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Wirkungsweise von Projekten zur Verringerung lokaler Folgen der globalen Nahrungskrise

Das Projekt "land for food" in der Region Tubod (Philippinen)

Diplomarbeit 2009 123 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

II. Tabellenverzeichnis

III. Abbildungsverzeichnis

1. Problemstellung
1.1. Methodik

2. Theoretische Grundlagen der Untersuchung
2.1. Ansätze der Vulnerabilitätsforschung
2.1.1. Ansatz nach Chambers
2.1.2. Interdependenztheoretischer Blickwinkel
2.1.3. „Entitlement“ -Ansatz
2.1.4. „Empowerment“-Ansatz
2.1.5. Ansatz der politischen Ökonomie und Ökologie
2.2. Identifikation des Vulnerabilitätsgrades
2.2.1. Auswirkungen auf verschiedene Gruppen
2.2.2. Vulnerabilitätsfaktoren
2.2.2.1. Langfristige Faktoren
2.2.2.2. Kurzfristige Faktoren
2.3. Nahrungsmittelkrise
2.4. Vulnerabilität und Nahrungskrisen
2.5. Maßnahmen zur Vermeidung einer Nahrungskrise

3. Datenerhebung in der Region Tubod/Carmen (Mindanao)
3.1. Kriterien zur Auswahl der Region
3.2. Methodik und Ablauf der Untersuchung
3.3. Auswertungsmethode

4. Weltmarktsituation - Auswirkungen auf die Philippinen

5. Analyse der gewonnenen Daten
5.1. Grundlegende Daten zur Bestimmung der Ausgangslage
5.1.1. Haushaltsgröße
5.1.2. Größe der landwirtschaftlichen Anbaufläche
5.1.4. Verkauf der Produkte
5.1.5. Arbeitseinkommen
5.1.6. Ungefähres Einkommen durch die Landwirtschaft innerhalb eines Jahres
5.1.7. Monatliche Ausgaben für Nahrungsmittel
5.1.8. Analyse der Basisdaten
5.2. Kurzfristige Faktoren und Veränderungen
5.2.1. Entwicklung der Kosten für Reis
5.2.2. Entwicklung der Energiekosten
5.2.3. Entwicklung der Preise für Düngemittel und Pestizide
5.2.4. Analyse der Preisveränderungen
5.3. Darstellung der ermittelten Folgen der Preiserhöhungen
5.3.1. Empfundene Veränderung der Lebensumstände
5.3.2. Einschränkungen in der Gesundheitsversorgung
5.3.3. Veränderung der Ausgaben für die Schulbildung
5.3.4. Auswanderung in das Ausland oder in größere Städte
5.3.5. Analyse der ermittelten Folgen der Preiserhöhung
5.4. Ursachen für die Preiserhöhung aus Sicht der Befragten
5.4.1. Subjektive Wahrnehmung der Ursachen für die Preiserhöhung
5.4.2. Naturereignisse als Ursache für die Schwankungen
5.4.3. Analyse der Ursachen aus Sicht der Betroffenen
5.5. Die Rolle der Kreditaufnahme in der Untersuchungsregion
5.5.1. Herkunft der Kredite
5.5.2. Kreditaufnahme bei den Reishändlern
5.5.3. Kreditaufnahme bei der Bevölkerung mit Agrarfläche
5.5.4. Kreditaufnahme bei der Bevölkerung ohne Agrarfläche
5.5.5. Analyse der Kreditaufnahme
5.6. Bewertung des Vulnerabilitätsgrades der Region anhand der gewonnenen Daten

6. Lösungsansatz „land for food“
6.1 Die Ausgangssituation der Region Tubod/Carmen
6.1.1. Exkurs: Konvertierung von Reisanbauflächen in Bananenplantagen
6.2. Ziele des Projekts „land-for-food“
6.3. Vorgehensweise bei der Umsetzung des Projekts
6.4. Chancen und Probleme des Projekts

7. Abschließende Bewertung der Arbeit

8. Summary

IV. Literaturverzeichnis

V. Fragebögen
a. Fragebogen Reisverkäufer
b. Fragebogen Bevölkerung ohne Agrarfläche
c. Fragebogen Bevölkerung mit Agrarfläche

I. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

II. Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Legende zur Häufigkeitsverteilung

Tab. 2: Haushaltsgröße

Tab. 3: Klassifiziertes Einkommen der Bevölkerung ohne Agrarfläche

Tab. 4: Klassifiziertes Einkommen der Bevölkerung mit Agrarfläche

Tab. 5: Jahreseinkommen durch die Landwirtschaft (inPeso)

Tab. 6: Klassifizierte Ausgaben für Lebensmittel (alle Gruppen mit/ohne)

Tab. 7: Vergleich des Preises für Reis Oktober 2007/2008

Tab. 8: Vergleich der Gaspreise Oktober 2007/ 2008

Tab. 9: Ist der Besuch einer Schule möglich?

Tab. 10: Gibt es Pläne ins Ausland zu gehen bzw. leben schon Verwandte im Ausland?

Tab. 11: Wer plant ins Ausland zu gehen?

Tab. 12: Gründe für die Auswanderung

Tab. 13: Existieren Pläne in eine größere Stadt zu ziehen?

Tab. 14: Wer plant in eine größere Stadt zu gehen?

Tab. 15: Gründe für die Auswanderung

Tab. 16: Herkunft der aufgenommenen Kredite

Tab. 17: Umsetzung des 10-Punkteplans durch Mariphil

III. Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Darstellung der verstärkenden Wirkung der Faktoren amBeispiel: Bildung/Gesundheit

Abb. 2: Veränderungen des World Food Price Index 01.2007-01.2009 (2002-2004 =100)

Abb. 3: Schematischer Ablauf einer Nahrungskrise

Abb. 4: Lage der untersuchten Region

Abb. 5: Größe der pro Haushalt zu Verfügung stehenden landwirtschaftlichen Nutzfläche

Abb. 6: An wen werden die erzeugten Produkte verkauft

Abb. 7: Entwicklung der Reispreise von Januar 2007 bis März 2009

Abb. 8: Prozentualer Anstieg der Preise für Dünger und Pestizide (2007/2008)

Abb. 9: Empfundene Veränderung der Lebensbedingungen im Vergleich 2007/2008 (Bevölkerung mit Agrarfläche)

Abb. 10: Empfundene Veränderung der Lebensbedingungen im Vergleich 2007/2008 (Bevölkerung ohne Agrarfläche)

Abb. 11: Empfundene Veränderung der Lebensbedingungen im Vergleich 2007/2008 (Reishändler)

Abb. 12: Einschränkungen in der Gesundheitsversorgung

Abb. 13: Wer wird von den Betroffenen verantwortlich für den Preisanstieg gemacht?

Abb. 14: Wurde ein Kredit aufgenommen?(Reishändler)

Abb. 15: Wurde ein Kredit aufgenommen? (Bevölkerung mit Agrarfläche)

Abb. 16: Verwendungszweck der Kredite (Bevölkerung mit Agrarfläche)

Abb. 17: Wurde ein Kredit aufgenommen? (Bevölkerung ohne Agrarfläche)

Abb. 18: Verwendungszweck der Kredite (Bevölkerung ohne Agrarfläche)

Abb. 19: Wie bekannt ist das CARP?

Abb. 20: Hütte I in Tubod 2006 und 2008

Abb. 21: Hütte II in Tubod 2006 und 2008

1. Problemstellung

„Zwischen 1990 und 2015 den Anteil der Menschen halbieren, die Hunger leiden“ (VereinteNationen 2008: 10), so lautet eines der Millenniumsziele der Vereinten Nationen. Durch den Anfang des Jahres 2007 beginnenden rasanten Anstieg der Nahrungsmittel- und Energiepreise wurden die bislang erreichten Ziele der Millenniumskampagne wieder weitestgehend verfehlt. Laut Aussage der Weltbank wuchs durch diesen Anstieg die Anzahl derer, die Hunger leiden, sogar um 100 Millionen Menschen an (Bundes2008:8). Die Erreichung des oben genannten Ziels ist somit wieder in weite Ferne gerückt. Vor allem die besonders arme Bevölkerung wird von steigenden Lebensmittelpreisen sehr hart getroffen, da sie kaum über Kapazitäten verfügt, um die Folgen abzufangen.

Weltweit führte die Entwicklung der Preise im Jahr 2008 in mehr als 22 Ländern zu Hunger (Le Monde Diplomatique 2009: 20). Auch auf den Philippinen kam es zu – wenn auch größtenteils friedlich ablaufenden – Aufständen.

Der vorliegenden Arbeit ging ein viermonatiger Aufenthalt in Tubod/Carmen in der Provinz Davao del Norte (Mindanao/Philippinen) voraus. Die Region ist stark von der Agrarwirtschaft abhängig. Sie ist sehr fruchtbar und bleibt weitestgehend von den von August bis Oktober häufig über das Land ziehenden Taifunen verschont, was sie auch sehr interessant für den Anbau von Cash-Crops macht. Dadurch bedingt ist ein Rückgang der Produktion von Grundnahrungsmitteln wie beispielsweise Reis. Die rurale Bevölkerung des Erhebungs-gebietes wird dadurch immer abhängiger von den Marktpreisen.

Im Hinblick auf den Anstieg der Nahrungsmittelpreise soll im Rahmen dieser Untersuchung die Frage geklärt werden, inwiefern die Region Tubod/Carmen aufgrund ihrer Vulnerabilität anfällig für eine durch die Preissteigerungen verursachte Nahrungskrise ist. Es wird angenommen, dass die Verwundbarkeit der Betroffenen größer geworden ist und bereits erste Anzeichen einer Nahrungskrise erkennbar sind. Dabei ist es auch von Interesse, ob verschiedene Gruppen eine unterschiedlich starke Vulnerabilität aufweisen.

Um die Auswirkungen der Krise auf die betroffenen Menschen zu verringern, wurden international und national Hilfsmaßnahmen gestartet. Dabei stellt sich die Frage, welche Maßnahmen, entsprechend vorliegender Vulnerabilitätstheorien, durchgeführt werden müssen, damit eine Krise vermieden und die Situation langfristig stabilisiert werden kann.

Im Zusammenhang mit der Arbeit fand weiterhin eine intensive Auseinandersetzung mit dem Hilfsprojekt „land-for-food“ der NGO Mariphil statt. Die Arbeit versucht in diesem Zusammenhang die These zu überprüfen, dass die Durchführung des Projektes zu einer nachhaltigen Verbesserung der Lebensbedingungen der Beteiligten führen wird. Dabei soll auch ermittelt werden, auf welchem Weg das Vorhaben versucht, die Einkommenssituation zu optimieren.

1.1. Methodik

Die Arbeit ist in acht Großkapitel unterteilt. Das erste Kapitel stellt den Hintergrund der Untersuchung und die Fragestellung vor. Des Weiteren wird ein kurzer Überblick über den Aufbau der Arbeit gegeben. Die Grundlage für die empirische Überprüfung der Situation vor Ort bilden die Diskussionen innerhalb der Vulnerabilitätsforschung. Mit diesen beschäftigt sich das zweite Kapitel. Dabei steht der Bezug zur Ernährungssicherung im Vordergrund. Zu Be werden die verschiedenen Ansätze der Vulnerabilitätsforschung dargelegt und auf ihre Anwendbarkeit in dem Projektgebiet hin untersucht.

