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Bewertung und Implementierung wertorientierter Bilanzkennzahlen für ein globales Verwaltungsmanagement

Masterarbeit 2010 175 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

0 Abstract

1 Einführung in das Thema

2 Bilanz als Steuerungsinstrument
2.1 Inhalt, Struktur und rechtliche Grundlagen der Bilanz
2.2 Privatrechtliche Bilanzen
2.3 NKF- Bilanzen
2.4 Bilanzpolitik
2.5 Steuerungsmöglichkeiten über die Bilanz

3 Traditionelle Bilanzkennzahlen und Steuerungsmöglichkeiten
3.1 Begrifflichkeit Kennzahlen
3.2 Kennzahlenarten
3.3 Traditionelle Bilanzkennzahlen und ihre Optionen für eine strategische Steuerung
3.4 Kennzahlensysteme und Kennzahlensets
3.5 Kritische Betrachtung

4 Wertorientierte Kennzahlen
4.1 Grundlagen wertorientierter Kennzahlen
4.2 Shareholder Value Konzept
4.2.1 Unternehmenswert
4.2.2 Cash Flow als Basisgröße der Wertsteigerung
4.2.3 Kapitalkosten
4.3 Wertorientierte Bilanzkennzahlen
4.3.1 Weighted Average Cost of Capital
4.3.2 Discounted Cash Flow
4.3.3 Cash Flow Return on Investment
4.3.4 Cash Value Added
4.3.5 Economic and Market Value Added
4.3.6 Days Sales Outstanding
4.3.7 Cash-Burn-Rate

5 Managementsysteme und -methoden
5.1 Strategisches Management
5.2 Instrumente des strategischen Management
5.2.1 SWOT- Analyse
5.2.2 Balanced Scorecard
5.2.3 Strategy Map
5.2.4 Portfolio Matrix
5.3 Wertorientiertes Management
5.4 Werttreibermanagement
5.5 Kaskadierung
5.6 Wertorientiertes Controlling

6 Bewertung wertorientierter Bilanzkennzahlen für das strategische Verwaltungsmanagement
6.1 Aktuelle Entwicklung der strategischen Steuerungselemente in der öffentlichen Verwaltung
6.2 Vorüberlegungen einer wertorientierten Verwaltungssteuerung
6.2.1 Prinzipal-Agency Theory
6.2.2 Heterogene Verwaltungsleistungen
6.2.3 Differenzierte Bilanzstrukturen
6.2.4 Auswirkungen des Bilanzmodernisierungsgesetzes
6.2.5 Cash Flow -basierende Kennzahlen für die öffentliche Verwaltung
6.3 Status Quo der strategischen Steuerung ausgewählter DAX- Unternehmen anhand von wertorientierten Kennzahlen
6.4 Zweckmäßigkeit der wertorientierten Bilanzkennzahlen für die öffentliche Verwaltung

7 Kommunaler Verwaltungswert als wertorientierte Kennzahl des öffentlichen Sektors
7.1 Communal Economic Value Added
7.2 Communal Earnings Before Interest and Taxes, Depreciation and Amortization
7.3 Communal Return of Capital Employed
7.4 Communal Weighted Average Cost of Capital
7.5 CEVA Berechnung anhand von praktischen Fällen
7.6 Optimieren des CEVA mittels effektivem Werttreibermanagement

8 Implementierung strategischer und wertorientierter (Bilanz-) Kennzahlen in ein globales Verwaltungssteuerungssystem
8.1 Administrative Value Management Network als verwaltungsweites Steuerungsinstrument
8.2 1. Baustein „Status Quo Analyse“
8.3 2. Baustein „Verwaltungsvisionen“
8.4 3. Baustein „Strategische Konzeption“
8.5 4. Baustein „Organisations- und Finanzmanagement“
8.6 5. Baustein „Implementierung und Umsetzung“
8.7 6. Baustein „Wertorientiertes Controlling“

9 Perspektiven wertorientierter Bilanzkennzahlen für das strategische Verwaltungsmanagement

Literaturverzeichnis

Anlagenverzeichnis

Eidesstattliche Versicherung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Grundstruktur Bilanz

Abbildung 2: Drei Komponentensystem

Abbildung 3: Zufriedenstellung der Unternehmensanspruchsgruppen

Abbildung 4: Cash Flow Definition

Abbildung 5: Renditeaussichten unter Berücksichtigung der Kapitalkosten

Abbildung 6: Beispielberechnung Kapitalkosten

Abbildung 7: Unternehmenswert nach MVA

Abbildung 8: Strategisches Management, Zielfelder / Leitfragen nach KGSt

Abbildung 9: Systemmodell im NPM in Österreich und der Schweiz

Abbildung 10: SWOT-Matrix

Abbildung 11: Beispiel Balanced Scorecard

Abbildung 12: Beispiel Strategy Map

Abbildung 13: Bespiel Portfolio-Matrix

Abbildung 14: Werttreiberbeispiele

Abbildung 15: Wertorientierte Kennzahlen der DAX- Unternehmen

Abbildung 16: Gegenüberstellung CEVA der Vergleichskommunen

Abbildung 17: Werttreiberbaum „Kommunaler Verwaltungswert“

Abbildung 18: Administrative Value Management Network

0 Abstract

Diese Master Thesis „Bewertung und Implementierung wertorientierter Bilanzkennzahlen für ein globales Verwaltungsmanagement“ thematisiert, wie privatwirtschaftliche, wertorientierte Instrumente für eine gesamtwirtschaftliche öffentliche Verwaltungssteuerung im Rahmen der durch das Neuen Kommunalen Finanzmanagement eingeführten Steuerungskomponente Bilanz transferiert und implementiert werden können. Dabei erscheint es zweckmäßig, nicht nur auf undifferenzierte Kennzahlen einzugehen, sondern sie unter dem Aspekt einer strategischen Steuerung zu analysieren und sie in ein wertorientiertes verwaltungsweites Managementsystem zu integrieren.

