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Die hochmittelalterliche Inquisition

Wurzeln, Bedeutung, Missbräuche

Examensarbeit 2006 99 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entwicklung von Häresie und Ketzerei von den Anfängen des Christentums bis ins Mittelalter
2.1. Bedeutung der Begriffe Häresie und Ketzerei im Wandel der Zeit
2.2. Ketzerei im Neuen Testament – Paulus als Ketzer der ältesten Zeit?
2.3. Das Problem der Ketzerei in der Spätantike und im Frühen Christentum
2.4. Häresien im 11. und 12. Jahrhundert
2.5. Die Frage nach den Motivationen und Lehren der Häretiker am Beispiel der Katharer

3. Die Herausbildung des Inquisitionsprozesses als Nachfolger des Infamationsverfahrens zur Zeit des Übergangs vom Früh- zum Hochmittelalter
3.1. Etymologie der Wortfamilie inquirere
3.2. Weltliches und kirchliches Strafprozessrecht vor der Einführung des Verfahrens per inquisitionem
3.3. Papst Innozenz III. und die Strafrechtsreform

4. Die Gesetzgebungen zur Häretikerbekämpfung und die Etablierung der Ketzerinquisition
4.1. Die Beschlüsse des Konzils von Verona 1184 sowie der Bullen Ad abolendam und Vergentis in senium Papst Lucius’ III. und Papst Innozenz’ III. bezüglich der Ketzerbekämpfung
4.2. Die Beschlussfassungen des IV. Laterankonzils
4.3. Die Anwendung des Inquisitionsverfahrens bei der Ketzerbekämpfung
4.3.1. Der Albigenserkreuzzug
4.3.2. Die Zuständigkeit von Bischöfen und Päpsten und die Stellung des weltlichen Arms
4.3.3. Die Ketzerverfolgung unter Papst Gregor IX.
4.3.3.1. Die Einführung der päpstlichen Inquisition
4.3.3.2. Die inquisitionären Aufträge an die Dominikaner
4.3.4. Papst Innozenz IV.und die Präzisierung des Inquisitionsverfahrens

5. Das Inquisitionsverfahren im Kampf gegen Häretiker
5.1. Die Inquisitoren
5.2. Normen und Beweise
5.3. Das Verhör und die Folter
5.4. Urteile und Strafen

6. Von der unsystematischen Ketzerverfolgung zur Institution Inquisition? – Fazit und Ausblick

7. Literatur

8. Selbständigkeitserklärung

9. Anhang

1. Einleitung

Bekennt man sich heutzutage zum katholischen Glauben, ist Inquisition – neben Papst – das wohl meistgehörte Schlagwort, das einem von etwaig diskussionsfreudigen und in der Regel protestantischen Gesprächsteilnehmern entgegengeschleudert wird.

Insbesondere die Öffnung des Geheimarchivs des Vatikans am 22. Januar 1998, das lange Zeit aus Angst und Reue verschlossen blieb, und die damit fortgeführte Aufarbeitung der Vergangenheit, die Papst Johannes Paul II. bereits 1994 begonnen hatte[1], sowie die Wahl des viel umstrittenen Vorsitzenden der Glaubenskongregation Kardinal Josef Ratzinger[2] im April 2005 zum Papst, haben die sich um die Inquisition rankenden Mythen in den Köpfen vieler Laien neu aufleben lassen.

Lässt man sich auf ein Gespräch ein, ist häufig festzustellen, wie unbedacht der Begriff der Inquisition gleichgesetzt wird mit dem der Hexenverfolgung und damit verbunden der Verbrennung hunderttausender vermeintlicher Hexen, grausamen Folterungen und einer überdimensionalen päpstlichen Macht.

Denn, so Hamilton,

“most people associate the word ‘Inquisition’ either with the Spanish Inquisition or with the Roman Inquisition which tried Galileo. Both these institutions were creations of the early modern period, but they had evolved from the medieval Inquisition, founded by Pope Gregory IX in the thirteenth century.”[3] [Hervorh. im Original]

Dass der Unterschied zwischen diesen verschiedenen Arten der Inquisition jedoch bedeutend ist und unter keinen Umständen außer Acht gelassen werden darf, wird genauso vergessen wie die Tatsache, dass nicht nur Anhänger der römisch- katholischen Kirche, sondern auch Protestanten, insbesondere Luther und Calvin, die Hexenverfolgungen vehement unterstützten.[4] Die Frage nach Zauberern und Hexen trat jedoch erst später auf und soll nicht Hauptaugenmerk dieser Arbeit sein, die sich schwerpunktmäßig mit der hochmittelalterlichen Inquisition beschäftigt.

Wie genau wird die Epoche Hochmittelalter jedoch zeitlich und charakteristisch eingegrenzt?

Hermann Jakobs definiert die Zeit zwischen 1046 und 1215 als Hochmittelalter. Nach Jakobs ist dieses gekennzeichnet von dem Niedergang des Kaisertums auf der einen und dem Aufschwung des Papsttums auf der anderen Seite. Prägend für die lateinische und griechische Christenheit in dieser Zeit ist der gemeinsame Feind Islam, der dem angestrebten Ziel einer Kirchenunion der römischen Reformkirche im Wege steht, aber ebenso die generelle Sicherheit des Kontinents nach außen.[5] Darüber hinaus ändert sich das Zusammenleben im 11. und 12. Jahrhundert durch das Entstehen der Zünfte, des Städte- und Bürgerlebens. Allgemein gute Lebensbedingungen lassen Produktion und Handel blühen, was unter anderem eine starke Bevölkerungsvermehrung zur Folge hat.

Herbert Grundmann legt die Grenze zwischen Hoch- und Spätmittelalter bereits ins Jahr 1197. Aus dem hier eingeschlagenen Blickwinkel auf die Ketzerverfolgung ist diese Abgrenzung sicherlich richtig, da zu dieser Zeit ein neuer Abschnitt in diesem Bereich begann. In der vorliegenden Arbeit sollen die Grenzen des Mittelalters – der gängigen Wissenschaft folgend – jedoch etwas großzügiger gewählt und der Blick bis in die späten 50er Jahre des 13. Jahrhunderts gelenkt werden, um einen umfassenderen Überblick über die Entstehung der Inquisition und ihre spätere Etablierung als Institution gewährleisten zu können.[6]

Das Hauptinteresse der Arbeit liegt dabei auf der Frage, ob die zahlreichen oben genannten Vorurteile gerechtfertigt sind. Welche Bedeutung kam dem Inquisitionsverfahren ursprünglich zu, wie entstand die kirchliche Ketzerinquisition und inwieweit kam es in diesem Bereich tatsächlich zu Missbräuchen?

Um diese zu beantworten, soll die Untersuchung bei den Anfängen des Phänomens Inquisition ansetzen und aufdecken, wo seine Wurzeln liegen. Wichtig ist dabei, dass die Herausbildung des Inquisitionsverfahrens und die Ketzerbekämpfung zunächst unverbunden nebeneinander standen.

Für ein angemessenes Verständnis damaliger Entwicklungen ist es darüber hinaus unerlässlich, sich bereits vorab die Differenzen zwischen mittelalterlicher und heutiger Zeit ins Gedächtnis zu rufen. Denn, so Patschovsky, „Glaubensfreiheit als Bürger- und als Menschenrecht ist vom geistigen Horizont wie von den politisch- gesellschaftlichen Rahmenbedingungen her ein Produkt der Neuzeit“.[7] Im Mittelalter hingegen war Glauben, „immer gedacht als der rechte Glaube […], nicht in das Belieben des Einzelnen gestellt, weil die Wahrheit der Glaubensinhalte Absolutheitscharakter besaß und weil die Glaubensinhalte selbst das Fundament der gesellschaftlichen Verhaltensnormen bildeten.“[8]

So liegt das Augenmerk zunächst auf den Ursprüngen des Ketzerproblems und der Ketzerverfolgung. Von Belang ist in diesem Zusammenhang, inwieweit die Begriffe Ketzer und Häresie synonym gebraucht werden können und ob sich die Bedeutung dieser Termini im Laufe der Zeit verändert hat.

