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Das chinesische Finanzsystem

Risiken und Krisenanfälligkeit

Bachelorarbeit 2009 67 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Finanzsystem und Volkswirtschaft
2.1. Finanzsystem, Finanzintermediäre und volkswirtschaftliches Wachstum
2.2. Bankbetriebe und Bankensystem
2.3. Risiken und Krisenanfälligkeit eines Bankensystems
2.3.1 Schockabsorbtionsfähigkeit
2.3.2 Systemisches Risiko

3. Beurteilungskonzept für die Risiken und die Krisenanfälligkeit eines Bankensystems
3.1. Indikatoren zur Schockabsorbtionsfähigkeit
3.2. Netzwerkanalyse zur Identifizierung des systemischen Risikos
3.2.1 Netzwerkmodell eines vereinfachten Bankensystems

4. Überblick Finanzsystem China
4.1 Struktur des chinesischen Bankensystems
4.2 Interbankenmarkt

5. Risiken und Krisenanfälligkeit eines vereinfachten chinesischen Bankensystems
5.1 Schockabsorbtionsfähigkeit ausgewählter chinesischer Banken
5.1.1 Eigenkapitalrentabilität als Finanzstabilitätsindikator
5.1.2 Gesamtkapitalrentabilität als Finanzstabilitätsindikator
5.2. Schockanfälligkeit und systemisches Risiko in einem Modell des chinesischen Bankensystems
5.2.1. Datenerhebung
5.2.2. Modellerstellung
5.3. Szenarien-Gestaltung
5.4. Analyse und Interpretation
5.4.1 Szenarienanalyse
5.4.2 Szenarieninterpretation

6. Fazit

Anhang

Quellen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Finanzsystem und Finanzintermediäre

Abbildung 2: Leistungen von Banken in einer Volkswirtschaft

Abbildung 3: Systemische Ereignisse im Bankensystem

Abbildung 4: Entstehung von Bankenkrisen (vereinfachte Darstellung)

Abbildung 5: Sektorale Verteilung von Vermögenswerten im chinesischen Finanzsystem (2007)

Abbildung 6: Zusammensetzung des chinesischen Bankenmarktes nach Bilanzsumme (2007)

Abbildung 7: Struktur des chinesischen Bankensystems (2007)

Abbildung 8: Entwicklung des Handelsvolumens im chinesischen Interbankhandel (2004 – 2007)

Abbildung 9: Entwicklung von Handelsvolumen Interbankhandel und Bilanzsumme Bankensektor in China (2004 – 2007)

Abbildung 10: Eigenkapitalrentabilität ausgewählter chinesischer Banken (2005-2007)

Abbildung 11: Gesamtkapitalrentabilität ausgewählter chinesischer Banken (2005-2007)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: IMF-Untersuchung hinsichtlich der Aussagefähigkeit von bilanzbasierten Finanzstabilitätsindikatoren

Tabelle 2: Gruppe der ausgewählten chinesischen Banken

Tabelle 3 Ermittlung der Kreditbeziehungen im Netzwerkmodell (1)

Tabelle 4: Ermittlung der Kreditbeziehungen im Netzwerkmodell (2)

Tabelle 5: Kreditbeziehungen der Banken im Netzwerkmodell

Tabelle 6: Absolute Insolvenzhäufigkeiten und -Verteilungen innerhalb der einzelnen Szenarien

Tabelle 7: Merkmalsausprägungen der einzelnen Szenarien (1)

Tabelle 8: Merkmalsausprägungen der einzelnen Szenarien (2)

Tabelle 9: Krisenkosten* innerhalb der einzelnen Szenarien

Tabelle 10: Modelle zur Identifizierung des systemischen Risikos im Bankensystem

Tabelle 11: Bilanzsummen der Bankinstitutionen nach Arten im chinesischen Bankensystem (2007)

Tabelle 12: Zusammenfassung der modellrelevanten Bilanzpositionen

Tabelle 13: Modellrelevante Bilanzpositionen ausgewählter Banken (1)

Tabelle 14: Modellrelevante Bilanzpositionen ausgewählter Banken (2)

Tabelle 15: Matrix: Zelleneinträge durch die Gesamtverbindlichkeiten normiert

Tabelle 16: Transponierte Matrix

Tabelle 17: Iterationsverfahren Szenario “Self Fulfilling Prophecy“

Tabelle 18: Iterationsverfahren Szenario “IMF-Solvenzindikator“

Tabelle 19: Iterationsverfahren Szenario “staatlicher Eingriff“

1. Einleitung

Ein funktionsfähiges Finanzsystem schafft innerhalb einer Volkswirtschaft die Voraussetzungen für den arbeitsteiligen Produktionsprozess.[1] Diese besondere Stellung führt dazu, dass alle volkswirtschaftlichen Bereiche durch eine Vielzahl von Transaktionsbeziehungen eng mit dem Finanzsystem verflochten sind. Es entstehen wechselseitige Abhängigkeiten, die durch Rückkopplungseffekte zu sich selbst verstärkenden Reaktionen führen können.[2]

Entsprechende Transaktionsbeziehungen bestehen jedoch nicht nur zwischen dem Finanzsystem und seiner volkswirtschaftlichen Umwelt: Die aktuelle Finanzkrise zeigt, dass auch innerhalb eines Finanzsystems zwischen den einzelnen Systemelementen Verflechtungsstrukturen existieren, die zu wechselseitigen Abhängigkeiten führen. Die finanzielle Schieflage einer einzelnen Bank kann so weitere Banken in Mitleidenschaft ziehen und zu einer Destabilisierung des Finanzsystems als Ganzes führen.

