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Gesellschaftliche Bedingungen für Familienpolitik in Brasilien und Deutschland

Eine vergleichende Analyse

Diplomarbeit 2007 132 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Patriotisches Bettgespräch

1. Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Vorgehensweise

2. Gesellschaftliche Bedingungen für Familienpolitik
2.1 Demografie und Fertilität
2.1.1 Bevölkerungsgröße
2.1.2 Bevölkerungsstruktur
2.1.3 „Bevölkerungsgleichgewicht“
2.2 Politik und Fertilität
2.2.1 Unterschiede von Familien- und Bevölkerungspolitik
2.2.2 Die Wirkungsweise familienpolitischer Maßnahmen
2.3 Generatives Verhalten und Fertilität
2.3.1 Der biografische Entscheidungsrahmen
2.3.2 Die Motivationstheorie von Maslow
2.3.3 Generatives Verhalten und seine Einflussfaktoren
2.3.4 Maslowsche Prämissen im generativen Faktorenmodell
2.4 Zwischenfazit des theoretischen Teils

3. Vergleichende Analyse der Länder Brasilien und Deutschland
3.1 Gleiche Entwicklung, gleiche Faktoren?
3.2 Die demografische Entwicklung in Brasilien und Deutschland
3.2.1 Fertilität – die Gesamtfruchtbarkeitsziffer
3.2.2 Transformationstheoretische Phasen
3.2.3 Konsequenzen der Subfertilität
3.2.4 Fazit der demografischen Entwicklung
3.3 Das generative Faktorenmodell
3.3.1 Biologischer Faktor – Alter und Kontrazeption
3.3.2 Faktor Sicherheit – Erwerbslosigkeit und Kleinkindbetreuung
3.3.3 Faktor Zugehörigkeit – Zusammenleben und Eheleben
3.3.4 Faktor Achtung – Lebens- und Gesellschaftskonzepte
3.3.5 Faktor Selbstverwirklichung
– Gewünschte und tatsächliche Kinderzahl
3.3.6 Fazit der Analyse des Faktorenmodells
3.4 Mögliche Handlungsfelder der Familienpolitik

4. Fazit

5. Anhang
Anhang-I Tab.2 Generative Verhaltenseinflüsse
Anhang-II Dynamik der demografischen Entwicklung
Anhang-III Wertetabellen der Abbildungen

6. Literaturverzeichnis
6.1 Literaturquellen
6.2 Datenquellen

7. Glossar

8. Eidesstattliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abb.1 Das Wirkungsmodell von Strohmeier

Abb.2 Die Maslowschen Grundbedürfnisse als Pyramidendiagramm

Abb.3 Die Maslowschen Grundbedürfnisse als Radialdiagramm

Abb.4 Gesamtfruchtbarkeitsziffer 1950-2050

Abb.5 Rohe Geburtenrate (GR) und rohe Sterberate (SR) pro 1000 Einwohner

Abb.6a Lebenserwartung bei Geburt

Abb.6b Dynamik in der Entwicklung der Lebenserwartung (Anhang-II)

Abb.7a Medianalter

Abb.7b Dynamik der Medianalter-Entwicklung (Anhang-II)

Abb.8a Altenquotient

Abb.8b Dynamik in der Entwicklung des Altenquotienten (Anhang-II)

Abb.9a Versorgungsquotient in Deutschland

Abb.9b Versorgungsquotient in Brasilien

Abb.10 Altersspezifische Geburtenrate 2000-2005

Abb.11 Relative Gewichtung der Altersgruppen in der Fertilität, 2000-2005

Abb.12 Der biografische Verlauf der biologischen Fruchtbarkeit

Abb.13 Veränderung der altersspezifischen Geburtenrate in den Altersgruppen von 1995/2000 auf 2000/2005

Abb.14 Arbeitslosenquote der erwerbsfähigen Bevölkerung nach Geschlecht in %

Abb.15 Arbeitslosenquote nach Bildungsniveau in %

Abb.16 Angebot an Kleinkindbetreuung in Tageseinrichtungen in % der Altersgruppe der 0-3Jährigen

Abb.17 Familienformen in % der Haushalte

Abb.18 Erwerbstätigkeit nach Alter und Geschlecht in % der Altersgruppen

Abb.19a Studierende nach Geschlecht in Brasilien

Abb.19b Studierende nach Geschlecht in Brasilien

Abb.20a Anteil an Männern und Frauen in %, die Haushaltstätigkeiten verrichten

Abb.20b Wöchentliche Zeitaufwendung für Arbeiten im Haushalt nach Geschlecht in Stunden

Abb.21 Weiblicher und männlicher Kinderwunsch

Tabellenverzeichnis

Tab.1 Weltbevölkerungswachstum in Milliardenschritten

Tab.2 Generative Verhaltenseinflüsse (Anhang-I)

Tab.3 Gebrauch von Verhütungsmethoden

Tab.4 Kinderzahl nach Bildungsniveau

Tab.5 Lebensformen nach Lebensalter in Deutschland in % der jeweiligen Altersgruppe

Tab.6 Durchschnittliches Alter bei Eheschließung

Tab.7 Modernitätsindikator

Tab.8 Gewünschte Kinderzahl (A) und realisierte Kinderzahl (B) von Frauen nach Bildungsniveau

Tab.9 Befriedigung in den einzelnen Faktoren

Patriotisches Bettgespräch

Hast du, was in der Zeitung stand, gelesen?

Der Landtag ist mal wieder sehr empört

Von wegen dem Geburtenschwund gewesen.

Auch ein Minister fand es unerhört.

Auf tausend Deutsche kämen wohl pro Jahr

Gerade 19 Komma 04 Kinder.

04! Und so was hält der Mann für wahr!

Dass das nicht stimmen kann, sieht doch ein Blinder.

Die Kinder hinterm Komma können bloß

Von ihm und anderen Ministern stammen.

Und solcher Dezimalbruch wird mal groß!

Und tritt zu Ministerien zusammen.

Nun frag ich dich: Was kümmert das den Mann?

Er tut, als käm er für uns auf und nieder.

Es geht ihn einen feuchten Kehricht an!

Mir schläft der Arm ein. So. Nun geht es wieder.

Geburtenrückgang, hat er noch gesagt,

sei, die Geschichte lehrt es, Deutschlands Ende,

und deine Fehlgeburt hat er beklagt.

Und dass er, dass man abtreibt, grässlich fände.

Jawohl, wir sollen Kinder fabrizieren.

Fürs Militär. Und für die Industrie.

Zum Löhnesenken. Und zum Kriegverlieren!

Sieh dich doch vor. Ach so, das war dein Knie.

Na komm, mein Schatz. Wir wollen ihm eins husten.

Dein Busen ist doch wirklich noch famos.

Ob unsre Eltern, was wir wissen, wussten …

Wer nicht zur Welt kommt, wird nicht arbeitslos.

Der Kinderreichtum ist kein Kindersegen.

Deck uns schön zu. Ich bild mir ein, es zieht.

Komm, lass uns den Geburtenrückgang pflegen!

Und lösch die Lampe aus. Des Landtags wegen.

Damit er es nicht sieht.

Erich Kästner, aus „Ein Mann gibt Auskunft“ , 1930.

1. Einleitung

1.1 Fragestellung

Die Diskrepanz zwischen Kinderreichtum und Kindersegen

„Der Kinderreichtum ist kein Kindersegen.“[1] Mit diesen Worten beschrieb Erich Kästner bereits im Jahre 1930 das Verhältnis von Politik und Bevölkerung bezüglich der Nachwuchsfrage und wies damit auf die Diskrepanz zwischen politisch gewünschter Bevölkerungsgröße und der realisierten Kinderzahl in der Gesellschaft hin. In Deutschland zeigen sich Politiker auch derzeit „sehr empört von wegen dem Geburtenschwund“[2]. Zu Recht beklagen sie die niedrigen Geburtenraten, die Deutschland eine Vorreiterrolle in dem weltweiten Prozess des Geburtenrückgangs einnehmen lassen.[3] Seine Auswirkung auf die Bevölkerungsstruktur und –größe spürt es folglich früher als andere Nationen.

Wie vor 77 Jahren zu Kästners Zeiten gibt es dabei auch heute Argumente, die dazu führen, dass die Familiengröße kleiner ist als es die Politik erwartet. Diese Diskrepanz schafft Raum für Policies, die sich diesem Problem zuwenden. Insbesondere die Familienpolitik scheint hierfür geeignet, da sie mit der Familie auch den „Ort der Reproduktion“ schützt und fördert.

Wie die Familienpolitik auf den demografischen Prozess Einfluss nehmen kann, ist hierbei die zentrale Fragestellung vorliegender Arbeit. Es lässt sich vorab nur vermuten, dass die Kenntnis der gesellschaftlichen Bedingungen hiermit in Zusammenhang steht. Um dem Geburtenschwund begegnen zu können, könnte es sich dabei als wesentlich erweisen, die Geburtenhäufigkeit als reproduktives Ergebnis eines Geburtenverhaltens anzuerkennen und zu untersuchen. Insbesondere im Hinblick auf die globale Entwicklung des Geburtenschwundes ergibt sich hier die Frage, ob diese aus den gleichen gesellschaftlichen Ursachen resultiert oder ob unterschiedliche Gründe in den Ländern zu einem Rückgang der Geburtenrate führen. Während übereinstimmende Ursachen die Übertragbarkeit politischer Maßnahmen begünstigen würden, könnte die Erkenntnis der Existenz national unterschiedlicher Gründe des Geburtenrückgangs die Herausbildung eigener Strategien stärken.

Um diese Erkenntnis zu gewinnen, werden in vorliegender Arbeit die gesellschaftlichen Bedingungen in Brasilien und Deutschland untersucht. Die Unterschiedlichkeit der Länder, die sich etwa an der ethnischen Zusammensetzung, der Einkommensverteilung oder ihrer Vergangenheit zeigt, macht sie zu Repräsentanten der Globalität des demografischen Prozesses. Wie vorliegende Arbeit zeigen wird, befinden sich darüber hinaus Brasilien und Deutschland derzeit in charakteristischen Stadien dieses Prozesses.

Ein analytischer Vergleich der Einflussfaktoren auf das Geburtenverhalten in diesen Ländern könnte eine erste Antwort auf die Frage geben, wie die Familienpolitik auf den Geburtenrückgang reagieren kann und ob gleiche Faktoren ihn bedingen.

1.2 Vorgehensweise

Wie kann Familienpolitik die Geburtenhäufigkeit positiv beeinflussen? Um auf diese Frage eine Antwort zu erhalten, werden in Kapitel 2.1 Grundlagen der Demografie vermittelt. Anhand der Transformationstheorie von Gerhard Mackenroth wird sich zeigen, dass sich die demografische Entwicklung in Phasen einteilen lässt. Ein Vergleich der Bevölkerungsvorgänge wird dabei deutlich machen, dass die Geburtenrate die zentrale Variable ist, mit der die Politik auf die Bevölkerungsentwicklung Einfluss nehmen kann.

In Kapitel 2.2 soll die Begriffsbestimmung von Familienpolitik in Abgrenzung zur Bevölkerungspolitik verdeutlichen, wie sie auf demografische Prozesse einwirken kann. Es wird sich erweisen, dass insbesondere die Betrachtung des Effektes politischer Maßnahmen für die Eingrenzung des politisch möglichen Handlungsbereiches von Familienpolitik eine Rolle spielt. Eine Untersuchung der Wirkungsweise familienpolitischer Maßnahmen wird den Fokus schließlich auf die Mikroebene verschieben.

Das Geburtenverhalten schließlich steht im Mittelpunkt von Kapitel 2.3. Hier zeigt sich, dass die Entscheidung, nach der Motivationstheorie von Abraham Maslow, von Grundbedürfnissen, die das menschliche Verhalten bestimmen, abhängig ist. Die Übertragung dieser Theorie auf das Geburtenverhalten soll verdeutlichen, wie dieses wirkt, um letztendlich der Familienpolitik Handlungsbereiche aufzudecken. Dabei werden sowohl die Bedürfnisse wie die Prämissen des Maslowschen Modells auf Theorien des Geburtenverhaltens transferiert. Daraus ergibt sich ein „generatives Faktorenmodell“, welches Aufschluss über den Zusammenhang von Einflussfaktoren und Geburtenhäufigkeit geben soll.

Im analytischen Teil wird zunächst in Kapitel 3.1 die Fallauswahl der Länder Brasilien und Deutschland begründet, sowie in Kapitel 3.2 ihre demografische Entwicklung veranschaulicht. Daran schließt sich in Kapitel 3.3 die Analyse von Indikatoren des generativen Faktorenmodells an. Aus der Analyse soll schließlich in Kapitel 3.4 hervorgehen, wie die Familienpolitik auf den demografischen Prozess einwirken kann und ob die gleichen Faktoren in beiden Ländern für die demografische Entwicklung verantwortlich gemacht werden können.

