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Der Stellenwert der motorischen Grundeigenschaften im Schul- und Jugendfußball unter besonderer Berücksichtigung der Schulung von koordinativen Fähigkeiten und deren didaktischen methodischen Transfermöglichkeiten

Diplomarbeit 2005 102 Seiten

Sport - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Jugendfußball/Juniorenfußball
2.1 Eigenschaften
2.2 Aktuelle Situation
2.3 Verbreitung
2.4 Entwicklungen/Trends
2.5 Die Altersklasseneinteilung des DFB

3 Schulfußball
3.1 Richtlinien
3.2 Besondere Bedingungen
3.2.1 Vergleich Verein – Schule
3.3 Lehrpläne

4 Biologische Entwicklung im Kindes- und Jugendalter
4.1 Wachstumsbedingte Besonderheiten
4.1.1 Körperproportionen
4.1.2 Gehirn und Nerven
4.1.3 Stoffwechsel
4.1.4 Aktiver Bewegungsapparat
4.1.5 Passiver Bewegungsapparat
4.1.6 Kalendarisches und biologisches Alter
4.2 Entwicklungsphasen
4.2.1 Das Säuglingsalter
4.2.2 Das Kleinkindalter
4.2.3 Das Kindesalter
4.2.4 Die vorpuberale Phase
4.2.5 Die Pubeszenz
4.2.6 Die Adoleszenz

5 Motorische Grundeigenschaften
5.1 Überblick/Einordnung
5.2 Ausdauer
5.2.1 Arten der Ausdauer
5.2.2 Stellenwert der Ausdauer im Fußball
5.2.3 Anpassungserscheinungen beim Ausdauertraining im Kindes- und Jugendalter
5.2.4 Trainierbarkeit der Ausdauer im Kindes- und Jugendalter
5.2.5 Grundsätze für das Ausdauertraining im Kindes- und Jugendalter
5.3 Kraft
5.3.1 Arten der Kraft
5.3.2 Stellenwert der Kraft im Fußball
5.3.3 Trainierbarkeit der Kraft im Kindes- und Jugendalter
5.3.4 Grundsätze für das Krafttraining im Kindes- und Jugendalter
5.4 Schnelligkeit
5.4.1 Arten der Schnelligkeit
5.4.2 Stellenwert der Schnelligkeit im Fußball
5.4.3 Trainierbarkeit der Schnelligkeit im Kindes- und Jugendalter
5.4.4 Grundsätze für das Schnelligkeitstraining im Kindes- und Jugendalter
5.5 Beweglichkeit
5.5.1 Arten der Beweglichkeit
5.5.2 Stellenwert der Beweglichkeit im Fußball
5.5.3 Trainierbarkeit der Beweglichkeit im Kindes- und Jugendalter
5.5.4 Grundsätze für das Beweglichkeitstraining im Kindes- und Jugendalter

6 Die koordinativen Fähigkeiten
6.1 Grundlagen der koordinativen Fähigkeiten
6.1.1 Die Bedeutung der physischen Leistungsfaktoren
6.1.2 Die Analysatoren
6.1.3 Die Bedeutung des Bewegungsschatzes
6.2 Arten der koordinativen Fähigkeiten
6.2.1 Ausprägungen der koordinativen Fähigkeiten
6.2.2 Die Kopplungsfähigkeit
6.2.3 Die Differenzierungsfähigkeit
6.2.4 Die Gleichgewichtsfähigkeit
6.2.5 Die Orientierungsfähigkeit
6.2.6 Die Rhythmisierungsfähigkeit
6.2.7 Die Reaktionsfähigkeit
6.2.8 Die Umstellungsfähigkeit
6.3 Erweiterte koordinative Fähigkeiten
6.4 Stellenwert der koordinativen Fähigkeiten im Fußball
6.5 Motorisch – koordinative Druckbedingungen

7 Schulung der koordinativen Fähigkeiten im Kindes- und Jugendalter

8 Praxis des Koordinationstrainings
8.1 Grundsätze für das Training der koordinativen Fähigkeiten im Kindes- und Jugendalter
8.2 Allgemeines Koordinationstraining
8.2.1 Koordinatives Aufwärmen
8.2.2 Lauf- und Sprungkoordination
8.2.3 Koordination von Armen und Beinen
8.2.4 Schnelligkeit und Reaktion
8.3 Fußballspezifisches Koordinationstraining
8.3.1 Koordinationstraining im technischen Bereich
8.3.2 Koordinationstraining im taktischen Bereich
8.4 Alternatives Koordinationstraining

Literaturverzeichnis

Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Altersabhängigkeit in der subjektiven Belastungsempfindung, bezogen auf die maximale Herzfrequenz. (Weineck, 2004, 100)

Abbildung 2: Körperlänge mit jährlichem Zuwachs. (de Marées, 2002, 488)

Abbildung 3: Elemente der sportlichen Leistungsfähigkeit des Fußballers. (Buschmann et al., 2002, 9)

Abbildung 4: Wechselbeziehungen der konditionellen physischen Leistungsfaktoren. (Weineck, 2004, 139)

Abbildung 5: Schematische Darstellung der verschiedenen Formen von Ausdauerleistungsfähigkeit. (Weineck, 2004, 144)

Abbildung 6: Die Wechselbeziehungen der drei Hauptformen der Kraft. (Weineck, 2004, 236)

Abbildung 7: Die motorische Schnelligkeit und ihre Unterteilungen(Erscheinungsformen, Subkategorien). Synonyme: 1 Bewegungsschnelligkeit; 2 Grundschnelligkeit; 3 Antrittsschnelligkeit; 4 Beschleunigungsausdauer; 5 Sprintausdauer. (Schiffer, 1993, 6)

