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Die Auswirkungen des Flächenverbrauchs auf die Landwirtschaft in Deutschland

Probleme, Tendenzen und Lösungsansätze

Bachelorarbeit 2009 38 Seiten

Agrarwissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung und Grundlagen
1.1 Einleitung
1.2 Die Ressource Boden
1.3 Flächenverbrauch

2 Der Flächenverbrauch in Deutschland
2.1 Fläche nach Art der tatsächlichen Nutzung
2.2 Ursachen des Flächenverbrauchs
2.3 Symptome des Flächenverbrauchs
2.3.1 Direkter Flächenbedarf
2.3.2 Strukturelle Veränderungen
2.3.3 Indirekter Flächenbedarf

3 Auswirkungen des Flächenverbrauchs auf die Landwirtschaft
3.1 Die Landwirtschaft in Deutschland
3.2 Auswirkungen des direkten Flächenverbrauchs
3.3 Auswirkungen der strukturellen Veränderungen
3.4 Auswirkungen des indirekten Flächenbedarfs
3.5 Landwirtschaft in Verdichtungsräumen

4 Tendenzen und Lösungsansätze
4.1 Prognose des zukünftigen Flächenverbrauchs
4.2 Zukünftige Herausforderungen an die Landwirtschaft
4.3 Flächenhaushaltspolitik: Politische Zielsetzung und Reformvorschläge

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Tägliche Veränderung der Bodennutzung in Hektar

Abbildung 2: Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland

Abbildung 3: Bodenpreise landwirtschaftlicher Flächen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Flächennutzung in Deutschland

Tabelle 2:

Tabelle 3:

Tabelle 4:

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung und Grundlagen

1.1 Einleitung

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Auswirkungen der anhaltenden Inanspruchnahme von Flächen für Siedlungs- und Verkehrszwecke auf die Folgen für die Landwirtschaft in Deutschland anhand der verfügbaren Fachliteratur zu beschreiben.

Nach einer Einführung in die Begrifflichkeiten erfolgt eine Bestandsaufnahme der Bodennutzung in Deutschland. Dabei werden die Veränderungen der Flächennutzung, die ihr zugrunde liegenden Ursachen und die davon ausgehenden Effekte beschrieben. Anschließend werden die Effekte in ihrer Wirkung auf die Landwirtschaft untersucht. Im Hinblick auf Tendenzen und Lösungsansätze werden abschließend die zukünftigen Herausforderungen an die Landwirtschaft, Prognosen des erwarteten zukünftigen Flächenverbrauchs und der Stand des politischen Handelns in Deutschland beschrieben

1.2 Die Ressource Boden

Böden bilden die belebte oberste Erdkruste des Festlandes.[1] Sie entwickeln sich in verschiedenen, langsam ablaufenden Prozessen über Jahrtausende aus unterschiedlichen Gesteinen und anderen Materialien.[2] Die Oberfläche der Böden stellt die Fläche dar, dessen Verbrauch Gegenstand der vorliegenden Untersuchung ist.

Böden erfüllen verschiedene Funktionen. Im Bundesbodenschutzgesetz wird dabei zwischen natürlichen Funktionen im Naturhaushalt, Funktionen als Archiv der Natur- und Kulturgeschichte und Nutzungsfunktionen unterschieden. In die dritte Kategorie fällt sowohl die Nutzung als Landwirtschaftsstandort als auch die Inanspruchnahme für Siedlungs- und Verkehrszwecke.[3] Die Oberfläche von Böden ist nicht bzw. nur äußerst bedingt vermehrbar. Sie gilt daher als begrenzt.[4] Im Zusammenspiel mit der Multifunktionalität der Böden führt dies zu einer Konkurrenz der potentiellen Nutzungsformen. Aus Sicht der landwirtschaftlichen Nutzung stellt der Boden den entscheidenden und unverzichtbaren Produktionsfaktor dar.[5]

1.3 Flächenverbrauch

Der Begriff „Flächenverbrauch“ bezeichnet die Inanspruchnahme von Freifläche für Siedlungs-, Verkehrs- und Gewerbenutzung.[6] Freifläche bzw. Freiraum stellt dabei die Summe aller natürlichen und naturnahen Flächen dar, die sich sowohl innerhalb als auch außerhalb von Siedlungen befinden. Dazu zählen unter anderem landwirtschaftliche Nutzflächen, Wälder, Gewässer, Parks und Grünflächen.[7]