Der Schwerpunkt der Arbeit liegt somit auf der Darstellung der gesellschaftlichen Bedingungen für Familienpolitik. Auf die Darstellung der aktuellen familienpolitischen Maßnahmen wird an dieser Stelle verzichtet.

2. Gesellschaftliche Bedingungen für Familienpolitik

2.1 Demografie und Fertilität

Im biologischen Sinn versteht man unter Fertilität die Fähigkeit zur Fortpflanzung. Davon zu unterscheiden ist die in der Demografie angewandte Definition von Fertilität als Geburtenhäufigkeit.[4] Die realisierte Zahl an Geburten beeinflusst ebenso wie die Zahl der Sterbefälle (Mortalität) die Größe und Zusammensetzung einer Bevölkerung. Zusammen ergeben sie die natürliche Bevölkerungsbewegung, die bei einer positiven Differenz von Lebendgeborenen zu Sterbefällen in einem Zeitraum zu einem Geburtenüberschuss führt, bei einer negativen Differenz zu einem Geburtendefizit, welches im Folgenden als Subfertilität[5] bezeichnet wird.[6] Neben den natürlichen Bevölkerungsvorgängen wirken auch äußere Erneuerungskräfte, als Ein- und Abwanderung (Migration), auf die Bevölkerung ein.[7] Diese räumliche Bevölkerungsbewegung unterscheidet sich in ihrer Bedeutung für die Bevölkerungsentwicklung von Region zu Region.[8]

2.1.1 Bevölkerungsgröße

Die Bevölkerungsvorgänge Fertilität, Mortalität und Migration entscheiden in ihrer Summe über Bevölkerungswachstum, -schrumpfung oder -stagnation.[9] Hohe Geburtenraten können von einer hohen Mortalität oder einer hohen Abwanderung in ihrer demografischen Wirkung kompensiert werden. Ebenso kann Zuwanderung bei einem Geburtendefizit die Bevölkerungsschrumpfung verhindern. Die Relation der Bevölkerungsvorgänge entscheidet somit über die demografische Entwicklung einer Region.[10] Dies zeigt auch Gerhard Mackenroth (1903-1955), welcher das Verhältnis der natürlichen Bevölkerungsvorgänge in der Transformationstheorie betrachtet.[11]

Überzeugt von der demografischen Selbstregulation sieht er die Bevölkerungsentwicklung in ihrem historisch-soziologischen Kontext.[12] Mackenroth bezieht sich dabei auf die demografische Entwicklung der Industrieländer. Diese teilt er in verschiedene Phasen ein, die von der Geburtenbilanz abhängen.[13] Die demografischen Veränderungen sieht er als Entwicklung von einem alten zu einem neuen Gleichgewicht, in dem sich Fertilität und Mortalität die Waage halten.[14] Dieses Gleichgewicht der natürlichen Bevölkerungsvorgänge bewirkt eine Bestandserhaltung.[15] Die erste Phase ist gekennzeichnet durch hohe Geburten- und Sterberaten, das Bevölkerungswachstum ist in dieser Zeit allenfalls gering. Im Verlauf der industriellen Revolution sinkt zunächst die Sterberate, die Geburtenrate bleibt auf dem hohen Niveau der ersten Phase. Diese zweite Phase zeichnet sich durch ein zunehmendes demografisches Wachstum aus.[16] Das Wachstumsmaximum wird in Phase drei bei extrem gesunkener Mortalität und konstanter Fertilität erreicht. Abgelöst wird sie schließlich von der vierten Phase, in der bereits die Geburtenrate sinkt und somit das Wachstum abnimmt. Mit zeitlicher Verzögerung folgt somit die Geburtenrate der Mortalitätsrate. In Phase fünf ist schließlich die Fertilität auf ein ähnlich niedriges Niveau gefallen, wie zuvor die Sterberate, sie liegt somit wieder auf dem Niveau der Bestandserhaltung und ermöglicht die Stagnation der Bevölkerungsgröße.[17]

Tatsächlich spiegelte sich in der Realität zunächst die Theorie Mackenroths wider. So wuchs die Weltbevölkerung bis ins 18.Jahrhundert äußerst langsam, hohe Geburtenraten korrelierten mit hohen Sterberaten. Die Lebenserwartung war niedrig, Kriege und Epidemien dezimierten die Bevölkerung immer wieder stark.[18] Erst in der Zeit des Merkantilismus verbesserte sich die medizinische Versorgung der Bevölkerung.[19] Die sinkende Sterblichkeit führte zu einem raschen Bevölkerungswachstum. Im folgenden 19. und 20.Jahrhundert beschleunigte sich das Wachstum deutlich, der zeitliche Abstand, den die Weltbevölkerung bis zum Erreichen der nächsten Milliarde benötigte, wurde immer geringer (Vgl. Tab.1).[20]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab.1 Weltbevölkerungswachstum in Milliardenschritten[21]

Zwischen 1965 und 1970 erreichte die Bevölkerungswachstumsrate einen maximalen Zuwachs von zwei Prozent. Seitdem hat sich das Wachstum aufgrund sinkender Geburtenraten wieder verlangsamt. Vorausberechnungen zufolge wird sich diese Tendenz im 21.Jahrhundert festigen und es folglich zu einer weltweiten Bevölkerungsschrumpfung kommen.[22] Dabei werden die Entwicklungs- und Schwellenländer den demografischen Wandel aufgrund rascher abfallender Geburtenraten in einer größeren Dynamik erleben, als derzeitig die Industrienationen.[23] Die absolute Zahl an Geburten wird sich jedoch noch in den nächsten Jahren aufgrund der Zunahme von Frauen im gebärfähigen Alter erhöhen und so den Prozess der Bevölkerungsschrumpfung verlangsamen. Dies bezeichnet man auch als Eigendynamik bzw. Trägheit der demografischen Entwicklung. Im Vergleich zur sinkenden Geburtenrate setzt der Rückgang der absoluten Geburtenzahlen daher erst zeitlich verzögert ein.[24] Aufgrund der niedrigen Mortalität geht man aber davon aus, dass die Bestandserhaltung bei einer Geburtenrate von durchschnittlich 2,1 Kindern pro Frau realisiert wird.[25]

Gemäß den Erwartungen Mackenroths gehen somit niedrige Sterberaten sinkenden Geburtenraten voraus und verursachen ein Wachstum der Bevölkerung. Die Entwicklung hin zu Subfertilität, als Abnahme der Geburtenrate unter das Niveau der Sterberate, wurde von Mackenroth jedoch noch nicht erwähnt. Es ist daher üblich geworden, von seiner Theorie der Transformation als Ersten demografischen Übergang zu sprechen. Den Rückgang der Fertilität unter das Niveau der Sterberate bezeichnen Demografen seit den 1980er Jahren als Zweiten demografischen Übergang oder sechste transformationstheoretische Phase.[26] Durch diese Erweiterung behält die Transformationstheorie somit weiterhin Gültigkeit. Unter der Prämisse, dass die Aussagen dieser erweiterten Transformationstheorie allgemeingültigen Charakter haben, können sämtliche Länder der Welt in die Phasen dieses Modells eingeteilt werden.[27] Der Entwicklung der Weltbevölkerung folgend ergibt sich dabei ein zeitlicher Verlauf verschiedener demografischer Übergänge hin zur Bevölkerungsschrumpfung.[28] Lediglich der zeitliche Abstand der Phasen soll demnach die Länder unterscheiden. Unterstellt man auch dieser Entwicklung die transformationstheoretische Annahme, derzufolge die Selbstregulation einer Bevölkerung zu einem Gleichgewicht tendiert, haben die Phasen des Ungleichgewichts von Geburten- und Sterberate einen temporären Charakter. Aufgrund der Eigendynamik des Prozesses ist dieses Ungleichgewicht jedoch „für Jahrzehnte unumkehrbar“[29]. So ist bei anhaltender Subfertilität jede Kindergeneration kleiner als die Generation ihrer Eltern und somit ein weiterer Bevölkerungsrückgang die Folge. Auf diese Weise wird die demografische Entwicklung immer weiter beschleunigt. Aufgrund dieser Eigendynamik ist es sogar möglich, dass die Bevölkerung weiter abnimmt, selbst wenn die Geburtenrate kurzzeitig über das Bestandserhaltungsniveau steigt, da es insgesamt zuwenig potenzielle Eltern gibt.[30]

2.1.2 Bevölkerungsstruktur

Veränderungen in den Bevölkerungsvorgängen wirken sich nicht nur auf die Größe, sondern auch auf die Struktur einer Bevölkerung aus.[31] Der Zweite demografische Übergang beispielsweise verursacht daher auch einen demografischen Wandel, der sich innerhalb der Zusammensetzung der Bevölkerung vollzieht. So ist die Folge von niedrigen Geburtenraten die Zunahme des relativen Anteils älterer Menschen an der Bevölkerung, bezeichnet als demografische Alterung der Gesellschaft. Die steigende Lebenserwartung und niedrige Sterberaten verstärken den Effekt, da somit auch der absolute Anteil an Senioren steigt. Diese Bevölkerungsstruktur kann durch äußere Einflüsse, wie der Migration, nur bedingt beeinflusst werden.[32]

Die aus der demografischen Umverteilung resultierende Abnahme der erwerbsfähigen Bevölkerung zwischen 20 und 60 Jahren wirkt sich negativ auf die wirtschaftliche Produktivität aus.[33] Zudem führt die Zunahme des relativen wie des absoluten Anteils an Älteren im Falle eines existierenden sozialen Sicherungssystems zu einem Anstieg der Versorgungslasten für die jüngere Bevölkerung. Die Bevölkerung kann jedoch den Zweiten demografischen Übergang dazu nutzen, sich an die neue Situation anzupassen, da sich mit ihm ein demografisches Fenster eröffnet. Dies bedeutet, dass die Zahl der erwerbsfähigen Personen zunächst zunimmt, während sich die Zahl der Kinder verringert und die Zahl der Senioren noch nicht übermäßig steigt. Kinder und Senioren gehören zur zu versorgenden Bevölkerungsgruppe. Während des demografischen Fensters als zeitlich begrenztem Zwischenstadium sind die Versorgungslasten für die erwerbsfähige Bevölkerung vergleichsweise gering. Wird das demografische Fenster für sozialstaatliche Vorsorgen für die ältere Generation genutzt, spricht man auch von einem demografischen Bonus.[34] Das demografische Fenster wird somit als Chance gesehen, den demografischen Alterungsprozess sozialpolitisch zu bewältigen und in das Gesellschaftssystem zu integrieren. Es schließt sich jedoch, wenn die erwerbstätige Altersgruppe mit den letztmalig höheren Geburtenraten in den Ruhestand tritt und sich die Versorgungslast somit erhöht, da diese dann von einer abnehmenden Zahl Erwerbstätiger getragen werden muss.[35] Diesen Rückkopplungseffekt der Subfertilität bezeichnet die Literatur auch als demografischen Schock, da zu diesem Zeitpunkt die Auswirkungen des generativen Verhaltens aufgrund des immer stärkeren relativen Gewichts der älteren Bevölkerung spürbar werden.[36]

2.1.3 „Bevölkerungsgleichgewicht“

Unterscheidet sich die Höhe von Geburten- und Sterberate, entsteht ein Ungleichgewicht, welches Auswirkungen auf die gesellschaftliche Altersstruktur hat. Diese Phase ist der Transformationstheorie zufolge temporär. Die Eigendynamik der Bevölkerungsentwicklung verzögert jedoch die Selbstregulation in Form einer Rückkehr zum Gleichgewicht. Birg folgert aus der derzeitigen ungleichgewichtigen Situation, „dass die Selbstregulation zwar wirkt, jedoch nicht in ausreichendem Maße“.[37]

Dies lässt die Annahme zu, dass eine Behebung dieses Defizits die Bevölkerungsentwicklung hin zu einem Gleichgewicht bestärkt. Nimmt man die aktuelle demografische Entwicklung mit der sich ausbreitenden Subfertilität als Beispiel, so wird ersichtlich, dass insbesondere ein Bevölkerungsvorgang für Maßnahmen zur Unterstützung der Selbstregulation geeignet ist. Bei Subfertilität liegt die Geburtenrate unter der Sterberate. Eine Senkung der Mortalität auf das Niveau der Geburtenrate würde theoretisch zu einem Gleichgewicht der Vorgänge führen. Diese Möglichkeit unterliegt den biologischen Restriktionen der menschlichen Lebenserwartung. Zudem würde eine solche Senkung den Bevölkerungsrückgang zwar verringern, die demografische Alterung jedoch verstärken. Eine weitere Möglichkeit wäre, das Geburtendefizit durch Einwanderung auszugleichen. Aufgrund der Eigendynamik des demografischen Prozesses müsste diese dabei immer weiter steigen.[38] Dabei ist zu beachten, dass auch die Wanderungsflüsse begrenzt sind und von der Attraktivität des Ziellands abhängen.[39] Zudem ist aufgrund des steigenden Integrationsbedarfs sowie der Alterung, die auch die Einwanderer erfassen wird, keine langfristige Lösung des demografischen Ungleichgewichtes von der Migration zu erwarten.[40] Eine weitere Möglichkeit, die Selbstregulation der Bevölkerung zu unterstützen, wäre die Anhebung der Geburtenrate auf das Niveau der Sterberate. Dies würde die Problematik des demografischen Wandels lösbar machen, da durch den steigenden Anteil der jungen Bevölkerung die demografische Alterung gebremst und der demografische Schock gedämpft wird. Mittels einer Steigerung der Geburtenrate kann somit die Bevölkerungsentwicklung hin zum Gleichgewicht unterstützt werden. Eine solche Unterstützung kann durch politische Maßnahmen erfolgen.

