staatsangehörigkeit, Geburtsland und eigenem Migrations-bzw. Aufenthaltsstatus

Abbildung 4: Jahr des Zuzugs der noch heute in Deutschland lebenden Migranten nach ihrer Herkunft

Abbildung 5: Künftige Veränderung des Ausländeranteils in % proportional zur migrationsbedingten Bevölkerungsdynamik (20-34 Jährige, 2005-2025)

Abbildung 6: Anteil der Migranten und Bevölkerung nach Migrationshintergrund und Bundesländern in Prozent

Abbildung 7: Nichtdeutsche Bevölkerung in NRW 1980 bis 2008 jeweils am 31.12

Abbildung 8: Entwicklung der Zuwanderer in Bonn

Abbildung 9: Krankheiten/Beschwerden, die bei ausländischen Staatsangehörigen (55 Jahre und älter) und Deutschen (60 Jahre und älter) zur Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen führten.

Abbildung 10: Altersspezifische Sterbeziffern * der deutschen Bevölkerung und der nichtdeutschen Bevölkerung, jeweils nach Geschlecht, Deutschland 2006

Abbildung 11: Altersstandardisierte Mortalitätsraten (Alter 0-64) für ausgewählte Tumore bei türkischen Männern in Westdeutschland und bei deutschen Männern, 1980-1997

Abbildung 12: Tuberkulose-Inzidenz pro 100.000 Einwohner nach Altersgruppe und Staatsangehörigkeit (n= 4.837)

Abbildung 13: Tuberkulose-Inzidenz pro 100.000 Einwohner nach Altersgruppe und Geschlecht bei ausländischer Staatsangehörigkeit 2006

Abbildung 14: Zufriedenheit mit der Gesundheit

Abbildung 15: Negative Bewertung des eigenen Gesundheitszustandes bei Migrantinnen und deutschen Frauen nach Herkunft und Alter

Abbildung 16: Schematische Darstellung der Mortalität von Migranten im zeitlichen Verlauf („gängiges“ Erklärungsmodell des Healthy-Migrant-Effektes)

Abbildung 17: Sterblichkeit von Migranten relativ zur Bevölkerung des Ziellandes

Abbildung 18: Diskriminierungsperzeption in verschiedenen Lebensbereichen

Abbildung 19: Quartiles of income inequality and per capita income, adjuested for median houshold size, and age-adjuested total mortality (per 100.000): 282 US metropolitan areas, 1989-1991

Abbildung 20: Müttersterblichkeit nach Staatsangehörigkeit 1991 bis 2004 Müttersterbefälle auf 100.000 Lebendgeborene

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Die fünf häufigsten Staatsangehörigkeitsgruppen nach Geburtsland am 31.12.2008

Tabelle 2: Altersstruktur der Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund 2006

Tabelle 3: Bevölkerung insgesamt und ausländische Bevölkerung 2008 nach Ländern

Tabelle 4: Anzahl und prozentualer Anteil der Tuberkulose-Fälle nach Geburtsland: die zehn häufigsten nicht deutschen Geburtsländer

Tabelle 5: Tuberkulose-Inzidenz pro 100.000 Einwohner nach Staatsangehörigkeit und Geschlecht

Zusammenfassung

Die vorliegenden Diplomarbeit wird sich mit dem Thema ‚Gesundheit von Migrantinnen und Migranten[1] in Deutschland‘ auseinandersetzen. Die dazugehörige Hauptfragestellung ist, ob Migranten in Deutschland einen schlechteren Gesundheitsstatus als die nicht migrierte Mehrheitsbevölkerung besitzen. Dabei werden die zwei wichtigen Themenblöcke Migration und Gesundheit von Migranten den Rahmen dieser Arbeit bilden.

Der erste Themenblock widmet sich dem Forschungsfeld der Migration und gibt einen einleitenden Überblick. Beschrieben werden die unterschiedlichen Migrantengruppen und deren Einwanderungsgeschichte nach Deutschland. Rückblickend auf die Migrationsgeschichte Deutschlands, die in vorliegender Diplomarbeit mit dem Beginn der Gastarbeiterwanderungen einsetzt, ist eine zunehmende Vielfalt der Migrantengruppe und ein Wandel in der Politik und in der allgemeinen Wahrnehmung dieser zu beobachten. Eine Entwicklung lässt sich ebenfalls auf dem Gebiet der Gesundheitsforschung- und Versorgung beobachten, wie etwa die Wahrnehmung gesundheitlicher Risiken von Gastarbeiter/-Innen. Die bis dahin „nur irgendwie mitversorgt“ (Borde 2009: 24) wurden und das Interesse der Öffentlichkeit erst im Zusammenhang mit deren Ansiedlung in der Bundesrepublik erhielten.

Der in den 1970er Jahren einsetzende Nachzug der Familien konfrontierte das hiesige Gesundheitssystem mit neuen Herausforderungen. Schon in Studien aus den 1980er Jahren, in denen ausländische Kinder und Frauen untersucht wurden, konnten Defizite in bestimmten gesundheitlichen Bereichen, aber auch Probleme hinsichtlich sprachlicher und kultureller Art aufgezeigt werden. In den 1990er Jahren richtete sich der Fokus der Forschung vornehmlich auf die nach Deutschland kommenden politischen Flüchtlinge und Aussiedler, wobei in gesundheitlichen Studien hauptsächlich den meist durch Traumata gekennzeichneten Flüchtlingen Beachtung geschenkt und die Gruppe der Aussiedler eher vernachlässigt wurde (Borde 2009: 24).

Eine politische Wende vollzog sich im Zuge der Änderung des Zuwanderungsgesetzes 2005[2], als Deutschland nicht mehr leugnen konnte, ein Einwanderungsland zu sein. Es folgten vereinzelte migrationssensible Studien. Erst mit dem Mikrozensus 2005[3] und der Einführung des Begriffes ‚Personen mit Migrationshintergrund‘ (vgl. Kapitel II 2.1.) wurde diese These auch statistisch gestützt. Die hohe Zahl von 15,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund regte u. a. zahlreiche Debatten zum Thema Integration und Bildung an. Darüber hinaus wurde auch die große Bedeutung dieser Bevölkerungsgruppe für die demographische Entwicklung Deutschlands zunehmend in den Vordergrund der öffentlichen Diskussion gestellt (Borde 2009: 24).

Dieser geschichtliche Rückblick bezüglich der Migrationsgeschichte Deutschlands ist bedeutend, um den Bogen zum zweiten großen Themenfeld ‚Gesundheit von Migranten‘ zu spannen, der sich mit dem gegenwärtigen Gesundheitsstand von Migranten in Deutschland beschäftigt.

Dabei kann eine Darstellung aufgrund der teilweise schlechten Datenlage, der heterogenen Migrantengruppe und der Vielfalt von Krankheiten nur exemplarisch erfolgen. Eine wichtige Datengrundlage für diese Arbeit bildet der aktuelle Gesundheitsbericht des Robert Koch- Instituts zum Thema ‚Migration und Gesundheit‘ (Razum et al. 2008). Dieser nimmt sich im Besonderen der Analyse des gesundheitlichen Status von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland an und bietet eine überschaubare Bestandsaufnahme dessen.

Diese Untersuchungsgruppe stellt bereits gegenwärtig (und wird auch in Zukunft) einen großen Teil der Patienten ausmachen, so sind sie vor allem für gesundheitliche Erhebungen eine sehr spannende und wichtige Untersuchungsgruppe. Aber nicht nur die ‚klassischen Migranten‘ sollen innerhalb dieser Arbeit Beachtung finden, es wird ebenfalls auf deren Nachkommen, also die 2. oder 3. Generation Bezug genommen. Diese Gruppe wird dann meist als ‚Personen mit Migrationshintergrund‘ bezeichnet (vgl. Kapitel II 2.1.).

Die herausgegriffenen gesundheitlichen Bereiche umfassen die Mortalität[4], das Auftreten von Infektionskrankheiten[5], die psychische- sowie die subjektive Gesundheit bei Migranten. Dabei soll das Kapitel ‚soziale Benachteiligung‘ (Kapitel IV 1.4.) einen möglichen Erklärungsversuch für gesundheitliche Differenzen zwischen Migranten und der Einheimischen nicht migrierten Bevölkerung geben, erweitert wird dieser Punkt durch die Erklärungsmodelle für die gesundheitliche Situation von Migranten in Kapitel IV. Wie die vorhandenen Daten zeigen werden, kann grundsätzlich nicht von einem schlechteren gesundheitlichen Zustand der Migranten in der Bundesrepublik gesprochen werden. Auffällig ist lediglich die geringere Inanspruchnahme von Präventionsprogrammen und allgemeinen Vorsorgeangeboten des hiesigen Gesundheitssystems. Dennoch sind Auffälligkeiten in gewissen Bereichen zu erkennen, wie etwa Infektionskrankheiten, psychische Gesundheit oder aber auch die subjektive Wahrnehmung der eigenen Gesundheit. Es bestehen Zugangsbarrieren, die eine umfassende gesundheitliche Versorgung von Migranten nicht gewährleisten können.

Wenn man sich mit dem Themengebiet ‚Gesundheit von Migrantinnen und Migranten in Deutschland‘ befasst, ist es unumgänglich sich gleichzeitig mit dem Einfluss der kulturellen Dimension auf die Gesundheit auseinanderzusetzen. Dabei gilt es zunächst den Terminus genauer zu analysieren und vor allem seine definitorische Bedeutung für diese Arbeit festzulegen. In Zeiten einer zunehmenden Globalisierung und vor allem einer wachsenden Multikulturalität, auch in der Bundesrepublik, kommt dem Einfluss der jeweiligen Ursprungskultur eines Menschen eine wichtige Bedeutung zu. Vor allem für die medizinische Versorgung von Menschen mit Migrationshintergrund spielt dies eine wichtige Rolle. Dabei soll auf den Stellenwert von Kultur in der medizinischen Praxis eingegangen werden und anhand des Beispiels der türkisch-muslimischen Patienten, die eine zum Deutschen Krankenverständnis differenzierte Einstellung und Umgang mit Krankheiten besitzen skizziert werden.

Migrationsspezifische Erfahrungen können das Leben und somit auch die Gesundheit von Migranten grundlegend prägen. Dabei muss nicht unbedingt eine eigene Migrationserfahrung vorliegen, diese Merkmale können sich auch auf nachfolgende Generationen übertragen.

Migrationsspezifische Risiken können bspw. die häufig schlechtere soziale und ökonomische Lage sein, denen Migranten ausgesetzt sind. Dazu kann eine rechtlich benachteiligte Situation diese schlechten gesundheitlichen Voraussetzungen verstärken. Auch wenn die Migranten der 1. Generation teilweise schon länger als 40 Jahre in der Bundesrepublik leben, fehlt es vielfach an einer ausreichenden Kenntnis der deutschen Sprache. Dementsprechend sind auch ihre Nachkommen betroffen. Um eine erfolgreiche medizinische Behandlung zu garantieren, ist eine funktionierende Kommunikation zwischen Arzt und Patient unerlässlich. Diese Tatsache wirkt sich erheblich auf die gesundheitliche Versorgung dieser Gruppe aus. Wie wichtig dabei kulturelle Aspekte und ein unterschiedliches Krankheitsverständnis sind, werden Beispiele aus der Praxis verdeutlichen (vgl. Kapitel III 3.2.).

Aber nicht nur die Kommunikation spielt eine wesentliche Rolle, ebenfalls die vorhandenen Informationen über das hiesige Angebot des Gesundheitssystems sind defizitär und tragen zu einem schlechteren gesundheitlichen Versorgungsstand von Menschen mit Migrationshintergrund bei. Wie unser Gesundheitssystem auf den Patienten Migrant eingestellt ist und mit welchen Hürden Migranten im Alltag zu kämpfen haben, wird Thema des Kapitels IV sein. Häufig weisen Migranten im Unterschied zur nicht migrierten Bevölkerung einen Mortalitätsvorteil (vgl. Healthy-Migrant-Effekt, Kapitel IV 1.1.) auf. Diese Hypothese steht der Meinung entgegen, dass Migranten generell eine geringe Sterblichkeit aufweisen. Gründe dafür können die schlechten Lebensbedingungen, genetische Voraussetzungen, oder eine Prägung durch die gesundheitliche Situation im Ursprungsland sein (vgl. Wilkinson-Hypothese Kapitel IV 1.4.).