Dem Ausdruck „Flächenverbrauch“ haftet zunächst etwas Widersprüchliches an: Fläche als Oberfläche von Böden wird nicht verbraucht. Sie bleibt in ihrer Größe bestehen wenn ein Stück Ackerland zu einem Parkplatz umfunktioniert wird. Dennoch eignet sich aus landwirtschaftlicher und landschaftlicher Perspektive der Verbrauch zur Beschreibung der Inanspruchnahme von Freifläche. Die meisten natürlichen oder landwirtschaftlichen Funktionen des Bodens werden durch die Nutzungsänderungen im Zuge der Bebauung überwiegend irreversibel eingeschränkt und damit auf lange Zeit „verbraucht“.[8]

2 Der Flächenverbrauch in Deutschland

2.1 Fläche nach Art der tatsächlichen Nutzung

Daten zur Flächennutzung ergeben sich aus der „Erhebung der Bodenfläche nach Art ihrer tatsächlichen Nutzung“. Diese wird seit 1979 im Abstand von vier Jahren vom Statistischen Bundesamt durchgeführt. Seit 1992 existieren gesamtdeutsche Daten. Ergänzt wir diese Erhebung seit 2001 durch eine jährliche Erfassung der Siedlungs- und Verkehrsfläche.[9]

Nutzungsarten, die durch vorwiegend siedlungswirtschaftliche Zwecke gekennzeichnet sind, werden dabei als „Siedlungs- und Verkehrsfläche“ zusammengefasst.[10] In ihrer Zusammensetzung aus „Gebäude- und Freiflächen“, „Betriebsflächen “, „Erholungsflächen“ sowie Flächen für „Friedhöfe“ können sie mit überbauter oder verbrauchter Fläche gleichgesetzt und als Indikator für den Flächenverbrauch verwendet werden.[11]

In Tabelle 2 ist die Flächennutzung in Deutschland mit ihren Veränderungen zwischen den Erhebungszeiträumen von 1992 bis 2004 dargestellt. Die Landwirtschafsfläche nahm im Jahre 2004 mit 53% gut die Hälfte der Grundfläche Deutschlands ein. Mit ca. einem Drittel (29,8%) folgte der Wald. Siedlungen und Verkehr beanspruchten 12,8 % des Bodens. Wasser (2,3%) und Flächen anderer Nutzung (1,6%) bedeckten den Rest des Bundesgebietes. Fläche anderer Nutzung ist dabei unbebautes Gelände, das in keine der vorherigen Kategorien passt, wie z.B. Übungsgelände, Lärmschutz, Deiche und historische Anlagen.[12] Die größten Anteile innerhalb der Siedlungs- und Verkehrsfläche entfallen auf die Gebäude- und Freifläche (52,5%) sowie die Verkehrsinfrastruktur (38,3%).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Flächennutzung in Deutschland[13]

In dem Betrachtungszeitraum von 1992-2004 hat sich die Flächennutzung in Deutschland verändert. Während sich die Nutzung für Siedlungen und Verkehr, Wald und Wasser vergrößerte, gingen die Landwirtschaftsfläche und die Flächen anderer Nutzung zurück. Ein Blick auf die täglichen Veränderungen der Bodennutzung verdeutlicht, dass die Entwicklung der Landwirtschaftsfläche und der Siedlungs- und Verkehrsfläche dabei gegenläufig ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Tägliche Veränderung der Bodennutzung in Hektar[14]

Wie Abbildung 1 zeigt, stieg die Bodennutzung für Verkehr und Siedlungen in den Beobachtungszeiträumen in einem Ausmaß an, der in etwa dem Rückgang der Landwirtschaftsfläche entspricht. Die Abnahme des täglichen Flächenverbrauchs für Siedlungs- und Verkehrszwecke im Zeitraum von 2001 bis 2004 verdeutlicht den Zusammenhang. In dieser Periode war die Landwirtschaftsfläche entsprechend schwächer rückläufig. Mit der anhaltenden Verringerung der Landwirtschaftsfläche bei wachsender Siedlungs- und Verkehrsfläche setzt sich eine Entwicklung fort, die schon in den alten Ländern der Bundesrepublik und der DDR vor 1990 zu beobachten war.[15]

