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Qualitätsmanagement im Wellness- und Gesundheitstourismus

Bachelorarbeit 2010 93 Seiten

Touristik / Tourismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Zielstellung dieser Arbeit
1.2 Aufbau und Inhalt dieser Arbeit

2. Theoretischer Bezugsrahmen
2.1 Definition Qualitätsmanagement
2.2 Definition Wellness
2.3 Definition Gesundheit
2.4 Definition Tourismus
2.5 Abgrenzung Wellnesstourismus von Gesundheitstourismus

3. Der Gesundheits- und Wellnesstourismus im Wandel der Zeit
3.1. Das Gut Gesundheit
3.1.1. Historie und Entwicklung
3.1.2. Demographischer Wandel
3.1.3. Gesellschaftlicher Wandel
3.1.4. Wertewandel und Gesundheitsverständnis
3.2. Gesundheitsvorsorgetourismus
3.3. Boomfaktor Wellnessmarkt
3.3.1. Ursprung und Entwicklung des Marktes
3.3.2. Im deutschsprachigen Raum
3.3.3. Im internationalen Vergleich
3.3.4. Hauptelemente des Wellnesstourismus
3.3.5. Ernährung
3.3.6. Entwicklung neuer Berufsfelder
3.4. Angebotsstruktur (Auswahl)
3.4.1. Wellnesshotels
3.4.2. Wellnessangebote in Tourismusorten und Regionen
3.4.3. Reiseveranstalter
3.4.4. Freizeit- und Thermalbäder
3.4.5. Day Spa und Fitnessstudios
3.4.6. Kurorte
3.5. Medical Wellness
3.6. Nachfragestruktur
3.6.1. Zielgruppen
3.6.2. Der Wellnesskunde
3.7. Gesetzliche Anspruchsgrundlagen
3.8. Standardproblematik
3.9. Trends und Prognosen für den Gesundheits- und Wellnesstourismus

4. Qualitätsmanagement
4.1. Qualität im Wandel der Zeit
4.2. Grundsätze des Qualitätsmanagements
4.3. Qualitätsmanagement als System
4.4. Qualitätsmanagement – Ansätze
4.4.1. Qualitätsmanagementnormen DIN EN ISO
4.4.2. Total Quality Control (TQC)
4.1.1. Total Quality Management (TQM)
4.4.3. European Foundation for Quality Management
4.5. Ziele des Qualitätsmanagements
4.6. Öko-Management als partieller Qualitätsansatz
4.7. Grundlagen des Marketings
4.7.1. Definition und Bedeutung des Marketings
4.7.2. Einordnung, Bedeutung und Beziehung zwischen den Marketinginstrumenten
4.7.3. Marketingbeziehungen im Tourismus
4.7.4. Neue Herausforderungen im Gesundheits- und Wellnesstourismus
4.8. Kundennutzen des Qualitätsmanagements
4.9. Kundenzufriedenheit
4.10. Chancen und Risiken der Internetnutzung

5. Zertifizierungen
5.1. Ursprung, Definition und Ziele der Zertifizierungen
5.2. Existierende Zertifizierungsmodelle und Gütesiegel
5.2.1. Zertifizierung durch den deutschen Wellnessverband e.V.
5.2.2. Problematik der Zertifizierung

6. Wellnesstourismus anhand von ausgewählten Beispielen
6.1. Beispiele zur Angebotsprofilierung durch Wellness
6.2. Zukünftige Trends in der Entwicklung

7. Schlussfolgerung und Ausblick

8. Anhang

9. Quellennachweis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen

Abbildung 2: Erweitertes Modell der Wellness-Elemente

Abbildung 3: Abgrenzung des Tourismus anhand der konstitutiven Elemente

Abbildung 4: Abgrenzung des Wellness-Tourismus aus Nachfragesicht

Abbildung 5: Epochen des Tourismus

Abbildung 6: Lebenszeit: Wie lange und wofür?

Abbildung 7: Systembausteine der DIN EN ISO 9000ff.

Abbildung 8: Die Phasen des Qualitätsmanagementsystems

Abbildung 9: Das EQFM-Modell für Excellence

Abbildung 10: Ziele des Qualitätsmanagements von Dienstleistungsunternehmen

Abbildung 11: Phasen des UMS nach EMAS und DIN EN ISO Norm 14000 ff.

Abbildung 12: Zusammenfassung der Unterschiede EMAS II und DIN EN ISO 14001

Abbildung 13: Ganzheitliches Marketing im Tourismus

Abbildung 14: Marketingbeziehungen eines touristischen Leistungsanbieters

Abbildung 15: Das Zufriedenheits- und Unzufriedenheits-Paradigma

Abbildung 16: Benchmarking für Kundenzufriedenheit

Abbildung 17: Studie 2008 der Internetwege für kleine und mittelständige Unternehmen

Abbildung 18: Studie 2008 der häufigsten Risiken für kleine und mittelständige Unternehmen

Abbildung 19: TUI Vital

Abbildung 20: Neckermann Care Katalog

Abbildung 21: Dertour Gesundheits- und Wellnesskatalog

Abbildung 22: Rechte auf eine Kur

Abbildung 23: Prognostizierte Wachstumsraten der Übernachtungsnachfrage im aktiven Gesundheitsvorsorgetourismus und seinen Unterformen bis 2020

Abbildung 24: Prognostizierte Wachstumsraten der Übernachtungsnachfrage im aktiven Gesundheitsvorsorgetourismus und seinen Unterformen bis 2020

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Gemäß den Prognosen der WTO werden die internationalen Gästeankünfte, die in 1997 in Europa bei 334. Mio. lagen, bis zum Jahr 2020 auf 717 Mio. ansteigen. In dieser Zeit wird sich der Markt für touristische Angebote bei steigenden Gästezahlen noch weiter stark differenzieren wobei der Gesundheits- und Wellnesstourismus eine große Rolle spielt. Ein Grund für diesen Trend ist der Übergang von einer Arbeits- zu einer Freizeitgesellschaft und von der Wohlstands- zu einer Wohlfühlgesellschaft. Hinzufügend kann das vermehrte Gesundheitsbewusstsein der Verbraucher genannt werden, das mittlerweile zum Lifestyle in den westlichen Industriestaaten geworden ist und die Lebenserwartung steigen lässt. Die Veränderung der Altersstruktur, der Sozialisation und der Arbeitswelt haben das Thema Gesundheit zu einem zentralen Punkt gemacht. Immer mehr Dienstleistungen konzentrieren sich auf das Gut Gesundheit und stellen den Kern des Lebensqualität Gedankens dar, welche die umliegenden Bereiche (Ernährung, Fitness und vor allem den Tourismus) neben den eigentlichen Gesundheitsbranchen (z.B. Pharmazie, Biotechnologie, Kosmetik) stark prägen.[1]