Vor diesem Hintergrund besteht für das Thema Das chinesische Finanzsystem – Risiken und Krisenanfälligkeit beim Verfasser ein besonderes Interesse. Bei der ersten Literatursichtung stach vor allem das Working Paper Systemic Risk: A Survey[3] der europäischen Zentralbank hervor, das eben diese Verflechtungsstrukturen innerhalb eines Finanzsystemsals Untersuchungsgegenstand hat.

Um entsprechende Wirkungsbeziehungen, die zu Krisensituationen führen, besser verdeutlichen zu können, richtet sich die vorliegende Arbeit zum einen an dem Konzeptdes systemischen Risikos aus und begrenzt das Untersuchungsfeld zum anderen auf das Bankensystem als ein Teil des Finanzsystems. Darüber hinaus wird diese Eingrenzung dem Umstand gerecht, dass das chinesische Finanzsystem nach wie vor bankendominiert ist.

Die Arbeit beginnt mit einer grundlegenden Darstellung von Bankbetrieb, Bankensystem und ihren Funktionen innerhalb einer Volkswirtschaft. Ausgehend von der volkswirtschaftlichen Verflechtung eines Bankbetriebes werden für ein Bankensystem sowohl externe, als auch interne Wirkungszusammenhänge ermittelt. Hieraus abgeleitet können die Risiken Schockanfälligkeit und systemisches Risiko als spezifische Risiken eines Bankensystems definiert werden.

Anschließend wird ein Beurteilungskonzept entwickelt, mit dem genauere Aussagen zu den beiden Risiken, als auch zur Krisenanfälligkeit eines Bankensystems möglich sind. Im ersten Teil des Konzeptes erfolgt eine Auswahl geeigneter Indikatoren, die erste Hinweise auf die bankbetriebliche Risikolage geben. Im zweiten Teil wird das Netzwerkmodell von Eisenberg und Noe vorgestellt.

Ausgehend von diesem Netzwerkmodellwird ein Modell erstellt, in dem die vier großen State-Owned Banks und ausgewählte Joint-Stock Commercial Banks ein vereinfachtes chinesisches Bankensystem bilden. Anhand von Bilanzdaten wird eine mögliche Verpflichtungsstruktur zwischen den Banken bestimmt. Hierdurch können für verschiedene Szenarien die interbanklichen Zahlungsströme eindeutig bestimmt und mögliche Insolvenzen nach ihrer Ursache unterschieden werden. Art und Anzahl der Insolvenzen geben dann für jedes Szenario Auskunft über die Ausprägung der Merkmale systemischesRisiko, Schockanfälligkeit und Krisenanfälligkeit.

2. Finanzsystemund Volkswirtschaft

2.1. Finanzsystem, Finanzintermediäre und volkswirtschaftliches Wachstum

Nach der neoklassischen Wachstumstheorie basiert volkswirtschaftliches Wachstum auf einer Erhöhung der Inputfaktoren, wie Arbeit und Kapital und dem technischen Fortschritt. Beispielsweise führt eine Erhöhung des Kapitaleinsatzes zu einer zunehmenden Kapitalintensität und dadurch zu einer Steigerung des Produktionsniveaus je Arbeitnehmer.[4]

In einer Volkswirtschaft wird das Kapital durch Sparen und Investieren akkumuliert.[5] Die Akkumulation erfolgt innerhalb des Finanzsystems, das sich aus Finanzmarktund Finanzintermediären zusammensetzt. Die Finanzintermediäre, wie beispielsweise Finanzmakler, Bank- und Versicherungsgesellschaften,fungieren in einem Finanzsystem als vermittelnde Institutionen zwischen Kapitalanbietern und Kapitalnachfragern.[6] In diesem Zusammenhang ist „ein Finanzintermediär eine Institution, die Kapital von den Anlegern entgegennimmt und an Kapitalnehmer weitergibt.“[7] Hierdurch wird ein Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage von Kapitalanbietern und Kapitalnachfragernmit unterschiedlichen Präferenzen hinsichtlich Menge, Risiko und Zeit ermöglicht (s. Abbildung 1).

Neben dieser Transformationsfunktion – die ebenfalls ein entwickelter Finanzmarkt leisten kann –wird durch Finanzintermediäre „das Geflecht von Vertragsbeziehungen […] vereinfacht“[8] und aufgrund von Skaleneffekten die Informations-, Überwachungs- und Kontrollkosten reduziert. Hierdurch werden Transaktionskosten und Informationsasymmetrien abgebaut und eine Harmonisierung von Kapitalangebot und Kapitalnachfrageerleichtert bzw. gefördert.[9]

