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Entwicklung einer Methodik zur Bewertung des Innovationsgehaltes von Projektideen im Bereich der Beruflichen Weiterbildung - dargestellt am Beispiel der ESF-Förderung in Sachsen-Anhalt

Magisterarbeit 2008 83 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Gliederung der Magisterarbeit

1. Einleitung

2. Rückblick zur Forschungsarbeit
2.1 Aufgabenstellung
2.2 Vorgehensweise in der Forschungsarbeit
2.3 Begriffsbestimmung – pädagogische Innovation
2.4 Die 10 Kategorien
2.5 Ergebnisse der Forschungsarbeit

3. Aufgabenanalyse und Literatur zur Magisterarbeit
3.1 Vorbetrachtung
3.2 Pädagogische Innovation auf EU-Ebene
3.3 Richtlinien des ESF und der TGL-SA
3.4 Erwartungen der TGL-SA und Zielstellung

4. Untersuchung der Projekte
4.1 Einführung
4.2 Vorgehensweise zur Analyse eines Projekts
4.3 Valenz- / Intensitätsanalyse
4.4 Kontingenzanalyse
4.5 Differenzanalyse
4.6 Ergebnisse und Folgerungen

5. Entwicklung des Bewertungskriteriums
5.1 Datenerhebung bei der TGL und beim BWSA
5.2 Anforderungen / Probleme
5.3 Erarbeitung einer Methodenvielfalt
5.4 Auswahl und Präzisierung der Methoden
5.5 Testlauf und Ergebnis

6. Vorstellung und Begründung der Bewertungsmethode

7. Schluss

8. Abkürzungsverzeichnis

9. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

In der Werbeindustrie, in der Technik oder im Wirtschaftssektor sind wir umgeben von Schlagwörtern wie revolutionäre Entwicklung, sensationelle Neuerung oder innovativstes Produkt. Besonders in Werbespots von Automobil- oder Rasiererherstellern finden sich derartige Sprüche über Innovationen. Doch diese Arbeit behandelt die Thematik nun im Rahmen der Pädagogik. In einer Geisteswissenschaft hat man eben kein materielles Produkt mit klaren Prüfrichtlinien und einem direkt darstellbaren Innovationswert. Genau diese Tatsache macht es spannend, eine Untersuchung der Problematik anzustreben und Überlegungen zur Bewertung pädagogischer Innovationen anzustellen. Diese Arbeit wird zuerst einen Überblick über die Vorgehensweisen und Ergebnisse der vorangegangenen Forschungsarbeit geben. Die Zusammenfassung dazu erleichtert das Verständnis und hilft dem Leser einen besseren Einstieg in die Problematik zu bekommen. Die TGL Sachsen-Anhalt ist eine freie Trägergesellschaft, die pädagogische Projektideen begutachtet und auf der Basis der Bewertung Fördergelder aus dem europäischen Sozialfonds vergibt. Im Interesse einer optimierten Herangehensweise soll in dieser Magisterarbeit versucht werden, eine Methode zu entwickeln, die Informationen über den Innovationsgehalt der Projektideen geben kann. Zur Realisierung der Aufgabe sind Informationen sowohl über die Förderrichtlinien der EU als auch über die aktuelle Bewertungsstrategie der TGL notwendig. Auf der EU- Ebene ist die CEDEFOP verantwortlich für die Förderrichtlinien. CEDEFOP ist die europäische Agentur, um die Entwicklung der Berufsausbildung und Ausbildung in der Europäischen Union zu fördern. Die bisherigen Forschungsergebnisse müssen nun sinnvoll auf die europäische Ebene übertragen werden. Dazu dienen die Unterlagen der CEDEFOP, mit deren Hilfe auch das europäische Verständnis über Innovationen ermittelt werden soll. Die zweite Brücke, die von der Forschungsarbeit zur Magisterarbeit geschlagen werden muss, ist ein Schwenk von einer Retrospektive zur direkten Feststellung eines Innovationsgehaltes. In der Forschung wurden bereits existierende Projekte untersucht, während die TGL lediglich schriftlich verfasste Ideen bewerten kann. Die TGL stellt Beispielprojekte zur Verfügung, die untersucht werden können. Sie sollen helfen, geeignete Methoden zu finden. Damit sollten Problematik und Aufgabenstellung für den Leser ausreichend erläutert sein. Im nächsten Abschnitt beginnt der Überblick über die Forschungsarbeit.

2.Rückblick zur Forschungsarbeit

2.1 Aufgabenstellung

Die Forschungsarbeit sollte genauer untersuchen welche Bedeutung Innovation in der Pädagogik hat und wie der Begriff im Rahmen der Pädagogik einzuordnen ist. Es stand die Frage im Raum, was der Begriff Innovation im Rahmen der Pädagogik bezeichnet und wie man eine pädagogische Innovation bewerten kann. Der genaue Wortlaut der Aufgabe war: „Entwickeln Sie ein Bewertungskriterium für Innovationen in der Erwachsenenbildung.“ Bevor man die Bewertung vornehmen kann, muss man natürlich erst ein Verständnis für den zu bewertenden Sachverhalt erlangen.

2.2 Vorgehensweise in der Forschungsarbeit

Der erste Schritt war folglich eine umfassende Untersuchung zum Begriff Innovation. Dazu fand auch eine Untersuchung anhand einschlägiger pädagogischer Literatur statt, in der Innovation mit parallelen Begriffen wie Invention, Wandel, Neuerung, Modernisierung und Reform in Beziehung gesetzt wurde. Bekannte Autoren wie Schumpeter, Meisel und Heidegger wurden in die Recherche einbezogen. Dahinter stand die Frage, ob die Bedeutung der Innovation für die Pädagogik eine andere ist als in Technik und Wirtschaft. Im Vergleich von entsprechender Literatur aus Wirtschaft und Technik (z.Bsp.: Branscomb, Collis, Hofmann u. Laske) wurde geprüft, in wiefern ein Unterschied zur Pädagogik besteht. Zum Thema gibt es inzwischen auch zwei wichtige Preise. Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) und das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) schreiben jeweils einen Preis für Innovationen und innovative Projekte aus. Diese Preise wurden verglichen, und deren Erkenntnisse zur Innovationsbewertung wurden in die Forschungsarbeit aufgenommen. Dabei war interessant, was die Initiatoren unter Innovation verstehen, wonach die Preise vergeben werden und welche Projekte den Preis bis jetzt bekommen haben. Nachdem all dies betrachtet wurde, konnten sogar Kriterien festgelegt werden, an denen sich die Qualität einer Innovation feststellen lässt.