Insgesamt ergeben sich im Kontext des demografischen Wandels für die Politik folgende Aufgabenbereiche: Erstens kann die Politik auf den demografischen Wandel eingehen, indem sie das Sozialsystem an die gesellschaftlichen Bedingungen anpasst. Insbesondere das demografische Fenster bietet ihr dazu die Möglichkeit.[41] Dabei bleibt jedoch zu beachten, dass sich der Zweite demografische Übergang in weniger entwickelten Ländern mit einer größeren Dynamik als in den Industrieländern vollzieht, da die Geburtenrate dort rascher sinkt. Der Anpassungsprozess muss somit in kürzerer Zeit erfolgen, da die Auswirkungen des Wandels, beispielsweise in Form zunehmender Alterung hier besonders schnell deutlich spürbar werden und der demografische Schock folglich sehr ausgeprägt sein wird. Demnach muss zweitens die Politik eine Dämpfung dieses Schocks zum Ziel haben. Dies kann sie erreichen, indem sie den zeitlichen Abstand der transformationstheoretischen Phasen durch eine Einflussnahme auf die Geburtenrate verlängert. Drittens sollte die Politik langfristig das Erreichen eines demografischen Gleichgewichts anstreben, welches ebenfalls am ehesten durch Geburten erhöhende Maßnahmen zu erreichen ist.[42]

2.2 Familienpolitik und Fertilität

Das vorhergehende Kapitel zeigt, dass Fertilität die Bevölkerungsstruktur und –größe entscheidend beeinflusst. Die demografische Alterung, sowie auch eine drohende Bevölkerungsschrumpfung stellen dabei das gesellschaftliche System vor die Herausforderung, auf diesen demografischen Wandel einzugehen. Die Politik hat hier die Möglichkeit, auf die Situation zu reagieren, indem sie Geburten fördernde Maßnahmen erlässt. So kann sie den demografischen Schock dämpfen und die Entwicklung hin zu gleichgewichtigen Geburten- und Sterberaten unterstützen. Auf die Geburten zielen dabei besonders zwei Policies. Neben der Bevölkerungspolitik ist hier besonders die Familienpolitik zu nennen. Sie steht in engem Zusammenhang mit Fertilität, da sie den Ort unterstützt, wo Geburten zustande kommen: Die Familie. Entsteht mit der Geburt eines Kindes Familie, so bedeutet dies jedoch längst nicht reziprok, dass eine Familie nur dort existiert, wo Kinder geboren werden.[43] Daraus lässt sich ableiten, dass Familie nicht einheitlich definiert werden kann. Dazu trägt unter anderem bei, dass der Begriff Familie national sehr unterschiedlich geprägt ist.[44] Unterschiedliche Wertvorstellungen innerhalb einer Gesellschaft fließen in die Vorstellung von Familie mit ein. Man kann dabei ideelle Leitbilder in Fragen der Lebensführung und des Zusammenlebens von der tatsächlichen Realität, der gelebten Familie unterscheiden. Diese Leitbilder spiegeln sich wiederum in der Politik wider und führen so zu unterschiedlichen Interpretationen von Familienpolitik.[45] Neben dieser fehlenden einheitlichen Definition von Familie mangelt es auch an einer übergreifenden institutionellen Definition der Familienpolitik im Ländervergleich. Eine explizite Familienpolitik hat sich erst im Laufe des letzten Jahrhunderts herausgebildet. Sie bildet bis heute eine Ausnahme, da Familienpolitik sich in den meisten Ländern als eine Art „Querschnittspolitik“[46] darstellt, die das Familienleben faktisch beeinflusst und sich durch die Fragmentierung politischer und administrativer Zuständigkeiten auszeichnet.[47] Diese Unterscheidung in explizite und faktische Familienpolitik verdeutlicht, dass Familienpolitik direkt und indirekt Einfluss nehmen kann. Auch dies erschwert eine einheitliche Definition. Um zu einer operationalisierbaren Begriffsbestimmung von Familienpolitik zu gelangen, wird daher im Folgenden die Familienpolitik in Abgrenzung zur Bevölkerungspolitik auf ihre Intentionen und Effekte hin untersucht. Auf welche Weise die Familienpolitik u.a. durch ihre Leitbilder die Gesellschaft beeinflusst, stellt sich im Anschluss dar.

2.2.1 Unterschiede von Familien- und Bevölkerungspolitik

Im Folgenden zeigt sich, dass die Politik auf die Entwicklung der Fertilität Einfluss nehmen kann. In Deutschland erwartet man dies besonders von der Familienpolitik. Es wird somit ein Zusammenhang zwischen familienpolitischen Maßnahmen und der Geburtenrate gesehen. Zugleich distanziert sich die Politik jedoch von dem Begriff der Bevölkerungspolitik. Diese politische Differenzierung zwischen beiden Policies wirft die Frage auf, inwiefern sich diese Bereiche unterscheiden. Im Folgenden wird dies analytisch untersucht, indem Bevölkerungs- und Familienpolitik nach Intention und Effekt unterschieden werden. Durch diese Unterteilung wird deutlich, dass sich das politische System an der Zielsetzung orientiert. Je nach Intention können die Maßnahmen so Politikbereichen zugeordnet werden. Aufgrund der Komplexität des Systems beeinflussen jedoch auch andere Politiken diese Ziele.

Die Bevölkerungspolitik gliedert sich abhängig vom politischen Auftrag in direkte bevölkerungspolitische Maßnahmen und indirekte bevölkerungsrelevante Maßnahmen. Direkte bevölkerungspolitische Maßnahmen zielen unmittelbar auf den Bevölkerungsprozess, da sie eine bestimmte Größe oder inneren Zusammensetzung anstreben.[48]

Bevölkerungsrelevante Maßnahmen nehmen indirekt Einfluss auf den Bevölkerungsprozess, indem sie ein bestimmtes demografisches Verhalten nahe legen. Ihre Wirkung tangiert die demografische Entwicklung. Somit sind diese Maßnahmen effektiv bevölkerungspolitisch. In diesen Bereich lassen sich beispielsweise Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf ebenso wie Renten- und Gesundheitspolitiken[49] einordnen.[50]

Auch die Familienpolitik lässt sich nach Intention und Effekt in einen direkten und einen indirekten Bereich gliedern. So zielt die direkte bzw. explizite Familienpolitik auf die Verbesserung der sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Kontextbedingungen der Familie.[51] Die Intention, die Familie zu unterstützen und zu fördern, ist zentrales Merkmal der Familienpolitik. Damit gehört auch das bevölkerungspolitische Ziel zum Zweck der Nachwuchssicherung in den Zielkatalog der Familienpolitik.[52] Familienrelevante Politiken unterscheiden sich in ihren Intentionen von explizit als familienpolitisch deklarierten Maßnahmen. Werden Kontexte geschaffen, welche die Familienentwicklung tangieren können, fallen politische Maßnahmen in diesen Bereich.[53] So können aus Rechts-, Wohnungs-, Beschäftigungs-, Einkommens-, Bildungs-, Verkehrs- oder Umweltpolitik resultierende Effekte unbestimmt oder nicht beabsichtigt sein und trotzdem einen nicht geringeren Einfluss auf die Familie als die explizite Familienpolitik ausüben.[54]

Zusammenfassend lassen sich die Politikbereiche durch eine engere Definition, die sich an der Intention orientiert und eine weitere Definition, welche die Effekte mit einschließt, beschreiben. In der engeren Definition differenziert sich die Familienpolitik eindeutig von der Bevölkerungspolitik. „Beide unterscheiden sich, wie der internationale Vergleich zeigt, nicht hinsichtlich der ergriffenen Maßnahmen oder der faktischen Wirkungen bzw. ihrer Wirkungslosigkeit, sondern lediglich in den Absichten der Politiker, die sie veranstalten.“[55] Während die Bevölkerungspolitik somit auf eine Veränderung der demografischen Größe oder Struktur zielt, beabsichtigt die Familienpolitik eine Unterstützung der Familie. Die relevanten Politiken in beiden Bereichen zielen im Gegensatz zu den expliziten Politiken nicht in erster Linie auf die Bevölkerung bzw. die Familie. In ihrer Wirkung beeinflussen sie diese jedoch. Die Grenzen der einzelnen expliziten wie impliziten Politikbereiche verschwimmen somit bei der Betrachtung ihrer Wirkungen, da diese trotz ihrer unterschiedlichen Intentionen ähnlich ausfallen können.[56] Eine Definition, die sich an diesen Wirkungen orientiert, liefert Schulze für die Familienpolitik. Er stellt Familienpolitik als Bündel staatlicher Maßnahmen dar, die geeignet sind, Familienbildung und –alltag zu beeinflussen. Für Schulze verliert die Unterscheidung in implizite und explizite Familienpolitiken damit an Bedeutung.[57] Auf die demografische Intention der Politik angewendet kann analog gelten, dass alle Maßnahmen, welche die demografische Situation beeinflussen, der Bevölkerungspolitik zugeordnet werden können. Aus dieser Definition von Schulze lässt sich eine allgemeine Definition von Politikbereichen ableiten, die Intention und Effekt verbindet: Unter einem Politikbereich versteht man demnach jene staatlichen Maßnahmen, welche das intendierte Ziel dieses Bereiches beeinflussen können. Eine in ihrer Wirkung bevölkerungsrelevante explizite Familienpolitik lässt sich somit als Teil einer Bevölkerungspolitik verstehen. Ebenso lassen sich die familienrelevanten Politikbereiche, welche die demografische Situation beeinflussen, demselben Bereich zuordnen. Somit differenziert sich innerhalb des gesamten bevölkerungspolitischen Bereiches die explizite Bevölkerungspolitik von den bevölkerungsrelevanten Politiken, zu denen sich die implizite wie explizite Familienpolitik zählen lässt.

Eine direkte Schnittstelle zwischen Bevölkerungs- und Familienpolitik bildet dabei die bevölkerungspolitische Zielsetzung der Familienpolitik.[58] Die Grenze von Familien- und Bevölkerungspolitik verläuft hier insbesondere durch Geburten fördernde Maßnahmen eher fließend. Die bevölkerungspolitische Intention der Familienpolitik verbindet somit die Politikbereiche. Statt von Bevölkerungspolitik ist in dieser Hinsicht beispielsweise in Deutschland von nachhaltiger Familienpolitik die Rede. Diese zielt auf die Erhöhung der Geburtenrate, um der demografischen Entwicklung entgegen zu wirken und auf eine Integration der Frauen in das Erwerbsleben, um dem Mangel an Arbeitskräften entgegen zu wirken.[59] Hier werden somit Maßnahmen der Familienpolitik bevölkerungspolitisch begründet. Wingen bezeichnet dies wiederum als bevölkerungsbewusste Familienpolitik.[60]

Abschließend lässt sich sagen, dass eine auch an der Wirkung orientierte Definition von Familienpolitik den Vorteil besitzt, auch die familienpolitischen Effekte auch der „Querschnittspolitik“ mit einzuschließen. Sie ist aufgrund der Unklarheit, „(…) welchen Anteil [explizite] familienpolitische Maßnahmen, gemessen an jenen Kontextbedingungen, die familiale Entwicklung tatsächlich beeinflussen, ausmachen“[61] zu bevorzugen. Die Einbindung der realen Wirkung ist für die Beurteilung der Politik wichtig.[62] Dies zeigt sich insbesondere bei komparativen Untersuchungen. Die Definition nach Effekten bietet daher insbesondere internationalen Vergleichen, die auch Länder ohne explizite Familienpolitik beinhalten, eine gute Grundlage. Im Folgenden wird daher der Begriff Familienpolitik übergreifend für den expliziten wie impliziten Bereich verwendet.