Zu untersuchen ist darüber hinaus, wann die Begriffe das erste Mal auftauchen, und ob es Belege für diese Problematik bereits in der Bibel gibt. Folgt man dem Lauf der Geschichte, ist zu erkennen, wie es zu einem Paradigmenwechsel in der Spätantike kommt, so dass die Ketzerei bis zum 11. und 12. Jahrhundert ein zusehends schwerwiegenderes Problem für die Kirche darstellt.

Um Motivationen und Lehren der ketzerischen Strömungen deutlich werden zu lassen, soll hier beispielhaft die Gruppierung der Katharer vorgestellt werden, die eine ausgeprägte dualistische und somit – in den Augen der Kirche – häretische Weltsicht vertritt.

Im darauf folgenden Kapitel soll der Schwerpunkt zunächst auf dem rein rechtlichen Verfahren der Inquisition liegen. Zu erörtern ist an dieser Stelle die genaue Begriffsbedeutung sowie die Parallelen und Unterschiede in den alten weltlichen bzw. kirchlichen Rechtsordnungen. Darauf basierend kann dann der Grund und die Art und Weise der Entstehung des Inquisitionsverfahrens thematisiert werden. Von großer Bedeutung sind in diesem Zusammenhang Papst Innozenz III. und dessen Bemühungen um eine Strafrechtsreform.

Nachdem in den ersten beiden Kapiteln also die Problematik der Ketzerei und die Entstehung der Inquisition als Strafrechtsverfahren erläutert worden sind, sollen diese beiden Thematiken in einem dritten Kapitel miteinander verknüpft werden. Anhand der Inhalte der Bullen Ad abolendam und Vergentis in senium sowie der Erlasse des 4. Laterankonzils soll hier zunächst die Unabhängigkeit zwischen der Entstehung des inquisitorischen Verfahrens und der parallelen Entwicklung der Ketzerbekämpfungsrichtlinien herausgestellt werden.

Erst nach dem 20 Jahre andauernden Albigenserkreuzzug kommt es zu einer Änderung und die Inquisition findet im Prozess gegen Ketzer Anwendung. Es wäre dann zu fragen, wie die Rollenverteilung zwischen Bischöfen, Päpsten und dem weltlichen Arm organisiert ist.

Federführend beteiligt an der weiteren Entwicklung sind in diesem historischen Abschnitt die Päpste Gregor IX., der die Dominikaner in die Verfolgung der Häretiker einbezieht, sowie Papst Innonzenz IV., der die Inquisition auf ihrem Weg zur Institution weiter vorantreibt. Inwieweit Hamiltons Behauptung, Papst Gregor IX. habe die Inquisition erfunden (s.o.), zutreffend ist, wird in diesem Zusammenhang zu klären sein.

In einem letzten Kapitel gilt es dann zu untersuchen, in welcher Form das in Kapitel 3 erläuterte Inquisitionsverfahren in der Ketzerbekämpfung eingesetzt wurde und welche Rolle den neu eingesetzten Inquisitoren dabei zukam. Beispielhaft wird hier näher auf die bedeutenden Inquisitoren Konrad von Marburg und Robert le Bougre sowie deren Wirkungskreise eingegangen.

Abschließend sollen einerseits die oben aufgeworfenen Fragen beantwortet werden, wobei hier schwerpunktmäßig die Schwächen des Inquisitionsprozesses herauszuarbeiten und so die Missbräuche zu erklären sind und andererseits in einem Ausblick die weitere Entwicklung der Inquisition vom Spätmittelalter bis heute in groben Zügen skizziert werden.

Die Forschungslage zum Thema ist schier unüberschaubar[9], so dass lediglich versucht werden kann, die in den zugänglichen Sprachen jeweils gängigsten und bedeutensten Werke der Autoren zu den einzelnen Themen hinzuzuziehen, ein Anspruch auf Vollständigkeit kann und soll jedoch nicht erhoben werden. Das umfangreiche, drei Bände umfassende und im Bereich der Inquisitionsforschung als Vorreiter geltende Werk Leas – Geschichte der Inquisition im Mittelalter (1932) – dient als Grundlage, tritt jedoch letztendlich zugunsten neuerer Forschungsliteratur in den Hintergrund.

2. Die Entwicklung von Häresie und Ketzerei von den Anfängen des Christentums bis ins Mittelalter

Zunächst gilt es in diesem Kapitel, die Begriffe Häresie und Ketzerei voneinander abzugrenzen, um dann die geschichtliche Entwicklung des Problems der Glaubensabweichler vom Beginn des Christentums bis ins Mittelalter zu skizzieren.

Denn Ketzerverfolgungen beginnen nicht erst im 11. Jahrhundert, sondern sind von jeher Bestandteil der Kirchengeschichte gewesen. Je mehr der Einfluss der Kirche wuchs, desto wichtiger wurde es, klare Lehrsätze und Glaubenswahrheiten zu definieren. Wo diese Wahrheiten jedoch postuliert werden, gibt es auch immer Abweichler, die nicht konform gehen.

Von Belang sind in diesem Zusammenhang auch biblische Quellen, denn „die kanonische Abschließung des Neuen Testaments und damit der Abschluss der apokryphen Schriften erfolgte“, wie Armanski zu bedenken gibt „endgültig erst im 4. Jahrhundert“[10], so dass es sich bei neutestamentlichen Schriften um Zeugnisse des Frühen Christentums handelt.

Exemplarisch für die vielen als ketzerisch bezeichneten Gruppen des 11. und 12. Jahrhunderts wird die Gruppe der Katharer als besonders ausgeprägte häretische Strömung vorgestellt und an diesem Beispiel zu verdeutlichen versucht, welche Lehre vertreten wurde und welche Motivationen die katholischen Christen zum Übertritt veranlasste.

Befasst man sich auf diese Weise mit der Ketzerproblematik des Mittelalters, muss man sich darüber im Klaren sein, dass man sich nur auf damalige Quellen stützen kann, die großenteils nicht von den Häretikern selbst, sondern von deren Verfolgern stammen, „eine unpolemische Darstellung der Ketzergeschichte aus historischem Interesse war dem MA“ aber, so Grundmann „unmöglich“.[11]

2.1 Bedeutung der Begriffe Häresie und Ketzerei im Wandel der Zeit

Zunächst sollen an dieser Stelle die Begriffe Häresie und Ketzerei näher bestimmt und auf Bedeutungsveränderungen in der Geschichte hingewiesen werden.

Klassisch bezeichnet man die Abweichung vom rechten Glauben mit dem Begriff Häresie , der sich von griechisch hairesis ableitet und Wahl, das Gewählte oder Neigung, Überzeugung bedeutet.[12] Legt man den griechischen Begriff haireo, der soviel wie sich etwas aus dem Ganzen herausnehmen bedeutet, zugrunde, kann man unter einem Häretiker jemanden verstehen, der sich etwas aus der Gesamtlehre herausgenommen hat.[13] Hergeleitet von dem Wort Heterodoxie bedeutet Häresie Andersglaube und steht somit im Gegensatz zur Rechtgläubigkeit, der so genannten Orthodoxie.[14]

Während es sich bei der Häresie im Neuen Testament in der Apostelgeschichte[15] und der Antike weitestgehend noch um eine relativ neutrale Bezeichnung für ein Bekenntnis religiösen bzw. politischen Ursprungs oder eine wissenschaftliche Lehrmeinung handelte, kam es im zweiten Jahrhundert zu diesem anderen, negativen Begriffsverständnis. Die katholische Kirche versteht seitdem darunter insbesondere das Leugnen oder Bezweifeln von kirchlichen Dogmen, der von den Protestanten kritisierte Schwerpunkt hingegen liegt auf einem Entstellen des neutestamentlichen Kerygmas.[16]

Um von Häresie sprechen zu können, sind zwei Seiten erforderlich: Auf der einen Seite bedarf es der Kirche, die ihre Glaubenswahrheit in verbindlichen Dogmen formuliert, Kriterien für das Erkennen einer Abweichung festgelegt und eine Instanz einrichtet, die für die Kontrolle der Einhaltung der Dogmen zuständig ist und ggf. Sanktionen verhängt[17] und auf der anderen Seite des so genannten Häretikers, der in seinen Glaubensauffassungen und seinen Praktiken von diesen festgelegten Grundsätzen abweicht.[18]

Besonderes Merkmal der Häretiker ist ihre Hartnäckigkeit, da sie sich trotz Belehrung nicht von ihrer Meinung abbringen lassen. Es galt jedoch von jeher als erforderlich, sich um die Bekehrung der Irrgläubigen zu bemühen.[19] Dies liegt in weiten Teilen daran, dass es sich bei Häretikern nicht um Atheisten oder Anhänger anderer Religionen, sondern stets um christlich getaufte Menschen handelt, die auf die Kirchenmitgliedschaft bestehen und die Lehre der Kirche in ihrem Sinne verändern. Mehr und mehr wurde die Bezeichnung Häresie im Mittelalter für diese Art von Glaubensabweichlern[20] benutzt, so dass es alsbald zu einer Gleichsetzung mit dem im Mittelalter neu aufgekommenen Begriff Ketzerei kam.