2.2. Bankbetriebe und Bankensystem

Banken[10] in der Funktion als Finanzintermediäre erhalten von ihren Kunden Einlagen[11] und reichen dieses Kapital in Form von Krediten weiter (s. Abbildung 2). Entsprechend umfasst der allgemein gehaltene, ökonomische Bankenbegriff „alle Institutionen, die Bankgeschäfte tätigen“[12], wobei Einlagengeschäft, Kreditgeschäftund Zahlungsverkehr im Mittelpunkt der Betrachtung stehen.[13] Bankgesellschaften sind jedoch nicht nur auf die reine Vermittlung von Kapital beschränkt. Beispielsweise können Banken aufgrund der Fähigkeit, selbst Buchgeld (Giralgeld) zu schöpfen, ein Kreditvolumen vergeben, das die von den Kapitalgebern zur Verfügung gestellten Einlagen übersteigt.[14]

Darüber hinaus existieren in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur weitere Bankbegriffe, die sich durch verschiedene Betrachtungsweisen des Erfahrungsobjektes Bank unterscheiden.[15] Beispielsweise beschreibt der systemorientierte Bankenbegriff Bankbetriebe als „zielgerichtete offene sozio-technische Systeme […], die mit ihrer Umwelt durch ein Netz von Transaktionsbeziehungen […] verbunden sind.“[16]

Ausgehend von dieser Definition kann unter einem Bankensystem ein System verstanden werden, in dem die einzelnen Systemelemente als Finanzinstitutionen typische Bankgeschäfte tätigen und durch ein Netz von Transaktionsbeziehungensowohl untereinander als auch mit ihrer Umwelt verflochten sind.[17]

Abbildung 1: Finanzsystem und Finanzintermediäre

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: MISHKIN, Frederic S. (2007): S. 23 ff., eigene Darstellung

Abbildung 2: Leistungen von Banken in einer Volkswirtschaft

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an EILENBERGER, Guido (1996), HELLWIG, Martin (2000)

2.3. Risiken und Krisenanfälligkeit eines Bankensystems

Nach de Bandt ist eine Bankenkrise[18] ein systemisches Ereignis[19],bei dem eine wesentliche Anzahlvon Bankgesellschaften nicht mehr in der Lage ist, ihren Verpflichtungen bei Fälligkeit nachzukommen und hierdurch die Funktionsfähigkeit des Bankensystems stark beeinträchtigt wird.[20]

Ein systemisches Ereignis mit den Merkmalen einer Bankenkrise kann zum einen die unmittelbareFolge von negativ veränderten volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen und zum anderen die mittelbare Folge einem sequentiellen Ansteckungsprozess sein (s.Abbildung 3).

Daher werden im Rahmen dieser Arbeit für die Beurteilung der Risiken und der Krisenanfälligkeit eines Bankensystemsfolgende Punkte untersucht:

2.3.1 Schockabsorbtionsfähigkeit

Durch die Geldversorgung, die Abwicklung des Zahlungsverkehrs und die Bereitstellung von Finanzmitteln für Investitionen schafft ein funktionsfähiges Bankensystem die Voraussetzungen für den arbeitsteiligen Produktionsprozess innerhalb einer Volkswirtschaft.[21] Diese besondere Stellung führt dazu, dass alle volkswirtschaftlichen Bereiche durch eine Vielzahl von Transaktionsbeziehungen eng mit dem Bankensystem verflochten sind. Es entstehen wechselseitige Abhängigkeiten, die durch Rückkopplungseffekte zu sich selbst verstärkenden Reaktionen führen können.[22] Bedingt durch diese volkswirtschaftliche Verflechtung, ergeben sich für die Bankgesellschaften eine Vielzahl von Geschäftsrisiken.[23] Beispielsweise beinhaltet die „Eigentümlichkeit der bankbetrieblichen Leistung“[24] ein Liquiditätsrisiko, dass unter anderem im Falle eines Bank Run[25] zur Bankinsolvenz[26] führen kann. Allerdings ist das Eintrittsrisiko eines Bank Run in entwickelten Bankensystemen aufgrund einer Vielzahl von Schutzmechanismen als gering zu erachten.[27]

Je nach Ausprägung der Risikostruktur des Bankgeschäftes wirken diese allgemeinen Geschäftsrisiken unterschiedlich auf das bankbetriebliche Einkommen. Je sensitiver das bankbetriebliche Einkommen auf die Veränderung makroökonomischer Parameter reagiert, desto größer ist während einer volkswirtschaftlichen Abschwungphase das Insolvenzrisiko. Aus diesem Wirkungszusammenhang heraus, kann auf Systemebene unter Schockabsorbtionsfähigkeit[28] die Fähigkeit eines Bankensystems verstanden werden, im Falle einer Verschlechterung makroökonomischer Bedingungen mit keiner oder einer geringen Anzahl an Bankinsolvenzen zu reagieren.[29]

2.3.2 Systemisches Risiko

Mit zunehmendem Entwicklungsgrad eines Bankensystems nehmen auch die Verflechtungsstrukturen zwischen den einzelnen Banken in Form von liquiditätsbedingten Transaktionsbeziehungen (Interbankenhandel) zu, die ein ähnliches Störpotential wie die Bank-Kunden-Beziehung aufweisen.[30]

Das spezifische Risiko eines Bankensystems, dass durch diese Verflechtungsstrukturen zwischen den einzelnen Banken Bankeninsolvenzen übertragen werden (Ansteckung), wird systemisches Risiko bezeichnet und von der Europäischen Zentralbank (EZB) wie folgt definiert:

„Das Risiko, dass die Unfähigkeit eines Instituts, seinen Verpflichtungen bei Fälligkeit nachzukommen, dazu führt, dass auch andere Institute nicht mehr in derLage sind, ihre Verpflichtungen bei Fälligkeit zu erfüllen .“[31]

Entsprechend wird das systemische Risiko durch das Systemverhalten determiniert, das sich in etwaigen Bankinsolvenzen äußert. Das Systemverhalten wiederum wird durch die Verflechtungsstrukturen zwischen den Bankgesellschaften bestimmt. Sind diese Strukturen derart ausgestaltet, dass durch eine oder mehrere Bankeninsolvenzen eine Vielzahl von weiteren Bankeninsolvenzen folgt, so weist das Bankensystem ein hohes systemisches Risiko auf. Reagiert ein Bankensystem hingegen auf die Insolvenz einer oder mehrerer Banken nur mit wenigen weiteren Bankeninsolvenzen, ist das systemische Risiko schwach ausgeprägt.

Bei der Beurteilung des systemischen Risikos werden die negative Veränderungen von volkswirtschaftlichen Parametern als mögliche Ursache für Bankeninsolvenzen nicht näher betrachtet, sondern als exogener Schock dargestellt.[32]

Abbildung 3: Systemische Ereignisse im Bankensystem

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: DE BANDT, Olivier / HARTMANN, Philipp (2000): S. 12, eigene Darstellung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Entstehung von Bankenkrisen (vereinfachte Darstellung)

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an DE BANDT, Olivier / HARTMANN, Philipp (2000)

3. Beurteilungskonzept für die Risiken und die Krisenanfälligkeit eines Bankensystems

Staatliche Regulierungsinstitutionen, aber auch andere Institutionen, wie beispielsweise der International Monetary Fund (IMF), entwickelten in der Vergangenheit verschiedene Finanzstabilitätsindikatoren (Financial Soundness Indicators).[33] Auf der Grundlage von bilanzbasierten Kennzahlen sollte die Risikosituation einzelner Bankgesellschaften und daraus abgeleitet die Widerstandsfähigkeit des Bankensystems beurteilt werden. In den letzten Jahren mehrten sich jedoch die wissenschaftlichen Studien, in denen gezeigt wurde, dass anhand von Finanzstabilitätsindikatoren nur begrenzt Aussagen zu diesen beiden Aspekten möglich sind.[34]

Vor diesem Hintergrund wurden seit Anfang dieses Jahrzehnts eine Vielzahl von weiteren Analysemethoden entwickelt, die Informationen zur Schockabsorbtionsfähigkeit einzelner Finanzinstitutionen bzw. zur Widerstandsfähigkeiteines Bankensystems als Ganzes liefern sollen.

3.1. Indikatoren zur Schockabsorbtionsfähigkeit

Zu den neueren Untersuchungsmethodenzählen verschiedene Analyseverfahren, die sowohl auf der bankbetrieblichen als auch auf der banksystemischen Ebene durchgeführt werden können und unter dem Begriff Stresstest zusammengefasst sind.[35] Hierunter sind Analysetechniken zu verstehen, „die auf die Bestimmung und Bewertung von Risikoquellen und Schwachstellen im Portfolio von Finanzinstitutionen für den Fall abzielen, dass sich das makroökonomischeUmfeld gravierend ändert oder andere außergewöhnliche, aber plausible Situationen (Schocks) eintreten.“[36]

Im Vergleich zu bilanzbasierten Kennzahlen liefern Stresstests wesentlich genauere Ergebnisse. Allerdings sind hierfür computergestützten Simulationen notwendig, in die umfangreiche makroökonomische und bankbetriebliche Datensätze einfließen. Daher ist die Durchführung eines Stresstestes im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich.

Um trotzdem dem aktuellen Wissenstand Rechnung zu tragen, werden für die weitere Untersuchung zwei bilanzbasierte Finanzstabilitätsindikatoren verwendet, die laut IMF zumindest eine grobe Eingrenzung möglicher Risikobanken innerhalb eine Bankensystems ermöglichen. Bei diesen Kennzahlen handelt es sich um die Eigen- und Gesamtkapitalrentabilität, die das Verhältnis von Jahresertrag zum Eigen- bzw. Gesamtkapital angeben:[37]

Return on Equity (ROE)

= Eigenkapitalrentabilität (in %)

= Periodenerfolg / durchschnittlich gebundenes Eigenkapital

Return on Assets (ROE)

= Gesamtkapitalrentabilität (in %)

= Periodenerfolg / durchschnittlich gebundenes Gesamtkapital

Als Begründung für eine mögliche Aussagefähigkeitvon Rentabilitätskennziffern hinsichtlich der bankbetrieblichen Risikolage nennt der IMF die Abhängigkeit von Rendite und Risiko. Demnach sind Bankgesellschaften mit höheren Rentabilitäten auch höhere Geschäftsrisiken eingegangen. Verändert sich nun das makroökonomische Umfeld in gravierender Weise, sind diese Banken anfälliger für Insolvenzen.[38]

Tabelle 1: IMF-Untersuchung hinsichtlich der Aussagefähigkeit von bilanzbasierten Finanzstabilitätsindikatoren

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: International Monetary Fund (2009): S. 5

3.2. Netzwerkanalyse zur Identifizierung des systemischen Risikos

Neben den Stresstest-Verfahren wurdenwährend derletzten Jahre in den Wirtschaftswissenschaften weitere Methoden entwickelt,[39] die das systemische Risiko innerhalb eines Bankensystems zum Untersuchungsgegenstand haben. Eine dieser Methoden ist die Netzwerkanalyse, mit deren Hilfe schon in anderen wissenschaftlichen Disziplinen Systemverhalten simuliert wird. Aktuell existieren mehrere wirtschaftwissenschaftliche Arbeiten, die mit diesem Ansatz die Verflechtungen zwischen einzelnen Banken auf nationaler undinternationaler Ebene untersuchen[40].