Neben dem Gesundheitsmarkt ist der boomende Wellnessmarkt ein aktuelles Thema mit nun mittlerweile expandierender Literatur. Aber die zu beobachtenden Trends bringen auch immer mehr neue Anbieter hervor, die vielversprechende Wellnessangebote unterbreiten und damit den wachsenden Markt unübersichtlich und heterogener machen. Zudem lassen die Qualität und Seriosität einiger Angebote im großen Maße zu wünschen übrig und werden den Anforderungen der Zertifizierungsnormen nicht gerecht. Die Frage für den Kunden stellt sich dahingehend, ob in jedem Produkt oder jeder Dienstleistung wo Wellness drauf steht, auch Wellness drin ist. Durch unklare Begriffsbestimmungen und nicht vorhandenen Abgrenzungen steigt daher das Risiko für den Kunden in eine ‚Falle‘ zu tappen, erheblich.[2]

1.1 Zielstellung dieser Arbeit

Gegenstand der Bachelor Thesis ist der Gesundheits- und Wellnesstourismus als besondere Reiseform im allgemeinen Tourismus und soll einen Überblick über die Entwicklung des Booms hauptsächlich im deutschen Sprachraum geben. Ziel der Bachelor Thesis ist, einen Überblick über die touristischen Angebote und Nachfrager dieser Reiseform zu geben und Begriffe, die mit dem Wellness- und Gesundheitstourismus einhergehen zu definieren und voneinander abzugrenzen. Im weiteren Verlauf soll der Gesundheits- und Wellnesstourismus unter dem Gesichtspunkt des Qualitätsmanagements aufgegriffen werden und wichtige Ansätze und Zertifizierungsmodelle dargestellt werden. Neben einer Analyse der aktuellen Situation soll eine Aussicht auf die Potentiale und die zukünftige Entwicklung dieser Branche gegeben werden.

1.2 Aufbau und Inhalt dieser Arbeit

Die Bachelor Thesis widmet sich zunächst in Kapitel zwei den einzelnen Definitionen und einer thematischen Abgrenzung, die dem Leser den Einstieg in das Thema erleichtern sollen. Im Anschluss daran konzentriert sich die Thesis auf die zeitliche Entwicklung in der Gesundheitsbranche und analysiert den Strukturwandel. Des Weiteren wird auf den Boomfaktor Wellness eingegangen. Dabei stützt sich die Thesis auf aktuelle Brancheninformationen. Ebenfalls im Kapitel drei wird eine Auswahl der Angebotsstruktur im Wellness und Gesundheitstourismus gegeben und neben dem neuartigen Medical Wellness auch die gesetzlichen Anspruchsgrundlagen und Problematiken dargestellt. Im Kapitel vier und Hauptpunkt der Thesis geht es um die Grundlage des Themas und damit um das Qualitätsmanagement. Insbesondere stehen die Grund- und Ansätze des Qualitätsmanagements im Vordergrund als auch die Grundlagen des Marketings in Bezug auf den Kundennutzen. Gefolgt von einigen grundsätzlichen Zertifizierungen im Kapitel fünf wird im Kapitel sechs der Wellnesstourismus anhand von ausgewählten Beispielen dargestellt und Trends konkretisiert. Abschließend gibt das Kapitel sieben eine Schlussfolgerung und einen Ausblick des Themas wieder.

2. Theoretischer Bezugsrahmen

2.1 Definition Qualitätsmanagement

Qualität stellt eine wahrgenommene oder erlebte Eigenschaft eines Produktes oder einer Dienstleistung (Ist) dar, die an den Erwartungen (Soll) der jeweiligen Zielgruppen gemessen wird.[3] Das Management umfasst alle Tätigkeiten, die die Qualitätspolitik und die Ziele festlegen, und mithilfe der Verantwortlichen die zur Verfügung stehenden Mittel in Qualitätsplanung, Lenkung, Sicherung als auch Verbesserung der Qualität investieren. Damit verkörpert das Qualitätsmanagement eine Führungsaufgabe, das neben der Personal-, Finanz-, Vertriebs- und Einkaufspolitik als eine ebenbürtige strategische Komponente agiert.[4]

Werden alle Bereiche und Mitarbeiter einbezogen spricht man vom Total Quality Management (TQM). An dieser Stelle steht die konsequente Orientierung aller Aktivitäten an den Erwartungen des Kunden. Auch die Verantwortung an das Management der kontinuierlichen Qualitätssicherung hat eine hohe Priorität. Eine weitere wichtige Rolle spielt die Prozessorientierung, da jedes Produkt oder jede Dienstleistung ein Ergebnis eines Leistungsprozesses veranschaulicht und mit den einzelnen Arbeitsvorgängen verknüpft ist. Außerdem trägt jeder einzelne Vorgang dazu bei, die Qualität des ganzen Produktes oder der gesamten Dienstleistung zu bilden.[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen

Quelle: http://www.monika-brinkschule.de (12.04.2009)

2.2 Definition Wellness

Wellness ist in aller Munde. Buchstäblich beim Wellnessbrot, -wasser, - flakes, usw., aber auch Wellness-Socken, -Beauty und -Reisen. Eins haben alle Angebote gemeinsam. Sie versprechen dem Konsumenten Wohlbefinden, Schönheit, Entspannung und Gesundheit. Wellness ist zum Schlagwort in den letzten Jahren geworden, obwohl der Begriff schon lange existiert. Die meisten Anbieter bringen neue Komponenten eines Produktes unter dem Begriff Wellness auf den Markt und kombinieren diese mit guter Beratung und Behandlung, um bei den Gästen einen Zustand des Wohlfühlens auszulösen.[6]

Laut Kaufmann versteht man unter Wellness „einen Gesundheitszustand der Harmonie von Körper, Geist und Seele. Wesensbestimmende Elemente sind Selbstverantwortung, Fitness und Körperpflege, gesunde Ernährung, Entspannung, geistige Aktivität/Bildung, Umwelt- sensibilität und soziale Beziehungen.“[7] Travis ergänzt dies “as a state of being, an attitude and an ongoing process, not a static state which we reach and never have to consider again.”[8]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Erweitertes Modell der Wellness-Elemente

Quelle: Nahrstedt, W., Wellnessbildung – Gesundheitssteigerung in der Wohlfühlgesellschaft, 2008, S. 24.

