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Demografischer Wandel in Deutschland und seine Bedeutung für die niedersächsische Landesverwaltung

Schwerpunkt Personalbedarfsdeckung

Diplomarbeit 2010 57 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeines zum Thema Demografie

3. Demografischer Wandel in Deutschland

4. Allgemeines zur niedersächsischen Landesverwaltung
4.1. Struktur der Landesverwaltung
4.2. Personalbestand
4.3. Laufbahnen

5. Bisherige Personalbedarfsdeckung der Verwaltung
5.1. Ausbildung im öffentlichen Dienst
5.1.1 Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten
5.1.2. Weitere Ausbildungsmöglichkeiten
5.2. Weitere externe Personalbedarfsdeckung
5.3. Interne Personalbedarfsdeckung
5.3.1. Personalbedarfsdeckung ohne Personalbewegung
5.3.2. Personalbedarfsdeckung mit Personalbewegung

6. Bisherige Personalentwicklung in der Verwaltung
6.1. PE beim Studieninstitut Niedersachsen (intern)
6.2. Externe PE-Maßnahmen

7. Anforderungen an die Verwaltung hinsichtlich des demografischen Wandels
7.1. STEP 1 - Personalgewinnung
7.1.1. Ausbildung
7.1.2. Externe Personalbedarfsdeckung
7.1.2.1. Initiativbewerbungen
7.1.2.2. Personalleasing
7.1.2.3. Stellenanzeigen in Printmedien
7.1.2.4. Hochschulmarketing
7.1.2.5. Öffentlichkeitsarbeit
7.1.2.6. Employer Branding
7.1.2.7. Headhunting
7.1.2.8. Weitere Faktoren des Personalmarketings
7.1.3. Interne Personalbedarfsdeckung
7.1.3.1. Personalbedarfsdeckung ohne Personalbewegung
7.1.3.2. Personalbedarfsdeckung mit Personalbewegung
7.1.4. Anpassung der Einstellungsvoraussetzungen
7.2. STEP 2 – Personalentwicklung
7.2.1. Interne Personalentwicklung
7.2.2. Externe Personalentwicklung
7.3. STEP 3 - Personalerhalt
7.3.1. Gehalt
7.3.2. Arbeitszeit
7.3.3. Weitere non-monetäre Maßnahmen
7.4. STEP 4 - Ausstattung von Arbeitsplätzen
7.4.1. Möbel
7.4.2. Technik

8. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 - Statistisches Bundesamt, Bevölkerungspyramiden in Deutschland 1970 - 2010 - 2030 (2009)

Abb. 2 - Statistisches Bundesamt, Demografische Entwicklung (2009)

Abb. 3 - Entwicklung der Geburtenraten in Deutschland

Abb. 4 - Altersstruktur im LZN

Abb. 5 - Niedersachsen - Karte http://cdl.niedersachsen.de/blob/images/C1456162_L20.jpg

Abb. 6 - Aufbau der unmittelbaren Landesverwaltung http://www.mi.niedersachsen.de/cda/pages/printpage.jsp?C =8008136&N=13789&L=20&D=0&1=522

Abb. 7 - Aufbau der mittelbaren Landesverwaltung http://www.mi.niedersachsen.de/cda/pages/printpage.jsp?C =8008136&N=13789&L=20&D=0&1=522

Abb. 8 - Laufbahnen-Gegenüberstellung, vom Autor erstellt

Abb. 9 - STEP 4, Grafische Darstellung, vom Autor erstellt

1. Einleitung

- Zukunft - das ist die Zeit, in der du bereust,

dass du das, was du heute tun konntest, nicht getan hast!“

(Verfasser unbekannt)

Die Demografie hat sich in den vergangenen Jahren zu einem bedeutendem Instrument und Index in der Arbeitswelt entwickelt. Waren die hieraus gewonnenen Werte in der Vergangenheit zwar nicht unbedeutend, so hat sich ihr Stellenwert doch grundlegend verändert. Den Angaben zur Demografie, in Deutschland herausgegeben vom Statistischen Bundesamt, wird nun ein erhöhtes Augenmerk geschenkt.