Den Anfang bildet das stark von Chambers geprägte Vulnerabilitätskonzept, welches immer wieder von verschiedenen Autoren aufgegriffen wird und als eines der grundlegendsten überhaupt gilt (Watts, Bohle 1993b:118). Daran schließt der interdependenztheoretische Blickwinkel an. Darauf folgen der Entitlement-Ansatz und der Empowerment-Ansatz. An fünfter Stelle wird die Sichtweise der Vertreter der politischen Ökonomie und Ökologie dargelegt. Weiterhin werden die verschiedenen Formen der Vulnerabilität aufgezeigt. Den Abschluss des Kapitels bildet die Erläuterung der Mittel zur Identifikation des Vulnerabilitätsgrades einer Region. Zu dem Zweck werden zum einen die anzunehmenden Auswirkungen auf einzelne Gruppen untersucht, da bei der Bestimmung der Vulnerabilität vorab die Frage geklärt werden muss, auf welche Größe die untersuchte Gruppe oder Region entsprechend reagiert (Cordona2004:38). Zum anderen werden die Faktoren betrachtet, die Rückschlüsse auf den Grad der Vulnerabilität zulassen. Wichtig ist hier eine Unterscheidung zwischen kurz- und langfristigen, externen und internen Ursachen. Weiterhin wird auf die Entstehung und die Merkmale einer Nahrungskrise eingegangen. Anschließend wird die Nahrungskrise im Bezug zur Vulnerabilität betrachtet und es werden Maßnahmen zur Vermeidung einer solchen Entwicklung aufgezeigt.

Im dritten Kapitel wird die Methodik der Befragung dargelegt. Hierzu zählen neben der Aus des Untersuchungsgebietes das Vorgehen bei der Befragung und die Auswertungs. Da auch die Weltmarktsituation großen Einfluss auf die Lage auf den Philippinen und in dem Gebiet hat, werden ihre Auswirkungen im vierten Kapitel näher be. Im fünften Kapitel stehen die Datenerhebung, -bewertung und -analyse im Vor. Die relevanten Daten werden dargestellt, ausgewertet, verglichen und die Ergebnisse werden am Ende des jeweiligen Unterkapitels im Bezug zum Vulnerabilitätskonzept diskutiert.

Eine zusammenfassende Bewertung erfolgt im sechsten Kapitel, bevor im siebten näher auf das Projekt „land for food“ der NGO „Hilfsprojekt Mariphil“ eingegangen wird. Im Rahmen der Beschreibung der zum Zeitpunkt der Erhebung aktuellen Situation werden in einem Exkurs die Vor- und Nachteile der Konvertierung der Reisfelder in Bananenplantagen aufgeührt. Nach einer Vorstellung des Vorhabens und einer Offenlegung der Ziele wird die ge Durchführung dargestellt. Im Anschluss werden die daraus entstehenden Chancen und Probleme ermittelt und analysiert. Abschließend erfolgen im achten Kapitel eine Bewertung der Situation in den untersuchten Regionen und ein Ausblick auf die Möglich, die sich durch das Projekt ergeben.

2. Theoretische Grundlagen der Untersuchung

Im Laufe der Jahre wurden verschiedene Möglichkeiten zur Identifikation und Analyse der Vulnerabilität einer Region untersucht. Hierbei stellte sich heraus, dass eine Ermittlung der externen wie auch der internen Ursachen nötig ist (Chambers 2006:33). Weiterhin müssen die allgemeine und die spezifische Vulnerabilität untersucht (Bohle2001a:4) und es müssen die Faktoren Sensitivität und Ausprägung der Bewältigungskapazität erfasst werden (Moss etal.2000, zit. nach Voss o. J.: 170).

In dem folgenden Kapitel werden verschiedene Ansätze und Erklärungsversuche dargestellt. Ihnen gemeinsam ist das Ziel, die Ursachen zu analysieren, die den Vulnerabilitätsgrad einer Region bestimmen. Den Beginn macht ein allgemein gehaltener Überblick über die verschiedenen Richtungen. Anschließend wird auf den grundlegenden Ansatz von Chambers eingegangen. Es folgt der interdependenztheoretische Blickwinkel. Der Entitlement-Ansatz wird im An daran näher erläutert. Hieran schließt sich eine Vorstellung des Empowerment-Ansatzes an. Den Abschluss bildet die Sichtweise der politischen Ökonomie und Ökologie. Weiterhin werden die zur Identifikation des Vulnerabilitätsgrades einer Region benötigten Faktoren und die jeweiligen Auswirkungen auf die Betroffenen dargestellt. In dem Zusammen wird auch genauer auf die Indikatoren, die die Vulnerabilität beeinflussen, eingegangen.

2.1. Ansätze der Vulnerabilitätsforschung

Entsprechend der Definition des deutschen Fremdwörterbuchs wird der Begriff Vulnerabilität mit Verwundbarkeit oder Verletzlichkeit übersetzt. Die Bedeutung des Wortes lässt sich auch aus der lateinischen Bedeutung vulnus (Wunde) oder vulnerare (verletzen) ableiten. Schon zur Zeit der Römer wurde der Begriff verwendet, um die Anfälligkeit bereits verwun Soldaten gegenüber einem neuen Angriff zu bezeichnen. Aus diesem Verständnis lässt sich ableiten, dass ein Individuum oder eine Gruppe aufgrund eines Ereignisses nicht mehr in der Lage ist, sich gegen nachfolgende Eingriffe ausreichend zu schützen (Adgeretal.2001, zit. nach Dietz o.J.: 13). Eine Synthetisierung des Begriffs in einer einheitlichen wissenschaftlichen Begriffsdefinition ist kaum möglich, da der jeweilige Anwendungsbereich und der Benutzer eine entscheidende Rolle spielen (Heijmans2004:115). Laut Wisner(2004: 185-186) kann man zwischen acht verschiedenen Formen von Vulnerabilität differenzieren: es gibt die materielle/ökonomische, die soziale, die ökologische, die bildungsbedingte, die stellungsängige, die politische, die kulturelle und die physikalische Vulnerabilität. Sie alle be unterschiedliche Gruppen in verschiedenem Grade und können auch in Kombination auftreten.

In der entwicklungspolitischen Debatte gewann der Ausdruck in den frühen 1980er Jahren an Bedeutung. Immer wieder wurde er im Zusammenhang mit der Beschreibung von Natur verwendet und es wurde eine direkte Verbindung mit letzterem angenommen (Wisner1993:127). Einige Autoren beschäftigten sich in den folgenden Jahren mit der Analyse des Konzepts der Vulnerabilität. Neben der Verwendung von ökologischen Begriffen wurde das Konzept als Reflexion sozialer Beziehungen angesehen bzw. im Bezug zur politischen Ökonomie und Klassenstruktur diskutiert (Watts,Bohle1993b:118).Von vielen Wissenschaftlern wird der Ansatz der Vulnerabilität als Schlüsselkonzept zur Definierung und Erfassung unterschiedlichster Aspekte von Natur und –katastrophen angesehen.

Es kristallisierten sich zwei Diskussionsrichtungen heraus. Auf der einen Seite stehen die Vertreter des naturwissenschaftlichen bzw. klimadeterministischen Ansatzes, die des sogenannten „Risk“- oder „Natural-Hazard-Ansatzes“. Sie stellen Vulnerabilität als das Ergebnis externer Einwirkungen dar. Hierbei bestimmen die Intensität, die Häufigkeit und die Form des Ereignisses, das auf die Betroffenen einwirkt, den Grad der Verwund (Dietz o.J.:14). Dem gegenüber steht der sozialwissenschaftlich geprägte Ansatz (Voss,Hidajat o.J.:169), welcher die Ursache von Verwundbarkeit in den sozialen Be verankert sieht. Es kommt jedoch bei beiden Betrachtungsweisen zu Schwierig beim Versuch, den Begriff direkt auf eine konkrete Situation anzuwenden (Wisner1993:127). Verstanden werden können diese Unsicherheiten u.a. durch die Tatsache, dass Vulnerabilität einen dynamischen Prozess darstellt und somit ständigen Änderungen unter ist (Bankoff,Hilhorst 2004:2).

Hieraus können unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten des Begriffs abgeleitet werden. Zum einen wird er als Messgröße zur Bestimmung der Intensität und der Auswirkungen von negativen Ereignissen verwendet. Zum anderen hilft er bei der Konkretisierung bestehender Schwächen, die eine bestimmte Bevölkerungsgruppe besonders anfällig gegenüber Veränderungen macht (Dietz o.J.:14).

In vielen Fällen wird Vulnerabilität mit Armut gleichgesetzt, was besonders augenfällig ist, wenn man sich Veröffentlichungen zur Hungerproblematik ansieht (Lohnert1995:5). Armut wird von den bi- und multilateralen EZ-Organisationen vornehmlich anhand von mess- bzw. zählbaren Indikatoren bestimmt. So liegt beispielsweise die internationale Armutsgrenze, die von der Weltbank auf internationaler Ebene angenommen wird, bei 1US$ bzw. seit 2005 bei 1,25 US$ pro Tag und Person (Weltbank 2009). Dabei ist es sicherlich richtig, dass besonders die ärmsten Bevölkerungs in den armen Ländern von Hunger und Unterernährung betroffen sind. (u.a. Wilches-Chaux 1992:33-35, zit. nach Voss, Hidajat o.J.:171, Watts,Bohle1993b:117). Jedoch muss hier beachtet werden, dass es sich nicht um eine homogene Gruppe handelt. Vielmehr kann man Unterschiede im Umgang mit negativen Gegebenheiten und Veränderungen feststellen. Es sind nicht zwingend die Ärmsten, die dem größten Risiko ausgesetzt sind und die höchste Vulnerabilität aufweisen (Wisner1993:127). Es spielen hierbei, neben einkommensabhängigen Größen, eine Vielzahl von Faktoren eine Rolle (Watts,Bohle1993b:117). Außer dem Einfluss der Faktoren Subsistenz, Tauschhandel und soziale Netze (Bohle1992:79,zit.nachVoss, Hidajat o.J.:171) sind auch Charakteristika wie Klasse, Geschlecht, Ethnizität, Alter und Bildung von großer Bedeutung (Wisner1993:127). Sie können zu unterschiedlichen Graden von Vulnerabilität innerhalb einer ökonomischen Gruppe führen.

Um die verschiedenartigen Folgen, die ein und dasselbe Ereignis auf eine Personengruppe haben kann, zu untersuchen, müssen verschiedene wissenschaftliche Ansätze hinzugezogen werden (Downing1993:206 ff.). Hinzu kommt, dass die Auswirkungen eines Ereignisses nicht unmittelbar nachzuvollziehen sind. Anfangs ist es oft noch möglich, die Folgen mit Hilfe der vorhandenen Bewältigungskapazitäten zu begrenzen. Kommt es jedoch über einen längeren Zeitraum zu einer solchen Einwirkung, bricht das Abwehrsystem zusammen und die Folgen werden sichtbar. Solche Veränderungen sind in vielen Fällen irreparabel. Als Beispiel, wenn auch aus einem anderen Bereich, kann hier das Ozonloch ge werden.

Wilches-Chaux (1992:33-35) weist zudem auf die unterschiedlichen Sichtweisen zur Erärung der Vulnerabilität hin. Er differenziert zwischen einer „natürlichen, physischen, ökologischen, technischen, ökonomischen, sozialen, politischen, institutionellen, ideologischen, kulturellen und ‚educativen‘ Vulnerabilität“ (Wilches-Chaux1992:33-35, zit. nachVoss, Hidajat o.J.:169).