In dieser Grafik ist die Einordnung der einzelnen Wellness Elemente dargestellt.

Im Vergleich zum deutschen Sprachraum, an welcher Stelle Wellness oft mit Tourismus in Verbindung gebracht wird, steht für den englischen Sprachraum die Gesundheitsförderung im Vordergrund. Wellness beeinflusst dort die Lebenseinstellung und damit den Alltag. Wellness ist daher vor allem für gesunde Menschen gedacht, zur Prävention von Krankheiten und allgemeinen Wohlergehen und enspricht weniger der Heilung von Krankheiten.[9] Kai-T. Illing unterscheidet drei Ausprägungsformen von Wellness:[10]

- 1. Grades: Erfüllung körperlicher und seelischer Konsequenzen ohne Einschränkung
- 2. Grades: durch aktive Teilnahme (Training) soll der Zustand des Wohlbefindens ausgelöst werden
- 3. Grades: ganzheitlicher Ansatz zur nachhaltigen Verhaltensänderung um für den Körper und Geist gleichermaßen einen dauerhaften Zustand des Wohlbefindens zu erreichen

Nach Illing ist Wellness um das ganzheitliche Wohlbefinden bemüht. Körper, Geist und Seele sollen dabei durch vitalisierende und beruhigende Maßnahmen gleichermaßen in gesundheitlichen Zentren besonderer Art gefördert werden.[11] Wellness, als dynamischer Aspekt umfasst die Konzentration auf die eigene Person, deren Verwöhnung und Zuwendung ebenso wie die Entspannung und Stressbekämpfung im Vordergrund stehen. Daneben sind laut der WHO sieben Grundbedingungen für die Gesundheit wichtig:[12]

- Ein relativ stabiles Selbstwertgefühl
- Ein positive Beziehung zum eigenen Körper
- Freundschaften und soziale Beziehungen
- Eine intakte Umwelt
- Eine ausfüllende Arbeit und menschenwürdige Arbeitsbedingungen
- Gesundheitswissen und Zugang zur Gesundheitsversorgung
- Ein lebenswertes Umfeld für die Gegenwart und Zukunft

2.3 Definition Gesundheit

Eine einheitliche Gesundheitsdefinition gibt es nicht. Wohl aber besteht bei den meisten Definitionen ein konkreter Zusammenhang des körperlichen und geistigen Aspekts des Wohlbefindens. Denn diese stehen in unmittelbarer Wechselwirkung zueinander und müssen ausgeglichen sein um ‚gesund‘ zu sein und zu bleiben.[13]

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Gesundheit als „ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen.“[14] Denn allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen genügt dieser Komplexität des Zustands Gesundheit nicht.

Einer Differenzierung bedarf es im statischen und dynamischen Verhältnis des Gesundheitsbegriffes. Der statische Gesundheitsbegriff stellt die Gesundheit als ein Guthaben von Geburt an dar, die im Laufe eines Lebens abhängig von der Lebensweise schneller oder langsamer verbraucht wird. Der dynamische Gesundheitsbegriff dagegen beschreibt die Gesundheit als einen Zustand des Gleichgewichts, der täglich neu zwischen geistigen und körperlichen Aspekten betrachtet werden muss.[15]

Das Gut Gesundheit als dynamischer Prozess, bei dem nach ständiger Optimierbarkeit gesucht wird, wird durch folgende Faktoren beeinflusst:[16]

- Biologisch-genetische Gegebenheiten
- Medizinisch-technische Möglichkeiten des Gesundheitswesens
- Lebensstil
- Umweltfaktoren

Hierbei ist Gesundheit steigerungsfähig und von gesellschaftlichen als auch von individuellen Faktoren abhängig und bleibt eine ständige Aufgabe.[17] In einer weiterführenden Definition der WHO stellt der Begriff Gesundheit eine Ressource des täglichen Lebens dar und kein Gegenstand des Lebens. Des Weiteren ist es ein positives Konzept um soziale und persönliche Ressourcen als auch körperliche Fähigkeiten hervorzuheben.[18]

2.4 Definition Tourismus

Der Begriff Tourismus stammt ursprünglich aus dem griechischen und bedeutet ‚turnus‘ was für zirkelähnliches Werkzeug steht. Über den lateinischen Begriff ‚tornare‘ und dem französischen Begriff ‚tour‘ gelangte dieser unter dem Sinn des ‚rundens‘ ins Englische und Deutsche. Dies bedeutet, dass eine Tour als Reise vom eigentlichen Wohnort weg zu einem anderen Ort hin führt, an dem man eine gewisse Zeit verbringt und anschließend wieder an den ursprünglichen Wohnort zurückkehrt. Aber die Reise an sich bezeichnet einen Aufbruch und bleibt unter dem Aspekt des Wiederkehrens unberücksichtigt. Beispiele einer Reise wären hiernach Auswanderer, Nomaden, Armeeangehörige oder Flüchtlinge.[19]

Eine grundlegende Tourismusdefinition gibt die Welttourismusorganisation im Jahre 1993 (UNWTO). Dabei umfasst der Tourismus alle Aktivitäten einzelner Personen, die außerhalb ihres Heimatortes reisen und sich an diesen Orten nicht länger als ein Jahr ohne Unterbrechung aufhalten. Hierbei gehen die Personen Freizeit-, Geschäftszwecken oder anderen Zwecken nach.[20]

Kaspar definiert Tourismus als „die Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus dem Reisen und dem Aufenthalt von Personen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsächlicher und dauernder Wohn- noch Arbeitsort ist“[21] Laut Bieger stellt der Tourismus Freizeit- als auch Geschäftsreisen dar und umfasst neben Hotels, Nachfrager, Reiseveranstalter und Reisebüros, auch wirtschaftliche, gesellschaftliche, politische und ökologische Strukturen. Darunter kann, für eine ganzheitliche Betrachtung des Tourismus, die Kulturveränderung des Gastlandes durch den Tourist ebenso zählen wie die Einnahmen des Baumeisters für ein neues Hotel.[22]