Abbildung 1 zeigt ebenfalls, dass der Anteil der Siedlungen an der Flächennutzung deutliche stärker zunimmt als der des Verkehrs. Eine genaue Analyse ergibt, dass private Haushalte dabei mit 60 ha/Tag den Flächenverbrauch dominieren.[16]

Für die Siedlungs- und Verkehrsfläche liegen aufgrund der unterschiedlichen Erhebungsintervalle aktuelle Daten für 2007 vor. Die Siedlungs- und Verkehrsfläche nahm dabei um 96, 2 ha/Tag zu.[17]

Räumlich differenziert betrachtet weist der Flächenverbrauch einen starken Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland auf. Im Zeitraum zwischen 1992 und 2004 wurden ca. zwei Drittel der bebauten Freiflächen auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik beansprucht.[18] Absolut am meisten Fläche wurde dabei in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfahlen verbraucht.[19]

2.2 Ursachen des Flächenverbrauchs

Mit dem Übergang vom Jäger und Sammler zum sesshaften Landbewirtschafter vor rund 10000 Jahren trat der Mensch zum ersten Mal als Bewirtschafter von Fläche auf, deren Form sich von einer überwiegenden naturintegrierten Nutzung unterschied. Dieser als Neolithische Revolution bezeichnete Übergang stellt einen bedeutenden Punkt in der zivilisatorischen Entwicklung dar. Der Mensch begann die Landschaft zu gestallten.[20]

In den darauf folgenden Jahrtausenden entwickelten die Menschen Wirtschaftsformen, die weitestgehend an der Natur und der photosynthetischen Produktivität ausgerichtet waren. Dieses Verhältnis änderte sich grundlegend durch den „Übergang vom solaren zum fossilen Energiesystem“ um 1800.[21] Damals wurde Kohlevorräte durch Bergwerke in immer größerem Ausmaß erschlossen, um so das knapp werdende Holz als Energieträger zu substituieren. Siedlungen, Industrie und Wirtschaft konzentrierten sich zunehmend im Raum. Die damit einhergehende Umgestaltung der Kulturlandschaften, die bis heute anhält, ist eine Folge dieser „Großen Transformation“.[22] Sie läutete ein neues Zeitalter der kulturellen Evolution ein. Vom „Stadium der agrarisch-forstlichen Landnutzung“ folgte der Sprung zur „Stadtkultur“ und von dort zum „Stadium der Industrie und Hochenergietechnik“.[23] Dies ist der historische Kontext, welcher dem starken Bevölkerungswachstum, der modernen Wirtschaftsentwicklung und dem damit einhergehenden Flächenverbrauch den Weg geebnet hat.

Grundsätzlich gilt, dass der Bau von Gebäuden und Straßen zunächst einen entsprechenden Bedarf nach diesen Gütern voraussetzt. Weiterhin sind ausreichende finanzielle Mittel erforderlich, um diesen Bedarf nachfragen zu können.[24] Der Einzug der industriellen Revolution in Deutschland brachte beide Faktoren mit sich und führten zu einem konstanten Zuwachs der Fläche für Siedlungen und Verkehrszwecke.[25] Seit den 1970er Jahren ist der Flächenverbrauch jedoch weitgehend von der wirtschaftlichen und der demographischen Entwicklung entkoppelt.[26]

Die treibenden Kräften für den entkoppelten Flächenverbrauch unterscheiden sich in Faktoren auf der Nachfrage- und Angebotsseite. Mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Bundesrepublik in den letzten 60 Jahren stieg der Wohlstand der Bevölkerung. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf als Wohlfahrtsindikator nahm von 1950 bis 2008 von 1 059 € um ca. 3000% auf 30 337 € zu.[27] Wohlstandsinduzierten gesellschaftlichen Veränderungen führe zu steigenden Wohnraumansprüchen, veränderten Haushaltsgrößen zugunsten von Klein- und Einfamilienhaushalten und erhöhen den Individualverkehr. Dies mündete in eine erhöhten Flächennachfrage.[28] Das Bodenpreisgefälle zwischen unmittelbarem Kernstadtbereich, Umland der Agglomerationsräume und ländlichem Raum verursachte dabei einen Sog der Bautätigkeit in immer agglomerationsfernere Gebiete.[29] Die niedrigeren Preise für Bauland abseits der Ballungsräume begünstigten dabei flächenintensive Bauformen. Diese Entwicklung gilt sowohl für privates als auch für gewerbliches Bauen.[30]. Der anhaltende Druck auf Baulandflächen abseits der Agglomerationsräume führt dort jedoch zu einem Anstieg des Bodenpreisniveaus, wodurch die Bautätigkeit in immer ländlichere Räume gedrängt wird.[31]