Die Analyse hat gezeigt, dass sich Familienpolitik zunächst unabhängig von national unterschiedlichen Wertvorstellungen und Leitbildern in Abgrenzung zur Bevölkerungspolitik definieren lässt. Die Familienpolitik besitzt demnach die Möglichkeit, auf demografische Vorgänge einzuwirken. Im folgenden Kapitel steht dieser Wirkungszusammenhang im Vordergrund. Nach der analytischen Eingrenzung des Politikbereiches Familie wird nun untersucht, wie der Einfluss der Familienpolitik auf den Bevölkerungsprozess erfolgt.

2.2.2 Die Wirkungsweise familienpolitischer Maßnahmen

Familienpolitische Maßnahmen beeinflussen die Bevölkerungsentwicklung insbesondere durch ihre Wirkung auf das Gebärverhalten. Der Zusammenhang von Familienpolitik und Fertilität wird im Folgenden anhand des Wirkungsmodells von Klaus Peter Strohmeier dargestellt.[63] Wie obige Analyse zeigt, stehen Familienpolitik und Fertilität nur in indirekter Beziehung. Strohmeier sieht die Fertilität in Zusammenhang mit der Struktur privater Lebensformen. Die Politik kann diese Struktur über individualisierte biografische Optionen beeinflussen. Familienpolitik und Fertilität sind auf der Makroebene anzusiedeln, die biografischen Optionen stellen zusammen mit den privaten Lebensformen die Mikroebene dar. Zwischen der Entscheidung für eine biografische Option und deren (dauerhafter) Realisierung sieht Strohmeier die Organisation des Alltags. Die Familienpolitik kann durch erleichternde oder erschwerende Maßnahmen den Familienalltag beeinflussen.[64]

Strohmeier unterscheidet des Weiteren die Unterscheidung in familienpolitische Intentionen und Effekte und nimmt von diesen an, dass sie nicht übereinstimmen. Er begründet dies mit der selektiven Inanspruchnahme politischer Maßnahmen von Familien als autonom und rational handelnde Akteure auf der Adressatenseite.[65] Die familienpolitischen Intentionen orientieren sich an den Präferenzen der Akteure auf der Mikroebene, sie werden jedoch ebenfalls beeinflusst durch das gesellschaftliche Wertesystem.[66] Die familiäre Wirklichkeit entwickelt sich dabei in einem schnelleren Tempo als die Maßnahmen der Politik. Die Familienpolitik verfolgt somit eine eigene Prozessgeschwindigkeit, die in temporären Abstand zu den Lebensformen der Familie verläuft.[67] Daraus folgt eine Asynchronie zwischen dem Bedarf an individualisierten Lebensoptionen und dem gesellschaftlichen Familienleitbild als Angebot. Diese Asynchronie zeigt sich besonders anhand der Lebenskonzepte von Frauen, die, so Strohmeier, in der heutigen Zeit ähnlich modern sind, jedoch durch die Politik in unterschiedlichem Maße eingeschränkt werden.[68] Nach Strohmeier wirkt die Familienpolitik somit als Parameter der „im Sinne gesellschaftstypischer Normalitätsvorgaben“[69] das individuelle Entscheidungsverhalten beeinflusst. Insgesamt beeinflussen soziokulturelle Wert- und Normsysteme auf Makro- wie auf Mikroebene die biografischen Entscheidungen.

Es ergibt sich somit zusammenfassend folgende grafische Darstellung des Wirkungsmodells:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1 Das Wirkungsmodell von Strohmeier

Quelle: Strohmeier, K. P. (2002), S.115, Fig.7, Fig.8: Impact model, further extended/ final version; eigene Darstellung.

Wesentlich ist hierbei die Unterteilung des familienpolitischen Wirkungsprozesses in zwei Ebenen. So wird verdeutlicht, dass die Familienpolitik nicht direkt Einfluss auf die Geburtenrate ausübt. Sie wirkt jedoch zusammen mit kulturellen Bedingungen auf die Lebensoptionen ihrer Bevölkerung ein, ebenso wie auf die konkrete Alltagsbewältigung. Dadurch kann sie das Entstehen familiärer Lebensformen begünstigen. Jene entscheiden nach Strohmeier letztendlich über die Höhe der Geburtenrate. Diese bevölkerungsbewusste Familienpolitik ist sich ihrer Auswirkung auf den demografischen Prozess bewusst. Sie fördert Geburten jedoch im Gegensatz zur Bevölkerungspolitik auf der individuellen Entscheidungsebene. Somit entspringt die familiäre Lebensform selbstbestimmten Lebensentwürfen und keinem „staatlichem Planvorhaben“.[70]

2.3 Generatives Verhalten und Fertilität

Strohmeier zufolge hängt die Höhe der Makrovariable Fertilität von der Mikroebene ab. Hier wird durch die Auswahl biografischer Optionen über die privaten Lebensformen entschieden. Die individuelle Entscheidung für eine bestimmte Lebensform ist somit für die Fortpflanzung demografisch relevant und wird demzufolge mit „generativ“ bezeichnet.[71] Das generative Verhalten jedes Einzelnen summiert sich auf der Makroebene zur generativen Struktur einer Gesellschaft.[72] Ist die generative Entscheidung für die Geburtenhäufigkeit signifikant, blieb bisher allerdings ungeklärt, wie diese verläuft. Im Folgenden wird daher verdeutlicht, wie sich der Entscheidungsrahmen der Lebensoptionen darstellt. Der Verlauf der individualisierten Entscheidung wird von verschiedenen Einflussfaktoren bestimmt. Diese können insbesondere aus den menschlichen Grundbedürfnissen abgeleitet werden. Maslow geht in seiner Theorie der menschlichen Motivation von fünf verschiedenen Grundbedürfnissen aus, die nach dem Prinzip der Vorrangigkeit das menschliche Verhalten bestimmen. Ein Zusammenhang zwischen der genannten Theorie und generativen Einflussfaktoren wird durch den Vergleich verschiedener Ansätze deutlich. Daraus ergibt sich ein auf der Motivationstheorie basierendes generatives Faktorenmodell.

2.3.1 Der biografische Entscheidungsrahmen

Allgemein beziehen sich die biografischen Optionen im Sinne Strohmeiers auf den beruflichen, sowie privaten Lebensbereich. Hierbei ergeben sich beispielsweise Möglichkeiten in der Wahl der Ausbildung, des beruflichen Verlaufes und der Entscheidung für eine bestimmte Beziehungs- und Familienform. Die biografischen Optionen sind sozusagen die Grundbausteine, die durch ihre Kombinationsmöglichkeiten in der Reihenfolge eine Pluralität an Lebensläufen zulassen.[73] Die Vielfalt an Möglichkeiten vergleicht Eckart Hildebrandt mit einer „Landkarte mit Straßen und Verzweigungen“.[74] An jeder Abzweigung stehen verschiedene Möglichkeiten zur Wahl, von denen nur eine realisiert werden kann. Die Größe dieses von Herwig Birg bezeichneten „biografischen Universums“[75] wird beschränkt durch die Zahl alternativer, potenzieller wie auch relevanter Lebensläufe. Am Anfang des Lebenslaufes besteht noch eine große Auswahl hinsichtlich der verfügbaren Optionen. Mit jeder Entscheidung verringert sich diese Fülle an Möglichkeiten. Die Irreversibilität biografischer Prozesse lässt folglich die Sequenzen des Lebenslaufes kleiner werden.[76] Entscheidungen der Gegenwart haben somit einerseits einen Bezug zur Zukunft, auf die hinblickend gestaltet wird, und andererseits ebenso zur Vergangenheit, von der ausgehend gestaltet wird.[77]

In diesem dynamischen Entscheidungsprozess sind dabei innerhalb von Gesellschaften feste Muster und Pfade im Ablauf erkennbar.[78] Diese resultieren aus Normen, die gesellschaftliche Werte und Institutionen vorgeben. Altersnormen, die sich am gemeinsamen Wertesystem orientieren und an die physiologische Entwicklung des Menschen gebunden sind, bewirken, „dass die Subjekte zu bestimmten Altersperioden an gesellschaftlichen Institutionen partizipieren (…).“[79] Als institutionelle Größe sieht Mayer[80] den Wohlfahrtsstaat, der „über Gesetze und staatliche Einrichtungen sowie über soziale Leistungen der Sozial- und Rentenversicherung“[81] den Lebenslauf in einzelne Phasen segmentiert. Nach Ansicht von Kohli[82] bestimmt hingegen die Erwerbsstruktur, welche zu einer optimalen Verwertung der Lebenszeit führt als Institution den Lebenslauf.[83] Durch Institutionen und Normen entstehen so „Normallebensläufe“.[84] Letztendlich entscheidet jedoch der Mensch – gerade in modernen Gesellschaften - eigenverantwortlich über seine Lebensgestaltung.[85] Die individualisierte Entscheidungsstruktur kann dabei zu einer De-Standardisierung der Normalbiografie führen.

2.3.2 Die Motivationstheorie von Maslow

In modernen Gesellschaften sind Entscheidungen individualisiert. Somit scheinen zu den Normen und Institutionen weitere Determinanten zu treten, die aus der menschlichen Motivation resultieren. Diesen Ansatz vertritt Abraham Maslow (1908-1970), der in seiner Theorie der menschlichen Motivation (1943, 1954)[86] ein Modell entwickelte, welches menschliche Verhaltensweisen erklären soll. Er nennt fünf Grundbedürfnisse, die Einfluss auf den in ein bestimmtes Verhalten resultierenden Entscheidungsprozess haben. Das Verhalten sieht Maslow als Kanal, durch welches diese Bedürfnisse ausgedrückt werden können. Jedes Verhalten kann dabei von einigen oder allen Grundbedürfnissen determiniert werden.[87] Eine Handlung besteht somit typischerweise aus multiplen Motivationen.[88] Sie determinieren das Verhalten. Reziprok kann das Verhalten, z.B. die Entscheidung für eine biografische Option, über die Grundbedürfnisse Aufschluss geben. Dies ergibt sich auch aus der holistisch-dynamischen Betrachtungsweise Maslows, welche den Menschen als integrierte Ganzheit wahrnimmt.[89] Demzufolge resultiert die Motivation aus der Gesamtheit eines Menschen und nicht aus einem Teil von ihm. Er ist in diesem Sinne nicht teilbar, physiologische Bedürfnisse haben folglich immer auch Auswirkungen auf seine psychologische Natur.[90]

Maslow geht des Weiteren davon aus, dass Verhalten größtenteils motiviert und biologisch, kulturell und situativ determiniert ist. Der Vorgang der Motivation kann dabei unbewusst oder bewusst verlaufen. Das Bewusstsein erachtet Maslow nicht als vorrangig. Wesentlich bleibt für ihn das Ziel des Verhaltens, nicht die Mittel. Er spricht jedoch beim durchschnittlichen Menschen von einer größeren Häufigkeit unbewusster Bedürfnisse.[91] Die alltäglichen bewussten Wünsche müssen seiner Meinung nach als Symptome betrachtet werden, als Oberflächenindizes[92] der Grundbedürfnisse.[93]

Die Grundbedürfnisse

1. Zu den physiologischen Bedürfnissen zählen alle biologischen Bedingungen, die das Verhalten bestimmen können. Maslow sieht in diesem Zusammenhang besonders die Bedürfnisse nach Nahrung, Wasser[94], Ruhe, Schlaf und Sex.[95] Insgesamt gehören in diesen Bereich alle Bedürfnisse, welche die körperliche Existenz sichern.

2. Maslow fasst unter Sicherheitsbedürfnis das Streben nach Stabilität, Geborgenheit, Schutz, Struktur, Ordnung, Grenzen, usw. zusammen.[96] Das Streben nach Sicherheit lässt sich in verschiedenen Lebensbereichen beobachten, so z.B. in „der allgemeinen Bevorzugung von sozialer Sicherheit am Arbeitsplatz, vom Wunsch nach einem Sparkonto und nach Versicherungen verschiedener Art (Kranken-, Arbeitslosen-, Invaliditäts-, Altersversicherung)“.[97]

3. Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Liebe ist eine weitere Determinante menschlichen Verhaltens. Der Mensch strebt nach Zugehörigkeit, Kontakt, Intimität. Als Grund für dieses Bedürfnis führt Maslow die „zutiefst animalische Neigung zur Herde und Meute, dazu zu gehören“[98] an.[99]

4. Das Bedürfnis nach Achtung bezieht sich auf den Wunsch nach der hohen Wertschätzung der eigenen Person, nach Selbstwert und Achtung durch andere.[100] Maslow unterscheidet hier zwei Untergruppen. Auf der einen Seite sieht er den Selbstwert durch das Erreichen von Stärke, Leistung, Bewältigung und Kompetenz, Vertrauen und Freiheit bestimmt.[101] Auf der anderen Seite erhält die Wahrnehmung durch andere eine besondere Bedeutung. So erfährt der Mensch ein Bedürfnis nach gutem Ruf, Prestige, Respekt, Hochachtung, Anerkennung, Berühmtheit, Aufmerksamkeit, Bedeutung und Wertschätzung.[102]

5. Das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung bezieht sich auf die individuellen Sehnsüchte des Menschen. Der Mensch als Individuum möchte das tun, wofür er sich geschaffen fühlt. „Was ein Mensch sein kann, muss er sein.“[103] Der Begriff der Selbstverwirklichung wurde von Kurt Goldstein geprägt. Maslow verwendet ihn in einem engeren Sinn, als menschliches Verlangen nach Selbsterfüllung: Das zu verwirklichen, was man als Möglichkeiten besitzt.[104]

Diese Bedürfnisse sind somit individuell sehr unterschiedlich und hängen von den jeweiligen Potenzialen ab.