2.3 Begriffsbestimmung – pädagogische Innovation

In diesem Teilkapitel der Arbeit sollen wichtige Autoren zum Begriff der Innovation befragt werden. Der Begriff Innovation wird mit seinen nahen Verwandten Neuerung, Reform, Modernisierung, Invention und Wandel in Beziehung gesetzt. Diese Vorgehensweise ermöglicht es, einen Überblick über den Themenbereich zu erlangen. Es geht darum, eine Theorieeinbettung vorzunehmen und einen sinnvollen, verwendbaren Innovationsbegriff im Sinne von Bewertungsmöglichkeiten herauszufiltern. In der Literatur gibt es immer wieder Streit (vgl. Zitate Meisel und Weber unten) über die Bedeutung des Begriffs, und diese Arbeit ist nicht imstande, dieses Problem erschöpfend zu lösen. Die Suche nach einer Definition verläuft darum einzig und allein zum Zwecke einer späteren Methodenentwicklung. Einige der wichtigsten Quellen waren Klaus Meisel und Ekkehard Nuissel, die im Rahmen der Innovationspreisentwicklung beim DIE viele Jahre Erfahrung auf dem Gebiet vorzuweisen haben. Zu Beginn der Preisentwicklung stellten sich des Öfteren Fragen, wie Innovation im Rahmen einer Preisvergabe zu verstehen sei (vgl. Meisel 1997, S.1ff). Meisel schreibt über diese Erörterungen, dass „Innovationen Motor und Zukunftsgarantie für unsere heutige Gesellschaft sind. Sie entstehen in Folge einer bewussten Wahrnehmung von Veränderungen, sind Zeichen von Lebendigkeit und Voraussetzung für zukünftiges Handeln (vgl. Meisel 1997, S.2)“. Der Begriff Zukunft spielt dabei eine wichtige Rolle. Innovationen in der Erwachsenenbildung garantieren auch, dass wir auf unsere sich ständig verändernde Welt gezielt eingehen und sie bewusst gestalten können. Der „Preis für Innovation in der Erwachsenenbildung" soll das Augenmerk auf die Notwendigkeit von Innovation, aber auch auf deren erforderliche Qualität lenken (vgl. Meisel 1997, S.2). Meisel fasst seine Sicht zu Innovationen wie folgt zusammen:

„– Sie stellen Erneuerungen dar und lassen die Kontinuität nicht außerhalb des Blickfeldes,
– sie zielen auf die Organisation und fordern Entwicklung und Gestaltung,
– sie konzentrieren sich auf Arbeitsbereiche und beinhalten gleichwohl
Grenzüberschreitendes,
– sie repräsentieren nicht den ‚mainstream’, sondern enthalten auch

Gegensteuerndes.“ (Meisel 1997, S.7)

„Weiterbildung und lebenslanges Lernen werden in dieser Situation zu einer der entscheidenden Voraussetzungen für das Erhalten oder Verbessern der persönlichen und beruflichen Chancen des Einzelnen, aber auch vor allem für die Innovationsfähigkeit unserer Wirtschaft sein.“ (Meisel 1997, S.5)

Eine Problematik bei der weiteren Begriffsfindung ergibt sich aus der Politik.

„Altbekannte Vorurteile transportiert der Begriff Innovation dann, wenn er als Kampfbegriff gegen bloße Vorstellungen von der Situation des Bildungsbereichs gebraucht wird. So ist vielfach im politischen Raum der Innovationsbegriff die Zauberformel, welche – modernistisch formuliert – den traditionellen Begriff der ‚Bildungsreform’ ersetzen soll.“ (Nuissel 1999, S.34)

Die Politik hat es also sich zu eigen gemacht, den Begriff der Innovation als Schlagwort einzusetzen und der Pädagogik überzustülpen. Dabei „soll“ der traditionelle Begriff Bildungsreform ersetzt werden. Hinter dem Ausdruck, den Nuissel hier benutzt, steckt implizit die Behauptung, dass man die beiden Wörter nicht beliebig austauschen kann. „Reformieren bedeutet so etwas wie „neu wiederherstellen. Nicht umsonst wird der Wortstamm ‚Form’ in vielen europäischen Sprachen als Synonym zu ‚Bildung’ verwendet, vor allem dann, wenn es um berufsbezogene Bildung geht.“ (Nuissel 1999, S.34)

Reform setzt voraus, dass schon etwas da ist, was neu zu bilden ist. In der Regel etwas Gegenständliches: ein Mensch, eine Institution, ein Ablauf. Und Reform enthält hier zugleich die Aussage, dass das Bestehende erhalten bleiben und nicht abgeschafft werden soll.“ (Nuissel 1999, S.34)

Es steht also hinter einer Reform eine ganz gezielte reflektierte Umbildung, die Rücksicht auf Traditionen und gewachsene Strukturen nimmt. Sie versucht, das Vorhandene sinnvoll zu einem besseren Zusammenspiel hin zu strukturieren.

„ Innovation scheint an dieser Stelle das Zauberwort zu sein, mit dem sich der Verlust von Gestaltungswillen und systemischer Gesamtreform überdecken lässt. Innovation geschieht allerorten und jederzeit, auch ohne dass gestalterische Interessen systematisch Zusammenhänge herstellen, Ziele überprüfen und tradierte Strukturen berücksichtigen.“ (Nuissel 1999, S.37)

Nuissels Bemerkung bringt zum Ausdruck, dass die Innovation aufgrund ihrer spontanen Entstehung auch unbedarft Althergebrachtes über den Haufen wirft. Diese Seite der Innovation kann durchaus negativ sein, denn nicht alle tradierten Vorgehensweisen sind schlecht. Gleichzeitig bietet diese schnelle Art der Erneuerung Chancen, die eine jahrzehntelange Reform vermissen lässt. Bei Ertl und Kremer wird beschrieben, dass Innovation auch von unten ein Antrieb für Reformen sein kann. „Als ‚innovativ’ können die befragten LehrerInnen bezeichnet werden, weil sie ‚Offenen Unterricht’ realisieren. Die ‚Öffnung des Unterrichts’ ist die zentrale Schulreform, die in der Grundschule seit den 1980er Jahren vor allem als bottom-up-Prozess von LehrerInnen initiiert und realisiert wurde.“ (Ertl, Kremer 2005, S.21) Wenn man diesen Gedanken weiterverfolgt ist damit gesagt, dass Innovation im Rahmen der Pädagogik heißt, alte Routinen und Formen zu durchbrechen. Dieser Gedanke wird bei der späteren Methodenentwicklung noch große Bedeutung erlangen. Meisel bringt die Zweifel gut auf den Punkt:

Und je inflationärer der Begriff des ‚Innovativen’ gebraucht wird, desto mehr tauchen die Fragen nach dem auf, was vorher war, worin sich das Neue von dem Alten unterscheidet, ob das Innovative eigentlich wirklich neu und auch besser ist, nach welchen Maßstäben dies zu beurteilen ist.“ (Meisel 1997, S.6)

Es geht aber sogar noch extremer: „ Wenige haben den Mut, Akzente zu setzen. Sie müssen dafür schon vorhandene Formen zerstören und ernten nicht selten Kritik.“ (Lenz 1999, S.114)

„Obwohl der Begriff Innovation positiv konnotiert wird, heißt dies nicht, dass das Neue notwendigerweise besser ist als das Herkömmliche. Es ist einfach neu und anders. Insofern haftet der Innovation immer etwas Zerstörerisches an. Alte Routine wird durch eine neue ersetzt. Innovationen definieren somit einen neuen Möglichkeitsraum des Handelns. “(Weber 2003, S.424)

Nachdem nun die negative Seite der Innovation deutlich zum Ausdruck gekommen ist soll auch die positive Seite nicht zu kurz beleuchtet werden. Gieseke spricht von der Umsetzung, innovativer Projekte. „Wir leben aber derzeit in einer Kultur, in der die Mutigen, die bereit sind, Fehler zu machen, um Verbesserungen und Erneuerungen zu erzeugen, diejenigen, die experimentierfreudig und unkonventionell sind, zu wenig unterstützt werden.“ (Gieseke 2002, S. 6; Mai 2001, S.109) Sie spricht von der Tatsache, dass man in Kauf nehmen muss, Fehler zu machen und Altes zu überdenken, um Neues zu manifestieren. Im Falle des Erfolges verspricht die Innovation nach Gieseke deutliche Verbesserungen. Der Kernpunkt dieser Aussage ist, dass Innovationen nicht nur einen Erneuerungswert haben, sondern auch Verbesserungen mit sich bringen. Erneuerung heißt, Altes gegen Neues auszutauschen. Zur Erklärung des Unterschiedes zwischen „neu“ und „innovativ“ im Sinne eines Verbesserungswertes gibt es ein einfaches Beispiel. Eine neu gekaufte Zahnbürste, gleicher Bauart, ist einfach nur neu ohne eine Veränderung zu bewirken. Eine verbesserte Zahnbürste ist jedoch neu und innovativ, weil sie vorher nicht vorhandene Möglichkeiten eröffnet und vorher unlösbare Reste (Probleme) löst. - Die Zahnbürste scheint recht weit von der Pädagogik entfernt, aber sie verdeutlicht klar den Unterschied. Es gibt jedoch vom reinen „Neu“ noch einen wichtigen weiteren Unterschied zum Innovativen. Dieser Unterschied ist die Zukunftsorientierung.

„Nur durch gezielte Innovationen wird das System der beruflichen Bildung auch in Zukunft seinen Beitrag zum nachhaltigen Wandel der Arbeitswelten wie auch der Gesellschaft insgesamt leisten können. “ (BMBF 2005, S.2)

Im folgenden Zitat aus dem wirtschaftlich-technischen Bereich kommt der Gedanke ebenfalls zum Ausdruck:

Als Lösungen entstanden Zukunftsweisende, in Zusammenarbeit mit externen Forschungseinrichtungen entwickelte, technologische Innovationen wie Real Flat und Screen Coating. Sie sollten sicherstellen, dass [sic] es noch lange Zeit Kunden für das Produkt ‚Farbbildröhre’ gibt (vgl. Wannöffel, Abel 2001, S.22).“

Man orientiert sich im Bildungsbereich und auch in der Technik daran, was man in der Zukunft erwartet, um Innovationen entstehen zu lassen. Meisel schreibt über diese Erörterungen, dass Innovationen Motor und Zukunftsgarantie für unsere heutige Gesellschaft sind. Sie entstehen in Folge einer bewussten Wahrnehmung von Veränderungen, sind Zeichen von Lebendigkeit und Voraussetzung für zukünftiges Handeln. (vgl. Meisel 1997, S.2) Im oben genannten Zitat von Wannöffel findet sich eine weitere Komponente, die man zum Gedanken der Innovation immer wieder findet. Er schreibt von der Lösung eines Problems. Darin enthalten ist die Abfolge, dass man sich an einem Problem orientierte und in der Umsetzung einer Innovation einen Lösungswert sah. (vgl. Wannöffel, Abel 2001, S.22). Nun stellt sich die Frage, ob das ein generelles Element innovativer Gedanken ist und ob diese Betrachtung auch in der Pädagogik greift. In den Bereichen der Naturwissenschaften scheint es jedenfalls zuzutreffen, wie Reinmann schreibt:

„Im Bereich der Natur- und Ingenieurswissenschaften sind Fragen nach dem Innovationsbeitrag der Forschung eher ungewöhnlich: Ganz selbstverständlich erwarten wir uns von diesen Forschungsbereichen Neuerungen, die auch den Alltag erleichtern bzw. konkrete Probleme lösen – sei es nun direkt (z.B. durch neue Medikamente) oder indirekt durch neue Erkenntnisse zu biochemischen Prozessen, die neue Energieformen möglich machen.“ (Reinmann 2006, S.5)

Im Bildungsbereich ist das nicht anders, es gibt immer ein zu lösendes Problem oder einen auftretenden Bedarf, wodurch dann Menschen bewegt werden, Innovationen zu entwickeln. Das Bildungsministerium hat sich in den letzten Jahren vermehrt mit dem Problem auseinandergesetzt, dass es einen steigenden Fachkräftemangel gibt, der letztlich negative Auswirkungen auf wirtschaftliche Entwicklungen hat. Darum hat man sich zum Ziel gesetzt, die Ausbildung zu modernisieren. „Dieses Ziel in ganz Deutschland zu erreichen ist Aufgabe des Bundes, nicht zuletzt um Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft mit gut ausgebildeten Nachwuchskräften zu sichern.“ (BMBF 2005, S.2) Dahinter steckt ganz klar ein Problembewusstsein als Ursache der gewünschten Veränderung. Nuissel bringt es noch besser auf den Punkt: „Der Begriff Innovation richtet sich im Bildungsbereich gegen Verkrustung, Institutionalisierung, Verschulung, gegen Einförmigkeit, mangelnde Orientierung an der Praxis und praktischen Bedürfnissen.“ (Nuissel 1999b, S.32) Er spricht die Orientierung an praktischen Bedürfnissen an, was nichts anderes bedeutet als das, Innovation bedarfsorientiert ist. Noch deutlicher kommt es in einem innovativen Modellprojekt zum Ausdruck, das Meisel in seinen Ausführungen vorstellt. „Spezielle Aufmerksamkeit gilt der Berücksichtigung der Bedürfnisse der Benutzer und der Suche nach kostengünstigen und übertragbaren Lösungen.“ (Meisel 1997, S.27)