Abbildung 8: Teileigenschaften der Schnelligkeit und ihre Bedeutung für die Leistungsfähigkeit des Fußballers. (Weineck, 1992, 378)

Abbildung 9: Die Veränderung der Beweglichkeit unter verschiedenen Bedingungen.(Weineck zitiert nach Zaciorskij, 2004, 495)

Abbildung 10: Funktionsbereiche von Muskelgruppen mit Muskeln, die zur Verkürzung (VM) oder zur Abschwächung (AM) neigen. (Martin et al. Zitiert nach Hirtz, 1999, 118)

Abbildung 11: Schematische Übersicht über die Grundlagen bzw. Manifestationsformen der koordinativen Fähigkeiten. (Weineck zitiert nach Hirtz, 2004, 538)

Abbildung 12: Modell der Bewegungssteuerung. (Weineck, 2004, 547)

Abbildung 13: Die Wechselbeziehungen der drei motorischen Grundfähigkeiten. (Weineck, 2004, 544)

Abbildung 14: Zusammenfassung von Basisfähigkeiten und koordinativen Anforderungen. (Martin et al. zitiert nach Zimmermann, 1999, 85)

Abbildung 15: Strukturelles Gefüge der koordinativen Fähigkeiten. (Baumann, Reim zitiert nach Meinel, Schnabel, 1994, 79)

Abbildung 16: Arten des Gleichgewichts. (Weineck, 2004, 542)

Abbildung 17: Motorisch koordinative Druckbedingungen (Schreiner zitiert nach Neumaier, 2003, 86)

Abbildung 18: Entwicklungsverlauf koordinativer Fähigkeiten (Martin et al., zitiert nach Hirtz, 1999, 87)

Abbildung 19: Schwerpunktmäßige Vervollkommnung koordinativer Fähigkeiten der Klassen 1-10 (Weineck zitiert nach Hirtz,2004, 556)

Abbildung 20: Reißverschluss: ideale Organisationsform für das koordinative Aufwärmen (Schreiner, 2003, 19)

Abbildung 21: Läufe im Quadrat (Schreiner, 2003, 25)

Abbildung 22: Grundform eines Stangenparcours (Schreiner, 2003, 28)

Abbildung 23: Gleichmäßige Veränderung der Abstände (Schreiner, 2003, 36)

Abbildung 24: Dynamische Veränderung der Abstände (Schreiner, 2003, 37)

Abbildung 25: Sprungkombination oder Skippings seitwärts im Startbereich (Schreiner, 2003, 74)

Abbildung 26: Sprintparcours mit Richtungsänderung (Schreiner, 2003, 75)

Abbildung 27: Zahlen-Reaktions-Lauf (Schreiner, 2003, 80)

Abbildung 28: Sprung und Technikaufgabe (Schreiner, 2003, 89)

Abbildung 29: Gruppentraining im Endlosparcours (Schreiner, 2003, 93)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Auszug aus DSB-Mitgliederstatistik 2000 (Schmidt, 2002, 2)

Tabelle 2: Altersklasseneinteilung des DFB

Tabelle 3: Auszug aus Lehrplan Rheinland Pfalz Sport(Lehrplan Sport Rheinland Pfalz 2003, 40)

Tabelle 4: Motorische Beanspruchungsformen Vergleich Kind-Erwachsener (de Marées, 2002, 496)

Tabelle 5: Entwicklungsphasen bei Heranwachsenden. (de Marées, 2002, 489)

Tabelle 6: Übungen im Reißverschluss

Abkürzungsverzeichnis

Hier insbesondere technische Abkürzungen aufführen. Auf alltägliche Abkürzungen wie zum Beispiel z. B., etc. kann verzichtet werden.

1 Vorwort

Im Rahmen meiner sportlichen Tätigkeit in einigen Fußballvereinen durchlief ich selbst alle Jugendklassen des Vereinsfußballs in Rheinland-Pfalz. In meiner aktiven Zeit betreute ich einige Jugendmannschaften selbst, was mein Interesse an der Gestaltung und Durchführung eines effektiven und systematischen Jugendtrainings weckte.

Durch einige Praktika an Schulen kam ich auch mit dem Schulsport, insbesondere mit dem Fußball an den Schulen in Kontakt.

Da meine Praktika und meine Trainertätigkeit mir Einblick in die momentane Lage im Fußball, bezüglich Nachwuchstraining und Trainingsschwerpunkte, auch bezüglich des Fußballs an Schulen, gaben, habe ich mich entschlossen, meine Diplomarbeit zum Thema Schul- und Jugendfußball zu schreiben.

Die vorliegende Arbeit beginnt mit einer Bestandsaufnahme der aktuellen Situation im Juniorenfußball, ehe die näheren Besonderheiten im Schulfußball durchleuchtet werden. Darauf folgt ein Überblick über die biologische Entwicklung im Kindes- und Schulalter. Anschließend werden die motorischen Grundeigenschaften eingeteilt, so wie mit ihren Ausprägungen allgemein, sowie fußballspezifisch näher erläutert.

Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die koordinativen Fähigkeiten und deren Trainierbarkeit gelegt. Bevor als Abschluss einige Empfehlungen und Aussichten gegeben werden, wird die Didaktik – Methodik in Schule und Verein näher betrachtet.

2 Jugendfußball/Juniorenfußball

Fußball ist eine Mannschaftssportart, die ihre Wurzeln in England hat. In Deutschland liegen die Anfänge des Fußballspiels im Jahre 1874, ein Gymnasiallehrer gründete den ersten Schüler-Fußballverein damals schon auf Drängen der Jugendlichen hin, die dieses Spiel unbedingt ausprobieren wollten (vgl. Bisanz/Gerisch 2001, S. 15).