In dieser Arbeit soll aber nicht nur auf die meist negativen defizitären Aspekte und Merkmale von Menschen mit Migrationshintergrund eingegangen werden, auch deren Potenziale soll Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Abschließend wird sich zeigen, dass auf diesem Untersuchungsgebiet ein erhöhter Forschungsbedarf besteht. Dieses höchst sensible und interessante Thema wird in Zukunft noch eine wichtige Rolle für das hiesige Gesundheitssystem spielen. Um in Zukunft aussagekräftigere Studien zu erhalten, bedarf es einiger Änderungen, vor allem, wenn es um die Abgrenzung des Begriffes Migrant oder eben im Sinne des Mikrozensus um ‚Personen mit Migrationshintergrund‘ geht (vgl. Kapitel II 2.5.).

Es wird deutlich, wie wichtig vergleichbare Daten sind, um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten. Ziel sollte es sein, das Problem einer fehlenden einheitlichen Begriffsdefinition zu beheben, um in Zukunft besser auf den gesundheitlichen Zustand von Migranten eingehen zu können. Vor allem gilt es, vorhandene Zugangsbarrieren für Migranten abzubauen und sich noch mehr den Bedürfnissen des Patienten Migrant anzupassen. Dabei sollte eine Anpassung nicht in Form einer separaten gesundheitlichen Behandlung erfolgen und dementsprechend einer noch größeren Ausgrenzung. Vielmehr bedarf es einer weiteren Integration dieser heterogenen Gruppen und einer Heranführung an die Strukturen des hiesigen Gesundheitssystems. So, dass auch Vorsorge- und Präventionsprogramme vermehrt genutzt werden können.

I. Einleitung

In Anbetracht der zunehmenden Globalisierung[6] ist es schon längst nicht mehr so, dass ‚Fremde‘ kommen, um dann ihren Zielort nach einer bestimmten Zeit wieder zu verlassen. Im Gegenteil, besonders in diesen Zeiten sind die Menschen verstärkt auf Wanderschaft und versuchen ihre Lebensbedingungen durch eine wenn notwendig, dauerhafte Verlagerung ihres Wohnortes zu verbessern. Dabei hat sich die Art der Migration[7] verändert. Seit dem 19. Jahrhundert kommt es zu einer zunehmenden, Individualisierung der Migration‘ (Merz-Benz u. Wagner 2002: 11). Zeichnete sich Migration vor allem durch Wanderungen von unterschiedlich großen Kollektiven aus, so bewegen heute andere Motive Menschen dazu ihre Heimat zu verlassen. Meist steht dabei die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen im Vordergrund (Merz-Benz u. Wagner 2002: 11). Zuwanderer[8] und deren Nachkommen gehören mittlerweile zum festen Bild in Deutschland und fordern dementsprechend eine kulturelle, aber auch wissenschaftliche Beachtung (Reinhardt 2005: 5). Das Thema Migration ist heute aktueller denn je, folglich ist es nicht nur die Geographie, die sich mit diesem Themenbereich beschäftigt. Mehr und mehr gewinnt dieses Untersuchungsgebiet ebenso in der Medizin an Bedeutung, auch in Deutschland.

Besonders in Zeiten des demografischen Wandels, in dem der Anspruch an das deutsche Gesundheitssystem wächst. Immer mehr ältere Menschen und vor allem Personen, die in den 1950er und 1960er Jahren als Gastarbeiter nach Deutschland kamen und für immer blieben, gliedern sich in die Gruppe der Rentner von heute ein. Aber auch deren Nachkommen, die 2. oder 3. Generation (wie etwa Kinder oder Enkelkinder), die meist nicht selbst migriert, sondern bereits in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, werden die Bevölkerungsentwicklung der Bundesrepublik in Zukunft aktiv mitgestalten.

1.Hinführung zum Themenfeld: Migration und Gesundheit

Als Einführung in die Thematik dieser Arbeit dient ein Auszug aus dem Grundrecht Artikel 3 [Gleichheit vor dem Gesetz] aus dem Deutschen Grundgesetz:

„(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. […] (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauung benachteiligt oder bevorzugt werden. […]“

(Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, Artikel 3)[9].

Es gilt zu prüfen, inwieweit die vom Gesetz vorgesehene Gleichberechtigung in der Realität umgesetzt, beziehungsweise eingehalten wird, besonders im Bereich der medizinischen Versorgung. Die Aktualität und Brisanz des Themas ‚Migration und Gesundheit‘, lässt das Gegenteil vermuten.

In der Praxis sollte nach Grieger (2006) die jeweilige Herkunft eines Menschen keinen Einfluss auf die „Art und Qualität notwendiger Behandlungen“ (Grieger 2006: 3) haben. Der Alltag von Migranten sieht jedoch oft ganz anders aus, sie werden nicht nur mit Intoleranz, Rassismus und Integrationsdefiziten konfrontiert, hinzu kommt ihre mäßige Teilnahme an medizinischer Grundversorgung sowie Präventionsprogrammen. Dieser Mangel kann sich wiederum negativ auf den Gesundheitsstatus der einzelnen Person auswirken. Die dadurch entstehenden Kosten müssen vom solidargemeinschaftlich finanzierten Gesundheitssystem getragen werden.

Im weiteren Verlauf wird der Begriff Migrant sowie dessen Mehrzahlbegriff, sowohl für Männer als auch für Frauen mit eigener Migrationserfahrung verwendet. Dabei schließt dieser Terminus streng genommen nur den Bevölkerungsteil ein, der selbst migriert ist. Die Definition des Begriffs Migrant von Ipsiroglu und Bode (2005) lautet - „ausländische und inländische Mitbürger, mit Migrationshintergrund unabhängig vom Einkommen und vom soziokulturellen Status“ (Ipsiroglu u. Bode 2005: 8) und wird für diese Arbeit übernommen. In den verwendeten Zitaten sind, falls nicht anders erläutert, selbstverständlich die allgemeingültigen Begriffsdefinitionen zugrunde gelegt.

Wenn es sich um den erweiterten Migrantenbegriff im Sinne des Mikrozensus 2005[10] handelt, ist in dieser Arbeit von ‚Personen mit Migrationshintergrund‘ (vgl. Kapitel II Unterkapitel 1.3) die Rede, der sich innerhalb der letzten Jahre als „Sammelbezeichnung für die heterogene Gruppe der Zuwanderer und ihrer Nachkommen eingebürgert“ (Razum u. Spallek 2009: 1) hat und „seit der Änderung des Mikrozensusgesetzes 2004 […] die quantitative Darstellung der Migranten im oben genannten Sinne“ (Statistische Ämter 2007: 3) erst ermöglicht hat.

Das Interesse am Thema Migration nimmt auch im Bereich der „medizinischen und gesundheitspolitischen Fachöffentlichkeit“ (Knipper u. Bilgin 2009: 11) stetig zu. In Nordrhein-Westfalen gab es Mitte der 1990er Jahre erstmalig den Versuch, vorhandene Daten zum Thema Gesundheit zu einem Vergleich zwischen deutscher und nichtdeutscher Bevölkerung zusammen zu stellen (Weilandt u. Rommel 2004: 17).

Noch im Jahr 2000 bemängelte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ, 2000), dass weder repräsentative Studien über Migranten existieren, noch eine besondere Berücksichtigung dieser Gruppe in Studien zu finden sei (BMFSFJ 2000: 28). Das Land Nordrhein-Westfalen hat dann im selben Jahr einen ersten Landesbericht ‚Gesundheit von Zuwanderern in Nordrhein-Westfalen‘[11] veröffentlicht und unternahm eine erstmalige „Bestandsaufnahme und migrationsspezifische Analyse […] vorliegender sozialmedizinischer und epidemiologischer Datenbestände“ (Gesundheitsbericht NRW 2000: 7). Hierbei wurde zum ersten Mal ein gesundheitlicher Vergleich zwischen deutscher und ausländischer Bevölkerung vorgenommen. Der Bericht enthält signifikante Hinweise darauf, dass „in vielen Bereichen deutliche Unterschiede sowohl in Bezug auf Krankheit und Gesundheit als auch bei der Inanspruchnahme von gesundheitsbezogenen Leistungen […]“ (Landegesundheitskonferenz NRW 2001: 10) im Vergleich zur deutschen Bevölkerung bestehen. Vorwiegend sind es Mängel in den Bereichen „Infektionskrankheiten, Schwangerschaft und Geburt, Zahngesundheit, Inanspruchnahme rehabilitativer Leistungen […] und Berufskrankheiten sowie bei der psychischen Gesundheit“ (Landegesundheitskonferenz NRW 2001: 10) (vgl. hierzu auch Kapitel III 1.2.). Die Landesgesundheitskonferenz hat im Jahr 2001 eine Entschließung zur "Soziale[n] Lage und Gesundheit"[12] verabschiedet, die ebenfalls auf das Thema Migration und Gesundheit eingeht.

Knapp zehn Jahre später erscheint im Jahr 2008 in der Gesundheitsberichterstattung des Bundes, der erste Schwerpunktbericht zum Thema ‚Migration und Gesundheit‘[13] in Deutschland. Der Gesundheitsbericht fasst alle vorhandenen Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammen und wertet dieses aus. Im Jahr 2009 erscheint eine Publikation der Konrad Adenauer Stiftung[14] und widmet sich ebenfalls dem Thema ‚Migration und Gesundheit‘ in Deutschland.

Der größte Teil der existierenden Literatur in diesem Themenbereich basiert zumeist auf nicht repräsentativen Studienergebnissen oder aber auch auf persönlichen Erfahrungsberichten, sowohl von Migranten selbst als auch vom medizinischen Personal. Gleichermaßen geben Daten, die vom Statistischen Bundesamt im Zuge der Gesundheitsberichterstattung des Bundes erhoben wurden, keine aussagekräftige Ausführung über spezielle gesundheitliche Probleme bei Migranten oder deren Nutzung von Gesundheitsdiensten (BMFSFJ 2000: 28). Die fehlende Repräsentativität der Studien erklärt sich dadurch, dass es im Allgemeinen sehr schwierig ist, Migranten durch Fragebögen zu erreichen, da sie den Umgang damit nicht kennen und ihnen oft skeptisch gegenüberstehen (Kirkcaldy et al. 2006: 873)(vgl. II 1.4.).

Nicht nur der bereits große Bestand der Migranten in Deutschland spielt zukünftig eine wichtige Rolle, sondern vor allem das Wachstum von Menschen mit Migrationshintergrund (eine genaue Begriffserklärung erfolgt in Kapitel II 1.2.1.), in der Bundesrepublik und „der steigenden Aufenthaltsdauer dieser Zielgruppe“ (Razum et al. 2008: 7), geben diesem Thema eine aktuelle Bedeutsamkeit.

Inwieweit ist aber das deutsche Gesundheitssystem auf den „Patienten Migrant“ (Hill u. Röhl 2002: 113) eingestellt (vgl. Kapitel III 1.2.)?

Migranten müssen in die Gesellschaft eingegliedert werden und dazu zählt ebenfalls die

„Gesundheit und der gleichberechtigte Zugang zum Gesundheitssystem […] Bereits 1946 wurde das Recht auf höchstmögliche körperliche und geistige Gesundheit sowie auf Zugang zu medizinischer Versorgung als individuelles Menschenrecht anerkannt“[15]

(Heinrich-Böll Stiftung 2009: 4).

Dieses Recht beinhaltet aber nicht das Recht eines Einzelnen auf Gesundheit, vielmehr geht es dabei um den Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen für alle Menschen.

Die Bundesrepublik Deutschland hat sich für die Integration von Minderheiten ausgesprochen. Daher trägt sie eine besondere Verantwortung gegenüber dieser Bevölkerungsgruppe und muss eine medizinische Grundversorgung garantieren, unabhängig vom jeweiligen Aufenthaltsstatus (Heinrich-Böll Stiftung 2009: 4).