Bei der Anwendung auf bestimmte Gebiete muss darauf geachtet werden, dass es nicht zu Übergeneralisierungen kommt und so wichtige Faktoren bei der Betrachtung einer Region außer Acht gelassen werden. Werden beispielsweise ganze Städte oder Landstriche aufgrund ihrer Lage als vulnerabel eingestuft, kann es dazu kommen, dass eventuell vorhandene Randgruppen bei einer solchen Betrachtung nicht berücksichtigt werden. Durchgeführte Maßnahmen zur Verbesserung der Situation können somit zwar im Ganzen zu einer Optimierung führen, die Ungleichheit innerhalb des Gebietes wird auf diesem Weg aber nicht beseitigt. Im schlimmsten Fall, wenn nur ein Teil der Bevölkerung von den Maßnahmen profitiert, können solche Ungleichheiten im Gegenteil noch verstärkt werden (Wisner1993:128).

2.1.1. Ansatz nach Chambers

Chambers (1989:1) versucht, diese verschiedenen Aspekte mit einzubeziehen. Er unterscheidet deutlich zwischen Armut und Vulnerabilität. Hierbei bezeichnet Armut den Entzug, das Fehlen und das Bedürfnis nach Nahrung. Den Begriff der Vulnerabilität definiert er hingegen als die Abhängigkeit von negativen Ereignissen, die Hilflosigkeit, diesen ausgeliefert zu sein, und die Schwierigkeit, damit fertig zu werden. Vulnerabilität beleuchtet demnach zwei Seiten des Risikos: eine externe Seite in Form von Schock und Stress, von denen eine Einzelperson oder ein Haushalt betroffen wird, und eine interne Seite, den Aspekt der Schutzlosigkeit. Durch diese fehlen die Voraussetzungen, Katastrophen unbeschadet zu bewältigen (Chambers1989:1). Diese Be wird von Bohle, Watts(1993:118) in drei Basiskoordinaten der Vulnerabilität zusammengefasst:

1. das Risiko der Abhängigkeit von Krisen, Stress und Schock

2. das Risiko unzureichender Kapazitäten, mit Krisen, Stress und Schock fertig zu werden

3. das Risiko, das die sich aus dem Ereignis entwickelnden Konsequenzen einen gravierenden Einfluss auf die Betroffenen ausüben; im Zusammenhang damit das Risiko der nur langsamen odereingeschränktenErholungvonKrisen,StressundSchock (u.a.Bohle,Watts1993:118).

Der Grad der sogenannten geophysikalischen Vulnerabilität einer Region oder einer Personen kann zum einen von den regionalen Gegebenheiten abhängen. Bewohner von Gebieten, in denen die Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines Naturereignisses wie z.B. eines Vulkanausbruchs, eines Erdbebens, einer Dürre oder Überschwemmung größer ist, weisen eine höhere Gefährdung auf. Man spricht hier von sogenannten „critical regions“. Vor allem für die ärmere Bevölkerung bedeutet das Eintreten einer solchen Naturgewalt eine soziale Katastrophe, da selbst rudimentäre Schutzmaßnahmen fehlen.

Des Weiteren wird der Grad jedoch auch davon bestimmt, inwieweit die Bevölkerung in der Lage ist, die Situation zu bewältigen. Man spricht hier von den „coping strategies“, welche zum einen von internen, informellen Strategien wie z.B. nachbarschaftlichen Ver abhängig sind. Solche sozialen Netze können die Betroffenen psychisch, ggf. auch materiell unterstützen und auffangen. Dadurch werden eventuell zu erwartende negative Auswirkungen abgemildert (Nuscheler, Debiel, Messnero. J.:31). Je kleiner die nachbarschaftlichen und familiären Netzwerke sind, desto stärker wächst die Vulnerabilität, da nur wenige Personen zur Verfügung stehen, die helfen können (Delica‑Willison, Willison 2004:152). Zum anderen spielt das Eingreifen externer Kräfte, z.B. in Form von staatlicher Unterstützungen, eine wichtige Rolle. Hierbei muss jedoch darauf geachtet werden, dass die Maßnahmen nicht allein oder nur an einer Stelle angreifen (Dietzo.J.:19).

Weiterhin nennt Wilches-Chaux (1992:170) noch die Schwäche und fehlende Flexibilität, sich an eine neue Situation anzupassen, als eine der Größen zur Bestimmung der Vulnerabilität. Der Grad der Vulnerabilität der Betroffenen hängt ab von ihren Möglichkeiten, auf eine negative Einwirkung reagieren zu können und über (Handlungs-)Alternativen zu verfügen. Sind solche Fähigkeiten nicht vorhanden, wird es für die Bevölkerung schwer, die negativen Folgen abzuwenden und eventuell sogar neue Chancen aus der Situation heraus wahrzunehmen. Das heißt, dass ein System dann vulnerabel wird, wenn die Grenze der Belastbarkeit erreicht wird (Kasperson,Dowo.J.:146).

Nach Chambers (1989:1) bestimmt der Grad der Vulnerabilität die Chancen einer Person oder einer Gruppe, aus dem Kreislauf der Armut wieder herauszukommen. Um den Betrof den Austritt zu erleichtern, muss eine direkte Unterstützung und eine Stärkung ihrer politischen Macht erfolgen (Dietzo.J.:18).

Zusammenfassend kann man nach Bohle, Downing, Watts (1994: 3) konstatieren, dass „die[jeningen, R.S.] am ehesten dem Risiko ausgesetzt sind (…), deren Bewältigungsstrategien am eingeschränktesten sind, die am stärksten unter den Konsequenzen einer Krise leiden und deren Erholungs am geringsten ist“ (Bohle,Downing, Watts 1994: 3).

2.1.2. Interdependenztheoretischer Blickwinkel

Die weltweiten Verflechtungen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Durch die Interdependenzen werden Entscheidungen und Entwicklungen überwiegend von internationalen Organisationen wie z.B. der EU, der EZB oder der WTO unter dem Einfluss der G8-Staaten getroffen. Die Souveränität der einzelnen nationalen Akteure wird dadurch eingeschränkt. Hinzu kommt, dass globale Probleme wie z.B. „die soziale Polarisierung in der Weltgesellschaft, das globale Bevölkerungswachstum, der Migrations aus den Armutsregionen, der globale Klimawandel, der internationale Terrorismus oder die Instabilität der internationalen Finanzmärkte“ (Nuscheler, Debiel, Messner o. J.: 10) weltweite Auswirkungen haben.

Bei der Interdependenz kann man drei verschiedene Formen unterscheiden. Was die räumliche Verflechtung angeht, so wirken die Folgen regionaler Probleme auch über die Grenzen hinaus. Die nationalen Grenzen verlieren ihre vor externen Einflüssen schützende Funktion (Smith 2004:22). So führen beispielsweise lokale Kriege dazu, dass die Flüchtlingsströme in die benachbarten Länder ziehen. Zudem können auch Finanz- oder Wirtschaftskrisen in einem Land Auswirkungen auf den gesamten Weltmarkt und somit für alle damit verknüpften Partner haben (Nuscheler, Debiel, Messner o.J.:32). Hier kommt hinzu, dass wenige Exportänder einer Vielzahl von Importländern gegenüberstehen. Treten in den Erzeugerändern Ernteausfälle auf, so weiten sich die Auswirkungen ebenfalls auf die von Importen abhängigen Länder aus (Wiggerthale 2009:2). Auch die Konsequenzen, die die Ver­änderung der Umwelt mit sich bringt, sind in der Regel nicht eingrenzbar und können globalen Einfluss ausüben.

Weiterhin kommt es zu zeitlichen Verflechtungen. Gerade bei der Frage nach der Nahrungs, beim Klimawandel und der damit einhergehenden Veränderung der Umwelt werden die langfristigen Folgen der aktuellen Nutzung immer wieder angesprochen. Ein Beispiel für die zeitliche Interdependenz wäre die Übernutzung des Bodens, um einen gewissen Ertrag zu erhalten. Hierdurch kann, mit den entsprechenden Mitteln, für einige Jahre ein besseres Ergebnis erzielt werden. Langfristig betrachtet, kommt es so allerdings zu einer Auslaugung des Bodens und die Produktivität sinkt. Die Konsequenzen aus der aktuellen Handlung sind demnach erst in der nahen oder fernen Zukunft feststellbar und können dann zu einer erhöhten Vulnerabilität führen.

Als drittes ist noch die systematische Verflechtung zu nennen. So können bereits kleinräum Eingriffe in das Ökosystem der Erde auch Auswirkungen auf die gesamte Erdoberfläche haben (Nuscheler, Debiel, Messner o. J.:32ff.).

Die daraus resultierenden Folgen für die einzelnen Akteure hängen von deren politischen und wirtschaftlichen Kapazitäten und Fähigkeiten ab. Durch diese Gegebenheiten wird bestimmt, inwieweit die Verflechtungen und Beschränkungen im Zuge der Globalisierungsprozesse ihre Handlungsspielräume begrenzen und ob sie die Vulnerabilität erhöhen. Je nachdem wie groß die Chancen und Möglichkeiten sind, internationale Krisen und Veränderungen ohne gravierende Einbußen zu überstehen, die entstehenden Kosten zu minimieren und ggf. entsprechende Alternativen zu finden, sprechen Interdependenztheoretiker von Sensitivität oder Vulnerabilität.

Hält man sich die Verteilung vor Augen, so stellt man fest, dass sowohl weltweit wie auch regional betrachtet große Unterschiede existieren (Nuscheler, Debiel, Messnero.J.:10). Während ein Teil der Bauern von der wirtschaftlichen Globalisierung profitiert, verzeichnen die anderen negative Auswirkungen. Verursacht werden diese durch den Abbau von Subventionen, den Wettbewerb mit billigeren Importen, Veränderungen bei der Kreditvergabe, den eingeschränkten Zu zum internationalen Markt und eine mangelhafte Verfügbarkeit von hochwertigen Inputmaterialien wie Saatgut, Düngemittel und Bewässerungsanlagen (Leichenko, O´brien, 2001:1). Als Beispiel hierfür können die Auswirkungen der Nahrungsmittelkrise betrachtet werden. Auch hier gibt es Gruppen, die von den Preiserhöhungen profitieren, wohingegen andere eine Verschlechterung ihrer Situation verzeichnen. Auf diesen Sachverhalt wird im Rahmen der Arbeit an anderer Stelle anhand der Erhebungsdaten nochmals näher eingegangen.

In der Landwirtschaft wird immer weniger für den eigenen Bedarf produziert. Stattdessen wird ein Großteil der Lebensmittel für die Grundversorgung importiert (McMichael1999:23). So kommt es zu einer Abhängigkeit der Nahrungsmittelpreise vom Weltmarkt. Die dort zu beobachtenden Schwankungen der Preise für Nahrungsmittel sind schwer kalkulierbar und haben Auswirkungen auf das „weltweite Wirtschaftsleben, die finanz Spielräume und auf die Schuldendienstfähigkeit“ (Nuscheler, Debiel, Messnero.J.:14). Die Folgen, die daraus für die einzelnen Länder und Bevölkerungs entstehen, sind unterschiedlich gravierend, da nicht alle Länder gleichermaßen in die globalen Wirtschaftsbeziehungen integriert sind (Leichenko, O´brien 2001:3). Hinzu kommt, dass die negativen Folgen der Nahrungspreiserhöhung für die Nettoimportländer besonders stark sind (BMZ2008:1). Um den Bedarf an Lebensmitteln zu decken, müssen wesentlich höhere Investitionen getätigt werden. Die zusätzlichen Ausgaben werden an die Konsumenten weitergegeben. Die Länder, die einen Großteil ihrer Produkte exportieren, können von den gestiegenen Preisen profitieren, da auf dem Weltmarkt bessere Preise gezahlt werden. Im Vorteil sind auch diejenigen Länder, die ihre Versorgung mit Grundnahrungsmitteln selbst decken können und somit, zumindest in Teilbereichen, unabhängig vom Welt sind.