Im Rahmen eines klassischen Aufbaus befassen sich die Kapital 1 – 5 mit den theoretischen Aspekten der Bilanz und traditioneller und wertorientierter Kennzahlen vor dem Hintergrund der strategisch privatwirtschaftlichen sowie kommunalen Steuerungsmöglichkeiten. Es werden mögliche strategische und wertorientierte Managementsysteme diskutiert und deren Steuerungsinstrumente dargestellt sowie die Aussichten der Umsetzbarkeit für die öffentliche Verwaltung. Der analytische Teil der Arbeit, der die Kapital 6 – 8 umfasst, setzt zunächst den Schwerpunkt auf ein Bewerten der wertorientierten Bilanzkennzahlen für das strategische Verwaltungsmanagement. Aus dem Status Quo der strategischen Verwaltungssteuerung werden anhand von kommunalen Vorüberlegungen und einer aktuellen Analyse wertorientierter Steuerung namenhafter DAX-Unternehmen, die in dieser Arbeit beschriebenen Kennzahlen auf ihre Verwendung für den öffentlichen Sektor kritisch hinterfragt. Aufgrund dieser Ergebnisse wird eine modifizierte wertorientierte Verwaltungskennzahl generiert, die im Rahmen der typisiert laufenden Verwaltungstätigkeit den entstandenen kommunalen Verwaltungswert messen und darstellen soll. Der letzte analytische Teil eröffnet das Blickfeld für eine globale Verwaltungssteuerung durch das Implementieren verschiedener Managementinstrumente und das Orientieren der Aktivitäten auf den kommunalen Verwaltungswert. Abschließend werden im Kapitel 9 die Perspektiven wertorientierter Bilanzkennzahlen für das strategische Verwaltungsmanagement dargestellt und Handlungsansätze zur Verwaltungsoptimierung präsentiert.

Die Master Thesis gibt den in den deutschen Kommunen für die strategische Ausrichtung Verantwortlichen und Controllingbeauftragten einen zusammenfassenden Überblick zu den implementierbaren Ansätzen aus der Privatwirtschaft.

1 Einführung in das Thema

„Heute kennen die Leute von allem nur den Preis und nicht den Wert…“[1]

Verstärkte Globalisierung der Märkte, Liberalisierung der Kapitalmärkte, zunehmender Wettbewerbsdruck durch eine Vielzahl von Fusionen und Kooperationen zwingen international handelnde Unternehmen, eine Wertorientierung innerhalb ihres Unternehmens und somit eine entsprechende Gesamtintegration von strategischen Methoden vorzunehmen.

Für eine zukünftige Erfolgssicherung sind international operierende Konzerne verpflichtet, sich erforderliche Finanzmittel über Kapitalmärkte zu möglichst günstigen Konditionen zu beschaffen. Die Anforderungen der Kapitalgeber an die Unternehmen, wie beispielsweise eine lukrative Anteilsverzinsung, steigen vor dem Hintergrund der zunehmenden Internationalisierung, so dass sie eine nachhaltige Steigerung ihres Unternehmensbeitrages erwarten. Aufgrund dessen ist ein strategisches sowie wertorientiertes Steuern unerlässlich, um dauerhaft den Bestand eines Unternehmens zu sichern und allen Anspruchsgruppen gerecht zu werden.

Die aus der us-amerikanischen Subprime Krise[2] resultierenden Insolvenzen großer Unternehmen und die Konsolidierung der Aktienmärkte stellen aktuell nicht nur in der Privatwirtschaft neue Ansprüche an die finanzwirtschaftlichen Berichterstattungen. Ökonomische Auswirkungen haben sich mittelbar durch den bereits Mitte 2008 abzeichnenden konjunkturellen Abschwung sowie unmittelbar durch beispielsweise den vorfristigen Ausstieg der Behörden und Investoren in den USA aus Cross-Border-Leasing-Verträgen in Deutschland derartig verschärft, so dass die öffentlichen Haushalte nachhaltig beeinträchtigt sind.

Mit Hilfe des Neuen Kommunalen Finanzmanagement (NKF), wodurch die öffentlichen Einrichtungen verstärkt zur strategischen Steuerung ihrer Dienstleistungen und Daseinsversorgungen anhand von betriebswirtschaftlichen Instrumenten, wie Budgetierung, Kosten- und Leistungsrechnung, produktorientierten Haushalten, Wettbewerb, Kontraktmanagement und Controlling gedrängt wurden, ist davon auszugehen, dass die Kommunen einen Ausgleich der Haushalte nicht erreichen oder gar den Abbau der Schulden nur temporär abwenden können.

Eine Konzernsteuerung kann in der Privatwirtschaft heutzutage aufgrund der Komplexität des Unternehmens und seiner Umwelt nicht mehr alleine auf rein traditionellen Kennzahlengrößen basieren. Für das Sichern eines kurz- und langfristigen Unternehmenserfolges ist ein bedarfsgerechtes Bereitstellen von Informationen Voraussetzung, um der wachsenden Vielfalt einwirkender Faktoren in der Unternehmenssteuerung und dem externen Wettbewerbsdruck der internationalen Märkte stand zu halten. Kennzahlen werden nicht nur in der Privatwirtschaft, sondern gleichfalls in der kommunalen Verwaltung als Informations- und Steuerungsinstrument evident.

Kennzahlen und Kennzahlensysteme dienen u.a. als Instrument der Visualisierung und inhaltlichen Transparenz wirtschaftlicher Entwicklungen und der wirtschaftlichen Lage eines Konzerns. Durch steuerungsrelevante Selektion der Kennzahlen werden die Empfänger – das Management - in die Lage versetzt, die strategische Steuerung effektiver und effizienter im Unternehmen auszuführen. Hier sind die steuerungsfähigen Kennzahlen zur richtigen Zeit und zum richtigen Thema entscheidend und von tragender Bedeutung für das weitere wirtschaftliche und strategische Handeln.

Mit dem Einführen des NKF und dem Erstellen von vollständigen doppischen Bilanzen erhalten Kennzahlen steigenden Einfluss bezüglich ihres Informationsgehaltes im Hinblick auf eine strategische Steuerung durch das Verwaltungsmanagement.

2 Bilanz als Steuerungsinstrument

2.1 Inhalt, Struktur und rechtliche Grundlagen der Bilanz

Ziel der Aufstellung einer jährlichen Bilanz ist es, das Vermögen und das Kapital zum Stichtag (Jahresschluss) vollständig und übersichtlich darzustellen.[3] Die Bilanz wird auf der Grundlage des Inventars aufgestellt. Abgebildet wird der Inhalt des Inventars unter Verzicht auf Einzelangaben über die Menge und unter Zusammenfassung der Inventarposten zu größeren Gruppen. Während das Inventar ein detailliertes und konkretes Zusammenstellen der Vermögensteile und Schulden in Staffelform präsentiert, ist die Bilanz eine summarische Gegenüberstellung in T-(Positions-)Form.[4]

Damit die Bilanz über Vermögenszusammensetzung und Kapitalaufbau eines Unternehmens berichten kann, bedarf es einer globalen, schematischen und einheitlichen Basis. Der Aspekt einer gleichförmigen Gliederung ist sowohl für den Vergleich mehrerer aufeinander folgender Bilanzen eines Unternehmens (Zeitvergleich) als auch für ein Gegenüberstellen der Bilanzen verschiedener Unternehmungen miteinander (Betriebsvergleich) bedeutungsvoll.[5]

Der § 247 Abs. 1 Handelsgesetzbuch (HGB) enthält keine detaillierte Gliederungsvorschrift. Inhaltlich wird lediglich umrissen, welche Posten generell für den gesonderten Ausweis in der Bilanz in Betracht kommen und das diese entsprechend aufzugliedern sind. Maßstab dafür ist der in § 243 Abs. 2 HGB niedergelegte Grundsatz der Klarheit und Übersichtlichkeit.