Die gesundheitlichen Angaben in dieser Arbeit beziehen sich größtenteils auf

Teilgruppen der Personen mit Migrationshintergrund, da die einzelnen Gruppen aufgrund ihrer heterogenen Struktur nicht zu einem einheitlichen Begriff zusammenzufassen und somit vergleichbar sind (Robert Koch-Institut (RKI) 2008: 10). Jede einzelne Untergruppe von Migranten unterscheidet sich hinsichtlich ihres biografischen, aber auch gesundheitlichen Hintergrundes. Eine Reduzierung auf eine ‚typische‘ Minderheitengruppe wäre zu trivial und würde das Ergebnis verfälschen. Verglichen werden diese Teilgruppen, wenn nicht anders erwähnt, mit der nicht migrierten deutschen Mehrheitsbevölkerung insgesamt oder mit Teilgruppen desselben Alters oder Geschlechts (Razum et al. 2008: 24). Dabei kann diese Darstellung nur exemplarisch erfolgen und gibt somit, bezogen auf den Gesundheitsstatus von anderen Migrantengruppen, keinen Rückschluss und keine Verallgemeinerung.

In Anlehnung an den aktuellen Bericht des Robert Koch Instituts (Razum et al. 2008), der im Zuge der Gesundheitsberichterstattung des Bundes herausgegeben wurde, wird diese gesamte Gruppe der Personen mit Migrationshintergrund in die Untersuchung mit eingebunden. Das bedeutet, nicht nur Migranten, sondern auch ihre Nachkommen, so kann auch auf die Auswirkungen der Migration, die bis in die 2. und 3. Generation Bestand haben kann, berücksichtigt werden (Razum et al. 2008: 9).

Der Prozess der Migration kostet den menschlichen Körper sehr viel Kraft und kann sich dementsprechend auf die körperliche, emotionale und psychische Gesundheit von Menschen auswirken. Migranten sind bei ihrer Ankunft einer Vielzahl von Belastungen ausgesetzt. Dazu zählen: „[…] religiös bedingte Lebens-, Interaktions- und Verhaltensstile, […] begrenzte Verständnis- und Kommunikationsstrukturen, […] soziale Probleme, […] oder etwa eine andere Einstellung zu und ein anderer Umgang mit Krankheiten […]“ (Hill und Röhl 2002: 113ff.). Zusätzlich kommen zum Verarbeitungsprozess andere für die Gesundheit wichtige Faktoren, wie etwa „die sozio-ökonomische Position, die ethnisch- kulturellen und geschlechtsspezifischen Einstellungen“ (Heinrich-Böll Stiftung 2009: 4).

Migranten werden heute oftmals als sozial Benachteiligte und schwache Gruppe von der Mehrheitsbevölkerung wahrgenommen. Nicht zu Unrecht, denn in unterschiedlichen Studien wird immer wieder auf die defizitäre Lage von Migranten hingewiesen, besonders bezogen auf ihren gesundheitlichen Status und ihre Zugangsbarrieren zum deutschen Gesundheitssystem (Eichler 2008: 17). In der Literatur finden sich immer wieder Hinweise und Belege dafür, „dass Migranten mit deutlich größeren Morbiditäts- und Mortalitätsrisiken in Abhängigkeit von ihrer sozialen Situation behaftet sind als Einheimische“ (Yildirim-Fahlenbusch 2003: 4). Dabei sind es nicht nur Migranten, die erhöhten gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt sind, sondern auch die Deutschen, die sich, wie viele Migranten auch in einer schlechten sozialen Lage befinden (Eichler 2008: 18, unter Bezugnahme auf Razum et al. 2004: 2).

Die Vermutung liegt nahe, dass ein schlechterer Zugang zu gesundheitlichen Dienstleistungen eng an die jeweilige soziale Schichtzugehörigkeit gekoppelt ist. Dementsprechend steigert das Leben in sozial benachteiligter Lage Krankheitsrisiken und reduziert Gesundheitschancen (Schenk u. Razum 2009: 268). Von enormer Bedeutung für den sozialen Status und das Bildungsniveau von Migranten sind die Arten der Zuwanderung. Es macht einen entscheidenden Unterschied, ob man als gut qualifizierter Arbeiter, Asylsuchender, Aussiedler oder Flüchtling nach Deutschland kommt. Darüber hinaus hat auch die Art der Zuwanderung eine enorme Auswirkung auf die Integration der jeweiligen Person (Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2009: 6).

In diesem Kontext soll aber nicht nur die schwache und verwundbare Seite von Migranten und deren defizitäre gesundheitliche Lage demonstriert werden, sondern auch das allmähliche Umdenken in diesem Themenbereich und somit auch die Berücksichtigung ihrer persönlichen Ressourcen. Denn nicht nur negative Charakteristika prägen diesen Personenkreis, im Gegenteil, sie zählen „mehrheitlich zu einer hochproduktiven Gruppe“ (Yildirim- Fahlbusch, Y. 2003: 2).

Das Berlin Institut für Bevölkerungsentwicklung (2009) schenkt mit seinem aktuellen Bericht ‚Ungenutzte Potenziale‘[16], den Ressourcen die Migranten besitzen, besondere Aufmerksamkeit, und geht dabei auf die vielen positiven Eigenschaften die Migranten mitbringen ein. Die Praxis sieht vielfach deprimierender aus, da den Migranten beim Zugang zu gesundheitlicher Vorsorge, Beratung und Versorgung viele Steine im Weg liegen (Grieger 2006: 3).

Zeeb u. Razum (2006) zufolge „ist Migration ein Beispiel sozialen und kulturellen, gleichzeitig aber auch gesundheitlichen Wandels“ (Zeeb u. Razum 2006: 845). Diese Tatsache kann dazu führen, dass sich Gesundheits- und Krankheitsmuster zwischen der migrierten und der nicht migrierten Bevölkerung unterscheiden. Epidemiologische[17] Studien sollen dazu beitragen, die Häufung von Krankheiten zu beschreiben, sowie Risikofaktoren zu erkennen, um so die Gründe für gesundheitliche Gegensätze aufzuzeigen. Diese Erkenntnisse können wiederum eine wichtige Basis für Public-Health-Maßnahmen[18] bieten. Nach Meinung von Razum und Zeeb (2006) kann die Migration auch helfen, „den relativen Beitrag genetischer und umweltbedingter Krankheitsrisiken in Populationen genauer zu bestimmen und somit zur Ursachenforschung beizutragen“ (Zeeb u. Razum 2006: 845).

Geiger (2000) sieht die Gesundheit von Migranten „einem besonderen Spannungsfeld ausgesetzt“ (Geiger 2000: 37), sie nennt folgende Faktoren:

- Kulturspezifische Faktoren

(z. B. Gesundheits-/Krankheitskonzepte)

- Migrationsbedingte Faktoren

(z. B. Sprachbarrieren, Informationsdefizite, aufenthaltsrechtliche Bedingungen)

- Sozialökologische Faktoren

(z. B. ungünstige Wohnverhältnisse, Fremdenfeindlichkeit)

(Geiger 2000: 37).

Diese Faktoren werden im Laufe dieser Diplomarbeit näher betrachtet und erläutert.

Immer häufiger treten bei Migranten Versorgungsmängel auf. Diese Mängel führen zu einer gesundheitlichen Benachteiligung und belasten das hiesige Gesundheitssystem enorm. Zu den Folgen fehlender oder unzureichender Kommunikation gehören laut Knipper und Bilgin (2009) „Fehldiagnosen, Endlosdiagnostik, komplexe Patientenkarrieren und Verzögerungen bei Diagnose und Therapie“ (Knipper u. Bilgin 2009: 7).

Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und den damit einhergehenden Auswirkungen auf die sozialen Leistungssysteme (z. B. Renten- Kranken- oder Pflegeversicherung) ist die Erforschung des Gesundheitszustandes, im Besonderen die der Mortalität[19] und Morbidität[20], von Migranten in der Bundesrepublik so wichtig. Diese Erkenntnisse sind neben der Wissenschaft vor allem für die Politik und Sozialversicherungssysteme von großer Bedeutung (Kohls 2008: 153).

Durch die Verknüpfung der Themenbereiche Migration und Gesundheit bzw. dem Auftreten bestimmter Krankheiten, muss die Migration an sich „als Prozess mit verschiedenen Phasen begriffen werden, der mit dem Eintreffen im Aufnahmeland nicht abgeschlossen ist“ (Knipper und Bilgin 2009: 18) diese drei Phasen sind:

„1. die Entscheidungs- und gegebenenfalls Vorbereitungsphase im Herkunftsland,
2. der Migrationsprozess selbst („migratio“) und
3. die Phase von Ankunft, Neuorientierung und gesellschaftlicher

Eingliederung im Aufnahmeland“ (Knipper u. Bilgin 2009: 18).

Auch wenn die meisten Gastarbeiter größtenteils mehr als 40 Jahre in Deutschland leben und ihre Kinder meist hier geboren sind, kann die Integrationsleistung dieser Bevölkerungsgruppe tendenziell als unbefriedigend bezeichnet werden. Dabei sind sprachliche Defizite und kulturelle Barrieren an der Tagesordnung und stellen das Miteinander auf eine harte Probe. Anstatt eines nach vielen Jahrzehnten zu erwartenden Zusammenhalts kommt es immer häufiger zu einer Segregation[21] dieser ethnischen Gruppen. Diese Erscheinung führt zu einer Bedeutungssteigerung der Familie und der eigenen Ethnie (Yildirim-Fahlbusch 2003: 2). Grund dafür ist, dass eine Abschottung von der einheimischen Bevölkerung viele kulturelle Konflikte mit sich bringen kann, denen dann vor allem die Nachfolgegenerationen der Migranten ausgesetzt sind (vgl. Kapitel III 2.).

1.1. Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Die Idee zu dieser Diplomarbeit lieferten diverse Berichte und Artikel zum Thema ‚Migration und Gesundheit‘ sowie persönliches Interesse.

An der Schnittstelle zwischen den Fachbereichen Geographie und Medizin, lässt sich diese Arbeit thematisch in den Bereich der medizinischen Geographie einordnen. Dabei spielen nicht nur Krankheiten und ihre räumlichen Muster, sondern auch Menschen und ihre individuellen Biografien eine wichtige Rolle. Das bedeutet, die medizinische Geographie[22] nimmt sich „sozialer, ökonomischer, politischer und kultureller Gesundheitsprobleme […] z. B. Zugänglichkeit, Verteilung und Inanspruchnahme von Gesundheitsversorgung“[23] an, und sucht nach Lösungen. Genau diese möglichen Gesundheitsprobleme - sowohl sozioökonomisch als auch kulturell bedingt - und die sich gegebenenfalls dadurch ergebenden Auswirkungen für die Gesundheit von Migranten, sind ein wichtiger Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit.

Kapitel I wird eine Einleitung und eine Einführung in das Thema dieser Diplomarbeit: ‚Gesundheit von Migrantinnen und Migranten in Deutschland‘ geben.

Thematisch gliedert sich die vorliegende Arbeit in zwei Themenblöcke. Diese Unterteilung ermöglicht sowohl einen sozial- und kulturwissenschaftlichen, als auch einen medizinischen Blickwinkel auf die Gebiete ‚Migration und Gesundheit‘.

In den Hauptkapiteln II (Migration) und III (Gesundheit von Migranten), werden zunächst grundlegende Begriffe zum entsprechenden Thema erläutert, um dann mehr in die Tiefe gehen zu können. Der geographische Aspekt und das räumliche Muster der Verbreitung von Migranten in Deutschland wird in Kapitel II 2.4. Beachtung finden.

Kapitel II.1 behandelt das Thema Migration in der Bundesrepublik ab 1955 im Allgemeinen. In Kapitel II 2.1. werden dann speziell die Gastarbeiterwanderungen zwischen 1955 und 1973 nach Deutschland skizziert.

Kapitel III. 1. widmet sich dem Themengebiet Gesundheit von Migranten und richtet dabei den Blick auf die Rolle der Migranten im Deutschen Gesundheitssystem. Dabei werden die wichtigsten Ergebnisse der aktuellen Literatur zum gesundheitlichen Status von Migranten in Deutschland vorgestellt, und die sich daraus ergebenden Probleme diskutiert.

Kapitel IV erläutert zwei Erklärungsmodelle für die gesundheitliche Situation von Migranten. In Unterkapitel 1.3. wird auf die Zugangsbarrieren zum deutschen Gesundheitssystem, denen Migranten in der Bundesrepublik häufig ausgesetzt sind, eingegangen. Zu diesen Barrieren zählen beispielsweise Kommunikationsprobleme und migrationsspezifische Erfahrungen. Welche Folgen sich daraus ergeben, genauer gesagt, welche Schranken schon heute und morgen von Migranten überwunden werden müssen, sind weiterhin Gegenstand des Kapitels. Mit dem Aspekt der sozialen Benachteiligung wird in Kapitel 1.4. ein weiterer Erklärungsversuch aufgegriffen.