Beispielsweise die Analyse von Elsinger, Lehar und Summer, die auf einem Netzwerkmodell des österreichischen Interbankenmarktes basiert. Innerhalb dieses Modells wird anhand der Aktiva und Passiva der einzelnen Banken eine Struktur von Interbankverpflichtungen bestimmt, aus der dann für verschiedene Szenarien mögliche Zahlungsverläufe ermittelt werden können.[41] Da dieser Ansatz zum einen relativ leicht verfügbare Daten in Form von Bilanzahlen der einzelnen Bankgesellschaften erfordert und zum anderen bei einem Modell mit einer relativ geringen Anzahl von Banken keine spezielle Berechnungs-Software benötigt, wird dieser Ansatz in dervorliegenden Arbeit verwendet.

3.2.1 Netzwerkmodell eines vereinfachten Bankensystems

Als Grundlage für die Untersuchung von Verflechtungen einzelner Bankgesellschaften dient Elsinger, Lehar und Summer ein Netzwerkmodell von Eisenberg und Noe[42], das im Folgenden anhand eines vereinfachten Beispiels erläutert ist:[43]

Innerhalb eines Bankensystems, das aus drei Banken besteht, sind die Verpflichtungen aus dem Interbankenmarkt bekannt, so dass sich die Forderungen und Verbindlichkeiten der einzelnen Banken zu den jeweils anderen Banken als Matrix darstellen lassen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Zeilen stellen die Verbindlichkeiten der einzelnen Banken gegenüber den anderen beiden Banken dar. So hat beispielsweise Bank zwei bei Bank eins Verbindlichkeiten in Höhe von drei Einheiten und bei Bank drei Verbindlichkeiten in Höhe von einer Einheit.

Entsprechend lassen sich aus den Spalten die Forderungen der einzelnen Banken gegenüber den anderen Banken ablesen. Die Diagonalwerte betragenNull, da die Banken keine Verpflichtungen mit sich selbst eingehen können.

Das Einkommen, das die drei Banken neben ihrer Tätigkeit am Interbankenmarkt aus ihren Aktiva und Passiva erzielen, lässt sich als Vektor darstellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Innerhalb dieses Systemmodells können nun die Auswirkungen einer Veränderung der Einkommenssituation auf die Zahlungsströme der einzelnen Banken aus dem Interbankengeschäft untersucht werden. Zuerst jedoch muss die Matrix L so umgeschrieben werden, dass die jeweiligen Zelleneinträge in einer Zeile durch die Gesamtverbindlichkeiten der entsprechenden Bank normiert werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Angenommen die neue Einkommenssituation sei:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dann lässt sich der Nettowert der Banken wie folgt beschreiben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es zeigt sich, dass Bank zwei bei einer vollständigen Erfüllung ihrer Verpflichtungen einen negativen Wert annehmen würde und demnach insolvent wäre.

Da das Modell keine internen und externen Finanzierungsquellen zulässt, kann eine Bank ihre Verbindlichkeiten nur aus ihren Einnahmen bedienen. Folglich können die Auszahlungen einer Bank maximal ihren Einnahmen entsprechen. So ergibt sich für die obige Rechnung, dass Bankzwei statt vier Einheiten nur zwei Einheiten an die anderen Banken anteilsmäßig auszahlt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die anderen beiden Bankenerhalten jetzt von Bank zwei nur eine anteilsmäßige Zahlung. Bei Bank drei führt das dazu, dass sie bei vollständiger Erfüllung ihrer Verpflichtungen ebenfalls einen negativen Wert annehmen würde. Auch hier erfolgt wieder eine neue Berechnung, die berücksichtigt, dass die Auszahlungen von Bank drei maximal ihrengesamten Einnahmen entsprechen können. Die Auszahlungen von Bank drei würden um eine halbe Einheit reduziert und es erfolgt eine anteilsmäßige Auszahlung an die anderen Banken,usw..

In der Arbeit von Eisenberg und Noe (2001) wurde dieses Beispiel verallgemeinert und bewiesen, dass mit dem beschriebenen Algorithmus in Modellen dieser Art immer Vektoren bestimmt werden können, die zu einem Ausgleich der Verpflichtungen führen.[44]

4. Überblick Finanzsystem China

Seit Beginn der Öffnungs- und Reformpolitik Ende der 1970er Jahre ergreift die chinesischen Regierung Maßnahmen, um das Finanzsystem grundlegend umzubauen. Mit der Umstellung von einem Monobankensystem hin zu einem Geschäftsbankensystem im Jahre 1984 und einerschrittweisen Umstellung von der Dotationsfinanzierung zur Kreditfinanzierung[45] wurden grundlegende Bestandteile eines marktwirtschaftlichen Bankensystems eingeführt.