Um dem Grundsatz der Bilanzklarheit zu genügen, sollte die Anordnung der Bilanz für Einzelkaufleute und Personengesellschaften, soweit sie nicht unter das Publizitätsgesetz (PublG) fallen[6] oder als GmbH & Co. KG nach den §§ 246 ff HGB zu betrachten sind, mindestens folgende Positionen enthalten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Grundstruktur Bilanz

2.2 Privatrechtliche Bilanzen

Das Anwenden der besonderen Bilanzierungs- und Offenlegungsvorschriften für privatrechtliche Unternehmen, wie z.B. eine GmbH oder eine AG, sind von der jeweiligen Größe einer Gesellschaft abhängig.[7]

Gem. dem § 266 Abs. 1 Sätze 1, 2, Absätze 2, 3 i.V.m. §§ 268 bis 274 HGB ist eine Mindestgliederung der Bilanz für Kapitalgesellschaften vorgegeben und kann entsprechend der eigenen Organisation zweckdienlich angepasst werden.

Der Aufbau und die Gliederung der Bilanzen bei Industriebetrieben, die gewerblich unter maßgeblichem Einsatz von Maschinen nach dem Prinzip der Arbeitsteilung Sachgüter erzeugen und diese auf großen nationalen und internationalen Märkten absetzen, muss einen anderen Informationsgehalt vorweisen, als bei Dienstleistungsbetrieben, die Verrichtungen, Finanz- und Informationsleistungen erbringen. Dementsprechend müssen die unterschiedlichen Bilanzstrukturen der Kapitalgesellschaften aufgrund differenzierter Produktionsgüter und mannigfachen Geschäftsfeldern bei der Konzeption von Kennzahlensystemen ebenfalls berücksichtigt werden.

2.3 NKF- Bilanzen

Die NKF- Bilanz ist neben dem Ergebnis- und Finanzhaushalt ein neues Element im kommunalen Haushalts- und Rechnungswesen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Drei Komponentensystem

Ergebnis- und Finanzplan (darin enthalten der Investitionsplan) stellen die Basis für die politischen Dekrete sowie für das Steuern und Kontrollieren der Verwaltung dar. Innerhalb der Bilanz werden die Auswirkungen der getroffenen Entscheidungen auf die Vermögens- und Kapitallage der Kommune systematisch und vollständig abgebildet. Auf diese Weise erfüllt die Bilanz eine bedeutende Informationsfunktion und kann somit zur Diagnose der örtlichen Finanzlage wertvolle Anhaltspunkte liefern und die nachdrücklich erforderliche öffentliche Diskussion über die Verschuldungs- und Vermögenspolitik versachlichen.[8]

Gem. § 92 Abs. 1 Gemeindeordnung (GO NW) hat die Gemeinde eine Eröffnungsbilanz aufzustellen. Es erfolgt insoweit eine Orientierung am HGB und an den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung (GoB), soweit die spezifischen Ziele und Aufgaben der Haushaltswirtschaft der Gemeinden dem nicht entgegenstehen. So haben z.B. die im kommunalen Haushaltsrecht aus den GoB verwendeten Begriffe i.d.R. die selbe inhaltliche Bedeutung wie im privatrechtlichen Bereich, soweit nicht durch besondere Definitionen bestimmt wurde, diverse übernommene Spezifikationen mit abweichender Bedeutung zu verwenden.

Neben der kommunalen Bilanz soll die jährliche Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Gemeinde insgesamt so abgebildet werden, als ob es sich bei der Gemeinde um eine einzige wirtschaftliche und rechtliche Organisationseinheit – einen Konzern - handelt.[9] In der Gemeindeordnung ist wegen des sachlichen Zusammenhangs über die Haushaltswirtschaft (8. Teil) und die wirtschaftliche und nichtwirtschaftliche Betätigung (11. Teil) ein gesonderter gesetzlicher Abschnitt (12. Teil „Gesamtabschluss“) aufgenommen worden. Dadurch wird sichergestellt, dass im Gesamtabschluss die Informationsdefizite der Einzelabschlüsse der gemeindlichen Betriebe beseitigt und im Gesamtabschluss das Vermitteln entscheidungsrelevanter Informationen in den Fokus gestellt werden. Infolgedessen kann beurteilt werden, ob die Gemeinde zukünftig in der Lage ist, ihre Aufgaben über die Realisierung ihrer Kernverwaltung hinaus zu erfüllen oder ob politische Dekrete bezüglich einer Ziel- und Aufgabenkritik im Hinblick auf Privatisierung, Outsourcing oder Public Private Partnership Modelle einzelner Organisationseinheiten getroffen werden müssen.

Kernproblem der kommunalen Bilanz ist die Bewertungsfrage des Vermögens auf der Aktivseite und teilweise auf der Passivseite. Im kaufmännischen Rechnungswesen haben Ziele wie Gläubigerschutz und Begrenzung der maximal zulässigen Gewinnausschüttung im Zusammenwirken mit steuerrechtlichen Regelungen zu einem strengen Anschaffungswertprinzip geführt. Handels- und Steuerbilanzen informieren deshalb sehr oft nicht stichhaltig über die faktischen Wertverhältnisse in den Konzernen („Stille Reserven“ / „Stille Lasten“). Für (strategische) Steuerungszwecke sind die Werte aus Handels- und Steuerbilanzen deshalb erfahrungsgemäß nicht geeignet. Für die kommunalen Bilanzen ist weder das Gläubigerschutzprinzip noch das Steuerrecht[10] maßgeblich. Die Bewertung[11] kann deshalb von vorn herein stärker managementorientiert ausgerichtet werden.[12]

2.4 Bilanzpolitik

Bilanzpolitik ist eine interessenorientierte Gestaltung durch das Unternehmen im Rahmen des „ window dressing[13] “ und der Rechnungslegungsvorschriften[14], um bei unternehmerisch relevanten Gruppen (Stakeholder / Shareholder) nachhaltige Reaktionen hervorzurufen. Bedeutsamste Ziele sind Steuerersparnis, Verbessern der Bonität und Gewinnthesaurierung.