Das Modell

Grundlage der Theorie der menschlichen Motivation ist ein organismisches Modell, dem die menschliche Dynamik zugrunde gelegt wird. Maslow geht davon aus, dass der Mensch ein Organismus mit Bedürfnissen ist, die er Zeit seines Lebens versucht zu befriedigen. Er erreicht jedoch selten einen Zustand vollständiger Befriedigung, da sich immer wieder ein neues Bedürfnis einstellt, wenn ein anderes befriedigt wurde.[105]

Die Relation von Verhalten und Grundbedürfnissen erläutert Maslow in seinem Konzept einer präpotenten Hierarchie. Nach diesem Prinzip der „relativen Vormächtigkeit“[106] wird ein Organismus von unbefriedigten Bedürfnissen dominiert. Bis zu ihrer Befriedigung spielen sie eine aktiv determinierende oder organisierende Rolle.[107] Die Folge der Sättigung eines Bedürfnisses ist sein Untertauchen und das Auftauchen eines neuen, höheren Bedürfnisses. Das befriedigte Bedürfnis wird somit marginalisiert, es verliert an Bedeutung.[108] Wünsche oder Ziele erleben Abstufungen bezüglich ihrer relativen Nähe zu den unbefriedigten Grundbedürfnissen.[109] Entbehrung und Befriedigung sind somit in der Motivationstheorie die zentralen Begriffe, welche über die Präpotenz von Bedürfnissen entscheiden.[110]

Das Glück, welches er auch mit „psychischer Gesundheit“[111] benennt, sieht Maslow im Zentrum seiner Theorie der menschlichen Motivation. Der Grad der Bedürfnisbefriedigung steht dabei in positiver Korrelation zu dieser „Gesundheit“.[112] Je befriedigter seine Bedürfnisse sind, desto glücklicher und psychisch gesünder ist der Mensch folglich.

Im Motivationsmodell existiert nach Maslow eine Rangordnung der Bedürfnisse nach ihrer Erreichbarkeit sowie nach ihrer Wertigkeit.[113] Geordnet nach dem Prinzip der relativen Mächtigkeit ist das niedrigste Bedürfnis das stärkste unter allen, während das höchste Bedürfnis gleichzeitig auch das schwächste ist.[114] Je höher somit der Grad des Bedürfnisses, desto weniger zwingend ist es zum Überleben. Die Gründe für die Nichtbefriedigung höherer Bedürfnisse liegen in der Zunahme von Vorbedingungen, die mit dem zunehmenden Grade immer komplexer werden, in der subjektiv gesehenen geringeren Dringlichkeit und in der Ungreifbarkeit des Bedürfnisses selbst. Mit der Höhe des Bedürfnisses nimmt somit die Erreichbarkeit ab.[115] Die Wertigkeit hingegen steigt mit der Bedürfnishöhe.[116] Der Mensch entwickelt sich mit der Höhe seiner Bedürfnisse weiter. So findet bei Erreichen einer neuen Ebene eine Änderung der Interessen und Werte statt, was sich dann auch in seiner „Zukunftsphilosophie“[117] widerspiegelt. Menschen streben nach einem höheren Bedürfnisgrad, weil sie von ihm tieferes Glück, ein erfülltes Leben, erwünschte soziale Folgen, stärkere Individualität und bessere psychische Gesundheit erwarten.[118]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2 Die Maslowschen Grundbedürfnisse als Pyramidendiagramm

Quelle: Maslow, A. (2005), S.46-137; eigene Darstellung.

Hinsichtlich der Übertragbarkeit seines Modells geht Maslow davon aus, dass seine Klassifizierung der Bedürfnisse relativ einheitlich und daher auf die meisten Kulturen anwendbar ist, da regionale Verschiedenheiten meist nur oberflächlicher Natur sind und eher die Mittel betreffen.[119] Äußere Voraussetzungen für die Möglichkeit der Bedürfnisbefriedigung sind für ihn die persönlichen Rechte der Freiheit, die Gerechtigkeit und Ordnung im Umfeld. Des Weiteren sind kognitive Fähigkeiten von Bedeutung, da ihre Aufgabe als Anpassungsinstrumente die Bedürfnisbefriedigung umfasst.[120]

Relativierung der Hierarchie

Im Hinblick auf den Bezug zur Realität löst sich Maslow von der modellhaften Strenge seiner Prämissen. Er empfiehlt, die Bedürfnisse nicht isoliert zu betrachten, sondern in Relation zum Befriedigungsgrad der übrigen Bedürfnisse. In seinem Motivationsmodell taucht aus der Vorrangigkeit des Hierarchiegefüges ein Bedürfnis auf, wenn ein anderes befriedigt ist. Maslow lockert diese Rangfolge auf, indem er bestätigt, dass die Befriedigung in der Realität nicht vollkommener Art zu sein hat. Der Grad der relativen Befriedigung nimmt dabei gewöhnlich mit der Höhe der Bedürfnisse ab. Als Beispiel für die relative Befriedigung gibt er Prozentsätze an, die mit der Höhe der Hierarchie abnehmen.[121] Der Übergang zu den einzelnen Ebenen verläuft dabei fließend, ein gleichzeitiges Auftreten der verschiedenen Bedürfnisse schließt Maslow nicht aus.[122] Maslow bezieht sich in seinem Motivationsmodell auf den durchschnittlichen „normalen“ Menschen, den er in Abgrenzung zu besonderen Charakteren, wie z.B. gebildeten Menschen, sieht.[123] In diesem Sinne ist es also möglich, dass die prozentuale Befriedigung der einzelnen Bedürfnisse bei Intellektuellen im Vergleich zum durchschnittlichen Menschen anders ausfällt. Folglich sind diese vom Durchschnitt abweichenden Menschen nicht glücklicher bzw. „psychisch gesünder“, weil sie einen höheren Befriedigungsgrad in der Selbstverwirklichung erreichen, solange sie dafür in den niederen Bedürfnissen keine Befriedigung erfahren. Um „psychische Gesundheit“ zu erfahren, muss nach Maslow eine Befriedigung in allen Bereichen erzielt werden. Mit dieser Schlussfolgerung geht einher, dass die Hierarchie in der Realität an Bedeutung verliert, während die Befriedigung der Bedürfnisse an sich ebenso wie das Prinzip relativer Vorrangigkeit zentral bleibt.[124]

Die Relativierung der in Abb.2 dargestellten Hierarchisierung unter Einbeziehung des Zieles menschlichen Verhaltens, der „psychischen Gesundheit“ wird in Abb.3 veranschaulicht. Die grafische Darstellung der Maslowschen Theorie als Pyramidenform stellt die Hierarchisierung der Bedürfnisse in den Vordergrund. Die nun folgende veränderte graphische Darstellung relativiert das Prinzip der Hierarchie und legt das Gewicht auf das Ziel menschlichen Verhaltens:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3 Die Maslowschen Bedürfnisse als Radialdiagramm

Quelle: eigene Darstellung.

Das Radialdiagramm lässt sich als „Pyramide aus der Vogelperspektive“ interpretieren. Die einzelnen Bedürfnisse bilden dabei die Eckpfeiler, die „psychische Gesundheit“ die Spitze der Pyramide. Diese Darstellung verdeutlicht, dass zu ihrem Erreichen alle Bedürfnisse Befriedigung erfahren müssen. Der Bereich, in dem nur mangelnde Erfüllung erzielt wird, erhält dabei eine besondere Aufmerksamkeit; die Präpotenz bleibt somit erhalten. Die gestrichelten Pfeile markieren Kann-Optionen in der Vorgehensweise der Bedürfnisbefriedigung. Mit der Erfüllung aller Bedürfnisse erhält der Begriff des Glücks als psychische Gesundheit seine multidimensionale Bedeutung. Es besteht somit die Möglichkeit der Befriedigung eines Bedürfnisses, die zum eindimensionalen Erlebnis von „Glück/ Erfüllung“ führt. Eine vollständige Erfüllung erfährt der Mensch jedoch nur durch die mehrdimensionale Befriedigung seiner Wünsche.[125] Zusammenfassend ergeben sich folgende Hauptmotive aus der Theorie der Motivation, die für die Erklärung menschlichen Verhaltens wesentlich sind:

1. Die Einteilung in verschiedene Dimensionen, die da sind:
1. die körperliche Dimension,
2. die Sicherheitsdimension,
3. die Dimension der Zugehörigkeit,
4. die Dimension der Achtung,
5. die Dimension der Selbstverwirklichung.
2. Das Prinzip der Präpotenz, in dem Sinne, das nicht erfüllte Dimensionen im Vordergrund stehen
3. Die Multidimensionalität: Mit jeder weiteren Dimension erweitert sich der Zielbegriff um eine Ebene.

2.3.3 Generatives Verhalten und seine Einflussfaktoren

Die Motivationstheorie erläutert das Zustandekommen von Verhaltensweisen. Daraus ergibt sich die Frage, ob die Maslowschen Bedürfnisdimensionen auch auf das generative Verhalten zutreffen. Eine Analyse verschiedener, das generative Verhalten untersuchende Ansätze kann darüber Aufschluss geben, besonders wenn sie hinsichtlich der auf das generative Verhalten einwirkenden Faktoren verglichen werden.

Nach Schneewind und Vaskovics (1996) wirken Faktoren verschiedener Ebenen auf die Familienbildung: Die sozioökonomische Ebene beeinflusst z.B. durch den beruflichen Status sowie den Ressourcen Zeit und Geld die Entscheidung für oder gegen Nachwuchs ebenso, wie die Personenebene, in der individuelle Lebensorientierungen, Einstellungen und Zukunftspläne eine Rolle spielen. Die Entwicklung und Qualität der Partnerschaft, Aufgabenteilung und Rollenverständnis fließen auf der Partner und Eltern-Kind-Ebene in die Entscheidung mit ein. Ebenso von Bedeutung sind das Alter sowie die Religion. Eine weitere Rolle spielt die Unterstützung im sozialen Umfeld als soziale Ebene. Normen und Werte, politische und ökonomische Rahmenbedingungen sowie familienpolitische Maßnahmen fassen die Autoren in der gesellschaftlichen Ebene zusammen.[126]

Auch Mackenroth (1953) sieht neben Faktoren der Makroebene, wie der Wirtschaftsweise und anderen strukturellen Bedingungen, Einflüsse der Mikroebene für generative Verhaltensweisen verantwortlich. Die Familienbildung wird nach Mackenroth determiniert durch das physische Können, als biologische Gegebenheit (Zeugungs- und Gebärfähigkeit), das persönliche Wollen als individuelle Gestaltung des generativen Verhaltens, das soziale Dürfen im Rahmen von bestimmten Normen, Werten und Rollen sowie der Ökonomie als situativen Begrenzung.[127]

Borchardt und Stöbel-Richter (2004) unterteilen in kurz- und langfristige Einflussfaktoren auf der Mikroebene. Individuelle Merkmale, wie die Bedeutung von Kindern, die Partnerschaftsgeschichte oder Wertorientierungen prägen das Verhalten in eine bestimmte Richtung. Die partnerschaftliche, berufliche, finanzielle, familiäre und sexuelle Situation wirken als temporäre Faktoren, die die Realisierung eines Kinderwunsches begünstigen oder erschweren können. Dazu kommen Faktoren auf der Makroebene, wie gesellschaftliche Rahmenbedingungen, der Wandel der Ehe- und Partnerschaftsmodelle oder die gesellschaftliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf.[128]

Auch nach Doreen Klein realisiert sich das generative Verhalten sowohl im gesellschaftlichen als auch im individuell-situativen Kontext.[129] Die generative Entscheidung beeinflussen somit auch die temporären Faktoren der Mikroebene. Der Kinderwunsch ist nach Klein nicht zeitstabil, sondern orientiert sich an der aktuellen Lebenssituation. Wesentliche temporäre Voraussetzungen für eine positive Entscheidung sind eine gefestigte Paarbeziehung, sichere ökonomische Verhältnisse, Gesundheit sowie das „richtige Alter“.[130] Klein nimmt des Weiteren an, dass die individuelle Lebensplanung unter den politischen, sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen einer Gesellschaft stattfinden. Diese Variablen prägen die Optionen, die zur Verfügung stehen.