Seit dieser Zeit breitete sich das Fußballspiel rasant aus und wurde schnell zu einem der beliebtesten Spiele im europäischen Raum. Es bietet seinen Spielern eine einfache Art des Leistungsvergleichs und auch Anfänger können diesen Sport in seinen Grundzügen schnell erfassen. Im Fußball finden jüngere als auch ältere Menschen aller sozialen Schichten ein Spiel, welches ihnen eine Menge Spielfreude beschert und welches den Bewegungsdrang in ihnen weckt.

2.1 Eigenschaften

Gerade im Jugendfußball zeigen sich die Grundeigenschaften des Spieles Fußball sehr schön. Das Fußballspiel ist nicht nur für die körperliche Ertüchtigung angedacht, es soll auch Spaß bereiten und den Teilnehmern Erfolgserlebnisse ermöglichen. Gerade durch diese Eigenschaften eröffnet der Fußball dem Trainer/Lehrer natürlich sehr vielseitige pädagogische Möglichkeiten der Umsetzung verschiedenster Zielsetzungen und Anwendungen. Neben diesen Eigenschaften des Sportspiels Fußball ist der Fußball natürlich auch als Wettkampfsport sehr weit verbreitet. Gerade im Jugendbereich ist der Wettkampfsport, der Professionalisierung mit sich bringt, aber auch als Zielsetzung hat, auf dem Vormarsch.

Brüggemann, Albrecht (1986, S. 9) geben 4 typisierende Merkmale des Fußballs an, die die Einzigartigkeit dieser Sportart und somit auch den Erfolg ausmachen. Bei diesen Merkmalen handelt es sich um den Zweikampf, den Reiz der Ungewissheit, den Charakter den Mannschaftsspiels, sowie den sozialen Aspekt. Diese übergreifenden Merkmale verdeutlichen die Grundidee des Fußballs.

So ist es der Zweikampf, in dem sich die Spieler im Kampf um den Ball messen. Dieser Zweikampf ist im Fußball aber sehr umfangreich ausgeprägt und enthält einerseits Abwehr- und andererseits Angriffverhalten mit zahlreichen Ausprägungen. Während bei anderen Sportarten oft die technische oder die kämpferische Komponente überwiegt, so weiß man im Fußball nie , ob der Techniker oder der kämpferisch Stärkere den Zweikampf für sich entscheidet. Ebenso sind konstitutionelle Merkmale oftmals von untergeordneter Bedeutung, wenn zum Beispiel der kleinere Spieler den stämmigen, großen Spieler durch seine hervorragende Technik umspielt. Durch diese Vielseitigkeit des Zweikampfes, der in seinem Ausgang selten vorausgesagt werden kann, bleibt die Spannung im Spiel immer erhalten.

Diese Vielseitigkeit ist beinhaltet einen Reiz der Ungewissheit. Ebenso wie der Zweikampf, so bleibt auch der Ausgang des gesamten Spieles ungewiss, da vielfältige Faktoren über Sieg und Niederlage entscheiden. Auch Bisanz/Gerisch (2001, S. 13) beschreiben, dass sich das Fußballspiel von der untersten Handlungsebene einfacher Spielaktionen bis hinauf zu taktisch durchdachten und vorausgeplanten Spielzügen immer in dem Spannungsverhältnis zwischen Voraussagbarem und Unvorhersehbarem, zwischen Planung und Improvisation, bewegt.

Neben dem Zweikampf bleibt Fußball natürlich ein Mannschaftsspiel, in dem auch mehrere Gegenspieler mit Hilfe der Mitspieler überwunden werden können. Brüggemann/Albrecht (1986, S. 10) benennen diesen Punkt mit Fußball – ein Mannschaftsspiel. Der Erfolg hängt vom Zusammenwirken der ganzen Mannschaft im Angriffs- und Abwehrverhalten ab, so sind auch technisch schwächere Mannschaften durch ihren Teamgeist oftmals in der Lage, gegen stärkere Mannschaften zu bestehen.

Das vierte Merkmal ist der soziale Aspekt. Gerade heranwachsende Jugendliche finden in dieser Sportarten sehr gute Möglichkeiten, ihre Persönlichkeit herauszubilden, sich unterzuordnen, aber auch Selbstbewusstsein zu entwickeln. So ist es möglich, im Fußball Verhaltensweisen für das tägliche leben zu erlernen und auszuprobieren.

Bisanz/Gerisch (2001, S. 13) erklären die Beliebtheit des Fußballs unter anderem auch dadurch, dass die Spieler bereits im frühen Ausbildungsstadium das komplexe Spielgeschehen in seinen Grundzügen erfassen können. Durch diese Tatsache wird es vielen Jugendlichen bereits im frühen Alter möglich, das Spiel Fußball zu betreiben, was teilweise die Beliebtheit des Spieles erklärt .

2.2 Aktuelle Situation

Die allgemeine Meinung über die Situation im Nachwuchsbereich des Fußballs ist nicht gerade die beste. Häufig wird gerade bei Niederlagen der Nationalmannschaft oder bei schlechtem Abschneiden bei großen Turnieren von einem Mangel an Talenten und generell an Nachwuchs im deutschen Fußball gesprochen.

Das dies jedoch allgemein nicht der Fall ist, zeigt sich bei genauerem Betrachten und Auswerten der Statistiken.

Einen aktuellen Anhaltspunkt gibt ein Auszug aus der DSB Mitgliederstatistik von 2000.