Die Möglichkeiten der Bilanzpolitik werden durch zahlreiche explizite Wahlrechte begünstigt, die dem Unternehmen ein zielgerichtetes Darstellen der ausgewiesenen Vermögens-, Finanz- und Ertragssituation ermöglichen.[15] Hierunter fallen u.a. die Wahlrechte für die (Nicht-)Aktivierung des derivativen Goodwills[16] (§ 255 Abs. 4 Satz 1 HGB), Erweiterung des Geschäftsbetriebs (§ 269 HGB), sowie aktive latente Steuern (§ 274 Abs. 2 HGB). Weitere Möglichkeiten zur Erfolgsregulierung ergeben sich aus den Passivierungswahlrechten, die das Gesetz für näher beschriebene Aufwandsrückstellungen (§ 249 Abs. 1 Satz 3, Abs. 2 HGB), Pensionsverpflichtungen (§§ 249, 253 Abs. 1 Satz 2 HGB, 6a EStG) und für Sonderposten mit Rücklageanteil (§ 273 HGB) vorsieht.

Wahlrechte in der Bewertung berechtigen den Unternehmer dazu, sich zwischen mehreren der Höhe nach unterschiedlichen Werten zu entscheiden. So steht es im Ermessen des Unternehmens, die Herstellungskosten der selbsterstellten Erzeugnisse und Sachanlagen in Höhe der Einzelkosten festzulegen oder die Gemeinkosten (§ 255 Abs. 2 Satz 3 ff HGB) und die gesetzlich näher konkretisierten Finanzierungskosten (§ 255 Abs. 3 Satz 2 HGB) mit einzubeziehen. Gestaltungsmöglichkeiten ergeben sich ferner beim Ermitteln der Anschaffungskosten für gleichartige Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens, deren Bewertung im Sinn des § 256 HGB anhand von Gruppen- und / oder Sammelverfahren erfolgt, wobei durch Festlegen des anzuwendenden Verbrauchsfolgeverfahrens, z.B. Lifo- (Last in, first out), Fifo- (First in, first out) Verfahren (§ 256 HGB) der Wertansatz der Bilanzobjekte gesteuert wird. Für die Folgebewertung ergeben sich bilanzpolitische Spielräume aus dem gemilderten Niederstwertprinzip (§ 253 Abs. 2 Satz 3 HGB) und der Aussicht, das Umlaufvermögen an einen geschätzten, niedrigeren Zukunftswert anzugleichen (§ 253 Abs. 3 Satz 3 HGB).[17]

Zum Schutz einzelner Interessengruppen wird die Bilanzpolitik durch die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung, die Satzungen und Geschäftsordnungen der einzelnen Unternehmen, durch bestehende ökonomische Grenzen (z. B. Verhältnisse an den Beschaffungs- und Absatzmärkten, Produktions- oder Dienstleistungsstruktur) sowie durch die gesetzlichen Höchst- bzw. Mindestwertvorschriften beschränkt.[18] Beispielsweise ist der Unternehmer dazu verpflichtet, praktizierte Wahlrechte ebenfalls in der Folgezeit beständig auszuüben (§ 252 Abs. 1 Nr. 6 HGB). Zudem muss der Unternehmer im Anhang darüber informieren, wenn die (gegebenenfalls durch Bilanzpolitik verzerrten) Wertansätze in der Bilanz / GuV kein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Unternehmenslage vermitteln (§ 284 Abs. 2 HGB).

Bedeutende faktische Schranken ergeben sich für die Bilanzpolitik daraus, dass etliche der bilanzpolitischen Ansatzpunkte nur einmal grundlegend durchgeführt werden können und eine einmal vorgenommene Bilanzpolitik aufgrund der Totalgewinnidentität in den folgenden Perioden entscheidend zu diametralen Effekten führt.[19]

2.5 Steuerungsmöglichkeiten über die Bilanz

Durch ein absolut detailliertes Auflisten der Mittelherkunft und Mittelverwendungen offenbart die Bilanz einen Einblick in den Vermögensaufbau, die wirtschaftliche Konstellation und die Finanzstruktur eines Unternehmens. Erfahrungsgemäß sind nicht die einzelnen Bilanzposten und deren Werte von Interesse, sondern eher das Verhältnis derer zueinander, so dass sich aus wichtigen Bilanzkennzahlen direkt die Finanzstruktur, der Vermögensaufbau und die Liquidität eines Betriebes systematisch berechnen lassen. Durch grundlegende Rechenformeln werden die bekannten Werte einer Bilanz zu charakteristischen und aussagekräftigen Kennzahlen geformt. Daran kann die gegenwärtige Situation eines Unternehmens gemessen und strategische Handlungsentscheidungen des Managements gelenkt werden. Die Anteile von Anlage- und Umlaufvermögen liefern hierbei eine Auskunft über den gesamten Vermögensaufbau[20] eines Unternehmens.[21] Kennzahlen werden u.a. für die Vermögens-, Kapital-, Finanz-, Ertrags- und Aufwandsstruktur ermittelt.

Die Bilanzkennzahl für den Vermögensaufbau lässt sich direkt aus den einzelnen Posten der Bilanz errechnen. Moderne Bilanzierungssysteme stellen die jeweils aktuellsten Bilanzdaten unmittelbar zur Verfügung. So kann für die Analyse der Vermögensstruktur beispielsweise die Kennzahl Anlagenabnutzungsgrad herangezogen werden. Die Aussagekraft über den Vermögensaufbau ist allerdings begrenzt, da viele Vermögensgegenstände erfahrungsgemäß gar nicht mit ihren tatsächlichen Werten zum Vermögensaufbau angesetzt werden können.

Des Weiteren wäre beispielsweise die Fremdkapitalquote für die Analyse der Kapitalstruktur geeignet. Diese gibt Auskunft darüber, wie stark der Konzern verschuldet ist. Zu beachten ist dabei, dass Kennzahlen eine wertvolle Aussage nur erlauben, wenn sie nicht isoliert betrachtet, sondern in einen Gesamtzusammenhang gestellt werden.[22]

Für die kommunale Steuerung stellt die Bilanz einen Wertespeicher dar, der über die vorhandenen Ressourcenbestände und Verbindlichkeiten der Kommune aufklärt. In der Bilanz wird zugleich über die Auswirkungen der getroffenen (politischen) Entscheidungen informiert. Entscheidet sich eine Kommune z.B. eine neue Sporthalle zu errichten, hat diese Investition bilanzielle Auswirkungen. Für die Finanzierung kann es erforderlich sein, Kredite aufzunehmen, die die Verbindlichkeiten der Kommune erhöhen. Des Weiteren müssen aus laufenden Erträgen die Abschreibungen für das Anlagevermögen und der Aufwand für zukünftige Investitionen (z.B. Erhaltungsmaßnahmen) erwirtschaftet werden. Sollten die Abschreibungen und (Instandhaltungs-)Rückstellungen nicht durch laufende Erträge gedeckt werden, führt dies zu einem Verlust an Reinvermögen der Kommune. Die Kommune würde demnach von der Substanz leben.