Auf der Angebotsseite mangelt es an baureifen Flächen in bestehenden Siedlungen.[32] Für die Kommunen ist es attraktiv neues Bauland auszuweisen, um Einwohner, Beschäftigte und Gewerbegebiete als potentielle Steuerzahler anzuwerben. Durch die Raumordnungs- und Bauleitpläne haben die Gemeinden die größte Befugnis bezüglich des Ausweisens von Bauflächen.[33] Die Inanspruchnahme von Freifläche wird somit begünstigt.[34]

2.3 Symptome des Flächenverbrauchs

Von der Überbauung der Freifläche gehen unterschiedliche Effekte aus.[35] Diese werden zunächst beschrieben, um sie im folgenden Kapitel in ihrer spezifischen Wirkung auf die Landwirtschaft zu untersuchen.

2.3.1 Direkter Flächenbedarf

Die meisten Nutzungen der Bodenoberfläche schließen sich gegenseitig aus, so dass sie in Konkurrenz zueinander stehen. Durch die quantitative Ausdehnung einer Nutzungsart muss die Erfüllung anderer Funktionen auf derselben Fläche weichen. Eine Multifunktionalität ist zwar teilweise möglich. Ein zunehmender Flächenverbrauch führt jedoch zu einem Rückgang von natürlichen und naturnahen Flächen mit den darauf wahrgenommenen Bodenfunktionen und Nutzungsarten.

[...]


[1] Vgl. Scheffer & Schachtschabel (2002), S. 1.

[2] Vgl. Stahr et al. (2008), S. 12.

[3] Vgl. BBodSchG § 2, Abs. 2 mit letzter Änderung vom 09.12.2004.

[4] Vgl. Töpfer (2002) S. 1.

[5] Vgl. DBV (2009a), S. 4.

[6] Vgl. Tesdorpf (1984) S. 11-13.

[7] Vgl. BBR (2005), S. 167.

[8] Vgl. Wissenschaftlicher Beirat Bodenschutz beim BMU (2000) S. 18.

[9] Vgl. StaBa (2008a), S. 3.

[10] Vgl. StaBa (2005) S. 26.

[11] Vgl. Jörissen & Coenen (2007) S. 35 f.

[12] Vgl. StaBa (2008b) S. 18.

[13] Vgl. StaBa (2005), S. 16 f.

[14] Vgl. BBR (2006a).

[15] Vgl. Eckart & Wollkopf (1994) S. 43-45.

[16] Vgl. Jörissen & Coenen (2007) S. 38.

[17] Vgl. StaBa (2008b) S. 3.

[18] Vgl. BBR (2005), S. 53.

[19] Vgl. StaBa (2005), S. 16 f.

[20] Vgl. Junker (2006), S. 107-111.

[21] Vgl. Radkau (2000) S. 262.

[22] Vgl. Ehlers (2008), S.139.

[23] Vgl. Haber (1993), S. 58 f.

[24] Vgl. StaLa BW (2005), S. 27.

[25] Vgl. BBR (2005), S. 54.

[26] Vgl. Siedentop et. al (2009), S. 47.

[27] Vgl. StaBa (2009).

[28] Vgl. Schaal (2002), S. 162.

[29] Vgl. BBR (2003).

[30] Vgl. Hennings (2001), S. 5 f.

[31] Vgl. Jörissen & Coenen (2007), S. 41.

[32] Vgl. Siedentop (2005), S. 13.

[33] Vgl. Bundesregierung (2002), S. 288.

[34] Vgl. Jörissen & Coenen (2007), S. 79.

[35] Vgl. Jaeger (2001), S. 26.

Details

Seiten
38
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783836640732
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v227498
Institution / Hochschule
Universität Hohenheim – Agrarwissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
landwirtschaft flächennutzung nachhaltigkeit strukturwandel flächenverbrauch

Autor

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Titel: Die Auswirkungen des Flächenverbrauchs auf die Landwirtschaft in Deutschland