Tabelle 1: Auszug aus DSB-Mitgliederstatistik 2000 (Schmidt, 2002, 2)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei den Jungen ist Fußball eindeutig die beliebteste Vereinssportart. Bei den Mädchen ist der DSB Statistik zu Folge Fußball noch nicht die beliebteste Vereinssportart, allerdings nimmt Fußball bereits den 2.Rang ein. Dem zu Folge sind auch, zumindest was laut DSB-Mitgliederstatistik den organisierten Sport betrifft, Aussagen, Fußball sei von anderen Trendsportarten verdrängt worden, nicht zutreffend.

Einen Trend zum früheren Eintritt in den Verein sieht Schmidt (2002, S. 1). Wo früher in den ersten Jahren vornehmlich auf der Strasse Fußball gespielt wurde, so muss dies nun unter anderem durch ein stark angewachsenes Verkehrsaufkommen im Verein erfolgen. Diese Tatsache wird durch folgende Aussage deutlich: „Kinder werden trainiert, bevor sie spielen können.“ (Schmidt, 2002, S. 2). Dadurch fehlt den Kindern heute die Vorerfahrung im freien Spiel- und Bewegungsleben, Eigenerfahrungen ohne Erwachseneneinwirkung, die die Kinder in den 60er Jahren noch sammeln konnten, bevor sie in den Verein eingetreten sind. 1960 erfolgte der Vereinseintritt im Durchschnitt im Alter von 10, heute oft bereits im Alter von vier bis fünf Jahren. Auf diesen immer früher werdenden Eintritt der Fußballer in den Verein müssen die Trainer/Lehrer flexibel reagieren und entsprechend die Trainingsschwerpunkte anpassen.

2.3 Verbreitung

Die Verbreitung des Fußballs ist nach wie vor hoch wie in kaum einer anderen Sportart. Gerade unter Jugendlichen ist der Fußball sehr beliebt. Kurz (2002, S. 2) stellt hierzu fest, dass es in Deutschland kaum einen Jugendlichen gibt, der nicht einmal Fußball gespielt hat, was er durch folgende Aussage untermauert: „So betrachtet ist Fußball in Deutschland zweifellos mit Abstand die populärste Sportart unter Kindern und Jugendlichen – und das ist schon seit vielen Jahren so und wird sich voraussichtlich auch nicht bald ändern.“ (Kurz, 2002, S. 2). Diese Aussagen gelten jedoch nur für die Jungen. Der Mädchenfußball sei zwar laut DSB Mitgliederstatistik auf dem Vormarsch, allerdings sei der Mädchenfußball immer noch eine kleine Sportart. Fußball bei den Mädchen taucht im selbst organisierten Sport nirgends in der Spitzengruppe, in der Radfahren, Tanzen, Schwimmen, Inlineskaten und Joggen sind, auf.

Der Verein ist ein wichtiger Garant für den Erfolg und die Verbreitung des Fußballs. Von allen Jungen, die 1995 in Deutschland zur Schule gingen, war jeder sechste im engen Sinn Vereinsfußballer. Unter engem Sinn ist regelmäßiges Fußballspielen mindestens einmal wöchentlich über mindestens ein Jahr zu verstehen. Im weiteren Sinn, Jungen, die Fußball als Nebensportart betreiben und in einem anderen organisierten Rahmen, wie zum Beispiel in einer Ag oder selbst organisiert auf einem Bolzplatz, verdoppelt sich diese Zahl sogar und somit war 1995 jeder dritte Junge im Schulalter ein Fußballer. Aber auch diese Zahlen treffen wieder nur für die Jungen zu.

Bei den Mädchen waren nur etwa fünf Prozent der jungen weiblichen Vereinsmitglieder Fußballerinnen.

2.4 Entwicklungen/Trends

Was bei diesen Befragungen ins Auge fällt ist die offensichtlich geringe Beteiligung der Mädchen am Fußball. Jedoch gibt es noch einen anderen Missstand, der behoben werden muss.

Anhand des Vergleichs Brandenburg – Nordrhein-Westfalen wird deutlich, dass offensichtlich die Quote der Fußballerinnen im Osten Deutschlands nur halb so hoch wie in den westlichen Bundesländern ist. Nicht zuletzt deswegen, auch im Hinblick auf die WM 2006 in Deutschland, ist es lohnenswert, ja sogar zwingend notwendig, mehr Bolzplätze zu errichten, so dass jedem Jugendlichen eine solche Fläche zum Fußballspielen frei zugänglich ist.

Doch auch den Vereinen fällt die Bindung der Jugendlichen immer schwerer. Viele Jugendlichen sehen den Fußball nur als Einstiegssport, probieren später andere Sportarten aus und kehren somit dem Fußball den Rücken. Dies zeigt auch ein Blick auf die Mitgliederentwicklung im DFB. Während die Mitgliederzahl bei den unter 14 Jährigen stetig stark steigt, ist bei den älteren Jahrgängen über 14 lediglich ein sehr geringer Anstieg zu verzeichnen. 95 Prozent des Gesamtanstiegs betrifft den Altersbereich unter 14 Jahren. So kommt es, dass trotz konstant steigender Mitgliederzahlen bei den unter 14 Jährigen nicht genügend Spieler in den aktiven Bereich der Erwachsenen überwechseln. Aber auch bei den unter 14 Jährigen sind Rückgänge zu beobachten. Einerseits verlassen viele Jugendliche den Fußballverein an der typischen Dropout-Schwelle von Sportlern aller Disziplinen zwischen 11 und 13 Jahren, aber auch beim Übergang von der E-Jugend in die D-Jugend verlassen viele den Verein.