Dieses Wort ist abgeleitet von der Bezeichnung Katharer, die vom griechischen katharoi (= die Reinen, daher auch die Katharsis des Aristoteles[21] ) abstammt, und hat seinen Ursprung vermutlich nicht, wie teilweise vermutet wurde, in dem Wort Katze.[22] Bei den Katharern handelt es sich um eine mittelalterliche Gruppierung, die das Wort Ketzer ursprünglich wohl als Selbstbezeichnung verwendete.[23] Im weiteren Verlauf dieses Kapitels wird auf diese Gruppe näher einzugehen sein.

Seit dem 13. Jahrhundert[24] wurde der Begriff Ketzer dann synonym zu der Bezeichnung Häretiker für denjenigen verwendet, der im Widerspruch zu dem von der offiziellen Kirche formulierten und autoritativ gehüteten Dogma die Wahrheit verkürzt oder einseitig interpretiert. Ein Ketzer leugnet diese christliche Wahrheit, ebenso wie ein Häretiker, nicht grundsätzlich, denn dann wäre er, wie bereits erläutert, Nichtchrist oder Atheist.[25] Beide, Ketzer wie Christ, gehen davon aus, dass sie im Besitz des allein selig machenden Glaubens sind, die Intoleranz ist also ein Charaktermerkmal beider Seiten.[26]

Dazu äußert sich Schultz treffend:

„Genau ist der Begriff des Ketzers nicht zu definieren. Er lässt sich kaum unparteiisch anwenden. Sogar im Lexikon erscheint er bald als Schand-, bald als Ehrentitel. Wo Dogmen sind und verwaltet werden, gibt es auch Ketzer. Sie pflegen diese Dogmen anzugreifen, zu leugnen oder zu verkürzen.“[27]

Hier wird ersichtlich, dass Kirche und Ketzerei sich gegenseitig bedingen. Der Ketzer- bzw. Häresiebegriff ist also nicht grundsätzlich zu verurteilen, denn ein Eliminieren dieser Bezeichnungen würde mit dem Eliminieren des verbindlichen Lehrens der verkündeten, christlichen Offenbarung zusammenhängen. Die genaue Bestimmung eines Häretikers gestaltet sich allerdings als sehr schwierige und sensibel zu lösende Aufgabe.[28]

Seit der frühen Neuzeit wird die Bezeichnung Ketzer auch für andere intellektuelle Oppositionen o. ä. gebraucht, ohne dass ein Bezug zur Kirche gegeben sein muss.[29] Die theologische Wissenschaft bedient sich daher vielfach gerne des neutraleren Begriffes Häresie. Doch auch die Abgrenzung dessen wird gegenwärtig durch das Entstehen christlich fundamentalistischer Gruppen zusehends schwieriger, da dort zwar keine Lehrformulierungen, jedoch teilweise wesentliche Inhalte der Botschaft des Evangeliums in Frage gestellt werden.[30]

2.2 Ketzerei im Neuen Testament – Paulus als Ketzer der ältesten Zeit?

Im vorangehenden Kapitel ist deutlich geworden, dass das Problem der Häresie bereits weit vor dem Mittelalter auftrat, dass es jedoch schon im Neuen Testament bekannt war, dürfte zunächst überraschen.

Eingeleitet werden soll dieses Kapitel daher von einem Gedanken Lüdemanns, der in diesem Zusammenhang bedeutsam ist:

„Die Heilige Schrift ist, pointiert gesagt, Menschenwort (und nicht Gotteswort), von Menschen zu einer Zeit gesammelt, als das Christentum seine Anfänge bereits hinter sich gelassen hatte.“[31]

Dass es innerhalb der Urgemeinde zu Auseinandersetzungen kam, ist weithin bekannt. Einige der in diesem Zusammenhang formulierten Urteile wurden später als Grundlage für den Umgang mit Häretikern verwendet.[32]

Insbesondere der viel zitierte Satz Jesu „Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer und sie verbrennen“[33] (Joh 15,6) wurde wörtlich genommen.[34] Zudem warnte Jesus seine Jünger vor den falschen Propheten, die unter seinem Namen auftreten würden.[35] Marino Marini, Mitarbeiter Papst Pius’ IX., behauptete wohl auf dieser Grundlage, dass man Jesus Christus selbst als Begründer und Gesetzgeber des Inquisitionstribunals ansehen könne.[36]

Im Matthäusevangelium (18, 15- 17) heißt es, dass Bekehrungsunwillige wie Zöllner oder Heiden ausgestoßen werden sollen. Jesus macht jedoch Einschränkungen: Zunächst muss einem Bruder siebenundsiebzigmal vergeben werden (vgl. Mt 18, 21f.), außerdem warnt er, mit dem Unkraut nicht auch den Weizen auszureißen (vgl. Mt 13, 24-30).[37]

Es gibt etliche weitere Anspielungen im Neuen Testament, z.B. in den Petrusbriefen, die später als Rechtfertigung für den Umgang mit Häretikern dienten.[38]

Eine nicht unerhebliche Rolle für die Etablierung des Häresiebegriffs im Neuen Testament spielte auch Paulus. Dieser hatte als Heidenchrist selbst mit starkem Widerstand seitens der Judenchristen zu kämpfen. Es wurde ihm vorgeworfen, seine Damaskusvision dazu zu gebrauchen, sich als Apostel bezeichnen zu können und seine gesetzeslose Predigt unter den Heiden zu rechtfertigen. Paulus galt somit als feindlich und wird daher auch als „ältester Ketzer der apostolischen Zeit“[39] bezeichnet. Nichtsdestotrotz ist er derjenige, der den Absolutheitsanspruch stellt[40]:

„Doch es gibt kein anderes Evangelium, es gibt nur einige Leute, die euch verwirren und die das Evangelium Christi verfälschen wollen. Wer euch aber ein anderes Evangelium verkündigt, als wir euch verkündigt haben, der sei verflucht.“[41] (Gal 1,7f.)

Nach ein- oder zweimaliger Warnung sollte man sich von den Häretikern endgültig zurückziehen (Tit 3, 10), damit schloss Paulus sich Jesus an.[42] Gewalt galt jedoch stets als ausgeschlossen.[43]

Die Existenz von Häresien bezeichnete Paulus als notwendig, um die Rechtgläubigen von den Irrenden unterscheiden zu können.[44] Als positiv galt in diesem Zusammenhang ebenso die Tatsache, dass die Christen durch die Existenz der Häretiker dazu angehalten waren, Toleranz zu üben, denn es wurde impliziert, dass die Christen andere, insbesondere unvollkommene Menschen und auch deren Sünden ertragen (vgl. 2 Kor 2, 5-7). Erst später entfernte man sich zunehmend von der tolerantia,[45] was im Folgenden erläutert wird.