Als Alternative zur Allokation von finanziellen Mitteln durch das Bankensystem wurde ein Kapitalmarkt errichtet. Jedoch konnte – anders als bei den Bankenreformen – für den Aufbau eines Kapitalmarktes nicht auf bestehende Strukturen eines Aktienmarktes aus der planwirtschaftlichen Phase bzw. nur auf rudimentäre Anleihenmärkte zurückgegriffen werden.[46] Obwohl die Entwicklung des Kapitalmarktsektors in den letzten Jahren weiter voran geschritten ist, ist das chinesische Finanzsystem nach wie vor bankendominiert (s. Abbildung 5).

Abbildung 5: Sektorale Verteilung von Vermögenswerten im chinesischen Finanzsystem (2007)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vermögenswerte der Finanzinstitutionen gesamt: 77,39 Billionen RMB

Quelle: People’s Bank of China (2009): S. 135, eigene Darstellung

4.1 Struktur des chinesischen Bankensystems

Aktuell weist das chinesische Bankensystem alle wesentlichen strukturellen Merkmale eines marktwirtschaftlichen Bankensystems auf (s. Abbildung 7). Dennoch sind einige chinaspezifische Besonderheiten zu erkennen. So ist beispielsweise trotz zunehmender Privatisierungeinzelner Bankgesellschaften[47] eine „massive staatliche Intervention“[48] innerhalb des Bankensystems zu beobachten.

Hinsichtlich der Marktkonzentration hat der Anteil der vier größten Banken – in China repräsentiert durch die vier großen State-Owned Banks (SOB) – zwar in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen,[49] befindet sich dennoch mit 51,92% auf einem relativ hohen Niveau.[50] Unter den 8877 Bankinstitutionen, die laut der China Banking Regulatory Commission (CBRC) in ihrer Gesamtheit den chinesischen Bankensektor darstellen, bildet die Gruppe der Joint-Stock Commercial Banks (JSCB) ein weiteres auffälliges Gewicht (s. Abbildung 6).

Abbildung 6: Zusammensetzung des chinesischen Bankenmarktes nach Bilanzsumme (2007)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bilanzsumme aller Banken am chinesischen Bankenmarkt: 52.,62 Billionen RMB

Quelle: People’s Bank of China (2009): S. 139-148, eigene Berechnungen

Abbildung 7: Struktur des chinesischen Bankensystems (2007)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: China Banking Regularory Commission (2008): S. 29, eigene Darstellung

4.2 Interbankenmarkt

Zu Beginn der Reformperiode erhielten die einzelnen Bankgesellschaften als staatliche Banken fast ausschließlich ihre Finanzmittel aus Haushaltszuweisungen. Durch weitere Reformen wurde jedoch eine Vielzahl von Restrukturierungs- und Liberalisierungsmaßnahmen durchgeführt, die den Banken mehr Selbstständigkeit einräumte. Beispielsweise wurden die Mittelzuweisungen aus dem Staatsbudget kontinuierlich reduziert, so dass die Banken die erforderlichen Kapitalmittel zunehmend über das Einlagengeschäft oder im Rahmen eines rudimentären Interbankhandels aufbringen mussten.[51]

Vor allem in den letzten Jahren hat das Handelsvolumen am Interbankenmarkt kontinuierlich zugenommen (s. Abbildung 8 & 9), so dass die Liquiditätsbeschaffung durch den zwischenbanklichen Handel ein zunehmend wichtiger Baustein in der bankbetrieblichen Liquiditätsplanung wird.

Abbildung 8: Entwicklung des Handelsvolumens im chinesischen Interbankhandel (2004 – 2007)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Angaben im 100 Mio. RMB

Quelle: People’s Bank of China (2008): S. 125, eigene Darstellung

[...]


[1] Vgl. EILENBERGER, Guido (1996): S. 27

[2] Vgl. HELLWIG, Martin (2000): S. 20

[3] Vgl. DE BANDT, Olivier / HARTMANN, Philipp (2000)

[4] Vgl. DORNBUSCH, Rüdiger / FISCHER Stanley / STARTZ, Richard (2003): S. 70 ff.

[5] Vgl. DORNBUSCH, Rüdiger / FISCHER Stanley / STARTZ, Richard (2003): S. 60 ff.

[6] Vgl. MISHKIN, Frederic S. (2007): S. 23 ff.

[7] HARTMANN-WENDELS, Thomas / PFINGSTEN, Andreas / WEBER, Martin (1998): S. 3.

[8] HELLWIG, Martin (2000): S. 16

[9] Vgl. HELLWIG, Martin (2000): 15 f.

[10] Im Rahmen dieser Arbeit werden die Begriffe Bank, Bankbetrieb und Bankgesellschaft als Synonym verwendet.

[11] Im Rahmen dieser Arbeit werden die Begriffe Einlagen und Depositen als Synonym verwendet.