Im Grundsätzlichen umfasst der Tourismus immer die Urlaubsreise, die häufig zwischen ein und vier Wochen dauert und der Erholung dient. Die Erholungsreisen werden hierbei auf eigenen Willen verwirklicht. Die Fahrt sowie der Aufenthalt werden ‚konsumiert‘ bzw. ‚verbraucht‘ und stellen den touristischen Kernbereich dar. Geschäftsreisen dagegen können nicht immer dem Tourisus zugerechnet werden und zählen daher zum touristischen Randbereich. Oft können diese noch weiter unterteilt werden z.B. in Tagungs-, Kongress- und Seminarreisen und dienen darüber hinaus der Herstellung bzw. dem Absatz der Produkte von

Unternehmen und sind oft von kürzerer Dauer als die Urlaubsreisen.[23] Eine Zusammenfassung der einzelnen Erscheinungsformen und ihre Abgrenzungen gibt nachfolgende Darstellung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Abgrenzung des Tourismus anhand der konstitutiven Elemente

Quelle: in Anlehnung an Freyer, W., Tourismus – Einführung in die Fremdenverkehrsökonomie, 2009, S. 3.

Als wichtiger Wirtschaftsbereich ist der Tourismus auch ein wichtiger Lebensbereich, welcher die Menschen, deren Verhalten und Wirkungen außerhalb des gewohnten Umfelds, erfasst. Daraus folgend gibt es keine klar abzugrenzende Tourismusbranche aus der Angebotssicht. Eine Definition kann nur aufgrund der Nachfrage festgelegt werden. Im engeren Sinne wird die Tourismusbranche als solche bezeichnet, wenn sie recht stark von der Nachfrage von Prozessen oder Touristen abhängig ist. Als Beispiel kann hier u.a. die Beherbergung, Reiseveranstalter oder auch Fremdenverkehrsämter genannt werden. Im nachfolgenden soll ein Überblick über die Typen der Tourismusnachfrage gegeben werden:[24]

- Inlands- und Auslandstourismus
- Reisegruppen (Individual- und Gruppentourismus)
- Reisemotive (Geschäfts- und Freizeittourismus)
- Transportmittel (Flugtourismus, Reederei, Automobil- und Eisenbahntourismus

2.5 Abgrenzung Wellnesstourismus von Gesundheitstourismus

Die Deutung des Gesundheitstourismus definiert sich aus der Kombination des Urlaubsvergnügens mit dem individuellen, fachkundig betreuten und wissenschaftlich fundierten Vorgang von Gesundheitsprogrammen. Zudem ist der Besuch durch die Gäste in den Kurorten und Heilbädern aus aller Welt, die diese Angebote privat nutzen und auch dafür bezahlen, eine entscheidende Grundlage der Tourismusart.[25]

Wellness, ein Unterbegriff des Gesundheitstourismus und umfasst auch die Komponenten, die sich für den Gesundheitstourismus ergeben. Eine starke Abgrenzung ergibt sich für den neuen Sektor Wellnesstourismus der sich innerhalb des Gesundheitstourismus differenziert.[26] Zum traditionellen Kur- und Heilbädertourismus, der von kranken Menschen in Anspruch genommen wird und auf die Gesunderhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit ausgerichtet ist, konzentriert sich der Wellnesstourismus auf gesunde Menschen.[27]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Abgrenzung des Wellness-Tourismus aus Nachfragesicht

Quelle: http://www.unibe.ch/unipress/heft112/beitrag10.html (30.04.2009)

3. Der Gesundheits- und Wellnesstourismus im Wandel der Zeit

3.1. Das Gut Gesundheit

Um auch in Zukunft ein ausbaufähiges und anhaltendes Interesse an dem Gut Gesundheit zu gewährleisten, müssen die Bürger ebenso wie auf anderen Gebieten (z.b. Umweltbewußtsein) angeregt und motiviert werden darüber nachzudenken, aber auch die Möglichkeit haben zu handeln, eigene Lebensgewohnheiten verändern zu können und mit mehr Eigenverantwortung an die eigene Gesundheit zu appellieren.[28]

3.1.1. Historie und Entwicklung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Epochen des Tourismus

Quelle: in Anlehnung an Freyer, W., Tourismus – Einführung in die Fremdenverkehrsökonomie, 2009, S. 10.

Gerade in den vergangenen Jahrzehnten wurde die Tourismusbranche starken Veränderungen ausgesetzt, die sich aus den wirtschaftlichen, technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen ergaben. Am deutlichsten ist dies an den massentouristischen Innovationen von Informations- und Verkehrsmittel zu erkennen. Durch die Nutzung von Autos und später auch Flugzeugen konnten Touristen zunehmend immer mehr Fernziele erreichen. Dies sorgte für einen Aufschwung im Tourismus. Mit zunehmender Technologisierung sanken auch der Einsatz körperlicher Arbeit und damit die Nachfrage nach reinem Erholungsurlaub. Dafür rückte die geistige und psychische Erholung (Kultur, Bildung, Abenteuer) in den Vordergrund des Urlaubers. Auch durch die stetige Weiterentwicklung der Technik im Bereich Informationsmittel eröffnen sich neue Möglichkeiten für Anbieter und Nachfrager. Die Angebote können transparenter, attraktiver und damit erlebbarer gemacht werden. Für den Kunden ist dies zeit- und kostensparender. Die Angebotspalette wird hierbei immer weit- reichender und neue Märkte können erschlossen werden. Dadurch konkurrieren mittlerweile auch nahe Urlaubsziele der Deutschen wie Österreich mit Destinationen wie Thailand.[29]