Erstmalig erlangt die Kommune durch das Aufstellen einer Bilanz einen globalen Überblick über ihr Vermögen und ihre Schulden. Um eine komplexe Organisation, wie eine Gemeinde, nach wirtschaftlichen Grundsätzen effektiv und effizient zu steuern, ist eine entsprechend aussagekräftige und damit steuerungsrelevante Informationsbasis unabdingbar. Etliche Gemeinden haben in den vergangenen Jahren Aufgabenbereiche ausgegliedert und verfügen über zahlreiche verselbstständigte Einheiten (verbundene Unternehmen, Beteiligungen, Sondervermögen) als gemeindliche Betriebe, so dass besonders größere Kommunen heutzutage vielfach konzernähnliche Strukturen aufweisen.

Dabei wurde bisher der Kernhaushalt nach kameralen finanzwirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt; die ausgegliederten Einheiten hingegen rechneten kaufmännisch, so dass getrennte Zahlenwerke vorlagen, die nicht kompatibel waren. Durch den Konzernabschluss wird erstmals eine Konsolidierung von Jahresabschlüssen der Kernverwaltung mit allen ausgegliederten Betrieben erreicht. So wird eine globale Transparenz über die gesamte Ertrags- und Finanzsituation der Gemeinde bewerkstelligt. Das Erstellen des Konzernabschlusses orientiert sich dabei unter Rücksichtnahme von gemeindlichen Besonderheiten an den privatwirtschaftlichen Regelungen über die Konzernrechnungslegung.[23]

Um die in der Bilanz enthaltenen Informationen für das Steuern der Kommune zu verwenden, müssen diese für die Verwaltungsführung und die politischen Gremien aufbereitet werden. Dafür können zahlreiche für die Privatwirtschaft entwickelte Kennzahlen der Bilanzanalyse für die Kommunen genutzt werden. Sie sind allerdings an die besonderen Spezifikationen und an das Zielsystem der Kommune anzupassen.[24]

Mit dem Einführen des NKF wird u.a. eine weitere Verbesserung der Steuerungsfähigkeit in den Kommunen durch konsequente Produktorientierung und Steuerung über Ziele und Kennzahlen angestrebt. Die bislang – wenn überhaupt vorhandene – praktizierte strategische Steuerung über traditionelle Kennzahlen, ist in Zeiten verstärkter Globalisierung und des zunehmenden Wettbewerbsdruck auf kommunaler Ebene durch dynamische wertorientierte Kennzahlen zu ersetzen.

Beim Entwickeln von Kennzahlen zur Analyse der in einer Bilanz zum Ausdruck kommenden wirtschaftlichen Situation einer Kommune – liegt es nahe, an den für Handelsbilanzen entwickelten Kennzahlen(systems) der Privatwirtschaft anzuknüpfen. Vor der Übernahme einzelner Kennzahlen aus der Handelsbilanzanalyse ist jedoch zu hinterfragen, ob die jeweilige (rechnerisch sicherlich ermittelbare) Kennzahl vor dem Hintergrund einer völlig anderen verfassungsrechtlichen Ausgangslage bei Kommunen als bei privaten Wirtschaftsunternehmen überhaupt sinnvoll angewendet werden kann. Selbst wenn dies bejaht werden würde, muss genau betrachtet werden, auf welche Weise die Kennzahl zu interpretieren ist.

3 Traditionelle Bilanzkennzahlen und Steuerungsmöglichkeiten

3.1 Begrifflichkeit Kennzahlen

Kennzahlen ersetzen intuitive Urteile durch nachprüfbare Daten. Sie sind Absolut- oder Relativzahlen, die einen nach Möglichkeit kardinal messbaren Sachverhalt oder Tatbestand mit besonderer Aussagekraft anführen. Kernelemente einer Kennzahl sind der Informationscharakter, der Urteile über wichtige Sachverhalte und Zusammenhänge bewirkt und die Quantifizierbarkeit, welche als Basis metrischer Messbarkeit präziser Aussagen fungiert.[25]

Mit Kennzahlen können Ziele explizit vereinbart werden. Interpretationen von Kennzahlen in diesem Sinne setzen voraus, dass ein Ermitteln von Kennzahlen standardisiert ist (Stichwort: Bewertungskontinuität). Durch das Objektivieren subjektiver Einschätzungen werden Sachverhalte konsolidiert, so dass Kennzahlen als ökonomisches und effektives Steuerungsinstrument der Entscheidungsfindung dienen.[26] Sie stellen quantitative Daten bzw. Messgrößen dar, die in komprimierter, numerischer Form einen zahlenmäßig messbaren Tatbestand anzeigen und damit über die erreichten Resultate bzw. über das Ausmaß der Zielerreichung relativ schnell und einfach informieren.[27]

Ferner benötigen Kennzahlen Vergleichswerte oder einen Kontext, um aussagefähig zu sein. Situationen oder Abweichungen können anhand von objektiven Vergleichen über die Zeit, mit Anderen (Benchmarking) und mit Soll-Werten beschrieben und beurteilt werden.[28] Subjektiv gefärbte Prosa-Berichte können durch klare Fakten untermauert oder ersetzt werden, womit die Objektivität der Situationsberichte gestärkt wird. Mit professionell eingesetzten Kennzahlen lassen sich Fortschritte darstellen und die kontinuierliche Entwicklung wird transparent. Somit werden Zuversicht und Motivation bei Investoren und Projektmitgliedern erzeugt.[29]

Kennzahlen dienen als Analyseinstrument im Bereich des Controllings zum Steuern und Führen. Dementsprechend sind Kennzahlen im direkten Zusammenhang zu den jeweiligen formulierten Zielen zu bilden, um ein (angestrebtes) Ergebnis einzuschätzen. Sie stehen im engen Bezug mit den Produktzielen und sind direkt von diesen abzuleiten (z.B. Ziel: Verringern des Krankenstandes, Kennzahl: Prozentualer Krankenstand im Zeitvergleich). Kennzahlen müssen zur ergebnisorientierten Steuerung geeignet sein, „Datenfriedhöfe“ sollten vermieden werden und der Aufwand zur Kennzahlenermittlung muss in einem angemessenen Verhältnis zum Nutzen stehen.[30]

3.2 Kennzahlenarten

Kennzahlen können aus verschiedenen Informationen, Daten und Rechenoperationen gebildet werden. Die sogenannten Grundzahlen bilden dabei die Basis im Rahmen der Kennzahlenarbeit. Hierbei handelt es sich um quantitative nicht weiter aufzuschlüsselnde Informationen, die in der Regel absolute Zahlen darstellen (z.B. Beschäftigte im Unternehmen). Somit können nur absolute Veränderungen Berücksichtigung finden, die kaum beeinflussbar sind. Grundzahlen werden oftmals für das Bilden von produktspezifischen Kennzahlen herangezogen (z.B. Anteil der ausländischen Einwohner in Bezug zur Gesamteinwohnerzahl).[31] Werden Grundzahlen zueinander ins Verhältnis gesetzt, findet ein erster Datenvergleich statt; sogenannte Verhältniszahlen, die sich wiederum in Beziehungs-, Index- und Gliederungszahlen differenzieren lassen.