2.3 Das Problem der Ketzerei in der Spätantike und im Frühen Christentum

Unter Antike versteht man den Zeitraum zwischen dem zweiten Jahrtausend vor Christus und den ersten Jahrhunderten nach Christus. Auf eine genaue Datierung konnte man sich nicht einigen, da die Abgrenzung weniger politisch, als vielmehr mit dem sich wandelnden kulturellen Traditionsbewusstsein zu begründen ist.[46] Das Frühe Christentum umfasst mindestens die ersten drei Jahrhunderte bis zur Gründung der Staatskirche in Rom und überschneidet sich daher mit der Antike.[47]

Wie im vorangegangenen Kapitel bereits thematisiert wurde, besitzt das Christentum als monotheistische Offenbarungsreligion einen absoluten Wahrheits- und Exklusivitätsanspruch. Darin unterscheidet sich das Christentum grundlegend von den Religionsgemeinschaften der Antike, denen der Gedanke an eine einzige verbindliche Lehre unbekannt war.[48] Zwar verstand sich das Judentum bereits als Glaubensgemeinschaft, die nur Jahwe als einzigen Gott anerkannte, jedoch vollzog sich der Übergang von der Monolatrie[49] zum Monotheismus[50] schleppend.

Im Christentum hingegen schienen Kompromisse kaum möglich.[51] Auseinandersetzungen mit häretischen Einzelpersonen oder Gruppen sind seit dem zweiten Jahrhundert bekannt.[52] Gestraft wurden die Häretiker durch soziale Isolierung[53] und Exkommunikation.

Zu den gefährlichsten Ketzergruppen zählten in der Mitte des zweiten Jahrhunderts die Gnostiker, die hellenistische Mythen in die christliche Lehre zu mischen versuchten und die Montanisten, die die egalitären und asketischen Traditionen beibehalten wollten.[54] Später ging es schwerpunktmäßig um verschiedene Auffassungen über das Wesen Christi,[55] die Machtkämpfe richteten sich nun gegen den Arianismus[56] und die Nestorianer.[57]

Während die Christen in den ersten Jahrhunderten nach Christus aufgrund ihrer Verweigerung der Anerkennung des Kaiserkultes selbst noch schärfsten Verfolgungen – insbesondere unter Kaiser Diokletian – ausgesetzt waren, kam es im vierten Jahrhundert zu einem Paradigmenwechsel. Nachdem das Christentum von Kaiser Konstantin dem Großen im Mailänder Toleranzedikt offiziell als gleichberechtigte Religionsgemeinschaft anerkannt wurde, wurde es im Jahre 380 von Kaiser Theodosius I. zur römischen Staatsreligion erklärt.[58] Damit wurden Verstöße gegen die kirchliche Lehre nicht mehr nur zur Gefahr für die Kirche, sondern unabänderlich auch für den Staat und mussten somit schärfer kontrolliert werden.[59] Strafen gingen nun genauso von weltlicher wie von kirchlicher Ebene aus[60] und man ging vom Wort, der Exkommunikation, auch zur Tat, der Gewalt, über.[61]

Der erste Häretiker, der Spanier Priscillian, wurde wohl im Jahre 385 – gemeinsam mit 600 seiner Gefährten – in Trier hingerichtet,[62] was zu großen Meinungsverschiedenheiten führte.[63]

Während man sich also einerseits über die Strafen für verurteilte Häretiker stritt, entstand andererseits ein ebenso erbitterter Streit, wie mit den bekehrten Ketzern verfahren werden müsse, die eine Taufe in einer häretischen Gemeinde empfangen haben und inwiefern eine christliche Tauferneuerung möglich oder nötig sei.[64] In diesem Zusammenhang wurden die radikalen Donatisten[65] zum Gegner der Kirche, da sie Aufstände übten und Traditionen des frühen Christentums aufleben ließen.[66]

Eine nicht unerhebliche Rolle für die folgende Entwicklung spielten die Schriften des Kirchenvaters Augustinus, der seit 395 Bischof im nordafrikanischen Hippo Regius war.[67] Dieser sah es zunächst als Aufgabe der Christen an, ihre Mitmenschen zur Umkehr zu bewegen. Denn einem Abtrünnigen den rechten Weg zu zeigen, sei ein Akt christlicher Nächstenliebe.[68] Augustinus stellte sich damit in die Linie Cyprians von Karthago, der in der Toleranz das Fundament der Kirche sah. Er predigte, dass eine Gemeinde nur in gegenseitiger Duldung bestehen könne, Ungeduld aber bringe Häretiker hervor. Schismen[69], so die Meinung Augustinus, seien der Einheit wegen zu ertragen und so Irrlehren zu überwinden.[70] Diese Erstforderung Augustinus’ wurde noch Ende des 11. Jahrhunderts von Gratian festgeschrieben.[71]

In Nicaea kamen im Jahre 325 erstmals alle Bischöfe aus dem Reich zusammen, um Zwietracht und Dissens zu beseitigen und Versöhnung zu stiften. Dieses Konzept scheiterte jedoch, so dass sich, insbesondere in Bezug auf Fragen bei den großen Lehrstreitigkeiten, Parteibildungen häuften (s. dazu Anhang 1).[72]

Augustinus änderte nun seine Richtung und rechtfertigte bei starker Gegenwehr der Häretiker Folter und Zwang. Inwieweit er dabei auch die Todesstrafe im Blick hatte, wird in der einschlägigen Literatur widersprüchlich diskutiert[73], sicher ist jedoch, dass Augustinus das Gleichnis vom bereiteten Gastmahl (Lk 14, 23: „Da sagte der Herr zu dem Diener: Dann geh auf die Landstraßen und vor die Stadt hinaus und nötige die Leute zu kommen, damit mein Haus voll wird.“[74] ) als Grundlage für seine Argumentation gebrauchte.[75] Dieser biblische Bezug sollte für das Mittelalter auch später von größter Bedeutung sein, da so Gewalt und Zwang bei Ketzerbekämpfungen bzw. – bekehrungen verteidigt wurden. Augustinus ging davon aus, dass bei der Folter nur dem Körper und somit dem Gefängnis der Seele, nicht aber der Seele selbst Schaden angetan werde. Diese Bestrafung der Häretiker betrachtete er als Akt der Liebe.[76] Doch trotz oder gerade wegen dieser Auffassungen wird er als Vater der Inquisition bezeichnet.[77]

Gegen Ende des vierten Jahrhunderts erließ Kaiser Theodosius I. eine Reihe von Gesetzen, wie mit Häretikern, zu dieser Zeit insbesondere Manichäer, umzugehen sei. „Sowohl in den östlichen wie in den westlichen Teilen des Imperium Romanum wurde es Gesetz, hartnäckige Häretiker mit Verbannung, öffentlicher Brandmarkung, Konfiszierung ihres Besitzes oder dem Tod zu bestrafen“,[78] so Lambert.

Für die spätere Inquisition ist diese Gesetzgebung insofern von großer Bedeutung, als zum ersten Mal die Anhänger eines religiösen Kultes in den Rang von Staatsverbrechern erhoben wurden[79] und alle wesentlichen Strafelemente der damaligen Ketzergesetzgebung auch im Hochmittelalter wieder ihre Anwendung finden sollten.[80]

2.4 Häresien im 11. und 12. Jahrhundert

Im Frühmittelalter fand keine nennenswerte Weiterentwicklung im Bereich der Ketzergesetzgebung statt und auch die Verfolgungen ruhten weitestgehend, da man zu sehr damit beschäftigt war, sich vor äußeren Feinden zu schützen und heidnische Bräuche auszutreiben, als dass man sich gleichzeitig auch noch innerkirchlichen Konflikten hätte widmen können.[81] [82] Hinrichtungen – insbesondere im Bereich der Schadenszauber – waren zwar bekannt, jedoch bis dato der weltlichen Justiz vorbehalten.[81] [83]

Zu Beginn des zweiten Jahrtausends änderten sich die sozialen und politischen Bedingungen: Im wirtschaftlichen und intellektuellen Bereich kam es zu einem bedeutenden Aufschwung, die Städte begannen sich zu entfalten.[84]

Darüber hinaus war das 11. Jahrhundert

„vor allem die Zeit der Entstehung neuer geistlicher Gemeinschaften – einer großen Zahl von asketischen Gruppierungen, die zur organisierten Ausgestaltung neuer Orden führten. Hierbei spielten oft folgende Aspekte eine besondere Rolle: die eremitischen Züge des Klosterlebens, Zunft- und Vereinsleben in Städten; Kommunen, Gründungen von neuen Orten als das Ergebnis der Bestrebungen, unbewohnte Landstriche zu kultivieren und zu besiedeln.“[85]