Die Entwicklungen der Altersstrukturen in der Bundesrepublik geben Anlass zur Sorge, in wie weit die Strukturen der Arbeitswelt in Deutschland, besonders im Hinblick auf die Personalbedarfsdeckung, den kommenden Anforderungen gewachsen sein werden. Als Folge der geburtenschwachen Jahrgänge wird sich das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Nichterwerbstätigen zu Gunsten der Nichterwerbstätigen verschieben. Mit der Konsequenz eines zu erwartenden Fachkräftemangels. Als zweite Ursache, welcher eine große Bedeutung im Hinblick auf den steigenden Anteil der älteren Bevölkerung beigemessen wird, lässt sich der fortwährende Anstieg der Lebenserwartung nennen[1].

Nach Angaben der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder kommen in der Bundesrepublik im Jahr 2030 auf 100 Personen im erwerbstätigen Alter (20 - 65 Jahre) bereits 50 Personen im Rentenalter (ab 65 Jahren)[2]. Diese Zahlen belegen deutlich, dass in den nächsten Jahren Maßnahmen getroffen werden müssen, um für die bevorstehenden Veränderungen entsprechende Lösungen zu finden. Darüber hinaus haben diese Veränderungen auch Einfluss auf die sozialen Leistungen in Deutschland, wie z. B. Renten / Pensionen sowie Steueraufkommen durch Einkommenssteuern.

Der Demografische Wandel bietet den Beteiligten auf dem Arbeitsmarkt jedoch auch Chancen. Die Arbeitgeber werden sich einer Überprüfung und Optimierung ihrer bisherigen Maßnahmen zur Personalbeschaffung nicht verschließen können. Für qualifizierte Arbeitnehmer kämen evtl. entsprechende gute Perspektiven für den beruflichen Werdegang in Frage. Denkbar ist, dass sie künftig bessere Verhandlungsoptionen im Vergleich zu Ihren Arbeitgebern des ö. D. aufweisen können, da auch die Privatwirtschaft geeignetes Personal benötigt. Die Veränderung weg von einem Arbeitgebermarkt hin zu einem Arbeitnehmermarkt wird eine Konsequenz des Wandels sein[3]. Ein positiver Aspekt sei an dieser Stelle noch vermerkt: Der Wandel wird nicht urplötzlich von einem Tag auf den anderen auftreten und so bleibt den Arbeitgebern und -nehmern Zeit sich systematisch und gezielt vorzubereiten[4]. Zu dem eben Genannten ist ein Verweis auf das eingangs aufgeführte Zitat angebracht. Dort findet sich die Kernaussage wieder, dass man bereits frühzeitig Regelungen und Vorsorge treffen muss, damit in der Zukunft eine unzureichende Auseinandersetzung mit der Problematik des demografischen Wandels erst gar nicht eintritt.

In dieser Diplomarbeit wird schwerpunktmäßig die Personalbedarfsdeckung für die Landesverwaltung in Niedersachsen behandelt. Wenn weniger qualifizierte Kandidaten auf dem Arbeitsmarkt verfügbar sind, wird es auch für die Verwaltung im ö. D. darauf ankommen, wie sich ein auftretender Personalbedarf decken lassen kann. Die Arbeitgeber im öffentlichen Dienst werden in den folgenden Jahrzehnten in einem noch engeren Konkurrenzverhältnis zu den Unternehmen der freien Wirtschaft stehen, wenn es um die Gewinnung von geeigneten Mitarbeitern geht. Beide Seiten werden mittels der zur

Verfügung stehenden Möglichkeiten versuchen sich entsprechend positiv als Arbeitgeber zu positionieren. Der ö. D. kann sicherlich noch von einigen Maßnahmen, die derzeit eher in der freien Wirtschaft verbreitet sind, profitieren. Hierzu sind das Employer Branding, verstärktes Hochschulmarketing oder ein gezieltes Headhunting nennenswert.

In Teilen dieser Arbeit fließen neben der allgemeinen Informationsbeschaffung aus diversen Quellen aus der Literatur und Gesetzen auch Kenntnisse und Erfahrungen des Autors ein.

Die nachfolgenden Kapitel bauen nach einem konkreten Schema aufeinander auf.