3.1.2. Demographischer Wandel

Kaum eine Dimension der längerfristigen gesellschaftlichen Entwicklungen ist so drastisch erkennbar wie der Wandel der Altersstruktur in den Industrieländern. Wir Menschen leben heute länger und die älteren Generationen auch gesünder. Bis 2030 wird die Zahl der Arbeitnehmer zwischen 55 und 64 Jahren um 24 Millionen steigen, da die Babyboomer-Generation das Vorruhestandsalter erreicht, und die EU wird 34,7 Millionen Menschen über 80 Jahre zählen gegenüber den 18,8 Millionen von heute. Seit 1960 ist die durchschnittliche Lebenserwartung kontinuierlich gestiegen. Daher wird die Zahl der Menschen über 80 bis zum Jahr 2050 um 180 % zunehmen.[30] Als Gründe des älter werdens können medizinische Fortschritte, Ernährungsbewusstsein und bessere Versorgung der Menschen genannt werden. Dabei kommt es zu Veränderungen der individuellen Lebensplanung und dem gesellschaftlichen Zusammenleben. Im Gegenzug zu früher ist im 21. Jahrhundert eine verlässliche Lebensplanung möglich, da ein Großteil der Menschen ein hohes Alter erreicht.[31]

Aber auch das Verhältnis von abhängigen jungen und alten Menschen gegenüber Erwerbstätigen wird von 49 % in 2005 auf 66 % für das Jahr 2030 ansteigen. Dies ergibt sich aus Zwängen von Familienentscheidungen. Oft gibt es keinen oder sehr späten Zugang zu einer Beschäftigung (hohe Arbeitslosigkeit). Verlängerte Ausbildungsphase, unsichere Arbeitsplätze, teurer Wohnraum und fehlende Anreize (Familienbeihilfen, Elternurlaub, Kinderbetreuung, gleiche Entlohnung) kommen vielfach hinzu.[32] Zum anderen geben der drastische Geburtenrückgang und die steigende Lebenserwartung Aufschluss über die Verschiebung der Altersstruktur und damit der Überalterung der Gesellschaft.[33]

Einen Überblick über die Verschiebung der Arbeits- und Freizeitgesellschaft gibt nachfolgende Grafik:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Lebenszeit: Wie lange und wofür?

Quelle: in Anlehnung an Opaschowski, H. W., Einführung in die Freizeitwissenschaft, 2006, S. 164.

3.1.3. Gesellschaftlicher Wandel

Der Ursprung der Veränderung der Freizeit liegt begründet in der Industrialisierung. Zunehmend kam die Trennung vom Arbeits- und Wohnort und der Tagesablauf gliederte sich in Arbeit und Nichtarbeit. Am Anfang stand aufgrund der massenhaften Produktion, die Nichtarbeitszeit fast nur dem Schlaf und dem Essen zu. Aber ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zur Verringerung der Arbeitszeiten aufgrund von betrieblichen und gewerkschaftlichen Organisationen und einem positiven Einfluss der Sozialgesetzgebung.[34]

Statt nur einer Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit entwickelten sich nun mit der vermehrten Freizeit auch sinnvolle Gestaltungsmöglichkeiten:[35]

- Befriedigung der Grundbedürfnisse
- Zunehmende Konzentration auf Luxusgüter (Eigenheim, Zweitwagen)
- Urlaub als Statussymbol und Ausflüge
- Bedürfnis nach Erholung in Form von Selbstverwirklichung und – Bestätigung mit unterschiedlichen Motiven
- Streben nach Privilegien und Exklusivität

Aus dem Zusammenhang der Verschiebung der Alterskurve ergibt sich auch eine neue Lebensphase zwischen der Arbeit und der Rente. Gemeint sind hier die ‚Best Ager‘ die sich oft noch einmal neu orientieren und ihre Interessen neu strukturieren da sie teils im Arbeitsleben kürzer treten, die Kinder aus dem Haus sind oder sie sogar eine Zweitkarriere starten. Diese Altersgruppe ist offen für neue Sport-, Kultur- und Bildungsangebote. Dabei stehen Wohlbefinden, Gesundheit und die eigene Lebenszufriedenheit im Vordergrund. Außerdem kann sich diese Generation ausgiebige Hobbys, Sport und Urlaubsreisen am ehesten leisten, da sie im Vergleich zu anderen Generationen die Wohlhabendste ist, von der Zeit und Geldwohlstand.[36] Darauf muss auch die Reisebranche kontinuierlich reagieren. Die ausschlaggebenden Kriterien für die Entscheidung zum Reisen der ‚Best Ager‘ sind neben konsequenter Dienstleistungsorientierung, auch die Sicherheit und Qualität mit speziellen Ansprüchen, kritischere Haltung und Reiseerfahrung.[37]

3.1.4. Wertewandel und Gesundheitsverständnis

Wie bereits im Kapitel 3.1.3. erwähnt standen bis zum 2. Weltkrieg vor allem materielle Dinge und der soziale Status bei den Menschen im Vordergrund. Nach und nach legte sich dies durch dauerhafte Konsumgüter, die die Grundbedürfnisse sättigten. Mehr Kaufkraft war dann für touristische und andere Dienstleistungen vorhanden. Dies wirkte sich auch auf die Werte in der Gesellschaft aus. Flexibilität, Selbstverwirklichung, Authensität, Suche nach neuen Abenteuern, Entfaltung des eigenen Ichs usw. ließen neue touristische Angebote entstehen. Diese gehen von Erlebnisparks über Eventveranstaltungen zu Kreuzfahrten oder Backpacker Touren und wecken neue Werte.[38] Nach Steinecke resultiert aus den Konsumpräferenzen das Modell DESIRE welches den Konsum des Erlebens darstellt:[39]

- Design und Ästhetik durch attraktive Gestaltung
- E motionen und Erlebnisse durch die Vermittlung außergewöhnlicher Gefühle
- Sicherheit und Convenience über das Produkt und die Dienstleistung
- Individualität und Spontaneität über die persönliche Beratung
- Ressorts und Anlagen als breit gefächerten Angebotsmix
- Exklusivität und Privilegien durch hierarchisierte Formen des Zugangs

Vor allem auch die kurzfristigen Buchungsmöglichkeiten (Last Minute) lassen immer mehr Spielraum zu. Die neuen Dimensionen des immer ‚schnelleren, höheren und weiteren‘ gelten als zentraler Leitpunkt um langfristig am Markt erfolgreich zu sein.