Die Schlussbetrachtung in Kapitel V und wird noch einmal auf die in Kapitel 1.1.aufgestellten Hypothesen zurückkommen und diese beantworten.

1.2. Hauptfragestellung

Die Hauptfragestellung der Arbeit lautet:

Besitzen Migranten in Deutschland einen schlechteren Gesundheitsstatus als die nicht migrierte Mehrheitsbevölkerung?

Zur Beantwortung dieser Frage werden dieser Arbeit vier Hypothesen zu Grunde gelegt:

1. Migranten weisen im Vergleich zur nicht migrierten Mehrheitsbevölkerung ein erhöhtes Gesundheitsrisiko auf.
2. Die Migration an sich ist kein unmittelbarer Grund für einen schlechteren Gesundheitszustand von Migranten.
3. Das Verständnis von Kultur und Krankheit spielt eine wichtige Rolle beim Umgang mit Krankheiten.
4. Die Inanspruchnahme des deutschen Gesundheitssystems durch Menschen mit Migrationshintergrund ist mit einer Reihe von Zugangsbarrieren verbunden.

Ziel der Untersuchung ist es herauszufinden, mit welchen körperlichen oder seelischen Erfahrungen Migranten sich auseinandersetzen müssen bzw. welche Ressourcen sie bei ihrer Einreise nach Deutschland mitbringen, und wie sich diese sowohl negativen als auch positiven Voraussetzungen auf ihren Alltag und ihren gesundheitlichen Status auswirken können. Dabei wird versucht, einen Gesamtüberblick über das komplexe Themenfeld zu geben.

Es handelt sich bei dieser Diplomarbeit um eine Literaturarbeit, Primärdaten werden nicht erhoben. Vielmehr stellt diese Arbeit einen Vergleich und eine Darstellung des aktuellen Forschungsstandes auf diesem Themengebiet dar, setzt sich mit der gegenwärtigen Literatur auseinander und hinterfragt diese kritisch.

II. Themenfeld Migration

1. Einführung

Das Themenfeld Migration gibt einen allgemeinen Überblick über die wesentlichen Inhalte der Migrationsforschung und skizziert die Geschichte der Zuwanderung nach Deutschland, insbesondere ab Mitte der 1950er Jahren. Dabei werden sowohl räumliche als auch demografische Aspekte berücksichtigt.

Schon das Ende des 20. Jahrhunderts war durch eine Zunahme globaler Migrations- und Flüchtlingsströme geprägt (Collatz 2002: 30), die im 21.Jahrhundert noch immer andauern. Die IOM[24] geht davon aus, dass derzeit weltweit etwa 192 Millionen Menschen nicht mehr in ihren Herkunftsländern leben, was ca. 3% der Weltbevölkerung gleichkommt. Dies bedeutet grob geschätzt: „[…] one of every thirty-five persons in the world is a migrant.“[25] Die Zahl der internationalen Migranten[26] hat sich laut IOM zwischen 1965 und 1990 um mehr als 45 Millionen Migranten erhöht, das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 2,1 Prozent. Gegenwärtig liegt die Wachstumsrate bei 2,9 Prozent.[27] Das Thema Migration erhält besonders in Zeiten der anhaltenden Globalisierung und der damit einhergehenden weltweiten Integration der Märkte einen immer wichtigeren Stellenwert in vielen Forschungskreisen und ist somit als ein „globales Phänomen“ (Zeeb u. Razum 2006: 845) zu betrachten.

Collatz prognostizierte schon im Jahr 2002, dass das Auftreten der „Globalisierung und Diversifizierung (z. B. nach Typen- oder Sprachvielfalt)“ (Collatz 2002: 30) ebenfalls durch „das zunehmende Maß von traumatisierenden und gesundheitsbeeinträchtigenden Migrations- und Flüchtlingsumständen“ (Collatz 2002: 30) ergänzt wird. Der Anteil an Frauen und Kindern die migrieren, wird sich weltweit erhöhen, da sie häufiger von Kriegen oder ethnischen Konflikten betroffen sind.

Für die weitere Forschung wird diese Entwicklung des Migrationsgeschehens, sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene eine wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig kommt es zu einer zunehmenden Abwehrhaltung der jeweiligen Aufnahmeländer. Diese defensive Haltung gegenüber ‚Fremden‘ ist nicht zuletzt eine Folge der Terroranschläge vom 11. September 2001 (Collatz 2002: 30).

Menschen wandern gegenwärtig aus den unterschiedlichsten Gründen. Diese können sowohl ökonomischer, religiöser, kultureller, rein persönlicher oder aber auch ökologischer Natur sein. Bezogen auf Wanderungsursachen, werden in der Migrationsforschung vor allem ökonomische und demografische Faktoren betrachtet. „Das Zusammenwirken dieser Faktoren in der Herkunftsregion mit denen der Zielregion wird als Push- Pull- Modell[28] bezeichnet“ (Treibel 1999: 40). Diese Faktoren zwingen Menschen - oder aber bewegen sie freiwillig dazu - ihre Heimatländer mit der Hoffnung auf ein besseres Leben zu verlassen. Einen bedeutenden sowohl Push- als auch Pull- Faktor stellt die „Situation auf dem Arbeitsmarkt dar“ (Treibel 1999: 40), die auch bei den Gastarbeiterwanderungen in der Bundesrepublik eine wichtige Rolle gespielt hat (vgl. Kapitel II 2.). Für eine tatsächliche Auswanderung spielen in der Realität meist die Push- sowie die Pull- Faktoren eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, das Heimatland zu verlassen (Korcz u. Schlömer 2008: 158).

In Deutschland sei auf die bereits ansässige Bevölkerung mit Migrationshintergrund verwiesen, die nach Korcz und Schlömer 2008: 158) als „demographischer Pull-Faktor interpretiert werden können.“ Bei diesem Teil der Bevölkerung handelt es sich vor allem um bereits existierende soziale Netzwerke, die einen bedeutenden Einfluss auf eine Zuwanderung besitzen, wie beispielsweise in Form von Kettenmigration oder etwa dem Familiennachzug (Korcz u. Schlömer 2008: 158). Häufig erfolgen Wanderungen von „[…] low-income countries to high-income countries […]“ (Adanu u. Johnson 2009: 179) und können so zu einer Verbesserung der ökonomische Lage der Zuwanderer führen.

Bis in die 1980er Jahre spielten vor allem männlich zugewanderte Lohnarbeiter in der Migrationsforschung der Bundesrepublik eine große Rolle, die größtenteils aus Südeuropa kamen (Schmacke 2002: 557). Bis dahin wurde weitgehende angenommen, dass Frauen nicht selbstständig migrieren, sondern nur im Rahmen des Familiennachzuges migrierten. Die zum Ende der 1970er Jahre einsetzende feministische Migrationsforschung verdeutlichte nach und nach, dass die bis dahin „vergessenen“ Frauen, die auch in Zeiten der Arbeitsmigration eigenständig migrierten auf Arbeitssuche waren und nicht grundsätzlich als ‚Familiennachzügler‘ ihren Männer folgten (Schmacke 2002: 557). Studien zum Thema Migration besitzen einen hohen Stellenwert in der Epidemiologie[29], da sie einen wichtigen Beitrag bei der Identifizierung der „ätiologischen[30] Risikofaktoren für Krankheiten“ (Becher et al. 2007: A1655) liefern. Zugleich geben sie wichtige Hinweise zum gesundheitlichen Status von Migranten im internationalen Bevölkerungsvergleich (Becher et al. 2007: A1655).

2. Grundbegriffe

Für eine genauere Betrachtung des Themas Migration bedarf es der Definition zentraler Termini.

Migration

Treibel (1999) definiert den Begriff folgendermaßen: „Migration ist eine auf Dauer angelegte bzw. dauerhaft werdender Wechsel in eine andere Gesellschaft bzw. in eine andere Region von einzelnen oder mehreren Menschen“ (Treibel 1999: 21). Dabei ist auch „der Wechsel von einer Kultur in eine andere“ (Schenk u. Neuhauser 2005: 280) gemeint. Wenn Migration auf diese Weise definiert wird, setzt diese „erwerbs-, familienbedingte, politische oder biographisch bedingte Wanderungsmotive und ein relativ dauerhafter Aufenthalt in der neuen Region oder Gesellschaft voraus“ (Treibel 1999: 21). Demnach kann eine Person, die innerhalb Deutschlands umzieht bzw. ‚wandert‘ theoretisch auch als Migrant bezeichnet werden.

Assion (2005) versteht unter dem Terminus Migration

„[…] sehr unterschiedliche Lebensschicksale mit äußerst heterogenen Bedingungen, Motivationen und Erfahrungen […] die lediglich als dünne Gemeinsamkeit haben, nicht der Mehrheitsgesellschaft anzugehören, sondern primär aus einer anderen Region, einem anderen Land bzw. einem anderen kulturellen Umfeld zu kommen“

(Assion 2005: 134).

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) definiert den Begriff ‚Migration‘ wie folgt - „wenn eine Person ihren Lebensmittelpunkt räumlich verlegt“ (BAMF 2007: 12). Von einer ‚internationalen Migration‘ wird gesprochen, „wenn dies über Staatsgrenzen hinweg geschieht“ (BAMF 2007: 12).

In Zeiten der fortschreitenden Globalisierung und einer zunehmend mobileren Bevölkerung ist ein Bedeutungszuwachs der ‚Zirkulären- und Pendelmigration‘ zu beobachten. Das bedeutet „dass Personen mehrfach, zum Teil auch mehrmals im Jahr bzw. in regelmäßigen zeitlichen Abständen zu- und fortziehen“ (Schimany 2007: 24).

Im soziologischen Sprachgebrauch nach Hillmann (2007) versteht man unter dem Begriff ‚Migration‘ “[…] aus dem lat. migrare = wandern, wegziehen; Wanderung, Bezeichnungen für Prozesse regionaler Mobilität innerhalb einer Gesellschaft (interne Migration) oder zwischen verschiedenen Gesellschaften und ihren geographischen und kulturellen Lebensbereichen (internationale Migration) […]“ (Hillmann 2007: 565).

Migrant

Im Vergleich zu ‚früheren Jahrzehnten‘ ist nach dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ 2000) die Sozialstruktur der ausländischen Bevölkerung in Deutschland „[…] weitaus heterogener und differenzierter […] und entspricht insgesamt immer weniger dem Stereotyp einer Randgruppe“ (BMFSFJ 2000: 21)

Entsprechend der Definition der Vereinten Nationen ist ein Migrant: „[…] any person who lives temporarily or permanently in a country where he or she was not born, and has acquired some significant social ties to this country.“[31]

Wobei diese Erklärung etwas zu kurz gefasst ist, wenn man bedenkt, dass je nach politischer Definition des Begriffes auch Personen, die bereits in einem Land geboren sind, als Migranten bezeichnet werden können.

Etwas breiter gefasst wird der Begriff in der Definition der ‚UN-conventions[32] on the rights of humans‘ (1998), demnach ist unter einem Migranten „[…] all cases where the decision to migrate is taken freely by the individual concerned, for reasons of 'personal convenience' and without intervention of an external compelling factor“ (UNITED NATIONS 1998) zu verstehen.

Der klassische Migrant ist in allen sozialen Schichten anzutreffen, ein Idealtypus existiert demnach nicht, so beinhaltet sie:

„ausländische Studierende, EU-Binnenmigranten, Arbeitsmigranten und deren Angehörige, Werkvertrags- oder Saisonarbeiter sowie Zuwanderer mit zeitlich begrenztem Aufenthalt. Dazu kommen Spätaussiedler oder Flüchtlinge und Asylbewerber aus anderen Regionen der Welt sowie Ehegatten und Familienangehörige aus Drittstaaten“

(Spallek u. Razum 2007: 451).