Beginnend mit allgemeinen Informationen rund um das Thema Demografie, folgen einige Daten und Fakten zum Bundeslandes Niedersachsen und einem kurzen Einblick in den Aufbau der dortigen Landesverwaltung, inkl. Personalbestand. Diese Angaben dienen dem leichteren Verständnis über Aspekte, welche nicht unbedingt allgemein bekannt sind, so z. B. die verschiedenen Laufbahnen im öffentlichen Dienst. Aber auch als Einstieg in die Thematik erscheint diese Gliederung sinnvoll. Eine Grafik im Bezug auf die Demografie in der Verwaltung, an Hand von Daten des Logistik Zentrum Niedersachsen (LZN), wird als ein Beispiel aus der aktuellen Praxis aufgeführt.

Weitergehend wird auf die bisherigen Wege der Personalbedarfsdeckung und der Personalentwicklung in der nds. Landesverwaltung eingegangen, bevor der Blick auf die möglichen Methoden gerichtet wird. Dabei werden Varianten aufgezeigt, die für den ö. D. Optionen für eine Personalbedarfsdeckung darstellen können. Der Bereich des

Erhalts der Beschäftigten wird ebenfalls in einem eigenen Gliederungspunkt wiedergegeben, auf den im späteren Verlauf noch eingegangen wird. In einem kurzen Abschnitt am Ende dieser Ausarbeitung, erfolgt eine Betrachtung bezüglich der Ausstattung von Bildschirmarbeitsplätzen mit adäquater Technik und Möbeln.

Die Abschnitte im Punkt 7. werden durch ein hierfür erdachtes Akronym dargestellt:

STEP, englisch für Schritt, steht in diesem Sinne für ‚ St rategien für eine e rfolgreiche P ersonalbedarfsdeckung‘. Zwar werden in der Diplomarbeit keine konkret definierten Strategien aufgezeigt, jedoch potentielle Schritte / Methoden für eine Personalbedarfsdeckung, welche auch für die Gegebenheiten in der Landesverwaltung als geeignet scheinen. Somit kann das eben Erwähnte, nämlich die Darstellung bzw. Erwähnung möglicher Instrumente für eine künftige Personalbedarfsdeckung, als die hauptsächliche Zielsetzung für diese Arbeit angesehen werden.

2. Allgemeines zum Thema Demografie

Im Anschluss an die vorstehende Einleitung dieser Diplomarbeit folgen im Verlauf dieses Abschnittes Informationen zum Thema Demografie. Jedoch noch nicht konkret auf das Thema dieser Diplomarbeit fokussiert, sondern allgemein gehalten.

Der demografische Wandel beschreibt die Entwicklung einer Bevölkerung u. a. im Hinblick auf deren Aufbau nach Angaben über das Alter und Geschlecht.

Der Begriff Demografie ist griechischen Ursprungs: Demo + graphie = Bevölkerung + Lehre. Sie stellt eine wissenschaftliche Disziplin dar und bezeichnet die Erforschung des Zustandes der Bevölkerung und deren zahlenmäßigen Veränderungen[5]. Die Ergebnisse hieraus konzentrieren sich in weiten Teilen auf die im Folgenden genannten[6]. Dies wären zum einen die räumlichen Bevölkerungsbewegungen (Explizit: die Verlagerung der Wohnsitze vom Land in die Städte) und zum anderen die natürlichen Bewegungen durch Geburten und Sterbefällen.

Darüber hinaus kann die Demografie hilfreiche Informationen über die Entwicklung einer Bevölkerung im Hinblick auf die existierende Altersstruktur liefern. Aussagekräftige Werte lassen sich sowohl für vergangene Zeiten, als auch für die Gegenwart gewinnen und entsprechend interpretieren. Mittels der Ergebnisse aus diesen Studien können Ausblicke auf zukünftige Erfordernisse gewonnen werden. So sind die möglichen Konsequenzen aus den „zweiten geburtenschwachen Jahrgängen“[7] (seit ca. 1965), im Hinblick auf die Altersstruktur der Erwerbstätigen, durch die Demografie plakativ darzustellen.

Das Statistische Bundesamt (Destatis) mit Hauptsitz in Wiesbaden zeichnet für die

Erhebung der relevanten demografischen Daten sowie deren Auswertung in Deutschland verantwortlich. Länderübergreifend ist noch das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaft (EuroStat) in Luxemburg, als Pendant zum Bundesamt, zu erwähnen.