„Der moderne Mensch giert nach einem 48-Stunden-Tag. Schließlich braucht er Zeit, das enorme Angebot zu bewältigen, das sich ihm zum Kaufen, Anschauen und Erleben bietet. Immer getrieben von der Angst, etwas Aufregendes zu verpassen.“[40] (Pries)

Es scheint als ob die Wohlstandsgesellschaft in den Industrieländern sich einer Komplexität, Hektik und Zeitnot zu bewegt. Des Weiteren ist heute eine starke Aufweichung von traditionellen Familienstrukturen festzustellen. Frauen sind verstärkt berufstätig, eine räumliche Trennung mit dem Partner durch den Beruf muss oft in Kauf genommen werden, oder die Sorge nach der Alterssicherung sind nur einige wenige Beispiele. Daraus ist zu schließen, dass sich neue Bedürfnisse und Sehnsüchte entwickeln. Bedürfnisse nach innerer Ruhe, seelischer Ausgeglichenheit, Zeit für sich und die Familie und Zeit für das eigene Wohlergehen und die Gesundheit. Ein wachsender Markt im Bereich Wellness, Meditation, Yoga und anderen neuen Möglichkeiten ist die Folge.[41]

Hierbei lassen sich ebenfalls neue Motivstrukturen ableiten. Steinecke erläutert diese Mußeorientierung in seinem RETURN Modell:[42]

- Reduktion und Askese für den Ausgleich der Übersättigung des Konsums
- Entschleunigung und neue Langsamkeit gegen die Zeitnot im Alltag
- Transparenz, Spiritualität und Religion werden wieder entdeckt und dienen als Leitbilder und Hoffnungsträger
- Ursprünglichkeit und Tradition als wachsende Sehnsüchte in der modernen und ständig überholten Zeit
- Relaxen und Wellness als Faktor von Depressionen und psychischer Erschöpfung
- Natur und Landschaft für einen Ausgleich in der modernisierten und technisierten Umwelt, vor allem in den Städten

Aber ist es möglich, sich in der heutigen Zeit auf den Ursprung zurück zu besinnen und trotzdem die Authenzität zu bewahren und Events nicht ein Pseudo Event werden zu lassen. Daniel J. Boorstin beschreibt Authenzität im Tourismus in seinem Bericht ‘From Traveler to Tourist – The Lost Art of Travel’ – ‘as a promising of the impossible’.[43]

3.2. Gesundheitsvorsorgetourismus

Unter dem Begriff Gesundheitsvorsorgetourismus versteht man alle Gesundheitsreisen, die verstärkt die Gesundheit fördern und erhalten oder auch die Funktion der Prävention von Krankheiten übernehmen.[44] Im Laufe der Geschichte wurde der Gesundheitsvorsorge unterschiedlich hohe Bedeutung zugemessen. Vor allem während der letzten 150 Jahre verstärkte sich die Vorsorge innerhalb der Medizin. Neben der Medizin und der Therapie kam den Motiven Wohlfühlen, Entspannen und Vergnügen eine große Rolle zu. Sie wurde zunehmend nicht mehr nur von Kranken beansprucht, sondern dient neben den medizinischen Aspekten und der Erholung.[45]

3.3. Boomfaktor Wellnessmarkt

3.3.1. Ursprung und Entwicklung des Marktes

Wellness kennzeichnet ein neues Gesundheitsverständnis und somit neue Herausforderungen im gesamten Sektor Gesundheit. Als Modernisierungsfaktor wird die Gesundheit steigerungsfähig und als Zustand des vollständigen Wohlbefindens verstanden - nicht nur durch das frei sein von Krankheiten. Die Entstehung des Wortes Wellness reicht bis ins Jahr 1654 zurück. Das damals verwendete Wort ‚Wealnesse‘ wurde von Sir A. Johnson verwendet, um den Zustand des Wohlbefindens oder der ‚guten Gesundheit‘ zu beschreiben.[46] Im Jahre 1959 entwickelte der amerikanische Sozialmediziner Halbert L. Dunn den Begriff ‚Wellness‘, aus den Worten Wellbeing (Wohlbefinden) und Fitness (körperliche Leistungsfähigkeit) das auf Wohlbefinden, Spaß und auf eine gute körperliche Verfassung abzielte. Er legte damit den Grundstein für die amerikanische Wellness-Bewegung.[47]

In den 1970er Jahren entwickelten die Wellness Pioniere John Travis und Donald B. Ardellim Auftrag der US-amerikanischen Regierung neue ganzheitliche Wellnessmodelle. Diese zielen auf Prävention und Eigenverantwortung jedes einzelnen für seine Gesundheit ab.[48] Dabei muss Einfluss auf die Lebensweisen, Verhaltensmuster, inneren Einstellungen, Überzeugungen, Motive, Emotionen und meist auf unbewußte Lebenskonzepte genommen werden. Dadurch begründen gesundheitspsychologische Modelle wie das Eisberg-Modell von Travis (1981) nachhaltige Verbesserungen des Gesundheitssektors.[49]

Ein neuer Kerngedanke entstand hierdurch. Krankheiten sollten gar nicht mehr entstehen, sondern durch einer bewußten Lebensweise vorgebeugt werden. Volkswirtschaftliche Gesundheitskosten könnten auf diese Weise reduziert werden. Anfang der 90er Jahre gewann der Begriff Wellness in Deutschland, Österreich als auch in der Schweiz immer mehr an Bedeutung und ein regelrechter Boom ließ sich in den kommenden Jahren verzeichnen.[50]

3.3.2. Im deutschsprachigen Raum

Wellnessurlaub bleibt vorwiegend Heimaturlaub. Denn drei von vier Wellnessreisen finden im Inland statt. Das Wachstum in den letzten fünf Jahren betrug durchschnittlich jeweils 10%. Spitzenreiter unter den Bundesländern ist Bayern, gefolgt mit recht großem Abstand von Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg.[51]

3.3.3. Im internationalen Vergleich

Vor allem in Ost- und Südeuropa umwerben die einzelnen Länder den deutschen Kurgast mit großem Erfolg. Allerdings zieht der deutsche Wellness-Tourismus im Gegenzug noch nicht denselben Erfolg nach sich. Der inzwischen internationalisierte Wellness Begriff erleichtert aber den Einstieg.[52] So legten auch die Ausgaben für Wellnessreisen im Ausland in den letzten fünf Jahren im Durchschnitt um je 10,5% zu. Darunter erzielen Österreich und Norditalien die größten Umsätze bei deutschen Wellness Gästen.[53]