Darüber hinaus unterscheiden sich Migranten hinsichtlich ihrer „Nationalität, Sprache, ethnische, religiöse und soziale Zugehörigkeit sowie rechtlichen Status“ (Lampert und Ziese 2005: 204) voneinander. Weiterhin bestehen Unterschiede „aufgrund ihrer Einwanderungsmotive, Erwartungen und individuellen Ressourcen […]“ (Kircaldy et al. 2006: 873).

Arbeitsmigranten sind gemäß Begriffserklärung der ‚UN-conventions on the rights of humans‘ (1998) – „person[s] who is to be engaged, is engaged or has been engaged in a remunerated activity in a State of which he or she is not a national."[33] Diese Art der Migration prägte vor allem ab den 1950er Jahren die Bundesrepublik und wird in Kapitel II 3. näher erläutert.

Bis zum Jahr 2004 zählten zur Gruppe der Migranten offiziell alle Personen, die keine deutsche Staatsbürgerschaft besaßen, dabei wurden Bevölkerungsgruppen wie Aussiedler, Spätaussiedler und eingebürgerte Ausländer nicht erfasst (Knipper u. Bilgin 2009: 19). Der Begriff ‚Menschen mit Migrationshintergrund‘, der auch die bisher vernachlässigten Teilgruppen mit einbezieht, hat sich innerhalb der letzten Jahre mehr und mehr für die Bezeichnung dieser heterogenen Gruppe durchgesetzt (vgl. Kapitel 1.2.1).

Im internationalen Verständnis spielt darüber hinaus die Aufenthaltsdauer von Migranten eine wichtige Rolle. Hierbei wird zwischen zwei Gruppen unterschieden. Zum einen gibt es „long-term-migrants“, von den Vereinten Nationen (1998) wie folgt definiert „[…] a person who has entered a country with the intention of remaining for more than one year and who either must never have been in that country continously for more than one year […]” (United Nations 1998: 13). Dies betrifft demnach Migranten, deren Aufenthalt wahrscheinlich länger als ein Jahr andauern wird. Als Gegenstück dazu gibt es den Begriff der „short-term-migrants“, deren Aufenthalt sich meistens zwischen drei und zwölf Monaten begrenzen lässt.

Nicht zur Migrantenpopulation im jeweiligen Land werden dagegen „Pendler, Touristen und Geschäftsreisende [gezählt]. […] In Deutschland werden Mitglieder ausländischer Streitkräfte und deren Angehörige ebenfalls nicht zu Migrantenbevölkerung dazu gerechnet“ (Kohls 2008: 8). Auch wenn die genaue Aufenthaltsdauer von Flüchtlingen meist ungewiss ist, werden diese ebenso dazu gezählt.

Migrationsarten

Es existieren nach BAMF[34] (2007: 174) unterschiedliche Formen einer Zuwanderung dazu zählen:

- „EU-Binnenmigration von Unionsbürgern,
- Spätaussiedlerzuwanderung,
- Zuwanderung zum Zweck des Studiums und der Ausbildung,
- Werkvertrags-, Saison- und Gastarbeiternehmermigration und weitere Formen der Arbeitsmigration aus den neuen EU-Staaten und aus nicht EU-Staaten,
- Zugang von Asylbewerbern und Konventionsflüchtlingen sowie jüdischen Zuwanderern aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion,
- Familien- und Ehegattennachzug von Drittstaatsangehörigen,
- Zuwanderung aus sonstigen Gründen,

Rückkehr deutscher Staatsangehöriger“ (BAMF 2007: 36).

Die Gründe für eine Migration sind sehr unterschiedlich. Hierbei unterscheiden Muthny und Bermejo (2009: 3) zum Beispiel drei verschiedene Arten:

- Die ‚unfreiwillige Migration‘, dazu zählen vor allem „Asylsuchende, die in einem anderen Land Schutz vor Verfolgung suchen“,
- Die ‚freiwillige Migration‘, wie etwa „Aussiedler, EU-Binnenmigranten, ausländische Studierende oder Migranten im Rahmen des Familiennachzugs“
- Als dritte Variante nehmen ‚illegale Einwanderer‘, die ohne Aufenthaltserlaubnis in einem Land leben einen „Sonderstatus“ (Muthny u. Bermejo 2009: 3) ein.

Die vorliegende Diplomarbeit wird sich auf Zuwanderer, die im Zuge einer zumeist freiwilligen Migration über nationale oder internationale Grenzen (Außenwanderung) in die Bundesrepublik gekommen sind, beziehen. Binnenwanderungen (Wanderung über Bundesländer- oder Gemeindegrenzen hinaus) werden dabei außer Acht gelassen.

Abwanderung bzw. Auswanderung und Zuwanderung bzw. Einwanderung

Vielfach finden in diesem Zusammenhang ebenfalls die Begriffe „Abwanderung bzw. Auswanderung und Zuwanderung bzw. Einwanderung“ (Schimany 2007: 23) Verwendung. Dabei wird nach Schimany (2007) bei einer Einwanderung angenommen, dass „es sich nicht um einen vorübergehenden, sondern um einen dauerhaften Aufenthalt handelt“ (Schimany 2007: 23; Bundesministerium des Innern 2001: 13). Dagegen werden unter einer Zuwanderung nach Verständnis der unabhängigen Kommission ‚Zuwanderung‘ (Süssmuth-Kommission), „alle Arten der Migration verstanden, auch diejenigen, die nur vorübergehenden Charakter haben“ (Bundesministerium des Innern 2001: 13). Zuwanderer sind „Personen, die selbst gewandert sind und der ersten Migrantengeneration angehören, unabhängig von der jeweiligen Staatsangehörigkeit“ (Schimany 2007: 26). Aus einer zunächst geplanten Migration der Zuwanderung kann im nachhinein durchaus eine Einwanderung mit einem dauerhaften Aufenthaltscharakter entstehen (Razum et al. 2008: 9). Selbiges gilt für den zeitlichen Rahmen der Begriffe Abwanderung und Auswanderung. Demzufolge handelt es sich bei einer Abwanderung - bezogen auf inländische Bürger - um „ein[en] vorübergehende[n][r] Auslandsaufenthalt für mehr oder minder längere Zeit, die Auswanderung jedoch ein Verlassen des Heimatlandes für immer“ (Schimany 2007: 23).

Transnationale Migration

Dem in der Soziologie verwendeten Begriff der ‚transnationalen Migration‘, die laut Schimany (2007) als „Sonderfall der internationalen Migration“ (Schimany 2007: 24) zu betrachten ist, kommt eine immer bedeutendere Rolle zu und scheint die internationale Migration langsam abzulösen. Gemäß Pries (1997) tritt nun an Stelle der internationalen Migration, die zuvor durch einen einmaligen Wechsel des Wohnortes gekennzeichnet war, die transnationale Migration „bei der sich die Lebenspraxis und die Lebensprojekte der ‚Transmigranten‘, also ihre ‚sozialen Räume‘, zwischen verschiedenen Wohnorten bzw. ‚geographischen Räumen‘ aufspannen“ (Pries 1997: 16).

Demnach ist eine ‚transnationale Migration‘ „durch soziale Strukturen bzw. Räume gekennzeichnet, die von Menschen mit Migrationshintergrund zwischen ihrem Herkunfts- und ihrem Zuwanderungsland gebildet werden“ (Razum et al. 2008: 62). Im Alltag zeigt sich dieser Typ der Migration in Form von zwei Wohnsitzen. Diese neue Art des Lebenswandels steht dem Konzept der dauerhaften Einbürgerung entgegen. Dieses Lebensmuster kann vorwiegend bei der älteren Migrantengeneration beobachtet werden. Es wird daher analog von ‚Transmigranten‘[35] gesprochen und deren regelmäßigem Wechsel zwischen mindesten zwei Ländern. Ihr Lebensraum erstreckt sich folglich über Landesgrenzen hinweg. Es entstehen demnach zum einen „innerhalb eines Flächenraumes verschiedene getrennte ethnisch- kulturelle soziale Räume“ (Pries 1998, Zit. in Haug u. Sauer 2006: 22). Hierbei steht die enge Verknüpfung zu den jeweiligen Herkunftsländern im Vordergrund, in diesem Zusammenhang findet eine Kommunikation auf unterschiedlichen Medienebenen, wie z. B. Fernsehen, Internet oder Radio statt und kann so zu einer zunehmenden Abgrenzung dieser Bevölkerungsschichten von der einheimischen Bevölkerung führen. Diese Tatsache kann wiederum zu einer mangelnden Integration von Minderheiten führen.

Folglich werden besonders ältere türkischstämmige Migranten zu „Pionieren wider Willen“ (Razum et al. 2008: 62), da sie versuchen in einer meist benachteiligten rechtlichen und finanziellen Situation die Beziehung zu ihrem Herkunfts- und Aufenthaltsland aufrecht zu erhalten (Razum et al. 2008: 62). Häufig bleibt es nicht aus, dass Migrantengruppen unter sich bleiben. Besonders negativ kann sich diese Situation auf die Frauen auswirken, denen durch fehlende Kenntnis der Landessprache der Zugang zum öffentlichen Leben weitestgehend verwehrt bleibt. Eine Folge davon ist, dass auch die Kinder der Migrantinnen unter sich bleiben und somit schlechte Ausgangsbedingungen für eine Integration vorliegen. Die Konsequenz daraus kann die Entstehung von Parallelgesellschaften[36] sein (Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2009: 6).

2.1. Personen mit Migrationshintergrund

Eine Unterscheidung hinsichtlich einer ausländischen und deutschen Person gestaltete sich in den 1960er und 1970er Jahren wahrscheinlich noch einfacher als es heute der Fall ist. Denn damals waren äußerliche Besonderheiten oder die Sprache meist ein sicheres Zeichen für eine ausländische Herkunft. Heutzutage vermischen sich Nationen mehr und mehr, Kinder von Zuwanderern und deren Kinder prägen zunehmend das Bild Deutschlands und eine Unterscheidung bezüglich ihrer Herkunft wird immer schwieriger. War die Gruppe der Zuwanderer damals noch klar unterscheidbar, etwa in Zuwanderer aus der Türkei, Griechenland, Italien etc., so kommen Migranten heute aus der ganzen Welt nach Deutschland. Diese klaren Trennlinien lösen sich mehr und mehr auf und gestalten eine Unterscheidung vor allem aus statistischer Sicht schwierig. Dies bedeutet in der Praxis, dass Daten bezüglich Menschen mit Migrationshintergrund praktisch lange Zeit nicht vorhanden waren (Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2009: 15). Die Untersuchung besagt, dass die Gruppe der Migranten im engeren Sinne als Untersuchungsgruppe zu klein ist. Aus diesem Grund wird im Untersuchungsbericht des Robert Koch- Instituts (2008) auf den Begriff ‚Menschen mit Migrationshintergrund‘ zurückgegriffen. Denn ein Migrationshintergrund der Eltern kann sich durchaus bis auf die Nachkommen auswirken und gesundheitliche Merkmale mit sich bringen (Razum et al. 2008: 9).

Das Bundesamt für Statistik wandte im Zuge des Mikrozensus[37] 2005 zum ersten Mal diesen Terminus an. Mit dem Inkrafttreten des Mikrozensusgesetztes am 1.1.2005 wird im Mikrozensus neben der eigenen aktuellen, sowie der früheren Staatsangehörigkeit, auch die der Eltern erfasst. Bei Zuwanderern wird außerdem das Jahr des Zuzuges ermittelt (Razum et al. 2008: 25, BAMF 2007: 187). Diese Art der Eingrenzung ermöglicht eine Identifizierung der Nachfolgegenerationen, die bereits die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen (Razum et al 2008: 25). Unter ‚Personen mit Migrationshintergrund‘[38] versteht das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) demzufolge:

„Alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborene mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil“

(BAMF 2007: 187).

Dabei handelt es sich um Menschen, „die entweder selbst zugewandert oder Kinder und Enkel von Zuwandern sind“ (Razum 2008: 1).

Nach dieser Definition macht diese Bevölkerungsgruppe „etwa 19 Prozent der in Deutschland lebenden Bevölkerung aus“ (Knipper u. Bilgin 2009: 19). Von diesen 19 Prozent zählen neun Prozent zur Gruppe der Ausländer und zehn Prozent zur Gruppe der Deutschen mit Migrationshintergrund (Knipper u. Bilgin 2009: 19). Gegenwärtig leben nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes (2006) von insgesamt 82 Millionen Einwohnern etwa 15,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in der Bundesrepublik Deutschland (Statistisches Bundesamt 2006, vgl. Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Migrationshintergrund in der Bundesrepublik nach Angaben des Mikrozensus 2005. Quelle: Statisches Bundesamt In: focus-Migration Länderprofil Deutschland, Seite 4.