3. Demografischer Wandel in Deutschland

Welche Schlüsse ergeben sich konkret aus der Demografie für die Bundesrepublik? Derartige Aspekte werden in diesem Kapitel behandelt.

In Deutschland existiert seit ca. 1965[8] bzw. 1970[9] ein Rückgang der Geburtenrate oder auch im Bereich der Demografie als Fertilität bezeichnet, der wie in den nachfolgenden Grafiken erkennbar ist, bis in die heutige Zeit anhält.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bevölkerungspyramiden in Deutschland 1970 - 2010 - 2030[10]

Aus den Grafiken lässt sich zudem herauslesen, dass das Durchschnittsalter der

Erwerbstätigen in den nächsten Jahren stark ansteigen wird. Als Anmerkung an dieser Stelle wird noch einmal auf die Angaben bzgl. des Verteilungsverhältnisses zwischen erwerbstätigen und nichterwerbstätigen Personen des Statistischen Bundesamtes unter Punkt 1. - Einleitung hingewiesen (Seite 1).

Exemplarisch werden für die Entwicklung der Demografie im Nachgang einige Daten des Statistischen Bundesamtes[11] erwähnt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Demografische Entwicklung in Deutschland

Hieraus wird ersichtlich, dass der Anteil der Erwerbstätigen (20 – 64 Jahre) an der Gesamtbevölkerung stetig sinken wird. Speziell die Berechnungen hinsichtlich der unter 20-jährigen, also den künftigen Arbeitnehmern, nehmen für den Ausblick auf die Gestaltung und Aufrechterhaltung eines funktionierenden Arbeitsmarktes in Deutschland eine besondere Stellung ein.

Das Herabsinken der Geburtenzahlen ist bereits seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert nachgewiesen[12] und nicht ein auf Deutschland konzentriertes Phänomen. Derartige Beobachtungen werden auch in den anderen Industrienationen (wie z. B. USA, Großbritannien) festgestellt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts brachten Frauen durchschnittlich 4,6 Kinder auf die Welt. Im Jahre 1915 verzeichnen die Statistiken gar einen Wert von nur noch 2,9 Kindern. Während der beiden Weltkriege kam es bereits zu noch deutlicheren Geburtenrückgängen. Anfang der 1960 Jahre ist der Schnitt auf 2,5 Kinder pro Frau angestiegen. Zum Verständnis sei noch erwähnt, dass zum Ersetzen einer Elterngeneration, eine durchschnittliche Geburtenrate von 2,1 Kindern pro Frau erforderlich ist.

Für das Jahr 1970 belief sich die Zahl der Geburten in Westdeutschland auf durchschnittlich 1,4 pro Frau. Auch ca. 35 Jahre später konnte die Quote der Geburtenrate nicht erhöht werden und beläuft sich daher im Jahre 2004 auf ca. 1,35 Neugeborene. Als ergänzender Hinweis sei an dieser Stelle vermerkt, dass kurz nach der Wende die Geburtenrate in der ehemaligen DDR von 1,9 auf 0,8 Kinder gesunken war. Solch ein Wert lässt u. a. auf die damalige Unsicherheit der Bevölkerung der ehem. DDR schließen, da die zukünftigen Perspektiven noch sehr im Unklaren lagen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Entwicklung der Geburtenrate in Deutschland

Die Angaben in o. g. Grafik[13] verdeutlichen nochmals die Entwicklung der Geburtenraten. Werte aus den Jahren 1960 und 1970 geben lediglich die westdeutschen Zahlen an.

Bedingt durch die geburtenschwachen Jahrgänge in den letzten vergangenen Jahrzehnten wird dieses zu einem Nachwuchsmangel führen. Für die neuen Bundesländer sehen die Prognosen besonders negativ aus, da seit der politischen Wende eine große Anzahl von Einwohnern, ca. 1,5 Millionen, in die westlichen Bundesländer abgewandert ist[14]. Welche Gründe könnten ggf. erklären, was vor allem ab 1965 / 1970 zu einem erneuten Rückgang der Geburtenzahlen führte? Die Literatur[15] spricht hier u. a. von zwei Ereignissen, die in den 1960er Jahren ihren Ursprung bzw. weitere Entwicklungen hatten. Erstens, eine aus den USA nach Westeuropa übergreifende Emanzipation und zweitens die Verbreitung der Anti-Baby-Pille. Im Falle des zuletzt genannten Ereignisses, welche eine unabhängige Empfängnisverhütung durch die Frau ermöglichte, verschob sich das Machtverhältnis zwischen den Geschlechtern zu Gunsten der Frauen. Bei den Frauen ab Geburtsjahrgang 1935 konnten, teils drastische, Rückgange im Hinblick auf die Neugeborenen festgestellt werden[16]. Einhergehend änderten sich auch nach 1950 die Arten von Lebenspartnerschaften zu Ungunsten der bisherigen traditionellen Form: der Ehe[17].