2.1.3. „Entitlement“ -Ansatz

Laut des Entitlement-Ansatzes ist die Ursache von Hunger zum einen anhand von Modellen, die sich mit der Ernährungssicherung und den Bewältigungsstrategien auseinandersetzen, zu erklären, zum anderen mit der Hilfe von Theorien zur sozialen Sicherheit und zum Wohl (Watts, Bohle 1993b:119). Weiterhin wird in diesem Ansatz die Vulnerabilität im Bezug zu kurzfristig und sporadisch eintretenden Schwankungen der Preise und deren Aus betrachtet. Als verursachende Faktoren können Marktschwankungen, Kriege, geopolitische Veränderungen, Naturkatastrophen oder ein Wertverlust der Landeswährung hinzugezogen werden (Lohnert1995:13).

Zudem beschäftigt sich die sozial differenzierte und multidimensionale Betrachtungsweise mit den legalen und erweiterten Verfügungsrechten einzelner Personen oder Gruppen über lebenswichtige Ressourcen. Diese führen dazu, dass eine Gruppe auch dann Hunger leiden kann, wenn das Nahrungsangebot ausreichend ist. Weiterhin bestimmen sie den Grad der Basisät der Betroffenen, auf die die Preisänderungen wirken.

Nach Sen(1981:46) sind die Rechte abhängig von „den rechtlichen, politischen, ökonomischen und sozialen Charakteristika der untersuchten Gesellschaft und der Position der Person innerhalb dieser“. Der Ausgangspunkt für die legalen Ansprüche wird in erster Linie durch das monetäre Vermögen bzw. durch die ursprüngliche ökonomische Ausstattung (endowment), über die eine Person bestimmen kann, definiert. Sie können aufgrund eingeschränkter Einkommensmöglichkeiten oder eines verminderten Zugangs zu produktiven Agrarressourcen verlorengehen. Ein Fehlen von materieller Sicherheit bedeutet, dass eine Person nicht in der Lage ist, ihre Grundbedürfnisse, wie beispielsweise genügend Nahrung und sauberes Wasser, aus eigener Kraft zu decken (Sen1981:37). Weiterhin führt der Mangel dazu, dass der Zugang zu Bildungsmöglichkeiten, Gesundheitseinrichtungen und die Teilnahme an politischen Entscheidungen erschwert werden. Durch den Einsatz von Arbeits kann das Vermögen erhöht und anschließend gegen Waren eingetauscht werden. Je höher die Qualität und Quantität der Waren ist, die durch den Einsatz des Eigentums erlangt werden können, desto besser sind die Verfügungsrechte. Kommt es jedoch zu einem Anstieg der Preise für Waren, während das Gehalt gleichbleibt oder sinkt, verringern sich die Verfügungsrechte der Betroffenen (entitlement decline), da deren Kaufkraft nicht mehr ausreicht.

Zu den legalen kommen noch die erweiterten Verfügungsrechte (extended entitlement) hinzu. Bestimmt werden sie durch die informellen Rechte, die Personen aufgrund ihres Wissens, ihrer Stellung in der Gesellschaft oder gemäß geltender Konventionen, Normen und Sitten haben (Lohnert1995:12, Dietz o.J.:15). Besitzt eine Personengruppe nur beschränkte Rechte und bleibt ihr deshalb der Zugang zu wichtigen Ressourcen versagt, kann es dazu kommen, dass sie trotz ausreichender Versorgungskapazität hungern muss.

Nach dem Entitlement-Ansatz muss ein Mensch dann verhungern und ist hochgradig verwundbar, wenn er nicht über genügend Verfügungsrechte für den Erwerb von Nahrungs verfügt und es auch keine Möglichkeiten gibt, diese zu erlangen. Entsprechend dieser Sichtweise würde sich die Vulnerabilität durch das Fehlen von Kapazitäten bzw. Alternativen zum Erwerb von Nahrung und durch einen Mangel an Einkommensmöglich im Falle von Preisschwankungen erhöhen (Lohnert1995:12).

Betrachtet man zusammenfassend die Vulnerabilität aus dem Blickwinkel des ausgeweiteten Entitlement-Ansatzes, kann man als Ursachenfaktoren drei Bereiche festhalten. Zum einen die Störungen der Märkte: Hierzu zählen die schon aufgeführten Schwankungen der Preise (economic exchange), weiterhin die eingeschränkten Bewältigungsmöglichkeiten (socio-economics of resilience) und schießlich Einschränkungen der sozialen Sicherheit (informal moral economics oder formal welfare institutions) ( Watts, Bohle 1993b: 119).

Dem Entitlement-Ansatz sehr ähnlich ist das Access-Modell nach Blaikieetal.(1994:80ff.). Mit Hilfe dieses Modells können die politischen und sozioökonomischen Ursachen für die ungleiche Verteilung von Einkommen und Ressourcen ausgemacht werden. Die Entstehung der Vulneraät ist entsprechend dieses Ansatzes ein dynamischer Prozess, der auf strukturellen und ideologischen Faktoren basiert. Diese sind verantwortlich für die Verteilung von Macht und Ressourcen (Dietz o.J.:16).

Kritiker des Ansatzes bemängeln, dass sich die Entitlement-Analyse nur auf die kurzfristig und sporadisch eintretenden Ereignisse und deren Auswirkungen auf die Verfügungsrechte konzentriert. Die zugrunde liegenden Strukturen und Ursachen, welche die Verfügungsrechte ausmachen, werden nicht weiter behandelt. Weiterhin wird kein Bezug zwischen den einzelnen auftretenden Krisen hergestellt (Lohnert1995:13). Die Annahme, dass die Basisvulnerabilität nach dem Eintreten einer Katastrophe höher liegt (Bohle,Krüger 1992:261), wird zudem nicht berücksichtigt.

2.1.4. „Empowerment“-Ansatz

Einen Ansatz zur Erklärung der langfristigen Ursachen von Verwundbarkeit liefert der „Empowerment“-Ansatz. Hierbei werden die Machtstrukturen innerhalb der Gesellschaft im Bezug zum Zugang zu Nahrungsmitteln untersucht. Die Analyse berücksichtigt, im Vergleich zu anderen Ansätzen, auch die individuellen und psychischen Faktoren. Demnach sind diejenigen am verwundbarsten und am ehesten von Hunger betroffen, die nur eingeschränkte Rechte besitzen und im Vergleich machtloser sind (Watts,Bohle1993b:117).

Machtlosigkeit kann auf verschiedenen Ebenen angetroffen werden. Die kleinste betroffene Einheit bildet der Haushalt. Vor allem Frauen in patriarchalischen Gesellschaften verügen nur über eine geringe Macht. Auch auf lokaler Ebene kommt es aufgrund von Diskriminierung zu eingeschränkten Land- und Besitzrechten bestimmter Gruppen. Die Teil einzelner Bevölkerungsgruppen an politischen Entscheidungen kann auf nationaler Ebene beispielsweise durch Gesetze begrenzt werden. Weiterhin verstärken Kriege mit daraus resultierenden Blockaden die Machtlosigkeit der Betroffenen. Auf internationaler Ebene kann es zu einem Verlust der Macht kommen, wenn politische oder wirtschaftliche Eingriffe von außen nicht in sinnvoller Weise an das jeweilige Land angepasst wurden. Als Beispiele werden immer wieder die Strukturanpassungsprogramme des IWF und der Weltbank genannt (u.a.Lohnert1995:14, Watts, Bohle 1993b:119). In den 1980er Jahren stellten diese ein Standardreformprogramm auf, das die betroffenen Länder verpflichtete, ihre Märkte zu liberalisieren, eine makroökonomische Sicherheit zu schaffen und staatliche Interventionen in die Wirtschaftskreisläufe abzubauen. In vielen Fällen wurden Finanzhilfen von der Durchführung dieses Programms abhängig gemacht. Die Folgen der Strukturanpassungsprogramme waren für die betroffenen Länder in vielen Fällen negativ. Ein Beispiel hierfür ist der Einbruch der regionalen Reisproduktion aufgrund von verbilligtem Importreis (Wiggerthale2009:2, Grain2008: 2).

Der Begriff der „Macht“ kann nach Friedmann (1992:33) in drei Dimensionen differenziert werden:

- Zum einen als soziale Macht. Diese setzt sich u.a. zusammen aus „ dem Zu zu Informationen, Wissen, Fertigkeiten und [der] Teilhabe an sozialen Netzen und Ressourcen.“ Sie erhöht die Chancen an Nahrungsmittel zu gelangen und senkt somit die Verwundbarkeit.

- Des Weiteren die politische Macht. Sie beschreibt die Möglichkeiten einer Gruppe oder eines Individuums, an Entscheidungen aktiv mitwirken zu können. Neben dem Wahlrecht zählt hierzu auch die Existenz von Gewerkschaften oder Interessenänden. Je mehr Macht eine Gesellschaft oder eine Person besitzt, desto besser kann sie ihre Ansprüche und Rechte geltend machen und umso geringer ist ihre Verwund. Vor allem in Krisenzeiten können Unterstützungsmaßnahmen besser durchgeführt bzw. in Anspruch genommen werden. Die aufgrund von fehlender oder nur eingeschränkt vorhandener politischer Macht entstehende Vulnerabilität kann auf drei Ebenen auftreten. Zum einen im häuslichen Bereich. Hier spielt das Machtverhältnis innerhalb der Familie eine große Rolle. So stehen Kinder in der Regel an letzter Stelle, während Männer in patriarchalischen Gesell über die größte Macht verfügen. Zum anderen ist die Produktionspolitik von Bedeutung. Hierzu zählt u.a. der Zugang zu Arbeit. An dritter Stelle steht die Öffentlichkeit mit ihrer Politik. Die Gesetze bestimmen den Alltag und die Machtüche der einzelnen Personen oder Personengruppen (b:120

- Als drittes ist die psychische Macht zu nennen. Nur wenn ein Individuum oder eine Gruppe selbstbewusst genug ist, seine politischen oder sozialen Rechte einzu, existiert eine Chance, dass seine bzw. ihre Forderungen berücksichtigt werden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass entsprechend der Empowerment-Ansätze zur Beämpfung der Vulnerabilität die Macht der einzelnen Personen bzw. Gruppen gefördert werden muss. Eine Stärkung der politischen und der physischen Macht von Bevölkerungs führt dazu, dass sie in der Lage sind, auch ihre soziale Macht zu stabilisieren und auszuüben. Langfrist gesehen soll durch die Unterstützung der Betroffenen auf allen Ebenen das weltweite Ungleichgewicht verringert werden. Nach Lohnert(1995:15) würden eine Beteiligung aller Menschen an den Entscheidungen zur Nahrungsmittelverwaltung und ihr Zugang zu den Ressourcen die „Grundvoraussetzung zur Bekämpfung des Hungers in der Welt“ bedeuten.

2.1.5. Ansatz der politischen Ökonomie und Ökologie

Entsprechend des Ansatzes der politischen Ökonomie und Ökologie ist die Vulnerabilität einer Region oder einer Personengruppe durch strukturelle Unterschiede bestimmt. Die Zu der Stellung der verschiedenen Klassen geht auf die Vergangenheit zurück und wurde durch unterschiedliche Machtverhältnisse geprägt. Durch die Kolonialisierung und den Kapitalis wurden die sozio-ökonomischen und politischen Strukturen vieler Länder umgestaltet und gerieten in Abhängigkeit; die vorhandenen sozialen Netzwerke zur Absicherung wurden geschädigt. Zudem fordert im Agrarbereich der Anpassungsdruck an neue Produktions- und Vertriebsstrukturen eine Intensivierung des Anbaus. Eine solche ist oftmals nur durch eine Ausbeutung und Schädigung der Umwelt möglich (Bohle1992:80). Hieraus ergeben sich gesundheitliche und existentielle Probleme für die Betroffenen. Die Folgen bilden die Grundlage für den Grad der Vulnerabilität und die Anfälligkeit gegenüber Hunger und Verarmung (Lohnert 1995:16).