Diese wiederum bekommen ca. ein Drittel der Kinder, die in Deutschland geboren werden (Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2009: 5). Das führt dazu, dass der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Deutschland eine relativ junge Altersstruktur besitzt (Razum et al. 2008: 7). Wie in Abbildung 1 zu sehen ist, bilden in der Gruppe der Personen mit Migrationshintergrund, Zugewanderte, also Menschen mit eigener Migrationserfahrung (36%) und Eingebürgerte mit eigener Migrationserfahrung (20%) zahlenmäßig die größten Gruppen. Diese relativ große Zahl weckte das Interesse der Politik und sensibilisierte die Öffentlichkeit dafür, dass Deutschland schon jetzt und auch in Zukunft durch eine zunehmende Multikulturalität gekennzeichnet sein wird.

2.2. Ausländer

Im Alltag findet der Begriff des Migranten meist selten Verwendung. Viel eher wird dann von Ausländern gesprochen. Übergriffe auf nicht-deutsche Mitbürger werden folglich auch als ausländerfeindlich bezeichnet. Treibel (2008) beschreibt Ausländer als diejenigen Personen, die eine andere als die einheimische Staatsbürgerschaft besitzen und von der einheimischen Bevölkerung parallel als „fremd wahrgenommen“ (Treibel 2008: 299) werden. Meist zählen dazu Menschen, die über europäische Grenzen nach Deutschland eingewandert sind. Franzosen oder Schweizer werden beispielsweise von der Öffentlichkeit nicht als Ausländer in diesem Sinne wahrgenommen.

Nach soziologischer Ansicht existiert keine Unterscheidung bezüglich der Herkunft, vielmehr sind Migranten: „Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt verlagert haben – gleichgültig ob mit Grenzübertritt von Wien nach Wiesbaden oder ohne Grenzübertritt innerhalb Argentiniens […]“ (Treibel 2008: 299).

Das Statistische Bundesamt definiert den Begriff ‚Ausländer‘ und ‚Ausländerinnen‘ folgendermaßen: „Alle Personen, die nicht Deutsche im Sinne des Art.116, Abs. 1GG sind, d. h. nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen […]“ (Statistisches Bundesamt 2008: 6). Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zählt Ausländer zu einer „Teilgruppe der Personen mit Migrationshintergrund […] “ (BAMF 2007: 174).

Nach Bade und Oltmer (2004) meinte

„Der auf deutscher Seite oft undifferenziert verwendete Begriff ‚Ausländer‘ […] in der Regel vorwiegend den aus den Arbeitswanderungen der Anwerbeperiode 1955 bis 1973 und dem anschließenden verstärkten Familiennachzug hervorgegangenen Teil der Einwanderbevölkerung“

(Bade u. Oltmer 2004: 99).

Ende 2008 lebten rund 6,7 Millionen Ausländer in der Bundesrepublik. Im Vergleich zum Jahr 2007 ist die Zahl der Ausländer im Jahr 2008 um 0,1 Prozent gesunken, entspricht -10.470 Personen (BAMF 2009: 3). Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von Ausländern betrug im Jahr 2008 18,2 Jahre (BAMF 2009: 12).

Tabelle 1 verdeutlicht, dass türkischstämmige Staatsangehörige in der Bundesrepublik mit 33 Prozent den höchsten Anteil der in Deutschland geborenen bilden (BAMF 2009: 13).

Tabelle 1: Die fünf häufigsten Staatsangehörigkeitsgruppen nach Geburtsland am 31.12.2008. Quelle BAMF 2009: Seite 13.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung (2009) schätzt, dass im Jahr 2050 etwa ein Drittel der unter 30 Jährigen in der Bundesrepublik einen Migrationshintergrund besitzen werden. Somit zählt diese Bevölkerungsgruppe längst nicht mehr zu einer Minderheit, da sie die Zukunft Deutschlands aktiv mitgestalten wird (Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2009: 5).

Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund besitzt in Deutschland eine relativ junge Altersstruktur (Razum et al. 2008: 7).

Wie Tabelle 2 verdeutlicht, entfielen nach dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes knapp 16,8 Prozent der Bevölkerung mit Migrationshintergrund auf die Altersgruppe der 25- 35 Jährigen.

Tabelle 2: Altersstruktur der Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund 2006, in Tausend. Quelle: Migrationsbericht 2007: Seite 296.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Verglichen mit der Gruppe ohne Migrationshintergrund mit lediglich 10,6 Prozent, ist dieser Anteil relativ hoch. Betrachtet man dagegen den Anteil der 0-5 Jährigen mit 7,6 Prozent, so ist dieser Wert fast doppelt so hoch, wie der Anteil der Kinder ohne Migrationshintergrund mit 3,5 Prozent (BAMF 2007: 296).

Der Anteil der Menschen ohne Migrationshintergrund nimmt stetig ab, während der Teil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund weitgehend konstant bleibt. Diese Entwicklung ist durchaus positiv zu bewerten, da ohne Migranten die Folgen des demographischen Wandels in der Bundesrepublik mit großer Wahrscheinlichkeit noch deutlicher wären (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen, und Jugend 2009: 29). Negative Auswirkungen kann diese wachsende Zahl junger Menschen mit Migrationshintergrund jedoch auf das hiesige Gesundheitssystem besitzen.

In Abbildung 2 zeigt sich, dass beide verglichenen Bevölkerungsgruppen, zum einen die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund und zum anderen die Bevölkerung mit Migrationshintergrund, eine entgegengesetzte Altersstruktur besitzen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Alter nach Migrationshintergrund und Geschlecht. Quelle: Mikrozensus 2005. In: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Der Mikrozensus im Schnittpunkt von Geschlecht und Migration 2009: Seite 27.

Bei Personen mit Migrationshintergrund überwiegt die Altersgruppe der unter 35 Jährigen, während bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund die Altersgruppe über 35 Jahren dominiert. Diese Tendenz wird in Zukunft enorme Auswirkungen auf die demografische Entwicklung Deutschlands besitzen und sich dementsprechend auf das hiesige Gesundheitssystem auswirken.

Innerhalb der Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund bilden die Aussiedler mit knapp 4 Millionen die größte Gruppe, gefolgt von den türkischstämmigen Migranten mit ca. 3 Millionen Personen. Die kleinste bildet die der afrikanischstämmigen Migranten. Etwa die Hälfte der Menschen mit einem türkischstämmigen Hintergrund sind schon hier in der Bundesrepublik geboren und nach diesem Kriterium der einheimischen Bevölkerung sehr ähnlich (Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2009: 6).

2.3. Flüchtlinge und Asylsuchende

Artikel 1 der Genfer Flüchtlingskonvention definiert einen Flüchtling als:

„Person, die sich außerhalb des Landes befindet, […] und die wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung eine wohlbegründete Furcht vor Verfolgung hat und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Furcht vor Verfolgung nicht dorthin zurückkehren kann“ (UNHCR[39]: www.unhcr.de).

Der UNHCR soll somit sicherstellen, dass Flüchtlinge den ihnen zustehenden Schutz im jeweiligen Land erhalten

Der Unterschied zwischen einem Flüchtling und Asylbewerber besteht darin, dass, „[…] sein Status als Flüchtling von einer nationalen Regierung anerkannt wurde.“[40] Der Unterschied zu einem Migranten ist laut Amnesty International, das dieser meist aus freiwilligen Stücken sein Land verlässt und jederzeit wieder zurückkehren kann. Ein Flüchtling musste dagegen unfreiwillig aus dem Heimatland fliehen und eine Rückkehr ist eher unwahrscheinlich.

Dagegen versteht Amnesty International unter einem Asylbewerber

„[…] eine Person, der internationalen Schutz sucht, ihn aber noch nicht bekommen hat. Oft handelt es sich um Personen, die noch auf den Entscheid einer Regierung warten, ob ihnen der Flüchtlingsstatus zugeteilt wird oder nicht.“[41]

Demzufolge kann ein Flüchtling bei Ankunft in der Bundesrepublik einen Antrag auf Asyl stellen, dieses Recht auf Asyl ist im Grundgesetz der Bundesrepublik festgeschrieben. Artikel 16a (Asylrecht) des Grundgesetzes besagt demnach „1. Politisch verfolgte genießen Asylrecht.[…]“[42].

Das Ende der 1980er Jahre war durch den starken Zustrom der „so genannten Ostblockflüchtlinge[n] aus Mittel- und Osteuropa. […]“ (Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2009: 14) gekennzeichnet.

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs zu Beginn der 1990er Jahre erhöhte sich der Zuwachs an europäischen Asylsuchenden in Deutschland. Vorwiegend waren es Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien. (Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2009: 14). Die Krisenentwicklung in Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa trug dazu bei, dass 1993 bereits 72,1 Prozent der Asylsuchenden aus Europa stammten und nicht mehr wie zuvor vorüberwiegend aus der sogenannten - „Dritten Welt“ (Bade u. Oltmer 2004: 106). Hinzu kam in den 1990 Jahren nach dem Wegfall der Mauer die Deutsch-Deutsche Binnenwanderung. „[…] 1989 kamen fast 390.000 Menschen und 1990 rund 395.000 Menschen“ (Bade u. Oltmer 2004: 106) in den Westen.

Diese Tatsache stellte für die Bundesrepublik eine zusätzliche Belastung dar, auf diese Weise verstärkten sich u.a. „Kriminalität, Drogenhandel, Prostitution […]“ (Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2009: 14). Die wachsende Multikulturalität „führte zunehmend […] zu einer ausländerfeindlichen und bald allgemein fremdenfeindlichen Abwehrhaltung“ (Bade u. Oltmer 2004: 106).

Gründe für diese Entwicklung war auf der einen Seite, die seit Jahrzehnten zunehmende Zahl der Zuwanderungen nach Deutschland, auf der anderen Seite die verzerrte Wahrnehmung der Menschen von Zuwanderung und Eingliederung.

Die Politik reagierte auf die steigende Zahl im Jahr 1993 mit einer Änderung des Asylrechts, demnach dürfen Menschen keinen Asylantrag stellen,

„[…] wer aus einem Mitgliedstaat der Europäischen Gemeinschaften oder aus einem anderen Drittstaat einreist in dem die Anwendung des Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten sichergestellt ist.[…]“[43]

Damit einhergehend sank die Anzahl der Asylanträge seit 1993 stetig.

Im Jahr 2007 waren es 19.164 Erstanträge, davon wurden lediglich 304 Ersuche anerkannt. (Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2009: 14). Gegenwärtig stammen die meisten Asylsuchenden aus Ländern, wie Serbien, dem Irak und der Türkei (Razum et al. 2008: 12).

2.4. Illegale Migrantinnen und Migranten

In Deutschland gilt:

„Findet die Einreise eines Ausländers in das Bundesgebiet ohne einen erforderlichen Pass oder Passersatz bzw. ohne den erforderlichen Aufenthaltstitel statt oder besteht für den Ausländer ein Einreiseverbot nach § 11 Abs. 1 AufenthG, so ist die Einreise unerlaubt (§14Abs.1 AufenthG.)“

(BAMF 2007: 158).

Die Begriffe illegale Migration, irreguläre Migration (nach der Sprachregelung der Vereinten Nationen) und die nicht- dokumentierte Migration (nach angelsächsischer Diktion) werden synonym verwendet (Nuscheler 2004: 52).

Abbildung 3 zeigt eine Statistik der Bundespolizei, in der die Aufgriffe von Ausländern bei einer unerlaubten Einreise entweder durch die Bundespolizei selbst oder durch andere Grenzposten der Polizei[44] dokumentiert sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Feststellung von unerlaubt eingereisten Ausländern an den deutschen Grenzen von 1990 bis 2007. Quelle: BAMF 2007: Seite 160, Grundlage Bundespolizei.

Ab 1998 ist ein stetiger Rückgang zu beobachten, jedoch zeigt sich für das Jahr 2006 ein leichter Anstieg von insgesamt 17.992 Einreisen. Die Kurve sinkt im Jahr 2007 auf ein niedrigeres Niveau von 15.445 illegal nach Deutschland Eingereisten (BAMF 2007: 160 ff.). Aus medizinischer Perspektive ist besonders diese Bevölkerungsgruppe der Menschen ohne Papiere wichtig, da ihnen ein ordnungsgemäßer Zugang zu medizinischer Grundversorgung oft versagt bleibt (Knipper u. Bilgin 2009: 20).