Zusammenfassend sind auch in pädagogischen Innovationen Bedarfssituationen oder Problemstellungen als Ausgangspunkt zu sehen und das jeweilige Ergebnis der Bemühungen findet sich in Form einer Lösung oder eines Lösungsansatzes. Eine Komponente zur sinnvollen Definition fehlt noch. Beim Studium der einschlägigen Literatur (Nuissel 1999, Meisel 1997 u. Schlutz 1999) wurde immer wieder der Begriff wichtig, Wichtigkeit oder bedeutend benutzt, wenn es um Innovation ging. Ein Beispiel: Als Hinweis für Bewerber beim Innovationspreis schreibt Schlutz folgenden Satz: „Es muss auch keine große Umwälzung darstellen, aber Sie selbst sollten schon davon überzeugt sein, dass es in Ihrem Arbeitsbereich und Ihrem Umfeld etwas Wichtiges und eine Neuerung darstellt.“ (Schlutz 1999, S.21) Es scheint also keine Nebensache zu sein, diesem Punkt Beachtung zu schenken. Noch viel deutlicher kommt es zum Ausdruck, als Schlutz den Preis zum Projekt „TU WAS“ begründet: „…und weil es öffentliche Verständigung ermöglicht über ein gesellschaftlich hoch bedeutsames Thema.“ (Schlutz 1997, S.17) Ebenso klingt die Wichtigkeit in der folgenden Formulierung an. Ein förderliches Klima für Innovationen bietet eine so genannte Innovationskultur. Dazu gehören externe Impulse, Freiräume in der Organisation, Feedbackstrukturen und freier Kommunikationsfluss. Zusätzlich kann die Leitung einer Bildungseinrichtung mit Initiierung, Gestaltung, Umsetzung und Transfer wichtige Punkte steuern, die Innovationen begünstigen (vgl. Ertl, Kremer 2005, S.59). Damit wären jetzt die verschiedensten Aspekte des Begriffes Innovation angesprochen. Aus allen Facetten dieser Betrachtung lässt sich nun in der Folge ein Gesamtbild erstellen, das dem Begriff Innovation, Rechnung trägt. Eine Zusammenfassung und die Definition dazu finden sich unter 2.5. Es fehlt aber noch die weitere Abgrenzung zu den Parallelbegriffen, wie es oben schon mit der Reform begonnen wurde. Dazu fasst Nuissel den Konsens in treffende Worte:

„Bildungsreformen sind notwendig, um das Bildungssystem weiterzuentwickeln, seine Ziele zu überprüfen und möglicherweise zu revidieren, und vor allen Dingen, um Innovationen im Bildungsbereich überhaupt erst dauerhaft und nachhaltig zuverankern. Innovationen regen Reformen an, Reformen ermöglichen und unterstützen Innovationen. Eine Bildungsreform ersetzen können Innovationen nicht.“ (Nuissel 1999, S.38)

Der nächste Begriff war Neuerung oder auch Erneuerung, der oben schon in Verbindung mit dem negativen Aspekt der Innovation zur Sprache kam. Dabei wurden auch schon die wichtigsten Differenzen zwischen den Begriffen Neuerung und Innovation genannt. Einige ergänzende Bemerkungen sind dennoch notwendig, um die Unterscheidung zu komplettieren. Pinkwart stellt im folgenden Zitat einen der wichtigsten Unterschiede heraus: „[…]wie wir uns das bei Neuerungen wünschen, die als Ergebnis wissenschaftlicher Forschung und Entwicklung als Innovationen in die Volkswirtschaft eingehen […]“ (Pinkwart 2006, S.7) Innovationen entstehen aus Neuerungen genau dann, wenn sie erfolgreich in die Praxis eingehen. Man könnte also das Wortspiel benutzen: „Novation im Einsatz wird Innovation.“

Eine weitere und letzte Komponente steckt im folgenden Zitat:

„Was als Neuerung empfunden wird, hängt im Übrigen davon ab, ob sie sich im ländlichen oder (groß-)städtischen Ambiente, im lokalen oder regionalen Kolorit vollzieht. In einem kleinen Ort kann innovativ einschlagen, was in Metropolen längst gewohnt ist und nur müdes Abwinken produziert.“ (Venth 1999, S.26)

Das bedeutet nichts anderes, als dass Innovationen schon abhängig davon sind, ob sie als neu empfunden werden, aber auch eine gute Umsetzung kann aus einer Neuerung eine Innovation machen. Als finalen Konsens zur Beziehung zwischen Innovation und Neuerung lässt sich feststellen, dass eine Innovation etwas Neues beinhaltet, aber sich nicht darauf beschränkt. Es gehören mehr Elemente zu einem pädagogischen Projekt um es innovativ zu machen. Ein weiterer Begriff, der Licht in die Suche nach der Bedeutung von Innovation bringen kann ist Invention.

Wenn man sich – wie derzeit allerorten der Fall – das Motto ‚alltagstaugliche Innovation’ auf die Fahne schreibt, liegt implizit die Annahme zugrunde, dass es auch Innovationen gibt, die für den Alltag nicht taugen. Nun – ich bezweifle, dass das sinnvoll ist, und zwar deshalb, weil der Innovationsbegriff die Um- und Durchsetzung des Neuen als definitori-sches Merkmal in sich trägt: Wenn jemand etwas erfindet, wenn es Anlass zu einem ‚Heureka!’ gibt, wenn – wie man in der Innovationsforschung sagt – eine Invention erfolgt ist, dann spricht man noch lange nicht von einer Innovation. “ (Reinmann 2006, S.6 zitiert nach von Rosenstil & Wastian, 2001)

Eine Invention ist eine Erfindung oder eine Idee, die ebenso gut in einer Schublade verschwinden kann. Die Innovation hat aber im Gegensatz dazu den Anspruch, dauerhaft von Nutzen zu sein. Gleiches findet sich auch in der Beschreibung bei Klotz.