Watts und Bohle (1993b:118) verstehen unter Vulnerabilität aus der polit-ökonomischen Perspektive einen „vielschichtigen und mehrdimensionalen sozialen Bereich, definiert durch die Determinanten der politischen, ökonomischen und institutionellen Möglich von Menschen an bestimmten Orten zu einer bestimmten Zeit ( Watts, Bohle1993b:118). Demnach ist der Grad der Vulnerabilität ein „Produkt aus räumlich-strukturellen Faktoren und soziokulturellen sowie persönlichen Attributen“ (Dietzo.J.:15). Zu letzteren zählen neben dem Alter und dem Geschlecht auch die Ethnie und der Gesund.

Durch den immer größer werdenden Abstand zwischen den reichsten zehn Prozent und dem ärmsten Drittel einer Gesellschaft hat der sozio-ökonomische Ansatz an Bedeutung gewonnen(Wisner1993:131). Die Verarmung führt zu Einschränkungen im Zugang zu Ressourcen. Durch den Verlust steigt die Verwundbarkeit gegenüber Nahrungs- und Wirtschafts, zum einen bedingt durch den aus der Notlage resultierenden Verbrauch der finanziellen und produktiven Rücklagen, des Weiteren durch die schon aufgeführte Über des Landes mit den daraus entstehenden Konsequenzen. Auch ein Umzug in günstigere, aber weniger produktive bzw. gefährdetere Gebiete und in einfachere Behausungen ist bei Verarmung nicht immer zu vermeiden und hat Aus auf den Grad der Vulnerabilität.

In der Klimaforschung wurde noch ein zweiter Ursprung festgehalten, der auch Anwendung in der allgemeinen Vulnerabilitätsforschung findet. Entsprechend dieser natur- bzw. klimadeterministischen Interpretation „stellt die Vulnerabilität das Ergebnis einer bestimmten Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen einem externen Ereignis und einem räumlichen oder gesellschaftlichen Bezugssystems dar“ (Dietz o.J.:14). Der Fokus liegt hierbei auf der Häufigkeit und Stärke des externen Einflusses und nicht auf den bestehenden sozioökonomischen Strukturen. Ein immer wieder in kurzen Abständen auftretendes Ereignis, wie beispielsweise eine Überschwemmung, kann die Abwehrstrukturen in der betroffenen Region, unabhängig von ihrer Ausgangssituation, nachhaltig schwächen. Einschränkungen erfährt diese Entwicklung nur, wenn über einen langen Zeitraum eine Anpassung stattfindet (Heijmans 2004:119). Generell kann man jedoch davon ausgehen, dass negative Auswirkungen die Folge sind. Dabei spielt die Basisvulnerabilität eine untergeordnete Rolle, da alle Personen beeinflusst werden. Ein weiterer Auslöser kann auch ein sehr wirkungsstarkes Ereignis wie z.B. ein Vulkanausbruch sein.

Es ist jedoch zu beachten, dass in der Regel für eine weitere Untersuchung insb. die Ausgangsät, bestimmt u.a. durch die sozioökonomische Struktur, von Bedeutung ist. Sie beeinflusst maßgeblich die Schwere der Folgen und die vorhandene Erholungsät. Je nach dem, wie schlecht die Ausgangssituation für die Kleinbauern ist, können beispielsweise neue Technologien wie Saatgut, Düngemittel, etc. nicht adaptiert werden, da die gegebenen finanziellen Möglichkeiten nicht ausreichen (Dietzo.J.:17). Die Aussichten auf eine Verbesserung der Basisvulnerabilität werden somit deutlich eingeschränkt.

2.2. Identifikation des Vulnerabilitätsgrades

Es kann nun zwischen verschiedenen (temporalen) Formen der Vulnerabilität differenziert werden: Zum einen gibt es den akuten Zustand, zum anderen eine lange anhaltende sowie die zyklisch auftretende Vulnerabilität.

Im ersten Fall sind die Betroffenen beispielsweise aufgrund kurzfristiger Preiserhöhungen nicht mehr in der Lage, genügend Nahrung zu erwerben. Innerhalb der Haushalte herrscht Nahrungs und somit Hunger. Kommt es nach einer gewissen Zeit wieder zu einer Beruhigung des Marktes und fallen die Preise wieder auf ihr Ausgangsniveau, sinkt auch die Vulnerabilität der entsprechenden Personengruppe.

Im Falle einer langfristigen Erhöhung der Kosten hat dies auch Auswirkungen auf andere Lebensbereiche wie u.a. Bildung und Gesundheit. Hierdurch verändert sich im Laufe der Zeit die Basisvulnerabilität, und eine Entspannung der Situation kann somit erst nach Ab einer längeren Zeit erwartet werden.

Ist eine Region immer wieder von dem gleichen negativen Ereignis betroffen, so erhöht sich in zyklischen Abständen die Vulnerabilität. Die Bevölkerung hat die Möglichkeit, gezielt ihre Bewältigungsmechanismen zu stärken und anzupassen. Geschieht das nicht, wird auf Dauer die Ausgangsvulnerabilität anwachsen.

Downing(1993:219) unterscheidet weiterhin zwischen vier Stufen der Vulnerabilität. An erster Stelle steht die leichte Vulnerabilität. Die Betroffenen müssen ihre Vorgehensweise an den neuen Zustand anpassen. Die eigenen Kapazitäten sind in der Regel noch ausreichend, um die Krise abzuwenden. Sie reichen in der Regel auch noch im Falle einer moderaten Vulnerabilität aus. Es kommt jedoch bereits zu Einschränkungen, u.a. bei der Nahrungs und Gesundheitsvorsorge.

Verschärft sich die Lage der Betroffenen weiter, spricht man von einer hohen Vulnerabilität. Hierbei kommt es, neben anderen Anzeichen, zu einem verstärkten Verkauf von Besitztümern wie beispielsweise Land, zur Aufnahme von Krediten zu hohen Zinsraten und zu einem Anstieg der Arbeitsmigration. Man kann zudem annehmen, dass die Gesamtkosten, die aufgewendet werden müssen, um die Situation zu bewältigen, stark ansteigend sind.

Erfolgt ein kompletter Zusammenbruch und wird der höchste Grad der Verwundbarkeit erreicht, ist davon auszugehen, dass die Betroffenen akut an Hunger leiden. Die bereits in der Vorstufe angewendeten Maßnahmen, mit denen die Bevölkerung ihr Überleben zu sichern versucht, werden nun noch verstärkt. Es kommt zum Verkauf nahezu sämtlicher Güter und zu einem Zusammenbruch der Möglichkeiten der Selbstversorgung. Die Bewältigungskapazitäten nehmen weiter ab.

Um die Vulnerabilität einer Region oder einer Personengruppe bestimmen zu können, müssen unterschiedliche Bereiche betrachtet werden. Neben einer Klassifikation der einzelnen Gruppen sollte auch die interne und externe Seite der Vulnerabilität mit ihren einzelnen Faktoren ermittelt werden (Chambers1989:1, Kasperson et al. 1995:11-12, zit. nach Voss, Hidajat o.J.:170). Die Auswirkungen, die ein Einflussfaktor auf ein Gebiet oder ein Individuum hat, sind von dessen Struktur und der Art der Wirkung abhängig. Man kann davon ausgehen, dass jedes Individuum und jede Region anders auf die Einwirkungen reagiert. Beispielsweise ist es möglich, dass eine Bevölkerungsgruppe mit einem aus unserer Sicht desaströsen Ereignis aufgrund entwickelter Anpassungsstrategien leicht fertig wird, wohingegen ein plötzliches außergewöhnliches Ereignis minderschwerer Natur eine Katastrophe auslösen kann, wenn nicht die benötigten Bewältigungskapazitäten vorhanden sind (Heijmans2004:119).

Grundsätzlich kann man jedoch auch sagen, dass die Ursachen für die Vulnerabilität und deren Bestimmung politischer Natur sind. Zum einen wird durch eine mangelhafte Entwicklung infolge politischer Entscheidungen und Prozesse eine erhöhte Verwundbarkeit hervorgerufen. Zum anderen erfolgt in der Regel die Aus als eine vulnerable Personengruppe oder Region politisch „von oben“ (Bankoff, Hilhorst2004:7, Davis 2004: 134).

Zu Beginn des folgenden Kapitels wird zwischen einzelnen Personen und Gruppen unterschieden, um zu untersuchen, welche strukturellen Begebenheiten die Vulnerabilität erhöhen. Anschließend werden die langfristigen, kurzfristigen, externen und internen Vulnerabilitäts vorgestellt.

2.2.1. Auswirkungen auf verschiedene Gruppen

An dieser Stelle ist die Frage aufzuwerfen, inwieweit verschieden Gruppierungen oder Individuen eine unterschiedliche Vulnerabilität gegenüber den Preiserhöhungen für Lebensmittel aufweisen. Eine Analyse der Vulnerabilität kann nur durch eine differenzierte Betrachtung der betroffenen Gruppen erfolgen. Die Einteilung kann zum einen mittels der Größe und zum anderen anhand der Rechte und Kapazitäten erfolgen. Chambers(1989:3) unterscheidet bei den verschiedenen Voraussetzungen für den Grad der Vulnerabilität zwischen „Region, Gemeinde, sozialer Gruppe, Haushalt, Geschlecht, Alter, Jahreszeit und historischem Umfeld“. Hinzu kommen nach seiner Ansicht die geographische Lage und die Position der Betroffenen innerhalb des sozialen Gefüges (Chambers1989:3 zit. nach Bohle, Downing, Field, Ibrahim 1993:18).

Andere Forscher begründen die Anfälligkeit gegenüber bestimmten Faktoren mit der Struktur. Regionen oder Gemeinden weisen demnach im Allgemeinen eine relativ starke Anälligkeit gegenüber einem Engpass in der Nahrungsversorgung auf (Bohle, Downing, Field, Ibrahim 1993:18).

Insbesondere sind hiervon Gebiete betroffen, die eine schlechte Infrastruktur, ungünstige naturäumliche Bedingungen, eine Gefährdung durch Naturkatastrophen, eine hohe Einwohner im Verhältnis zur landwirtschaftlich nutzbaren Fläche oder eine Lage innerhalb eines Krisengebietes aufweisen (Lohnert 1995:21).

Bei Haushalten hingegen verstärkt sich die Vulnerabilität durch einen Mangel an Nahrung. Hervorgerufen werden kann ein solcher u.a. durch Einschränkungen der Kapazität, Nahrungsmittel zu erwerben. Ein Beispiel hierfür wäre der Verlust des Arbeitsplatzes und somit der Wegfall bzw. die Reduzierung des Haushaltseinkommens (Bohle, Downing, Field, Ibrahim 1993:18).

Besonders stark sind die Auswirkungen für Haushalte, die rural gelegen sind und kein eigenes Land besitzen, für frauengeführte Haushalte und für die der urbanen verarmten Bevölkerung (Lohnert1995:21).