Dies führte dazu, dass neue Ideen im kirchlichen Bereich in Widerspruch traten zu den traditionellen Lehren und es entstanden Diskussionen um dogmatische Streitthemen wie Heiligen- Fürbitte, Fegefeuer oder die Realpräsenz in der Eucharistie. Darüber hinaus kam es zu Streitigkeiten bzgl. Armut vs. Reichtum, Laien vs. Klerus.[86] Das neue kritische Bewusstsein der Menschen erkannte den Widerspruch zwischen der Lehre und der Praxis der Kirche.[87] Viele Bauern und Bürger wehrten sich dagegen, das lasterhafte und anspruchsvolle Leben der Bischöfe, Äbte und Mönche weiter zu finanzieren[88], das im krassen Gegensatz zu dem großen Elend des Volkes stand.[89]

So kam es erneut zu Parteibildungen und man musste sich wieder im größeren Rahmen der Ketzerproblematik widmen. Die katholischen Chronisten dieser Zeit berichten von den neu auftretenden Häretikern mit einer gewissen Abscheu, jedoch scheinen sie nicht von Beginn an als ernsthafte Gefahr wahrgenommen worden zu sein. Dies hängt damit zusammen, dass Glaubensabweichler im 11. Jahrhundert noch überwiegend als Einzelpersonen auftraten. Da so aber wenig Stoff zur Berichterstattung vorlag, wurden den bekannten Ketzern teils höchst phantasievoll Teufelsdienst und nächtliche Orgien angedichtet, so dass es zu ersten Missverständnissen kam.[90]

Erleichtert wurde die Kontrolle seitens der Kirche durch die Tatsache, dass die Ketzereien sich nur der rudimentären Kommunikationswege der damaligen Zeit bedienen konnten und daher relativ leicht durch die geistlichen und weltlichen Institutionen aufzuspüren waren.[91]

Was die Kirche mehr beunruhigte war die Tatsache, dass die Irrlehren plötzlich mitten im europäischen, seit langem römisch christianisierten Kernland auftraten. Hauptherde der Bauernaufstände waren Norditalien, Frankreich und teilweise auch Deutschland.[92]

Die erste große Ketzerbewegung des Mittelalters, die Bogomilen, bildete sich während des 10. Jahrhundert in Makedonien.[93] Später entstanden dann die so genannten Pataria, eine Bewegung der Stadtbevölkerung, die die Simonie[94] und Anhäufung von Reichtümern durch die Kirche verurteilten und die Ehelosigkeit des Klerus forderten, sich jedoch nie gegen die Lehre und den Kult der Kirche richteten.[95] Zu dieser Zeit fanden auch die ersten Massenverbrennungen von Häretikern statt und entwickelten sich im Laufe des 11. Jahrhunderts zu einer gewohnten Erscheinung.[96]

Inhaltlich unterschieden sich die neuen Häresien wesentlich von denen des Frühen Christentums. Während die alten eher innerkirchlichen Charakter hatten, richteten die neu auftretenden sich gegen die feudale Ordnung, aber auch gegen die Kirche als Ganzes.[97]

Nachdem verschiedenste Dörfer von der Häresie heimgesucht worden waren, begannen die Kleriker allmählich zu verstehen, dass das Problem sich als verbreiteter und manifester darstellte, als zunächst vermutet[98]:

„Im Osten wie im Westen wurden die rituellen und die materiellen Grundpfeiler der Una Sancta angesägt: Taufe, Eucharistie, Ehesakrament, Kreuzanbetung – alles nur Götzendienst, der Zehnte willkürliche Geldschneiderei.“[99]

Anfang des 12. Jahrhunderts wurde die Ketzerei dann durch die auftretenden Wanderprediger zum nicht mehr zu leugnenden Problem.[100] Namen wie Tanchelm von Antwerpen, der Pseudo- Mönch Heinrich oder Peter von Bruys stehen für das Aufkommen einer neuen Welle der Häresie in Westeuropa.[101] Während Tanchelm die hierarchische Struktur der Kirche, die Sakramente und das Entrichten des Zehnten verwarf, lehnte sich Heinrich der Mönch, der als Bußprediger lebte, gegen den geld- und ehrsüchtigen Klerus auf und sprach sich gegen Kirchengebäude, Kruzifixverehrung, Kindstaufe und Totenfürbitte aus. Peter von Bruys hielt die Institution Kirche ebenfalls für überflüssig, ließ geweihte Kreuze verbrennen und protestierte gegen die Transsubstantiationslehre der Kirche.[102] Dieser Konflikt der Antike wurde von Berengar von Tours neu entfacht und unter dem Titel Berengar’sche Irrlehre bekannt.[103]

Häresieverdächtige Neigungen entsprangen aber auch der Schule der Scholastiker.

Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang der im Jahre 1120 verurteilte Peter Abaelard, der für das Primat der Vernunft in Glaubensfragen eintrat und daher mit der Kirche in Konflikt geriet.[104] Gottes bedingungslose Heilszusage sei, so Abaelard, nicht an die Vermittlung der Kirche gebunden und deren Lehre damit hinfällig.[105] Somit wurde der berühmte Denker sowohl ein Gegenspieler der Kirche, als aber auch insbesondere ein Feind Bernhards von Clairvaux.[106] Bernhard war von der häretischen Neigung Abaelards überzeugt, da dieser sehr hartnäckig bei seiner Meinung verblieb.[107] Eine große Gefahr stellte Peter Abaelard jedoch nicht dar, da sich seine Lehren für das gemeine Volk auf zu hohem intellektuellem Niveau bewegten. Trotzdem wurde er von Innozenz II. zu ewigem Schweigen verpflichtet und in ein Kloster eingeschlossen.[108]

„Inwieweit alle diese Personen und Anhänger mit Fug und Recht als Ketzer zu bezeichnen sind, war wohl selbst der Kirche damals fraglich“[109], gibt Armanski kritisch zu bedenken. Außerdem zögerte sie, sich mit ihrer eigenen Lehre von der Nächstenliebe in Widerspruch zu setzen, um die Häretiker zu bestrafen und wurde, so Lea, nur durch den Fanatismus des Volkes vorwärts getrieben.[110]

Die Ketzerverfolgung war zu dieser Zeit Aufgabe der zuständigen Bischöfe. Diese, weder theologisch noch juristisch hinreichend gebildet, waren völlig hilflos.[111]

Die Verhandlungen fanden durch bischöfliche Sondergerichte oder Synoden statt, auf denen die Beschuldigten befragt wurden.[112] Um eine Verurteilung leichter begründen zu können, wurden diese dabei häufig deklariert als Anhänger einer schon früher von der Kirche verurteilten Irrlehre, von deren Existenz die Angeklagten oft noch nicht einmal etwas wussten.[113]

Wurden sie der Häresie überführt, kamen als Strafen hauptsächlich kirchliche Bußen, Klosterhaft oder Exkommunikation in Frage. Hartnäckige Ketzer wurden meist dem Reinigungseid bzw. Ordal unterzogen oder fielen der Lynchjustiz zum Opfer, bei der die Bevölkerung – ohne Zustimmung der geistlichen Autoritäten – die Häretiker verbrannte.[114] Hier herrschte die gleiche Unsicherheit wie in den anderen Bereichen der Ketzerverfolgung,[115] in Kapitel 6 werden die später festgeschriebenen Strafen näher betrachtet werden.

Die Kirche, unfähig mit der steigenden Zahl der Oppositionellen umzugehen und ihre Lehre den Erfordernissen der Zeit anzupassen, fürchtete die Häresie umso mehr, als sie gleichzeitig danach strebte, sich die weltliche Macht Untertan zu machen. So beschloss man schließlich die kompromisslose Ausrottung aller Häretiker.[116] Es setzte sich die Tendenz durch, Unterstützung von Ketzern mit Ketzerei gleichzusetzen. So wurden alle, die Umgang mit Häretikern hatten, mit dem Anathem[117] bedroht. Dies bezog sich auch auf weltliche Machthaber, da so versucht wurde, diese in die Verfolgung einzubeziehen.[118]

Mit ihren Anführern starben auch die Häresien des 11. und frühen 12. Jahrhunderts, da sie weder eine Organisation noch eine konkrete Lehre besaßen.[119]

Als es seit der Mitte des 12. Jahrhunderts zu den großen Ketzerbewegungen kam, die in Form der Waldenser und Katharer zur ernsthaften Bedrohung für die katholische Kirche wurden, trieb die unbefriedigende Gesetzeslage dazu, neue Richtlinien zu vereinbaren.