Der Grad der Illegalität entsteht mit der Aufnahme eines Arbeitsverhältnisses ohne Arbeitspapiere und mit dem Ablauf der Aufenthaltsfrist[45] oder aber auch das Untertauchen nach einem abgelehnten Asylantrag. Zahlenmäßig nicht so sehr bedeutend aber dennoch existent, ist die illegale heimliche Einreise in die Bundesrepublik. Oft operieren in diesem Bereich internationale Schlepperbanden, die wohl am stärksten von der Abschottung und der erschwerten legalen Zuwanderung nach Europa profitieren (Bade u. Oltmer 2004: 122). Es gibt keine verlässlichen Zahlen zu dieser Form der Migration, um die Personenzahlen zu schätzen, man „geht man meist von der aus der amerikanischen Praxis stammenden Annahme aus, dass auf einen Aufgriff zwei weitere nicht entdeckte, d. h. erfolgreiche Grenzüberschreitungen kommen“ (Bade u. Oltmer 2004: 123). Dabei müssen die Zahlen zurückhaltend betrachtet werden, da noch nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, inwiefern diese Modelle auch auf Europa angewendet werden können.

Deutschland gilt häufig nicht nur als Zielland, sondern auch als Transitland[46], z. B. bei der Einreise in die Niederlande. Bade und Oltmer (2004) erwähnen, „Schätzungen schwankten in Deutschland Ende der 1990er Jahre zumeist um die Marke von 500.000, reichten in Einzelfällen aber auch herab bis zu 100.000 (sicher zu niedrig) und auch herauf bis über 1 Million (möglicherweise zu hoch)“ (Bade u. Oltmer 2004: 124).

Da die Gruppe der illegalen Migranten nicht nur in Deutschland zahlenmäßig sehr schwer zu erfassen ist, kann aus Mangel an Daten in dieser Arbeit nicht näher auf deren Gesundheitsstatus eingegangen werden. Dies bedeutet aber nicht, dass eine Betrachtung dieser Migrantengruppe weniger relevant ist.

2.5. Methodische Herausforderungen

Die Themen Migration und Gesundheit sind einzeln betrachtet schon sehr komplex und eine Verknüpfung dieser beiden Bereiche ist mit einer Reihe von Hürden verbunden. Bereits der Datenerwerb und Vergleich stellt eine wichtige Herausforderung für die Wissenschaft dar. Allein die Betrachtung des Zusammenhangs zwischen dem sozialen Status und der Gesundheit ist sehr umfangreich. Bezieht man nun noch den entsprechenden Migrantenstatus mit in die Untersuchung ein, so gestaltet sich diese noch schwieriger (Razum 2007: 75). Wie bereits im vorherigen Abschnitt erläutert, ist das Gebiet der Migrationsforschung sehr komplex, nicht zuletzt aufgrund der Heterogenität von Migranten, wodurch eine Operationalisierung des Migrantenbegriffes erschwert wird (Kircaldy et al. 2006: 873).

Eine besondere Herausforderung gilt demzufolge vor allem der Frage, welche Person denn eigentlich als Migrant bezeichnet wird. Wie eingangs erläutert ist es nicht sinnvoll, alle Teilgruppen der Migranten zusammenzufassen. Vielmehr bedarf es einer Unterscheidung dieser. Vor allem wenn es darum geht, aussagekräftige Daten, in diesem Fall über den Gesundheitsstatus, zu erhalten. In der Literatur findet sich genau dieses Problem. Um gesicherte Aussagen über das gesundheitliche Befinden von Migranten zu erhalten, müsste „eine eindeutige und in allen Datenquellen einheitliche Definition der Zielgruppe eigentlich […]“ (Razum et al. 2008: 10) Konsens sein. Dabei existieren in Forschungskreisen die unterschiedlichsten Erkennungsmerkmale wie etwa die Muttersprache, die Ethnie der Großeltern oder der Geburtsort (Kircaldy et al. 2006: 873). Diese unterschiedlichen Merkmale machen es wiederum schwer, einzelne Studien zu vergleichen. Darüber hinaus existiert in vielen amtlichen Statistiken nur die Unterscheidung zwischen deutscher und nicht deutscher Staatsangehörigkeit oder es erfolgt eine Aufteilung nach unterschiedlichen Nationalitäten (Bsp. Todesursachenstatistik). Das Problem dabei ist, dass mit dieser Statistik „keine Aussagen über eingebürgerte Migranten oder Aussiedler getroffen werden können“ (Schenk u. Neuhauser 2005: 279).

Grundsätzlich erfolgt eine Erhebung der ausländischen Bevölkerung in Deutschland über das Ausländerzentralregister (AZR)[47] und die Bevölkerungsfortschreibung. Die Informationen des AZR kommen von den lokalen Ausländerbehörden. Hier werden die Daten der Ausländer erfasst, die sich länger als drei Monate in der Bundesrepublik aufhalten. Durch das AZR kann im Gegensatz zur Bevölkerungsfortschreibung eine weitere Unterscheidung hinsichtlich Staatsangehörigkeit, Aufenthaltsdauer und Aufenthaltsstatus vorgenommen werden (BAMF 2007: 175 ff.). Zwei Gruppen werden aus der vielfältigen Gruppe der Personen mit Migrationshintergrund im AZR nicht erwähnt:

„1. Zugewanderte Deutsche (Aussiedler und Spätaussiedler)
2. Eingebürgerte Ausländer „

(Korcz u. Schlömer 2008: 155).

Die amtliche Statistik dagegen basiert auf den Angaben der Meldeämter (Korcz und Schlömer 2008: 153).

Wie Tabelle 3 deutlich zeigt, lag die Zahl der ausländischen Bevölkerung nach Angaben des AZR (2008) bei ca. 6,73 Millionen und nach Angaben der amtlichen Statistik bei rund 7,3 Millionen Menschen.

Tabelle 3: Bevölkerung insgesamt und ausländische Bevölkerung 2008 nach Ländern. Quelle: Statistisches Bundesamt 2008, Seite 25.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Differenz der beiden Angaben ergibt sich daraus, dass vom AZR nur Personen erfasst werden, deren Aufenthalt in der Bundesrepublik längerfristig ist. Das AZR bietet aber nicht nur Informationen zum Aufenthaltsstatus, sondern kann auch Angaben zum rechtlichen Status, Auskunft zu Nationalität und gleichzeitig Wohnort geben. Dabei besteht das Interesse eher an der räumlichen Verteilung als an den Zahlen selbst (Korcz u. Schlömer 2008: 154).

Seit dem Mikrozensus 2005, der den „Indikator Migrationshintergrund auf der Basis eines Geburtsortes und des Geburtsortes der Eltern ergänzt“ (Borde 2009: 1), ist nun eine differenziertere Unterscheidung von Personen möglich, die ursprünglich nicht-deutscher Herkunft sind, wie beispielsweise Aussiedler oder generell Migranten, die die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben. Früher wurden diese Gruppen vernachlässigt und konnten aus diesem Grund nicht berücksichtigt werden.

Ohne eine einheitliche Begriffsbestimmung kann es sowohl zu einer unsachgemäßen Zuordnung von Krankheits- und bzw. Todesfällen, als auch zu einer Verzerrung von Krankheits- und Sterbefällen kommen. Laut Razum et al (2008) sind es häufig die unzureichenden Angaben über Personen mit Migrationshintergrund in „wenigen Datenquellen der Gesundheitsberichterstattung“ (Razum et al 2008: 10), die deren ausführliche Identifizierung verhindern.

In Deutschland gilt das Recht des Blutes, bzw. das Abstammungsrecht[48]. Das bedeutet, dass die deutsche Staatsbürgerschaft durch einen oder beide Elternteile vererbt wird (Finkelstein 2006: 12). Von 1913 bis zum Jahr 2000 waren deutsche Vorfahren für die Erlangung der deutschen Staatsbürgerschaft entscheidend und es galt ein „uneingeschränktes Ius Sanguris (lat. Recht des Blutes)“ (Razum et al 2008: 10, Razum u. Spallek 2009: 1). Neu ist seit 2000[49] in der Bundesrepublik eine Erweiterung des alten Staats-

Angehörigkeitsgesetztes um das Ius soli (lat. „Recht des Bodens“), das auch in den klassischen Einwanderungsländern, wie den USA gilt. Dieses tritt dann in Kraft, wenn sich ein Elternteil mindestens acht Jahre legal in der Bundesrepublik aufhält. Dann erhält das Kind bei Geburt automatisch die doppelte Staatsbürgerschaft. Bis zum 18. Lebensjahr muss sich das Kind aber für eine der beiden Staatsbürgerschaften entscheiden. Diese Änderung macht die Identifikation von Migranten „anhand ihrer Staatsangehörigkeit“ (Razum u. Spallek 2009: 2) noch schwieriger.

Andererseits erlangen

„Spätaussiedler, ihre Abkömmlinge und ihre bei Verlassen des Herkunftsgebietes seit mindestens drei Jahren mit ihnen verheirateten Ehegatten, die zu den Migranten zu rechnen sind […] seit der Verabschiedung des neuen Staatsangehörigkeitsrechts mit Wirkung zum 1. August 1999 […] über ihren Aufnahmestatus automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit (§§ 7, 40a Satz StAG)“

(BAMF 2007: 174).

Dies bedeutet, dass die Bestandszahlen von Ausländern nicht äquivalent zu den Migrationszahlen sind (Schimany 2007: 28), was laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2007) dazu führt,

„dass die Ausländerbestandszahlen zum einen zu einer Unterschätzung der Migration durch die Nichteinbeziehung der zuwandernden Spätaussiedler führen, zum anderen aber auch zu einer Überschätzung aufgrund der im Inland geborenen ausländischen Kinder“

(BAMF 2007: 175).

Wiederum andere Informationsquellen erfassen anstelle der zuvor genannten Nationalität z. B. das Geburtsland oder den Aufenthaltsstatus.

Bis dato nahm sich aber nur eine geringe Anzahl von Studien oder Datenerhebungen dem empfindsamen Feld der Migration und einer Realitätendarstellung dieser „Einwanderungsgesellschaft“ an.

Zu nennen sind hier, das Sozioökonomische Panel (SOEP[50] ), PISA, KiGGS-Studie[51] und insbesondere die Erhebung des Mikrozensus 2005 (brachte neue Ergebnisse) (Borde 2009: 1). Daten aus folgenden Quellen können ebenfalls für migrantenspezifische Untersuchungen genutzt werden: „ […] Statistiken der Berufsgenossenschaften und Krankenversicherungen“ (Zeeb u. Razum 2006: 848). In Bezug auf die internationale Migration ist es bereits in diversen Ländern so, dass diese neben internationalen Organisationen wie bspw. die United Nations (UN) oder die OECD[52] zunehmend bei Migrantenstatistiken ersatzweise oder zusätzlich für die Staatsangehörigkeit, das jeweilige Geburtsland als Parameter aufnehmen. Auf diese Art und Weise ist in Zukunft eine wachsende internationale Vergleichbarkeit von Studien möglich. Auch wenn die bereits erwähnten methodischen Erfassungsprobleme dadurch längst noch nicht beseitigt sind (Schimany 2007: 27). Zukünftig könnte eine Verbesserung der Datenlage diese Zielgruppen zu ihrer gesundheitlichen Erhaltung beitragen und einen gleichberechtigten Zugang zum Gesundheitssystem sicherstellen (Razum u. Spallek 2009: 4). Ebenfalls Lampert u. Ziese (2005) unterstützen diese Aussage und sind für die Behebung der defizitären Datenlage, damit Studien in Zukunft aussagekräftiger sind. Dabei gilt es in erster Linie eine klare allgemeingültige Begriffsdefinition zu formulieren (Lampert u. Ziese 2005: 205). An dieser Stelle wird auf die Situation auf nationaler Ebene eingegangen, da diese für die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit relevant sind.

[...]