Das einzelne Individuum wird besonders vulnerabel, wenn es zu einem Entzug der Nahrung kommt (Bohle, Downing, Field, Ibrahim 1993:18). Entsprechend des Entitlement-Ansatzes kann dieser von den Verfügungsrechten abhängig sein. Demnach sind die Gruppen am verwundbarsten, die den Schwankungen der Preise am stärksten ausgesetzt sind, die die geringsten Bewältigungskapazitäten aufweisen bzw. diejenigen, die unzureichend in soziale Sicherungsnetze eingebunden sind (Watts, Bohle 1993b:119). Weiterhin spielt die Macht der Person (Empowerment-Ansatz) eine entscheidende Rolle. Kinder, alte, kranke oder behinderte Personen, schwangere, stillende oder Frauen in patriarchalischen Gesellschaften weisen eine stärkere Vulnerabilität als Individuum auf (Lohnert 1995:21). Zudem gehören, entsprechend der marktbasierten Analyse, die landlosen Arbeiter, diejenigen, die im informellen Sektor beschäftigt sind, Handwerker, Viehhüter und Serviceangestellte zu den vulnerablen Bevölkerungsgruppen (Watts, Bohle1993b: 119).

Entsprechend Collins, Lappe (1986:5) gibt es vier verschiedene Gruppen, die jeweils unter auf einen Nahrungsmangel reagieren. An erster Stelle stehen die Familien. Hier wird der Mangel an Nahrungsmitteln hervorgerufen durch die Verteilungsstrukturen innerhalb des Haushaltes. Dabei spielt u.a. die Stellung der Frau eine entscheidende Rolle. Ist ihre Position von einem niedrigen Status bestimt, kommt es in vielen Fällen zu einer Unterversorgung der weiblichen Familienmitglieder. Die daraus entstehende Mangelernährung hat auch weitreichende Folgen für die zu ernährenden Kinder, welche oftmals nicht mehr ausreichend versorgt werden können. Die Konsequenzen sind meist irreparable Schäden für die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit (Grebmer,Fritschek et al. 2008:19). Die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten ist für die Kinder aufgrund der unzureichenden Ernährung um ein Vielfaches höher (Grebmer,Fritschek et al. 2008:5)

Betrachtet man den Zugang zu produktivem Land und zu Ressourcen, kann man Unter innerhalb einer Gemeinde oder eines Ortes feststellen. Oftmals verfügt nur eine kleine elitäre Gruppe über die vorhandenen fruchtbaren Flächen. Dem Großteil der Bevölkerung bleiben diese aufgrund historischer, struktureller oder finanzieller Gegebenheiten versagt. Hier spielt die politische und soziale Macht eine entscheidende Rolle. Die oftmals anzutreffende Machtlosigkeit der armen Bewohner wirkt sich negativ auf den Zugang zu Nutzflächen und Ressourcen aus (Lohnert 1995: 14). Die Zugangsrechte sind essenziell für die Versorgungs und wirken sich entscheidend auf den Grad der Vulnerabilität aus. Auf der nationalen Ebene ist die Verteilung der Ressourcen entscheidend. Sie kann dazu führen, dass in demselben Gebiet eine Gruppe stark unterversorgt ist, wohingegen eine andere im Über lebt. Zum einen ist dies mit naturräumlichen Strukturen zu erklären. Zum anderen spielen auch die ethnischen, religiösen und politischen Gefüge eine wichtige Rolle. Die großen Handels- und Finanzinstitutionen bestimmen den Welthandel und somit auch die Verteilung auf internationaler Ebene. Entsprechend des Interdependenztheoretischen Ansatzes haben Verflechtungen auf dem Weltmarkt einen großen Einfluss auf weltweite (Wirtschafts-)Prozesse. Daraus ergeben sich auch regionale Wirkungen. Durch den Import von Gütern aus anderen Ländern steigt die Abhängigkeit von den Weltmarktpreisen. Zum anderen entwickelt sich für die heimischen Produzenten ein Preiskampf, da die importierten Waren oftmals billiger sind als die regional produzierten.

Die Risiken steigen für ein Land entsprechend des Nettoimports und der zur Verfügung stehenden inländischen Ressourcen (Collins, Lappe 1986, zitiert in Bohle, Downing, Field, Ibrahim 1993: 20).

2.2.2. Vulnerabilitätsfaktoren

Die Bestimmung des Vulnerabilitätsgrades einer Region kann anhand der Untersuchung verschiedener Faktoren erfolgen. Sie sollten aus verschiedenen Kategorien gewählt werden. Zum einen sind die ökologischen und naturräumlichen Begebenheiten wie beispielsweise die Verfügbarkeit von Ressourcen von Bedeutung. Weiterhin spielen auch die Faktoren Ökonomie, Gesundheit, soziale Strukturen, Demographie, die politische Lage und die Vorgehensweise bei der Ernährungssicherung eine entscheidende Rolle (Kasperson,Dowo.J.:150). Diese Ursachen stehen in einer Wechselbeziehung zueinander bzw. verstärken sich gegenseitig. In Abb.1 wird eine solche Interaktion am Beispiel der Investitionen in Bildung und Gesundheit aufgezeigt. Innerhalb dieses Kreises kann an jeder Stelle angesetzt werden. Im Uhrzeigersinn betrachtet, begünstigen sich die aufeinanderfolgenden Faktoren gegenseitig immer weiter.

Abb. 1: Darstellung der verstärkenden Wirkung der Faktoren am Beispiel: Bildung/Gesundheit

(Quelle: Eigener Entwurf 2009)

(Quelle: Eigener Entwurf 2008)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei der Analyse kann zwischen lang- und kurzfristigen, internen und externen Faktoren unter werden. Des Weiteren kann man zwischen den traditionellen Indikatoren und den Indikatoren einer dynamischen Vulnerabilität differenzieren.

Die traditionellen Indikatoren orientieren sich an den gegenwärtigen Strukturen der materiellen und sozio­ökonomischen Vulnerabilität. Sie sind daher nicht in der Lage, Änderungen in einem weiteren Kontext zu erfassen. An dieser Stelle sind dann die dynamischen Faktoren zu berücksichtigen (Leichenko,O´brien2001:4).

Während die langfristigen Faktoren die Ausgangssituation maßgeblich bestimmen, können die kurzfristigen Einwirkungen Langzeitschäden anrichten. Sie bewirken eine nachhaltige Veränderung der Basisvulnerabilität der Betroffenen.

2.2.2.1. Langfristige Faktoren

Die langfristigen Faktoren bestimmen die Ausgangssituation, in der sich ein bestimmtes Individuum, eine Gruppe von Personen oder eine Region befindet. Es kann sich in dem Fall um dynamische oder traditionelle Indikatoren handeln. Erstere werden bei einem langfristig ablaufenden Änderungsprozess beobachtet. Hierunter fällt beispielsweise die Veränderung des Klimas. Zu den traditionellen zählen hingegen statische Größen wie etwa die Zuordnung zu einer Klimazone (Leichenko, O´brien2001: 2).

Bei den langfristigen Faktoren kann nochmals zwischen internen und externen unterschieden werden. Die internen Ursachen werden durch regionale strukturelle Gegebenheiten geprägt. Eine grundlegende interne Größe wäre z.B., entsprechend des Vulnerabilitätsändnisses nach Chambers (siehe Kapitel 2.1.1.), die sogenannte geophysikalische Vulnerabilität. Hier spielen das Klima, die Gefahr von Naturereignissen und die natürlichen Ressourcen eine entscheidende Rolle. Sie entscheiden, ob eine Region zu den „critical regions“ gezählt wird. In dem Fall wäre das Risiko für die Bewohner größer als in den anderen Gebieten, dass es zum Auftreten von kurzfristigen negativen Einwirkungen kommt und die Verwundbarkeit weiter steigt.

Im Empowerment-Ansatz wird den Machtstrukturen ein großer Einfluss zugesprochen. Geprägt werden sie durch die politischen und sozialen Gefüge; sie zählen ebenfalls zu den internen und langfristigen Indikatoren. Eine weitere Wirkungsgröße der Kategorie ist der Bildungsstand einer Person. Je höher er liegt, desto besser ist die Aussicht, dass die Person eine qualifiziertere Arbeitsstelle bekommt und somit auch mehr Geld verdient. Hierbei ist jedoch auch die Arbeitslosenquote bzw. das Arbeitsplatzangebot der Region von Bedeutung. In Gebieten, in denen es kaum ein Angebot an Arbeitsplätzen gibt, haben auch die Menschen mit einer besseren Bildungsgrundlage nur geringe Chancen, einen gut bezahlten Job zu erhalten. Auch das geregelte Einkommen wird zu den langfristigen Ursachen gezählt und hat Auswirkungen auf die gesamte Basisvulnerabilität. Bei einem Ausfall des Einkommens liegt sie auf einem höheren Niveau. Als Lösung sehen die Betroffenen dann oft nur die Auswanderung in das Ausland oder in größere Städte. Hierdurch kommt es zu dem sogenannte brain drain, welcher wiederum die Chancen einer Ansiedlung von großen Firmen und somit die Aussicht auf neue Arbeitsplätze verringert.

Weiterhin zählt die Größe der Familie zu den internen und langfristigen Faktoren, die Einfluss auf den Grad der Vulnerabilität einer Region haben. Je mehr Mitglieder ein Haushalt zählt, desto größer ist die Gefahr, in die Armut abzurutschen bzw. desto schwerer wird es, aus ihr wieder herauszukommen (Orbeta 2005:6). Die Ausgaben für die Bildung der Kinder, für die Gesundheitsversorgung und für die Dinge des täglichen Bedarfs steigen mit der Zahl der Personen an.

Als langfristig wirkender externer Faktor kann die Globalisierung aufgeführt werden. Vormals autonome Gebiete wurden sukzessiv in das Weltmarktgeschehen integriert. Wie im Interdependenz-Ansatz angenommen, ist es hierdurch zu einer Umstrukturierung der globalen Machtverhältnisse und der damit einhergehenden Abhängigkeitsgefüge gekommen. Die daraus entstehenden Strukturen prägen die Vulnerabilität eines Gebietes bzw. einer Personen. Die Bauern müssen nun nicht nur die regionalen und nationalen Probleme bewältigen, sondern sind auch den internationalen Veränderungen ausgesetzt. Durch die Ver steigt der Druck, möglichst günstig zu produzieren, um mit den Preisen auf dem Weltmarkt konkurrieren zu können.

2.2.2.2. Kurzfristige Faktoren

Kurzfristige Faktoren treten in Form von sporadischen Ereignissen auf. Da diese oftmals nur schwer vorhersehbar sind, können kaum Vorsorgemaßnahmen getroffen werden. Daher fallen sie unter die Kategorie der dynamischen Indikatoren (Leichenko,O´brien2001:2). Die zu erwartenden Folgen sind schwer kalkulierbar und stark von der Ausgangsituation der Betroffenen abhängig. Ist diese bereits vorher desolat, so stehen meistens nicht ausreichend Möglichkeiten zur Verfügung, um die Schädigungen abzufangen oder auf Handungsalternativen auszuweichen. Die Konsequenzen sind in dem Fall gravierender.

Auch hier kann zwischen internen und externen Einflüssen unterschieden werden. Interne Faktoren wären beispielsweise der Wegfall einer Arbeitskraft durch Krankheit, Tod oder plötzliche Arbeitslosigkeit. Durch den Verlust steht dem Haushalt weniger Geld zur Verügung. Der Zugang zu Nahrungsmitteln und zu den Dingen des täglichen Bedarfs wird durch den Rückgang der Verfügungsrechte (entitlement decline) verschlechtert (Lohnert1995:11). Gleichzeitig kann weniger in die Bildung, Gesundheitsvorsorge und -versorgung investiert werden. Neben einem akuten Engpass in der Existenzdeckung kann es langfristig gesehen zu einer Erhöhung der Basisvulnerabilität kommen.

Zu den externen Ursachen, die im Entitlement-Ansatz in direkten Bezug zur Vulnerabilität gesetzt werden, zählen auch die Schwankungen der Preise (Lohnert1995:12). Hervorgerufen werden sie durch Preisveränderungen auf den nationalen und internationalen Märkten. Durch die Verflechtungen, die etwa der Interdependenz Ansatz anspricht, sind die Menschen einer Region nicht mehr ausschließlich den regionalen Veränderungen ausgesetzt, sondern auch denen des Welt (Nuscheler, Debiel, Messner o. J.:15).