„Die alte Definition der Häresie, nämlich hartnäckiges Verharren in Falschlehre, wurde um Simonie (Kauf geistlicher Gaben) und Ungehorsam gegen den Papst erweitert. Zugleich erstellte man neue Kriterien für die Prozesse. Gottesurteile, die offiziell in der Kirche nie gebilligt worden waren, begann man zu kritisieren und dann auch abzuschaffen.“[120]

In den neuen Kirchenrechtsammlungen waren Zwang, Verbannung, Enteignung, Gefängnis und notfalls die Waffenhilfe des weltlichen Arms zwar genannt, die Todesstrafe war jedoch nie eindeutig vorgesehen.[121]

2.5 Die Frage nach den Motivationen und Lehren der Häretiker am Beispiel der Katharer

„Ohne Katharer keine Ketzer“, so Baier.[122] Der etymologische Zusammenhang der beiden Begriffe Katharer und Ketzer steht außer Zweifel und man muss sich darüber im Klaren sein, dass der leichtfertige Gebrauch des Wortes Ketzer sogleich die erbarmungslose Ausrottung der Katharer impliziert. Das katholische Ketzerbild, so Borst, „das bis heute vielfach nachwirkt, verstand […] die Zurückhaltung der Ketzer als Heuchelei, ihre Entschlossenheit als Hochmut und übersah dabei sowohl die historische Verschiedenheit der einzelnen Ketzergruppen wie auch die Gemeinsamkeit ihres Zieles, das sie mit den besten Christen der Zeit teilten. Dieses Ziel war auch für die Ketzer die tätige Verwirklichung des christlichen Evangeliums und die gedankliche Überwindung der unvollkommenen Welt.“[123]

Ein Spotlight auf eine der bedeutendsten Ketzerbewegungen, die Katharer, darf also an dieser Stelle nicht fehlen. Da das Thema jedoch sehr komplex ist, sollen hier nur Eckdaten genannt, sowie die Motivationen der Anhänger und deren Lehre skizziert werden, um anhand dieses Beispiels eine genauere Vorstellung der damaligen Ketzerproblematik vermitteln zu können.[124]

Lässt man die Annahme Kühners außer Acht, der Begriff Katharer zur Zeit Novatians stehe im Zusammenhang mit der mittelalterlichen Gruppierung[125], stammt einer der frühesten Belege für das Auftreten der Katharer aus dem Jahre 1143. In einem Brief berichtet Everwin von Steinfeld von einer störrischen Menge von Häretikern in der Nähe von Köln,[126] die eigene Riten besaßen und Elemente der katholischen Lehre verwarfen.

Die Ausdehnung dieser Gruppe vollzog sich in den folgenden zwei Jahrzehnten – vor allem im Languedoc[127] – rasant. Schon bald wurden eigene Bistümer der mittlerweile unter Katharer bekannten Gruppe gegründet und Synoden abgehalten. Das halbe christliche Europa zwischen Konstantinopel und Köln fiel unter ihren Einfluss, es ist also nicht schwer nachvollziehbar, dass die Katharer in ihrer Hochzeit als ernste Gefahr für die Kirche galten.[128] „Their message spreads like a cancer, runs far and wide like leprosy (lepra volatilis) infecting the limbs of Christ as it goes“ [Hervorh. im Original], so schrieb damals Eckbert von Schönau.[129]

Die Selbstbezeichnung der Katharer lautete die Reinen (griech. Kathari).[130] Augenfällig wird hier sofort die Tatsache, dass sie sich für die Vertreter der einzig gültigen Lehre hielten.

Die Wirkungszentren der Gruppierung lagen vor allem in Albi in Südfrankreich, daher auch manchmal die Bezeichnung Albigenser, sowie in Nord- und Mittelitalien.[131]

Vertrat in der Alten Kirche insbesondere die Gnosis die dualistische Vorstellung, so war es im Mittelalter der Katharismus, der diese Weltsicht, die er von den Bogomilen übernommen hatte, repräsentierte.[132] Bei den Bogomilen handelte es sich um Anhänger einer streng dualistischen Richtung, die ein ebenso asketisches Leben verlangten wie die Katharer und eine Art Vorbildfunktion für letztere besaßen.

Der Katharismus weist bzgl. des Dualismus zwei Richtungen auf: Auf der einen Seite gibt es die gemäßigte Stufe, die den Teufel als Schöpfer der Welt ansieht und davon ausgeht, dass dieser der jüngste Sohn Gottes ist und somit in einer gewissen Abhängigkeit von Gott steht. Die radikalere Stufe hingegen sieht die guten und bösen Mächte als zwei absolute und gleichwertige Prinzipien. Jesus gilt als wahrer Engel, sein Menschsein wird ebenso wie sein Kreuzestod bestritten.

Die Konsequenzen dieses strengen Dualismus waren für dessen Anhänger oftmals tödlich: Es wurde die Enthaltung von jeder Form der Materie, von Ehe und Geschlechtlichkeit verlangt, jede sexuelle Betätigung war Sünde und die Frau, sofern nicht mehr jungfräulich, eine Person des Verderbens. Darüber hinaus wurde der Verzehr von Speisen, die in irgendeiner Art aus der Zeugung hervorgegangen waren, verachtet. Als Begründung für diese strenge Ablehnung der Fortpflanzung galt, dass dabei eine Seele in das Leib- Gefängnis eingeschlossen wurde.[133]

Während die Masse der Gläubigen, die so genannten credentes, weniger harte Moralvorschriften zu befolgen hatten, waren die perfecti, eine kleinere priesterähnliche Gruppe, zu der durchaus auch Frauen gehörten, zum asketischen Ideal verpflichtet.[134] Die Aufnahme in diese katharische Elite erfolgte über den Initiationsritus der Geisttaufe, das consolamentum, dessen grundlegende Elemente die Katharer im Westen von den bogomilischen Missionaren übernommen hatten.[135] Teilweise unterschied man auch noch eine dritte Gruppe, die defensores, so genannte Förderer.[136]

Im 12. Jahrhundert wurde mehr und mehr der Vorwurf laut, dass die katholische Kirche zu verweltlicht sei. Dem Katharismus gelang es aus diesem Kontext heraus, Anhänger quer durch alle Schichten zu gewinnen. Die Trennung von Gut und Böse, Geist und Materie waren in ihrer Lehre deutlicher abgegrenzt und der Heilsweg schien einfacher als der von der Kirche gepredigte. Die Lehre von der Seelenwanderung als eines Mittels der Belohnung und Vergeltung tat sein Übriges, die Leiden der Menschen schienen plötzlich gerechtfertigt.[137]

Die perfecti zeigten als Vollkommene den anderen den Weg und lebten ein Leben, welches im Gegensatz zu dem prunkvollen Leben des Klerus stand.[138]

[...]


[1] Gottes willige Vollstrecker, in: Der Spiegel, H. 23 (1998), S. 77.

[2] Zu dem bedeutenden Konflikt mit Hans Küng vgl. Neumahr, Uwe, Inquisition und Wahrheit. Der Kampf um den reinen Glauben – von Peter Abaelard und Bernhard von Clairvaux bis Hans Küng und Josef Ratzinger, Stuttgart 2005, S. 193ff.

[3] Hamilton, Bernard, The Medieval Inquisition (Foundations of Medieval History 2), London 1981, S. 9.

[4] Vgl. Spiegel 1998, S. 75.

[5] Vgl. Jakobs, Hermann, Kirchenreform und Hochmittelalter 1046-1215 (Grundriß der Geschichte, hrsg. von Jochen Bleicken, Lothar Gall, Hermann Jakobs, Johannes Kunisch 7), München/Wien 1984, S. 1f.