Von nun an stieg das Durchschnittsalter, zum Zeitpunkt der Hochzeit, der jungen Frauen von knapp 23 Jahren (um 1975) auf ca. 28,5 Jahre (2000). Auf der anderen Seite vergrößerte sich der Anteil der nichtverheirateten Paare. Ein weiterer Faktor für die Alterung der Bevölkerung ist das stetige Ansteigen der durchschnittlichen Lebenserwartung der Menschen.

Folgende Gründe lassen die Erhöhung der durchschnittlichen Lebenserwartung erklären:

- eine sinkende Säuglings- und Kindersterblichkeit
- rückläufige Erwachsenensterblichkeit

Aufgrund des stetigen technischen und medizinischen Fortschritts der vergangenen Jahre, wurde ein erhöhtes Gesundheitsbewusstsein innerhalb der Bevölkerung sowie verbesserte Arbeitsplatzbedingungen (Arbeitsstättenrichtlinien) erreicht, die im Ergebnis zu den o. g. Punkten führten. Das Durchschnittsalter für Geburten bis 2060 wird die Lebenserwartung auf ca. 89 Jahre für Mädchen (82,4 Jahre im Jahr 2007/2008) und 85 Jahre bei Jungen (77,2 Jahre im Jahr 2007/2008)[18] steigern.

Für das Land Niedersachsen bleiben die Bevölkerungszahlen bis 2020 auf einem konstanten Niveau, da Niedersachsen wie kaum ein anderes Bundesland durch die Zuwanderung, z. B. von Spätaussiedlern, profitiert[19]. Die westlichen Regionen weisen zudem eine jüngere Bevölkerung mit einer höheren Geburtenrate auf. Des Weiteren entstanden in den vergangenen Jahren neue Arbeitsplätze im sehr großen Umfang in der Nordseeregion rund um Cloppenburg und dem Emsland[20]. Hierbei sind Wanderungen aus strukturschwächeren Regionen zu beobachten.

Die Stufenweise Erhöhung der Lebensarbeitszeit für den einzelnen Arbeitnehmer wird wohl auf Sicht die fehlenden jungen Arbeitnehmer nicht ersetzen können. Diese fehlen dann u. a. im Hinblick auf die Lebensarbeitszeit. Durch die Zunahme der älteren Bevölkerung am Gesamtanteil, wird die derzeit oftmals praktizierte Option eines vorzeitigen Übertritts in die Pension bzw. Rente nur noch sehr schwer umsetzbar sein[21].

Die Leistungsfähigkeit des ö. D. sowie der Wirtschaft wird auch davon abhängen, in wie fern es gelingen wird, die Arbeitnehmer den künftigen Anforderungen entsprechend einzusetzen und den begrenzt auf dem Arbeitsmarkt vorkommenden Nachwuchs zu gewinnen. Für den öffentlichen Dienst ist es auch zukünftig von sehr großer Bedeutung benötigtes Personal zu beschaffen, um den gesetzlichen Auftrag zu erfüllen. Zu diesen Aufgaben gehört z. B. die Wahrung der öffentlichen Sicherheit durch Polizei und Ordnungsämter, aber auch die schulische und akademische Ausbildung.