„Diese Liste von bei uns nicht umgesetzten Inventionen ließe sich fast beliebig verlängern – unsere Massenarbeitslosigkeit ist nicht zuletzt auch eine Folge zahlloser verpasster Innovationschancen. “ (Klotz 2005, S.2)

Nicht umgesetzte Inventionen sind „verpasste Innovationschancen“, weil die tatsächliche Umsetzung ein tragendes Element der Innovation ist. Bestätigung dafür liefert Hofmann mit ihrer Aussage: „Innovation ist die erfolgreiche Verwertung von Invention.“ (Hofmann 2005, S.5) Damit ist auch an dieser Stelle eine klare Trennung zwischen den Begriffen gezogen. Das folgende Zitat bringt das Ergebnis auf den Punkt:

„Innovation beruht meist darauf, dass ein kluger Kopf vorhandenes Wissen zusammensucht, auswählt und zu etwas neuem montiert oder alte Verfahren veredelt. […] Davon profitiert gleichzeitig wieder die Gesellschaft als Ganzes, wenn man zum Innovationsprozess nicht nur die Erfindung im stillen Kämmerlein, sondern ihr Eingehen in die soziale Praxis und ihre größtmögliche Verbreitung zählt.“ (Drossou, Krempl, Poltermann 2006, S.5)

Die letzten beiden Begriffe, die nun noch zum Vergleich dienen werden sind Wandel und Modernisierung. Wie sich gleich zeigen wird tauchen sie immer wieder in direkter Nähe von Innovation auf. Sie können vielleicht dazu beitragen ein Stück näher an die vorgesehene Definition heranzukommen. „Nun wird seit einigen Jahren wiederum der Modernitätsrückstand beklagt, und allenthalben ist von deshalb notwendigen Innovationen die Rede.“ (Tietgens 1997, S.89) Link et.al. untersuchten, welche Ursachen für einen Wandel innerhalb eines Fachbereiches in Frage kommen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass der Politik hier eine viel geringere Bedeutung beigemessen wird als der Eigendynamik in der Wissenschaft selbst. Wandel gehe vor allem von der Eigendynamik aus und sei ein eher globales Phänomen (vgl. Link, Nath, Tenorth 2003, S.325ff). Die Innovation scheint auch für das Bildungsministerium ein Hoffnungsträger zu sein. „Nur durch gezielte Innovationen wird das System der beruflichen Bildung auch in Zukunft seinen Beitrag zum nachhaltigen Wandel der Arbeitswelten wie auch der Gesellschaft insgesamt leisten können.“ (BMBF 2005, S.2) Kurz zusammengefasst sind Wandel und Modernisierung eher global und langsam voranschreitende Konstrukte während von der Innovation scheinbar Schnelligkeit und Anschub erwartet wird.

„…sind in Deutschland mittelfristig wirksame Strukturverbesserungen des Berufsbildungssystems erforderlich, um rechtzeitige Anpassungen der Bildungspolitik auf neue demografische, wirtschaftliche, technologische und internationale Entwicklungen und Herausforderungen vorzunehmen. Ziel, des im April 2006 gegründeten Innovationskreises berufliche Bildung war es, hierfür Empfehlungen und Handlungsvorschläge zu erarbeiten.“ (BMBF 2007, S.13)

Das Bildungsministerium hat die Möglichkeiten der Innovationen so hoch eingestuft, dass extra ein Innovationskreis für berufliche Bildung gegründet wurde. Die besonderen Schwerpunkte des Arbeitskreises sind natürlich die Wandlungen, aus denen letztlich klare Bedürfnisse für die Bildung entspringen.

Die Vielzahl der Themenschwerpunkte und die kurze Dauer des Innovationskreises erforderten eine präzise handlungsbezogene inhaltliche Vorbereitung. Zur Unterstützung des Innovationskreises hat das BMBF vier thematische Arbeitskreise entsprechend der genannten Themenschwerpunkte

- Modernisierung/Flexibilisierung,
- Durchlässigkeit,
- Übergangsmanagement und
- Europäische Öffnung eingerichtet.“

(BMBF 2007, S.27)

Das Ergebnis aus den Betrachtungen ist, dass Wandel und Modernisierung als aktuell notwendig erachtet werden. Man hält nun Innovationen für das entsprechende Mittel, um die gewünschten Veränderungen anzustoßen. Damit hat die Innovation eine schwere Aufgabe zu erfüllen, wenn ihr von Beginn an derartiges Potentzial zugeschrieben wird. Woher diese hohe Erwartungshaltung kommt, zeigt sich, wenn man Innovationen in Technik und Wirtschaft anschaut. Dort wurde der Begriff zuerst benutzt und für bahnbrechende, zukunftsweisende Neuerungen eingesetzt. „Innovation entstand im ökonomischen Kontext als Begriff für eine Entwicklung, die ein neues oder ein verbessertes Produkt besser verkaufbar macht.“ (Nuissel 1999b, S.29)

Traditionell – das heißt hier schon in einem Zeitraum von weniger als dreißig Jahren – wurde Innovation gebraucht im Bezug auf technologischen Fortschritt, etwa bei der Militärtechnologie oder der Technik für erhöhte Arbeitsproduktivität. “ (Nuissel 1999b, S.28)

Eine recht Marktorientierte Auffassung zu Innovation findet sich auch in den Ausführungen von Zimmermann. Zimmermann zieht für die Festlegung des Begriffes Innovation eine Definition von Schumpeter heran, der folgende fünf Fälle subsumiert:

- Herstellung eines Gutes, das dem Konsumentenkreis aufgrund seiner Novität
oder seiner neuen Qualität noch nicht vertraut ist,
- Einführung einer neuen, d.h. dem betreffenden Industriezweig noch nicht
bekannten Produktionsmethode,
- Erschließung eines neuen Absatzmarktes,
- Eroberung einer neuen Bezugsquelle von Rohstoffen oder Halbfabrikaten
und
- Durchführung einer Neuorganisation “ (Zimmermann 1998, S.20)