[12] POLLERT, Achim / KIRCHNER, Bernd / POLZIN, Javier M. (2004 a): S. 384

Vgl. auch: POLLERT, Achim / KIRCHNER, Bernd / POLZIN, Javier M. (2004 b): S. 385: Laut dem deutschen Kreditwesengesetz wird zwischen folgenden Bankgeschäften unterschieden: 1. Einlagengeschäft; 2. Kreditgeschäft; 3. Diskontgeschäft; 4. Effektengeschäft; 5. Depotgeschäft; 6. Investmentgeschäft; 7. Garantiegeschäft; 8. Girogeschäft

[13] Vgl. EILENBERGER, Guido (1996): S. 11

[14] Vgl. EILENBERGER, Guido (1996): S. 27, siehe auch Abbildung 2

[15] Vgl. EILENBERGER, Guido (1996): S. 11 ff.: Ausführliche Darstellung des technischen, strukturellen und systemorientierten Bankenbegriffs.

[16] EILENBERGER, Guido (1996): S. 13

[17] In einem weiter gefassten Verständnis können die staatlich gesetzten Rahmenbedingungen und Regulierungsinstitutionen in die Definition eines Bankensystems mit einbezogen werden.

[18] Siehe auch Abbildung 4

[19] Vgl. DE BANDT, Olivier / HARTMANN, Philipp (2000): S. 10 f.: Im Allgemeinen ist ein systemischen Ereignis ein Ereignis, in der die finanzielle Schieflage oder die Veröffentlichung negativer Unternehmensnachrichten einer Bank in einem sequenziellen Prozess zu erheblichen negativen Auswirkungen bei anderen Bankgesellschaften führt. Zeigt sich die finanzielle Schieflage als Insolvenz, ist das systemische Ereignis stark ausgeprägt. Führt dieses auf Grund der Verflechtungen zwischen den einzelnen Bankgesellschaften zu weiteren Bankinsolvenzen, so handelt es sich um ein weites systemisches Ereignis. Darüber hinaus bezeichnet De Bandt eine Situation ebenfalls als weites systemisches Ereignis, in der eine wesentliche Anzahl von Bankinsolvenzen unmittelbar durch veränderte volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen ausgelöst wird (Systemkrise).

[20] Vgl. DE BANDT, Olivier / HARTMANN, Philipp (2000): S. 11: „ A systemic crisis […] can be defined as a systemic event that affects a considerable number of financial institutions or markets in a strong sense, thereby severely impairing the general well-functioning (of an important part) of the financial system. The well-functioning of the financial system relates to the effectiveness and efficiency with which savings are channelled into the real investments promising the highest returns. For example, a systemic financial crisis can lead to extreme credit rationing of the real sector (credit crunch)“.

[21] Vgl. EILENBERGER, Guido (1996): S. 27

[22] Vgl. HELLWIG, Martin (2000): S. 20

[23] Vgl. Deutsche Bundesbank (2008) S. 104: Unter anderem Markt-, Kredit- und Zinsänderungsrisiken

[24] EILENBERGER, Guido (1996): S. 178

[25] Vgl. HARTMANN-WENDELS, Thomas / PFINGSTEN, Andreas / WEBER, Martin (1998): S. 251 ff.: Die Depositen, die eine Bank von ihren Kunden erhält, unterliegen keiner zeitlichen Beschränkung. Ein vollständiger Abzug der Depositen ist daher jederzeit möglich, jedoch unwahrscheinlich. Folglich hält die Bank für mögliche Einlagenauszahlungen nur einen Teil der Einlagen als Reserve in Form liquider Mittel. Der größere Teil der Einlagen wird als Kredite weiter gereicht. Sehen nun die Depositengeber ihre Einlagen bei der Bank als gefährdet an, führt dies zu einem plötzlichen und umfangreichen Abzug der Einlagen (Bank Run). Übersteigt die Höhe der abgezogenen Einlagen die Liquiditätsreserve, muss die Bank zusätzliche liquide Mittel beschaffen, beispielsweise durch die Rückforderung von Krediten. Aufgrund der Fristentransformation ist dies nicht in dem Maße möglich, wie es für eine vollständige Auszahlung der Einlagen nötig wäre. Die Bank kann ihren fälligen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen und wäre unabhängig von ihrer ursprünglichen Bonität insolvent. Vgl. auch DE BANDT, Olivier / HARTMANN, Philipp (2000): S. 14: Entscheidend für diese Art von Verhalten der Depositengeber ist weniger die fundamentale Lage der betroffenen Banken, sondern vielmehr die negativen Erwartungen der Depositengeber hinsichtlich der Bankbonität. Sofern es sich um eine Fehleinschätzung seitens der Depositengeber handelt, kann die Bankeninsolvenz erst hierdurch ausgelöst werden und die Einschätzung im Nachgang erfüllen (Self Fulfilling Prophecy).

[26] Vgl. STAUB, Markus (1999): S. 196: Allgemein wird eine Situation, in der ein Unternehmen seinen Verbindlichkeiten bei Fälligkeit nicht oder nicht vollständig nachkommen kann, als Insolvenz oder auch Zahlungsunfähigkeit bezeichnet. Illiquidität ist eine vorübergehende Zahlungsunfähigkeit, die im Mangel an liquiden Mitteln begründet ist. Ein weiterer Begriff, der in diesem Zusammenhang häufig verwendet wird, ist der Begriff Überschuldung, unter dem ein dauerhafter Zustand der Zahlungsunfähigkeit verstanden wird, in dem die Bilanzpassiva die Bilanzaktiva übersteigen (negatives Eigenkapital).