Weiterhin können die Ursachen für Schwankungen in Kriegen, Ernteausfällen oder in wirt Veränderungen liegen. Die Folgen sind abhängig von der Schwere des Ereignisses und von den Fähigkeiten der Region bzw. der einzelnen Person, mit ihnen umzugehen („coping capacity“) (Nuscheler, Debiel, Messnero. J.:31). Bei den kurzfristigen Faktoren steht zudem das Risiko des Eintreffens eines Naturereignisses im Vordergrund. Hier sind es die Folgen, die nach dem Eintreten eines solchen Vor zu erwarten sind. Solche Naturereignisse können beispielsweise in Form von Dürren, Überschwemmungen, Taifunen, Vulkanausbrüchen oder Schädlingsbefall auftreten. Sie wirken auf mehreren Ebenen. Durch ihr Eintreten kann die Region nachhaltig zerstört werden. Die daraus resultierenden physischen, materiellen und psychischen Schwächungen der Bevölkerung können vor allem von der ärmeren Schicht nicht abgefangen werden. Selbst wenn die Folgen keine direkten Auswirkungen auf das Leben der Menschen haben, kann es zu Ernteausfällen kommen, die indirekt zu einer Verschlechterung der Situation einzelner Haushalte führen. Ebenso zählt der Befall mit Schädlingen zu den negativen Naturereignissen. Letzteres lässt sich ggf. nur mit ausreichenden Investitionen in Pestizide abfangen, welche jedoch nicht für alle gleichermaßen erschwinglich sind. Abschließend bleibt festzuhalten, dass das Eintreten eines negativen Ereignisses nicht zwingend eine Katastrophe auslöst. Erst durch die Interaktion und abhängig von je ursprünglich gegebenen Strukturen kann sich die Situation gravierend verschlechtern (Smith2004:17).

2.3. Nahrungsmittelkrise

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie aus Abb.2 ersichtlich, erreichten Mitte des Jahres 2008 die Preise für Lebensmittel ihren Höhepunkt (FAO2009).

Immer wieder wird im Zusammenhang mit der Entwicklung der Preise der Begriff der Nahrungskrise benutzt. Da dieser auch in der vorliegenden Arbeit angewendet wird, findet vorab eine Annährung anhand seiner Merkmale statt. Der Ausdruck wird oft sehr subjektiv verwendet, da er von der jeweiligen Situation und Sichtweise der Betroffenen abhängig ist (Bankoff2004:25). Die gleiche Situation kann in einem Fall eine Krise auslösen, während eine andere Person in der gleichen Region davon profitiert. Im Folgenden soll auf die Ent und die Auswirkungen einer solchen Krise eingegangen werden.

Nach Lohnert (1995:1 ff.) können drei charakterisierende Merkmale einer Nahrungskrise ausgemacht werden.

- Eine Nahrungskrise stellt den „Wendepunkt in einem Prozess sich verschärfender Nahrungskonsumdefizite“ dar ( Lohnert 1995:1) .

Die Entwicklungsschritte des Nahrungsmangels laufen phasenhaft ab und gehen fließend ineinander über. Sie können mehrere Monate andauern. In der Krisenphase zeigt es sich, ob die Betroffenen in der Lage sind die Situation zu bewältigen oder ob ein kompletter Zusammenbruch der Nahrungsversorgung zu erwarten ist.

- Nahrungskrisen fordern verstärkt interne und externe Kriseninterventionen.

Tritt eine Krise ein, müssen die Betroffenen Strategien entwickeln und anwenden, die die Situation entschärfen, eine weitere Eskalation verhindern und wenn möglich den Prozess umkehren. Hierzu zählen z.B. die Hilfe von Verwandten, die Auf von Krediten oder die Suche nach einer alternativen Einnahmequelle.

Neben den internen Maßnahmen, die nur in Krisenzeiten durchgeführt werden, muss auch von externer Seite eingegriffen werden, um eine Erholungsphase einzuleiten. Neben kurzfristigen Hilfslieferungen und staatliche Maßnahmen zur Verbesserung sollte auch eine Sicherung der Situation erfolgen.

- Nahrungskrisen führen zu lang anhaltenden Veränderungen der Lebens der Betroffenen. Auch nach dem Ende einer Nahrungskrise sind die Bedingungen für die betroffene Bevölkerung verändert. Der Ausgangszustand wird in der Regel nicht mehr erreicht. Durch den Einbruch der Versorgungssicherheit kommt es in vielen Fällen zu psychischen und physischen Schäden. Sie können dazu führen, dass u.a. die Erwerbsfähigkeit nachhaltig verringert und somit die zukünftige Versorgung erschwert wird. Als Folge der Krise kommt es zudem verstärkt zur Migration in andere, vermeintlich besser versorgte Gebiete. Der dort daraus entstehende Beölkerungsdruck, einhergehend mit fehlenden politischen Rechten, kann aber zu einer Verschlechterung der Lebensumstände führen (Lohnert 1995: 2)

Beim Verlauf einer Krise lassen sich ebenfalls drei Grundmodelle unterscheiden. An erster Stelle steht das Gleichgewichtsmodell. Es geht davon aus, dass die Schwächung des Nahrungs über einen längeren Zeitraum phasenweise verläuft. Das Nahrungssystem stellt hierbei eine funktionale Verknüpfung zwischen Nahrungserzeugung, Nahrungskonsum und Nahrungsverteilung dar. Man kann davon ausgehen, dass ein Teil der Bevölkerung nach einer Nahrungskrise einen höheren Vulnerabilitätsgrad aufweist (Bohle, Krüger 1992:261). Abb. 3 zeigt den modellhaften Verlauf einer solchen Krise entsprechend der Gleichgewichtsvorstellung (Bohle 1992:81).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Lohnert, 1995, verändert nach Bohle/Krüger 1991

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf der x-Achse wird der zeitliche Verlauf abgetragen. Der Prozess kann von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren andauern.

Am Anfang steht die Ausgangssituation, in der für einen Großteil der Bevölkerung die Ver gesichert ist. Die sogenannte Basisvulnerabilität wird durch die strukturellen, langfristigen Faktoren bestimmt. Zu dem Zeitpunkt weist das System bereits eine gewisse Anfälligkeit gegenüber Krisen auf. Jedoch kann man davon ausgehen, dass die Bewältigungs noch ausreichen, um den Grad der Verwundbarkeit zu halten.

Wirken nun akute kurzfristige Faktoren, wie z.B. eine Veränderung der Verfügbar von Nahrungsmitteln, oder kommt es zu einem Anstieg der Preise, wird ein Destabilisierungsprozess eingeleitet, der zu einer Krise führen kann. An der Stelle müssen interne und externe Strategien zum Einsatz kommen. Je weniger Kapazitäten und Reserven zur Verfügung stehen, desto schwieriger wird es, eine Krise abzuwenden.

Tritt eine Hungerkrise ein, wird das Nahrungssystem derart angegriffen, dass eine ausreichende Versorgung der Betroffenen nicht mehr gesichert ist. Die Entwicklung kann bis hin zu einer Hungerkatastrophe gehen, die einen Zusammenbruch des gesamten Versorgungsnetzes bewirken kann. In dem Fall geht man davon aus, dass Bewältigungsäten fehlen oder an falscher Stelle eingesetzt wurden.

Sind die internen Überlebensstrategien und die externen Hilfestellungen hingegen ausreichend vorhanden und werden sie sinnvoll und erfolgreich angewendet, kann ein Fort bis hin zu einer Katastrophe verhindert werden. Der Stabilisierungsprozess setzt ein und die Situation beruhigt sich wieder. Die nun erreichte Lebensqualität ist jedoch geringer als zuvor. Das heißt, im Falle einer erneuten Krise ist die Ausgangslage bereits schlechter und der Anteil derer, die akut gefährdet sind, ist höher.

Zu jedem Zeitpunkt des Ablaufes ist jedoch die Einleitung des Stabilisierungsprozesses möglich. Ein solcher kann in Gang gesetzt werden durch das Einbringen von ausreichenden Mitteln zur Bewältigung oder durch den plötzlichen Wegfall des negativ einwirkenden Faktors. Ein Beispiel wäre das Auftreten von ausreichenden Regenfällen, die eine Dürre beenden (Lohnert 1995:19).

Versucht man die Ursachen für eine Nahrungskrise im Allgemeinen näher zu bestimmen, so stellt man fest, dass sie von vielen regionalen, sozialen, politischen und ökonomischen Faktoren abhängig ist. Diese unterscheiden sich nicht wesentlich von denjenigen, die die Verwundbarkeit einer Region insgesamt beeinflussen (Watts, Bohle 1993b:118).

Ein weiteres Modell ist das Verkettungsmodell. Es konzentriert sich, im Gegensatz zum Gleichgewichtsmodell, in erster Linie auf die Verkettung von destabilisierenden Ereignissen, die zu einer Krise führen (Bohle1992:81). Als Beispiel hierfür könnte eine schlechte Ernte in Verbindung mit steigenden Weltmarktpreisen, einem mangelnden Nahrungsvorrat und der Unterschlagung von Hilfslieferungen genannt werden (Gebhardt 2004:363). Das Gleichgewichtsmodell bildet hierbei die Grundlage (Bohle 1992:81). Die Entwicklung einer Hungerkrise wird hier als ein sich verstärkender Prozess gesehen (Gebhardt2004:363)

An dritter Stelle steht das Abfederungsmodell. Es distanziert sich deutlich von den vorher. Nach seinem Verständnis existieren autonome, über Jahre hinweg hochentwickelte Bewältigungs innerhalb der betroffenen Gesellschaft. Hierzu gehören neben einer ausgeprägten Flexibilität Mobilität und Innovationstätigkeiten. Durch externe Eingriffe, z.B. in Form von Entwicklungshilfe, Marktintegration, politische Einflüsse sowie durch den damit einhergehenden Kulturwandel werden solche Tätigkeiten und Fähigkeiten eingeschränkt bzw. zerstört (Bohle 1992:81).

Im folgenden Kapitel soll das Verhältnis zwischen Vulnerabilität und der Entstehung einer Nahrungskrise vertieft werden.

2.4. Vulnerabilität und Nahrungskrisen

Es stellt sich die Frage, inwieweit die Entstehung einer Nahrungskrise im Zusammenhang mit der Vulnerabilität einer Region oder einer Gruppe steht. Man kann davon ausgehen, dass die Auswirkungen einer Nahrungskrise auf die betroffene Bevölkerung stark von deren Vulnerabilitätsgrad abhängig sind. Krise und Vulnerabilität stehen in gegenseitiger Wechselwirkung, da eine hohe Vulnerabilität das Risiko einer Krise verstärkt und diese wiederum den Grad der Vulnerabilität erhöht. Ein Ereignis kann eine Situation nur dann bis hin zu einer Krise destabili, wenn der gegebene Entwicklungsstand und die Bewältigungskapazitäten dies begünstigen (u.a.Bankoff2004: 30, Cordona2004:43).