Gerade deswegen ist eine Kooperation von Schule, Vereinen und Verbänden in der Zukunft sehr wichtig. Durch diese Kooperation können alle Beteiligten profitieren. Gerade durch diese geforderte und oft auch schon durchgeführte Kooperation können auch in der Schule sehr gut neue Talente entdeckt werden, die dann im Verein gefördert und an den Fußball gebunden werden können.

2.5 Die Altersklasseneinteilung des DFB

Die Jugendlichen, die in Deutschland im Verein Fußball spielen werden vom DFB in einheitliche Altersklassen unterteilt, die Spiele gegeneinander austragen und in einer Meisterschaftsrunde regional gegeneinander antreten. Die Struktur dieser Einteilung gestaltet sich wie folgt:

Tabelle 2: Altersklasseneinteilung des DFB

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bis in die Altersklasse der D-Junioren wird auf Kleinfeld gespielt. 7er Teams treten gegeneinander an. Teilweise wird in bei den D-Junioren aber auch schon in 11er Teams auf das Großfeld gespielt, was von Verband zu Verband regional unterschiedlich gehandhabt wird.

In jeder Altersklasse gibt es Kreis- und Verbandsauswahlen, in denen die besten Spieler einer Altersklasse regional zusammengefasst werden und an Turnieren teilnehmen.

Jugendnationalteams gibt es beim DFB folgende:

- U15 Juniorinnen

- U15 Junioren
- U16 Junioren
- U17 Juniorinnen
- U17 Junioren
- U18 Junioren

3 Schulfußball

3.1 Richtlinien

Die Richtlinien im Schulsport werden durch die Kultusminister der Bundesländer festgelegt. Vergleicht man nun diese Richtlinien länderübergreifend, so stellt man fest, dass diese sich bezüglich Schulsport und vor allem auch Sportspiele weitestgehend ähneln. Auf diese Lehrpläne wird im Punkt 3.3. weiter unten näher eingegangen.

Nach Brüggemann/Albrecht (1986, S. 13) soll der Sportunterricht an der Schule zwei übergeordnete, grundsätzliche Ziele anstreben.

- Die Gesundheit aller Schüler soll durch regelmäßiges Sporttreiben erhalten und gefördert werden.
- Die Freude am Sporttreiben und die Spontaneität bei sportlichen Aktivitäten soll geweckt und gesteigert werden.

Der Schüler soll lernen, den Wert und die Bedeutung sportlicher Aktivitäten für seine Gesundheit zu erkennen und einen Motivationsschub für spätere, auch nachschulische sportliche Tätigkeiten erhalten. Dabei ist wichtig, dass die Schüler möglichst zu lebenslangem Sporttreiben motiviert und angeregt werden sollen. Es sollen, vor allem in der Primarstufe vielfältige Bewegungserfahrungen gesammelt werden. Demnach ist es wichtig, Einseitigkeit durch zu frühe Spezialisierung zu vermeiden. Ein Wechsel zwischen den verschiedenen Sportarten ist anzustreben, um Grundlagen zu schaffen, die für die spätere, sportartspezifische Ausbildung unabdingbar sind. Der sportartspezifische Unterricht sollte erst ab der Sekundarstufe 1 erfolgen und durchgeführt werden. Zuvor sollte Fußball nur im Wechsel mit anderen Sportarten eingesetzt werden, jedoch nur, ohne gezielte Schulung fußballspezifischer Schwerpunkte.

Gerade dem Fußball als am weitest verbreitete Mannschaftssportart werden dabei 2 wichtige Lerninhalte zugesprochen und abverlangt:

- Das Suchen und Finden eigener Situationslösungen
- Die Möglichkeit zu kreativem Handeln

3.2 Besondere Bedingungen

Nach Brüggemann/Albrecht (1986, S. 17) ist der Schulsportunterricht auf eine möglichst vielseitige Grundausbildung ausgerichtet. Es sollen zahlreiche und verschiedenartige Sportdisziplinen aufgegriffen werden. Dadurch entsteht ein stetiger Wechsel zwischen unterschiedlichen motorischen Bewegungsabläufen und sportlichen Handlungen. Dieser Wechsel ist es , der den Lernfortschritt innerhalb des Fußballs, allerdings auch genauso bei anderen Sportarten, zeitlich stark verzögert. Dem kann jedoch durch eine Ausführung in einer Art Blockunterricht in einer Sportart entgegengewirkt werden.

Die abwechslungsreiche körperliche Ausbildung lässt keine frühzeitige Konzentration auf das Erlernen sportartspezifischer Techniken zu. Allerdings kann im Sportunterricht verstärkt auf motorische Bewegungsabläufe eingegangen werden, die in mehreren Disziplinen ähnlich oder identisch sind. Als Beispiel hierfür kann man die leichtathletische Laufschule und die Bedeutung für das Fußballspiel nennen.

3.2.1 Vergleich Verein – Schule

In der Schule findet der Lehrer/Übungsleiter einige Bedingungen vor, die im Verein so nicht berücksichtigt werden müssen.

Eine erste Bedingung ist das stärkere Leistungsgefälle, das innerhalb einer Schulklasse herrscht. In einer Schulklasse treffen Schülerinnen und Schüler lediglich aufgrund von altersbezogenen Kriterien zusammen. Es handelt sich in der Schule um ein sehr großes Leistungsgefälle, welches bewegungsgeschickte und spielbegabte, allerdings auch weniger talentierte und vor allem auch weniger interessierte Schüler beinhaltet.