Birg[131] übernimmt ebenfalls die Einteilung in gesellschaftliche und individuelle Einflussgrößen. Die Faktoren Erziehung und Ausbildung, Beruf und Erwerbsarbeit sowie die regionale Lebenswelt beziehen sich auf die Mikroebene des generativen Verhaltens. Als gesellschaftliche Einflüsse bezeichnet er das soziale Sicherungssystem, die Vereinbarkeit von Familie- und Erwerbsarbeit sowie die gesellschaftlichen Werte und Prioritäten für Familien und Kinder. Das Einkommen der Frau sieht er in einem negativen Zusammenhang zur Geburtenrate. Eine weitere Einflussgröße ist nach Birg unter anderem das Alter der Frau bei Geburt der Kinder.[132] Ausbildung und Beruf haben seiner Meinung nach den größten Einfluss auf das generative Verhalten, da sie meist zeitlich mit der Entscheidung über eine Partnerbindung zusammenfallen.[133]

Bertram, Rösler und Ehlert sehen den Kinderwunsch in Abhängigkeit von Zukunftserwartungen und Lebensumständen. Die Realisierung dieses Wunsches ist vor allem abhängig von der Ausbildung und Berufsposition. Auch die Bindung an einen Partner, die ökonomische Selbstständigkeit, das Alter sowie das antizipierte Sicherheitsgefühl spielen eine Rolle.[134]

Es zeigt sich, dass die Einflussfaktoren, die auf das generative Verhalten einwirken, in der Literatur relativ einstimmig identifiziert werden. Die Unterscheidung zwischen der individuellen Mikroebene und der gesellschaftlichen Makroebene findet sich in allen Ansätzen. Zu der Gesellschaftsebene zählen insbesondere die politischen, kulturellen sowie sozialen Rahmenbedingungen. Darunter fallen das „soziale Dürfen“ als gesellschaftliche Normen und Werte ebenso wie das geschlechtliche Rollenverständnis. Auf der individuellen Mikroebene lassen sich weitere Gemeinsamkeiten der Einflussfaktoren aus den obigen Ansätzen bestimmen. So wird in vier der sechs genannten Ansätze das Alter als Einflussgröße auf das generative Verhalten genannt. Die ökonomische Situation, die insbesondere durch den Beruf determiniert wird, ist ein weiterer Faktor, der in allen genannten Ansätzen aufgeführt wurde. Überwiegend wird auch die Bindung an einen Partner als Determinante des generativen Verhaltens gesehen. Die individuellen Wertorientierungen sowie die persönliche Lebensgestaltung, in die sich auch der Kinderwunsch einordnen lässt, werden von der Literatur übereinstimmend aufgeführt. Die Kongruenz der Einflussfaktoren der Mikro- und der Makroebene lässt sich in einer Tabelle verdeutlichen, welche näherungsweise um die Bedürfnisebenen von Maslow erweitert wird. (Vgl. Tab.2 Generative Verhaltenseinflüsse, Anhang-I, S.101.)

Die Einteilung der Tabelle lässt Gemeinsamkeiten zwischen den Einflussfaktoren des generativen Verhaltens und den von Maslow benannten Grundbedürfnissen als Determinanten des allgemeinen Verhaltens erkennen. Folglich lassen sich die Bedürfnisse analog auf die generativen Verhaltenseinflüsse übertragen. Diese generative Variante des Motivationsmodells wird im weiteren Verlauf als generatives Faktorenmodell bezeichnet, für das sich folgende Annahmen ergeben:

(1) Die physiologische Ebene beschreibt die biologischen Bedingungen, die zu einer Verhaltensweise führen. Einen Einflussfaktor auf das generative Verhalten bietet so beispielsweise im Konzept des Lebenslaufes der biologische Fruchtbarkeitsrahmen. Die Fertilität spielt sich innerhalb dieses physiologischen Zeitfensters ab, mit den Worten Mackenroths entscheidet hier das „physische Können“. Das Alter kann somit als biologischer Einflussfaktor des generativen Verhaltens gesehen werden. (2) Das Bedürfnis nach Sicherheit ist nach Maslow ein weiterer Einflussfaktor auf menschliches Verhalten. Mit dem Streben nach Stabilität geht auch der Wunsch nach einem sicheren Arbeitsplatz und Einkommen einher. Im Vordergrund steht hier die Planbarkeit dieser Situation, die ein Sicherheitsgefühl vermittelt. Sichere ökonomische Verhältnisse bilden einen weiteren reproduktiven Faktor. Darauf weisen besonders Bertram, Rösler und Ehlert mit dem Begriff der antizipierten Sicherheit hin. (3) Die Ebene der Zugehörigkeit und Liebe beschreibt das Bedürfnis nach einer emotionalen Bindung, wie sie in einer gefestigten Partnerschaft erreicht wird. (4) Die Selbstverwirklichung beschreibt Maslow als Verlangen nach Selbsterfüllung, als Sehnsucht, das zu tun, wofür sich der Mensch geschaffen fühlt. Auch die generativen Verhaltensansätze beziehen sich auf das persönliche Wollen und die individuelle Wertorientierung des Menschen. Sie sprechen jedoch weniger von den Fähigkeiten als von den individuellen Leitmotiven, die menschliches Verhalten lenken. (5) Die gesellschaftliche Makroebene bietet eine Orientierung durch Normen, Werte und Leitbilder. Sie vermitteln den Maßstab für Anerkennung und Respekt. Gesellschaftliche, kulturelle und staatliche Rahmenbedingungen unterstützen dies. Die Achtung durch andere gestaltet sich entsprechend abhängig von den gesellschaftlichen Werten. So liegen in traditionellen Gesellschaften andere Maßstäbe für Achtung vor als in modernen Gesellschaften. Der gesellschaftliche Faktor fließt in das generative Verhalten mit ein, da sich der Mensch nach Anerkennung und Wertschätzung sehnt. Auch der Selbstwert bestimmt sich wesentlich durch die gesellschaftlichen Maßstäbe. Nach Strohmeier haben Frauen ähnliche Lebenskonzepte, in denen sie Beruf und Familie vereinen möchten.[135] Gesellschaftliche Normen und Traditionen können diese Konzepte fördern oder behindern.

Die genannten Einflussfaktoren bestätigen somit die Multidimensionalität des generativen Verhaltens. Sie ist demnach von insgesamt fünf Faktoren abhängig.

2.3.4 Maslowsche Prämissen im generativen Faktorenmodell

Die Motivationstheorie bringt neben der Kategorisierung der Verhaltenseinflüsse in fünf Bedürfnisse weitere Einflussbedingungen ein, die als Prämissen des Modells vorgestellt wurden. Die Multidimensionalität in Form der Variation des hierarchischen Konzeptes wurde bereits mit den genannten Einflussfaktoren für das generative Verhalten bestätigt. Ob sich das Maslowsche Prinzip der Befriedigung und der Präpotenz dort ebenso wieder findet, wird im Folgenden untersucht. Grundlage der Analyse bilden Ansätze, welche sich mit den Gründen demografischer Kinderarmut beschäftigen.

Helfferich (1999) sieht die Fertilität als Potenz, deren Realisierung je nach Kontext eine positive oder negative Bedeutung zukommt.[136] Diese Bedeutung steht in Relation zur biologischen Fruchtbarkeit. Sie begründet dies mit der Einteilung des Lebenslaufes in drei Phasen, in denen die subjektive Bedeutung von Fertilität steigt. Die Initiationsphase beschreibt die ersten Kontakte mit der Sexualität.[137] Hier wird die Fruchtbarkeit eher negativ bewertet. Dies gilt auch für die folgende Orientierungsphase, welche den Erwerb von Kompetenzen sowohl in der beruflichen, wie auch in der privaten Dimension beinhaltet.[138] Erst in der Verfestigungsphase erfolgt mit der Festlegung auf eine Lebensform eine Veränderung der subjektiven Bedeutung von Fertilität. Helfferich begründet diese Entwicklung mit der in dieser Phase stattfindenden Entscheidung für eine biografische Option unter Ausschluss anderer möglicher Alternativen. Die Entscheidung für eine familiäre Lebensform steigert folglich die Bedeutung der Fertilität, sie beinhaltet jedoch auch eine Verlustdimension aufgrund der ausgeschiedenen Möglichkeiten. Ein Problem besteht nach Helfferich, wenn biologische Fruchtbarkeit und ihre subjektive Bedeutung divergieren. Diese Asynchronie hat Konsequenzen für die Fertilität. Als Beispiel sieht sie die modernen Gesellschaften, in denen die Orientierungsphase aufgrund langer Ausbildungsphasen und genereller Flexibilitätsanforderungen immer stärker ausgeprägt ist. Langfristige Festlegungen werden folglich vermieden und immer weiter nach hinten verschoben. Folgen dieser Lebensgestaltung sind Diskrepanzen zwischen Idealvorstellungen von Lebensläufen und ihrer Realität, welche sich z.B. in der Familienplanung als Subfertilität äußert.[139]

[...]


[1] Kästner, Erich (1983): Patriotisches Bettgespräch. In: Ein Mann gibt Auskunft. Sammelausgabe, Kästner für Erwachsene, Ausgewählte Schriften, Bd.1, Atrium Verlag, Zürich, S.182f. Orig.-Aufl.: Deutsche Verlagsanstalt, Berlin, 1930.

[2] Ebd.

[3] Vgl Birg, H. et. al. (2004a): Bevölkerungsentwicklung. Erschienen in der Reihe: Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) (Hrsg.): Informationen zur politischen Bildung, Nr.182/2004, S.55. Bezogen wird sich hier auf das Jahr 1972 für das alte Bundesgebiet bzw. 1969 für die neuen Bundesländer.

[4] Vgl. Berlin Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung (o.J): Glossar der wichtigsten demographischen Begriffe. URL: http://www.berlin-institut.org/pages/fs/fs_lexikon.html (abgerufen am 18.06.2007).

[5] Im eigentlichen Sinn versteht man unter Subfertilität eine eingeschränkte Zeugungsfähigkeit. Hier wird dieser Begriff analog zum Oberbegriff der Fertilität für die Bevölkerungsentwicklung verwendet.

[6] Vgl. Birg, H. (2004a), S.56f.

[7] Vgl. Schmid, J. (2006): Bevölkerungsentwicklung/–politik. In Woyke, W. (Hrsg.): Handwörterbuch Internationale Politik, Bonn, S.44.

[8] Vgl. ebd.; Rios-Neto, E. (2005): Questões Emergentes na Demografia Brasileira. Universität Minas Gerais, Zentrum für Entwicklung und regionale Planung (CEDEPLAR) (Hrsg.): Diskussionstext Nr.276, Belo Horzionte, URL: http://www.cedeplar.ufmg.br/pesquisas/td/TD%20276.pdf (abgerufen am 18.06.2007), S.13.

[9] Vgl. Birg, H. (2004a), S.4.

[10] Vgl. Schmid, J. (2006), S.44.

[11] Vgl. Birg, H. (2004a); Birg, H. (2004b): Weltbevölkerung. Dynamik und Gefahren. Erschienen in der Reihe: C.H. Beck Wissen, Verlag C.H.Beck, München, 2.akt. Auflage (1.Auflage 1996); Berlin Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung (o.J.): Online-Handbuch zum Thema Bevölkerung. URL: http://www.berlin-institut.org/pages/fs/fs1.html (abgerufen am 18.06.2007).

Birg stellt in seinen Veröffentlichungen Gerhard Mackenroth als den Vertreter der Transformationstheorie vor. Das Berlin Institut für Bevölkerung und globale Entwicklung bringt die Theorie hingegen mit Frank Notestein in Verbindung. Die vorliegende Arbeit folgt der Darstellung Birgs und verwendet daher im Zusammenhang mit der Transformationstheorie den Namen Gerhard Mackenroth.

[12] Vgl. Birg, H. (2004a), S.32, Birg, H. (2004b), S.56.

[13] Vgl. Birg, H. (2004b), S.56ff.

[14] Vgl. Mackenroth, G. (1953): Bevölkerungslehre – Theorie, Soziologie und Statistik der Bevölkerung. Springer Verlag, Berlin, S.337. Mackenroth geht hier davon aus, dass ein ungleichgewichtiger Bevölkerungszustand „nur eine Übergangserscheinung ist“ (ebd.). Den Vorgang erklärt er mit einer „Scherenbewegung der Geburten- und Sterbeziffern“(ebd., S.333).