Wie auch in Abb.3 ersichtlich, geht Lohnert (1995:17) davon aus, dass jeder Mensch bzw. jede Personengruppe eine gewisse Basisvulnerabilität aufweist. Bedingt wird sie durch „strukturelle, langfristig wirkende Faktoren, etwa durch: strukturelle Ungleich von Bevölkerung und Ressourcen, begrenzte Verfügungsrechte, strukturelle Macht- und Rechtlosigkeit und historisch begründete Strukturen der Überschussaneignung und Ausbeutung“ (Lohnert1995:17). Im Stadium der Basisvulnerabilität können auftretende geringfügige Ver noch ausgeglichen werden. Kommt es jedoch zu temporären Verschlechterungen wie z.B. zum Anstieg der Preise für Grundnahrungsmittel oder zum Verlust der Einkommensmöglichkeit, so wandelt sich die Basisvulnerabilität zu einer akuten Vulnerabilität. Nach Chambers (1989:3) kann Vulnerabilität durch eine nur geringe Unterstützung seitens anderer Familien, durch den Anstieg der Warenpreise, den Wegfall oder die Verminderung der Kaufkraft für Lebensmittel, zunehmende Lohnarbeit, durch Ideologisierung der Politik sowie durch Kriege um Lebensmittel verstärkt werden. Ist die Phase der akuten Vulnerabilität eingetreten, findet eine fortschreitende Destabilisierung statt. Die Versorgung mit Lebensmitteln wird immer schwieriger und es müssen zusätzliche interne und externe Bewältigungsstrategien angewendet werden, um die Folgen der Krise abzumildern und eine Katastrophe zu verhindern.

Eine solche Katastrophe geht einher mit der höchsten Vulnerabilität. In dem Falle ist eine Selbst weitestgehend ausgeschlossen. Kann das Eintreten einer Katastrophe durch wirksame Methoden verhindert werden, so kommt es zur Umkehr und zu einer Stabilisierung der Situation. Der ursprüngliche Vulnerabilitätsgrad wird jedoch in der Regel nicht mehr erreicht, der Grad liegt nun höher, entsprechend der erfolgten Schädigungen und der beeinträchtigten Bewältigungskapazitäten der betroffenen Personen. Im besten Fall wurden jedoch neue Strategien entwickelt, die beim Auftreten einer wiederholten Destabilisierung angewendet werden und somit die Auswirkungen zukünftig mindern können (Lohnert1995:19).

2.5. Maßnahmen zur Vermeidung einer Nahrungskrise

Eine Nahrungskrise stellt nicht das Ergebnis eines einmaligen Ereignisses dar, sondern ist ein dynamischer Prozess, der sich durch bestimmte einwirkende Faktoren verstärken kann (Andrews, Flores2008:2). Daraus ergibt sich, dass, um eine Nahrungskrise zu vermeiden, die Basisät verringert werden muss. Es soll nun zusammenfassend dargelegt werden, welche Maßnahmen, entsprechend der oben vorgestellten Theorien, ergriffen werden müssen, um dieses Ziel zu erreichen und die Situation einer Region langfristig zu stabilisieren. Hierbei müssen neben den naturwissenschaftlichen, sozioökonomischen und soziokulturellen Aspekten auch die unterschiedlichen räumlichen Ebenen, beispielsweise nachbarschaftliche Zusammenschlüsse, im gleichen Maße berücksichtigt werden. Es hat sich gezeigt, dass durch Präventionen Kosten vermieden werden können, die bei einer späteren Intervention anfallen würden (Voss, Hidajat o.J.:170).

Eine übermäßige Generalisierung muss hier vermieden werden. Eine solche könnte nach Wisner (1993:128) dazu führen, dass die Bedürfnisse einzelner Gruppen unberücksichtigt bleiben. In dem Fall besteht das Risiko, dass die verwendeten Maßnahmen zur Verbesserung der Situation das Ungleichgewicht im entsprechenden Gebiet vergrößern. Um eine solche Entwicklung zu verhindern, muss vorher ein Profil der betroffenen Region erstellt werden. Dadurch besteht die Möglichkeit, eventuell vorhandene Randgruppen auszu und entsprechend einzubinden. Zudem sollten demographische und soziale Strukturen wie Alters und Haushaltsgröße vorab Beachtung finden, um gezielt auf Schwachstellen eingehen zu können. Um umfassende Verbesserungen zu erzielen, müssen Veränderungen auf unterschiedlichen Ebenen angreifen. Zudem sollten Entwicklungskonzepte an die aus der Lage der Armen resultierenden Notwendigkeiten angepasst werden (Bohle 1992:80). Die Bedürfnisse der Be können andere Maßnahmen nahelegen als diejenigen, die von außen betrachtet als erforderlich erscheinen (Chambers2006:33). Kapitelintensive Großprojekte, die in erster Linie auf Produktions ausgerichtet sind, erfüllen ihr Ziel oftmals nicht. Der erhoffte „trickle down“-Effekt bleibt meistens aus, und auch langfristig profitiert die Masse der armen Bevölkerung nicht (Bohle1992:80).

In den sogenannten critical regions kann das Auftreten von Naturereignissen nur in den seltensten Fällen vermieden werden. Durch Warnsysteme, eine verbesserte Bauweise und durch eine Erweiterung der Ausgleichskapazitäten können jedoch die Folgen abgemildert werden.

Auch der Einsatz von externer Unterstützung ist von großer Bedeutung – diese kann ganz unter ausfallen. Sie sollte dabei stets an die Situation angepasst werden. Hierbei muss zwischen kurz- und langfristiger Hilfe unterschieden werden. Kurzfristig wirksam können z. B. Hilfsgüterlieferungen sein, die die akute Situation der Betroffenen verbessern. Gleichzeitig sind solche Maßnahmen jedoch in der Regel kaum von nachhaltigem Wert. Zudem besteht das Risiko, dass durch Hilfe in Form von Nahrungslieferungen die bäuerliche Selbstversorgung geört wird und sich so die Krisenanfälligkeit erhöht (Bohle 1992:80).

Ebenso hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass Entwicklungshilfe, die lediglich auf eine Reduzierung der Armut ausgerichtet ist, die Situation der Betroffenen nicht automatisch auch nachhaltig verbessert. Im schlimmsten Fall kann es aufgrund der eindimensionalen Hilfe zu einer Erhöhung der Vulnerabilität kommen (Dietzo.J.:19).

Langfristige externe Unterstützungen führen meist nur zu einer geringen Optimierung der akuten Lage. Sie sind darauf ausgerichtet, eine nachhaltige Verbesserung des Vulnerabilitäts zu erzielen. Hierzu zählen beispielsweise Schulungen der Bauern in neuen Anbaumethoden, die Errichtung von Schulen und Krankenstationen, die Verbesserung des Saatgutes etc. Durch den Transfer von Wissen und die Schaffung neuer Netze wird die soziale Macht der Bevölkerung gestärkt. Entsprechend des Empowerment-Ansatzes wird auf diesem Weg der Zugang zu Nahrungs erleichtert. Des Weiteren ist es von Bedeutung, die individuellen Rechte des Einzelnen zu fördern. Hierunter fallen u.a. die Zugangsrechte zu Nutzflächen und Ressourcen. Positiv wirkt sich auch die Unterstützung der politischen Macht einzelner Gruppen innerhalb einer Region aus – dies kann durch die Gründung von Gewerkschaften, Kooperativen oder Interessenverbände erfolgen. Die so organisierten Personen gewinnen an Macht und somit auch an Mitspracherechten. Die Machtverhältnisse werden ausgeglichener und bestehende Strukturen werden aufgelockert. Solche Angleichungen können nicht nur auf regionaler Ebene, sondern auch auf nationaler Ebene erfolgen. Durch (gewerkschaftliche oder gewerbliche) Zuüsse können wirtschaftliche Akteure einen entsprechend höheren Druck auf ihre Handelspartner ausüben. Die betroffenen Bevölkerungsgruppen benötigen gleichzeitig genügend Selbstbewusstsein, damit sie ihre Ansprüche und Forderungen geltend machen und durchsetzen können. Eine solche Stärkung kann durch die Förderung eines Gemeinschaftsgefühls innerhalb der Gruppe erzielt werden. Werden anfangs auch nur kleine Zeichen gesetzt, so wächst die Chance auf positive Erfahrungen, die das Selbstvertrauen unterstützen. Solche Maßnahmen bewirken eine Auflösung der Abhängigkeitsgefüge. Vor allem die ökonomischen und sozialen Randgruppen, die in Krisenzeiten in vielen Fällen nicht genug Mut aufbringen,um ihre Forderungen durchzusetzen, profitieren somit von einer Stärkung der physischen Macht (Lohnert1995:15).

Um die Größe der Haushalte und damit die Anfälligkeit gegenüber Hunger zu verringern, sind verschiedene Anreize nötig (Orbeta 2005:21). Zum einen müssen die Betroffenen davon überzeugt werden, dass eine Familienplanung in erster Linie positive Folgen mit sich bringt. Zum anderen sollte der Zugang zu entsprechenden Beratungsstellen der Familienplanung auch für die Armen erleichtert werden. Neben Informationen über Maßnahmen zur Vermeidung ungewollter Schwangerschaften sollte auch eine monetäre Unterstützung seitens des Staates gewähr werden. Eine solche Hilfestellung erfüllt die Funktion, die Familien abzusichern, um eine große Kinderzahl als Altersvorsorge unnötig zu machen. Durch Zuschüsse kann eine kleinere Anzahl an Kindern attraktiver gemacht werden (Orbeta 2005:21). Zudem ist es die Auf des Staates dafür Sorge zu tragen, dass die Währung stabil gehalten wird, um eine Inflation und somit einen starken Anstieg der Preise zu vermeiden. Weiterhin ist ein Ausbau der Krankenversicherung auch für die sehr arme Bevölkerung wichtig. So wird das Risiko vermindert, das mit dem Ausfall eines arbeitenden Haushaltsmitglieds verbunden ist. Auf diesem Weg sinkt auch die finanzielle Belastung für die Betroffenen. Für den Fall eines Destabilisierungs wäre somit das Risiko einer Entwicklung bis hin zur Katastrophe verringert.

Ein weiterer entscheidender Angriffspunkt zur Verringerung der Vulnerabilität ist die Schaffung von zusätzlichen ausreichend bezahlten Arbeitsplätzen. Durch das im Zuge dessen zu erwartende Einkommen werden die Verfügungsrechte der einzelnen Haushalte verbessert (Lohnert1995:11ff.). Der Erwerb von Nahrungsmitteln kann so auch im Falle von Preis über einen längeren Zeitraum gesichert werden. In der Regel führt zudem ein Mehreinkommen auch zu verstärkten Investitionen in die Gesundheitsversorgung und die Schulbildung.

Im Agrarbereich kann durch gutes Saatgut zu fairen Preisen der Ernteertrag erhöht werden. Ebenso führt ein optimierter Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden zu einer Gewinn. Das traditionelle Wissen sollte dabei stets berücksichtigt werden; die Förderung muss sich an die Bedürfnisse der Kleinbauern anpassen. Der verantwortungsbewusste und nachhaltige Einsatz natürlicher Ressourcen muss hierbei selbstverständlich sein (BMZ2001:15). Des Weiteren wirken sich die Anwendung neuster Anbaumethoden und der Zugang zu besseren Technologien positiv auf die Ertragsmenge aus. Beides muss auch für die arme Bevölkerung zugänglich sein – ansonsten kommt es zur Verstärkung des Armutsgefälles ( Glass 2009).

Letztendlich sollten auch und gerade die Industrienationen Verantwortung zeigen und ihr Handeln über. Sie spielen eine nicht unwesentliche Rolle auf dem Weltmarkt und haben dadurch oftmals einen großen Einfluss auf Klimaveränderungen und Preisschwankungen ( Glass2009).

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Details

Seiten
123
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783842800243
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v227912
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Geographie
Note
1,5
Schlagworte
weltwirtschaftskrise nahrungsmittel entwicklungshilfe philippinen ernährung

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Titel: Wirkungsweise von Projekten zur Verringerung lokaler Folgen der globalen Nahrungskrise