Während im Vereinsfußball meistens das Interesse am Sport da ist, müssen im Schulfußball die weniger interessierten Schüler erst für das Spiel begeistert werden. Dies erfolgt am besten durch das Erleben von Erfolg und Lernfortschritt im Spiel. Um dies zu erreichen muss der Lehrer das Fußballspiel so modifizieren, dass sowohl der talentierte, als auch der wenig interessierte Schüler ihre Erfolgserlebnisse haben und spüren. Eine weitere Förderung sehr talentierter Schüler kann in der Schule durch Leistungskurse, als auch durch die Bildung von Schülermannschaften erfolgen.

Eine weitere Bedingung, die den Schulfußball prägt und von dem Vereinsfußball unterscheidet ist die Gruppengröße. Wegen den immer größer werdenden Klassen ist eine Gruppengröße von ca. 30 Kindern heute nicht mehr die Ausnahme, sondern schon eher die Regel. Diese großen Gruppen stellen ein allgemeines Problem in der heutigen Schulpraxis dar. Solche Gruppengrößen behindern leider immer öfter die gezielte Förderung einzelner Kinder im Unterricht, allerdings auch im Schulfußball und in anderen Sportarten.

Daneben ist die begrenzte Zeit ein weiterer Faktor, der den Schulfußball prägt. Es werden immer mehr Schulsportstunden gekürzt oder müssen ausfallen. Selbst wenn die Sportstunde, die normalerweise 45 Minuten dauert, stattfindet, so stehen dem Lehrer nach Abzug der Umkleidezeit oftmals lediglich 30 Minuten effektiv zur Verfügung.

Eine weitere Bedingung ist der oft knappe Raum an den Schulen, wo sich häufig viele Klassen eine kleine Halle teilen müssen, häufig auch keine Sportplätze im Freien zur Verfügung stehen.

Im Verein haben die Trainer weit bessere Zeit- und Raumverhältnisse und können so effektiver mit den Jugendlichen trainieren.

3.3 Lehrpläne

Gerade in der Grundschule wird der Sportunterricht häufig von Lehrern geleitet, die keine Ausbildung im Fach Sport besitzen. Die Lehrpläne variieren von Bundesland zu Bundesland. Im Allgemeinen sind sie sich allerdings sehr ähnlich.

An den Beispielen der Lehrplänen für die Grundschule in Baden Württemberg und für die Sekundarstufe in Rheinland-Pfalz soll nun gezeigt werden, in welcher Form der Fußball in den Schullehrplänen berücksichtigt wird.

In Klasse 1 und 2 sollen nach Lehrplan in Baden-Württemberg zunächst Spielformen mit Ball zur Verbesserung der Grundfertigkeiten ausgeführt werden. Dabei sollen die Bälle unterschiedliche Größe und Beschaffenheit haben. Die Grundfertigkeit des Schiessens soll in Form des Wandkicks und des Wandspiels ausgebildet werden. Mehr Angaben werden nicht gemacht. In diesen Klassenstufen werden hauptsächlich die Grundfertigkeiten ausgewiesen, die sportartübergreifend vermittelt werden sollen.

In den Klassen 3 und 4 wird schon näher auf den Fußball eingegangen. In der Rubrik Spielen gibt es einen Unterpunkt Spiele mit dem Fuß. Diese sollen in Form von Jägerfußball, Tigerfußball, Seitenfußball, Spiele auf ein Tor mit Überzahl, Spiele auf zwei oder mehr Tore, Vierfelderfußball und Spiele mit kleinen Mannschaften realisiert werden. Anders sieht es in den Lehrplänen der höheren Altersstufen aus. Hier taucht der Fußball verstärkt auf. Es soll auch neben allgemeinen motorischen Grundlagen, die für alle Spiele gelten, Fußball sportartspezifisch durchgeführt werden.

Tabelle 3: Auszug aus Lehrplan Rheinland Pfalz Sport(Lehrplan Sport Rheinland Pfalz 2003, 40)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hier werden neben dem Regelwerk auch technische und taktische Fähigkeiten aufgeführt, die fußballspezifisch sind.

4 Biologische Entwicklung im Kindes- und Jugendalter

Schon 1937 war es Claparède, der folgende Aussage traf: „ Das Kind ist kein Miniaturerwachsener, und seine Mentalität ist nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ von der des Erwachsenen verschieden, so dass ein Kind nicht nur kleiner, sondern auch anders ist.“

Bereits in dieser Aussage sind wichtige Aspekte, die im Umgang mit Kindern und Jugendlichen unbedingt berücksichtigt werden müssen, enthalten. Leider wurden und werden in der Vergangenheit und heute immer wieder grundlegende Fehler beim Umgang und Training der Kinder und Jugendlichen gemacht.

Ein wichtiger Aspekt ist die Tatsache, dass ein Kind nicht als „kleiner Erwachsener“ angesehen werden darf. Kinder und Jugendliche befinden sich im Gegensatz zum Erwachsenen noch im Wachstum. Dadurch machen sie eine Vielzahl von Veränderungen und Entwicklungen im physischen, psychischen sowie psychosozialen Bereich durch. Gerade deswegen darf ein Kinder- und Jugendtraining nicht als reduziertes Erwachsenentraining durchgeführt werden.

Nach de Marées (2002, S. 496) zeigen die wesentlichen leistungsbestimmenden Größen der motorischen Beanspruchungsformen folgende Ausprägungen beim Kind im Vergleich zum Erwachsenen auf:

Tabelle 4: Motorische Beanspruchungsformen Vergleich Kind-Erwachsener (de Marées, 2002, 496)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kinder und Jugendliche benötigen für eine harmonische psychophysische Gesamtentwicklung ein ausreichendes Maß an Bewegung. Dieses Bedürfnis steuern die Kinder selbst durch ihren Bewegungsdrang.