Kennzahlenarten können ebenso in objektive und subjektive Kennzahlen gegliedert werden. Bei Öffnungszeiten, Wartezeiten oder Liegezeiten handelt es sich beispielsweise um objektive Kennzahlen, während Bewertungen, die von Bürgerinnen und Bürgern bzw. Kunden der Verwaltung abgegeben werden, subjektive Kennzahlen darstellen.

Soll ein zahlenmäßig nicht messbarer Vorgang oder Sachverhalt operationalisiert werden, können außerdem Indikatoren (Kennzahlen im weiteren Sinne) erarbeitet werden, wie z.B. Krankenstand und Personalfluktuation als Indikatoren für Mitarbeiterzufriedenheit.[32]

3.3 Traditionelle Bilanzkennzahlen und ihre Optionen für eine strategische Steuerung

"If you can't measure it, you can't manage it."[33] Die öffentliche Verwaltung, die privaten Betriebe und die Industrieökonomie beanspruchen zum strategisch kennzahlengestützten Steuern ihrer Organisation höchst differenziert abgestufte bzw. aggregierte Kennzahlen. Mannigfache Situationen oder Strategien können das Erheben unterschiedlicher Kennzahlen verlangen. Die richtige Kennzahl muss zum richtigen Zeitpunkt erhoben werden, um die richtige Botschaft zu vermitteln.[34]

Der temporär korrekte Einsatz einer kardinalen oder relativen Kennzahl, um eine strategische und entscheidungsrelevante Aussagekraft zu erlangen, ist im Hinblick auf eine Steuerung über traditionelle Kennzahlen überschaubar.

Es existieren immerhin verschiedene Arten von traditionellen Kennzahlen, jedoch ist der Unterschied sekundär, da nicht einzelne individuelle Bilanzpositionen betrachtet werden sondern die groben Spezifikationen der Bilanz. Die Aussagekraft der Kennzahlen ist unter Berücksichtigung von geringen Interpretationen und Konstellationen identisch.

Bei privaten Unternehmen steht primär als Betriebsziel die Gewinnmaximierung und sekundär die Deckung des Bedarfs an Gütern und Dienstleistungen im Fokus. Das Erkenntnisziel der finanzwirtschaftlichen Bilanzanalyse ist u.a. der Gewinn von Informationen über die Kapitalverwendung (Investitionsanalyse), Kapitalaufbringung (Finanzierungsanalyse) und über das Verhältnis zwischen Kapitalverwendung und -aufbringung (Liquiditätsanalyse). Die gewonnenen kennzahlgestützten Aussagen über die finanzielle Stabilität der Unternehmen bilden zugleich ein wichtiges Fundament für die anschließende Analyse der vor allem für die Eigentümer wichtigen Ertragskraft des Unternehmens.[35]

Dagegen haben Kommunen die Erfüllung der Daseinsversorgung ihrer Einwohner als primäres Aufgabenziel. Ein (zur Privatwirtschaft vergleichbares) Gewinnstreben ist für sie nur im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Betätigung gem. § 107 ff GO NW möglich. Aus diesem Grund können die Kommunen Kennzahlen aus der Betriebswirtschaft nicht uneingeschränkt übernehmen. Gleichwohl sind Kennzahlen ein wichtiger Baustein im neuen kommunalen Haushaltsrecht.[36]

Im Rahmen der Kapitalaufbringung werden traditionell die Bilanzkennzahlen Eigenkapitalquote, Anspannungsgrad und Verschuldungsgrad für managementorientierte Handlungsempfehlungen eingesetzt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Eigenkapitalquote dient dem Beurteilen der finanziellen Stabilität, Kapitalkraft und Unabhängigkeit eines Unternehmens. Ziel ist es, die Eigenkapitalquote zu optimieren, um weitgehend von Gläubigern unabhängig zu sein. Zudem wird durch eine höhere Eigenkapitalquote die Kreditwürdigkeit verbessert. Im Ergebnis stellt das Eigenkapital für sich selbst im öffentlichen Bereich keinen Wert dar und äußert seinen Wert erst im Vermögen, dass die Bürgerinnen und Bürger nutzen können. Das Eigenkapital sagt aus, welchen Teil des Vermögens die Bürgerinnen und Bürger und nicht die Banken besitzen. Aus diesem Grund ist die Eigenkapitalquote unter den bereits genannten Vorbehalten nur mittelbar und geringfügig aussagekräftig. Dennoch kann die Kennzahl eine Aussagekraft enthalten, da eine steigende oder fallende Eigenkapitalquote dem verantwortlichen Gemeinderat signalisiert, welche Erfolge seine Nachhaltigkeitsbemühungen im Hinblick auf die kommenden Generationen haben.[37]

Der Anspannungsgrad oder auch Planwirtschaftlichkeitsgrad ist der Grad der Anstrengung, der notwendig ist, um die Kostenvorgaben (Verbrauchs- oder Zeitmengen) einzuhalten. Beim Ermitteln der Planarbeitszeit ist ein bestimmter Leistungsgrad zugrunde zu legen, der seinerseits auf der Festlegung der Normalleistung basiert. Dazu ist ein bestimmter Grad der (zumutbaren) Anstrengung festzulegen. Meist wird als Anspannungsgrad aber nur der Grad der Anstrengung zum Einhalten von Gemeinkostenvorgaben bezeichnet.