3.3.4. Hauptelemente des Wellnesstourismus

Die Komponenten des Wellness definieren sich aus dem Ernährungsbewusstsein, der körperlichen Fitness, der Sensibilität der Umwelt sowie dem Stressmanagement. Bei dieser neuen Auffassung vom Begriff Gesundheit soll das Wohlbefinden und die Lebensqualität im Mittelpunkt stehen und der Gast innere Harmonie finden.[54] Für ein persönliches und individuelles Lebensführungskonzept beruht Wellness weiterhin auf dem Wissen und den Schlüsselkompetenzen, um eigene Bedürfnisse aktiv zu befriedigen. Dabei untergliedern sich diese Schlüsselqualifikationen in folgende vier Kompetenzen:[55]

- Mentale Bedürfnisse – Lernen, Wachsen, Kreativität, Sinnfindung, Selbstverwirklichung und Intuition
- Emotionale Bedürfnisse – Selbstachtung und Selbstvertrauen, Zuversicht, der Umgang mit sich selbst und Stressmanagement
- Soziale Bedürfnisse – der Umgang mit anderen, Konflikt- und Beziehungsmanagement, Kommunikationskompetenz
- Körperliche Bedürfnisse – Fitness, Gesundheit, Bewegung, Ernährung, Entspannung

3.3.5. Ernährung

Auch die Ernährung ist ein starker Faktor wenn es um das Gut Gesundheit geht. Die heutigen Wellnessgäste legen großen Wert auf Früchte und Produkte mit Körnern da es sich durch ihre gute Verträglichkeit, Bekömmlichkeit und Verarbeitung auszeichnet. Außerdem sind Tee, Vitaminsaft, Naturjoghurt, Frischkäse, Salat, Obst und Gemüse, Brot und Müsli für eine gesunde und leichte Ernährung notwendig. Besonders wichtig sind frische und naturbelassene Nahrungsmittel und Getränke und vor allem Wellnessgäste greifen auch vermehrt auf Bio Produkte zurück. Durch Beratungscouchs, Empfehlungen, Rezeptvorschläge usw. finden Gesundheitsinteressierte überall ein breit gefächertes Angebot und Anregungen für eine ausgewogene Ernährung. Allein im Einzelhandel gibt es neben den Supermärkten auch Biobauernhöfe, Reformhäuser, Drogerieketten (der Bio Supermarkt Alnatura verkaufte in den 80ern seine Produkte erst über die dm Drogeriemärkte bevor er 1987 den ersten eigenen Markt in Mannheim eröffnete)[56], Apotheken und Wochenmärkte.[57]

Allerdings bieten längst nicht alle Wellness Produkte auch gesundheitsfördernde Maßnahmen. Es wird zumindest davon ausgegangen, das alles was natürlich ist, zumindest nicht schädlich für den Körper ist und damit zum Wohlbefinden beiträgt. Bewußt werden Markennamen die Begriffe wie Wellness, Nutrition, Vitalität, Fitness, Balance oder ähnliches beeinhalten, gewählt. Oft ist aber nur eine gesundheitsfördernde Zutat enthalten. Dabei taucht mittlerweile in jedem zweiten Produkt der Name Aloe Vera auf. Probiotische Kulturen, weniger Zucker (Coca Cola Zero) oder Fett (Low Fat) oder Light und Diät Produkte für ein gesundes Herz und Kreislauf sind weitere Komponenten.[58]

In Zukunft wird aber ein großer Trend in die Richtung des ‚Functional Food‘ gehen. Dies verspricht bei der Nahrungsaufnahme auf Vitaminpillen als Nahrungsergänzung verzichten zu können. Denn diese Mikronährstoffe sind bereits in diesen Nahrungsmitteln enthalten. Durch eine gentechnische Manipulation sollen Defizite ausgeglichen werden oder relevante Impfstoffe für den Körper zur Verfügung stehen. Erprobt werden konnte einiges schon an probiotischen Joghurtprodukten, deren stimulierende Wirkung sich positiv auf das Immunsystem auswirkt und anhand von Studien nachgewiesen werden konnte. Weitere Erkenntnisse gibt es durch einen amerikanischen Müsliriegel, der das Cholesterin senkt, einen Kaugummi, der anhand von Bestandteilen einer Sojabohne das Gehirn vermehrt anregen soll. Der Markt wächst rapide, aber es ist schwer zu sagen was Functional Food alles umfasst. Und es gibt bislang noch keine Gesetzgebung dazu, da die Beweislast der Studien zu dünn ist.[59]

3.3.6. Entwicklung neuer Berufsfelder

Bildungsinteressierte Menschen, die beruflich im Wellnessmarkt tätig sind oder einsteigen wollen, haben in dem rasanten Wachstum des Boommarktes Wellness längst die Orientierung verloren. Es ist noch nicht einmal klar festgelegt, was genau unter einem Bildungsabschluss oder einer Berufsbezeichnung wie ‚Wellness-Trainer‘ oder ‚Wellness-Manager‘ zu verstehen ist. Zudem hat der Wellness Boom auch zahlreiche unseriöse Anbieter angelockt, die mit allen Methoden auf Kundenfang sind. Daher ist der Deutsche Wellness Verband gefordert, systematisch Sicherheit in den Markt zu bringen und das Bildungsangebot auf Qualität und Zertifizierbarkeit zu prüfen. Die offizielle Anerkennung eines einwandfreien geprüften Bildungsangebotes erfolgt durch den Deutschen Wellness Verband. Der Anbieter bekommt eine entsprechende Anerkennungsurkunde, die 12 Monate gültig ist. Durch das ausgestellte Prüfsiegel des Deutschen Wellness Verband wird die Anerkennung öffentlich ausgewiesen. In einigen Ausnahmefällen kann die Befristung auf 24 Monate verlängert werden.[60]

[...]


[1] Vgl. http://www.btw.de/cms/upload/download_daten/JB-04-Aktivitaeten.pdf (01.04.2009)

[2] Vgl. Freyer, W., Naumann, M. in Reuber, P., Schnell, P., (2006), S. 306f.

[3] Vgl. Fischer, E., Pechlaner, H., (2006) S. 14f.

[4] Vgl. http://quality.kenline.de/seiten_d/qm_definition.htm (12. 04.2009)

[5] Vgl. Fischer, E., Pechlaner, H., (2006) S. 16.