Im Weiteren merkt Zimmermann an, dass nicht der Mengeneinsatz, sondern die kreative Andersverwendung von bestehenden Produktionsfaktoren Bedingung für eine Innovation ist (vgl. Zimmermann 1998, S.20). Hofmann teilt die Innovationen in drei Bereiche ein, die ihrer Ansicht nach ganz eigene Aufgaben innehaben. Technologische Innovationen beinhalten Investitionen in Forschung und Entwicklung für die Schaffung und Markteinführung neuer Produkte und Dienstleistungen. Innovationen in Gesellschaft und Politik sind wichtig für die Gestaltung zukunftsfähiger Standortfaktoren zur Mobilisierung individueller und kollektiver Schaffenskraft. Struktur- und Prozessinnovationen meint sie, haben die Aufgabe, Entwicklung und Umsetzung von Konzepten für kreativitätsförderliche, wandlungsfähige Arbeits-, Lern- und Lebenswelten voranzutreiben (vgl. Hofmann 2005, S.6). Diese Dreiteilung bringt gleichzeitig eine Aufspaltung des Begriffes zeigt aber auch neue wichtige Zusammenhänge auf. Aus der Bildung kommen die Arbeitskräfte, welche ein Innovationspotentzial in Wirtschaft und Technik hineintragen. Sie können innovative Produkte oder innovative Strukturveränderungen entwickeln. Nun ist aber im Umkehrschluss eine Rückkopplung aus Technik und Wirtschaft in die Bildung notwendig, um dort optimal vorbereitete Arbeitnehmer auszubilden. Ein sich anbahnender Fachkräftemangel kann sich zur Innovationsbremse entwickeln. Die Industrie- und Handelskammer Siegen, die ansonsten durch eine sehr innovative Weiterbildungspolitik auf sich aufmerksam macht, ist vor nicht allzu langer Zeit mit einer Umfrage bei ca. 1600 Betrieben auf die Nase gefallen. Da heißt es: "So hatten viele vor allem kleinere und mittlere Betriebe große Schwierigkeiten ihren Qualifikationsbedarf zu erkennen...“ (Bosch 1997, S.11) Nun ist es scheinbar an der Bildung, solche und ähnliche Problematiken aufzugreifen und gemeinschaftlich mit den Partnern aus Technik und Wirtschaft Lösungen in Form von Bildungsinnovationen zu entwickeln. Diese Betrachtungen sollen vorerst genügen. Sie werden in den Kapiteln 2.4 und 2.5 noch ergänzt. In 2.4 werden Kategorien erläutert und herausgefiltert, die häufig in Verbindung mit Innovationen auftreten. Sie könnten für eine spätere Bewertungsmethode von hohem Interesse sein. Das Kapitel 2.5 wird dann die Definition des Begriffes Innovation präzisieren und die Ergebnisse der Forschungsarbeit kurz zusammenfassen.

2.4 Die 10 Kategorien

Dieses Kapitel beschäftigt sich damit, die 10 Kategorien aufzugreifen und genauer zu beschreiben. Dabei sollen auch die Verbindungen untereinander aufgezeigt werden. Ein weiteres Anliegen ist es, in EU- und CEDEFOP-Dokumenten nach Parallelbegriffen oder Abweichungen zu suchen. Dort soll auch geprüft werden, ob sich das Verständnis, die Bedeutung der Begriffe mit den deutschen Pendants deckt.

Ein abweichendes Grundverständnis in einem der Bereiche muss dann später beim Einsatz der Methoden beachtet werden. Die 10 Kategorien sind aus der Literaturrecherche der Forschungsarbeit hervorgegangen. Besonders die beiden Bildungspreise des BIBB und des DIE waren dazu wichtige Quellen. Die Kategorien repräsentieren Begriffe, die sehr häufig in direkter Verbindung mit Innovation benutzt werden. Ihre Tragweite und Bedeutung wird in der folgenden Betrachtung aller 10 gefundenen, noch deutlicher werden. Das sind Interkulturalität (Kulturaustausch), neue Lernformen, Kommunikation, Kooperation, Organisation Zielgruppen-erschließung, Nachhaltigkeit (Zukunftschancen), Transfer (Theorie-Praxis-Brücke), Grenzüberschreitung und Aktualität.

Interkulturalität

Dieser Begriff ist in seiner Bedeutung vielfältig und wird doch oft recht einseitig in der Bildung betrachtet. Eine Bestätigung bringt schon die Beschreibung von Annette Sprung:

„Allerdings präsentiert sich der interkulturelle Markt keineswegs einheitlich. Da gibt es zum einen den großen Bereich wirtschaftsnaher Weiterbildungen. Meine Abfrage nach aktuellen interkulturellen Trainings im Business-Bereich (Deutschland) in einer zufällig gewählten Datenbank ergab 174 Einträge (www.seminarmarkt.de)“.(Sprung 2003, S.3)

Derartige Aussagen finden sich bei vielen Autoren, die eine solche Einseitigkeit beklagen. Es gibt jedoch weit mehr pädagogisch-interkulturelle Richtungen als diese wirtschaftliche.

„Ein anderer Teil des Bildungsmarktes bedient die Bereiche Sozialarbeit, Pädagogik und in jüngster Zeit verstärkt das Gesundheitswesen. In Bildung werden hier große Hoffnungen für die Gestaltung der multikulturellen Realität gesetzt. “ (Sprung 2003, S.4)

Interkulturalität findet aber nicht nur in vielfältigen Ausrichtungen statt, sondern hat auch verschiedene Formen. Das Bildungsprojekt „CAFE MONDIAL“ enthält die erste und wohl häufigste Form.

„Als ‚CAFE MONDIAL’ – ein Name, unter dem europaweit entsprechende Zentren an Universitäten, Firmen und Einrichtungen der Erwachsenenbildung entstehen – signalisiert es den Anspruch, sich als Ort offener Kontaktaufnahme in informeller Atmosphäre anzubieten und interkulturelle Austauschmöglichkeiten zu eröffnen.“ (Meisel 1997, S.15)

In dieser kurzen Beschreibung geht es um Vernetzung zum Austausch von Wissen über Landesgrenzen hinweg.

Funktionierende Netzwerke mit möglichst vielen KontaktpartnerInnen im internationalen Verbund sind eine Voraussetzung für das Gelingen des Konzepts – sie aufzubauen erfordert ein hohes Maß an Überzeugungskraft, Kreativität und Ausdauer, die hier aufgebracht oder eingesetzt wurden. “ (Meisel 1997, S.15)

Gleichzeitig eröffnet die internationale Vernetzung von Weiterbildungsinstitutionen attraktive Perspektiven für Erwerbstätigkeit, weil Unterrichtskompetenzen als Dienstleistungen auch in anderen Ländern angeboten werden können. “ (Meisel 1997, S.16)

„Ansonsten werden interkulturelles Lernen, das Kennenlernen anderer Konzepte und Problemlösestrategien als positive Nebeneffekte gesehen.“ (Meisel 1997, S.31)

Bei der Ausrichtung des Bildungspreises des DIE wurde Interkulturalität als eine so tragende Komponente empfunden, dass man eine eigene Preisvergabe dafür vorgesehen hat. In der Kategorie „Interkulturalität“ wurden gesucht:

„Modelle, in denen Migrant/inn/en als professionell Handelnde beruflich oder ehrenamtlich eingebunden werden. Ausgezeichnet werden soll ein Konzept, das explizit Migrantinnen und Migranten als professionell Handelnde in ihrem beruflichen Kontext oder in ehrenamtlichen Aufgabenfeldern verwendet.“ (Pinkwart 2006, S.4)