Im Bereich des Verschuldungsgrades wird zwischen der statischen und dynamischen Verschuldung differenziert. Der statische Verschuldungsgrad gibt Auskunft über die Proportionierung der bislang genutzten Kapitalquellen im Rahmen der Unternehmensfinanzierung. Durch den Verschuldungsgrad wird der Umfang des Risikos und somit die Fähigkeit, bei entstehenden Verlusten aufgenommene Kredite dennoch bedienen zu können, Auskunft geben. Damit erhält der Kreditgeber Informationen über die Dispositionsfreiheit der Unternehmung und ihre Kreditwürdigkeit. Durch diese Betrachtungsweise werden Rentabilitätsaspekte vernachlässigt, denn ein niedriger Verschuldungsgrad kann unter bestimmten Prämissen die Eigenkapitalrentabilität beeinträchtigen (Leverage-Effekt[38] ).[39]

Die Kennzahl dynamischer Verschuldungsgrad ist wohl eine der aussagefähigsten Kennzahlen auf der Grundlage der Bilanzzahlen. Sie bezieht sich auf die Nettoverschuldung (Fremdkapital abzüglich flüssiger Mittel) und auf den Cash Flow[40]. Anhand des Cash Flows kann die Verschuldungsfähigkeit eines Unternehmens analysiert werden. Ferner leistet der Cash Flow als Indikator Informationen darüber, inwieweit eine Kommune Einzahlungsüberschüsse (Finanzautonomie) und Mittel für Fremdkapitaltilgungen (Schuldentilgungskraft) erzielt, Ausschüttungen leisten kann und Neuinvestitionen selbst erwirtschaftet.[41]

Bei der Kapitalverwendung werden insbesondere die Kennzahlen Anlagen- und Umlaufintensität[42] verwendet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der Privatwirtschaft sind die Vermögensgegenstände nach dem HGB bewertet und in der Bilanz mit ihrem Wert angesetzt, so dass die Kennzahlen aussagekräftige Werte enthalten. Die Kommunen müssen im Rahmen der Einführung des NKF ihr Vermögen erst erfassen und bewerten. Die Folge von zugelassenen Bewertungserleichterungen und –wahlmöglichkeiten führt zu unterschiedlichen Werten bei der Kennzahl Anlagenintensität, da die Kommunen ihr Vermögen unterschiedlich in der Bilanz ansetzen. Setzt eine Kommune einen Wert in der Eröffnungsbilanz hoch an, wird die Aussage einiger Kennzahlen verbessert. Die Anlagenintensität sollte immer mit der Kennzahl der Ertrags- und Aufwandsstruktur gekoppelt werden, denn ein niedriger Wert bei der Anlagenintensität kann ungünstige Werte bei der Ertrags- und Aufwandsstruktur zur Folge haben, da Miet- und Leasingaufwendungen den Ergebnishaushalt belasten und dies kann wiederum den Haushaltsausgleich gefährden.[43]

Da eine Kommune nur unwesentlich auf die Ertragskraft ihres Anlagevermögens angewiesen ist und das Anlagevermögen kaum veräußerbar ist, kommt die Frage der Fristenkongruenz[44] nur im Rahmen der Liquidität Bedeutung zu. Wegen des Verbots der Zwangsvollstreckung in das meiste kommunale Vermögen steht dieses nicht als Sicherheit zur Verfügung. Von daher spielt das Verhältnis Eigenkapital / Anlagevermögen zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit kaum eine Rolle, zumal für die Kreditwürdigkeit Anhaltspunkte den Kapitalkennzahlen entnommen werden können.[45]

Die Anlagendeckung beurteilt die finanziellen Verhältnisse eines Unternehmens.
Im Rahmen der Bilanzanalyse wird regelmäßig untersucht, ob die üblichen Finanzierungsregeln (u.a. Goldene Bilanzregel) eingehalten worden sind. Dazu gehört die Grundregel, dass das Anlagevermögen möglichst durch Eigenkapital gedeckt ist. Damit wird das Prinzip eingehalten, dass langfristig im Unternehmen gebundene Mittel auf Dauer zur Verfügung stehen.[46]

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Langfristiges Fremdkapital ist normalerweise mit einem festen und damit berechenbaren Zins ausgestattet. Demgegenüber ist kurzfristiges Fremdkapital mit einem höheren Risiko verbunden und die Abhängigkeit von Kreditgebern ist größer. Überdies belastet die Tilgung eines kurzfristigen Fremdkapitals schon in naher Zukunft die Liquidität und das zu tilgende Fremdkapital muss vorwiegend durch neues Fremdkapital ersetzt werden. Aus diesem Grund ist es in der Regel besser, je länger das dauerhafte Fremdkapital im Unternehmen gebunden ist.

Haushaltsrechtlich ist der Begriff des langfristigen Fremdkapitals ein unbestimmter Rechtsbegriff der unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten hervorbringt. Wird analog zum langfristigen Fremdkapital kurzfristiges Fremdkapital mit einer Laufzeit von unter einem Jahr definiert, könnte daraus abgeleitet werden, dass es überwiegend zur Aufrechterhaltung der Kassenliquidität verwendet wird. Dies ist haushaltsrechtlich zur dauerhaften Finanzierung von langfristigem Vermögen nicht zulässig und deutet in der Regel auf eine problematische Finanzsituation der Kommune hin.

Liquiditätskennzahlen geben Auskunft über die allgemein monetäre Bewertung hinsichtlich der Fähigkeit die Zahlungsverpflichtungen termingerecht zu erfüllen.

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Die Liquiditätskennzahlen sollen bei der betriebswirtschaftlichen Bilanzanalyse Hinweise auf die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens geben. Da Zahlungsunfähigkeit eines Unternehmens ein Insolvenzgrund ist, muss in einem Unternehmen immer ausreichend kurzfristiges verfügbares Aktivvermögen zum Ausgleich kurzfristiger Verbindlichkeiten vorhanden sein. Liquiditätskennzahlen werden daher durch die Gegenüberstellung von Finanzmitteln, die für die Zahlung einsetzbar sind, in Relation zu den Verbindlichkeiten gesetzt.[47]

Ein illiquides Unternehmen ist betriebswirtschaftlich gesehen insolvent. Das gilt ebenfalls für die Kommunen, auch wenn eine rechtliche Insolvenz ausgeschlossen ist. Aus diesem Grund ist die Liquidität 1. Grades eine sehr wichtige Kennzahl. Liquidität muss vorrangig während des Jahres gegeben sein und deshalb kontinuierlich überwacht und gesichert werden durch eine unterjährige Finanz- und Liquiditätsplanung.[48]

[...]