[1] In dieser Arbeit wird die Definition von Ipsiroglu u. Bode verwendet, demnach sind Migranten „ausländische und inländische Mitbürger, mit Migrationshintergrund unabhängig vom Einkommen und vom soziokulturellen Status“ (Ipsiroglu u. Bode 2005: 8). Der Begriff Migrant, sowie dessen Mehrzahlbegriff wird in dieser Arbeit, sowohl für Männer als auch für Frauen mit eigener Migrationserfahrung verwendet (vgl. Kapitel I 1.). Wenn es sich um den erweiterten Migrantenbegriff im Sinne des Mikrozensus 2005 handelt, findet in dieser Arbeit der Begriff ‚Personen mit Migrationshintergrund‘ (vgl. Kapitel II 2.1.) Verwendung.

[2] „Am 1. Januar 2005 trat mit dem Zuwanderungsgesetz eine umfassende Reform sämtlicher Bestimmungen der Migrations- und Integrationspolitik sowie des Aufenthaltsrechts von Nichtdeutschen in Kraft. Es handelt sich um ein sog. Artikelgesetz, welches einerseits mehrere, bereits bestehende Vorschriften änderte und andererseits zwei gänzlich neue Gesetze schuf. Der volle Name lautet "Gesetz zur Steuerung und Begrenzung der Zuwanderung und zur Regelung des Aufenthalts und der Integration von Unionsbürgern und Ausländern (Zuwanderungsgesetz - ZuWG)". Die Änderungen betrafen beispielsweise das Staatsangehörigkeitsgesetz, das Bundesvertriebenengesetz und die Vorschriften zum Asylrecht.[…]“ www.bpb.de [13.01.2010].

[3] „Der Mikrozensus ist eine von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder jährlich durchgeführte Bevölkerungsbefragung. Dabei wird nach einem Stichprobenverfahren ein Prozent aller Haushalte in Deutschland ausgewählt. Die Stichprobe erfasst dadurch rund 800.000 Menschen. […]“(Berliner Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2009: 11).

[4] „Mortalität […] Sterblichkeit; Mortalitätsziffer: Das Verhältnis der Anzahl der Sterbefälle zum Durchschnittsbestand der Population.[…]“ (Pschyrembel 2004: 1181).

[5] „Infektionskrankheiten: […] Krankheiten, die durch Infektion entstehen, unabhängig davon, ob sie ansteckend sind od. nicht.“ (Pschyrembel 2004: 860).

[6] „Globalisierung: Begriff für die zunehmende Internationalisierung und weltweite Vernetzung der Wertschöpfung im Bereich von Industrie und Dienstleistungen, insbesondere der Finanzdienstleistungen“ (Diercke 2001: 282).

[7] Begriffsdefinition in Kapitel II 1.2.

[8] Begriffsdefinition in Kapitel II 1.2.

[9] DEUTSCHER BUNDESTAG (2009): Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Seite 15.

[10] „Der Mikrozensus ist eine von den Statistischen Ämtern der Bundes und der Länder jährlich durchgeführte Bevölkerungsbefragung. Dabei wird nach einem Stichprobenverfahren ein Prozent aller Haushalte in Deutschland ausgewählt. Die Stichprobe erfasst dadurch rund 800.000 Menschen. […]“(Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2009: 11).

[11] Weilandt et al. (2000): Gesundheitsbericht NRW. Gesundheit von Zuwanderern in Nordrhein-Westfalen, Sonderbericht im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung Nordrhein-Westfalen, im Auftrag des Ministeriums für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes Nordrhein-Westfalens.

[12] Entschließung der 10. Landesgesundheitskonferenz Nordrhein-Westfalen am 31. August 2001: „Soziale Lage und Gesundheit“.

[13] Razum und Zeeb et al. (2008): Migration und Gesundheit.

Schwerpunktbericht der Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Robert Koch- Institut, Berlin.

[14] Knipper und Bilgin (2009): Migration und Gesundheit. Konrad Adenauer Stiftung e.V. Sankt Augustin Bonn.

[15] Das ‚Recht auf Gesundheit‘ wurde 1946 von in der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) formulierten Verfassung als Grundrecht des Menschen anerkannt.

[16] Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung (Hg.)(2009): Ungenutzte Potenziale. Zur Lage der Integration in Deutschland, Berlin.

[17] „Epidemiologie beschreibt teilweise mit Hilfe der Demographie die Morbidität in der Bevölkerung, analysiert die Ausgangsbedingungen und misst den Einfluss von gezielten Eingriffen auf Krankheitsverbreitung und -entwicklung“ (Hurrelmann und Laaser 2003: 32).

[18] Public Health: […] „mit Gesundheitswissenschaften, öffentliche Gesundheit oder Bevölkerungsmedizin übersetzt […]“ Public Health macht sich die Gesundheit der Bevölkerung zum Anliegen und zielt darauf ab durch strukturierte gemeindebezogene Maßnahmen Gesundheit zu fördern. Der Ansatz stellt die Prävention von Erkrankungen in den Vordergrund“ (Walter 2006: 132). Nach WHO (1952) Definition: „Die Wissenschaft und die Kunst der Verhütung von Krankheit, der Lebensverlängerung und er Förderung seelischer und körperlicher Gesundheit durch gemeinsame gesellschaftliche Anstrengungen“ (WHO 1952; Zit. in Hurrelmann 2003: 26).

[19] „Bzw.: Sterblichkeit ist neben der Fertilität eine der beiden Hauptbestandteile der natürlichen Bevölkerungsbewegung. Unter Sterblichkeit wird die Zahl der Sterbefälle während eines Zeitraums bezogen auf die Bevölkerung verstanden. […]“ (Schimany 2007: 20).

[20] „Gesundheits- bzw. Krankheitszustand“ (Kohls 2008: 153).

[21] „Prozess der räumlichen Trennung und Abgrenzung von sozialen Gruppen gegeneinander […]“ (Diercke 2001: Seite 769).

[22] „Innerhalb der Geographie gilt die Medizinische Geographie als eine Teildisziplin, die sich mit originären geographischen Inhalten von Raummustern, räumlichen Prozessen, Mensch-Umwelt-Beziehungen und regionalen Besonderheiten unter gesundheitsbezogenen Fragestellungen beschäftigt […]“(http://www.geographie.uni-muenchen.de/geomed/deutsch/GEOMED3.htm) [12.12.09].

[23] (http://www.geographie.uni-muenchen.de/geomed/deutsch/GEOMED3.htm) [12.12.09].

[24] International Organization for Migration

[25] (www.iom.int/jahia/Jahia/about-migration/lang/en) [letzter Zugriff 16.11.2009].

[26] Begriffsdefinitionen erfolgen im Kapitel II 1.2

[27] (www.iom.int/jahia/Jahia/about-migration/lang/en) [letzter Zugriff 16.11.2009].]

[28] „[…] Faktoren der Vertreibung (push) und Anziehung (pull) […]“ (Treibel 1999: 40).

Kircaldy et al. Verstehen unter Druckfaktoren (push factors) z. B. Armut, Hungersnot, Krankheit oder politische Verfolgung und Sogfaktoren (pull factors) die Aussicht auf ein besseres Leben und die finanzielle Versorgungsmöglichkeit der Familie (Kircaldy et al. 2006: 873).

[29] „[…] Wissenschaftszweig, der sich mit der Verteilung von übertragbaren u. nicht übertragbaren Krankheiten u. deren physik., chem.,psych. u. sozialen Determinanten u. Folgen in der Bevölkerung befasst. […] (Pschyrembel 2004: 503).

[30] „Ätiologie: Lehre von den Ursachen, bes. der Krankheit […]“ (Wahrig 2004: 90).

[31] www.unesco.org/shs/migration/glossary [letzter Zugriff 26.01.2010].

[32] „A convention, or covenant, is an agreement between countries that is binding in international law. A United Nations convention in the field of human rights is generally adopted by the General Assembly.[…]“ (UNESCO 2005: Seite 27).

[33] www.unesco.org/shs/migration/glossary [letzter Zugriff 26.01.2010].

[34] Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2007): Migrationsbericht.

[35] Pries definiert sie als „[…] internationale Migranten mit nicht nur einmaligen und unidirektionalen Wanderungsverläufen […] [dabei bilden sie] eine qualitativ neue soziale Gruppe in neuen sozialen ‚Feldern‘ heraus“ (Pries 1997: 34).

[36] Nach Finkelstein (2006) sind sie „soziale Kollektive“ […] auf die […] folgende Merkmale zutreffen: bspw. ethno-kulturelle bzw. kulturell-religiöse Homogenität; nahezu vollständige lebensweltliche und ökonomische Segregation […] (Finkelstein 2006: 196). Gemäß Hillmann ist eine Parallelgesellschaft „von griech. Parallelos = nebeneinander befindlich; Bezeichnung für ein Kollektiv, das innerhalb der Grenzen eines Staates mit einem von zwei oder mehreren großen Bevölkerungsteilen übereinstimmt, die jeweils weitgehend eine Gesellschaft für sich bilden. […]“ (Hillmann 2007: 661).

[37] „Der Mikrozensus ist eine von den Statistischen Ämtern der Bundes und der Länder jährlich durchgeführte Bevölkerungsbefragung. Dabei wird nach einem Stichprobenverfahren ein Prozent aller Haushalte in Deutschland ausgewählt. Die Stichprobe erfasst dadurch rund 800.000 Menschen. […]“(Berliner Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2009: 11).

[38] „Sowohl Ausländer als auch Spätaussiedler und Eingebürgerte werden zu den Personen mit Migrationshintergrund gezählt“ (BAMF 2007: 175).

[39] Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (United Nations High Commissioner for Refugees). 1951 von der Generalversammlung gegründet, schütz und unterstützt sie Flüchtlinge auf der ganzen Welt: www.unhcr.de. [letzter Zugriff 12.12.09].

[40] http://www.amnesty.ch/de/themen/menschenrechte/fluechtlingsrecht [letzter Zugriff 28.1.2010].

[41] http://www.amnesty.ch/de/themen/menschenrechte/fluechtlingsrecht [letzter Zugriff 28.1.2010].

[42] Deutscher Bundestag (2009): Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Seite 23.

[43] Deutscher Bundestag (2009): Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Seite 24.

[44] „Wasserschutzpolizeien Hamburg und Bremen, Landespolizei Bayern und die Bundeszollverwaltung“ (BAMF 2007: 160).

[45] Als „overstayers“ im anglophonen und als „sans papiers“ frankphonen Bereich bezeichnet (Bade u. Oltmer 2004: 122).

[46] „Transitmigration: auf dem Weg zu einem anvisierten Zielland“ (Nuscheler 2004: 52).

[47] „Seit Anfang 2006 ermöglicht das AZR durch die Aufnahme neuer Speichersachverhalte (Erfassungskriterien) eine differenziertere Darstellung des Migrationsgeschehens. Dies betrifft insbesondere die Erfassung der rechtlichen Grundlagen für die Einreise und den Aufenthalt von Ausländern nach dem Aufenthaltsgesetz (Gesetz über den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und die Integration von Ausländern im Bundesgebiet) […]“ (BAMF (2007): Migrationsbericht Seite 14).

[48] Ius sanguis

[49] Seit 2000 gilt zusätzlich zum "ius sanguinis" (Abstammungsprinzip) das "ius soli" (Geburtsrecht) (Bundesregierung).

[50] „Seit 1984 laufende jährliche Wiederholungsbefragung von Deutschen, Ausländern und Zuwanderern in alten und neuen Bundesländern. Themenschwerpunkte sind unter anderem Haushaltszusammensetzung, Erwerbs- und Familienbiographie, Erwerbsbeteiligung und berufliche Mobilität, Einkommensverläufe, Gesundheit und Lebenszufriedenheit“ (Gesundheitsberichterstattung des Bundes 2007: 219).

[51] „Von Mai 2003 bis Mai 2006 hat das Robert Koch-Institut den Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) durchgeführt. Ziel dieser bundesweiten Studie war es, umfassende und bevölkerungsrepräsentative Informationen über den Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen im Alter von 0-17 Jahren in Deutschland zu erheben […]“ (Razum et al. 2008: Seite 8).

[52] Organisation for Economic Co-Operation and Development

Details

Seiten
154
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783842803657
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v228009
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Geographie
Note
2,0
Schlagworte
migration deutschland gesundheit erklärungsmodelle benachteiligung

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Titel: Gesundheit von Migrantinnen und Migranten in Deutschland