[6] Vgl. Erdmann, A., (2000) S. 7.

[7] Lanz-Kaufmann, E., (2002) S. 7.

[8] Ebenda., S. 20.

[9] Vgl. Rösch, A., (2000) S. 15.

[10] Vgl. Illing, K., (2002) S. 9.

[11] Vgl. Ebenda., S. 10.

[12] Vgl. Wiesner, K. A., (2007) S. 19.

[13] Vgl. Schwaiger, J., (2006) S. 4.

[14] http://gesundheitsmanagement.kenline.de/html/definition_gesundheit_krankheit.htm (14.04.2009)

[15] Vgl. Illing, K., (2009) S. 9.

[16] Vgl. Lanz-Kaufmann, E., (2002) S. 15.

[17] Vgl. Nahrstedt, W., (2008) S. 30.

[18] Vgl. http://www.who.int/hpr/NPH/docs/ottawa_charter_hp.pdf (14.04.2009) Übersetzung des Verfassers

[19] Vgl. Mundt, J. W., (2006) S. 1ff.

[20] Vgl. Freyer, W., (2009) S. 2.

[21] Bieger, T., (2006) S. 35.

[22] Vgl. Bieger, T., (2008) S. 2.

[23] Vgl. Freyer, W., (2009) S. 3f.

[24] Vgl. Bieger, T., (2008) S. 3f.

[25] Vgl. Erdmann, A., (2000) S. 3.

[26] Vgl. Hopfinger, H. (Hrsg.), Rulle, M., (2008) S. 33.

[27] Vgl. Lanz-Kaufmann, E., (2002) S. 7.

[28] Vgl. Opaschowski, H.W., BAT Freizeit-Forschungsinstitut (Hrsg.), (1985) S. 40.

[29] Vgl. Walder, B., (2007) S. 21ff.

[30] Vgl. http://ec.europa.eu/employment_social/news/2005/mar/demog_gp_de.html (18.05.2009)

[31] Vgl. Opaschowski, H. W., (2006) S. 164f.

[32] Vgl. http://ec.europa.eu/employment_social/news/2005/mar/demog_gp_de.html (18. 05.2009)

[33] Vgl. Petermann, T., Revermann, C., Scherz, C., (2005) S. 20.

[34] Vgl. Steinecke, A. (Hrsg.), Leder, S., (2007) S. 21ff.

[35] Vgl. Steinecke, A. (Hrsg.), Leder, S., (2007) S. 23.

[36] Vgl. Opaschowski, H.W., (2006) S. 173f.

[37] Vgl. Walder, B., (2007) S. 24f. Best Ager sind Marketing Konsumenten ab 50 Jahren

[38] Vgl. Ebenda.

[39] Vgl. Steinecke, A. (Hrsg.), Leder, S., (2007) S. 24.

[40] Steinecke, A. (Hrsg.), Leder, S., (2007) S. 27.

[41] Vgl. Ebenda., S. 42f.

[42] Vgl. Ebenda., S. 125f.

[43] Vgl. Boorstin, D. J., in Berg Nordstrand, K., (2006/2007), S. 38ff.

[44] Vgl. Sonnenschein, M., (2009) S. 19.

[45] Vgl. ebenda. S. 87f.

[46] Vgl. Wiesner, K. A., (2007) S. 17.

[47] Vgl. Nahrstedt, W., (2008) S. 24. Ph.D. M.D. Halbert L. Dunn (1896-1975) war eine führende Persönlichkeit und Vater der Wellnessbewegung. Er stellte das Wellnesskonzept in einer Reihe von Vorträgen vor, die 1961 den Ausschlag für seine Veröffentlichung des Buches zum hoch qualifizierten Wellness gaben.

[48] Vgl. www.wellnesss-oasen.info (16.04.2009) John Travis, auch eine führende Persönlichkeit der Wellnessbewegung, erweiterte Mitte der 70er Jahre Halbert L. Dunns Ideen und eröffnete das erste US Wellnesscenter in Mühltal, CA, 1975. Dr. Travis ‚Wellness Inventory‘ ist die Grundlage für Wellness Programme und wird von Trainern häufig verwendet. www.wellpeople.com.

Donald B. Ardell, ein Doktorat in der Gesundheit und öffentlichen Ordnung, schrieb 1976 hoch qualifiziertes Wellness (eine Alternative zu den Doktoren, Drogen und Krankheit) unter der Verwendung des Halbert L. Dunn`s Titel und des Konzeptes und veröffentlichte dies 1977. Es folgten viele weitere Wellnessbücher sowie seine Erfindung des Ardell-Wellness-Reports. www.seekWellness.com ist der größte Behälter der Wellnessversuche.

[49] Vgl. http://www.wellnessverband.de/infodienste/beitraege/070225_medwellness.php (16.04.2009).

[50] Vgl. Wiesner, K. A., (2007) S. 18.

[51] Vgl. http://www.wellnessverband.de/infodienste/marktdaten/090317_wellnesssensor.php (20.04.2009)

[52] Vgl. Nahrstedt, W., (2008) S. 47f.

[53] Vgl. http://www.wellnessverband.de/infodienste/marktdaten/090317_wellnesssensor.php (20.04.2009)

[54] Vgl. Erdmann, A., (2000) S. 8.

[55] Vgl. Schleinkofer, G. (Hrsg.), Geiger, A., Gindhart, Th., Neuhaus, G., Rauch, J., Ritter, S., (2005) S. 13.

[56] Vgl. http://www.alnatura.de/de/geschichte (25.04.2009)

[57] Vgl. Wiesner, K.A., (2007) S. 53f.

[58] Vgl. Ebenda. S. 55f.

[59] Vgl. Barth, R., Werner, C. (Hrsg.), (2005) S. 40f.

[60] Vgl. http://www.wellnessverband.de/beruf/kommission.php (01.06.2009)

Details

Seiten
93
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783842802735
Dateigröße
5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v227958
Institution / Hochschule
Hochschule Heilbronn, ehem. Fachhochschule Heilbronn – Wirtschaft II, Tourismusbetriebswirtschaft
Note
2,3
Schlagworte
wellness gesundheit medical ökomanagement zertifizierung

Autor

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Titel: Qualitätsmanagement im Wellness- und Gesundheitstourismus