[6] Vgl. Kolmer, Lothar, Ad capiendas vulpes. Die Ketzerbekämpfung in Südfrankreich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und die Ausbildung des Inquisitionsverfahrens (Pariser Historische Studien, hrsg. vom Deutschen Historischen Institut in Paris 19), Bonn 1982, S. 35.

[7] Patschovsky, Alexander, Freiheit der Ketzer, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 39 Jg., H. 1 (1988), S. 1.

[8] Ebd.

[9] Einen Überblick versuchte vor Jahren Grundmann, Herbert, Bibliographie zur Ketzergeschichte des Mittelalters (1900 – 1966), Rom 1967. Eine kritische Auseinandersetzung mit den einzelnen Quellen findet sich bei Grigulevic, Iosif, Ketzer – Hexen – Inquisitoren. Geschichte der Inquisition (13.- 20. Jahrhundert) 1, Westberlin 1985, S. 1ff..

[10] Armanski, Gerhard, Gewissen im Feuer. Ketzerei und Inquisition (Geschichte der Gewalt in Europa 2), Pfaffenweiler 1998, S. 1.

[11] Vgl. Grundmann, Herbert, Ketzergeschichte des Mittelalters (Die Kirche in ihrer Geschichte 2, hrsg. von Schmidt, Kurt Dietrich/Wolf, Ernst Wolf, Göttingen3 1978, S. 2.

[12] Vgl. Schwerhoff, Gerd, Die Inquisition. Ketzerverfolgung in Mittelalter und Neuzeit, München 2004, S. 13.

[13] Vgl. Angenendt, Arnold, Toleranz und Gewalt. Das Christentum zwischen Bibel und Schwert, Münster 2007, S. 232.

[14] Vgl. Art. Häresie, in: Wikipedia 2006, [http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=H%C3%A4resie&printable=yes, gefunden am 22.Oktober 2006], S. 1.

[15] Vgl. Kampling, Rainer, Art. Häresie I (Neues Testament), in: Lexikon für Theologie und Kirche (LThK) 4 (1995), 3., völlig neu bearb. Aufl., Sp. 1189.

[16] Vgl. Art. Häresie, in: Der Brockhaus in fünfzehn Bänden 6 (1998), S. 108.

[17] Vgl. Beinert, Wolfgang, Art. Häresie III (Systematisch- theologisch), in: Lexikon für Theologie und Kirche (LThK) 4 (1995), 3., völlig neu bearb. Aufl., Sp. 1191.

[18] Vgl. Lambert, Malcolm, Häresie im Mittelalter. Von den Katharern bis zu den Hussiten, Darmstadt 2001, S. 3.

[19] Vgl. Schwerhoff 2004, S. 14.

[20] Welche genauen Merkmale zur Verurteilung als Häretiker führten, ist detailliert nachzulesen bei Hageneder, Othmar, Der Häresiebegriff bei den Juristen des 12. und 13. Jahrhunderts, in: Lourdaux, Willem u. a. (Hrsg.), The concept of heresy in the middle ages, 11th-13th Century (Mediaevalia Lovaniensia Series I, Studia IV), Louvain 1976, S. 42f.

[21] Vgl. Baier, Lothar, Die große Ketzerei. Verfolgung und Ausrottung der Katharer durch Kirche und Wissenschaft, Berlin 2001, S. 10.

[22] Vgl. Lüdemann, Gerd, Ketzer. Die andere Seite des frühen Christentums, Stuttgart2 1996, S. 19. Diskutiert wird dieses Problem außerdem von Baier 2001, S. 10.

[23] Vgl. Art. Häresie, Wikipedia 2006, S.2.

[24] Vgl. Art. Ketzer, in: Der Brockhaus in fünfzehn Bänden 7 (1998), S. 318.

[25] Vgl. Flügel, Heinz, Die Wahrheit der Ketzer, in: Schultz, Hans Jürgen (Hrsg.), Die Wahrheit der Ketzer, Stuttgart/Berlin 1968, S. 18.

[26] Vgl. Patschovsky 1988, S. 2.

[27] Schultz, Hans Jürgen, Vorwort, in: Ders. (Hrsg.), Die Wahrheit der Ketzer, Stuttgart/Berlin 1968, S. 7.

[28] Vgl. Beinert (Art. Häresie III) 1995, Sp. 1191f.

[29] Vgl. Art. Ketzer, in: Wikipedia 2006, [http://de.wikipedia.org/wiki/Ketzer, gefunden am 22. Oktober 2006] S. 1.

[30] Vgl. Beinert, Wolfgang, Art. Häresie II (Historisch- theologisch), in: Lexikon für Theologie und Kirche (LThK) 4 (1995), 3., völlig neu bearb. Aufl., Sp. 1191.

[31] Lüdemann 1996, S. 9.

[32] Vgl. Art. Inquisiton, in: Wikipedia 2006, [http://de.wikipedia.org/wiki/inquisition, gefunden am 26. September 2006], S. 2.

[33] Die Bibel. Einheitsübersetzung. Stuttgart 1980, S. 1217.

[34] Vgl. Art. Inquisition, Wikipedia 2006, S. 2.

[35] Vgl. Lambert (Häresie) 2001, S.1.

[36] Vgl. Grigulevic (1) 1985, S. 24.

[37] Vgl. Lemm, Robert, Die Spanische Inquisition. Geschichte und Legende, München 1996, S. 34.

[38] Vgl. Grigulevic (1) 1985, S. 50f.

[39] Lüdemann 1996, S. 67f.

[40] Vgl. Angenendt, Arnold, Geschichte der Religiosität im Mittelalter, Darmstadt2 2000, S. 192.

[41] Die Bibel 1980, S. 1309.

[42] Vgl. Schwerhoff 2004, S. 14.

[43] Vgl. Angenendt 2007, S. 235.

[44] Vgl. Angenendt 2000, S. 192.

[45] Vgl. Angenendt 2000, S. 193.

[46] Vgl. Art. Antike, in: Der Brockhaus in fünfzehn Bänden 1 (1997), S. 203.

[47] Vgl. Art. frühchristlich, in: Der Brockhaus in fünfzehn Bänden 5 (1997), S. 53.

[48] Vgl. Schwerhoff 2004, S. 12.

[49] Bei dieser Glaubensform geht man davon aus, dass zwar diverse Götter existieren, aber von der jeweiligen Glaubensgemeinschaft wird nur ein bestimmter Gott verehrt.

[50] Eine monotheistische Glaubengemeinschaft, wie z.B. das Christentum, erkennt nur die Existenz eines Gottes an.

[51] Vgl. Schwerhoff 2004, S. 13.

[52] Vgl. a. a. O., S. 14.

[53] Vgl. ebd.

[54] Vgl. Grigulevic (1) 1985, S. 52.

[55] Vgl. Schwerhoff 2004, S. 13.

[56] Die von den Arianern vertretene Lehre steht im Gegensatz zur Trinitätslehre.

[57] Vgl. Grigulevic (1) 1985, S. 56. Den Nestorianern wurde oft die Lehre von den zwei Jesus innewohnenden Personen zugeschrieben.

[58] Vgl. Art. Antike, in: Die Inquisition im Mittelalter 2006, [http://www. Inquisition2000.de/Geschichte/Geschichte_Vorgeschichte1.htm, gefunden am 26. September 2006].

[59] Vgl. Förg, Ludwig, Die Ketzerverfolgung in Deutschland unter Gregor IX. Ihre Herkunft, ihre Bedeutung und ihre Gesetzlichen Grundlagen (Historische Studien 218), Berlin 1932.

[60] Vgl. Art. Antike, Inquisition im Mittelalter 2006.

[61] Vgl. Grigulevic (1) 1985, S. 24.

[62] Vgl. Lea, Henry Charles, Ursprung und Organisation der Inquisition (Geschichte der Inquisition im Mittelalter 1), revidiert und herausgegeben von Joseph Hansen, Nördlingen 1987, S. 239.

[63] Vgl. Armanski 1998, S. 10.