[15] Vgl. ebd., S.331ff.

[16] Vgl. ebd.; darüber hinaus auch Birg, H. (2004b) S.59.

[17] Vgl. ebd.

[18] Vgl. Herden, R.-E. (o.J.): Die Bevölkerungsentwicklung in der Geschichte: Von den Anfängen bis zur industriellen Revolution. Berlin Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung (Hrsg.), URL: http://www.berlin-institut.org/pdfs/Herden_Bevoelkerungsentwicklung%20bis%201750.pdf (abgerufen am 18.06.2007).: Die Bevölkerungsentwicklung in der Geschichte: Von den Anfängen bis zur industriellen Revolution, S.3ff.

[19] Vgl. Birg, H. (2004a), S.6.

[20] Vgl. Birg, H. (2004a), S.6.

[21] Quelle: Birg, H. (2004a), S.5.

[22] Vgl. ebd.; vgl. hierzu auch die Bevölkerungsprognosen der UN (United Nations Population Devision (UNPD) (2007): World Population Prospects: The 2006 Revision Population Database. URL: http://esa.un.org/unpp/index.asp?panel=2 (abgerufen am 18.06.2007)).

[23] Vgl. Berlin Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung, Online-Handbuch: Die demografischen Übergänge werden rascher erreicht, da importierte Arznei- und Verhütungsmittel sowie die Entwicklungshilfe Sterbe- wie Geburtenraten schneller sinken ließen als in den modernen Industrieländern.

Vgl. darüber hinaus Mackenroth, G. (1953): Auch Mackenroth sah bereits voraus, dass die Entwicklungsländer einem schnelleren demografischen Wandel unterliegen würden als die europäischen Industrieländer. Er bezeichnete dies als „Gesetz der Akzeleration des Phasendurchlaufs“.

[24] Vgl. Birg, H. (2004a), S.7.

[25] Vgl. ebd.

[26] Vgl. Birg, H. (2004b), S.57.

[27] Vgl. Mackenroth, G. (1953), S.332: „In einem zu irgendeinem Zeitpunkt durch die Bevölkerungsvorgänge in der Welt gelegten Querschnitt befinden sich nicht alle (…) Völker in der gleichen Phase. Dadurch erscheinen Differenzierungen, die aber keine Differenzierungen von Bevölkerungsweisen mehr sind wie sie einmal waren, sondern historische Überlagerungen verschiedener Phasen eines von der gleichen Bevölkerungsweise ausgelösten Vorgangs.“ Vgl. ebenso Birg, H. (2004b), S.61. Birg überträgt hier die transformationstheoretischen Phasen auf die Kontinente und schließt auf einen negativen Zusammenhang von Entwicklungsstand und demografischer Phase. Er warnt jedoch auch vor einer allzu schematischen Darstellung.

[28] Vgl. Birg, H. (2004b) S.61; Vgl. auch Berlin-Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung (o.J.), Online-Handbuch: Hier werden die Phasen der Entwicklung zufolge als prä-, früh-, mittel-, spät und posttransformativ bezeichnet. Die dritte und vierte Phase der Transformationstheorie ist hier in der mitteltransformativen Phase zusammengefasst, daher ergeben sich insgesamt fünf Phasen statt der bisher genannten sechs. An anderer Stelle bezeichnet das Berlin Institut die Gesellschaften demografischer Übergänge analog zu den Phasen als vormodern, sich entwickelnd, entwickelt und postmodern. Hier findet wiederum der Erste demografische Übergang in der sich entwickelnden Gesellschaft statt, in der entwickelten wie in der vormodernen Gesellschaft entsprechen sich Geburten- und Sterberate, die postmoderne Gesellschaft ist durch Subfertilität gekennzeichnet. Das Institut sieht die Entwicklung der Geburtenraten unter Bestandserhaltung (im Gegensatz zur Argumentation vorliegender Arbeit) als anhaltend und von gesellschaftlicher Entwicklung gekennzeichnet an.

[29] Birg, H. (2004a), S.19.

[30] Vgl. Birg, H. (2004a), S.12.

[31] Vgl. Kaufmann, F.-X. (2005): Schrumpfende Gesellschaft. Vom Bevölkerungsrückgang und seinen Folgen. Suhrkamp Verlag, Frankfurt/ Main; Vgl. Birg, H. (2004a, b). Kaufmann sieht den Bevölkerungsrückgang als eigentliches demografisches Problem, während Birg die demografische Alterung als entscheidende gesellschaftliche Problematik empfindet. Hier unterscheiden sich somit zwei Sichtweisen. Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass sowohl die Bevölkerungsschrumpfung als auch die Alterung Auswirkungen auf das gesellschaftliche System haben.

[32] Vgl. Birg, H. (2004a), S.12.

[33] Vgl. Kaufmann, F.-X.(2005), S.63-94. Kaufmann stellt folgende wirtschaftliche Auswirkungen der demografischen Alterung sowie der Bevölkerungsschrumpfung zusammen: Das sinkende Arbeitsangebot, sowie die sinkende Nachfrage schwächt die Produktivität . Einzig durch technischen Fortschritt kann eine „alte“ Gesellschaft ihre Produktivität erhalten. Dabei geht man jedoch davon aus, dass auch das Innovationspotenzial aufgrund der gesellschaftlichen Alterung eher abnimmt („Erneuerungsgeschwindigkeit der erwerbstätigen Bevölkerung“ (ebd., S.86). Diese „Endogenisierung des technischen Fortschritts (ebd., S.89.) zeigt somit den Zusammenhang von Bevölkerungsentwicklung und Produktivität.

[34] Vgl. Rios-Neto, E. (2005), S.27f. Er spricht in diesem Zusammenhang auch vom „demografischen Dividenden“.

[35] Vgl. Birg, H. (2004a), S.11.

[36] Vgl. Mayer, T. (1999): Die demografische Krise: eine integrative Theorie der Bevölkerungsentwicklung. Campus-Verlag, Frankfurt/Main; New York, S.282.

[37] Vgl. Birg, H. (2004b), S.78.

[38] Vgl. ebd., S.113.

[39] Vgl. Birg, H. (2004a), S.12.

[40] Vgl. Birg, H. (2004b), S.115: Der relative Anteil der älteren Bevölkerung „wird auch bei hohen Zuwanderungen von meist jungen Zugewanderten zunehmen, weil die jungen Zugewanderten 30 Jahre später zu den Älteren gehören.“

[41] Vgl. Rios-Neto, E. (2005), S.17ff; Mello Moreira, M. (2001): Structural Changes in the Brazilian Age Distribuition: 1950-2050. Vorgestellt auf der XXIV. Allgemeinen Bevölkerungskonferenz der “International Union for the Scientific Study of Population” in Salvador/Bahia vom 18. bis 24.08.2001, URL: http://www.abep.nepo.unicamp.br/docs/PopPobreza/MorvanMoreira.pdf (abgerufen am 18.06.2007), S.19f.

[42] Vgl. Wingen, M. (2003): Bevölkerungsbewusste Familienpolitik – eine hochdringliche Langfristaufgabe. In: soFid Bevölkerungsforschung 2003/2, URL: http://www.gesis.org/Information/soFid/pdf/Archiv/Bevoelkerung_2003-2.pdf (abgerufen am 18.06.2007), S.7ff. Wingen bezeichnet hier das politische Aufgabenfeld der Korrektur der Geburtentwicklung als „Langfristaufgabe“ (S.9).

Vgl darüber hinaus Rios-Neto, E. (2005). Auch Eduardo Rios-Neto sieht die Notwendigkeit politischer Maßnahmen auf langfristige Sicht hin, um ein demografisches Gleichgewicht herbeizuführen.

[43] Vgl. Birg, H. (2003): Strategische Optionen der Familien- und Migrationspolitik in Deutschland und Europa. In: Leipert, C. (Hrsg.): Demographie und Wohlstand. Neuer Stellenwert für Familie in Wirtschaft und Gesellschaft, Leske+Budrich, Opladen, S.27ff; Schmid, J. (2003): Für eine Richtungsänderung in der Familienpolitik. In Leipert, C. (Hrsg.): Demographie und Wohlstand. Neuer Stellenwert für Familie in Wirtschaft und Gesellschaft, Leske+Budrich, Opladen, S.153ff.

[44] Vgl. Schmid, J. (2003), S.153.

[45] Vgl. Lüscher, K. (o.J.): Warum Familienpolitik? Argumente und Thesen zu ihrer Begründung. Eidgenössische Koordinationskommission für Familienfragen (EKFF) (Hrsg.), URL: http://kurtluescher.de/warum_Familienpolitik.pdf (abgerufen am 18.06.2007).

[46] Vgl. ebd.; vgl. auch Strohmeier, K. P. (2003): Familienpolitik. In: Andersen, U.; Woyke, W. (Hrsg.): Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland. 5., aktual. Aufl., Leske+Budrich, Opladen, 2003. hier: Lizenzausgabe Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn, URL: http://www.bpb.de/wissen/04872658573351316380382217716207,0,0,HpS_Familienpolitik_040402.html (abgerufen am 18.06.2007).

[47] Vgl. ebd.

[48] Vgl. Schmid, J. (2006), S.51: In Bezug auf die angestrebte Bevölkerungsgröße unterscheidet man in diesem Bereich pronatalistische von antinatalistischen Politiken, wie sie z.B. mit Familienplanungsprogrammen durchgeführt werden.[48] Die Bevölkerungspolitik kann sich auch auf die Struktur der Bevölkerung richten, z.B. auf ihre ethnische Zusammensetzung. Die ethnische Selektionspolitik des deutschen Dritten Reiches ist die Extremform einer auf die demografische Struktur abzielenden direkten Bevölkerungspolitik. Sie begründet den in Deutschland distanzierten Umgang mit direkten Bevölkerungsmaßnahmen ebenso wie die Diskriminierung des Begriffes der Bevölkerungspolitik.

[49] Vgl. ebd. Besonders in Entwicklungsländern begründen sich indirekte Bevölkerungspolitiken über die Gesundheit von Mutter und Kind, sowie über die Menschenrechte.

[50] Vgl. ebd., S.52. Liberaldemokratische Gesellschaften verfolgen überwiegend ausschließlich indirekte Bevölkerungspolitiken, die meist in der Sozial- und Familienpolitik der Länder aufgehen.

[51] Vaskovics, L. A. (2002): Familienpolitik und familienrelevante Politik als Kontextbedingungen für Familienentwicklung und Familienstrukturen? In: Dorbritz, J; Otto, J. (Hrsg.): Familienpolitik und Familienstrukturen. Ergebnisse der gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Bevölkerungswissenschaft und der Johannes-Peter-Süßmilch-Gesellschaft für Demographie in Berlin vom 21.-23.Juni 2001, erschienen in der Reihe: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung beim Statistischen Bundesamt (Hrsg.): Materialien zur Bevölkerungswissenschaft, Heft 108/2002, Wiesbaden, URL: http://www.bib-demographie.de/publikat/materialien/Heft108.pdf (abgerufen am 18.06.2007), S.121.

[52] Vgl. Kaufmann, F.-X. (1993): Familienpolitik in Europa, in Bundesministerium für Familie und Senioren (Hrsg.): 40 Jahre Familienpolitik in der Bundesrepublik Deutschland Rückblick/Ausblick, Neuwied, Luchterhand, S.143.

[53] Vgl. Vaskovics, L. A. (2002), S.123.

[54] Vgl. ebd. Vascovics kritisiert in diesem Zusammenhang, dass solche familienrelevante Maßnahmen in der öffentlichen Wahrnehmung meist nicht thematisiert werden.

[55] Vgl. Strohmeier, K. P.; Schultz, A.; Strohmeier, E. (2005): Familienforschung in der Familienpolitik: Wandel der Familie und sozialer Wandel als Herausforderungen der Familienpolitik. Bochum. URL: http://www.ruhr-uni-bochum.de/imperia/md/content/zefir/sozialberichterstattung/familienforschung_fuer_die_familienpolitik.pdf (abgerufen am 18.06.2007), S.15.