An Hand eines Beispiels aus der Praxis soll aufgezeigt werden, in wie weit sich die derzeitige Altersstruktur in einer nds. Dienststelle darstellen und welche Schlüsse man für die kommenden Jahre hieraus ziehen kann. Als Beispiel dient das Logistik Zentrum Niedersachsen (LZN) in Hann. Münden. Das LZN ist ein Landesbetrieb und direkt dem Niedersächsischem Ministerium für Inneres und Sport (MI) in Hannover untergeordnet. Es versorgt die Ressorts der nds. Landesverwaltung mit benötigtem Bedarf an Büromaterialien, Fahrzeugen und Dienstkleidung um nur einen kleinen Auszug des Leistungsspektrums zu nennen. Der Hauptsitz befindet sich in Hann. Münden, eine Außenstelle (Einkauf) ist in der Landeshauptstadt angesiedelt.

Mit Stand vom 19.01.2010[22] weist das LZN eine Personalstärke i. H. v. 84 Mitarbeitern auf. Hiervon sind 33 Männer und 51 Frauen. Das Durchschnittsalter der Beschäftigten des LZN beträgt 43,19 Jahre. Die dortigen Arbeitnehmerinnen weisen ein etwas niedrigeres Durchschnittsalter auf (42,06 Jahre), als die Männer (44,94 Jahre). Zwecks Veranschaulichung der Verteilung der vorhandenen Altersstruktur wird auf die nachstehende Grafik hingewiesen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Altersstruktur des LZN

Sehr deutlich wird, dass der Anteil der 40 - 49-Jährigen Mitarbeiter mit ca. 43 % sehr groß ist, wohin gegen die Gruppe der 20 bis 29-Jährigen mit gerade mal 9,52 % vertreten wird. Einen beachtlichen Wert weisen auch die 50 - 59-Jährigen Arbeitnehmer, mit ca. 23 % auf.

Aber was verheißen diese Zahlen für die künftigen Jahrzehnte?

Sicher ist, dass sich in naher Zukunft (ca. 10 - 15 Jahren) die derzeit größte vertretende Gruppe (40 bis 49 Jahre) zu den dann 50 - 59 bzw. den über 60-Jährigen zählen lässt. Von den eben erwähnten Beschäftigten wird zu diesem Zeitpunkt mit großer Wahrscheinlichkeit ein derzeit nur ungenau abzuschätzender Anteil durch Rente / Pension aus dem Dienst ausgeschieden sein.

Die heute noch jüngeren Arbeitnehmer, die Angehörigen der Gruppen der 20 bis 39-Jährigen, werden die entstehenden freien Kapazitäten nur ungenügend nachbesetzen können. Aufgrund der vorgenannten Zahlen wird der zu erwartende Nachwuchsmangel, nicht nur jener für das LZN, anschaulicher.

4. Allgemeines zur niedersächsischen Landesverwaltung

Im folgenden Kapitel werden einige wesentliche Fakten und Informationen rund um die Verwaltung des Landes Niedersachsen dargestellt, um u. a. an die Thematik dieser Diplomarbeit heranzuführen und Begrifflichkeiten aus dem Bereich der Verwaltung verständlicher zu machen. Ein Abschnitt wird sich mit der Struktur bzw. dem Aufbau der Landesverwaltung beschäftigen und ein weiterer Punkt dieses Kapitels gibt Informationen rund um den derzeitigen Personalbestand im öffentlichen Dienst in Niedersachsen wieder. Arbeitnehmer des Landes werden in die Statusgruppen der Beamten, Richter und Beschäftigte untergliedert. In dieser Diplomarbeit werden die einzelnen Statusgruppen allgemein als Arbeitnehmer bzw. Beschäftigte aufgeführt, gleich welcher Gruppe sie tatsächlich angehören, außer es sei des Verständnisses halber angebracht, den Status konkret zu erwähnen.

Nachstehend folgen ein paar allgemeine statistische Informationen rund um das Bundesland Niedersachsen:

Das Bundesland Niedersachsen, gegründet 1946, zählt mit ca. 7.95 Mio. Einwohnern[23] (Stand: 31.12.2008) zu den bevölkerungsreichsten (viertgrößtes) und einer Fläche[24] von km² zu den größten Bundesländern (zweitgrößtes) in Deutschland.

Zum Vergleich, die Bundesrepublik weist mit Stand vom 31.12.2008 eine Bevölkerung von ca. 82 Mio. Einwohnern[25] auf. Das Staatsgebiet der BRD beläuft sich auf eine

Fläche von ca. 357.000 km²[26].