Die Interkulturelle Bildung muss jedoch nicht zwangsläufig mit Migranten arbeiten. Das Projekt „Nachhaltigkeit“ in der Preisverleihung der DIE 2005, bietet auch einen Kulturaustausch zwischen jungen und älteren Menschen (vgl. Pinkwart 2006, S.23). Es können somit auch Sprachbildung und Überbrückung anderer Kulturbarrieren als Interkulturelle Bildung betrachtet werden. Besonders brisant wird dieser Gedanke durch die aufgreifbaren gesellschaftlichen Problematiken in dieser Kategorie. Interkulturalität meint folglich generell mit dem jeweiligen Projekt einen Bogen zwischen verschiedenen Kulturkreisen zu spannen. Das kann bedeuten, eine Verbindung zwischen Senioren und Jugendlichen herzustellen, aber ebenso gut auch zwischen Deutschen und Zuwanderern oder über Landesgrenzen hinweg zu agieren. Gerade auch im Rahmen der Europäischen Union und in Bezug auf die Förderungen des ESF ist es wichtig, interkulturelle Innovationen in der Bildung voranzutreiben.

Neue Lernformen / Lernkulturen

Im Bereich der Wissensvermittlung haben sich Notwendigkeiten herausgestellt, die alternative Lehr- und Lernmethoden fordern. In einem Bericht zur modularen Ausbildung schreibt Hans Dieter Hammer:

„Spätestens hier versagt jedoch die übliche Didaktik. Sie muß [sic] dann übergehen zu individuellen Lehr- und Lernformen, also zum Beispiel in die Didaktik des programmierten Unterrichts. “ (Hammer 1996, S.29)

Es geht also in dieser Kategorie darum, einen Bedarf für neu entstandene Anforderungen zu decken. Im Bereich der beruflichen Bildung beklagt Adolph auch die mangelnde Anpassungsfähigkeit des Bildungssystems. Adolph meint, didaktische Innovationen müssen mehr auf Schüler orientiert sein und können dann einfach assimiliert (aufgenommen) werden (vgl. Adolph 1997, S.185). Um eine Akkomodation der Berufsschulen in Gang zu setzen, hält er es für sinnvoll, neue Lernformen schrittweise einzuführen. Diese sollen dann durch ihre positiven Konsequenzen alte Strukturen aufbrechen und die Innovation einleiten (vgl. Adolph 1997, S.190ff). In der Ausarbeitung der Bildungspreise für Innovationen fand sich auch oft eine Schnittstelle zu den Neuerungen: Wiltrud Gieseke brachte die Gemeinsamkeit auf den Punkt: „Es geht offensichtlich in allen besonders preiswürdigen Projekten um die Vertiefung oder sogar Erneuerung von ‚Lernkulturen’.“ (Schlutz 1999, S.16) In Hammers Artikel zur Modularen Ausbildung wird auch die Flexibilität angesprochen, die in der Umsetzung moderner Ausbildung als immer Wichtiger darstellt, weil der Markt einer sehr hohen Dynamik unterworfen ist.

Durch die Dynamik der Ausbildung sind die einzelnen Beteiligten ständig zur Beteiligung aufgerufen; dadurch soll eine für das qualifizierende Unternehmen charakteristische Lernkultur entstehen, in der die persönliche und berufliche Verwirklichung mit dem Vorhaben des Unternehmens verknüpft wird. (Hammer 1996, S.73)

In den wirtschaftsnahen Bereichen der Bildung wirkt sich der schnelle Wandel somit direkt als eine neue Anforderung auf die Bildungseinrichtungen aus. Laske spannt an dieser Stelle einen Bogen sogar über die verschiedensten Fachbereiche, indem sie sagt, dass überall innovative lernbasierte Adaptation stattfindet, die man als neue Lernkultur und eben auch als Innovation verstehen kann (vgl. Laske 1998, S.9ff).

Neue Lernkultur zielt auf die Vorgehensweise ab, wie die zu vermittelnden Inhalte methodisch innovativ an die Teilnehmer des jeweiligen Bildungsprojektes herangetragen werden. In der Anwendung des Wissens braucht es nun häufig neue Wissensgebiete und Vorgehensweisen, um den veränderten Bedingungen gerecht zu werden. Dabei kann Didaktik oder auch neue Technik eine tragende Rolle spielen.

Kommunikation

Das Kommunizieren ist eine der Basisfähigkeiten des Menschen. Die Kommunikation macht es erst möglich, Wissen weiterzugeben und Situationen gemeinsam zu bewältigen. Gerade darum sind Innovationen hier besonders wichtig.

„Die Herausforderung besteht darin, den sozialen Dialog angesichts sich verändernder Anforderungen, neuer Arbeitspraktiken, Vertragsformen, Arbeitsplätze usw. zu modernisieren. Ein wichtiges Element ist dabei die Kommunikation unter Einsatz neuer Kanäle und Mechanismen.“ (Europäische Kommission 2004, S.11)

In dieser Veröffentlichung der Europäischen Kommission geht es um die Möglichkeiten, Innovationen durch neue Formen der Kommunikation voranzutreiben. Dabei wird besonders die Schaffung von Netzwerken über Internet und der gesteuerte Informationsaustausch zwischen den beteiligten Partnern als gute Möglichkeit gesehen (vgl. Europäische Kommission 2004a, S.11) In einem dargestellten Beispielprojekt wird das wie folgt realisiert:

„Es gibt ein Adressenverzeichnis, in dem die verschiedenen mehrsprachigen Kontaktpunkte des Netzwerks aufgelistet sind, sowie ein Intranetsystem, mit dem die Gewerkschaftsvertreter schnell miteinander kommunizieren können. Ziel ist es, reguläre Kommunikationskanäle zwischen Vertretern derselben Gruppe einzurichten, damit sie Ideen und Meinungen zu Themen, die von gemeinsamem beruflichen Interesse sind, austauschen können“. (Europäische Kommission 2004a, S.24)

Man erhofft sich von den Innovationen im Kommunikationsbereich eine Optimierung des Informationsflusses und somit kürzere Reaktionszeiten im Gesamtsystem. Zusätzlich ist erhöhte Kommunikation auch ein wichtiger sozialer Faktor – man weiß besser, mit wem man es zu tun hat, kann sich darauf einstellen und auch Vertrauen in der Arbeit miteinander entwickeln (vgl. Europäische Kommission 2004a, S.28).