[64] Vgl. Gessel, Wilhelm M., Art. Ketzertaufstreit, in: Lexikon für Theologie und Kirche (LThK) 5 (1996), 3., völlig neu bearb. Aufl., Sp. 1417.

[65] Die Donatisten machten die Gültigkeit des Sakramentsempfangs von der Integrität des Spenders abhängig.

[66] Vgl. Grigulevic (1) 1985, S. 55.

[67] Vgl. Schwerhoff 2004, S. 15.

[68] Vgl. Art. Inquisition, Wikipedia 2006, S. 3.

[69] Unter Schismen versteht man unabhängig von Lehrdifferenzen vollzogene Spaltungen der Kirche.

[70] Vgl. Angenendt 2000, S. 193.

[71] Vgl. Angenendt 2007, S. 238.

[72] Vgl. Angenendt 2000, S. 193.

[73] Während Angenendt (2000, S. 194) und Schwerhoff (2004, S. 15) davon ausgehen, dass Augustinus die Todesstrafe stets ablehnte, sieht Grigulevic ((1) 1985, S. 59) eindeutige Beweise dafür, dass sie von Augustinus befürwortet wurde.

[74] Die Bibel 1980, S. 1178.

[75] Vgl. dazu Angenendt 2000, S. 194 und Schwerhoff 2004, S. 15.

[76] Vgl. Grigulevic (1) 1985, S. 58.

[77] Vgl. Armanski 1998, S. 14.

[78] Lambert (Häresie) 2001, S. 1.

[79] Vgl. Grigulevic (1) 1985, S. 60.

[80] Vgl. Art. Antike, Die Inquisition im Mittelalter 2006.

[81] Selbstverständlich beschäftigen sich auch Kapitel 4 und 5 schwerpunktmäßig mit der Häresie im 11. und 12. Jahrhundert, jedoch soll hier vorab die grobe Entwicklungslinie skizziert werden, um den historischen Verlauf von den Anfängen des Christentums bis zum Mittelalter zu verdeutlichen und um in den folgenden Kapitel das Augenmerk auf spezielle Einzelthemen legen zu können.

[82] Vgl. Art. Frühmittelalter, in: Die Inquisition im Mittelalter 2006, [http://www.inquisition2000.de/Geschichte/Geschichte_Vorgeschichte2.htm, gefunden am 26. September 2006].

[83] Vgl. Decker, Rainer, Die Päpste und die Hexen. Aus den geheimen Akten der Inquisition, Darmstadt 2003, S. 15.

[84] Vgl. Grigulevic (1) 1985, S. 66.

[85] Lambert (Häresie) 2001, S. 29.

[86] Vgl. Angenendt 2000, S. 195.

[87] Vgl. Lea (1) 1987, S. 62.

[88] Vgl. Grigulevic (1) 1985, S. 62.

[89] Vgl. a. a. O., S. 63.

[90] Vgl. Borst, Arno, Die Katharer (Schriften der Monumenta Germaniae historica – Deutsches Institut für Erforschung des Mittelalters 12), Stuttgart 1986, S. 2f.

[91] Vgl. Walther, Helmut G., Häresie und päpstliche Politik: Ketzerbegriff und Ketzergesetzgebung in der Übergangsphase von der Dekretistik zur Dekretalistik, in: Lourdaux, Willem u. a. (Hrsg.), The concept of heresy in the middle ages, 11th-13th Century (Mediaevalia Lovaniensia Series I, Studia IV), Louvain 1976, S. 105.

[92] Vgl. Grigulevic (1) 1985, S. 67.

[93] Vgl. Erbstösser, Martin, Ketzer im Mittelalter, Stuttgart 1984, S. 13.

[94] Darunter versteht man den Kauf geistlicher Gaben.

[95] Vgl. Grundmann 1978, S. 14.

[96] Vgl. Grigulevic (1) 1985, S. 68f.

[97] Vgl. a. a. O.S. 65.

[98] Vgl. Baier 2001, S. 22.

[99] A. a. O., S. 24

[100] Vgl. Fichtenau, Heinrich, Ketzer und Professoren. Häresie und Vernunftglaube im Hochmittelalter, München 1992, S. 54. Hier bietet sich außerdem eine detaillierte Übersicht über die einzelnen häretischen Strömungen des 12. Jahrhunderts. Eine Beschreibung der wichtigsten Wanderprediger bietet Lambert 2001.

[101] Vgl. Erbstösser 1984, S. 91.

[102] Vgl. Armanski 1998, S. 45.

[103] Vgl. Grundmann 1978, S. 12.

[104] Vgl. Neumahr 2005, S. 18.

[105] Vgl. Armanski 1998, S. 47.

[106] Vgl. Neumahr 2005, S. 18.

[107] Vgl. Grigulevic (1) 1985, S. 79.

[108] Vgl. ebd.

[109] Armanski 1998, S. 46.

[110] Vgl. Lea (1) 1987, S. 245.

[111] Vgl. Angenendt 2000, S. 195.

[112] Vgl. Art. 11./12. Jahrhundert, in: Die Inquisition im Mittelalter 2006, [http://www.inquisition2000.de/Geschichte/Geschichte_Vorgeschichte3.htm, gefunden am 26. September 2006].

[113] Vgl. Grigulevic (1) 1985, S. 79.

[114] Vgl. Angenendt 2000, S. 195.

[115] Vgl. Lea (1) 1987, S. 246.

[116] Vgl. Grigulevic (1) 1985, S. 80.

[117] Unter dem Anathem versteht man den so genannten Kirchenbann, der der Strafe der Exkommunikation ähnelt.

[118] Vgl. Scharff, Thomas, Häretikerverfolgung und Schriftlichkeit. Die Wirkung der Ketzergesetze auf die oberitalienischen Kommunalstatuten im 13. Jahrhundert (Gesellschaft, Kultur und Schrift: Mediävisitische Beiträge 4), Frankfurt am Main 1996, S. 33.

[119] Vgl. Borst, Arno, Barbaren, Ketzer und Artisten (Welten des Mittelalters 1183), München2 1990, S. 236.

[120] Angenendt 2000, S. 196.

[121] Vgl. ebd.

[122] Baier 2001, S. 9.

[123] Borst 1990, S. 234.

[124] Gerhard Rottenwöhrer hat mit seiner Reihe Der Katharismus (s. Literaturverzeichnis) fünf Bände in je mehreren Teilausgaben veröffentlicht, die das Thema von verschiedenen Blickwinkeln aus detailliert betrachten und Primärquellen analysieren. Eine weniger wissenschaftlich- theoretische Übersicht bietet Baier 2001.

[125] Vgl. Kühner, Hans, Die Katharer, in: Schultz, Hans Jürgen (Hrsg.), Die Wahrheit der Ketzer, Stuttgart/Berlin 1968, S. 53.

[126] Vgl. Schwerhoff 2004, S. 18.

[127] Der Name steht für eine Provinz in Frankreich.

[128] Vgl. Baier 2001, S. 11.

[129] Vgl. Moore, Robert, Heresy as disease, in: Lourdaux, Willem u. a. (Hrsg.), The concept of heresy in the middle ages, 11th-13th Century (Mediaevalia Lovaniensia Series I, Studia IV), Louvain 1976, S. 4.

[130] Vgl. Grundmann 1978, S. 24.

[131] Vgl. Schwerhoff 2004, S. 19.

[132] Vgl. Angenendt 2000, S. 113.

[133] Vgl. Angenendt 2000, S. 284.

[134] Vgl. Grundmann 1978, S. 23.

[135] Vgl. Barber, Malcolm, Die Katharer. Ketzer des Mittelalters, Düsseldorf/Zürich 2003, S. 63.

[136] Vgl. Oberste, Jörg, Der Kreuzzug gegen die Albigenser. Ketzerei und Machtpolitik im Mittelalter, Darmstadt 2003, S. 31.

[137] Vgl. Lea (1) 1987, S. 98.

[138] Vgl. Grundmann 1978, S. 27.

Details

Seiten
99
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783836636100
Dateigröße
3.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v227215
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Katholische Theologie, Lehramt
Note
1,0
Schlagworte
hochmittelalter häresie ketzer infamation christentum

Autor

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Titel: Die hochmittelalterliche Inquisition