Von den knapp 8 Mio. Einwohnern in Niedersachsen stehen etwa 3,6 Mio. in einem Beschäftigungsverhältnis. Die Gesamtzahl der Erwerbstätigen für ganz Deutschland belief sich mit Stand vom vierten Quartal 2009 auf rund 40,6 Mio.[27] Einwohner.

[...]


[1] vgl. Ver.di, Mythos Demografie, 2003, Seite 6

[2] vgl. Statistisches Bundesamt, Demografischer Wandel in Deutschland, Heft 1, 12/2007, S. 3

[3] vgl. www.pro-active.at, http://www.pro-active.at/article/2005_05_23.php, 2009, S. 2

[4] vgl. Schmidt, M., Vorbohle, K., Demografischer Wandel als unternehmerische Herausforderung – Der Wandel als Chance?, 2008, S. 13

[5] vgl. Schubert, K. / Klein, M., Das Politiklexikon

[6] vgl. Arbeiter Samariter Bund, Was ist Demografie?, S. 2 http://www.morgen-waechst-heute.de/pages/arbeitshilfe/Arbeitshilfe DruckversionEinfuehrungstext.pdf

[7] vgl. Kaufmann, F.-X., Schrumpfende Gesellschaft, 2005, S. 122

[8] vgl. Kaufmann, F.-X., Schrumpfende Gesellschaft, 2005, S. 122

[9] vgl. Rostocker Zentrum für Demografischen Wandel, http://www.zdwa.de/zdwa/artikel/20060601_44669235W3DnavidW2635.php, 2010, S. 1

[10] vgl. Statistisches Bundesamt, www.destatis.de/bevoelkerunspyramide, 2009

[11] vgl. Statistisches Bundesamt, Angaben aus den Bevölkerungspyramiden, 2009

[12] vgl. Rostocker Zentrum für Demografischen Wandel, http://www.zdwa.de/zdwa/artikel/20060601_44669235W3DnavidW2635.php, 2010, S. 2

[13] vgl. Rostocker Zentrum für Demografischen Wandel, http://www.zdwa.de/zdwa/artikel/20060601_44669235W3DnavidW2635.php, 2010, S. 2

[14] vgl. Kröhnert, St., Medicus, F., Klingholz, R., Die demografische Lage der Nation, Deutscher Taschenbuch Verlag, 2006, S. 36

[15] vgl. Kaufmann, F.-X., Schrumpfende Gesellschaft, 2004, S. 122

[16] vgl. Kaufmann, F.-X., Schrumpfende Gesellschaft, 2004, S. 123

[17] vgl. Kaufmann, F.-X., Schrumpfende Gesellschaft, 2004, S. 124

[18] vgl. Egeler, R., Statement vom 18.11.2009, Destatis, Wiesbaden, 2009, S. 3 und 4

[19] vgl. Kröhnert, St., Medicus, F., Klingholz, R., Die demografische Lage der Nation, Deutscher Taschenbuch Verlag, 2006, S. 58

[20] vgl. Kröhnert, St., Medicus, F., Klingholz, R., Die demografische Lage der Nation, Deutscher Taschenbuch Verlag, 2006, S. 60

[21] vgl. Lutz B., Demographie als Herausforderung für den öffentlichen Sektor, 2008, S. 21

[22] vgl. Logistik Zentrum Niedersachsen, Demografische Daten, 2010

[23] vgl. LSKN - Bevölkerung nach Altersjahren, http://www1.nls.niedersachsen.de/statistik/html/ mustertabelle.asp?DT=K1000151&LN=DBP&DA=11, 2008, S. 1

[24] vgl. LSKN – Niedersachsen – Ein Land stellt sich vor http://www.nls.niedersachsen.de/Tabellen/Allgemeines/Vorstellung.html, 09/2009

[25] vgl. Statistisches Bundesamt, Bevölkerung, http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis /Internet/DE/Navigation/Statistiken/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/Bevoelkerungsstand.psm 2010

[26] vgl. Deutschland – Fläche, http://www.deutschland.de, 2010

[27] vgl. Statistisches Bundesamt, Erwerbstätigkeit, http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/ Arbeitsmarkt/Erwerbstaetige/Aktuell,templateId=renderPrint.psml, 2010, S. 1

Details

Seiten
57
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783842803053
Dateigröße
765 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v227973
Note
2,3
Schlagworte
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