Diese größere Bewegungsaktivität bei Kindern gegenüber Erwachsenen wird durch die Dominanz zerebraler Antriebe und durch die Tatsache, dass Kinder Anstrengung subjektiv geringer wahrnehmen als Erwachsene erklärt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Altersabhängigkeit in der subjektiven Belastungsempfindung, bezogen auf die maximale Herzfrequenz. (Weineck, 2004, 100)

Training im Kindes- und Jugendalter soll durchgeführt werden, man muss jedoch darauf achten, dass dieses alters- und entwicklungsgerecht ist. Die Bewegung, die eine Entwicklungsnotwendigkeit darstellt, wird leider häufig durch die Schule und den dort herrschenden Sitzzwang, durch die Erziehung und nicht zuletzt auch durch die immer stärkere Verbreitung von Computern und Videospielen im Kindesalter stark eingeschränkt.

Gerade die Computer und Videospiele ziehen die Kinder und Jugendlichen immer früher in ihren Bann, was häufig zu Bewegungsmangel, Haltungsschäden und Problemen im sozialen Verhalten führt.

Auch diese Aspekte müssen vom Trainer und Betreuer im Trainingsaufbau berücksichtigt werden, da die Kinder und Jugendlichen häufig nach stundenlangem Sitzen in die Sportstunde oder das Vereinstraining kommen und sich erst austoben müssen.

4.1 Wachstumsbedingte Besonderheiten

Die Entwicklung im Kindes- und Jugendalter weist zahlreiche Besonderheiten auf, deren Kenntnis für die Trainingsgestaltung und den Umgang mit Kindern und Jugendlichen sehr wichtig ist.

Neben einer Zunahme der Körperlänge erfolgt nach de Marées (2002, S. 488) auch eine gleichzeitige Differenzierung und Reifung der Organgewebe.

4.1.1 Körperproportionen

Bei den Körperproportionen fällt vor allem die Wachstumsgeschwindigkeit auf, deren Veränderung de Marées folgendermaßen beschreibt: „Die Wachstumsgeschwindigkeit des Kindes ist im ersten Lebensjahr mit einer Längenzunahme von knapp 50% am größten und fällt bereits in der Vorschulzeit – unabhängig vom Geschlecht – steil auf einen jetzt konstant bleibenden Wert von etwa 5 cm pro Jahr ab.“ (de Marées, 2002, S. 488).

Die einzelnen Körpersegmente weisen dabei allerdings in den verschiedenen Altersstufen ein unterschiedlich starkes Wachstum auf. Besonders auffällig dabei ist das unterschiedliche Wachstum von Kopf und dem restlichen Körper.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung2: Veränderung der Proportionen während des Wachstums.(Martin, 1988, 28)

4.1.2 Gehirn und Nerven

Gerade das Gehirn entwickelt sich im Kindesalter sehr schnell. Bereits mit 6 Jahren hat es 90 – 95 Prozent der Größe des Erwachsenen, während das allgemeine Körperwachstum noch nicht einmal die Hälfte des Wertes eines Erwachsenen erreicht hat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung3:Schnitt durch eine Partie des menschlichen Großhirns, (1) zum Zeitpunkt der Geburt, (2) im Alter von 3 Monaten, (3) im Alter von 15 Monaten und (4) im Alter von 3 Jahren. (Martin, 1988, 79)

Die Nervenzellen des Zentralnervensystems erfahren bereits im Laufe der ersten Lebensjahre eine zunehmende Vernetzung, die für das spätere Funktionspotential von großer Bedeutung ist. Diese Faserausprossung ist bis etwa zum dritten Lebensjahr sehr intensiv und kann durch entsprechende Übungen intensiviert werden. Gerade deshalb sind für das Kleinkind genügend Reize zum Ausbau dieser Vernetzungen sehr wichtig.

Durch diese Tatsachen folgert Weineck: „Aufgrund der schnellen Gehirnentwicklung und der damit verbundenen hohen Leistungsfähigkeit im Bereich der koordinativen Fähigkeiten – dem „sportlichen Äquivalent“ des bereits ausgezeichnet funktionierenden Zentralnervensystems – steht im Kindertraining vor allem die optimale Ausbildung vielfältiger sportmotorischer Fertigkeiten und Techniken sowie die Erweiterung des Bewegungsschatzes bzw. der Bewegungserfahrung im Vordergrund.“ (Weineck, 2004, S. 103)

Damit wird die besonders vorteilhafte Situation im Hinblick auf das Training der koordinativen Fähigkeiten im Kinder- und Jugendbereich unterstrichen. Die konditionellen Fähigkeiten sollen hingegen nur in dem Maße trainiert werden, wie es die umfassende koordinative Ausbildung erforderlich macht, also nicht maximal, sondern optimal.

4.1.3 Stoffwechsel

Der Baustoffwechsel ist beim wachsenden Kind von zentraler Bedeutung. Der Grundumsatz ist um ca. 20-30 % im Vergleich zum Erwachsenen erhöht. Ein wachsendes Kind hat einen erhöhten Bedarf an Vitaminen, Mineralstoffen und Nährstoffen.

Durch hochintensives und umfangreiches Training im Kindesalter kann es zu einem Dominieren des Betriebsstoffwechsels zu Lasten des Baustoffwechsels kommen, was die Wachstumsvorgänge des kindlichen Organismus beeinträchtigen kann. Deswegen sind ausreichende Erholungs- und Wiederherstellungszeiträume während und nach dem Training bei Kindern und Jugendlichen enorm wichtig.