[1] Oscar Wild (irischer Schriftsteller, 1854 – 1900)

[2] Als "Subprime-Kredite" werden Kredite bezeichnet, die wissentlich an Verbraucher mit geringer Bonität vergeben werden. Volkswirtschaftlich problematisch war, dass im US-Immobilienmarkt zu viele Subprime-Kredite vergeben wurden, insbesondere für den Hauskauf. Obwohl die Finanzierungsgeber hierbei regelmäßig Ausfälle verbuchen müssen - so genannte "faule Kredite" - sind diese Verluste einkalkuliert und rechnerisch durch höhere Zinsen und andere Tilgungsmodalitäten gegenfinanziert. Im Sommer 2007 erreichte der Ausfall von Subprime-Krediten einen neuen Höchststand, was zu einem starken Preisanstieg auf dem Immobilienmarkt und zu Zinserhöhungen führte. Folglich mussten zahlreiche amerikanische Immobilienbanken hohe Abschreibungen geltend machen und letztlich in die Insolvenz gehen. Diese Entwicklung wird als Subprime-Krise bezeichnet. In den deutschen Medien war eher von der "US Immobilienkrise" die Rede.

[3] Vgl. Bals, Seite 111 ff

[4] Vgl. Falterbaum, Bolk, Reiß, Seite 75

[5] Vgl. Handreichung für Kommunen

[6] Unter das PublG fallen Unternehmen in der Rechtsform einer Personengesellschaft oder des Einzelkaufmanns, wenn bei drei aufeinander folgende Abschlussstichtage mindestens zwei der folgenden Merkmale überschritten sind: 1. Die Bilanzsumme einer auf den Abschlussstichtag aufgestellten Jahresbilanz übersteigt 65 Millionen Euro. 2. Die Umsatzerlöse des Unternehmens in den zwölf Monaten vor dem Abschlussstichtag übersteigen 130 Millionen Euro. 3. Das Unternehmen hat in den zwölf Monaten vor dem Abschlussstichtag durchschnittlich mehr als fünftausend Arbeitnehmer beschäftigt (vgl. § 1 Abs. 1 PublG).

[7] Vgl. § 267 HGB

[8] Vgl. Bals, Seite 111 ff

[9] Vgl. § 116 GO NRW

[10] Außer in den Fällen der Betriebe gewerblicher Art

[11] Für das in großem Umfang vorhandene langlebige Anlagevermögen und insbesondere den Grundbesitz ist nur eine Bewertung mit Zeitwerten zielführend. Wenn die Werte in der Eröffnungsbilanz stimmen, kann die Fortführung durchaus zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten vorgenommen werden. Diese sollten dann allerdings in geeigneten Zeitabständen an den Marktwert angepasst werden.

[12] Vgl. Bals, Seite 114

[13] Window dressing bezeichnet alle in der Bilanzpolitik erlaubten gesetzlichen Transaktionen, um das Bilanzbild möglichst positiv darzustellen.

[14] Vorschriften des Handels- und Steuerrechts, die ein Unternehmen bei seiner Buchführung und Bilanzierung zu beachten hat.

[15] Vgl. Wirtschaftslexikon24

[16] Der Firmenwert wird auch Goodwill genannt. Der Goodwill entspricht dem Betrag, den ein Käufer als Ganzes unter Berücksichtigung zukünftiger Ertragserwartungen über den Wert aller materiellen und immateriellen Vermögensgegenstände nach Abzug der Schulden bereit ist zu zahlen.

[17] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon

[18] Vgl. Wirtschaftslexikon24

[19] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon

[20] Zur Berechnung der Bilanzkennzahl zum Vermögensaufbau gehört das Anlagevermögen eines Unternehmens. Dieses bezieht sich auf alle Gegenstände, welche fest und dauerhaft dazu beitragen, den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. Das Anlagevermögen dient dem Aufbau und der Ausstattung eines Betriebes und wird in der Regel langfristig an das Unternehmen gebunden sein. Das Umlaufvermögen ist im Gegensatz zum Anlagevermögen überhaupt nicht an ein Unternehmen gebunden. Es durchläuft das Unternehmen für eine gewisse Zeit. Dabei handelt es sich meistens um Warenbestände und Forderungen aus der Tätigkeit des Betriebes.

[21] Vgl. Küting, K., Seite 58 ff

[22] Vgl. Küting, K., Seite 65

[23] Vgl. Küting, K., Seite 70 ff

[24] Vgl. Bals, Seite 111 ff

[25] Vgl. Owczarzak, H., Seite 8 ff

[26] Vgl. KGSt-Bericht Nr. 4/2001, Seite 9

[27] Vgl. Leitlinien Stadt Lünen, Seite 5

[28] Vgl. www.4manager

[29] Vgl. www.4manager

[30] Vgl. Leitlinie Baden-Württemberg, Seite 6

[31] Vgl. Produktleitlinien Stadt Düsseldorf, Seite 20

[32] Vgl. Leitlinie Baden-Württemberg, Seite 5

[33] Peter F. Drucker (us-amerikanischer Ökonom, 1909 – 2005)

[34] Vgl. KGSt Bericht Nr. 4/2001, Seite 7

[35] Vgl. Heesen, B., Gruber, W.

[36] Vgl. Herre, A., Seite 34 ff

[37] Vgl. Herre, A., Seite 34 ff

[38] Der Leverage Effekt gibt den Hebeleffekt der Verschuldung wieder.

[39] Vgl. Wirtschaftslexikon24

[40] In seiner vereinfachten Form lässt sich der Cash Flow wie folgt ausrechnen: Jahresüberschuss / Fehlbetrag + Abschreibungen / Zuschreibungen auf das Anlagevermögen + Erhöhung (- Verminderung) von langfristigen Rückstellungen. Langfristige Rückstellungen müssen hierbei definiert werden. In der Regel sind es Rückstellungen ab 5 Jahre.

[41] Vgl. Herre, A., Seite 34 ff

[42] Die Umlaufintensität wird aufgrund der für diese Arbeit geringen Relevanz nicht näher erläutert.

[43] Vgl. Herre, A., Seite 34 ff

[44] Fristenkongruenz bezeichnet das Übereinstimmen der Fristen von Kapitalbindung und Kapitalüberlassung von Aktiva und Passiva in der Bilanz.

[45] Vgl. Matz, J., Seite 193 ff

[46] Vgl. Heesen, B., Gruber, W.

[47] Vgl. Heesen, B., Gruber, W.

[48] Vgl. Herre, A., Seite 34 ff

Details

Seiten
175
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783836649506
Dateigröße
11.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v227904
Institution / Hochschule
Fachhochschule Dortmund – Wirtschaft, Betriebswirtschaftslehre
Note
1,0
Schlagworte
bilanzkennzahlen verwaltungssteuerung verwaltungsmanagement managementsystem steuerungsmöglichkeiten

Autor

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Titel: Bewertung und Implementierung wertorientierter Bilanzkennzahlen für ein globales Verwaltungsmanagement