[56] Vgl. Strohmeier, H.; Strohmeier, K. P.; Schulze, H.-J. (2006): Familienpolitik und Familie in Europa. Literaturbericht. Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration (MGFFI) (Hrsg.), Bochum, URL: http://www.callnrw.de/broschuerenservice/download/1457/Literaturbericht%20EuroFam.pdf (abgerufen am 18.06.2007), S.55: „Ein und dieselbe Leistung wird in einem Land als Familienpolitik und in einem anderen als Bevölkerungspolitik deklariert.“

[57] Vgl. Schulze, H. J. (2002): Wechselwirkung zwischen staatlicher Familienpolitik und dem Erziehungsalltag von Eltern. In: Dorbritz, J; Otto, J. (Hrsg.): Familienpolitik und Familienstrukturen. Ergebnisse der gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Bevölkerungswissenschaft und der Johannes-Peter-Süßmilch-Gesellschaft für Demographie in Berlin vom 21.-23.Juni 2001, erschienen in der Reihe: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung beim Statistischen Bundesamt (Hrsg.): Materialien zur Bevölkerungswissenschaft, Heft 108/2002, Wiesbaden, S.31-46, URL: http://www.bib-demographie.de/publikat/materialien/Heft108.pdf (abgerufen am 18.06.2007), S.32.

[58] Vgl. Strohmeier, H. et. al. (2006), S.55.

[59] Vgl. Gruescu, S.; Rürup, B. (2005): Nachhaltige Familienpolitik. In: Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) (Hrsg.): Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), 23-24/2005, Bonn, S.3;

Vgl. Bertram, H.; Rösler, W.; Ehlert, N. (2005): Zeit, Infrastruktur und Geld: Familienpolitik als Zukunftspolitik. In: Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) (Hrsg.): Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), 23-24/2005, Bonn, S.6.

[60] Vgl. Wingen, M. (2003), S.15.

[61] Vgl. Vascovics, L. A. (2002), S.124.

[62] Vgl. Birg, H. (2003), S.27.

[63] Vgl. Strohmeier, K. P. (2002): Familienpolitik und Familienleben in Europa. In: Dorbritz, J; Otto, J. (Hrsg.): Familienpolitik und Familienstrukturen. Ergebnisse der gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Bevölkerungswissenschaft und der Johannes-Peter-Süßmilch-Gesellschaft für Demographie in Berlin vom 21.-23.Juni 2001, erschienen in der Reihe: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung beim Statistischen Bundesamt (Hrsg.): Materialien zur Bevölkerungswissenschaft, Heft 108/2002, Wiesbaden, URL: http://www.bib-demographie.de/publikat/materialien/Heft108.pdf (abgerufen am 18.06.2007), S.109ff.

Das Wirkungsmodell stellte Klaus Peter Strohmeier im Rahmen eines Beitrages 2001 auf der gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Bevölkerungswissenschaft und der Johannes-Peter-Süßmilch-Gesellschaft für Demographie vor.

[64] Vgl. ebd., S.117; vgl. auch Strohmeier, H. et. al. (2006), S.59ff.

[65] Vgl. Strohmeier, K. P. (2002), S.109.

[66] Vgl. ebd., S.114f.

[67] Vgl. ebd., S.115.

[68] Vgl. ebd., S.114.

[69] Ebd., S.116.

[70] Wingen, M. (2003), S.15.

[71] Vgl. Berlin Institut für Weltbevölkerung und globale Entwicklung (o.J.): Glossar der wichtigsten demographischen Begriffe.

[72] Vgl.ebd.

[73] Vgl. Borchardt, A.; Stöbel-Richter, Y. (2004): Die Genese des Kinderwunsches bei Paaren – eine qualitative Studie. Erschiene in der Reihe: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) beim Statistischen Bundesamt (Hrsg.): Materialien zur Bevölkerungswissenschaft, Heft 114, Wiesbaden, URL: http://www.bib-demographie.de/publikat/materialien/Heft114.pdf (abgerufen am 18.06.2007), S.17-21.

[74] Vgl. Hildebrandt (2005), S.85.

[75] Vgl. Birg, H. (2004b), S.71ff.

[76] Vgl. Borchardt, A.; Stöbel-Richter, Y. (2004), S.18.

[77] Vgl. Helfferich, C. (1999): Lebenslauf und Familienplanung. In: BZgA Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.): Forschung und Praxis der Sexualaufklärung und Familienplanung, Band 13, Teil 3 – Familienplanung, Köln, S.13.

[78] Vgl. Hildebrandt (2005), S.87.

Die Lebenslaufmuster ergeben sich durch logische Beschränkungen, institutionell vorgegebene Reihenfolgen und den soziokulturellen Bedingungen einer Gesellschaft ebenso wie aus individuellen Motiven.

[79] Ecarius (1996), S.19 und S.92. Der altersnormierte Lebenslauf wurde bereits 1941/42 von T. Parsons und R. Linton konzeptionalisiert. Er ist die Basis der sogenannten amerikanischen Lebenslaufforschung.

[80] Mayer, K (1989): Lebensläufe im Wohlfahrtsstaat. In: Weymann, A. (Hrsg.): Handlungsspielräume. Stuttgart, S.41-60.

[81] Ecarius, J. (1996): Individualisierung und soziale Reproduktion im Lebenslauf. Konzepte der Lebenslaufforschung. Leske + Budrich, Opladen, S.88

[82] Kohli, M. (1985): Die Institutionalisierung des Lebenslaufes. Historische Befunde und theoretische Argumente. In: KZfSS, Jahrgang 37, S.1-29.

[83] Vgl. Ecarius, J. (1996), S.120. Kohli bezieht sich dabei auf die Rationalität beruflicher Entscheidungen, die „sachfremde Aspekte aus dem Produktionsbereich auslagert“.

[84] Vgl. ebd., S.121

[85] Vgl ebd., S.121. „Der individualisierte Lebenslauf wird für den einzelnen zum Ergebnis von Gestaltungs- und Entscheidungsmöglichkeiten, deren Konsequenzen im beruflichen und privaten Bereich selbst auszubalancieren sind.“

[86] Seine Theory of Human Motivation erschien erstmalig 1943 in der Psychological Review. 1954 veröffentlichte Maslow mit seiner Monographie Motivation and Personality eine Erweiterung seines humanistischen Ansatzes zur Erklärung menschlicher Motivation.

[87] Vgl. Maslow, Abraham H.; Kruntorad, Paul (Übers.) (2005): Motivation und Persönlichkeit. 10. Aufl., Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg. Orig.-Aufl.: Motivation and Personality, Harper and Row, New York, 1954, S.83.

[88] Vgl. ebd.

[89] Vgl. ebd.

[90] Vgl. ebd., S.46.

[91] Vgl. ebd., S.82.

[92] Vgl. ebd., S.85.

[93] Vgl. ebd., S.85. „Die Symptome sind wichtig, nicht so sehr an sich, sondern darin, was sie letztlich bedeuten, das heißt, was letztlich ihre Ziele oder Wirkungen sein mögen.“

[94] Vgl. ebd., S.91.

[95] Vgl. ebd., S.95.

[96] Vgl. ebd., S.67f. Als Beispiel nennt Maslow die Vorliebe von Kindern für jegliche Art von Routine und Rhythmus und veranschaulicht ihr Verlangen „nach einer voraussagbaren, geregelten, ordentlichen Welt“ (Ebd., S.67). Des Weiteren führt er an, dass Kinder und „auch der durchschnittliche Erwachsene in unserer Gesellschaft eine sichere, ordentliche, voraussehbare, gesetzmäßige, organisierte Welt bevorzugen, auf die sie rechnen können“ (Ebd., S.68).

[97] Ebd., S.68f.

[98] Ebd., S.71.

[99] Vgl. ebd. In der modernen Gesellschaft hat sich nach Maslow dieses Bedürfnis aufgrund der zunehmenden Mobilität, dem „Zusammenbruch traditioneller Gruppierungen, der Verstreutheit der Familien, dem Generationenunterschied, der zunehmenden Urbanisierung und dem Verschwinden der dörflichen Nähe und der daraus resultierenden Oberflächlichkeit der (amerikanischen) Freundschaft“ verstärkt.

[100] Vgl. ebd., S.72.

[101] Vgl. ebd.

[102] Vgl. ebd.

[103] Ebd., S.74.

[104] Vgl. ebd. „Diese Neigung kann als das Verlangen formuliert werden, immer mehr zu dem zu werden, was man idiosynkratisch ist, alles zu werden, was zu werden man fähig ist.“

[105] Vgl. ebd., S.51.

[106] Ebd., S.65.

[107] Vgl. ebd., S.85.

[108] Vgl. ebd., S.89f.

[109] Vgl. ebd. S.75. „Eine Handlung ist psychologisch wichtig, wenn sie direkt zur Befriedigung der Grundbedürfnisse beiträgt. Je indirekter sie dazu beiträgt oder je schwächer der Beitrag ist, als umso unwichtiger muss man die Handlung vom Standpunkt der dynamischen Psychologie aus betrachten.“

[110] Vgl. ebd., S.65.

[111] Ebd., S.96ff Maslow verwendet die Begriffe psychologische Gesundheit, Gratifikationsgesundheit und Glücksgesundheit in diesem Zusammenhang.

[112] Vgl. ebd., S.96, Skala zunehmender psychischer Gesundheit.

[113] Vgl. ebd., S.65.

[114] Vgl. ebd., S.127.

[115] Vgl. ebd., S.127f.

[116] Vgl. ebd., S.127f.

[117] Ebd., S.127. Das Ziel, „Utopia“, mit dem sich der Geist beschäftigt, ist die Befriedigung des zu diesem Zeitpunkt unbefriedigten Bedürfnisses. Grund ist die integrierte Gesamtheit des Menschen, wie sie in der Motivationstheorie von Maslow vertreten wird.

[118] Vgl. ebd., S.127f.

[119] Vgl. ebd., S.82f, S.49.

[120] Vgl. ebd., S.75.

[121] Vgl. ebd., S.82. „Eine realistischere Beschreibung der Hierarchie wäre in den Begriffen abnehmender Prozentsätze der Befriedigung auf dem Weg hinauf in der Hierarchie der Vormächtigkeit möglich. Zum Beispiel, wenn es gestattet ist, willkürliche Zahlen zu Illustrationszwecken anzunehmen, wird der durchschnittliche Bürger vielleicht zu 85% in seinen physiologischen Bedürfnissen befriedigt sein, zu 70% in seinen Sicherheitsbedürfnissen, zu 50% in seinen Liebesbedürfnissen, zu 40% in seinen Selbstachtungsbedürfnissen und zu 10% in seinen Selbstverwirklichungsbedürfnissen.“

[122] Vgl. ebd. „Tatsächlich sind die meisten Menschen in unserer Gesellschaft, die normal sind, teilweise befriedigt, was ihre Grundbedürfnisse betrifft, zugleich aber auch unbefriedigt.“

[123] Vgl. ebd. Aus der Perspektive des durchschnittlichen Menschen wird nach dem Prinzip der vorrangigen Hierarchie die Ebene der Selbstverwirklichung als letztes, oberstes Ziel erreicht. Maslow ist überzeugt, „dass der Organismus selbst die Wertehierarchie bestimmt, die vom wissenschaftlichen Beobachter nicht geschaffen, sondern berichtet wird.“ Dies bedeutet, dass der Mensch selbst über die Höhe seiner Bedürfnisse entscheidet.

[124] Vgl. ebd., S.79ff; eine Ausnahme bildet die bewusste Abstinenz von Bedürfnissen.

[126] Vgl. Schneewind, K. A.; Vaskovics, L. A. (1997): Optionen der Lebensgestaltung junger Ehen und Kinderwunsch. Verbundstudie – Endbericht. Kohlhammer, Stuttgart;

Vgl. Klein, D. (2006): Zum Kinderwunsch von Kinderlosen in Ost-und Westdeutschland. Erschienen in der Reihe: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) beim Statistischen Bundesamt (Hrsg.): Materialien zu Bevölkerungswissenschaft, Heft 119, Wiesbaden, URL: http://www.bib-demographie.de/publikat/materialien/Heft119.pdf (abgerufen am 18.06.2007).

[127] Vgl. Mackenroth, G. (2005), S.330.

[128] Vgl. Borchardt, A.; Stöbel-Richter, Yve (2004), S.24f.

[129] Vgl. Klein, D. (2006), S.27.

[130] Vgl. ebd., S.24f.

[131] Vgl. Birg, H. (2003), S.30.

[132] Vgl. ebd., S.30.

[133] Vgl. ebd., S.31.

[134] Vgl. Bertram, H.; Rösler, W.; Ehlert, N. (2005), S.6ff.

[135] Vgl Strohmeier, K. P. (2002), S.114, sowie Kapitel 2.2.2.

[136] Vgl Helfferich, C. (1999), S.19.

[137] Vgl, ebd., S.20.

[138] Vgl. ebd., S.22.

[139] Vgl. Helfferich, C. (1999), S.22ff.

Details

Seiten
132
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783836638401
Dateigröße
862 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Politik, Regionalwissenschaften Lateinamerika
Erscheinungsdatum
2014 (April)
Note
1,0
Schlagworte
demographischer wandel brasilien fertilität maslow familienpolitik

Autor

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Titel: Gesellschaftliche Bedingungen für Familienpolitik in Brasilien und Deutschland