[27] Vgl. STAUB, Markus (1999): S. 197: Z. B. Einlagensicherungssysteme

[28] Dem gegenüber steht die Schockanfälligkeit als Risiko, dass ein Bankensystem im Falle einer Verschlechterung der makroökonomischen Bedingungen mit einer Vielzahl von Bankeninsolvenzen reagiert.

[29] Vgl. Deutsche Bundesbank (2008) S. 99 ff.

[30] Vgl. EILENBERGER, Guido (1996): S. 178 ff.: Die Transaktionsbeziehungen vollziehen sich auf dem inländischen Geldmarkt und können unter dem Begriff Interbankenmarkt zusammengefasst werden. Banken können hier überschüssige Liquidität bereitstellen, die von Banken mit kurzfristigen Liquiditätsengpässen nachgefragt wird. Die Banken gehen kurzfristige Verpflichtungen in Form von Forderungen und Verbindlichkeiten ein. Vgl. auch STAUB, Markus (1999): S. 197: Eine Störung des Vertrauensverhältnisses zwischen den einzelnen Banken kann nun dazu führen, dass fällige Verpflichtungen nicht verlängert werden und neue Verpflichtungen ausbleiben. Dieses Verhalten kann ebenfalls wie bei einem Bank Run die Insolvenz einer oder mehrerer Banken auslösen und wird daher als Interbank Run bezeichnet.

[31] EZB (2004): S. 242

[32] Vgl. DE BANDT, Olivier / HARTMANN, Philipp (2000): S. 12 ff.

[33] Vgl. IMF (2006) S.1 ff.

[34] Vgl. IMF (2009): S. 4 ff.: Diese Studien nahm der IMF zum Anlass, die Financial Soundness Indicators zu überprüfen. Es wurden anhand ausgewählter Indikatoren Geschäfts- und Investmentbanken, bei denen aufgrund einer finanziellen Schieflage während der letzten Weltfinanzkrise staatlich interveniert wurde (unter anderem Royal Bank of Scottland, UBS, Bank of America, Commerzbank, Lehmann Brothers, Morgan Stanley) mit Banken ohne Staatseingriff verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Banken mit staatlicher Intervention bei den meisten Indikatoren “bessere“ Werte aufweisen als die Banken ohne staatliche Intervention (s. Tabelle 1). Folglich ließ sich im Vorfeld anhand dieser Kennzahlen die dann folgende finanzielle Schieflage der jeweiligen Banken nicht vorhersagen.

[35] Vgl. Deutsche Bundesbank (2008) S. 100

[36] Deutsche Bundesbank (2008): S. 100

[37] Vgl. IMF (2009): S. 4 ff.: Bei der Überprüfung von verschiedenen Finanzstabilitätsindikatoren stellte der IMF fest, dass unter bestimmten Annahmen diese beiden bilanzbasierten Kennzahlen Auskunft zu der Risikosituation der jeweiligen Bank geben können. Innerhalb der Untersuchung wurde beobachtet, dass die Banken, bei denen staatlich interveniert wurde, höhere Rentabilitäten aufwiesen als die Banken ohne staatlichen Eingriff.

[38] Vgl. IMF (2009): S. 5 f.

[39] Für eine Übersicht siehe. IMF (2009): S. 2 f.

[40] Beispielsweise IMF (2009) für internationale Verflechtungen von ausgewählten Bankgesellschaften

[41] Vgl. ELSINGER, Helmut / LEHAR, Alfred / SUMMER, Martin (2002): S. 1 ff.

[42] Vgl. EISENBERG, Larry / NOE, Thomas H. (1999) : S. 1 ff.

[43] Vgl. ELSINGER, Helmut / LEHAR, Alfred / SUMMER, Martin (2002): S.86 ff.

[44] Vgl. EISENBERG, Larry / NOE, Thomas H. (1999): S. 1 ff.

[45] Vgl. KLENNER, Wolfgang (2006): S. 39 ff.

[46] Vgl. KLENNER, Wolfgang (2006): S. 54 ff.

[47] Vgl. Ministry of Commerce (2007): Seit 2006 erfolgten Börseneinführungen der drei großen Staatsbanken Bank of China, der China Construction Bank, der Industrial and Commercial Bank of China und mehrerer Joint-Stock Commercial Banks. Börseneinführungen von einigen City Commercial Banks sind in Vorbereitung.

[48] GARCÍA-HERRERO, Alicia / GAVILÁ, Sergio / SANTABÁRBARA (2006): S. 304

[49] Vgl. GARCÍA-HERRERO, Alicia / GAVILÁ, Sergio / SANTABÁRBARA (2006): S. 307

[50] Vgl. China Banking Regulatory Commission (2008): S. 29

[51] Vgl. KLENNER, Wolfgang (2006): S. 39 ff.

Details

Seiten
67
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783842803596
Dateigröße
5.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v228005
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Ostasienwissenschaft, Sektion Wirtschaft Ostasiens
Note
1,0
Schlagworte
china bankensystem finanzkrise risiko netzwerkmodell

Autor

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Titel: Das chinesische Finanzsystem