4.1.4 Aktiver Bewegungsapparat

Hier muss man erst ab der Pubertät die Jungen und Mädchen unterscheiden. Zuvor haben beide annähernd gleiche Muskelkraft bzw. einen nahezu identischen Testosteronspiegel, der eng mit der Muskelkraft korreliert. Kurz vor der Pubertät allerdings steigt nach de Marées (2002, S. 491) die Testosteronproduktion beim Jungen etwa um das 10fache an. Dieser Anstieg ist für die Zunahme der Muskelkraft beim Jungen verantwortlich. Bei den Mädchen ist dieser Anstieg bedeutend geringer, was zu einem Geschlechtsdimorphismus, einer Divergenz der physischen Leistungsfaktoren bei Jungen und Mädchen führt.

Die Muskelmasse beim Jungen nimmt von 25 Prozent beim Neugeborenen über 30 Prozent beim 12 Jährigen bis zu 40-45 Prozent beim 18 Jährigen zu. Weiterhin kommt es zu einer Ausdifferenzierung der Muskelfasern, die beim Neugeborenen noch zu 50 Prozent undifferenziert sind. Durch den Testosteronanstieg wird außerdem die anaerobe Arbeitsfähigkeit des Muskels beim Jungen verbessert. Weiterhin ist bei Kindern gegenüber Erwachsenen die Zahl der Mitochondrien erhöht.

4.1.5 Passiver Bewegungsapparat

Gerade hier ist das Kind bzw. der Jugendliche sehr empfindlich. Durch unphysiologische Trainingsreize drohen Belastungsschäden, da das Gewebe bei hoher Wachstumsgeschwindigkeit, was beim Kind im Vergleich zum Erwachsenen der Fall ist ist, besonders empfindlich ist.

„Die individuelle Belastbarkeit des Knochen-, Knorpel-, Sehnen- und Bänderapparates stellt für die Trainingsgestaltung vor allem im Kindes- und Jugendalter die limitierende Leistungsgröße dar, da die im Wachstum befindlichen Strukturen des passiven Bewegungsapparates noch nicht die Belastungsresistenz des Erwachsenen aufweisen.“ (Weineck, 2004, S. 107)

So ist es gerade im Kinder- und Jugendtraining wichtig, einseitige, maximale, oder unvorbereitete Belastungen wegen der Gefahr der unmittelbar oder langfristigen Zerstörung des passiven Gewebes zu vermeiden. Die Anpassung des passiven Bewegungsapparates im Kindes- und Jugendalter erfolgt sehr langsam, meist erst innerhalb von Wochen oder Monaten.

Auch durch eine längere Wiederherstellungszeit am passiven Bewegungsapparat besteht hier eine Gefahr einer Schädigung vermehrt.

4.1.6 Kalendarisches und biologisches Alter

Nach de Marées (2002, S. 501) lassen sich innerhalb einer Gruppe kalendarisch gleich alter Kinder, z.B. einer Schulklasse, oft erhebliche Unterschiede in der Körpermasse und in der Körperlänge feststellen.

Dies ist bedingt dadurch, dass Kinder und Jugendliche nicht kontinuierlich, sondern in Schüben wachsen. Die Wachstumsgeschwindigkeit nimmt von der Geburt bis zum Erwachsenenalter kontinuierlich ab, eine Ausnahme bildet jedoch eine Wachstumsbeschleunigung in der Pubertätszeit. Dieser Eintritt in den pubertären Wachstumsschub erfolgt allerdings individuell zeitlich, so wie in seiner Ausprägung sehr unterschiedlich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Körperlänge mit jährlichem Zuwachs. (de Marées, 2002, 488)

Eine Reihe von Kindern sind demzufolge biologisch reifer, d.h. biologisch älter, bei gleichem kalendarischen Alter. Man spricht in diesem Fall von Akzeleration. Sind die Kinder biologisch jünger, als es ihr kalendarisches Alter erwarten lässt, spricht man von Retardierung.

Dabei zeigt sich bei einem Vergleich zwischen Akzelerierten und Retardierten folgendes: „Die Akzelerierten wiesen die größere Körperlänge und die größere Körpermasse sowie im Durchschnitt ein größeres Herzvolumen, eine größere maximale Sauerstoffaufnahme und eine größere Muskelkraft als die Retardierten auf.“ (de Marées, 2002, S. 501)

Diese Einteilung ist beim Training oder Unterricht mit Gleichaltrigen sehr wichtig. Es gilt entsprechend die Reize individuell anzupassen, um keine Unter- bzw. Überforderung zu erreichen.

Diesem Aspekt kommt außerdem bei der Talentsuche eine wichtige Rolle zu, dort gilt es genau abzuwägen, wie weit die Entwicklung eines Talentes schon fortgeschritten ist.

4.2 Entwicklungsphasen

Um die Veränderungen, die Kinder und Jugendliche in ihrem Wachstum durchmachen, besser zu veranschaulichen, teilt man die Entwicklung in verschiedene Entwicklungsphasen ein. Diese Einteilungsschemata variieren von Autor zu Autor. Diese Unterschiede sind allerdings nur geringfügig.

Ein weit verbreitetes und allgemein anerkanntes Einteilungsschema stammt von de Marées (2002, S. 489).

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Details

Seiten
102
Erscheinungsform
Originalausgabe
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783836632218
Dateigröße
2.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v227001
Institution / Hochschule
Universität des Saarlandes – Sportwissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
motorik ausdauertraining beweglichkeit schnelligkeit koordinationstraining

Autor

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Titel: Der Stellenwert der motorischen Grundeigenschaften im Schul- und Jugendfußball unter besonderer Berücksichtigung der Schulung von koordinativen Fähigkeiten und deren didaktischen methodischen Transfermöglichkeiten