Hofmann schließt mit einer Forderung nach Ausbau der Informations- und Kommunikationstechniken zum Aufbau eines nachhaltigen Wissens- und Innovationsmanagements („Innovationsqualität“) direkt daran an (vgl. Hofmann 2005, S.3). Der sinnvolle Umgang mit Wissen und Wissensaustausch wird von ihr besonders angemahnt und als defizitär bezeichnet. Zusammenfassend beeinflusst Kommunikation die verschiedenen Dimensionen des Austausches. Das kann die Gruppenprozesse während einer Bildungsveranstaltung betreffen oder auch einen Wissensaustausch zwischen verschiedenen Institutionen bedeuten.

Kooperation

Diese Kategorie geht eng mit der Kommunikation einher. Selbst das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat die Notwendigkeit neuer Entwicklungen als wichtig erachtet. „Mehr Ausbildungsplätze, höhere Ausbildungsqualität durch mehr Spielraum und Flexibilität für die Kooperation von Betrieben und beruflichen Schulen vor Ort.“ (BMBF 2005, S.2) Doch selbst in Technik und Wirtschaft hat man den Handlungsbedarf erkannt, wie Manske bemerkt:

„Im Zentrum des Prozesses der Produktinnovation im (deutschen) Maschinenbau steht eindeutig die Kooperation zwischen Ingenieuren, die in Forschungs- und Entwicklungs- und in den Konstruktionsbereichen arbeiten, und den Facharbeitern, die in der Teilefertigung, Montage und Inbetriebnahme tätig sind […].“ (Manske 1998, S.146)

Es ist jedoch nicht allein der Bedarf, der hier nach Handlungen verlangt, sondern auch die bereits vorhandenen Möglichkeiten im technischen Bereich. Hofmann spricht die Wichtigkeit enger Kooperation aller relevanten Kräfte aus Wirtschaft, Wissenschaft, Staat und Gesellschaft an. In Zeiten des Internets und vieler neuer Kommunikationsmöglichkeiten stellt sie die Forderung an alle, diese Technik auch vermehrt zu nutzen (vgl. Hofmann 2005, S.3). In einer Veröffentlichung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wird speziell eine bessere Kooperation der „Theoretiker“ mit der Praxis gefordert, um den Transfer neuer Entwicklungen zu beschleunigen.

„Als drittes Element des Wandels gilt die sich allmählich herausbildende effiziente Kooperation der Praxis mit der Wissenschaft. Eine Wissenschaft, die vorgegebene Bildungspraxis nicht nur problematisiert, sondern gemeinsam mit Ausbildern, Meistern und Lehrlingen neue Praxisformen initiiert und stabilisiert, findet überaus große Akzeptanz.“ (BMBF 2001, S.53, zitiert nach Pütz, 1995, S. 26)

Letztlich bedeutet Kooperation, sich kompetente Partner mit ins Boot zu holen, die einerseits einen Bildungsbeitrag leisten können und andererseits als zusätzliche Absicherung des Projektes dienen können. Besonders Netzwerke vereinfachen den Austausch von Erfahrungswerten, Kompetenzen und Unterstützungsleistungen. Ein stabiles Netzwerk aus Kooperationspartnern macht eine höhere „Power“ eines Projektes und eine effizientere Nutzung von Entwicklungen aus. Man kann dadurch deutlich mehr bewegen und es gibt mehr Handlungsalternativen. Innovationen im Bereich Kooperation und Netzwerkbildung sind somit sehr wichtig für die Zukunft der Bildung (vgl. BMBF 2001).

Organisation

Auch hier spielen wieder neue Anforderungen und Notwendigkeiten eine große Rolle.

Umweltbildung zielt aber nicht nur auf Kompetenzzuwächse bei den beteiligten Akteuren, sondern auch auf Veränderungen der Ausbildungsorganisation und der jeweiligen Institution. “ (BMBF 2001, S.58)

Meistens finden die organisatorischen Veränderungen eher durch zwingende Bedingungen als durch vorausschauendes Umstrukturieren statt. Die gezielte Strukturwandlung findet sich lediglich in wenigen Projekten (vgl. BMBF 2001, S.56f). Im folgenden Zitat wird auf den Punkt gebracht, wie es zu derartigen Notwendigkeiten kommen kann. Es geht dabei um die Integration innovativer Elemente.

„Um einen innovativen Schub zu bewirken, müssen diese [Elemente] aber in eine eigene Gesamtkonzeption integriert werden, von der die Beteiligten nach und nach völlig überzeugt sind. Wenn die Diskrepanz zu groß erscheint zwischen neuen Anforderungen und bisherigen Lösungsmöglichkeiten, kann sogar eine weitreichende Änderung von interner Organisation (OL) und/oder externer Vernetzung (WAL) notwendig werden.“ (Schlutz 1999, S.21)

Die Organisation begrenzt sich als Kategorie jedoch nicht nur auf Strukturveränderungen im Voraus. Um innovatives Handeln zu ermöglichen, ist oft eine flexible Organisation notwendig, die auch während eines Projektes noch Veränderungen ermöglicht (vgl. Mai 2001, S.16f). Um bei den Teilnehmern entsprechende Kompetenzen zu schulen, ist es auch möglich, eine weitreichende Selbstorganisation mittels Coaching, Mentoring etc. zu etablieren (vgl. Mai 2001, S.10ff). Das BIT (e.V.) in seiner Tradition als arbeitnehmerorientiertes Institut legte bei Projekten großen Wert auf die Einführung kooperativer Projektstrukturen. Diese sollen die Beteiligung von Beschäftigten und Betriebsratsgremien dauerhaft, vor allem nach Auslauf der Einführungsprojekte, personell durch die Ausbildung von betrieblichen Prozessbegleitern und strukturell durch organisatorische Innovationen sicherstellen (vgl. Wannöffel, Abel 2001, S.7).

Der Punkt Organisation spricht konstruktive Veränderungen an, die für eine Effizienzsteigerung des jeweiligen Projektes sorgen. Unter diesen Begriff fallen Änderungen im Prüfungswesen und auch Maßnahmen zur Flexibilisierung der Bildungsprozesse. Um hier Innovatives zu erreichen, braucht es sowohl kreative wie flexible Mitarbeiter und die Bereitschaft, alte vertraute Strukturen aufzugeben.

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Details

Seiten
83
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783836648394
Dateigröße
749 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v227853
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz – Philosophische Fakultät, Magister Pädagogik
Note
2,0
Schlagworte
europäischer sozialfonds innovation erwachsenenbildung pädagogik projektideen

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Titel: Entwicklung einer Methodik zur Bewertung des Innovationsgehaltes von Projektideen im Bereich der Beruflichen Weiterbildung - dargestellt am Beispiel der ESF-Förderung in Sachsen-Anhalt